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Autor Thema: Der Palast des Fürsten  (Gelesen 18179 mal)

Thorondor the Eagle

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Der Palast des Fürsten
« am: 26. Jun 2011, 23:13 »
Celebithiel und Amrûn aus der Stadt


Die beiden Elben durchschritten die Torpforte und gelangten in einen wunderschön dekorierten Vorraum von nicht zu verachtender Größe. In der Mitte war ein dunkelblauer Teppich aufgerollt, dessen Ränder mit silbernen Wellen verziert waren. Am Durchgang zum Korridor standen zwei Soldaten in ihren festlichen Rüstungen. In ihren Händen hielten sie stolz das Banner der Schwanenstadt.

Sogleich eilten zwei Diener herbei und nahmen den Herrschaften die Umhänge ab ohne auch nur ein Wort zu sprechen oder sie direkt anzusehen. Unaufgefordert folgte Amrûn dem Läufer, Celebithiel klammerte er fest unter seinen Arm. An den Wänden links und rechts hingen geschichtenerzählende Bilder. Teils bildeten sie heroische Taten, großherzige Fürsten der Stadt und wohlhabende Menschen ab. Plötzlich stoppte Celebithiel und starrte an die Wand.

„Gwilwileth! Was ist los?“, fragte Amrûn.
„Sieh nur dieses Bild! Lange muss es her sein, dass dies geschah.“

Amrûn blickte auf das gemalte Meisterwerk: ein von Wolken verdunkelter Himmel, Andeutungen von grellen Blitzen am Horizont, tosende Wellen die sich an steilen Klippen brachen; am Ufer standen Figuren die mit hocherhobenen Laternen auf das wütende Meer hinausleuchteten und in der Mitte des Gemäldes war ein prächtig weißes Schwanenschiff.

„Amroth, König von Lothlorien im tobenden  Sturm des Schicksals. Es sollte ihm nicht bestimmt sein, seine Geliebte Nimrodel wieder zu sehen. Zumindest nicht in dieser Welt“, sagte die Elbe mit einer dumpfen, traurigen Stimme.
„Eine grausame Vorsehung, doch führte sie zum Umbruch und machte die Stadt zu dem was sie heute ist. Wir wären nicht hier und würden auf das Gemälde starren“, entgegnete er. Doch auf einmal überkam Amrûn ein merkwürdiges Gefühl. Ihm wurde kalt als er auf die Farbe schaute und sich an die Lieder erinnerte, in denen Nimrodel und Amroth besungen wurden. Seine Finger fühlten sich kühl an und das Schlucken fiel im schwer.

„Geht es dir gut?“, riss ihn Celebithiel aus den Gedanken.
Der Elb schloss seine Augen und unterdrückte eine Träne. „Ja! Es geht schon“, sagte er mit kräftiger Stimme und ging mit seiner Begleiterin zum Ende des Ganges.

Vor ihnen eröffnete sich ein großer Saal. Er war hell beleuchtet und bunten Gardinen geschmückt. Von der Decke hingen duzende Girlanden aus blauem, weißen und silberbestickten Stoff. In die Ecken und an die Wände hatten sie hohe, in sattes grün getauchte Pflanzen gestellt und durch die hohen Fensters schienen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Der Saal war gefüllt mit Menschen in pompösen Kostümen und mysteriösen Masken. In der Mitte wurde zu einer herrlichen Orchestermusik getanzt und am Rande waren die Menschen in Gespräche vertieft.
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:11 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #1 am: 16. Jul 2011, 18:22 »
Der Abend verging nur schleppend. Die Elben musterten die mehr werdenden Gäste vom Rande des Ballsaales. Sie wagten es nicht mit anderen zu sprechen, vielmehr wirkten sie als würden sie nicht dazu gehören und so fühlten sie sich auch. Es erschien Amrûn merkwürdig, dass alle hier feierten während der Feind vor den Toren wartete und mit erhobener Klinge den Kopf des Fürsten forderte. Sie mussten mit ihm sprechen, aber wie würden sie das anstellen?

„Verzeiht mir, mein Herr, dürfte ich Sie um diesen Tanz bitten“, kam plötzlich die sanfte Stimme von Limris von der Seite. Der Elb blickte sie an und lächelte. Auch Berehal war dabei und forderte zeitgleich Celebithiel auf.
In der Mitte des Saales bildeten sich zwei Reihen, auf der einen Seite standen die Männer und blickten in die Augen ihrer gegenüberstehenden Tanzpartnerinnen. Die Musik begann ein Stück zu spielen und ehe der Tanz anfing verbeugten sich die Mitwirkenden. Zu Beginn bewegten sich die Paare einige Schritte aufeinander zu, klatschten einmal in die Hände und traten ein kleines Stück zurück. Dies wiederholte sich, bis sich Mann und Frau gegenüber standen. Sie hängten die Arme ineinander und drehten sich einmal herum. Bei den nächsten Schrittfolgen hatte Amrûn die Gelegenheit mit anderen Frauen zu tanzen, doch am Ende kehrte er wieder zur Limris zurück. Er verneigte sich nochmals vor ihr und bedankte sich für den Tanz. Gemeinsam gingen sie von der Tanzfläche.

Alle vier griffen nach einem Becher mit jungem quirrligen Wein. Limris und Berehal grüßten einige der vorbeigehenden Menschen, doch die meisten erkannten sie wegen der Maskierung auch nicht.
„Berehal, Limris!“, grüßte ein Mann mittleren Alters und blieb stehen.
„Guten Abend“, gaben sie zurück.
„Wie geht es euch?“
„Wir genießen das Fest, danke der Nachfrage“, antwortete die Elbe.
„Und wer sind eure Freunde hier?“, fragte er neugierig.
„Gwilwileth und Idrith. Sie sind vor einigen Tagen mit dem Schiff angekommen.“
„Ich bin Berend. Angenehm ihre Bekanntschaft zu machen“, schmeichelte er den Elben „Woher kommen sie denn, wenn ich fragen darf?“
„Einige Elben haben uns in Edhellond gefunden und hierher gebracht. Sie sagten uns, dass wir hier in Sicherheit seien“, antwortete Amrûn.
„So, so. Gestern noch Flüchtlinge und heute seid ihr auf diesem fürstlichen Fest?“, fragte er etwas misstrauisch.
„Ich kenne einige der Elben die hier angekommen sind und sie baten mich um einen Gefallen“, entgegnete Limris hastig.
„Ich denke bei meinem lieben Neffen und Limris seid ihr gut aufgehoben. Aber jetzt muss ich meine Begrüßung mit dem Fürsten nachholen. Ihr entschuldigt mich vorerst!“, sagte er und ging davon.

„Er kennt den Fürsten?“, fragte Amrûn neugierig.
„Ja. Er ist Kapitän eines Schiffes und treuer Soldat Dol Amroths“, antwortete Berehal.
„Denkst du er könnte uns helfen?“
„Ich frage ihn nur ungern und glaube nicht, dass ich ihn überzeugen kann. Immerhin seid ihr Fremde“, antwortete Berehal.
„Es wäre sehr wichtig, dass wir Imrahil alleine sprechen“, sagte Amrûn und Limris beteuerte es.
„Dann wartet hier. Eines kann ich versuchen“, sagte Berehal mit schwacher Stimme und lief seinem Onkel nach.
Gespannt beobachteten sie das Gepräch der beiden. Hin und wieder drehte sich auch Berend zu ihnen herüber. Was würde er wohl zu ihm sagen? Kannte er Celebithiels und Amrûns wahre Identität?

Mit neutraler Miene kam der Junge zurück: „Kommt mit!“, forderte er sie auf und verschwand in einem Korridor der weiter in den Palast hineinführte. Schleunigst folgten Amrûn und Celebithiel ihm. Limris blieb zurück.
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Thorondor the Eagle

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #2 am: 24. Jul 2011, 14:45 »
Der abgelegene Raum war dunkel. Das schwache Mondlicht erfüllte ihn mit einem sanften blauen Licht. Celebithiel saß etwas teilnahmslos auf einer Bank und blickte in die brennende Kerze, die vor ihr auf dem kniehohen Holztisch stand. Amrûn stand am Fenster und schaute auf die peitschenden Wogen des Meeres. Beide Elben hatten ihre Masken abgelegt.

Plötzlich öffnete sich die Türe und der Raum wurde von einem satten Orange durchflutet, doch ebensoschnell wie es kam war es wieder verschwunden. Zwei Personen hatten das Zimmer betreten.
Der Elb drehte sich zu ihnen und erkannte einerseits Berend, Berehals Onkel und der andere musste Imrahil sein.
„Guten Abend“, sagte Amrûn mit zischender Stimme.
Die funkelnden Augen des Fürsten musterten die beiden dunklen Gestalten misstrauisch: „Mir wurde zugetragen, dass ihr wünscht mit mir zu sprechen. Also sprecht, denn ich habe Gäste zu unterhalten!“
„Das wissen wir, aber es gibt dringendes was ihr wissen müsst.“
„Und was könnte das sein?“, entgegnete er forsch.
„Die bevorstehende Schlacht; der Fall Dol Amroths; das Ende der fürstlichen Linie; der Untergang Gondors?“, sagte Amrûn mit einer drohenden Stimme.
„Nichts von dem wird so bald geschehen. Wir sind uns dieser Gefahr sehr wohl bewusst und haben außreichend dafür vorgesorgt.“
„Seid ihr euch da sicher? Ich meine hier zu sitzen und zu warten bis der Feind über einen herfällt ist wie auf den sicheren Tod zu warten.“
„Und was würdet ihr vorschlagen? Eine Schlacht auf dem offenen Felde? Nein, dazu ist der Feind zu mächtig und das weiß er auch. Nicht wir sind diejenigen die warten, sondern er ist es. Er wartet gerade zu bis wir aus unserer Stadt hinauslaufen und uns dort vor den Mauern der Stadt in den Selbstmord stürzen.“

Amrûn wandte seinen Blick wieder durch das Fenster auf das Meer.
„Warten ist ein gutes Stichwort.“
Der Fürst nickte selbstzufrieden.
„Ich glaube kaum, dass er da draußen auf euch wartet; Nicht Sauron, dass sieht im gar nicht ähnlich. Der dunkle Herr nimmt sich was er will und wann er es will. Ich habe so etwas schon erlebt und es brachte mir beinahe den Tod.
Ein weiteres Mal bedient er sich der Seemacht von Umbar. Garantiert hat er eine Flotte entsenden lassen, größer und kampftüchtiger als jede andere dieses Zeitalters. Ehe er über den Landweg versucht die Stadt zu vernichten, wird er es über den Hafen probieren. Die Kais sind gut gesichert, aber lange nicht so wie die Außenmauern.
Saurons Schergen warten bis die schwarzen Segel am Horizont auftauchen und dann wird der Ansturm beginnen. Ihr könnt nicht Hafen und Stadt gleichzeitig verteidigen, dafür hab ihr zu wenig Truppen.“
Einen Augenblick lang kehrte Stille in den Raum ein.
„Wir haben unsere Flotte kampfbereit gemacht. Sie steht bereit für die Verteidigung des Hafens. Die Korsaren haben schon öfter probiert Dol Amroth einzunehmen, doch wir haben uns stets erfolgreich verteidigt.“
„Diese Stadt ist das letzte Bollwerk gegen Sauron; alles was von Gondor noch übrig geblieben ist. Denkt ihr er geht ein Risiko ein?“
Die Worte wirkten als würden sie ewgi nachhallen und eine lange Pause nachsichziehen.
„Dann haben wir wohl nur eine einzige Möglichkeit!“, antwortete der Fürst.
„Und die ist sehr riskant“, antwortete Amrûn.
„Vor der Mauer dürfen sie es nicht mitbekommen.“
Der Elb nickte ihm zu.
„Berend! Morgen Früh rufst du alle Kapitäne zusammen in den Palast. Wenn Korsaren aus Umbar unterwegs sind, müssen wir ihnen entgegensegeln und ihre Streitmacht zerschlagen ehe sie die Bucht erreichen. Schickt zusätzliche Männer auf den Turm um die See zu beobachten.“

Amrûn hörte die Befehle an den Kapitän, hielt seinen Blick aber weiterhin auf das Meer gerichtet.
„Ich hoffe wir können eurem Urteil trauen!“, sprach ihn nun der Fürst direkt an.
„Ich selbst möchte, soweit es mir ihr Kapitän erlaubt, mitsegeln und kämpfen“, gab der Elb zur Antwort um seine Treue und Ehrlichkeit zu beweisen.
„Jeder Mann der kämpfen möchte ist an Bord meines Schiffes willkommen“, antwortete Berend.
„Kommt in den Morgenstunden zur Rüstkammer in die Feste“, befahl der Fürst ehe er und Berend den Raum verließen.

