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Autor Thema: Aldburg - In der Stadt  (Gelesen 57017 mal)

Curanthor

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #45 am: 9. Jun 2015, 00:06 »
Mathan, Faelivrin und Halarîn aus der Ratshalle

Als Mathan zu seiner Familie trat, sahen sie ihn erwartungsvoll an. Sein Schmunzeln wurde zu einem erleichterten Lächeln, Halarîn bemerkte aber, dass es nicht seine Augen erreichte. Er sagte aber nichts, sondern zog Halarin und Faelivrin in eine zärtliche Umarmung. Erst nach ein paar Momenten des Schweigens ließ er sie wieder los, wobei sein Blick zu seiner Tochter ging. Halarîn hakte sich bei ihm unter und legte ihren Kopf auf seine Schulter.

"Dich habe ich am allerwenigsten hier erwartet, aber ich freue mich, dass du hier bist.", sagte er schließlich an seine Tochter gewandt, deren Augen glitzerten. Sie strich ihre langen Haare zurück und nickte langsam.
"Es freut mich auch euch zu sehen, auch wenn es nicht die glücklichsten Umstände sind.", antwortete sie mit einem besorgten Tonfall. Die beiden Elternteile sahen sich an und nickten, dass Faelivrin fortfuhr. Und so erzählte sie von der drohenden Hungersnot, wenn nicht Hilfe kommt oder sie Erfolg haben, berichtete von der schweren Überfahrt und schwärmte von ihrer Familie in der neuen Heimat und was sie alles erreicht hatten. Mathan und Halarîn nickten ab und zu, fragten nach der Familie oder den Wohlergehen der anderen Elben. Faelivrin  wirkte dabei mehr als erleichtert und immer, wenn sie von ihrer Familie sprach, hatte sie ein Lächeln auf den Lippen. Mathan fühlte sich irgendwie schuldig, dass sie den weiten Weg hierhergekommen war nur um doch weiter zu ziehen.  Dabei fiel ihm ein, wo sie denn nun hinreisen wollte und fragte danach nachdem, sie geendet hatte. Kurz überlegte sie und blickte nachdenklich zum Gebirge. Sie zuckte kurz mit den Schultern und deutete schließlich in Richtung Westen, ihre Wachen folgten der Geste mit dem Köpfen, wussten aber nicht worum es geht. Für Mathan wirkten sie mehr wie starre Wächter, die im Hintergrund auf einen Hinterhalt lauern. Seine Blicken wichen sie meistens auf, selbst der größte Elb unter ihnen wirkte seltsam betreten. Wahrscheinlich machten sie sich alle Sorgen um ihre Familien.

„Ihr könntet nach Lindon gehen und dort bei Cirdan den Schiffsbauer um Hilfe bitten, vielleicht hat er auch ein sogar ein Boot für euch.“, schlug Mathan seiner Tochter vor, die einen Moment lang darüber nachdachte. Langsam nickte sie.
„Das könnte eine gute Idee sein, jedoch ist der Weg dahin nicht sicher und so oft wie du war ich in diesen Teil Mittelerdes nicht.“, antwortete Faelivrin, noch immer mit einem nachdenklich Gesichtsausdruck. Halarîn und Mathan blickten sich verwundert an, sagten jedoch nichts. Nach einer Weile nickte ihre Tochter langsam.
„Wenn man alle Möglichkeiten durchgeht, ist dies die Beste.“, beschloss Fealivrin entschlossen und winkte ihre Wachen herbei. „ Geht und besorgt Proviant, ein Packtier und wenn es geht Landkarten.“ Dann wandte sie sich wieder zu ihren Eltern um und lächelte gequält: „Ich bin so froh euch zu sehen.“, sagte sie erneut. „Aber meine Familie braucht mich dort, meine Kinder und meine Enkel.“, fuhr sie fort und wischte sich die feuchten Augen trocken. „ Ich muss die Zukunft meines Volkes retten und ihr das Eure.“

Mit der Zeit war es nun mehr oder weniger ruhig auf dem Platz, vereinzelte Schaulustige blieben kurz stehen und sahen sich diese fremdartige Elbe an und gingen schließlich weiter. Vereinzelt hatte Mathan den Eindruck Oronêl herumlaufen zu sehen, war sich aber nie sicher, da die typische Narbe nicht zu erkennen war. Nun begann seine Tochter darüber zu erzählen, wie sie ein neues Verfahren gefunden haben um Eisenerz zu gewinnen, allerdings fand Mathan nicht den Faden in der Erläuterung und lächelte stattdessen. Erneut fragte er sich, warum Glorfindel sich so sehr für seine Sache interessierte, wobei Elrond eher dagegen ist. Ihm war klar, dass Elrond stets das Gute in den Dingen sieht, trotzdem zweifelte Mathan dieses mal. Nicht an Elrond, sondern an Saruman und das nicht ohne guten Grund, niemand traute ihm, außer den Waldläufern, die vereinzelte an Ecken herumlungerten. Wobei bei ihnen war der Elb sich auch gar nicht so sicher. Eine Sachte Berührung riss ihn aus den Gedanken, als eine gerüstete Galadhrim-Wache den Platz betrat und sich sorgfältig umschaute. Die verbliebenen Elben blickten den Mann an, doch er verzog keine Miene und trat zu der kleinen Familie, deutete eine Verbeugung an und fragte: „Mathan Nénharma? Die Herrin Galadriel erwünscht eure Anwesenheit in einer dringenden Angelegenheit.“, er sah erst zu Halarîn, dann zu Faelivrin, bis er weitersprach: „Wenn ihr mir bitte folgen würdet.“ Seine Haltung war aufrecht und stolz, als er eine einladende Geste machte und dann flinken Schrittes sich in Bewegung setzte.

