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Autor Thema: West-Emnet  (Gelesen 4152 mal)

Thorondor the Eagle

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West-Emnet
« am: 30. Sep 2009, 22:03 »
Amrûn von Firnharg am Weißen Gebirge


Die Dämmerung machte sich schon langsam breit. Die Gegend um die Gruppe von Orks war düster und grau.

„Hier machen wir halt!“ befahl einer von ihnen „Schürt ein Feuer. Wir haben noch etwas Fleisch vom letzten Kampf übrig.“
Ein kaltes, grausames Lachen und Jubelgeschrei tönte durch Amrûns Kopf und verstärkte seine ohnehin unerträglichen Kopfschmerzen. Er hatte sich bis jetzt bewusstlos gestellt und die Gespräche belauscht. Er wusste was ihm widerfahren würde und seine jetzigen Schmerzen waren nichts im Vergleich zu denen, die er während der Folter ertragen müsste.

Der Elb öffnete seine Augen und erspähte etwa zwanzig Orks um sich herum.
So viele sind doch nicht übrig geblieben! Ich hätte nur länger durchhalten müssen, dann hätte ich sie alle vernichten können. Die armen Menschen von Firnharg. Ich habe ihnen den Untergang gebracht. All das Leid hätte ihnen erspart bleiben können...

Sie saßen alle um das bereits entzündete Lagerfeuer und starrten auf das Fleisch, welches sie auf Stecken gespießt hatten und über die Flammen hielten.

„Seht nur unser armes Spitzohr ist erwacht!“ sagte einer laut in die Runde und starrte Amrûn an, „Hast du gut geschlafen?“
Alle begannen laut zu lachen. Das Krächzen musste noch weit über die Ebene zu hören sein.
„Dann kannst du ja ab Morgen laufen!“ sagte ein anderer garstig zu dem Elben.

Amrûn gab keine Antwort. Er sehnte sich nach dem Meer. Er dachte an die Tage als er noch in Mithlond verweilte. Damals hätte er Mittelerde verlassen sollen. Schon seit langem wollte er zu seiner Sippe nach Tol Eressea. In den unsterblichen Landen gab es solch Leid nicht mehr. Er erinnerte sich an vieles was er hier erlebt hatte und seine Gedanken verloren sich in der Vergangenheit:

Oh Mittelerde, einst lieblich rein
Verseucht bist du von Dunkelheit.

Einst brachten wir dir Licht und Schein
Doch es verging in Ewigkeit.

Der Regen der die Felder goss
Verbannt von Hitze und von Feuer

Mein Herz hängt hier an jedem Spross
Der Schönheit Preis ist wahrlich teuer.

Seine Augen waren glasig geworden, er musste sich bemühen keine Schwäche vor den Orks zu zeigen. In diesem hoffnungslosen Moment sah er sein Ende vor seinem geistigen Auge.

Nicht mit dem Schiff werde ich das große Meer überschreiten. Anscheinend hat mein Schicksal einen anderen Weg für mich bereit gelegt...  Mein Tod ist der Eintritt in das Segensreich.
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 09:46 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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West-Emnet
« Antwort #1 am: 4. Okt 2009, 13:58 »
Faendir von der Südgrenze Lothlóriens


Faendir hatte mittlerweile die Entwasser erreicht. Der Fangorn war ruhig geworden. Wenn er so zwischen den Bäumen hindurch sah, wirkte es fast so als wäre er nichts weiter als ein lebloses Relikt aus vergangener Zeit.

So viel Leben steckte einst in diesem Wald. Die Bäume erzählten Geschichten, von denen nicht einmal Elben wussten, dass sie passiert sind. Was ist hier nur geschehen? Ward die verborgene Macht und Schönheit des Fangornwaldes nichts weiter als Legenden aus alter Zeit?


Der Wind strich langsam durch die Zweige und Blätter der altertümlichen Bäume und komponiert ein wohl bekanntes Lied, welches nur die Natur wiedergeben konnte. Vor Faendir eröffnete sich die weite Hügellandschaft der West Emnet. Hier war der Einfluss von Isengard stark.
Er nahm den bedrückenden, dunklen Vorhang war, der über dem Land lag, wie eine dicke Schicht aus Schnee und Eis. Er überquerte den strömenden Bach und begann im Laufschritt den letzten Teil seiner Reise.
Er lief immer leicht gebückt um aus der Ferne nicht gesehen zu werden. Ab und zu sah er einige Reiter in der Ferne, es schienen allerdings keine Orks zu sein.
Einmal versteckte er sich unter einem halbhohen Gebüsch. Nicht weit von ihm saßen fünf Männer auf ihren Rössern.

