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Autor Thema: Golf von Lindon  (Gelesen 629 mal)

Curanthor

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Golf von Lindon
« am: 1. Feb 2017, 21:36 »
Oronêl, Mathan, Halarîn, Finelleth, Celebithiel und Kerry an Bord der Avalosse von den Grauen Anfurten

Die See war ruhig, das Schiff glitt sanft durch kleinere Wellen und schaukelte nur gering. Rechts und Links, in größeren Abstand fuhren die großen Kriegsschiffe der Vorhut. Nur einmal kam die Maicanga bedenklich nah an sie heran und sie wechselten einige Worte über den Kurs, welchen sie mit Flaggen dann dem Schiff der Königin weitergaben. Mathan stand mit Halarîn an der Reling und blickte zu Faelivrins Schiff, wo sie kurz Adrienne an Bord erblickten. Sie winkte ihnen kurz und verschwand wieder.
"Hast du mit ihr gesprochen?", fragte Mathan an seine Frau gewandt.
"Ja, ich habe sie gefragt, ob sie mitkommen will. Ohne zu Zögern hat sie zugestimmt, wir kamen erst kurz vor dir auf das Schiff.", antwortete Halarîn mit einem Lächeln.
Er nickte und begutachtete die Schiffe der Avari, deren Form er noch immer eindrucksvoll fand. Nach einigen Momenten riss er sich von dem Anblick los marschierte über das Deck zu Kerry, die etwas gedankenversunken auf das offene Meer hinausblickte.
"Beinahe hättest du diesen Anblick nicht miterleben können, Ténawen", sagte er mit gespielter Strenge. Kerry fuhr leicht zusammen und hob überrascht den Blick. Kurz schien sie zu überlegen, was sie sagen sollte, doch Mathan kam ihr zuvor: "Komm, wir sprechen mal genauer darüber."
Zögernd folgte sie ihm zum vorderen Teil des Schiffes, wo er seine Schwertgurte abschnallte. Kerry legte fragend den Kopf schief, während der Elb seine Schwerter Halarîn in die Hand drückte. Sie reichte ihm einen langen, gerade Stock, mit dem Fuß rollte sie einen Zweiten dazu.
"Was wird das?", fragte Kerry unsicher und hob skeptisch eine Braue.
Mit dem Fuß hob Mathan den Stab vom Boden auf und schleuderte ihn in die Richtung des Mädchens. Erschrocken fing sie den Stab, der sie sonst längst getroffen hätte. Halarîn schmunzelte, trat zu Kerry und stellte sich hinter sie. "Das ist deine Strafe, wenn du dich sträubst wird es länger dauern", sagte sie leise und korrigierte die Stellung von dem Mädchen. Sie schob ihre Beine ein Stück auseinander und drehte ihren Oberkörper etwas ein. Ein leichter Druck auf die Schultern ließ sie etwas in die Knie federn.
"Muss das sein?", maulte Kerry schließlich und wollte schon gehen, als Mathan seinen Stab an der Spitze packte und ihr vor das Gesicht hielt.
"Ja, das muss sein. Ich will meine Tochter irgendwann nicht ...beerdigen müssen, weil sie sich verlief und jemanden über den Weg lief, der ihr Böses wollte."
Bei seinen Worten blieb sie in ihrer Position, die Halarîn ihr aufgezwängte hatte. Sie seufzte schwer und fügte sich, wenn auch etwas widerwillig. Mathan nahm seinen Stab zurück und hielt ihn fest vor sich, mit einem Nicken bedeutete er ihr es ihm gleich zu tun. Etwas ungeschickt kam sie der Aufforderung nach, bis Halarîn sie korrigierte. Schließlich zog die Elbe sich zurück und setzt sich an die Reling.
"Du hast einen guten Stand, das Schwanken des Schiffes stört dich nicht so stark", stellte Mathan fest und machte einen Schritt zur Seite. Zögerlich tat sie es ihm gleich, "Greif mich an", forderte Mathan sie auf und sah ihren Zweifel in den Augen.
"Ich kann das nicht, ich bin keine Kriegerin... ich bin nicht so wie-"
Das Krachen von Holz auf Holz ließ sie verstummen, als der Elb ihren Stab einen seitlichen Schlag versetzte. Kerry wollte schon aufgebracht etwas sagen, doch verstummte bei dem grimmigen Gesicht ihres Vaters.
"Du kannst das!", rief er und schlug erneut auf die gleiche Stelle des Stabes, den sie nun besser standhielt, "Man wird nicht als Krieger geboren" Ein weiterer Schlag folgte, der sie leicht taumeln ließ. "Man wird dazu gemacht.", schloss Mathan und hielt seinen Stab quer vor die Brust.
Kerry war noch immer eingeschnappt, erkannte aber die Wahrheit in seinen Worten, das sah er in ihren Augen. Mathan wusste, dass sie dickköpfig war, doch darauf konnte er keine Rücksicht nehmen. Seine Erfahrung sagte ihm, dass es in seiner Nähe immer gefährlich werden konnte. Er wollte Kerry nicht verlieren, vielleicht würde sie das irgendwann begreifen.
"Nun, greif mich an." Etwas verdutzt blickte sie rasch zu Halarîn, die ihr aufmunternd zunickte. Etwas zaghaft holte sie aus und schlug von oben auf ihn herab. Mathan machte einen Schritt zurück und der Schlag ging ins Leere.
"Der Schlag von oben ist am einfachsten zu blocken, er dauert lang und würde dir auf Dauer zu viel Kraft kosten. Versuche es von der Seite und bewege dabei deine Beine."
Kerry befolgte die Anweisung und Mathan wehrte ihren Schlag mit einer Handbewegung ab. Sein Stab bedrohte in dessen ihre Brust."Behalte deinen Oberkörper immer eingedreht, sonst bietet er ein zu gutes Ziel."
"Ich kann dich sowieso nicht treffen!, rief sie und schlug seinen Stab herab. Mathan reagiere sofort und nahm ihn in einer Hand, wirbelte ihn umher und ließ das andere Ende gegen ihren Stab krachen, den sie hastig gehoben hatte.
"Gut, deine Reflexe spiegeln deinen Überlebenswillen wider", kommentierte er und ließ einen Hagel von Schlägen auf sie niederprasseln, der sie zurückweichen ließ.
"Aber du zweifelst an dir, du redest dir ein, dass du nicht kämpfen kannst. Du blockierst dich selbst.", sprach er langsam und machte einen Schritt zurück.
"Ich bin eben nicht für's Kämpfen geschaffen", erwiderte Kerry stur und stellte den Stab auf den Boden um sich auf ihn zu stützen, "Und gegen einen Elben kann ich eh nicht gewinnen."
"Ténawen, es geht nicht um den Sieg. Es geht darum deinen Gegner schnell zu erledigen und zu überleben. Dass du schnell zu deiner Familie zurückkehren kannst", schaltete sich Halarîn überraschend ein, "Wir wissen, dass du nicht gerne kämpfst, aber wir wollen dich nicht verlieren."
Mathan sah noch immer den Zweifel in Kerrys Augen flackern, er wehrte sich, doch schienen ihre Worte langsam zu ihr durchzudringen.
"Das hier war eine Strafe, da wir wissen, dass du ungern angreifst. Du fürchtest dich... das ist vollkommen natürlich, aber diese Furcht hält dich gefangen, meine Tochter."  Er legte seinen Stab auf die Planken und er ging zu ihr, legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Ich habe meinen Bruder in der Schlacht des Letzten Bündnis von Elben und Menschen verloren. Er hat gekämpft, obwohl er es gehasst hat. Er fürchtete sich zu kämpfen und tat es trotzdem. Er wollte jene beschützen, die er liebt."
Kerry gab ihr Schmollen auf und blickte Mathan interessiert an. "Du hattest einen Bruder?", fragte sie neugierig und biss sich auf die Lippen.
"Ja, er war ein wenig vorlaut aber sehr herzensgut. Ein bisschen wie du... liegt wohl in der Familie", antwortete er mit einem breiten Lächeln und nahm ihr den Stab aus der Hand, "Er hat auch damit angefangen... wir beide haben mit so etwas immer gespielt." Er ließ ihn in seiner Hand umherwirbeln und reichte ihn ihr. Zögerlich nahm sie den Stab entgegen und schien unschlüssig zu sein, ob sie böse auf ihre Eltern sein sollte, oder darüber nachdenken sollte, was sie ihr gesagt haben.
"Da du künftig mit uns reisen wirst, brauchst du auch einen Wanderstab, außerdem eignet er sich um einfache Banditen vom Hals zu halten, behalte ihn", sagte Halarîn und drückte Kerry einen Kuss auf die Wange, "Wir haben dich lieb, egal wie gemein wir dir manchmal vorkommen." Die Elbe strahlte und Mathan drückte seiner Tochter ebenfalls etwas scheu einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
"Seht mal!, rief Finelleth etwas weiter hinten und deutete auf den Horizont. Zuerst konnte man nichts erkennen, außer dem flirrenden Blau des Meeres. Die Drei traten an die Reling und kniffen die Augen zusammen, bis Kerry lautlos den Mund öffnete. Dann sah Mathan auch die unzähligen blauen Segel, die sich am Horizont abzeichneten, es müssten hunderte sein. Es war die Flotte des Königreichs von Manarîn. Auf die Entfernung konnte man keine Schiffstypen erkennen aber es schienen viele verschiedene Gattungen dabei zu sein. Ein Blitzen von dem weiter vorn gelegenen Schiff ließ sie die Augen zusammenkneifen.
"Lichtsignale aus dutzende zusammengefügte Spiegel, scheinbar kommunizieren sie damit," mutmaßte er und erinnert sich an einen Brief von Faelivrin, indem sie es kurz erwähnte.
"So viele...", murmelte Kerry staunend und Halarîn streichelte ihr über den Rücken.
"Das ist aber ein bisschen näher, als nur einen Tag", merkte Finelleth an und konnte die Augen nicht von der Masse an Schiffen abwenden.
"Vielleicht folgen sie uns später", vermutete Mathan und hielt ebenfalls weiter den Blick auf die Flotte gerichtet.
« Letzte Änderung: 15. Mär 2017, 14:43 von Fine »

