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Autor Thema: Orthanc  (Gelesen 20732 mal)

Tom Bombadil

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Orthanc
« am: 3. Mai 2009, 22:03 »
Nerblog vom Haupttor Isengards


Nerblog schlug die Augen auf. Er lag auf einer wenig bequemen Matratze in einer dunklen Kammer mit Wänden aus schwarzem Fels. Nur durch eine enge Scharte in der Wand fielen einige Lichtstrahlen herein. Es gab neben dem Bett, auf dem er lag, nur noch einen kleinen Hocker- ansonsten war das Zimmer leer. Doch was Nerblog am meisten verunsicherte, war, dass er keine Tür in der Wand erkennen konnte.
Der Ostling versuchte, sich aufzusetzen und zu seiner großen Überraschung funktionierte das auch. Er blickte an sich hinab. Bis auf eine Art Lendenschurz war er nackt, sodass er erkennen konnte, dass von seiner Bauchwunde lediglich eine große, weiße Narbe geblieben war.
Wie lange hatte er hier gelegen? Wo war er? Wer hatte ihn hier hingebracht?
Der kleine Ostling setzte seine Füße auf den kalten, glatten Boden und ging langsam zu der Scharte hinüber, um sich einen Überblick zu verschaffen.
Kurzzeitig wurde ihm schwindlig, als er bemerkte, in welch gigantischer Höhe er sich befand. Gleich darauf kehrte seine Erinnerung an die Ereignisse vor seiner Bewusstlosig- keit zurück.
Er musste sich in dem dunklen Turm inmitten der großen runden Mauer befinden und von den Schergen des furchterregenden Kerls hier hoch gebracht worden sein, der mit ihm zuvor gesprochen hatte.
Nerblog stolperte von dem Fensterchen zurück und ließ sich auf das Bett fallen. Er war hier gefangen, einem Mächtigen unter Saurons Dienern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und völlig von der Außenwelt abgeschnitten- er war verloren!
Verzweifelt ging Nerblog die glatten Wände ab, suchte nach Ritzen oder nur Andeutung- en eines Ausgangs, fuhr mit den Fingern über den Stein und kratzte über den Boden, bis er in einem Krampf aus Tränen, Zorn und Hass auf dem Boden zusammensackte und sein Elend beklagte, auf ewig in diesem Raum eingesperrt zu sein, bis er einen grausa- men Hungertod starb.
Unzählige Stunden saß er dort, an die Wand gelehnt, von Tränen überströmt und Nerblog ging durch eine Hölle von grausamen Fantasien, was ihm wohl zustoßen mochte.
Dann, als jede Hoffnung in weite Ferne gerückt war, glitt gegenüber des Fensters eine Tür auf, wo keine hätte sein können. Zunächst hielt der Ostling das für einen weiteren grausamen Alptraum, doch spätestens, als ihn ein kräftiger, in sonderbar kostbare Stoffe gewandteter Mensch ihn auf die Beine gesetzt, und aus dem Raum geführt hatte, reali- sierte er die Warhaftigkeit des Geschehens.
Der sehr große, bärtige Mann zerrte ihn einen kreisrunden Gang entlang, dann eine ebenso leicht gewundene Treppe hinauf, wieder den Gang entlang, bis er ihn mit sanfter Gewalt durch einen großen Türrahmen stieß, der gleich darauf hinter ihm geschlossen wurde.     
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 10:51 von Fine »
manana

Tom Bombadil

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Re: Orthanc
« Antwort #1 am: 4. Mai 2009, 21:20 »
Eine seltsam kühle, auf das Bewusstsein drückende Präsenz war in diesem großen, mit dunklen Marmorfliesen gedeckten Raum, in dem auf einigen Tischen allerlei Fläschchen, Glaskugeln und merkwürdige Werkzeuge herumlagen. Es gab eine große Reihe Fenster, von denen man die weißen Hänge des Gebirges betrachten konnte.
Nerblog sah sich unsicher um. Er schien allein zu sein. Vorsichtig ging er zu einem der Tische hinüber und begutachtete den Krempel der darauf herumlag. Seltsam verrenkte Zangen, kleine Blasebalge, spitze Hämmer und vieles mehr fand er dort vor. Immer mehr drängte sich ihm der Verdacht auf, dass es sich hierbei um Folterwerkzeuge handeln muss- te. Gerade,  als er hinüber zu den Fenstern gehen wollte, erklang hinter ihm eine tiefe, verzerrte Stimme, die er sofort wiedererkannte.
Panisch wollte er hinüber zum Ausgang fliehen, doch seine Beine gehorchten seinem Befehl nicht mehr.
Die Stimme lachte und wie auf ein Kommando hin, drehte sich Nerblogs Kopf stark nach rechts und zwang ihn etwas zu sehen, dass er niemals hatte sehen wolllen. Neben der Folterbank stand eine große, in einen mattroten Umhang gehüllte Gestalt.
Das schreckliche, blasse Gesicht wurde bis unter die Nase von einer Art Stahlhelm bedeckt und zwischen den spitzen, vergilbten Zähnen quoll Speichel hervor. Die Gestalt lachte.
"Seid gegrüßt, Nerblog aus dem Osten."
Der Ostling knirschte mit den Zähnen, doch er bekam keine Erwiderung hervor. 
"Da eure erste Erklärung mehr oder minder fragwürdig bleibt, biete ich euch ein zweites Mal an, Saurons Mund die Wahrheit zu erzählen."
Nerblog begann, leicht zu zittern. Er hätte dem Mund wohl alles verraten, wenn er nur wüsste, was geschehen war. Allerdings hätte der Ostling seine Lanze verwettet, dass dieser Kerl das ebenfalls wusste, und vielleicht sogar noch mehr.
Wieder erönte dieses herzlose Lachen.
"Sucht ihr vielleicht das hier?" Der Mund streckte seinen rechten Arm aus, die Krallen zur Faust geballt.
Nerblog blinzelte verwirrt, doch als er die Augen wieder öffnete, war die abscheuliche Hand geöffnet, und darin befand sich ein zerknittertes Blatt Pergament. Nerblog kannte dieses Blatt, doch verstand er den Zusammenhang noch nicht. Als sich das Papier wie von Geisterhand selbst entfaltete, war eine verschwommene Auflistung zu erkennen. Mit einem Schlag brach die Erinnerung wieder auf Nerblog ein.
Der Aufenthalt in der schwarzen Mine, die Flucht durch den Schacht und der Kampf mit dem Ork-Häuptling. Auf  der Liste mussten die Informationen über die Truppenstärke der wilden Ork-Verbände in den Bergen stehen. Es entsprach nicht gerade dem Befehl des Spitzohrs, dass diese Liste nun in der Hand dieses.... Dinges war.
"Ihr seid ein erbärmlicher Lügner und feiges Ungeziefer noch dazu. Doch ich gebe euch die Chance, euch als mein Gerichtsvollzieher wieder zu rehabilitieren. Orfang wird euch eure Aufgabe unten in der Eingangshalle darlegen." Der Mund fletschte die Zähne zu einem schiefen Grinsen.     
Der Ostling wusste nicht, welch schreckliche Aufgabe ihm als 'Gerichtsvollzier' des Mundes bevorstand, doch er schwor sich, alles zu tun, um nicht in seiner Zelle dem Wahnsinn zu verfallen. Ohne, dass er es jemals gewollt hatte, trugen ihn seine Füße aus dem Saal, wo ihn der kräftige Mann von vorhin packte, und mit sich die Treppe hinunter schleifte.
manana