„Der weiße Reiter hatte Recht!“ sagte einer von ihnen „je weiter sich die Nachricht verbreitet, desto mehr sind bereit sich uns anzuschließen.“
„'Ein noch so kleiner Stein, kann eine ganze Lawine auslösen' hat Gandalf gesagt. Eine Lawine die, die Orks nicht überleben werden“, sagte ein weiterer.

Faendir belauschte sie genau, aber traute sich nicht aus seiner Deckung heraus. Wer weiß, vielleicht ist ein Spitzel Isengards dabei. Genauso schnell wie die Reiter gekommen waren, waren sie auch wieder verschwunden. Das letzte was er von ihnen sah, war ihr Ritt gegen den Sonnenuntergang.

Hoffentlich haben sie dir Wahrheit gesprochen. Es wäre zu schön, wenn sich alle Gandalf anschließen, dann wir die Befreiung Rohans nicht mehr lange auf sich warten lassen. Das Gute erlangt wieder Stärke in Mittelerde.

Im Westen versank die Sonne hinter den Nebelbergen. Der weiße Schnee reflektierte das intensive Orangerot des Sonnenuntergangs. Es wirkte fast so, als ob die Gipfel zu glühen begannen, kurz bevor die Welt in der Finsternis der Nacht versank.
Faendir rastete auf einer kleinen Hügelkuppe, zwischen zwei Felsen, welche nackt aus der Erde herausragten. Er setzte sich auf einen der Steine und blickte auf das mit Sternen übersähte Firmament.
Plötzlich hörte er in der Ferne ein leises, aber klares schrilles Lachen. Er wurde aufmerksam und blickte in seine Umgebung. Weit weg im Osten erblickte sein Elbenauge den Schein eines nächtlichen Feuers. Er erspähte noch fünf bis sechs Orks und ein Pferd, welche vom Rot der Flamme bestrahlt wurden. Die übrige Umgebung verschwamm konturlos mit der umgebenden Dunkelheit. Er musste vorsichtig sein, anscheinend streiften zahlreiche Orktruppen durch die Westfold.
Er legte sich behutsam zwischen die beiden großen Felsen und verfiel in einen leichten Schlaf. Immer wieder schreckte er auf, da er glaubte, jemand habe ihn entdeckt.

Noch bevor die Sonne über den östlichen Horizont ragte, beschloss Faendir weiter zu marschieren. Er konnte hier ohnehin keine Ruhe finden. Der Elb war leicht geschwächt von dieser unsicheren Nacht und musste häufiger Pausen einlegen um sich mit dem nahrhaften Lembas zu stärken.
Es war schon lange nach Mittag, als Faendir endlich in der Ferne das goldschimmernde Dach Meduselds erblickte. Er hatte die Hauptstadt Rohans also erreicht. Der dunkle Teppich hatte sich nicht gelichtet, ganz im Gegenteil, der ist noch dicker und erdrückender geworden. Es schien fast so, als würde er Edoras ersticken wollen.

Er dachte kurz an seinen Abschied zurück, in dem er zu Galadriel sagte, dass er ihr stets vertraut hatte und das Tat er auch. Nie hatte sie oder Thranduil ihn fehlgeleitet.
Für Galadriel und all das Licht auf Mittelerde, damit es wieder erstarkt und die Dunkelheit weichen muss…


Faendir nach Edoras in die Verborgene Kneipe in der Nähe des Stadttores
« Letzte Änderung: 11. Aug 2016, 11:13 von Fine »
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Vexor

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Re: Lager der Orks am Weg nach Isengard
« Antwort #2 am: 5. Okt 2009, 20:52 »
Gandalf, Antien und Celebithiel von Firnharg im Weißen Gebirge


Ein Mantel aus Wärme legte sich über die weichen Schultern Celebithiels und streichelte ihr sanft über die blasse Haut. Sie schloss die Augen und atmete tief ein, bevor sie die silberne Klinge aus der Scheide zog.
Sie streckte das Schwert in die pechschwarze Nacht, denn der Mond formte nur eine kleine Sichel am Firmament. Es schien, als ob er zu verschwinden drohte in dem Meer aus Schwärze und den Strömen weißer Fische.
Das warme Licht, durchdrungen von den kalten Stimmen, war nun für Celebithiel klar warnehmbar. Die Orks waren nur noch wenige Minuten entfernt und Celebithiel und Gandalf machten sich bereit die Stimmen zu vertreiben und ihren Klang für immer aus dieser Welt zu tilgen.