Fine

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Maethors Geheimnis
« Antwort #1 am: 2. Feb 2017, 00:50 »
Die Avalosse glitt über das klare Wasser Belegaers, noch immer flankiert von den beiden Avari-Kriegsschiffen. Es war am Nachmittag des Tages nach ihrem Aufbruch von Mithlond, und Kerry stellte fest, dass sie schlechte Laune hatte. Missmutig stand sie am Heck des Schiffes, beide Arme auf die Reling gelegt und den Kopf abgestützt, und starrte auf die schäumende Fahrspur hinaus, die das Schiff hinter sich her zog. Es ist wirklich ungerecht, dachte sie.

Kerry war früh am Morgen von Mathan geweckt worden, der ihr die Decke weggezogen hatte und sie ohne vorheriges Frühstück zu weiteren Übungen gezwungen hatte. Und obwohl Kerry durchaus die Absicht dahinter verstand und tief drinnen wusste, dass Mathan sich nur wünschte, dass seine Tochter sich wehren konnte wenn es drauf ankam, war es dennoch so, dass Kerry sich auf eine Art wünschte, er würde sie einfach in Ruhe lassen. Natürlich sagte sie das nicht offen, doch Mathan und Halarîn entging die Veränderung in Kerrys Laune und Verhalten nicht lange. Und so kam es schließlich so weit, dass sie den Übungsstab widerspenstig zu Boden warf und weitere Trainingseinheiten verweigerte.
"Ténawen," sagte Mathan streng, jedoch mit einem sanften Unterton. "Versteh doch, dass ich das nur tue, weil ich dich nicht verlieren will, so wie ich meinen Bruder verloren habe."
Kerry wusste natürlich, dass er es auch genau so meinte, aber ihre Emotionen waren in diesem Augenblick stärker. Sie war davon gestürmt und hatte Mathan stehen lassen.

Und so stand sie nun dort und der Fahrtwind verwehte ihr Haar, das sie gerade offen trug. Sie wünschte sich, ein Talent für den Kampf zu haben - dann würde sie nicht üben müssen und ihre Eltern müssten sich keine Sorgen machen. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit in Rohan. Damals hatte größtenteils Frieden in der Riddermark geherrscht und nur Jungen waren ab einem gewissen Alter zu Kriegern ausgebildet worden - von den Mädchen hatte man erwartet, dass sie beschützt wurden und sich nicht selbst verteidigen mussten. Abgesehen von einigen wenigen Schildmaiden hatten nur wenige Frauen Rohans zur Waffe gegriffen.
Kerry seufzte. Sie fragte sich, wo ihr Vater wohl gerade war - ihr ursprünglicher Vater. Irwyne hatte Kerry erzählt dass er sich auf einer geheimen Mission im fernen Rhûn befand. Kerry hoffte, dass er Erfolg haben und bald nach Rohan zurückkehren würde. Denn dann gäbe es vielleicht die Möglichkeit, ihn wiederzusehen. Sie stellte sich das Wiedersehen vor und stellte fest, dass sie nur wenige Fragen hatte: Wo bist du gewesen, was ist dir widerfahren, weshalb kehrtest du nicht nach Hochborn zurück. Ein Teil von ihr hatte noch immer nicht recht verstanden, dass ihr Vater tatsächlich noch am Leben war. Und ein anderer Teil fürchtete, er könnte sie aufgegeben oder sogar vergessen haben.

