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Autor Thema: Edhellond und Umgebung  (Gelesen 7349 mal)

Eandril

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Nächtlicher Überfall
« Antwort #15 am: 7. Jan 2012, 20:27 »
Plötzlich hatte Oronêl das Gefühl, das er beobachtet wurde. Er riss sich von seinen Erinnerungen los und sah blickte sich verstohlen um.
Nichts zu sehen...
Dann knackte ein Zweig, Oronêl fuhr herum, und vor ihm stand Antien, der kurz zurückwich und dann meinte: "Du bist aber schreckhaft, mein Freund. Ich wunderte mich nur wo du steckst, denn keiner hat dich fortgehen sehen." Er sah ihn neugierig an. "Was hast du hier eigentlich gemacht?"
Oronêl seufzte und ließ sich zurück an den Baumstamm sinken. "Ach, ich habe mich nur erinnert... an glücklichere Zeiten." Antien nickte und sagte: "Ja, Erinnerungen können die Seele und das Herz wärmen. Aber pass auf, dass du dich nicht in ihnen verlierst, denn dann lebst du nicht mehr in dieser Welt. Und eben..."
Weiter kam er nicht, denn ein Schrei gellte durch die Nacht und brach dann abrupt ab. Oronêl und Antien wechselten nur einen kurzen Blick und liefen sofort los. Noch im Laufen tastete Oronêl nach Hatholdôr, doch seine Finger griffen ins Leere.
Verdammt, ich habe sie an meinem Sattel hängen lassen...
Dann musste er sich eben mit seinem Dolch behelfen. Schon hatten sie das Gebüsch erreicht, hinter dem sich das Lager, aus dem er jetzt Kampfgeräusche hörte, und er zog seinen Dolch. Gerade als er ins freie springen wollte, packte Antien ihn an der Schulter und hielt ihn zurück. "Halt, Oronêl. Ich bin zwar im Kampf nicht zu viel nütze, aber ich weiß, dass es Wahnsinn ist, nur mit einem Dolch bewaffnet da mitzumischen. Wo hast du deine Axt?" "Sie hängt an meinem Sattel, zusammen mit meinem Bogen, aber da komme ich jetzt nicht hin, also wieso..."
Antien unterbrach ihn. "Warte hier!", sagte er, und verschwand zwischen den Bäumen, doch bevor Oronêl richtig begriffen hatte, was Antien vorhatte, war er schon wieder da und hielt ihm seine Waffen hin. "Aber wie...", setzte Oronêl an, doch Antien unterbrach ihn abermals: "Ich habe dir deine Waffen besorgt, nun sie, was du damit anfangen kannst!" Oronêl warf ihm noch einen kurzen Blick zu, dann packte er Hatholdôr und sprang ins Freie.

