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Autor Thema: Der Fluss Lhûn  (Gelesen 560 mal)

Fine

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Der Fluss Lhûn
« am: 26. Jan 2017, 16:31 »
Mathan, Oronêl, Kerry, Halarîn, Faelivrin, Finelleth, Anastorias, Farelyë, Adrienne, Angatar, Fanael und Aesa aus Forochel


Je weiter sie nach Südwesten kamen desto wärmer wurde es. Zwar war die Luft noch immer kühl, doch die dicken Pelze, die Anglaer ihnen gegeben hatte, wurden ihnen zu warm als sie die Schneegrenze passierten. Die Landschaft wurde hügeliger und bewaldeter. Sie befanden sich nun im wenig erforschten Gebiet zwischen Arthedain und den Ered Luin, noch weit nördlich von Mithlond oder dem Auenland. Die Bäume, die zumeist hoch aufragende Tannen waren, erinnerten Kerry an den Wald, der rings um den Abendrotsee wuchs, und sie erinnerte sich an den Angriff der Dúnedain auf die verborgene Festung am Nordufer. Damals hatte sie noch keine Familie gehabt. Dankbar schaue sie zu Mathan hinüber, der bei Oronêl stand und die Karte studierte. Sie hatten auf einer kleinen Lichtung angehalten, auf der dichtes Moos auf dem Boden und den Felsen wuchs, die überall verstreut lagen. Kerry fand, dass die Luft würzig und nach Kräutern roch. Sie setzte sich neben Adrienne, deren Laune sich seit der Durchquerung Forochels nur wenig gebessert hatte.
"Möchtest du darüber reden?" fragte sie behutsam.
Doch Adrienne schüttelte nur den Kopf. Kerry klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter und ließ die junge Frau wieder in Ruhe.
Inzwischen hatten sich die Elben auf eine Route geeignet. "Sobald wir die Quelle des Lhûn gefunden haben, können wir dem Verlauf des Flusses bis nach Mithlond folgen," sagte Oronêl zuversichtlich. "Zwar ist es noch ein weiter Weg bis dorthin, aber wir hätten immer genug Trinkwasser und würden uns nicht verirren."
"Und vielleicht könnten wir den Fluss später sogar als Transportmittel benutzen, wenn er breit genug geworden ist," überlegte Faelivrin.
"Wir müssten ein Floß bauen, das groß genug für uns alle ist," wendete Mathan ein. "Ich weiß nicht, ob uns die Zeit dafür bleibt."
"Zeit?" wiederholte Finelleth fragend. "Habt ihr es so eilig, nach Mithlond zu kommen?"
"Je eher wir dort sind, desto besser," erklärte Anastorias. "Die Vorhut ist in Sorge um ihre Königin. Wenn sie unruhig werden..."
Faelivrin hob beruhigend die Hände. "Sie haben ihre Anweisungen und werden bei Círdan auf mich warten. Dennoch wäre ich gerne eher früh als spät dort."
"Wir werden sehen, was sich ergibt," beschloss Oronêl. "Zuerst müssen wir den Ursprung des Flusses finden."

Die Suche nach der Quelle des Lhûn dauerte mehrere Stunden. Der Wald war äußerst unwegsam geworden und immer wieder mussten sie Abhänge hinauf- oder hinabklettern, Felsen überwinden und sich ihren Weg durch dichtes Unterholz bahnen. Kerry fühlte sich an den Alten Wald erinnert, auch wenn es dort deutlich wärmer und stickiger gewesen war. Dennoch war die Gruppe großen Anstrengungen ausgesetzt und Kerry musste schließlich die kleine Farelyë an Halarîn weitergeben, da ihre Arme vom ständigen Tragen des Mädchens schwer geworden waren. Auf den Ebenen Angmars und Forochels hatte die kleine Elbin meistens selbstständig laufen können und hatte das Tempo der Gruppe ohne große Probleme mithalten können, doch im schwierigen Gelände des Waldes war sie auf Kerrys Hilfe angewiesen.
Schließlich war es Angatar, einer der Gardisten Faelivrins, der die Quelle entdeckte. Sie war größtenteils unter einer Schicht von Pflanzen verborgen, aber die scharfen Elbenohren fingen schon von Weitem das leise Geräusch des aus dem Felsen hervorsprudelnden Wassers auf und führten die Gruppe in die richtige Richtung. Der kleine Bach, der hier entsprang, war sicherlich nur eine von vielen Zuflüssen, die den Lhûn bildeten und bei Mithlond ins Meer mündeten, doch für ihre Zwecke würde es ausreichen.
"Folgen wir dem Bach," sagte Mathan und ging voraus, vorsichtig den steil abfallenden Abhang hinab steigend. Die Gruppe folgte ihm und Kerry musste sich immer wieder an Ästen und Baumstämmen festhalten, um nicht auf dem feuchten Waldboden auszurutschen. Am Grund des kleinen Tals angekommen war der Bach bereits ein lebhaftes Gewässer geworden, dass glucksend und sprudelnd durch den Waldboden floss und ungefähr einen Meter breit war. Mathan führte sie am Ufer entlang und machte hin und wieder den Weg mit seinen Schwertern frei.