Ohne dass sie richtig verstand weshalb, ging sie langsamen Schrittes in die kleine Kabine, die sie sich mit Adrienne teilte. Die junge Frau war nicht da als Kerry eintrat - stattdessen wartete Halarîn dort auf sie, auf Kerrys Bett sitzend.
"Morilië," begann sie. "Dein Vater will dich nicht quälen, das verstehst du doch, oder? Er ist um deine Sicherheit besorgt."
"Amil, ich wünschte wirklich, ich wäre eine Kämpferin, so wie nésa, aber ich bin's nicht," erwiderte Kerry traurig. "Ich will nicht, dass ihr euch Sorgen um mich machen müsst. Aber ich kann das einfach nicht, ich habe kein Talent dafür. Und trotz meines Namens... bin ich keine Elbin."
Halarîn zog sie zu sich in eine enge Umarmung. Sie strich Kerry tröstlich über den Kopf und sagte: "Geduld, mein Schatz. Du wirst es lernen. Mathan ist ein ausgezeichneter Lehrer; auch wenn er mit Menschen kaum Erfahrung hat..."
"Ich bin nicht gut genug," antwortete Kerry. "Sogar Adrienne ist besser als ich."
"Das bedeutet nichts," sagte Halarîn. "Niemand erwartet von dir, dass du von heute auf morgen zur besten Kämpferin Mittelerdes wirst. Jeder fängt klein an und arbeitet sich langsam voran."
Daraufhin schwieg Kerry, und einige Minuten später erhob sich ihre Mutter und sagte: "Ich glaube, du brauchst jetzt ein wenig Zeit für dich. Denke darüber nach, was ich dir gesagt habe, und vergiss eines nie: dein Vater und ich lieben dich sehr, Morilië. Egal, was geschieht."

Halarîn ging und ließ Kerry mit ihren Gedanken zurück. Kerry wusste natürlich, dass Halarîn recht hatte, aber irgendetwas hielt sie noch immer davon ab, in den Übungen einen Liebesbeweis Mathans zu sehen. Irgendetwas ließ ihr Herz kalt werden und brachte sie dazu, sich noch eine längere Zeit in ihrem Bett zu verkriechen als sie ursprünglich vorgehabt hätte. Und dann fiel ihr Blick auf ihre Tasche, die in einer der Ecken des kleinen Raumes stand. Sie stand auf und ging hinüber, ohne wirklich zu wissen, weshalb. Kerry griff hinein und fand schließlich das kleine, metallene Kästchen. Sie nahm es heraus und legte sich wieder auf das Bett. Einige Minuten betrachtete sie den Gegenstand nachdenklich. Öffne es niemals, hatte der geheimnisvolle Unbekannte gesagt, der es ihr gegeben hatte. Doch Kerry war gerade nicht in der richtigen Laune dafür, Anweisungen zu befolgen, die sie nicht verstand. Also hob sie den Deckel des Kästchens vorsichtig an, und... fand einen silbernen Ring im Inneren vor, der mit einem funkelnden Rubin verziert war. Feine Elbenschrift war in ihn eingraviert. Das Schmuckstück übte eine seltsame Anziehungskraft auf Kerry aus. Sie nahm es heraus und hob es ins Licht. Wie schön er ist, dachte sie mit einer Faszination, die sie selbst überraschte. Als sie ihn gerade auf den Ringfinger ihrer linken Hand stecken wollte fiel Kerry auf, dass das Kästchen nicht leer war. Neugierig zog sie das kleine Pergament hervor, dass neben dem Ring gelegen hatte und entrollte es.

Herrin Galadriel,

Ich danke Euch von Herzen für Euren freundlichen Rat. Ich habe Lindon bereist, den letzten Überrest des versunkenen Beleriands, und bin in mich gegangen. Ihr habt meinen inneren Zwist deutlich gespürt und womöglich auch die Ursache dafür gesehen, doch hier und heute möchte ich sie aus freiem Willen offenlegen.
Ich, Maethor Camlagwann von den Mírdain, schmiedete einst einen der Ringe der Macht - einen der Neun Ringe, die den Menschen gegeben wurden. Und während der Schlacht um Lothlórien erlangte ich meinen Ring zurück, als Glorfindel seinen Träger niederstreckte. Der Fürst der Ringgeister existiert dennoch weiter - eine der vielen Fakten, die ich noch nicht verstehe. Doch ich weiß, was Ihr mir raten würdet. Der Ring muss vernichtet werden. Ich weiß, dass es das Richtige ist. Aber ich kann es nicht tun. Es ist wie mit Fëanor und den Silmaril. Ich bringe es nicht über mich, das Werk meiner Hände zu zerstören. Deswegen sende ich Euch den Ring, mitsamt dieser Nachricht. Ich bin mir sicher, Ihr findet jemanden, der nach Eregion geht und die Tat vollbringt, zu der ich nicht imstande bin. Ich hoffe, Ihr könnt meine Gründe verstehen.

Unterzeichnet war die Nachricht mit Elbenrunen, die Kerry nicht entziffern konnte, sowie einem runden, alt aussendenden Siegel. Nachdenklich faltete sie das Pergament wieder zusammen und legte den Ring zurück ins Kästchen. Er wollte dieses Ding an Frau Galadriel übergeben, dachte sie. Aber warum nur hat er ihn dann mir gegeben? Erwartet er von mir, dass ich ihn zerstöre? Ihr fiel eines besonders auf: Maethor hatte keinen Grund dafür genannt, dass der von ihm geschmiedete Ring zerstört werden musste. Kerry verstand seine Entscheidung daher umso weniger. Warum etwas so hübsches vernichten? Sie beschloss, das Kästchen bis auf weiteres geheim zu halten und sich erst in Eregion mit der Frage auseinanderzusetzen, ob Maethors kleiner, unscheinbar wirkender (aber dennoch sehr schöner) Ring wirklich zerstört werden müsste...
« Letzte Änderung: 15. Feb 2017, 11:09 von Fine »

Curanthor

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Familienbande
« Antwort #2 am: 2. Feb 2017, 04:20 »
Als Halarîn die Tür schloss, strich sie sich seufzend das Haar zurück. Irgendwas war mit Kerry, dass sie nicht ganz verstand. Ihr Gefühl riet ihr zur Vorsicht, doch das Warum erschloss sich ihr nicht. Nachdenklich kehrte wieder an Deck zurück und suchte Mathan. Er schien überrascht gewesen zu sein, als Kerry davongelaufen war. Sie hatte seine Enttäuschung in den Augen lesen können. Ihr Mann verbarg seine Gefühle gut, leider oft zu gut, sie kannte ihn. Finelleth deutete wortlos zum Bug des Schiffes, dort hockte seine Gestalt. Halarîn wurde das Herz schwer, es war so, wie sie es vermutet hatte. Sie ging zu ihm und legte eine Hand auf die Schulter und wollte sie schon zurückziehen. Kälte durchdrang seine Kleidung und ließ sie frösteln. Etwas erstaunt zog sie sich zurück und beschloss zu warten, bis er bereit war.