Mathan nickte den beiden Frauen zu und folgte den Mann durch das Gewühl der Gassen in Aldburg. In einem Teil der Stadt waren erstaunlich viele Zerge, scheinbar hatten sie ihren eigenen Rat. Faelivrin dagegen wirkte viel mehr interessiert wie die Menschen bauten und folgte den drei Elben mit großen Schritten und interessierten Blick. Ihr Kleid blieb erstaunlich sauber, was Mathan ein Schmunzeln entlockte. Sie war in der Vergangenheit schon immer sehr sauber gewesen. Ihre Ausstrahlung hatte aber in diesem Moment alles von einer großen Königin. Mit Stolz in der Brust betrat er schließlich das Lager der Elben

Mathan, Faelivrin und Halarîn mit dem Galadhrim-Wächter in das Lager der Elben


Verlinkung ergänzt
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Der Beginn des Rates
« Antwort #46 am: 11. Jun 2015, 00:00 »
Thorin ließ es sich nicht nehmen, aufzustehen und Borin in die Arme zu schließen. Dann sprach er mit lauter Stimme: „Borin hier hat mir in Lorien bewiesen, dass er ein wahrer Zwerg ist, und er hat mir das Leben gerettet, und das wohl mehrfach.“ Thorin lachte schallend und bot Borin einen Platz nahe am Feuer und nahe an Thorin, neben einem Einäugigen Zwerg, der, wie Borin fand, ein wenig wichtigtuerisch aussah, an. Borin entging nicht die Missgunst, die einige Zwerge ihm gegenüber zum Ausdruck brachten, doch er ignorierte dies und nahm einfach Platz.
Thorin stellte indessen weitere Mitglieder des Rates vor. Viele sprachen für ihren Clan oder ihre Familie, unter ihnen auch der Zwerg Balendil, der anscheinend gemeinsam mit einem anderen Zwerg für eine Expedition sprach. Plötzlich fühlte sich Borin unwohl, da hier die gesamte Elite des Zwergenvolks anwesend war, und er nur der Sohn eines Verräters war, doch anscheinend hatte nur die Minderheit solche Gedanken, und die meisten Zwerge lächelten ihn an. Als alle fertig vorgestellt waren, bestellte Thorin erstmall zur Freude aller beim Wirt für jeden der rund 50 im Gasthaus anwesenden Zwerge einen Humpen Bier. Gerade als sie alle anstoßen wollten, schwang die Türe auf und ein weiterer Zwerg rief in die Versammlung:
„Ich, Gortan, Sohn des Gurtin vom Erebor bin gekommen, um diesem Rat beizuwohnen!“ Thorin nickte und wies ihm einen Platz gegenüber von sich zu. Der Zwerg, der für Borin ein wenig zu schmierig aussah, fühlte sich davon offensichtlich ein wenig herabgesetzt, nickte jedoch und nahm Platz. Er bestellte sich ebenfalls ein Bier, so dass nun alle Zwerge anstoßen konnten auf „das Wohl Durins Volkes und aller freien Völker“, wie es Thorin auszudrücken pflegte. Als alle ihren Humpen zur Hälfte geleert hatten, wie es nun mal unter Zwergen üblich war, stand Thorin auf und rief in die Versammlung:
„Meine lieben Brüder und Mitzwerge, ich habe diese Versammlung aus mehreren Gründen einberufen. Zum einen möchte ich mein Volk nicht im Unklaren lassen, was in dem großen Rat besprochen wurde, was der Verräter hier will, und zum anderen bin ich zwar euer aller König, doch ich möchte nicht einfach über den Kopf meiner Untertanen hinweg entscheiden. So hat es mich mein Vater nicht gelehrt, so werde ich es meine Kinder nicht lehren. Also, liebe Freunde, beginnen wir diesen Rat nun also!“
Alle Zwerge applaudierten und tranken weiter aus ihren Humpen, während Thorin lächelte und ebenfalls etwas trank. Borin, der spürte, dass dies hier noch ein langer Abend werden würde, hielt sich etwas zurück und hatte erst zwei Drittel seines Humpens getrunken, als die ersten bereits bei ihrem zweiten waren. In dessen begann Thorin seine Erzählung vom großen Rat, der Borin kaum zuhörte, da er ja selbst anwesend gewesen war.
Stattdessen beobachtete er die anderen Zwerge. Direkt zu Thorins Rechten saß ein alter Zwerg, der schon viel miterlebt hatte und den alle anwesenden mit Respekt ansahen. Zu seiner Linken war lediglich ein Tisch, auf dem mehrere Karten und Briefe lagen. Neben dem recht alten Zwerg saß ein braunhaariger, junger Zwerg mit einer äußerst edlen Rüstung, die ihn eindeutig als Clanführer auswiesen. Daneben saß Balendin Einauge, der anscheinend ebenfalls ein Mitglied der Königsfamilie war, dann kam auch schon Borin. Nun folgten weitere Clananführer, dann der alte Zwerg der zusammen mit Balendil die Expedition angeführt hatte, dann kam Gortan, dann mehrere einfache Zwerge und ganz am Ende, also wieder neben Thorins Kartentisch saßen mächtige Krieger, die muskelbepackt und furchtlos aussahen. Borin wusste sofort, worauf diese Zwerge aus waren. Insgesamt waren sie 50 Zwerge, von denen fünf Anführer von Clans waren, zehn Anführer von sonstigen Verbänden, zehn waren mächtige Krieger, und die restlichen 24 waren sonstige Ratgeber oder einfache Leute.
Nun hatte Thorin geendet, und fragte in die Runde ob irgendjemand etwas sagen wollte.
« Letzte Änderung: 13. Jun 2015, 14:27 von Sturmkronne »
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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #47 am: 12. Jun 2015, 20:12 »
Gortan sah sich im Schankraum um, in dem sich die Zwerge versammelt hatten. Ihm gegenüber, am anderen Ende des Tisches, saß König Thorin. Bei ihm befanden sich mehrere Zwerge, die für den König von besonderer Wichtigkeit zu sein schienen. Auf Thorins Frage hin erhob sich einer dieser Zwerge, griff in seinen Rucksack und begann zu sprechen: „Wie ihr wisst, war unsere Mission in Khazad-Dûm nicht gerade von Erfolg gekrönt. Wir haben viele gute Zwerge verloren und mussten uns letzten Endes zurückziehen. Jedoch war die Expedition kein völliger Fehlschlag. Mein Vater fand etwas von unschätzbarer Bedeutung, und nun werde ich diesen Gegenstand seinem rechtmäßigen Besitzer überreichen.“. Mit diesen Worten zog er ein Bündel aus seinem Rucksack und legte es vor Thorin auf den Tisch. Dieser begann sofort, den Gegenstand auszuwickeln. Als die letzten Stofflappen entfernt waren, ging ein ungläubiges Raunen durch die anwesenden Zwerge.