Das Lager war im Chaos versunken. Das Feuer war nahezu erloschen, und der letzte ersterbende Schein zeigte schattenhafte Gestalten, die miteinander rangen oder mit Schwertern kämpften. Direkt vor Oronêls Augen rang einer der Angreifer einen ihrer Soldaten nieder und wollte ihm mit seinem Dolch die Kehle durch schneiden, als Oronêls Axt auf seinen Nacken niederfuhr. Der Angreifer sackte zusammen und der Dolch fiel ihm aus der erschlaffte Hand. Oronêl sprang über seinen Körper hinweg und versuchte seine Freunde auszumachen.
Plötzlich stand eine weitere Gestalt vor ihm, die ihm entfernt bekannt vorkam, und hob das Schwert zu Angriff. Er konnte grade noch rechtzeitig die Axt hochreißen, um dem mörderischen Hieb zu begegnen, doch er war mit einer solchen Wucht geführt, dass die Schwertklinge tief in den hölzernen Axtstiel drang. Die Gestalt lachte heiser auf und mit einem Ruck seines Schwertes riss sein Feind Oronêl die Axt aus der Hand. Sein Gegner hob das Schwert, vermutlich um ihm den Kopf zu spalten, doch bevor es dazu kam, ließ Oronêl sich nach unten und vorne fallen, umfasste die Füße seines Gegner und brachte ihn zu Fall.
Na bitte, ich bin nicht so leicht zu töten, wie du vielleicht dachtest.
Er kam schneller als sein Feind, der durch den plötzlichen Sturz noch benommen war, wieder auf die Beine, ergriff dabei seine Axt und setzt seinem Gegner die Klinge an die Kehle. "Wer bist du?" fragte er. Als die Gestalt nicht antwortete, verstärkte er den Druck seiner Axt und sagte: "Antworte, oder du bist tot!" Doch die Gestalt rührte sich immer noch nicht. Vorsichtig fasste Oronêl an den Hals des Mannes, um den Puls zu fühlen, mit dem Ergebnis, das er keinen Puls fand. Sein Feind war offenbar so unglücklich gestürzt, dass er gestorben war.
Tja, nicht zu ändern...
Oronêl erhob sich und sah sich um. Offenbar hatten seine Freunde gut gekämpft, denn kein lebender Feind war mehr zu sehen. Amrûn schürte erneut das Feuer, sodass die wieder vom Feuerschein erhellt wurde. Im Feuerschein lagen zwölf in braun und schwarz gekleidete Leichen mit verhüllten Gesichtern, und auch zwei in der Uniform Dol Amroths.
Oronêl blickte fragend zu Celebithiel, die mit dem Schwert in der Hand neben Faendir stand, und sie beantwortete seine Frage: "Niemand hat sie kommen oder hören sehen, sie waren einfach plötzlich da. Zum Glück waren wir schnell genug wach, um uns zu verteidigen." "Wer sind diese Kerle?", fragte der Hauptmann ihrer Eskorte.

"Ich weiß es nicht", sagte Oronêl, "Aber wir können ja mal nachschauen." Er ging neben dem von ihm getöteten Angreifer auf die Knie und zog ihm die Binde vom Gesicht. Hinter sich hörte er Amrothos, der ihm über die Schulter gesehen hatte überrascht nach Luft schnappen, als sie in das regungslose Gesicht Hauptmann Mithéldirs blickten. "Verdammt, ich hatte gefürchtet, dass er irgendwie in der Sache mit den Anschlägen drinsteckt.", meinte Oronêl.
"Die anderen sind alles Haradrim.", sagte Amrûn, der offensichtlich die anderen Gefallenen untersucht hatte. "Vielleicht hat er einen Brief oder ähnliches bei sich, was den Grund für diesen Angriff zeigen könnte.", wandte Celebithiel ein. Nach kurzer Suche fand Oronêl tatsächlich ein mehrfach gefaltetes Pergament in einem Beutel in Mithéldirs. "Und? Was steht darin?", fragte Amrothos aufgeregt.
Als Antwort hielt Oronêl ihm nur stumm das Pergament hin, auf dem nur sinnlose Buchstabenreihen standen, und am unteren Rand mehrere ihnen allen unbekannte Wörter. Amrothos betrachtete die Wörter genauer und meinte dann: "Ich glaube, diese Wörter entstammen der Sprache der Haradrim, die ich leider nicht spreche. Aber einer der Berater meines Vaters spricht sie, und könnte vielleicht diesen Brief entschlüsseln."
Er wandte sich zum Hauptmann der Reiter und sagte: "Hauptmann, nehmt diesen Brief und reitet sofort mit euren Männer zurück nach Dol Amroth. Bringt ihn zu meinem Vater und berichtet ihm, was hier geschehen ist." Der Hauptmann verneigte sich, zögerte dann aber und sagte: "Aber Fürst Amrothos, euer Vater hat uns befohlen, euch zu beschützen. Wir können euch nicht einfach verlassen!"
"Bin ich denn allein? Eure Kampfkünste in Ehren, aber schaut euch einmal meine Begleiter an. Glaubt mir, bei ihnen bin ich so gut geschützt, wie es nur möglich ist in diesen Landen." Als der Hauptmann immer noch zögerte, sagte er mit strenger Stimme: "Hauptmann, ich befehle es euch als Prinz von Dol Amroth: Geht und berichtet meinem Vater!" Da endlich nahm der Hauptmann den Brief, steckte ihn ein und rief seine Männer zusammen. Amrothos und die Elben sahen ihnen nach, bis ihre Hufschläge in der Nacht verhallten.
Dann meinte Faendir: "Wir sollte ebenfalls aufbrechen. Es sind einige der Haradrim entkommen, und wir sollte besser verschwunden sein, wenn sie mit Verstärkung zurück kommen." Die anderen waren derselben Meinung, also brachen sie so schnell wie möglich auf.

