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Autor Thema: Aldburg - In der Stadt  (Gelesen 27379 mal)

Eandril

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #30 am: 27. Apr 2015, 16:17 »
Oronêl schüttelte traurig den Kopf. "Nein, das kann man nicht unbedingt sagen. Ich führte die letzte Verteidigung von Caras Galadhon an, und in Galadriels Abwesenheit hatte sie mir ihr Amt übertragen. Aber Lórien gibt es nicht mehr, und jetzt bin ich niemandes Anführer."

Er blickte Cyneric ins Gesicht - ein eigentlich offenes, ehrliches Gesicht, dass aber trotz des freundlichen und respektvollen Tonfalls des Mannes von einer Düsternis beherrscht wurde, die Oronêl nur zu gut kannte.

"Ich habe in der Schlacht gegen Saruman gute Freunde verloren, und meine Heimat wurde vernichtet. Jede Sekunde in seiner Anwesenheit erinnert mich an das, was seinetwegen zerstört wurde.", sagte er, um seine Weigerung, die Halle zu betreten solange der Zauberer darin war, zu erklären. "Er hat auch diesem Land großes Leid zugefügt. Es kann auch für euch nicht leicht sein, in seiner Nähe tatenlos zu bleiben."

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #31 am: 27. Apr 2015, 17:28 »
"Nein, das ist es wirklich nicht", sagte Cyneric und schüttelte leicht den Kopf. "Der Zauberer hat uns mit seiner Stimme verzaubert, damit wir ihn einließen - sonst wäre er niemals ohne Blutvergießen hineingelangt."

Seine Finger schlossen sich fest um den Speer, auf den er sich stützte. Er meinte es ernst, stellte er fest - hätte Saruman ihn und seine Kameraden nicht in den Bann seiner Stimme gezogen, hätten sie ihm den Eintritt mit Waffengewalt verwehrt. Jeder Mann und jede Frau Rohans wusste um das Leid, welches er der Riddermark zugefügt hatte - dass nach dem Krieg in Osten der Schatten Mordors das Land regiert hatte, ließ die Menschen dennoch nicht vergessen, wer die Westfold in Brand gesetzt und König Théodens Sohn ermordet hatte.

"Der Verlust Eurer Heimat liegt noch nicht lange zurück, und hier ist nun der Verantwortliche, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft heuchelnd. Läge die Riddermark in Trümmern und derjenige, der sie zerstörte wäre in Reichweite, fiele es mir wohl sehr schwer, meine Klinge zu zügeln, obwohl unsere Herren uns Frieden gebieten.
Dies sind wahrlich finstere Zeiten."

Eandril

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #32 am: 1. Mai 2015, 12:29 »
Oronêl konnte nicht anders, als Cyneric zuzustimmen. "Es ist ein Winter für die freien Völker Mittelerdes, auch wenn wir Sommer haben. Und ihm Winter stirbt das Tier, dass für sich alleine kämpft - ob Hirsch oder Wolf, nur im Rudel überlebt man."
Er blickte dem Gardisten geradewegs ins Gesicht. "Mein Verstand sagt mir, dass es klug ist, sich mit Saruman zu verbünden, aber mein Herz macht es mir unmöglich. Sagt mir Cyneric, habt ihr Familie? Jemanden, den ihr beschützen wollt?"

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #33 am: 5. Mai 2015, 08:09 »
Er hielt einen Moment inne, und blickte seinen Gegenüber schweigend an. Der plötzliche Themenwechsel hatte ihn überrascht. Die Absichten seines Gesprächspartners waren ihm unklar - wollte er sich nur die Zeit vertreiben, bis Erchirion aus der Ratshalle zurückkehrte? Und doch meinte Cyneric, einen echten Anflug von Interesse in der Stimme des Elben zu erkennen.

"Meine Aufgabe ist es, die Herrin von Rohan und den Heermeister Faramir zu beschützen," nahm er das Gespräch wieder auf. "Sie sind alles, was mir an Familie geblieben ist," fügte er leise hinzu, etwas erstaunt über die eigenen Worte. Und doch stimmte es - er stand nun schon viele Jahre in Éowyns Diensten, und sie war ihm immer freundlich gegenüber gewesen. Faramir war ebenfalls überaus beliebt in Rohan.

"Meine Frau starb während der Eroberung der Riddermark durch die Streitkräfte Mordors," sagte er. "Meine Tochter ist seitdem verschwunden. Ich fürchte, ich werde sie nicht wiedersehen." Er straffte sich und nahm wieder eine aufrechtere Haltung an. "Doch ich darf nicht an mein eigenes Wohl denken. Meine Sorge gilt Rohan und seinem Volk, welches ich zu verteidigen geschworen habe."

Eandril

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« Antwort #34 am: 16. Mai 2015, 12:56 »
Die Geschichte des Menschen ähnelte seiner eigenen deutlich, dachte Oronêl bei sich. Der Verlust der Frau, der Tod des Königs, das Verschwinden der Tochter... allerdings war Cynerics Reaktion darauf eine deutlich andere gewesen. Anstatt sich wie er in den Bergen zu verkriechen und keinen Anteil mehr an den Geschehnissen in Mittelerde zu nehmen hatte Cyneric sich dafür entschieden, weiter zu kämpfen.
Bevor Oronêl allerdings etwas sagen konnte, schwang die Tür der Ratshalle auf, und hinaus traten zwei Männer, in blau und silber gewandet, die ihre Augen gegen die plötzliche Helligkeit der Sonne, die in diesem Augenblick durch die Wolken gebrochen war, beschirmten. Oronêl erkannte Erchirion sofort, obwohl er den Prinzen in Dol Amroth nur wenig gesehen hatte, und sprang auf die Füße.