Tom Bombadil

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Re: Orthanc
« Antwort #2 am: 9. Mai 2009, 20:00 »
Die Treppe mündete in eine sehr weitläufige, hohe Halle. Bis auf einige kleine, hohe Tische an den Wänden stand sie leer. Nerblog erkannte am Ende des Saales ein großes, geschlos-
senes Tor. Augenblicklich überkam ihn das Bedürfnis, Hals über Kopf die Flucht zu ergreifen, doch  als sich der Griff Orfangs um seinen Arm fester schraubte, verwarf er dieses Unter-fangen. Er durfte nicht wieder zurück in diese Zelle! Das einzige, was ihn dort erwartete, war der Wahnsinn.
In der Mitte der Halle standen dicht zusammengedrängt etwa zwei dutzend Männer, groß und klein, dick und dünn. Alle hatten verschlissene Kleidung und waren über und über mit Schmutz bedeckt. Sie drängten sich unruhig dicht beieinander, ständig in Erwartung einer bösen Überraschung.
Orfang ließ ihn kurz allein, bedeutete ihm aber am Ende mit einem groben Schlag auf den Hinterkopf, dass er keine Dummheiten machen solle.
Als der stämmige Kerl sich durch eine kleine Nebenpforte davongemacht hatte, ging Nerblog einige Schritte auf den Haufen zu. Manche von ihnen blickten ihn aus flehendlich bittenden Augen an, andere ignorierten ihn, und wieder andere bedachten ihn mit ab-
schätzigen, hasserfüllten Blicken.
Der Ostling wusste nicht, was ihn und die aneinander gefesselten Männer erwartete, doch er war sich sicher, dass es sich nicht um etwas Erfreuliches handeln konnte. Durch einige große Fenster weit über dem glatten, schwarzen Boden, fiel gedämpftes Sonnenlicht herein.     
Orfang kehrte mit einem Bündel Kleidung und einem langen, rasiermesserscharfen Dolch zurück. Er warf Nerblog die Kleider zu. "Zieh das an!", befahl er mit seiner tiefen, rollen- den Stimme. Der Ostling befolgte seinen Befehl und zog sich eilig ein recht sauberes Stoffwams und eine abgenutzte Lederhose an.
Als er fertig war, drückte Orfang ihm das Fleischermesser in die Hand. Nerblog wog es widerstrebend in der Hand. Eine rohe Orkwaffe, ohne Sinn für feines Ausbalancieren geschmiedet, und mit einer leicht gezahnten Schneide.
Der hühnenhafte Mann deutete auf den Haufen der Gefangenen. "Das sind Menschen, die gegen die Herrschaft aufbegehrt haben. Mache mit ihnen was du denkst, dass das Richtige ist."
Dann verließ er Nerblog und marschierte die Treppe hinauf in den Turm.
Der junge Mann blickte unschlüssig zu den Rebellen hinüber. Er dachte fieberhaft nach. Dass Orfang ihm diese Waffe gegeben hatte, war wohl eine unmissverständliche Bot- schaft, was er mit den Gefangenen machen sollte.
Langsam ging er einige Schritte auf die anderen zu. Er konnte nicht um seines eigenen Lebens Willen das ihre nehmen!
Einer der Gefesselten, mehr noch ein Knabe als ein gestandener Krieger, rief ihm etwas zu: "Durchschneidet unsere Fesseln, Herr! Vielleicht können wir gemeinsam entkom- men!"
Nerblog blickte dem Jungen tief in die blauen Augen. Sie würden bei einem Fluchtversuch sicherlich bereits am Tor dieses Turms scheitern. Er schwieg.
In der kahlen Zelle oben im Turm würde er den Verstand verlieren, und sich in einem letzten Aufbäumen seines Wesens den Schädel an der harten Wand zertrümmern. War das Schicksal dieser Menschen nicht ohnehin besiegelt? War es das wert, für ohnehin schon genommene Leben sein eigenes zu geben?
"Worauf wartest du denn noch? Schneide unsre Fesseln durch! Bitte!", rief ein anderer, etwas dicklicher. "Ich muss zurück zu meiner Familie!"
Nein! Nerblog konnte das nicht tun. Er war kein herzloser Mörder. All diese Männer standen doch auf seiner Seite, ihrer aller Feind war doch Sauron, der ihn aus seiner Heimat vertrieben, und seine Eltern hatte zugrunde gehen lassen.
Nerblog blickte auf den Dolch. An dieser Waffe hing alles. Durchschnitt er nur ihre Fesseln oder doch auch ihre Kehlen?
Das Tor war schwer verriegelt. Niemals würden sie es durchqueren können, ohne einen speziellen Mechanismus auslösen zu müssen. Der einzige Ausweg war versperrt. Sie würden alle sterben, hingerichtet von Saurons Schergen. Sollte nicht wenigstens er, der so viel Leid hatte ertragen müssen, eine zweite Chance erhalten?
Mit glasigem Blick schritt Nerblog, das Fleischermesser hoch erhoben, auf die Gefang- enen zu. Sie wollten vor ihm weglaufen, doch ihre Fesseln hielten jeglichen Bewegungs-versuch ab.
Nerblog rammte als Erstes dem Jungen das Messer tief in die Brust. Er sollte nich noch den Tod der anderem mit ansehen müssen. Blut spritzte auf Nebrlogs ach so reine Kleidung- er schlitzte dem dicken Familienvater als nächstes die Kehle durch. Die übrigen Gefangenen begannen, verzweifelt zu schreien und zu flehen, doch der Ostling kannte kein Erbarmen.
Einem schlacksigen Glatzkopf steckte er das Messer zwischen die Augen, zog es hinaus und stach einem buckeligen Greis damit in den Bauch. Er litt bei jedem Stich, bei jedem Hieb die vielfachen Qualen derer, die er tötete. Gefangener um Gefangener fiel der Klinge zum Opfer, bis nach einer unendlichen Orgie aus Blut und Qualen alle getötet worden waren.
Mit einem Schmatzen verließ das Messer den Körper des letzten Opfers.
Nerblog ließ es neben sich in einen See aus Blut fallen und stürzteauf die Knie. Heiße Tränen quollen ihm aus den Augen. Was hatte er nur getan? Was hatte er angerichtet? Schluchzend wälzte er sich im noch warmen Blut der anderen. Für jeden der Hingerichte- ten wünschte er sich selbst einmal einen grausamen Tod. Er weinte so lange, bis das Blut kalt war und keine neuen Tränen mehr seine Augen hinabrollten. Doch seine Verzweiflung war unvermindert.
Dann betrat Saurons Mund, grausam lachend und gefolgt von seinem Sklaven, den Saal.
Der Ostling lag still, nur leicht zuckend, zu seinen Füßen in den Blutlachen.
"Du bist eine verachtenswerte Kreatur, Nerblog. Man möchte fast meinen, ihr seid tatsächlich ein treuer Diener des Dunklen Herrschers." Dröhnendes Lachen ließ Nerblogs Schädel erzittern.
"Bring ihn zu den Baracken der Arbeiter, Orfang. Er hat sich als nicht mehr bewiesen, als der einfache Abschaum dort draußen."


Nerblog zu den Baracken
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manana

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Der Weinkeller
« Antwort #3 am: 26. Nov 2009, 18:40 »
Arafaron vom Fuß des Orthancs


Arafaron sah sich um. Er war in einem sehr kleinen, runden Raum. Die Wände waren mit Holz verkleidet oder bestanden daraus. Offenbar ein Holzfass. Er betastete den Boden. Trocken. Vermutlich war es schon lange leer.
Auf dem Boden lagen ein Strohsack und daneben ein ungeordneter Haufen. Ein Dolch. Ein paar Metallteile. Lederrüstungsplatten und ein Mantel, die offenbar gerade repariert wurden. Zwei verdreckte Sibermünzen. Zwei Krüge Wasser. Ein Brot. Gegrilltes Ziegenfleisch. Und vor allem eine Karte aus gegerbtem Rindleder. Der Waldläufer strich mit seiner linken Hand darüber. Aus der Haut eines ungeborenen Kalbs. Sie bildete mit ihren feinen schwarzen Linien, die alle Räume des Orthanc und sogar einige Geheimgänge zeigte, einen Kontrast zu den übrigen dreckigen Habseligkeiten Snagas. Offenbar war sie extra für Arafaron hier platziert worden.
Er sah sich die Karte kurz an und steckte sie dann in eine Tasche. Dann entledigte er sich seines Mantels. Dieser würde ihn nur behindern. Mit Wehmut legte er auch seine Schwertscheide neben den Schlafsack. Sie hatte ihm einmal das Leben gerettet. Hoffentlich fand sie kein Ork und schleppte sie irgendwohin. Als letztes griff er noch nach dem Dolch. Schön scharf und in gutem Zustand. Eine schnelle und effektive Waffe.
Arafaron hebelte mit dem Schwert die Vorderseite des Fasses auf. Draußen fand er Schlammspritzer in rauen Mengen auf dem Boden. Offenbar waren die Dunländer auch hier vorbeigekommen.
Als er oben angekommen war, krachte gerade die schwere Tür ins Schloss. Ein Ork lehnte sich müde dagegen. Der Waldläufer gab ihm keine Chance sich auszuruhen und sprintete ihm entgegen. Die Klinge drang sauber in den Hals ein. Kein Geräusch drang nach außen. Er fing den Ork auf und legte ihn auf den Boden. Dann drehte er sich um. Keinen Moment zu früh. Ein anderer Ork hatte sich von hinten an ihn herangeschlichen. Ihre Klingen kreuzten sich über ihren Köpfen. Arafaron riss mit der linken Hand seinen Dolch aus dem Gürtel und rammte ihm dem Ork in den Hals. Diesma hatte er jedoch Pech. Er verfehlte den Kehlkopf. Schnell bewegte er seine Klinge nach rechts, doch es war schon zu spät. Sein Gegner stieß einen gequälten Laut aus, während er zusammensackte. Er fluchte leise.
"Ich habe vielleicht zehn Schritte hier unten gemacht, und schon weiß jeder in diesem Turm, dass ich hier bin."
Er blickte sich schnell nach weiteren Feinden um und kniete sich dann neben den beiden Leichen nieder. Nichts brauchbares dabei. Auf einmal stand ein Uruk auf der Treppe, die ihm gegenüberlag. Er nahm drei Schritte Anlauf die Treppe hinunter und sprang den Waldläufer dann an. Arafaron machte einen Hechtsprung seinem Feind entgegen. Dieser sprang über ihn hinweg. Ein dumpfes Geräusch ging von Haupttor aus. Arafaron drehte sich gleichzeitig um und warf seinen Dolch auf den Rücken des Berserkers. Die Lunge war getroffen. Er schrie. Trotzdem wandte er sich um und hob seine Waffe. Doch offensichtlich war auch ein Schultermuskel verletzt. Der Waldläufer stieß in das ungeschützte Gesicht.
Noch während der Uruk fiel, drehte Arafaron sich um. Kein Feind stand mehr auf den Treppen. Er blickte nach oben, der riesigen Decke des Orthanc entgegen. Dazwischen Geländer der verschiedenen Stockwerke und Treppen.
"Wenn sie schon wissen, dass ich da bin, dann sollen sie mich wenigstens fürchten."
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 10:36 von Fine »

Es kommt immer darauf an, etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet.


