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Autor Thema: Der Königspalast  (Gelesen 4170 mal)

The Chaosnight

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Der Königspalast
« am: 7. Nov 2011, 15:46 »
Salia, von: Ein Schatten vergeht nie[...]

Die Treppe war größtenteils nur notdürftig in den Stein gehauen oder schlichtweg durch einen hölzernen Anbau ersetzt worden und je weiter sie sich nach oben kämpften, desto stechender wurde die Luft und desto mehr Ungeziefer krabbelte über den schmutzigen Boden oder schworr durch die Luft. An vielen Stellen lagen Felsbrcken auf dem Weg oder an den Wänden und dienten zeitweise sogar als Trepenersatz, an denen man hochklettern musste um voranzukommen. Lichtquellen gab es hier kaum mehr und schienen mit steigender Höhe immer seltener zu werden.
In Salia weckte dieser Tunnel Erinnerungen an die erste Belagerung des Erebors: Dort war sie ebenfalls in schmalen Seitentunneln gefangen, die von Dreck und Fäkalien überflutet wurden und konnte nur hilflos auf ein Ende hoffen. Sie hasste dieses Gefühl der Machtlosigkeit, das sie schon fast ihr ganzes Leben verfolgte und in diesem Tunnel wurde es mit jedem Meter näher an sie heran gebracht: Die Erinnerungen an das Ausharren im Berg, der beißende Geruch menschlicher Abfälle vermischt mit der steigenden Panik, die letzten Erinnerungen an ihre Schwester, ihre eigene Hilflosigkeit und die allgegenwärtige Enge. Nur hier war sie auch noch alleine und beinahe blind, in einem Tunnel eines fernen und verhassten Landes. Instinktiv versuchte sie schneller zu laufen, doch die Felsbrocken und die Geschwindigkeit Morrandirs und Rylthas hinderten sie daran. Geschlagen ließ sie sich weiter zurückfallen, während sich die Wände immer enger zusammenzogen und ihr kaum mehr Freiheiten ließen.
Als sie schließlich durch eine Art Falltür an der Decke kletterte, konnte sie nur schwer atmen und ihre Stoffkleidung, die sie unter der Rüstung trug war vollkommen durchnässt. Sie lehnte sich erschöpft gegen die Wand und blickte sich um: Sie war in einem größerem Raum, der Decke nach zwar immer noch unter der Erde, aber um einiges weiträumiger und heller, auch wenn ein seltsamer Geruch von fremdartigen Sträuchern von ihm ausging. Ein großes Loch befand sich in der einen Ecke, über dem mehrere Löcher in der Decke hingen und vor allem um dieses herum sah der Boden nass aus und war von allerhand Körnern und Fasern umgeben. Mehrmals atmete sie bewusst ein und aus, bevor sie zu einer eisernen Leiter schritt, die in den Stein gehauen war und diese hinaufkletterte.

Nachdem sie durch eine weitere Falltür geklettert war, fand sie sich inmitten von Stoff wieder, der um sie herumhang und ihr kurzzeitig wieder das ungeheure Gefühl gab, das sie schon in dem Tunnel heimgesucht hatte. Erst als sie an eine metallene Klinke stieß, verstand sie: Sie stieß sie herunter, platzte in den Raum und holte erstmal tief Luft: Sie war endlich wieder an der Oberfläche!
Den Raum um sich herum, der einem Fürsten angemessen erschien, nahm sie kaum war, zu froh war sie endlich wieder oben zu sein und eine andere Sache beanspruchte ihre Augen zu sehr: Laladria saß mit rotunterlaufenen Augen auf ihrem Bett und starrte nur auf die Tür, während Morrandir neben ihr saß und sie hielt und Ryltha hastig einige Blüten kleinmörserte. Sie schüttete die fertige Tinktur in eine Kanne mit Wasser und übergab diesen Laladria, die diesen gierig verschlang und sich sofort sichtbar entspannte.
"Willst du mir wirklich nicht sagen, was los ist", fragte Morrandir sanft.
« Letzte Änderung: 8. Okt 2016, 00:01 von Fine »
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Laladrias Geschichte
« Antwort #1 am: 7. Nov 2011, 15:47 »
Laladria antwortete langsam: "Mein Leben begann, als ich hier beim König anheuerte. Ich hatte nur, was ich bei mir trug, zerrissene Kleidung und ein Armband aus halbdurchsichtigen Kristallen. Ich weiß nicht was vorher war, nur dass ich für Rhun töten musste. Fast zwei Jahre erledigte ich die grausamsten Dienste, bis ich diesen Gefangenen sah, der mir irgendwie bekannt vorkam und behauptete mich zu kennen...ich hielt ihn für verrückt und beachtete ihn nicht weiter, doch in meinen zahlreichen Reisen nach Thal und Seestadt, wo ich mich um alte Handelspartner kümmern sollte und die Wachen studierte, entdeckte ich ein weiteres Relikt meiner Vergangenheit...doch bevor wir uns richtig freuen konnten, musste ich wieder verschwinden. Am nächsten Morgen fehlte mein Gifbeutel...ich habe sie nie wieder gesehen."
Sie brach wieder in Tränen. "Sie war meine beste Freundin...unsere Bindung hat die stärksten Zauber, Gifte oder wasauchimmer des ganzen Königreichs gebrochen und ich habe sie getötet." Morrandir strich ihr leich über den Arm, "Das weißt du nicht."
"Ich bin dutzende Male zurückgekehrt, kein einziges Lebenszeichen! Ich habe dutzende Händler abgefangen, die zu den Eisenbergen aufwaren und sie ausgequetscht, sie haben mir gesagt sie hätte sich und ihren Mitbewohner zur Hölle geführt!" Laladria griff wieder zu Kanne und trank mehrere große Schlucke, bis Morrandir ihr die Kanne abnahm, "Das ist genug! Du weißt wie das wirkt!", sagte sie, selbst schon den Tränen nahe.
"Wenn man sein ganzes bekanntes Leben in Lebensgefahr schwebt und immer wahnsinnigere Taten vollbringen und den einzigen Menschen, der dich seit deiner Kindheit kennt und davon abhält vollkommen wahnsinnig zu werden, Tag für Tag anlügen muss, braucht man seine Ruhe. Allein die Arbeit reicht schon um einen Menschen zu brechen...nach und nach fallen die Gestalten weg, mit denen ich angefangen habe...nur die besten bleiben länger als zwei Jahre und nur die wenigsten länger als vier. Selbst dieser Verrückte hat es nicht ausgehalten...kurz nachdem er seinen wohl größten Auftrag erfüllen sollte, ist er verschwunden."
"Können wir dir nicht helfen?", fragte Morrandir verzweifelt, doch Laladria schüttelte nur kurz den Kopf: "Ihr seid gute Menschen, doch dabei seid Ihr machtlos. Ihr kennt mich nur als Laladria, er kennt mich so wie ich früher war und hilft mir dabei zumindest Grundzüge meiner wahren Identität zu bewahren. Sobald ich dies verliere bin ich wieder das, was ich sein sollte: Eine willenlose Mörderin. Der Wahnsinn wäre die einzige Möglichkeit dem zu entkommen!"

Sie ließ sich nach hinten fallen und schlief sofort ein. Morrandir blickte sie kurz an und griff dann zu der Kanne und nahm sich selbst einen großen Schluck. Sofort entspannte sie sich merklich und sagte leise: "Nach all den Jahren wo wir zusammenarbeiten erfahre ich dies zum ersten Mal." Ryltha, die still und in sich gekehrt dagesessen hatte und nichts getan hatte, hatte direkt nach Morrandir zum Krug gegriffen und daraus getrunken.
"Nimm lieber auch einen Schluck", sagte sie zu Salia, "Du siehst nicht gut aus."
Langsam ergriff sie den Krug, etwas Ruhe könnte sie jetzt ganz gut gebrauchen.
Schon nach dem ersten Schluck kehrte das in letzter Zeit bekannt gewordene Gefühl der Leere in sie zurück.
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Beförderungen
« Antwort #2 am: 11. Nov 2011, 19:36 »
Bevor Salia dieses Gefühl richtig einordnen konnte, sprang die Zimmertür auf und ein Diener des Palastes stürmte hektisch herein. "Frau Morrandir! Der..Der König...sucht Euch!"
Noch unter der Wirkung ihres Trankes nickte sie nur und erhob sich, dicht gefolgt von Ryltha und kurz darauf Salia. "Verzeiht, aber er verlangt nur nach Euch!", sagte der Bote, doch Ryltha wunk ihn ab: "Wir gehen nur bis zur Eingangshalle und warten dort."


Bevor der Diener Morrandir in den Audienzsaal führen konnte, trat Rog aus ihm hervor - stolz lächelnd mit einem Pergament in der Hand und einem strahlendem Orden an der Brust.
"Ich bin Ehrenhauptmann der königlichen Garde und Mitglied des 'Rates der Zehn'", sagte er ohne vorherige Nachfrage, "Ich übernehme den Platz von General Fong, der zum Jahresende in den Ruhestand tritt."
"Ihr habt es Euch verdient", antwortete Ryltha, "Aber sagt mal, was ist denn da drinnen passiert? Ihr wart ziemlich lange dort."
"Ich erzähle es Euch gleich, doch vorher würde ich noch gerne meine Habseligkeiten wieder an mich nehmen, als General käme ich mir schlecht vor unbewaffnet herumlaufen zu müssen." Er rief einen Wächter herbei, der kurz darauf mit einer Kiste zu ihm kam, die Rogs Waffen enthielt. Während er sich diese wieder umband, begann er von der Audienz zu erzählen: Der König sei noch immer wütend über die Deserteure...Der König sei noch immer wütend über Brodderick...Der König werde persönlich einen Botschafter zu den Eisenbergen schicken...Fast jeder Satz Rog beinhaltete irgendeine Aktion oder irgendein Gefühl des Königs und schien sich endlos hinzuziehen. Selbst unter dem Beruhigungsmittel wirkte es für Salia langweilig und ermüdend und erst nach gefühlten Stunden schwang erneut die Tür zum Audienzsaal auf: Nun trat Morrandir heraus, ebenso stolz wie Rog und ebenso mit Pergament und Orden. "Ich bin befördert worde", sagte sie, "Ich darf nun den Titel 'Hohe Heerführerin' tragen und darf jedwede Ausbildung übernehmen, erfahren oder überprüfen."
"Das ist ja wundervoll", kreischte Ryltha und umarmte sie.
"Es kommt noch besser", sagte Morrandir, "Es ist mein Auftrag möglichst viele rhuntreue Soldaten zu finden und diese so auszubilden, dass sie auch höhere Stellen besetzen können." Sie holte einen Siegelring aus ihrer Tasche, "Du hast mich jahrelang begleitet und alles gelernt, was ich dir zeigen konnte. Ich möchte, dass du als meine Nachfolgerin eine Unterdivision Gortharias Soldaten anführst."
Ryltha standen Tränen in den Augen, als sie Morrandir erneut umarmte. Nachdem sie sich wieder gelöst hatten, richtete sich Morrandir an Salia: "Ich weiß, dass du das Potential hast in dieser Stadt Großes zu vollrichten. Ryltha wird dich gut lehren, höre auf sie und habe Geduld. Sobald deine Ausbildung abgeschlossen ist, werde ich dafür sorgen, dass auch du einen höheren Stand bekommst."
Salia nickte nur ohne eine andere Regung zu zeigen. Sie hatte Morrandirs Beförderung wahrgenommen, doch das Geschehen darum nur still beobachtet, ein Umstand für den sie den Trank verantwortlich machte.

Zuletzt blickte Morrandir Rog an, der sie beglücktwünschte und dann anschloss: "Wie es aussieht, bin ich jetzt Euer direkter Vorgesetzter. Ich freue mich schon auf unsere weitere Zusammenarbeit!"
"Ich mich auch", antwortete Morrandir, "Doch leider muss ich Euch in einer Sache verbessern: Ihr seid nur im Krieg mein direkter Vorgesetzter oder wenn ich explizite militärische Angelegenheiten regele, mein Ausbildungsauftrag unterliegt streng genommen nur dem König."
Bevor Rog antworten konnte, verließ der König den Audienzsaal in Richtung seiner Privatgemächer. Da die Gruppe noch immer fast direkt vor der Tür stand, ging der König nur knapp an ihnen vorbei und Salia hätte schwören können von seinem Gewand gestriffen zu werden. Sofort überkam sie ein unbekanntes Gefühl, welches sich jedoch schnell wieder verflüchtigte und sie wieder nur leeren Blickes seinen Schritten folgen ließ. Kaum war er verschwunden, wurde Salia eines klar: Das war nicht mehr sie selbst!
« Letzte Änderung: 11. Nov 2011, 22:47 von The Chaosnight »
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Ein mysteriöses Schwert
« Antwort #3 am: 11. Nov 2011, 20:37 »
Während Salia noch damit Kämpfte ihre Gedanken in den Griff zu bekommen, war auch Alatar aus dem Audienzsaal geschritten. Gemäß der höfischen Regeln nickte er der Gruppe kurz zu und war schon fast an ihr vorbeigeschritten, als er plötzlich stehen blieb. Salia war nicht entgangen, dass seine Augen kurz aufflackerten, als er in die Gruppe blickte, konnte dies jedoch nicht weiter zuordnen. Der Berater wandte sich zuerst an Rog: "Mir ist neu, dass Ihr zwei Schwerter tragt, General. Reicht Euch die Waffe Eurer Väter nicht mehr?"
"Das Schwert meiner Familie wird auf Ewig meine einzige wahre Waffe bleiben, Herr.", sagte Rog, "Die andere Klinge trug Brodderick bei sich, als ich ihn festsetzte. Ich habe sie ihm abgenommen und behalte sie seitdem als Blutpfand bei mir. Sie sah mir wertvoll genug aus, dass ich mit ihrem Gegenwert die Familien meiner Wächter auszahlen kann, die bei Broddericks Angriff auf mich fielen."
"Könnte ich mir die Waffe ansehen", fragte Alatar mit leichten Anzeichen von Neugier, "Ich kenne mich etwas in der Waffenkunde aus und könnte Euch eine erste Einschätzung liefern."
Sofort löste Rog die Waffe von seinem Gürtel und übergab diese dem Berater, in dessen Augen Salia erneut dieses Funkeln erkannte. Behutsam strich er über die Klinge der Waffe und betrachtete sie sorgfältig. Schlussendlich blickte er Rog ins Gesicht und sagte kühl: "Diese Waffe! Sie kommt nicht von hier. Ich kenne ihren Ursprung nicht, doch ich weiß nur, dass sie kein Ostling ins Feld geführt hatte. Ebenso weiß ich, dass Brodderick eigentlich Bogenschütze war. Aus welchen Gründen er auch immer dieses Schwert genommen hat, es muss ihm was bedeutet haben. Ihr wisst sicher, dass der König jeden Beweis von Broddericks Verrat durchsucht haben möchte, dieses Schwert wohl eingeschlossen. Ich fürchte also, dass ich diese Waffe bis auf weiteres an mich nehmen muss." Er blickte Rog scharf an, "Aber ich will nicht bösartig zu Euch sein und Euch ohne Blutpfand auf unbestimmte Zeit warten lassen, daher mache ich Euch ein faires Angebot: Ich gebe Euch das Doppelte für das Schwert, was Euch ein gewöhnliches Offiziersschwert bringen würde, weit mehr also als Broddericks normale Waffen."

