9. Mär 2021, 05:48 Hallo Gast.
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren. Haben Sie Ihre Aktivierungs E-Mail übersehen?

Einloggen mit Benutzername, Passwort und Sitzungslänge. Hierbei werden gemäß Datenschutzerklärung Benutzername und Passwort verschlüsselt für die gewählte Dauer in einem Cookie abgelegt.


Select Boards:
 
Language:
 


Autor Thema: Gondor  (Gelesen 975 mal)

>Darkness<

  • Moderator
  • Beschützer des verbotenen Weihers
  • ***
  • Beiträge: 1.517
  • Octavia Blake/Daenerys Targaryen<3
Minas-Tirith, Weiße Festung (Gondor)
« Antwort #30 am: 22. Feb 2021, 22:04 »
Minas-Tirith, Palast (Gondor)

Kiana in der weißen Festung…


Kiana blieben die Sorgen ihrer Ratsmitglieder nicht aus. Natürlich sorgte sie sich innerlich auch um Arnor, das sie verloren hatte. Lynn Stark mochte Kiana noch nie. Sie verlangte die Unabhängigkeit des Nordens schon als Kiana mit Thirak Eisen in Carn-dûm eintraf.
Die Königin  wusste auch, dass wenn sich herum sprach, dass es Rebellen gelang Arnor zu erobern, sich weitere Gruppen motiviert fühlten Aufstände anzuzetteln. Das konnte sie nicht gebrauchen. Das ganze Reich konnte dadurch in das Chaos stürzen. Sie durfte das nicht zulassen. Sie war diejenige, die Ordnung in das Reich brachte. Sie war diejenige, die die Menschen vor den Tyrannen befreite. Sie verspürte wieder die innere Wut, die sie damals empfand, als sie die Stadt eroberte. Sie selbst hatte so viele Opfer gebracht, um die Menschen von Mittelerde zu retten. Aber dankbar war niemand von ihnen. Lieber rebellierten sie und trauerten der alten Ordnung nach.
Ich sollte einfach mit Ancalagon in den Norden fliegen und den elenden Rebellen zeigen, was es bedeutet sich mir in den Weg zu stellen! Ich bin die Drachenkönigin! Sie sind nur elende Schafe!, dachte sie sich während sie die Fäuste ballte.
Die junge Maiar sah von der Seite zu Sanya, die noch immer bei ihr in den Gemächern war. Die Frau sah auch besorgt drein. Die ganzen Ereignisse, besonders auch das geplante Attentat, schienen sie sehr mitzunehmen. Kiana liebte sie. Soweit war ihr inzwischen klar. Sie wollte nicht dass Sanya unglücklich war.
Ihre Kommandantin hatte wieder ihre Rüstung abgelegt und saß an der gepolsterten Bank am Fenster. Sie schien nachdenklich in die Ferne zu blicken. Kiana saß auch auf ihr Bett und seufzte. Natürlich war sie auch aufgeregt. Sie hatte in Wirklichkeit keine Ahnung, wie der Tag morgen ausging. Ob Grauer Staub und die Ostlinge wirklich vorsichtig genug waren und das schlimmste verhindern konnten? Die Königin vertraute ihm. Genau wie sie Sanya vertraute. Beide wollten die Königin beschützen. Aber was war, wenn die Verräter doch noch unbemerkt blieben. Kiana konnte niemanden sonst mehr vertrauen. Zwar wusste sie, dass Feuer sie nicht verletzen konnte. Wie es jedoch mit Isenfeuer aussah konnte und wollte sie sich gar nicht vorstellen.
Sie überschlug ihre Beine und klopfte mit der rechten Hand neben sich auf das Bett. Sanya sah zu ihr hinüber.
"Mach dir nicht so viele Gedanken!", fing Kiana ruhig an, mit einem sanften Lächeln auf den Lippen.  "Komm lieber zu mir!".
Kiana beobachtete Sanya, die sich langsam von der Bank am Fenster erhob und auf sie zu kam.
"Es sind nur noch wenige Stunden…", entgegnete Sanya, während sie sich auf das Bett neben Kiana fallen ließ. Die Königin lag ihren Arm um die Hüften ihrer Kommandantin und lehnte den Kopf auf die Schulter. "...Ich will nur nicht dass dir etwas passiert…".
Auch wenn Kiana insgeheim die Bedenken mit ihr teilte, gab sie es natürlich nicht vor ihr zu. Sie wollte souverän wirken, nicht ängstlich. Besonders weil sie die Königin war. Sie hatte ihre Macht als Maiar, besaß einen Drachen…
Die junge Maiar wollte Sanya dazu nicht noch mehr beunruhigen. Das tat die Frau schon selbst. Befeuert durch die anderen Ratsmitglieder.
"Bitte… Lass uns heute gar nicht mehr darüber reden!", hauchte Kiana Sanya in den Nacken, während sie die Frau dort küsste. "Morgen kannst du dich den ganzen Tag damit beschäftigen, die Verräter zu schnappen… Nur heute will ich dich für mich!".
Kiana bemerkte dass sich Sanya etwas darauf einließ. Die Königin ließ sich auf das Bett fallen und riss ihre Kommandantin mit sich, sodass sich beide Frauen gegenüber lagen. Kiana streichelte Sanya über die Wange und lächelte ihr weiterhin sanft zu. Sie war mehr als verliebt. Weshalb sie auch das Gefühl hatte, Sanya so innig anzusehen. Es dauerte nicht lange und die Königin küsste ihre Kommandantin. Ihr blieb es nicht unbemerkt, dass die Frau angespannt war. Sie stützte ihren Kopf ab und hob dadurch ihren Oberkörper an.
"Wenn der Tag morgen vorbei ist, lasse ich dich weiter nach dem silbernen Schwan suchen, damit du deine Königin weiter beschützen kannst…", sagte Kiana sanft.
"Doch jetzt… Sollten wir… Den restlichen… Abend nutzen…", verlangte die Königin und küsste Sanya nach jedem zweiten Wort.
"Es fällt mir nur schwer…", sagte Sanya besorgt.
"Ich weiß das!", entgegnete Kiana liebevoll. "Du bist eine pflichtbewusste Frau… Wahrscheinlich bist du die, auf die ich mich in diesen Zeiten verlassen kann… Und ich liebe  dich, von ganzem Herzen, Sanya! Verstehst du das?".
Diese Worte rutschen ihr eher heraus, als dass sie das mit Absicht sagte. Selten teilte sie ihre Gefühle mit anderen. Doch sie konnte in Sanyas Gegenwart nicht anders.
"Lass mich dir helfen, dich auf andere Gedanken zu bringen…", mit diesen Worten küsste sie Sanya auch schon innig und rutschte langsam auf sie hinauf. Endlich konnte sie ihre Kommandantin von ihrer Pflicht ablenken, damit die beiden Frauen Zeit für sich hatten, anstatt den nächsten Tag…

Am späten Morgen wachte Kiana auf und räkelte sich mehr als zufrieden im Bett. Es musste schon fast Mittag sein, denn die Sonne stand hoch am Himmel und sandte die langen Strahlen in das Gemach der Königin.
Als sie ihren Arm zu ihrer rechten Seite ausstreckte, spürte sie einen Körper neben sich liegen. Als sie sich in die Richtung wandte, sah sie Sanya dort noch schlafend liegen. Die Decke bedeckte sie nur noch bis zu der Hüfte, sodass Kiana ihren unbekleideten Rücken sah. Der Leib der Frau hebte und senkte sich leicht. Sie streichelte die zarte Haut. Gänsehaut befiel den ganzen Körper und Kiana kicherte in sich hinein.
Sie gab der Frau einen Kuss auf ihre Wange. "Na, willst du nicht langsam aufwachen? Nicht dass wir noch das Fest verpassen und du musst dich noch hübsch machen!".
Die junge Maiar erhob sich aus dem Bett. Mit einem lauten Gähnen streckte sie alle Gliedmaßen von sich.
"Ich werde nochmal mit Grauer Staub sprechen, wie die Organisation der Wachen aussieht, damit du dich voll und ganz auf dein Äußeres konzentrieren kannst…", sagte sie, während sie in ihr Kleid hastete. "...Du willst doch deiner Königin gefallen, hm?".
Mit einem Augenzwinkern nahm sie sich die Krone und eilte sie aus dem Gemacht. Kiana wusste nicht recht, ob es wirklich nur deshalb war, oder ob sie in gewisser Weise auch flüchtete. Sie erinnerte sich nämlich noch sehr gut an die Worte, welche sie zu Sanya sagte. Viel zu lange sagte sie so etwas nicht mehr. Und dann ausgerechnet passierte es bei ihrer Oberkommandantin. Aber was sollte sie machen? Es waren nunmal ihre wahren Gefühle.
Hoffentlich denkt sie jetzt nicht, ich bin total verrückt…, dachte sie sich, während sie durch die Korridore lief. Immerhin wusste sie ja auch nicht was Sanya fühlte…