Kerry war auf eine seltsame Art und Weise von dem dichten Wald fasziniert, der sie umgab. Die Geräusche, die die Luft erfüllten, unterschieden sich sehr von der Kulisse, die sich ihnen in der Eiswüste geboten hatte. Ständig waren Vögel zu hören und Kerry sah hin und wieder sogar einige Waldtiere, die die Gruppe neugierig beobachteten. Als sie um eine Biegung des Baches bogen bot sich ihnen ein majestätisches Bild: Weiter unten, wo der Bach eine Lichtung durchströmte, stand ein großer Hirsch am Ufer und blickte sie aufmerksam an. Ehe sie jedoch näher kommen konnten hob das Tier den Kopf und verschwand schnellen Schrittes zwischen den Bäumen.
"Es ist so friedlich hier," sagte Kerry zu Halarîn, die neben ihr herging und Farelyë im Arm trug.
"Ja," bestätigte ihre Mutter. "Auf eine Art und Weise erinnert es mich an die wilden Wälder des Ostens, in denen ich meine Jugend verbrachte."
"Tawaraí," mischte sich Farelyë mit ihrem kindlichen Staunen ein und betrachtete glücklich die Bäume.
"Offenbar fühlt sie sich auch an ihre Heimat erinnert," mutmaßte Halarîn und lächelte.
"Ich kann mir gar nicht richtig vorstellen, wie lange das schon her sein muss. Seitdem ist das Land, in dem Farelyë erwachte, sicherlich ein ganz anderes geworden," sagte Kerry.
Halarîn nickte bestätigend. "Es gibt nur wenige Orte in Mittelerde, die sich seit dem Erwachen der ersten Elben nicht verändert haben."

Schließlich kamen sie an eine Stelle, an der der Bach dem sie folgten mit einem zweiten Bach zusammenfloss und nun bereits drei Meter breit wurde. Die Landschaft flachte zu beiden Seiten etwas ab und die Böschungen an beiden Ufern des kleinen Flusses waren mit jedem Schritt nach Südwesten weniger steil abfallend geworden. Erneut rasteten sie und nahmen ein Mittagessen zu sich, das aus gut haltbaren Vorräten aus Ringechad bestand. Farelyë war entzückt, als Kerry einen Beutel mit ihren geliebten Beeren hervorzog, die sich dank der Kälte in der Eiswüste bisher gut frisch gehalten hatten. Dabei hörte sie, wie Mathan und Faelivrin sich leise unterhielten.
"Spürst du noch, dass unsere Schritte verfolgt werden?" fragte ihre Schwester.
"Nein," gab Mathan zurück. "Ich schätze, wer auch immer uns gefolgt ist, hat entweder unsere Spur im dichten, unwegsamen Wald verloren, oder die Verfolgung abgebrochen.
"Vielleicht waren wir den Aufwand nicht wert," vermutete Oronêl. "Sollten wir uns gekränkt fühlen?" witzelte er dann, was Finelleth zum Lachen brachte.
"Vermutlich schon," sagte Thranduils Tochter, die seit dem Betreten des Waldes stets ein kleines Lächeln im Gesicht getragen hatte. "Vielleicht sollten wir Beschwerde einreichen."
Kerry ging zu ihr hinüber und fragte: "Sieht es im Waldlandreich denn ähnlich wie hier aus?"
Finelleth blickte etwas betreten drein, doch dann sagte sie: "Der Grünwald - so nenne ich ihn, in der Hoffnung, dass der Schatten eines Tages von ihm genommen werden kann - ist sehr abwechslungsreich. Im Waldlandreich gibt es vor allem am nördlichen Rand des Waldes viele Tannen, so wie hier, aber dafür ist es dort nicht so hügelig. Unwegsame Gebiete gibt es eher in der Nähe der Berge des Grünwaldes, wo die Bäume so hoch stehen dass sich manchmal Wolken in ihren Kronen verfangen. Die Berge sind komplett bewachsen und höher, als man es erwartet, wenn man sich darauf zubewegt."
"Du vermisst deine Heimat sehr," stellte Kerry mitfühlend fest.
Finelleth seufzte leise. "Auf eine Art - ja. Aber wenn ich daran denke, wer jetzt dort das Sagen hat... dann möchte ich am liebsten so weit entfernt davon sein wie möglich."
"Saruman ist dort, nicht wahr?" fragte Halarîn.
"Ja," bestätigte Finelleth. "Nach seinem Sieg bei Dol Guldur zogen er und mein Vater mit ihren Heeren ins Waldlandreich."
"Um es zu befreien?" fragte Anastorias neugierig.
"Mein Vater mag dieser Ansicht sein," antwortete Finelleth. "Aber solange er unter Sarumans Einfluss steht wird das Waldlandreich niemals wirklich frei sein."
Oronêl legte ihr tröstlich seine Hand auf die Schulter. "Vergiss nicht, was ich dir in Fornost sagte. Dein Vater ist stark. Und vielleicht wird dich dein Weg eines Tages in die Heimat führen, und du kannst ihn daran erinnern."
"Vielleicht," sagte Finelleth leise.

