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Autor Thema: Das Schattenbachtal  (Gelesen 870 mal)

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Das Schattenbachtal
« am: 15. Feb 2018, 15:27 »
Córiel und Vaicenya aus Moria


Obwohl dichte Wolken den gesamten Himmel bedeckten und es ein sehr trüber und dämmeriger Tag war, blendete das Licht Córiel für einen Augenblick, als sie durch das große Ost-Tor Morias eilte. Die Hochelbin blieb stehen und schirmte ihre Augen mit der freien linken Hand ab, während sie mit der Rechten den Speer fest gepackt hielt. Vor ihr erstreckte sich ein lang gezogenes Tal, das zwischen hohen Felswänden und einem ovalen See lag. Sie erkannte es von ihren vielen Reisen über den Rothornpass wieder. Nanduhirion, das Schattenbachtal. Und es war voll von Orks.
Wie eine schwarze Welle brandete das Heer von Gundabad von Osten heran, den letzten Anstieg in Richtung des Eingangs nach Moria erklimmend. Ihre vorderste Schlachtreihe nahm die gesamte Breite des Tales ein. Über ihren behelmten Köpfen flatterte das Banner des Roten Auges im Wind und misstönende Hörner peitschten die Orks voran. Es war eine starke Streitmacht, entsandt zu einem einzigen Zweck: Moria den Dienern Sarumans zu entreißen.
Vaicenya gab einige hastige Befehle, und die Orks der Weißen Hand begannen, sich auf den breiten Treppenstufen zu formieren, die zum Tor hinauf führten. Sie winkte Córiel zu sich hinunter, mehrere Schritte von der untersten Stufe entfernt, wo sich nun Prâks Uruk-hai um Vaicenya versammelten. Während mehr und mehr Orks aus den Tiefen Morias hervorströmten, kamen die Gundabad-Krieger immer näher. Die Uruk-hai, die mit starken Schilden, eisernen Helmen und Breitschwertern bewaffnet waren, knurrten und machten sich kampfbereit. Córiel, deren Augen sich inzwischen an die ungewohnte Helligkeit angepasst hatten, bezog neben Vaicenya Stellung und nahm den Speer in beide Hände. Vaicenya hatte ihre gebogenen Elbenklingen in eine erwartende Haltung gebracht und wartete regungslos auf den Ansturm, der sie nun schon beinahe erreicht hatte.

Ein Rauschen drang an Córiels Ohren. Als sie aufblickte, sah sie, wie sich der Himmel noch mehr verdunkelte. Pfeile waren in Schwärmen aus den hinteren Reihen der Gundabad-Orks aufgestiegen und gingen in einem großen Hagelsturm auf die noch immer aus dem Ost-Tor herausdrängenden Moria-Orks nieder. Viele fielen und versperrten mit ihren Leichnamen der Verstärkung den Weg nach draußen.
Die Uruk-hai hatten ihre Schilde erhoben und wehrten die Pfeile mit einer Geringschätzigkeit ab, die Córiel verblüffte. Noch immer zeigten sie keinerlei Anzeichen der Besorgnis, trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit der Angreifer. Ein Pfeil hätte sich geradewegs in Vaicenyas Hals gebohrt, doch gerade noch rechtzeitig hob der Uruk neben ihr seinen Schild vor das Gesicht der Dunkelelbin. Klirrend prallte das Geschoss ab.
“Das reicht jetzt,” knurrte Vaicenya. “Angriff! Angriff! Schickt diese Maden zurück in den Abgrund, aus dem sie gekrochen sind!”
Die Uruks brüllten und stürmten los, eine kleine, aber schlagkräftige und gut gepanzerte Gruppe muskelbepackter Krieger, mit den beiden Elbinnen in ihrer Mitte. Ork-Häuptlinge von Moria, die genügend Kriegsdisziplin besaßen um das Manöver zu erkennen, gaben ihren Untergebenen den Befehl, sich dem Gegenangriff anzuschließen, und so trafen beide Schlachtreihen im vollen Lauf wenige hundert Meter vor dem unteren Ende der großen Treppe aufeinander, die außerhalb des östlichen Tores von Moria lag.
Anfangs besaßen die Moria-Orks einen Vorteil, denn sie kämpften bergab und hatten keinen anstrengenden Marsch das Tal hinauf hinter sich. Die Uruk-hai schlugen eine tiefe Schneise in die vordere Reihe der Gundabad-Krieger, deren Gegenangriffe zumeist an den dicken Rüstungen der Uruks abprallten. Córiels Blut begann sich zu erhitzen, als sie ihren Speer das erste Blut schmecken ließ. Sie war Vaicenya mitten in das Zentrum des Gefechts gefolgt, wo die Dunkelelbin einen grausamen Tanz des Todes begonnen hatte. Ihre beiden silbernen Klingen waren wie Schlangen, die aus unvorhersehbaren Winkeln zuschlugen und die überraschten Orks des Nordens zu Dutzenden erschlugen. Auch war der Anblick einer rasenden Elbenkriegerin wohl kaum etwas, was man in Gundabad bei einem Angriff auf Moria erwartet hätte. Die Verwunderung der Orks machte es Vaicenya leichter, sich ihren Weg durch die vorderen Reihen der Feinde freizuhauen.
Córiel sprang vorwärts und die Mithrilklinge ihres Speeres durchstieß den Sehschlitz des Helms eines der Gebirgorks des Nordens, der quiekend zusammenbrach. Rasch zog die Hochelbin die Waffe aus dem Kadaver und führte sie mit einer schwungvollen Bewegung in einem Halbkreis, bei der die Klinge mehrere Male ihr Ziel fand. Córiel machte einen Schritt rückwärts und kämpfe nun Rücken an Rücken mit Vaicenya, die mit wirbelnden Schwertern weiterhin Köpfe rollen ließ. Córiel spürte deutlich, wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, als sie einen weiteren Ork mit einem zielsicheren Stich tötete. Endlich konnte sie wieder Blut vergießen, und das Angebot an Zielen war schier unerschöpflich. Sie lebte nach den vielen Tagen des Zweifels und der innerlichen Zerrissenheit inmitten des Sturms der Schwerter und im Chaos der Schlacht wieder auf. Córiel hätte beinahe gelacht, so sehr genoss sie es, Tod und Verderben unter den Orks zu säen.
Ohne Vorwarnung verebbte der Angriff der Streitmacht aus Gundabad. Noch immer war das untere Tal von ihnen besetzt, doch sie waren vom Tor zurückgeschlagen worden. Córiel, die schwer atmete und einige kleinere Stiche erlitten hatte, stützte sich auf ihren Speer und konnte sich gerade noch davon abhalten, zur Verfolgung der sich zurückziehenden Frontlinie der Feinde loszustürmen.