Kiana im Thronsaal während der Vorbereitungen….
Grüße Darkness


Lust auf eine alternative Mittelerde Geschichte und dazu ein RPG? ?
Der Thron von Mittelerde

->Feedback hier<-
Discord zum RPG

Saizo

  • Bilbos Festgast
  • *
  • Beiträge: 18
  • all according to plan
Minas Tirith
« Antwort #31 am: 24. Feb 2021, 18:15 »
Minas Tirith (Gondor)



Sanya in der Weißen Festung

Sanya saß noch eine ganze Weile gedankenverloren am Fenster des Gemaches und blickte hinaus. Sie wusste, dass sie eigentlich keine Zeit dafür hatte, aber sie konnte nicht anders.
Das muss alles eine Art von sehr wirklichkeitsnahem Traum sein, dachte sie. Ihre Gedanken kreisten nun schon den ganzen Tag um diese vermeintliche Tatsache. Dass die Königin... nein, dass Kiana ihr ihre Liebe gestanden hatte... das kam Sanya zu unwirklich vor, um der Wahrheit zu entsprechen. Wer war sie denn schon, dass eine so mächtige Herrscherin sich in sie verlieben würde? Sicher, es hatte schon vor Kiana hier und da Menschen gegeben, die Sanya gerne an ihrer Seite gehabt hätten, aber bei der Hälfte davon war es um den Aufstieg in den Adelsstand durch Heirat gewesen und bei der anderen Hälfte (so vermutete Sanya) darum, eine hübsche Trophäe zu bekommen. Kiana passte natürlich in keine der beiden Kategorien, die Königin und ihr Verhalten waren für Sanya ein einziges Mysterium. Mal verhielt sich Kiana überaus stürmisch und nahm sich das, was sie wollte, dann wieder ließ sie Sanya einfach stehen und in ihrer Verwirrung alleine zurück, als würde sie ein Spielzeug beiseite legen um sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Wie nur kann das alles echt sein?

Sanya rieb sich die Schläfen. Nein, sie konnte es sich nicht leisten, noch länger Zeit zu verschwenden. Heute war der Tag der königlichen Feier, und sie musste für den bevorstehenden Angriff auf den Palast bereit sein. Und darüber hinaus hatte die Königin ihr einen Befehl gegeben. Ob Traum oder nicht, Sanya beschloss, das zu tun, was sie schon immer getan hatte: Ihre Pflicht. Sie stand mit einem Ruck auf und ging zur Rückseite des Gemaches, wo ein großer Spiegel hing. Daneben, ordentlich auf einem kleinen Hocker zusammengefaltet, lag das Kleid, das Kiana ihr hatte anfertigen lassen. Sanya nahm es in die Hände und zog es dann mit einiger Mühe an. Sie war überrascht, wie gut es passte. Der Stoff war samtig weich und es schnürte sie nirgendwo ein. Kiana hatte sogar passende Schuhe - in schwarz - bringen lassen. Zwar wären Sanya ihre guten alten hohen Stiefel lieber gewesen, aber diese hätten wohl kaum zu einem so festlichen Kleid gepasst, das wusste sie gut genug. Sie betrachtete sich im Spiegel und musste zugeben, dass das Kleid wirklich gut aussah und es ihrem Körper schmeichelte. Der Ausschnitt war etwas tiefer, als es Sanya recht gewesen wäre, und die Ärmel waren lang und weiteten sich nach unten hin. Rote und schwarze Muster wechselten sich stilvol miteinander ab, und hier und da waren dezente, silberne Stickereien eingearbeitet. Am unteren Rücken saß eine rote Schleife, die das Oberteil zusammenhielt. Sanya fühlte sich wie immer etwas wehrlos ohne ihre Rüstung, doch um nicht ganz unbewaffnet zu sein, band sie sich einen Dolch an den linken Oberschenkel, so konnte sie die Waffe unter dem langen Rock versteckt tragen und bei Bedarf ziehen.
Mit dem Anziehen des Kleides war es aber noch nicht getan. Kiana hatte Sanya befohlen, sich hübsch zu machen, und dazu gehörten neben den Haaren auch etwas Schminke. Sanya löste ihren langen Pferdeschwanz und ließ das Haar offen ihren Rücken hinab fallen. Sie wusste, dass sie Hilfe brauchen würde, und fand sie bei den königlichen Zofen, die nie weit entfernt von Kianas Gemach waren. Sie türmten Sanyas Haar zu einer komplexen Steckfrisur auf und schminkten sie so dezent wie es der Anstand zuließ. Dann zupften sie noch eine Weile an ihr herum, bis die Zofen mit Sanyas Aussehen zufrieden waren.

Mittlerweile war der Mittag vorüber gegangen und der Nachmittag bereits zur Hälfte vorbei. Der Palast begann langsam, sich mit den erwürdigen Gästen der Feier zu füllen. Sanya wusste, dass sie es sich nicht erlauben durfte, zu spät zu kommen. Sie musste sich blicken lassen, das war ihre Pflicht. Sie spürte, wie eine Stimme in ihrem Inneren sie drängte, einfach hier im Gemach zu bleiben und sich dem Selbstmitleid und anderen, noch dunkleren Gedanken hinzugeben, doch Sanya schob diese Emotionen von sich. Es galt, ein Attentat zu verhindern. Sie verließ das königliche Gemach und machte sich auf den Weg zur großen Halle, wo der Thron stand.
Vor dem Haupteingang des Thronsales angekommen, blieb Sanya stehen, als die dort postierten Wachen sie nach ihrer Einladung fragten. Zum Glück hatte sie daran gedacht, den Brief mitzubringen und zeigte ihn dem Ostling vor, der sie danach gefragt hatte. Der andere Wächter, ein Soldat in schwerer Rüstung, musste plötzlich lachen, als könnte er es nicht mehr zurückhalten.
Sanya musterte ihn irritiert, und verdrehte die Augen, als sie ihn erkannte. "Mithrendan! Was machst du denn hier, und noch dazu in dieser Verkleidung?"
"Dasselbe könnte ich dich fragen, liebste Sanya," kicherte Mithrendan. "Da hast du dich ja wirklich herausgeputzt, wer ist denn der Glückliche der dafür gesorgt hat?"
"Halt den Mund," fuhr Sanya ihn an. "Ich will wissen, wieso du hier bist! Du bist doch nicht in der Palastwache..."
"Seit gestern schon," sagte der Kundschafter und grinste. "Zumindest bis diese Feier vorbei ist. Ich soll ein Auge auf die Leute haben, die wir unten in der Taverne beobachtet haben. Nur du und ich wissen wie sie aussehen..."
Sanya fragte sich, wer Mithrendan den Befehle dazu gegeben hatte, aber sie musste zugeben, dass derjenige eindeutig Recht hatte. Außer Sanya kannte nur Mithrendan die Gesichter der Aufständischen, und Sanya würde als wichtiger Gast der Feier wahrscheinlich zu beschäftigt sein, um nach den Attentätern Ausschau zu halten. "Also gut," sagte sie, halb verärgert, halb verlegen. "Irgendetwas Auffälliges gesehen?"
"Die erste Auffälligkeit des Festes steht gerade vor mir und sieht so aus, als wolle sie mir eine Ohrfeige geben," witzelte Mithrendan mit unerträglich guter Laune.
"Führe mich nicht in Versuchung," warnte Sanya ihn. "Vielleicht lasse ich dich in irgend einen finsteren Winkel von Mordor versetzen."
"Oh weh! Bitte nicht!" lachte Mithrendan. "Bitte nicht noch mehr leere Drohungen, mir werden die Knie gleich weich!"
"Mithrendan..." sagte Sanya leise und in dem Tonfall, der prophezeite, dass sie es langsam wirklich ernst meinte.
"Schon gut, schon gut," sagte ihr alter Freund und stupste sie kameradschaftlich an. "Du siehst wirklich gut aus. Entspann' dich heute Abend ein wenig, hm? Die Ostlinge und ich haben das hier im Griff."
"Ich werde mich entspannen, wenn der Silberne Schwan hinter Gittern ist und Arnor wieder der Königin gehört," sagte Sanya. "Halt die Augen offen für mich, ja?"
"Wie könnte ich einer so wunderschönen Dame diesen Wunsch nur abschlagen?" witzelte Mithrendan und machte eine spöttische Verbeugung.
Sanya knurrte undamenhaft und ließ ihn kopfschüttelnd stehen. Sie betrat den Thronsaal.