Am Nachmittag reisten sie weiter. Es war nun einfacher, dem Fluss zu folgen, da sich im Laufe der Jahre an beiden Ufern ein breiter, kiesigen Streifen gebildet hatte, auf dem nichts wuchs und auf dem die Gruppe wieder schneller voran kam als im unwegsamen Unterholz. Mathan schätzte, dass sie Mithlond innerhalb einer Woche erreichen könnten, wenn sie dem Verlauf des Lhûn weiterhin so problemlos folgen konnten.
Kerry war voller Vorfreude auf die Stadt der Hochelben und stellte sich immer wieder vor, wie sie am Ufer des größten Gewässers der Welt stand: dem westlichen Ozean.
« Letzte Änderung: 27. Jan 2017, 11:51 von Fine »

Eandril

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Re: Der Fluss Lhûn
« Antwort #1 am: 26. Jan 2017, 21:29 »
Je weiter sie dem Wasserlauf, der inzwischen zu einem vollwertigen Fluss geworden war, nach Süden folgten, desto mehr wurden die Nadelbäume des Nordens von grünen Laubbäumen abgelöst. Die Gegend machte Oronêl glücklich, und oft streifte er selbst während sie rasteten ein wenig im Wald umher, manchmal alleine, doch manchmal auch begleitet von Finelleth. Schließlich kamen sie nach mehreren Tagen an eine Stelle, wo ein zweiter, nicht ganz so breiter Fluss von den Bergen im Westen herunterkam und in den Lhûn mündete.
"Wie sollen wir den überqueren?", fragte Kerry etwas ratlos, als sie den zweiten Fluss erreichten. Dieser floss deutlich rascher als der Lhûn zu ihrer linken, und hatte sich bis zu seiner Mündung eine flache Schlucht gegraben, in der jede Menge spitzer Felsen und Baumstämme lagen.
"Wir könnten den Lhûn überqueren und am Ostufer weitergehen", schlug Finelleth vor, doch Oronêl schüttelte nach einem kurzen Blickwechsel mit Mathan den Kopf. "Ich denke, es ist besser, wenn wir auf dem Westufer bleiben - wer weiß, was im Osten geschieht."
"Und wenn ich mich recht erinnere, müssten wir auch am Ostufer einen Zufluss überqueren, der von den Evendim-Bergen herunterkommt", ergänzte Mathan. Oronêl blickte den Lauf des Zuflusses entlang nach Westen. In jener Richtung stieg das waldige Gelände allmählich an, und aus der Entfernung glaubte Oronêl das leise Rauschen eines Wasserfalls zu hören. "Vielleicht sollten wir diesem Fluss ein Stück nach Westen folgen", schlug er vor. "Dort könnte es eine Gelegenheit geben, ihn zu überqueren." "Wir sollten es zumindest versuchen, bevor wir uns über den Lhûn wagen", stimmte Faelivrin ihm mit einem bedeutungsvollen Blick auf Farelyë, die oft von Kerry und Halarîn getragen werden musste, zu.

