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Autor Thema: Am Hafen  (Gelesen 16137 mal)

PumaYIY

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Am Hafen
« am: 16. Okt 2010, 23:05 »
Karthull kommend aus der Stadt


Oft schon war Karthull hier am Hafen gewesen, er erfreute sich immer an der regen Betriebsamkeit, die er am Hafen in Edhellond das erste Mal erlebt hatte, die hier in Dol Amroth jedoch noch viel intensiver war, da täglich mehrere Schiffe kamen und fuhren. Die Versorgung der Bewohner wurde inzwischen hauptsächlich durch die Provinzen Gondors über den Seeweg nach Dol Amroth garantiert, nahe wohnende Bauern konnten die Vielzahl an Menschen schon lange nicht mehr ausreichend mit Lebensmitteln beliefern. Nun aber war es anders als die Male, die er nur zum Schauen gekommen war, denn er hatte vor die Stadt für die nächste Zeit zu verlassen, um nach Minas Tirith zu reisen und dort Mut und Hoffnung zu stiften.
Es war spät abends und die Sonne war schon längst im Meer versunken, als eine Gruppe von Männern auf Karthull, der sich wegen dem Regen unter einem Überhang von einem Strohdach gestellt hatte zukam. Tropfen drangen schon seit einiger Zeit trotz seines Unterstandes durch seine Kapuze. Seine Haaren waren ihm auf eine Länge, dass sie ihm gerade so noch in die Stirn fielen geschoren worden, eine weitere äußere Eigenschaft, die ihn von den meist langhaarigen, adligen Getreuen unterscheiden sollte. Die Gruppe hatte ihn eine gute Stunde warten lassen. Ein wenig entschuldigend kam Largund als Erster der Gruppe auf ihn zu:
"Tut mir Leid, es gab ... nun ja eine Planänderung. Es gibt jetzt einen konkreten Auftrag: Der Fürst will, dass du dich sobald du in Minas Tirith bist an Beregond wendest, er war zumindest bis vor der Unterwerfung ein Wächter des Weißen Turms. Der Fürst will, dass du mit ihm Kontakt aufnimmst und herausfindest, ob er das immernoch ist und in wie fern die Wächter durch die neuen Herren aus Mordor manipuliert werden."
"Ähm... aha."
"Ich kann dich verstehen wenn du denkst, dass das vielleicht eine Nummer zu groß für dich ist, aber du musst es tun. Diese Informationen sind enorm wichtig für die Lageeinschätzung des Fürsten. Beregond ist ein überaus eng Vertrauter des Königs und des Fürsten, ihm gegenüber brauchst du also keinen Verratsverdacht zu schöpfen."
"Das leuchtet mir ein. Wie soll ich mich diesem Beregond zu erkennen zeigen und wie sieht er überhaupt aus?"
Largund erläuterte ihm kurz das Aussehen Beregonds und lehrte Karthull ein kurzes Gedicht, dass nur in der sozial sehr hochgestellten Schicht Gondors bekannt war und Beregond von Karthulls guten Motivationen und seinem Kontakt zu Fürst Imrahil überzeugen sollte. Largund nahm Karthull beiseite, denn die anderen in der Gruppe mit der Largund gekommen war, darunter auch die Mannschaft für das Schiff mit dem Karthull fahren würde sollte es nicht hören:
"Es handelt sich hier nicht um irgendein Gedicht, sondern es gibt bestimmte Strophen, die wenn man sie hört Sinn ergeben. Es heißt nur der König kennt alle Strophen und jeder Diener der unter der Gunst des Königs steht kennt nur einen Teil des Gedichts. Die Strophen haben alle einen ähnlichen Aufbau, in dem zwingend das Wappen des jeweiligen Königsdieners vorkommt, denn es wurde für das Geschlecht der Vasallen und nicht für einen Einzelnen geschrieben. Beregond wird die Strophe des Fürsten erkennen und sie als sicheren Beweis deiner Herkunft deuten, obwohl er sie nicht kennt. Merk sie dir genau:

Von der Stadt am Meere her,
weht der Wind der Flügel sehr,
des Schwanenherrs dem dieser Reim,
als Lösgeld für sein Kriegerheim.

Mehr sollst du von der Strophe nicht erfahren, denn der Rest bleibt dem Fürsten selbst, sich auszuweisen wenn der König zurückkehrt." , Largund betonte die letzten Worte nicht ganz ohne Stolz und Hoffnung. Karthull wiederholte die vier Verse schnell einige Male, dann kehrten sie zur Gruppe zurück.
Das Schiff sollte möglichst ohne Zeugen aufbrechen, damit niemand sich über einen fehlenden Anheuerungsablauf wundern und Verdacht schöpfen konnte. So kam es, dass die Gruppe heimlich nachts in See stach und Karthull der größten Stadt die er bisher gesehen hatte "Lebewohl" sagen sollte.


Karthull zur Bucht von Belfalas
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 08:20 von Fine »

Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #1 am: 19. Jan 2011, 21:35 »
Aphadon, Amrûn, Celebithiel, Galdor und die Familie Lûdhra von Edhellond und Umgebung


Dicht haftete der Nebel am Deck des Schiffes und weder aus dem Krähennest noch von der Reling aus konnte man das umliegende Gewässer erspähen. Nur weit entfernt sah man die verschleierte Silhouette der klippenhaft abfallenden Küste an dessen Ende die Schwanenstadt errichtet wurde.
Langsam und vor allem behutsam tasteten sich die Elben mit dem Schiff vorwärts. Volle Fahrt war kaum möglich, denn immerfort hing der dichte Nebel in der Bucht fest. Es war ein Zeichen, dass der Frühling wieder zurück in das Land kam, wenn auch nur zaghaft. So war der Aufbruch von Edhellond bereits zwei Tage her und das Schiff hatte Dol Amroth noch immer nicht erreicht.
Amrûn war unter Deck und saß mit dem Rücken an die Außenwand des Schiffes gelehnt. Er spürte und hörte, wie die Wellen hinter ihm an die Wand preschten und er liebte es. Das Meer gab ihm seit eh und je ein beruhigendes Gefühl. Er betrachtete Galadriels Amulett und bewunderte den angenehm orangen Schimmer auf seiner Hand, den der Kristall hervorbrachte.

„Dürfen wir uns zu dir setzten?“, fragte eine Stimme neben ihm.
„Natürlich“, antwortete er Celebithiel die neben ihm auftauchte. An ihrer Hand hielt sie Boreas, den Sohn Falastors.
Der Junge setzte sich zwischen die beiden Elben und starrte mit trüben Augen in die Luft.
„Wir werden bald da sein“, sagte Amrûn zu den beiden „Es können nur noch wenige Meilen bis zum großen Hafen sein.“
„Endlich“, erwiderte die Elbe.
„Boreas? Habt ihr in Dol Amroth Freunde oder Verwandte bei denen ihr bleiben könnt?“, fragte Amrûn besorgt und um den kleinen ein wenig zum Sprechen zu bringen. Er antwortete jedoch nur mit einem Kopfschütteln.
„Obwohl, meine Eltern sprachen einmal von einem… Largu… und Karthull“, ein leicht fröhlicher Ton mischte sich in seine traurig eintönige Stimmlage „Karthull müsste in Dol Amroth sein. Hoffentlich hat er es bis hierher geschafft.“ Der Junge setzte kurz ab seufzte dann aber: „Wir leider nicht.“
Bei diesen Worten legte Celebithiel die Hand um Boreas‘ Schultern und drückte ihn ein wenig zu sich: „Willst du uns von deinen Geschwistern erzählen?“
Er schüttelte den Kopf und begann dabei bitterlich zu weinen: „Glaubst du ich sehe sie je wieder?“ wimmerte er dabei.
Das leise Schluchzen erfüllte den Rumpf des Schiffes. „Soll ich dir eine Geschichte erzählen?“, frage Amrûn nun vorsichtig um ihn ein wenig von seinen Gedanken abzulenken.
„Schau her“, sagte er und überreichte ihm das Amulett „Siehst du das Licht? Es ist so wunder schön nicht wahr?“
Der kleine nickte und sein Blick war auf das Schmuckstück gerichtet.
„Es war ein Geschenk einer sehr alten, aber unübertroffen schönen Frau. Sie ist beinahe so alt wie diese Welt und noch älter ist dieses Licht. Einst weit entfernt von diesen Ufern in einem Land ohne Hass und  Furcht - ohne Dunkelheit - gab es zwei Bäume. Sie waren riesen groß und wunderschön. Einer davon hatte einen goldenen Stamm und die dunkelgrünen Blätter zierte ein schimmernder Rand. Das Volk liebte den Baum und pflegte ihn, sodass er immer Früchte trug, die feurig rot leuchteten und aus denen sich goldener Regen ergoss. Doch selbst dort, in einem so friedlichen Land wurde Unheil gesät und das Böse drang darin ein. Es neidete den Elben ihr Glück und ihren Wohlstand und zerstörte alles was ihnen lieb war. So verging der Baum in all seiner Herrlichkeit. Das Grün wurde braun und Gold zu Schwarz. Nur eine einzige Frucht überlebte; ein kleiner Funken in undurchdringlicher Dunkelheit. Aber was machten sie daraus? Sie verloren nicht die Hoffnung und sie war auch nicht verloren. All ihr Wissen und ihre Macht nutzten sie und aus dem kleinen Funken schufen sie nichts anderes als die Sonne. Und diesmal schien das Licht nicht nur in jenem Land über dem Meer, sondern auf der ganzen Welt und die Dunkelheit wich, denn sie ertrug die Strahlen der Sonne nicht und das ist heute noch so.“
„Darum mögen die Orks das Tageslicht nicht?“, fragte der Junge erstaunt.
„Ja. Aus keinem anderen Grund“, sagte der Elb „Am dunkelsten ist die Stunde stets vor der Dämmerung. Aber das Licht kommt und mit ihr die Hoffnung.“

Schritte waren auf der Treppe zu hören und Amrûn sah Galdor und Falastor herunter kommen.