MCM aka k10071995

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Re: Orthanc
« Antwort #4 am: 2. Dez 2009, 14:49 »
Arafaron zog sein Schwert aus dem Rücken eines Uruks. Er stieß den Leichnahm gegen Boden, fünfundzwanzig Meter unter ihm. Er blickte hinunter. Dreizehn Leichen. Eine sehr beachtliche Zahl für einen einzelnen Krieger. Wäre auch nur die Hälfte davon auf einmal gekommen, läge er jetzt dort unten. Der Waldläufer drehte sich halb um, sodass er mit der Schulter an der Wand stand. So war es ihm möglich, sowohl seine Umgebung zu beobachten, als auch aus dem Fenster hinter ihm zu sehen. Langsam öffnete er es. Die Geräusche und Gerüche der Schlacht wehten ihm entgegen. Todesschreie. Verzerrte Befehle. Blut.
Die Orks wurden zurückgedrängt. Es lief gut für die Angreifer. Er hielt nach Nerblog und den Dunländern Ausschau, aber diese waren nicht mehr vor dem Haupttor. Dieses lag direkt unter ihm. Wäre er ein Verteidiger gewesen, wäre dies die ideale Position für einen Schuss gewesen.
Etwas entfernt tobte die Schlacht zwischen einem Battalion Rohirrim und einer Truppe Orks. Die Rohirrim bildeten einen Kreis, die Orks schlugen auf sie ein. In der Mitte stand ein edel aussehender Krieger etwas erhöht auf einem Stein und brüllte Befehle.
Arafaron sah ihnen eine Minute zu. Als der Angriff der Orks erlahmte, wagte der Hauptmann einen Blick über das Schlachtfeld. Die Blicke der zwei Männer trafen sich. Der Rohirrim wirkte überrascht. Dann lächelte er. Es war schwierig einzuordnen. Irgendwo zwischen aufkeimender Hoffnung und Glückwünschen. Schlussendlich nickte er, dann wande er sich wieder seinen Soldaten und dem feindlichen Battalion zu.
Der Waldläufer ließ einen Seufzer verlauten und wendete seinen Blick wieder auf das schwarze Innere des Orthancs. Er hohlte seine Karte hervor. Ganz in der Nähe gab es einen Geheimgang in ein Zimmer direkt neben dem Balkon. Arafaron huschte bei diesem Gedanken ein Lächeln übers Gesicht.

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Thorondor the Eagle

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Re: Orthanc
« Antwort #5 am: 3. Dez 2009, 19:04 »
Celebithiel, Amrûn und Gandalf vom Oberen Tunnelsystem


Der Weg vom Keller zum Haupteingang war erstaunlicherweise spärlich bewacht. Nur ab und zu trafen die drei auf einen Orkarbeiter den sie mühelos zur Strecke brachten.
„Kommt, hier ist der Weg zur Halle. Ich befürchte, dass hinter ihr furchtlose Leibwachen des Mundes lauern, stark und grausam. Ihre Klingen sind durchtränkt von der Magie des Mundes. Sie sind der Kampfarm des wohl höchsten Dieners von Sauron“, sagte Gandalf in einem sehr besorgten Tonfall und auf seinem Gesicht zeichneten sich nun deutlich tiefere Falten ab als jemals zuvor.

Der Zauberer wollte gerade den schweren Riegel von der Türe entfernen, als der Elb sich mit seiner linken Hand schwer dagegenstemmte.
„Lass mich zuerst gehen“, forderte ihn Amrûn auf, um ihm zumindest diese kleine Bürde von den Schultern zu nehmen.
Wortlos und mit einem klaren „Danke“ in die Miene geschrieben, schritt er hinter den stämmigen Elben. Amrûn war froh ihm für diesen kurzen Moment eine Verschnaufpause zu schenken, obwohl in dem Elben die Angst brodelte. Ja, sie war sogar so stark, dass er für einen Moment gezögert hatte und die Hand vom Riegel entfernte.

Amrûn, in dir fließt das Blut deines Vaters, eines mächtigen Kriegers. Wenn du diese Türe öffnest, öffnet sich der Weg in den Westen. Dort werde ich sie alle wieder sehen... meine Freunde, meine Mutter und vielleicht auch meinen Vater. Ich bin Amrûn, Sohn von Gî­lwe aus dem edlen Hause der Teleri...

Den Moment packend riss der Elb den Riegel aus der Verankerung und fiel in die Haupthalle des Orthancs ein. Duzende von madigen Orkarbeitern strömten durch diese und suchten Schutz in den andern Tunnelsystemen.
Ziellos hackte Amrûn in die Menge um sie ohne große Gegenwehr zu richten. Doch vereinzelt, vorallem bei der Treppe welche in die oberen Gemächer führte, standen große, schwarz gekleidete Menschen. Sie hatten mit Aragorn große Ähnlichkeit, wahrscheinlich waren es gefallene Erben Númenors.
Ihre schwarzen Klingen ließen die Furcht Amrûn nur noch wachsen, doch er kannte keinen Halt. Sie waren so kurz davor, ihr Ziel zu erreichen. Schritt für Schritt drängte er sich zwischen den Massen hindurch um sich dem Treppenansatz zu nähern.
„Tötet ihn“, schrie einer von den Leibwachen des Mundes und zeigte dabei mit seinem Finger auf den Elben.
Einer von den vier setzte sich nun in Bewegung. Auch er musste sich durch die Unmengen an Arbeitern kämpfen. Der Ansturm durch die Halle war ungebrochen.
Plötzlich brüllte er laut auf. Wütend drehte er sich zur Seite und Amrûn erspähte eine große, rostige Sichel im Rücken des Leibwächters. Der schwarze Númenorer hackte mit einem gezielten Schlag dem Ork den Kopf ab.
Eine große Panik breitete sich bei den Arbeitern aus. Sie rissen alles mit sich, was ihnen in die Quere kam. Amrûn und sein Feind wurden stark abgedrängt, obwohl sie dem Strom lange widerstanden, doch dann verschwand das Gesicht des verletzten Númenorers in der Menge. Der Blutverlust war wohl zu stark. Der Elb hielt stand, bis sich die Halle langsam leerte und die letzten Überlebenden verschwunden waren.
Auf den ungeschützten Stellen seines Körpers waren zahlreiche Schnitte verteilt. Sie waren hauchfein, aber trotzdem bluteten sie und riefen starke Schmerzen hervor. Er versuchte sie so gut er konnte zu verdrängen.

In der Halle war es ruhig, nur von draußen kamen laute Befehle und angsterfüllte Schreie herein. Jetzt standen sich nur noch der Zauberer, die zwei Elben und die drei Leibwächter des Mundes gegenüber; ein fairer Kampf.
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 14:29 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Orthanc
« Antwort #6 am: 7. Dez 2009, 21:30 »
Der Kampf war unheimlich mühsam für Amrûn. Es kostete den Elben so viel Kraft den gezielten Schlägen seines Gegners auszuweichen. Unentwegt hackte die dunkle Klinge nach ihm und traf oft auf die schutzbietenden Rüstung.
Doch der stumpfe Schmerz war nicht weniger unerträglich. Amrûn wich zurück und wehrte mit seinem Schwert ab, doch dann übersah er etwas auf dem Boden und mit einem Satz landete er hart auf seinem Rücken. Die Klinge des Feindes setzte zum letzten Schlag an und er begann auszuholen.

Die Zeit schien beinahe stehen zu bleiben. Jeder Minute wirkte wie ein ewig dauernder Tag, gezeichnet von schattigen Wolken und trostloser Erde. Amrûn fühlte sich als würde er aus seinem Körper ausbrechen, sein innerstes wehrte sich gegen sein Dasein und dessen Ende. Er fühlte sich so unwohl, dass sein Tod ihm nur Erlösung bringen könnte. Doch dann durchbrach ein Lichtblitz dies trübe Umgebung, ein Pfeil der durch das offene Tor der Haupthalle flog.
Unerwartet bohrte er sich tief in den Hals des Gardisten. Das Blut quoll aus der frischen Wunde und lief seine Rüstung hinunter.  Das Gesicht seines Feindes wurde blass und unter einem leisen  Aufstöhnen brach er zusammen, ohne seinen letzten Streich vollbracht zu haben.

Amrûn war seinem Retter unheimlich dankbar, doch er hatte keine Zeit ihn zu suchen. Der Elb versuchte seine letzten Ansammlungen von Kraft zu vereinen um wieder auf die Beine zu kommen. Er beobachtete, wie Celebithiel eifrig gegen den Numenorer kämpfte. Doch auch sie war geschwächt und jetzt, im Kampf, sah man es auch. Ihre Arme wirkten kraftlos und ihr Blick schien leer zu sein.

Gandalf wurde bereits auf die Stufen gedrängt die hinauf führten. Auch er wich nur noch den Messern seines Feindes aus und versuchte wenn möglich zu kontern. Glamdring glühte richtig im Eifer dieses Gefechts, ganz im Gegensatz zu jenem der es führte. In den letzten Monaten waren den Drei soviele Wunden zugefügt worden. Manche sah man mit freiem Auge und manche konnte man nicht erblicken, denn sie saßen tief in ihrem Inneren. Sie erstickten den Mut und ihre Kraft im Keim und ließen jedes Fünkchen Hoffnung noch unbedeutender erscheinen. Als ihm dies in den Sinn kam, wusste der Elb, dass die Zeit der Kämpfe für Mithrandir, Celebithiel und ihn vorbei waren. Zumindest für die nächste Zeit. Selbst die stärksten Krieger konnten nicht ewig Krieg führen.
Celeborn und Galadriel haben ihre Schwäche erkannt und mussten einen Weg finden diese zu kurieren.