„Dann findet unsere nächste Schlacht auf den Wogen unserer geliebten See statt?“, fragte Celebiehtiel mit einem besorgten Unterton.
„Nein. Deine nicht. Die Zeiten sind unsicher und ich fürchte, dass unser Plan nicht unbemerkt bleibt. Wenn Sauron weiß, was wir vorhaben, werden die Truppen angreifen nachdem wir den Hafen verlassen haben… Imrahil braucht dich hier, auch wenn er nicht um deine Stärken weiß.“
Die Elbe nickte und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen: „Was siehst du da draußen?“
„Das Meer“, antwortete Amrûn ruhig „Es ruft mich!“
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Vexor

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #3 am: 24. Jul 2011, 16:13 »
„ Verstehe“, murmelte die Elbe und küsste Amrûn auf die rechte Wange. „ Lass dein Herz nicht schwer werden, du wirst sie wiedersehen“, hauchte sie ihm noch ins Ohr, bevor sie sich ihre Maske aufsetzte und durch die Tür verschwand.
"...auch wenn er nicht um deine Stärken weiß"
Die Worte gingen Celebithiel nach, denn sie war sich bewusst, dass sie nun auf sich allein gestellt war. Weder Gandalf oder Galadriel waren hier, um ihr den Rücken zu stärken; sich für sie einzusetzen. Nein. Sie musste Imrahil ganz allein von ihren Stärken überzeugen.

Die festliche Beleuchtung belendete Celebithiel einen Moment und während sie versuchte sich in der Menge aus festlichen Kleidern und Masken zu orientieren, wurde sie von einem schlaksigen Mann zum Tanz aufgefordert.
„ Gestatten sie ein Tänzchen werte Dame?“.
Celebithiel nickte stumm und nahm die Einladung zum Tanz als Möglichkeit an unter der Menge der Feiernden Gäste Fürst Imrahil auszumachen.
Der fremde Mann legt seine kräftige Hand unter ihr Schulterblatt und gemeinsam begaben sie sich in Pose, bevor sie im Rhythmus des Orchesters und der anderen Tanzpaare durch den Raum schwebten. Die Elbe bemerkte, wie es dem Mann, der mindestens ein oder zwei Köpfe größer war als die Elbe, nicht gelang ihr in die ozeanblauen Augen zu blicken.
“ Deine Augen, mein Kind, sind wie ein Spiegel der Seele. Sie zeigen seinem gegenüber alles Leid und all die Trauer, die er in seinen Leben schon erlebt hat“

Für einen kurzen Moment setzten die kräftigen und tiefen Töne der Trompeten aus und nur die hohen, weiblichen Töne der Flöten und Klarinetten waren zu hören. Zeitpunkt für die Frauen zum nächsten Partner zu wechseln.
Celebithiel drehte sich um die eigene Achse und genoss für einen Moment die Musik, genoss die Schwerelosigkeit und die heitere Atmosphäre und mit einem Schlag wurde ihr bewusst, warum Imrahil auch in diesen schweren Zeiten die Festivitäten nicht ausfallen ließ.
„ Wenn erst einmal Krieg und Not den Alltag verdrängen, ist alle Hoffnung tot und Verzweiflung wird der neue Alltag…“, sie murmelte die Worte geistesabwesend und die tiefe Stimme des Mannes, der die Führung übernommen hatte, riss sie aus ihrer Trance.
„ Ganz genau!“.
Sie erkannte den strengen und gütigen Blick Imrahils durch die Maske, die aus hellblauen Satin bestickt war und dessen Ränder weiße Schwanenflügel zierten.
„ Fürst Imrahil“, lächelte Celebithiel und versank in der Führung des Fürsten von Dol Amroth.
„ Also erzählen Sie mir nun, warum zwei Elben nach Dol Amroth kommen in Zeiten, in denen es wohl besser für sie wäre ihre Zufluchtsorte, wie die Grauen Anfurten oder Bruchtal aufzusuchen?“.
Imrahil fixierte die ozeanblauen Augen Celebithiels mühelos und obwohl er gedämpft sprach, um neugierige Ohren nicht zu behelligen, war seine Stimme unglaublich fordernd und stark.
Die rotblonde Elbe hielt seinem Blick stand und für eine Ewigkeit verharrten ihre Augen in greifbarer Intensität und Starre, während ihre Körper über die Tanzfläche wirbelten.
„ Nicht hier“, flüsterte Celebithiel und löste sich aus der Pose mit Imrahil bevor sie von der Tanzfläche verschwand und hinaus auf den Balkon flüchtete.

Der kleine Balkon wurde kaum erhellt von den Lichtern, die im Palast des Fürsten leuchteten. Nur die festliche Musik drang schwach durch die Mauern und Glasfenster und so genoss Celebithiel den Moment des Friedens und der Ruhe.
Sie setzte sich auf das Marmorgeländer und ließ ihre Füße über den Abgrund baumeln. Ihre silbernen Schuhe hatte sie abgestreift und so ließ sie ihre nackten Füße von der kühlen Meeresbrise verwöhnen.
Unter ihr toste das Meer und es ging mindestens hundert Meter Steilhang in die Tiefe. Mehrere scharfe Felsbrocken standen wie spitze Stacheln aus dem Steilhang hinaus, bevor sich das gewaltige Massiv im pechschwarzen Meer verlor.
Wie ätzende Säure spuckte die See die weiße Gischt an die Felsen und es schien fast so als würde sie Celebithiel verhöhnen, als flüsterte sie: „ Noch einmal entkommst du unseren Wogen nicht. Das nächste Schiff, dass du besteigst, bringt dich nach Aman!“.

Der schwache Lichtstrahl, der auf den Balkon fiel und sich in der Nachtluft verlor, kündigte Celebithiel an, dass Imrahil gekommen war. Dennoch rührte sie sich nicht, hatte ihm immer noch den Rücken zugewandt, die Augen geschlossen, und atmete die salzige Luft ein.
Umso erstaunter war sie, als er ihrem Vorbild Folge leistete und sich neben sie setzte. Aus den Augenwinkeln erkannte sie, dass auch er seine Schuhe abgestreift hatte und die nackten Zehen im Wind spielen ließ.
„ Faszinierend diese Weite der See, nicht wahr?“, flüsterte Imrahil und seine Stimme war monoton, als spräche er nicht nur mit Celebithiel, sondern auch mit jemand anderen, vielleicht sich selbst.
„ Hmm….und beängstigend“, erwiderte Celebithiel im selben Tonfall.
Der Fürst musste lächeln und blickte Celebithiel nun direkt an. Beide hatten ihre Masken abgenommen und die Elbe erkannte das markante Kinn und die dunkelblonden Haare des Fürsten.
„ Sie sind wunderschön“, entfuhr es Imrahil, doch Celebithiel ging nicht darauf ein, sondern fixierte seine grauen Augen.
„ Also warum sind Sie und ihr Freund hier Fräulein…?“.
„ Celebithiel“, ergänzte die Elbe und atmete einmal tief ein, bevor sie ihm die Wahrheit offenbarte.
„ Vor fast drei Jahren begann meine Reise, die mich hierher führte, in der Schlacht um Lórien…“.

Die Musik und die Lichter waren schon erloschen und Celebithiel war sich sicher, dass sie am Horizont, wo der Himmel die Wasseroberfläche küsste, schon eine orangefarbene Sonne aufgehen sehen konnte.
Imrahil nickte nur, als sie ihren Satz zu Ende gebracht hatte, schlüpfte in seine Schuhe und reichte Celebithiel die Hand, um vom Geländer zu helfen.
„ Wenn das so ist Celebithiel ist es mir eine Ehre an Ihrer Seite für die Freiheit Dol Amroths und Mittelerdes zu kämpfen!“

 Gemeinsam durchschritten sie die Halle, wo jeglicher Glanz und Prunk des gestrigen Abends wie fortgewischt schien und die Angst und Verzweiflung in den dunklen Ecken der hohen Decke saßen und am Fundament des Palastes nagten.


Celebithiel zurück in die Stadt
Amrûn zum Hafen
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 10:14 von Fine »


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Eandril

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #4 am: 2. Dez 2011, 16:30 »
Aus der Sicht Amrothos:

... Amrothos aus der Stadt

Amrothos und vier Soldaten der Nachtwache, von denen zwei den Gefangenen führten, eilten die Stufen zum Tor des Palastes hinauf. Am Tor angelangt, sprach er kurz mit den Wächtern, die ihnen daraufhin Einlass gewährten.
Im Palast war es still und dunkel, und nur ab und zu erhellte ein Lampe die Flure. Amrothos führte die Soldaten zu einer Treppe, die sich in engen Spiralen nach unten wand. Aus der Tiefe wehte sie ein kühler Lufthauch an.
"Bringt ihn hinunter in die Verliese und sperrt ihn in eine Zelle- aber allein.", befahl er den Soldaten. "Und gebt dem Kerkermeister Bescheid. Ich werde meinen Vater suchen gehen und ihn von unserem Fang berichten." "Jawohl, mein Prinz.", antwortete der Anführer der kleinen Gruppe und verneigte sich leicht. Dann begannen sie die Treppe hinabzusteigen.
Amrothos drehte sich um und ging in Richtung des Beratungszimmers, in dem er seinen Vater den Fürsten trotz der späten Stunde noch anzutreffen vermutete.
Dieser Krieg strengt ihn an. Tag und Nacht berät er sich mit seinen Hauptleuten und Beratern oder inspiziert die Mauern, oder die Truppen oder die Schiffe. Dabei haben wir die Truppen Mordors doch vor zwei Wochen besiegt und vertrieben!
Er verstand seinen Vater nicht mehr. Anstatt erleichtert zu sein und sich über das Ende der Belagerung zu freuen, vergrub er sich immer tiefer in seine Pflichten und schlief kaum noch, obwohl die direkte Gefahr für Dol Amroth doch vorbei war!
Und Oronêl... der alte Elb war so etwas wie Lehrer, Bruder und Freund in eins für ihn geworden, und dennoch wurde er manchmal noch nicht ganz schlau aus ihm.
Amrothos schüttelte den Kopf und ging schneller.
Ob er wohl den dritten Mann noch erwischt hat? Er als Elb ist doch gewiss schneller als ein Mensch.
Er hatte die Tür zum Beratungszimmer erreicht und stellte fest, dass er sich nicht geirrt hatte: Unter der Tür kroch ein Lichtschein hervor und durch das Holz konnte er leise Stimmen hören.
Er atmete tief durch und öffnete leise die Tür.
"Vater...?" Imrahil saß mit zweien seiner Berater, die Amrothos nicht sofort erkannte, am Ende des langen Holztisches, der in der Mitte des Raumes stand. Bei Amrothos Eintreten hob er langsam den Kopf und blickte ihn aus müden Augen an. "Ja Amrothos, was gibt es denn?", fragte er leise.
"Es tut mir leid, dass ich dich stören muss, aber es ist glaube ich überaus wichtig. Ich bitte dich, komm mit mir.", antwortete Amrothos.
"Nun gut." Imrahil erhob sich und sagte zu seinen Beratern: "Entschuldigt mich. Wir werden unser Gespräch Morgen fortsetzen." Als er mit Amrothos den Raum verließ, sah dieser aus dem Augenwinkel, dass die beiden Berater geradezu erleichtert aussahen.
Während sie nebeneinander dem dunklen Flur zur Kerkertreppe folgten, fragte Imrahil: "Nun, was gibt es so Wichtiges?" "Ich war mit Oronêl unten in der Stadt, als wir von drei Männern überfallen wurden. Den einen konnte ich überwältigen und töten, den anderen schlug Oronêl bewusstlos. Der dritte ist entkommen, aber Oronêl verfolgt ihn."
Sie hatte die Treppe zum Kerker erreicht und begannen den Abstieg. "Den Gefangenen habe ich mit Hilfe der Soldaten von der Nachtwache hierher gebracht und in eine Zelle sperren lassen.", fuhr Amrothos fort.
"Weißt du, wer er ist? Konntest du sein Gesicht erkennen?", fragte Imrahil. "Noch nicht genau, aber ich fürchte, es ist einer unserer Soldaten.", antwortete er.
Unten angekommen führte eine Wache sie zu der Zelle, in der der Gefangene angekettet war und öffnete ihnen die Tür.
Imrahil trat ein und betrachtete den noch immer Bewusstlosen. "Ich glaube, das ist einer von Hauptmann Mithéldirs Männern. Ist er ansprechbar?", fragte er zur Wache gewandt. "Noch nicht, Herr, aber morgen wird er es sein.", antwortete der Soldat. "Schön, dann werde ich morgen früh als wieder herkommen. Amrothos, geh und suche Oronêl, ob er den dritten gefunden hat, und bring morgen früh ihn und Hauptmann Mithéldir mit hierher.", sagte Imrahil, an seinen Sohn gewandt. Amrothos nickte und verließ die Zelle. Als er die Treppe erklomm, kam ihm ein Gedanke.
Mithéldir hat Oronêl am Hafen erwischt, und ihn in die Schlacht geführt. Dann hat er ihn nach der Schlacht ins Lazarett gebracht, und jetzt versucht zumindest einer seiner Männer, Oronêl und mich umzubringen oder gefangen zu nehmen... Merkwürdig.
Er musste schnellstens Oronêl finden.