Oronêl lief mit leichten Schritten einen umgestürzten, bemoosten Baumstamm entlang, blieb am Ende stehen und atmete den Duft des Waldes ein, während er auf den Rest seiner Gefährten wartete. "Es ist beinahe wie... zuhause, nicht wahr?", fragte Finelleth, die ihn als erste erreicht hatte, und Oronêl nickte. "Ich würde tatsächlich gerne länger hierbleiben, die Wälder erkunden... und vielleicht auch die Berge", meinte er. Diese Wälder erinnerten ihn weniger an Lothlórien, schließlich gab es weit und breit keinen Mallorn, als an die Pinnath Gelin. Auch wenn er dort gewissermaßen im Exil gelebt hatte, hatte er die Wälder und grünen Berge dieser Gegend lieber gewonnen als gedacht. Er legte die Hand auf den kleinen Beute, in dem er den Ring des Nazgûl mit sich trug, und sagte: "Aber das muss warten bis ich meine Aufgabe erfüllt habe."
Von weiter vorne hörte er Anastorias rufen: "Das sieht doch sehr nach einer Straße aus!" Der Rest ihrer Gruppe hatte ihn und Finelleth inzwischen überholt, und als Oronêl sie eingeholt hatte, fiel ihm ebenfalls sofort die schmale laubbedeckte Schneise im Wald auf, in der sie standen. Mit dem Fuß schob er ein wenig Laub beiseite, und brachte einige Pflastersteine zum Vorschein. Einige waren zersplittert oder fehlten, doch Anastorias hatte eindeutig Recht gehabt: Dies war einst eine Straße gewesen, die in nord-südlicher Richtung verlaufen war.
"Wenn es hier eine Straße gibt, dann vermutlich auch einen Weg über den Fluss", meinte Mathan, und Oronêl nickte zustimmend. "Also dann, lasst uns weitergehen."

