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Autor Thema: Die Ered Mithrin  (Gelesen 1486 mal)

Curanthor

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Die Ered Mithrin
« am: 24. Feb 2017, 18:36 »
Aglarân mit der Katze und den Namenlosen aus den Gebieten nördlich des Erebors

Nach mehreren Tagen erreichten sie schließlich die Ausläufer der Grauen Berge. Aglarân bemerkte, dass seine Begleiter etwas unruhiger wurden, was ihn selbst aber nicht sorgte. Er wusste, dass er noch immer die Macht Mordors hinter sich hatte, auch wenn es ihn selbst eher ein Mittel zum Zweck war. Den Söldnern erzählter er davon nichts, das hatte er auch nicht vor, denn sie waren nur dazu da, um ihn erstmals den Rücken frei zu halten. Falls er sie nicht mehr braucht, kamen sie auch später nicht mehr in seinen Plänen vor. Am sechsten Tag nach ihren Aufbruch waren sie schon deutlich weiter und sie fanden erste Anzeichen von Orks. Ein verschrumpelter Orkschädel steckte auf eine aufgespießten Lanze. Die Zunge hing halb heraus und die Augen waren weit aufgerissen.
"Scheinbar mag man sich hier untereinander nicht sonderlich", kommentierte der Wortführer der Söldner und betrachtete die Waffe genauer, "Eine zwergische Waffe, scheinbar haben sich einige von den Maden in den alten Hallen niedergelassen."
"Das dürfte es etwas erleichtern sie zu finden", befand Agalarân kühl und warf der Katze ein paar Brotkrümel hin, die sie auch sofort verspeiste. Es herrschte schon tiefe Dämmerung, doch er ließ sie absichtlich nicht rasten um einen Begegnung zu provizieren. Ihm gefiel es noch immer nicht sonderlich sich mit Orks herumzuschlagen. Sie waren hinterhältig, unzivilisiert und stanken bis zu Himmel. Zwar hatte er keine empfindliche Nase aber der Geruch von diesen Gestalten war durchdringend und hatte immer eine Spur von Moder. "Wir folgen den Spuren", befahl er nach einem kurzen Moment der Stille und deutete dabei auf die breite, ausgetretene Spur.
Die Söldner nickten stumm und betraten den schlammigen Pfad, den die Meute Orks ausgetreten hatte, doch nach einigen hundert Schritt endeten die Spuren an einem Geröllfeld. Einzelne große Steine lagen auf dem Hand und ließen darauf schließen, dass es hier bereits ein paar mal einen größeren Erdrutsch gegeben hatte. Zweifelnd blickte Aglarân zu den schroffe Bergen empor, die sich links von ihm erhoben. Die abgebrochenen Kanten bestätigten seine Vermutung, was ihn nicht unbedingt beruhigte. Dennoch war es nichts, was ihn Sorgen bereitete.
"Scheinbar sind sie diesen Hang hinauf geklettert. Vermutlich führt er tiefer in die Berge.", mutmaßte der Anführer der Namenlosen und schickte sich an das Geröllfeld zu überqueren.
Ein stechender Geruch drang Algarân in die Nase und er packte den Mann sogleich am Kragen. Aus dem Augenwinkel bemerkte er, dass die übrigen Soldner die Hände an ihre Waffen legten. "Das ist eine Falle", wisperte er dem Mann zu und ließ ihn sofort los. Eigentlich hätte er ihn nicht warnen müssen, aber es war immer gut jemanden dabei zu haben, den man im Notfall vorschicken konnte. Die Söldner jetzt loszuwerden könnte sich später als Fehler herausstellen.
"Zeigt euch!", brüllte Aglarân gebieterisch und reckte sein Schwert, "Oder der Zorn des Großen Gebieters wird über euch kommen!" Seine Stimme hallte über den Hang und ließ einzelne Brocken poltern, ein paar Steinchen purzelten herab. Einen Augenblick lang geschah nichts und sie wollten sich abwenden, als eine gedrungene Gestalt hinter einem der Steine zum Vorschein kam.
"Wir dienen nicht dem Auge", zischte der Ork, duckte sich jedoch dabei und blickte dabei zu den übrigen Felsen, hinter denen die restliche Meute hervorkam. Einige von ihnen hielten gespannte Bögen in den umförmigen Händen und richteten sie auf die kleine Gruppe.
"Wollt ihr den Zorn des Gebieters, Sauron dem Großen über euch bringen, wenn ihr einen seiner persönlichen Boten angreift?", fragte Aglarân mit einer Eiseskälte in der Stimme und ließ damit die Orks ihre Bögen sinken. Der Anführer schien dennoch nicht überzeugt und fuchtelte mit einem schartigen Schwert umher und wisperte: "Das Auge ist weit fort, hier im Norden kann es uns nichts anhaben."
"Dann wird die Armee Khamûls vom Einsamen Bergs diese Berge vollständig säubern." Er bemerkte, dass einige der Orks bei der Nennung des Ringgeists sofort zusammenzuckten. Zwar war seine Drohung nicht wirklich handfest, doch sie genügte um den Anführer der Meute seine Waffe senken zu lassen. Die Furcht siegte und die Orks verstauten ihre Waffen. "Ich bin Dugbúrz", stellte sich der Anführer der Orks vor und verneigte sich, "Bote des Gebieters, seit uns willkommen." Anhand des Tonfalls bemerkte Aglarân, dass er genau das Gegenteil meinte, doch er nickte nur knapp. Innerlich bereitete er sich auf einen Kampf vor und traute dem Ork kein einziges Wort.
"Bring uns zu deinem Anführer", forderte er harsch und winkelte dabei seni Schwert vielsagend an.