Seit sie aus Firnharg in der Dämmerung aufgebrochen waren hatten die drei kein Wort geredet. Jedoch nicht aus Missgunst, oder Angst, sondern im stillen Einverständnis dessen, was sie nun zu leisten hatten.
Celebithiel strich sich die feinen Strähnen hinters Ohr und blickte zu Gandalf. In seinen himmelblauen Augen spiegelte sich das Abbild der Flammen, welche im Lager brannten, oder war es seine innere Flamme, die sich in seinen Augen abzeichnete? Was es auch war, Celebithiel schöpfte unermesslichen Mut aus ihnen und so wandte sie sich zu Antien um, welcher ebenfalls die Flammen des Mutes in sich trug.
Erneut wanderte ihr Blick zu der Sichel am Himmelszelt hinauf, und es schien ihr, als hätte sich das Bild verändert. Nicht das Meer aus Schwärze war jetzt dominant, sondern die millionen Schwärme leuchtender weißer Fische. Sie verdrängten die Schwärze und erleuchteten die gesamte Gegend.

Unter dem Schutze des Mondes reite ich, Celebithiel, gekrönte Tochter des Mondes, um diejenigen zu retten, die ihr Leben in einem sinnlosen Kampfe ließen.

Unaufhaltsam galoppierten die drei Pferde mit ihren edlen Reitern auf das Lager zu, und die ersten patrouillierenden Orks wurden gewaltsam niedergeritten. Ein Stimmengewirr und Krächzen der Orks wurde laut, die alle in verschiedenen Dialekten der dunklen Sprache anfingen zu schreien und wild auf die drei Reiter loszustürmen.

---
„ Eins, zwei, drei! Eins, zwei, drei. Gut Gwilwileth, sehr gut“, rief Elladan ihr keuchend zu. Die drei trainierten nun schon seit einigen Monaten mit Gwilwileth und sie verbesserte sich zumal von Tag zu Tag. „ Können wir nicht eine Pause einlegen, mein Handgelenk schmerzt“, fragte Gwilwileth mitleidsvoll.
„ Schwesterherz im Kampfe gegen Orks werden sie dir auch eine Pause gönnen, wenn dir das Handgelenk wehtut. Wir haben noch zwei Einheiten vor uns. Die führen wir auch zu Ende!“, ließ Elrohir verlauten, der auf einer der Stufen in Elronds Garten hockte und den beiden beim Training zusah.
Verbissen kämpfte Gwilwileth weiter, auch wenn ihr Handgelenk so sehr schmerzte, dass sie am liebsten aufgeschrien hätte. Nur mit Müh und Not konnte sie ihre Tränen zurückhalten, aber sie hatte sich geschworen nie mehr eine Form von Schwäche zu zeigen.

„ Elladan, Elrohir, ich werde sie alle vernichten. Jene bestialischen Kreaturen, die Celebrian diese Schmerzen zugefügt haben. Ich verabscheue diese Lebewesen aus tiefster Seele und nichts verschafft mir größere Genugtuung als sie tot auf dem Boden zu sehen.“
Celebrian lehnte an einer der alten Bäume, die in Imladris schon seit Jahrtausenden wuchsen. Mit traurigem Gesicht lauschte sie den Worten ihrer Ziehtochter.

Ach meine Liebe, wie sehr wünschte ich mir, dass  deine Knospe der Kindheit nicht schon so früh erblüht wäre. Zu früh wurdest du von deinen Eltern getrennt und auch ich werde dir kein Halt mehr sein, wenn ich erst in den Westen gesegelt bin. So sehr schmerzt mich deine Entwicklung, und so sehr liebe ich dich.
Nichts sehnlicher wünsche ich mir, dass du wieder Zugang zu dem Garten deiner Seele findest, wo die Düfte und Blüten versteckt sind, die sich mit den schönen Dingen des Lebens befassen.