Es war deutlich, dass dies kein "Angebot" war, doch ebenso, dass man gegen Alatars Argumente nichts tun könnte als zumindest etwas Gewinn daraus zu ziehen. Daher nickte Rog auch nur und sagte: "Ich Euch viel zu verdanken, Herr. Daher weiß ich, dass ich Euch gut und gerne diese Waffe übergeben kann ohne mich bei den Familien entschuldigen zu müssen." Er holte tief Luf und seine undwinkel machten deutlich, dass er ein "Aber" anführen wollte, doch Alatar hatte sich stattdessen an Morrandir gewand:
"Ihr sagtet, dass Ihr Euch bereits eine Nachfolgerin vorstellen könntet?"
"Sie steht neben mir. Ich habe ihr all mein Wissen anvertraut und bin mir sicher, dass sie den Anforderungen entspricht." Alatar nickte beiläufig und stellte ein paaar weitere Fragen, bei denen Salia sich aber sicher war, dass er diese in jeder Akte finden könnte. Schließlich sagte er: "Ich werde dem König mitteilen, dass ich Eure Entscheidung gutheiße. Ich halte es für angemessen, dass als Zeichen des Wandels Eur Nachfolgerin und erste voll ausgebildete Schülerin offiziell vorgestellt wird. Ich denke, dass dies unserer aller Pläne gut tun würde."

Er wandte sich zum Gehen, drehte sich auf halben Wege jedoch nochmal um: "Ach ja, habt Ihr Aufzeichnungen zu der Kriegsbeute und deren Trägern?"
"Sie liegen Euren Schreibern vor. Ich weiß jedoch nicht, wie aktuell diese bis zu dem Dreifürsteneck gehalten wurde, da die meisten Divisionen schon vor meiner Ankunft desertiert waren und ihr kennt ja die Desertationslisten und deren Glaubwürdigkeit."
Wortlos drehte der Berater sich um und verließ die Halle zu den Gemächern des innersten Hofstaates.

Salia, zu: Rylthas Haus
« Letzte Änderung: 13. Nov 2011, 18:18 von The Chaosnight »
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Ein Pfeil in der Nacht
« Antwort #4 am: 8. Okt 2016, 00:03 »
Cyneric vom Hafen


Der Palast war nicht schwer zu finden gewesen, denn die meisten Straßen führten entweder auf ihn zu oder davon weg. Cyneric trug die schwere Rüstung der gortharischen Gardisten, aber aufgrund der strengen Kontrollen am Palast reichte dieser Fakt natürlich nicht aus, um ungefragt eingelassen zu werden.
"Wer bist du? Woher hast du diese Rüstung?" fragte ihn der Gardist der ihn am Betreten des Palastes hinderte.
Cyneric erinnerte sich daran, was ihm gestern gesagt worden war. "Heerführerin Morrandir schickt mich. Ich soll heute Mitglied der Garde werden, bei Sonnenaufgang."
"Ach, bist du dieser Nordmensch? Zeig' mal dein Gesicht," verlangte sein Gegenüber.
Er tat wie ihm geheißen und nahm den Helm sowie das Tuch, das seine untere Gesichtshälfte bedeckte ab. Der Andere nickte. "Aussehen und Aussprache stimmen. Nun gut. Die Rüstung hast du ja schon; eine Pike erhältst du von dem Kamerad da drüben." Er deutete auf einen der übrigen fünf Gardisten, die den Eingang bewachten. "Seine Schicht ist jetzt zuende. Du wirst ihn ablösen. Du weißt, was du zu tun hast?"
Cyneric nickte. Mit Wache stehen kannte er sich aus.
"Gut, gut. Aber denk' dran, ich behalte dich im Auge!" sagte der Gardist. "Keine Dummheiten! Sonst zerren wir dich schneller in die Verliese als du "Morgengrauen" sagen kannst!"

Cyneric nahm die Waffe von dem Wächter entgegen, den er ablöste, und bezog rechts neben dem protzigen Eingang des Palastes Stellung. Die Sonne stieg höher und höher und der Vormittag brach an. Die jahrelange Erfahrung übernahm und ließ ihn die Schicht problemlos überstehen. Doch ihm fiel auf, dass im Gegensatz zu Rohan die Gardisten in Gortharia aktiv gegen einfache Leute vorgehen mussten, die ihre Unzufriedenheit vor den König bringen wollten. Immer wieder gab es Rangeleien und Provokationen, doch die Gardisten ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie waren all dies offenbar schon lange gewohnt. Bei Cyneric stellte sich immer mehr der Eindruck ein, dass der König Gortharias und die Oberschicht das Volk wirklich schlecht behandeln mussten, und Rylthas und Morrandirs Ziele kamen ihm immer sinnvoller vor. Dieses Land leidet unter der Unterdrückung durch die Reichen und Mächtigen, wie Ryltha gesagt hat, dachte er. Vielleicht ist es das Richtige, sie zu unterstützen..

Nach dem Ende seiner ersten Schicht erhielt er unverhofft ein Lob vom Kommandanten des Palasttores. "Gut gemacht, Nordmann. Ich sehe, die Heerführerin hat ein gutes Auge bei deiner Wahl bewiesen. Du hast Erfahrung bei dieser Aufgabe." Er nickte Cyneric anerkennend zu, dann ließ er ihn wegtreten.
Cyneric betrat den Palast nachdem er die Pike an seine Ablösung weitergegeben hatte. Im Inneren würdigte ihn kaum jemand eines Blickes; er war nur ein weiterer Gardist auf dem Weg zu einem Vorgesetzten. Er musste nicht lange nach der Halle des Rats der Zehn suchen, denn dort war gerade eine Ratsitzung zu Ende gegangen, und die Ratsherren und -herrinnen strömten heraus, begleitet von ihrem Gefolge. Erstaunt sah Cyneric, dass sich auch ein alt wirkender Mann unter ihnen befand, der blaue Gewänder trug und eine Ausstrahlung hatte, die Cyneric bisher nur bei zwei anderen Personen gespürt hatte.
Wenn mich nicht alles täuscht, handelt es sich hier um einen Zauberer, dachte er. Doch bevor er mehr herausfinden konnte wurden seine Gedanken von Morrandirs scharfer Stimme unterbrochen.
"Du bist pünktlich. Sehr gut. Komm, folge mir," sagte sie und marschierte schnellen Schrittes los. Cyneric schloss zu ihr auf und folgte der Heerführerin durch den weitläufigen Palast.
"Präge dir den Weg gut ein," meinte Morrandir. "Es ist von Vorteil, wenn du dich hier bald gut auskennst."
Sie erreichten ein kleines Zimmer in einem der höheren Stockwerke, aus dessen Fenster man einen guten Blick nach Süden über die Stadt hatte.
"Hier wirst du mich für gewöhnlich tagsüber finden," erklärte Morrandir. "In diesem Teil des Palastes sind auch die anderen Kommandanten und Würdenträger des Militärs von Rhûn untergebracht. Tritt ein. Und schließe die Tur hinter dir!"

Cyneric tat wie geheißen. Kaum war die Tür geschlossen trat Morrandir an das Fenster und blickte hinaus. Sie senkte ihre Stimme zu einem Wispern.
"Du bist heute um Mitternacht zur Nachtwache eingeteilt," erklärte sie so leise dass er es kaum verstehen konnte. "Du wirst am Eingang zu den Palastgärten Wache stehen. Ungefähr zwei Stunden nach Wachbeginn wird Ryltha eintreffen. Du musst sie passieren lassen und ihr bei dem helfen, das sie tun wird."
Er wollte fragen, was sie damit meinte, doch Morrandir brachte ihn mit einem Wink zum Schweigen. "Keine Zeit für Fragen. Du wirst es verstehen wenn es soweit ist. Jetzt geh' und ruhe dich aus. Wir sehen uns wieder, wenn ich dich das nächste Mal rufen lasse."
"Wie Ihr wünscht," sagte Cyneric und ging.
Was heute Nacht wohl geschehen wird? fragte er sich während er den Palast verließ.

Er verbrachte Nachmittag und Abend damit, in der Kaserne etwas Schlaf zu finden. Cyneric war unregelmäßige Schlafzeiten ebenso gewohnt wie der Fakt, dass man als Gardist des Öfteren zwischendurch Zeit totschlagen musste. Nachdem er am späten Abend wieder wach geworden war schlenderte er einige Zeit am Hafen entlang und genoss den Ausblick auf das stille Meer, auf dem sich die Sterne spiegelten. Es war eine wolkenlose Nacht. Seine Gedanken waren bei seiner Tochter.
Wie es ihr wohl gerade geht? fragte er sich. Er nahm sich vor, Ryltha oder Morrandir bei der nächsten Gelegenheit mehr Fragen über Déorwyn zu stellen. Ob sie auch gerade dieselben Sterne betrachtet? Ich hoffe, sie ist in Sicherheit.
Als es Zeit wurde, zum Palast zurückzukehren, schob er alle Gedanken, die ihn noch beschäftigten, so gut es ging beiseite und konzentrierte sich auf den Wachdienst. Die großen Gärten des Palastes lagen auf der Nordseite, zum Meer hin, und besaßen eine kleine Pforte in der Mauer, die den Palast umgab, wo Cyneric nun Stellung bezog.

Wie Morrandir gesagt hatte dauerte es ungefähr zwei Stunden, bis Ryltha auftauchte. Dass sie es war erkannte Cyneric nur an ihrer Stimme, denn sie trug dunkle Kleidung und ihr Gesicht war von einer Kapuze verdeckt. In der Hand hielt sie einen Stahlbogen und auf dem Rücken einen gut gefüllten Köcher.
"Hallo, Cyneric," sagte sie leise, mit Belustigung in der Stimme. "Wie gut, dass du hier bist. Es gibt Arbeit. Komm mit!"
"Ich kann meinen Posten nicht verlassen," widersprach er. "Das würde auffallen."
"Keine Sorge, Cyneric. Du bist gleich wieder hier. Niemand wird merken, dass du überhaupt weg warst," beschwichtigte Ryltha. Sie schob sich an ihm vorbei und durchquerte die kleine Pforte. Cyneric folgte ihr durch den Garten, die Pike griffbereit.

Kurze Zeit später kamen sie an einen kleinen Zierteich, an dem ein Adliger stand und sich leise mit einer Hofdame unterhielt. Zwei von dessen persönlichen Leibwachen flankierten den Mann.
"Geh hin und lenke sie ab," wisperte Ryltha aus den Schatten. Cyneric marschierte auf den Teich zu und wurde von den Leibwächtern aufgehalten.
"Was gibt es, Gardist?" wollten sie wissen. Doch bevor er antworten konnte kamen zwei Pfeile aus dem Dunkeln geflogen und fällten die Männer. Entsetzt taumelte der Adelige einen Schritt zurück und wollte sich zur Flucht wenden, doch die vermeintliche Hofdame legte ihm blitzschnell ein Messer an die Kehle.
"Was... was hat das zu bedeuten?" stammelte er angsterfüllt.
Ryltha trat aus den Schatten hervor, den Bogen griffbereit. "Lesztan von Dervesalend! Ihr richtet dieses Land zugrunde!" rief sie. Schneller als man es sehen konnte hatte sie einen Pfeil aufgelegt - und schoss ihn dem Mann ins Herz.
"Wer war er?" fragte Cyneric, als er sich kurz darauf von dem Schock erholt hatte.
"Ein Vetter des Fürsten von Dervesalend, dem Gebiet im Nordosten Rhûns," erklärte Ryltha. "Lilja hier wird die Leiche verschwinden lassen." Sie gab der Hofdame ein Zeichen und diese nickte.
"Sie gehört auch zu euch?" fragte Cyneric und meinte damit Morrandir und Ryltha.
"Nicht direkt," antwortete Ryltha. "Sie hilft uns hin und wieder. Komm, du solltest jetzt auf deinen Posten zurückkehren."
Er tat wie ihm geheißen. Der Rest seiner Schicht verlief ereignislos nachdem Ryltha verschwunden war.

Am Tag darauf gab es im Palast viel Gerede um das das spurlose Verschwinden des von Ryltha erschossenen Adligen. Doch offenbar kam es hin und wieder vor, dass wichtige Personen ermordet oder aus dem Weg geschafft wurden, denn die Palastwache erhielt zwar offiziell den Auftrag, nach Spuren zu suchen, doch Cynerics Kameraden rieten ihm, seine Zeit nicht damit zu verschwenden.
"Wenn es eine der Gilden oder Attentäterorden war, wirst du sowieso nichts finden," sagten sie.
Und genauso war es auch. Ryltha und Lilja hatten die Leiche spurlos verschwinden lassen. Nach einer kürzeren Zeit als Cyneric erwartet hatte, kehrte wieder Normalität im Palast ein.
Er fragte sich, wie viele Tote in nächster Zeit wohl noch folgen würden...


Ryltha und Cyneric in den Untergrund von Gortharia
« Letzte Änderung: 21. Sep 2017, 09:06 von Fine »

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Die Ratssitzung der Zehn
« Antwort #5 am: 28. Okt 2016, 22:36 »
Cyneric aus dem Untergrund von Gortharia


Cyneric verbrachte die Nacht in der Wachstube der Palastgarde, die sich im Untergeschoss in der Nähe des großen Haupteingangs befand. Er legte sich auf das ihm zugewiesene Bett, doch der Schlaf wollte nicht kommen. Die Ereignisse und Bilder des Tages verfolgten ihn.
Déorwyn lebt noch, dachte er wieder und wieder. Sie lebt noch, und sie ist irgendwo dort draußen. Sobald ich hier fertig bin, werde ich sie suchen gehen.. Er wüsste, dass dies die verlorenen Jahre nicht wieder zurückbringen würde, aber er war es seiner Tochter schuldig, sich wenigstens auf den Weg zu machen und sie wiederzufinden. Mein kleines Mädchen... wo sie wohl gerade ist? Ob sie die Schlacht die ich gesehen habe gut überstanden hat? Er wusste nicht einmal, ob diese Schlacht überhaupt schon geschlagen worden war oder ob sie nur ein Trugbild des Brunnens gewesen war. Auch das letzten Bild das er auf der Wasseroberfläche gesehen hatte bereitete ihm Kopfzerbrechen. Gestalten, die über eine schier endlose Eiswüste marschieren, grübelte er. Wo gab es so einen Ort? Es hatte nicht danach ausgehen, als ob die Szene hoch in den Bergen seiner Heimat, dem Weißen Gebirge gespielt hatte, dafür war die Landschaft zu eben gewesen. Doch wo gab es ein solches Gebiet? Cyneric wusste es nicht.
Irgendwann schlief er durch die Erschöpfung schließlich ein.

Der folgende Tag brach an und einer der anderen Gardisten weckte Cyneric, indem er ihn leicht an der Schulter anstupste und Worte in einer Sprache sagte, die Cyneric nicht verstand.
"Aufstehen, Nordmann," sagte der Gardist und wechselte in die Gemeinsame Sprache, die er jedoch nur mit starkem Akzent sprach. "Deine Schicht beginnt bald."
"Wo bin ich stationiert?" fragte Cyneric.
"Vor der Ratshalle," antwortete der Mann. "In wenigen Minuten. Eil' dich!"
Er legte rasch die Rüstung an und eilte zur Halle des Rates der Zehn. Diesmal war er im Inneren postiert und bekam so einer der Besprechungen mit, die die Ratsmitglieder abhielten.