Eine Hand legte sich auf seine Schulter, doch er reagierte nicht. Ihm war nicht danach zu reden. Gischt spritzte ihm ins Gesicht, doch es störte ihn nicht. Halarîn verstand, dass er alleine gelassen werden wollte und zog sich wieder zurück. Mathan legte die vier Schwerter in seinen Schoß und schloss die Augen für einen Augenblick. Die Zurückweisung erinnerte ihn an die Haltung seiner Mutter. Sie hatte ihn sehr selten berührt, so als ob er nicht ihr Kind wäre. Aber in ihren Augen sah er immer die Liebe einer Mutter. Das Glück einen Sohn zu haben und dennoch... war sie immer distanziert gewesen. Er öffnete die Augen und starrte hinaus auf das Meer, das weiter weg von der Küste höhere Wellen schlug. Dem Elb war klar, dass dies die erste Prüfung nach Carn Dûm war, was ihre Familienbande aushalten würden. Erneut spritze ihm die Gischt das Meerwasser in das Gesicht, er spürte es kaum. Mathan dachte wieder an den Traum, den er vor einiger Zeit hatte, wo er Ost-In-Edhil sah. Etwas war in diesem Traum gewesen, dass er sich nicht erklären konnte. Ob es etwas mit Kerry zu tun hat? Das kann aber auch nicht sein, es ist immerhin meine Vergangenheit. Sie weiß davon noch gar nichts... Es half nicht darüber zu grübeln, stellte er nach dutzenden, ähnlichen Gedankengängen fest. Sein Körper verharrte regungslos, das Haar wurde von seinem Haarreif gehalten und er blickte weiterhin auf das Meer. Die Kälte der Silmacil drang langsam durch seine Hose, doch war es nicht sonderlich störend. Im Gegenteil, er möchte sogar die Kälte irgendwie. Das zeigte ihm, dass er nicht unbewaffnet war. Erneut fragt er sich, wie seine Eltern die Waffen gefertigt haben könnten. Immerhin waren sie nicht oft zusammen in den Schmieden gewesen. Sein Vater hat ihn auch nur stets in den Teil mitgenommen, den auch alle anderen Elben besuchen konnten. Was er in seiner eigenen Werkstatt als Oberster Schmiedemeister getan hat, wusste er nicht. Sein Vater hatte ihn stets zurückgewiesen, manchmal sogar recht harsch. Manchmal braucht man keine Wörter um harsch zu sein... und die zurückzuweisen, die einem am Herzen liegen. Zumindest sollten sie am Herzen liegen. Manchmal sprechen Taten eine deutlichere Sprache als Wörter....
Die Kälte des Medallions auf seiner Brust schien durch ihn hindurchzufließen. Er wusste nicht wie spät es war, er hatte auch keine Lust sich darum zu kümmern. Zwar hörte er hin und wieder hinter ihm die Schritte seiner Reisegefährten, doch schienen sie alle ihn in Ruhe zu lassen. Es war einfach die Gefährten auseinander zu halten, die beiden Menschen traten schwerer auf das Holz der Planken auf. Auch die Waldelben hörte er, zwar deutlich leise, aber ihre Schritte waren mit bedacht. Wenn er genau hinhörte, konnte er sogar heraushören, wer am meisten Erfahrung hatte, in den Baumwipfeln zu laufen. Der Elb hatte nämlich den leisesten Auftritt. Dann war da noch Halarîn, die er jedes mal sofort hörte, ihre Schritte waren ihm schon so vertraut, dass er sie selbst in einer Armee herausgehört hätte. Einmal hörte er Kerry hinter sich sprechen, doch er reagierte nicht. Er wollte nicht. Wenn man ihn abweist, dann sollte man auch damit rechnen, dass er entsprechend reagiert. Er war ein Elb und kein Stein. Beiläufig bemerkte er, dass die Sonne sich dem Horizont entgegen neigte. Seine Augen stets auf die See gerichtete, beobachtete er das bunte Farbenspiel als sie die Sonnenstrahlen auf dem Meer sich spiegelten. Mathan schloss die Augen und rief sich seinen Traum erneut in Erinnerung. Irgendwas an diesem Traum wollte ihm Etwas sagen. Nachdenklich schweifte er mit den Gedanken zu seinem Vater. Er vermisste ihn, wahrscheinlich schlendert er gerade in Aman umher. Er lachte innerlich, für ihn war es viel zu früh an Aman zu denken. Hier in Mittelerde gab es noch viele Dinge zu klären, wie die Ringe der Macht, seine Mutter und jetzt Kerry. Das einzig Gewisse an seiner Vergangenheit war, dass sein Vater im Kampf fiel und nun im Segensreich umherzog. Wahrscheinlich würde er dort mit seinem Bruder sitzen, Merlan. Bei den Gedanken an seinen Mruder zuckten kurz seine Mundwinkel, doch bewegte er sich kein Stück und verharrte seit Stunden weiterhin. Merlan war sehr vorlaut und gleichzeitig furchtsam. Kerry erinnert ihn wirklich an ihn. Der Tod seines Bruders hatte eine Wunde hinterlassenn, um die er sich nie gekümmert hatte. Als er ihn damals kurz vor der Schlacht auf der Dagorlad getroffen hatte, tat er so, als ob ihr Streit von damals nie stattgefand. Trotzdem konnte Mathan nicht so einfach damit fertig werden wie sein Bruder, der ihn genauso wie Kerry hat stehen lassen. Das Thema war zwar ein ganz Anderes gewesen, aber die Reaktion war die Gleiche. Immerhin schien sein Bruder wieder mit ihm reden zu wollen, was kurz vor einer Schlacht leider nicht so gut möglich gewesen war. Danach hat es keine Möglichkeit gegeben. Mathan wusste noch nicht einmal wie sein Bruder gefallen ist, er wusste nur, dass es schnell ging. Die Nacht war inzwischen hereingebrochen und der Blick auf das Meer war nun ein Sinnbild für einen Blick in einen dunklen, tiefen Schlund. Doch Mathan wusste, dass das nicht der Wahrheit entsprach. Er richtete seinen Blick auf den aufgehenden Mond, der schwach strahlte und das schwarze Meer um das Schiff herum ganz leicht erleuchtete. Er würde immer im Licht wandeln, egal was passiert.