 Vor dem König lag eine Axt aus reinem Mithril, geschmückt mit Gold in Form einer Krone. „Durins  Axt“, flüsterte Gortan andächtig. Natürlich hatte er Geschichten über die Waffe Durins gehört, nie jedoch wirklich daran geglaubt. Jetzt, wo dieses Meisterwerk zwergischer Schmiedekunst jedoch vor ihm lag, erwachten in Gortan zwiespältige Gefühle. Zum Einen war die Axt für ihn, wie für alle anderen Zwerge auch eine Reliquie, etwas beinahe heiliges. Zum Anderen erfüllte ihn mit einem Mal eine unbändige Gier; ein Verlangen, das Gortans bisherige Liebe zum Gold weit hinter sich ließ. Er wollte diese Axt besitzen, um jeden Preis.
 Der Zwerg schob diese Gedanken jedoch vorerst beiseite und versuchte, sich wieder auf die Versammlung zu konzentrieren. Der einäugige Zwerg, der Thorin die Axt überbracht hatte, sprach immer noch: „...ist eine Schande, dass dieser verräterische Hund von einem Zauberer und die Hand reicht, gleichzeitig jedoch seine Krallen in die Stadt bohrt, die der Stolz unseres Volkes war! Wollen wir unseren König auf Durins Thron sitzen sehen, oder einen doppelzüngigen Zauberer, der uns verraten hat und wieder verraten wird?! Ich sage euch, wir sollten Saruman aus Moria jagen und die Stadt als sichere Zuflucht für unser Volk einnehmen!“ Viele der versammelten Zwerge brachen in zustimmendes Gebrüll aus. Nun erhob sich Thorin, und augenblicklich kehrte Ruhe in den Schankraum ein. Mit einer Hand auf Durins Axt gelegt sagte er: „Ich stimme dir zu, Balendin Einauge. Die Sicherheit  unseres Volkes, die Sicherheit unserer Familien sollte in dieser Situation für jeden Zwerg das wichtigste sein. Und ich kenne keinen Ort in ganz Mittelerde, der sicherer wäre als Khazad-Dûm!“ Wieder taten viele Zwerge lautstark ihre Zustimmung kund. Gortan allerdings gefiel nicht, wie die Diskussion sich entwickelt hatte. Offenbar stand eine große Anzahl der anwesenden Zwerge einem Bündnis mit Saruman grundsätzlich abgeneigt gegenüber. Gortan überlegte gerade, wie er den Versammelten ein Bündnis mit Saruman wohl schmackhaft machen könnte, als sich ein einfach aussehender Zwerg neben Thorin erhob. Herablassend musterte Gortan ihn und fragte sich, weshalb der König einen solch unscheinbaren Zwerg zu sich rief, ihm selbst jedoch einen Platz am anderen Ende des Tisches zuwies. Gerade überlegte er, wie der Andere einzuschätzen sein und ob er ihm in irgendeiner Form nützlich sein könnte, als der zu reden begann:

 „Versteht mich nicht falsch, auch mir ist viel an der Sicherheit unseres Volkes gelegen. Doch ist es wirklich sinvoll, zur Sicherheit unseres Volkes einen Feind anzugreifen, der offenbar die Orks von Moria unter seiner Kontrolle hat und mit ihnen bereits Lorien überrannt hat?“ Trotz des unzufriedenen Murrens einiger Zwerge fuhr er fort: „Glaubt mir, ich hasse Saruman so sehr wie ihr alle, wenn nicht noch mehr; wir sollten jedoch keine unüberlegten Schritte tun. Saruman sitzt uns mit seinem Heer im Rücken. Wenn wir ihn jetzt angreifen, werden wir überrannt!“ Gortan war überrascht. Er war zunächst davon ausgegangen, dass der Zwerg Thorin und dem Einäugigen zustimmen würde. So jedoch sah Gortan seine Chance gekommen, selbst etwas zu sagen. Er erhob sich rasch und rief: „Er hat recht. Wie die Dinge momentan stehen sehe ich keine Möglichkeit für uns, Saruman zu besiegen. Er würde uns zermalmen. Allerdings sehe ich eine Möglichkeit, Khazad-Dûm zurück zu bekommen, ohne den Zauberer angreifen zu müssen. Wenn wir uns mit ihm verbünden und ihm helfen, sich erneut in Isengart niederzulassen, kann es gut sein, dass er uns Moria überlässt. Wir müssten nur...“
 hob Gortan an, doch weiter kam er nicht. Balendin war aufgesprungen und schrie: „Wo ist deine Ehre? Sollen wir und etwa feige und heuchlerisch von dieser Ratte, die sich Zauberer schimpft, erbetteln, was uns rechtmäßig zusteht?!“ Gortan wollte etwas erwidern, doch es war bereits zu spät. Im ganzen Raum waren Zwerge aufgesprungen und hatten begonnen, sich gegenseitig anzubüllen. Gortan sah sich um und tastete verstohlen nach dem Griff seines Dolches. Die Situation drohte, außer Kontrolle zu geraten...
« Letzte Änderung: 13. Jun 2015, 16:33 von sarumanderweisse »