"Späher berichten, dass an der Ostgrenze, nahe Balanjar, Reiterhorden gesichtet wurden. Doch diesmal sind es keine der Barbarenstämme, die plündernd und raubend durchs Land ziehen und dabei nur selten anhalten. Offenbar haben wir es hier mit organisierteren Verbänden zu tun, die Panzerreiter zu Felde führen und mit Strategie vorgehen," berichtete einer der Ratsmitglieder, ein Mann mittleren Alters mit kurzgeschorenen Haaren und weiten rotbraunen Gewändern.
"Danke, Herr der Spione," sagte ein anderes Ratsmitglied, der in blau gewandete Mann von dem sich Cyneric inzwischen sicher war, dass es sich dabei um einen Zauberer handeln musste. "Wenn wir den Bericht, den uns Meister Tahvo gerade gegeben hat, ernst nehmen, müssen wir bald handeln, um diese mögliche Bedrohung abzuwenden."
"Bedrohung sagt Ihr, Ewiger Berater?" warf einer der anwesenden Generäle ein. "Wer würde es wagen, das Reich von Gortharia herauszufordern, in den Tagen unseres Triumphes und auf dem Höhepunkt unserer Macht? Nur ein Narr würde sich mit unserem glorreichen Heer anlegen wollen!"
"Dennoch rate ich zur Vorsicht, General Parvan," erwiderte der Blaue. "Schon viele Reiche sind dadurch gefallen, dass sie einen vermeintlich schwächeren Feind unterschätzt und vernachlässigt haben."
"Dann sollten wir sogleich eine starke Heeresabteilung nach Balanjar entsenden," schlug ein weiterer hochranginger Armeeangehöriger ein.
Mehrere zustimmende Gesten wurden in der Runde gemacht, dann sagte der Zauberer: "Ihr habt Euren Rang erst kürzlich erhalten, Generel Rog, doch bereits erweist Ihr Euch als klug und besonnen. Solche Männer wie Euch braucht das Reich."
"Wir haben noch keine Nachricht von Kotyan erhalten," fügte der Herr der Spione hinzu. "Wenn er sich in Bedrängnis befindet, sollten wir schnell handeln."
"Dem stimme ich zu," sagte Rog. "Ich werde veranlassen, dass eine berittene Kompanie noch heute nach Balanjar aufbricht, und lasse eine Division zu Fuß folgen. Wir werden schon bald wissen, wie groß die Bedrohung wirklich ist."
"Sehr gut," befand der Zauberer. "Nun denke ich sollten wir uns der Lage in der Hauptstadt zuwenden. Wie wohl bereits weit und breit bekannt ist wurde vor zwei Tagen Lezstan, der Vetter des Fürsten von Dervesalend in den Mauern dieses Palastes ermordert."
"Ermordet, Alatar? Seid Ihr sicher?" fragte eine neue Stimme, die zu einem grauhaarigen Mann mit großen Leibesumfang gehörte. "Niemand hat eine Leiche gefunden. Bisher steht nur fest, dass der Mann verschwunden ist."
"Wie lange lebt Ihr bereits in Gortharia, Meister Kerkko?" fragte der Blaue zurück. "Ihr wisst nur allzu gut, dass dies das Werk eines der Attentäger-Orden gewesen sein muss. Ihr mögt euch nur für Münzen und Profit interessieren, wie es Eurer Stellung angemessen ist, doch selbst Ihr solltet genug Verstand haben, um zu erkennen, dass es sich um Mord handelt - Mord mit einem Ziel."
"Was meint Ihr? Welches Ziel?" fragte Kerkko verwirrt.
"Es gibt viele, die den Mächtigen ihren Reichtum und ihr Ansehen neiden," erläuterte Tahvo. "Sicherlich haben es die Auftraggeber darauf abgesehen, an den Fürsten von Dervesalend heranzukommen."
"Ich werde sowohl die Stadtgarde als auch die Palastwache verstärken lassen," befand Rog. "Doch dies wird nicht ausreichen, um die Sicherheit der Adligen in der Stadt zu gewährleisten."
"Ihr habt erneut Recht, Meister Rog," stimmte Alatar zu. "Um sich gegen jene, die in den Schatten lauern zu verteidigen, müssen wir unsere eigenen Spione und Attentäter aussenden. Wie steht es um die königliche Gilde der Dolche, Meisterin Ilta?"
Ilta, die einzige Frau in der Runde, warf dem Zauberer einen scharfen Blick zu. "Vieles von dem, was meine Leute betreiben, dringt nur selten an das Ohr des Volkes, ob reich oder arm. Doch wisst, dass die Gilde der Dolche Tag und Nacht zahllose Anschläge vereitelt und Verschwörungen aufdeckt. Erst kürzlich gelang es uns, eine komplette Untergrundgruppe auffliegen zu lassen und ihr Versteck an die Stadtwache weiterzugeben, die das Rattennest ausräucherte. Doch auch wir sind nicht allmächtig. Es fehlt vor allem an Mitteln. Wenn der geschätzte Meister Kerkko mir größere Anteile aus der königlichen Schatzkammer zukommen lassen würde könnte ich..."
"Mehr Anteile?" unterbrach der Schatzmeister gereizt. "Und wo soll ich die hernehmen? Ihr alle habt euch an den Strom an Reichtum, den wir aus den eroberten Gebieten im Westen und Norden bezogen gewöhnt, doch diese Quelle ist dabei zu versiegen. Thal und der Erebor sind geplündert. Wir alle werden nun bald mit weniger zurechtkommen müssen."
"Dann fürchte ich, dass die Gilde der Dolche eines Tages nicht mehr für Eure Sicherheit gerantieren können wird," gab Ilta mit einem feindseligen Unterton in der Stimme zurück.
"Bitte, meine Freunde, lasst uns nicht streiten wenn es um die Zukunft des Reiches geht," ging Alatar beschwichtigend dazwischen. "Ich werde sehen, was ich gegen die Bedrohung aus dem Untergrund unternehmen kann. Fürs Erste sollten wir uns alle darauf konzentrieren, das alles weiter in seinen gewohnten Bahnen verläuft. Der König ist nicht in der Verfassung, eine weitere schlechte Nachricht zu ertragen."

Kurz darauf endete die Sitzung des Rates der Zehn, und Cyneric wurde zum Haupteingang des Palastes abkommandiert, wo er den Rest seiner Schicht verbrachte. Er fragte sich, wo Ryltha und Morrandir gerade waren, doch bald schon drifteten seine Gedanken zurück zu seiner Tochter. Er wünschte sich nichts mehr, als ihr Gesicht noch einmal zu sehen, doch er wusste, dass er sich einen weiteren Blick in den Brunnen erst verdienen musste. Nachdenklich bezog er seinen Posten und fragte sich, was die Schattenläufer wohl als Nächstes von ihm verlangen würden...
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Re: Der Königspalast
« Antwort #6 am: 23. Nov 2016, 11:18 »
Milva aus den Straßen der Stadt

Milva überquerte langsam und zögerlich den Platz. Auch wenn sie den Entschluss gefasst hatte, war sie doch keineswegs wirklich entschlossen - und außerdem wusste sie noch immer nicht, wie genau sie ihren Plan durchführen sollte. Während sie den Gardisten immer näher kam, atmete sie tief durch, und entschied sich dafür, den Mann ganz links anzusprechen. Je weniger die anderen Wächter mithörten, desto sicherer würde sie sich fühlen.
"Äh... seid gegrüßt", sagte sie nervös und leise. Milva hatte keine Ahnung, wie man einen königlichen Gardisten ansprach, denn die Soldaten in ihrer Heimat redete man am besten gar nicht direkt an, wenn man nicht zufällig eine Hure war. "Könntet ihr mir vielleicht eine Frage beantworten...?"Der Gardist legte den Kopf leicht schief und gab zunächst keine Antwort, sodass Milva die Frage wiederholte. Da beugte sich der Mann leicht vor, senkte die Stimme zu einem verschwörerischem Wisper und sagte in der gemeinsamen Sprache des Westens: "Verzeiht, gute Frau, ich verstehe die Sprache leider nicht, die Ihr da sprecht..."
Milva stutzte, und musterte das Gesicht des Mannes unter dem Helm genauer. Er sah nicht unbedingt wie ein typischer Bewohner Gortharias aus, doch in der Königsstadt trieben sich so viele verschiedene Völker herum, dass das nichts zu sagen hatte. Aber die Tatsache, dass er nur die Sprache des Westens zu sprechen schien... ebenso wie der Zwerg Aivari. War es möglich, dass dieser Gardist ebenfalls aus den Ländern des Westens hierher gekommen war?
"Also, ich..." Milva suchte nach den richtigen Worten. Während sie mit Aivari gesprochen hatte, hatte sie keine Probleme gehabt, doch jetzt, nervös wie sie war, schienen ihr sämtliche Wörter dieser Sprache entfallen zu sein. "Ich suche... also..." Sie brach erneut ab, atmete tief durch und fragte dann einfach drauf los: "Wisst ihr, ob der König von Thal hier gefangen gehalten wird? Ich hatte nämlich so ein Gerücht von einer Freundin gehört, und..." Sie wusste, wie fadenscheinig dieser Vorwand war, doch etwas besseres war ihr auf die Schnelle nicht eingefallen. Andererseits hatte der Gardist keinen Grund, ihr nicht zu glauben.
Sie konnte deutlich sehen wie der Mann unter seinem Helm eine Augenbraue hochzog. Ob er amüsiert oder misstrauisch war blieb unklar. "Hast du noch nicht von der Belagerung bei Dol Guldur gehört?" sagte er und wechselte (offenbar unbewusst) zur vertraulicheren Anrede. "Ein eher weniger ruhmreicher Auftritt für die große Armee des Ostens. Die Schlacht ging verloren und die Heere des Westens triumphierten." Er klang ein wenig zu sehr so, als würde ihn diese Niederlage nicht im Geringsten stören, doch seine Stimme blieb leise genug, um die Aufmerksamkeit der anderen Gardisten nicht zu erwecken. "Unter den Gefangenen, die in Dol Guldur befreit wurden, war auch Bard der Zweite, der König von Thal. Saruman hat ihn jetzt. Dem Zauberer ist nicht zu trauen...." Er unterbrach sich und seine Augen weiteten sich ein kleines Stück. Offenbar hatte er Dinge gesagt, die er nicht hatte sagen wollen.
Dol Guldur... diesen Namen hatte Milva von Aivari schon gehört, der Zwerg hatte erzählt, in dieser Schlacht gekämpft zu haben. Und Saruman... von ihm hatte sie Gerüchte gehört, und nichts davon gut. Allerdings, soweit sie Bescheid wusste war Saruman im Augenblick ein Feind Rhûns - und ein Soldat von Rhûn würde dann wohl kaum davon sprechen, dass man dem Zauberer nicht trauen konnte.
Milva warf den anderen Gardisten, die weiterhin stur geradeaus blickten, einen raschen Blick zu, und sagte dann mit gedämpfter Stimme: "Du bist gar kein Soldat des Königs, oder?" Den Gedanken an ihren nun erfüllten Auftrag hatte sie über diese Erkenntnis beinahe vollständig verdrängt.
Der Gardist ließ leicht die Schultern hängen. "Offiziell schon, ich bin tatsächlich ein Mitglied der Palastgarde. Aber..." er unterbrach sich und seufzte. "Ich tauge wohl nicht allzu viel im Spiel falscher Identitäten und Heimlichkeiten, was? Hat Ryltha dich geschickt, um mich zu testen? Du kannst ihr sagen, dass ich daran arbeiten werde."
Milva rieb sich die Stirn, denn sie hatte das Gefühl, in eine Angelegenheit zu geraten, die  sich als um einiges zu groß für sie erweisen mochte.
Hätte ich mich doch bloß nie darauf eingelassen...
"Nein, ich kenne keine..." Bevor sie zu Ende sprechen konnte, tauchte das Bild einer dunkelblonden Kriegerin vor ihrem inneren Auge auf, die sie und Aivari vor gar nicht allzu langer Zeit vor einer Verhaftung bewahrt hatte. "Oder doch. Du meinst Kommandantin Ryltha?", fragte sie, und hielt gespannt den Atem an. Obwohl sie eigentlich nur so schnell wie möglich wieder aus dieser Stadt verschwinden wollte, strebte irgendein rebellischer Teil von ihr doch danach, mehr über diese Angelegenheit  herauszufinden.
"Na Ryltha eben. Es gibt, hoffe ich, nur eine von ihrer Sorte," antwortete der Gardist mit einem seltsamen Klang in der Stimme. "Also ist das hier nun ein Test oder nicht? So langsam frage ich mich, was dieser Geheimbund wirklich vorhat. Alle reden immer nur davon, die Fünf Fürsten und den König zu stürzen, aber passiert ist davon noch nichts." Er blickte sich um und vergewisserte sich, dass niemand lauschte. "Hast du auch schon in den Brunnen gesehen? Ich meine, das ist natürlich schon eine gewaltige Motivation. Dinge aus großer Entfernung zu sehen und in die Vergangenheit oder sogar in die Zukunft zu schauen... das muss elbische Magie sein, wenn mich nicht alles täuscht. Ich will ehrlich sein - ich bin bei der ganzen Sache nur dabei, damit ich weiß, dass es meiner kleinen Tochter gut geht."

Aus dem ganzen Redeschwall stach für Milva nur eines heraus: Die Fünf Fürsten und den König stürzen. Gänzlich unbewusst hatten sich in ihrem Hinterkopf die Probleme in ihrer Heimat und Herrscher Rhûns zu einer festen Einheit verbunden - verschwand eins, verschwand auch das andere. Und direkt darauf drang eine zweite wichtige Information zu ihr vor. Das, was der Gardist über diesen Brunnen erzählt hatte, erinnerte sie stark an die Quelle, die die Bewohner des Sternenwaldes hüteten. Hatte die Herrin vielleicht gewusst, was sie hier erwartete? War ihr Auftrag eigentlich nur ein Vorwand für andere Absichten gewesen?
"Ich hätte mich nie darauf einlassen sollen...", wiederholte sie, dieses Mal laut. Dann bemerkte sie den verwunderten Blick des Gardisten, und fügte hinzu: "Äh... Verzeihung. Ich meinte natürlich..." Vielleicht sollte sie ihre Rolle einfach weiterspielen, um dem Mann weitere Informationen zu entlocken. Allerdings am besten nicht hier, wo die anderen Wächter, die ihr bereits den ein oder anderen misstrauischen Blick zuwarfen, sie ohne weiteres belauschen konnten.
"Kommt heute Abend ins Gasthaus Uldor's Rast im nördlichen Händlerviertel, dann äh... erzähle ich euch mehr." Sie wandte sich rasch ab, und ging über den Platz nach Norden davon, in der Hoffnung, möglichst selbstsicher und unverdächtig zu wirken.

Milva zurück auf die Straßen der Stadt
« Letzte Änderung: 28. Dez 2016, 13:04 von Eandril »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
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Ein Tag im Leben eines rhûnischen Gardisten
« Antwort #7 am: 24. Nov 2016, 10:17 »
Cyneric war einigermaßen zufrieden mit sich selbst. Er hatte Rylthas neusten Test offenbar bestanden und würde der Einladung der seltsamen Frau in das Gasthaus folgen, um dort wahrscheinlich einen neuen Auftrag zu erhalten. Er wusste, dass er alles tun würde was die Schattenläufer von ihm verlangten - das war es ihm wert, um einen weiteren Blick in den Brunnen gewährt zu bekommen. Die letzten Bilder, die das Wasser ihm von seiner Tochter gezeigt hatte, waren zu besorgniserregend gewesen um nicht weitere Nachforschungen anzustellen.

Er verbrachte den Rest seiner Schicht damit, so gut wie möglich der heißen Sonne aus dem Weg zu gehen. Die großen Säulen, die die steile Treppe zum Palast hinauf säumten, warfen zwar breite Schatten, doch diese verschoben sich mit dem Lauf der Sonne mehr und mehr. Schließlich konnte sich Cyneric nicht mehr weit genug mitbewegen ohne seinen Posten zu verlassen und er musste die Hitze ertragen. Er fragte sich, ob seine Tochter auch gerade von dieser Wärme betroffen war. Zwar hatte er eine verschneite Ebene und eisige Landschaften im Brunnen gesehen, doch Morrandir hatte ihm den Eindruck vermittelt, dass es sich dabei um ein Bild aus der Zukunft handelte. Cyneric hoffte, dass seiner Tochter der Weg durch dieses kalte, unfreundliche Land erspart blieb.