Doch der Orks bleckte die Zähne und verneigte sich knapp. Es war selten, dass Aglarân einem Orks über dem Weg lief, der keine Furch vor ihm hatte, oder Dugbúrz versteckte es sehr gut. Auf jeden Fall sollte er den krummbeinigen Kerl im Auge behalten. Auf eine geheuchelt freundliche Aufforderung setzten die zwei Gruppen sich in Bewegung. Dabei wurden viele argwöhnische und misstrauliche Blicke gewechselt, wobei die Namenlosen Aglarân wortlos in die Mitte nahmen. Vor und hinter ihnen marschierten etwa fünzundzwanzig Orks, die ihnen nicht unbedingt freundlich gesinnt waren. Doch Aglarân war ihnen auch nicht unbedingt offen gegenüber. Sein Auftrag beschränkte sich nur auf Informationsbeschaffung, dennoch beschloss er etwas aktiver zu sein, als befohlen. Sie liefen neben dem Geröllhang einen steilen Berg hinauf und überquerten die Kuppe rasch, wobei sie einen guten Blick über das restliche Gebirge hatten: Dutzende scharfkantige Berge rekten sich dem Himmel entgegen, umringt von Kleineren. Ganz im Norden konnte er ein breites, weißes Band erblicken. Er bemerkte, dass der Berg auf dem sie standen deutlich höher war, als es ihm zuvor bewusst war. "Die Forodwaith, ein Land der Kälte. Beherrscht von mysteriösen Gestalten und Kreaturen, die selbst den Orks hier mehr Angst einjagen als der Dunkle Herrscher", sagte der Namenlose neben ihm plötzlich. Als er ihm den Kopf zuwandte, setzte der Mann nach: "Das haben sie sich beim Aufstieg des Hangs erzählt. Ein wenig verstehe ich ihr Gezische."
Aglarân nickte, auch wenn er nicht genau wusste, was genau furchteinflößender als das Auge sein konnte. Rasch schloss er mit dem Wortführer der Namenlose auf und blickte sich dabei immer wieder misstrauisch um, während die Sonne am Horizont ihre letzten Sonnentrahlen warf. Ihm fiel auf, dass die Orks geschickt das Sonnenlicht mieden um stets im Schatten wandelten. Es erstaunte ihn das zu sehen, denn er dachte, dass es bloß tumbe Kreaturen waren, auch wenn die Meute hauptsächlich wegen Dugbúrz sich so verhielt. Das war Aglarân gleich von Anfang an aufgefallen: Dass die restlichen Orks ihm stets alles nachahmten.
Sie marschierten einen sanft abfallenden Abhang hinab, auf dem sich einzelne Bäume tapfer gegen den schneidenden Nordwind stemmten. Flüchtig blickte der Númenorer nach der Katze um, die sich zu seiner Überraschung in einem Beutel der Namenlosen befand. Das Tier hatte die Augen geschlossen und schiend es zu genießen mal getragen zu werden. Nachdenklich blickte er den Träger an und meinte anhand der Gangart zu erkennen, dass es eine Frau war. Je länger er sie betrachtete, desto sicherer wurde er sich. Zwar konnte man durch die gleichen Rüstungen die die Söldner trugen nichts genaueres erkennen, doch sie schien seinen Blick zu bemerken. Ihr geschlossener Helm wandte sich ihm zu und ihr Blick schien einen Moment auf ihm zu ruhen. Schließlich nickte die Söldnerin nach vorn und lenkte Aglarâns Aufmerksamkeit auf einen Pfad, der sich durch die Berge schlängelte. Sobald sie den Abhang hinter sich ließen, bogen die Orks auf den halb verborgenen Pfad ein, der zu seiner Überraschung stellenweise unter den Dreck, Geröll und kleinen Pflanzen noch gepflastert war. Scheinbar befanden sie sich auf einem alten Zwergenpfad, den nun die Orks nutzten. Er hörte einige Fetzen der orkischen Gespräche, die dabei immer den Blick zum Norden mieden. Durch den längeren Marsch war es schon Nacht, als sie schließlich auf einen halb verfallenen Eingang zu einer Schlucht zuhielten. Aglarân blickte nach Rechts und Links, wobei er bemerkte, dass besagte Schlucht eigentlich ein alter Zwergentunnel war. Irgendwas hatte die Decke komplett weggerissen und schwacher Mondschein erhellte die ehemals polierten Marmorplatten auf dem Boden. Zwergische Runen schmückten einst die Wände, doch sie waren verschmiert durch Orkzeichen und mit Hämmern und stumpfen Gegenständen aus der Formg geschlagen. Dennoch waren die eckigen und geometrischen Baustile der Zwerge deutlich sichtbar. Langsam gingen sie durch den alten Tunnel, wobei Aglarân immer wieder zum Himmel blickte. Dabei entdeckter er drei, manchmal vier tiefe Kerben in dem Gestein. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, selbst die Orks beeilten sich in den hohen Gang zu kommen, der wohl ins Innere des alten Zwergenbaus führte. Es war merkwürdig still und keiner in der Gruppe sagte ein Wort, selbst die Orks schwiegen ehrfürchtig und blickten ebenfalls immer wieder hinauf zu der aufgebrochenen Decke. Klackernd stieß Aglarân mit dem Fuß gegen Etwas, dass alle zusammenzucken ließ. Ein rascher Blick verriet ihm, dass es eine komplett verbeutelte und zerquetschte Rüstung war. Die Orks liefen daraufhin beinahe und eilten in den scheinbar rettenden Gang. Ein heftiger Nordwind kam auf und blies ihnen kalt um die Ohren. Dann ware es vorbei und sie erreichten den Gang, in dem Dugbúrz aufgeregt mit einem anderen, dunkleren Ork sprach. Schließlich trat der Anführer der Orks an ihn heran. "Willkommen in meinen Hallen", spieh er feindselig aus und deutete mit seiner verkrüppelten Hand in die tieferliegende Halle, zu der eine lange Treppe hinunterführte. Einzelne Fackeln erhellten die alten Hallen und verbreiteten ein schummriges Licht. Algarân nickte und bedeutete den Söldnern ihm zu folgen, während er sich bereit machte die Treppen herabzusteigen.