Halarîn blickte zu ihren Mann, der noch immer am Bug saß. Es war selten, dass er so etwas tat. Es war eine Seite, die sie kaum an ihn kannte. Ihr Blick fiel auf Kerry, die unter einer Laterne saß und etwas im Gedanken versunken war. Sie beide sagten nichts, sondern blickten hin und wieder zu Mathan, der sich seit Stunden nicht geregt hatte. Halarîn erinnerte sich, wie sie ihn kurz berührte. Ihr Verdacht regte sich wieder in ihr, doch sie schüttelte den Kopf und ging zu dem hinteren Teil des Schiffes. Dort traf sie auf Adrienne, die ein besorgtes Gesicht machte.
"Wie geht es ihm?", fragte sie nach einem kurzen Augenblick. Aus dem Augenwinkel sah Halarîn, dass Oronêl ebenfalls zuhörte, denn er drehte sich etwas zu ihnen.
"Wenn ich das sagen könnte... was auch immer es war, was sie ausgelöst hat, es scheint ihn tief getroffen zu haben.", erklärte sie leise und vermied es Kerrys Namen zu nennen. Sie wollte nicht hinter dem Rücken ihrer Tochter über sie sprechen.
"Hat er schonmal so reagiert?", hakte Adrienne nach und schien für einen Augenblick ihre eigenen Probleme zu vergessen.
Halarîn nickte nach einigen Zögern und sah sich um, mit einem Handzeichen bedeutete sie Oronêl näher zu treten.
"Ihr beide steht ihm nahe, ihr solltet es auch wissen." Auf Oronêls Blick hin lächelte sie ihm zu, "Du bist ein guter Freund für ihn und sein Waffenbruder.", sagte sie und wandte sich wieder an beide: "Er hat einen dicken Eispanzer, es braucht schon Etwas um ihn zu treffen... es geschah nicht oft, in den Jahrtausenden, in denen ich schon mit ihm zusammen bin. Der Verlust seiner Heimat, der Tod seines Vaters, der Verlust seiner besten Krieger im Kampf um Eregion, der Tod seines Bruders auf der Dagorlad und die Niederlage ... " Sie stockte und nahm beiden das Versprechen ab, nicht darüber zu reden, wenn er in der Nähe war, " Er war im alten Arthedain als Heerführer verkleidet und kämpfte in der Schlacht um Amon Sûl. Die Niederlage dort und dem Fall des Königreichs trafen ihn damals auch schwer."
"Er war dort?!", rief Adrienne etwas lauter als beabsichtigt und hielt sich die Hand vor dem Mund.
"Ja, er wollte den Menschen helfen. Dass er damals den Ringschmieden half nagt schwer an seinem Gewissen. Mathan erhoffte sich durch die Maskerade seine Fehler wieder gut zu machen und den Schatten zu schlagen..."
Adrienne nickte und machte große Augen, kurz spähte sie um die Ecke und stellte erleichtert fest, dass Mathan nichts von dem Gespräch mitbekommen hatte. Sie gähnte, woraufhin Halarîn sie ins Bett schickte, da es schon spät war. Zögerlich kam sie der Aufforderung nach und wollte noch mehr fragen, wurde jedoch rasch ins Innere gescheucht. Als sie die Tür zu der Kabine öffnete, in der auch Kerry saß, bekam sie noch mit, wie diese rasch ein silbernes Kästchen verschwinden ließ. Adrienne war so klug und tat so, als ob sie nichts gesehen hat. Insgeheim beschloss sie das Gesehene so bald wie möglich den beiden Elben zu sagen, falls sie es nicht vergessen würde. So wie Mathans Schwert, dachte sie sich zerknirscht und ärgerte sich, dass sie die Klinge in ihrem Bündel vergessen hatte. Als sie ihre Kleidung auszog, bemerkte sie, wie Kerry zur Seite blickte.
"Was ist? Wir sind beide Mädchen und du wahrscheinlich die Ältere von uns beiden. Stell dich nicht so an", sagte sie barsch und stand nun in Unterwäsche vor ihr,"Schau mal"
Adrienne beschloss dem Mädchen etwas zu zeigen um ihr den Kopf gerade zu rücken. Etwas peinlich berührt hob Kerry den Blick und machte große Augen. Fasziniert und schockiert zugleich hob sie die Hand und stoppte jedoch. "Darf ich?", fragte sie leise und Adrienne nickte. Scheu betastete das Mädchen den Bauch von ihr und Adrienne schüttelte sich:"Das kitzelt"
Das Mädchen aus Rohan entschuldigte sich und blickte lange auf die große Narbe, die sich von der Brust,quer über den oberen Bauch, bis zur Leiste zog. Nach kurzer Stille fragte sie, wie das geschehen konnte, woraufhin Adrienne ein kaltes Lachen von sich gab.
"Ein Attentäter. Mein Haus liegt in einer Blutfehde mit einigen ziemlich üblen Gestalten. Ich wurde bei der Besetzung von Minas Tirith entführt und...", sie stockte und verstummte. Lange hatte sie darüber nachgedacht, war Stunden am Strand entlang gelaufen, fernab von allen Anderen. Sie war gelaufen und gelaufen. Bis ihr Beine sie nicht mehr tragen konnten. Als sie erschöpft am Strand, weit ab von der Stadt zusammengebrochen war, blieb sie einfach liegen und hatte die Welt an ihr vorbeiziehen lassen. So hatte sie mehrere Stunden dort in völliger Erschöpfung dagelegen, bis eine Elbe mit goldenen, blonden Haar aufgetaucht war. Sie hatte sie nur angeblickt und brauchte gar nichts zu sagen. Es hat ihr Kraft gegeben, nur sie anzusehen. Sie kannte nicht ihren Namen und Adrienne war es auch egal, aber die einfachen Worte waren sehr deutlich: "Bekämpfe den Schatten, ganz gleich wo und wie." Und sie kannte nur einen Weg zu Kämpfen, mit dem Schwert und Wörtern.
Kerry schien respektvoll, aber auch unverholen neugierig zugleich zu sein, was eine merkwürdige Mischung gab. Adrienne seufzte schwer und setzte sich auf ihr Bett.
"Sie haben Dinge mit mir gemacht... die ich niemals irgendeiner Frau wünsche..."
Schock breitete sich auf dem Gesicht von Kerry aus, doch Adrienne gebot ihr zu schweigen und hielt nicht die Tränen auf, die ihr Gesicht hinabliefen. "Ich bin für meine Mutter eingetreten, die sie eigentlich holen wollten. Ich wünschte, ich hätte damals schon kämpfen können... dann wäre das hier" Sie deutete auf die riesige Narbe auf ihren Körper "Vielleicht nie geschehen und meine Mutter wäre noch am Leben"
Es herrschte eine kurze Stille, während Adrienne sich ihre Tränen wegwischte und schniefte. "Du glaubst, ich sei stets eine Kämpferin, habe schon immer gefochten und bin immer stark" Sie schüttelte sacht den Kopf und strich sich über die Narbe, "Dies hier wird mich mein ganzes Leben lang begleiten und mich an meine Vergangenheit erinnern." Sie hob die Hand an ihren Kopf, "Die Erinnerung werden immer miteinander verbunden sein, von der Schlacht um Fornost, bis hin zu unzähligen Nächten der unsäglichsten Qualen. Kerry... Ich war nicht immer so. Vor zwei Jahren war ich noch ein normales Mädchen." Adrienne setzte sich auf und wischte nun wütend ihre Tränen fort, "Denke darüber nach, willst du in meine Fußstapfen treten? Ich rede nicht von der Narbe, die hat gar nicht geschmerzt, denn ich hatte keine Furcht vor den Schmerz. Ich rede von den Schmerzen meiner Seele. In einem hatte Mathan recht: Man wird nicht als Kämpferin geboren, man wird dazu gemacht. Mich haben meine Erfahrungen zu dem gemacht was ich bin, obwohl ich es hätte Anders haben können... einfacher. Überlege dir, wodurch du zu was werden willst, Kerry. Und vor alle dem: durch wen.", schloss Adrienne und seufzte schwer. Mühsam kroch sie unter die Decke und schaute zu Kerry herüber, die total überrumpelt dasaß und sie weiterhin anblickte.
"Tut mir leid, dass ich nicht feinfühliger bin, aber ich habe das lange mit mir herumgetragen und du hattest das Pech es jetzt abzubekommen. Nun werde ich versuchen trotz der Schauergeschichten etwas Schlaf zu finden. Du solltest es auch  versuchen und morgen das offensichtliche Problem aus der Welt schaffen."
Adrienne unterdrückte noch ihre Tränen, bis sie sich mit dem Rücken zu Kerry drehte und gab sich ihren Alpträumen hin, die sie schon erwarteten.