Amrothos zum Lazarett...
« Letzte Änderung: 7. Jan 2012, 21:14 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

Vexor

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #5 am: 3. Dez 2011, 18:30 »
Celebithiel vom Hafen


Der Alltag in Dol Amroth verlief bereits zwei Wochen nach dem Ende der Belagerung halbwegs normal. In der Stadt waren –abgesehen von den Brandflecken – kaum noch Anzeichen zu sehen. Ebenso versuchten die Bürger der ehemals blühenden Handelsmetropole wieder ihren Berufen und gewöhnlichen Leben nachzugehen.
Als Celebithiel an diesen äußerst warmen Apriltag über die Straßen flanierte, beobachtete sie herumtollende Kinder und besorgte Mütter, die Gemüse putzten, oder Wäsche auf hingen.
Auch waren bereits einige Geschäfte wieder geöffnet. So beobachtete die Elbe einen alten Schmied, der vermutlich im Auftrag Imrahils Rüstungen und Schwerter herstellte oder reparierte.

„Warte nur Kìli, ich fang dich schon noch!“, brüllte ein kleines Mädchen, dass ein schlichtes braunes Kleid trug, welches beachtliche Flicken aufwies.
„Oh entschuldigen Sie“, murmelte sie, nachdem sie Celebithiel angerempelt hatte, weil sie dem Jungen hinterher setzen wollte.
„Nichts passiert“, erwiderte Celebithiel freundlich und beobachtete sehnsuchtsvoll das kleine Mädchen, bevor es um die nächste Ecke huschte.

Ob sie die Schwester des kleinen Jungen gewesen sein konnte? Ob sie auch jemanden verloren hat bei dieser Schlacht….aber es ist ja nicht nur diese Schlacht. Es ist ein ewiger Kampf…

Die wärmende Sonne streichelte Celebithiels Nacken, als sie die Stufen zum Palast des Fürsten hinaufstieg. Ein warmes wohliges Gefühl breitete sich in ihr aus und alle finsteren Gedanken schienen, wie weggeblasen. Jenes Gefühl verstärkte sich noch, als sie Amrûn, erhellt von mehreren Sonnenstrahlen, würdevoll am Ende der Stufen stehen sah.
In den letzten Tagen hatten die Elben viel Zeit in den Kammern des Palastes zusammen mit Imrahil und einigen seiner Beratern verbracht.
Es ging dabei vor allem um die Zukunft Dol Amroths, aber auch darum, wie mit der drohenden Gefahr eines neuen Angriffs umgegangen werden werden müsse.
Die Elben hatten beobachtet, wie mit jeden vergangen Tag voller Diskussionen und Debatten, die sich oft bis tief in die Stunden der Nacht gezogen hatten, die schlechte Laune und Angespanntheit Imrahils gestiegen war.
Auch an Amrûn und Celebithiel zerrten jene Debatten, da sie sich klar waren, dass auch nur ein kleiner Angriff aus dem Osten Dol Amroth zu Fall bringen würde.

„Ich grüße dich Amrûn! Kommst du oder gehst du?“, fragte Celebithiel und umarmte ihren Freund und Gefährten.
„ Eine ausgezeichnete Frage, aber wie steht es um dich selbst? Du scheinst im Kommen, aber mit welcher Absicht?“
„ Der Fürst bat mich für eine Unterredung…ich weiß noch nicht, um was es geht. Aber gut, dass ich dich hier treffen mein Freund!“, antwortete Celebithiel und ihr Tonfall wurde ernster.
„ Was bedrückt dich denn?“
„ Es geht um Oronêl. Gestern sprach ich mit ihn über etwas, was er dem Úlairi abgenommen hat…ein Artefakt…“
„ Der Ring, welcher vom dunklen Herrscher persönlich angefertigt wurde, oder?“
Ein stummes Nicken folgte Amrûns Worten und Celebithiel ergriff mit besorgten Tonfall erneut das Wort.
„ Ich mache mir Sorgen um ihn Amrûn…der Ring scheint mehr Einfluss auf ihn zu haben, als gut wir ihn zu sein scheint. Vielleicht könntest du ein Auge auf ihn werfen, solange ich mit dem Fürsten im Gespräch bin. Ich befürchte, dass wir ihn verlieren könnte, wenn wir nicht aufpassen.“
Amrûn nickte und legte Celebithiel die starke Hand auf die Schulter. Ohne ein weiteres Wort schritt er die Treppe hinab und als die Elbe in den Himmel blinzelte schien die Sonne kühler geworden zu sein.

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„Imrahil? Ihr wolltet mich sprechen?“, sprach die Elbe behutsam, nachdem sie drei Mal an die verzierte Holztür geklopft hatte. Keine Antwort.
Celebithiel betrat den dunklen, stickigen Raum. Der Fürst hatte alle Fensterfronten verhangen. Nichts war zu sehen von dem sonst einmaligen Blick über die gesamte Stadt Dol Amroth, beziehungsweise die Weite des Meeres.
„ Diese dunkle Kammer ist keines Fürstens würdig“, sprach die Elbe gewollt herablassend, als sie den Fürsten zusammengekauert an seinen Schreibtisch erkannte.
„ Und wenn ich kein Fürst mehr sein möchte“, antwortete ihr eine unbekannte brüchige und raue Stimme.
Imrahil blickte zu der Elbe auf und nichts an ihm rechtfertigte noch den Beinamen der Schöne. Ein mit grauen Haaren versetzter Bart schmückte den Fürsten, ebenso umrahmten tiefe, schwarze Ringe die meergrauen Augen jenes Menschen.
„Nicht der Träger des Amtes sucht sich jenes aus. Das Amt sucht ihn aus!“, entgegnete Celebithiel.
Als der Mensch nicht reagierte kaum sie näher an den Schreibtisch heran und legte einen, mit einem Rubin versetzten, Ring auf den Tisch aus schweren Kirschholz.
„Oder glaubt ihr etwa, dass ich dieses Amt wollte? Dass ich Mithrandir hinterherrannte, um seine Aufgabe zu Ende zu bringen?
Aber es war mein Verlobter, der mir beibrachte, dass ich nie glücklich werden kann, wenn ich vor meiner Bürde davonlaufe. Ich muss es zu Ende bringen und es dort wird sich zeigen, ob ich richtig oder falsch gehandelt hab. Ich kann nicht stehen bleiben und in die Zukunft blicken….das Leben ist nicht so einfach.“
Eine Stille folgte ihren Worten, die aber nicht unangenehm, sondern einfach nur still war.
„ Euer…Verlobter? Ich wusste nicht, dass ihr verlobt seid Celebithiel aus Imladris“, sprach Imrahil nach einiger Zeit und die Elbe lächelte schwach.
„ Wo ist eigentlich eure Gemahlin Imrahil? Eure drei Söhne habe ich bereits kennengelernt, aber wo ist sie?“
Imrahil schluchzte und stöhnte, wodurch es Celebithiel dämmerte, dass sie den richtigen Nerv getroffen hatte.

„Ich entsandte sie und meine Tochter Lothíriel nach Tolfalas. Die Insel blieb immer verschont vor den Angriffen der Kosaren, da heftige Strudel und Strömungen ein Vordringen größerer Flotten verhindern…natürlich auch nicht ungefährlich für unsere eigenen Schiffen. Aber auf der Insel leben bis zu zweihundert Flüchtlinge aus den südlichen Lehen Gondors…“
„…aber ihr habt noch nichts von ihnen gehört, oder?“, beendete Celebithiel den Satz für Imrahil.
Jener nickte nur und raufte sich die Haare, in denen sich deutlich graue Strähnen abzeichneten.
„Weißt du Celebithiel…manchmal wünschte ich mir allein zu sein. Niemanden zu kennen, niemanden zu lieben. Liebe ist doch unser größter Schwachpunkt, oder?“
Celebithiel schwieg für einen Moment und dachte über die Worte nach, die Imrahil ausgesprochen hatte. Als sie darauf antwortete, sprach sie bedacht und wählte ihre Worte vorsichtig.
„ Es ist unser aller größter Schwachpunkt, aber gleichzeitig die Quelle aus dem wir die größte Kraft schöpfen können.
Ich empfand lange ebenso wie ihr in diesen Augenblick. Aber jene Hoffnungslosigkeit und Lethargie hat mich förmlich aufgefressen innerlich; still ohne, dass ich es wirklich bemerkte.
Ich hab' immer zu mir gesagt: Allein bin ich glücklicher! Wenn man jemanden ständig in seinem Leben hat, hat man mehr Ärger als es wert ist, offenbar sehe ich das jetzt anders. Aber es gibt schon einen Grund warum ich sagte ich wär allein glücklicher. Naja ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich allein glücklich wäre. Es lag nur daran dass ich dachte wenn ich jemanden liebe würde und ich könnte dies aus irgendeinem Grund nicht mehr, würde es mich zerreißen. Besser gesagt wieder zerreißen. Allein zu sein schien mir einfacher. Es ist die Hölle, wenn man erfahren hat, wie Liebe ist; wenn man denkt, dass man Liebe braucht und sie dann nicht bekommt. Nachher verlässt man sich noch auf die Liebe, weil sie einen gefällt, nachher baut man noch sein Leben darauf auf und dann bricht alles zusammen. Ich fragte mich, ob man so einen Schmerz überhaupt aushalten könne? Die Liebe zu verlieren ist wie eine schwere Verletzung, es ist wie Sterben, es gibt nur einen Unterschied. Der Tod ist das Ende, das hier könnte ewig so weiter gehen.
Aber es ist ein ewiger Kampf den wir fechten müssen, denn was ich jetzt realisiere. Die Liebe zu verlieren ist schlimmer als der Tod, aber sie nie gehabt zu haben kann man nicht beschreiben.
Steh auf Fürst von Dol Amroth! Steh auf und führe diese Stadt. Führe sie gegen Sauron, zurück in alten Glanz und Wohlstand.
Steh auf Fürst von Dol Amroth, um deiner Frau und deiner Tochter, zu zeigen, dass du nicht zerbrochen bist. Ihnen zu zeigen, dass sie ein Zuhause haben, wenn ihr Schiff sie zurück an diese Küste bringt!“

Mit diesen Worten ging Celebithiel zu den Fenstern und riss die bordeauxfarbenen Vorhänge zurück und die Sonne durchflutete den Raum, brachte Leben zurück in einen Raum, der erfüllt war von Hoffnungslosigkeit.

„Und nun besprechen wir, wie wir diese Zukunft schaffen Imrahil! Zeigt mir die Karte der Anduinmündungen und Harondors!“
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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #6 am: 3. Dez 2011, 19:27 »
Oronêl und Amrothos vom Lazarett

Oronêl, Amrothos und Mithéldir betraten den Palast und schlugen den Weg zum Kerker ein. Unten angekommen fragte Amrothos eine der Wachen: "Ist der Fürst schon eingetroffen? Es geht um den Gefangenen, den ich gestern gebracht habe." Der Wächter schüttelte bedauernd den Kopf. "Es tut mir leid, mein Prinz, aber er ist heute noch nicht hier gewesen."
"Gut, dann werden wir jetzt nach dem Gefangenen sehen. Er wird wichtigeres zu tun haben." Der Wächter nahm einen schweren eisernen Schlüsselbund von einem Haken an der Wand und führte sie durch das niedrige Gewölbe. An der Zelle angekommen, öffnete er die Tür, und mit Amrothos an der Spitze betraten sie nacheinander den kleinen Raum.