...Oronêl, Celebithiel, Amrûn, Faendir, Antien und Amrothos zu den Pfaden der Toten
« Letzte Änderung: 15. Jan 2012, 16:59 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

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Auf der Suche nach einem neuen Ziel
« Antwort #16 am: 12. Mär 2020, 13:18 »
Aragorn, Gandalf, Amrothos, Irwyne, Narissa und Aerien von den Pfaden der Toten


Nachdem sie alle wieder aufgesessen waren, hatte Gandalf ein hartes Tempo vorgegeben und sie waren im Galopp durch das Tal geritten, das Amrothos später als Schwarzgrundtal bezeichnete. Dabei waren sie schon nach kurzer Zeit auf eine Straße gestoßen, die quer zu ihrer Reiserichtung nach Osten führte, doch nach einer kurzen Beratung hatten sich Aragorn und Gandalf für einen südlicheren Weg entschieden, entlang des Flusses Morthond, der aus dem Tal heraus dem Meer entgegen strömte. Dieser Weg würde sie vorbei an den besiedelteren Gebiete in Lamedon und Belfalas bringen und stattdessen durch recht dünn bewohntes Land an der Grenze zu Anfalas führen, bis sie das Lehen von Edhellond und damit das Meeresufer erreichen würden.

Aerien erinnerte sich später nur noch wenig an die beiden Tage, in denen sie dem Morthondfluss folgten. Es wurde nur wenig gesprochen und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Amrothos und Irwyne blieben viel unter sich, während Aerien und Narissa es ihnen gleich taten. Aragorn trug wieder seine Kapuze. So gelangten sie schließlich am dritten Tag seit ihrem Aufbruch von Edoras in die weite Umgebung der Hafenstadt Edhellond. Aragorn und Gandalf planten, den Rest des Weges nach Dol Amroth per Schiff zu reisen, um so etwas Zeit zu sparen. Die Stadt selbst würden sie allerdings erst am folgenden Tag betreten, denn als sie ihr Lager für die Nacht aufschlugen, war die Sonne bereits seit mehreren Stunden untergegangen.
Nachdenklich saß Aerien auf einem flachen Stein und fasste sich wie automatisch an die Stelle, an der früher ihr Schwert auf ihrem Rücken gehangen hatte. Normalerweise hätte sie die Klinge jetzt gereinigt und geschliffen, wie sie es schon an vielen Abenden getan hatte, um ihre Gedanken ein wenig zur Ruhe zu bringen. Doch ihre Hand griff ins Leere. Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken als sie sich daran erinnerte, weshalb sie das Schwert im Dunklen Turm zurückgelassen hatte.
"Ist alles in Ordnung?" fragte Narissa, die gerade mit einem Arm voll Feuerholz aus einem kleinen Wäldchen ganz in der Nähe zurückgekehrt war und sich nun daran machte, ein Lagerfeuer in Gang zu bringen.
Aerien blickte sich um. Aragorn und Gandalf waren ein Stück voraus geritten, um den Weg in Richtung der Hafenstadt auszukundschaften, wie sie gesagt hatten, doch Aerien vermutete, dass sie den Ritt hauptsächlich dafür nutzen würden, Dinge zu besprechen, die nicht für den Rest der Gruppe bestimmt waren. Amrothos und Irwyne hingegen kümmerten sich um die Pferde, die sie im ein gutes Stück entfernten Morthondfluss tränkten.
"Ich weiß nicht, 'Rissa," sagte Aerien, die sich zumindest für ein paar Minuten unbeobachtet und allein mit Narissa fühlte. "Ich habe das Gefühl, meine Erinnerungslücken werden schlimmer... weißt du noch, was heute morgen passiert ist? Ich weiß nur noch, dass ich aufgewacht bin, und wir losgeritten sind, an diesem... verlassen Gehöft vorbei, und... dann waren wir plötzlich schon hier."
"Du machst dir zuviele Gedanken," meinte Narissa schnell und brachte ein Lächeln zustande. Sie legte das Holz sorgfältig auf das noch kleine, aber schon lautstark knisternde Feuer und kam zu Aerien hinüber, um ihr eine enge Umarmung zu geben. "Es gab nun einmal nicht viel zu sehen auf dem Ritt hierher, bis auf leere Landstriche und die Berge ringsherum."
"Aber dies ist Gondor," wiederholte Aerien leise. "Ich wollte dieses Land schon so lange sehen. Und nun bin ich mitten in seinem Herzen und fühle... nichts."