Die Nacht war kühl und ein günstiger Wind ging sanft und strich ihm über die Haare. Mathan hörte das Rauschen der Wellen, doch hatte er die Augen geschlossen. In seinem Geist spielten sich ständig die gleichen Bilder ab. Der Traum von Ost-In-Edhil vermischte sich mit dutzenden Dingen, bis er in einem tiefen Traum sank, obwohl sein Körper noch immer so verharrte wie die ganzen Stunden zuvor. Durch die Kälte nahm er es gar nicht war.

Es war warm und roch nach Stein... und Erde? Mathan stand in einer Kammer, sie war oval und maß vielleicht dreißig bis vierzig Schritt im Durchmesser. Der Boden war stellenweise mit schweren Steinen gepflastert oder war festgesampft. Ein Feuer brannte in der Mitte in vier großen Hochöfen. Sie beherrschten den Raum und strahlten eine respektable Wärme aus. Dutzende Werkzeuge hingen von der Decke hinab und das rythmische Geräusch von Stahl auf Stahl erklang...

klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang

Leichter Rauch hing in der Kammer, neben einem Regel stapelten sich dutzende Gussformen von verschiedenen Waffen. Mathan entdeckte sogar eine von einem prunkvollen Helm, der ihn stark an die Rüstung der Elben aus dem Ersten Zeitalter erinnerte. Er hatte einige von ihnen in der Bibliothek von Imladris und Eregion in den Büchern gesehen, in denen er über die alten Tage gelesen hatte. Er wollte näher an die Gussform herantreten, wurde jedoch davon abgehalten. Sein Blick wurde wieder zu den Hochöfen gezwungen und erneut erklang das Geräusch:

klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang, Pause, klang, klang, klang

Schließlich bewegte sich der Elb um die Hochöfen herum und entdeckte eine Gestalt zwischen drei Ambossen stehen. Als diese ihn bemerkte, schleuderte sie ausgenblicklich ein rot glühendes Stück Metall, das einen feurigen Schweif hinerließ.