Drinnen war bereits ein ziemliches Gedränge. Alles was in Gondor Rang und Namen hatte, war eingeladen worden. Sogar einige der höchsten Legaten der Ostlinge sah Sanya unter den Gästen. Einzig von der Königin fehlte noch jede Spur. Gerüchten nach, die im Saal umhergingen, plante Kiana eine Art großen Auftritt, um die Feier ganz offiziell zu eröffnen. Doch noch war es nicht so weit.
Im Zentrum des Saals hatte sich eine Gruppe von Musikanten aufgestellt, und ringsherum wurde getanzt; der Großteil der Gäste jedoch stand in kleinen Grüppchen beieinander und unterhielt sich. In der Nähe des Thrones waren große Tische aufgestellt worden, an denen man sich Getränke und Appetithäppchen holen konnte. Das große, festliche Abendessen würde die dortigen Speisen jedoch nach aller Erwartung noch weit in den Schatten stellen.
Sanya war gerade auf den Weg zum Buffet, als ein Mann mit langem, roten Umhang ihren Weg kreuzte. Er hielt an und betrachtete sie mit einem freundlichen Lächeln, dann neigte er respektvoll das Haupt. "Lady Sanya Terelos, nehme ich an?"
"Die bin ich," antwortete Sanya vorsichtig. "Und Ihr seid...?"
"Relon Deneril, Kaufmann meines Zeichens. Meine Gilde versorgt die Weiße Stadt mit Nahrungslieferungen aus Anórien, Ithilien und Lebennin... sehr erfreut, Eure Bekanntschaft zu machen! Man hört so einiges über Euch, Lady Terelos - nur Gutes, versteht sich. Die erste Frau im Rang eines Oberkommandanten, und noch dazu eine so tatkräftige! Ich bin mir sicher, ihr werdet die Köpfe der Widerstandsbewegung in Gondor bald dingfest gemacht haben. Und nun, ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass Ihr absolut bezaubernd ausseht. Seid Ihr alleine hier, oder in Begleitung?"
Der Redeschwall Denerils brachte Sanya ein wenig aus der Fassung, weshalb sie stehen blieb und blinzelnd zuhörte, bis sie endlich die Gelegenheit bekam, zu Wort zu kommen. "Also, ich... danke Euch für die freundlichen Worte, Meister Deneril," sagte sie höflich, wenn auch zurückhaltend, wie es ihre Art war. "Aber ich tue nur meine Pflicht. Es ist meine Aufgabe, die Aufständischen zu fassen, und deshalb werde ich mich darum kümmern. Ob ich alleine hier bin? Nun, ja, das bin ich." Das stimmte zwar nicht ganz, denn Mithrendan und Kiana waren ebenfalls hier irgendwo im Palast, aber auf der Gästeliste war Sanya als ohne Begleitung eingetragen gewesen, also hielt sie es damit.
"Eure Pflicht, natürlich, natürlich," sagte Relon Deneril eifrig. "Und damit seid Ihr ein Vorbild für ganz Gondor. Wenn jeder seine Pflicht tun würde, so wie Ihr, Lady Terelos, dann gäbe es die meisten Probleme, die uns heute plagen gar nicht erst. Aber was muss ich da hören? Eine so entzückende Frau wie Ihr ist ohne Begleitung hierher gekommen? Eine Schande, sage ich, eine Schande. Und welch Glück für Euch, dass Ihr mir begegnet seid! Kommt, ich führe Euch herum und stelle Euch ein paar gute Freunde vor. Etwas sagt mir, dass wir noch ein wenig Zeit haben werden, bevor Ihre Majestät ihren großen Auftritt haben wird. Und diese Zeit wollen wir doch nicht ungenutzt lassen! Es gibt viele Menschen, die Euch für Euren Dienst danken möchten, Lady Terelos, und ich bin mir sicher, es würde Euch freuen, ein paar von meinen Kollegen kennenzulernen... einen Einblick in das bürgerliche Leben von Minas Tirith zu bekommen, um es mal so auszudrücken. Wisst Ihr, wenn man ständig von Auftrag zu Auftrag hetzt, verliert man leicht die Dinge aus den Augen, die das Leben erst so richtig lebenswert machen! Ich bin mir sicher, Ihr wisst das. Oh!" Deneril hielt inne und tippte einem anderen Gast auf die Schulter. "Halgond! Sieh nur, wer mir über den Weg gelaufen ist..."

Es verging nicht mehr als eine halbe Stunde, in der Relon Deneril Sanya so viele Leute vorstellte, dass ihr schier schwindlig wurde und ihr die vergangene Zeit beinahe wie ein ganzer Tag vorkam. Dann endlich gelang es ihr, sich aus Denerils Klauen zu befreien und sich schnaufend an eine der vielen Säulen zu lehnen.
"Du siehst aus, als kämst du mitten aus der Hitze des Gefechts," sagte Mithrendans Stimme, sowohl belustigt als auch besorgt klingend. "Alles in Ordung?"
Sanya, die sehr bemüht darum war, ihr Haar davon abzuhalten, zerzaust zu werden, sah ihn einfach nur an, wie er plötzlich in seiner schweren Paraderüstung vor ihr aufgetaucht war. Doch noch bevor sie auf Mithrendans Frage antworten konnte, erklang ein lauter, geradezu dröhnender Gong im Saal, der alle Gespräche zum Erliegen brachte. Das muss wohl die Ankündigung für Kianas Auftritt sein, sagte Sanya. Und noch während sie hinsah, schwangen die Torflügel des Thronsales auf...

>Darkness<

  • Moderator
  • Beschützer des verbotenen Weihers
  • ***
  • Beiträge: 1.517
  • Octavia Blake/Daenerys Targaryen<3
Minas-Tirith, Weiße Festung (Gondor)
« Antwort #32 am: 25. Feb 2021, 19:01 »
Weiße Festung, Minas-Tirith (Gondor)

