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Autor Thema: Vor der Stadt  (Gelesen 6646 mal)

PumaYIY

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Vor der Stadt
« am: 26. Aug 2011, 19:10 »
Karthull kommend von Lebennin ins Lager der Belagerer


"Da sind wir. Ich kenn mich hier schon aus, es ist nicht mehr weit. Jetzt dürfen wir bloß nicht zu nervös werden." , Estomir Karthull´s Kutscher redete sich Mut zu, während sich das Gespann, um die letzte Windung der Straße schlängelte. Die letzten paar Tage waren wie im Flug vergangen und Estomir und Karthull hatten ihre Rollen als die sauronloyalen Boten von Herumor weiter ausgeübt, beispielsweise als sie erste Späher von den Armeen des Nazgul getroffen hatten. Dies war ihnen nach relativ langer Zeit der Abgeschiedenheit, in der sie beide ihre wirklich echten Gedanken äußern konnten, ohne in der Angst leben zu müssen in gefährliche Situationen zu kommen, schwer gefallen.
Am liebsten würde ich mich nie wieder verstellen müssen. Doch wie es heißt werde ich das noch nichteinmal mehr in Dol Amroth können, berücksichtig man die Gerüchte, die besagen, dass es dort von Spitzeln nur so wimmelt. Erstmal muss ich aber hinein kommen und da hab ich immernoch keine Ahnung wie ich das anstellen soll.

Der düstere Nachmittag war weitgehend trocken geblieben, doch je näher sie dem Meer kamen, desto wasserhaltiger wurde die Luft. Die Straße führte am Hang eines kleinen Hügels entlang, dessen Erde es teilweise in Form von kleinen Schlammlawinen auf die Straße geschafft hatte. Doch die breite gepflasterte Straße, welche in der Blütezeit der letzten Jahrzehnte angelegt worden war, bot genug Raum, um auch größere Hindernisse, wie durch Sturm gefallene Äste oder Stämme, zu umfahren.
Estomir hatte recht behalten, hinter der Biegung war ein weiterer Posten von der Armee des Nazgul, zwei Haradrim, die aufsprangen als sie sahen, dass sich jemand die Straße entlang wagte. Zuerst kreischten diese Wüstenmenschen etwas für die beiden Boten unverständliches, dann aber sprachen sie im vertrauten Westron mit emporgehaltenen Waffen:
"Was wollt ihr hier?"
"Wir kommen als Boten aus Minas Tirith, Karthull und Estomir. Wir haben bereits einige Späher getroffen, die uns versprachen unser kommen anzukündigen.
"Jaja, in Ordnung. Wir wollten nur sichergehen! Ihr dürft passieren, aber zügig und sagt den ersten Wachen die ihr seht sie sollen herkommen und uns ablösen, denn wir wollen hier nicht auf den nächsten Regen warten!"
"Wir sind nicht eure Laufburschen, sonder die Boten von Herumor aus Minas Tirith. Also kümmert euch selbst, um eure Belange." , antwortete Estomir harsch und gab dem Pferd, das tapfer den langen Weg durchgehalten hatte und keine Probleme bereitet hatte ein Zeichen zum fortbewegen.
Als Rache erntete Estomir eine zornige Grimasse des Wächters auf den noch weitere folgen sollten. Die Straße führte weiter hinaus aus dem hügeligen Wald, welcher hinter ihnen lag, hin zur Ebene die unmittelbar vor den verschlossenen Stadttoren von Dol Amroth lagen.
Karthull sah im nebelverhangenen Licht des späten Nachmittags erstmals die Befestigung Dol Amroths von außen: Ein imposanter Graben und mächtiges Mauerwerk, Zinnen die im aufkommenden Regen wie Berge und Türme die wie Speere aus dem Boden ragten. Doch alldies betrachtete Karthull, während die Kutsche sich ihren Weg durch das Lager der Belagerer bahnte nur aus der Weiten Ferne von mehr als einer Bogenlänge. Als ein Windstoß seinem nach rechts gewandten Blick eine Wolke in die Bahn warf, wandt Karthull sich ab und musterte nun das Lager in dem er sich befand. Einige ältere Pfähle versperrten möglichen anreitenden Pferden aus Dol Amroth den Weg, davor ein kleiner Graben, dahinter die langen Reihen der Zelte von Orks Haradrim und Korsaren. Ein junger Mensch führte die das Gespann durch die Gassen in Richtung eines größeren Zeltes.
« Letzte Änderung: 16. Aug 2016, 15:20 von Fine »

PumaYIY

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Re:Vor der Stadt
« Antwort #1 am: 26. Aug 2011, 23:06 »
Als Karthull von der Kutsche kletterte merkte er wie ausgelaugt er vom ständigen ungemütlichen Ruckeln und der langen Fahrt allgemein war. Seine Gelenke schmerzten und sein Rücken war von der provisorischen Lehne, die Estomir und er am zweiten Tag ihres Weges aus einem Brett, dass im Wagen gelegen hatte gebastelt hatten, nicht sehr begeistert.
Doch als er mit seinen muffigen Lederschuhen den vom Regen aufgeweichten Boden berührte war er froh über die überaus praktische Möglichkeit mit der Kutsche zu reisen. Der Boden war schmutzig und voll aufgeweichter Erde, doch als Estomir und er das Zelt betraten wurde es angenehmer, denn es war mit einem Boden aus Holzplatten ausgelegt. Es war nicht wie zuerst angenommen, das Zelt irgendeines Anführers, sondern ein großes Lager in welchem die Gondor-Banner von ihrem Transport gelagert werden sollten.
Ein anstrengendes Hin- und Hergeschleppe begann für den ohnehin schon müden Karthull, dem es jedoch noch besser erging als Estomir, der draußen im Regen die Kutsche abstellen und das Pferd versorgen musste.
Zum späteren Abend, als die anstehenden Arbeiten getan waren sollten Karthull und Estomir dann einem befehlshabenden Heermeister vorgeführt werden, der die Boten stellvertretend für den Nazgul, dem die eigentliche Gewalt im Lager oblag, empfang. Auch sein Zelt war mit Holzboden ausgelegt und dazu noch mit einem kleinen Podest ausgestattet so, dass die Feuchtigkeit die Platten nicht direkt von unten angreifen konnte. Außerdem waren die Zeltplanen mehrfach übereinander gespannt, damit kein Tropfen Wasser eindringen konnte. Einige blank polierte Säbel und ein Speer standen präsentiert im Zelt, außerdem ein Helm ein Schild und ein Schutzpanzer für den restlichen Körper. Es war ein Anführer mit dem Blut der Menschen Harads. Ein Ork, der Karthull beim Abladen der Banner geholfen hatte berichtete dem Haradrim davon und auch die genaue Stückzahl. Diese ließ er sich von Estomir bestätigen, dann fragte er nach sonstigen Neuigkeiten aus Minas Tirith.
"..., denn in den letzten Briefen, die mich vor einigen Wochen erreichten schrieb Herumor von besorgniserregenden Zuständen in der Stadt."
"Die Übergabe dieses versiegelten Briefs wurde mir aufgetragen." , antwortete Karthull, während er Beregonds Brief aus seiner Tasche holte. Einige Zeit las der Haradrim den Brief schweigend, bis er sagte: "Das sind gute Neuigkeiten, Sauron wäre sehr erzürnt, wenn wir das Lager abbrechen müssten, um Soldaten nach Minas Tirith zu schicken. Jetzt die Meldung, dass Herumor die Lage unter Kontrolle hat und endlich die Banner Minas Tirith´s. Ich werde sie gleich morgen aufstellen lassen. Gute Neuigkeiten! Hier ist etwas Geld, mit dem ihr euch den Abend versüßen könnt und jetzt nichts wie raus mit euch!"
Estomir hatte das Beutelchen mit dem Geld genommen und die beiden wollten gerade gehen, als der Heermeister sie nochmal zurückrief: "Achja..."
Für Sekundenbruchteile lief es Karthull eiskalt den Rücken herunter. Weiß er etwa schon von den Ereignissen in Minas Tirith? Hat er uns etwas vorgespielt?! Verdammt!
"Ich habe euch in ein Korsarentrupp gesteckt, solange ihr hier seid werdet ihr mit den anderen Wache schieben und die Pflichten und Aufgaben von ihnen teilen. Ich gebe euch Bescheid, sollte ich wieder Boten brauchen, die nach Minas Tirith fahren."
"In Ordnung, Herr Heermeister." , rief Estomir in dem von den einheimischen Wachen in Minas Tirith normalen Ton, der Karthull für dieses Zelt und diese Personen unangemessen erschien.
Ein Mensch aus dieser Korsarentruppe wartete vor dem Zelt auf sie und führte sie zur Gasse in der sich die Korsaren des Trupps die Zelte teilten. Karthull schien er auf Anhieb, zu tolerieren, doch der stolze Städter Estomir wurde von dem Argwohn und der Misgunst des Korsaren geplagt, was sich in seiner Schlafplatzsituation und dem Essen wiederspiegelte, denn während Estomir am Rand eines Zelts in ständiger Erwartung nass zu werden schlief hatte der Korsar Karthull in der Mitte untergebracht und zu essen hatte Karthull eine Kelle mehr bekommen. Doch Karthull war nicht ganz geheuer zumute, denn einige der Korsaren schien er zu kennen, doch er wusste nicht woher. Wie auch immer , dachte er sich. Ich muss heute Nacht schon direkt auf eine Patroullie, und ich dachte ich hätte in Minas Tirith viel zu tun.


Karthull weiter zum Hafen
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 09:05 von Fine »

Eandril

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Oronêls Ankunft
« Antwort #2 am: 6. Okt 2011, 18:25 »
Oronêls Start:
Oronêl kommt von den Pinnath Gelin und nähert sich Dol Amroth von Nordwesten.