« Letzte Änderung: 27. Feb 2017, 15:57 von Fine »

Curanthor

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Feindesland
« Antwort #1 am: 9. Mär 2017, 14:40 »
Aglarân wurde sogleich aufgehalten, als sich zwei Dutzend Orks ihm in den Weg stellten.  Dugbúrz drängelte sich an ihnen vorbei und erst dann war es ihnen erlaubt die unteren Hallen zu betreten. Auf der langen Treppe warfen sich die Söldner unbehagliche Blicke zu, die Aglarân auch nicht entgingen, genauso wenig wie die ängstlichen Blick der restlichen Orks, die sie begleiteten. Einzig Dugbúrz und der Ork mit dunkelgrüner Haut, der scheinbar doch nicht der Anführer war schienen keine Furcht zu haben oder sie gut zu verstecken. Schwacher Fackelschein flackerte auf der langen Treppe und Aglarân hatte leise Sorgen, dass sie wohl nicht so ungeschoren hier herauskommen würden, doch begrub er diese Zweifel sofort. Er war nicht hier um zu dienen sondern aus eigenem Interesse. Wenn sich ein ganzes Königreich in Aufruhr befindet müsste sich das auch irgendwie rumsprechen. Sein Blick ging zu den Söldnern, bei denen der Wortführer stets auf die anderen Mitglieder der Namenlosen einredete. Aglarân war nicht in deren Sprache geschult, so konnte er nicht wissen, was sie besprachen. Offensichtlich gefiel es den anderen Söldnern nicht, was deren Anführer ihnen erzählte. Seine Aufmerksamkeit wurde aber wieder nach vorn gelenkt, wo sich jetzt die große Halle öffnete, die mit Orks und Schätzen gleichermaßen gefüllt war. Er hatte schon geahnt, dass die stinkenden Kreaturen hier ihre Schätze lagern würden und drehte sich zu Dugbúrz um, der sie widerwillig zu einer zerschlagenen Steinsäule führte. Erst auf dem zweiten Blick erkannte Aglarân, dass die Steinsäule als Sitzgelegenheit diente. Zögerlich ließen sich die Söldner darauf nieder, nachdem der Ork eine Andeutung dazu machte. Selbige rotteten sich zusammen und folgten ihren Anführer, der sich ihnen gegenüber setzte. Dazu wurde ein riesiger Knochen herbeigezogen, auf dem sich Dugbúrz schließlich niedersetzte.
"Wir werden dem Auge folgen, wenn Ihr dafür uns einen der rivalierenden Stämme vom Hals schafft. Stecht die Maden ab und wir kommen zu einem Handel", verkündete Dugbúrz und löste damit ein hämisches Lachen aus orkischen Kehlen aus, "Oder fürchtet ihr Etwas?"
"Unterschätzt mich nicht!", donnerte Aglarân und legte die Hand an sein Schwert, "Oder der Schrumpelkopf, der mich beleidigt ist ganz schnell weg von den Schultern."
Dugbúrz bemerkte, dass er einen Fehler gemacht hatte und leckte sich über die unförmigen Lippen. In seinen Augen glomm Furcht. Also ist er doch nicht gefeilt, stellte der Númenorer zufrieden fest und blickte zu dem Anführer der Söldner. Auch sie hatten alle die Hände an den Waffen, während die restlichen Orks unschlüssig zwischen den beiden Anführern hin und her blickten.
Ein lauter Tumult vom Eingang ließ die Orks aufschrecken und quikend nach ihren Waffen greifen. Aglarân zog sofort seine Waffe und legte sie Dugbúrz an die Kehle. Der Ork starrte ihm mit weit aufgerissenen Augen an. Dann drangen Kampfgeräusche an ihre Ohren und das schrille Schreien von sterbenden Orks. Dugbúrz versuchte sich unter der schwarzen Klinge hindurch zu schlängeln, wurde jedoch zurückgehalten, da die Namenlosen ebenfalls ihre Waffen gezogen hatten.
"Wer greift da an?", verlangte Aglarân zu wissen und hörte, wie die Geräusche näher kamen.
"Die anderen Orks", zischte Dugbúrz schließlich feindselig, woraufhin er langsam seine Waffe senkte, "Der Handel ist geplatzt, der andere Stamm ist uns überlegen. Er ist dem Auge weniger gut gesonnen also würde ich zusammenkämpfen."
Doch Aglarân schüttelte den Kopf und verlangte nach einem Ausgang. Der Lärm des Kampes war nun auf der Treppe, was den Ork nervöser machte. Schließlich zeigte dieser ihnen widerwillig einen schmalen Gang, der in einer Mauer der Zwergenhalle gebrochen war. Als Aglarân mit den Namenlosen an den Tunnel traten, sahen sie wie Dugbúrz seine Meute gegen den feindlichen Stamm führte, der in rauen Mengen in die Halle strömte.
"Wieso hat er uns gehen lassen?", fragte der Anführer der Namenlosen, während sie den engen Tunnel entlanghasteten, "Ich dachte, er würde uns umbringen."
"Er musste seine Truppen anführen, die ohne ihn aufgeschmissen sind. Sie haben ihm alles nachgemacht, denn Dugbúrz war der einzige mehr oder weniger intelligente Ork in dieser Meute. Abgesehen von der Grünhaut."
Das Kreischen und Brüllen der Orks hallte in den Tunnel nach, was ihre Schritte schneller werden ließ. Sie liefen immer weiter, nahmen willkührlich irgendwelche Wege, wenn sich eine Möglichkeit bot. Aglarân wusste, wann er gegen eine Übermacht keine Chance hatte und so schnell wie möglich sein Leben retten wollte. So wie es jetzt der Fall war. Dass die Söldner dabei überlebt hatten, kümmerte ihn recht wenig, abgesehen von der Frau, aber nur weil sie die Katze trug. Das Tier hatte sich in dem Beutel zusammengerollt, wie er erkennen konnte und wunderte sich darüber, dass er sich um den Vierbeiner sorgte. Grummelnd lief er weiter und ordnete erst eine Rast an, als sie keine Geräusche hinter ihnen hörten. Irgendwie haben sie ihre Verfolger in den weitläufigen und verzweigten Tunneln abgeschüttelt. Dennoch war es nur eine Frage der Zeit, wann sie gefunden werden würden. Sie mussten die Tunnel so schnell wie es ging verlassen.