Als Gwilwileth zu ihr sah, zwang sie sich zu einem Lächeln und winkte ihr zu.
---

Ihre Klinge tänzelte elegant durch die Luft und durchschnitt die Rüstung des Orks, wie ein Messer Butter, welche zu lange in der Sonne gestanden hatte. Mit einem letzten Hieb versetzte sie ihm den Todesstoß.
Die krächzende Sprache der Orks versetzte Celebithiel Kopfschmerzen, aber sie fuhr in ihrem Kampf fort und vom Rücken ihrer Stute kämpfte sie weiter, bis das Pferd sich plötzlich aufbäumte, und sie rücklings auf den Boden beförderte.
Celebithiel hatte aus Furcht die Augen verschlossen und riss sie nun auf. Der aufsteigende Rauch schmerzte ihr in den Augen und einen Augenblick war sie orientierungslos. Die Orks hatten in ihrer Verwirrung, zwecks des Angriffs der drei, ausversehen ihre eigenen Zelte angezündet.
 Panisch fingen die ersten an zu desertieren und das weiter zu suchen.
Celebithiel versuchte aufzustehen, aber sie brach wieder zusammen. Ihr Fuß schmerzte höllisch und sie ließ einen stummen Schrei los, als der Schmerz  erneut pulsartig auf kam. Sie drehte sich auf den Rücken und über sich sah sie nicht mehr die Ströme weißer Fische und die weiß goldene Sichel des Mondes, sondern das schwarze Meer war zurückgekehrt und Wolken, wie graue Schleier, legten sich über sie.
Ich bräuchte eine Auszeit!
Doch im selben Augenblick kamen ihr die Worte Elladans erneut in den Kopf und sie spürte wieder den Mantel aus Wärme, der sich wie einer der Elbenmäntel Loriens über sie ausgebreitet hatte.

Mit einem Hieb ihres Schwertes durchtrennte sie die Achillessehnen mehrerer Orks, die um sie herum standen.
Langsam stützte sich auf alle viere und schaffte es unter Qualen aufzustehen.
Die Orks gönnen dir keine Auszeit, als gönne ihnen auch keine.

Plötzlich machte sich ein lähmender Gestank breit und Celebithiel blickte plötzlich in die leeren und kalten Augen eines muskulösen Uruk-Hais, der sie hämisch ansah.
„ Schon eine Schande so ein hübsches Ding zu tö - ..“. Der Uruk-Hai sank zu Boden und Gandalf zog sein Schwert Glamdring aus seinem Leichnam. Die Klinge war schwarz gefärbt, aber aufmuntert sah Gandalf sie an und erneut sah sie die Flammen in Gandalfs Augen schimmern.
Die Flammen des Mutes und der Hoffnung, welche so ein seltenes Gut geworden war in den letzten Monaten.

Die Orks waren bald vernichtet und nur drei hatten es geschafft ihrer Rache für Firnharg zu entkommen.
Trotz des Sieges war niemand der drei euphorisch gestimmt. Wie bittersüße Mandeln schmeckte ihre Rache und Celebithiel erkannte zum ersten Mal, dass sie sich auch in diesen Belangen seit der Schlacht um Lorien geändert hatte. Es ging ihr nicht mehr primär darum, die Orks für ihre Verbrechen zu töten, sondern einen Ausgleich zu schaffen für diejenigen die ihr Leben an die Schergen Saurons verloren hatte. Die Tat blieb dieselbe, aber ihre Ziele hatten sich verändert.

Intuitiv wanderte ihr Blick erneut zum Firmament und beruhigt konnte sie feststellen, dass der Mond immer noch eine leuchtende Sichel war, umgeben von den weißgoldenen Fischen.

„ Gandalf dort liegt noch jemand! Es ist ein Elb, aber erst ist bewusstlos“, rief Celebithiel, als sie das Lager nach verwertbaren Informationen über die Pläne des Mundes in Rohan durchsuchte. Sie rannte zu dem Gefangenen und löste seine Fesseln.
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 09:23 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re: Lager der Orks am Weg nach Isengard
« Antwort #3 am: 6. Okt 2009, 21:27 »
Um Amrûn war es dunkel geworden. Die unendliche Stille hatte sich um ihn breit gemacht. Sein Geist hatte das schrille Gelächter und Geschrei der Orks ausgeblendet. Die Zeit schien grenzenlos zu sein.
Er hatte sich mit dem Schicksal, dass ihm auferlegt wurde, abgefunden.

Hoffentlich hat meine kleine Irwyne überlebt. Sie wird ihren Weg weitergehen ganz alleine. Ihre Mutter, ihr Vater und der Rest ihrer Familie wurden kaltblütig ermordet. Das Leben auf diesen Gefilden ist verloren. Die Macht Saurons ist zu stark für all die übrigen Menschen und Elben in Freiheit. Hätte ich nur früh genug den Weg nach Westen gefunden. In Valinor gibt es keinen Krieg und keine Dunkelheit, dort wäre ich bei meinem Volk.