„Ich denke, du wirst deine Geschwister wieder sehen. Hoffnung gibt es auch für dich.“
„Boreas. Komm her die Herrschaften müssen etwas Wichtiges besprechen. Gehen wir zu deiner Mutter“, befahl ihm sein Vater. Der junge Mann gab Amrûn das Amulett zurück und bedankte sich aus vollstem Herzen bei ihm. Die drei Elben beobachtete noch wie sie durch die Luke ans Oberdeck verschwanden ehe Galdor zu sprechen begann:
„Wir sind gleich da. Die Glocke von Dol Amroth läutet.“
„Wir gehen so vor wie es uns Cirdan geraten hat“, schlug Amrûn vor.
Galdor nickte zustimmend: „Dann gehe ich hinauf in die Feste zum Fürsten.“
„Ja. Ich bleibe bei Celebithiel.“
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:56 von Fine »
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Vexor

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Re:Am Hafen
« Antwort #2 am: 2. Feb 2011, 19:37 »
Celebithiel atmete tief ein, als sie ihr Gepäck schulterte und sich auf den Weg machen wollte, dass zierliche Elbenschiff zu verlassen.
Der Nebel war dabei langsam zu lichten und sie konnte durch die Nebelfelder die schwache Wintersonne erkennen, die versuchte sich die weißen Vorhänge zu kämpfen, um die Erde mit ihren Strahlen zu wärmen.

„Celebithiel warte noch“, rief ihr Amrûn nach, der sie leicht am Arm festhielt, als sie die Stufen hinabsteigen wollte, die sie aufs Festland bringen würden. „ Galdor wollte uns noch kurz unter sechs Augen sprechen“.
„ Was gibt es denn noch Galdor?“, fragte Celebithiel zuversichtlich und fuhr sich erneut über die spröden Lippen und ein elektrisierender Schmerz zuckte durch ihren Körper.

„ Hört zu! Die Zeiten in Gondor sind problematisch. Seit die schwarze Hand diese Gefilde in seine eisernen Klauen gebracht hat, wächst Hass und Zwietracht in der Bevölkerung. Besonders Dol Amroth, als letzte freie Stadt Gondors, ist betroffen. Es wimmelt nur so vor Spionen und Opportunisten, die die Möglichkeit ergreifen unter der Herrschaft des Roten Auges an Macht und Einfluss zu gewinnen. Oftmals ist es leider auch nur die pure Angst, die sie dazu führt ihre eigenen Brüder und Schwester zu verraten und ans Messer zu liefern.
Deswegen warne ich euch. Verhüllt eure Vergangenheit und eure Herkunft. Zwei Elben, entsandt von den großen Elbenherren Galadriel, Elrond und Cirdan, sind zu bekannt. Zumal ihr ein schweres Erbe trägt“.
 Bei diesen Worten senkte Celebithiel leicht beschämt den Kopf, bevor Galdor fortfuhr.
„ Gebt euch Decknamen, verratet niemand eure wahre Identität. Auch Fürst Imrahil nicht…zumindest fürs Erste.“
Celebithiel nickte und blickte Amrûn in die Augen, bevor sie ein olivgrünes Tuch nah, dass sie sich über den Kopf legte und die spitzen Ohren verhüllte, sodass man sie auf den ersten Blicke nur für eine wunderschöne Maid aus den nördlichen Gefilden halten konnte, obwohl ihre Schönheit die der menschlichen Frauen bei weitem übertraf.

„Bevor ich es vergesse“, hakte Galdor nach, „ das Glück ist euch hold in diesen Stunden. In diesen Wochen feiert man in Dol Amroth Karneval, um die Geister des Winters zu vertreiben und den Seefahrern eine gute Heimkehr zu wünschen. Man läuft zu diesem Zwecke maskiert in der Stadt herum. Ein Vorteil für uns“, zwinkerte Galdor und Amrûn blickte ihn ungläubig an.
„ Sie feiern wirklich ein Fest, während sie belagert werden und die Hoffnungen für die freien Völker von Minute zu Minute schwinden?!“
Celebithiel streichelte ihm sanft durchs schwarze Haar, „ Und genau damit halten sie ihre Hoffnung aufrecht Amrûn. Wenn sie jetzt in Resignation verfallen, und jegliche Hoffnung auf eine gute Zukunft von dannen ziehen lassen, hat Sauron erst recht gewonnen.“
Amrûn nickte stumm und gemeinsam verließen sie das Schiff und warteten auf eine Gruppe weniger Elben, die mit seidenen Bündeln auf die Besucher der Schwanenstadt zukamen.
Celebithiel blickte noch Sehnsüchtig dem Schiff hinterher, wie es sich aufs offene Meer zurück zog.

Wie gern wäre ich jetzt auf diesen Schiff mit dir Liebster. Umringt von den leichten Wogen des Meers.


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Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #3 am: 5. Feb 2011, 13:18 »
Amrûn und Celebithiel hörten das Plätschern des Wassers wie sich die kleinen Wellen an dem Holzsteg brachen. Der Nebel umhüllte sie noch immer, doch erkannten sie mittlerweile die schwachen Konturen der Felküste vor sich.

Der Elb war gerade damit beschäftig sich das lange Tuch wie eine Art Turban um den Kopf zu wickeln, als seine Gefährtin ihn ansprach: „Amrûn?“
„Ja.“
„Auf dem Schiff“, begann sie und setzte wieder ab „Es war eine schöne Geschichte die du an Deck erzählt hast. Ich hätte es dir beinahe abgekauft, denn selbst in deinen Augen sah ich ein geheimnisvolles Licht. War es nur die Reflektion einer längst vergangenen Zuversicht oder meintest du es tatsächlich ernst?“
„Ich weiß nicht. Vielleicht war es nur eine Geschicht“, antwortete er und starrte dabei gerade aus an das andere Ende des Steges „Es ist mir eben so eingefallen. Ich wollte ihn aufmuntern.“
„Ich denke nicht nur den Jungen. Du hast diese Geschichte auch dir selbst erzählt, nicht wahr? Kehr wieder etwas Mut in deine düsteren Gedanken zurück?“
„Es scheint wohl so“, sagte er mit seinem starren Blick.
„Und das obwohl du Mithlond und Aratinnuíre zurück gelassen hast.“
„Vermutlich genau deswegen. Ich denke daran, wie ich zu ihr zurück kehre und wir endlich ein gemeinsames Leben führen können. Hier in Mittelerde und nicht in Aman. Wir alle brauchen unsere Ziele, denn wofür sollten wir sonst kämpfen?“
Sie nickte ihm verständnisvoll zu.
„Celebithiel, da kommt jemand.“
„Gwilwi…!“, wollte sie ihn verbessern, doch sie verschluckte die Wortendung.

Aus dem Nebel heraus traten zwei Gestalten. Sie trugen Masken. Eine davon war eine Frau, denn sie trug ein blassblaues Kleid und Maskierung. Der andere trug einen meergrauen Mantel, dunkle Stiefel und hatte zerzaustes dunkles Haar.

„Mae govannen!“, begrüßte die Dame die beiden Besucher und nahm dabei die Maske ab um ihre elbische Herkunft preis zu geben.
Amrûn verneigte sich vor ihr, Celebithiel beugte ein wenig den Kopf.
„Ich bin Limris und dies hier mein Ziehsohn Berehal. Unsere Verwandten aus dem Norden haben uns von eurer Ankunft berichtet und uns gebeten euch dies hier zu bringen.“
Der junge Mann öffnete den braunen Leinensack den er in der Hand trug und gab dem Elben zwei Masken. Eine war übersäht mit weißen Perlen, die bei genauerer Betrachtung den Körper eines zarten Schmetterlings darstellten und zu deren Seiten sich etwas dunklere Flügel ausbreiteten. Die andere war golden und übersäht mit zahlreichen Schnörkeln, die den Elben an die Wellen der weiten See erinnerten.

Er gab ihr die Schmetterlingsmaske: „Hier Cele…“
„Wie meinen? Ich bin Gwilwileth", sagte sie nun in einem lauten und bestimmten Tonfall und zwinkerte ihm verstohlen zu.
„Gwilwileth“, wiederholte er den Namen flüsternd.
„Und wie ist euer Name?“, fragte nun Limris den Elben.
„Ich?“, fragte er erstaunt und begann sich an alle möglichen Namen zu erinnern. Es war Amrûn peinlich, als ihn der erwartungsvolle Blick der Fremden taf und ihm kein passender Name einviel: „Verzeiht. Mein Name ist Idryth.“
Limris nickte ihm grüßend zu, wandte sich dann jedoch Celebithiel zu: „Folgt mir nun, ehe euer Begleiter vor lauter Verwirrung in die falsche Richtung läuft.“ Den beiden entkam ein Lächeln, als sie dem Steg folgten.

Am Ende mündete der Holzpfad in eine kleine Treppe, die wohl vor Jahrhunderten in die steile Klippe gehauen wurde. Links erhob sich die Felsflanke zur ihrer Rechten war der Stein so behauen worden, dass er wie eine Art Geländer diente. Von weitem betrachtet war dieser Pfad also praktisch unsichtbar. Nach einem kurzen Stück weg erreichten sie eine Straße oberhalb der Hafenanlage. Es war ruhig. An den Hausmauern lehnten ein paar Männer und waren vertieft in ihre Gedanken und Arbeiten. Lichter kamen aus den kleinen Fenstern der zahlreichen Häuser, die sich links von ihnen die Straße entlangschlängelten.


Celebithiel, Amrûn, Aphadon, Limris und Galdor in die Stadt
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:58 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #4 am: 10. Mär 2011, 22:41 »
Amrûn von der Stadt

Ein rötlicher Schein umhüllte die Stadt an jenem morgen, als Amrûn still am Fenster saß. Es ragte Richtung Westen und er sah genau das Meer vor sich.Er liebte den Anblick des glitzernden Teppichs der sich vor ihm erstreckte. Das Atmen schien ihm leichter zu fallen, wenn die Luft etwas salzig war und er vermisste das Pfeifen der Möwen, die vor allem im Sommer an den Klippen des Meeres hausten. Dol Amroth hatte mit den grauen Anfurten vieles gemeinsam und doch gab es deutliche Unterschiede. Das robuste Mauerwerk der Numenorer hatte sich auch hier manifestiert. Das Weiß war jedoch gesprenkelt mit zahlreichen grünen und braunen Flecken. Bäume, Sträucher, Gärten und Blumen lagen den Bewohner anscheinend genauso am Herzen wie gut gepflasterte Straßen und profane Verteidigungwerke.