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Auf nach Düsterwald?
« Antwort #48 am: 12. Jun 2015, 22:48 »
Ein kleines Lächeln konnte Borin trotz des Ernstes der Lage nicht unterdrücken. Abgesehen von Gortan verhielten sich alle Zwerge so wie er es erwartet hatte. Nur Gortan hatte ihn mit seiner wahrlich ehrenlosen Äußerung zwar überrascht, jedoch nicht verärgert, da er ja selbst aus diesem Grund für den Verräter gearbeitet hatte. Gerade als Einauge zur Waffe greifen wollte, stand der alte Zwerg zu Thorins Rechten auf und rammte seine Axt in den Boden. Sofort wurden die Zwerge still und sahen ihn an. Dieser Zwerg hatte große Erfahrung und Weißheit, sonst würde er nicht auf dem Ehrenplatz zu Thorins Rechten sitzen. Der Zwerg hob seine für Zwerge recht hohe Stimme und sagte: „Hört auf euch wie die Weiber anzukeifen, das nützt weder euch noch uns allgemein etwas. Borin hier hat Recht, ein direkter Angriff auf Saruman grenzt an Selbstmord, vor allem da wir uns dann im Zweifelsfall mit unseren eigentlichen Verbündeten, den Menschen und Elben, bekriegen müssten. Und wer hätte was davon? Nur der Dunkle Herrscher!“ Dann ließ sich der Zwerg wieder nieder.
In der nun entstehenden Stille rief plötzlich einer der Krieger: „Mehr Bier“, was zwar zum einen die Stimmung auflockerte, aber zum anderen den Wirt zur Verzweiflung brachte. Thorin lachte nur laut und rief den Zwergen vor, die eigenen Vorräte herzuholen. Borin schüttelte nur den Kopf und fragte sich, warum man sich in diesem Rat besaufen musste. Dann sah er genauer hin, und bemerkte plötzlich etwas, was ihm zuvor entgangen war. In den meisten Zwergenaugen spiegelte sich Angst wieder. Angst, um das nackte Überleben. Man hatte Angst, dass Durins Volk aussterben würde. Deswegen tranken die Zwerge, sie tranken um ihre Angst zu verlieren. Borin nickte nur, während nun ein Krieger in einer kompletten Stahlplatten Rüstung aufstand. Er trug einen mächtigen Kriegshammer in seiner Hand, und als Wappen trug er ein zerrissenes Kettenhemd auf dem Wappenrock.
„Liebe Brüder, mein Name ist Gisbart Panzerbrecher aus dem Clan der Panzerbrecher, und ich spreche hier im Namen aller Panzerbrecher, da unser Clananführer in der Schlacht um Lorien gefallen ist. Eigentlich war ich wie viele hier überzeugt davon, dass die Rückeroberung unserer heiligen Hallen das Beste wäre, was wir tun könnten, doch Dori hat mich von der Undurchführbarkeit dieses Unternehmens überzeugt.“ Er deutete eine Verneigung in Richtung Dori an, der nur ein bisschen brummte. Borin viel auf, dass dieser Zwerg ein guter und geübter Redner war, denn alle Zwerge hingen bereits förmlich an seinen Lippen.
„Ich habe in vielen Schlachten bereits gekämpft, und habe dort die Stimmung unseres Volkes bestens in mich aufgenommen, und ich merke wie demotiviert unsere Krieger sind. Sie haben nun bereits die dritte Niederlage in Folge eingesteckt, einmal vor dem Erebor, einmal im Erebor, und einmal in Lorien.“ Bei jedem Wort waren die Zwischenrufe lauter geworden, bis schließlich die ersten von ihren Sitzen aufstanden und mit Äxten in der Luft fuchtelten. Thorin musste aufstehen und „RUHE!“ schreien, bevor sich die Zwerge wieder beruhigten und hinsetzen. Thorin nickte Gisbart zu, der daraufhin seine Rede fortsetzte.
„Nun, werte Zwerge, was ist das beste Heilmittel gegen schlechte Moral? Natürlich der Sieg! Deswegen schlage ich vor, dass wir mit aller Macht unsere alten und neuen Verbündeten unterstützen, und Sauron seine wichtige Festung abnehmen. Es wird ein großer Sieg werden, und unsere Zwerge werden neuen Mut schöpfen. Also sage ich, dass wir mit aller Macht nach in den Düsterwald ziehen!“
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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #49 am: 13. Jun 2015, 09:05 »
Auf Gisbarts Forderung hin erhob sich ein vielstimmiges Gemurmel im Schankraum. Den bulligen, schwer gerüsteten Kriegern neben dem Kartentisch schien die Idee zu gefallen, da sich alsbald ein weiteres Clanoberhaupt erhob. Gortan konnte den Gestank des Zwergs, der sich aus einer Mischung von Bier und Schweiß zusammensetzte, auch einige Stühle entfernt deutlich vernehmen. Nachdem er einen tiefen Zug  aus seinem Bierkrug genommen hatte, begann der Stinkende zu sprechen. Gortan hörte ihm jedoch kaum zu; er war mit sich selbst beschäftigt. Während er nervös an seinem Bart herumzwirbelte versuchte er, sich zu beruhigen und seine Wut unter Kontrolle zu bekommen. Er begriff nicht, wie die anwesenden Zwerge so dumm und ignorant sein konnten. Statt einmal auf ihren Stolz zu pfeifen klammern sie sich daran, ohne nur im Geringsten daran zu denken, wie großzügig Saruman jene entlohnen würde, die ihm helfen.

Mit einer Handbewegung rief Gortan den Wirt des Gasthauses herbei, einen drahtigen Mann mit einem kantigen Gesicht. Sobald er sich auf Höhe des Zwerges hinab gebeugt hatte, was Gortan als Demütigung empfand, setzte er an: „Bedaure sehr Meister Zwerg, allerdings habe ich kaum noch...“ er schwieg sofort, als der Zwerg seine Hand packte und einige Münzen hineinlegte. „Du hast.“, entgegnete Gortan. „Und zwar etwas Besseres als das Zeug, was du den Anderen hier gibst.“ Nach einigen weiteren Münzen eilte der Wirt in Richtung seines Kellers. Gortan gab sein selbstzufriedenes Brummen von sich und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf die Diskussion. Der stinkende Krieger war inzwischen einem grobschlächtigen Kerl gewichen, der aussah, als sei er ebenso ehrenhaft wie dumm. Im Grunde genommen brauchte sich Gortan gar nicht anzuhören, was der Zwerg zu sagen hatte, da dies nur allzu offensichtlich war. Er konzentrierte sich dennoch auf die Worte des Anderen, die da lauteten: „...stimme deshalb Gisbart zu.Wir haben einen Sieg dringend nötig. Und wenn Dol Guldur erst mal in unserer Hand ist, marschieren wir weiter bis zum Erebor und zünden den verdammten Nazgûl an, der sich auf dem Thron unseres Königs breit gemacht hat!“

Er erntete Zustimmung in Form von Bierkrügen, die auf den Tisch geschlagen wurden. Diese Idioten werden brüllend und Äxte schwingend in ihren Tod laufen. Gortan hatte zwar unter keinen Umständen vor, an diesem Unterfangen teilzunehmen, allerdings wagte er es nicht, sich ein Weiteres Mal gegen die allgemeine Meinung zu stellen. Würde er auch diese Idee vor versammelter Meute als Schwachsinn verurteilen, würden sie ihm vermutlich den Bart abschneiden. Nachdem der vorherige Redner sich wieder gesetzt hatte, erhob sich König Thorin. Nachdem er in die Runde geschaut hatte und Gortan glaubte, einen verächtlichen Blick abbekommen zu haben, sagte Thorin: „Nun denn, die Mehrheit der hier anwesenden Zwerge scheint für einen Sturm auf Dol Guldur an der Seite der Elben, Menschen und leider auch an der Sarumans zu sein. Dennoch, sollte einer der hier Versammelten einen Einwand haben, so möge er nun sprechen.“ Bei diesen Worten begann Gortan, fieberhaft zu überlegen, was er tun sollte. Er selbst würde vermutlich als ehrloser Feigling aus dem Rat geworfen, wenn er einen erneuten Einwand äußern würde, allerdings wusste er nicht, wer außer ihm etwas gegen die geplante Offensive zu sagen hätte. Schon wollte sich Gortan dem unvermeidlichen stellen und sich abermals erheben, als ihm ein anderer Zwerg zuvor kam.