“Das war nicht mehr als eine anfängliche Prüfung,” murmelte Vaicenya. “Sie wollten die Stärke und die Bereitschaft der Verteidiger ertasten, und das haben sie getan. Jetzt kommt der echte Angriff.”
Wie aufs Stichwort erschallten erneut die misstönenden Ork-Hörner. Die finstere Masse rückte wieder vorwärts. Córiel fiel auf, dass sie bis jetzt nur gegen kleinwüchsige Gebirgsorks des Nordens gekämpft hatten. Nun warf der feindliche Kommandant seine Elite in die Schlacht. Schwer gepanzerte Knochenbrecher aus Gundabad, deren Stärke sich mit der der Uruk-Hai Sarumans messen konnte, und sogar einige Trolle. Obwohl inzwischen weitere Verstärkung aus den Tiefen Morias eingetroffen war, befanden sich die Verteidiger der Hallen noch immer in der Unterzahl.
Als wäre das nicht schon genug gewesen ertönten die feindlichen Hörner ein drittes Mal, und in den hinteren Reihen der Feinde stiegen mehrere flammende Kugeln auf, die hoch über Córiels Kopf hinweg sausten und rings um die Treppe vor dem Ost-Tor in die herausströmenden Moria-Orks krachten. Der Feind hatte Katapulte mitgebracht und säte nun feuriges Verderben unter den eng gedrängten Orks am Tor.
Als die feindliche Frontreihe bereits beinahe herangekommen war, gab Vaicenya endlich ihre Befehle. “Haltet sie so lange auf, wie ihr könnt und lasst sie für jeden Meter mit Blut bezahlen,” befahl sie dem Uruk-Kommandant Prâk. “Wenn sie euch überwältigen, zieht euch hinter die Brücke zurück und klappt sie hoch oder zerstört sie.”
“Sie werden in ihrem eigenen Blut ersaufen, ehe sie bis in die Erste Halle gekommen sind,” knurrte Prâk, als er den Befehl bestätigte und an mehrere orkische Meldeboten weitergab.
“Die Uruk-hai kommen mit mir. Ich werde diese Katapulte ausschalten,” fuhr Vaicenya fort. Sofort sammelten sich die schwer gepanzerten Krieger um sie, während Prâk mit drei anderen Uruks zurückblieb, um die restliche Streitmacht der Verteidiger zu befehligen.
Das ist Wahnsinn, hatte Córiel gerade noch Zeit zu denken, ehe die Schlachtreihe Gundabads sie erreicht hatte. Zwei Dutzend Uruk-hai gegen die Elite des Nordens. Sie werden niemals durchbrechen und das wird das Ende sein.
Dann war sie gezwungen, jeglichen Gedanken an ihr Schicksal beiseite zu schieben, als Vaicenya mit den Uruks losstürmte - geradewegs in den Angriff der Gundabad-Orks hinein. Rings um sie herum begann die Schlacht von Neuem und die Kämpfe waren nun noch verbitterter und blutiger als zuvor.
Vaicenya focht an der Spitze der kleinen Gruppe, die sie mitgenommen hatte. Die Dunkelelbin wirkte unantastbar und unaufhaltsam. Ihre beiden Klingen benetzt mit dem schwarzen Blut zahlloser Feinde und ihre Rüstung einem im Zwielicht schimmernder Stern gleich hieb sie sich den Weg durch die Orks frei, die vergeblich versuchten, Widerstand zu leisten. Wie ein schwarzer Keil mit einer leuchtenden Spitze drangen die Uruk-hai in Vaicenyas Fahrwasser in das Heer von Gundabad ein, das sich mehr und mehr vor ihr zurückzuziehen begann. Der feindliche Kommandant musste Vaicenyas Ziel rasch erkannt haben, denn sie strebte ohne abzuweichen auf die hinteren Reihen der Orks zu, wo die Katapulte standen und unaufhörlich ihre flammenden Geschosse in Richtung des Ost-Tores von Moria schleuderten. Er war offenbar zu dem Entschluss gekommen, den Angriff auf sein Hauptziel fortzusetzen und die Belagerungsmaschinen notfalls zu opfern, denn mehr und mehr bildete sich vor der das Tal hinabstürmenden Vaicenya eine Gasse in den Reihen der Gundabad-Krieger, die geradewegs nach Südosten führte. Derweil ging der Hauptangriff der vorderen Schlachtreihe ungebremst weiter und hinter Córiel, die als Letzte der kleinen Gruppe aus Elben und Uruk-hai ging, schlossen sich die Reihen ihrer Feinde wieder. Es würde keine Rückkehr zum Tor geben.
Vaicenya schien das nicht im Geringsten zu stören, falls sie es überhaupt bemerkte. Weiter und weiter drängte sie vorwärts, ohne dass irgend jemand sie aufhielt. Durch das gesamte Heer Gundabads kamen sie hindurch, bis zu einem der fünf Katapulte. Dort angekommen machten sie die Besatzung rasch nieder und schnitten das Seil durch, das den Wurfarm der Belagerungsmaschine an Ort und Stelle hielt.