Dort, vielleicht zwei oder drei Meilen entfernt, lag die Stadt unter dem pechschwarzen Himmel. Er hatte sein Ziel endlich erreicht, doch in einem Halbkreis um die Stadt lag ein schwarze Masse, die hin und her wogte, und aus tausend Kehlen Kampfschreie brüllte, wie ein wildes Tier. Oronêl wusste sofort, was er vor sich hatte, zu sehr erinnerte ihn dieser Anblick an den Krieg des letzten Bündnisses...
Schreie, Blut, Gestank, Orks und Orks und Orks... wo war Amdír? Er hatte es geschworen! Da! Ein Ruf... ein lächelndes Gesicht... eine blutige Schwertspitze, aus Amdírs Brust hervorstoßend... Nie wieder!!!
Blitzartig brachte der Anblick von Saurons Heer seine Erinnerung zurück, und damit kehrte auch der Schmerz über sein Versagen zurück, doch der eiskalte Regen, der auf ihn niederprasselte, ließ ihn rasch wieder zur Besinnung kommen.
Mit seinen scharfen Elbenaugen entdeckte Oronêl einen Mann in besonders prächtiger Rüstung auf der Mauer... das musste der Fürst sein, Imrahil, wenn er sich recht erinnerte. Doch wer war die Gestalt dort neben dem Fürsten? Eine große schlanke Gestalt mit rotblondem Haar... doch irgendetwas war seltsam an ihr. Sie wirkte auf eine unbstimmte Art und Weise... weiblich? War die Not der Menschen Gondors so groß, dass selbst ihre Frauen kämpften?
Das ist wirklich sonderbar, ich habe noch nie gehört, dass Menschenfrauen kämpfen. Aber wenn sie das kann, kann ich das auch! Los Oronêl, du musst in die Stadt, du musst ihnen beistehen!
Aber wie wollte er das anfangen? Dort unten waren tausende Orks, nie im Leben würde er die Stadt lebendig erreichen. Er musste...
Während er noch dachte ertönte plötzlich inmitten des Lärms der Orks ein hohes, kaltes Kreischen, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ringgeister! Und das war sie auch schon, eine schwarze Gestalt an der Spitze des Heeres. Der Angriff auf die Stadt begann und er war zum zusehen verdammt!
Vielleicht kann ich durch die Bucht schwimmen, während das Heer abgelenkt ist!
Doch er hatte zu lange gezögert. "He du!", ertönte hinter ihm eine grobe Stimme. "Dreh dich um, und keine Mätzchen!"
Verdammt, Oronêl, deine Ohren waren auch mal besser! Schon wieder versagt...
"Na los, wirds bald, dreckiger Abschaum?", fragte die Stimme, es musste ein Ork sein, so klangen nur Orks, weniger Menschen als Tieren ähnlich. "Ich hab jetzt genug davon! Los Jungs, murkst ihn ab!"
Ihn diesem Moment zog Oronêl, der sich noch nicht geregt hatte, seine treue Axt Hatholdôr aus dem Gürtel und wirbelte herum.
Vier Orks, einer nah bei mir, die anderen ein paar Schritte weiter weg...
Die Axt zog eine blutige Linie über die Brust des Anführers.
Drei, die nun alle ihre Klingen gezogen haben...
Er sprang vorwärts und entging nur knapp einem Hieb des nächsten Orks, der auf seinen Kopf gezielt war, indem er sich duckte.
Jetzt, seine Deckung hat sich geöffnet...
Der Ork fiel mit einer klaffenden Bauchwunde, doch der nächste war schon heran.
Er zielt auf meinen Hals, aber ds ist kein erfahrener Kämpfer...
Ein Schlag prellte dem Ork das Schwert aus der Hand, der nächste durchtrennte beinahe seinen Hals.
Nur noch einer...
Er fühlte einen brennenden Schmerz an der Schulter... der Mistkerl musste ihn erwischt haben! Ein Schlag auf die Beine, links, rechts, ein Tritt gegen das linke Knie, ein Hieb auf den Kopf... der Ork fiel mit gespaltenem Schädel zu Boden.
Meine Instinkte haben mich nicht im Stich gelassen, aber ich bin etwas au der Übung.
Er sah sich rasch um, ob sich noch weitere Orks näherten, doch keiner war zu sehen... außer den Massen, die gerade die Mauern Dol Amroths bestürmten.
Ich muss hinunter zum Wasser, sonst komme ich nie in die Stadt!
Er wandte sich nach Norden, und lief behände den Hügel hinab, auf dem er gestanden hatte, obwohl seine Schulterwunde brannte wie Feuer. Als er das Wasser erreichte, zögerte er keine Sekunde, sondern lief weiter hinein und schwamm schließlich in Richtung des Hafens von Dol Amroth. Zwar behinderte ihn seine Schulter etwas, doch er würde es schaffen... wenn ihm nicht ein Bogenschütze auf der Mauer, der ihn für einen Ork hielt, ein Ende setzte...


Oronêl zum Hafen
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 11:36 von Fine »

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Thorondor the Eagle

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Re:Vor der Stadt
« Antwort #3 am: 20. Nov 2011, 17:37 »
Celebithiel, Oronêl und Amrûn vom Lazarett


Als Amrûn dort vorne saß und auf die einfühlsamen Worte Celebithiels hörte, wurde ihm das erste Mal bewusst, dass er noch keine Zeit hatte sich von den Strapazen der Schlacht zu erholen.
Seine Muskeln waren schlaff und seine Augenlider schwer, aber es war sein Stolz und seine Höflichkeit die ihm befahlen aufrecht zu sitzen und die strahlenden Blicke der Menschen Dol Amroths zu erwidern. Ihre Welt wurde gerettet, ihre Hoffnung hat sich erfüllt. Konnte es ein schöneres Gefühl geben?

Er sah es auch an Celebithiel. Es war lange her, dass sie so hoch erhobenen Antlitzes in die Menge sprach. Die Anzeichen einer langsamen Ermüdung sind der Erleichterung gewichen.

Sie hat sich dem Nazgul entgegen gestellt. Sie war so unglaublich mutig und hat es geschafft ihre Angst zu überwinden. Die Angst, die seit Isengard tief in ihrem Herzen wohnte.

Das Volk jubelte ihr zu, als sie ihre Rede beendete. Es hätte Amrûn nicht gewundert, wenn sie ihr zu ehren eine Siegesstatue errichtet hätten, denn dies war Dol Amroth, zwar eine Stadt der unbeugsamen Menschen Numenors, aber Freunde der Elben.

Auch Amrûn stand auf und applaudierte lautstark, doch in dem Moment überwältigte ihn seine Erschöpfung. Er fühlte, wie schwer seine Beine wurden, wie sich alles um ihn drehte. Es war eine Art Trance in der um ihn alles verschwamm, bis ihm schwarz vor Augen wurde und er umkippte.



Er fühlte das weiche Laken unter sich und die wärmende Decke. Es dauerte eine Zeit bis seine Sinne wieder geschärft waren. In der Ferne hörte er das leise Rauschen des Meeres und fühlte die Sonnenstrahlen, die durch das Buntglasfenster auf ihn fielen. Behutsam öffnete er seine Augen.

„Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt!“ ertönte eine tiefe Stimme.
Der Nacken des Elben war verspannt, sodass er den Raum nicht nach der Herkunft der Worte absuchen konnte.
„Es gibt viele Gifte die Orks verwenden um ihre Klingen zu tränken. Bei weitaus gefährlicheren setzt die Wirkung erst viel später ein, führen aber letztendlich zum Tode“, sprach er weiter und Oronel trat in sein Blickfeld.
„Zum Glück hat mich keine Klinge erwischt“, erwiderte Amrûn mit trockener Stimme.
„Das wissen wir nun auch“, sagte er freundlich und reichte ihm einen Becher voll Wasser.
Er konnte mit dem Trinken gar nicht aufhören so ausgetrocknet fühlte sich sein Mund an, doch dann richtete er sich wieder an Oronel: „Solltest du nicht auf der Feier sein?“
„Ich habe den Männern geholfen dich hierher zu bringen. Nun weiß ich, dass es dir gut geht und dich nur die Erschöpfung zu Fall gebracht hat. Celebithiel wird beruhigt sein.“
„Erschöpfung… sie ist kein Merkmal unsers Volkes und doch hat sie mich überwältigt. 6000 Jahre hinterlassen doch ihre Spuren“, sagte Amrûn und starrte dabei in den leeren Becher.
„Wem sagst du das“, bekam er zur Antwort und überrascht blickte er zu seinem Gegenüber.
„Ich weiß, dass nicht das Aussehen der Elben ihr Alter verrät, aber aus den Augen sollte ich es dir lesen können. Doch da ist nichts… Wer bist du?“
„Oronêl aus Lórinand, das sagte ich dir doch schon.“
„Ja. Einen alten Namen trägst du, doch dachte ich nicht, dass er schon so alt ist.“
„Ich habe mich lange Zeit vor der Welt versteckt und sie sich vor mir. Auch wenn du meinen Kummer nicht siehst, ist er da - im Verborgenen“, sagte er ein wenig bedrückt.
Amrûn bemerkte, dass Oronêl unwohl bei dem Gespräch wurde: „Es gibt einen großen Sieg zu feiern zu dem du beigetragen hast. Geh hin und genieße es. Ich werde mich noch ein wenig ausruhen.“
„Mach das“, entgegente der Elb und ging zur Tür.


Amrûn zum Lazarett
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:20 von Fine »
2. Char Elea ist inBree