Gegen Ende der Wachschicht, als es Nachmittag geworden war, erhielt er Besuch von einer der Hofdamen, die aus dem Palast gekommen war. Erst auf den zweiten Blick stellte er fest, dass er sie kannte: Es war die Frau, die Ryltha als Lilja bezeichnet hatte und die dafür gesorgt hatte, dass die Leiche des von Ryltha getöteten Adeligen spurlos verschwand. Lilja schien zunächst allerdings nichts weiter als plaudern zu wollen.
"Grüß' dich, Cyneric," sagte sie in akzentfreiem Westron. "Wie läuft der Wachdienst?"
Cyneric wusste nicht recht, weshalb sie ihn das fragte. "Heute blieb bislang alles ruhig," berichtete er.
"Keine Sorge," erwiderte Lilja mit einem kleinen Lächeln. "Es wird schon bald wieder mehr als genug für dich zu tun geben."
"Was meint Ihr damit?" fragte er.
"Oh, du wirst es sehen. Aber zuerst musst du etwas für mich tun," gab sie zurück.
"Für dich? Oder für... unsere gemeinsamen Freunde?" wollte Cyneric mit gesenkter Stimme wissen.
"Für mich," sagte Lilja bekräftigend. "Es wird dir von Vorteil sein, Freunde im Palast zu haben. Also, hör zu: ich möchte, dass dies bei den Sachen von Gardist Tihomir gefunden wird." Sie ließ ein kleines, fest verschnürtes Bündel in Cynerics Hand fallen.
"Was ist das?" fragte er.
"Das ist unwichtig. Sieh einfach zu, dass es man es in der Truhe von Tihomir findet. Wie du das anstellst ist egal - lass dich nur nicht dabei erwischen." Sie nickte ihm entschlossen zu. "Du tust mir einen großen Gefallen. Das werde ich nicht vergessen." Damit drehte sie sich um und kehrte ins Innere des Palastes zurück.
Cyneric wog das Bündel einen Augenblick in der Hand. Es war sehr leicht. Was sich darin befand konnte er nicht sagen; es schien jedoch nicht fest sondern eher eine Art Pulver zu sein. Er steckte es ein.

Als die Wachablösung kam musste er sich einige Kommentare der anderen Gardisten anhören, weil er während der Schicht zweimal von Frauen besucht worden war.
"Du könntest uns etwas von deinem Glück abgeben," sagte der wachhabende Kommandant. Die Männer lachten. Cyneric tat die Bemerkungen mit einem Schulterzucken ab und machte sich auf den Weg zur Wachstube auf den tieferen Ebenen des Palastes, wo die Gardisten untergebracht waren. Zum Glück wusste er bereits, in welchem Raum Tihomir untergebracht war. Und sein Glück hielt noch weiter an, denn der Raum war verlassen. Eilig verstaute er Liljas Bündel in der offen stehenden Truhe des anderen Gardisten und verließ den Schlafsaal wieder.

Die Unterkunft der Palastgarde besaß eine eigene Küche samt Speisesaal, wo rund um die Uhr Essen bereit stand. Dies war einer der wenigen Vorteile, die Cyneric auffielen wenn er den Posten als Gardist zwischen Gortharia und Aldburg verglich: Das Essen, das der König von Rhûn seinen Wächtern zustand, war deutlich besser. Das lag allerdings daran, dass in Rohan die Nahrungsvorräte knapp waren. Da er keinerlei Zeitdruck hatte gönnte sich Cyneric ein ausgedehntes Abendessen und wartete, bis die Sonne untergegangen war. Dann ließ er sich von einem anderen Palastwächter den Weg zu dem Gasthaus nennen, in dem die Frau, mit der er am Vormittag geredet hatte, auf ihn warten wollte. Er behielt den Großteil seiner Rüstung bis auf den Helm und die Panzerhandschuhe an, verließ den Palast und machte sich auf den Weg.


Cyneric zum Gasthaus 'Uldors Rast'
« Letzte Änderung: 15. Jan 2017, 14:23 von Fine »

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Neue Anweisungen
« Antwort #8 am: 6. Feb 2017, 21:03 »
Cyneric aus den Verliesen des Palastes
Ryltha und Milva von den Straßen Gortharias


Cyneric genoss frühe Schichten. Normalerweise waren sie ruhiger als die späteren Stunden, und das war auch in Gortharia der Fall. Der Palast wurde ohnehin nur selten von Bittstellern aufgesucht. Vielmehr war es an diesem Morgen ein Kommen und Gehen von Höflingen, Adeligen und anderen Würdenträgern, die jedoch alle von den Gardisten ohne weiteres eingelassen wurden. Es ging im Palast das Gerücht, dass der Rat der Zehn der königlichen Attentätergilde deutlich mehr Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte und dass diese nun ein wachsames Auge auf jene hatten, die im Palast ein- und ausgingen. Die Gardisten waren daher von Kommandant Rauno "Rog" angewiesen worden, Hochgestellte ohne Kontrolle einzulassen, da die Gilde der Messer des Königs die Identitäten aller, die etwas im Palast zu schaffen hatten, selbst überprüfen würde.
Orvar stand neben Cyneric und raunte ihn hin und wieder pikante Details über diverse Besucher zu. Und nicht zuletzt deswegen verging die Schicht wie im Flug.

Cyneric verstaute seine Waffen und Rüstung wie gewohnt neben seinem Schlafplatz und war erstaunt, Teressa auf seinem Bett sitzend vorzufinden. Die Schattenläuferin trug die unscheinbare Kleidung einer einfachen Bediensteten des Palasts und stand rasch auf, als Cyneric in den Raum kam.
"Hallo," sagte sie und wirkte diesmal deutlich weniger ausdruckslos. "Ryltha schickt mich. Du sollst so bald es geht in den Garten kommen, wo du Lilja zum ersten Mal getroffen hast."
Cyneric erinnerte sich wie er dabei gewesen war, als Ryltha einen Adligen aus dem Fürstentum Dervesalend ermordet hatte. Er fragte sich, was ihn wohl diesmal dort erwarten würde: immerhin war es Mittag, und nicht Mitternacht wie bei seinem letzten Besuch in den Palastgärten.
"Noch etwas," sagte Teressa leise. "Mein Name ist Salia. Erinnere mich daran, wenn wir uns das nächste Mal wiedersehen." Ihr Tonfall war schwer zu deuten, doch Cyneric nickte. Salia erwiderte die Geste, atmete einmal tief durch und eilte dann hinaus, eher er Fragen stellen konnte.

In den Gärten angekommen fand er Ryltha vor, die mit einer Cyneric unbekannten blonden Frau an einem der Tische saß und offenbar Tee trank. Ryltha trug ein ansehnliches blaues Kleid, während die andere Dame ein weinrotes Kleid anhatte. Cyneric umrundete den Tisch und konnte nun einen Blick auf ihr Gesicht werfen.
"Moment mal... Milva? Bist du das?" fragte er etwas durcheinander. Die Blondine machte ein etwas betretenes Gesicht und er konnte deutlich sehen, dass sie sich in dem Aufzug eher unbehaglich fühlte.
"Kommandantin Ryltha hat darauf bestanden," erklärte sie und zupfte verlegen an dem Kleid.
"Hier im Palast ist dein Name Veijana, schon vergessen?" warf Ryltha streng ein. "Du musst dich schon an das halten, was ich dir sage."
"Was ist der Grund für dieses Treffen?" fragte Cyneric und setzte sich auf den Stuhl, den Ryltha ihm anbot.
"Ein kleiner Plausch unter Freunden," entgegnete die Schattenläuferin fröhlich. "Als hochrangiges Mitglied der Armee darf ich mir Bedienstete in den Palast mitbringen, und wenn ich einen Tee mit einem der Gardisten trinke, wird das zwar Gerüchte auslösen, aber keine schlimmen. Es ist ganz normal, dass sich Offiziere auch mal bei ihren Untergebenen nach Partnern umsehen, und die Gardisten des Königs sind ja sowieso für ihre Ausdauer bekannt. Es wird also Gerede geben, aber das wird uns dabei helfen, den wahren Zweck unseres Treffens zu verschleiern."
"Und der wäre?" frage Milva etwas ungehalten.
"Zunächst einmal haben wir eine Anweisung von Merîl erhalten, dich betreffend, Milva. Du sollst bei einer älteren Adeligen als Jägerin eingeschleust werden - das wurde bereits in Bewegung gesetzt und ich werde dir nachher erklären, um wen es sich dabei handelt und wo ihr Anwesen liegt. Dabei geht es darum, dass diese Adelige zwei Erben hat. Über lang oder kurz ist es dein Auftrag, dafür zu sorgen, dass... der Richtige der beiden alles erbt."
Milva kniff nachdenklich die Augen zusammen. "Bei der Jagd kann es schon mal zu Unfällen kommen..." sagte sie langsam.
"Sehr gut, du denkst mit, Milva," lobte Ryltha. "Ich sehe schon, du wirst mit der Angelegenheit gut zurecht kommen."
In wenigen schnellen Sätzen erklärte die Schattenläuferin Milva die wichtigsten Details zu der Adeligen, bei der sie arbeiten würde. Dann wandte sich Ryltha an Cyneric. "Für dich gibt es momentan nur eines zu tun: halte weiter die Augen offen. Du hast in letzter Zeit einige... interessante Kontakte geknüpft; es kann sein, dass sich hier womöglich eine Gelegenheit für uns ergibt, weitere Verbündete zu gewinnen." Sie senkte ihre Stimme zu einem Flüstern und fuhr fort: "Obwohl jetzt die Schwarze Rose auf unserer Seite steht und uns unterstützt, ist es wichtig, dass wir trotzdem weiterhin aufmerksam auf solche Gelegenheiten bleiben."
Ryltha machte eine Pause und trank in aller Ruhe ihren Tee leer. Dann sagte sie: "Ihr habt vielleicht schon davon gehört, dass der königliche Gilde der Messer zusätzliche Mittel zugesprochen wurden. Das hat der Rat der Zehn nach einer langen Beratung beschlossen, und der Herr der Münzen hat sich bis zuletzt dagegen gewehrt. Am Ende war es der Ewige Berater, der Zauberer, der ihn wohl mit einem seiner Tricks dazu gebracht hat, sich der Mehrheit zu beugen. Jedenfalls sind das schlechte Nachrichten für uns, denn damit werden unsere Feinde zahlreicher werden. Es gab irgendwo in der Stadt - genau weiß ich es nicht, ich habe es von einem Mitglied der Schwarzen Rose gehört  - einen Angriff der königlichen Attentäter auf eine der kleineren Untergrundbewegungen; sie verschwenden also keinerlei Zeit. Mór und mich haben sie, wie den Großteil des königlichen Hofes, schon gründlich überprüft; aber natürlich hätten sie deutlich früher aufstehen müssen um da irgendwas verdächtiges zu finden. Wir waren am Erebor dabei und gelten unter anderem deswegen als sauber, zumal wir dem König bei unserer Rückkehr einen wichtigen Deserteur ausgeliefert haben. Das hat damals auch übrigens zu meiner Beförderung gerührt. Jedenfalls will ich, dass du vorsichtig bist, Cyneric. Unsere Feinde schlafen nicht. Halte Augen und Ohren offen nach Verbündeten, aber bring sie erst zu mir, eher du ihnen irgendetwas über die Schattenläufer erklärst, hast du verstanden?"
Cyneric nickte. Milva hingegen nutzte die Pause und fragte: "Wer sind die Schattenläufer eigentlich? Ich habe das grundsätzliche Ziel verstanden, das deine Freunde für Rhûn verfolgen, aber ich wüsste dennoch gerne mehr über euch. Wer erteilt euch die Befehle und wieviele seid ihr eigentlich?"
"Es gibt stets drei, die Merîls Willen dienen," sagte Ryltha mit Bedacht. "Mór, die Dunkelheit, Daé, der Schatten, und Rant, der Fluss. Du hast Merîl gestern ja gesehen, Cyneric - zumindest in ihrer derzeitigen Gestalt."
"Das klingt ja alles schön und gut, aber ihr könnt doch nicht wirklich nur drei sein. Und wer ist Cyneric in dieser Aufzählung? Der Fluss?" wunderte sich Milva.
"Nein, ich bin Rant," entgegnete Ryltha. "Zumindest momentan. Meine Schwestern und ich sind dafür bekannt, öfter mal die Rollen zu tauschen. Du wirst die anderen beiden auch noch kennenlernen, wenn die Zeit reif ist. Cyneric und einige andere - darunter du selbst, Veijana - sind nicht Teil der Drei sondern Verbündete, mit denen wir sicherlich einige, aber bei weitem nicht alle Geheimnisse teilen. Fürs erste musst du nur deinen Auftrag kennen. Belohnungen und weitere Antworten wird es geben, wenn du dich als weiterhin vertrauenswürdig erwiesen hast."
"Also schön," sagte Milva, stand auf und strich ihr Kleid glatt. "Dann sollte ich zusehen, dass ich diesen lächerlichen Aufzug los werde und in normalen Sachen bei besagter Adeligen aufkreuze."
"Das ist die richtige Einstellung," lobte Ryltha. "Damit wirst du es noch weit bringen."

Cyneric brachte Milva auf Rylthas Anordnung hin zum Gartentor. "Viel Glück," wünschte er ihr, ehe sie in den vollen Straßen der Stadt verschwand. Als er an den Tisch zurückkehrte, wo Ryltha ihren Tee getrunken hatte, fand er dort nur noch einen kleinen Zettel vor, auf dem stand:

Weitere Anweisungen folgen beizeiten. Vorerst Kopf einziehen und unauffällig bleiben. Augen nach Tiana offen halten. Rant.

Nachdenklich zerknüllte Cyneric den Zettel und ließ ihn in einem der Teiche verschwinden. Er fragte sich, was die Gastwirtin des Zweibeins mit all dem zu tun haben mochte...


Milva zurück auf die Straßen der Stadt
« Letzte Änderung: 15. Feb 2017, 12:08 von Fine »

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Die Gesandten
« Antwort #9 am: 27. Feb 2017, 10:59 »
Es verging ein Tag, an dem Cyneric Rylthas Anweisungen folgte und sich unauffällig verhielt. Er stand gemeinsam mit Orvar am Haupttor des Palastes Wache, bis seine Schicht vorüber ging, und ging abends im Zweibein etwas trinken. Tiana bekam er dabei jedoch nicht zu Gesicht. Eine der Bedienungen sagte, sie wäre bis auf weiteres beschäftigt. Also beließ Cyneric es dabei. Nun, sie wird schon wieder auftauchen, dachte er. Und sie wirkte durchaus so, als könnte sie auf sich acht geben. Er machte sich also erst einmal keine Sorgen um sie.

