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Autor Thema: Cerin Amroth  (Gelesen 2520 mal)

Eandril

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Cerin Amroth
« am: 12. Feb 2012, 19:24 »

...Oronêl aus Caras Galadhon

Während er durch die Wälder Lóriens eilte, erinnerte sich Oronêl an das letzte Mal zurück, das der mit seiner Tochter Mithrellas gesprochen hatte.
                                                                                                                                                           
"Warum sollte ich nicht mitkommen?"
Er und Mithrellas standen sich gegenüber, und Wut spiegelte sich in ihren Gesichtern. "Warum?", wiederholte Mithrellas. "Ich habe eben so viel Grund, Amroth zu begleiten, wie du! Wir sind gemeinsam aufgewachsen!" "Du bist niemals außerhalb dieser Wälder gewesen, Mithrellas.", antwortete Oronêl. "Du hast keine Vorstellung wie es draußen ist, was dich dort erwartet, und deshalb wirst du hierbleiben!"
Mithrellas lachte kurz und bitter auf. "Ach, auf einmal bist du so besorgt um mich? Wo du doch die letzten zweitausend Jahre kaum mit mir geredet hast, seit Mutters Abreise?" "Ich... Ich war wütend auf dich... und mit dir zu sprechen, hat mich nur an sie erinnert, und an meinen Schmerz gerührt. Aber ich will dich nicht auch noch verlieren, nach Amdír und Calenwen. Bleib ihr, ich bitte dich!" In seiner Stimme lag nun beinahe ein Flehen, aber nur beinahe.
"Nein, ich werde euch begleiten. Ich bin über dreitausend Jahre alt, und werde mir nicht von dir vorschreiben lassen, was ich zu tun habe. Mit deinem Gerede und deiner Maßlosigkeit hast du Mutter vertrieben, aber mich wirst du nicht so einfach beherrschen können. Ich tue was ich für richtig halte, und nicht du." Mit diesen Worten und einem letzten verächtlichen Blick auf ihren Vater wandte sie sich um und ging davon.
Auf der ganzen Reise nach Süden sprachen sie kein Wort mehr miteinander.
                                                                                                                                                           
Obwohl die Erinnerung noch immer schmerzte, und ihn ein wenig vor dem fürchten ließ, was ihn am Cerin Amroth erwartete, überwog die Hoffnung, Mithrellas wiederzufinden, alle anderen seiner Gedanken.
Schließlich erreichte er die freie Fläche unterhalb vom Cerin Amroth, und blickte auf die beiden Baumringe auf der Kuppe, in deren Mitte sich Amroths altes Flet befand. Er erstieg den Hügel, dessen Rasen mit Elanor und Niphredil gesprenkelt war, und betrat schließlich den inneren Baumring. Bevor er jedoch dazu kam, die Leiter zum Flet hoch zu steigen, sagte eine Frauenstimme: "Du bist endlich gekommen. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet." Langsam wandte er sich um. "Mithrellas?"
Und wirklich, sie stand vor ihm, unter den hohen Mellyrn auf dem Cerin Amroth. Er machte einen Schritt auf sie zu. "Mithrellas, Tochter, ich...", setzte er an, doch seine Stimme stockte.“Es tut mir leid.", sagte sie schlicht. "Bei unserem letzten Gespräch habe ich dir Unrecht getan. Du warst zu Recht wütend auf mich." Er schüttelte den Kopf und meinte: "Nein, auch ich war im Unrecht. Du hattest Recht, du hattest eben so viel Grund, mitzukommen wie ich." "Ja.", flüsterte sie, "Ich liebte Amroth. Schon seit ich kein Kind mehr war, liebte ich ihn."
"Komm, lass uns hinaufsteigen, dann erzählst du deine und ich meine Geschichte.", schlug Oronêl vor. Und das taten sie.
                                                                                                                                                           