Der Elb beschloss sich die Stadt in diesen frühen Morgenstunden genauer anzuschauen, vielleicht waren weniger Menschen auf der Straße als zu späterer Stunden.
Schleunigst legte er sich seinen Mantel um, verhüllte seine Ohren mit einer Kapuze und verließ das Zimmer. Er lauschte gegenüber an Celebithiels Tür, doch dort rührte sich nichts. Zaghaft klopfte er an dem Holz, aber es kam keine Antwort.

…Sie soll sich ausruhen. Ihr macht einiges mehr zu schaffen, als sie sich anmerken lässt und Energien werden wir genug brauchen wenn die Schlacht erstmal los geht…

Und tatsächlich, als Amrûn die Straße betrat war sie beinahe leergefegt. Zwei junge Mägde waren bereits auf dem Weg in die Speicher um sich dort mit Nahrungsmittel und anderen Waren zu versorgen. Sie tratschten eifrig als zum Hafen verschwanden. Da der Elb nicht wusste wohin er als erstes gehen sollte, beschloss er ihnen zu folgen.

Der nach osten ansteigende Felshang warf noch einen langen Schatten über die Stadt und ein kühler Wind wehte durch die Gassen, doch merkte man mittlerweile, dass der Frühling langsam aber stetig zurück in das Land kam.
Er durchschritt die Stadtmauer durch eine kleine Fluchtscharte und überquerte gleich danach eine kaum vier Fuß breite Brücke. So waren die Hafenanlagen vom Rest der Stadt abgeschottet.

Zahlreiche Schiffe lagen dort. Einige aus elbischer Hand kannte Amrûn von der Überfahrt doch lagen auch weiße Schiffe Gondors, Fischerboote und fremde Handelskoggen in der Bucht. Eines der Kriegsschiffe war schwer beschädigt und lag weit abseits wo der Zugang zur Bucht war. Amrûn ging zu ihm, stellte sich ganz an die steinerne Kaimauer und betrachtete das brandende Wasser. Der Rumpf des Schiffes schien noch in Ordnung zu sein, doch die Masten, Reling und Segel waren stark geborsten. Er strich mit seiner Hand über die präzise geschliffene Holzreling und stoppte bei einem kerzengeraden Sprung den scheinbar ein großes Beil dort hinterlassen hatte. Es war rau und unangenehm und es schmerzte den leidenschaftlichen Seefahrer ein wenig.

„Hahaha…
Übers Meer kam der König von fern,
sein Segel schien wie ein heller Stern,
der Horizont uns Hoffnung macht
und gute Zeiten hat er gebracht,
doch Glück allein wird es nicht sein,
die Waffen sprechen Tag aus Tag ein.

Da kommen sie, mit schwarzer Seele,
erbarmungslos sind ihre Befehlen.
Zu den Waffen macht schnell, MACHT schnell,
bald schon wird der Tag nicht mehr hell.

Übers Meer kam der König von fern,
sein Segel schien wie…“

Amrûn hörte dem lallenden Trunkenbold zu der aus einer kleinen Spelunke herauskam und das Kai entlang taumelte. Er wartete ein paar Minuten und ging dann näher zur Tür: „Taverne zum vollgelaufene Bug“ stand in maroden kaum lesbaren Buchstaben über dem Tor. Der Elb ging hinein.
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Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #5 am: 11. Mär 2011, 23:14 »
Mehr Rauch als Luft war in diesem engen Raum. Der Tresen war alt und morsch und das meiste der Einrichtung sowie der Wände schien aus längst ausrangierten Schiffplanken zu bestehen. Der Elb setzte sich auf einen Hocker an die Bar. Niemand war zu sehen oder zu hören.

Sein Blick viel auf drei bemalte Teller, die sorgsam in das Regal hinter der Theke gestellt waren. Eines war schon sehr ausgeblichen, auf den anderen beiden sah man Abbildungen von zwei Schiffen. Amrûn glaubte die Namen Vingilot und Alcarondas zu erkennen.

„Guten Tag“, begrüßte ihn nun der Wirt, der aus einem Hinterzimmer hereintrat. Er war klein und schmächtig, hatte nur einen Arm und sein linkes Auge war mit einem schmutzigen Tuch abgedeckt. Sein weißes, grauses Haar umringte eine kahle Stelle und stand von da an in alle erdenklichen Richtungen.
„Guten Tag“, erwiderte der Elb.
„Was darf es sein?“
„Gebt mir einen Becher Milch und ein Stück Brot bitte. Ich habe heute noch nichts gegessen.“
„Das macht zwei Silberpfennig“, sagte er, streckte fordernd seine Hand aus und seine Stimme wanderte gegen Ende in eine merkwürdig quietschende Lage.
Der Elb kramte in seinen Taschen und gab es dem Wirten: „Eigenartige Sitten habt ihr hier. Verlangt Geld noch vor der Verköstigung."
„Achsoooo, ein Fremder seid ihr. Wie so viele andere hier und nur Wenige haben tatsächlich Geld. Wo wäre ein Wirt wenn er Speis und Trank verteilt und ehe die Gäste bezahlen ist der Tisch wieder leer. Nicht wir sind hier die komischen Käuze, sondern jene die in unsere Stadt kommen und glauben Gasthäuser sind Wohlfahrtshäuser, jawohl Wohlfahrtshäuser.“
„Ihr habt Recht, Vorsicht lautet das Gebot der Stunden.“

Der Alte rümpfte die Nase.
„So, so ein Fremder… woher kommt ihr denn?“, fragte er neugierig.
„Ich kam mit einem Schiff von Edhellond hierher. Ich habe mich dort eine Weile versteckt und auf Hilfe gewartet und tatsächlich kam sie nach einigen schlaflosen Nächten.“
„Dann haben euch die Elben aufgeschnappt.“
„Elben?“, fragte Amrûn erschrocken „Ja! Ja natürlich. Ein merkwürdiges Volk meine ich. Jahrzehnte lang hört man nichts von ihnen und dann in einer wohl unerwarteten aber hilflosen Stunde kommen sie herbei um zu helfen.“
„Mhm ja. Merkwürdig… welche Absichten sie wohl verfolgen?“
„Glaubt ihr sie haben welche?“
Der Elb biss von dem harten Brot ab, dass sicherlich schon ein,zwei Tage gelegen hatte.
„Wer nicht, wer nicht…“, brabelte er vor sich hin „Wer handelt heute schon aus Nächstenliebe? Jeder sorgt für sich selbst oder für seinen eigenen Vorteil, oder nicht? Aber wie dem auch sei, selbst diese Elbensoldaten werden den Ansturm nicht aufhalten. Nicht bei dem was der dunkle Herrscher plant.“
„Was plant er denn?“
„Oh, es gibt Gerüchte. Viele wandern hier durch diesen Raum, manche bleiben hängen und manche verfliegen wieder. Es erstaunte mich immer wieder, dass viele ‚Weissagungen‘eingetroffen sind, auch wenn es niemand glaubte.“
„Und was habt ihr gehört?“
„Nichts, das ist es ja gerade... Wir erhalten keine Nachrichten mehr aus Minas Tirith und das ist kein gutes Zeichen. Unsere Diplomaten und Boten sind… puff… einfach verschwunden…“, der Wirt fuchtelte dabei nervös mit den Händen vor sich herum „bestimmt schon tot, wenn ihr mich fragt. Jetzt sind nicht nur die Orks auf dem Vormarsch, nein sogar noch das eigene Volk… unsere Brüder.“
„Das ist wäre ja furchtbar.“
„Ja, Dol Amroth in der Zwickmühle. Vom Süden die Haradrim, von Osten Mordor, vom Norden Gondor und was vermutlich das schlimmste Übel ist: dieses verlauste Piratenpack.“
„Welche Piraten?“
Er nahm einen großen Schluck Milch um seinen vom Brot ausgedrockneten Mund zu befeuchten.
„D… di… di… die Korsaren“, stotterte er aufgewühlt „Die wollen auch ein wenig Mitmischen und sich ihr Stück vom Kuchen holen. Hunderte Jahre schon attackieren sie unseren schönen Hafen und jetzt wo ein Sieg sicher ist sind sie – und da bin ich mir absolut sicher – bereits auf dem Weg hierher… und nicht nur mit einem Schiff; Neeeiiiiinnnnn; vermutlich mit der größten Flotten die sie jemals aufgeboten haben. Jeden Mann und jedes Kind werden sie mitnehmen, denn jede zusätzliche Hand kann noch mehr plündern und mitnehmen. Dreckspack.“
„Und hat der Fürst dem etwas entgegen zu bieten?“
„Pfff, der Fürst. Er hat uns in das sichere Verderben gestürzt. Er hat all seine Ritter nach Minas Tirith geschickt um es zu verteidigen und jetzt… alle gefallen… die Namen sind uns geblieben in einer kleinen grottigen Kammer irgendwo zwischen den alten Handelshäusern der Königsstadt.“
„Ich denke er hat damals die richtige Entscheidung getroffen. Wäre Minas Tirith gefallen…“
„Minas Tirith IST gefallen“, schrie er und schlug dabei mit der Faust auf den Tisch, dass Amrûn zusammen zuckte: „Und jetzt stehen wir alleine da und warten auf unser Ende. Aber wenn Sie kommen werde ich hinter der Türe warten und einem nach den anderen meine Messer in den Rücken rammen. Dieses elendige Dreckspack und wenn ich meine wertvollen Teller nach ihnen werfen muss…!“
Der Elb trank den Becher aus: „Ausgezeichnet. Mut ist alles was man braucht im Kampf.“
„Und eine gute Waffe.“
„Da habt ihr Recht, guter Wirt. Habt Dank für die Bewirtung.“
„Beehrt mich bald wieder. Zahlende Kundschaft ist bei mir gerne gesehen“, rief er freundlich, denn so schnell wie seine aufbrausende Art gekommen war verflog sie auch wieder. Amrûn war froh aus dieser stickigen Kammer herausen zu sein.
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Re:Am Hafen
« Antwort #6 am: 20. Mär 2011, 19:17 »
Der Elb schlenderte den Kai entlang und dachte über die Worte des Wirten nach.