Am Tag darauf geschah etwas Ungewöhnliches. Der Kommandant der Palastwache, Rauno von Navlan (der von allen aber stets "Rog" genannt wurde) ließ die gesamte Kompanie der Palastgarde in einem der größeren Säle des Palastes antreten. Dreihundert Mann standen nun dort, in voller Rüstung, die Hellebarden aufrecht in der Hand, und erwarteten aufmerksam die Ankündigungen, die kommen würden.
"Männer der Königsgarde!" rief Rog als er vor sie trat und die vorderste Reihe langsam abschritt. Seine Stimme hallte durch den Raum sodass selbst die hintersten Reihen ihn deutlich verstehen konnten. "Ihr alle habt König und Palast eure Treue geschworen und würdet zu seiner Verteidigung euer Leben geben."
Die Gardisten rammten bestätigend das untere Ende ihrer Stangenwaffen auf den Boden. Sie wussten, für wen sie kämpften.
"Ihr alle seid unter den vielen Kriegern des Reiches für diese ruhmreiche Position auserwählt worden, weil ihr die besten seid!" fuhr Rog fort, und erneut erklang bestätigendes Stampfen. Lob hörten die Soldaten gerne.
"Geschmiedet im Feuer des Krieges und gehärtet durch blutige Schlachten seid ihr die Elite des Reiches," rief Rog. Stampfen folgte seinen Worten.
"Und heute werden wir einige unter euch für eine noch größere Ehre auserwählen. Der König braucht Gesandte, die seinen guten Willen im Land verbreiten. Euer König, dem ihr die Treue geschworen hat, wird unter euch jene auswählen, die er für würdig erachtet, sein Ansehen und seinen Ruhm zu mehren. Seid ihr bereit?"
Bejahendes Stampfen erklang. Und hinter Rog öffnete sich eines der Tore, die in den Saal führten. Hindurch trat eine große Prozession von Adeligen, die sich im Halbkreis vor den Gardisten aufstellten, und schließlich kam tatsächlich der König selbst. Er ging etwas gebeugt und sah nicht gut aus, wie Cyneric fand. König Goran trug schwarze Gewänder und hatte ein Kurzschwert an der Seite. Sein Haar hing wirr von seinem Kopf herab und sein Blick huschte ziellos hin und her. Er hatte die Statur eines Kriegers, doch es war offensichtlich, dass er seit einigen Jahren keine Waffe mehr geführt hatte. Der König ging zu Rog hinüber und tauschte einige geflüsterte Sätze mit dem Kommandanten aus. Währendessen zog jemand anderes Cynerics Aufmerksamkeit auf sich: Der Ewige Berater, Alatar. Cyneric war sich inzwischen sicher, dass es sich bei ihm um einen Zauberer handelte. Die tiefblaue Robe, der graue Bart und der Stab, den der Mann mit sich führte, sprachen für Cyneric eine deutliche Sprache, ebenso wie die Ausstrahlung Alatars, die jeder im Raum sofort zu spüren schien. Es war eine Aura, die die Menschen in eine seltsame Unruhe verfallen ließ. Man spürte zwar keine direkte Gefahr, die von Alatar ausging, aber dennoch fühlte es sich so an, als könnte jeden Augenblick etwas Unvorhergesehens geschehen. Alatar stand links hinter dem König und betrachtete die Gardisten mit einem gewissen Desinteresse, doch Cyneric war sich sicher, dass dem Zauberer nichts entging was im Raum vor sich ging.
"Der König wird nun seine Gesandten wählen," verkündetete Rog, und die Halle wurde wieder still. Und da kam eine Veränderung über König Goran. Er richtete sich zu voller Größe auf und streckte den Rücken durch. Schneller als man es erwartet hätte ging er durch die Reihen der Gardisten und hielt immer wieder an, um sich einen der Krieger genauer anzusehen. Alle Anzeichen von Müdigkeit waren von ihm abgefallen. Und plötzlich stand der König vor Cyneric.
"Du," sagte er leise. "Gute Haltung. Vertrauenserweckendes Gesicht. Ja. Schreib' ihn auf, Junge." Der junge Schreiber, der dem König auf Schritt und Tritt gefolgt war, machte sich eine Notiz und schrieb Cynerics Namen auf. Der König wartete jedoch nicht auf ihn sondern lief schon weiter. Insgesamt wählte er ungefähr drei Dutzend Gardisten aus. Als er damit fertig war, verließ der König ohne ein weiteres Wort den Raum, und der Hofstaat folgte ihm.
"Alle, die nicht ausgewählt wurden: Wegtreten!" befahl Rog, und der Raum leerte sich. Cyneric kam sich etwas unbehaglich vor. Er wusste nicht, ob seine Erwählung etwas mit den Schattenläufern zu tun gehabt hatte oder purer Zufall gewesen war. Weitere Überlegungen wurden jedoch von Rog unterbrochen, der die Gardisten nun mit ihrer neuen Aufgabe vertraut machte.
"Jeder von euch wird mehrere Tage unterwegs sein. Die genauen Reiserouten erhaltet ihr bei eurem Aufbruch, ebenso wie genügend Proviant und etwas Geld. Euer Auftrag lautet, als Gesandte durch das Reich zu reisen. Alles weitere ergibt sich von selbst, das werdet ihr schnell merken. Gebt euer Bestes, für König und Königreich. Wenn ihr zurückkehrt erwartet euch die angebrachte Belohung. Nehmt euch den Rest des Tages zur Vorbereitung; Aufbruch ist morgen früh bei Sonnenaufgang."

Cyneric begab sich im Anschluss direkt zu Morrandir, die ihn offenbar bereits erwartet hatte. In wenigen kurzen Sätzen berichtete er von den Geschehnissen.
"Nun, das kommt unvorhergesehen," sagte die Schattenläuferin. Sie wirkte jedoch nicht besorgt. "Ich wusste zwar, dass der Ewige Berater den König dazu überredet hat, Gesandte auszusenden, aber ich hatte nicht mit deiner Erwählung gerechnet. Offenbar hat Goran willkürlich ausgewählt."
"Was bedeutet es, ein Gesandter zu sein? Wozu das Ganze?" fragte Cyneric.
"Das ist eine alte Tradition in Rhûn," erklärte sie. "Damit zeigt der König dem Volk seinen guten Willen. Die Gesandten reiten durch das Land und helfen den Leuten, dort, wo sie gebraucht werden. Da sie aus den besten Kriegern des Reiches ausgewählt und eine Vollmacht vom König erhalten haben Worte und Taten eines Gesandten in den Dörfern und Städten einiges an Gewicht."
"Den guten Willen des Königs verbreiten? Was soll das heißen?"
"Hilf da, wo du helfen kannst," stellte Morrandir klar. "Folge der Reiseroute, die dein Kommandant dir vorgibt und halte nach Ärger oder nach Leuten in Not Ausschau. Du wirst sicherlich einige Banditen bekämpfen, vermisste Personen suchen und Streit schlichten werden. Aber halte dich nicht zu lange auf. Eine oder zwei Wochen sollten mehr als genügen, das wird dir sicherlich auch Rog nochmal sagen. Vergiss nicht, wir brauchen dich hier."
"Also gut," sagte Cyneric. "Kann ich denn mein eigenes Pferd benutzen? Es steht in einem Stall am Hafen."
"Natürlich kannst du," antwortete Morrandir. "Als Gesandter kannst du tun und lassen, was du willst, solange es den König beim Volk gut stellt. Ein weiterer Vorteil an diesem Auftrag ist, dass er dich als besonders königstreu erscheinen lässt. Und vielleicht ist es ganz gut, dass du zumindest für einige Tage weder mit Ryltha noch mit mir gesehen wirst, damit wir im Fall der Fälle nicht miteinander in Verbindung gebracht werden können."
"Werde ich alleine reisen, oder mit einem meiner Gefährten aus der Garde?"
"Nein, Gesandte werden für gewöhnlich nicht zu zweit losgeschickt. Das Reich von Gortharia ist groß; da reichen drei Dutzend kaum aus. Aber Goran geht es wahrscheinlich auch eher um die umliegenden Gebiete in der Nähe von Gortharia. Du kannst dir aber durchaus Reisegefährten suchen. Eigentlich... ist das gar keine so schlechte Idee. Du könntest vielleicht Teressa mitnehmen. Es täte ihr gut, für einige Tage aus der Stadt herauszukommen. Ich werde dafür sorgen, dass sie dich unterwegs trifft."
"Gut," sagte Cyneric. "Gibt es sonst noch etwas, worauf ich achten sollte?"
"Die Rüstung der Palastgarde und insbesondere Helm und Hellebarde weisen dich beim Volk als Gesandten aus, denn normalerweise verlassen die Gardisten den Palast niemals, es sei denn, der König befiehlt es. Gesandte werden immer aus der Wache ausgewählt. Die Leute werden also erkennen, was du bist, und die meisten werden dir wohlgesonnen sein. Es kann aber auch vorkommen, dass sie dir ans Leder wollen... um den König eine deutliche Botschaft zu schicken. Sei' also vorsichtig."
"Werde ich sein," antwortete Cyneric.

Am folgenden Morgen standen die Gesandten auf den Stufen des Palastes und erhielten jeder von Rog eine Karte, auf der ihre Route eingezeichnet worden war. Cynerics Weg sollte ihn am Meer entlang nach Osten führen, in ein Gebiet, das als Kalevin-Küste bezeichnet wurde.
"Hast du ein Glück," raunte Orvar ihm zu. "Ich muss nach Süden, nach Balanjar. Da gibt's Kriegsgerüchte, und je näher man an Mordor herankommt, desto seltsamer werden die Leute. Aber in Kalevin sind die meisten dem König noch wohlgesonnen. Ist ein wohlhabendes Gebiet. Und sehr gastfreundlich."
"Viel Glück," antwortete Cyneric. "Und stell' keine Dummheiten an."
"Ha! Wirst schon sehen, ich werde denen zeigen, wie ein echter Gesandter die Dinge regelt," gab Orvar zurück.

Nachdem Rog ihnen offiziell den Befehl zum Aufbruch gegeben hatte, schwang sich Cyneric in den Sattel. Er hatte Rynescead nur einmal pro Tag gesehen, seitdem er in Gortharia war. Es war gut, wieder reiten zu können. Cyneric schlug den Weg zum Osttor ein. Doch er war kaum einige Meter weit gekommen, als sich eine Reiterin neben ihn setzte. Als er hinüberblickte fand er Teressa vor, die auf einem braunen Pferd saß und feste Reitkleidung trug. Die dunklen Haare trug sie offen und sie fielen ihr glatt über die Schultern hinab. Sie trug ein kleines Schwert am Gürtel und eine handliche Armbrust hing am Sattel. Offenbar war sie auf die Reise vorbereitet.
"Ich komme mit dir," sagte sie ohne Begrüßung.
"Hallo, Teressa... oder soll ich dich Salia nennen?" fragte er, denn er erinnerte sich an das, was sie ihm bei ihrem letzten Treffen gesagt hatte.
Einen Augenblick blieb sie still, ehe sie antwortete: "Salia ist besser. Danke, Eorling."
"Machen wir uns auf den Weg," sagte Cyneric.


Cyneric und Salia zur Kalevin-Küste
« Letzte Änderung: 12. Mär 2017, 14:00 von Fine »

Eandril

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Re: Der Königspalast
« Antwort #10 am: 11. Apr 2017, 14:58 »
Milva von den Straßen der Stadt

Am nächsten Tag machte Milva sich auf die Suche nach Ryltha, um sie zu bitten, einen Boten zum Sternenwald zu schicken. Sie hatte überlegt, die Tür zu suchen durch die Ryltha sie und Aivari in den Untergrund geführt hatte, den Gedanken allerdings bald wieder verworfen. Nicht nur wusste sie nicht mehr, wo die Tür zum Untergrund zu finden war, sie würde sich in den dunklen Gängen und Tunneln vermutlich auch schnell verirren und die Schattenläufer nicht finden. Also blieb nur der Ort, an dem sie Ryltha zuletzt gesehen hatte: Der Königspalast.
Es war bereits gegen Mittag und die Sonne brannte heiß auf die staubigen Straßen herunter, als Milva den großen Platz vor dem Palast erreichte. Im Gegensatz zum ersten Mal, das sie hiergewesen war, wimmelte es vor dem Platz von Menschen, die sich aufgeregt unterhielten. Eine Atmosphäre angespannter Aufregung lag über der Menge, und Milva blieb unschlüssig an ihrem Rand stehen. Sie hatte sich zuvor keine großen Gedanken darüber gemacht, wie sie Ryltha erreichen wollte, und jetzt, in dieser Menschenmenge, erschien ihr ihr Vorhaben aussichtslos.
"Verzeihung... wisst ihr, was hier los ist?", fragte sie einen Mann, der ein in ihrer Nähe stand, und als er ihr das Gesicht zuwandte, erkannte sie ihn wieder. Sie hatte ihn nie nach seinem Namen gefragt, doch sie erinnerte sich, dass er in Diensten der Schattenläufer stand und ihr ein paar Tage zuvor den Weg zum Bozhidar-Anwesen gewiesen hatte. Er lächelte unverbindlich, und sagte: "Es hat einen Anschlag auf den König gegeben. Ein Attentäter soll in König Gorans Schlafgemach eingedrungen sein und konnte erst in letztem Augenblick daran gehindert worden, den König zu töten."
Er zeigte keine Anzeichen von Aufregung, was Milva zu dem Schluss brachte, dass die Schattenläufer mit diesem Attentat nichts zu tun hatten.
"Und deshalb sind die vielen Leute..." Sie brach ab, als ihr klar wurde, mit wem sie sprach. "Beobachtet ihr mich etwa?", zischte sie. "Geht so weit euer Vertrauen?"
"Ein glücklicher Zufall", entgegnete der Mann ohne eine einzige Regung in seinem unauffälligen Gesicht. "Und ja, die Leute sind hier, weil sie neugierig sind, und alles erfahren wollen - und es mehr oder weniger wahrheitsgemäß weitererzählen. Ihr werdet sehen, morgen schon wird von einer regelrechten Schlacht im Palast die Rede sein."
Er musterte Milva aufmerksam, als er weiter sprach: "Aber da ihr nichts davon wusstet, führt euch wohl nicht die Neugierde her - was bringt euch zum Palast?"
"Ich muss mit Ryltha sprechen. Sie..." Ihr Gegenüber unterbrach sie mit erhobener Hand. "Leiser", sagte er mit gedämpfter Stimme. "Wartet hier."
Er verschwand in der Menge. Milva ließ sich auf einem leeren Fass am Eingang der Seitengasse, aus der sie den Platz betreten hatte, nieder, stützte das Kinn in die Hände, und wartete. Mehr als zwei Stunden vergingen, doch Milva war es gewohnt, lange regungslos auch in den unbequemsten Positionen auszuharren.
Schließlich, die Menschenmenge auf dem Platz hatte sich inzwischen beinahe völlig zerstreut, sprach sie eine bekannte Stimme von hinter ihr an: "Warum wolltest du mich sprechen?" Milva wandte langsam den Kopf, und sah eine Frau an der Hauswand lehnen, das Gesicht von einer Kapuze verborgen. Unwillkürlich musste sie lächeln. "Ich habe euch nicht einmal kommen hören."
"In meiner Lage ist dieses Talent notwendig", erwiderte Ryltha scharf. "Ich hoffe, dein Anliegen ist wichtig, denn normalerweise werden wir dich aufsuchen - nicht andersherum."
"Ihr wisst über meinen ursprünglichen Auftrag Bescheid", erklärte Milva leise und ohne Umschweife. Sie hatte sehr gut erkannt, dass Ryltha nicht sehr zufrieden mit ihr war. "Und da meine... Arbeit hier offensichtlich länger dauern wird, wollte ich euch bitten, einen Boten an... jenen Ort zu schicken, mit dem was ich erfahren habe." Davon zu sprechen war schwierig, denn es war als würde Milva erst jetzt endgültig akzeptieren, dass es länger dauern würde, bis sie Gortharia wieder verlassen konnte.
"Ich werde darüber nachdenken", entgegnete Ryltha kühl. "Jetzt geh. Rechne damit, dass wir an einem der nächsten Abende nach dir schicken." Damit verschwand sie so schnell wie sie gekommen war, und ließ Milva alleine und nachdenklich zurück. Sie fragte sich, ob es klug gewesen war, auf diese Weise Kontakt mit Ryltha aufzunehmen...

Milva zurück auf die Straßen Gortharias
« Letzte Änderung: 25. Apr 2017, 20:48 von Fine »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
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Die Rache des Meeres
« Antwort #11 am: 6. Jun 2017, 22:32 »
Cyneric von den Straßen Gortharias


Es war ein regnerischer Tag. Ohne enden zu wollen strömte das Wasser aus den dicken, dunklen Wolken auf die Königsstadt herab und hüllte sie in eine ungewohnte Trübnis. Tatsächlich war es das erste Mal, dass Cyneric während seiner Zeit in Rhûn einen so lang anhaltenden und heftigen Regen erlebte. Trommelnd schlugen die Tropfen gegen die gläsernen Fenster des prachtvollen Palasts der Herrscher des Ostens. Cyneric saß an einem dieser Fenster, und starrte gedankenverloren hinaus. Er wünschte sich weit weg, an einen anderen Ort, zu einer anderen Zeit.
Auch in Hochborn hatte es Regen gegeben. An Tagen wie diesen, an denen keine Arbeit auf den Höfen oder in der Schmiede möglich war, hatten sich die Dorfbewohner für gewöhnlich mit ihren Familien in ihre Häuser zurückgezogen und hatten das Unwetter ausgesessen. Für Cyneric war es eine willkommene Gelegenheit gewesen, Spiele mit seiner kleinen Tochter zu spielen oder mit seiner Laute zu musizieren und gemeinsam mit seiner Frau zu singen. Beide hatten sie gute, volle Stimmen gehabt, denn sie hatten oft und gerne gesungen. Ihre Stimmen hatten miteinander harmoniert und ineinander verflochtene Klangmuster gebildet; mal hoch, mal tief, auf- und absteigend.
Und als Déorwyn alt genug gewesen war, hatte sich eine dritte Stimme ihren Liedern angeschlossen: hoch und zart, aber dennoch lieblich.
Es kam ihm so unendlich lange her vor.