Narissa legte ihr beide Hände auf die Schultern und sah Aerien direkt in die Augen. "Ich glaube, ich weiß, weshalb dir das alles so vorkommt," meinte sie dann. "Mir geht es nämlich ganz ähnlich. Wir haben unser Ziel erreicht und Aragorn aus der Gefangenschaft befreit, aber... was tun wir jetzt?"
"Wir unterstützen König Elessar," sagte Aerien sofort.
"Das ist mir zu schwammig, und dir auch - und das weißt du genau," erwiderte Narissa. "Weißt du, auf unserem ganzen Weg bisher hatten wir immer ein Ziel vor Augen. Wir kamen beide damals nach Ain Séfra, um Qúsay zu beurteilen. Dann rannte ich weg und... du machtest es zu deiner Aufgabe, mich zu retten. Danach kam die Sache mit... Qafsah." Sie schluckte und fuhr erst einen Augenblick später wieder fort. "Hinterher gingen wir zur Insel und halfen beim Wiederaufbau, bis... ich an der Reihe war, dich zu retten. Und selbst damals war schon klar, dass wir den Weg, den Arandir gefunden hat, beschreiten würden. Es ... wartete auf uns, selbst während unserer Irrfahrten durch Kerma und den Süden Harads. Eine Aufgabe, die nur wir beide erfüllen konnten. Und jetzt, da dieses Ziel erreicht ist... müssen wir uns erst wieder an das Leben ohne eine klare Aufgabe erinnern."
Aerien nickte langsam. Narissa hatte Recht, zumindest teilweise. Der Weg nach Mordor hatte ihr die ganze Zeit über während ihrer Tage in Harad bevorgestanden wie eine Prüfung, der sie sich nicht entziehen konnte, so sehr sie es sich auch wünschte. Und nun, da sich ihre kühnsten Hoffnungen erfüllt hatten und Aragorn tatsächlich frei war, wusste Aerien nicht, was ihr neues Ziel im Leben war. Sie hatte immer davon geträumt, gemeinsam mit Narissa durch die Welt zu ziehen und ein sorgenfreies Abenteuerleben zu führen, aber... so leicht war es nicht. Sauron war nicht besiegt worden, sondern würde nun sogar noch zu einer größeren Gefahr für die Welt der Menschen werden. Womöglich würden die nächsten Wochen oder Monate die letzten sein, in denen es noch freie Reiche gab, die sich Mordor widersetzten. Dennoch gab es da etwas, irgendwo in Aeriens Hinterkopf, das noch über das Fehlen einer neuen Aufgabe hinaus ging. Etwas, woran sie sich erinnern sollte... es aber nicht konnte.
"Wahrscheinlich... hast du Recht," sagte Aerien daher und warf einen nachdenklichen Blick an Narissa vorbei auf das kleine Feuer. "Ich... hatte irgendwie immer gedacht, dass sich nach dem Abschluss der Aufgabe... alles irgendwie von selbst regeln würde."
"Und das wird es bestimmt auch," antwortete Narissa zuversichtlich, ehe ein Schatten über ihr Gesicht huschte. "Da ist... noch immer mein Vater. Sûladan. Ich..."
Sie brach ab. Aerien musste in diesem Augenblick daran denken, was Narissa einst während des Majles zu Qúsay gesagt hatte. Dass sie verlangt hatte, diejenige zu sein, die Sûladan tötete. "Das bedeutet... du willst zurück nach Harad?"
"Harad ist meine Heimat," meinte Narissa und nahm die Hände von Aeriens Schultern. "Die Insel, meine ich. Aber die liegt nun einmal in Harad... und nicht in Gondor. Ich dachte, wir kehren zusammen dorthin wieder zurück, wenn..."
"Wenn?" wiederholte Aerien zaghaft.
"Ich... weiß auch nicht," sagte Narissa unsicher. "Ich weiß, dass du ganz versessen darauf bist, Gondor und vor allem Dol Amroth zu sehen. Aber... ich habe gerade ein Gefühl, dass... wir nicht ewig Zeit haben." Sie wog nachdenklich den Kopf hin und her und das weiße Haar flackerte dabei rot im Schein der Flammen auf, ehe sie die Augen kurz schloss und dann Aeriens Hände nahm. "Ach, vergiss es einfach. Jetzt reiten wir erst einmal nach Dol Amroth, und dann... sehen wir weiter, ja?" Ein schiefes Grinsen stahl sich auf Narissas Lippen.
"Also gut," sagte Aerien verwirrt, beschloss aber, erst einmal nicht nachzuhaken. Sie hoffte, dass Narissa sich es anders überlegen würden, wenn sie erst einmal in Dol Amroth angekommen waren. "Ich... bin mir sicher, es wird dir dort gut gefallen."
"Du weißt doch, ich mache mir nicht so viel aus großen Städten," sagte Narissa, ehe sie sich wieder dem Feuer zuwandte. Etwas nachdenklich machte sich Aerien daran, ihrer Freundin beim Zubereiten des Abendessens zu helfen.