Kiana Vaneryen im Palast der weißen Festung, während des Festes…


Kiana wartete schon ungeduldig auf das Fest.  Es bot wenigstens etwas Ablenkung von ihren Sorgen und Gedanken. Noch immer vergaß sie nicht, dass sie Sanya ihre Liebe gestand. Sie kam sich total fehl am Platz vor. Vor allem kam sie sich total dämlich vor. Den letzten dem sie ihre Liebe gestand, war Thirak. Und bei ihm stellte sich heraus, dass er plötzlich ihr Neffe war und dieses Geheimnis weiter erzählte, sodass der Verrat an ihr in die Gänge geleitet wurde. Genau wie diese Octavia, die Kianas jüngere Schwester war und aus dem nichts auftauchte. Sie fragte sich, wie viele Kinder ihr rücksichtsloser und egoistischer Vater noch in die Welt gesetzt hatte. Gut, Thirak war das Kind ihres Bruders Aranion, der schon vor knapp dreißig Jahren von Imrahil -noch vor Kianas Geburt- getötet wurde. Dennoch war er ein Verräter. Für sie war Thirak deshalb kein Vaneryen und hatte den wahren Namen nicht verdient. Anaryon Vaneryen. Natürlich war er nach dem alten Gesetz der einzige männliche Erbe des Hauses Vaneryen und somit gehörte die Krone ihm. Kiana aber schuf das alte Gesetz ab. Denn sie war dafür bestimmt Mittelerde zu regieren, das Volk zu besserem zu führen. Thirak war dafür nicht gemacht. Er hatte keine Drachen und er konnte seine  Maiarkraft nicht einsetzen.
Die Königin hatte innerlich mehr als Angst, dass Sanya ihre Gefühle nicht erwiderte. Was war, wenn sie sich nur auf Kiana einließ, um eine bessere Stellung zu bekommen. Was war, wenn Loki recht hatte und sie half in Wirklichkeit den Rebellen und wartete nur auf den richtigen Augenblick, um sie zu töten.
Kiana seufzte tief. Sie wollte nicht so denken, aber sie konnte nicht anders. Sie war zu stark geprägt von der Vergangenheit und von all den schlechten Dingen die ihr passiert waren. Dazu kam noch, dass Sanya eine Frau war. Sie wusste nicht, wie die anderen Adeligen darauf reagierten, wenn es heraus kam.
Allerdings hatte sie keine Zeit darüber nachzudenken. Das Fest begann und sie konnte es sich nicht leisten, dass sie sich traurig und nachdenklich zeigte. Besonders nicht, nachdem Arnor fiel. Die Königin musste stark wirken. Das war ihre Aufgabe. Sie trug ein enges schwarzes Kleid mit einem weiten Ausschnitt, welches ihr bis kurz vor die Knie ging. Um ihre Schultern trug sie in ein durchsichtiges Rotes Tuch. Die silbernen Haare waren nach oben gesteckt. Ihr Gesicht war leicht mit schminke bedeckt, während ihre Lidränder in Schwarz nachgezogen waren, das ihre violetten Augen betonte.

Kiana hielt sich eine Zeitlang zurück, bevor sie den großen Saal im Palast betrat. Ihr war nicht danach so viele Menschen zu treffen. Viel lieber wollte sie sich irgendwo verstecken. Einfach auf Ancalagon steigen und in die Ferne fliegen. Weg von all den Verpflichtungen. Aber sie war die Königin. Sie musste anwesend sein. Auf ihr lastete eine große Verantwortung.
Nachdem ein lauter Gong ertönte, wurden die großen Türen aufgeschwungen und sie kam in den großen Saal. Die Aufmerksamkeit aller Gäste galt der Königin. Ein Sprecher kündigte sie mitsamt vollständigen Titel an. Alle Gäste verneigten sich respektvoll.
"Ich danke euch, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid! Auch wenn es gleichzeitig eine Traurige Nachricht gibt, dass Arnor in den Händen von barbarischen Rebellen fiel, könnt ihr alle gewiss sein, dass unsere Feinde nicht ungestraft bleiben! Schon sehr bald werden die tapferen Soldaten unseres Reiches das verlorene Land zurückholen! In der Zwischenzeit, sollten wir die stetige Erblühung des Reiches feiern!", hielt Kiana eine kurze Ansprache. Mit lautem Beifall verschwand sie, unter Begleitung ihrer Wachen, zwischen den Gästen.
Die Königin selbst wurde immer wieder in Gespräche mit wichtigen Kaufmännern und Adeligen verwickelt. Kiana selbst gab eher nur halbherzige Antworten und wollte eigentlich gar nicht mit ihnen sprechen. Zu sehr beschäftigte sie das mögliche Attentat auf sie selbst und auch Sanya. Auffallen tat es niemanden. Stets behielt Kiana ein Lächeln auf den Lippen und überlachte ihre Sorgen. Irgendwie versuchte sie Sanya zwischen den Menschen zu erkennen, das sich aber nicht als einfach herausstellte.
Endlich erblickte sie ihre Oberkommandantin in ihrem Schwarz-Roten Kleid.
Wie hübsch sie doch ist, schwärmte Kiana innerlich und ihr Herz blühte auf. Gerade wollte sie auf Sanya zugehen, da wurde der Weg von einer Frau in edlen Gewändern blockiert.
"Ihr seht sehr hübsch aus, Euer Gnaden, wie eh und je!", fing die Frau an. "Seht her, Meister Engmon, die Königin sieht wieder bezaubernd aus!". Dabei wandte sie sich an zu einem recht großen und kräftigen Mann in dunklen Roben.
"Meine Königin, ihr seht wahrlich entzückend aus und das vom nahen noch mehr, als immer gesagt wird!", schleimte der relativ junge Mann herum und gab ihr einen höflichen Kuss auf die Hand. Kiana blieben seine Blicke auf ihren Ausschnitt nicht aus. Sie war sich bewusst, dass sie auf viele Männer anziehend wirkte. Doch solch ein Verhalten empfand sie als respektlos. Anmerken ließ sie sich allerdings nichts. Ihr war bewusst, dass viele Männer um ihre Hand anhalten wollten, da sie äußerst hübsch war. Leider auch, damit diese mehr Ansehen erlangten.
"Wie gedenkt ihr denn Arnor wieder unter eurer Kontrolle zu bekommen? Man hört, dass der junge Mann Namens Robben Rogwyne auch den alten Adel Angmars hinter sich stehen hat und dazu noch… Eine Geheimwaffe besitzen soll… Was auch immer das heißen mag…", sagte die Frau. Kiana lächelte ihr nur arrogant entgegen. Sie hatte keine Ahnung, was die Frau mit einer Geheimwaffe meinte. 
"Keine Sorge, meine Gütige…", erwiderte Kiana nur, "...Meine Armee wird in den nächsten Tagen Abmarsch bereit gemacht und ich persönlich werde mit meinem Drachen dafür sorgen, dass Arnor wieder befreit wird!".
Natürlich wusste sie, dass dies nicht der ursprüngliche Plan war. Sie wollte aber unbedingt die anderen Abwimmeln, um zu Sanya zu gelangen. Auch weil sie noch immer niemanden vertraute der da war. Jeder konnte der Attentäter sein.
Als sie wieder ihre Oberkommandantin sah, sah sie auch den Mann der bei ihr stand und sie mit sich führte. Er wirkte von der Ferne so vertraut mit ihr. Kianas Herz blieb stehen. Sie sprudelte über vor Wut. Sie wollte Zeit mit Sanya verbringen, aber sie kam einfach nicht zu ihr und nun buhlte jemand anders um ihre Aufmerksamkeit. 
"Was schaust du denn so finster drein?", hörte sie eine ihr vertraute männliche Stimme. Kiana wandte ihren Kopf zu Seite und erblickte Loki, der in seiner mit gold verzierten Schwarzen Kleidung und einen Roten Umhang neben ihr auftauchte. Er aß genüsslich von seinem Teller und der Königin blieben seine musterungen nicht aus, der sie unschuldig ansah. Sie warf ihm einen mahnenden Blick zu.
"Was denn? Du siehst wunderschön aus Kiana!".
Die junge Maiar schnaubte und lachte dann auf. "Hast du das auch gedacht, als du das Bett mit deiner kleinen Freundin geteilt hast?", entgegnete sie giftig.  Sie ignorierte die schiefen Blicke Lokis und entschied sich direkt zu Sanya zu gehen. Kiana wollte endlich zu ihr. Immer mit ihren Wachen, aber auch mit Loki, im Schlepptau erreichte sie schließlich die Mitte des Saal . Dort wo auch die Frau stand, die sie von ganzem Herzen liebte. 
"Sanya! Du siehst bezaubernd aus!", rief sie und hatte einen freundlichen, wenn nicht sogar verliebten, Ausdruck im Gesicht. Dich vor ihr kam sie zum Stehen und wollte sie küssen…


Kiana im Palast während des Festes…

Grüße Darkness


Lust auf eine alternative Mittelerde Geschichte und dazu ein RPG? ?
Der Thron von Mittelerde

->Feedback hier<-
Discord zum RPG

Saizo

  • Bilbos Festgast
  • *
  • Beiträge: 18
  • all according to plan
Minas Tirith
« Antwort #33 am: 28. Feb 2021, 22:48 »
Minas Tirith (Gondor)