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Eandril

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Ahnenkunde
« Antwort #4 am: 21. Nov 2011, 18:49 »
Oronêl verließ Amrûns Zimmer und zog sanft die Tür hinter sich zu. Er musste hinunter vor die Stadt, um Celebithiel zu berichten, dass Amrûn nicht verletzt, sondern nur erschöpft war. Es hatte ihn aufgewühlt zu sehen, dass auch andere unter der Last der Jahre litten. Manches Mal hatte er sich schon gedacht, wieso er Mittelerde nicht einfach den Rücken kehrte, und in Frieden abseits des Bösen im Westen, jenseits des Meeres lebte. Doch er war noch nicht bereit dazu. Er wollte Mittelerde nicht kampflos aufgeben und dem Bösen überlassen.
Und da gibt es noch etwas anderes... Etwas, das in Valinor und nicht in Mittelerde liegt.
Er hatte das Tor erreicht und durchschritt den leeren Torbogen, unter dem er noch vor wenigen Tagen mit dem Nazgûl gekämpft hatte.
Ich habe einen Nazgûl besiegt...
Draußen auf den Feldern standen die Menschen in kleinen Grüppchen bei den aufgebahrten Gefallenen, um ihnen persönlich die letzte Ehre zu erweisen. Die ganze Stadt musste dort versammelt sein. Er hätte niemals den Mut aufgebracht, vor dieser Menge zu sprechen und ihnen Trost zu spenden, wie Celebithiel es getan hatte.
Oronêl ließ seinen Blick über das Feld schweifen, bis er Celebithiel erblickte, die neben Imrahil stand und sich leise mit ihm unterhielt. Er ging zu ihnen und sagt:"Amrûn geht es besser. Er ist nicht verletzt, sondern nur vor Erschöpfung ohnmächtig geworden, aber er ist bereits wieder erwacht. Es gibt keinen Grund zur Sorge, er wird wieder auf die Beine kommen."
Celebithiel lächelte erleichtert, schwieg aber, und Imrahil antwortete:"Ich danke euch, Oronêl Waldsohn, für diese gute Nachricht. Es hätte den Tag wahrlich seiner Freude beraubt, ihn jetzt noch, nach der Schlacht zu verlieren."
"Ich bin froh, dass wir zu den vielen Gefallenen nicht auch noch Amrûn zählen müssen, obwohl ich ihn dann nicht kennen und schätzen gelernt hätte.", erwiderte Oronêl.
"Ach, da fällt mir ein, mein Sohn Amrothos hat mir von euch berichtet, Oronêl. Er sagte, ihr hättet in der Schlacht neben ihm gekämpft."
"Das ist richtig. Dann lebt er also? Ist er verletzt?" Oronêl atmete erleichtert aus. Imrahil und auch Celebithiel lachten. "Du scheinst dir ernsthaft Sorgen um ihn gemacht zu haben", sagte Celebithiel, "obwohl du ihn gerade erst kennengelernt hattest."
"Ja, ich habe mir tatsächlich Sorgen gemacht. Doch dies ist nicht der Zeitpunkt, um diese Geschichte zu erzählen. Wenn wir etwas Ruhe haben, vielleicht. Doch sagt mir, Fürst Imrahil, wo ist euer Sohn?"
"Er steht dort drüben, mal wieder völlig allein. Er wollte allein den Gefallenen gedenken, doch geht ruhig zu ihm, es wird ihm nicht schaden, mit jemandem zu sprechen.", antwortete Imrahil, und zeigte in Richtung Stadt.
"Ich danke euch." Oronêl verneigte sich und nickte Celebithiel zum Abschied zu.
Wir müssen uns noch über diesen Ring unterhalten, ich muss sie etwas fragen...
Als er sich Amrothos näherte, wandte dieser sich um, erblickte ihn, und ein Grinsen breitete sich über sein Gesicht aus. "Oronêl von Lórinand! Hat es dich also nicht erwischt, mein elbischer Kampfgefährte." Mit diesen Worten kam Amrothos Oronêl die letzten Schritte entgegen und umfasste seinen Unterarm. Oronêl erwiderte den Griff und sagte: "Obwohl es nah dran war, bin ich wieder wohlauf und froh, dich wiederzusehen, Amrothos."
Er zögerte, doch dann fuhr er fort. "In der Schlacht hast du mich an einen guten Freund erinnert, den ich einst in der großen Schlacht auf der Dagorlad verlor. Ich hatte geschworen, ihn zu beschützen, doch ich versagte. Nun wollte ich das wiedergutmachen, in dem ich dich beschützen wollte. Als ich aber mit dem Nazgûl kämpfte, flüsterte er mir seine Lügen ein und erzählte, du seist in Gefahr, und ich müsse dich retten, anstatt mit ihm zu kämpfen. Aber nun weiß ich, dass er gelogen hat."
Amrothos schwieg einen Moment, schien mit sich zu kämpfen. Dann sagte er: "Er hat nicht gelogen. In dem Moment, als du und der Nazgûl kämpften, hatte mich ein Feind zu Boden geschlagen und wollte mir mit seinem Speer ein Ende setzen. Doch in diesem Moment kam mir Amrûn, der Gefährte der Herrin Celebithiel zu Hilfe, als er sie verteidigte. Dabei rammte er meinem Feind das Schwert durch den Körper und rettete mir so, unbewusst das Leben, aber ich bin ihm nicht weniger dankbar, als wenn es aus Absicht geschehen wäre. Doch komm, setzen wir uns."
Amrothos führte Oronêl zu einer Bank, die an der Mauer stand. Als sie sich gesetzt hatten, sagte er: "Ich bitte dich, Oronêl, erzähl mir ein wenig von dir. Ich möchte wissen, wer du bist."
Oronêl zögerte einen Moment, doch irgendetwas hatte dieser junge Mensch an sich, dass es ihm unmöglich machte, zu schweigen.
"Meine Mutter war Nellas von Doriath und mein Vater Ardir von den Falas, der von Lenwe abstammte. Sie beide wurden in Beleriand geboren und gehörten zum Volk der Sindar. Nach der Zerstörung Doriaths flohen sie nach Osten über die Blauen Berge und blieben schließlich in Lórinand, dass heute Lothlórien genannt wird. Dort wurde ich zu Anfang des Zweiten Zeitalters geboren, und wuchs in Frieden auf. Als die Zeit reif war, lehrten mich meine Eltern und die Waldelben Lórinands den Umgang mit Bogen und Axt sowie die Geschichte Mittelerdes. Nur wenig später segelten meine Eltern in den Westen. Es folgte eine einsame Zeit für mich, doch bald schloss ich eine enge Freundschaft mit Amdír, dem Führer der Waldelben, der wie ich ein Abkömmling Lenwes war."
Oronêl räusperte sich. So tief war er lange nicht mehr in die Vergangenheit eingetaucht, doch es tat gut, davon zu erzählen. Er sah Amrothos an, und sah in seinen Augen Erstaunen. "Du wunderst dich über mein Alter, nicht war, Menschenkind? Man sieht es den Elben nicht an, höchstens in ihren Augen. Denn auch wenn die Jahre keine körperlichen Spuren hinterlassen mögen, so hinterlassen sie doch tiefe Spuren in der Seele."
Oronêl dachte an das Gespräch mit Amrûn früher an diesem Tag zurück. Auch Amrûn hatte ihm sein Alter nicht angesehen, aber er hatte auch Amrûns wahres Alter nicht erwartet.
In gewisser Weise ist es doch ein Fluch, nicht zu altern...
"In den Jahren, die wir friedlich in Wäldern Lóriens lebten, lernte ich Amdírs Cousine kennen, Calenwen. In meinen Augen war sie das schönste Wesen in Mittelerde, und ich bezweifelte, dass es auch jenseits der See etwas Schöneres geben sollte. Ich liebte sie so sehr, dass ich mich ihr nicht offenbaren konnte, ich fürchtete mich zurückgewiesen zu werden, und wollte meine Liebe in mir bewahren. Das einer der größten Fehler, die ich je gemacht habe, doch nach einigen Jahren, in denen ich ihr immer wieder auswich, wenn sie mit mir reden wollte, offenbarte sie mir ihre Liebe zu mir. Es war eine der glücklichsten Momente in meinem Leben, und mein Leben währt bereits unglaublich lange."
Eigentlich schon zu lange...
"Bist du schon verheiratet, Amrothos?", fragte er. Amrothos wurde rot und schüttelte den Kopf, schwieg aber.
"Ah, ja. Ich verstehe.", fuhr Oronêl fort. "Nur wenig später heirateten wir, und nach Jahren der Ehe wurde unsere Tochter Mithrellas geboren."
Bei diesen Worten blickte Amrothos erstaunt auf, doch als Oronêl ihn fragend ansah, schüttelte er erneut den Kopf.
"Inzwischen hatte auch Amdír geheiratet, und im selben Jahr wie Mithrellas kam Amroth, sein Sohn zur Welt. Die beiden wurden Freunde, ebenso gute wie Amdír und ich. Doch bald darauf war die Zeit des Friedens vorbei, denn Sauron griff die freien Völker an, und Amdír und ich zogen aus, um Lórinand zu verteidigen. Von dieser Zeit werde ich dir jetzt nicht erzählen, denn in Zeiten des Krieges möchte ich lieber an Friedenszeiten zurückdenken.
Dieser Krieg endete erst über tausend Jahre später im Krieg des Letzten Bundes. Dort fiel Amdír, in der Schlacht auf der Dagorlad. Ich brachte ihn und unsere überlebenden Krieger nach Hause, und dort erwartete mich erst das schlimmste Übel dieses Krieges. Denn Calenwen und Amdírs Frau hatte versucht uns vom Fortgehen abzuhalten, und nun brachte ich Amdír tot nach Hause! Seine Frau gab mir die Schuld, und es kam zu einem Streit zwischen mir und ihr und Calenwen. In meiner Trauer und meinem Zorn lief ich davon, verließ Lórinand für ein paar Wochen, und als ich wiederkam, waren sie beide nach Westen gesegelt. So hatte ich nicht nur meinen Freund, sondern auch meine geliebte Frau verloren."
Oronêl stockte und verstummte, von Gefühlen, die er längst vergessen geglaubt hatte überwältigt. Amrothos stand auf und sagte: "Vielleicht lasse ich dich besser allein.", doch Oronêl zog ihn zurück auf die Bank.
"Nun wurde Amroth, Amdírs Sohn, Herr von Lórinand. Er hatte in kürzester Zeit Vater und Mutter verloren, und war nun auch noch der Herr des Landes. Ich wurde sein Berater, doch ich konnte ihm seine Familie schlecht ersetzen. Insgeheim hoffte ich, er würde bei Mithrellas Trost suchen, da sie gute Freunde waren, und ich glaube sie hoffte es auch. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass sie eines Tages heiraten würden, und hatte oft mit Amdír darüber gesprochen.
Doch statt Mithrellas trat Nimrodel in Amroths Leben und ersetzte ihm die Familie. Sie war eine Waldelbin die an der Nordgrenze lebte, und Amroth verliebte sich auf den ersten Blick in sie. Als die Zwerge ein uraltes Übel in Moria weckten und Orks umherzustreifen begannen, wollte er Nimrodel in den Westen bringen, damit sie sicher wäre, denn erst dann wollte sie ihn heiraten.
Ich begleitete ihn als sein Leibwächter, und Mithrellas wollte Nimrodel begleiten. Am Abend vor unserem Aufbruch hatte ich einen Streit mit ihr, denn ich wollte ihr verbieten, mitzugehen, da ich es als zu gefährlich erachtete. Doch am nächsten Morgen kam sie mit uns. Ich habe seitdem kein Wort mehr mit ihr gesprochen.
Als wir das weiße Gebirge erreichte, verirrten sich Nimrodel und Mithrellas in den Tälern und Schluchten, und ich machte mich auf die Suche nach ihnen, und schickte Amroth zum Hafen, um dort auf uns zu warten. Doch meine suche war vergeblich, und nach zwei Jahren kam ich zum Hafen, um Amroth zu berichten. Doch dort erfuhr ich, dass sein Schiff sich in einem Sturm losgerissen hatte, und er entweder in den Westen gefahren oder im Sturm ertrunken war. Daraufhin zog ich mich in die Grünen Berge zurück, denn ich war die Welt leid und hatte alles verloren, was mir teuer war.
Das war meine Geschichte, Amrothos von Dol Amroth, und nun erzähle du mir deine.", schloss Oronêl.
"Es gibt nicht viel zu erzählen. Ich bin Amrothos aus dem Geschlecht Galadors, des Sohnes von Imrâzor und der Elbenfrau Mithrellas.", begann Amrothos.
Als Mithrellas' Name fiel, fuhr Oronêl zusammen. "Das ist ein wahrlich seltsamer Zufall, das deine elbische Ahnherrin ausgerechnet den Namen meiner Tochter trägt.", sagte er.
"Ich glaube nicht, dass das ein Zufall ist. Deine Tochter hat Amroth und Nimrodel nach Süden begleitet. Nun, das erzählen wir uns hier auch. Und deine Erzählung stimmt mit der Geschichte unseres Hauses überein. Es besteht kein Zweifel für mich: Deine Tochter und meine Ahnherrin sind ein und dieselbe Person. Damit bist du mein Vorfahr!" Amrothos umarmte ihn.
Vor Oronêls Augen verschwamm alles.
Wie konnte sie sich mit einem Menschen einlassen?
In seinem Kopf hörte er Amdírs Stimme: "Von deinen Nachfahren wird man noch hören, wenn sich niemand mehr an mich erinnert, wenn du also heute sterben solltest, wird dein Blut noch lange fortbestehen!"
Plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen, er fiel von der Bank und fühlte nur noch, wie Amrothos ihn auffing und sanft zu Boden gleiten ließ.