Als Irwyne und Amrothos zu ihnen zurückkehrten, löste sich die angespannte Stimmung. Irgendetwas musste unten am Fluss zwischen den beiden geschehen sein, das sowohl Amrothos und Irwyne in erstaunlich gute Laune versetzte, und es gelang den beiden, mit dieser guten Laune auch Aerien und Narissa anzustecken. Schon bald scherzten und lachten sie miteinander, als würden sie sich alle schon jahrelang kennen, und Amrothos musste versprechen, ihnen in Dol Amroth eine persönliche Führung durch die Residenz der Schwanenfürsten zu geben, nachdem er eine Wette gegen Narissa verloren hatte, bei der es darum ging, wer länger die Luft anhalten konnte. Bei all dem Spaß und Unsinn wäre ihnen beinahe die Brühe übergekocht, die in einem einfachen Eisentop über dem Feuer vor sich hin gezogen hatte. Nur dank Irwynes beherztem Eingreifen konnte das Abendessen gerettet werden, wofür ihr alle Beteiligten sehr dankbar waren.
Erst eine Stunde später kamen Aragorn und Gandalf zu ihnen zurück. Anhand der Blicke, die die beiden einander zuwarfen, erkannte Aerien, dass sie noch immer geteilter Meinung über jene Dinge waren, die sie nur im Verborgenen besprachen. Aerien wünschte sich, sie hätte den Mut, dieses Thema offen anzusprechen. Doch Gandalf war ihr noch immer nicht geheuer, und vor Aragorn hatte sie viel zu großen Respekt, um ihn nach etwas zu fragen, was womöglich zu einer Kritik an seinen Methoden und Vorhaben führen könnte.
In der folgenden Nacht wachte Aerien einmal auf, weil ein wirrer Traum sie geweckt hatte. Erinnern konnte sie sich nur noch daran, dass sie eine bleiche Hand gesehen hatte, die ein Messer gehalten hatte. Sie setzte sich vorsichtig auf und sah dabei den Zauberer Gandalf, der gerade Wache hielt, und sie schweigend aus einiger Entfernung betrachtete.
Mit einem mulmigen Bauchgefühl legte Aerien sich wieder hin. Gnädigerweise ließ der Schlaf nicht lange auf sich warten.