Auf dem ganzen langen Weg von Lórinand bis zum Weißen Gebirge hatten Mithrellas und Oronêl kein Wort mehr gewechselt. Stattdessen mussten Amroth und Nimrodel wohl oder übel die Mittler zwischen ihnen sein, und vor allem Amroth schien darüber wenig erfreut zu sein.
Aber auch Mithrellas machte die angespannte Situation zu schaffen, und sie beschloss am Abend, wenn sie am Fuß des Gebirges lagern würden, die Aussprache mit ihrem Vater zu suchen. Doch es kam nie dazu, denn an eben jenem Abend, als Mithrellas und Nimrodel gemeinsam Wasser holen gegangen waren, geschah etwas Merkwürdiges. Sie waren bereits auf dem Rückweg zum Lager, doch noch ein gutes Stück entfernt, als Nimrodel abseits des Weges, im Schatten des Berghanges, Amroth zu sehen glaubte, der ihr bedeutete, zu ihr zu kommen. Da sie Nimrodel nicht allein lassen wollte, folgte Mithrellas ihr, als sie plötzlich in die Richtung der Gestalt lief.
Aber an der Stelle angekommen, ertönte aus einer anderen Richtung eine Stimme, die wie Amroths klang, und wieder folgte Nimrodel ihr. Langsam aber sicher folgten sie der Gestalt oder dem Wesen, von dem Mithrellas inzwischen keine Zweifel mehr hatte, dass es keineswegs Amroth war, immer tiefer in das Gebirge. Schließlich, als sie sich heillos verirrt hatten, verschwand die Gestalt, und weder sahen noch hörten sie ein Zeichen von ihr.
Am nächsten Tag, als sie auf der Suche nach Oronêl und Amroth eine enge Schlucht durchquerten, inzwischen von Hunger und Durst geplagt, stürzte von oben eine große Menge Steine und Felsen herab, und trennte sie voneinander. Nun war Mithrellas völlig allein, und sie irrte immer tiefer durch das Gebirge, bis sie schließlich nach einigen Wochen, in denen sie sich notdürftig von Beeren, Wurzeln und Quellwasser ernährte, das Meer erblickte.

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Mithrellas Geschichte
« Antwort #1 am: 14. Feb 2012, 17:35 »
Noch bevor sie sich jedoch auf die Suche nach den Anfurten, von denen aus Amroth und Nimrodel nach Westen abfahren wollten, machen konnte, hörte sie das Geräusch von Reitern, die sich näherten. Schneller als sei sich verstecken konnte, tauchte eine Gruppe Reiter über dem Hügelkamm, der sich östlich von ihr befand, auf. Die Reiter waren in Silber und Blau gekleidet, und einer trug ein Banner mit einem silbernen Schwan auf blauem Grund. Als sie Mithrellas erblickten, zügelten sie ihre Pferde, und der Anführer, ein großer Mann mit meergrauen Augen saß ab und trat auf sie zu.

Als sie unwillkürlich einen Schritt zurück machte, blieb er stehen und sagte: "Ihr braucht mich nicht zu fürchten. Mein Name ist Imrazôr aus Belfalas, und ich stehe im Dienste des Königs Earnil von Gondor. Ihr seht nicht aus, als kämet ihr aus diesem Land, darum erlaubt mir, euch zu fragen, wer ihr seid und woher ihr kommt?"
Als Mithrellas diese freundlichen Worte hörte, entspannte sie sich ein wenig und antwortete, wenn auch noch vorsichtig: "Mein Name ist Mithrellas Galiel, und ich kam komme aus dem Lande Lórinand, im Norden des Gebirges." Bei diesen Worten erhob sich erstauntes Gemurmel unter den Reitern und Imrazôr meinte überrascht: "Ihr seid eine Elbenfrau! Sagt mir, was führt euch in diese Lande, Herrin?"

Irgendetwas hatte das Wesen dieses Menschen an sich, das Mithrellas Vertrauen einflößte, und deshalb antwortete sie ihm: "Ich kam mit Amroth, dem König von Lórinand , seiner Geliebten Nimrodel und meinem Vater Oronêl nach Süden, doch am Rand der Berge wurden wir getrennt. Amroth und Nimrodel wollte nach Westen in die unsterblichen Lande segeln, und wir wollten sie zu den Häfen begleiten. Doch nun kann ich sie nicht finden, und weiß auch nicht, ob meine Gefährten dort angekommen sind. Wisst ihr, wo diese Häfen sich befinden?"