"Das ist die Rache des Meeres," sagte Salia in die Stille hinein. Sie saß mit übereinander geschlagenen Beinen auf dem Rand des großen Tisches, der den Großteil des kleinen Raumes einnahm in dem sie sich gemeinsam mit Cyneric aufhielt. Ihre zierliche Gestalt wirkte in der Kaserne der königlichen Garde, zu der dieser Teil des Palastes gehörte, fehl am Platz. Zwar trug sie die Rüstung einer Adjutantin, doch vor allem die goldenen Schulterplatten waren ein gutes Stück zu groß. Wieder fühlte sich Cyneric daran erinnert, wie jung das Mädchen war; nicht einmal ein Jahr älter als seine eigene Tochter, die in der Ferne weilte.
"Die Rache des Meeres?" fragte er, halb interessiert, halb gleichgültig.
Salia stützte ihren Kopf mit beiden Armen auf, sodass ihre Ellebogen auf ihren Knien ruhten. "Das Meer von Rhûn war einst größer, als es heute ist. Doch seit der Gründung Gortharias haben ihm die Ostlinge Stück um Stück seiner Fläche entrissen, indem sie Dämme gebaut und die so entstandenen kleineren Seen langsam ausgetrocknet haben. Das taten sie, um Salz zu gewinnen, und sie tun es noch heute. Doch irgendwann setzten immer um dieselbe Jahreszeit starke Regenfälle ein, die das Meer wieder anschwellen ließen. Das Meer lässt sich nicht einfach bestehlen. Es holt sich zurück, was ihm genommen wurde." Sie schnalzte abfällig mit der Zunge. "Das ist natürlich nichts als abergläubisches Gerede der Ostlinge. Ich vermute, es hat etwas mit den Winden zu tun, die von Osten wehen und immer um diese Jahreszeit große Wolkenmassen über Gortharia schieben, die sich in den hohen Bergen im Osten bilden."
"Im Roten Gebirge?" vermutete Cyneric.
Salia nickte. "Das ist zumindest meine Theorie."

Sie vertrieben sich die Zeit, in dem sie einander ihre jeweiligen Muttersprachen beibrachten. Rohirrisch ähnelte der Sprache Thals so sehr, dass eine Verwandschaft geradezu offensichtlich war. Lediglich einige Worte besaßen eine unterschiedliche Bedeutung und andere wurden etwas unterschiedlich ausgesprochen, doch Grammatik und Satzbau waren nahezu idententisch.
"Solltest du jemals nach Thal kommen, wirst du kaum Probleme haben, als ein Einheimischer durchzugehen," lobte Salia einige Stunden später. Noch immer trommelten dicke Regentropfen gegen das Fenster.
"Und du solltest ohne Weiteres als echte eorlinga angesehen werden," gab Cyneric zurück.
Beide genossen sie die unverhoffte Ruhe, die sich ihnen an diesem Tag bot. Es gab keine Aufträge auszuführen oder Missionen zu planen. Die Schattenläufer warteten ab, lauerten auf eine Gelegenheit, ihre Pläne weiter voranzutreiben. Und während sie warteten, waren Cyneric und Salia frei.
"Wenn es nach mir ginge, könnte dieser Regen gerne noch eine ganze Woche anhalten," meinte er mit einem verschmitzten Lächeln. "Es ist, als ob die ganze Stadt in einen einheitlichen Stillstand verfallen ist. Ich hätte nichts dagegen, daran noch eine Weile festzuhalten."
"Ich schon," gab Salia zurück und sprang auf. Sie streckte sich und fuhr dann fort: "Der Stillstand macht mich träge. Wenn ich träge bin, bin ich unvorsichtig. Du kannst es nicht wissen, aber Ryltha hat mir erzählt, dass während der Rache des Meeres die meisten erfolgreichen Attentate im Jahr verübt werden. Alle nehmen an, dass selbst gedungene Mörder zuhause bleiben und nichts tun als ihre Messer zu wetzen, bis die Wolken sich verzogen haben. Doch es gibt sogar einige Attentäter, die sich gerade auf die Regenzeit spezialisiert haben. Ihnen scheinen zumindest das Wasser und die Nässe nichts auszumachen."
"Wir werden ja sehen, wie lange dieses Wetter anhalten wird," meinte Cyneric.
"Nein, solche Dinge überlässt man nicht dem Zufall," sagte Ryltha, die gerade hereinkam. Die Schattenläuferin trug genau wie Salia ihre Offiziersrüstung und hatte ihren Helm unter den linken Arm geklemmt. "Inzwischen solltest du doch wissen, dass wir Schatten unsere Pläne nicht nach den Launen der Natur ausrichten."
Cyneric machte ein fragendes Gesicht, doch Ryltha schien das erwartet zu haben. Sie sagte leise: "Der Regen wird übermorgen aufhören. Morrandir hat es in den Tiefen des Brunnens gesehen."
Der Brunnen. Natürlich! dachte Cyneric. Damit besaßen die Schattenläufer einen ungeheuren Vorteil ihren Feinden gegenüber. Sie konnten ihre Pläne viel präzischer schmieden, da sie über Wissen verfügten, das niemand sonst hatte.
"Was gibt es, Ryltha?" fragte Salia. "Du bist nicht ohne Grund hier," stellte sie mit einem leicht säuerlichen Unterton fest.
"Habe ich eure traute Zweisamkeit gestört?" Ryltha verzog das Gesicht zu einem schiefen Lächeln. "Ruht euch aus, solange ihr noch könnt! Bald schon wartet Arbeit auf euch."
"Worum geht es?" wollte Cyneric wissen.
"Fürst Radomir von Gorak ist auf dem Weg in die Hauptstadt. Und er wird sie nicht wieder lebend verlassen," wisperte Ryltha unheilvoll. "Der erste der Fünf Pfeile, den wir zerbrechen werden. Die erste der fünf Säulen, auf denen der falsche König steht, die fallen wird. Ja, und die Schatten werden ihrem Ruf gerecht werden."
Salia nickte. "Nun gut. Wie lautet der Plan?"
Ryltha blickte das Mädchen mit schief gelegtem Kopf an, als hätte sie etwas unfassbar Dummes gesagt. "Nicht hier. Nicht jetzt. Ihr werdet rechtzeitig erfahren, was ihr zu tun habt. Jetzt geh, Teressa. Geh, und übe dich mit dem Wurfspeer. Übe, bis deine Finger den Schaft des Speeres nicht mehr halten können. Geh!"
Salia gab ein ersticktes Geräusch von sich, doch sie gehorchte ohne zu zögern, und eilte aus dem Zimmer.
Cyneric sah ihr nach, doch Ryltha sprach weiter und erzwang so seine Aufmerksamkeit. "Auch du wirst dich vorbereiten müssen, Cyneric. Für dich steht mehr auf dem Spiel, das weißt du. Wenn Radomir tot ist, darfst du einen weiteren Blick in den Brunnen werfen."
Das versetzte ihn in Aufregung und Vorfreude. Dann werde ich sehen, wie es meiner Tochter inzwischen ergangen ist, und finde vielleicht endlich heraus, wo sie sich aufhält! Er nickte Ryltha entschlossen zu, und ihr Lächeln verbreiterte sich.

Ryltha legte ihren Helm auf den Tisch ab, auf dem Salia in den Stunden zuvor gesessen hatte und trat neben Cyneric an das Fenster, an dem das Regenwasser in Bächen abperlte und herabfloss. Ihr für gewöhnlich so selbstgefälliger Gesichtsausdruck verblasste mehr und mehr, je länger sie hinausblickte. Cyneric spürte, wie sich etwas an ihr veränderte. Zwar schätzte er, dass sie nur wenige Jahre jünger als er selbst war, doch mit einem Mal wirkte sie verletzlicher, als er sie je zuvor gesehen hatte; ähnlich wie Salia und auch Milva schon ausgesehen hatten.
Es muss an diesem schier endlosen Regen liegen, dachte er bei sich. Vielleicht weckt er eine alte Erinnerung bei ihr.
"Wie kam es, dass du dich den Schattenläufern angeschlossen hast? Wo kommst du her?" fragte Cyneric leise, ohne sie anzusehen. Er konnte es nicht recht erklären, doch es schien ihm ein geeigneter Zeitpunkt für diese Fragen zu sein, nun, da Rylthas Fassade in diesem so seltenen Moment teilweise geschwunden war. Den Grund dafür kannte er nicht.
Sie schwieg mehrere Minuten, ehe sie sich ihm zuwandte. "Ich bin nicht wie Teressa," sagte sie leise. "Mich kannst du nicht retten oder beeinflussen, Cyneric."
"Das habe ich nicht vor, Ryltha. Ich möchte nur wissen, wo du herkommst."
"Weshalb? Was schert es dich? Ich dachte, das einzige was dich interessiert, ist deine Tochter."
"Sie ist alles, was von meiner Familie geblieben ist. Aber was sollte mich davon abhalten, neue Freundschaften zu schließen? Ich will dich nicht beeinflussen - wozu auch? Ich dachte nur, dass es vielleicht schön wäre, wenn wir uns etwas besser kennenlernen. Und da du (und Morrandir) sowieso schon alles über mich zu wissen scheint, dachte ich, ich stelle dir eben einige Fragen."
Rylthas Hände hatten sich zu Fäusten geballt. "Verdammt, Cyneric. Hör sofort auf damit," stieß sie hervor."
"Womit soll ich aufhören? Ich habe nichts weiter getan, als dir zu erklären, weshalb ich mich mit dir unterhalten möchte."
"Nein! Ich sehe es dir doch an. Du sorgst dich. Wie ein... wie ein verdammter Vater! Ganz genauso, wie du es bei Teressa und bei Milva gemacht hast. Du kannst einfach nicht anders, nicht wahr, Cyneric? Und das Schlimmste ist... dass es funktioniert."
Cyneric wurde klar, dass in Rylthas Innerem eine furchtbare Schlacht im Gange sein musste. All die Jahre der rigorosen Ausbildung und der unzähligen Übungen, die sie bei den Schattenläufern durchlaufen hatten, kämpften gegen lange unterdrückte Gefühle und Erinnerungen an; Erinnerungen an ein Leben, das eine andere Frau gelebt hatte, ehe sie zu Ryltha geworden war. Die Schattenläuferin presste die Hände gegen ihre Schläfen und verkrampfte sich. Seltsame Laute drangen tief aus ihrer Kehle. Und da sah Cyneric, dass ihre linke Hand in Richtung des Schwertes wanderte, das an ihrer Seite hing.
Er handelte, ohne nachzudenken. Rasch ergriff er ihre tastende Hand mit seiner eigenen, und schob seinen freien Arm unter ihrer rechten Schulter hindurch. Dann schloss er die Umarmung, sodass ihr Kopf an seiner Schulter zum Ruhen kam.
Keiner von beiden sagte auch nur ein Wort, doch Cyneric spürte das Beben, das durch Rylthas Körper ging. Ihr Gesicht war unterhalb seines Halses außer Sicht, doch er spürte ihren Kiefer mahlen. Und als er gerade aufgeben und die Umarmung beenden wollte, legte sich ihre freie Hand auf seinen Rücken, und sie richtete ihren Kopf auf, sodass er in ihre Augen blicken konnte. Darin zeigte sich nicht die geringste Spur von Tränen, dafür war sie zu hart und zu lange eine Schattenläuferin, doch ein Ausdruck glitzerten in den grünen Tiefen ihrer Augen, den Cyneric noch nie bei Ryltha gesehen hatte.
"Verdammt sollst du sein," sagte sie so leise, dass er sie beinahe nicht verstanden hatte.
"Wenn das mein Schicksal ist, dann soll es so sein."
"Nein, Cyneric. Dein Schicksal ist offensichtlich, jedem einzelnen verdammten Mädchen in dieser verdammten Stadt den Vater zu ersetzen, den sie nie hatte," sagte Ryltha, und es gelang ihr, dass ihre Stimme gleichzeitig sanft und verärgert klang.
Er tat die Bemerkung mit einem Achselzucken und einem halben Lächeln ab. "Nun, auch mein Bruder hatte immer schon ein Händchen für Frauen. Wahrscheinlich liegt es in der Familie."
"Dein Bruder ist ein unverbesserlicher Schürzenjäger."
"Woher weißt du... ach, wieso frage ich das überhaupt noch."
"Weil du ein sturer Hund bist, Cyneric."
"Das mag wohl so sein."

Eine weitere Minute verging, ehe Ryltha wieder das Wort ergriff. "Mein Name war Firvi," sagte sie leise. "Ich wuchs in einem kleinen Dorf an der Grenze zwischen Rhûn und Khand auf. Meine Freunde haben mich Rotkehlchen genannt. Sie... sie sind alle tot, glaube ich."
"Das tut mir Leid, Firvi."
"Nenn mich nicht so! Ich bin Ryltha von den Schattenläufern, Ránt, der Fluss, und Dienerin Merîls bis auf ewig," fuhr sie ihn heftig an.
"Ist es das, was du willst?"
"Es geht nicht darum, was ich will oder was ich nicht will. Es ist mein Schicksal, ein Schatten zu sein. Ich wurde auserwählt. Du kannst mich nicht retten oder umstimmen."
Eine Pause trat ein. Cyneric fragte sich, wie viel Ryltha darüber wusste, worüber er mit Salia in den letzten Tagen gesprochen hatte. Doch noch hatte sie ihm keinen Hinweis darauf gegeben und schien es auch nicht vorzuhaben. Denn als es draußen vor dem Fenster langsam dunkel wurde, veränderte sich Rylthas Körperhaltung wieder, und sie fand zu ihrer gewohnten Gelassenheit zurück.
Ehe der ungewöhnliche Augenblick ganz schwand, trat sie an ihn heran und wisperte: "Ich danke dir für diese... diese Zeit, Cyneric, auch wenn ich dich gleichzeitig am liebsten dafür umbringen würde. Die Erinnerungen, die ich in mir trage, sind eine Bürde, von der ich es mir im Augenblick nicht leisten kann, sie zu tragen. Danke, dass du mir geholfen hast, sie zu verarbeiten."
Cyneric nickte. Er fragte sich, ob sich Rylthas Verhalten ihm gegenüber jetzt dauerhaft ändern würde, doch zumindest für den Augenblick schien sie wieder ganz die Alte zu sein.
"Ich habe jetzt wirklich genug Zeit verloren," sagte sie und schnappte sich ihren Helm, der noch immer auf dem Tisch stand, wo sie ihn liegen gelassen hatte. "Wenn der Regen endet, musst du bereit sein. Sei bereit, zu töten - dann wirst du deine Tochter aufspüren können."
"Ich werde bereit sein," versprach er.
« Letzte Änderung: 19. Sep 2017, 13:06 von Fine »

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Tage des Abwartens
« Antwort #12 am: 28. Jul 2017, 15:45 »
Der Regen hielt noch genau zwei Tage an. Wie Salia vorausgesagt hatte ließen die Wassermassen, die vom Himmel auf die Königsstadt herab prasselten nicht nach. Tag und Nacht strömte und flutete der Regen über Gortharia und die umliegenden Gebiete hinweg und brachte das alltägliche Leben in der Stadt teilweise zum Erliegen. Die sonst so vollen Straßen waren zum Großteil leergefegt und die Märkte ausgestorben. Die Tore Gortharias waren zwar bewacht, doch die Stadtwächter hielten sich ausschließlich innerhalb des jeweiligen Torhauses auf um dem Regen zu entgehen. Ähnlich verhielt es sich auch am Königspalast; die Gardisten hielten zwar ihre Stellung am Eingangsportal, achteten jedoch darauf, unterhalb des großen Balkons zu stehen, der über dem Eingang thronte.