In jenem Augenblick sehnte sich Amrûn nach dieser Zeit und er wusste, was zu tun war um sie zu erreichen. Mit einem Ruck stand er auf und lief zu Celebithiel. Er wollte nur noch die Schlacht um Isengard überstehen, um in vertrauten Gefilden seine Ruhe zu finden. Gemeinsam stellten sie sich dem stärkeren Gegner entgegen. So hatten sie die besten Chancen auf einen Sieg.
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Re: Orthanc
« Antwort #7 am: 8. Dez 2009, 15:55 »
Arafaron duckte sich neben den Geheimgang, den Rücken zur Wand. Vor einigen Minuten war Kampflärm von unten ertönt. Er hatte einen Moment lang überlegt, sich ihnen anzuschließen. Doch er hatte den Gedanken wieder verworfen. Wenn er schon hier war, dann würde wenigstens er dem Mund töten.
Seine Hand fuhr über die Tür des Geheimgangs. Da, eine kleine Fuge zwischen den Steinen. Er drückte darauf. Schwarz lag der dahinter liegende Gang vor ihm. Er griff sich einer Fackel von der Wand und trat in die Dunkelheit, die Tür hinter sich schließend. Der Waldläufer kroch einige Meter bergan, auf die andere Seite des Ganges. Er tastete die Wand vor ihm ab. Da, eine Einkerbung. Wie geschaffen, sie zu greifen. Lautlos zog er die Tür auf. Lichtflutete den Tunnel. Vor ihm standen zwei Orkbogenschützen neben einem Fenster und feuerten auf die Soldaten unter ihnen. Links war eine Tür mit einem dicken Balken verkeilt. Rechts führte ein Gang in einen Raum. Dort musste laut seiner Karte der Mund sein.
Arafaron erhob sich leise. Er schlich an die Orkbogenschützen heran, das Messer in der linken und sein Schwert in der rechten Hand. Die Schwierigkeit war, beide sofort zu töten, ohne dass einer schreien konnte. Schwer, aber schaffbar. Er stellte sich hinter sie. Beide zielten gerade auf die Soldaten unter ihnen. Hm, wie konnte er sein Ziel am besten bewerkstelligen? Am besten wäre ein Stich direkt durch das Kinn zum Gehirn. Aber dafür musste er sie von vorne sehen.
Er quietschte absichtlich leise mit seinen Stiefeln. Die Orkbogenschützen fuhren herum und blickten ihm überrascht bis entsetzt entgegen.
"Buh."
Die beiden Orks stürzten den Orthanc hinunter. Arafaron blickte auf die Tür zu.
"So, jetzt zu uns."
Er schlich auf die Tür zu. Ein kleiner Raum ohne weiteren Eingang. Der Mund stand auf dem Balkon, hatte die Arme erhoben und brüllte Worte in der schwarzen Sprache hinunter. Sie klangen aggressiv. Offenbar waren die Mächte des Guten dem Sieg sehr nahe. Der Mund war gut mit einem Stich zu töten. Direkt ins Genick. Aber das hätte Arafarons Wut nicht zum Ausdruck gebracht. Es war einfach unbefriedigend. Ein offener Zweikampf hingegen würde ihn vermutlich töten. Also entschied er sich für die mittlere Variante: Einen Sprung mit einem Schlag ins Genick. Der Waldläufer trat drei Meter hinter den Mund. Er nahm Anlauf, hob sein Schwert, sprang.
In diesem Moment senkte der Mund blitzartig seine Hände und drehte sich zur Seite. Arafaron krachte gegen das Geländer des Balkons. Er sah haufenweise tote Orks und Rohirrim unter sich. Es sah wirklich gut für seine Verbündeten aus. Der Sieg war beinahe vollzogen.
Eine eisige Hand packte ihn im Genick. Er ließ seinen Dolch und sein Schwert fallen, einer noch kämpfenden Orkarbeitergruppe entgegen. Es erschien ihm das natürlichste auf dieser Welt, seine Waffen fallen zu lassen.
"Sieh mal einer an. Offenbar hat unser kleiner Freiwilliger Revolte im Schilde und Mord im Herzen."
"Dann wusstet ihr es also von dem Tag an, als ich euren Krieger besiegt habe," presste Arafaron hervor.
"Ja. Mein Herr hat die jämmerlichen Länderein unserer minderwertigen Rasse zerstört oder unterworfen. Du bist nicht wie ich. Ich habe mich vor langer Zeit dem angeschlossen, der euch am Ende alle vernichten wird. Du hingegen..."
"Ich bin denen treu geblieben, die ich liebe und die mich lieben."
Das kalte Lachen des Mundes schallte das leiser werdende Schlachtfeld hinab.
"Liebe. Die größte menschliche Schwäche von allen. Deswegen bringt ihr euch gegenseitig um und seid nicht in der Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Warum bist du hier? Warum wolltet ihr mich töten? Liebe?Mitleid?"
Arafaron schwie eine Weile. In irgendeiner Weise hatte der Mund doch recht.
"Glaubst du, du könntet mein denken verstehen, wenn du keine Liebe, kein Mitleid, keine menschlichen Schwächen hättest?"
Die Hand drückte jetzt fester. Es war dem Waldläufer fast unmöglich zu atmen.
"Nein."
Seine Stimme war kaum zu hören.
"Das ist eine weitere menschliche Schwäche. Es gibt Dinge, die sind für euch gegeben. Wenn sie nicht mehr gegeben sind, dann seid ihr überfordert."
Aus irgendeinem Grund konnte Arafaron spüren, wie sich hinter ihm das Gesicht des Mundes zum gehässigsten Lächeln, dass er je gesehen hatte, verzog.
"Die entscheidene Frage ist: Was passiert mit euch, wenn man euch zwingt, diese Schwäche zu ignorieren?"
Nocheinmal zog sich die Hand fester zusammen. Dann hörte er ein kaltes, gehässiges Lachen hinter sich. Das Schlachtfeld verschwamm. Ein Haus erschien. Es brannte. Orks standen davor und lachten. Zwei Menschen lagen dort, ein Mann und eine Frau. Plötzlich wanderte ein Dolch durchs Blickfeld. Er flog auf den Mann zu. Sein Strampeln verebbte.
Er hörte seine kalte Stimme etwas rufen:
"So, jetzt könnt ihr meinen Vater fressen."
Die Orks sahen ihn verdutzt an. Er blickte direkt in ihre Augen.
"Na los, ihr Drecksäge, ladet ihn auf."
"Orks des roten Auges nehmen keine Befehle von Menschen entgegen!"
"Ich bin kein Mensch. Ich war es nie. Und ich werde es auch nie sein. Wollt ihr euch mir widersetzten? Wollt ihr? Habt ihr Orkratten den Mut, mich anzugreifen? Na kommt schon."
Der größte Ork reckte sich leicht und hob einen Fuß. Keine halbe Sekunde später ragte ihm ein Dolch aus der Brust.
"Noch jemand?"
Eine lange Pause folgte. Die Orks duckten sich weg.
"Dann führt eure Befehle aus. Sofort."
Die Orks verschwammen zu einem leeren Thron in einem schwarzen Gewölbe. Er kniete davor.
Wer bist du, Mensch, und was führt dich dazu, deinen eigenen Vater zu töten?
Die Stimme war in seinem Kopf. Sie war allmächtig und grausam zu gleich. Sie fühlte sich wunderbar an.
"Es war die perfekte Möglichkeit, eure Aufmerksamkeit zu erlangen, mein Lord."
Warum hast du das Bedürfniss, in mein Blickeld zu rücken?
"Mein sehnlichstes verlangen, ist es, euch zu dienen. Ihr seid der Herr Mittelerdes."
Sieh an, sieh an. Ein Mensch, der seine eigene Rasse verrät.
"Sie sind nicht meine Rasse. Ich sehe aus wie ein Mensch. Aber in meinem inneren habe ich sie schon immer verachtet. Sie sind schwach."
Wie lautet dein Name, Heerführer des dunklen Turms?
Er erhob sich und blickte dem Thron direkt entgegen. Aufrecht stand er im leeren Raum. Selbst die Türwachen, sonst starke und mutige Uruks, hatten ihn aus Furcht verlassen.
"Mein Name, oh Gebieter, ist bedeutungslos. Er zeugt von einer Vergangenheit, die jetzt nicht mehr ist. Wichtig ist nur, was ich bin. Euer Sprecher. Der Mund des großen Gebieters."
So ist es beschlossen. Und so soll es sein.
Gedanken fluteten sein Herz. Schwarze Gedanken. So wie die Welt sein sollte. Wie Orks plündernd durch die Lande ziehen, wie über jeder einst so stolzen Festung, auf jedem Hügel, auf jedem Dach das rote Auge Mordors weht. Und wie Sauron auf seinem Thron im Herzen des Schwarzen Landes sitzt und über die Welt regiert. Sein Herz pochte. Er hätte die Bilder und Gespräche ertragen. Das Problem waren die Empfindungen, die damit einhergingen.
Freude bei Blutvergießen, Freude bei Dunkelheit. Es war ein nicht zu fassendes Gefühl. Das beste, dass er je gehabt hatte, und das schlechteste, was jemals ein Mensch erdulden musste. Seine Gedanken kreisten. Um den Mund, um die Gefahr, in der er sich befand und um dieses Gefühl. Sie drehten sich. Immer schneller. Der Mund verschwand aus seinem Kopf. Dann die Gefahr. Die Erlebnisse.
Alles, was am Ende übrig blieb, war dieses Gefühl: In Stücke gerissen zu werden.

Es kommt immer darauf an, etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet.