"Prinz Erchirion?", begann er. "Ich weiß nicht, ob ihr euch an mich erinnert, aber..."
"... ihr seid Oronêl aus Lothlórien.", beendete der Prinz den Satz für ihn." Er lächelte, auch wenn sein Gesicht noch immer von Sorgen beherrscht wurde. "Natürlich erinnere ich mich an den Stammvater meines Hauses, der plötzlich auftauchte als wir Hilfe am nötigsten brauchten. Ich hatte gehofft, dass ihr die Schlacht überlebt habt."
"Das habe ich, allerdings trage ich die Spuren davon immer noch mit mir. Ich nehme an, ihr seid hier, um Faramir nach Gondor zurück zu holen?"
"Das war es, was mein Vater mir aufgetragen hatte. Für den Moment ist Dol Amroth in Sicherheit, und wir sind gegen Linhir vorgerückt, aber ich weiß nicht, wie das ausgegangen ist. In jedem Fall wird jede Sicherheit nicht lange andauern, und wir brauchen jemanden, der für ganz Gondor spricht und nicht nur für Dol Amroth." Erchirion wirkte enttäuscht, als er sagte: "Faramir wird nicht mit mir kommen. Offenbar hat der Rat Gondor bereits verloren gegeben, und konzentriert seine Kräfte hier im Norden. Hier werde ich keine Hilfe finden."
"Vielleicht ja doch.", erwiderte Oronêl, ergriff Erchirions Arm und warf den Torwächtern einen Blick zu. Zwar glaubte er nicht, dass er diesen Männern misstrauen musste, nicht nach dem Gespräch mit Cyneric, aber je weniger Ohren das hörten, was er Erchirion vorschlagen wollte, desto besser. Und außerdem musste er dem Prinzen noch etwas erzählen, was für sonst niemanden bestimmt war.
"Kommt, ich möchte euch jemandem vorstellen." Er führte Erchirion durch die Tore der Stadt hinaus ins Lager der Elben, bis zu Mithrellas' Zelt, das am Rand des Lagers in der Nähe weitere Zelte, die von den Erben Lenwes bewohnt wurden, stand.

Als sie das Zelt erreichten stand Mithrellas auf. Offenbar hatte auch sie die Farben des Neuankömmlings sofort erkannt, denn ihre Augen strahlten. Oronêl und Erchirion machten vor ihr Halt, und Oronêl sagte: "Prinz Erchirion, ich stelle euch meine Tochter Mithrellas vor, ehemalige Gemahlin von Imrâzor, dem ersten Fürsten von Dol Amroth."
Der Prinz verneigte sich tief und sagte: "Es ist mir eine Ehre euch kennen zu lernen, Herrin."
Mithrellas lachte, ein so glückliches Lachen, wie Oronêl es zuletzt von ihr gehört hatte, als sie Amrothos kennen gelernt hatte. "Bitte, nennt mich nicht so, ich bin nicht eure Herrin. Nennt mich bei meinem Namen: Mithrellas."
Auch Erchirions Augen strahlten, auch wenn Oronêl eine gewisse Ehrfurcht in ihnen zu entdecken glaubte. Verständlich, schließlich befand er sich in Gegenwart seiner Ahnherren aus längst vergangener Zeit, und zumindest Mithrellas war in Dol Amroth schon lange eine Legende - die jetzt vor seinen Augen zum Leben erwacht war. Ebenso hatte sich Amrothos in Lórien verhalten, und der Gedanken an Erchirions Bruder stimmte Oronêl traurig.

"Nun, Erchirion, ich habe euch etwas zu erzählen, und ich bitte euch, niemandem gegenüber außer uns und eurem Vater auch nur ein einziges Wort davon zu verlieren. Die Sache ist von äußerster Wichtigkeit, und auf gar keinen Fall dürfen unsere Feinde davon erfahren." Und nachdem sie sich auf den Boden gesetzt hatten, erzählte er: Wie er in Dol Amroth gegen den Nazgûl gekämpft hatte, und diesem den Ring abgenommen hatte. Wie er Amrothos in Lothlórien nach Amrûns Entscheidung, Mittelerde zu verlassen, von dem Ring erzählt hatte. Und wie Amrothos ihn niedergeschlagen hatte und mit dem Ring verschwunden war.
"Ich denke, das beantwortet auch eure unausgesprochene Frage, warum euer Bruder nicht hier ist.", schloss er. Sein Ton war bitter, denn davon zu erzählen war hart gewesen.
Erchirion schüttelte nachdenklich den Kopf. "Was ihr erzählt habt ist besorgniserregend, und ich sorge mich um meinen Bruder. Wer weiß schon, was dieses... Ding mit ihm anstellen wird? Und was passieren wird, wenn er Sarumans oder Saurons Orks in die Hände fällt? Habt ihr bereits Leute ausgeschickt, um nach ihm zu suchen?."
Oronêl verneinte. "Direkt nach seinem Verschwinden griff Saruman an, und seitdem waren wir zuerst ständig auf der Flucht. Nach der Ankunft in Aldburg begann sofort der Rat, und jetzt konnte ich nicht riskieren jemanden loszuschicken. Nicht, solange Sarumans Augen auf dieser Stadt ruhen."
Er atmete tief durch. "Was mit Amrothos geschehen ist, ist zu einem großen Teil meine eigene Schuld, und ich werde meinen Fehler selbst wiedergutmachen, und Amrothos retten. Ich werde mich selbst so bald wie möglich auf die Suche machen, und mitnehmen, wer immer mich freiwillig begleiten will."
"Das würde ich tun.", sagte Erchirion. "Aber..." "Ihr könnt nicht.", beendete diesmal Mithrellas, die bislang still zwischen ihnen gesessen hatte, seinen Satz. "Ihr müsst nach Dol Amroth zurückkehren, und eurem Vater alles berichten, was hier geschehen ist."