Seine Haut färbte sich leicht blau und wurde langsam kalt. Der Lebenswillen in ihm war so gut wie erloschen. Eine einzelne, kleine Träne rann über seine Wange und blieb an seiner Nasenspitze hängen. Das Sternenlicht lies sie für einen kurzen Moment in einem kalten, silbrigen Licht aufscheinen. Der kühle, nächtliche Frühlingswind kroch ihm über die Schultern und wehte einige vereinzelte Strähnen seines rabenschwarzen Haars über das Gesicht.

Amrûn war bereits zu schwach um seine Augen zu öffnen, als ihm ein warmer Handrücken sanft über die Wange strich. Es fühlte sich wie eine leichte Prise aus einer längst vergessenen Sommernacht an. Seine grauen Lippen formten sich zu einem zufriedenen Lächeln.
Er spürte wie die Hand behutsam seinen Kopf hob und er weich in einen Schoß gepolstert wurde. Sein Schmerz aus seinen Wunden war kaum noch zu spüren. Zu schön war dieser Augenblick. Amrûn wusste nicht, was dies für ein Traum war, aber er dachte, dass es sein Eintritt in das Segensreich wäre. Alles um ihn schien in gleißend hellem Licht aufzuflackern. Die Landschaft, die er noch vor seinem geistigen Auge hatte, verging in strahlendem Silber und edlem Gold.

So lieblich schön ist der Weg hierher. Schöner und vertrauter als die letzten Sonnenstrahlen, die man einfangen kann, bevor die Nacht hereinbricht und die Dunkelheit überhand nimmt. Groß war der Schmerz und das Leid, doch ein Preis den mein gewillt ist zu zahlen.

„Dein Weg ist hier noch nicht zu Ende, mein Freund“, sagte eine zarte Stimme zu dem Elben „Groß waren deine Qualen und dein Schmerz, doch das Leben hast du dir mehr als verdient. Nicht dies ist dein Weg in den fernen Westen, in die Halle unserer Ahnen. Du sollst leben…“

Amrûn spürte den kalten Nachtwind nicht mehr. Er hatte aufgehört zu wehen. Das Fell des Pferdes, welches sich zu seinem Rücken lag, wärmte ihn . Die fremde Hand strich ihm das Haar aus dem Gesicht und wischte die einzelne Träne weg. Für einen kurzen Moment konnte Amrûn seine Augen öffnen.
Er blickte in das freundliche Gesicht einer wunderschönen Elbenfrau. Ihre Haut war edel und blass und ihr blondes Haar wirkte im Schein des noch brennenden Feuers so, als ob es glühen würde.
Er schloss wieder seine Augen. Amrûn war noch viel zu schwach um sie länger betrachten zu können und das Gesicht für immer in sein Gedächtnis einzuprägen.
« Letzte Änderung: 6. Okt 2009, 21:33 von Thorondor the Eagle »
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Thorondor the Eagle

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Re: Lager der Orks am Weg nach Isengard
« Antwort #4 am: 7. Okt 2009, 22:36 »
Celebithiel saß bei Amrûn bis die Morgendämmerung hereinbrach. Sein Kopf war weich in ihren Schoß gebettet. Auch sie war mit ihrem Kopf an dem Pferdehals lehnend leicht eingenickt. Antien hatte mittlerweile einige Äste aus der Umgebung gesammelt und legte sie immer wieder in die Glut, sodass das Feuer niemals zur Ruhe kam.
Die Sonne war kurz vor dem Aufgehen, als Amrûn endlich erwachte. Er fühlte sich noch immer sehr erschöpft und seine Wunden schmerzten wieder unaufhörlich.

Erst jetzt sah er die ganzen Orks, welche regungslos um die Feuerstelle lagen. Im Gras hatten sich schwarze, zähflüssige Lacken gebildet. Das frische Frühlingsgras um das Orkblut zeigte bereits braungrüne Erscheinungen des Verdorrens.

Amrûn erinnerte sich nur sehr bruchstückhaft an die gestrigen Geschehnisse und an die Gefühle, die er während seiner Bewusstlosigkeit hatte.