« Letzte Änderung: 9. Mär 2017, 15:01 von Curanthor »

Curanthor

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Flucht
« Antwort #2 am: 12. Mär 2017, 02:08 »
Er wusste nicht, wie lange sich schon durch die Tunnel liefen, doch er schätzte auf mehrere Stunden, denn sein Atem ging nun keuchend. Aglarân meinte vereinzelt hin und wieder Geräusche in den verschiedenen Abzweige zu hören, doch zu ihren Glück wurden sie noch nicht erwischt. In dem hektischen Rückzug hatten sie nur eine einzige Fackel erbeuten können, die er selbst nun trug. Die Söldner sicherten sich mit gezogenen Waffe zu allen Seiten hin ab, während sie weiter durch die finsteren Gänge marschierten. Hier unten stank es nach Moder, Schimmel und anderen undefinierbaren Gerüchen, die Aglarân auf keinen Fall tief genug einatmen wollte. Überdeckt wurde der uneträgliche Gestand von den Verpestungen der Orks, die dem ganzen Geruchsinferno die Krone aufsetzten. Er bemerkte, dass sich die Katze ganz klein gemacht hatte und die Frau oft die Hand vor dem Mund hielt. Trotz der Sturmtücher schien der Gestank die Söldner ebenfalls zu belästigen. In den großen Zwergenhallen, die Orks besetzt hatten, war es nicht so schlimm gewesen aber hier in den Tunneln war es schwer zu ertragen. Selbst nachdem Stunden gewandert waren und die Fackel gefährliche nahe herabgebrannt war, ließ der Gestank nicht nach. Aglarân war sich aber bewusst, dass der Gestank ihnen zeigte, wohin sie gingen, denn wo der Geruch war, waren die Orks nicht weit.

Nach fast einem ganzen Tag hastigen Wandern wurde ihnen klar, dass sie noch immer verfolgt wurden. Mittlerweile waren alle am keuchen und Aglarân begann zu schwitzen, trotzdem es hier im Norden recht kalt war. In der Ferne hörten sie hin und wieder das Kreischen der Orks. Nachdem sie bei der neunten Pause unterbrochen worden waren, wandte sich der Sprecher an Aglarân: Vielleicht sollten wir einen Ausgang suchen."
"Was denkst du, was ich versuche?", blaffte er zurück und deutete willkührlich in einen Abzweig. Kurz zögerte er denn, der Gestank ließ nach, gleichzeig tanzte die Fackel, flackerte auf und verlösch schließlich. Die Söldnerin neben ihm mit der Katze stöhnte laut auf und deutete scheinbar erleichtert den Gang hinauf. Fahles Sonnenlicht fiel in den Schacht. Ohne Absprache rannten sie auf den Ausgang hinzu, während hinter ihnn der Lämr der Orks anschwoll. Es war ihr Reich, dass war Aglarân klar und sie kannten sich besser aus, womöglich hatten sie eine Abkürzung genommen. Keiner der Söldner blickte zurück und er selbst ebenfalls nicht. Doch anhand des Schreiens erkannten sie, dass die Verfolger sehr nah waren. Aglarân erreichte den Ausgang als Erster und stürmte in das Sonnenlicht hinaus. Geblendet taumelte er umher und stieß gegen Etwas hartes. Hinter ihm keuchte der Anführer der Söldner auf und prallte gegen Aglarâns Rückenpanzer. Sogleich taumelte an ihm der bisher unauffällige, dritte Söldner vorbei. Aglarân wollte schon sich umblicken, als er einen schrillen Schrei hörte, gemischt mit dem Kreischen und Brüllen der Orks. Sein Blick huschte zum Ausgang, wo die Söldnerin von einer Horde der stinkenden Kreaturen an den Beinen festgehalten wurde. Sie schlug verzweifelt um sich und starrte ihn mit weit aufgerissen Augen an, während sie langsam zurück in den Gang gezogen wurde. Aglarân zögerte einen Moment, fluchte jedoch und warf sich nach vorn. Er warf dabei die Fackel und traf einem Ork im Gesicht, der gerade der Frau das Halstuch wegriss und dabei seine Krallen über die Wangen der Söldnerin fahren ließ. Sie schrie auf und strampelte sich frei, während Aglarân einen gewaltigen, beidhändigen Hieb gegen die widerspenstigen Orks führte. Sein Schwert traf die beiden dunkelhäutigen Kerle, die die Beine der Söldnerin festgehalten hatten und durchtrennte einen Hals und zerschmetterte ein Schlüsselbein. Inzwischen waren die anderen beiden Söldner zu Hilfe gekommen und zogen die verletzte Söldnerin aus dem Tunnel. Aglarân schlug mit seinem gepanzerten Handschuh gegen den Kopf eines Orks. Der Stahl zerriss die Haut, ließ sie aufplatzen und schlug ein Loch in den Schädel. Die Zacken bohrten sich in den Knochen, bis der Körper des Orks dem Druck nachgab und mit scheppernd gegen die Tunnelwand schmetterte. Sogleich sprang Aglarân zurück und rollte sich ab, hinaus in das Sonnenlicht. Seine Gegner sprangen hinterher, zogen sich jedoch sofort aus der Sonne zurück und beschränkten sich auf Gesten und Schmährufe im Tunneleingang.

Aglarân half musterte die Söldnerin, deren weiche Wangen von Kratzern blutig waren. Sie hatte fein geschwungene Lippen und eine leicht gebogene Nase, ein spitzes Kinn. Nichts das sie beim sprechen hinderte, doch sie schwieg, selbst als er nach der Katze fragte. Ein Miauen aus dem Beutel beruhigte ihn jedoch soweit, dass er sich den Anführer der Söldner zur Brust nahm, ohne ihn mit dem Schwert zu bedrohen.
"Warum redet sie nicht?", fragte er direkt und erhielt einen fragenden Blick, "Glotz mich nicht so an, es ist doch offensichtlich, dass sie nicht so schwer verletzt ist, dass sie nicht sprechen kann."