Oronêl zu Amrûn ins Lazarett
« Letzte Änderung: 12. Feb 2013, 14:04 von Eandril »

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Vexor

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Re:Vor der Stadt
« Antwort #5 am: 26. Nov 2011, 16:43 »
Celebithiel und Imrahil spazierten über die Felder. Immer mal wieder gab es eine Stelle, wo der Fürst inne hielt und einen Freund oder Bekannten persönlich die letzte Ehre erwies.
„ Wie habt Ihr nun vor zu handeln Imrahil?“, fragte Celebithiel zaghaft, nachdem Imrahil einen hohen Beamten seines Verwaltungsstabes verabschiedet hatte.
Man sah es dem Menschen an, wie sehr ihn die Schlacht zugesetzt hatte. Nicht physisch, sondern emotional. Er wirkte müde und schlaff, nichts war zu erkennen von dem jugendlich-kecken Lächeln, dem sie auf dem Ball begegnet war.
„ Hmm…ich weiß es nicht Celebithiel. Die Stadt ist frei…vorerst“, sagte er zögernd und sie setzten ihren Spaziergang fort.
„ Ja aber Sauron wird nicht lange zögern bis er Dol Amroth erneut angreift. Minas Tirith ist gefallen, wie ihr sagtet und somit ist Dol Amorth die letzte freie Stand in Gondors in den Händen der freien Völker.“
Imrahil nickte freudlos und knöpfte seine Jacke auf. Die wärmenden Sonnenstrahlen hatten sich immer mehr aufgeladen und auch Celebithiel hatte den Schal abgelegt, denn es war jetzt frühlingshaft warm.
„Was schlagt ihr den vor? Einer weiteren Belagerung können wir nicht stand halten. Die Horden des Feindes sind unerschöpflich. Unsere Ressourcen begrenzt. Zwar kommen immer mehr Flüchtlinge aus den südlichen Lehen, aber Mordor beginnt die Straßen und Grenzen zu kontrollieren. Sie schlachten die Flüchtlingsströme nach Dol Amroth regelrecht ab…“.
Die Verbitterung in Imrahils Stimme war beinahe greifhaft und die Elbe wusste nicht genau, was sie erwidern sollte. Ihr selbst war klar, dass der Sieg über Mordor zum einen Glück und zum anderen nur eine Gnadenfrist war.

Sie passierten eine Horde von Menschen, die sich vor den Fürsten und Celebithiel verneigten. Ihre Gesichter spiegelten die Stimmung der Elbe wieder. Zum Teil waren sie voll Hoffnung und Glückselig und andererseits war die unverkennbare Wahrheit nicht zu leugnen; Dol Amroth würde beim nächsten Angriff fallen.
Aus dem Haufen löste sich Limris und gesellte sich zu den beiden.

„Seid gegrüßt Fürst Imrahil, Herrin Celebithiel!“
Die beiden nickten resigniert.
„ Ist es des Siegers Eigenart so freudlos zu schauen, oder nur die Eure?“, erwiderte Limris kühn, aber kein Lächeln huschte über Imrahils Lippe. So ergriff Celebithiel das Wort.
„ Des Siegers beste Eigenart ist es sich über die nächste Schlacht Gedanken zu machen, nachdem die Toten begraben worden sind. Wir befürchten, dass bald eine weitere Belagerung der Schwanenstadt bevorsteht. Nur werden wir dieser Welle nicht stand halten können…“
„ Aber ihr habt den schwarzen Reiter niedergestreckt. Wo geht und wandelt, meine Herrin, brechen die Mauern Saurons – Lórien, Rohan, Dol Amroth.
Wir alle verdanken euch unsere Freiheit. Ihr habt den giften Arm Saurons abgeschlagen.“
Ein müdes Lächeln huschte über Celebithiels Lippen.
„Ach Limris…wenn es nur so einfach wäre. Natürlich habt ihr recht. Rohan und Lórien, sowie die Schwanenstadt, sind frei. Dort waren die freien Völker siegreich.
Niemand wollte mehr daran glauben, nachdem der dunkle Herrscher seine Macht zurückerlangt hat. Ich selbst vermag nicht zu sagen, warum Sauron so zögernd vorgeht. Meine Herrin in Lothlórien sagte nach der Befreiung Rohan folgendes zu mir, nachdem ich ihr die gleiche Frage stellte:

„ Sie her mein Kind, Sauron selbst hat Angst. Mag seine Macht noch so grauenvoll und sein Heer noch so mächtig sein, fürchtet er die freien Völker dennoch. Fürchtet, was sie leisten können.
Schon einmal war siegessicher. Bei der großen Schlacht des letzten Bündnisses, bei der auch dein Vater mitkämpfte, wurde er niedergeworfen von einem Menschensohn; auf dem Höhepunkt seiner Macht.
So denke ich, dass dies der Beweggrund ist für sein Zögern. Für sein zögern nicht seine ganze Streitmacht gegen den Westen zu führen […]“
.

„ Aber Imrahil Limris hat recht. Wir müssen dennoch optimistisch bleiben. Der Schlag, den wir Mordor zugefügt haben mag winzig sein, aber dennoch war es ein Schlag.
Wichtig ist neue Verbündete außerhalb des Westens zu suchen..“
„Wie meinst du das?“, fragte Imrahil skeptisch.
„ Geht in den Süden, macht eure Feinde zu Freunden. Zumindest war dies Gandalfs Plan, bevor er…bevor er…schlief.
Er sagte wir dürfen nie vergessen, dass die Haradrim und Ostlinge ebenfalls Menschen seien. Menschen, die unter den Einfluss Saurons geraten sind. Ich unterhielt mich mit einem Haradrim, einen Bekannten, den wir aus den Verließen Isengarts retteten.
Viele der Haradrim hassen Sauron ebenfalls so sehr, wie wir. Sie folgen ihm nur aus Angst heraus.
Gewinnt sie für eure Sache und ihr schwächt Sauron von Süden her.
Eben jener Bekannte ist auch vor einigen Wochen aufgebrochen, um mit den verschiedenen Stämmen des Südens in Kontakt zu treten.
Wir werden sehen, ob unsere Bemühungen Früchte tragen.
Ihr kümmert euch derweil darum, dass Dol Amroth so gut es geht wieder hergestellt wird. Auch wenn die Hoffnung auf einen baldigen Sieg unwahrscheinlich ist, so müssen wir es Sauron auch nicht zu leicht machen.
Ich… -“.

Celebithiel stockte, als sie in das Gesicht des Jungen blickte, den sie in den ersten Tagen hier in Dol Amroth kennen gelernt hatte.
Ein Kind….ein Kind…er war doch nur ein Kind

Ohne ein weiteres Wort, rannte sie weg. Rannte so schnell sie konnte. Am liebsten wollte sie schreien. Den Schmerz und die Wut aus sich herausschreien, als sie völlig verdutzt am Hafen stand.
Erschöpft ließ sie sich auf die Kaimauer sinken, während sich ihr Atem beruhigte. Sie streifte die Schuhe ab und ließ die Füße ins eiskalte Meerwasser sinken.
„Er war doch noch ein Kind“, flüsterte sie unentwegt, während ihre Füße stetig blauer wurden, aber es kümmerte sie nicht mehr.


Celebithiel zum Hafen
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Thorondor the Eagle

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Re:Vor der Stadt
« Antwort #6 am: 27. Nov 2011, 00:09 »
Amrûn und Oronêl vom Lazarett


Die Worte hatten Amrûn nicht losgelassen. Immerwieder hörte er sie in seinem Kopf und war überrascht, dass ein beinahe fremder Elb sie so offen ihm gegenüber aussprach. Das merkwürdige war nur, er hatte es nicht anderst gemacht.
Es bestand eine gewisse Verbindung zwischen den zwei Erstgeborenen.

Erkennt man jemanden, der an desgleichen leidet? Ist man so offen, weil man sich erhofft, dass Gleichgesinnte Antworten oder gar Heilmittel dagegen haben? Oder teilt man nur das Leid, weil es leichter ist… Und das ist es tatsächlich, obwohl es dadurch kaum besser wird. Wann werden wir gehen und in den Sonnenuntergang segeln… Unser Wunsch in Mittelerde zu bleiben, geliebe Aratinnuíre… es war ein Traum aus alter Zeit, nicht wahr?!


Ehe seine Gedanken in der Düsternis versanken, lenkte er sich ab. „Weißt du was wir sind, Oronel?“, knüpfte Amrûn an das Gespräch an, während sie die von Schatten und Sonnenstrahlen befleckten Straßen durchquerten.
„Wie meinst du das?“, fragte er verwirrt.
„Wir sind keine überflüssigen Relikte aus vergangenen Zeitaltern“, entgegnete er und ein charmantes, beinahe schelmisches Grinsen lag auf seinen Lippen „Wir sind steinerne Wächter, die die Zeit überdauern; stehen Jahrhunderte starr vor der Mauer und wenn die Not es bedarf, so sind wir hier um zu helfen. Schon immer folgten wir wie stille Schatten den großen Königen und Herrschern um ihnen den Rücken zu stärken.“

Und in jenem Moment glaubte sich Amrûn zu erinnern. Es war gut dreitausend Jahre her, dass sie das Nebelgebirge mit dem großen Heer aus Elben und Menschen überquerten und stockend den Anduín entlang marschierten. Er spürte noch heute die drückende Ungewissheit, die ihn, als auch alle anderen damals quälte. Die beiden Könige waren momentan vor Schreck zurückgewichen, denn niemand hatte mit solch einer Überraschung gerechnet. Vom Osten her näherten sich zahlreiche Elbenkrieger unter der Führung von Oropher. Von Westen her kam Unterstützung durch die Zwerge aus Kazad-Dum und aus dem Süden näherte sich eine weitere große Schar von Elben. Allen voran ging König Amdir von Lothlorien, gehüllt in ein grünes Gewand. Und auch wenn es nicht so war, so bildete sich Amrûn ein, dass Oronel schräg hinter ihm stand.

Das Gesicht Oronels, es war ihm niemals fremd, aber auch nicht bekannt. Es war bloß namenlos.

„Da hast du wohl Recht“, holten ihn die Worte Oronels aus den Gedanken zurück „Und dies ist wohl der nächste. Imrahil!“
Erst jetzt bemerkte Amrûn, dass er von den Leibern der Gefallenen umgeben war: „Habt ihr die Totenwache abgehalten und seid nun bereit sie zu bestatten?“
Der Fürst nickte: „Der Weg in die Halle ihrer Väter ist ihnen sicher, denn sie haben tapfer für das gekämpft, woran sie geglaubt haben; woran wir alle geglaubt haben.“
„Sie werden ihren Frieden finden, davon bin ich überzeugt“, entgegnete Amrûn und legte dabei die Hand auf die Schulter des Fürsten.
„Die Menschen, sie haben an euch geglaubt und an Celebithiel, deshalb haben wir diesen Sieg errungen“, fuhr der Fürst fort.
„Ihr seid ein starker Mann und ein großartiger Herrscher. Die Menschen sehen zu euch auf. Wir haben nur unseren Beitrag geleistet.“
„Ich mag ein starker Mann sein, doch sie ist noch stärker. So unglaublich kraftvolle Augen und Willensstärke habe ich noch nie in einer Frau gesehen. Und doch zerbricht sie und flieht, nachdem die Schlacht gewonnen war.“
Als Amrûn das Wort ‚fliehen‘ hörte, dachte er sofort, dass Celebithiel von hier fort gegangen war und sein Herz begann zu rasen.

„Fliehen? Wo ist sie hin, Imrahil?“, frage Amrûn besorgt.
„Ich weiß es nicht. Sie verschwand vor kurzer Zeit in Richtung Stadt.“
Die Angst, die ihn mit einem Mal beunruhigte, versiegte erst langsam wieder, als er hörte, dass sie noch in Dol Amroth war.