"Und genau das wirst auch du tun, meine Tochter." sagte Oronêl, und Mithrellas wandte ihm erschrocken den Kopf zu. "Ich weiß, du wolltest mich begleiten, und ich wünschte das wäre möglich. Ich schicke dich nicht nach Gondor, weil ich dich schützen will oder weil ich dir nicht zutraue, mir zu helfen."
Er blickte ihr geradewegs in die Augen, die denen Calenwens so ähnlich waren. "Erchirion ist hierher gekommen, um Faramir nach Dol Amroth zu holen und um Hilfe für Gondor zu bitten. Beides hat der Rat ihm nicht gewährt, aber wir sind nicht der Rat."
"Und ich bin nicht Faramir.", unterbrach Mithrellas ihn.
"Nein, das bist du wahrlich nicht.", meinte Oronêl mit einem Lächeln. "Aber ich bitte dich auch nicht, Truchsess von Gondor zu sein. Ich bitte dich, Fürst Imrahil und Dol Amroth mit jedem Rat zur Seite zu stehen, den du ihm geben kannst. Und du wirst nicht allein gehen." Er stand auf und Erchirion und Mithrellas taten es ihm gleich. "Wo ist Ladion? Er muss die Erben Lenwes zusammenrufen."

Wenig später hatten sich einige Elben auf dem freien Platz vor dem Zelt versammelt. Die meisten davon gehörten zu den überlebenden Erben Lenwes, die mit Oronêl in Caras Galadhon gekämpft hatten, aber auch einige andere Elben aus Lórien hatten sich dazugesellt. Manche kannte Oronêl sogar noch aus der Zeit, als Amdír König in Lórinand gewesen war. Er stellte sich in die Mitte des Halbkreises, den die Elben gebildet hatten, und begann zu sprechen.
"Ich weiß, dass die letzte Schlacht erst kurz hinter uns allen liegt, und dass die bei uns allen tiefe Wunden hinterlassen ab - äußerlich und innerlich. Ich kann jeden von euch verstehen, der seine Waffen niederlegen und Mittelerde verlassen will. Aber denjenigen unter euch, die weiterkämpfen wollen habe ich eine Frage zu stellen: Wollt ihr hier kämpfen, unter der Herrschaft Sarumans, des Verräters der unsere Heimat vernichtet hat?" Überall sah er ablehnende Gesichte und Kopfschütteln.
"Nein, das will keiner von uns. Jetzt fragt ihr euch: Wo sollen wir dann kämpfen?". Er wies auf Erchirion, der neben ihm stand. "Dies ist Erchirion, Prinz von Dol Amroth, und Nachfahr meiner Tochter Mithrellas, die ihr alle kennt. Dol Amroth ist die einzige Macht in Gondor, die sich noch gegen Sauron stellt, und sie brauchen Hilfe. Erchirion hat den weiten Weg hierher auf sich genommen, um den Rat um Hilfe für Gondor zu ersuchen. Doch Saruman beherrscht den Rat, und so wird er keine bekommen. Zumindest nicht aus dieser Richtung." Er machte eine Pause.
"Wer von euch kämpfen will, dem sage ich: Geht nach Süden, kämpft für Dol Amroth! Ihr kämpft dort ebenso für das Haus Lenwe wie für Gondor, denn die Fürsten von Dol Amroth stammen über meine Tochter und mich von Lenwe selbst ab, selbst wenn sie Menschen sind. Meine Tochter wird euch anführen, aber wenn ihr kämpfen wollt, dann müsst ihr diesem Mann und seinem Haus die Treue schwören." Er deutete erneut auf Erchirion, der sich allerdings in seiner Haut nicht wohl zu fühlen schien.

Für einen Augenblick herrschte Stille, und Oronêl fürchtete sich, dass niemand vortreten würde. Dann verließ Mithrellas ihren Platz neben ihm, stellte sich vor Erchirion und sagte: "Ich bin Mithrellas von Lórien, und ich werde für euch, euer Haus und Dol Amroth kämpfen, bis unser Feind besiegt ist."
Als sie fertig war und sich hinter den Prinzen gestellt hatte, trat sofort Ladion vor, legte die Faust auf seine Brust, direkt über dem Herzen und tat es Mithrellas gleich: "Ich bin Ladion von Lórien, und ich werde für euch, euer Haus und Dol Amroth kämpfen, bis unser Feind besiegt ist." Der Bann schien gebrochen, und einer nach dem anderen traten viele der versammelten Elben vor, um Erchirion zu folgen. Einige zogen sich allerdings auch zurück - Oronêl nahm es ihnen nicht übel. Er selbst hatte ihnen diese Möglichkeit zur Wahl angeboten, und er hatte damit gerechnet, dass einige die Kämpfe satt hatten und müde waren.
Schließlich hatten sich alle Elben entweder hinter Erchirion versammelt, oder den Ort verlassen. Der Prinz wandte sich Oronêl zu, und seine meergrauen Augen leuchteten.
"Ich weiß nicht... was ich sagen soll.", gestand er freimütig. "Als ich die Ratshalle verließ, war ich verzweifelt. Aber ihr habt mir und Dol Amroth mehr gegeben, als ich je erwartet hätte." Er wandte sich den Elben hinter ihm zu. "Ich danke euch. Ich danke euch allen."
Es war Ladion, der ihm antwortete: "Wir tun nur das, was unsere Pflicht ist. Wir sind nicht viele, und wahrscheinlich weniger, als ihr zu hoffen wagtet, aber wir werden für euch kämpfen."

Oronêl und Erchirion sind jetzt im Lager der Elben...
« Letzte Änderung: 29. Mai 2015, 10:55 von Eandril »

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--Cirdan--

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« Antwort #35 am: 21. Mai 2015, 14:14 »
Pippin und Merry aus der Ratshalle.