"Ich kann es euch sagen. Die Häfen der Elben liegen südlich von hier, an einer Bucht, die man Cobas' Hafen nennt. Wie der Zufall oder das Schicksal es will, ebenso dort, wo der König mir einige Ländereien für meine Dienste in seiner Armee überlassen hat. Daher kann ich euch anbieten, uns zu begleiten. Wenn ihr dieses Angebot ausschlagen solltet, so lasst mir die Freiheit, euch zumindest mit dem nötigen Proviant auszustatten. Wir haben genug, denn wir kommen gerade aus Minas Anor, und haben keine weite Reise mehr vor uns."
Mithrellas war überrascht vom Edelmut und der Freundlichkeit dieses Menschen, hatte sie doch geglaubt, die Menschen seien größtenteils wilde Barbaren. Und da sie so schnell wie möglich die Häfen erreichen wollte, nahm sie Imrazôrs Angebot sie mitzunehmen gerne an.

Als sie aber die Häfen erreicht hatten, fanden sie sie leer und verlassen vor. Kein Schiff lag mehr dort vertäut, noch war eine Spur von Amroth, Nimrodel oder Oronêl zu entdecken. Doch die Leute in der Umgebung berichteten, das ein heftiger Sturm, der vor wenigen Tagen über das Land gezogen sein, ein Elbenschiff aus der Bucht nach Westen getrieben hatte, auf dem vorher noch einige Elben gelebt hatten. Daraus schloss Mithrellas, das Amroth und Nimrodel entweder tot oder nach Westen gefahren sein mussten, und dass Oronêl verschollen oder nach Lórinand zurückgekehrt sei.
Doch da auch die Möglichkeit bestand, dass Oronêl die Häfen noch nicht erreicht hatte, willigte sie ein, noch einige Zeit als Gast in Imrazôrs Haus zu verbringen, als er ihr das Angebot machte, und auf ihren Vater zu warten.

Während dieser Zeit verliebte sich Imrazôr in sie, und als seine Liebe immer größer wurde, begann er, um sie zu werben. Und obwohl sie seine Liebe nicht auf die selbe Art und Weise erwiderte, sondern ihn eher als einen Freund zu sehen begann, schien seine Nähe die Verletzungen, die die lange unerfüllte und unerwiderte Liebe zu Amroth und der Streit mit ihrem Vater ihrer Seele zugefügt hatten, allmählich zu heilen. So blieb sie länger und länger bei Imrazôr, und schließlich, als er nach zwei Jahren um ihre Hand anhielt, willigte sie ein, ihn zu ehelichen, denn sie wollte ihm nicht denselben Schmerz zufügen, den Amroth ihr, wenn auch unbeabsichtigt, zugefügt hatte.
Sie gebar ihm zwei Kinder, einen Sohn den sie Galador nannten, und eine Tochter, Gilmith, die sie beide sehr liebte, obwohl sie keine Kinder ihrer Liebe waren.
Als sich immer mehr Menschen in der Umgebung anzusiedeln begannen, und Imrazôr plante, eine Stadt zu gründen, überredete sie ihn, sie Dol Amroth zu nennen, zu Ehren Amroths, dem sie es verdankten, das sie nach Süden gekommen war und ihn getroffen hatte.

Aber auch wenn er mit einer Elbin verheiratet war, war Imrazôr immer noch ein sterblicher Mensch, und nachdem sie 82 Jahre verheiratet gewesen waren, im Jahr 2076 des Dritten Zeitalters, starb er. Sein Verlust riss eine Lücke in Mithrellas Leben, die selbst ihre Kinder, die inzwischen längst erwachsen geworden waren, nicht vollständig ausfüllen konnten, denn obwohl sie ihn nicht als Mann geliebt hatte, war er doch ihr engster Freund und Vertrauter gewesen, und sie konnte sich nicht vorstellen, ihn verloren zu haben.
Obwohl ihre nun ihre Sehnsucht nach ihrer alten Heimat Lórinand von Tag zu Tag wuchs, blieb sie noch in Dol Amroth und erlebte, wie ihr Sohn Galador vom Truchsessen zum ersten Fürsten von Dol Amroth erhoben wurde. Aber als ihre Tochter Gilmith, zu der sie nun das engste Verhältnis hatte, schließlich heiratete und Dol Amroh verließ, sagte sie auch Galador Lebwohl und kehrte zurück nach Lórien.