Es gab nicht viel zu tun für Cyneric und Salia, die in jenen Tagen viel Zeit miteinander verbrachten. Sie wussten beide, dass dieser Stillstand, diese angenehme Pause, nicht ewig anhalten würde. Der geheimnisvolle Brunnen der Schattenläufer hatte korrekt gezeigt, dass der Regen noch zwei Tage dauern würde, doch bis dahin hatten sie die Gelegenheit, sich ein wenig auszuruhen.
Im Inneren des Palastes hatte die Betriebsamkeit und Geschäftigkeit kein Stück nachgelassen. Cyneric bemerkte sogar, dass das Gegenteil der Fall war: Es waren sichtbar mehr Wachen und Bedienstete unterwegs, und viele der Adeligen und Würdenträger, die sonst im Palast ein- und aus gegangen waren, blieben nun dauerhaft innerhalb der roten Mauern des Komplexes.
"Sie fühlen sich hier am sichersten," meinte Salia dazu als sie gerade nebeneinander an einem breiten Geländer in der großen Eingangshalle des Palastes lehnten und von oben das Treiben beobachteten.
"Du sagtest, dass während der Rache des Meeres die meisten Attentate ausgeführt werden," erinnerte sich Cyneric, und Salia nickte.
"Gestern wurde einer der Adjutanten des Kommandanten der Stadtwache getötet," erzählte sie. "Hat den Fehler begangen, seine Mannschaft am Tor alleine zu lassen und sich ohne Begleitung auf den Heimweg zu machen. Ich finde, er hat es verdient."
Cyneric verschränkte die Arme vor der Brust. Er trug die volle Rüstung der Palastgarde, bis auf den Helm, während Salia die bronzefarbene Rüstung eines Heeresoffiziers trug. Sie wechselte ihre Identität immer wieder, doch am häufigsten betrat sie den Palast als Teressa, die in Rylthas Diensten stand und den Rang einer Unteroffizierin in der am Erebor siegreichen Armee innehatte.
"Ich denke nicht, dass es irgendjemand verdient hat, zu sterben," meinte Cyneric leise.
Salia bedachte ihn mit einem misstrauischen Blick. "Ganz im Gegenteil - es gibt viel zu viele Bastarde auf dieser Welt, deren Tod gar nicht früh genug kommen kann. Und dort hinten kommt gerade die Nummer eins auf dieser elendigen Liste." Sie wies nach unten, in Richtung eines der Durchgänge zu den Gemächern der Königsfamilie. Die Tore schwangen auf und der König trat heraus, gefolgt von einer Traube von Bediensteten. Seine dunklen Haare fielen ihm wirr ins Gesicht und sein Blick zuckte wie willkürlich nach links und rechts. Zwar ging er aufrechter als beim letzten Mal, als Cyneric ihn gesehen hatte, doch noch immer ging von König Goran eine geradezu unheimliche Aura des Wahnsinns aus. Für einen kurzen Augenblick hob er den Kopf und fixierte Cyneric und Salia. Die Schattenläuferin machte unbewusst einen Schritt nach hinten und ihre Hand verkrampfte sich im Griff um das Geländer, doch dann verging der Moment und der König hastete durch die Halle, auf den Ratsitz des Rats der Zehn zu, wo bereits eine hochgewachsene, in Blau gewandete Gestalt auf ihn wartete und rasch die Eingangstüre hinter Goran schloss, nachdem dieser eingetreten war.
"Eines Tages werde ich ihn töten," wisperte Salia. Es klang wie ein Versprechen.

Da für den Rest des Tages nichts Besonderes mehr geplant war, vetrieben Cyneric und Salia sich die Zeit damit, neue Gerüchte über den Krieg im Westen aufzuschnappen und diese mit den Informationen, die die Schattenläufer über den Brunnen Anntírad erhalten hatten abzugleichen. Zwar war Salias Wissen in dieser Hinsicht beschränkt, denn normalerweise war es Morrandir vorbehalten, in den Brunnen zu blicken, aber dennoch wusste Salia über einige kriegsrelevante Dinge Bescheid, die die beiden anderen Schattenläuferinnen ihr erzählt hatten.
Cyneric war froh zu erfahren, dass Rohan noch immer frei zu sein schien. Er hatte befürchtet, dass nach dem Ende des Bündnisses mit Saruman schon bald erneut der Schatten der Weißen Hand über die Riddermark fallen würde. Doch nach dem was er im Palast und von Salia erfuhr schien in Rohan im Augenblick alles in Ordnung zu sein.
Über Saruman gab es viel zu hören. Der Oberbefehlshaber aller Streitkräfte von Rhûn, ein Mann namens Khamûl, hatte am Erebor Verstärkung angefordert, denn nach seinem Sieg bei Dol Guldur war Sarumans Heer unter den dichten Kronen der Bäume des Düsterwaldes nach Norden marschiert und bedrohte nun die von Gortharia eroberten Gebiete rings um Thal und den Einsamen Berg. Spione und Kundschafter waren seither nach Westen ausgesandt worden und es gab diverse Berichte darüber, dass Saruman im fernen Westen einige Rückschläge erlitten hatte. Dennoch wurde er als große Bedrohung und als momentan stärkster Feind des Reiches von König Goran eingeschätzt. Sogar von der Ablehnung der Zwerge der Eisenberge hatte er mit seinem Feldzug abgelenkt. Noch vor wenigen Wochen hatte der König von Rhûn erwogen, ein Heer zur Festung Gráin Feuerfausts zu entsenden und das letzte freie Reich der Zwerge endgültig zu unterjochen. Doch nun wurden die Soldaten, die dafür abgestellt worden waren, an der nordwestlichen Front gebraucht.
Aus Gondor kamen nur wenige Nachrichten. Seit der Schlacht am Schwarzen Tor waren nur sehr wenige Ostlinge im Krieg gegen das südliche Königreich eingesetzt worden. Doch offenbar waren der westliche Teil Gondors und die Stadt Dol Amroth noch immer frei und leisteten Widerstand gegen die Bedrohung aus Mordor. Gemeinsam mit ihren Verbündeten aus Rohan hatten sie bislang alle Angriffe auf ihre Gebiete abgewehrt, was Cyneric zugleich hoffnungsvoll stimmte und besorgt machte, denn er hatte auch gehört, dass der Dunkle Herrscher des Schattenlandes mit jedem Tag an Macht hinzugewann. Ewig würde Gondor nicht standhalten können.
Zuletzt erfuhren Cyneric und Salia vom großen Bruderkrieg, der seit einiger Zeit in Harad tobte. Ein großer Teil der Stämme dort hatte es tatsächlich gewagt, sich von Sauron loszusagen und eine Rebellion zu beginnen. Das Land versank seitdem im Chaos. Wer die Oberhand behalten würde, war nicht abzusehen.
"Wenn sich die Haradrim von Mordor abwenden können, könnten es die Ostlinge ebenfalls tun," sagte Cyneric leise.
"Vergiss nicht, dass es nur ein Teil der Haradrim gewagt hat, gegen Sauron zu rebellieren," wandte Salia ein. "Und außerdem gibt es einen bedeutenden Unterschied zwischen Harad und Rhûn. Die Haradrim waren schon immer ein Volk, dass oft unterjocht wurde. Erst von den Númenorern, dann später von Gondor und von Mordor. Die meisten von ihnen sind dem Dunklen Herrscher nie freiwillig gefolgt. Die Ostlinge hingegen beten den Herrscher Mordors als Gott an. Hast du den großen Tempel im Stadtzentrum gesehen? Er ist dem Dunklen Herrscher geweiht. Die Haradrim mögen Sauron aus Furcht folgen, doch die Ostlinge tun es aus Überzeugung. Das ist viel gefährlicher, wenn du micht fragst."
Cyneric erkannte, dass Salia Recht hatte. Es würde viel mehr brauchen, damit die Ostlinge sich von Sauron abwenden würden. Man würde ihre Überzeugung, dass Sauron ein Gott war, beseitigen müssen...

Am darauffolgenden Tag, dem dritten Tag der Rache des Meeres und laut dem Brunnen der letzte Tag an dem es regnen würde, traf Fürst Radomir von Gorak in der Stadt ein und wurde im Palast willkommen geheißen. Cyneric beobachtete den Mann, der laut den Plänen der Schattenläufer bald den Tod finden würde mit aufmerksamen Blicken. Der Fürst wirkte auf Cyneric wie ein gewöhnlicher Mensch. Cyneric stand am Eingang zur Ratshalle der Zehn und sah zu, wie Radomir sich mit einigen Ratsmitgliedern unterhielt. Er wurde von einer Frau begleitet, die ihm ähnlich genug sah, um auf eine nahe Verwandschaft zu schließen, obwohl ihre Haare blond und seine dunkel waren. Später erfuhr Cyneric, dass es sich dabei um Rhiannon, die Schwester Radomirs von Gorak handelte, die sich ihm bei seiner Reise in die Königsstadt angeschlossen hatte. Salia sagte dazu, dass Frau Rhiannon den Fürsten oft für seine strenge Herrschaft kritisierte und schon einige Male dafür gesorgt hatte, seine Urteile ein klein wenig zu mildern, was ihr große Beliebtheit beim Volk des Fürstentums Gorak verschafft hatte.
"Wenn alles nach Morrandirs Plan läuft, wird sie ihm ins Fürstenamt folgen, wenn wir Radomir erledigt haben," flüsterte Salia.
« Letzte Änderung: 15. Sep 2017, 13:35 von Fine »

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Der Anschlag
« Antwort #13 am: 19. Sep 2017, 21:11 »
In der selben Nacht wurde Cyneric von Salia geweckt. Mitternacht war bereits seit mehreren Stunden vorbei, und der Sonnenaufgang war nicht mehr fern. Und da der Regen endlich aufgehört hatte, würden am folgenden Morgen wieder Sonnenstrahlen die Dächer Gortharias erleuchten.
"Bist du bereit?" wisperte Salia, die eng anliegende, dunkle Kleidung trug und einen langen Wurfspieß in der Hand hielt. An ihrer Seite hing zusätzlich ein Kurzschwert nach Zwergenart. Cyneric hatte absichtlich nicht in den Unterkünften der Palastgarde übernachtet, sondern eine der kleinen Vorratskammern im obersten Dachgeschoss des Palastes bezogen. Dort war er mit Salia im Augenblick noch allein.
Sie hatte ein einfaches Kettenhemd und einen Wappenrock aus festem, schwarzen Leder für ihn mitgebracht. Beides legte Cyneric rasch an und griff sich Schild und Schwert. Die Waffen hatte er am Abend zuvor hier oben versteckt. Es fühlte sich gut an, wieder die vertraute Form eines Rundschilds in der Hand zu halten, nachdem er jetzt schon drei Monate mit der schweren Hellebarde der Palastgarde Wache gestanden hatte.
"Ich bin so bereit, wie man es um diese Uhrzeit nur sein kann," bestätigte er.

Gemeinsam schlichen sie sich durch die leeren oberen Geschosses des Palastes. Salia hatte Cyneric erklärt, dass es zwar deutlich einfacher gewesen wäre, ihre Identitäten als Armeekommandanten und Palastgardisten zu benutzen, um sich frei im Palast bewegen zu können, doch das würde ihre Tarnung der Entdeckung aussetzen. Denn wenn sie in der Nacht, in der der Fürst von Gorak ermordet in seinen Gemächern aufgefunden wurde, im Palast zu einer so unpassenden Tageszeit gesehen würden, würde es nicht lange dauern, bis der Verdacht auf sie fiel. Deshalb verließen sie sich lieber auf Heimlichkeit.
Man hatte Fürst Radomir Gemächer im Westflügel des Palastes gegeben, was sich als Glücksgriff herausstellte. Denn im Ostflügel wohnte der König, und dieser war seitdem Tag und Nacht streng bewacht. Selbstverständlich gab es auch rings um Radomirs Schlafstätte Wachen, doch waren dort deutlich weniger, als in der Nähe des Königs.
In dem Teil des Palastes, den sie nun betraten, waren Decke, Wände und Böden in den langen Gängen aus Holz. Cyneric und Salia mussten ihre Schritte besonders vorsichtig setzen, damit das Holz unter ihren Füßen nicht knarrte. Mehrere Male entgingen sie nur knapp der Entdeckung durch eine der patrouillierenden Wachen, die Fackeln in den Händen trugen.
"Diese Narren," flüsterte Salia. "Sie sollten die Fackeln lieber ausmachen. Die Helligkeit des Feuers blendet sie nur. Unsere Augen hingegen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt und wir können gut genug erkennen, was vor uns liegt." Sie hatte recht, denn inzwischen war der Vollmond zwischen den sich zerstreuenden Regenwolken aufgetaucht und stand hell leuchtend am Himmel über der gewaltigen Hauptstadt des Reiches der Ostlinge. Durch die Fenster fiel genug Licht herein, um Cyneric und Salia den Weg zu beleuchten.

Als sie den Eingang zu Radomirs Gemächern beinahe erreicht hatten, geschah es: Unvorhergesehen bog eine schwer gerüstete Wache um die Ecke, als Cyneric und Salia gerade schutzlos inmitten des Ganges standen. Sofort zog der Mann seinen Säbel. Doch ehe er den Alarm auslösen konnte, war Salia mit einem flinken Sprung bei ihm, trat ihm gegen das Schienbein und trieb dem Mann den Wurfspieß durch die ungeschützte Kehle. Rasch streckte sie die Arme nach dem Toten aus und ließ ihn so leise wie möglich zu Boden sinken. Dann spähte sie um die Ecke, um die der Soldat gebogen war.
"Vor der Türe, durch die wir gehen müssen, um zum Fürsten zu gelangen, stehen noch zwei dieser Kerle," wisperte sie beinahe unhörbar. "Am besten locken wir sie her." Sie flüsterte Cyneric ein Wort in der Sprache der Ostlinge ins Ohr, das offenbar "Seht euch das an" bedeutete, und forderte ihn auf, es laut und im gelassenen Ton zu wiederholen. Er tat es.
Zwei Stimmen antworteten ihm, und Schritte näherten sich. Cyneric packte den Griff seines Schwertes, und machte sich bereit. Auch Salia spannte sich an, den Speer zum Wurf erhoben. Als die beiden Türhüter um die Ecke kamen, zögerte sie keine Sekunde und schleuderte die scharfe Waffe, während Cyneric sich auf den zweiten Mann stürzte. Ohne darauf zu achten, ob Salias Wurf getroffen hatte hieb er dem Wächter in einer lange geübten Bewegung die harte Kante seines Schildes mitten ins Gesicht und ließ einen raschen Schwerthieb folgen, der das Leben des desorientierten Ostlings rasch beendete.
Beide Feinden fielen tot zu Boden, was ein lautes Rumpeln verursachte. "Verdammt," zischte Salia. "Das war zu laut." Dann zog sie den Wurfspieß aus der Leiche und seufzte, ehe sie sagte: "Ich schätze, die Zeit der Heimlichkeit ist vorbei. Jetzt müssen wir uns beeilen, ehe jemand über diese Leichen stolpert."
Sie eilten zur Tür, hinter der Radomirs Gemächer lagen. Als Cyneric die Hand an den Türgriff legte, ertönte aus dem Raum dahinter ein gedämpfter, aber dennoch markerschütternder Schrei.
"Was geht da drinnen vor sich?"
"Finden wir es heraus," sagte Salia, und trat die Tür ein, die nach innen aufflog.