Aus der Sicht des Halblings

Pippin atmete tief durch, als er hinaus auf den Platz vor der Ratshalle trat. Er war froh, Saruman endlich entkommen zu sein. Pippin und Merry blieben einen Moment stehen und genossen die frühabendliche Sonne in ihren Gesichtern. Mit sich trugen sie die Geschenke von Eowyn und Faramir. Pippin hatte den Mantel der Wächter von Amon Sûl unter dem Arm und Merry hielt das Horn der Mark in seiner Hand.
Dem wachestehendem Rohirrim, der die Meldung von den Orks in der Ostfold brachte, und seinem Kameraden nickte Pippin kurz zu, bevor er sich mit Merry auf dem Weg zu ihrer Unterkunft machte. Beiden knurrte vor Hunger der Magen und sie hofften im Lebensmittellager unter ihrem Zimmer etwas Essbares zu finden.

Auf dem Weg durch die Stadt zu ihrem Heim in Aldburg, gingen sie unbeabsichtigt an den Stallungen vorbei. Zwei Rohirrim, ein sehr alter Mann und ein Junge, standen vor dem offenen Eingangstor und betrachteten missgelaunt eine nicht weit entfernte Gruppe der Dunedain des Nordens, die als Sarumans Begleiter nach Aldburg gereist waren. Pippin wurde stumpf von Merry angestupst. „Lass uns durch die Stallung gehen“, schlug Merry vor. Eine Abkürzung war es nicht, überlegte Pippin, folge aber trotzdem Merry hinein zu den Pferden der Mark.
Merry deutete auf eine der Buchten. Ein großer, schwarzer Hengst stand dort. Abgesattelt war er nicht und sogar die Satteltaschen waren nicht von dem stolzen Tier abgenommen wurden. Offenbar wollte sich hier jemand die Möglichkeit einer schnellen Flucht offenhalten. „Saruman“, sprach Pippin überlegend, woraufhin sich die beiden Halblinge verstohlen umsahen und dann in die Bucht traten. „Erinnerst du dich an Sarumans Versteck in Isengart“, fragte Merry leise. „Wie könnte ich das vergessen!“, antwortete Pippin in hoher Erwartung. Merry stieg auf einen alten Schemel und löste die Schnalle der ersten Satteltasche. „Was siehst du? Was hast du da?“, quickte Pippin gespannt zu Merry hinauf. „Volltreffer! Südstern. Ich wusste es. Dieser Schuft.“ Merry strahlte über beide Ohren als er ein großes Bündel Pfeifenkraut herausholte. Allerdings machte sie die Tatsache traurig, dass Saruman offenbar so einfach an das Pfeifenkraut aus dem Auenland gelangen konnte.
Vorsichtshalber durchsuchten die beiden Halblinge auch die andere Tasche, fanden jedoch nichts Gebrauchbares.
„Hilfst du mir mal“, forderte Merry mit lachender Stimme. Merry hatte plötzlich eine Schaufel mit Pferdemist in der Hand, mit der er gefährlich hin und her wackelte. Mit vereinten Kräften beförderten sie den Mist in die leere Satteltasche, aus der sie das Pfeifenkraut entwendet hatten. –Als kleines Abschiedsgeschenk für Saruman.
Versucht leise und mit zugehaltenem Mund, damit sie nicht laut loslachten, verließen sie die Stallungen unbemerkt. Pippin und Merry hatten es nun umso eiliger in ihre Unterkunft zu kommen, denn dort lagen ihre Holzpfeifen. Sie hatten sich abgewöhnt die Pfeifen ständig bei sich zu tragen, denn ohne Pfeifenkraut waren sie nutzlos.
Sie aßen und tranken und lachten in ihrem Zimmer und bald hatten sie die düstere Ratsversammlung mit all den schicklichen Nachrichten vergessen. Wie herrlich gut ihnen das Pfeifenkraut bekommen ist, soll in dieser Geschichte nicht weiter Erwähnung finden. Gesagt sei nur noch, dass die Rauchblasen, die sie aus dem Fenster pusteten, auf den Straßen von Aldburg einiges an Aufsehen erregten.

All zu lange ward den Beiden die wohlverdiente Pause jedoch nicht gegönnt. Ein Horn ertönte und rief, genau wie das Horn am Vormittag, zur Ratshalle. Nachdem Pippin und Merry das Pfeifenkraut äußerst gut versteckt hatten, eilten die Beiden in Richtung Ratshalle. Dieses Mal nahmen sie jedoch einen anderen Weg, um nicht zu nahe an den Stallungen gesehen zu werden.

Laute Geräusche aus einem der Häuser an der Straße hielten sie auf ihrem Weg auf. Tiefe Stimmen hörten sie. Erst überlegte Pippin, ob es Orks seien, die mit Saruman gekommen waren und sich in den Häusern Aldburgs versteckt hatten. Doch nachdem Merry schon einen Blick durch das Fenster riskiert hatte, trat auch Pippin heran und sah im leichten Fackelschein viele bärtige Gesichter. Thorin Steinhelm und seine Zwerge hatten sich hier versammelt und hielten Rat. Beruhigt setzen Pippin und Merry ihren Weg fort.

Auf dem Platz vor der Ratshalle hatten sich bereits viele Menschen aus Rohan und einige Elben eingefunden und gucken gespannt auf die noch verschlossene Tür der Ratshalle.