Dort musste sie feststellen, dass ihr Vater nicht zurückgekehrt war, wie sie heimlich gehofft hatte. Außerdem war die Noldor-Herrin Galadriel und ihr Mann Celeborn aus Doriath nach Lórien gekommen und hatten die Herrschaft über das führerlose Volk übernommen, doch Mithrellas nahm es ihnen nicht übel, denn Amroth war ohne Erben fortgegangen und so stand es dem Volk frei, sich einen neuen Herrscher zu wählen.
Galadriel hieß sie wie eine lang verlorene Tochter herzlich willkommen, und bot ihr sogar einen Platz unter ihren Beratern an, den dies sei der Platz gewesen, den ihr Vater innegehabt habe, und somit stünde er ihr zu. Doch Mithrellas lehnte ab, und ließ sich am Cerin Amroth nieder, wo sie die folgenden Jahre lebte.
Und obwohl sie von Dol Amroth fortgegangen war, sammelte sie alle Nachrichten über die Stadt und die Fürsten, ihre Nachfahren, die Lórien erreichten. So erfuhr sie auch von der Belagerung  der Stadt durch den Nazgûl, und wie diese durchbrochen worden war.
                                                                                                                                 
"Und nun bist du zurückgekehrt, und mein Warten hat endlich ein Ende.", schloss Mithrellas ihre Geschichte. Inzwischen war der Tag weit fortgeschritten, und die Sonne begann, hinter den Bergspitzen im Westen zu versinken. Nach einer kurzen Zeit in der sie beide schwiegen und in den Sonnenuntergang blickten, begann Oronêl seine Geschichte, und als er fertig war, war die Nacht schon hereingebrochen.

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Die Erben Lenwes
« Antwort #2 am: 17. Feb 2012, 19:25 »
Nach dem Ende seiner Geschichte saßen sie noch ein Weile schweigend nebeneinander, nur um nach so langer Zeit die Gegenwart des Anderen wieder zu spüren. Doch bald erhob sich Mithrellas und sagte: "Komm, ich muss dir etwas zeigen.", und begann die Leiter hinunter zu steigen. Verwundert stand auch Oronêl auf und folgte ihr.
Als sie am Fuße des Baumes standen, zeigte Mithrellas den Hügel hinab nach Westen. "Siehst du sie? Die Lichter?" Er folgte ihrem Blick, und sah am Fuß des Hügels einige Lichter in den Bäumen leuchten. "Was ist das?", fragte er.
"Dort unten befindet sich eine Siedlung der Waldelben. Sie nennen sich "Die Erben Lenwes", und erkennen die Herrschaft von Celeborn und Galadriel über dieses Land nicht an, da sie ihrer Meinung nach nur einem Erben Lenwes zusteht. Ich lebe bei ihnen." Oronêl blickte sie an und hob missbilligend eine Augenbraue. "Lenwe war niemals König Lóriens. König von Lórien war Amdír, und Amroth nach ihm. Da Amroth dieses Land ohne Erben verlassen hat, kann jeder, den die Bewohner für würdig erachten, die Herrschaft übernehmen. Ich dachte, du seiest auch dieser Ansicht."
Mithrellas nickte. "Das stimmt auch. Ich bin nur Amroths wegen hierhergekommen, weil er hier lebte. Sie wollten mich zu ihrer Anführerin machen, weißt du, weil Lenwe mein Vorfahr war, aber ich habe abgelehnt. Danach haben sie mich nicht wieder gefragt, aber ich denke mir, dich würden sie mit Vorliebe zu ihrem König krönen, wenn sie von dir erfahren."
Und plötzlich überkam Oronêl eine Vision von sich, wie er sich von diesen Elben zum Anführer machen ließ... er führte sie in die Schlacht gegen Saruman, gerade noch rechtzeitig, um Lórien zu retten... Galadriel verzichtete freiwillig auf die Herrschaft, und er wurde von den dankbaren Elben zum König gekrönt... mithilfe des Rings erhielt er auch Macht über die Menschen... Er führte Menschen und Elben vereint gegen Saurons Heere...
"Vater?" Mithrellas Stimme durchbrach seine Vorstellungen. Er schloss die Augen und atmete tief durch, dann sagte er: "Nein. Ich bin kein Fürst oder gar König. Ich tauge höchstens zum Berater oder Truppenführer, und ich bin damit zufrieden. Aber sag mir, haben einige dieser Elben dort unten für Lórien gekämpft, als der Hexenkönig angriff?"
"Nein“, antwortete Mithrellas leise, "sie wollen nicht unter 'fremder Führung', wie sie es nennen, kämpfen."
"Dann muss ich zu ihnen gehen. Sie müssen mit uns gegen Saruman kämpfen, denn ich fühle, dass wir jeden Mann brauchen werden, und selbst das könnte noch zu wenig sein.", meinte er.
"Gut. Ich werde mit dir gehen. Vielleicht finden wir einen Weg, sie zum kämpfen zu bringen."