Sturmkronne

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Der Ausweg?
« Antwort #50 am: 13. Jun 2015, 18:52 »
„Und unsere Familien, unserer Frauen, unsere Kinder? Hast du, werter Gisbart schon einmal an die gedacht? Ehre und Moral sind mir persönlich weniger Wert als das nackte Überleben meiner Frau und meiner Kinder. Ich habe in den Jahren nach der Smaugs Angriff gelernt was es bedeutet, wahrhaft heimatlos zu sein. Wir können unsere Familien nicht hier lassen, da sie völlig schutzlos sind, und wir können sie nicht mitnehmen wenn wir den Elbenwald, warum auch immer, stürmen sollten. Du bist jung, mutig und stark, doch du denkst nicht weit genug. Das Überleben von Durins Volk muss an vorderster Stelle stehen, deswegen kann ich einem solchen Angriff niemals zustimmen!“ Borin sah den Sprecher bewundernd an, es war der alte Zwerg, den Thorin als Tempi vorgestellt hatte. Er hatte gemeinsam mit Balendin die Expedition in Durins Hallen geleitet und wirkte durch seinen weißen Bart äußerst weise. Einauge sah Tempi wütend an, was Borin nicht entging.
Gisbart lächelte nur, er hatte anscheinend durchaus mit einem solchen Einwand gerechnet. Er wollte gerade etwas sagen, da sagte der König: „Nun Tempi, du sprichst wie immer weise. Doch was schlägst du stattdessen vor? Uns Zwergen fehlen die Alternativen, unsere alten Festungen sind alle besetzt und die Feinde zu stark. Wir müssen uns mit den freien Völkern verbünden und können nur hoffen, dass wir eines Tages unsere Städte zurückbekommen. Bis dahin müssen wir kämpfen.“ Gisbart lächelte und man merkte, dass er hoffte den König auf seiner Seite zu haben. Borin wurde bei diesem lächeln ganz und gar unwohl, und er musste unwillkürlich an den Gardisten denken, der ihm in Lorien entkommen war. Er wusste, dass es selbst bei den edlen Zwergen Verräter gab, und wer sagte, dass nicht Gisbart einer von ihnen war? Doch Borin schob den Gedanken beiseite und trank lieber einen Schluck aus seinem Humpen, um die Sorgen runterzuschlucken.
Tempi in dessen schien für seinen Mut in eine schwierige Lage geraten zu sein, da er nun von allen Seiten angegriffen wurde, ihm Feigheit und zu hohes Alter vorgeworfen wurde und er mal lieber ruhig seien sollte. Borin in dessen dachte fieberhaft nach, wie er diesem Mann, der ja ganz offensichtlich einer der wenigen Männer mit Verstand hier war helfen konnte. Er sah sich um, und sein Blick viel auf einen Baum, der gerade sich draußen im Wind bewegte. Lächelnd dachte Borin an seine Begegnung mit dem Ent in Isengart, und da kam ihm eindlich die Erleuchtung, die Erleuchtung die vielleicht sein ganzes Volk retten konnte. Während Gisbart gerade etwas über die Macht von Sauron erzählte, die er teils mit Dol Guldur verlieren würde, erhob sich Borin und sah noch einmal in all die Gesichter. Ängstliche, wütende, lächelnde Gesichter, und schließlich Gortans berechnender Blick.
„Mit dir werde ich auch noch reden, mein Freund. Du bist vielleicht der interessanteste Zwerg hier. Aber später, jetzt muss ich Überzeugungsarbeit leisten!“
Borin holte tief Luft und sah Gisbart in die Augen. Dann hob er seine Stimme über das Gemurmel: „Meine Verehrten Zwergenfreunde, wir stehen hier und streiten, darüber, ob wir in einen sinnlosen Krieg ziehen, oder nicht. Dass dieser Krieg sinnlos ist und uns direkt gar nichts bringt, da wird mir wohl jeder mit Verstand beipflichten!“ Er sah kurz Verunsicherung in Gisbarts Augen, doch Balendin war es der sprach: „Und du, mein weiser Freund, hast du eine Alternative zu diesem deiner Meinung nach sinnlosen Krieg?“
Borin nickte und sprach mit lauter und etwas zitternder Stimme: „Zwerge, manche von euch kennen vielleicht meinen Vater, den Verräter Andrin, der einen anderen Zwerg ermordet hat und dann in Sarumans Dienste geflohen ist. Ich schäme mich zwar für meinen Vater, doch noch mehr schäme ich mich dafür, mitgekommen zu sein. Ich war damals zwar jung, doch nicht zu jung um nicht vielleicht abzulehnen. Ich habe Saruman lange gedient, und deswegen weiß ich, dass man ihm niemals trauen darf! Worauf ich jedoch hinaus will ist die Tatsache, dass Saruman meinen Vater und mich einmal nach Helms Klamm geschickt hat um sich die Festung anzusehen“. Er ging zu Thorins Kartentisch und zog eine Karte von Rohan hervor.
„Wie ihr sehen könnt lieg Helms Klamm in einem Tal, das nur von Norden angegriffen werden kann. Die Festung war immer ein Rückzugsort für Rohans Volk, doch ist sie in einem schrecklichen Zustand, und sie wurde auch erst vor drei Jahren bei Sarumans Angriff stark beschädigt. Sie ist nicht mehr aufgebaut worden, und Rohan fehlt deswegen ein wichtiges Bollwerk. Noch viel wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass unter Helms Klamm ein wunderschönes Höhlensystem ist, dass mit nichts was ich in den Blauen Bergen gesehen habe mithalten kann. Ihr müsstet euch diese Höhlen selbst anschauen um einen Eindruck zu erhalten, sind sie doch von so unglaublicher Schönheit.“
Er wollte lediglich ein wenig Luft holen um weiter zu sprechen, da warf Gisbart ein: „Und weiter? Warum erzählst du uns von einer Festung Rohans, die im Besitz der freien Völker ist“, doch diesmal bekam Gisbart einen Rüffel von Dori, der meinte dass er noch nie einen so unhöflichen und ungeduldigen Zwerg gesehen hatte. Alle mussten lachen, wobei der alte Tempi am lautesten lachte.
Borin schmunzelte ebenfalls und sprach weiter: „Nun, warum ich von diesen Höhlen erzähle? Weil ich hiermit vorschlagen möchte, dass wir unser gesamtes kampfunfähiges Volk nach Helms Klamm verlegen und die Festung wieder aufbauen. Und zwar auf Zwergenart!“
Auf diese Äußerung erfolgte ein Tumult, der bezeichnender für die Verzweiflung und Uneinigkeit der Zwerge nicht sein konnte.
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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #51 am: 13. Jun 2015, 19:28 »
Mitten in diesem aufgeregten Gemurmel saß Gortan. Während er über das soeben Gehörte nachdachte, sah er sich im Raum um und betrachtete die anderen Zwerge, unter denen leise, aber dennoch heftige Dispute ausgebrochen waren. Ihren Gesichtsausdrücken nach waren kaum zwei Sitznachbarn einer Meinung. Sowohl für als auch gegen Helms Klamm schwirrten immer wieder Argumente durch den Raum, doch keiner der Zwerge erhob sich. Einen tiefen Zug von seinem Bier nehmend begann Gortan, die vielen Stimmen in den Hintergrund zu rücken und zu überlegen. Er selbst kannte Helms Klamm nur aus den Beschreibungen Anderer, und doch schien ihm der Vorschlag des Zwerges, den er zu Beginn des Rates noch herablassend angesehen hatte, der sinnvollste der bisher Genannten zu sein. Dass Borins Plan keinen Kampf beinhaltete, spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Gortan war sich jedoch alles andere als sicher, dass dieser Vorschlag angenommen würde. Viele der Krieger, allen voran Gisbart, schienen auf dem Angriff auf Dol Guldur zu beharren, und auch der einäugige Zwerg, der dem König Durins Axt überreicht hatte, wollte von Helms Klamm offensichtlich nichts hören. Von Balendin ließ Gortan seinen Blick auf Thorin wandern, der nachdenklich und in Gedanken versunken auf seinem Stuhl saß, während Einauge auf ihn einredete. Gortan versuchte, sich zu konzentrieren und schnappte einige Fetzen des Gespräches auf. „...können uns nicht einfach verstecken und zusehen, wie alle Anderen um uns herum in den Krieg ziehen. Außerdem wissen wir nicht einmal, ob die Rohirrim uns die Festung überlassen.“, murmelte Balendin. Den König schien dieser Einwand verärgert zu haben, denn er sagte schroff: „Wie du weißt, habe auch ich eine Familie, Einauge, und ich werde nicht zulassen, dass...“.