« Letzte Änderung: 21. Mai 2015, 17:51 von --Cirdan-- »

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Der Rat gibt seine Entscheidungen bekannt
« Antwort #36 am: 22. Mai 2015, 14:06 »
Innerhalb der vergangenen Stunde waren immer mehr Leute vor der Halle eingetroffen, da das Gerücht umging, dass der Rat bald enden und das Ergebnis der Besprechungen verkündet werden würde. Die Königliche Garde war inzwischen durch sechs Wächter vertreten, die vor dem Eingang aufgereiht waren. Cyneric stand weiterhin direkt links von der Tür. Er ließ seinen Blick über die Menge schweifen. Die meisten Anwesenden waren Menschen aus Rohan, doch auch einige Elben und der eine oder andere Zwerg waren zu sehen. Etwa abseits stand eine Gruppe der Dúnedain, die Saruman nach Aldburg gefolgt waren.

Die schweren Türen öffneten sich ohne Vorwarnung und schwangen nach außen hin auf. Ein Herold der Rohirrim trat hinaus und die Menge verstummte in aufgeregter Erwartung, als er dreimal kräftig in sein Horn stieß.

Im Durchgang der Eingangstür erschienen nun Königin Éowyn und Heermeister Faramir, die Hand in Hand die Halle verließen. Auf der obersten Stufe blieben sie stehen, und Faramir wandte sich an die versammelten Zuhörer.

"Werte Freunde und Verbündete, Menschen, Elben und Zwerge, ihr die ihr dem Feind im Osten Widerstand leistet, hört nun, was der Rat der Freien Völker beschlossen hat. Lange haben wir uns im Geheimen beratschlagt, und vieles wurde besprochen. Gesandte aus den verschiedensten Winkeln Mittelerdes haben wir empfangen und Berichte über Ereignisse in vielen Ländern wurden angehört. Unser Vorgehen im Kampf gegen den Schatten soll nun dargelegt werden."

Faramir verstummte, und nun sprach Éowyn die anwesenden Eorlingas an, in dem sie die Sprache Rohans benutzte: "Mein Volk, wisst, dass ich die Entscheidungen des Rates nur schweren Herzens gebilligt habe, aus der Hoffnung heraus, dass dies zum Besten unseres Landes dienen und uns bessere Zeiten bescheren wird. Ich bitte euch, mir und dem Rat zu vertrauen. Die Wahl war keine einfache, doch ich hoffe, sie war die Richtige."

Nun trat der Elbenherr Elrond von Bruchtal nach vorn, und ihm folgte der gesamte Rest des Rates. Cyneric sah viele erschrockene und auch zornige Gesichter, als die Menge Saruman unter den Ratsmitgliedern entdeckte. Elrond hob eine Hand, und es wurde wieder ruhiger vor der großen Halle. Dann sprach er: "So hört nun, was der Rat entschieden hat. Der Schatten im Osten wird wachsen, wenn wir uns ihm nicht erneut entgegenstellen. All jene, die weiterhin Widerstand leisten möchten, sollen nun ihre Waffen bereithalten und mit uns in den Kampf gegen den Feind ziehen. Schon bald wird die Heerschau der Freien Völker beginnen, und wir werden dem Schatten einen schweren Schlag versetzen. Saruman der Zauberer hat uns seine Unterstützung angeboten, doch nicht leichtfertig nehmen wir sie an. Unser Vertrauen muss er sich verdienen, und Taten auf seine Worte folgen lassen."

Bei der Erwähnung Sarumans wurde die Menge spürbar unruhig, es wurde getuschelt und gemurrt. Cyneric spannte sich innerlich an - er wusste, dass in einer solchen Situation die Stimmung sehr schnell umschlagen konnte.

Elrond schien es ebenfalls zu bemerken. Beschwichtigend breitete er die Arme aus und sagte, "Wir, die Ratsführer des Widerstands gegen den Feind im Osten, bitten euch darum, dass ihr unserer Weisheit vertraut und unserem Rat folgt. Auch wir waren Saruman gegenüber skeptisch und können seine Taten in Rohan und Lothlórien nicht leichtfertig abtun. Doch nun, da der Schatten erneut droht, Mittelerde zu bedecken, müssen wir tun, was getan werden muss, um den Sieg zu erringen. Geht nun zu den Euren, und verbreitet die Nachricht, dass wir den Kampf schon bald zu unseren Feinden tragen werden."

Doch die Leute schienen nicht zufrieden zu sein. Zwar folgten einige Elronds Anweisung und gingen in die Stadt hinab, doch Cyneric sah viele andere, die unzufrieden drein blickten. Auf einen Wink Erkenbrands hin, der neben Faramir stand, formierten sich die Gardisten in einem gut eingeübten Manöver in einer Reihe aus goldenen Schilden vor den Ratsmitgliedern.

"Verräter!" erklang es von irgendwo aus der Menge, und mit einem Mal war der Platz vor der großen Halle erfüllt mit Beschimpfungen für Saruman. Zwar blieb die Menge wo sie war, doch einige Wurfgeschosse, die auf den Zauberer gezielt waren, flogen über den Schildwall hinweg. Die Wächter richtete ihre Speere nach vorne, um die Leute auf Abstand zu halten. Cyneric erhaschte einen Blick auf die Dúnedain, die mit finsteren Blicken nach den Werfern zu suchen schienen. Er wusste, dass nun ein kleiner Funke genügen würde, um ein wütendes Feuer auszulösen. Angespannt packte er Speer und Schild fester, und war froh, dass er einen Helm trug. Hinter ihm schlug Saruman einen faulen Apfel mit seinem Stab beiseite.

Glücklicherweise ließ die Wut der Menge so schnell nach wie sie gekommen war, und die Leute zerstreuten sich. Cyneric war froh, dass die Garde nicht zu einem Kampf gezwungen worden war. Die Ratsmitglieder unterhielten sich noch eine Weile, dann zog sich einer nach dem anderen zu seiner Unterkunft zurück, bis nur noch Éowyn, Faramir und Erkenbrand sowie die beiden Halblinge, die Cyneric bereits im Inneren der Ratskammer gesehen hatte, auf dem Platz standen.