Am Ende der Kammer lag, in sich zusammengesunken, der geheimnisvolle Angreifer. Als der Wächter die Tür aufgeschlossen hatte, hatte er sich nicht gerührt und auch jetzt hob er weder den Kopf noch zeigte er eine andersgeartete Regung. Oronêl trat auf ihn zu, kniete nieder und hob sein Kinn an. Noch immer rührte der Mann sich nicht. Oronêl fühlte legte ihm den Hand an den Hals um seinen Puls zu fühlen. Dann stand er auf, drehte sich zu den anderen um und schüttelte den Kopf. "Er ist tot."
"Was!?", rief Amrothos aus, "Wie kann das sein? Gestern Nacht war er doch lediglich bewusstlos. "Nun... ", sagte Oronêl nachdenklich.“Es könnte natürlich eine Spätfolge meines Schlages sein, aber ich glaube nicht daran. Holt einen Arzt her!", sagte er dann, an den Wächter gewandt. Dieser blickte kurz zu Amrothos, und als dieser unmerklich nickte, ging er in Richtung Treppe davon.
Dann wandte Oronêl sich an Mithéldir: "Hauptmann Mithéldir, bitte sagt mir, ob ihr diesen Mann kennt. Wir vermuten, dass es einer von euren Soldaten ist." Mithéldir ging vor dem Toten in die Knie und hob wie Oronêl vor ihm das Kinn des Mannes an. Nachdem er das Gesicht betrachtet hatte, sagte er: "Ja, ich erkenne ihn, und ihr müsstet ihn eigentlich auch erkennen, Oronêl. Es ist Andor, einer der beiden Männer mit denen ich euch vor zwei Wochen am Hafen empfangen habe. Seltsam, ich hätte ihm so einen Verrat nicht zugetraut."
Gerade als er geendet hatte, kam die Wache mit dem Arzt zurück und er erhob sich, um diesem Platz zu machen. Während der Arzt die Leiche untersuchte fragte Amrothos: "Hauptmann Mithéldir, ist heute vielleicht ein weiterer eurer Männer nicht zum Dienst erschienen?" "Ja. Einer meiner Bogenschützen, ein relativ unauffälliger Mann, an dessen Namen ich mich jetzt nicht erinnern kann, ist heute nicht zum Dienst erschienen. Ich habe vermutet, dass er gestern Nacht ein wenig zu ausgiebig getrunken hat, das ist nämlich bei ihm schon mehrfach vorgekommen."
"Interessant..." Oronêl lehnte sich leicht gegen die Wand. "War das bei Andor auch der Fall?" "Nein, bei ihm ist es noch nie vorgekommen. Deshalb war ich auch sehr überrascht, als er heute Morgen fehlte."
In diesem Moment trat der Arzt zu ihnen und sagte: "Herr Amrothos, ich habe den Toten untersucht und konnte außer einem gebrochenen Handgelenk und eine Schlagverletzung am Kopf, die aber nicht tödlich gewesen sein kann keine äußeren Verletzungen feststellen. Allerdings weisen der Geruch und die leichte Verfärbung seines Mundes daraufhin, dass er durch ein Gift, das aus den Wäldern Fern-Harads stammt, zu Tode gekommen ist." Amrothos wandte sich an den Wächter: "Hat er irgendein Behältnis, in dem sich Gift befunden haben kann, bei sich gehabt."
"Nein Herr, wir haben in gründlich durchsucht und nichts gefunden." "Vielleicht hat er eine Giftkapsel im Mund gehabt!", wandte Mithéldir ein. "Das ist sehr unwahrscheinlich, Herr, denn dieses Gift zersetzt Leder und kann daher nur in Glas- oder Tonbehälter aufbewahrt werden.", erwiderte der Arzt.
"Und außerdem hätte wäre die Kapsel wahrscheinlich schon beim Kampf zerbrochen...", sagte Oronêl nachdenklich.“Es muss ihn also jemand in der Nacht vergiftet haben." Der Wächter schüttelte entrüstet den Kopf. "Das ist völlig unmöglich! Einen Eindringling hätten wir gewiss bemerkt!" "Ich wollte auch eure Wachsamkeit nicht in Frage stellen.", erwiderte Oronêl sanft. "Und dennoch... merkwürdig ist es schon."
Als sie den Kerker wieder verlassen hatten und wieder oben im Palast angelangt waren, schickte Amrothos Mithéldir wieder an seine Arbeit. Dann sagte er zu Oronêl: "Wir müssen zu meinem Vater. Er sollte erfahren, dass es Verräter hier in der Stadt gibt."
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Vexor

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #7 am: 8. Dez 2011, 13:48 »
Imrahil rollte das gelbliche Pergamentstück aus, welches fast den gesamten Holztisch umfasste.
Dort sah sie wie die Kartographen des Fürsten filigran mit schwarzer Tinte, Straßen, Flüsse, Gebirge und Länder eingezeichnet hatten.
„Hier verläuft der Anduin, seht Ihr?“, sprach Imrahil ehrfürchtig als er mit dem Zeigefinger, an dem ein großer Siegelring steckte, über die schwarze Linie fuhr, die den großen Strom bildete, der sich durch fast ganz Mittelerde spannte.
„Und da verläuft mitten durch Harandor, welches früher das südlichste Lehen Gondors war, die Harad-Straße!“
Celebithiel strich sich die Haare hinter das Ohr und ihre Augen huschten über die Namen, die auf das Pergament gezeichnet waren.
„ Imrahil…Ihr müsst mir mehr über die Südländer erzählen. Meine Reisen haben mich nie weiter südlich als Dol Amroth geführt und bis zur letzten Stadt bin ich noch nie einem Haradrim begegnet. Natürlich kennt man Geschichten, aber ich denke eure Schilderungen sind weitaus detaillierter und gewinnbringender…“

Imrahil lehnte sich in seinen Stuhl zurück und seufzte laut, bevor er ihm und Celebithiel ein weiteres Glas heißen Metes einschenkte.
Er fuhr sich noch einmal durch die schwarz-gräulichen Haare, bevor er zögern und mit Bedacht fortfuhr.
„Ich werde euch versuchen eine Sicht auf die Dinge zu geben, die so objektiv wie möglich ist. Aber ihr müsst wissen, dass wir schon lange gegen die Haradrim und die Korsaren aus Umbar kämpfen. Die Verbitterung wurzelt tief in uns, wenn ihr versteht, was ich meine?“
Celebithiel nickte, schlug die Beine übereinander und stützte ihr Gesicht mit einer Hand ab, während sie Imrahils Ausführungen schilderte.
„Die Haradrim sind in Gegensatz zu vielen Meinungen, keineswegs eine homogene Masse, wie vielleicht die Ostlinge aus Rhûn.
Es sind viele kleine Stämme und Fürstentümer – sie nennen es auch Kalifate- die alle ihren eigenen lokalen Herrscher haben. Vor allem im Gebiet Nah-Harads – seht hier – ist diese Herrschaftsstruktur verbreitet. Es sind Nomaden, die kaum feste Städte oder Festungen besitzen.
Eine der wenigen bekannten größeren Städte Harads ist der Hafen von Umbar. Einst ein Bollwerk der schwarzen Numenorer, die der Vernichtung ihres Heimatlandes entkommen sind, ist es auch heute noch eine mächtige Festug, die über eine gefährliche Seemacht verfügt.
Auch wenn die Haradrim, vor allem Nah-Harads, hauptsächlich als Nomaden leben besitzen sie auch Festungen. Die größte Festung in der Wüste Harads ist Aïn Séfra und die Stadt Qafsah, die als Residenz Suladans gilt.
Fern-Harad, welches angenehmeres Klima bietet ist weniger stark vom Nomadentum geprägt, sodass es dort auch mehrere kleinere Städte gibt. Hier zählen zu den zwei größten Tindouf und Äin Salah.“
„Entschuldigt Imrahil, wenn ich euch unterbreche, aber Ihr erwähntet den Namen Suladan…wer ist das?“
Ein Lächeln huschte über Imrahils Lippen über diese Frage, bevor er sich räusperte und fortfuhr.
„ Ich vergaß, dass Ihr ihn nicht kennt, ich bitte um Entschuldigung. Also Suladan ist wohl der mächtigste Stammesführer in Nah-Harad. Qafsah, die Residenz Suladans, wird auch gerne als Wüstenschloss bezeichnet. Es muss eine gewaltige blühende Stadt in einer Oase mitten in der orangenen Wüste sein.
Suladan, er sich selbst als Sultan der Haradrim – also so etwas wie ein König – aller Haradrim versteht, war der erste Stammesführer, der sich mit Sauron verbündet hat. Er genießt so etwas wie ein Vertrauensverhältnis zum Dunklen Herrscher.
Dies begründet auch seine Machtstellung in ganz Harad. Die anderen Stammesfürsten haben Angst vor Sauron und damit Suladan und ordnen sich deswegen Suladan unter.
Früher haben die südlichen Lehen Gondors viel Handel mit den Stämmen der Südländer betrieben und ich bin mir fast sicher, dass viele von ihnen den Krieg ebenso sinnlos sehen, wie wir.
Man darf nie vergessen, dass die Südländer trotz aller Grausamkeiten Menschen sind und keine Orks…“
Celebithiel nickte und leerte ihr Glas mit dem warmen Met.

„Okay…ich verstehe“, erwiderte sie, „ dann müssen wir da ansetzen. Unsere Aufgabe muss es sein, dass wir die friedlichen Stämme auf unsere Seite ziehen. Wir müssen die Machtstruktur Suldanas destabliliseren!“
Imrahil lachte laut auf, wobei es kein freudiges Lachen, sondern ein verbittertes Lachen war.
„Celebithiel das klingt in der Theorie ja wunderbar, aber die Haradrim werden von der Furcht vor Sauron getrieben. Was können wir ihnen bieten, das ihnen der dunkle Herrscher in Mordor nicht bieten kann?“

Celebithiel warf Imrahil einen vernichtenden Blick zu und baute sich zu voller Größe vor ihn auf.
„Macht euch nicht lächerlich über mich Fürst der Menschen von Dol Amroth. Wenn ihr meine Hilfe und meinen Rat nicht wollt, dann gehe ich. Lasse eure Stadt im Stich und werde nicht eine Träne weinen, wenn Sauron höchstpersönlich in die Schwanenstadt einzieht, um sie mit einem Fingerschnipsen von den tosenden Wellen der See verschlingen zu lassen.“
Ihre Worte zeigten Wirkung, denn ein finsterer Schatten legte sich über Imrahils Gesichtszüge, bevor er betreten „Entschuldigt“ murmelte.

„Okay….dann setzen wir uns mal daran, wie wir das machen“, setzte Celebithiel an, als es an der Tür klopfte.