Gortan hatte genug gehört. Seine Befürchtungen beiseite schiebend, stand er auf und sagte mit lauter Stimme: „Borin und Tempi haben Recht. Was nützt uns ein Krieg, was nützt uns selbst ein Sieg, wenn wir danach heimkehren, nur um unsere Familien tot oder versklavt aufzufinden. Alle Siege in dieser Welt wären nicht den Untergang von Durins Volk wert. Ihr hier mögt mich für einen ehrlosen Feigling halten, aber ich sage euch: die wahrhaft Ehrlosen sind die unter uns, die ohne zu zögern unsere Familien schutzlos, jeder Gefahr ausgeliefert zurücklassen würden, nur um Schlachten zu schlagen. Ich sage, wir müssen nach Helms Klamm ziehen, die Festung wieder aufbauen und von dort aus das Überleben der Zwerge zu sichern!“ Nachdem Gortan geendet hatte, herrschte Stille unter den Versammelten. Alle Augen waren auf ihn gerichtet. Er glaubte schon, zu weit gegangen zu sein, als sich Thorin erhob. Der König blickte in die Runde, dann zu Gortan, und schließlich auf die Axt, die noch immer vor ihm auf dem Tisch lag. Dann sprach er: „Gortan, Sohn von Gurtin, als du das erste Mal in diesem Rat sprachst dachte ich, dir läge an niemandem etwas als an dir selbst. Doch ich habe mich selten so getäuscht. Ich sehe nun, dass du von Anfang an nur das Wohl unseres Volkes im Sinn hattest. Deine Worte haben mich davor überzeugt, dass der einzig richtige Ort für uns Zwerge in dieser Situation Helms Klamm ist. Doch auch ihr“, sagte er, an die Krieger, die wieder zu murren begonnen hatten gewandt, „sollt bekommen, was ihr verlangt. Ich werde der Herrin vor Rohan verkünden, dass wir uns ihnen anschließen und im Austausch für Helms Klamm als Zuflucht für unser Volk am Sturm auf Dol Guldur teilnehmen und von Helms Klamm aus die Grenzen Rohans verteidigen werden.“

Nun brach unter allen Zwergen ein zustimmendes und erleichtertes Johlen aus, in das selbst Gortan einfiel. In diese gelöste Stimmung rief Thorin: „Da alle anwesenden Zwerge mit diesem Vorschlag einverstanden zu sein scheinen, erkläre ich den Rat hiermit für beendet. Wirt!“, rief er dem Menschen zu, der sich, als die Zwerge zu johlen begonnen hatten, hinter dem Tresen versteckt hatte, „Bring das beste Bier her, was du hast. Diese Zwerge hier haben es verdient!“ Während die Zwerge begannen, ausgelassen zu feiern, rief  Thorin Gortan und einige andere Zwerge zu sich in ein Hinterzimmer des Gasthauses. Als sich die Tür schloss, sah Gortan sich im Raum um. Außer ihm und dem König waren nur die beiden alten Dori und Tempi sowie Borin anwesend. Thorin sagte: „Ihr kommt mit mir zu Eowyn.“ Innerlich jubelte Gortan. Er hatte nicht nur bekommen, was er wollte, er hatte noch viel mehr: Nun hatte er das Vertrauen des Königs.