Sturmkronne

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« Antwort #37 am: 27. Mai 2015, 15:25 »
Borin aus der Ratshalle
Der Wind wehte durch das kleine Wäldchen vor den Toren, und Borin hörte das beruhigende Blätterrauschen, welches zwar in Lorien weitaus stärker war, jedoch hier ebenfalls seinen Zorn zügelte.
Nie hatte Borin eine solche Situation erlebt, wie als der Verräter direkt in Axtreichweite bei ihm war und dennoch für Borin unerreichbar war. Immer hatte Borin gewusst in welchen Feind seine Axt als nächstes gehörte, doch nun war er sich nicht mehr sicher. Er war zuerst erstarrt gewesen, hatte sich aber kurz darauf wieder gefangen und in der Menge versteckt, damit Saruman ihn nicht erkennen oder ansprechen konnte. Er war sowieso verwundert dass Frau Galadriel Saruman nicht den Kopf vor die Füße gelegt hatte, aber da sie es nicht tat schien es wohl wichtige Gründe hierfür zu geben. Zumindest hatte Borin ab diesem Zeitpunkt aufgehört zuzuhören und war in eine Mischung aus trauriger Lethargie und extremen Hasses verfallen, die ihm das Fassen logischer Gedanken und sogar die bloße Benutzung seiner Sinnesorgane unmöglich machten. Erst das Verlassen aller anderen Leute konnte ihn aus dieser Stimmung reißen, so dass er ebenfalls aus der Halle fliehen konnte. Das nächst, an dass er sich erinnern konnte, war dass er schließlich auf den Palisaden wieder fand. Er sah nach Norden, wo er vielleicht hätte den Wald erkennen könnte… Würde dieser noch existieren. Voller Zorn senkte Borin den Kopf und dachte über Saruman nach.
„Niemals werde ich irgendetwas tun was dir zum Vorteil gereichen könnte Saruman, und eines Tages wirst du noch meine Axt schmecken, das verspreche ich dir bei den Valar die uns beide schufen. Doch bis dahin muss ich meinem Volk helfen, zu dem ich so ewig keinen Kontakt hatte. Ich muss zu König Thorin!“
Also warf Borin noch einen letzten Blick in die Steppe Rohans und drehte sich dann wieder zu dem Misthaufen um, zu dem diese Stadt innerhalb von wenigen Wochen geworden war. Er sah das westliche Lager der Elben, die Häuser der Rohirrim, die vielen Flüchtlingszelte und in der Mitte die große Halle. Er machte sich so schnell er konnte auf den Weg zu selbiger, da er hoffte seinen König dort zu treffen, doch wurde ihm als er ankam von einem Gardisten gesagt, dass die Zwerge alle bereits die Ratshalle verlassen hatten um Rat in dem Gasthaus „Eorls Gunst“ zu halten, welches der König zu seiner persönlichen Unterkunft gemacht hatte. Deswegen machte sich Borin so schnell er konnte auf und hörte schon von weitem die tiefe Stimme seines Königs, der gerade alle Zwerge begrüßte, und zwar so laut dass wohl jeder in der Stadt, der des Zwergischen mächtig war, die Namen verstehen musste. Als gerade eine kleine Redepause war, riss Borin die Tür auf, sah den verdutzten Zwergen in die Augen und rief:
“Mein Name ist Borin, Sohn des Verräters Andrin, Blut Durins, und ich möchte ebenfalls an diesem Rat teilnehmen!“
"And who, are you", the proud Lord said?
Borin ist in Aldburg
Elune ist in Linhir

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Auf dem Platz vor der großen Halle
« Antwort #38 am: 28. Mai 2015, 10:02 »
"Cume andlang, Cyneric," forderte ihn Erkenbrand auf rohirrisch zum Mitkommen auf. Er und Faramir standen nebeneinander auf den obersten Stufen der Treppe, die in die Stadt hinab führte, während Éowyn sich vor dem Tor mit einigen Rohirrim unterhielt. Da die Ratssitzung nun beendet war, genügte ein Wächter vor der Ratshalle, um die Sicherheit dort zu gewährleisten. Also setze sich Cyneric in Bewegung und folgte Erkenbrand durch Aldburgs Straßen.

Überall standen die Stadtbewohner in Gruppen herum und tauschten ihre Meinungen über die Entscheidungen des Rates aus. Zum Aufruf zum Kampf gegen den Feind im Osten gab es die unterschiedlichsten Ansichten, doch in einer Sache schienen sich die meisten einig zu sein: Saruman dem Verräter war nicht zu trauen. Cyneric konnte es ihnen nicht übel nehmen; er selbst wusste nicht, was er von dem Zauberer halten sollte. Die Macht seiner Sprache hatte er bereits erlebt, und hatte sich daher vorgenommen, vorsichtig zu sein.

Kurz darauf erreichten sie das östliche Tor der Stadt, an dem ein reges Gedränge herrschte, da hier der Weg zum Lager der Elben außerhalb von Aldburg hindurchführte. Anscheinend war dies auch das Ziel des Fußmarsches Erkenbrands und Faramirs.


Faramir, Erkenbrand und Cyneric zum Lager der Elben
« Letzte Änderung: 28. Mai 2015, 13:38 von Fine »

Fine

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Zurück auf dem Posten
« Antwort #39 am: 29. Mai 2015, 11:17 »
Faramir, Erkenbrand und Cyneric aus dem Lager der Elben

Am Tor von Aldburg trennten sie sich. Erkenbrand eilte zu den Stallungen, um wie geplant Reiter auszusenden die die Menschen Rohans zur Heerschau rufen sollten. Faramir begab sich zu seiner Unterkunft, wo Éowyn treffen wollte. Cyneric machte sich auf den Rückweg zur Großen Halle, um seinen Posten dort wieder einzunehmen.