Vexor

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Re: Orthanc
« Antwort #8 am: 9. Dez 2009, 19:28 »
Celebithiel konnte sich kaum noch vor Erschöpfung auf den Beinen halten, als sie die dauernden Hiebe des stärkeren Numenors zu parieren versuchte. Die feinen Stützen die die Last der letzten Wochen und Monate seit der Schlacht um Lorien getragen drohten in diesem Kampf zusammenzubrechen, denn der schwarze Numenorer setzte der Elbe stark zu.
Den anfänglichen Bonus, dass sie schnell genug gewesen war seinen tödlichen Hieben auszuweichen war nun auch verflogen und immer öfters traf sie das blanke Schwert am Körper. Ihr Lederwams war nun schon mit einigen Rissen übersehen, die blutige Stellen preisgaben.
Der Numenorer dominierte den Kampf und diktierte Celebithiel mit seinen Hieben immer wieder aufs Neue den Weg, den sie beschritt um ihm auszuweichen.
Jedoch konnte sie auch erkennen, dass sein Schritt weniger standhaft und seine Kraft, die er aus den muskulösen Oberarmen schöpfte, von minderer Gewalt waren als zu Beginn des Kampfes.
Celebithiel versuchte alle Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen,  da sie es sich nicht leisten konnte nicht bei der Sache zu sein. Ihr Kopf war vollkommen leer und konzentrierte sich nun nur noch auf die Klinge des Gegners und ihre eigene.
Schon bald konnte sie Amrûn aus ihren Augenwinkeln erkennen. Sein Gegner wirkte nun schon deutlich müder als der Ihrige, aber Celebithiel konnte an Amrûns Haltung und seinem schweren Atmen erkennen, dass auch er den Zenit seiner Kraft erreicht hatte. Plötzlich spürte sie das harte und kalte Metall an ihren Rücken und sie spürte nun jede Atemregung Amrûns, selbst im Eifer des Gefechts.
Für einen Moment schien es ruhig zu sein und plötzlich verspürte Celebithiel neue Kraft und es kam ihr so vor als würde sie mit ihrem Freund nun ihre Gedanken und auch ihre Kraft teilen. Beide ergänzten sie sich und hielten die beiden Numenorer weitgehend in Schach. Das innere Band zwischen den beiden verlieh Celebithiel so viel Kraft, dass es ihr möglich war ihren Gegner zu entwaffnen ihm mit einem Hieb ihrer elbischen Klinge zu bezwingen. So löste sie sich sofort von Amrûns Rücken und beide gingen sie gegen den verbleibenden Numenor vor und es war nur eine Frage von Minuten bis der Mann den beiden Elben unterlag und stark blutend aus der Halle floh.

Celebithiel musste die Tränen der Erleichterung zurückhalten, die sich in ihr aufstauten als sie sah, dass dieser Kampf nun überwunden war. Sie lehnte sich an Amrûns Schulter und seufzte tief und schloss die Augen, um den Kampf auf sich wirken zu lassen.
„ Celebithiel, wo ist Gandalf?!“, durchschnitt Amrûns ernste Stimme die innere Ruhe Celebithiels und erst jetzt merkte sie, dass Gandalfs Gegner bereits besiegt auf der Treppe lag, die in die oberen Räume des Orthancs führte.
In diesem Moment überschlugen sich die Ereignisse. Die Tür flog auf und eine Traube von Orks,  Uruk-Hai, Dunländern und Rohirrim wurde in die Halle geschwemmt, darunter konnte Celebithiel auch das kühle Gesicht Eowyns ausmachen.

In einem Zustand der Trance löste sie sich von Amrûn und kämpfte sich den Weg zur Treppe frei, während sie die mahnenden und auffordernden Rufe Amrûns ignorierte.
„ Celebithiel! Celebithiel er wollte das nicht!“ vernahm sie eine laute Stimme, aber es war ihm nicht möglich ihr zu folgen, da die Masse an kämpfenden ihm den Weg zur Treppe abschnitt.

Es tut mir Gandalf auch wenn ich es dir versprochen habe. Wir werden zusammen den Mund bezwingen und die rächen, die ich geliebt habe!.


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Re: Orthanc
« Antwort #9 am: 10. Dez 2009, 19:30 »
„Celebithiel“ schrie Amrûn verzweifelt und versuchte den Lärm der hereinstürmenden Soldaten zu übertönen.
Ängstlich flohen die letzten Feinde in die Verliese des Orthancs um dort in der Versenkung zu verschwinden. Einige der Rohirrim jagten hinter her, vermutlich ohne großen Erfolg zu haben.

Amrûn fasste sich ein Herz und alle Kraft die er noch aufbringen konnte und bahnte sich seinen Weg zur Treppe. Doch seine Gliedmaßen waren schwer und sein Körper erschöpft. Er stolperte über seine eigenen Füße und fiel Kopf voraus auf den kalten, schwarzen Fußboden.

Er erwachte in einem großen Raum, umgeben von Dunkelheit. Vor ihm lag eine große Tür von schwarz-roten Samtvorhängen umrahmt. Langsam ging er darauf zu. Sein Kopf tat unheimlich weh und er konnte seine Gedanken kaum Ordnen, doch dann erkannte er den Ausblick; vor ihm lag majestätisch das Weiße Gebirge und die Pforte von Rohan, Amrûn stand auf dem Balkon des Orthanc.
Die Welt war kaum wiederzuerkennen, die grünen Hügel der Mark waren aschengrau geworden, der Schnee von den Berggipfel war verschwunden. Der Nebel in der Luft wurde durch schwarze Rauchfetzen verdrängt. Unter sich hörte er tausende, brüllende Stimmen.
„Ah, du bist wach“, sagte eine dumpfe, skrupellose Stimme aus dem Hintergrund.
„Fühlst du dich wohl?“, fragte sie höhnisch.
Amrûn schüttelte entsetzt den Kopf.
„Was suchst du dann noch hier? Schert euch fort, ehe ihr ihr alle sterben werdet.“
Der Geist des Elben war schwach und so bediente sich der dunkle Herrscher seinen Gedanken und seinem Geist.
Amrûn sah viele seiner Freunde vor sich:
Cirdan, Galdor, Elrond wie sie von Orks getötet wurden... es war unerträglich für den Elben.
Er sah Lothlorien vor sich, brennend und verkommen. Galadriel und Celeborn standen in den Flammen wohl behütet von der Macht Nenyas. Saurons Macht war trotzdem stärker, die Flammen färbten sich schwarz und die Herren des goldenen Waldes wurden vom Feuer verschlungen. Es wurde noch unerträglicher für den Elben, er wollte laut aufschreien um seiner Wut freien Lauf zu lassen.

Er drehte sich zügig um und da lagen sie, Celebithiel und Gandalf, seine treusten Freunde umhüllt vom flammenden Auge Saurons. Sie waren tot. Auf ihren Gesichtern sah man das Leid, dass sie kurz zuvor erlitten hatten. Amrûn lief zu ihnen und beugte sich über ihre leblosen Körper. Er fing an zu weinen und zu gleichzeitig zu schreien. „So wird es Enden, für dich, dein Volk und für deine Freunde! Sei dir dessen bewusst. Keine Macht ist mir gewachsen, Mittelerde ist mein...“

Zitternd lehnte der Elb über der Toten, er schloss die offenen Augen von Celebithiel und sah sie an. Langsam beugte er sich zu ihrem Gesicht und küsste sie zärtlich auf die Stirn. „Warum bist du gegangen?“

„Amrûn, Amrûn!“ sagte eine Frau „Wacht auf.“
Das schreckliche Bild verblasste vor ihm und er vernahm das elfenbeinfarbene Gesicht von Eowyn vor sich. Tränen liefen ihre Wangen hinunter, als sie den Elben fest in ihren erschöpften Armen hielt. Amrûn wusste nicht ob es Tränen der Trauer oder der Freude über den Sieg waren, aber sie schmerzten ihn, vor allem nach diesem Traum.

Celebithiel... Schoss es ihm durch den Kopf. „Wo ist sie, wo ist Celebithiel und wo ist Gandalf?“, fragte er ängstlich.
Ein weiteres Mal nahm ihn Eowyn fest in den Arm und flüsterte ihm ins Ohr: „Wir können nichts tun, der Weg nach oben ist versperrt...“
Der Elb wollte sich losreißen, doch die Herrin ließ ihn nicht. Sie wiederholte nur: „Er ist versperrt.“
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Re: Orthanc
« Antwort #10 am: 13. Dez 2009, 18:42 »
Wie Paukenschläge klangen die Schritte Celebithiels, wie Paukenschläge, die ihren letzten Weg begleiteten, der ihr Absolution bringen würde. Sie vernahm nichts bis auf diese Töne, die sich dröhnend Zugang in ihren Kopf bahnten.
Die Fackeln an den Wänden flackerten in bedrohlicher Stille, wie einsame Hände, die Celebithiel zum Abschied winkten, in dunkler Vorahnung des Grauens, welches sie erwarten würde.
Die verzierten Wände und Edelsteine an ihnen, erleuchtet durch das düstere Licht, hafteten wie Augen an ihr und bohrten sich in ihre Gedanken und durchzogen sie mit Linien grausamer Schärfe.