--Cirdan--

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Vorbereitungen
« Antwort #52 am: 18. Jun 2015, 16:59 »
Aus der Sicht des Halblings

Einige Tage vergingen in Aldburg. Tage in denen Pippin mit Merry zusammen hoffte bald ins Auenland aufbrechen zu können. Nach einem Gespräch mit Meister Elrond hatten die beiden jedoch beschlossen ihre Reise um ein paar Tage zu verschieben. Elrond bot an, sie zusammen mit Galadriel, Celeborn, Celebithiel und den Flüchtlingen aus Lothlórien zu begleiten. Zu mindestens bis an die Grenzen des Auenlandes. Mit Freuden nahmen sie das Angebot an, auch wenn es ihre Reise verzögerte, doch sie wussten wie gefährlich die Nordsüdstraße und der Grünweg waren und dankten für den Schutz, den die Elben ihnen bieten würden. Dass Elrond auch mit nach Westen zog, verwunderte Pippin zwar, aber der Halbling frage den Halbelben nicht nach seinen Plänen. „Mische dich nicht in die Angelegenheiten der Großen und Weisen“, erinnerte sich Pippin dabei an die Worte des grauen Zauberers. Einen Rat, den Pippin die letzten Jahre außer Acht gelassen hatte, da er sich jetzt aber wieder seiner Heimat zuwandte, schien es ihm wichtig daran festzuhalten und sich durch nichts ablenken zu lassen.

In den Straßen von Aldburg gab es die Tage viel zu sehen und zu hören. Die ganze Stadt schien in erneuter Aufruhe, nachdem der Kriegsrat seine Entscheidung kundgegeben hatte. Sehr freute es Pippin als er erfuhr, dass Saruman Aldburg bereits verlassen hatte. Kurz kam dem Hobbit der Gedanke, ob er den Zauberer auf seiner langen Reise zurück nach Khazad-dûm oder Lothlorien nicht unbeabsichtigt getötet hätte, denn der kalte Entzug des Pfeifenkrautes konnte einem ganz schön umhauen, wie er und Merry am eigenen Leib festgestellt hatten.

Vieles wurde in den Tagen nach der Ratsversammlung geplant und vorbereitet für den Abmarsch des vereinten Heeres der Elben und Menschen nach Norden, doch nur von wenigem bekamen Pippin und Merry etwas mit. Immer wieder hörten sie davon, dass man sich Sorgen machte wegen der Nachschublieferungen an Lebensmitteln für die Zeit in der das Heer Dol Guldur belagern würde. Verzweifelt wurde in Aldburg nach Heilern und Köchen gesucht die das Heer begleiten wollten, und auch nach Kriegern wurde verlangt. Öfters trafen kleinere Trupps in Aldburg ein, aber ein Éohere wie es die einstige Zeit gekannt hatte war es keinesfalls. Zudem musste auch an Rohans Verteidigung gedacht werden, wodurch ein Teil der kriegsgewandten Rohirrim ohnehin zurückbleiben mussten.

Pippin und Merry verfolgten das gesamte Treiben in gespannter Erwartung und bemerkten verstärkt, wie sich die Elben Lothlóriens bereit machten gen Westen nach Lindon zu ziehen. Bald würde es also ihre Reise starten, noch bevor das Heer Richtung Dol Guldur zieht.


Einige Tage später verabschieden Pippin und Merry Oronêl und seine Begleiter am Westtor.


« Letzte Änderung: 7. Aug 2015, 16:27 von --Cirdan-- »

Adamin

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #53 am: 21. Jun 2015, 13:32 »
"Kommen zwei Hobbits in die Schänke. Sagt der eine: >Zwei Halbe.< Daraufhin der Wirt: >Ja, das sehe ich und was wollt ihr trinken?<"

Der Krämer hob den Blick von seinen Waren, öffnete seinen Mund, schloss ihn wieder, runzelte die Stirn, und schien einen Moment lang über etwas weit entferntes nachzudenken. Antien breitete die Arme aus und lächelte breit, so wie es ihm der Stallbursche vorgemacht hat. "Es ist ein Scherz. Der Hobbit hat bereits bestellt, aber der Wirt dachte er beschreibt sich und seinen Begleiter. Ein lustiges Missverständnis." So hatte der Stallbursche es ihm erklärt.
Der Krämer beäugte Antien einen Moment. Sein Blick flackerte kurz zu seinen Ohren, dann sagte er vorsichtig "Ein feiner Spaß mein Herr. So etwas habe ich lange nicht mehr gehört. Wie kann ich euch weiterhelfen?"
"Ich möchte dir helfen." Antien ließ seine Arme wieder sinken. "Du sahst betrübt aus." Trüb­sinn schien auf der ganzen Stadt zu lasten. "An meinen Scherzen muss ich wohl noch üben. Lass mich dir stattdessen mit deinen Waren helfen." Er trat näher und strich vorsichtig über einen alten bemalten Tonbecher in der Auslage des kleinen Ladens. Die ausgeblichene Farbe schimmerte dort, wo Antien die Staubschicht entfernt hatte. Wieder runzelte der Krämer die Stirn, begann jedoch allmählich zu lächeln. "Wie könnte ich so ein Angebot ablehnen? Es gibt einige Körbe mit Waren die geordnet werden müssen. Jede Hilfe ist mir willkommen."

Antien verbrachte einige Stunden im Laden des Krämers, sauberte und ordnete seine Waren, und beobachtete ihn in seinem Geschäft. Seile, Tongeschirr, Ledertaschen, alte Umhänge, Schnitzarbeiten: Alle möglichen Gegenstände fand er in unterschiedlichen Kisten und Regalen. Der Krämer war anfangs noch zurückhaltend, doch allmählich verließ ihn sein Schwermut und in ruhigen Momenten unterhielt er sich vergnügt mit Antien. Sie erzählten sich viel voneinander. Als Antien ihm jedoch von seiner Reise erzählte, wurde das Gesicht des Krämers wieder hart und düster.
"Für eine Reise durch Mittelerde hast du dir keine günstige Zeit ausgesucht. Man hört nur noch schlechte Nachrichten aus dem Osten. Hoffnungslosigkeit treibt die Menschen umher. Die hohen Herren in ihren hohen Hallen planen allerlei Schlachten und ihre Soldaten folgen ihnen nach, doch das einfache Volk will nichts anderes als diese schwere Zeit überstehen. Aber ich denke du weißt das schon. Du bist schließlich auch nicht aus Zufall nach Aldburg gekommen oder?"
"Nein." Trauer, ein schweres Gefühl. Abschied von Freunden. Verlorene Hoffnung. Verlorenes Selbst. Dahintreiben. "Ich habe eine Gruppe Flüchtlinge hierherbegleitet." Mit einem Stück Stoff polierte Antien ein kleines Kochmesser. Das vorher matte Metall schimmerte wie neu und reflektierte das trübe Sonnenlicht wie an einem warmen Sommertag. "Ich habe viel Neues gesehen, Dinge die ich nicht kannte. Aber ich habe auch gesehen, dass viele Dinge die für mich selbstverständlich sind von anderen vergessen wurden. Ich möchte noch weiterreisen, mehr lernen und mehr geben." Er faltete das Stoffstück zusammen und legte es zurück in eine Kiste. "Ich habe gehört dass Herr Glorfindel von Bruchtal nach Dol Guldur ziehen will." Auf seiner Karte war der Ort als Amon Lanc eingezeichnet und als Elbensiedlung beschrieben. "Ich denke ich werde mich seinem Gefolge anschließen."