Dort angekommen sah er, dass inzwischen Stille  auf dem Platz eingekehrt war; nur noch wenige Leute befanden sich dort. Er stellte den Speer nahebei an die Wand und lehnte sich entspannt an die Säule, vor der er auch während der Ratssitzung bereits gestanden hatte.

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Re: Aldburg - In der Stadt
« Antwort #40 am: 29. Mai 2015, 19:24 »
Gortans Start:

Gortan stürmte durch die Straßen Aldburgs. In Gedanken fluchte er. Wäre der verdammte Kerl doch nur früher zu mir gekommen, dann müsste ich mich jetzt weitaus weniger beeilen. Vor einigen Minuten war ein junger Bursche in sein Zimmer getreten und hatte ihm von einer Zwergenversammlung im Gasthaus „Eorls Gunst“ berichtet. Dem Menschen hatte Gortan, wie einigen anderen auch, kurz nach seiner Ankunft in der Stadt einige Münzen zugesteckt und ihn angewiesen, die Augen offen zu halten und dem Zwerg von allen Dingen, die möglicherweise von Belang sein könnten, zu berichten.

 Gerade war der Zwerg zu dem Entschluss gekommen, dass dieser schmutzige Arbeiter sein Gold nicht wert war und bald durch einen Anderen, hoffentlich zuverlässigeren Menschen ersetzt werden würde. Zumindest,so dachte der er, hat er mir den Weg zum Gasthaus beschrieben. Gortan drängte sich durch ein Gewühl aus Menschen, wobei er bereitwillig seine Ellenbogen zur Hilfe nahm, um vorwärts zu kommen. Während er eine weitere Straße hinunterhastete, dachte er über die Dinge nach, die seine anderen „Vögelchen“ ihm berichtet hatten. Der gefallene Zauberer Saruman war im großen Rat aufgetaucht und hatte den dort Versammelten ein Bündnis angeboten. Es überraschte Gortan nicht, dass viele der Anwesenden eine Kooperation mit Saruman offenbar als völlig ausgeschlossen ansahen. Laut einem seiner Informanten verließen einige Elben kurz nachdem Saruman die Halle betreten hatte die Versammlung. Sicher dachte Gortan, sie haben ihre Ehre und ihren Stolz, aber keines von beidem füllt einem die Taschen. Ihm war es völlig gleich, dass der Zauberer scheinbar den Wald, in dem die Elben gehaust hatten, niedergebrannt hatte. Um das Elbengehölz ist's sicher nicht schade. Gortan hegte dem Zauberer gegenüber nicht mehr feindselige Gedanken als gegenüber jedem Anderen auch. Tatsächlich erfüllte ihn eine absonderliche Bewunderung, als er hörte, dass Saruman Khazad-Dûm unter seine Kontrolle gebracht haben sollte. Wenn man jemandem dient, der so mächtig ist, dann...

 Der Zwerg wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als er beinahe mit einem Bauern zusammenstieß. „Pass auf wo du hinläufst, du großer Trottel“, reif er dem ebenfalls schimpfenden Menschen hinterher, bevor er weiterlief. Nach einigen Minuten sah Gortan das Gasthaus, welches sein Informant ihm beschrieben hatte vor sich. Er blieb vor der Tür stehen und ordnete seinen Bart, der beim Laufen ein wenig durcheinander geraten war. Als er mit dem Aussehen seiner Gesichtshaartracht zufrieden war, klopfte er an die Tür, durch die er die rauen Stimmen der anderen Zwerge vernehmen konnte. Im Eintreten sagte er mit Lauter Stimme: „Ich, Gortan, Sohn des Gurtin vom Erebor bin gekommen, um diesem Rat beizuwohnen!“
« Letzte Änderung: 20. Feb 2016, 22:53 von Fine »

Eandril

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #41 am: 6. Jun 2015, 10:38 »
Oronêl aus dem Lager der Elben...

Obwohl der Rat inzwischen endgültig beendet sein musste hoffte Oronêl, dass er Cyneric noch immer auf seinem üblichen Posten finden würde.
Seine Hoffnung erfüllte sich: Der Gardist stand noch immer auf dem selben Fleck, allerdings deutlich entspannter als zuvor und mit dem Rücken an eine Säule gelehnt. Offensichtlich war der große Rat tatsächlich beendet, auch wenn sich inzwischen einzelne Gruppen zu Beratungen sammelten. Auf dem Weg zur Ratshalle war Oronêl an einem Gasthaus vorbeigekommen, in dessen Nähe sich jede Menge Zwerge herumtrieben, und aus dessem inneren laute Zwergenstimmen zu hören gewesen waren.

Er setzte sich auf die kleine Mauer, auf der er schon bei ihrem ersten Gespräch gesessen hatte und sprach Cyneric an: "Wir haben vorhin unsere Unterhaltung nicht beenden können... Zuletzt sagtet ihr mir, dass ihr im Krieg eure Tochter verloren hättet. Ich weiß nicht, vielleicht ist diese Wunde noch zu frisch um... aber..." Er sah Verwirrung in den Augen des Menschen und bemerkte selbst, dass er nicht zur Sache kam.
"Nun, die Sache ist die. Ich kenne ein Mädchen, vielleicht zwölf oder vierzehn Jahre alt - bei Menschen ist das so schwer zu erkennen. Ich hatte sie seit Lothlórien in meiner Obhut, aber ich und meine Tochter müssen beide bald aufbrechen und können sie nicht mitnehmen wohin wir gehen. Daher... ihr seit der einzige Mensch hier, den ich kenne also wollte ich euch fragen, ob ihr sie vielleicht aufnehmen könnten... zumindest, bis ihr selbst in den Krieg ziehen müsst?"
« Letzte Änderung: 8. Jun 2015, 11:11 von Eandril »

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Oronêls Bitte
« Antwort #42 am: 6. Jun 2015, 11:53 »
"Meine.... Tochter, sie verschwand bereits vor Jahren," sagte Cyneric langsam und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie unvorbereitet ihn die Erinnerungen trafen. Bilder aus vergangenen Tagen zogen vor seinem inneren Auge vorbei, doch er schob die Gedanken daran mit einem Blinzeln fort.