Doch der Mann antwortete nicht, sodass Aglarân ihn grob zur Seite stieß und wieder zurück zur Frau marschierte. Ihr sonst so ruhiger Blick wurde leicht panisch, als er mit großen Schritten und wehendem Mantel auf sie zumarschierte. Breitbeinig blieb er vor ihr stehen und nickte ihr auffordernd zu. Die Frau, noch immer wundersamerweise mit der Kapuze auf dem Kopf zögerte, griff dann aber zu ihrem Halstuch. Der andere Söldner marschierte davon und auch der Sprecher der Namenlosen zog sich zurück. Aglarân fiel auf, dass der Vierte der Söldner fehlte, kümmerte sich jedoch nicht darum. Sein Blick galt der Frau die nun ihr Halstuch weiter herabzog und somit den Blick auf ihren Hals freigab. Ein wusltigte Narbe prangte auf ihrem Hals ließ ihn die Brauen zusammenziehen. Beschämt zog sie da Tuch hoch und rekte sich ihm entgegen, doch Aglarân bewegte sich keinen Handbreit.
"Schmerzen...", wisperte die Frau überraschend und deutete zu ihren Hals.
"Es bereitet dir...", fragte Aglarân nach und erhielt ein knappes Nicken, "Und woher?"
"E... El.. Elben", antwortete die Söldnerin sichtlich unter Schmerzen und zog das Tuch wieder über ihr Gesicht, doch er packte ihre Hand. Ihre Augen weiteten sich ein Stück, als er zu seinem Gürtel griff. Scheinbar befürchtete sie, dass er sich umbringen würde, doch dafür fehlte ihm die Lust und er hatte auch keinen Grund. Zudem würde es dem widersprechen, was er sich selbst von einer paar Stunden gedacht hatte: Er würde kein Werkzeug mehr sein wollen. Wenn er sie einfach tötete war sie nichts anderes als ein Werkzeug für ihn gewesen.
"Versorg das, "sagte er schließlich und nickte in ihr Gesicht,auf dem sechs Kratzer prangten, "Oder du siehst so aus." Dabei zog er ein kleines Stück seinen Helm hoch sodass man die breite Narbe an seiner Wange sehen konnte.
Die Söldnerin zog die Augenbrauen zusammen und nickte schließlich, woraufhin er ihre Hand losließ. Agalrân schnaubte und wandte sich zum gehen, doch glaubt er ein Geräusch zu hören. Die Sölderin erhob sich schwankend und legte sich ihre Hand auf die Brust, "Iva", sagte sie extrem leise und legte ein Hand auf den vermummten Mund.
"Ich habe nichts gehört...", sagte er laut und blickte zu den anderen Söldnern, die zu ihnen herüber blickten, "Söldnerbande"
Säuerlich ging er an ihr vorüber, wobei sie einen kaum hörbaren Dank flüsterte.
"Für meine Katze, nicht für dich, Iva", antwortete Aglarân genauso leise und schnaubte dabei. Er nahm ihr den Beutel mit der Katze ab, die ihren Kopf herausstreckte und ihn neugierig anblickte.
"Schlaf", sagte er nur und legte den Beutel auf einen angewinkelten Arm, während er zu den anderen Söldnern ging. Die Frau mit dem Namen Iva ging hinter ihm. Nach ein paar Momenten hatte der Anführer der Namenlosen sie versorgte und Aglarân drängte zum Aufbruch.
"Weiß einer wo wir sind?", fragte er schließlich und blickte sich um. Vor ihnen lag eine weite Ebene, die nur sanfte Erhebungen aufwies. Weit im Norden konnte man ein weißes Band erkennen, wobei sich seine Frage erübrigte. Sie waren deutlich näher an die Forodwaith gekommen als zuvor. Nachdenklich blickte er sich um, denn sie befanden sich and em Fuß der Berge, die von den feindlichen orks bewohnt waren und vor ihnen breitete sich eine kühle Ebene aus mit wenigen Möglichkeiten zum Verstecken. Er schnaubte und verfluchte den Auftrag, den er somit als gescheitert ansah. Es war eine blöde Idee gewesen diesem Wunsch nachzukommen, zumal er die Tochter von dem Fürsten so oder so nicht kannte. Algarân hatte sich stets im Hintergrund gehalten, wahrscheinlich kannte sie noch nicht einmal seinen Namen oder wusste, dass er sie schon ein paar mal beschützt hatte. Kurz schlug er sich mit der gepanzerten Faust gegen den Helm und konzentrierte sich wieder auf das vorliegende Problem. Er konnte keine Zeit verschwenden, wahrscheinlich war die Fürstentochter so oder so schon an jemanden verscherbelt um irgendwelche politischen Bande zu schmieden. Aglarân grunzte unzufrieden und schob die störenden Gedanken beiseite, er konnte eh nichts mit Frauen anfangen. Vor ihm lag ein Kampf und er entschied sich für die Herausforderung und nicht die Flucht, wo er womölich sterben würde.
"Wir gehen in die Ebene vor uns und versuche so viel Abstand zu den Bergen zu gewinnen wir möglich", verkündete er und deutete nach Norden, "Einfach dort in die Richtung. Sobald es schneit werden sie unsere Spuren verlieren. In den Bergen können wir uns nicht verstecken, das ist ihr Reich."
"Ihr müsst uns nichts erklären", sagte der Sprachführer der Söldner und nickte nach Norden, "Wenn Ihr sagt wir gehen dorthin, dann gehen wir. Wir haben einen der Unseren in dem Angriff von zuvor verloren, aber uns war klar, dass das passieren kann, als wir uns Euch anschlossen. Weist den Weg, Herr."
Aglarân war die Abwesenheit des viertens Söldners gar nicht aufgefallen, aber es kümmert ihn auch nicht sonderlich. Wenn er sich nicht selbst verteidigen konnte, dann auch sicherlich nicht ihn oder die anderen drei Söldner. Sein Blick streifte den der Frau, die sofort zur Seite blickte und ihr Halstuch bis zu den Augen hochzog. Aglarân schnaubte und marschierte los.