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Eandril

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Re: Re:Der Palast des Fürsten
« Antwort #8 am: 10. Dez 2011, 12:28 »
Amrothos klopfte an die Tür zum Beratungszimmer, und kurz darauf ertönte die Stimme des Fürsten: "Ja bitte?". Oronêl und Amrothos wechselten einen raschen Blick, denn die Stimme klang noch immer müde und verbittert. Als sie den Raum betraten, senkte Imrahil, der zur Tür geblickt hatte, den Blick wieder auf die Karte, die den Tisch bedeckte. Neben ihm saß Celebithiel, wie Oronêl nicht im Geringsten überrascht feststellte, sah allerdings nicht wieder auf die Karte, sondern blickte sie besorgt an. "Ach, du bist es Amrothos.", sagte Imrahil: "Was gibt es denn wieder?" "Ich... wir...", setzte Amrothos an, doch Oronêl sah in seinen Augen, dass er es nicht über sich brachte, seinem Vater noch eine weitere schlechte Botschaft zu überbringen.
Ich muss ihm dabei helfen!
Er trat einen Schritt vor und begann: "Fürst Imrahil, es tut mir Leid, euch damit zu belästigen. Ich war mit eurem Sohn und Hauptmann Mithéldir im Kerker, bei dem Attentäter, den wir gefangengenommen haben. Wir wollten ihn eigentlich befragen, doch dazu kam es nicht mehr. Als wir den Kerker betraten war er bereits tot, gestorben an einem Gift, das aus den Wälder Fern-Harads kommt."
"WAS?", rief Imrahil und sprang auf. "Wie kann das sein?"
"Wir wissen es nicht. Doch der Wächter hat ihn gestern durchsucht und kein Gift bei ihm gefunden, und es gehört zu den Eigenarten dieses Giftes, dass man es nicht in einem Lederkügelchen oder ähnlichem mit sich führen kann. Also muss jemand in dieser Nacht im Kerker gewesen sein, um ihn zu vergiften. Mein Fürst, so leid es mir tut, aber ich fürchte, ihr habt noch immer einen Verräter in eurer Stadt."
Imrahil trat einen Schritt auf ihn zu und packte ihn an der Schulter. "Wie könnt ihr es wagen! Niemand aus dieser Stadt würde uns an Sauron verraten! Ihr beleidigt alle Menschen Dol Amroths mit dieser Anschuldigung."
Plötzlich stand Celebithiel neben ihnen und sagte mit leiser, aber nicht zu überhörender Stimme: "Das reicht, Imrahil. Habt ihr schon vergessen, was ich euch eben gerade sagte? Oronêl ist euch ebenso freiwillig zur Hilfe gekommen, wie ich. Ihr habt kein Recht, euch gegen die zu wenden, die auf eurer Seite stehen!"
Dieser lächerliche Mensch, was bildet er sich bloß ein auf die Stärke der Menschen
Langsam zog Imrahil seine Hand zurück. "Mit keinem Wort habe ich versucht, eure Stadt zu beleidigen, Imrahil. Ich spreche lediglich die Wahrheit aus, und wenn ihr zu verblendet seid, sie zu sehen, dann kann es mit der Stärke der Menschen nicht weit her sein. Ich bin hierhergekommen, bevor ich wusste, das mein Blut in den Adern der Fürsten dieser Stadt fließt, aus Bewunderung für die Standhaftigkeit für die Menschen dieses Landes, und aus Mitgefühl, doch nicht aus reinem Pflichtbewusstsein. Ich verstehe nicht, warum die Menschen sich gegen jene wenden, die ihnen unbequeme Wahrheiten mitteilen!"
Bei Oronêls Worten war Imrahil kalkweiß im Gesicht geworden und auf seinen Stuhl gesunken. Dann flüsterte er: "Wer seid ihr?"
Hinter Oronêl regte Amrothos sich unbehaglich in der sich ausbreitenden Stille, ging dann zum Tisch und reichte Imrahil einen Becher Met. Imrahil nickte ihm dankbar und müde zu und wandte sich dann wieder an Oronêl. Auch Celebithiel schien es unangenehm zu sein, den Fürsten derart niedergeschmettert zu sehen.
"Ich bin Oronêl aus Lórinand, Vater von Mithrellas, der Elbe, die einen Menschen ehelichte und deren Sohn der erste Fürst von Dol Amroth war. Ich habe euch nichts davon erzählt, weil ich nicht die Rolle des aus alter Zeit wiedergekehrten Ahnen, der kommt, um seine Nachfahren zu retten, spielen wollte. Ihr braucht mir deshalb keine Ehrfurcht entgegen zu bringen, denn ich bin keineswegs verehrungswürdig. Ich bin hier als Oronêl von Lórinand und nicht als Vorfahr der Fürsten von Dol Amroth, und ich bitte euch, mich auch so zu behandeln, wie auch euer Sohn es tut."
Imrahil erhob sich und sagte, nun wieder mit kräftiger Stimme: "Ich danke euch für eure Offenheit, Oronêl, und ich entschuldige mich für mein Verhalten. Doch versucht auch mich zu verstehen. Fast drei Jahre lang haben wir unter Saurons Belagerung gelitten und schon zuvor einen endlosen Krieg gegen seine Schergen aus dem Süden geführt. Allein der Gedanke, dass jemand aus dieser Stadt sich unseren Feinden zuwendet... Dieser Gedanke ist unerträglich."
"Und doch ist es so.", sagte Oronêl. "Und je schneller wir uns mit den Verrätern befassen, desto schneller wird es uns auch gelingen, sie zu entdecken."
"Oronêl hat Recht.", ergriff nun Celebithiel das Wort. "Wir können diese neue Bedrohung nicht ignorieren. Wir müssen etwas tun."
"Etwas haben wir ja schon getan. Wir haben herausgefunden, dass es außer den beiden Attentätern von letzter Nacht noch einen gibt, der uns entkommen ist. Dieser könnte mit dem identisch sein, der Andor vergiftet hat."
"Wir haben noch etwas übersehen.", sagte Amrothos, der sich nun, da die Spannung gelöst war, an den Tisch gesetzt hatte. Die anderen folgten seinem Beispiel. "Wer ist der andere Attentäter gewesen?", fuhr Amrothos fort. "Seine Identität haben wir noch nicht festgestellt. Ist es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass zwei von Hauptmann Mithéldirs Männern heute nicht zum Dienst erschienen sind und einer von ihnen tot in unserem Kerker liegt? Vielleicht ist auch der andere Angreifer einer seiner Männer."
Imrahil strich sich über das Kinn. "Amrothos, bitte geh und stell fest, wer der dritte Angreifer war. Wenn auch er zu Mithéldirs Männern gehört, müssen wir ihn im Auge behalten." Amrothos stand auf und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Imrahil seufzte und sagte: "Verrat... schon immer war er eine der wichtigsten Waffen unseres Feindes. Ich wünschte nur, wir wären davon verschont geblieben."
Oronêl ließ den Blick über die Karte, die auf dem Tisch lag, schweifen und legte den Finger auf Fern-Harad. "Hier kommt das Gift her..." Er bewegte den Finger nach Norden, nach Dol Amroth. "Und hier kommt es zum Einsatz. Wer zwischen diesen Orten könnte diesen Verrat angestiftet haben?"
Imrahil und Celebithiel wechselten einen Blick, dann sagte sie: "Suladan. Er ist der mächtigste Stammesfürst von Harad, und eng mit Sauron verbündet. Er hätte großen Nutzen von Fall Dol Amroths, und natürlich Mittel und Wege, dieses Gift nach Norden zu bringen."
Imrahil lachte. "Da überlegen wir uns, wie wir ihn von innen zu Fall bringen könnten, und er ist schon einen Schritt weiter mit uns. Das Schicksal macht grausame Scherze!"
"Da gibt es noch etwas... ", meinte Oronêl nachdenklich.“Aber es tut mir Leid, davon kann ich euch nichts erzählen, Imrahil. Das liegt nicht daran, dass ich euch nicht vertrauen würde, sonder daran, dass dieses Wissen zutiefst gefährlich für euch wäre."
Er darf nicht von dem Ring erfahren, kein Mensch darf das. Er würde ihn verführen und vernichten, aber das darf nicht geschehen!
Er sah Celebithiel an, und erkannte, dass sie verstanden hatte, was er meinte.

Oronêl und Celebithiel in die Stadt
« Letzte Änderung: 7. Jan 2012, 21:15 von Eandril »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

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Ankunft im Palast
« Antwort #9 am: 8. Jun 2012, 19:15 »
...Edrahi und Lothíriell von Vor der Stadt.

Die Rückkehr nach Dol Amroth hatte Edrahils Erwartungen zwar nicht ganz entsprochen, denn der Fürst war nicht da, um ihn zu empfangen, doch dafür hatte Prinz Elphir ihn umso herzlicher willkommen geheißen und ihm sogleich angeboten, zu Ehren seiner Rückkehr ein Festmahl abzuhalten.

"Nein, mein Prinz, es tut mir sehr leid, aber dazu haben wir keine Zeit. Ich bringe beunruhigende Nachrichten, die denke ich keinen Aufschub dulden.", erwiderte er auf Elphirs Ankündigung. "Nun gut.", meinte dieser. "Lasst uns in das Beratungszimmer meines Vaters gehen, dort könnt ihr mir eure Neuigkeiten berichten."
Edrahil nickte zufrieden, und folgte Elphir.
Er macht sich gut in dieser Rolle. Ich konnte ihm keine Enttäuschung ob meiner Zurückweisung ansehen. Das ist ein wichtige Eigenschaft für einen Fürsten...

Im Beratungszimmer setzte Elphir sich an den großen Tisch in der Mitte des Raumes, auf dem eine Karte der Südlichen Lehen ausgebreitet war, und bedeutete Edrahil, sich ebenfalls zu setzen. Er begann zunächst mit einem kurzen Bericht über das Wohlbefinden der Fürstin und die Rückkehr von Elphirs Schwester Lóthiriel nach Dol Amroth.
Darüber schüttelte Elphir nachsichtig den Kopf und meinte: "Ich kann es zwar nicht gutheißen, dass sie wieder hier ist, wo die Gefahr noch nicht völlig gebannt ist, aber es ist ihre eigene Entscheidung. Aber ich glaube, dass nicht dies die dringenden und beunruhigenden Nachrichten waren, Edrahil?"

Edrahil schüttelte den Kopf und antwortete: "Nein. Am Abend vor zwei Tagen erreichte mich auf Tolfalas ein Brief des Fürsten, mit einer verschlüsselten Nachricht. Es ist mir gelungen, diese Nachricht zu entschlüsseln und ihr Inhalt ist der eigentliche Grund für mein Kommen." Er ein zusammengefaltetes Papier aus der Tasche und reichte es Elphir, der es entfaltete und leise murmelnd las.
"... Elben den Ring abnehmt... drei Wochen... Suladans Dol Amroth angreift... Angriff vor... Tor öffnen und unser Vorrücken verschleiern... nächsten Vollmond...  wo das Schwert steht."

Elphir sah auf, und Edrahil sah, wie sich Sorge in seinen Augen spiegelte. "Edrahil...", begann er, und stockte dann.
"Ich fürchte, mein Prinz, Dol Amroth schwebt erneut in Gefahr, doch in geringerer als euch dieser Brief möglicherweise glauben macht.", sagte Edrahil. "Dass wir so früh und überhaupt Kenntnis von diesem Plan erlangt haben, verschafft uns einen Vorteil. Außerdem ist das Attentat auf Prinz Amrothos bereits gescheitert und Mithéldir tot. Damit scheint der Hauptverräter bereits tot zu sein, und unseren Feinden fehlt nun ein wichtiger Bestandteil ihres Plans. Wenn ihr erlaubt, werde ich sobald wie möglich Späher aussenden, um den genannten Treffpunkt zu suchen. Vielleicht gelingt es uns, Mithéldirs Kontaktmann gefangen zu nehmen und von ihm weitere Informationen zu bekommen.
Außerdem werden ich mit eurer Erlaubnis meine Spione anweisen, jeden, der unter Mithéldirs Befehl stand, genau zu überprüfen, selbstverständlich ohne dass diese Personen davon Kenntnis erlangen."
Elphir lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sah nicht minder besorgt aus als bisher. "Selbstverständlich habt ihr meine Erlaubnis, alles zu tun, was ihr für nötig haltet. Was ratet ihr mir weiterhin?"
"Ihr solltet heimlich Vorbereitungen gegen einen Angriff vom Meer aus treffen. Aber geht dabei vorsichtig vor, und versucht alle, die unter Mithéldirs Befehl standen, noch aus diesen Vorbereitungen heraus zu halten. Achtet darauf, dass möglichst wenige von dem erfahren, was ich euch erzählt habe, denn wenn unsere Feinde es erfahren, ist unser geringer Vorteil wieder dahin. Ansonsten könnt ihr wenig tun, meine Leute weitere Informationen gesammelt haben."

"Ich danke euch, Edrahil. Ihr habt Dol Amroth und Gondor heute ein weiteres Mal einen großen Dienst erwiesen. Geht nun, und tut was nötig ist.", meinte Elphir und erhob sich. Auch Edrahil stand auf und sagte: "Gestattet mir zu sagen, dass ich vollstes Vertrauen habe, dass ihr diese schwierige Situation meistern werdet. Ihr seid wahrlich ein Prinz von Dol Amroth und ein würdiger Stellvertreter und Nachfolger eures Vaters." Er verneigte sich vor Elphir und verließ den Raum.
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:15 von Fine »

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Beratungen und Pläne
« Antwort #10 am: 27. Sep 2012, 16:00 »
Eine Woche war vergangen, seitdem Edrahil und Lóthiriel in Dol Amroth angekommen waren, und an diesem Morgen trafen die Berichte ein, die über Erfolg oder Misserfolg von Edrahils Vorhaben bestimmen würden.
Er setzte sich an seinen Schreibtisch, mit dem Rücken zur durch das östliche Fenster scheinenden aufgehenden Sonne, und nahm die erste Nachricht, den Bericht eines seiner wichtigsten Spione, der die Aufgabe, Mithéldirs Kontaktmann gefangen zu nehmen, gehabt hatte. Zuvor hatten seine Männer durch das Verhör von Mithéldirs Stellvertreter, der sich verdächtigt gemacht hatte und sich nun auch als Verräter gegen seine neuen Herren erwiesen hatte, den gesuchten Treffpunkt ausfindig gemacht. Sofort hatte Edrahil seine besten Leute dorthin gesandt, um dem Kontaktmann Mithéldirs aufzulauern.