Wenn es eine solche Korsarenflotte tatsächlich gibt, ist Dol Amroth in einer Zwickmühle. Die Soldaten der Stadt können nicht an beiden Fronten kämpfen und gewift ist der dunkle Herr tatsächlich. Wenn er einen Schlag vorbereitete, dann greift er sicherlich mit allem an was er aufzubieten hat. Noch eine Niederlage kann er sich nicht leisten. Auch die Heere Mordors sind stark dezimiert. Die Schlacht um Lorien, die Unterwerfung Gondors der Niedergang des Mundes und der Trutzburg Isengard. Sauron hat nicht mehr viel auf das er zurück greifen kann, doch wir genau so wenig. Die kampftüchtigen unter den Elben sind hier an den Fronten von Gondor. Scheitern wir hier, gibt es kein Halten mehr für unser edles Volk.


Amrûn nahm die Schiffe in genauen Augenschein. Manche von ihnen hatten zerfetzte Segel, manche geborstene Reling und Oberdeck und manche sogar Löcher im Rumpf.

Wenn eine Flotte kommt müssen wir alle Schiffe seetüchtig machen und stark bewaffnen. Ich muss dem Fürsten Bescheid geben, aber wie. Hier bin ich ein einfacher Mann, unscheinbar und ohne Privilegien… Ich muss mir etwas einfallen lassen. Am besten ich spreche mit Limris. Vielleicht weiß sie wie einen Weg.


Besorgt überschritt er wieder die enge Brücke und begab sich ins Innere der Stadtmauern. Die Straße führte ihn direkt in das edle Herrenhaus, indem er und Celebithiel einquartiert waren. Es war sehr groß und herrlich, vielleicht hatte ihre Gastgeberin ohnehin genug Einfluss auf Imrahil.

„Guten Morgen!“, begrüßte er sie und überraschte sie beim Nähen an einem tyrkisen Kleid.“
„Guten Morgen! Habt ihr gut geschlafen?“
„Ja. Ich war schon auf einen Morgenspaziergang an den Kais. Der Sonnenaufgang war herrlich.“
„Ja, ein wahrlich schönes Spektakel hier in der Schwanenstadt.“
„Sagt, habt ihr schon Mal vom vollgelaufenen Bug gehört?“, fragte der Elb.
„Dieser heruntergekommenen Spelunke? Ja, ich kenne sie.“
„Ich war dort und habe abenteuerliche Geschichten vom Wirten gehört.“
„Nicht jeder von seinen Geschichten sollte man Glauben schenken, habe ich gehört, doch so wie in jeder anderen Geschichte steckt auch in den seinen Seefahrermärchen meist ein Körnchen Wahrheit.“
„Ja, so was Ähnliches sagte er auch über längst Vergangenes.“
„Erlebt hat er sicherlich schon vieles. Seit vierzig Jahren gibt es den Wirten schon und zuvor war er ein Admiral in der fürstlichen Flotte.“
„Vom Admiral zum Wirten…“
„Ja, die Leute sagen, dass er mit seinem Auge auch seine Berufung verloren hatte. Er eröffnete die Taverne um wenigstens von dort auf das weite Meer zu blicken, die salzige Brise zu spüren und um der untergehenden Sonne nachzuweinen. Er liebte sein Schiff und das offene Meer. Wie so vielen von uns gabe es auch ihm das Gefühl von Freiheit und Überlegenheit.“
„Nun macht es mir umso mehr sorgen!“
„Was denn?“
„Er mutmaßte, dass die Korsaren mit einer enorm großen Flotte auf dem Weg hier her seien. Fällt der Hafen…“
„Fällt die ganze Stadt“, unterbrach sie ihn „Ich weiß nicht ob wir auf des Wirten Urteil vertrauen können, aber der Fürst kann auch nicht riskieren den Hafen ungeschützt zu lassen.“
„Sicherlich rechnet er mit einem Angriff, aber ich würde mich wohler fühlen ihm Bescheid zu geben.“

Eilig legte sie das Kleidungsstück zur Seite: „Wartet auf eurem Zimmer, ich muss einiges erledigen. Ich glaube ich weiß wie ihr mit dem Fürsten sprechen könnt.“
Sie verschwand aus dem Zimmer. Amrûn hörte nur noch wie die schwere Haustür in ihr Schloss fiel.


Amrûn in die Stadt
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:08 von Fine »
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Re:Am Hafen
« Antwort #7 am: 2. Sep 2011, 20:44 »
Amrûn aus dem Palast des Fürsten


Nach dem Gespräch flüchtete Amrûn nahezu vom Feste. Seit dem heutigen Abend hatte er ein sehr laues Gefühl im Bauch.

Ob mich mein Instinkt vor morgen warnen will? Das letzte Mal als ich auf See kämpfte war zur Verteidigung von Lindon… Es war die Schlacht in der ich erlag und meinem Leben ein jehes Ende verliehen hätte… Es ist als ob meine Erinnerung lebendig wird; alles ist hier so gleich!


Mit der linken Hand griff Sich der Elb an seine alte Wunde am rechten Oberarm, blieb aber in seinen Gedanken versunken.

Schon als das erste helle Grau am Horizont aufkam, machte sich Amrûn auf den Weg zur Feste. Zwei Soldaten standen neben der Eingangstür und hielten mit weit geöffneten Augen Wache. Berend wartete unweit von ihnen.
„Guten Morgen!“, begrüßte er ihn. Der Kapitän nickte ihm zu.
In schnellem Schritt liefen sie durch die enge Eingangshalle und die schmalen Flure in ein abgelegenes Zimmer. Nur vereinzelt brannten Fackeln in den Wandhalterungen, das restliche Bollwerk lag im grauen Schatten der Dämmerung.

Endlich erreichten sie ihr Ziel und der Elb stand in einer mäßig großen Halle ohne Fenster. Sie mussten wohl im innersten Kern der Festung sein. Hoch über ihnen brannten einige Kerzen in einem hölzernen Luster und erhellten so den Raum. An den Wänden hingen große Gemälde, ähnlich jener im Palast und genau am gegenüberliegenden Ende des Raumes hing ein prächtiges, riesengroßes Banner von Dol Amroth.

Imrahil stand mit einigen Männern in der Mitte des Raumes um einen Tisch. Eine Seekarte von Dol Amroth war ausgebreitet und sie sprachen in ruhigem Ton.
Der Fürst blickte zur Tür: „Unser letzter Gast, nun ist es wohl soweit um zu beginnen.“



Der Elb hatte gerade die letzten Anweisungen gegeben, die Schiffe richtig zu beladen und die größten Lecks notdürftig zu reparieren. Der Großteil der fürstlichen Flotte lag außerhalb des Hafens. Die Kriegsschiffe waren nur mit wenig Mann besetzt, gerade genug um einen Angriff abzuwehren, aber zu wenige um offensiv vor zu rücken.

Amrûn ging ans Ende des Kais. Sein dunkelblauer Umhang wehte im Westwind. Für diese Schlacht hatte er nur eine leichte Rüstung angelegt. Es war zwar gefährlich, doch er brauchte jegliche Bewegungsfreiheit.

Er atmete einmal tief ein,
Ahh, der Westwind. Mein treuer Gefährte. Seit meinen ersten Tagen folgst du mir und bis zum letzten wirst du mich begleiten. Wird dieser bald eintreffen? Geleitest du mich in den Westen, an mein endgültiges Ziel? So oft schon wäre ich dir beinahe gefolgt, aber immer gab es einen Grund zu bleiben. Nun ist es Aratinnuíre. Ich vermisse dich mein Schatz.

„Wir lichten nun den Anker und segeln zu den anderen Schiffen. Kommt ihr?“, fragte Berend.
Amrûn nickte: „Habt ihr alles unter Deck verstaut?“
„Ja. Wir müssen aufpassen. Was ihr vorhabt ist sehr gefährlich.“
„Ich weiß. Aber ich glaube, dass dies die einzige Chance ist. Der Wind ist auf unserer Seite“, sagte er mutig und setzte seine Schritte in Richtung Schiff.

Hastig lösten die Schiffsjungen die Taue am Kai. Mit langen Holzstäben und großem Kraftaufwand tauchten sie es aus seiner verankerten Stelle in den leeren Hafenbereich. Der Elb rannte zu einer Reeling, löste eines der Seile und die anderen Matrosen taten es ihm gleich. Im nuh öffnete sich das glänzend weiße Segel und der Wind füllte es.

Wie eine Feder glitt es über das stille Gewässer in der Hafenanlage, bis es auf die sanften Wellen der offenen See stieß. Duzende Schiffe lagen vor der Hafenanlage. An manche hatten sich schon kleinere angedockt um die spärlichen Mannschaften aufzufüllen. Selten sah der Elb ein solches Schauspiel in seinem langen Leben.

Keiner wusste, wann der Feind kommen würde. Es konnte schon morgen sein, oder noch Tage dauern. An jenem Nachmittag geschah nichts mehr. Die Mannschaften suchten sich nur ein Quartier für die Nacht. Der Elb jedoch blieb wach und starrte auf die schwarze See, in denen sich schwach das Licht des Mondes spiegelte.

Weitere vier Tage vergingen ohne auch nur ein Zeichen des Feindes. Die Sonne hatte schon an Stärke zugenommen. Stetig nahm der Winter ab und der Frühling kehrte unter die meist dunkle Wolkendecke zurück.