Mathan zuckte zusammen, als er erwachte und blickte hinaus auf das Meer. Die Sonne hatte sich schon erhoben und sandte die ersten Strahlen über das Meer hinaus. Er hörte die ersten fernen Rufe der Avari, die auf dem Schiffen wohl gerade die Schicht wechselten. Aus dem Inneren der Avalosse hörte er erste Schritte und als sie auf das Deck kamen, bemerkte er, dass es Halarîn war. Sie setzt sich an den Platz, an dem sie gestern ebenfalls gesessen hatte und schien ihn anzublicken. Er konnte beinahe spüre, wie ihre Augen auf ihn lagen, traurig und nachdenklich. Sie wird das verstehen, dachte er sich und hörte nach einiger Zeit schließlich die Stimme von Kerry. Scheinbar sprach sie mit Adrienne, sie verstummten, als sie auf das Deck kamen.
"Ist er noch immer...?", hörte Mathan die erstaunte Frage Adriennes. Dann folgte eine kurze Stille, die schließlich von Kerry gebrochen wurde, die etwas Unverständliches nuschelte. Geräuschvoll legte er seine Schwerter vor sich auf die Planken. Einzelne Gelenke knackte bei der Bewegung.
Dem Elb war in dem Moment egal was sie von ihm hielten und erhob sich langsam. Den Blick noch immer auf das Meer gerichtet begann er zu sprechen sodass sie ihn hören konnten:" Ich gebe zu, dass ich nicht viel Erfahrung mit Menschen habe. Mag sein, dass ich noch nie eine Menschentochter hatte...", er drehte sich um und blickte Kerry geradewegs in die Augen, "Das heißt aber nicht, dass sie mit mir umgehen kann wie sie will. Auch Elben haben Gefühle, mein Medallion mag aus Eis sein, ich bin es aber nicht."
"Wenn du nicht mit mir rede-", begann sie stur, verstummte als sie einen Funken Zorn in Mathans Augen aufblitzen sah. Er machte einen langsam Schritt auf sie zu. "Du musst für deine Taten einstehen. Du kannst nicht machen was du willst und jene verletzen, die dir helfen wollen, die dich beschützen wollen. Und dann auch noch erwarten, dass sie sich entschuldigen, wenn sie nicht mit dir reden weil du sie verletzt hast, in dem du dich einfach von ihnen abwendest." Seine Stimme klang ruhig, der Zorn war verschwunden und nur maßlose Enttäuschung war geblieben. Halarîn packte Adrienne bei den Schultern und führte sie von Vater und Tochter fort.
"Ich... das war falsch von mir", rief sie schließlich und senkte den Blick, "Ich habe einen Fehler gemacht."
Mathan blickte sie weiterhin an und streckte seinen Rücken, der ein leises Knacken von sich gab. Mit langsamen Schritten ging er auf sie zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie blickte ihn an und murmelte, dass er kühle Hände hat. Er schmunzelte, woraufhin Kerry erleichtert wirkte. "Es ist gut, dass du deinen Fehler eingesehen hast. Ich habe auch nicht richtig gehandelt, sondern eher eine Elbe in dir gesehen.", sagte er sanft und öffnete die Arme, "Lass uns das mit einer Umarmung abschließen" Seine Tochter blickte zu ihm auf und lächelte schelmisch, um ihn dann zu umarmen, was er zu gern erwiderte.
"Ich weiß, dass du dir Sorgen machst... und dass du mich in Sicherheit haben willst.."
Mathan ging in die Hocke um auf einer Augenhöhe mit ihr zu sein, was sie kurz stocken ließ, "Ich habe mit Adri.. ich meine mit Adrienne gesprochen... sie hat mich zum nachdenken gebracht. Vielleicht..." Sie murmelte erneut etwas Unverständliches.
Der Elb hob überrascht eine Braue und nahm sich vor, mal mit seiner Schülerin zu sprechen, obwohl er ahnte, dass sie gerade eine schwere Zeit durchmachte.
"Wenn du magst, ich bin nach dem Frühstück hier und trainiere ein bisschen. Du kannst dich gerne anschließen, wenn du dich vorher gestärkt hast.", bot er ihr an und drückte sie nochmals kurz an sich, "Ich hab dich lieb", sagte er dabei leise.
Kurz darauf erschienen Halarîn und Adrienne, sodass Vater und Tochter sich wieder voneinander lösten. Seine Schülerin wollte mit Kerry etwas besprechen und zog sie zur Seite, während Halarîn Mathan umarmte.
"Magst du mir nachher erzählen, was in der Nacht los war"?, flüsterte sie auf Quenya
"Ich habe Dinge gesehen... es ist schwer zu beschreiben. Später weiß ich wohl mehr, dann erzähle ich auch davon.", antwortete er leise und zog sie in eine Umarmung. Ein Kuss folgte und sie begaben sich zu den Vorräten um das Frühstück vorzubereiten, da sie selbst hungrig waren.

Eandril

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Re: Golf von Lindon
« Antwort #3 am: 2. Feb 2017, 22:29 »
Oronêl stand auf dem oberen Deck der Avalosse, genoss den frischen, leicht salzigen Seewind, und beobachtete Mathan und Kerry, die auf dem vorderen, etwas niedriger gelegenen Teil des Decks, mit hölzernen Stäben übten. Kerry bewegte sich langsam und unbeholfen - ganz anders als normalerweise - und schien von Minute zu Minute frustrierter und ungeduldiger zu werden. Oronêl schüttelte den Kopf. Er verstand Mathans Beweggründe, sehr gut sogar, doch eine echte Kriegerin würde er nach Oronêls Meinung aus Kerry niemals machen. Nicht, solange ihr Geist und Verstand sich so offensichtlich dagegen sträubten. Schließlich sagte Kerry etwas zu Mathan, dass Oronêl über den Wind und das Geräusch der Wellen nicht verstehen konnte, und als Mathan nickte, ging sie langsam davon, den Stab noch immer in der Hand.
Sie stieg die Stufen zum hintern Teil des Decks hinauf, lehnte den Stab neben Oronêl an die Schiffswand und stützte sich selbst mit den Händen auf die Reling. "Ich werde das nie können", sagte sie frustriert.
"Mathan hat viel Erfahrung", erwiderte Oronêl. "Und er wird wissen was er tut, aber... etwas in dir sträubt sich dagegen, zu kämpfen."
"Ich... weiß nicht", meinte Kerry, und hob hilflos die Schultern. "Ja, vielleicht."
Oronêl blickte sie prüfend an, und fragte: "Hast du jemals zuvor jemanden getötet?" Der Schrecken in Kerrys Augen verriet ihm die Antwort, bevor sie kam. "Ja", wisperte sie. "Es war ein böser Mann, der mir etwas... antun wollte, und trotzdem... war es das Schrecklichste, was ich je getan habe."
Oronêl seufzte und blickte nachdenklich nach Süden, wo die grüne Küste von Harlindon langsam vorüberzog. "Ich wünschte mir, du könntest in besseren Zeiten leben", sagte er. "Aber es ist nicht an uns zu entscheiden, in welcher Zeit wir leben - wir können nur entscheiden, was wir mit dieser Zeit anfangen." Er nahm den Stock auf, der noch immer an der Reling lehnte, und hielt ihn Kerry entgegen, die ihn zögerlich ergriff.
"Mathan meint es gut, und ich verstehe ihn", sagte Oronêl. "Aber vielleicht gibt es einen anderen Weg wie du dich schützen kannst."
"Was meinst du damit?", fragte Kerry, und wog den Stab unschlüssig in der Hand. Oronêl lächelte. "Versuch mich damit zu treffen - ich werde mich nicht wehren."
Kerry trat einen Schritt zurück und schüttelte den Kopf. "Ich kann dich doch nicht einfach mit diesem Stock schlagen!"
Darüber musste Oronêl lachen. "Versuch es. Ich habe nur gesagt, dass ich mich nicht wehren werde, nicht, dass ich mich verprügeln lasse." Kerry schwang den Stab unsicher ein wenig hin und her, bevor sie schließlich schwach in Oronêls Richtung stieß. Ihr Stoß stoppte kurz vor seiner Brust, ohne dass Oronêl sich einen Fingerbreit von der Stelle gerührt hatte.
"Du hast dich nicht mal bewegt!", protestierte Kerry, und Oronêl zuckte mit den Schultern. "Wozu auch? Ich habe genau gesehen, dass du nicht treffen wolltest. Jetzt nochmal, aber diesmal richtig." "Du hast gesehen...", begann Kerry, und ihre Augen verengten sich. Dann schlug sie erneut zu, und hätte Oronêls Schulter getroffen, wenn er nicht kurz vorher einen kleinen Schritt zur Seite gemacht hätte. Der Stab fuhr neben ihm herab und traf mit einem hölzernen Pochen auf die Deckplanken.
"Besser", meinte Oronêl. "Jetzt weiter." Schlag um Schlag um Stoß wich er mühelos aus, ohne große Bewegungen, und fing schließlich einen über den Kopf geführten Schlag Kerrys mit der Hand ab. Er hielt den Stab fest, und für einen winzigen Augenblick spürte er, wie Kerry weiter dagegen drückte, und glaubte in ihren Augen etwas fremdes und gleichzeitig seltsam vertrautes zu sehen. Dann ließ sie den Stab los, und der Eindruck verging.
"Ich kann dich also nicht einmal treffen. Großartig", sagte sie unzufrieden. "Was wolltest du mir damit demonstrieren?"
Oronêl lehnte den Stab wieder gegen die Reling. "Es ist nicht nötig zu kämpfen um zu überleben. Es genügt, dem auszuweichen, was einen töten könnte."
"Hm", machte Kerry, noch immer nicht wirklich besänftigt. "Und was nützt mir das? Ich bin keine Elbin, ich werde niemals so schnell sein wie ihr, und wenn ich zehn Jahre am Stück übe."
"Das mag schon sein", erwiderte Oronêl. "Aber vermutlich wird eher selten ein Elb versuchen, dich zu töten. Und du musst weiter denken: Was, wenn dein Feind gar nicht weiß, wo du bist? Oder dass du überhaupt da bist?" Ein nachdenklicher Ausdruck erschien auf Kerrys Gesicht. "Dann müsste ich nicht kämpfen."
"Genau", bestätigte Oronêl. "Trotzdem, ein Versteck ist nie unfehlbar, und es besteht immer trotzdem die Gefahr, dass du entdeckt wirst. Ich kann dir zeigen, wie du dann entkommen und in Sicherheit laufen kannst, aber manchmal ist auch dieser Weg versperrt. Und deshalb solltest du dir von Mathan trotzdem das ein oder andere zeigen lassen - nichts, wodurch du in eine Schlacht ziehen kannst oder jemanden im Zweikampf überwältigen könntest, wenn du das nicht möchtest, aber was dir ermöglicht, in einem Kampf zu überleben."