Am Tag darauf ritten sie nach Edhellond, um ein Schiff nach Dol Amroth zu nehmen.
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Eandril

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Re: Edhellond und Umgebung
« Antwort #17 am: 12. Mai 2020, 01:56 »
Im Kern der Sache unterschied Edhellond sich nicht großartig von den Häfen, die Narissa in ihrem Leben bereits gesehen hatte. Ein wenig kleiner als Umbar, um einiges größer als der kleine Hafen von Tol Thelyn, erfüllt von den Rufen von Seeleuten und Händlern und dem Schreien der Möwen.
Narissa ließ die Beine von dem Stapel Kisten, auf den sie sich gesetzt hatte, um auf Gandalf zu warten, baumeln, und blickte zwischen den Masten der Schiffe hindurch auf das graue Meer. Nachdem sie gegen Mittag Edhellond erreicht hatten, hatten sie zunächst ihre Pferde bei einem Bekannten Gandalfs abgegeben, der sie zurück nach Rohan bringen lassen würde. Daraufhin hatten sich Gandalf und Aragorn auf die Suche nach einem Schiff gemacht, das sie über die Bucht hinweg nach Dol Amroth bringen würde. Amrothos und Irwyne hatten sie begleitet, um im Notfall Amrothos' Rang als Prinz von Dol Amroth nutzen zu können, während Aerien alleine losgezogen war, um die kleine Stadt, die sich dem Hafen anschloss, zu erkunden. Nach außen hin hatte sie begeistert gewirkt, endlich eine gondorische Stadt zu besuchen, doch Narissa war das Gefühl nicht losgeworden, dass Aerien eigentlich nur eine Weile allein sein wollte, denn ihre gute Laune vom Vorabend schien über Nacht verschwunden zu sein.
Sie hatte ihre Freundin diese Zeit alleine nur zu gern gegönnt, denn nach einem weiteren Gespräch über Aeriens Erinnerungslücken sehnte Narissa sich wirklich nicht. Eigentlich hatte sie gehofft, dass die Zeit diese Wunde heilen würde und auch sie selbst vergessen könnte, was in Durthang geschehen war.
Sie bemerkte einen jungen Mann in abgerissener Kleidung, der sich auffällig unauffällig in der Nähe der Beutel mit Proviant und Ausrüstung, die die anderen hier zurückgelassen hatten, herumdrückte. Narissa beobachtete aus dem Augenwinkel, wie er langsam näher kam, sich aufmerksam umsehend, und sich schließlich nach einem der Beute bückte. Sofort sprang sie auf, wobei der Kistenstapel gefährlich ins Wanken geriet, und packte den auf frischer Tat Ertappten mit festem Griff am Handgelenk.
"Ich würde das an deiner Stelle lieber liegen lassen."
Der Mann - eher noch ein Junge, Narissa schätzte ihn auf höchstens sechzehn Jahre - blickte sie hinter schmutzigen Haarsträhnen hervor an, eine Hand hinter dem Rücken, und erwiderte leise: "Du hast nichts gesehen, wenn dir deine Haut lieb ist."
Narissa seufzte. "Wem hast du das Messer gestohlen, dass du hinter deinem Rücken hast? Deiner Mutter?" Mit einer plötzlichen Bewegung zog sie ihn näher an sich heran, zog ihm mit dem linken Fuß die Beine weg und trat ihm, als er zu Boden ging, mit dem rechten das rostige Messer aus der Hand. Rasch bückte sie sich, sammelte das Messer vom Boden auf und warf es dann in einem eleganten Bogen direkt ins Hafenbecken.