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Die nördlichen Ausläufer der Ered Mithrin
« Antwort #3 am: 13. Mär 2017, 21:43 »
Nach einem anstrengenden Marsch mit pfeifenden Nordwind erreichte Aglarân zusammen mit den verbliebenden Söldnern eine Steinformation in den falchen nördlichen Ausläufern der Grauen Berge, rechts und links konnte er ganz verschwommen einzelne Bergketten sehen, die wie Arme auf die Ebenen griffen. Sie waren noch lange nicht außerhalb der Reichweite des Gebirges und er hatte keine Lust herauszufinden, ob die neutralen Orks gegenüber ihren Feinden gesiegt haben oder nicht. So wie es bei ihrer Flucht aussah, schien es so als Dugbúrz mit seinen Orks deutlich in der Unterzahl war. Hier draußen war es deutlich kälter als auf den Bergen des Gebirges selbst, was aber offensichtlich von den Winden der Forodwaith herrührte. Sein Blick ging zu der verwundeten Söldnerin, die mit seiner Katze spielte. Er hatte das Tier aus dem Beutel gelassen, da es immer unzufriedener geworden war und leise gefaucht hatte. Irgendwie erinnerte es Aglarân an seine eigene Situation. Nur war er sich noch nicht darüber im Klaren, wann der richtige Zeitpunkt war, die richtige Katze aus dem Sack zu lassen. Immerhin war ihr Auftrag gescheitert und die Stärkeverteilung in dem Grauen Gebirge offensichtlich. Die Orks folgten niemanden, zumindest nicht dem Auge und das war alles, was zählte. Doch ihn selbst kümmerte es nicht, denn er hatte nichts von einem Krieg hier im Norden, der ja offensichtlich vor der tür stand, wenn Saruman in den Düsterwald ging. Nachdem was in Dol Guldur geschehen war, konnte man schon vorhersehen, was sein nächster Schritt sein würde.
"Wir befinden uns genau auf der Grenze zwischen der Dürre Heide, den Grauen Bergen und der Forodwaith", sagte der Anführer der Namenlosen und Aglarân bemerkte die Unsicherheit in dessen Stimme.
"Und wo ist da das Problem?", fragte er schließlich ungehalten, dabei ballte er die gepanzerte Faust.
"Nun mein Herr, die Dürre Heide wird selbst von den Orks gemieden und auch die anderen Bewohner würde kein Geld der Welt an diesen verfluchten Ort bringen. Selbst meine Gefährten haben sich gegen diesen Weg ausgesprochen. Ich weiß, dass es Euch egal ist, aber die Dürre Heide beheimatet unbeschreibliche Feinde."
Aglarân nickte nachdenklich und spielte mit einem Stein, den er auf dem Boden gefunden hatte, ehe er sagte: "Also entweder versuchen sich durch das Graue Gebirge zu schlagen und dabei ständig von Orks verfolgt werden oder in die Dürre Heide gehen und dort von wahrscheinlich noch unangenehmeren Dingen überrascht werden, womöglich sogar Trolle."
Einer der Söldner erhob sich und löste den Anderen ab, der Wache gestanden hatte und dabei um den Lagerplatz umhergewandert ist. Kurz warf die Söldnerin mit dem Namen Iva ihm einen Blick zu, ehe sie um einen der Steine herumging. Dabei sprang die Katze um ihre Beine herum, kehrte aber sehr rasch wieder zurück und strich nun Aglarân um die gepanzerten Beinschienen.
"Wie ist der andere Söldner abhanden gekommen?", fragte er an den Wortführer der Namenlosen gewandt, der gerade vergeblich versuchte ein Lagerfeuer zu entzünden. Der Mann stockte kurz in seiner Arbeit und warf ihm einen raschen Seitenblick zu, den Aglarân aber nicht richtig wahrnahm, denn er prüfte den Stand der Sonne.
"Er war einer der Männer, die als Erste in meine Dienste getreten sind. Damals waren wir noch mehr und trieben unser Unwesen weitab der gängigen Wege. Er wurde wohl in den Tunneln von uns getrennt, denn ich habe ihn nicht gesehen. Wenn es Orks gewesen währen, die ihn geschnappt hätten, so würde ich nicht hier stehen, " Der Wortführer gab es auf das Feuer zu entfachen und verstaute die Hölzer wieder in seinem Beutel, "Er war mein Schwertbruder, ich hätte ihn überall herausgeholt, aber dass er einfach so verschwunden ist will mir nicht aus dem Kopf gehen."
"Kann es nicht sein, dass er uns betrogen hat?" Die Frage Aglarâns ließ den Mann kurz zusammenzucken, doch er schüttelte nur den Kopf. Offensichtlich wollte der Namenlose nicht weiter darüber sprechen, denn er zog sich zu dem anderen Söldner zurück, der stumm auf einem flachen Stein saß und in den Norden starrte. Aglarân hörte die beiden Männer auf einer unbekannten Sprache reden und zuckte mit den Schultern. Ihm selbst war es egal, ob der Söldner sie verraten hatte, denn was sollte schon geschehen. Er würde auf kurz oder lang in den Bergen sterben und Aglarân würde das nicht einmal interessieren. Der Auftrag war gescheitert, jetzt musst er zusehen, dass er irgendwie einen Ausweg fand, wie er von hier wegkam. Sein Blick fiel auf die zwei Söldner, wobei sich der Wortführer wieder erhob.