Am Fuß des Hügels angekommen, sammelte sich schnell eine kleine Menge um sie. Mithrellas stupste ihn sanft an und sagte: "Steig auf diesen Stein, damit sie dich sehen können, und dann rede!" Er tat, wie ihm geheißen, und als er den Stein erklommen hatte, ging ein Raunen durch die Menge.
"Ihr Elben des Goldenen Waldes!", begann er. "Mein Name ist Oronêl Galion, Sohn des Ardir und der Nellas. Einige von euch mögen sich vielleicht an mich erinnern, denn einst lebte ich hier, als Berater Amroths, und gemeinsam mit ihm verließ ich dieses Land. Doch nun bin ich zurückgekehrt, denn wieder einmal ist unsere Heimat einer schrecklichen Bedrohung ausgesetzt, durch den verräterischen Zauberer Saruman. Gegen seine Krieger werde ich kämpfen, deshalb bin ich hier.
Ich habe gehört ihr nennt euch "Die Erben Lenwes", und wollt nur von einem Nachkommen Lenwes beherrscht werden. Nun, das ist eure Sache. Aber ich habe auch gehört, in der Schlacht gegen den Hexenkönig von Angmar, Saurons grausamsten Diener, habt ihr keinen Finger für Lórien gerührt, weil ihr nicht unter dem Befehl von Celeborn und Galadriel kämpfen wolltet."
"Werft ihr uns Feigheit vor?", rief ein großer Elb dazwischen. "Wenn ja, mit welchem Recht tut ihr das? Über tausend Jahre wart ihr verschwunden, habt nicht ein einziges Mal für Lórien gekämpft, und nun bezichtigt ihr uns der Feigheit?"
Oronêl räusperte sich. "Ich bezichtige euch nicht der Feigheit. Damals hattet ihr vielleicht noch keine Vorstellung von den Mächten, die gegen und kämpfen. Möglicherweise hätte ich damals, wäre ich derselben Ansicht wie ihr, auch so gehandelt. Aber heute wisst ihr, das Lórien in Gefahr ist, und dass alle, die kämpfen können, auch kämpfen müssen. Ich bitte euch, überwindet euren Stolz. Auch für mich gab es einen Moment, in dem ich meinen Stolz vergessen musste.
Meine Tochter Mithrellas, die ihr alle kennt, hat mir von euch erzählt, und ich wurde von der Vorstellung durchaus angezogen, euer Fürst zu sein, denn auch ich bin ein Nachkomme Lenwes. Doch ich bin mir darüber klar geworden, dass ich kein König bin. Ich müsste euch also enttäuschen, solltet ihr mir nur aufgrund meinte Abstammung die Herrschaft antragen wollen."
Inzwischen war es totenstill unter den Bäumen geworden, so still, dass man den Wind in den Blättern hören konnte.
"Aber wenn ihr nicht unter dem direkten Befehl Galadriels kämpfen wollt, so kann ich euch ein Angebot machen. Ich werde jene von euch, die mit mir kommen, anführen, aber nicht als euer Herrscher. Außerdem werde ich mich selbst unter den Befehl Galadriels stellen, denn sie ist die rechtmäßige Herrin dieses Landes. Dies ist das beste Angebot, dass ich euch machen kann. Vergesst euren Stolz, kämpft mit mir, und rettet Lórien!"
Mit diesen Worten schloss er, und verließ seinen Platz.
Tatsächlich schien seine Rede Eindruck auf die Elben gemacht zu haben, denn bald sammelte sich eine Gruppe hauptsächlich mit Bogen bewaffneter Elben um ihn und Mithrellas, unter ihnen auch der große Elb, der sich als Ladion vorgestellt hatte. Der Rest zerstreute sich allmählich, bis nur noch sie übrig waren.
"Nun gut.", sagte Oronêl. "Lasst uns aufbrechen."

Oronêl und Mithrellas in die Wälder Lothlóriens
« Letzte Änderung: 28. Okt 2016, 13:58 von Eandril »

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