Amrûn und Oronel zum Hafen
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:24 von Fine »
2. Char Elea ist inBree


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Eandril

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Ankunft
« Antwort #7 am: 12. Apr 2012, 20:42 »
Edrahil und Lothíriel aus Belfalas...

Als Edrahil in der Ferne den aus grauem Gestein errichteten Turm vom Palast des Fürsten der Schwanenstadt erblickte, wusste er, dass sie beinahe am Ziel ihrer Reise angelangt waren. Er blickte sich nach Lóthiriel um und erkannte, dass sie nahezu am Ende ihrer Kräfte angelangt war. Dennoch konnte er nicht umhin, ihr Respekt zu zollen, denn obgleich sie derartige Anstrengungen, die für ihn dennoch kein Problem darstellten, augenscheinlich nicht gewohnt war, hatte sie sich klaglos gehalten und nie auch nur um eine kurze Rast gebeten.

Das muss der unbeugsame Geist ihres Vaters und eigentlich ihrer ganzen Sippe sein, der sie so aufrecht hält.

Seine Voraussage vom Vortag hatte sich erfüllt, denn es ging auf den Mittag zu, als sie das Tor der Stadt erreichten, das trotz der Bedrohung durch Saurons Streitkräfte weit offen stand. Allerdings wurden sie am Tor von mehreren Soldaten in den Farben Dol Amroths, Silber und blau, aufgehalten.

"Halt, wer seid ihr und warum wünscht ihr, in die Schwanenstadt zu gelangen?", fragte einer der Wächter, während andere ihnen den Weg durch das Tor versperrten.
Wenigstens sind sie wachsam...

"Mein Name ist Edrahil aus Belfalas, und ich bin Berater Fürst Imrahils. Ich habe hier einen Brief bei mir, in dem er meine Rückkehr von Tolfalas in die Stadt erbittet.", erwiderte Edrahil und zeigte dem Wächter Imrahils Brief.

Dieser verneigte sich leicht und sagte: "Seid wieder willkommen in Dol Amroth, Fürst Edrahil. Wie ich gehört habe, werdet ihr eigentlich mit dem Schiff erwartet: Darf ich fragen, wie es dazu kommt, dass ihr nun zu Fuß hier anlangt?"

"Nun, diese Frage werde ich zuerst dem Fürsten persönlich beantworten, auch wenn der Grund alle Bewohner Dol Amroths angeht."

"Es tut mir leid, Herr, aber der Fürst ist im Moment nicht in der Stadt.  Er ist mit einer Truppe seiner Garde losgeritten, um die Nachhut der Mordor-Armee zu vernichten, von der er Nachricht erhielt, dass er sie einholen könnte."

Lóthiriel trat vor. "Mein Vater ist nicht hier?"

Bei ihrem Anblick fielen die Wachen auf die Knie, und der Anführer sagte: "Verzeiht uns, Herrin, dass wir euch nicht gleich gebührend begrüßt haben. Es lag nicht in unserer Absicht, euch zu kränken."

Lóthiriel nickte nur leicht abwesend und bedeutete den Männern sich zu erheben. "Es gibt nichts zu verzeihen. Sagt mir, Hauptmann, wer herrscht in Abwesenheit meines Vaters über die Stadt?"

"Er betraute euren Bruder Prinz Elphir mit dieser Aufgabe, und hinterließ Anweisungen, dass Fürst Edrahil ihm wie seinem Vater als Berater zur Seite stehen soll."

Edrahil nickte zufrieden. Er freute sich geradezu darauf, die neuerliche Verteidigung Dol Amroths vorzubereiten.
Elphir mit dieser Aufgabe zu betrauen war eine kluge Entscheidung. Er ist alt und erfahren genug für diese Verantwortung, und so kann sich zeigen, ob er eines Tages ein guter Fürst sein wird. Vielleicht kann er auch von meiner Erfahrung profitieren.

"Wenn ihr nichts dagegen habt, Hauptmann, würde ich jetzt gerne durch das Tor und zu Prinz Elphir gehen.", meinte Edrahil. "Allerdings müsstet ihr dazu den Weg frei machen.

Die Gesichter der Wachen wurden mürrisch, doch sie taten, wie ihnen geheißen. Während er das Tor durchschritt spürte er, wie sie ihm unzufriedene Blicke zuwarfen.

Warum sollte mich die Meinung dieser Soldaten kümmern? Sie sind nur Untergebene.

Er hatte schließlich Wichtigeres zu tun.

Edrahil und Lothíriel zum Palast des Fürsten...
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:15 von Fine »

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FelsMcOwnage

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Re:Vor der Stadt
« Antwort #8 am: 15. Jan 2013, 19:36 »
Thobadors Start:

Einsam und mit wehendem Mantel stand Thobador auf einem Felsvorsprung und blickte in die Ferne. Wenige Meilen vor ihm lag Dol Amroth, das letzte Widerstandsnest der Menschen Gondors gegen Sauron. Die Hafenstadt war das Ziel des Waldläufers, seit Tagen war er auf dem Weg dorthin.
Weiter östlich waren ihm mehrere Flüchtlinge über den Weg gelaufen, die davon berichteten, dass die Stadt des Schwans den Streitkräften Mordors weiterhin Einhalt gebot. Zuvor war Thobador ziellos durch das Weiße Gebirge gewandert und hatte schon beinahe angefangen zu verzweifeln. Wenn er sein Schwert nicht in den Kampf gegen das Böse führen konnte, kam er sich so nutzlos vor. Nun wurde ihm jedoch eine Chance geboten sich dem Feind wieder entgegenzustellen, welche er sofort am Schopf packte.
So gut wie möglich versuchte Thobador die Gegend um Dol Amroth auszuspähen, doch auf die Entfernung sah er nicht viel, leider hatte er keine Elbenaugen. Einige Rauchschwaden stiegen aus der Stadt empor und sehr ungenau, waren auch ausgebrannte Heerlager zu sehen. Die Stadt wurde belagert?!, kurz breitete sich Sorge auf dem Gesicht des Dunadan aus, doch er beruhigte sich schnell. Die ausgebrannten Heerlager deuteten daraufhin, dass die Belagerung zurückgeschlagn worden war, zumindest war das die Hoffnung des Waldläufers.
Mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck folgte er dem Weg weiter zur Stadt.
Nach einiger Zeit erreichte er die Stadttore, eine Wache blickte zu Thobador hinunter, "Wer da?". "Ein Freund!" rief Eanor zurück, "Warum sollte ich euch glauben? Ihr könntet jeder sein!" erwiderte die Wache und plötzlich waren mehrere Soldaten mit gespannten Bögen auf dem Wall zu sehen, welche auf den Waldläufer zielten. Dieser hob die Hände, "Wenn ihr mich ein lasst, kann ich euch beweisen, dass ich guten Willens bin und kein Spion Mordors! Wenn ihr mir nicht traut, könnt ihr mich immer noch fortschicken oder töten." rief er zur Torwache hoch.
Es vergingen einige Minuten in denen die Wachen überlegten, was sie tun sollten. Schließlich entschieden sie sich das Tor zu öffnen.
Als Thobador die Stadt betrat, kam ihm der Geruch von Rauch und Tod entgegen.
Doch er spürte auch Hoffnung hinter diesen Mauern.
Die Wachen die zuvor auf dem Wall standen, bildeten nun einen Kreis mit Speeren um ihn. "Jetzt beweist uns, dass Ihr nicht zu den Schergen Mordors gehört!" rief ihm eine der Wachen zu.
Thobador nickte und zeigte die Brosche Galadriels und seine Kette aus Bruchtal vor, "Denkt ihr, dass ein Diener Saurons soetwas bei sich trägt geschweige denn an so etwas herankommt? Ich bin Thobador, Waldläufer des Nordens und ich bin hierher gekommen um euch im Kampf gegen Sauron zu unterstützen.". Die Wachen wechselten unsichere Blicke untereinander, bis sie ihre Speere langsam senkten. "Ich glaube Euch Thobador, vorerst! Solltet Ihr euch als Lügner entpuppen, werdet Ihr angemessen bestraft!" sagte der Hauptmann der Wache. "Habt Dank!" antwortete Thobador darauf und fragte den Hauptmann, "Wo kann ich hier übernachten und wo kann ich hier meine Dienste anbieten?". Dieser überlegte kurz und sprach dann, "In der Taverne weiter im Zentrum der Stadt könnt Ihr übernachten und im Palast könnt Ihr mit unserem General oder Fürsten sprechen, wenn Ihr uns helfen wollt.". Das war alles was Thobador wissen wollte und so machte er sich auf zum Palast Dol Amroths.


Thobador zum Palast des Fürsten
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:19 von Fine »

kolibri8

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Re: Vor der Stadt
« Antwort #9 am: 5. Sep 2015, 12:43 »
Der Trupp aus Linhir.

Fast fünf Tage waren sie durchgeritten bis sie am späten Nachmittag des 14. Juni endlich die Stadtmauern von Dol Amroth erreichten. Am gondorischen Feldlager hatten sie einen kurzen Stopp eingelegt, wo sich ihnen noch Elune, so hieß die Frau in Weiß, wie Qúsay mittlerweile erfahren hatte, und Duinhir mit einigen weiteren Reitern angeschlossen hatten.

Etwa hundert Meter vor dem Tor ließ Elphir sie stoppen und ritt mit Hilgorn voraus. Das Stadttor war geschlossen, und über dem Torbogen standen Wachen, der größte Teil der Wachen trug die Qúsay vertrauten Rüstungen der Gondorer, die er bereit an vielen der Krieger Dol Amroths gesehen hatte. Zwei der Wachen trugen jedoch eine ihm fremde Rüstung, die Qúsay nicht einordnen konnte.
„Elben? Was tun Elben hier?“, hörte Qúsay einen Reiter neben sich fragen, als ob dieser seine Gedanken gehört hätte. Qúsay sah sich um und sah, wie ein anderer Reiter als Antwort mit den Schultern zuckte.

Das Tor wurde geöffnet und ein Mann, dem Anschein nach, der Wachhauptmann, trat heraus und unterhielt sich mit Elphir und zeigte dabei in Qúsays und Dirars Richtung. Scheinbar wollte er den Grund für die Anwesenheit zweier Haradrim im Trupp wissen. Welche Worte aber genau gesprochen wurden konnte Qúsay nicht hören. Nach einer Weile kamen Elphir und Hilgorn zurück, und deutete an, dass der Trupp nun die Stadt betreten könne. „Ich habe für euch gebürgt“, sagte Elphir an Qúsay gewandt. „Dann stehe ich in eurer Schuld“, antwortete Qúsay, nickte zu Dank und fuhr fort: „ Ich werde ich nicht enttäuschen.“

Der Trupp bestehend aus Elphir, Qúsay, Hilgorn, Elúne, Duinhir und weiteren Reitern in die Stadt.

« Letzte Änderung: 7. Sep 2015, 19:17 von kolibri8 »
RPG:
1. Char Alfward bei Dol Guldur.
2. Char Qúsay in Aín Sefra.

Das Wiki zum RPG. Schaut mal ruhig vorbei ;).