"Er hat mir etwas erzählt, das er mal von Einsiedlern in dieser Gegen gehört hat", begann der Mann und nickte dabei zu dem einsamen Söldner, der gerade eine Kleinigkeit aß, "Ihm geht eine Geschichte nicht aus dem Kopf. Es ist zwar nur ein Kindermärchen aber es hieß, dass wenn man im Norden die Lichter am Himmel erblicken würde, könnte man die Geister der Erforenen in den riesigen Eislandschaften finden. Außerdem heißt es in dem Märchen, dass mutige Wanderer oftmals durch Schneetreiben stolperten und dann unversehrt an einem anderen ort erwachten. Natürlich ist das alles Blödsinn aber..." Der Wortführer brach ab und blickte an Aglarân vorbei, der hinter sich Schritte hörte. Die kleinen Steinchen auf dem Boden knirschten leise, als die Söldnerin an ihm vorbei ging und dem Mann Etwas in's Ohr tuschelte. Als sie sich wieder entfernte, glaube Aglarân eine gewisse Spannung in der Luft zu spüren. Wind kam auf und zerrte an seinem Mantel, der sich bauschte.
"Ein Schneesturm", verkündete der Anführer der Namenlosen und deutete an einem der Felsen vorbei nach Norden, "Und er ist sehr schnell. Wir werden es nicht rechtzeitig schaffen zurück ins Gebirge zu fliehen."
Aglarân ging gemeinsam mit dem Wortführer an dem Felsen vorbei und auch der andere Söldner schloss sich an. Die Katze folgte ihm, auch wenn sie sogleich einen Buckel machte und fauchte. Iva deutete nach Norden, wo eine gewaltige Walze aus wirbelnen Weiß auf sie zuhielt. Sie schien den gesamten Horizont auszufüllen und schien nur einige Stunden entfernt zu sein. Selbst als sie das Phänomen beobachteten, schob es sich ein kleines Stück näher. Weniger als ein paar Stunden, dachte sich Aglarân besorgt und ging in die Knie. Dabei öffnete er den Beutel, den nun die Katze bewohnte. Das Tier sprang sofort hinein. Überraschend hielt ihm jemand eine paar Stofffetzen unter die Nase und als er aufblickte bemerkte er Iva. Nickend nahm Aglarân den Stoff und packte ihn zu der Katze. Vorsichtig befestigte er den Beutel an seinem Gürtel und achtete darauf, dass er von seinem Mantel verdeckt wurde. So sehr er es hasste, so musste er sich eingestehen, dass er die Katze nicht sterben lassen wollte. Immerhin hatte sie Mut und war ihm bis hier her gefolgt, das war eine Tatsache, die er belohnen musste. Zudem fühlte er sich in einer gewissen Weise beeindruckt. Langsam erhob Aglarân sich und blickte nach Osten zu den Ausläufern der Grauen Berge, die etwas vorgelagert waren. Schließlich gab er die Anweisung, dass sie es versuchten die östlichen Ausläufer erreichen, bevor der Sturm sie einholte. Keiner der Söldner zögerte, denn hier auf nahezu offener Ebene war klar, dass sie wenige Chancen hatten. Sie musste es versuchen.
Und wenn ich dabei sterbe, kann ich wenigstens behaupten, dass ich es versuchte habe, mich aus der Umklammerung zu befreien, dachte sich Aglarân, ehe er loslief. Dabei pfiff ihm der Wind immer lauter um die Ohren und er war froh, dass seine Rüstug entsprechend ausgestattet war um die Kälte fernzuhalten.

Curanthor

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Schneesturm des Nordens
« Antwort #4 am: 15. Mär 2017, 00:33 »
Es hat nicht geklappt. Der Wind war kalt und schneidend, selbst durch die kleinsten Spalten seiner Rüstung fand die Kälte einen Weg. Schnee wirbelte ihm unablässig in die Augen und das Pfeifen des Windes war bereits zu einem durchgehenden Dröhnen geworden. Aglarân umklammerte die Hand des Söldners, der hinter ihm ging. So verloren sie sich nicht in dem dichten Schneetreiben, was unklug wäre, da sie die Vorräte aufeinander aufgeteilt hatten. Tief gebeugt setzte er einen Fuß vor dem Anderen, darauf konzentriert auf keinen Fall stehen zu bleiben. Aglarân musste dafür seine gesamte Körperkraft aufbringen und zog gleichzeitig die Söldner mit sich. Um die sorgte er sich weniger, mehr um den Proviant, den sie trugen, denn darunter befanden sich auch trockene Hölzer, ohne die er in der kargen Gegend aufgeschmissen war. Etwa auf der Hälfte des Weges hatte der Sturm sie eingeholt, sie zum Schluss gelaufen sind. Schon nach einer kurzen Zeit innerhalb des weißen Infernos hatte er das Zeitgefühl verloren und ein gutes Stück seiner Orientierung. Das weiße Flirren machte es ihm unmöglich weiter als zwei Meter zu blicken, stellenweise sogar noch weniger. Mühselig machte Aglarân einen weiteren Schritt und keuchte nun angestrengter als zuvor. Lange könnte er das nicht aushalten und konzentrierte sich auf seinen Herzschlag. Das war die einzige Methode gewesen, wie er in etwa die Zeit messen konnte. Durch die ständige Gefahr von dem Weg abzukommen war er aber zu oft abgelenkt um zu zählen. Zusätzlich nahm die Kälte zu, was Aglarân trotz der Rüstung bemerkte. Zwar hatte er sich ein Tuch vor das Gesicht gebunden, doch der schneidende Wind fuhr so heftig darunter, das es wenig brachte. Ein rascher Blick zurück bestätigte ihm, dass sein Hintermann das gleiche Problem hatte wie er. Nach einem weiteren Schritt spürte er einen glatten Untergrund unter seinem Stiefel und fluchte laut. Unter der Schicht Schnee befand sich ein gefrorener Wasserlauf und er konnte nicht ausmachen wie groß oder breit jener war. Durch den gezwungenen Stop konnten die anderen beiden Söldner aufholen, dabei hielten sie sich alle an den Hände, da das Schneetreiben nur den Nebenmann erkennen ließ. Verlor man sich nur für einen Augenblick, war man verloren, denn durch den lauten Sturm konnte man sich auch nicht durch Rufe wiederfinden. Durch aufwändige Zeichensprache konnte Aglarân seinen Begleitern mitteilen, woran das Problem lag. Der Sprachführer der Söldner war außerhalb seines Sichtfelds und an seiner Hand befand sich der Söldner, den er nie gesprochen hatte. Eben jener führte Ivas Hand an die von Aglarân und der Mann machte einen vorsichtigen Schritt nach vorn. Der Söldner nickte und machte noch einen Schritt, sodass er in dem Schneetreiben nur ein von weißen Flocken umwirbelter Schatten war. Es knirschte, was man trotz des Brüllens des Sturms hören konnte. Der Sprachführer der Söldner brüllte Etwas, doch es war zu spät. Der Mann verschwand einfach plötzlich von der Bildfläche. Eingebrochen in das Eis und somit unerreichbar für sie. Iva machte einen Schritt nach vorn, doch er hielt sie zurück und deutete auf das Eis. Noch während sie nach unten blickten gefror die Bruchstelle langsam, von dem Mann war jedoch keine Spur. Aglarân blickte zu Iva und dem Sprachführer, der nun sich auf seine freie Seite stellte. Der Söldner beugte sich ihm herüber und schrie ihm ins Ohr: "Das ist ja mal scheiße gelaufen, denn er war der Einzige, der sich hier wenigstens ein bisschen auskannte. Ich schätze wir müssen nordwärts und eine dickere Eisschicht finden um den Lauf zu überqueren."