Edrahil - Wir haben den Kontakmann am richtigen Ort gefunden und ihn und seine Wächter überwältigt. Durch das Verhör dieser Leute haben wir folgendes erfahren:
- Die Armee, die Dol Amroth vom Meer aus angreifen soll, wird viertausend Mann stark sein.
- Die Flotte wird eine Truppe von weiteren tausend Mann nördlich von Dol Amroth an Land setzen.
- Dieser Truppe sollten Mithéldir und seine Vertrauten heimlich das Tor öffnen, während alle anderen mit der Verteidigung des Hafen beschäftigt sein werden.
- Der Angriff soll in zwei Tagen bei Sonnenuntergang erfolgen.
- Außer Mithéldir sollten sich noch drei weitere Verräter in der Stadt befinden, alles Soldaten unter seinem Befehl.
Da diese Männer sich als außerordentlich willenstark erwiesen haben, rate ich dazu, dass ihr euch nicht nur auf diese Zahlen verlasst. Leider haben die Spione das Verhör nicht überlebt.

Edrahil nickte zufrieden. Er hatte schon ähnliches vermutet, und entsprechende Vorbereitungen treffen lassen. Aber dachte der Mann etwa, er sei ein Anfänger? Sich nicht mit Sicherheit auf durch Folter erlangte Aussagen zu verlassen war eines der ersten Dinge gewesen, die er gelernt hatte...
Er nahm den nächsten Bericht zu Hand.

Fürst Edrahil,
wir haben etwa zwei Drittel der Flotte im Hafen von Edhellond stationiert. Als Signal wurde wie ihr wünscht ein Leuchtfeuer auf dem Dach des Palastes errichtet. Mithéldirs ehemalige Kompanie wurde auf euren Befehl in die Berge von Dor-en-Ernil entsandt, um versprengte Orks zu jagen und wird dauernd von Spähern beobachtet. Die am Hafen stationierten Bogenschützen wurden mit Feuerpfeilen ausgestattet, und es wurde der Befehl ausgegeben, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs nur wenige Soldaten auf den Mauern am Tor zeigen sollen.
gez. Hilgorn, Hauptmann von Dol Amroth


Auch diese Vorbereitungen waren ganz zu Edrahils Zufriedenheit abgeschlossen worden. Die Flotte des Feindes würde nichtsahnend die noch im Hafen der Stadt befindlichen Schiffe angreifen und schließlich vom zurückkehrenden Rest der Flotte eingeschlossen werden. Die Gefahr dabei bestand lediglich darin, dass die wenigen Schiffe im Hafen und die dort stationierten Soldaten überwältigt würden, doch sollte es Anzeichen dafür geben, würden die Bogenschützen die feindlichen Schiffe in Brand setzen. Auch der feindliche Trupp, der vom Land angreifen sollte, würde nichtsahnend in eine Falle gehen...

Imrahil, Fürst von Dol Amroth und Tolfalas an Edrahil, seinen getreuen Ratgeber.
Wir haben die Nachhut Mordors, die wir verfolgten, überrascht und vernichtet. Euer Bote erreichte und einen Tag nach der Schlacht und brachte erneut schlechte Nachrichten, doch mit sogar mehr als einem Funken Hoffnung. Ich werde euren Rat befolgen und mich mit meinen Reitern zum von euch genannten Zeitpunkt östlich der Stadt im Wald verbergen. Sobald das von euch genannte Signal kommt, werden wir reiten, und alle an Land befindlichen Feinde zurück ins Meer treiben.
Edrahil, ihr habt der Stadt Dol Amroth und dem Königreich Gondor erneut einen großen Dienst erwiesen, und ich danke euch dafür. Lasst uns hoffen, dass der Feind sich in seiner eigenen Falle fängt.


Nun, da er wusste, dass die Feinde mit großer Wahrscheinlichkeit auch vom Land angreifen würden, erwies es sich als geradezu prophetisch, dass er Imrahil geraten hatte, sich mit seinen Reitern in Reserve zu halten. Wenn alles so lief, wie Edrahil es sich vorstellte, würden auch diese Feinde, wie ihre Flotte, zwischen den Mauern und Verteidigern der Stadt und einer angreifenden Streitmacht in ihrem Rücken gefangen und vernichtet werden.
Eine letzte Nachricht war noch übrig...

G. von A. an E.
Ich stimme euch zu, dass der Fürst eine bessere Wahl zum Truchsess wäre, als der Herr Faramir. Dieser befindet sich fern von seinem Reich und der Feind ist hier. Wenn der Angriff der Haradrim also abgeschlagen werden kann, werden ich und E. von PG euch in dieser Sache unterstützen.
« Letzte Änderung: 24. Mai 2017, 15:46 von Fine »

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Der Auftrag
« Antwort #11 am: 28. Sep 2012, 12:04 »
Hilgorns Start:

Am Morgen vor dem Angriff fiel ein leichter warmer Regen auf die Schwanenstadt. Edrahil saß bereits bei an seinem Schreibtisch, als sich die Sonne im Osten über den Horizont schob und die Wolken allmählich aufrissen, doch er weder las er irgendwelche Berichte noch erteilte er Befehle oder stellte letzte Pläne auf. Die Karten waren ausgespielt, und nun blieb nur noch das Warten auf die Schlacht. Er bettete den Kopf auf seine Arme und schloss die Augen, sich seiner über eine nahezu schlaflose Nacht angestauten Müdigkeit hingebend, als es an der Tür klopfte.

"Edrahil?", hörte er die Stimme Hauptmann Hilgorns fragen, "seid ihr wach? Öffnet bitte, ich habe hier etwas, das ihr sehen solltet."
Edrahil erhob sich mühsam, und hinkte zur Tür, sein Bein schmerzte wie so häufig, wenn er erschöpft war. Er öffnete die Tür, und Hilgorn trat mit zwei Soldaten ein, zwischen sich eine merkwürdige Gestalt. Es war eine Frau, nach der Art Gondors gekleidet, und doch vom Aussehen her eindeutig südländischer Art. Dabei machte sie keineswegs den Eindruck einer verzweifelten Gefangenen, sondern eher einer Königin, die von Hilgorn und seinen Mäner eskortiert und nicht bewacht wurde.

Kurz huschte ein Ausdruck des Hasses über Edrahils Gesicht, doch er hatte sich trotz seiner Müdigkeit sofort wieder unter Kontrolle und sah sie ausdruckslos mit verschränkten Armen an. "Nun, Hilgorn, was gibt es?", fragte er.

Hilgorn sah unbehaglich aus, als er antwortete: "Nun... sie kam heute morgen einfach zum Palast und verlangte euch zu sprechen. Sie sagte..." Weiter kam er nicht, denn die Frau schnitt ihm das Wort ab. "Ich kann durchaus für mich selber sprechen, Hauptmann." Sie sprach verächtlich, doch war ihr Westron makellos und nahezu akzentfrei. Hilgorn wollte wütend aufbegehren, doch Edrahil sah ihn an und schüttelte leicht den Kopf.

Die Gefangene fuhr fort. "Edrahil, Herr der Spione von Dol Amroth, mein Name ist Chatara, und ich bringe euch Nachricht von meiner Herrin. Wir haben bemerkt, dass unser Kontaktmann keinen Bericht erstattet hat, daher nehmen wir an, dass ihr ihn getötet habt. Wie ich an den Vorbereitungen, die ihr trefft, sehen konnte, habt ihr erfahren, dass ein Angriff bevorsteht, und werdet ihn abwehren können und eure Feinde vernichten."

Verflucht, dachte Edrahil, Wie ist es ihr nur gelungen, uns völlig unbemerkt auszukundschaften? Doch er ließ sich nichts anmerken, und Chatara sprach weiter.

"Da nun schon der zweite Angriff auf Dol Amroth scheitern wird, was Suladan, den Herrn Harads noch weiter schwächen wird, hat meine Herrin beschlossen, mit euch zu kooperieren, sofern ihr erfolgreich seit. Daher unser Angebot: Ich werde hierbleiben, bis die Schlacht geschlagen ist, und dann, im Falle eures Sieges, mit einem vertrauenswürdigen Boten nach Harad zurückkehren, wo dieser mit meiner Herrin sprechen wird." "Nun sagt mir," erwiderte Edrahil, "was werdet ihr tun, wenn wir unterliegen?" Chatara lächelte böse und meinte: "In dem Fall werde ich mich unter das siegreiche Heer mischen, und meine Herrin wird niemals in ihrer Treue zu Suladan gewankt sein."

Edrahil ging zum Fenster und sah hinaus, dann fragte er, ohne sich zu Chatara umzudrehen: "Und wieso sollte ich euch glauben? Aus welchem Grund sollte ich einer Südländerin vertrauen?" "Ich werde euch Einzelheiten über den bevorstehenden Angriff geben. Ich weiß nicht, was ihr unserem Kontakmann entlocken konntet, doch ich werde die Wahrheit sagen. Der Angriff wird heute Abend bei Sonnenuntergang erfolgen. Die Flotte wird aus fünfundzwanzig Kriegsschiffen und sieben Transportschiffen, besetzt mit Soldaten bestehen. Insgesamt werden sich etwa viertausend Soldaten auf den Schiffen befinden. Kurz darauf werden etwa tausend Mann, davon fünfhundert beritten, von Osten angreifen, denen Verräter in euren Reihen die Tore öffnen sollen."

Das deckt sich mit dem, was der andere Spion verraten hat...

Edrahil wandte sich um und sagte: "Nun gut. Da ich diese Angaben noch nicht überprüfen kann, sind sie auch noch kein Grund, euch zu vertrauen. Bis die Schlacht geschlagen ist, werdet ihr eingesperrt, und je nach Wahrheitsgehalt eurer Aussagen entweder als Spionin hingerichtet, oder ich werde mich entschließen, zum erstem Mal in meinem Leben jemandem aus dem Süden zu glauben."
Chatara neigte leicht den Kopf und erwiderte: "Ich hatte nichts anderes erwartet. So soll es sein.", und Edrahil stellte leicht angewidert von sich selbst fest, dass sie begann ihn zu beeindrucken.

"Schafft sie fort. Hauptmann Hilgorn, auf ein Wort." Als die Soldaten und Chatara den Raum verlassen hatten, sagte er, obwohl es ihm widerstrebte: "Hauptmann, stellt euch darauf ein, diese Truppentransporter mit Feuerpfeilen zu vernichten. Das könnte euch die Arbeit am Hafen etwas erleichtern, doch verlasst euch nicht völlig auf die Worte dieser Südländer-Schlampe. Das wäre alles." Hilgorn nickte knapp und eilte seinen Männern hinterher. Edrahil setzte sich wieder, um sein Bein zu entlasten, und schloss kurz vor Schmerzen die Augen.

Eine interessante Entwicklung... wenn sie denn die Wahrheit sagt.
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Eandril

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Die zweite Schlacht um Dol Amroth
« Antwort #12 am: 28. Sep 2012, 17:46 »
Der Abend war gekommen, und Edrahil stand auf dem Dach des Palastes neben dem frisch aufgerichteten Leuchtfeuer. Von dort konnte er die ganze Stadt überblicken, doch im Moment richtete er seine Aufmerksamkeit vornehmlich auf den Hafen, dem sich die feindliche Flotte näherte. Die Sonne schien den westlichen Horizont zu berühren und die Masten der feindlichen Schiffe warfen lange Schatten auf die wenigen im Hafen liegenden Schiffe der Verteidiger, als die ersten Pfeilsalven von den Angreifern abgeschossen wurden. Edrahil zählte die Schiffe.

Fünfundzwanzig Kriegsschiffe und sieben Transporter. Das Weib hat die Wahrheit gesagt!