Sanya in der Weißen Festung

Sanya beobachtete, wie die Königin den Saal betrat und sich sogleich unters Volk mischte. Dabei wirkte Kiana wie als wäre sie für diese Rolle geboren worden. Sie schien die Menge zu genießen, so wirkte es jedenfalls auf Sanya von ferne. Einmal begegneten sich die Blicke der beiden Frauen, und Sanya sah wie die violetten Augen ihrer Herrscherin aufblitzten, als sie ihr zulächelte, doch dann trat ihr ein Mann in den Weg und sie wurde wieder von der Menge verdeckt. Sanya blieb etwas nachdenklich stehen. Sie wurde immer angespannter, je länger die Feierlichkeiten sich hinzogen, denn noch immer hatte es keinerlei Anzeichen dafür gegeben, dass die Attentäter sich den Küchen genähert hatten. Alles war ruhig geblieben; zu ruhig für Sanyas Geschmack. Sie fürchtete Verrat und Täuschung, und vor allem hatte sie Angst, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Was, wenn sie in eine Falle getappt war, und der wirkliche Anschlag gar nicht heute, oder auf ganz andere Art und Weise stattfinden würde? Wie gerne hätte sie jetzt ihr Schwert griffbereit gehabt. Doch sie hatte nur den kleinen Dolch, tief unter ihrem Rock versteckt, und an den würde sie so leicht nicht herankommen. Das Kleid engte Sanya etwas mehr ein, als sie erwartet hatte, und sie war darin weniger beweglich als in ihrer üblichen Rüstung.

Ein Raunen der Leute um sie herum riss Sanya aus ihren Gedanken. Sie stellte fest, dass Kiana direkt auf sie zukam und sie schon fast erreicht hatte. "Sanya! Du siehst bezaubernd aus!" sagte die Königin und blieb direkt vor Sanya stehen. Sie schloss die Augen, spitzte die Lippen und...
"Euer Gnaden," sagte die grimmige Stimme von Reichsmarschall Loki. Er drängte sich zwischen Sanya und ihre Herrin. "Soeben haben die Ostlingswächter in den Küchen verdächte Gestalten aufgegriffen..."
Kiana wirkte, als würde sie Loki am liebsten ignorieren, aber dann öffnete die Königin doch die Augen. Verärgert funkelte sie Loki an. "Und das hättest du mir nicht einen Augenblick später sagen können?" herrschte sie ihn an.
"Ich fürchte, wenn es um Eure Sicherheit geht, kann eine solche Nachricht nicht warten," erwiderte Loki.
So ein Mistkerl, dachte Sanya. Das hat er mit Absicht gemacht. Sie ärgerte sich, denn ein Teil von ihr genoss nach wie vor die liebevolle Zuneigung, die Kiana ihr entgegenbrachte. Ein anderer Teil - der etwas vernünftiger war - war relativ froh darüber, dass es nicht zu dem Kuss vor den Augen aller Gäste gekommen war. Wer konnte schon sagen, was die Leute darüber denken würden? Andererseits war Kiana die Königin aller hier Anwesenden, und sie konnte tun uns lassen was sie wollte...
"Und was haben die Ostlinge mit den Verdächtigen getan?" verlangte Kiana von Loki zu wissen.
"Sie entwaffnet und gefangen genommen," berichtete Loki. "Es verlief alles genau nach Plan, sie sind uns ins Netz gegangen."
"Also gut," sagte die Königin. "Dann sperrt sie ins Verlies, aber haltet weiterhin die Augen offen, in Ordnung?"
"Wie Ihr befehlt, Euer Gnaden." Loki warf Sanya einen finsteren Blick zu, dann ging er.
"Ich glaube, er hat was gegen mich," murmelte Sanya nachdenklich.
"Ach, vergiss ihn einfach," sagte Kiana und nahm ihre Hand, um sie mit sich zu ziehen. "Er scheint eher was dagegen zu haben, dass ich glücklich bin. Aber dass lasse ich mir von ihm nicht wegnehmen. Lass mich dich mal genauer ansehen... die Schneider haben wirklich gute Arbeit geleistet, das Kleid sieht... wundervoll an dir aus, Sanya!"
Sanya wunderte sich. Sie kam sich eher so vor, als sähe sie ein wenig lächerlich darin aus, zumindest fühlte es sich auf ihrer Haut so an, vor allem an den beiden Stellen, die ein wenig eingeschnürt waren. "Findest du?" fragte sie leise, während sie Kiana zum Buffet folgte.
"Willst du etwa deine Königin der dreisten Lüge bezichtigen?" erwiderte Kiana gespielt ernst, dann grinste sie. "Ich weiß, dass du solche Dinger nur selten trägst, aber ich finde, du solltest es öfter tun, so gut steht dir das. Wenn es dir hilft, mache ich einen Befehl draus!" Die Königin kicherte. "Du kommst mir ab sofort nur noch in einem Kleid unter die Augen, verstanden?"
Sanya wusste nicht recht, ob Kiana das ernst meinte oder ob sie sich nun wirklich einen Scherz erlaubte. "Ähm... Euer Gnaden...?" sagte sie etwas stockend.
"Ja, das war ein offizieller Befehl," sagte Kiana, die ihr wohl die Gedanken im Gesicht angesehen hatte. Dann zwinkerte sie Sanya frech zu und schnappte sich einen Kelch mit Wein vom Buffet. Kiana leerte das Getränk und lehnte sich dann gelassen gegen den schweren Tisch, auf dem die Appetithäppchen standen. "Jetzt, wo die Gefahr eines Anschlags hoffentlich gebannt ist, können wir diese Feier vielleicht ein wenig genießen... siehst du, wie brav sich alle dran gehalten haben, nur rot und schwarz zu tragen, wie ich es mir gewünscht habe?"
"Ja," antwortete Sanya. "Es ist eine schöne Farbkombination."
"Oh ja," stimmte Kiana. "Da hatten meine Vorfahren wirklich Geschmack, als sie sich ihr Wappen ausgesucht haben."
Sanya setzte gerade zur Antwort an, als ein Mann zu den beiden Frauen trat. Innerlich verdrehte Sanya nur die Augen, als sie Relon Deneril erkannte. "Wenn das mal nicht die beiden hübschesten Damen des Abends sind," sagte der Kaufmann und erdreistete sich, Kianas Hand zu nehmen und einen Kuss darauf zu hauchen. Die Königin ließ es belustigt wirkend geschehen, doch Sanya sah ihr an, dass sie dennoch nicht ganz zufrieden mit der erneuten Störung war.
"Guten Abend Relon," sagte sie ruhig. Sie kannte den Mann also bereits. "Ich habe es dir doch bereits gesagt, ich spreche auf diesem Fest nicht über die geplante Erhöhung der Zölle auf Getreidelieferungen."
"Oh, Euer Gnaden, wo denkt Ihr hin!" sagte Deneril und griff sich ans Herz, als wäre er verwundet worden. "Darf ein Untergebener nicht die Schönheit seiner Herrscherin bewundern? Es waren keinerlei Hintergedanken dabei, als ich mich entschloss, mich euch beiden Schönheiten am Buffet anzuschließen. Der Wein ist vorzüglich, nicht wahr? Soweit ich weiß stammt er aus einer besonders gereiften Ernte, aus dem Westen von Anfalas... ein sehr friedliches Land. Seid Ihr einmal dort gewesen, Euer Gnaden? Nein? Was ist mit Euch, Lady Terelos? Eine Dame von Eurem Kaliber ist doch gewiß weitgereist, und-"
"Ich bin ein, zweimal in Anfalas gewesen," schnitt Sanya dem Händler das Wort ab.
"Ich wusste es," freute sich Deneril. "Gebildet und hübsch, genau wie Ihre Majestät... oh, wo ich gerade davon spreche, Euer Gnaden, lasst mich euer Kleid loben. Ihr müsst mir unbedingt verraten, wer es angefertigt hat, ich lieben den Stil, den Schnitt und die Farben... etwas Ähnliches würde meiner Gattin gewiß ebenfalls sehr gut stehen... sie würde sich wirklich freuen, wenn sie etwas tragen könnte, das von unserer geliebten Königin inspiriert ist, denn das seid Ihr für uns alle, Euer Gnaden: eine Inspiration und ein Licht, das das Dunkel des Alltags erleuchtet. Seitdem Ihr auf den Thron sitzt, haben sich viele Dinge zum Guten gewendet für die Menschen von Minas Tirith, da kann ich nur sagen: weiter so! Lass Euch nicht von Gerüchten des Aufstands in falsche Sorge versetzen. Euer Volk liebt Euch, und steht so gut wie geschlossen hinter Euch. Als Händler komme ich viel herum und habe sozusagen mein Ohr am Herz des Volkes, wenn man so wil..." Er lachte über seinen eigenen Scherz, ehe er unermüdlich fortfuhr: "Euer Majestät wird verehrt, wohin ich auch komme. Ihr habt den Menschen so viel Gutes gebracht und ich glaube, dass es niemanden gibt, der sich wünscht, dass die Dinge wieder so wie früher würden, bis auf einen oder zwei Verblendete hier und da. Macht euch um diese einfältigen Burschen keine Sorgen! Ihr habt doch eine so tüchtige und hübsche Dame an Eurer Seite, die sich um alles kümmert, nicht wahr?"
"Ähm," gab Sanya überrumpelt von sich. Kiana hingegen schien durchaus ein wenig empfänglich für Denerils Worte zu sein, denn sie lächelte nun wärmer als zuvor.
"Nun, wo er Recht hat, hat er Recht!" sagte die Königin und leerte ihr Glas. "Das erinnert mich, ich sollte das Abendessen so langsam eröffnen, nicht wahr? Hunger habe ich jedenfalls schon."
Kiana stellte das Weinglas auf dem Buffettisch ab und machte einen Schritt auf den Thron zu, der erhöht am Ende des Saales stand. Gerade wollte sie sich an die Gäste wenden...