Es war kurz vor Mittags, als plötzlich die Glocke des weißen Turms erschallte.
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Re:Am Hafen
« Antwort #8 am: 4. Sep 2011, 18:14 »
Plötzlich ging alles so schnell. Die Schiffsbesatzung lief wie wild umher. Jeder machte sich auf um seine Rüstung anzulegen. Sie holten Pfeile und Messer aus den Frachträumen und versammelten sich auf Deck

Amrûn stand am Bug des Schiffes und beobachtete still. Etwa eine Meile vor sich im Norden sah er die Kriegsflotte des Fürsten. Sie blickten auf den Eingang im Süden der Bucht. Der Elb selbst und fünf Schiffe waren hinter einem Vorsprung der steilen Felsklippe versteckt. Sie warteten auf die Ankunft der Korsaren.
Es verging noch eine halbe Stunde, in der die Glocke des Turms ununterbrochen läutete. Plötzlich glänzte etwas am Himmel auf. Wie Blitze durchzuckten die mächtigen Pfeile der Ballisten die Luft.

Der Fernangriff hatte begonnen. Angespannt versuchte der Elb die Feinde zu erblicken, doch der Felsvorsprung war zu breit. Einerseit war es gut, denn hier konnten sie sich ungesehen verstecken, doch andererseits konnten die Matrosen auch nicht ausmachen, ob noch weitere Schiffe des Feindes folgten. Es dauerte noch eine gefühlte Ewigkeit bis die ersten schwarzen Segel auftauchten. Sie hielten ungehindert ihren Kurs auf die fürstliche Flotte.

Die stählerenen Pfeile flogen immerfort durch die Luft und rissen teils große Löcher in die Decks und Segel der feindlichen Schiffe. Doch dies hielt sie nicht auf, denn es kamen immer mehr Schiffe hinterher. Die Flotte musste bei weitem doppelt so groß sein wie die von Imrahil.

Es ist noch viel schlimmer als ich dachte. Ob unser Hinterhalt überhaupt etwas ausrichten kann? Wir müssen es versuchen, wir haben nur diese eine Chance!

„Soldaten!“, schrie Amrûn nun und augenblicklich hörten sie ihm zu „Wir sahen sie kommen, die schwarzen Segel am Horizont und da sind sie. Sie sind zahlreich und mächtig, doch haben sie die Schwanenstadt und seine Bewohner unterschätzt. Da draußen ist das letzte Aufgebot der Korsaren; sie werden fallen, ehe die Sonne versinkt; in einer Schlacht wie sie Mittelerde noch nicht gesehen hat, in einer Schlacht die noch über Jahrtausende besungen werden wird… in dieser Schlacht“, sagte er mit Nachdruck „Wir sind die lodernde Flamme der Hoffnung die alles versengen wird! Seid ihr bereit… dann setzt Segel!“

Ein leiser Beifall setzte ein, denn die Besatzung hatte zu viel Angst gehört zu werden. Die weißen Segel füllten sich erneut mit Wind. Langsam aber unaufhaltsam beschleunigten die Schiffe. Doch ehe sie hinter dem Felsvorsprung hervor kamen, wurden sie bereits entdeckt. Einige wenige Feinde begannen ein Wendemanöver um dem Hinterhalt entgegen zu wirken.
„Weicht aus!“, schrie der Elb. Der Steuermann zog das Ruder auf Backbord und versuchte so den Feinden auszuweichen. Doch der Ansturm war noch nicht zu Ende. Aus dem Süden kamen noch mehr Korsaren und so wurden die sechs Schiffe des Hinterhalts schnell eingekreist. Sie waren vereinzelt wie weiße Sterne auf dem schwarzen Nachthimmel.

Zahllose Pfeile flogen durch die Luft und verfehlten den Elben nur um Haaresbreite. Er suchte den Weg zur Luke um sich unter Deck in Sicherheit zu bringen. Plötzlich wurde der Steuermann im Kopf getroffen. Er klappte leblos zusammen und riss dabei das Ruder herum. Der Elb sah zu wie beinahe die gesamte Mannschaft umkam. Plötzlich erzitterte der Holzboden unter seinen Füßen und ein lautes Krachen war zu hören. Das Schiff war mit einem anderen zusammengekracht.

Amrûn verlor das Gleichgewicht und flog rückwärts in den Bauch des Schiffes. Der Aufprall war hart und ihm wurde schwarz vor Augen. Es dauerte einen Moment bis er sich klar wurde was eben passiert war. Er spürte etwas Kaltes, Nasses auf seinen Beinen und Armen. Unter großer Mühe und Rückenschmerzen richtete sich der Elb auf und erkannte, wie salziges Meerwasser in das Schiff herein trieb und den Bug langsam mit Wasser füllte. Doch dies war nicht was Amrûn so verwunderte. Mit den Fingern fuhr er über die Wasseroberfläche. Erstaunt betrachtete er seine Handfläche und plötzlich schoss ihm ein Gedanken in den Kopf: „Der Plan!“

Hektisch stand er auf und suchte mit seinem Blick etwas in dem Raum. Mit jedem Schritt ging ein lautes Platschen einher, so als würde er von Regenpfütze zu Regenpfütze hüpfen, bis er sein Ziel erreicht hatte. Siegessicher riss der Elb eine brennende Laterne von der innerne Bordwand und stieg die ersten Sprossen der Leiter hinauf. Er starrte in die offene Tür des Laderaumes und sah die geborstenen Tonkrüge. „Die loderne Flamme der Hoffnung…“, überzeugte er sich nochmals selbst und entzündete mit der Laterne die Schicht aus Öl die unbemerkt und unheilvoll auf der Wasseroberfläche trieb.

Der Elb hatte ein Lauffeuer empfacht, dass sich schneller ausbreitete als gedacht. Er konnte gerade noch die Sprossen der Leiter hinaufklettern und sich geduckt zur Reeling durchschlagen. Von der Mannschaft war niemand mehr zu sehen. Mit einem Satz sprang der Elb in die heißen Flammen und tauchte in das kühle Nass darunter.
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Re:Am Hafen
« Antwort #9 am: 12. Sep 2011, 18:34 »
Amrûn holte tief Luft, bevor er unter die azurblaue  Wasseroberfläche tauchte. Mit seinen kräftigen Armen gleitete er schwerelos durch die See und elegant zwischen den Ballistengeschossen hindurch, die wie Regen auf das Meer prasselten. Zunächst musste er so viele Meter wie nur möglich zwischen sich und den brennenden Meeresspiegel bringen. Das salzige Wasser brannte wie Feuer in seinen Augen, während er die Oberfläche nach Schiffen absuchte. Er wagte es knapp neben dem Bug eines Schiffes aufzutauchen um Luft zu holen. Noch immer umringte ihn die feindliche Flotte.
Ein weiteres Mal ging er mit dem Kopf unter Wasser und schwamm Richtung Norden. In seinen Armen spürte er schon ein schlappes Ziehen als er endlich in die Nähe seiner Verbündeten kam.
Mit viel Mühe gelang es ihm die Strickleiter zu erklimmen und das Deck eines Schiffes zu erreichen. „Willkommen an Bord“, höhnte einer der Matrosen. Amrûn lag vor lauter Erschöpfung am Boden und musste sich erst aufraffen. Erst jetzt erkannte er das alte Gesicht eines Trunkenbolds vor sich. Es war der Wirt aus dem vollgelaufenen Bug.
„Ihr seid hier?“, fragte er verwundert.
„Natürlich! Eine solche Schlacht lass ich mir doch nicht entgehen“, antwortete er.
„Ihr wollt euch wohl vergewissern, dass ihr Recht hattet.“
„Oh ja“, sagte er und lachte „aber was liegst du hier herum Matrose. Hier gibt es eine Schlacht zu gewinnen.“
„Habt ihr ein Schwert?“, fragte der Elb entschlossen.
„Das und mehr“, sagte der Alte und half ihm auf.
„Wie sieht unsere Lage aus?“
„Ah gar nicht einmal so schlecht. Zuerst wollten sich meine Männer schon verkriechen als sie den schwarzen Horizont sahen, aber nun, seht selbst. Das Feuer treibt den Feind auseinander. Die nachkommenden Schiffe müssen umkehren oder verbrennen. Wahrlich ein Wunder“, sagte er mit erstaunter Mine am Gesicht.
„Dann habe ich meine Arbeit gut gemacht?“
„Ihr wart das, junger Mann? Ihr Elben könnt einen immer wieder Überraschen. Aber nun müsst ihr auch beweisen, ob euch das traditionelle Waffenhandwerk liegt. Diese Korsaren haben nichts mehr zu verlieren, denn der Tod ist ihnen gewiss. Doch macht sie das nur noch gefährlicher. Da kommen sie die Schiffe.“ Bei den Worten deutete er auf die Steuerbordseite und der Elb sah den Feind näher kommen.
„Ein Schiff haben wir schon abgeräumt. Es war ein harter Kampf“, plötzlich drehte er sich um und schrie laut los „Bögen nach vorne. Jeder verfluchte Korsar der sich an Bord traut, wird abgeschlachtet. Ist das klar!“

Er ging ein paar Schritte zum Masten und nahm aus einer Truhe einen Säbel: „Ist das klar!“, sagte er laut und drückte dem Elben das Messer in die Hand. Amrûn traute sich nur zu Nicken. Der alte Admiral ging ein Stück zur Reling und schätzte die Entfernung zum feindlichen Schiff. Es dauerte noch einen kurzen Augenblick ehe er sich nervös umhersteigend zu seinen Soldaten drehte.
„Balliste! Feuer!“, brüllte er und ohne zu zögern lösten die Bootsmänner die Sicherung. Die Pfeile flogen durch die Luft und trafen zielsicher auf das feindliche Schiff.
Amrûn lief die Treppe hoch zum Steuer. Er sah die Korsaren wie sie mit Enterhaken und Armbrüste schwingend immer näher kamen. „Pfeile los!“, brüllte Amrûn etwas konfus und hoffte durch einen verfrühten Angriff darauf, nicht in die Reichweite der Armbrüste zu kommen.
Wie Geier, die sich auf ihr Aas stürzten, warteten die Soldaten auf diesen Befehl und sogleich folgte ein Pfeilhagel der auf das Deck des feindlichen Schiffes nieder ging und Duzende verletzte. Die Korsaren waren wie jeder andere Seemann nur leicht gerüstet. Es folgte noch eine zweite Salve an Pfeilen bis sie in die Reichweite der Armbrüste kamen und das Feuer erwidert wurde. Eine dritte Folgte auch noch ehe die beiden Schiffe Flanke an Flanke standen.