Dann endlich blieb Vaicenya stehen. Sie befanden sich am unteren Ende des Schattenbachtal und in wenigen Meilen Entfernung waren die Bäume des Goldenen Waldes zu sehen, das die Streitmacht Gundabads links liegen gelassen hatte, als sie ins Nanduhirion eingedrungen war.
“Unser Werk hier ist getan,” sagte Vaicenya ungerührt. “Unsere nächste wichtige Aufgabe liegt vor uns. Jemand muss nach Caras Galadhon gehen und eine Nachricht an Saruman senden. Diese Aufgabe fällt nun uns zu, die als einzige durch die Reihen unserer Feinde gedrungen sind. Ihr, die kämpfenden Uruk-hai, habt die Wahl: greift die übrigen Belagerungsmaschinen an, und riskiert den glorreichen Tod in der Schlacht, oder geht mit mir und überlebt, um an einem anderen Tag weiterzukämpfen.”
Nur drei der Uruks schlossen sich Vaicenya an, während der Rest Kampfesgebrüll ausstieß und in Richtung der restlichen Katapulte losstürmte. Córiel war inzwischen klar geworden, dass Vaicenya der Ausgang der Schlacht nicht im Geringsten kümmern musste. Ihr einziges Ziel war es gewesen, nach Lothlórien zu gelangen und sie hatte die Uruk-hai dazu benutzt, sich einen Weg durch das feindliche Heer zu bahnen. Die Hochelbin warf einen letzten Blick das Tal hinauf, wo die Krieger von Gundabad die Verteidiger hart bedrängten und schon beinahe die große Treppe erreicht hatten, die zum Ost-Tor hinauf führte. Das Wasser des Spiegelsees war durchzogen von schwarzen Schlieren, denn an seinem Ufer war besonders heftig gekämpft worden und viele der Gefallenen waren vom Wasser verschlungen worden. Córiel glaubte nicht, dass Sarumans Krieger noch lange standhalten würden.
Vaicenya war bester Laune. Sie nahm Córiels Hand und zog sich mit sich, in Richtung der ehemaligen Heimat der Galadhrim. “Wir sind unserem Ziel jetzt ganz nahe,” wisperte sie. “Kannst du es spüren? Nur noch wenige Meilen stehen zwischen uns und dem Versprechen der wiederhergestellten Vergangenheit. Bald schon wird wieder alles so sein wie früher, ehe Sonne und Mond am Himmel standen. Ehe der Schatten auf diese Welt fiel. Oh! Welch Vorfreude, die meine Schritte beschleunigt!”
Gefolgt von drei schweigenden Uruk-Kriegern verließen die Elbinnen das Schattenbachtal. Ihr Weg führte sie nach Südosten, zu dem am Horizont aufdrängenden Wald von Lothlórien, über dessen Baumspitzen unaufhörlich Rauch aufstieg...


Córiel und Vaicenya nach Lothlórien
« Letzte Änderung: 22. Feb 2018, 17:26 von Fine »
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