...da flogen mit einem gewaltigen Krachen die schweren Türflügel am anderen Ende des Saales aus ihren Angeln und eine feurige Druckwelle rollte hindurch. Einige Gäste wurden davon weggeschleudert. Dicker, dunkler Rauch füllte den Eingangsbereich des Thronsaals und breitete sich immer weiter in der Halle aus. Und noch ehe die Gäste ihren Schock überwunden hatten, stürmten ein Dutzend bewaffneter Gestalten herein, die in rohes Gebrüll ausbrachen und in Richtung Thron unterwegs waren.
Sanya tastete hastig nach dem versteckten Dolch unter ihrem Kleid, doch es gelang ihr nicht, so einfach an ihren Oberschenkel zu kommen. Also riss sie kurzerhand den unteren Saum ihres Rocks ab, denn der Stoff war nur dünn dort, sodass ihr das Kleid nur noch bis kurz vor den Knien ging und sie die Waffe aus dem versteckten Holster ziehen konnte. Und keine Sekunde zu spät, denn schon war der erste Attentäter heran gekommen. Wahrscheinlich hatte er nicht mit ernsthaftem Widerstand gerechnet, denn er versuchte nicht einmal, Sanyas Dolchstoß auszuweichen, der auf seine Kehle gezielt war. Gurgelnd ging der Mann zu Boden, doch schon waren die nächsten Angreifer heran...

>Darkness<

  • Moderator
  • Beschützer des verbotenen Weihers
  • ***
  • Beiträge: 1.517
  • Octavia Blake/Daenerys Targaryen<3
Minas-Tirith, Weiße Festung (Gondor)
« Antwort #34 am: 1. Mär 2021, 21:07 »
Minas-Tirith, Weiße Festung (Gondor)

Kiana auf dem Fest im Palast von Minas-Tirith …


Kiana duckte sich aus dem Reflex heraus, als die großen Türflügel durch die Explosion aus ihren Angeln gerissen worden waren und die dichten dunklen Rauchschwaden den Saal füllten. Viele der anwesenden Gäste rannten panisch umher und suchten einen Ausgang. Einige lagen leblos am Boden, oder räkelten sich vor Schmerz.
Als die Attentäter brüllend den Saal stürmten, empfand Kiana sich selbst als Hilflos. Sie sah zu Sanya, die gerade gegen einen der Angreifer kämpfte. Die Königin realisierte das ganze Geschehen noch gar nicht richtig. Auch durchdrang ein lautes Piepsen ihre Ohren.
Ihre Wachen schienen entweder selbst durch den Saal geschleudert worden zu sein oder rafften sich selbst gerade auf.  Selbst Loki befand sich bei denen, die am Boden lagen und versuchte wieder auf die Beine zu kommen.
Weitere maskierte Männer stürmten in den Saal und fixierten Kiana mit ihren Blicken. Brüllend und schreiend stürmten sie mit gezogenen Waffen auf die Königin zu. Panisch sah sie sich um. Keiner war in ihrer Nähe um sie zu verteidigen. Selbst Sanya befand sich mitten im Kampfgetümmel. Ein Schwert lag in ihrer Nähe, doch ihr war bewusst, dass sie eher wenig damit ausrichten konnte. Zwar hatte ihr Ziehvater sie widerwillig den Schwertkampf erlernen lassen, aber da war sie noch sehr jung. Das letzte mal dass sie ein Schwert in ihren eigenen Händen hielt war in der Schlacht gegen Melkor, als Faramir sie beschützte und sie irgendwie versuchte ihm zu helfen. Das ging alles andere als gut aus. Somit war dies eher sinnlos. Die Männer übermannten sie sowieso im Handumdrehen. 
Sie dachte an ihre Kräfte , die sich bisher aber eher nicht kontrollieren ließen und im Moment ein Zufallsereignis waren.
Sie versuchte sich zu konzentrieren und dachte an die Worte des Istari Saruman, der ihr beibrachte kontrolliert mit ihren Kräften umzugehen. Zunächst schien alles vergeblich zu sein. Doch in jenen Moment, als sie ihr eigenen Gedanken und ihr eigenes Leben los ließ, weil sie mit einem Hieb des Gegners rechnete, durchdrang sie die vertraute Wärme, die aus ihrer Körpermitte kam. Ein leichter Windzug hauchte durch den umkämpften Saal und ließ die silbernen Haare der Königin wehen. Sie streckte schwer atmend ihre Hand in die Richtung des Angreifers und öffnete im selben Moment die Augen. Der Mann flog daraufhin auf die andere Seite des Raumes. Dann ließ sie immer wieder weitere Männer durch Geisterhand durch den Saal fliegen, die zusätzlich wie von einer unsichtbaren Klinge getroffen worden waren. Die junge Maiar sah zu Sanya, die gerade die Schwertschläge eines Attentäters parierte. Um ihr zu helfen riss sie den Mann mit ihrer Kraft zu Boden, sodass die Oberkommandantin ihm den Dolch in die Brust rammen konnte. Natürlich hatte sie die Frau im Kopf und Angst um das Leben Sanyas. Das sorgte aber mehr dafür, dass sie in ihrem Rausch jeden der Männer töten wollte.
Mittlerweile war Loki bei Kiana und zerrte wie verrückt an ihr herum.
"Komm, wir müssen hier weg!", hastete er, "Grauer Staub wird sich um den Rest kümmern!". 
Auch wenn Kiana eigentlich nicht gehen wollte ,und vor allem Sanya nicht alleine lassen wollte, ließ sie sich einige Schritte von ihm mitziehen. Ein paar der Ostlingwachen kamen ebenfalls zu ihr um ihre Königin zu beschützen.
"Nein!", entgegnete Kiana schließlich bestimmend und wollte selbst wieder in das Geschehen eingreifen. Mit ihren Kräften fällte sie auch den letzten Feind der im Saal verzweifelt versuchte sich noch um sein Leben zu rennen. Mehrere male schlug sie ihn mit ihrer Kraft gegen die steinerne Wand und schien ihm langsam die Luft abzuschirmen, sodass er gurgelnd und Blut spuckend starb.
Kiana blieb nicht aus, dass ihre innere Macht sie aufzerrte, sodass sie sich mehr als erschöpft fühlte. Vorsichtig und schwer atmend sah sie sich um. Noch immer lagen einige der Gäste auf dem Boden. Auch das Essen und die Dekorationen waren über den ganzen Saal verteilt. Der Marmorboden war von Staub und Dreck bedeckt. Die Königin konnte sich nicht erklären, wie der Attentatsversuch doch erfolgreich war. Die Verdächtigen wurden doch geschnappt. Scheinbar hatten ihre Feinde damit gerechnet, dass sie beobachtet worden waren. Sie war mehr als entsetzt. Es sollte ein friedliches Fest werden und wieder einmal versuchten Verräter sie umzubringen. Wieder waren es Menschen, die die gütige Herrschaft der Königin nicht schätzten.
Kiana wurde mehr als wütend. Trotz des besorgten, aber sanften, Blickes Sanyas, ließ sie sich nicht wie sonst davon aufheitern. Die Oberkommandantin schien ebenfalls außer Puste zu sein und war voller Staub, Blut und Ruß.
Deprimiert betrachtete Kiana den Torbogen des Palastes, der starke Schäden davon getragen hatte.
"Komm Kiana…", fing Loki an, "...Lass uns in den kleines Ratssaal gehen!".
Seufzend stimmte sie ihm mit einem Kopfnicken zu und lief an Sanya vorbei, bevor sie in die Richtung, in der sich der kleine Saal befand ging. Sie streifte mit ihrer eigenen a
Hand, an der Hand der Oberkommandantin entlang. Sie hatte das Bedürfnis einfach von ihr in dem Armen gehalten und geküsst zu werden.  Die junge Maiar war mehr als froh, dass der Frau nichts passiert war. Gleichzeitig hatte sie Angst, dass sie Sanya vielleicht durch ihre Macht abschreckte. Ao verließ sie lieber den Thronsaaö...