Die schnellen, schlanken Kriegsschiffe aus Umbar wurden von Ruderern voran getrieben, denn der Wind kam aus dem Norden, was möglicherweise ein entscheidender Faktor für den Sieg der Verteidiger sein würde. Nun hatten die ersten Korsarenschiffe den Hafen erreicht, und schon wurden die ersten Enterhaken auf die gondorianischen Schiffe geschleudert. Edrahil wandte sich um und gab den Befehl. "Jetzt! Entzündet das Leuchtfeuer!"

Ein Diener hielt eine Fackel an den ölgetränkten Holzstoß und sprang sofort zurück, als das Holz aufflammte und ihnen eine gewaltige Hitze entgegen schlug. Auch Edrahil trat einige Schritte vom Feuer zurück und schloss kurz geblendet die Augen. Dann blickte er nach Norden, zum Hafen von Edhellond, als ob er hoffte, die Verstärkung bereits herannahen zu sehen.

Als das Leuchtfeuer aufflammte, wurden auf den Hafenmauern dutzende Feuerpfeile entzündet und auf die schwerfälligen Truppentransporter der Südländer abgefeuert, wie Edrahil es mit Hilgorn abgesprochen hatte. Es war ein riskantes Manöver, denn das Feuer konnte leicht auf die eigenen Schiffe übergreifen und so auch für diese zum Verhängnis werden. Doch bislang waren nur vier der Transporter im Schutz der Kriegsschiffe im Hafen eingelaufen, und soweit Edrahil es von seiner Position aus erkennen konnte, wurden auf diese keine Brandgeschosse abgefeuert.

Allerdings zeigten die Feuerpfeile bei den anderen drei Transportern nicht die erhoffte Wirkung. Lediglich bei einem der Schiffe war ein Segel in Brand geraten, bei den anderen loderten lediglich kleine Feuer auf Deck auf, die aber schnell gelöscht wurden. Edrahil fluchte leise, denn das erste der Transportschiffe hatte sich in eine Lücke zwischen zwei Schiffen Dol Amroths geschoben und eine sofort mehrere breite Planken über den Spalt zwischen Reling und Kai geschoben, über die sofort Soldaten an Land stürmten.
Auch auf sämtlichen Schiffen der Verteidiger tobten nun Kämpfe zwischen den durch Soldaten der Garnison verstärkten Besatzungen und den Enterern.

Edrahil wusste, dies war ein entscheidender Moment. Wenn die Südländer die Linien der Verteidiger durchbrachen oder im Hafen zu sehr die Oberhand gewannen, würde die Stadt fallen.
Unmittelbar knickte sein linkes Bein unter ihm weg und er schlug schmerzhaft auf dem Steinboden auf, doch bevor einer der Diener ihm aufhelfen konnte, hatte er sich schon unter Schmerzen wieder erhoben. Trotz seines Widerwillens, Schwäche zu zeigen, nahm der den Stock, den einer der Diener ihm reichte, doch er hielt sich nicht damit auf, ihm zu danken. Dafür waren Diener schließlich da. Er richtete seine Augen wieder auf die Schlacht, die am Hafen hin und her wogte.

Aus Hilgorns Sicht:

Die Sonne war inzwischen ganz verschwunden und die ersten blassen Sterne zeigten sich am Himmel. Von Norden zogen neue Regenwolken heran, die die nördlichen Sterne bereits wieder verhüllten, als Hilgorn, Hauptmann von Dol Amroth, die ersten herannahenden Feinde erspähte. Er blickte vom Tor hinunter auf den Platz, auf dem noch vor etwas mehr als einem Monat ein verzweifelter Kampf gegen die Heerscharen Mordors getobt hatte, und in dem der Nazgûl, der Heerführer Mordors, wider alle Hoffnung gefallen war.
Der Feind dem sie sich heute gegenüber sahen war dagegen weit weniger erschreckend, denn weder wurden die Truppen von einem Ringgeist angeführt noch erreichten sie annähernd die Zahl jener Armee. Außerdem waren rund um den Platz heute Barrikaden aus angespitzen Pfählen errichtet, und der Feind war - - hoffentlich - ahnungslos ob der Falle, die ihn erwartete.

Hilgorn gab den Männern, die an der Torwinde standen ein Zeichen, und das Tor begann langsam aufzuschwingen. Als die ersten Reiter des Feindes die stummen Mauern erreichten, auf denen nur Hilgorn, der scheinbar grüßend die Hand hob, zu sehen war, stand das Tor bereits weit offen. Doch das Zeichen war keineswegs als Gruß gedacht, denn in dem Moment, als die Feinde das Tor passierten, stieg von der Mauer eine Salve von zehn Feuerpfeilen nahezu senkrecht in die Luft.
Gleichzeitig erkannten die Feinde, dass sie keineswegs in eine unvorbereitete Stadt, deren Tore durch Verrat offen standen, einrückten, sondern das der Torplatz befestigt worden war und auf den Mauern plötzlich Bogenschützen standen, die zuvor verdeckt hinter den Zinnen gelegen hatte und nun auf die Angreifer zielten.
Hilgorn zögerte keine Sekunde und gab den Befehl zum Feuern, und die erste Salve schlug in die Truppen des Feindes ein. Männer und Pferde gingen von Pfeilen durchbohrt zu Boden, und einen Augenblick lang sah es so aus, als wollten sich die Angreifer zur Flucht wenden.
Doch da schienen die Verteidiger von den Barrikaden zurückzuweichen, und die Truppen Harad schöpften neuen Mut. Der Angriff begann.


Vom Palastdach sah Edrahil die Salve aus Feuerpfeilen vom Tor aufsteigen, sah in Richtung dieses Kampfes. Zuerst fürchtete er, Hilgorn sei zu stürmisch an die Sache herangegangen würde die Feinde schon zum Rückzug bringen, doch dann griffen die Feinde plötzlich weiter an. Aber schon nahte von Osten eine weiter Reitertruppe, um ihnen in den Rücken zu fallen.

Die Schlacht um den Hafen stand dagegen gar nicht gut. Schon waren zwei Schiffe den Feinden in die Hände gefallen und ein weiterer Transporter hatte angelegt, wodurch sich auch das Kräfteverhältnis an Land immer mehr zu Ungunsten der Soldaten Dol Amroths verschob.

Inzwischen war es immer dunkler geworden, da die von Norden kommenden Wolken den aufgehenden Mond und die Sterne verdeckten und die Sonne vollends verschwunden war und nicht mehr der geringste Schimmer im Westen zu sehen war. Dadurch wurde es für Edrahil immer schwieriger, zu erkennen, wie die Schlacht lief. Er blickte wieder nach Norden, nach Edhellond, spähte ungeduldig in die heraufziehende Dunkelheit, und tatsächlich: Von Norden glitten Schatten über das Wasser, Schatten in Form von Schiffen, die mit dem Wind im Rücken der feindlichen Flotte direkt und zu spät bemerkt in die Flanke fielen. Schon wurde das erste Korsarenschiff  seitlich gerammt und bekam Schlagseite, brach zur Seite aus und begann schließlich zu sinken. Zwei große Kriegsschiffe hielten geradewegs auf einen der hinteren Transporter zu und versenkten auch diesen.
In diesem Augenblick begann sich auch die Schlacht im Hafen zu wenden, denn die Nachricht von der Ankunft einer neuen Flotte der Verteidiger, die zweimal so groß wie die bisherige war, schien sich im gesamten Heer der Angreifer zu verbreiten und Panik auszulösen. Schon versuchten die hinteren Korsarenschiffe beizudrehen und nach Süden zu entkommen, doch einige der Schiffe von Dol Amroth waren in leichten Bogen gefahren und näherten sich nun von Nordwesten, um den Fliehenden den Weg abzuschneiden.
Edrahil blickte zum Tor, und auch dort waren die Feinde in die Falle gegangen: Imrahil und seine Reiter waren gekommen und hatten die Feinde nun zwischen sich, der Mauer und den Verteidigern in die Zange genommen.
Der Sieg war greifbar nah und Edrahil hätte jubeln mögen, doch in diesem Augenblick des Triumphes knickte sein Bein trotz des Stocks erneut ein, und diesmal schlug er mit dem Kopf auf der steinernen Brüstung auf und verlor das Bewusstsein.
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Die Siegesfeier
« Antwort #13 am: 5. Okt 2012, 16:00 »
Nach dem Sieg über die angreifenden Haradrim und Corsaren hatte Edrahil zwei Tage im Lazarett verbracht, weil sein Bein noch immer zu zittern begann, wenn er es belastete.

Nachdem die Verstärkungen Dol Amroths den Feinden in den Rücken gefallen waren, waren diese in Panik geraten, und ihre Reihen begannen sich aufzulösen. Drei der Transporter waren gesunken und drei weitere waren den Soldaten der Stadt in die Hände gefallen, und nur einem von sieben war die Flucht gelungen. Von den fünfundzwanzig angreifenden Kriegsschiffen waren acht gesunken und ein weiteres irreparabel beschädigt, doch sieben waren von den Verteidigern aufgebracht worden. Lediglich acht Kriegschiffe hatten entkommen können, allerdings beschädigt und mit großen Verlusten unter den Mannschaften.
Die von Land angreifende Truppe hatte es sogar noch schlimmer getroffen. Höchstens hundert Mann hatten fliehen können und wurden nun von Reitertrupps gejagt, sodass sie höchstwahrscheinlich nicht endgültig entkommen würden. Der Rest war entweder tot oder gefangen genommen worden.

Nun, drei Tage nach der Schlacht, saß Edrahil auf einem Stuhl an Imrahils linker Seite, auf einer Empore am Westende des großen Saales. Zu Imrahils Rechter saß Prinz Elphir, und hinter ihnen standen die anderen Kinder Imrahils, Prinz Erchirion, sein mittlerer Sohn, und Prinzessin Lóthiriel, sowie Hilgorn, der Hauptmann der Garnison von Dol Amroth.
Erchirion war aus Ethring im Ringló-Tal, wo er als Gast im Haus von Fürst Dervon vom Ringlótal gewesen war, zu seinem Vater gestoßen und hatte mit diesem den Angriff in den Rücken des Feindes angeführt.
Der Saal füllte sich mit Adligen, Hauptleuten und anderen einflussreichen Männern, die gekommen waren, um den jüngsten Sieg über die Streitkräfte Suladans zu feiern. Edrahil ließ den Blick über die Menge schweifen, und erblickte mehrere andere Fürsten der südlichen Lehen: Imrahils Gefolgsleute Amros von Edhellond, der persönlich die Flotte in der Schlacht befehligt hatte, und Ardamir von Belfalas waren ebenso gekommen wie die Golasgil, der Herr von Anfalas, dessen Land bisher von Angriffen größtenteils verschont geblieben war, Elatan, der Herr der Pinnath Gelin, Fürst Angbor von Lamedon, Duilin von Morthond, dem man die Trauer über den Verlust seiner Söhne in der Schlacht auf dem Pelennor noch ansah, sowie Dervon, der Herr über das Ringlótal, der mit seinem Sohn Dervorin gekommen war.

Als der Saal sich gefüllt hatte, erhob sich Imrahil.
"Wir sind heute hier zusammengekommen, um erneut einen Sieg über die Streitkräfte des Bösen zu feiern. Erneut versuchten die Diener Mordors, die Haradrim und die Corsaren aus Umbar, unsere Stadt einzunehmen und unsere Frauen und Kinder zu erschlagen oder als Sklaven wegzuführen."

Bei diesen Worten zuckte Edrahil leicht zusammen, denn sie erinnerten ihn an die, die er vor langer Zeit an ebenjene Feinde verloren hatte. Imrahil fuhr fort: "Doch wider allen Hoffens ist es uns nun erneut gelungen, unsere Feinde zu vertreiben, und ihnen sogar eine empfindliche Niederlage zu bereiten. Dies wäre nicht möglich gewesen ohne die Tapferkeit und Besonnenheit jener, die die Verteidigung führten und die Falle, die unsere Feinde uns gestellt hatte, gegen sie zu richten wussten. Hilgorn, Hauptmann der Garnison von Dol Amroth!", rief er aus.

Hilgorn trat vor Imrahil hin und sank auf ein Knie nieder. "Ihr habt die Truppen am Tor geführt, und nur Dank eurer klugen Führung gelang es uns, unsere Feinde in die Falle zu locken. Hierfür danke ich euch im Namen der ganzen Stadt und erhebe euch in den Rang eines Herren. Ihr werdet von mir ein Stück Land an der westlichen Küste von Belfalas zum Lehen erhalten, und, sofern ihr das Kommando annehmt, den Oberbefehl über sämtliche Landstreitkräfte westlich der Berge von Dor-en-Ernil. Nehmt ihr diese Ehre an?"