Amrûn lief die Treppe hinunter auf das Hauptdeck. Er griff nach einem Speer aus dem spärlichen Waffenvorrat. Die Enterhaken flogen wild durch die Luft und suchten verzweifelt nach halt. „Zieht Schwerter“, rief der Elb und rannte zur Reling. Mit voller Wucht schleuderte er den Speer auf einen Korsaren, der gerade dabei war sich auf das Schiff zu schwingen. „Schwerter“, schrie Amrûn nochmals laut und schon war der erste Feind neben ihm gelandet. Der Elb nutzte die Chance als er sich bemühte auf den Füßen zu landen und durchbohrte mit dem Säbel seine Brust.

Plötzlich spürte er einen heftigen Tritt auf seinem linken Arm. Beim Landen hatte ihn ein Feind weggestoßen und Amrûn zu Fall gebracht.
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Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #10 am: 15. Sep 2011, 23:42 »
Der Korsar ging auf ihn los wie ein tollwütiger Hund. Verzweifelt griff Amrûn nach einem Holzbalken am Boden. Er zog ihn mit, beiden Händen haltend, schützend vor seinen Körper um den Schwertangriff zu blocken. Er rollte sich einige Male auf die Seite um so den weiteren Attacken auszuweichen. Ruckartig stand er auf und wurde beinahe von der schwarfen Klinge getroffen. Gerade noch rechtzeitig nutzte er die Holzplanke um die drohende Waffe von ihrem Weg abzubringen. Reflexartig ließ er mit der rechten Hand los und schlug den Balken mit aller Kraft gegen die Schläfe des Korsaren.

Augenblicklich knallte der Körper seines Feindes auf den Boden. Blut strömte aus einer Platzwunde am Kopf und tränkte das helle Holz mit dunklem, beinahe schwarzem Blut. Ohne zu zögern schnappte er sich das Entermesser aus der reglosen Hand und lief zurück zu den anderen. Die Matrosen standen unter heftigem Druck, denn immer mehr Piraten schwangen sich auf das Deck des Schiffes, doch jetzt, da Amrûn freie Bahn hatte, attackierte er die meisten von hinten und so begab er sich kaum in Gefahr.

Erst als der Andrang nachließ, beschloss der Elb das feindliche Schiff zu entern und es ehest möglich führerlos zu machen. Er nahm sich eines der besitzlosen Seile die von den Masten herunterhinten.
„Folgt meinem 1. Maat!“, schrie der alte Admiral und deutete mit seiner Klingenspitze auf den Elben. Einige wenige, die gerade etwas Freiraum hatten, taten es Amrûn gleich, schnappten sich ein Seil und gemeinsam schwangen sie über den schmalen Spalt über die dunkle See.
„Schützt den Kapitän!“, bröllte eine Stimme aus dem Hintergrund, die keine andere war als die eines kleinen, in schwarz gekleideten Mannes mit dicken, schwarzen Augenbrauen und einer übergroßen Hakennase. Er fuchtelte nervös mit einem Kurzschwert herum und wartete vergeblich, dass sich einige seiner Männer abschirmend vor ihn stellten.

Bedrohlich und überlegen ging der Elb auf den Korsarenkapitän zu. Dieser ging ein paar Schritte zurück und rückwärts eine Treppe hinauf, ohne seinen Feind aus den Augen zu verlieren.
„Na sieh mal einer an. Das ich die Klinge noch mit einem Elben kreuzen darf… Was macht Ihr hier? Kämpft an der Seite der Menschen? Habt ihr nicht eigene Häfen die ihr verteidigen müsst?“, wollte er Amrûn verunsichern, doch dieser erkannte die Unsicherheit in seinem Feind.
„Schon lange ist es her, dass Plagegeister wie ihr unsere Häfen besudelt. Und dies hier wird auch das letzte Mal sein, dass ihr die Schwanenstadt angreift.“
„Ha, das letzte Mal! Was glaubt ihr eigentlich. Ihr seit so versessen darauf, diese Schlacht zu gewinnen und überseht dabei die viel größere Bedrohung. Unser aller Herr hat angeordnet die Stadt zu vernichten, alle zu töten, die sich hier verstecken und jetzt, da die Krieger der Feste auf dem Wasser herumtreiben und zusehen wie wir langsam verrecken, werden die Mauern der Stadt fallen und nichts kann Sauron dann mehr halten.“
„Dieser Plan war leicht zu durchschauen. Glaubt ihr tatsächlich wir haben für solch einen Fall nicht vorgesorgt? Die Mauern sind stark und bemannt. Große Heerführer aus Gondor sind hier, deren Namen Furcht und Beklemmung bei den Orks auslöst. Doch dies ist alles nicht von belangen für euch, denn wenn all dies geschieht, seit ihr längst Tod, aber wir und Dol Amroth werden weiter bestehen.“
Die Klinge in der Hand des Korsaren zitterte. Ohne sich erwähnenswert zu wehren, stieß Amrûn sein Schwert in den Wanzt des feindlichen Kapitäns. Damit fiel der Letzte der Besatzung.
Es war wie ein wunder, dass die Schiffe des Fürsten die Schwarzen Segel immer weiter aus der Bucht trieben. Sie flohen in Richtung Feuer und hofften durch die immernoch lodernden Flammen unbeschadet zu entkommen. Doch selbst jene, die dies Kunststück bewältigten, flohen auf die Weiten des Meeres und dort würde sie das Schicksal ereilen. Amrûn sah auf den weiten Horizont, der von heftigen Blitzen durchzogen wurde. Ein Sturm zog herauf, eines der zahlreichen Frühlingsgewitter dieses Jahres. Der Elb vernahm das leise Grollen in der Ferne, bis es plötzlich von den hellen Klängen der Turmglocken übertönt wurde.
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Eandril

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Der Hafen der Schwanenstadt
« Antwort #11 am: 7. Okt 2011, 17:43 »
Oronêl kommt vom anderen Ufer angeschwommen

Oronêl streckte den Kopf aus den Wellen. Das Wasser war eiskalt, und eiskalter Regen prasselte von oben auf ihn nieder, doch er hatte es bald geschafft. Schon lagen die Hafenanlagen von Dol Amroth vor ihm, doch kein Mensch war zu sehen, und das einzige, was er hörte, war das Prassel des Regens und ganz leise der Kampfeslärm von den Mauern.
Seltsam...
Er erreichte eine Treppe, die vom Kai ins Wasser führte, und zog sich erschöpft daran hoch. Kurz überkam ihn ein gewaltiges Schwächegefühl, und er schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, blickte er direkt gegen ein Bein, das in einer glänzenden Beinschiene steckt. Es hatte ihn also doch jemand bemerkt!
Ein Glück, dass sie nicht sofort geschossen haben...
"Aufstehen!", ertönte eine unfreundliche Stimme. Diesmal zögerte Oronêl nicht, sondern kam auf die Beine und sagte: "Friede! Ich bin nicht euer Feind, sondern will euch helfen!"
"Mag sein", antwortete der Anführer der drei Männer, die ihre Schwerter gezogen und auf Oronêl gerichtet hatten. "Doch wir sind vorsichtige Leute. Zu oft haben die Schergen Mordors versucht, sich bei uns einzuschleichen! Nun vertrauen wir nicht mehr jedem Dahergelaufenen." "Ich bin nicht irgendein Dahergelaufener, sondern ein Elb aus dem Hause Lenwes! Wenn ihr mir nicht glaubt, so bringt mich zu eurem Fürsten, denn nur er soll über mich urteilen.", erwiderte Oronêl stolz.
Was hat Sauron diesen Menschen nur angetan? Sie können nicht immer so gewesen sein.
Der Anführer lachte verächtlich. "Du glaubst, wir bringen dich einfach so zu unserem Herrn, damit du ihn ermorden kannst? Los, fesselt ihn!" Doch Oronêl hatte blitzschnell seinen Dolch gezogen, tauchte schneller als ein Mensch sein konnte, unter dem Schwert des Mannes hindurch und hielt ihm den Dolch an die Kehle. Er atmete schwer und konnte seinen Zorn kaum noch bezähmen. "Wie kannst du es wagen, am Wort eines Elben zu zweifeln? Ich werde dir meine Waffen übergeben, wenn du mir schwörst, mich zum Fürsten zu führen, und ich gebe dir mein Wort, dass ich nicht versuche zu fliehen! Nun?", sagte er. "Ich..." Der Anführer wand sich unter Oronêls Dolch. "Ich bin einverstanden.", presste er schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. "Na los, ihr Trottel, worauf wartet ihr noch!?", herrschte er die beiden Soldaten an, die noch immer ihre Schwerte auf Oronêl gerichtet hatten, denn dieser machte keine Anstalten, den Dolch zu entfernen. Die beiden senkten ihre Schwerter, und Oronêl zog den Dolch zurück, fasste ihn an der Spitze und überreichte ihn dem Anführer mit dem Griff zuerst.
Na endlich! Ich hätte mich auch nicht viel länger beherrschen können... wer hätte gedacht, dass die Menschen so unzivilisiert sind?
Dann entledigte er sich seines Bogens, seiner Pfeile und schließlich seiner Axt, und übergab alles dem Anführer. "Na schön." knurrte dieser. "Folgt mir! Aber der Fürst wird nicht begeistert sein, mitten im Kampf mit so etwas belästigt zu werden." "Er wird damit leben können" erwiderte Oronêl kühl. "Und jetzt los!"

Oronêl zu den Verteidigungs- und Maueranlagen
« Letzte Änderung: 12. Feb 2013, 13:56 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #12 am: 16. Okt 2011, 20:10 »
Der Regen prasselte bereits in Massen aus den grauen Wolken, als Amrûn mit dem Schiff in die Hafenanlagen Dol Amroths einlief. In der Ferne vernahm er grausame Schreie und Zurufe, die eine unfassbare Angst in ihm hervorriefen.
Der Elb konnte es kaum abwarten von Bord zu laufen und in die Stadt um an forderster Front gegen die Infaterie Saurons zu kämpfen. Er war vom Mut und Adrenalin beflügelt.