Die Straße führte sie zurück zum Zufluss des Lhûn, von dem sie auf ihrem Weg nach Westen ein wenig abgewichen waren, und Oronêl erkannte, dass sein Gehör ihn zuvor nicht getäuscht hatte. An der Stelle, an der die Straße wieder auf den Fluss stieß, stürzte das Wasser einen kleinen Wasserfall hinab in die Schlucht, die sie weiter unten gesehen hatten, und westlich des Falls war der Fluss deutlich flacher. "Ein Furt", stellte Halarîn zufrieden fest. "Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg."
Auf der anderen Seite der Furt wurde der Wald wieder dichter, und so beschlossen sie, für den Moment nicht zurück zum Flussufer zu gehen, sondern auf der Straße zu bleiben, die ebenfalls in die richtige Richtung führte. Doch während Oronêl sich vor der Furt unbeschwert gefühlt hatte, ergriff ihn nun allmählich ein merkwürdiges Gefühl der Unruhe.
"Ich habe ein seltsames Gefühl", sagte er leise zu Finelleth, die im Augenblick neben ihm ging. "Als ob wir beobachtet würden."
"Wer sollte uns hier beobachten?", fragte sie leise zurück, doch an ihrer Stimme bemerkte Oronêl, dass sie seinen Eindruck teilte. Aus den Wäldern links und rechts von ihnen glaubte Oronêl immer wieder leise Geräusche zu hören, und hin und wieder eine rasche Bewegung zwischen den Bäumen zu sehen.
"Ich weiß es nicht...", erwiderte er, während er aufmerksam lauschte und die Umgebung beobachtete. "Was, wenn die Orks, die Mathan getötet hat, sich nicht verirrt hatten? Mit einem Arm werde ich euch im Kampf keine große Hilfe sein." Die Stümpfe der Finger an seiner linken Hand waren inzwischen gut verheilt, doch der Bruch im Oberarm heilte deutlich langsamer, und Oronêl trug ihn nach wie vor in einer Schlinge. Er beobachtete, dass auch Mathan vor ihm mit einer unauffälligen Bewegung seine neuen Schwerter in den Scheiden gelockert hatte. Anscheinend war auch ihm etwas aufgefallen. Alle Elben hatte eine aufmerksame Wachsamkeit ergriffen, nur Kerry sprach noch einen Augenblick leise und fröhlich mit Farelyë, bevor auch sie bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
"Ist etwas nicht in Ordnung?", fragte sie leise, und Oronêl hob warnend die Hand. Die Gesänge der Vögel, die bislang den Wald erfüllt hatten, waren verstummt. Vor ihnen machte die Straße eine Kurve nach Osten, und sobald Mathan sie erreicht hatte, blieb er wie angewurzelt stehen - ebenso wie alle anderen.
Mitten auf der Straße stand eine große, auf einen knorrigen Stab gestützte, Gestalt in grauen Gewändern und einem grauen spitzen Hut, unter dem ein weißer Bart und buschige Augenbrauen hervor blitzten.
"Ihr kommt spät", sagte er, und hob den Kopf sodass sein Gesicht zu sehen war. Kerry war die erste, die sich regte. "Gandalf!", stieß sie den angehaltenen Atem aus, rannte los und schloss den Zauberer impulsiv in die Arme. Gandalf lachte, und strich ihr sanft über den Rücken. "Mein liebes Mädchen, ich freue mich, dass es dir gut geht."
"Mithrandir", fand schließlich auch Oronêl seine Sprache wieder. "Ich hoffe ihr habt euren Begleitern gesagt, dass wir Freunde sind?" Er nickte bedeutungsvoll in Richtung der Bäume zu beiden Seiten der Straße, zwischen denen jetzt Elbenkrieger in silbergrauen Rüstungen hervortraten. Doch an Gandalfs Stelle antwortete eine Oronêl gut bekannte weibliche Stimme: "Nein, das habe ich getan."
Oronêl fuhr auf der Stelle herum, und sah eine Elbenfrau, die nicht in eine Rüstung aus Lindon, sondern eine nach der Art von Bruchtal gehüllt war, auf sich zu kommen. Auch ohne die auffälligen rot-blonden Haare hätte Oronêl sie sofort erkannt. Er fühlte, wie die Wiedersehensfreude ihn durchströmte, und sagte: "Mae govannen, Celebithiel Cormagolodh. Es freut mich, dich hier zu treffen."
Celebithiel erreichte ihn, und schloss ihn überraschend in die Arme. "Und mich ebenfalls, mein Freund." Und mit einem kurzen Blick auf seine linke Hand fügte sie hinzu: "Auch wenn du weniger bist als das letzte Mal, dass wir uns sahen." Oronêl zuckte mit den Schultern. "Ein Andenken von Laedor. Aber ich habe ihn besiegt, und Mathan hat ihn getötet."
Celebithiels saphirblaue Augen musterten die Gruppe aufmerksam und blieben kurz an Farelyë hängen, bevor sie sagte: "Anscheinend habt ihr einiges zu erzählen. Aber vorher sollten wir aufbrechen, denn der Weg nach Lindon ist noch weit."
"Wartet", warf Faelivrin ein. "Wenn ihr aus Mithlond kommt - geht es meinem Volk gut?" Celebithiel neigte respektvoll das Haupt vor ihr, und antwortete: "Euer Volk ist in Mithlond fürs Erste in Sicherheit, und es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Alles weitere wird Círdan euch berichten."
Während Faelivrin einen Dank murmelte, meinte Finelleth: "Mich würde noch interessieren, woher ihr wusstet, dass wir auf diesem Weg kommen." Celebithiel warf Gandalf einen raschen Blick zu, und der Zauberer lächelte. "Ein Zauberer verrät niemals seine Geheimnisse, liebe Finelleth. Doch nun lasst uns gehen, es ist noch ein weiter Weg bis nach Mithlond und dort warten einige Leute ungeduldig auf eure Ankunft..."
Während die Gruppe sich wieder in Bewegung setzte, flüsterte Celebithiel Oronêl zu: "Hast du ihn noch sicher bei dir?" Oronêl nickte, und sie ergriff für einen Moment seine rechte Hand und drückte sie. "Gut", fuhr sie leise fort. "Dann bekomme ich Gelegenheit, mein Versprechen zu halten."