Anstatt einer Antwort nickte Aglarân nur und bedeutete Iva mit Hilfe von Handzeichen, was sie vorhatten. Die Söldnerin nickte ebenfalls und so machten sich die drei bibbernd auf dem Weg. Der Númenorer fluchte innerlich, da der Verlust des zweiten Söldners innerhalb kurzer Zeit bedenklich war. Mit ihm sind auch die meisten Feuersteine abhandengekommen, einzig Aglarân selbst besaß noch welche in seinem Beutel, den er immer bei sich führte. Ob die paar Steinchen aber für ein größeres Feuer von drei Personen reichte, bezweifelte er. Er biss die Zähne zusammen und fluchte erneut, öffnete aber nicht den Mund um Wärme zu sparen. Zwar wurde er nicht hierfür geschult, doch hatte er durchaus Erfahrung in den Bergen und da war es auch oft kalt. Das Prinzip war ähnlich und die anderen Söldner schienen auch nicht dämlich zu sein, bis auf den Kerl, der gerade eingebrochen war. Kurz fragte er sich, ob der Mann wohl gelitten hatte oder ob es schnell ging. Man wusste, dass das Erfrierend recht langsam und schleichend ging, aber wenn man in einem eiskalten Bach fiel dürfte das durchaus schmerzhaft sein. Aglarân rechnete damit, dass der Mann eher ertrunken ist, als erfroren und setzte sich wieder an die Spitze der nun geschrumpften Gruppe. Durch die kleine Pause war der Sturm ein wenig abgeflaut und das Dröhnen in den Ohren ließ etwas nach, dennoch war das Schneetreiben nun dichter als zuvor. Irgendwie hatte er auch ein merkwürdiges Klingeln in den Ohren, das irgendwoher kam. Er tat es jedoch als Einbildung ab, vielleicht waren durch den heftigen Wind seine Ohren verletzt oder überlastet. Iva zupfte an seiner Hand und sobald er sich umblickte, deutete sie nach Norden. Mit zusammengekniffenen Augen hob Aglarân den Blick, sodass ihm dutzende Schneeflocken in sein Gesicht flogen. Unscharf konnte er zwei Konturen ausmachen, die vor ihm aus dem Boden wuchsen. Sofort legte er die Hand an sein Schwert, woraufhin die Konturen sich als zwei lange Eiszapfen entpuppten, die aus dem Boden ragten. Seufzend ließ er die Waffe los und entspannte sich, als die Sölderin erneut an seiner Hand zupfte. Entnervt drehte er sich um und erblickte erneut verschwommene Konturen in dem Schneetreiben. Die anderen beiden Söldner rückten zusammen und zogen ihre Waffen, während Aglarân abschätzend wartete. Er kniff die Augen zusammen und bemerkte mit Erstaunen, dass sich die Konturen bewegten; erst waren es zwei, dann drei, bis schließlich sie von fünf verschwommenen, schlanken Gestalten umringt wurden.
"Die Waffen weg", sagte er gegen den pfeifenden Wind zu seinen Söldnern und starrte auf die schlanken Gestalten, die das Schneetreiben scheinbar nicht preisgeben wollten. Die zwei Söldner lösten nur widerwillig die Hände von ihren Waffen und steckten sie fort. Plötzlich zog der Anführer der Namenlosen einen Dolch und sprang mit einem Schrei nach vorn. "Sterbt, Elbenpack!" Der Mann brüllte und schlug nach einen der Gestalten, die noch immer unerkennbar waren. Zu Aglarâns Überraschung wich der Schemen dem Söldner unheimlich schnell aus und stach mit Etwas zu. Keuchend taumelte der Getroffene zurück und hielt sich den Arm. Ein riesiger, spitz zulaufender Eiszapfen ragte aus der Schulter des Söldners und trat unterhalb des Schulterblatts wieder aus. Blut troff aus der Wunde, doch es gefror sofort in der Kälte. Eine undefinierbare Stimme erhob sich, sie sprach in einer unbekannten Sprache und war weder männlich, noch weiblich. Die drei blickten sich fragend an, doch als die unbekannte Stimme verstummte, wirbelte ihnen Schnee in die Gesichter. Etwas traf Aglarân schwer im Nacken, es war kalt und trotz der Rüstung spürte er, wie sich sein Bewusstsein aus Schutz zurückzog. Sein Blick flirrte, war von bunten Punkten durchzogen, dabei erblickte er wie auch die anderen beiden Söldner zu Boden fielen. Das Letzte was er sah, war ein gepanzerter Stiefel aus eisblauen Metall, der sich vor sein Gesichtsfeld setzte. Zumindest hielt er es für Metall, ehe alles um ihn herum schwarz wurde. Was blieb war eine durchdringende Kälte und der heulende Nordwind.

Aglarân samt Begleiter zu einem unbekannten Ort
« Letzte Änderung: 31. Mai 2017, 08:10 von Fine »