"Und ihr beschließt das einfach hinter meinem Rücken?", erklang von der Treppe her Mathans Stimme. Oronêl wusste nicht, wie lange sein Freund dort bereits gestanden und zugehört hatte, also sagte er: "Es liegt mir fern, dich zu hintergehen. Und ich weiß, dass du nur einen Weg suchst, um Kerry zu beschützen, aber vielleicht... ist es der falsche Weg."
"Der falsche Weg", wiederholte Mathan tonlos, und neben Oronêl wich Kerry einen Schritt zurück. "Du willst mir sagen, dass es falsch ist, wie ich mit meiner Tochter umgehe?" Oronêl spürte die Kälte, die von Mathan ausging, schüttelte den Kopf und wägte seine nächsten Worte sorgsam ab. "Das will ich nicht sagen. Ich verstehe, dass du versuchst sie zu beschützen, und ich sehe in diesen Zeiten auch die Notwendigkeit dazu. Doch vielleicht gibt es eine Art und Weise, die Kerry ein wenig mehr entgegen kommt."
Mathans Miene entspannte sich ein wenig, und Oronêl fuhr fort: "Denk an deinen Bruder - hätte er nie das Kämpfen gelernt, wäre er nicht auf der Dagorlad dabei gewesen und dort nicht gestorben."
Sofort erkannte Oronêl, dass er etwas falsches gesagt haben musste, denn der Noldo runzelte die Stirn und seine Stimme klang sofort eine Spur kühler, als er antwortete: "Merlan wusste, was ihn erwartete. Er wusste, dass er vielleicht nicht überleben würde, doch er wollte seine Familie beschützen und dafür musste er die Waffe erheben." Er schüttelte den Kopf  "Es war notwendig."
"Manchmal ist es notwendig, eine Schlacht zu führen", stimmte Oronêl zu. "Aber es gibt jene die zu Kriegern geboren sind - du, Anastorias, ich. Es gibt jene, die dazu werden können - Celebithiel, oder meine eigene Tochter. Und es gibt jene, die niemals Krieger werden, oder es zumindest nicht sein sollten. Calenwen gehörte dazu, sie hat niemals in ihrem Leben eine Waffe in die Hand genommen. Und ich glaube auch nicht, dass Kerry eine Kriegerin sein kann oder sollte - zumindest nicht auf diese Art, denn nicht jeder kämpft mit Waffen."
"Ich verstehe, was du sagen willst...glaube ich", erwiderte Mathan und atmete tief ein. "Gut, wir werden es auf andere Art versuchen, es etwas ruhiger angehen. Aber, Ténawen - du wirst trotzdem lernen, und du wirst dich konzentrieren so gut es geht."
Zu Oronêls Überraschung erwiderte Kerry nichts, sondern nickte nur kurz und ging dann rasch über das Deck davon. Mathan blickte ihr mit einem seltsamen Gesichtsausdruck hinterher, und Oronêl legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Lass sie gehen. Du hast bereits eine Tochter großgezogen, so wie ich, und Streit gibt es immer hin und wieder."
"Ja, ich weiß...", erwiderte Mathan langsam. "Aber irgendetwas... ist anders an ihr. Es ist mir noch nicht ganz klar, was genau."
"Vielleicht die Veränderlichkeit der Menschen", vermutete Oronêl. Oder etwas anderes, dachte er bei sich, obwohl er sich nicht erklären konnte, was das sein konnte. "Trotzdem solltest du gut auf sie achten - allerdings glaube ich nicht, dass ich dir das noch sagen muss."
Mathan sah ihn mit einem Blitzen in den Augen an und nickte beinahe schon grimmig. Bevor er gehen konnte, hielt Oronêl ihn noch zurück, und sagte: "Und Mathan - es tut mir leid, was damals mit deinem Bruder geschehen ist, und ich wollte keine schmerzhaften Erinnerungen wecken. Es ist nur... ich habe auf der Dagorlad einen verloren, der mir so nahe stand wie ein Bruder, und ich habe mir oft gewünscht, er hätte nie zur Waffe gegriffen und wäre nie in diese Schlacht gezogen."

Oronêl, Mathan, Halarîn, Finelleth, Adrienne, Celebithiel und Kerry zum Gwathló
« Letzte Änderung: 3. Feb 2017, 14:59 von Fine »

Listen to the wind blow, watch the sun rise
Running in the shadows, damn your love, damn your lies