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Curanthor

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Der Fluss Lhûn
« Antwort #2 am: 26. Jan 2017, 22:06 »
Nachdem Gandalf und Celebithiel mit ein paar weiteren Elben zu ihnen gestoßen war, folgten sie weiter dem Flusslauf. Mathan sprach mit ihnen nicht sonderlich oft, die rot-blonde Elbenfrau kannte er gar nicht. Gandalf hingegen hatte ihn gebeten über die Eregnisse der letzten Tage zu berichten, was er auch ausführlich tat. Der Zauberer bemerkte, dass er den Teil mit dem Geschenk seiner Mutter ausließ, sagte jedoch nichts. Der graubärtige Mann schmunzelte stattdessen nur. "In der Tat, eiskalte Schwerter. " hatte er gesagt, als Mathan seine neuen Waffen ihm zeigte. Abgesehen davon sprach der Elb nicht viel und konzentrierte sich auf den Weg, den er aus seinen Erinnerungen hervor holte. Trotzdem die Elben Lindons dabei waren, wollte er einfach nur sicher sein. Er sah Halarîn öfters mit Adrienne sprechen, die noch immer recht schweigsam war. Offensichtlich sorgte sie sich um ihren Bruder, aber auch das, was sie ihm in Forochel anvertraut hatte, schien sie noch immer zu belasten. Mathan hoffte, dass das Meer ihr dabei helfen würde, die bösen Geister der Vergangenheit etwas zu verdrängen. Sein Blick ging zu Anastorias, der immer gelöster wirkte, je näher sie Mithlond kamen. Die Gefährten redeten hin und wieder, wichen einigen kleinen Hindernissen aus, doch kamen sie sehr gut voran.

Sie machten für die Nacht eine Rast und stellten Wachen auf, die zum Glück nichts zu tun hatten. Mathan ruhte nur bedingt und blickte in den Sternenhimmel, zwischen die Baumkronen hindurch. Neben ihm ruhte Halarîn, die ihm eine Hand auf die Brust gelegt hatte, es aber mied das Medallion seiner Mutter zu berühren. Als er sie darauf ansprach sah er ihre Lippen sich heben. "Es ist kalt, das weißt du genau.", er spürte ihre Hand unter seine Kleidung wandern, auf seinen nackten Bauch, wo sie verharrte. "Hmmm, dort aber nicht.", sagte sie genießend und blieb so bis zum nächsten Morgen liegen. Ab und zu hörte er Oronêl leise mit Finelleth sprechen oder Celebithiel, was ihn aber nicht weiter störte. Einmal vernahm er sogar Gandalf irgendwas in einer unbekannten Sprache murmeln. Am nächsten Morgen brachen sie gestärkt und ausgeruht wieder auf und hielten weiter auf Mithlond zu.

An dem vierten Tag der Reise gesellte sich Gandalf in die Mitte von Faelivrin, Kerry, Anastorias, Mathan und Halarîn, die gerade den jungen Elben und sein Königin über ihre Heimat ausfragten. Sie antworteten immer etwas einsilbig und schienen nicht wirklich in der Stimmung zu sein. Gandalf rückte seinen Hut zurecht: "Vielleicht erhaltete ihr in Mithlond mehr antworten, dort wurde es recht lebhaft in letzter Zeit.", sagte er mit einem Schmunzeln und ließ sich zurückfallen um mit Adrienne zu sprechen, die etwas weiterhin lief. Als er auf die gleiche Höhe des Mädchens war, bemerkte sie ihn noch immer nicht.
"Meine junge Dame, lasst die Dunkelheit nicht in Euer Herz.", sagte er und legte ihr eine Hand auf die Schulter, "ihr werdet sehen, alles wird sich irgendwann zum Guten wenden.
Adrienne blickte ihn eine Weile lang in die Augen und legte kurz ihre Hand auf Seine und nickte dankbar. Grüblend lief sie neben ihm her und fragte sich, ob er vielleicht Etwas wusste. Gandalf nickte ihr ebenfalls zu und schloss wieder zu den Anderen auf.

Der Tag erlief ebenso ebenso ereignisslos wie die vorherigen und sie zogen immer weiter, bis sie irgendwann am siebten Tag nach dem Fund der Quelle des Lhûn in der Ferne einzelne Türme aufragten. Sogar einige Elben liefen ihnen über den Weg, die sie verwundert anblickten. Anhand ihrer Kleidung sah man, dass es nicht nur Elben aus Lindon waren. Die Straße wurde immer belebter und sie verließen den Wald, der Fluss war inzwischen zu einem großen Strom geworden. Vor ihnen lag Mithlond und dutzende Elben liefen dort beschäftigt umher. Einige dösten auch in der Wiese vor den Mauern und genossen die Sonne des Spätsommer. Es wirkte sehr friedlich und die Gefährten atmeten erleichtert auf.


Mathan, Oronêl, Kerry, Halarîn, Faelivrin, Gandalf, Celebithiel, Finelleth, Anastorias, Farelyë, Adrienne, Angatar, Fanael und Aesa nach Mithlond


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« Letzte Änderung: 27. Jan 2017, 15:39 von Fine »