„Guten Morgen“, begrüßte ihn Antien mit einer etwas mürrischen Miene.
Der geschwächte Elb wusste momentan nicht was er antworten sollte und er hatte auch das Gefühl zu schwach sein um ein Gespräch zu führen.
Antien stand auf und ging zu seinem Pferd. Aus seiner Satteltasche nahm er ein Stück Wegbrot und reichte es Amrûn.
„Mein Freund, hast du dich wieder erholt?“ sagte Celebithiel, die durch die Annäherung Antiens aufgewacht war.
Im Liegen nickte er nur kurz und versuchte sich zu erheben. Antien musste ihm helfen, da er es aus eigener Kraft nicht schaffte.

Langsam führte Amrûn das Brot zu seinem Mund um einen Happen zu essen. Er sah sich Celebithiel genauer an. Ihr Gesicht war durch die aufgehende Sonne mit einem rötlichen Ton unterlegt. Ihr Antlitz kam ihm so bekannt vor, aber er konnte sich nicht mehr genau erinnern.

„Wer seit ihr?“ frage Amrûn, nachdem er die Hälfte des Brotes verschlungen und etwas Wasser getrunken hatte.
„Ich bin Celebithiel und das ist Antien! Wir sind die Weggefährten von Gandalf dem Weißen. Wir folgen den Rauchschwaden die im Süden aufstiegen und kamen nach Firnharg und die Spur der Orks führte uns zu dir. Wer bist du? Und wie kommst du in diese Gegend?“ frage die Elbenmaid.
Amrûn schaute die beiden etwas misstrauisch an und antwortete: „Wo ist Mithrandir, wenn ihr seine Gefährten seit?“
„Ich bin hier“, sagte eine ernsthafte Stimme aus dem Hintergrund. Als er ihn ansah, wurde seine Miene freundlich und er fuhr fort: „Und ihr rate dir ihre Fragen zu beantworten. Celebithiel hat eine gnadenlose Klinge und einen schmerzhaften Schlag auf Lager.“
Überrascht blickte sie zu dem Zauberer, tat diesen Moment aber mit einem kurzen Lächeln ab.
„Ich bin Amrûn Gilweion. Ich habe einen langen Weg hinter mir um dich zu finden Gandalf und schmerzhafter war er als ich gedacht hätte. Von Mithlond bin ich abgereist nach Lothlorien um Celeborn in der Schlacht beizustehen. Doch der Weg über die Berge ist beschwerlicher denn je und so kam ich nur noch rechtzeitig auf das Feld des Sieges. Galadriel schickte mich nach Süden im dich zu suchen, doch unerwarteter Weise traf ich auf Irwyne, ein kleines Mädchen aus Rohan. Ihr Vater war tot und ihre Mutter zu weit weg. Mein Herz sagte mir, dass sie meiner Hilfe bedarf und so brachte ich sie nach Firnharg. Das Leid, das die Menschen dort erkauften war groß und ich bin der Schuldige an dieser Gräueltat.
Wäre ich niemals in das Dorf gekommen, würden sie heute noch leben…“

„Jeder unserer Wege ist uns auferlegt“, unterbrach in Gandalf „Du hast die richtige Entscheidung getroffen, auch wenn du noch nicht erkennen kannst, welchen Sinn der Tod dieser Menschen hatte. Nur eines ist gewiss, die Herren von Isengard und Mordor werden jede Schandtat büßen. Sie werden die Strafe erhalten, die sie verdienen.“

Durch die Worte Gandalfs kehrte wieder Mut in Amrûns Herz.
„Ich habe die letzte Nacht die weiten Ebenen erkundet, doch Orks habe ich keine entdeckt. Es ist ruhig geworden in Rohan. Das bedeutet nichts Gutes für das Volk von Rohan. Eine Wegstunde von hier befindet sich ein kleines Dorf, gleich bei dem kleinen Wald am östlichen Horizont. Dort können wir rasten und unser Verletzter kann wieder zu Kräften kommen, es ist frei von jeglicher Dunkelheit. Amrûn, schaffst du es bis dorthin zu reiten?“

Er nickte Gandalf zuversichtlich zu und erhob sich langsam. Sein rechter Arm schmerzte stark. Die Schnittwunde auf seiner linken Schulter hatte bereits angefangen zu verheilen. Sie war schon fast geschlossen.
Antien musste ihm helfen auf das hohe Pferd aufzusteigen. Gemeinsam ritten die vier nach Holt. Einem kleinen Dorf am Rand eines jungen Waldes. Es war fast zwei Tagesritte nördlich von Edoras an der Grenze der Westfold.


Gandalf, Celebithiel, Antien und Amrûn nach Holt in der Westfold
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 09:28 von Fine »
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