Neu im RPG und Probleme mit dem Namen? Schickt mir einfach 'ne PM ;).

Geschichtsfragen? Hier gibt's Antworten.

Eandril

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Re: Vor der Stadt
« Antwort #10 am: 25. Sep 2016, 15:29 »
Hilgorn vom Palast des Fürsten...

Gerade als Hilgorn das Stadttor durchquert hatte, hörte er von rechts eine bekannte Stimme: "Was ist das? Mein Freund Hilgorn verlässt die Stadt, ohne sich zu verabschieden?"
Hilgorn wandte den Kopf und sah Elphir im Schatten des Tores stehen. Er zügelte Nacht, saß ab und ergriff die ausgestreckte Hand des Prinzen. "Ich wusste nicht, dass du schon wieder da bist.", erwiderte er. Elphir war einen Tag zuvor aufgebrochen, um an der Stelle seines Vaters eine Streitigkeit zwischen zwei Adligen in der Nähe von Edhellond zu schlichten.
"Es ging schneller als erwartet.", meinte der Prinz und hob die Schultern. "Ich habe die Nacht im Haus von Amros von Edhellond verbracht, und bin früh wieder aufgebrochen. Wohin gehst du, eine Frau besuchen?" Elphir grinste, auch wenn es etwas bemüht wirkte. Das Verschwinden seiner Schwester belastete natürlich auch ihn. "Wird ja auch Zeit dass du heiratest." Obwohl Hilgorn dreizehn Jahre jünger als der Prinz war, ließ Elphir keine Gelegenheit aus ihn damit aufzuziehen.
Hilgorn schüttelte verneinend den Kopf. "Nein, ich will meine Familie besuchen. Ich war seit bald zehn Jahren nicht mehr in Tíncar, und ich habe einige Zeit keine Nachrichten mehr erhalten. Ich mache mir Sorgen.", gestand er.
"Um deinen Bruder?", fragte Elphir ungläubig nach. "Ich dachte, du kannst ihn nicht leiden?"
"Kann ich auch nicht.", gab Hilgorn zurück. "Aber meine Mutter lebt noch dort."
"Das verstehe ich." Elphir schwang sich auf sein eigenes Pferd, und auch Hilgorn stieg wieder auf. "Nun denn, ich hoffe deiner Familie geht es gut. Gute Reise!"
Damit trennten sie sich voneinander, Elphir setzte seinen Weg in die Stadt fort und Hilgorn folgte der Straße nach Süden.

Hilgorn ins Tum-en-Dín...
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:24 von Fine »

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Re: Vor der Stadt
« Antwort #11 am: 8. Okt 2016, 09:59 »
Hilgorn aus Tum-en-Dín...

Sie waren früh am Morgen aufgebrochen, und erreichten Dol Amroth am späten Nachmittag des selben Tages, denn mit Belegorn und Iorweth kamen sie nur langsam voran. Die Kinder hatten sich am Morgen tränenreich von ihrer Großmutter verabschiedet, die in Tíncar bleiben wollte, und der Aldar noch für einige Tage Gesellschaft leisten würde, bevor er zur Flotte zurückkehrte.
"Die Flotte wird ohne mich schon nicht untergehen", hatte er gesagt, "Und ich bin für eine Woche freigestellt, da werde ich nicht früher zurückgehen solange der Krieg nicht plötzlich von neuem ausbricht."

Jetzt saß Iorweth vor Hilgorn auf Nachts Rücken, und Belegorn ritt auf seinem eigenen kleinen Pony, dass ihn sicher die Cirith Lenthir hinunter und entlang der Küste nach Norden getragen hatte. Seit einiger Zeit hatte Iorweth bei jedem Dorf, dass sie auf ihrem Weg passierten gefragt, ob das nun Dol Amroth sei, und Hilgorn hatte jedesmal lächelnd verneint. Schließlich führte ihr Weg sie um einen Ausläufer der Berge, der bis ans Meer heranragte und ihnen den Blick nach Norden versperrte, herum, und Hilgorn hörte seine Nichte entzückt aufseufzen.
"Das ist Dol Amroth", sagte er.
"Es ist so schön." Hilgorn nickte langsam, denn Dol Amroth zeigte sich heute von seiner besten Seite. Die weißen Mauern und Türme leuchteten im Licht der sinkenden Sonne, und das Wasser der Bucht schien heute besonders blau zu sein. "Das ist es. Eine der schönsten Städte in Mittelerde, sagen die Leute."

Neben ihm lächelte Faniel glücklich, denn beim Anblick der in der Sonne leuchtenden Schwanenstadt schien es für jedes ihrer Probleme eine Lösung zu geben - auch wenn Hilgorn diesbezüglich weniger sicher war.

Hilgorn, Faniel und die Kinder zum Palast des Fürsten...
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:26 von Fine »

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Re: Vor der Stadt
« Antwort #12 am: 12. Dez 2017, 17:12 »
Hilgorn aus der Stadt

Die morgendliche Sonne schien hell und ein leichter Wind wehte aus dem Westen, vom Meer her, als Hilgorn durch das Stadttor nach draußen trat. Der Abschied von den Kindern war ihm schwer gefallen - vor allem von Iorweth - doch noch mehr graute ihm vor dem Abschied von Faniel. Sie hatte ihn vor die Stadt begleitet, wo sich die Truppen versammelten, die nun nach Linhir aufbrechen sollten. Bereits der Aufbruch nach Morthond war schwer gewesen, doch damals hatte er sich nicht vor dem, was vor ihm lag, gefürchtet - im Gegensatz zu heute.
"Ich werde zurückkehren", sagte er, und nahm Faniels Hände in seine. "Ich verspreche es."
"Versprich mir nichts, was du vielleicht nicht halten kannst", erwiderte sie leise und mit festem Blick. "Versprich mir nur, dass du es versuchen wirst - und dass du kein unnötiges Risiko eingehen wirst." Hilgorn lächelte unwillkürlich. "Na schön. Dann verspreche ich, dass ich so gut wie möglich auf mich achten werde. Und dass ich alles tun werde, um zurückzukehren."
"Das genügt mir." Faniel küsste ihn. "Jetzt geh, und gewinn die Schlacht für mich."
Hilgorn spürte sein Lächeln schwinden. "Ich weiß nicht, ob das möglich sein wird. Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache..."
"Ihr werdet es schaffen", erwiderte Faniel. "Ihr hab das letzte Mal bei Linhir gewonnen, und ihr habt in Morthond gewonnen. Dann könnt ihr es auch wieder schaffen."
Hilgorn rang sich ein erneutes Lächeln ab, und nahm die Zügel seines Pferdes entgegen, die ihm ein Soldat reichte. "Wir werden jedenfalls unser Bestes geben."
"Und mehr erwarte ich nicht von euch", hörte Hilgorn Imrahils Stimme hinter sich sagen, und als er sich umwandte, sah er den Fürsten in Begleitung Elphirs vor sich stehen. "Marschiert rasch", fuhr Imrahil fort. "Ich fürchte, Saurons Angriff auf Linhir wird bald erfolgen."
"Wir werden schnell sein", antwortete Hilgorn, und neigte den Kopf vor dem Fürsten. "Und ich werde euch nicht enttäuschen - Linhir wird nicht fallen." Er sagte es mit aller Entschlossenheit, die er aufbringen konnte, trotz der düsteren Vorahnungen, die ihn plagten. Ohne zu wissen, wieso genau, hatte er das dumpfe Gefühl, in eine Katastrophe zu marschieren, die nicht aufzuhalten war.
Imrahil legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Ihr enttäuscht mich nur, wenn ihr flieht, ohne zu kämpfen. Verteidigt unsere Grenze so gut wie möglich - doch bedenkt, dass es Grenzen des Möglichen gibt. Wenn das Ostufer nicht zu halten ist, zieht euch zurück, und opfert nicht das Leben eurer Männer für eine verlorene Sache." Imrahil hatte leise gesprochen, doch seine sonst meergrauen Augen erschienen in diesem Moment wie reiner Stahl.
"Ich werde tun, was ihr verlangt", erwiderte Hilgorn, und schwang sich auf Nachts Rücken.
"Wir haben Nachrichten ausgesandt", ergriff Elphir das Wort. "Wenn Linhir angegriffen wird, wird die Flotte euch so gut wie möglich unterstützen." Er trat einen Schritt näher an Hilgorn heran und sagte: "Bleib sicher, mein Freund. Denk an das, wofür es sich lohnt, zu überleben." Elphir zwinkerte Hilgorn zu, obwohl sein Gesicht ernst blieb, und trat wieder zurück.
Hilgorn blickte Imrahil an, in der Erwartung, dass dieser noch ein letztes Wort an die Soldaten richten würde. Doch der Fürst sagte nur schlicht: "Viel Glück, Hilgorn." Einen letzten Blick tauschte Hilgorn mit Faniel - er wollte den Anblick ihres Gesichts in sich aufnehmen - bevor er sein Pferd antrieb, und sich an die Spitze seiner Soldaten setzte. Balvorn ritt neben ihn, als das Heer sich langsam in Bewegung nach Südwesten setzte, um die Stadt herum in Richtung Belfalas. Das letzte Mal waren sie unterwegs gewesen, um Linhir zurück zu erobern, dieses Mal würden sie es verteidigen müssen.

Hilgorn nach Linhir
« Letzte Änderung: 15. Jan 2018, 15:12 von Fine »

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Curanthor

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Morgendämmerung vor der Stadt
« Antwort #13 am: 3. Feb 2018, 00:29 »
Verdandi aus der Stadt