Immer weiter schritt Celebithiel den Gang entlang, vorbei an der sich monoton und eintönig wiederholenden Abfolge von Händen und Augen, begleitet von den dominanten Paukenschlägen.
Ihr Blick war stur gerade ausgerichtet und sie ignorierte jede Abzweigung und Tür, die sich ihr bot, als würde sie von einer Kraft geleitet werden, die ihr den Weg aufzeigte, der sie zu ihrem Ziel führen würde.
Plötzlich hielt sie an einer Stelle an und blickte irritiert das Bild einer Frau an. Sie wirkte müde und kraftvoll, hässlich und wunderschön, plump und graziös zugleich. Das Haar hing freudlos und schlaff an den Seiten herunter. Eine Narbe zierte ihre linke Wangenhälfte und tiefe schwarze Schatten, die der dunkle Herrscher persönlich ausgesandt hatte, legten sich unter ihre ozeanblauen Augen. Das porzellangleiche Gesicht war überzogen mit Dreck und Blut, als hätte sie eine lange, verlustreiche Schlacht geführt. Die Lippen einst blutrot beherbergten nun tiefe Risse, schluchtengleich, und waren mit einem matten Grauton bedeckt. Plötzlich fasste sich die Frau an die Lippe und Celebithiel wich zurück, bis sie merkte, dass sie sich selbst betrachtet hatte. Einen Moment verharrte sie in schockierter Fassungslosigkeit und ergriff ihr Schwert. In einem wütenden Schrei, der von einem herzzerreißenden Schluchzen erstickt wurde, nahm sie den Knauf ihres Schwertes und schlug damit auf das Bild der Frau ein. Tausend gläserner Scherben regneten auf die am Boden kauernde und schluchzende Celebithiel nieder. Hunderte kleine Schnitte zierten nun ihren Körper, wo das Lederwams ihre Haut nicht vor dem gläsernen Schauer schützen konnte.
Sie ignorierte die Schmerzen und erneut beflügelt von der Kraft nahm sie ihren Weg wieder auf und kam zu einer großen Tür, vor der sie instinktiv stehen blieb. Sie war aus demselben Gestein, wie der gesamte Orthanc errichtet und die zwei gewaltigen Türflügel schienen verschlossen zu sein. Sie wischte die letzten Tränen von ihrem Gesicht und mit zitternder Hand ergriff sie fest den Türgriff und mit all ihrer Kraft öffnete sie die schweren Steintüren, die unter großem Jauchzen schlussendlich nachgaben.
Ihre Augen musterten den dunklen Raum blitzartig und im ersten Moment verstand sie die Szenerie nicht, denn der Mund saß auf den pechschwarzen Thron und vor ihm kniete eine weiße und wimmernde Gestalt.
Jedoch wandelte sich das Schauspiel in Sekundenschnelle, denn die in weiß gekleidete Person wurde nach einer Handbewegung des Mundes durch den halben Raum gefegt und knallte Hart an eine der stützenden Säulen. Erst jetzt realisierte Celebithiel, dass es Gandalf war, der am Kopf stark blutend regungslos am Boden liegen blieb.
„ NEIN!“, entfuhr es Celebithiel ließ ihr Schwert fallen und rannte zu Mithrandir, stolperte und fiel neben ihm zu Boden. Sie nahm seine eiskalte Hand und versuchte einen Herzschlag Gandalfs zu vernehmen, aber das einzige was sie hörte was das Pochen ihres eigenen Herzens.
Sie ließ ihren Kopf auf seine Brust sinken, während sei bitterlich schrie. „NEIN!, NEIN!, Wieso?, Wieso Mithrandir“! Celebithiel schlug mit der Faust gegen die Säule, an der die beiden lagen, solange bis ihre Knöchel schmerzten und sie kein Gefühl mehr in der linken Faust hatte.
Wie ein giftiges Messer durchschnitt die Stimme des Mundes die Luft in dem Raum und ließ Celebithiel einen Schauer über den Rücken laufen.
„ Seid gegrüßt Celebithiel, silbergekrönte Elbenmaid, Ziehtochter der weinerlichen Celebrian, Enkelin der Hexe des Waldes und Hoffnungsträger eines alten Narrens, der sich immer noch gegen den dunklen Gebieter behaupten wollte. Aber seht was hat es ihm gebracht? Nun liegt er dort, nur noch ein Schatten seiner selbst, ein Häufchen Elend, ein einfältiger dummer Narr!
Aber genug von mir, nun zu euch, ihr wunderschöne Elbenmaid. Ihr kniet nun neben ihm, in barmherziger Trauer versunken, bemitleidet ihr den Tod dieses alten Mannes und empfindet nicht mal Wut. Auf welche Mission entsandte er euch im Fangorn Wald? Eine Mission des Todes der durch meine Hand vollstreckt wird.“
Ein höhnisches Lachen war zu hören, bevor der Mund sich auf seine eine Hand abstütze und Celebithiel mit verachtender Mine von seinem Thron aus betrachtete.
Jene hatte während des gesamten Monologes den Mund nicht angeschaut und nun wandte sie ihr Gesicht zu ihm herüber. Ihre Augen waren vor Tränen rotgefärbt und verquollen, aber in ihren Augen flackerte der pure Hass.
„ Oh nein meine Dame. Dies ist kein Auftreten, das sich einer Maid von solch hohem Stand ziemt. Lasst mich eure Tränen trocknen.“
Die schweren Stiefel aus Metall schlugen dumpf auf den Boden auf, während der Mund in gebückter Pose und schwer atmend zu Celebithiel herüber schritt. Auch er war vom Kampf mit Gandalf stark geschwächt worden, was er durch seine höhnische Art zu übertrumpfen versuchte.
Unsanft griff er ihr ans Kinn und drehte ihr Gesicht zu ihm und seine widerwertige Finger wischten Celebithiel die Tränen vom Gesicht.
Wie ätzende Säuren brannte Celebithiel die Berührung auf der Haut, aber sie vermochte sich nicht zu rühren und umklammerte immer noch die eiskalte Hand Gandalfs.
Der Mund, süffisant grinsend, schritt in gemächlicher Ruhe wieder zurück zu einem Thron und ließ sich auf jenen niedersinken.
„ So Celebithiel was wollt ihr nun hier? Kamet ihr hier her, um mich Schweigen zu strafen. Gibt es nichts was ihr mir zu sagen habt?“, sprach der Mund mit sichtlich gelangweiltem Tonfall.
Es herrschte Stille und Celebithiel verharrte in Schweigen, während sie langsam anfing sich aus ihrer innerlichen Starre zu lösen. Die Wut und der Hass übernahm immer mehr die Oberhand und die Hitze, die daraus entstand, ließ die eisige Lähmung dahin schmelzen.
„ I-i-ich will wi-wis-wissen wie ihr es geschafft habt Gandalf zu...zu –„, gab sie schwächlich und leise wider.“ Ihr meint zu töten?!“, und der Mund schmetterte ihr die Worte kalt und gefühlslos entgegen.
Celebithiel konnte sich nicht mehr erinnern, wie sie es geschafft hatte aufzustehen und Glamdring in die Hand zu nehmen. Jedoch erinnerte sie sich an den Moment, wo sie mit einem grölenden Kampfschrei auf ihren personifizierten Hass zu rannte. Jedoch parierte der Mund fast mühelos und schlug ihr das Schwert aus der Hand, welches klirrend zu Boden ging.
Er schlug ihr ins Gesicht, was Celebithiel auf den Boden beförderte.
„ Glaubt ihr wirklich ihr könnt Gandalfs missglückten Versuch zu Ende bringen. Eine einfache Elbe, eine Frau, soll das zu Ende bringen, was einem Maia nicht gelungen ist? Bis hierhin hielt ich euch nur für schwach, aber nun offenbart ihr mir noch eure einfältige Seite“, züngelte der Mund mit süffisanter Stimme und trat Celebithiel mit seinem eisernen Schuhe in die Seite.
„ Ihr wärt so ein schönes Geschöpf zum foltern, obwohl es mir um eure Schönheit direkt schade wäre. Der alte Mann ist verwirkt, aber euren Willen kann ich brechen und euch gefügig machen. Schon lange sehne ich mich nach einem Weib an meiner Seite. Eurer Wille ist schwach und wandelbar, wenn ich sehe, wie leicht Gandalf euch für sein Vorhaben gewinnen konnte. Ihr Elben mit euren fast fanatischen Drang die Schönheit der Schöpfung zu bewahren. Nicht umsonst werdet ihr bald ausgerottet sein. Die goldenen Wälder Loriens werden brennen, die Hallen Thranduils werden von Orks eingenommen werden und das verpestete Wasser der Bruinen wird die Überreste Imladris wegspülen!“
Der Mund packte die so gut wie besinnungslose Celebithiel und schleifte sie an den Haaren durch den gesamten Raum.

Stunden mussten vergangen sein in denen der Mund versuchte Celebithiel zu bearbeiten. Immer wieder lockte er sie mit seiner Stimme und mit Nutzen schwarzer Magie in die dunkelsten Orte ihrer Gedanken. Nutze ihre Schwächen und Sehnsüchte um sie zu brechen. Während der langen Folterung erzählte er Celebithiel viele Dinge, teils aus Unvorsichtigkeit, teils um Anerkennung zu ernten für seine Raffinesse. So offenbarte er ihr, dass er die Schritte Gandalfs verfolgt hatte, seitdem er Lorien verlassen hatte. Er schilderte ihr im Detail, wie er den Auftrag erhalten hatte Elladan und Elrohir zu foltern und wie er dabei vorgegangen war. Er kostete seinen Triumph über den weißen Zauberer auf und schilderte, wie er den, durch den mentalen Kampf mit den Hexenkönig, immer noch geschwächten weißen Zauberer überwältigt und ihm etwas von der Macht Saurons demonstriert hatte.
Jedoch ließ sich Celebithiel nicht beirren und um sich vor den Gedanken des Mundes zu schützen hatte sie sich entfernt in ihrer Gedankenwelt zurückgezogen und eine Mauer aufgebaut. Dort stand sie nun umringt von allen, die sie liebten. Gandalf, Galadriel, Celeborn, Elladan, Elrohir, Amrûn, Nîdanadh, Jutan, Antien, ihre Mutter und ihr Vater. Sie alle standen da, lächelten ihr zu und blockten die Gedanken des Mundes ab.
Allerdings durchschaute der Mund bald ihren Plan und nach und nach nahm er die schützenden Menschen weg. So folterte er die Zwillinge erneut, ließ Nîdanadh und Jutan  vom Felsen töten, Galadriel ,Celeborn und ihre Mutter verschwanden in Flammen und Gandalf, Amrûn und Antien streckte der Mund selbst mit seiner rostigen Klinge nieder.
Nur ihr Vater blieb bis zum Schluss, aber wurde bald von einer Frau attackiert. Derselben Frau, die sie vorher auf dem Bild gesehen hatte. Sie selbst richtete ihren Vater hin.
Nun war niemand mehr da, der Celebithiel beschützte und so näherte sich die widerliche Fratze des Mundes und sein Körper umschlang den Ihrigen. Sein Mund presste sich auf den Ihrigen und mit einem gezückten Dolch durschnitt er ihren Lederwams und er drang in sie ein. Schändete sie, schlug sie, erstickte ihre Schreie mit seiner ätzenden Hand.