„Mein lieber Herr Elb!“, rief ihm der alte Kapitän zu.
Überrascht drehte er sich um.
„Wo wollt ihr so schnell hin? Könnt es wohl kaum erwarten die Klinge erneut mit Abschaum zu kreuzen.“
„Nein! Solange ich Kraft in meinen Armen habe, sollen sie mich fürchten! Es wäre mir eine Ehre ein weiters Mal mit euch in die Schlacht zu ziehen.“
Ein schmales Grinsen kam über die Lippen des Alten: „Auf hoher See spielt hohes Alter keine Rolle, doch für den Kampf am Lande, so fürchte ich, ist mein Arm zu zittrig und meine Reaktion zu langsam. Meinen Beitrag für die Schwanenstadt habe ich geleistet und meinen Eid geachtet.“
Ehrfürchtig neigte der Elb den Kopf: „Lebt wohl“, verabschiedete er sich hastig und er spürte den mit Stolz erfüllten Gesichtsausdruck des Admirals in seinem Nacken.

Trotz des eintretenden Frühlings war der Regen bitter kalt. Wie Nadelstiche fühlte es sich an, wenn die einzelnen Tropfen auf die erhitzte Haut fielen. Doch der Elb lies sich nicht aufhalten. Unentwegt sprintete er durch die engen Gassen der Schwanenstadt, getrieben von den erbarmungslosen Schlachtrufen.
Rücksichtslos preschte er gegen die Tür des Hauses indem er wohnte. Gleich im Zimmer neben dem Eingang lag seine Rüstung sorgfältig vorbereitet. Er streifte sich das durchnässte Lederwams vom Körper.
„Mein Herr!“, überraschte ihn Limris, die von dem lauten Knallen der Tür aufgeschreckt war.
„Limris! Wo ist Gwilwileth?“, fragte er energisch.
„Bei Imrahil. Sie sind bei der Mauer nahe dem Haupttor.“
„Was passiert da draußen?“
„Ich weiß es nicht. Man hört nur, dass sich das Orkheer in Bewegung gesetzt hat. Die Schlacht wird bald beginnen.“
„Schnell, helft mir. Ich muss zu ihnen.“
Ohne zu zögern half sie Amrûn die Rüstung Dol Amroths anzulegen.

Um den Hals trug er das Medallion Galadriels. Wie eh und je war es von sattem orangen Licht umhüllt.
„Es ist wunderschön“, sagte Limris und bedrachtete es eingehend.
„Es war ein Geschenk meiner Herrin und verbirgt einen schwachen Abglanz Laurelins. Das Schmuckstück vermag weder zu heilen noch wird es uns helfen diese Schlacht zu gewinnen, aber wenn man in es hineinblick verliert man sich in Träumen, die eine schönere Zukunft versprechen.“
„Es lässt euch in eure Zukunft blicken?“
„Nein“, antwortete Amrûn und lächelte dabei „Würde ich wissen wie die Zukunft aussieht, wäre ich wohl kaum hier. Ich träumte von Momenten die vielleicht eintreffen werden, auf die zu warten es sich aber jedenfalls lohnt.“
„Dann verbirgt es eine unbezahlbar große Macht, denn es spendet Hoffnung und Mut.“

Überrascht schauten beide zur verschlossenen Eingangstür, denn für einen kurzen Moment wurde es laut auf den Straßen. Jubelrufe hallten durch die Stadt und der Elb war für einen winzigen Augenblick beruhigt. Beinahe glaubte er, einen Sieg schon errungen zu haben und die Schlacht und der Kampf um Mittelerde seien bereits vorüber. Sein Griff um den Schwertschaft wurde fester und seine Brust hob sich beim tiefen Luftholen.

Plötzlich vernahm er ein lautes Grollen. Die beiden Elben zuckten zusammen.
„Es hat begonnen!“, hauchte Limris und sah verzweifelt zum Fenster. Die wohlige Wärme die gerade eben den Raum durchflutete, war in eben diesem Moment wieder verflogen.
„Geh mit dem Jungen zu den anderen Frauen und Kindern. Bleibt stehts im Verborgenen und wenn die Mauer fällt, dann seht zu, dass ihr mit dem Schiff flieht“, befahl Amrûn der Elbe.
„Möge die Macht der Valar dich und Gwilwileth beschützen“, sagte sie ihm hinterher, als er bereits zur Tür wieder rausstürmte.


Amrûn zu den Verteidigungsanlagen
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:16 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re:Am Hafen
« Antwort #13 am: 29. Nov 2011, 22:17 »
Celebithiel, Oronel und Amrûn von Vor der Stadt...


Amrûn und Oronel durchquerten die Verteidigungsanlagen des Hafens und hielten auf der schmalen Brücke. Seit Stunden hatten sie die Stadt nach Celebithiel abgesucht. Sie waren im Palast, am Platz der tausend Schwanenfedern, in ihren Gemächern und jedem Ort den sie in Dol Amroth je betreten hatte. Nur hier hatten sie nicht gesucht, obwohl es Amrûn ahnen hätte können.

Ihr suchender Blick schweifte über das Kai und hielt an einer freien Ankerstelle. Dort saß die blonde Elbe. Die Windböhen wölbten immer wieder ihr Haar und liesen es wieder erschlaffen. Die Sonne war gerade dabei unterzugehen und das rote Licht liesen das prachtvolle Schwert Glorfindels neben Celebithiel förmlich erglühen.

Die Elben gingen zu ihr und obwohl sie ihre Gefährtin hörte, schaute sie nicht zu ihnen hoch: „Es geht euch besser?“
„Ja“, antwortete Amrûn in sanften Tonfall „Wir sind zur Ruhe gekommen, nach dieser furchtbaren Schlacht. Haben unsere Erschöpfung und Wunden geheilt, nur was ist mit dir? Warum sitzt du hier, ganz alleine?“
„Ich war mit Imrahil am Schlachtfeld. All diese Gefallenen unter ihren weißen Tüchern. Es sah aus, wie eine grüne Sommerwiese, gespränkelt mit unzähligen, silbernen Niphredil. Aber…“ Celebithiel begann mit den Tränen zu kämpfen. Ihre Stimme wurde unsicher.
„Aber es war kein schöner Anblick. Dort oben sind Menschen gestorben und Kinder! Amrûn, Kinder!“

Die letzten Worte presste sie mit Gewalt heraus, ehe aus Ihren Augen ein Schwall aus Tränen kam und ihre Stimme versagte. Der Elb setzte sich neben sie und nahm eine ihrer Hände, die sie annahm und leicht zusammendrückte um den Schmerz zu ertragen. Für längere Zeit saßen sie am Kai und sagten nichts. Der Elb schaute in den roten Sonnenuntergang.

Nachdem sich die Elbe ein wenig gefangen hatte, begann sie wieder zu sprechen: „Denkt ihr…“,  sie wischte sich mit einem Tuch die Tränen aus dem Gesicht und säuberte ihre Nase: „Denkt ihr, der Sonnenuntergang sieht dort anderst aus?“
„Ich glaube schon“, antwortete Amrûn.
„In Valinor gibt es keinen Krieg mehr; keine Schlachten und kein Blutvergießen. Wenn es diese Gräuletaten nicht gäbe, hätte die Sonne keinen Grund sie widerzuspiegeln und Tag für Tag ihr blutrotes Licht auf diese Welt zu werfen.“
„Wenn es so ist, dann sehen sie sicherlich anders aus“, sagte nun Oronel „Was da draußen geschehen ist, lässt sich kaum in Worte fassen. Menschen mussten sterben und auch Kinder. Und wir sitzten nun hier – erschöpft – und müssen in den Sonnenuntergang schauen, immer die Bilder der blutüberströmten Leichen im Hinterkopf. Vielleicht hätten wir es in Valinor leichter und könnten dort ein schönes, ruhiges Leben weit ab von Schmerz führen, doch müssen wir bedenken, dass hier weiterhin Tag um Tag die rote Sonne aufgehen wird.“
„Und mit uns haben sie es sicherlich leichter also ohne uns“, ergänzte ihn Amrûn.
Der Druck auf Amrûns Hand lies ein wenig nach. Ihr Blicke wanderten wieder zum Horizont und sie beobachteten den Horizont, der die gelbe Scheibe langsam verschluckte, bis die ersten Sterne am Himmel standen.