Sie war fast die ganze Nacht ziellos vor der Mauer der großen Stadt herumgeschlendert und hatte große Menschenansammlungen vermieden. Im Inneren war es ihr einfach zu voll. Ein ungutes Gefühl überkam sie  immer dann, wenn sie sich in großen, sehr belebten Straßen befand. Ein weiterer Grund die Nacht außerhalb zu verbringen war der, dass sie sich schlicht keine Unterkunft leisten konnte. Den eher zwielichten Gestalten der Nacht wollte sie ebenfalls nicht begegnen und so blieb sie stets in dem Fackelschein, mit dem die mächtigen Mauern erleuchtet wurden. Nachdem sie einige Runden auf und abgegangen war, bemerkte hatte sie, dass die Wachen sie hin und wieder gelangweilt beobachteten. Sie selbst war sich darüber im Klaren gewesen, dass man sie auch für eine Spionin gehalten haben könnte, doch scheinbar war das nicht der Fall. Man ließ sie unbehelligt. Verdandi war froh darum, endlich wieder alleine zu sein, zu viel erinnerte sie an die Lager. Ihr Blick wanderte an den dicken Steinmauern hinauf und wieder runter. Spuren von einer Belagerung waren noch immer zu erkennen. In der Gefangenschaft hatte sie von den schweren Kämpfen um Dol Amroth gehört, sich dafür aber weniger interessiert. Nachdem, was in Minas Thirit geschehen war, wollte sie sich nicht kopfüber in die nächste Stadt stürtzen. Sie vermisste ihre Heimat. Das verborgene Tal, umringt von undurchdringlichen Tannenwäldern, Geröllhängen und ein Krater in der Mitte, wo das beschauliche Dorf lag. Sie lächelte bei dem Gedanken an die recht einfachen Langhäuser, deren Bauweise im Vergleich zu den gondorischen Meisterwerken erbärmlich war. Zumindest würden die Adligen es so bezeichnen. Ihr Gedanke schweifte von den Dorf mit fünf Langhäusern, die sich im Kreis um den Dorfbrunnen tummelten zu Valion. Der Kerl hatte sie zwar nicht belogen, aber für sich behalten, dass er besser bestellt war. Sie wusste auch nicht, woher die Abneigung kam. Vielleicht missfiel ihr das Klassensystem der Gesellschaft. In ihrem Dorf gab es nur einen Dorfvorsteher, der von den Dorfältesten gewählt und auch abgewählt werden konnte. Volljährig und somit stimmberechtigt bei wichtigen Fragen, die das ganze Dorf betrafen, war man schon mit zwölf. Verdandi dachte amüsiert an die Kinder, die sie in der weiten Welt gesehen hatte, die in dem Alter noch ohne Verantwortung mit Holzschwertern Drachen jagten, oder Zwergenschätze suchten. Namen stiegen in ihrem Gedächtnis. Melancholisch lehnte sie sich an die Mauer und betrachtete versunken den Mond. Ihre Kindheit war keineswegs harsch, aber auch nicht wohlbehütet. Im Gegensatz zu anderen Kindern, die sie kennenlernte, hatte sie schon mit elf Jahren ihren ersten Wolf erlegt. Zwar war es ohne Jagdauftrag der Alten und somit den Ahnen gewesen, doch wollte sie sich beweisen. Den Pelz hatten sie in ihrem Langhaus über den Kamin aufgehangen. Sie hatte das nur mit einem Speer geschafft und einer Priese Glück. Doch ihr Vater war das egal gewesen. Er war stolz wie noch nie gewesen. Zu dem Anlass hatte sie auch die Axt Tiwaz ihres Großvaters überreicht bekommen. Wie es sich herausstellte, war es auch nicht zu früh. Noch im selben Jahr erfolgte einer der gefürchteten Überfalle der Orks aus den Nebelgebirge auf ihr Dorf. Es war ihre erste Schlacht gewesen.


"Verdandi! Schlag Alarm, sie sind gekommen!"
Die Stimme ihres Freundes hallte durch den sonst so stillen Nadelwald.
"Orks! Sie kommen aus allen Richtungen!", brüllte Sigurd erneut, kurz darauf erschien sein gerötets Gesicht vor ihr im Unterholz. Kreischen und Johlen hallte hinter ihm zur Antwort. Trommeln schlugen, dumpf und schrecklich. Ihre Knie wurden weich. Die Geißel der Gebirge hatte es in ihr verstecktes Tal getrieben. Verdandis Herz schlug auf einmal schneller. So wie vor zwei Monaten, als sie im tiefsten Winter mit einem Speer bewaffnet in die Berge gegangen war, ihren Mut zu beweisen und die Ahnen zu ehren. Das Wolfsheulen hatte sie damals verunsichert. Doch das Gekreische der Orks war schlimmer. Der Wolf war auch sofort vor ihre Füße gesprungen. Ihre dicke Kleidung aus dutzenden Fellen schützt vor einigen Bissen, doch gegen Orkklingen war sie nutzlos.
Ihr Freund rüttelte ihr panisch am Arm, doch die Furcht saß zu tief. Wie angewurzelt starrte sie in das Dickicht, aus dem bald die Horde hervorbrechen würde. Sigurd fluchte und rannte an an ihr vorbei. Verdandis Hand taste leicht zitternd nach ihrer Axt. Sie wollte ihre Eltern warnen, doch wollten sich ihre Beine nicht bewegen. Hinter ihr, auf dem kleinen Dorfplatz ertönte die Glocke und riss die Bewohner aus dem Schlaf. Rufe wurden laut. Sofort wurde ihr Name gebrüllte. Die Stimme ihres Vaters. Bjorn war sein Name. Ein starker Name und ein starker Krieger. Sie war seine Tochter. Mut stieg in ihr auf und sie machte einen Schritt rückwärts. Sie würde noch lange mit ihm Zeit verbringen können und seinen meist erfunden Heldentaten lauschen. Ihr Funken Mut, der gerade anfing zu lodern verlosch sofort, als vor ihr der Haselnussstrauch raschelte. Eine gräßliche Gestalt sprang vor ihre Füße. Krummbeinig, gebeugt, mit übergroßen Augen und schrumpilger Haut. Ein Ork. Das Wesen starrte sie an und leckte sich über die in Fetzen hängenden Lippen, als sein Blick auf ihre zitternde Axt fiel. Verdandi fühlte sich in der Zeit zurückversetzt. Als der Wolf aus einem verschneiten Gebüsch vor ihr auf den Pfad gesprungen war. Ihr Speer hatte damals auch gezittert, aber nur weil ihre Hände froren. Sie pirschte um dem Wolf herum, der sich flach gemacht hatte und bedrohlich die Leftzen zurückzog. Ein Knurren entrang sich seiner Kehle. Sie war damals die Jägerin und er die Beute, doch das wollte der Wolf nicht geschehen lassen. Nun war es fast genauso, nur anders herum. Der Ork bleckte die spitzen Zähne und schlich um seine Beute herum. Zögerlich folgte sie seinen Bewegungen. Wie der Wolf einst. Doch griff sie nicht zuerst an, denn sie war klüger als das Tier. Ihr Herz schlug so laut wie eine Kriegstrommel, das Blut rauschte in ihren Ohren. Hatte sich so der Wolf gefühlt? Wohl wissend, dass er bald sterben würde. Ein tiferes Trommeln rüttelte sie aus dem Schock. Die Kriegstrommeln ihres Dorfes und das wütende Brüllen der Männer, die in die Schlacht stürmten hallte in dem Wald wieder. Der Orks reagierte sofort und eröffnete den Kampf. Er holte weit aus und wollte ihr den Kopf spalten. Sie reagierte im letzten Moment und lenkte den Schlag ab. Die Wucht des Aufpralls ließ sie leicht Taumeln. Der Ork grinste in dem Zwielicht der Waldes, als er scheinbar bemerkte, dass sie eine Anfängerin war. Sein schartiges Schwert schnellte auf ihren Bauch zu. Verdandi machte einen seitlichen Schritt zurück und schlug mit der Axt nach der Hand ihres Gegners. Ihr Schlag war gut geführt und traf, doch nicht kräftig genug. Eine schwarzblutiger Schnitt prangte auf dem Handgelenk des Orks, der nun nicht mehr gierig grinste sondern wütend zum Sprung ansetzte. Verdandi wusste nicht, wie sie reagieren sollte und machte einen Schritt zurück. Ihr Fuß blieb an einer Baumwurzel hängen. Sie stolperte und fiel auf den Hintern.
"Frischfleisch!", rief der Ork jauchzend und schnellte ihr unerwartet heftig entgegen. Panisch sah sie das Monstrum immer näher kommen, als ob die Zeit sich verlangsamte.
Ein wütender Schlachtruf drang in ihr Ohr und eine bullige Gestalt rammte den Ork von Verdandi fort. Die Krallen des Wesen kratzten ihr schmerzhaft über das Gesicht, dann war er fort. Das Kreischen des Orks erstickte in einem gurgelnden Geräusch. Mit schreckensweiten Augen erkannte sie erleichtert ihren Vater, der wie ein wild gewordener Beserker auf den Leichnahm einhackte. Sie ließ einen keuchend Laut von sich, was ihn zur Besinnung brachte. Bjorn erbhob sich und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. Er reichte ihre die glitschige Hand und zog sie auf die Beine.
"Alles noch dran? Hat er dich erwischt?", fragte er besorgt.
Sie schüttelte den Kopf und flüchtete sich in seine starken Arme. Bjorn erwiderte die Umarmung und legte ihr die blutverschmierte Hand auf die Schulter. Ringsherum ertönte das Klirren von Metall auf Metall. Gekreische und Hilferufe hallten durch den düsterten Wald. So hob den Blick und starrte in das Gesicht ihres Vaters. Sein prächtiger, roter Bart war benetzt mit schwarzen Blut, die buschigen Augenbrauen angespannt zusammengezogen.
"Geh zu deiner Mutter", befahle er mit grimmiger Stimme.
Verdandi erwachte aus ihrer Starre und wollte aufbegehren. Sie wollte ihren Fehler wieder gut machen, dort rausgehen und die Feinde ihres Dorfes töten. Ehe sie etwas sagen konnte, packte Bjorn sie an den Schultern. Seine prankenähnlichen Hände waren wie ein Schraubstock.
"Es sind viel zu viele. Hör mir zu. Du bist mit den anderen Jünglingen die letzte Verteidigung. Verbarrikadiert euch auf dem Dorfplatz und schützt die Kinder, Kranken und Alten. Hörst du? Geh und trommel alle zusammen, die eine Waffe halten können. Die Ahnen sind mit uns. Wir werden uns nach der Schlacht wiedersehen."
Verdandi gab ihren Protest auf und nickte. Sie packte ihre Axt fester. Die Ahnen wachen über sie. Sie hatten auch dafür gesorgt, dass ihr Vater Bjorn war, einer der besten Krieger des Dorfes und dass er somit rechtzeitig zu ihrer Rettung eilen konnte. Er legte kurz seine Stirn an ihre. Sein warmer, nach Honigwein riechender Atem streifte ihr Gesicht. Sie schlossen kurz die Augen und klopften sich auf den Rücken. Verdandi löste sich von ihm und trat zu dem Ork. Ihr Vater hatte die Leiche bereits zerstückelt, doch überkam sie bei dem Anblick der Zorn. Sie holte aus und zerstörte mit wütenden Hieben die letzten Reste des häßlichen Gesichts. Ihr Vater blickte ihr wachsam über die Schulter und gebot ihr schließlich Einhalt, als sie begann in Rage zu verfallen und wütend auf den toten Ork einzuschlagen. Bjorn zog sie fort und nickte ihr noch einmal zu. Verdandis Blut rauscht wieder in den Ohren, doch diesmal vor Zorn, nicht vor Furcht. Sie war schwach gewesen. Sie hasste sich dafür. Diesen Hass würden nun alle jene zu spüren bekommen, die sich an ihrer Dorfgemeinschaft vergreifen wollte. So schnell sie konnte sprintete sie zurück in das Dorf.