Gehüllt in ein schwarzes Kleid stand sie nun neben dem Mund auf den Balkon und blickte auf das Schlachtfeld unter ihr. Die Dämmerung tauchte das Schlachtfeld in schummriges Licht und Celebithiel erkannte, dass die Truppen Rohans geschwächt waren, denn immer mehr Soldaten des Mundes kamen aus den unterirdischen Verließen herausgeströmt. Nun auch Orks, die das zuvor Tageslicht gemieden hatten.
Ein grauer Schleier lag auf Celebithiels Augen und ihre Gedanken waren leer. Ihre Gesten waren bedeutungslos und wie eine Marionette des Mundes stand sie neben ihn.
Wutentbrannt über die Situation auf dem Schlachtfeld rannte der Mund wieder hinein. Er tobte raste vor Zorn und schmetterte Phrasen in der schwarzen Sprache hinab. Offenbar Flüche, die sich gegen die Angreifer richteten.
Stumm und ohne einen Gesichtsausdruck folgte Celebithiel dem Mund. Sie stieg über den Leichnam des weißen Zauberers und hielt inne. Etwas funkelte an seinen Finger und Celebithiel erkannte einen feuerroten Rubin, der in einen Ring eingefasst war und Gandalfs Zeigefinger zierte. Plötzlich löste sich der Schleier von Celebithiel und die Gedanken kehrten in ihren Kopf zurück.
Sofort ergriff sie Glamdring, der dicht neben dem regungslosen Körper Gandalfs lag und wandelte mit müden Schritt, da der Schmerz ebenfalls zurückkehrt war, hin zu dem vor Wut tobenden Mund. Jener stand mit dem Rücken zu ihr. Sie hob das silberne Schwert über ihren Kopf und holte zu einem Schlag aus, der dem Mund ein Ende bereiten würde.
Das Schwert, geführt von Celebithiels Hand, sauste auf den Kopf des Mundes herunter. Jener drehte sich im selben Moment um und so traf sie nur die Schulter des Mundes.
Der Mund schrie vor Zorn auf,“ Ich wusste es. Du dreckiges Elbenweib bist nicht so leicht zu brechen. Nunja schade, um solch eine schöne Seele wie dich, aber dann bereite ich dir jetzt ein Ende und statuier an dir ein Exempel!“
Blitzschnell war er bei Celebithiel, die völlig verdutzt ob ihres missglückten Mordversuches da stand, und schlug sie mit einem Hieb in die Magengegend zu Boden. Celebithiel spuckte Blut und merkte, wie der Mund sie erneut zum Balkon schleifte. Er packte sie am Schopf und zog sie zu sich hoch.
„ Celebithiel nun ist die Zeit geko –„
Ihre Stirn donnerte auf seinen Mund nieder und sie merkte wie ein paar der gelben Zähne nachgaben. Sie löste sich aus dem Griff des Mundes und wollte zurück zu Gandalf rennen, der jedoch nicht mehr da war. Verwirrt blickte sie sich um und sah ihr Schwert, welches immer noch am Eingang lag, wo sie es hatte fallen lassen. Sie hörte das Fluchen des Mundes und hatte vor sich ihn jetzt komme was wolle entgegen zu stellen. Sie nahm ihr Schwert und rannte mit einem zornigen Schrei auf den Mund los, der bereits da stand, in seiner rechten Hand den rostigen Zweihänder schwingend, bereit ihren Angriff zu parieren.
Plötzlich erstrahlte ein weißer Lichtstrahl und Celebithiel nutzte den Moment der Überraschung und hackte mit einem Hieb die Hand des Mundes ab. Sie rammte mit Einsatz ihres vollen Körpergewichtes den Körper des Mundes wieder auf den Balkon und ergötzte sich an den schmerzverzerrten Gesichtsausdruck des Mundes.
„ Ich frage mich, ob sich meine Brüder auch so gefühlt haben müssen.“, und rammte den Mund ihre Klinge in den Rachen.
Jedoch entlud sich erst jetzt die aufgestaute Wut Celebithiels und sie schlug immer weiter auf den Mund ein, der langsam in sich zusammenknickte. Mit einem letzten Kraftaufwand stieß sie den Körper des Mundes vom Balkon.
Sie hörte nicht, wie der Mund am Boden aufschlug und vermochte auch nicht nach unten zu sehen. Sie ließ ihr Schwert fallen und versuchte einen Schritt nach vorne zu machen, aber brach zusammen Jedoch fiel sie nicht auf den harten Boden, sondern wurde von zwei Armen aufgefangen.  Das letzte was sie sah, bevor sie ohnmächtig wurde, waren zwei trübe, himmelblaue Augen.


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Zelte außerhalb der Mauern
« Antwort #11 am: 15. Dez 2009, 19:32 »
Amrûn saß weinend am Boden, sein Kopf war sanft auf die Schultern von Éowyn gebettet und sie waren umgeben von jubelnden Soldaten. Die Schlacht war also endlich geschlagen und selbst die letzten Uruks die aus den Löchern gekrochen kamen sind nun erledigt.
Doch von der oberen Etage war nichts zu hören, kein Schrei, kein Wimmern, kein Grollen.

Was ist nur los dort oben? Hat Gandalf den Mund getötet, ist seine Herrschaft vorbei? Warum können wir nicht hinauf? Wenn die schwere Türe nicht blockiert wäre, könnte ich den beiden Helfen.

Der Elb war in seine Gedanken vertieft, bis zu jenem Moment als eine große Erleichterung ihn übermannte. Es schien so als ob eine Last von seinen Schultern genommen wurde, aber wie? Verwirrt blickte er in die Menge und erkannte, dass es den anderen genauso erging.
Die dichte Decke aus Dunkelheit, welche die letzten Jahre über Isengart und Rohan lag, war nicht mehr. Sie schmolz wie der Schnee unter der ersten Frühlingssonne.

Draußen war ein tosendes Kriegs- und Jubelgeschrei zu hören. „Der Mund Saurons ist gefallen!“ hörte man die vielen Stimmen durch den Raum hallen. Ehe es Amrûn und Eowyn überhaupt realisierten, waren sie schon auf dem Weg nach oben. Sie hasteten die Treppe hinauf, entlang des dunklen Flures. Von Angst getrieben stemmte Amrûn sich mit der Schulter gegen das schwere Tor.

Mitten im Raum kniete Gandalf, Celebithiel in den Armen haltend.
„Mithrandir“ presste es aus Amrûn heraus.
Der Elb kniete sich zu den beiden: „Was ist geschehen, was ist mit ihr passiert?“
Der Zauberer saß nur schweigend da und starrte in die Leere.
„Gandalf“, sagte Amrûn etwas lauter und bestimmter.
Wie aus seinem Traum gerissen, zuckte er kurz zusammen und blickte dann den Elben an. Seine Augen waren matt und leer. Die Pupillen winzig klein.
„Amrûn, ich wollte nicht das dies passiert!“, sagte er.
„Ich auch nicht“, antwortete der Elb und blickte ihr ins Gesicht.
„Meine Macht hat versagt, zu viel hat mich der Kampf mit dem Hexenkönig gekostet, zu viel die Schlacht um Edoras und am meisten das stetige Ringen gegen Sauron.“
„Gandalf, es gibt keinen auf dieser Welt, der tapferer und stärker ist als du. Du bist die treibende Kraft, welche Menschen, Elben und Zwerge erst ermutigt gegen die Dunkelheit zu kämpfen.“
„Und genau das bereitet mir sorgen...“ Der Zauberer hielt einen Moment inne, er verfiel scheinbar wieder seinem Traum.
„Mithrandir...“
Ein weiteres Mal zuckte er zusammen.
„Kannst du mir Celebithiel abnehmen?“
Ohne zu antworten, holte Amrûn ein Kissen von dem Thron und legte es sanft unter Celebithiels Kopf.
„Ein weiter Weg liegt nun vor mir. Eine Reise bei der du mich nicht begleiten kannst", erzählte Gandalf.
Amrûn schaute den Zauberer verwirrt an, die Angst in ihm wuchs.
„Aber keine Sorge, du und Celebithiel ihr habt euren eigenen Weg, der euch bereits zu Füßen gelegt wurde, ihr müsst ihn nur noch beschreiten. Gemeinsam wird es ein leichtes für euch.“
Dies verwirrte den Elben noch mehr als vorhin: „Was sollen wir tun?“

Der Zauberer verfiel wieder seinem Traum und starrte an die blanke Mauer.
„Gandalf...“ schrie er nun schon leicht gereizt.
„Mein lieber Freund, ich habe eine große Bitte an dich. Pass gut auf Celebithiel auf. Was heute passiert ist, wird sie ihr Leben lang verfolgen, deshalb habe ich dieses Geschenk an sie. Es wird ihr helfen den Schmerz zu überwinden, das Leben zu genießen und neuen Mut zu fassen.“

Plötzlich verstummte er, seine Augen wanderten wieder die Mauer entlang und die Trance hielt ihn gefangen.
„Mithrandir?“, fragte Amrûn.
„Lass sie nicht im Stich, niemals. Ohne dich ist sie nichts weiter als hilflos.“
Er übergab dem Elben einen kleinen weißen Seidenbeutel und wie er das Geschenk los ließ sank sein Körper zu Boden.