Der jugendliche Dieb rappelte sich mit rotem Gesicht wieder auf, und Narissa legte warnend eine Hand auf ihren eigenen Dolchgriff. "Überleg es dir gut", warnte sie. Einen Augenblick lang wirkte ihr Gegenüber, als wollte er es tatsächlich drauf ankommen lassen, doch dann wandte er sich abrupt um und ging so schnell, wie es möglich war ohne zu rennen, davon.
"Kann man dich keinen Augenblick alleine lassen?" Aerien kam zwischen den Kisten, auf denen Narissa bis eben gesessen hatte, und einem Stapel Taue hindurch. Offenbar hatte sich ihre Laune wieder gebessert, denn sie lächelte, und ihr Tonfall war scherzhaft.
Narissa verschränkte die Arme vor der Brust. "Um gerecht zu bleiben, er hätte beinahe uns bestohlen. Nicht andersherum. Dieses Mal bin ich unschuldig - ausnahmsweise." Sie wurde wieder ernst. "Eigentlich hatte ich gedacht, es wäre hier anders. Immerhin..."
"... sind wir in Gondor, dem letzten Königreich der Númenorer", vollendete Aerien ihren Satz und seufzte. "Ach 'Rissa. Irgendwie ist hier nichts so wie es sein sollte. Es sollte... ich weiß auch nicht. Es sollte vollkommen sein, aber das ist es nicht. Eigentlich ist es gar nicht so viel anders als in Ain Salah zum Beispiel."
In diesem Augenblick rissen die tief über dem Wasser hängenden, grauen Wolken auf. Das Wasser der Bucht verwandelte sich, glitzernd in der Sonne, in ein tiefes Blau, und jenseits der Bucht waren steile Klippen aus hellem Stein zu sehen. Auf den Klippen waren weiße Mauern zu erahnen, und am höchsten Punkt ein Turm, dessen Dach in der Sonne aufblitzte. Im nächsten Moment schlossen sich die Wolken wieder, und die Welt schien wieder grau und farblos.
"Dol Amroth", stellte Narissa leise fest. "Vielleicht bekommst du doch noch dein Traum-Gondor zu sehen, Sternchen."
Aerien wandte ihr nur stumm den Blick zu, nahm dann ihr Gesicht in die Hände und küsste sie lange. Als sie sich schließlich lösten, sagte Narissa: "Mhm. Womit habe ich das verdient, hm?"
Aerien zuckte mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Vielleicht wollte ich klarstellen, dass sich nichts ändert, egal was passiert."
"Damit könnte ich leben", erwiderte Narissa, ohne den Blick von Aeriens Gesicht abzuwenden. Dann küsste sie Aerien.
"He", unterbrach sie eine weibliche Stimme. Woher auch immer war plötzlich Irwyne aufgetaucht, Hände in die Hüften gestemmt. Ihre Augen funkelte schalkhaft. "So ist das also."
"Ja, so ist das", gab Aerien, die ein wenig errötet war, zurück. "Genau, so ist das", ergänzte Narissa überflüssigerweise. "Und?"
"Nichts und. Es ist nur..." Irwyne konnte das Lachen nicht zurückhalten. "Ihr müsstet euch sehen können", fügte sie grinsend hinzu.
Narissa hob eine Augenbraue. "Ich wünsche dir, dass eines Tages jemand dich und Amrothos in dieser Situation erwischt."
Zu ihrer Überraschung errötete Irwyne selber ein wenig, und räusperte sich verlegen. "Da kommst du zu spät, aber... das ist jetzt nicht wichtig. Wir haben ein Schiff gefunden, einen Händler, der ohnehin über die Bucht nach Dol Amroth fährt."
Narissa klopfte Aerien auf die Schulter. "Dann also auf nach Dol Amroth."

Aragorn, Gandalf, Amrothos, Irwyne, Narissa und Aerien zur Bucht von Belfalas
« Letzte Änderung: 8. Jun 2020, 13:09 von Fine »

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