Dort angekommen ließ sich die Königin auf einen Stuhl sacken. Sie hatte die ständigen Mordversuche auf sie selbst satt. Obwohl sie darauf bedacht war, für alle Menschen im Reich ein besseres Leben zu ermöglichen. 
Sie rieb sich ihre Schläfen, denn ihr Schädel dröhnte. Sanya stand ebenfalls im Saal. Loki kam herein und stellte der Königin einen Becher auf den Tisch. Erneut seufzend nahm sie diesen Becher in ihre Hände.
Warum kann es nicht Wein sein, dachte sie sich, als sie sah dass Ermittler Wasser befüllt war. Vorsichtig nippte sie an ihrem Getränk.
"Die gesamte Stadt ist abgeriegelt und wird durchsucht. Wenn es noch weitere Anhänger der Aufständischen gibt, werden sie uns nicht mehr entkommen!", versuchte Loki seine Königin zu beruhigen. Sie warf ihm aber einen mehr als erzürnten Blick zu.
"Du bist mit dafür verantwortlich, Loki…", fauchte sie ihn an. "...Weil deine kleine Freundin hier war um mich zu töten, hat es nur andere dazu aufgerufen!".
"Kiana… Du weißt dass das nicht stimmt… Diese Aufständischen waren vor Octavia hier und kollaborieren mit diesem silbernen Schwan…", verteidigte sich der Reichsmarschall.
"Pff…", presste Kiana nur hervor. "Ich denke wir sollten Stärke zeigen… Alle Feinde der Krone sollen merken, was es bedeutet sich gegen mich zu stellen!".
"Was meinst du damit? Du gehst ja ohnehin gegen sie vor…", wollte Loki sichergehen.
"Ich will dass du meine Armee in wenigen Tagen Abmarsch bereit machst… Unsere Feinde werden es sich zweimal überlegen, ob sie mich versuchen wollen zu töten!", befahl sie energisch. Die junge Maiar übersah Lokis irritierten Blick nicht. "Ich werde die Armee selbst anführen und auf Ancalagon in den Norden reisen!".
Loki wollte wohl etwas sagen, aber ihm blieben die Worte aus. Nachdem er etwas vor sich hin stammelte, entgegnete er nur: "Kiana, du kannst nicht aus deinem Gefühl heraus eine solche Entscheidung treffen… Tausende Leben stehen auf dem Spiel…".
"Und ob ich das kann! Die Arnorer haben ihr Schicksal gewählt!", sagte sie überzeugt.
"Lass uns morgen noch einmal darüber sprechen…".
"Nein…".
"Du weißt, dass dies die falsche Entscheidung ist!".
"Wenn du den Befehl verweigert, nehme ich an, dass du irgendwie selbst in dieser Sache verwickelt und ein Verräter bist!", behauptete die Königin.
"KIANA!".
"Nein, es ist genug! Meine Entscheidung steht fest!", befahl sie. "Ich möchte auch, dass der Etat erhöht wird, um mögliche Verräter aus Gondor fernzuhalten…".
Loki drückte einen Schwall Luft heraus. Kiana bemerkte, dass er versuchte ruhig zu bleiben. Er verneigte sich rasch und lief aus dem kleinen Saal.
Die junge Maiar trank das Wasser in ihrem Becher mit einem Zug aus und schlug ihn fast schon auf den schweren Tisch. Dann erhob sie sich und ging in Richtung des Ausganges. Noch bevor sie die Tür durchschritt, sah sie von der Seite zu Sanya, die die ganze Zeit nichts sagte. Kiana war sich nicht sicher, ob sie sich vor ihrer Königin fürchtete oder einfach nur gehorsam war.
"Ich werde mir ein Bad nehmen… Ich muss den Dreck abwaschen…", sagte sie plötzlich ganz ruhig und fast schon wieder liebevoll. "...Komm danach in mein Gemach, wenn du deine schlecht gelaunte Königin ertragen willst oder nicht… Wie es dir beliebt…".
Mit diesen Worten verließ sie mit langsamen Schritten den kleinen Ratsaal. Insgeheim hoffte sie natürlich darauf, dass Sanya zu ihr kam. Bei ihr fühlte sie sich sicher und Kiana liebte sie. Gleichzeitig hatte sie enorme Angst, dass ihr etwas zustieß…


Kiana im Palast von Minas-Tirith …
Grüße Darkness


Lust auf eine alternative Mittelerde Geschichte und dazu ein RPG? ?
Der Thron von Mittelerde

->Feedback hier<-
Discord zum RPG

Saizo

  • Bilbos Festgast
  • *
  • Beiträge: 18
  • all according to plan
Minas Tirith
« Antwort #35 am: Gestern um 18:54 »
Minas Tirith (Gondor)



Sanya in der Weißen Festung

Sanya war Kiana wie sie es ihr befohlen hatte aus dem Thronsaal heraus gefolgt, noch immer in ihrem abgerissenen Kleid und den Dolch die ganze Zeit über in der Hand haltend. Sie hatte dem Streitgespräch zwischen Königin und Reichsmarschall nur mit halbem Ohr gelauscht, denn Sanya war unruhig und fürchtete, dass es jeden Moment ohne Vorwarnung zu einer weiteren Explosion kommen könnte, oder dass sich noch mehr Attentäter plötzlich auf sie stürzen könnten. Sie machte sich selbst schwere Vorwürfe, weil sie den Angriff auf den Thronsaal nicht kommen gesehen hatte. Dabei war es in ihrer Verantwortung gewesen, für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen. Und nun waren viele verletzt, einige sogar schwer. Es hatte sogar ein paar Tote gegeben. Sanya wusste nicht, wie es nun mit ihr weitergehen würde. Sie erwartete, dass Kiana sie ihres Amtes entheben und aus der Armee werfen würde. Das hätte Sanya an ihrer Stelle getan, denn ein so großes Versagen war nicht einfach zu vergeben.
Kiana hingegen wirkte so undurchschaubar wie eh und je, als sie davon sprach, ein Bad zu nehmen und als sie dann Sanya anwies, sich im Anschluss daran im königlichen Gemach zu melden.