„Mithrandir!“ schrie Amrûn verzweifelt „Mithrandir... Éowyn, helft ihm!“


Amrûn, Celebithiel, Gandalf und Éowyn zu den Zelten außerhalb der Mauer
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 13:59 von Fine »
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Re: Orthanc
« Antwort #12 am: 19. Dez 2009, 22:32 »
Arafaron lag auf dem kalten, schwarzen Boden des Orthancs. Über ihm glitzerten die Sterne. Sterne. Symbole für Freiheit. Ja, er war nun frei. Heraus aus den dunklen Höhlen, die nun tief unter ihm lagen. Erst hier oben merkte er, wie sehr ihm die frische Luft gefehlt hatte. Eigentlich sehr untypisch für ihn. Normalerweise merkte er erst, dass ihm etwas wichtig war, wenn er es nicht mehr hatte.
Wie war er eigentlich hierhergekommen? Er konnte sich nicht erinnern. Was war seine letzte Erinnerung? Er wusste es nicht mehr. Wenn er ein Eriegniss in Gedanken zu fassen versuchte, verfloss es und verschwamm mit dem grauen Nebel, der seine Gedanken füllte.  Er betastete den Boden neben ihm. Kalt und glatt. Er drehte seinen Kopf leicht nach links. Eine Spitze tauchte am Rand seines Blickfeldes auf. Dann der Rand des Turmes. Wie es dort unten wohl aussah? Er stemmte seine Hände auf den Boden und stand auf. Das Gleichgewicht suchend wankte der Waldäufer Richtung Abgrund. Er hielt sich an der Spitze fest und blickte hinab.
Dort unten loderte Feuer. Es war kein natürliches Feuer, wie man es von Kochstellen oder von Bränden kennt. Diese Flammen hatten etwas magisches. Verderbtes. Sie anzusehen, weckte eine Erinnerung in ihm. Ein Gedankenfetzen stach aus dem Nebel hervor. Ein leerer Thron in einem schwarzen Raum. Urplötzlich kehrten seine Erinnerungen zurück. Der Mund. Seine Eltern. Saurons Stimme. Er schrie auf.
Dieses unbeschreibliche Gefühl. Es war unerträglich. Er sank auf die Knie und faltete die Hände. Er betete zu allen Valar und zu Eru höchstpersönlich. Doch es war vergeblich. Die Kraft verließ ihn. Er kippte dem Abgrund, den Flammen entgegen.
Plötzlich saß er an einem großen, runden Tisch. Er war offensichtlich für eine Verhandlung oder eine Besprechung gedacht. Auf dem Tisch lag eine Karte. Arafaron sah sie an. Es war die Karte, die ihn durch den Orthanc geführt hatte. Ansonsten war die Marmorplatte leer. Er blickte die Stühle entlang. Alle waren leer. Er blickte wieder auf die Karte. Merkwürdig. Hatte sie gerade nicht anders ausgesehen?
Etwas krachte auf die Marmorplatte. Der Waldläufer zuckte zusammen. Am anderen Ende des Tisches, ihm gegenüber, saß... er. Obwohl. Nein. Er hatte einen längeren Bart. Und seine Haare sahen noch ungepflegter und verfilzter aus als die des Waldläufers.
"Moin, Kumpel. Du siehst ja aus wie ich. Wobei, nich' ganz. Du bist so'n bischen heller als ich. Warst wohl lange nicht mehr an der sonne, ne?"
Arafaron starte ihn einfach nur an. Er war nicht in der Lage, auch nur einen Gedanken zu fassen.
"Sprachlos? Nu ja, kann ich verstehen. Uns're Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend..."
Eine Minute verstrich. Dann fuhr sein Gegenüber fort:
"Mein Name is' übrigens Barion. Ich komme aus dem Norden. Leb' dort in nem kleinen Dorf. Bin Holzfäller und wenn nötig auch Axtkämpfer."
Arafarons Gedanken begannen sich zu sammeln.
"Mein... Mein Name ist Arafaron."

Es kommt immer darauf an, etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet.


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Re: Orthanc
« Antwort #13 am: 26. Dez 2009, 21:18 »
Arafaron lehnte sitzend mit dem Rücken an der Wand des Orthanc. Er blickte auf das Schlachtfeld, durch das offene Tor hinaus. Wie war er hierher gekommen? Er wusste es nicht. Diesmal war es jedoch kein Traum. Es gab nichts, was mit Bestimmtheit drauf hinwies, aber er wusste es einfach. So wie er plötzlich wusste, dass der Mund noch lebte. Doch auf irgendeine Weise wusste er auch, dass er ihn nicht töten könnte. Nein, er nicht. Er hatte versagt. Vollkommen.
Langsam drückte er sich an der Wand hoch. Seine Knie waren schwach. Er brach zusammen und blickte auf sein Spiegelbild auf dem kalten, glatten Boden des Orthanc. Er sah ungepflegt aus. Viel zu langes Haar und sein Bart wucherte vor sich hin. Die Schlacht war gewonnen. Auch das spürte er. Nun stand es ihm wohl zu, sich einmal zu rasieren, nach allem, was er für die freien Völker Mittelerdes getan hatte.
Nein.
Eine kalte Stimme. Es war wie ein Echo. Sie stammte von seinem Hinterkopf und breitete sich langsam aus, in die Stirn, die Brust und den Bauch. Seine Nackenhaare stellten sich auf.
Nein. Ihr habt nichts geleistet. Ihr bildet euch ein, ihr spielt eine Rolle in den Geschehnissen dieser Welt. Dabei seid ihr bedeutungslos.
Arafaron Hand legte sich auf den Fußboden und strich über das glatte Gestein, bis er ein wenig Staub zusammengeschart hatte. Er griff ihn und streute ihn in den schwachen Luftzug, der vom Tor herein wehte.
Bedeutungslos wie dieser Staub. Was wäre mit ihm gewesen, wenn ihr ihn nicht in den Wind gestreut hättet? Hätte er die Welt verändert? Auch nur zu einem bischen?
Diese Stimme. Arafaron hatte sie schon einmal gehört. Vor kurzem erst. Und mit ihr waren keine guten Erinnerungen verbunden.
Was wäre passiert, wenn ihr nicht versucht hättet, diesen Turm zu betreten? Was wäre die Konsequenz für die Welt dort draußen gewesen, wenn ihr nicht versucht hättet, mich zu töten?
Der Waldläufer schrie. Oder er versuchte es. Sein Körper gehorchte ihm nicht mehr. Wie von glühendem Feuer gestärkt, stand er auf. Er blickte den Gang hinunter. Eine Gestalt erschien auf der Treppe, im Sonnenlicht nicht genauer zu erkennen.

Es kommt immer darauf an, etwas zu tun, was der Gegner nicht erwartet.


Thorondor the Eagle

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Re: Orthanc
« Antwort #14 am: 27. Dez 2009, 14:13 »
Amrûn von den Zelten außerhalb der Mauern


Hunderte Gedanken und Erinnerungen schossen Amrûn gleichzeitig durch den Kopf. Einzelen Fetzten seiner Geschichte und jener von Mithrandir. Er hatte momentan kein Ziel vor Augen, er wollte nur sein Kopf frei bekommen, doch dann hörte er diese schrecklichen Worte.

Sie zogen ihn in den Bann, wie es die Worte Curunirs schon immer getan haben. Seine ursprüngliche Macht der Sprache hatte er niemals verloren. Für den Augenblick konnte sich er Elb nicht rühren.
Wie ein dichter Rauch umfingen ihn die herzlosen Worte des Zauberers und trübten sein Gemüt. Er wurde Aufmerksam und glaubte für einen Moment, dass er Saruman auf dem Balkon des Orthancs gesehen hatte. Er ergriff diese Chance und in Windeseile lief er die Treppe zum Haupttor hoch. Stiege für Stiege lief er hinauf mit nur einem Ziel, dem Weißen Zauberer Einhalt zu gebieten. Seinen schmutzigen Worten ein für alle Mal den gar auszumachen.

Plötzlich schoss dem Elben ein Gedanke durch den Kopf: Saruman war weise und mächtig, er würde sich niemals in seine alte Trutzburg zurückziehen, nicht solange tausende Rohirrim sie belagerten. Die Enttäuschung war ihm am Gesicht abzulesen. Er drehte sich um und wollte gerade den schwarzen Felsen wieder verlassen. Er ging den gleichen Weg zurück, allerdings langsamen Schrittes und mit gesengtem Kopf.

Als der Elb auf einmal ein Geräusch vernahm, es war wie ein schmerzerfüllter, beinahe lautloser Aufstöhner.
„Wer ist da?“ fragte er in den scheinbar leeren Raum.
Er bekam keine Antwort. Er konzentrierte sich und vernahm einen weiteren kurzen aber eindeutigen Aufschrei. Er ging langsam durch den Raum und da sah er ihn, einen Menschen.

Er lag in der Ecke zusammengekrümmt. In der Staubschicht auf dem Boden waren deutliche Kratzspuren zu sehen. Sein Haar reichte schon über die Schultern hinab, es war kraus und ungepflegt. Er presste seine Augen zusammen und seine Mundwinkel zogen sich nach unten.

„Wer seid ihr?“ fragte der Elb, doch er bekam keine Antwort.
Er hakte nochmals nach: „Woher kommt ihr?“
Der Fremde knirschte nur laut mit den Zähnen, seine Augen blieben jedoch fest geschlossen.

„Ihr seht aus wie einer der Waldläufer aus dem Norden, doch euer Gesicht ist mir nicht bekannt“, stellte der Elb fest.
« Letzte Änderung: 1. Mär 2016, 14:17 von Fine »
1. Char Elea ist in Bree  -  2. Char Caelîf ist in Palisor