Jemand trat ihr gegen den Stiefel. Verdandi schreckte auf und zog sofort ihre Axt. Als sie den blinzelte und den Blick hob, erkannte sie den Wachsoldaten vom Tor, der sie hinausgeführt hatte. Offensichtlich war sie an der Mauer gelehnt, eingeschlafen. Der Mann trug zwar keine Rüstung mehr, aber er wirkte genauso belustigt wie am Abend zuvor. Sein Gesicht war unter dem dichten Bart kaum zu erkennen.
"Das solltest du da draußen aber nicht machen. Sei froh, dass die Jungs von der Mauer oben auf dich aufgepasst haben. Sie schuldeten mir einen Gefallen.", erklang die basslastige Stimme des Mannes.
Verdandi rieb sich rasch die Augen und erhob sich.
"Dann nehme ich an, dass ihr den Gefallen nun bei mir einfordernd wollt?"
Der Wachmann grinste und nickte zu dem Feldlager, das ihr am Abend zuvor gar nicht aufgefallen war. Wo war sie nur mit dem Gedanken gewesen? Im Gedanken schalte sie sich für ihre heftige Unaufmerksamkeit.
"Ich hätte bei dem Lärm nicht schlafen können. Wenn Ihr mir bei einem Bier erklärt, was Euch so sehr beschäftigt, wäre der Gefallen getan.", bot der Mann an.
Sie machte scheinbar ein so abstoßendes Gesicht, dass er sich beeilte zu sagen, dass er nichts im Schilde führt . Verdandi erwiderte daraufhin nichts, sondern wurde sich erst über die Worte vom dem Kerl klar.
"Das Heer ist schon nach Linhir unterwegs?", frage sie hastig.
Für einen Moment wirkte der Wachmann irritiert, nickte aber dann. Enttäuschung machte sich in seinem Gesicht breit.
"Dann nehme ich an, dass ihr eine Sölderin seid und mit dem Heer ziehen wolltet. Es ist schade, wenn so ein junges Ding in die Schlacht zieht."
Verdandi hob eine Augenbraue.
"Ich habe schon mehrere Schlachten geschlagen, werter Herr. Mit elf habe ich einen Wolf erlegt. Ich weiß mich durchaus zu verteidigen."
Ihr Gegenüber wirkte nun ehrlich überrascht und musterte sie nun mit einem neuerlichen Blick. Weniger freundlich, mehr abschätzend und berechnen.
"Woher kommt Ihr denn und wie ist Euer Name?"
"Das kann ich Euch auch fragen. Barianna, wenn es genehm ist."
"Magrodil, Hauptmann der Nachtwache. Einer der letzten alten Hasen", stellte er sich schließlich vor und deutete eine Verneigung an, "Wenn Ihr das Heer noch einholen wollt, solltet Ihr Euch beeilen, Barianna."
Verdandi überlegte kurz, beschloss aber, dass es besser war dem Heer auf dem Fuß zu folgen. So würde sie vor Räubern geschützt sein, wenn eine so große Streitmacht in direkter Nähe war. Sie bedankte sich für den Rat und hielt kurz inne, sagte aber dann: "Wenn mich mein Weg wieder zurückführt, Magrodil, werden wir einen Humpen gemeinsam heben gehen. Dann erzähle ich Euch von meinen Schlachten. Als Lohn für Eure Wachsamkeit, die ich Euch sonst nur schwerlich vergelten kann."
Der alte Soldat wirkte erleichtert und bekräftigte die Verabredung und versicherte, dass auch er viel zu erzählen hatte. Verdandi grinste und war sich sicher, dass er die Wahrheit sprach. Magrodil wirkte zwar schon sehr alt, aber bewegte sich noch immer zielsicher und wirkte wie ein Kämpfer, der mit Würde alterte. Das behielt sie aber lieber erstmal für sich, da er eigentlich noch immer ein Fremde war. Sie verabschiedte sich schließlich von Magrodil und machte sich auf dem Weg. Während sie auf die Straße einbog, spürte sie das Goldstück von Amrodin auf ihrer rechten Brust, da es sich durch die Gehbewegung nun mitbewegte. Das Metall lag auf ihrer nackten Haut und war warm, somit hatte sie es fast vergessen. Jetzt war sie sich dem wieder bewusst geworden und auch die Worte des Mannes, der ihr einen Kontakt in Linhir genannt hatte. Dass die Stadt bald zu einem Schlachtfeld werden würde, machte die Sacht nicht einfacher. Die Aussicht auf einen Kampf weckte aber dennoch in ihr das Verlangen Blut zu vergießen. Zu lange hatte sich sich nicht mehr dem Wüten hingegeben. Viel zu lange. Verdandi spürte wie sich ihr Puls beschleunigte und schüttel rasch den Kopf. Sie beschleunigte die Schritte und konzentrierte sich auf das Gehen. Nicht nachgeben, ich schaffe das schon, dachte sie sich und kämpfte den Ruf nach Blut nieder. Ihre Augen suchten die Straße nach herrenlosen Besitztümern ab. Sie konnte ja nicht ihr Leben lang mittellos sein, außerdem lenkte es sie davon ab zu viel zu grübeln.

Verdandi nach Linhir
« Letzte Änderung: 5. Jul 2018, 18:51 von Fine »

Fine

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Zehn Dutzend Reiter gen Linhir
« Antwort #14 am: 25. Mär 2019, 14:25 »
Valion, Ardóneth, Lóminîth, Damrod und Imrahil aus der Stadt


Zwei Nächte später ging gerade die Sonne auf, als Valions Kompanie sich vor den Toren der Stadt versammelte. Nur wenig Verstärkung für die strapazierte Garnison Linhirs konnte Fürst Imrahil entsenden; gerade einmal zehn Dutzend berittene Soldaten hatten sich im Schatten der mächtigen Mauern der Prinzenstadt eingefunden und warteten nun auf das Zeichen zum Aufbruch. Die meisten von ihnen waren junge Rekruten, die man in den kriegsfernen Gebieten im Westen einberufen hatte, doch auch eine kleine Gruppe der ruhmreichen Ritter von Dol Amroth befand sich unter ihnen. Drei schnelle Wägen mit Vorräten hatte man ihnen für die Truppen in Linhir mitgegeben. Außerdem hatten sich unter Damrod zwei Dutzend Waldläufer von Ithilien dem Trupp angeschlossen, die jedoch für sich blieben. Auch der Arnorer Ardóneth war zu dieser Gruppe gestoßen. Seine Schwester war, soweit Valion wusste, in Dol Amroth geblieben, um mit der Unterstützung des Archivars Thandor nach dem Verbleib des geheimnisvollen Schlüssels zu suchen.
Der Fürst war in Begleitung seiner Ritter gekommen und würde sie auf den ersten Meilen auf ihrem Ritt nach Osten begleiten. Imrahil hatte davon gesprochen, schon viel zu lange an den Stuhl des Truchsessen gefesselt gewesen zu sein, und davon, dass ihm ein kurzer Ausritt gut tun würde und ihm helfen würde, seine Gedanken zu ordnen. Bei Imrahil war auch Lóminîth, die dunkle, enge Reitkleidung trug und in einen tiefroten Umhang mit schwarzem Pelzkragen gehüllt war. Trotz des bislang milden Winterwetters und dem Ausbleiben von Schnee war es an diesem Morgen so kühl, dass Valion seinen Atem weiß aufsteigen sehen konnte. Lóminîth trug schwarze Handschuhe aus Seide und unterhielt sich leise mit Imrahil. Valion fragte sich, ob sie tatsächlich an dem Inhalt der Unterhaltung interessiert war, oder ob sie dem Fürsten verborgene Worte zu ihrem eigenen Vorteil einflüsterte.

Rinheryn lenkte ihr hellbraunes Ross neben ihn und riss Valion aus seiner Grübelei. Duinhirs Tochter schien die Einzige der Anwesenden zu sein, die sich auf den kommenden Ritt wirklich zu freuen schien. In den Gesichtern der Soldaten sah Valion zumeist Ungewissheit und auch Angst. Die Ritter von Dol Amroth und die Waldläufer Ithiliens, allesamt kriegserfahrene Veteranen, zeigten hingegen kaum Gefühlsregungen. Mit stoischen Gesichtsausdrücken warteten sie geduldig auf den Aufbruch.
"Auf den Straßen von Belfalas werden wir zu Pferde rasch voran kommen," sagte Rinheryn und zeigte nach Südosten, wo sich die mit hellem Gestein gepflasterte Straße durch die dicht besiedelten Küstengebiete bis zum Kap von Belfalas hinzog. "Morgen schon werden wir vor den Toren Linhirs stehen."
"Und dann wird sich zeigen, wie schlimm die Lage wirklich ist," murmelte Valion düster. Ihm war nicht nach Scherzen zumute. Die Aufgabe, die Imrahil ihm diesmal aufgebürdet hatte, kam ihm viel gravierender als alle vorherigen Missionen vor.
"Wie schlimm kann es schon sein?" meinte Rinya. "Das Westufer ist gesichert und der Angriff Mordors wurde abgewehrt. Unsere Flotte kontrolliert die Bucht und die schiffbaren Teile des Flusses Gilrain und hindert die Orks daran, unsere Verteidigungen zu umgehen."
"Ich habe das Gefühl, der Dunkle Herrscher spielt nur mit uns," sagte Valion. "Bei all seiner Macht hätte er unsere Abwehr längst durchbrechen und Gondor wie ein lästiges Insekt zerquetschen können."
"Du täuschst dich," erwiderte die Morthonderin. "Gondor ist nicht der einzige Feind, den Sauron sich gemacht hat. Er darf Rohan nicht aus dem Auge lassen, wie du selbst gesehen hast. Und nun, da Krieg in Harad herrscht, kann er auf keine Unterstützung aus dem Süden hoffen. Darüber hinaus sagten mir die Rohirrim, dass es Saruman trotz seines Verrates an den Freien Völkern gelungen ist, den Horden Mordors im Norden große Verluste beizubringen."
Valion schwieg. Er wusste nur wenig über den Kriegsverlauf jenseits der Grenzen Gondors. In Rohan hatte er Faramirs Kampfbereitschaft gesehen, doch der Vorstoß dessen Reiterheeres nach Arnórien war gescheitert. Gondor konnte sich nicht darauf verlassen, dass Rohan die Horden Mordors in Schach hielt. Doch auf wessen Hilfe konnten sie sonst hoffen? Valion wusste es nicht. Er schüttelte den Kopf. "Für den Augenblick ist nur Linhir wichtig. Ich habe eine Aufgabe erhalten: Die Grenze zu verteidigen, um jeden Preis. Und das werde ich tun."
"Das höre ich gerne," sagte Fürst Imrahil, der sich in Begleitung Lóminîths genähert hatte. "Es ist gut zu sehen, dass du deinen Auftrag ernst nimmst, Valion. Wir können nicht zulassen, dass Hilgorns bedauerlicher Verlust unsere Verteidigungen empfindlich schwächt."
"Seid unbesorgt, mein Fürst," sagte Lóminîth. "Die Verteidigung wird halten."
Rinheryn warf Valions Verlobter einen misstrauischen Blick zu. Ohne ein weiteres Wort lenkte sie ihr Pferd davon und verschwand in der Masse der Reiter, die langsam Aufstellung annahmen.
"Nun denn," sagte Imrahil. "Es ist hell genug," sagte er mit einem Blick auf die aufgehende Sonne. "Wir sollten aufbrechen."

Posaunen gaben den Befehl zum Abmarsch. Die Reiterkolonne setzte sich in Bewegung, mit dem Fürsten von Dol Amroth an der Spitze. Valion und Lóminîth ritten dicht hinter ihm, gefolgt von der Masse der berittenen Soldaten. Am Ende kamen die Versorgungswägen und die Waldläufer von Ithilien. So brachen sie nach Osten hin auf, während das Land rings um sie herum langsam erwachte.


Valion, Ardóneth, Lóminîth, Damrod und Rinheryn nach Linhir
« Letzte Änderung: 30. Apr 2019, 15:49 von Fine »