Sie kamen in einen großen Raum, der von einer großen Laterne erhellt wurde. Gegenüber der Eingangstür lag ein großer Balkon, der die ganze Breite der Rückwand des Raumes einnahm. Zu beiden Seiten gingen Türen in weitere, kleinere Zimmer. In der Mitte war eine hölzerne Konstruktion aufgebaut, an die der ein Mensch in aufrechter Körperhaltung gefesselt war. Der Mann war geknebelt worden und gab ein ersticktes Keuchen von sich. Und vor ihm stand Radomir, Fürst von Gorak, der Cyneric und Salia den Rücken zugewendet hatte und ein blutiges Messer in der Hand hielt.
Unzählige Schnitte und Wunden zogen sich über den geschundenen Körper des Gefangenen, von dem der Schrei gestammt haben musste, den Cyneric und Salia vor der Tür gehört hatten.
"Ah. Kaum lässt der Regen nach, zeigt sich das Gesindel wieder." Radomir drehte sich langsam zu ihnen um, eine gelassene Miene im Gesicht. "Ich bin gerade etwas beschäftigt, wie ihr sehen könnt. Kommt doch bitte ein andermal wieder."
Der Gefangene warf ihnen flehende Blicke zu und gab undeutliche Geräusche von sich. Cynerics Hand verkrampfte sich, als er den Griff seines Schwertes fester packte. Er hatte bereits Gerüchte über die Grausamkeit Radomirs von Gorak gehört, doch sie nun mit eigenen Augen zu sehen, ließen Abscheu und Zorn in ihm aufsteigen. Es würde ihm leicht fallen, diesen Mann zu töten.
"Nein," sagte Salia mit einem gefährlichen Klang in der Stimme. "Es wird kein andermal geben." Sie hob den Wurfspieß, an dessen Spitze noch immer das Blut ihres vorherigen Opfers klebte. Dann warf sie ihn mit großer Kraft.
"Ich enttäusche meine geschätzen Gäste ja nur ungerne," antworte Radomir ungerührt und wich Salias Wurf mit einer Einfachheit aus, die Cyneric zutiefst überraschte. Der Fürst hatte sich kaum bewegt. Ein kleiner Schritt hatte ausgereicht, um Salias Speer knapp an seinem Gesicht vorbeirauschen zu lassen. Die Waffe prallte gegen das Geländer des Balkons und blieb dort mit einem lauten Klirren liegen. Und in diesem Moment öffneten sich die Türen zu beiden Seiten des Zimmers, und sieben bewaffnete Krieger strömten herein.
"Ich fürchte, euer kleiner... Besuch findet nun sein Ende," sagte Radomir. "Versucht bitte, sie lebend gefangenzunehmen. Ich wäre ein schlechter Gastgeber, wenn ich ihnen nicht die ganze Fülle meiner Gastfreundschaft zukommen ließe." Sein Blick streifte den angebundenen, blutenden Mann und Cyneric erschauerte. Jetzt ging es um Leben oder Tod.
Ein lautes Krachen auf den Balkon ließ die Gruppe herumfahren. Eine schlanke, schattenhafte Gestalt war dort gelandet und war offenbar von oben gekommen. Diese Ablenkung konnten Salia und Cyneric nicht ungenutzt lassen. Salia hatte ihr Kurzschwert gezogen, und gemeinsam gingen sie zum Angriff über. Der Schatten auf dem Balkon machte eine wirbelnde Handbewegung, und drei Wurfmesser schossen hervor, die die Getroffenen vor Schmerz aufschreien ließen. Dann sprang die Gestalt mit zwei wirbelnden Klingen mitten unter die Krieger des Fürsten, die in Unordnung geraten waren, und fällte zwei von ihnen, ehe sie sich dem Fürsten selbst widmete, der in Richtung einer der Nebentüren zurückgewichen war und erbleicht war.
"Die Schatten kommen dich holen, Radomir von Gorak," wisperte die Gestalt mit eiskalter Stimme. Sie holte zum tödlichen Hieb aus, doch einer der Wachen Radomirs gelang es, den Schlag zu parieren.
Weitere Wachen tauchten im Haupteingang des Raumes auf. Cyneric und Salia erschlugen drei ihrer Feinde, wurden jedoch Schritt für Schritt zum Balkon zurückgedrängt. Cyneric sah, wie ein Ostling der schattenhaften Gestalt die Kapuze vom Kopf riss. Darunter kam Rylthas heller Haarschopf zum Vorschein. Während sich die Schattenläuferin wütend umdrehte und den Mann erstach, schlüpfte Radomir durch die Nebentür, durch die die ersten seiner Wächter gekommen waren. Salia rief Ryltha eine Warnung zu, und diese antwortete mit einem raschen Handzeichen, ehe sie die Verfolgung Radomirs aufnahm und hinter ihm her durch die Türe stürmte.
"Komm!" rief Salia, die ihr Schwert einem der wenigen im Raum verbliebenen Wachen in die Kehle geworfen hatte. Die meisten Ostlinge waren Radomir und Ryltha durch den Nebenausgang gefolgt. Salia trat auf den Balkon hinaus und ergriff etwas, das Cyneric erst einen Augenblick später als Seil erkannte. Geschwind wie eine Katze kletterte Salia daran hinauf, die Füße an der Außenwand des Palastes hochstemmend. Sie winkte Cyneric hastig zu und bedeutete ihm, ihr zu folgen. Doch da stürzte sich ein Ostling auf ihn. Cyneric reagierte instinktiv und nutze den Schwung des Mannes, um ihn an den Schultern zu packen und über das hüfthohe Geländer des Balkons zu schleudern. Mit einem lauten Schrei stürzte der Ostling in seinen Tod, denn sie befanden sich auf der Rückseite des Palastes. Hier ruhte das große Gebäude direkt auf der Spitze des steilen Felsens, auf dem Gortharia erbaut worden war, und steile Klippen führten zum Meer hinab. Mit einem grauenhaften Geräusch zerschellte der Körper des Mannes in der steinigen Tiefe.
Cyneric war deutlich langsamer als Salia, doch es gelang ihm, den Balkon im Stockwerk über ihm rechtzeitig zu erreichen. Salia schnitt das Seil, das dort angebunden war ab, damit ihnen niemand folgen konnte.

"Ich hoffe, Ryltha erwischt diesen Bastard," stieß sie wütend und angestrengt hervor. Der Fluchtweg über den Balkon war von Anfang an Teil ihres Plans gewesen, doch eigentlich hätte Radomir längst tot sein müssen. Cyneric hatte seine Gardistenrüstung und Salias Offiziersbekleidung in dem Raum versteckt, den sie nun betraten und der verlassen war. Rasch zogen sie sich um. Beide hatten sie einige Schläge und Schnitte hinnehmen müssen, doch glücklicherweise waren sie beide nur leicht verletzt worden. Inzwischen war längst der Alarm ausgelöst worden, und Bewaffnete durchkämmten den gesamten Palast. Cyneric wusste, dass in diesem Chaos ein weiterer Gardist und eine Offizierin des Heeres nicht weiter auffallen würden. Sie würden entwischen... doch ob ihr Anschlag geglückt war, würden sie erst bei Rylthas Rückkehr erfahren.
« Letzte Änderung: 22. Sep 2017, 18:35 von Fine »

Fine

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Was am Tag danach geschah
« Antwort #14 am: 21. Sep 2017, 21:04 »
Es dauerte eine geschlagene Stunde, bis endlich wieder etwas Ruhe im Palast einkehrte. Cyneric und Salia hatten sich, ihren Rollen entsprechend an der "Suche" nach den geheimnisvollen Angreifern beteiligt, die in Fürst Radomirs Gemächter eingedrungen waren. Hätten sie das nicht getan, wäre sofort Verdacht auf sie gefallen. Während sie gerade die große Halle, die direkt jenseits des Hauptportals des Palastes lag, "durchsuchten", fiel ihnen auf, dass der Großteil der Bediensteten und Gardisten in die Halle zu strömen begannen und sich der große Raum rasch füllte. Was geht hier vor? wunderte sich Cyneric.
Da öffnete sich die Türe, die zu den Gemächern des Königs führte, mit einem lauten Knall. König Goran, gehüllt in eine tiefrote Robe und mit einer blanken Klinge in der Hand, trat heraus.
"Was soll der Aufruhr um diese Uhrzeit? Was ist geschehen?"
Ein Diener - der Kleidung nach wohl einer der hochgestellten Höflinge - trat zögerlich vor. "Mein König, es... es gab einen Anschlag auf Fürst Radomir."
"Der Fürst hat überlebt, soweit wir wissen... doch auch seine Angreifer konnten entkommen," warf Rog, der Kommandant der königlichen Garde ein.
Cyneric und Salia, die recht weit vorne in der Menge standen, sahen, wie die Hand des Königs zitterte und sein Blick ziellos ins Leere ging. Dann ballte Goran die Faust und sagte leise: "Alle, die keine Gardisten oder Rangträger sind, verschwindet. Es verbleiben im Raum: Mitglieder des Rats der Zehn, der königlichen Garde, und des Heeres."
Sofort setzten sich alle in Bewegung, auf die Gorans Beschreibung nicht zutraf, und die Halle leerte sich beträchtlich. Die Gardisten nahmen Haltung an, ebenso wie die wenigen Soldaten, die ähnlich wie Salia gekleidet war. Cyneric entdeckte ganz in der Nähe auch Morrandir, die ihre prächtige Offiziersrüstung trug. Als sich die Türen hinter jenen geschlossen hatten, die der König weggeschickt hatte, wurde es totenstill.
"Dieser Palast," wisperte der König, "Ist der sicherste Ort in Gortharia." Cyneric hörte und sah die unterdrücke Wut in Gorans Stimme und Gesicht. "Ihr hattet dafür zu sorgen, dass es auch so bleibt. Es war eurer aller Aufgabe." Er machte eine kurze Pause. Dann, ohne Vorwarnung, brach es wild aus ihm heraus. "DAS WAR EIN BEFEHL! DER SCHUTZ DES PALASTES WAR EIN BEFEHL! Wie könnt ihr es wagen, euch meinem Befehl zu widersetzen? Ihr habt mich verraten. Ihr alle! Wie kann ich mich hier noch sicher fühlen, wenn ihr nicht für den Schutz des Palastes sorgen könnt?" Er schrie, brüllte, tobte und gestikulierte dabei wie wild mit der Hand. Dann sprang er mit einem Mal vorwärts und führte seine Klinge mit überraschender Genauigkeit. Der Gardist, den der König tötete, war zu überrascht, um sich zu verteidigen. Mit geöffneter Kehle starb der Mann vor aller Augen, und niemand wagte es, einzugreifen. Goran drehte sich langsam um, die blutige Klinge erhoben und ein wildes Funkeln in den Augen. "Ihr alle habt den Tod verdient für diesen Verrat! IHR ALLE!" Er wirbelte scheinbar zufällig herum und kam vor Salia zum Stehen, packte die Frau an der Kehle und richtete die Schwertspitze auf ihr Gesicht. "Selbst die Soldaten meines rumhreichen Heeres haben mich verraten," knurrte Goran. Cynerics Hand tastete nach seinem eigenen Schwert. Eher würde er Goran töten als zuzulassen, dass dieser Salia hinrichtete. Und wenn es sein Leben kosten würde.
"Für heute ist genug Blut vergossen worden," mischte sich eine neue Stimme ein, und Goran hielt inne. Die Menge teilte sich, und der Zauberer Alatar trat daraus hervor. Sein blaues Gewand schimmerte im Licht der Fackeln, die die Gardisten trugen, geheimnisvoll. Cyneric suchte Salias Blick, doch sie gab ihm ein rasches Zeichen, dass bei ihr alles in Ordnung war.
"Ah, der Ewige Berater mit seinen weisen Sprüchen," spottete der König, ließ Salia los und wandte sich Alatar zu. "Fühlt Ihr Euch hier noch sicher? Vielleicht steht Ihr als Nächster auf der Liste dieser Mörder!"
"Mein König, ich sehe, dass Ihr erschüttert von diesen Ereignissen seid. Ich bin es ebenfalls," antwortete Alatar ruhig. "Doch diese Männer und Frauen tragen keine Schuld daran. Hat sich Fürst Radomir nicht mit seinen eigenen Wachen umgeben? Hat er nicht sogar vor Euch damit geprahlt, dass sie wachsamer und geschickter als selbst die Elite von Rhûn seien?"
Goran blickte betreten beiseite. "Das hat er. Ich erinnere mich. Dieser Narr."
"Dann sollten es jene Wachen sein, die bestraft werden," schlug Alatar vor.
Der König zögerte einen Augenblick, ehe er sich aufrichtete und dann einen Befehl gab. Er wurde ohne Widersprüche ausgeführt.

An Schlaf war in jener Nacht nicht mehr zu denken. Der Geruch von verbrannten Leichen lag noch immer schwer in der Luft und würde wohl noch einige Stunden nicht verschwinden. Cyneric und Salia konnten den Scheiterhaufen, auf dem man die überlebenden Wächter Fürst Radomirs hingerichtet hatte, von ihrer Position nur allzu deutlich sehen. Sie standen in dem Raum, der Morrandir als Kommandoposten diente und der einen kleinen Balkon besaß, der auf der Südseite des Palastes gelegen war. Er bot einen guten Ausblick über die langsam erwachende Königsstadt... und den rauchenden Leichenhaufen, der auf dem großen Platz direkt unterhalb der Stufen lag, die zum Palast hinauf führten.
Sie hatten Morrandir bereits von ihrem fehlgeschlagenen Attentatsversuch berichtet. "Das ist eine enttäuschende Entwicklung," hatte die Schattenläuferin kommentiert, ohne Emotionen zu zeigen. Sie stand aufrecht mit dem Rücken zu Salia und blickte zum Fenster hinaus. Mehrere Minuten vergingen in unbehaglichem Schweigen, ehe sich die Türe zu Morrandirs Zimmer öffnete, und Ryltha eintrat.
Die blonde Schattenläuferin trug ebenfalls die Rüstung einer Offizierin, musste sich also umgezogen haben, ehe sie hierher gekommen war.
"Und?" fragte Morrandir, ohne sich umzudrehen.
"Der Mistkerl ist mir entwischt," stieß Ryltha hervor. Ihr war die Frustration allzu deutlich anzumerken. "Ich habe ihn bis in die untersten Ebenen gehetzt. Unglaublich, wie schnell dieser Mann ist. Dort ist er auf dem Rücken eines Pferdes entkommen. Vermutlich ist er schon auf halbem Weg zurück in sein Fürstentum."
"Du weißt, was zu tun ist," sagte Morrandir. Noch immer blickte sie zum Fenster hinaus auf die rauchenden Überreste des Scheiterhaufens.
Ryltha nickte. "Die Schatten werden nach Gorak ziehen. Niemand entkommt uns."
Salia, die an der Wand gelehnt hatte, richtete sich auf. "Ich bin bereit," stellte sie klar.
"Du ebenfalls, Cyneric?" fragte Ryltha in seine Richtung. "Denn du wirst Salia und mich begleiten."
"Ich werde dich von deinen Wachschichten befreien lassen," erklärte Morrandir und drehte sich bei diesen Worten schließlich um. "Ihr brecht morgen bei Sonnenaufgang auf. Seht zu, dass ihr reisebereit seid."

Cyneric verbrachte den Rest des Tages mit einer Wachschicht in den Gärten, bei dem ihm der Gardist Orvar Gesellschaft leistete. Da Orvar so ziemlich jeden in Gortharia zu kennen schien, wusste er ganz genau, worüber auf den Straßen gesprochen wurde.
"Das Ganze ist 'ne große Schande für uns Gardisten," schimpfte Orvar gerade. "Zumindest stellen es die Goldröcke so dar. Das ist ein gefundenes Fressen für diese Kröten."
Erneut wurde Cyneric an die Rivalität erinnert, die zwischen den Stadt- und Torwächtern Gortharias und der königlichen Garde des Palastes bestand. Also nickte er und sagte: "Sie werden uns trotzdem nie das Wasser reichen können."
"Da hast du verdammt recht, mein Freund," pflichtete Orvar ihm bei und schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. "Da hast du verdammt recht."
Innerlich bereitete Cyneric sich auf den kommenden Tag vor. Er würde mit den Schattenläufern nach Gorak reiten, das nordwestlich von Gortharia gelegen war und eine nur schwer zugänglichem Gebirgsregion war. Dort würden sie den Fürsten töten, der ihnen in der Nacht so knapp entkommen war. Dadurch würde Cyneric sich einen weiteren Blick in den geheimnisvollen Brunnen der Schatten verdienen, und seinen Tochter aufspüren...
Ich hoffe nur, dass das auch alles so abläuft, wie ich es mir gerade vorstelle, dachte er.


Cyneric, Ryltha und Salia zum westlichen Tor Gortharias
« Letzte Änderung: 19. Dez 2017, 14:58 von Fine »