Sanya blieb eine Weile ratlos stehen, nachdem die Königin in Richtung der Bäder verschwunden war. So fand sie Mithrendan, der selbst ein wenig mit Ruß beschmiert war, und legte ihr sachte die Hand auf die Schulter.
"Alles in Ordnung?" wollte er mit seiner beruhigenden Art wissen.
"Ich... denke schon," murmelte Sanya, doch dann schüttelte sie den Kopf. "Nein. Nichts ist in Ordnung. Ich habe versagt..."
"Es war nicht allein deine Schuld. Die Ostlinge hatten den Saal zu bewachen, und sie haben zugelassen, dass unter ihren Füßen ein Sprengsatz hochging. Ich hatte Glück, dass ich in dem Moment gerade austreten war..."
Sanya drehte sich zu ihm um und tat etwas, das sie nur selten zeigte: Sie umarmte ihren alten Freund fest und legte ihren Kopf auf seine Schulter. "Ich bin froh, dass... dir nichts geschehen ist."
"Bis auf ein paar ziemlich unschöne Rußflecken..." scherzte er. "Aber wer wird denn da rührselig werden?"
"Ach..." Sanya ließ ihn los und winkte ab. "Sieh mich doch an. Ich bin mindestens so dreckig wie du, mein Kleid ist nur noch halb so lang wie es sein sollte, und ich blute. Meine Frisur ist natürlich ruiniert, genau wie meine Karriere. Glaubst du wirklich, es interessiert mich jetzt noch, was die Leute über mich denken könnten?"
"Also ich finde, das Gesamtbild, das du abgibst, strahlt eine gewisse wilde, kämpferische Entschlossenheit aus."
"Sehr witzig."
"Nein, im Ernst, Sanya. Das Wichtigste ist doch, dass die Königin in Sicherheit ist. Du hast den Anschlag verhindert."
Sanya schwieg einen Augenblick lang. So hatte sie die Sache noch nicht betrachtet. Die Angreifer hatten Kiana töten wollen, das stimmte. Und dieses Ziel hatten sie nicht erreicht. Aber war das wirklich Sanyas Verdienst?
"Ehrlich gesagt..." murmelte sie so leise dass es nur Mithrendan hören konnte, "...wirkte Kiana nicht so, als wäre sie wirklich in Gefahr... du hättest sehen sollen, was sie mit den Attentätern angestellt hat. Das war starke Magie, oder so etwas in der Art... und es sah so mühelos aus. Sie hat diese Leute einfach weggefegt."
"Erinnere mich, sie niemals zu verärgern," sagte Mithrendan sanft lächelnd.
Sanya schüttelte den Kopf und seufzte. "Das sieht dir ähnlich, in so einer Lage auch noch Witze zu machen."
"Tja, du kennst mich doch," sagte er und hob die Schultern. "Aber du solltest dich jetzt wieder einkriegen, Sanya, und mit mir kommen. Die Spuren sind noch frisch, und wenn wir die Drahtzieher dieses Angriffs erwischen wollen, dürfen wir nicht noch mehr Zeit vertrödeln."
"Gut," sagte Sanya und ihr Kopf ordnete sich wieder. "Packen wir es an."
Sie wollte schon losmarschieren, aber Mithrendan hielt sie sanft zurück. "Aber nicht in diesem Aufzug," sagte er und grinste.

Kurz darauf hatte Sanya wieder ihre Rüstung an; die Überreste des Kleids hatte sie den Schneiderinnen gegeben und sich mehrmals dafür entschuldigt, es ruiniert zu haben. Sie wollte keinesfalls die harte Arbeit der Bediensteten mit Füßen treten.
Mithrendan hatte sich im Hauptgang des Palastes umgesehen, der vom unteren Tor entlang einer breiten, großen Treppe direkt zu den Toren des Thronsales führte. Als Sanya dort eintraf, fiel ihr ein bekanntes Gesicht in der Gruppe von Menschen auf, die bei Mithrendan standen und von ihm befragt wurden.
"Sieh an, Lady Terelos ist hier, und noch dazu unversehrt. Wie froh ich bin," sagte Relon Deneril und lächelte warmherzig. "So wie Ihr ausseht, seid Ihr vermutlich ebenfalls hier, um die Hintergründe dieses verräterischen Angriffes auf die königlichen Feierlichkeiten aufzudecken?"
"So ist es," sagte Sanya schnell, ehe er weiterreden konnte. "Habt Ihr irgendetwas gesehen, was mir helfen könnte, die Mistkerle zu schnappen, die dafür verantwortlich sind?"
"Ich war zum Zeitpunkt der Explosion nicht im Saal," sagte der Händlerfürst nachdenklich.
"Sondern wo?" hakte Sanya sofort nach.
"Oh, nun... das ist mir etwas peinlich, aber ich hatte gerade eine der Damen aus Anórien auf einen der Balkone geführt und..."
"Schon gut, erspart mir die Details," schnitt Sanya ihm das Wort ab.
"Jedenfalls kamen drei der Angreifer zu uns auf den Balkon gestürmt, nachdem sie gegen die Türen des Sales geschleudert worden waren, die nach draußen zu uns führten. Ehe wir etwas tun konnten, hatten sie sich schon über das Geländer abgeseilt und waren außer Sicht. Aber die Seile sind, so vermute ich, noch dort!"
"Mithrendan!" rief Sanya und lief los, in den Wissen, dass ihr alter Freund ihr folgen würde. Sie sprintete in den Thronsaal und bog dann nach links ab, wo die Zugänge zu den Balkonen lagen. Dort fand sie eine der Türen offen stehend vor und trat hinaus. Deneril hatte Recht gehabt: Am Geländer aus weißem Marmor waren drei eiserne Kletterhaken eingehängt worden, an denen dicke Seile hingen.
"Hinterher," sagte Sanya und stieg über das Geländer, dann packte sie eines der Seile und rutschte geschwind daran herab, dabei verhinderten ihre Handschuhe, dass sie sich die Handinnenflächen aufrieb. Ein rascher Blick nach oben zeigte ihr, dass Mithrendan direkt hinter ihr war. Unten angekommen standen sie in den königlichen Gärten und fanden neue Spuren.
"Wenn das kein Blutfleck ist, dann hänge ich meinen Posten als Spurenleser an den Nagel," sagte Mithrendan und kniete sich neben der Stelle hin, an der die weißen, flachen Steine des Gartenwegs direkt unter dem Balkon weiter über ihnen mit einer dunkelroten, trockenen Flüssigkeit verschmiert waren.
"Hier ist noch mehr Blut," sagte Sanya und deutete den Weg entlang. "Folgen wir den Spuren!"
Sie mussten nicht weit gehen. Hinter einem großen, in rechteckige Form geschnittenen Busch fanden sie einen Mann, der in sich zusammengesunken an dem Gestrüpp hinter ihm lehnte. Er hatte bereits viel Blut verloren, das aus einer langen Schnittwunde am Bauch quoll. Es war unverkennbar einer der geflohenen Attentäter.
"Für wen arbeitest du?" wollte Sanya sofort wissen.
"Ich... hatte an die Sache... geglaubt," antwortete der Verletzte mühsam und hustete, dabei lief ihm Blut aus dem Mundwinkel. "Aber... sie haben mich einfach... abgestochen..."
"Wer?"
"Die... anderen, die... mit mir flohen..."
"Wohin sind sie geflüchtet? Was haben sie vor? Wer führt sie an?" Sanya ließ nicht locker mit den Fragen.
"Sanya, er verblutet! Ich hole einen Heiler," sagte Mithrendan und sprang auf.
"Es... ist zu spät... für mich," sagte der Attentäter und lächelte grimmig.
"Sag mir wer dahinter steckt!" wiederholte Sanya.
"Du... weißt es... bereits..." ächzte der Verletzte, dann keuchte er ein letztes Mal, und kippte vornüber.
"Verdammt!" machte Sanya ihrem Frust Luft.
"Er ist tot," stellte Mithrendan unnötigerweise fest. "Aber ganz fruchtlos war unsere Suche nicht. Nicht ehe wir ihn nicht durchsucht haben." Sofort machte er sich daran, die Leiche aufs Genauste zu filzen. Und tatsächlich fand er etwas. "Sieh mal einer an," sagte der Kundschafter und hielt Sanya ein kleines Stück Stoff hin, nicht größer als ein gewöhnliches Taschentuch.
Sanya nahm es und drehte es um. Es war hellblau, und im Zentrum war in Weiß ein Abzeichen eingestickt, das ihr vertraut vorkam: Ein weißer Schwan, die Flügel zum Flug ausgebreitet. Nein - nicht weiß. Die Stickerei war mit Fäden aus Silber vorgenommen worden...
"Dol Amroth," murmelte sie und ballte die Faust um das Stoffstück.
Mithrendan sagte nichts, sondern verschwand, um sich um die Entsorgung der Leiche zu kümmern. Sanya blieb nachdenklich allein zurück. Kiana würde schon auf sie warten, fiel ihr ein. Mit mehr Fragen als Antworten machte sie sich auf den Weg zu den königlichen Gemächern...