Celebithiel zum Palast des Fürsten
Oronêl ins Lazarett
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:14 von Fine »
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Re:Am Hafen
« Antwort #14 am: 25. Dez 2011, 16:54 »
Karthull von Dol Amroth: Vor der Stadt


"Warum ich so betrübt gucke?", wiederholte Karthull die Frage und musste wiederwillig lachen. Den ganzen Vormittag saß Karthull nun schon in dieser modrigen Spelunke und trank und döste vor sich hin. Ab und an kam mal ein anderer Gast herein und grüßte, doch das Lärmen und Hämmer von der Schiffsreparatur draußen verstärkten Karthulls Erschöpfung und Widerwillen so sehr, das er nicht aufblickte um zurückzugrüßen. Nun fragte auch noch der alte Wirt, weshalb er so betrübt gucke.
"Weil ich am Leben bin." ,antwortete Karthull und schmatze nach Luft. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das Reden so schwer fällt.
"Wäre ich Tod könnte ich doch garnicht so betrübt gucken."
"Das ist natürlich klar", antwortete der Wirt trocken und musterte den niedergeschlagenen Karthull eingehend:"aber gibt es, denn keinen Grund warum du so sehr Trübsal bläst?"
"Du erinnerst dich vielleicht an die Schlacht?", natürlich war Karthulls Frage rhetorisch und sie munterte den Wirt nicht gerade auf. Energisch antwortete er: "Wir haben hier alle unsern Teil zum Sieg beigetragen, manche ... viele haben Angehörige verloren, doch das ist kein Grund sich selbst auch übel zuzurichten indem du hier den ganzen Tag nur Kneipenluft schnupperst."
"Nunja bei mir verlief die Geschichte etwas anders, als bei "Vielen"...", eine innere Stimme verbat ihm darüber zu sprechen, denn eigentlich war Karthull immernoch geheim im Auftrag des Fürsten unterwegs, doch der angeschwollene Alkoholpegel lies Karthull diese Stimme ignorieren. Er erzählte wie er Minas Thirit ausgesandt worden und mit Estomir schließlich im Lager der Mordorsoldaten angekommen war:
"Doch dieser erste Abend im Lager der Mordorsoldaten ist nun schon mehrere Wochen her. Alle fantastischen Ideen aus dem Lager  zu entfliehen oder gar die Banner verschwinden zu lassen entpuppten sich als leichtgläubige, schlichtweg dumme und undurchdachte Überlegungen. Die Angst bestimmt die Moral im Heer des Nazgul." , bei diesen Worte zitterte Karthull und sein Blick wurde starr.
"bestimmte" , verbesserte ihn der Wirt etwas übermütig: "denn der Nazgul ist besiegt!"
"Die Angst hat bestand. Ich hatte dir doch erzählt, dass Estomir und ich ins das Lager gekommen sind um die Nachricht zu überbringen in Minas Thirit sei alles unter Herumors Kontrolle?
Der Komandeur meiner Korsarengruppe hat mich gemocht und deshalb geschützt. Ich hatte ihn an sein Sohn erinnert hat mir ein Kamerad im Lager, und doch ein Feind in Wahrheit, da ich im Heer meiner Feinde war, erzählt. Deswegen hat er Estomir geopfert, um mich zu schützen." Die Verbitterung in Karthulls Gesicht war groß und einzelne Tränen der Trauer machten sich kamen ihm in die Augen.
"Halt, das versteh ich jetzt nicht. Ich kann dem nicht ganz folgen. Estomir wurde geopfert? Wieso?" , der Wirt blickte Karthull iritiert an. Er hatte sich Mühe gegeben der ganzen Geschichte folgen zu können, was nicht so leicht war, da Karthull durch den mäßigen Alkoholgenuss sowieso undeutlich und geschwollen sprach, doch das nun wirklich unverständlich.
"Die wahre Nachricht über den Aufstand in Minas Thirit war uns dicht auf den Fersen und traf drei Tage nach unserer Ankunft, mit einer Gruppe von flüchtigen Orks ein. Es kam heraus, dass jemand die letzte Nachricht gefälscht haben musste. Der Komandeur meines Trupp, der mich wohl mochte bürgte für mich und beschuldigte Estomir. Doch bevor er zum Nazgul geführt wurde und ihm wohlmöglich auch noch von meinem Verrat an Mordor erzählt hätte hat er seine Orkwächter so provoziert, dass sie ihn töteten."
"Eine grauenvolle Geschichte!" , entgegnete der Wirt einfühlsam und distanzierte sich sofort wieder: "Hättest du ehrenvoll und offen gekämpft und dich bei den Seefahrern von Dol Amroth als Kämpfer gemeldet, wärst du nie in eine solch unbehagliche Lage geraten."
"Naja zum Kampf bin ich ja noch gekommen." , flüsterte Karthull sarkastisch und weinte verbittert. "Aus der Armee gab es kein Entkommen und der Nazgul, so hieß es, wollte Dol Amroth nun, da Minas Thirit ein weiterer Gefahrenherd war, so schnell wie möglich übernehmen. Damit er bereit wäre auf den Befehl des dunklen Herrschers zu reagieren, sollte er aufgefordert werden Minas Thirit erneut zu unterwerfen.
Ich konnte nicht fliehen und musste schließlich in der Armee aus Orks und Ostlingen gegen die Stadt ziehen." Karthull schüttelte sich vor Selbstekel und der Wirt schaute ihn weiter ungläubig an. "Mein Glück war nur das Chaos, dass herrschte als der Ursprung der Angst, der Nazgul gefallen war und dass ich nicht bei den ersten Soldaten war, die das Tor durchbrachen. Als der zweite Schrei des Nazgul ertönte, war ich nur noch einige dutzend Meter vom Tor entfernt. Es war ein komisches Gefühl, denn der Druck vom Hintermann, der einen dazu zwang zügig weiterzumarschieren wurde schwächer, während einige Ostlinge sogar zurückdrängten. In diesem Druck zwischen den zwei Bewegungen nach vorne und nach hinten wurde ich mit wenigen anderen, die diesem auch nicht gewachsen waren, von der Masse nach außen gedrückt und wir fielen den Hang seitlich des Wegs zum Tor hinab. Ich drehte und kullerte mich entkräftet und mit einer Rüstung die um vieles zu schwer für mich war den Hang hinab bis ich schließlich wohl mit dem Helm auf einen Stein aufgekommen bin und bewusstlos wurde."
"Was du mir da berichtest ist ja ungeheuerlich und da wirft mir manch einer vor ich würde in die Tage gekommenen Seemannsgarn erzählen." , entgegnete der Wirt auf die ausführlichen Schilderungen des nun fast schon nüchternen Karthull.
"Wie gesagt ich hatte wirklich Glück und fiel in ein Gebüsch, sodass ich den Soldaten von Dol Amroth nicht zum Opfer fiel und ich bis zum Ende der Schlacht ohnmächtig war."
"Mensch, Junge du bist ein Glükspilz! Und wieso sitzt du dann hier so betrübt?" , fragte der Wirt nun.
"Die Geschichte geht noch weiter: Ich hatte überlebt, mir die Ostlingsrüstung vom Leib gestreift und war langsam aus dem Gebüsch gekrochen. Die anderen aus der Armee Mordors, die auch den Hang hinab gestürtzt waren, waren meist von Pfeilen durchbohrt oder regten sich aus sonstwelchen Gründen nicht. Ich konnte mich wirklich einfach vor die offenen Tore der Stadt schleppen und wurde für einen Soldaten der Stadt gehalten, der ich im Grunde ja auch bin. Es gab einige, die so kurz nach der Schlacht noch von Heilern übersehen worden waren oder fälschlicherweise für tot gehalten und liegengelassen worden waren. Man brachte mich in das Lazarett, es war überfüllt, doch mir wurde geholfen.
Zwei Tage blieb ich dort, der Stein auf den ich gefallen war hatte doch auch Spuren durch den Helm hindurch hinterlassen. Dannach suchte ich das Haus von meinem Vorgesetzten aus der Zeit in der ich im Kasernenhof hier diente, der erkannte mich, führte mich zum Fürsten und ich konnte ihm alles berichten."
"Ja, aber wieso bist du denn nun so niedergeschlagen?" , fragte der Wirt erneut:
"Es ist mir noch nicht oft passiert, dass ich einen Gast wegen seiner Geschichte bedränge, aber ich bitte dich: Fahr fort!"
"Nach reichlichem Überlegen und Beratung hat der Fürst mir befohlen, ich solle der Armee Mordors folgen und mich ihr möglichst erneut anschließen, um Nachrichten über die Pläne und den Aufenhaltsort der Armee schicken zu können.
Das ist das eine, der Gedanke wieder zu diesen Barbaren zurück zu müssen. Wobei das nicht so schlimm ist, da ich weiß, dass ich für die gute Sache kämpfe und fürstlich belohnte werde."
"Und was ist dann das Andere." , fragte der Wirt neugierig.
"Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen. Eine wahrhaft friedliche Bauernfamilie, deren Hof geplündert und deren Tochter verschleppt wurde. Nicht einmal sie wurden vom Krieg verschont!" Karthull schluchzte und fuhr fort: "Sie sind mit einem Elbenschiff von Edhellond hierher geflohen. Ich habe Frau Lûdhra heute morgen als ich aufbrechen wollte zufällig getroffen. Ihr Mann, ein einfacher Bauer hat sein Leben hier bei der Verteidigung der Stadt gelassen und nun steht sie alleine mit ihrem einzig verbliebenem Sohn in Dol Amroth, einquartiert in eine notdürftige Unterkunft und sie müssen von ihren Ersparnissen und Erbetteltem leben. Da hat mich heute Morgen der Mut verlassen ich bin innerlich zusammen gebrochen und hier gelandet, wo ich einem Wirt alles erzählt habe, was geheim hätte bleiben sollen."
"Tja, ich bin nicht irgendein Wirt. Ich kann Geheimnisse für mich bewahren sei dir da sicher! Ich war Admiral in längst vergangen Tagen, doch auch ich habe in der letzten Schlacht gekämpft. Ich gebe dir mein Ehrenwort als Admiral, dass deine Geheimnisse bei mir geheim bleiben! Doch solltest du vorsichtiger sein bei wem du dich betrinkst, denn Gerüchte machen die Runde, dass selbst nach der langen Belagerung und dem Kampf einige Spione und Feinde in der Stadt verweilen. Es soll zu einem versuchten Attentat auf den ältesten Fürstensohn gekommen sein, sagen manche. Aber das sind nur Gerüchte und von denen gibt es dieser Tage viele." , der Wirt war froh, dass er nicht mehr zuhören musste, denn so interessant die Geschichte von Karthull auch war, lag es dennoch in seiner Natur seinen Gästen die neusten Gerüchte der Stadt kund zu tun.
"Du sagtest aber du hättest den Auftrag vom Fürsten bekommen dich der Mordorarmee anzuschließen? Dann solltest du dich beeilen und nicht nach hinten blicken! Der Familie Lûdhra wird geholfen, schließlich ist das hier eine geschäftige Stadt, ich bin mir sicher sie werden eine richtige Unterkunft und eine gute Arbeit finden."
"Danke, für die Aufmunterung! Ja, heute ist es vermutlich zu spät, um noch aufzubrechen, doch morgen will ich sofort aufbrechen."
So verließ Karthull die Kneipe am Hafen und machte sich bereit am folgenden Tag die Suche nach der Armee Mordors aufzunehmen.


Karthull nach Belfalas
« Letzte Änderung: 16. Aug 2016, 15:24 von Fine »