Hilgorn erhob sich und erwiderte: "Mein Herr erweist mir mehr Ehre, als ich verdiene, doch ich werde sie annehmen. Ich danke euch, mein Herr."

"Nun möge der vortreten, der die Stadt in meiner Abwesenheit geführt hat, und die Verteidigung des Hafens befehligte. Elphir, mein Sohn und Erbe!" Elphir trat vor, und auch er sank vor seinem Vater auf die Knie. "Ohne deine Taten am Hafen und deine umsichtige Herrschaft über die Stadt wäre dieser Sieg unmöglich geworden. Hierfür danke ich dir, als Vater wie als Fürst, und erhebe dich zu einem Oberbefehlshaber der Truppen von Dol Amroth und zum Truchsessen der Stadt!" Elphir erhob sich und blickte seinem Vater ins Gesicht: "Ich danke euch, Vater, und nehme diese Ehren mit Freuden an.", und setzte sich wieder auf seinen Platz an der rechten Seite des Fürsten.

"Dank gebührt auch meinem Lehnsmann Amros von Edhellond, der unsere Flotte mit seinen eigenen Schiffen verstärkte und selbst das Kommando führte, und Fürst Dervon aus dem Ringlótal, der meine Truppe mit seinen Reitern verstärkte. Doch nun zu jenem Mann, der uns vor dem Angriff warnte, und die genauen Umstände aufdeckte: Edrahil von Belfalas!"
Edrahil erhob sich mühsam, trat vor Imrahil und ließ sich auf sein linkes Knie nieder.
"Ohne euch hätten wir nie von der Falle erfahren, die uns gestellt wurde, und wären blindlings hineingelaufen. Dol Amroth wäre gefallen, und alle Hoffnung für seine Bewohner wäre dahin gewesen. Doch ihr warntet uns, und ihr wart es auch, der den Plan entwarf, die Falle gegen unsere Feinde zu richten. Ihr habt mit eurem Verstand unseren Feinden eine schwere Niederlage zugefügt, und dafür erhebe ich euch zum Herrn über alle Länder zwischen Dol Amroth, Edhellond und den Bergen von Dor-en-Ernil, und erneuere euren Sitz im Rat des Fürsten!"

Edrahil verharrte noch eine Augenblick, dann kam er mühsam auf die Füße und blickte Imrahil fest in die Augen, als er sagte: "Vergebt mit mein Fürst, aber ich muss diese Ehre ablehnen." Verblüffung zeigte sich im Gesicht des Fürsten, und auch in allen anderen Gesichtern, doch Edrahil fuhr fort.
"Ich bedaure, auf einem Fest eine solche Ankündigung zu machen, doch es muss sein: Weder Harad noch Umbar noch Mordor sind in der Nacht vor drei Tagen besiegt worden, und es wird nicht lange dauern, bis wir erneut Krieg führen müssen. Doch unsere Feinde im Süden sind durch ihre Niederlagen geschwächt, und, wie ich erfahren habe, uneins. Wir haben nun möglicherweise die Gelegenheit, unsere Feinde im Süden zu spalten und vielleicht so den Krieg in ihre eigenen Lande verlagern. Dies kann jedoch nicht durch Heere und Feldzüge geschehen, sondern durch Diplomatie und Intrigen. Daher bitte ich euch, mein Fürst, um die Erlaubnis, nach Harad gehen zu dürfen. Ich fürchte, diese Angelegenheit ist so wichtig, dass ich in eurem Rat weniger von Nutzen wäre als im Süden. Habe ich eure Erlaubnis?"

Imrahil seufzte, und mit gelindem Erstaunen stellte Edrahil fest, dass es totenstill im Saal geworden war. Dann sagte der Fürst leise: "Ich hätte euch gerne hier an meiner Seite gehabt, mein Freund. Doch wenn es euer Wunsch ist, so lasse ich euch in meinem Auftrag nach Süden ziehen." Edrahil verneigte sich und erwiderte: "Ich danke euch, mein Fürst. Ich werde mein bestes geben, um dem Haus Dol Amroth zu dienen." Er hob die Stimme und wandte sich der Menge zu.

"Fürsten der südlichen Lehen, Volk Dol Amroths. Seit langer Zeit sind wir von Minas Tirith abgeschnitten, und haben so niemanden, der uns führt und das Königreich Gondor zusammenhält. Der letzte aus dem Haus der Truchsessen ist in Rohan, und somit weit entfernt von den Nöten und Sorgen seines Volkes. Wer soll uns also führen?
Ich schlage vor, das wir hier und jetzt, wo die Fürsten der Lehen versammelt sind, einen anderen Truchsess wählen, einen aus ihren Reihen, der uns im Kampf gegen das Böse anführen kann. Wen schlagt ihr vor?"

Für einen Moment herrschte Schweigen im Saal. Imrahil war auf seinen Sitz zurückgesunken, und Lóthiriel starrte Edrahil mit weit aufgerissenen Augen an. Dann erhob sich Golasgil von Anfals und sagte: "Ich stimme euch zu, Edrahil. Faramir ist weit entfernt und kann uns nicht als Truchsess anführen. Doch wir haben jemanden, der ein erfahrener Fürst und Soldat ist, den Herrn über die größte Stadt und die meisten Menschen des Südens, Imrahil, Fürst von Dol Amroth, und ich schlage ihn als neuen Truchsess von Gondor, den Truchsess des Südens, vor." Er setze sich wieder, und die Stille schien noch drückender zu werden.

Dann stand Elatan, der Herr der Pinnath Gelin, der mit Golasgil verwandt und mit Imrahil befreundet war, auf und meinte: "Golasgil hat Recht. Imrahil wäre ein besserer Truchsess als dieser grüne Junge Faramir, der keine Ahnung vom Regieren hat und überdies sein Volk im Stich gelassen hat. Ich stimme für Imrahil, Fürst von Dol Amroth als Truchsess von Gondor!"

Da stand Angbor von Lamedon auf und erwiderte: "Fürst Faramir ist inzwischen kein grüner Junge mehr, sondern ein erfahrener Heerführer. Er hat uns nicht im Stich gelassen, sondern wird zurückkehren, daran glaube ich. Außerdem ist er der letzte aus dem Haus der Truchsessen und hat somit den besten Anspruch auf dieses Amt. Ich werde nicht dabei mithelfen, ihn seines Erbes zu berauben, doch wenn Fürst Imrahil eure Wahl ist, werde ich ihm ebenso treu folgen wie ich Faramir folgen würde, denn wenn wir darüber entzweien, wir Sauron lachen und uns zerquetschen, während wir uns gegenseitig bekriegen oder tatenlos zusehen, wie andere kämpfen."

Auch Dervon von Ringló sprach gegen Imrahil, doch ähnlich abwägend wie Angbor, und Amros von Edhellond und Ardamir von Belfalas sprachen sich ebenso für Imrahil aus wie dessen Sohn Elphir. Schließlich wandte sich Edrahil an Imrahil und sagte: "Wie es scheint, haben die Fürsten Gondors sich entschieden. Nehmt ihr, Imrahil, Fürst von Dol Amroth, ihre Wahl und das Amt des Truchsess von Gondor an?"

Imrahil erhob sich erneut und ließ seinen Blick einen Moment lang schweifen. Dann sprach er: "Ich danke euch für euer Vertrauen in mich. Dies ist eine der schwersten Entscheidungen die ich je treffen musste, doch wenn ihr mich als Truchsess von Gondor sehen wollt, so werde ich eure Wahl annehmen. Doch lasst mich noch dies sagen: Wenn Fürst Faramir zurückkehrt, werde ich nicht zögern, ihm sein Amt erneut zu überlassen. Ich danke euch."

Edrahil setzte sich wieder, als Imrahil mit den Siegesfeierlichkeiten fortfuhr. Dieser Teil seiner Pläne war einfacher aufgegangen, als er erwartet hatte...

Edrahil, Imrahil, Hilgorn, Elphir, Lóthiriel und Chatara zum Hafen...
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Neue Pläne
« Antwort #14 am: 6. Dez 2012, 19:34 »
Imrahil, Elphir und Hilgorn vom Hafen


Gerade eine Woche war seit Edrahils Abreise vergangen, als Hilgorn, der eigentlich in Begriff war, zu den Truppen außerhalb der Stadt, die nun unter seinem Befehl standen, zum Fürsten von Dol Amroth gerufen wurde.
Nachdenklich schritt er die flachen Stufen zum Eingang des Palastes hinauf, in Gedanken noch mit seinen Plänen beschäftigt, die er für sein neues Amt gemacht hatte. Er erreichte das Tor und betrat den Palast, in der aufgehenden Sonne, die durch die hohen Fenster schien, beleuchtet wurde. Zielstrebig schug er den Weg zum Beratungszimmer des Fürsten ein, und tatsächlich hatten sich dort bereits mehrere andere Hauptleute und Imrahil selbst, sowie sein Sohn Elphir, versammelt.
Als Hilgorn eingetreten war, sagte Imrahil: "Bitte schließt die Tür, und setzt euch. Wir haben einiges zu besprechen, was die Zukunft dieser Stadt beeinflussen wird, und ich möchte verhindern, dass jemand Falsches davon erfährt."
Hilgorn schloss die Tür und setzte sich auf den einzigen freien Stuhl, direkt neben Elphir und Imrahil nahezu gegenüber.
Was mag das bedeuten?

Der Fürst begann. "Wie ihr alle wisst, haben wir unseren Feinden in letzter Zeit mehrere schwere Schläge versetzt: Das Ende der Belagerung und des Nazgûl, die Vernichtung jener, die sich daraufhin nach Osten zurückziehen konnten, die Vernichtung der Flotte von Umbar die gegen uns ausgesandt wurde, und die Enttarnung und der Tod des Verräters Mithéldir.
Doch ich frage euch, was ist das alles wert? Wir verteidigen nur das, was uns geblieben ist, und arbeiten nicht daran, das zurückzuholen, was wir verloren haben."
Er stand auf, und Hilgorn sah erstaunt, was für eine Veränderung mit dem Fürsten vorgegangen war. Er war wieder jene entschlossene Mann, der er vor den vielen Niederlagen im Ringkrieg, vor seiner Rückkehr vom Schwarzen Tor, gewesen war. Selbst nach dem Sieg über die Belagerer hatte Imrahil eher erschöpft gewirkt, als die erste Siegesfreude verflogen war.
Imrahil fuhr fort: "Dies soll sich nun ändern. Wir werden nicht nur ängstlich in Erwartung des nächsten Schlages dasitzen und versuchen ihn abzuwehren, jetzt, wo unsere Feinde geschwächt sind. Nein, wir werden zum ersten Mal seit langem in diesem Krieg wieder vorrücken, und gleichzeitig unsere Verteidigung stärken.
Ich muss euch nun bitten, den Raum zu verlassen, denn ich werde jedem von euch seinen Auftrag allein erteilen. Es geht nicht darum, dass ich euch nicht vertraue, sondern dass unsere Feinde nicht all unsere Pläne aufdecken können, wenn nur einer von euch in Gefangenschaft gerät."
Alle erhoben sich, auch Hilgorn, doch Imrahil sagte: "Nein, ihr noch nicht, Hilgorn, und auch du nicht, mein Sohn. Ihr werdet eure Befehle als erste erhalten."
Hilgorn sank wieder in seinen Stuhl zurück, und blickte in gespannter Erwartung auf Imrahil, der wartete, bis der letzte der Hauptleute den Raum verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hatte.
"Ihr  werdet, egal welche anderen Pläne ihr mit euren Truppen gehegt habt, diese sammeln, und südlich um die Berge von Dor-en-Ernil herummarschieren, und dabei das ganze Land von Saurons Dienern befreien, bis ihr nach Linhir kommt. Ihr werdet den Hafen von Land belagern, bis weitere Truppen zu euch stoßen, bis ihr genug seid, um den Hafen einzunehmen. Elphir wird euch mit einer Gruppe der Schwanengarde begleiten. Habt ihr verstanden?"
"Jawohl, mein Fürst", antwortete Hilgorn. "Ich werde eure Befehle ausführen, so gut ich kann, egal was es mich kostet." Und das würde er tun, denn sein Fürst baute auf ihn.
Imrahil nickte zufrieden, und entließ die beiden mit einem Wink.
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