"Wäre sie noch irgendwo dort draußen hätte ich sie bereits gefunden. Es ist nicht hilfreich, Verlorenem nachzutrauern," sagte er leise und sammelte sich. "Was geschehen ist, ist geschehen. Ihr Elben lebt lange genug um die Erinnerungen zu bewahren, doch die Leben der Menschen sind kurz; nicht mehr als ein Windstoß der durch eine tiefe Schlucht fegt."

Der Abdruck einer kleinen Hand auf seinem Schild....

Er hielt inne und versuchte, die Stimme seines Herzens zu beruhigen, die seine Tochter noch nicht vergessen wollte oder konnte.
"Ihr bittet nicht wenig, Meister Oronêl von Dwímordene. Es herrscht Krieg und ich habe meine Pflichten gegenüber meiner Königin und dem Heermeister Faramir."

Cyneric wendete den Blick von Oronêl ab und ließ ihn über die Stadt schweifen.
"Der Krieg macht Waisen aus uns allen," sagte er leise. "Es ist schlimm genug, dass das arme Mädchen ohne Eltern aufwachsen muss. Ich verstehe, dass Ihr wichtigere Dinge zu tun habt als euch zum sie zu kümmern. Von daher kann ich mich nicht guten Gewissens der Aufgabe, die Euch und Eure Tochter erwartet in den Weg stellen. Ich will sehen, was ich für das Mädchen tun kann... mein Sold wird für uns beide genügen, denke ich."

Eandril

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #43 am: 7. Jun 2015, 11:26 »
Oronêl stand auf und neigte den Kopf vor Cyneric. "Ich hätte euch verstehen können, wenn ihr abgelehnt hättet. Ihr habt recht, was ich erbitte ist nicht wenig. Aber wenn eure Königin und euer Heermeister euch rufen, dann müsst ihr folgen. Nehmt Irwyne bei euch auf solange ihr könnt, und wenn ihr in den Krieg ziehen müsst... Nun, ihr kennt sicherlich mehr Leute hier, die sie währenddessen aufnehmen können als ich."
Er machte eine Pause, denn er hatte den Schmerz in Cynerics Augen bei der Erwähnung seiner Tochter gesehen. Das machte es schwierig zu sagen, was er sagen musste.

"Ich weiß, diese Bitte ist vielleicht nicht angemessen, vielleicht auch unerfüllbar, aber... dieses Mädchen hat so viel verloren... Zunächst ihre Eltern und alle, die sie kannte. Dann in Lothlórien ihren besten Freund, und jetzt verlässt sie mit mir auch ihr letzter verbliebener Freund. Darum bitte ich euch... seid ihr ein Freund, sofern es euch möglich ist, und sie wird euch dafür lieben. Vielleicht..." ... hilft das euch beiden, wollte er sagen, aber die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er hatte nicht erlebt, was Cyneric durchgemacht hatte, und so konnte er es nicht mit Sicherheit wissen. Aber er glaubte nicht, dass es so einfach sein würde.
Er räusperte sich kurz. "Irwyne ist im Lager der Elben, bei meiner Tochter Mithrellas. Ihr Zelt befindet sich am südlichen Rand des Lagers. Wenn ihr die Zeit dazu habt könnt ihr vielleicht zu ihr gehen und sie kennen lernen."
Oronêl nickte dem Gardisten zu und wandte sich dann in die Richtung ab, aus der er gekommen war.


Oronêl zurück ins Lager der Elben
« Letzte Änderung: 21. Feb 2016, 23:20 von Fine »

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Schichtende
« Antwort #44 am: 7. Jun 2015, 21:50 »
Nachdenklich blickt er dem Elben hinterher, als dieser die Treppe zur Stadt hinabstieg. Eine seltsame Anfrage, aber durchaus verständlich, dachte er. Schon bald flogen seine Gedanken zurück zu fröhlicheren Tagen, zu der Zeit bevor der Krieg nach Rohan gekommen war. Zu lange habe ich mich geweigert mich zu erinnern. Während der Befreiung der Riddermark hatten seine Gedanken dem Kampf gegen die Besatzer gegolten, hatten ihn den Schmerz des Verlustes seiner Familie im Blut seiner Feinde ertränken lassen. Das alles zählt nun nicht mehr, entschied er. Hier ist ein Mädchen ohne Familie. Ich will tun, was ich kann.

Doch wieviel das sein würde, wusste er nicht.

Die Zeit verging, und mit dem späten Nachmittag kam das Ende seiner Schicht. Speer und Schild legte er in der Waffenkammer an ihren Platz, und faltete den Umhang ordentlich daneben zusammen, legte dann den Helm darauf. Rüstung und Schwert behielt er. Schließlich machte er sich durch die belebten Straßen Aldburgs auf den Weg zum Lager der Elben. Irgend etwas liegt in der Luft, dachte er. Die Zwerge versammelten sich, erfuhr er von einigen Leuten. Cyneric tat es mit einem Schulterzucken ab. Von Zwergen hatte er noch nicht viele zu Gesicht bekommen. Es hieß, ein Zwerg hätte in der Schlacht um Helms Klamm gefochten und viele Orks einen Kopf kürzer gemacht. Es wäre wohl gut sie im kommenden Feldzug dabeizuhaben, schätze ich, dachte er.

Cyneric ins Lager der Elben
« Letzte Änderung: 8. Jun 2015, 13:40 von Fine »