Der Krämer der gerade nach einem Krug greifen wollte stolperte plötzlich. Der angestoßene Krug fiel auf eine Holzkiste herunter und zerbrach. Im Flug versuchte der Krämer den Krug noch aufzufangen, griff jedoch nur in eine Scherbe und schnitt sich tief in die Hand. Blut tropfte auf den festgetreten Boden. Antien eilte herbei und wickelte ein Leinenstreifen um die Hand des Krämers.
"Das kann nicht dein Ernst sein! Du kannst nicht mit dem Heer ziehen. Es wird eine Schlacht geben. Wer weiß ob überhaupt ein Einziger von ihnen zurückkehrt! Bitte geh nicht! Ich fürchte du wirst auf diesem Weg nur Verzweiflung und Leid finden." Antien summte sacht eine vertraute Melodie und drückte die Hand des Krämers. "Dann muss ich diesen Weg um so mehr gehen wenn ich dann den Verzweifelten Trost spenden und die Schmerzen der Leidenden lindern kann." Er lächelte.
Der Krämer zog seine Hand zurück und wollte etwas erwidern, verharrte jedoch einen Moment. Der Schnitt in seiner Hand schmerzte nicht mehr. Die Wunde war noch zu sehen, aber das Blut war gestoppt und hat eine dicke schützende Schicht auf der Haut gebildet. Bewundernd blickte er zu Antien auf. "Wenn das wirklich ist was du möchtest... Solltest du bald aufbrechen und dich dem Gefolge anschließen. Nimm jedoch diesen einen Rat von mir an: Bleibe bei den Unterstützern des Heeres, den Heilern und Köchen und Schmieden. Dort wirst du mehr lernen und vielleicht helfen können." Er verschwand kurz im Nebenzimmer und kam mit einem kleinen Bündel zurück. "Für deine Hilfe hier. Mein Laden war lange nicht mehr so ordentlich und hell. Als Dank gebe ich dir zwei Dinge auf deinen Weg." Er gab Antien eine kleine Umhängetasche aus festem dunkelbraunem Stoff. "Meine Reisemedizin. Einige Kräutersalben und Leinenstreifen. Du wirst Verwendung für sie finden." Als nächstes gab er ihm einen Hut aus dickem grauen Filz mit einer breiten Krempe. "Du kannst nicht völlig schutzlos nach Dol Guldur gehen. Ich habe diesen Hut vor einiger Zeit auf meinem Weg durch Rohan gefunden und er hat mir seitdem Glück gebracht. Hoffentlich wird er auch dich beschützen."

Antien nahm beides dankend entgegen, verabschiedete sich vom Krämer und verließ den Laden. Der Hut füllte ihn mit einem Gefühl des Vertrauens, als könne er durch die ganze Welt ziehen und doch immer am rechten Ort ankommen. Der warme Filz fühlte sich weich und doch widerstandsfähig an. Ein warmer Windhauch regte eine Erinnerung in ihm. Er griff in seinen Reisebeutel und holte die weiße Feder die Tom ihm gegeben hatte hervor. Geschickt steckte er die Feder an den grauen Hut, setzte ihn auf und begab sich auf den Weg in sein nächstes Abenteuer.
« Letzte Änderung: 21. Jun 2015, 17:59 von Adamin »

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Erinnerungen
« Antwort #54 am: 21. Jun 2015, 16:27 »
Cyneric aus dem Lager der Elben


Gedankenverloren ging Cyneric durch die vom Dämmerlicht nur noch wenig beleuchteten Straßen Aldburgs. Die Stadt erschien ihm ebenso geschäftig wie am Nachmittag, denn nun wurden allerorts Vorbereitungen getroffen. Viele würden nun die Stadt in unterschiedliche Richtungen verlassen, wie er hier und da aus dem Gerede der Leute heraushörte. Meister Elrond, der schon beinahe ein Jahr in Aldburg war würde nach Westen in die Elbenlande reisen, und viele hohe Persönlichkeiten würden mit ihm gehen, sagten die Menschen. Einige sagten, die Elben würden sie im Stich lassen. Andere waren froh dass die Stadt nun leerer werden würde.

In der Unterkunft der königlichen Garde angekommen setzte er sich noch eine Weile zu seinen Kameraden, deren Schicht ebenfalls vorbei war. Neues erfuhr er von ihnen nicht; und nach einiger Zeit wünschte er ihnen eine gute Nacht. Der Schlafsaal der Gardisten war nie voll besetzt, da jederzeit mindestens vier Gardisten vor Éowyns Tür postiert waren. Er legte sich hin und versuchte zu schlafen. Es war ein ereignisreicher Tag gewesen. Er war gegen Orks ausgeritten und die Ratsversammlung war zu Ende gegangen. Doch seine Gedanken kreisten immer wieder um die Begegnungen mit Oronêl, Mithrellas und besonders Irwyne.

Schon bald tauchten vor seinem inneren Auge Bilder aus vergangenen Tagen auf; Bilder aus glücklicheren Tagen.
Seine Tochter, gerade einmal fünf Jahre alt, wie sie auf der Wiese vor ihrem Haus in Hochborn fröhlich umherrannte...
Der Abdruck ihrer kleinen Hand auf seinem Schild...
Das Leuchten in den Augen seiner Frau nach Déorwyns Geburt...
Seine Tochter mit vierzehn Jahren, wie sie ihn mit Blumen im Haar in Meduseld besucht hatte...
Wie sie ihm beide zum Abschied gewunken hatten als er mit Théoden nach Gondor aufbrach....
Und leise verklang beim letzten Bild der Aufruf zum Kampf, den man damals in Rohan gehört hatte:

Reiter von Rohan, rüstet zum Kampfe!
Untaten droh'n, Dunkel im Osten.
Hengst sei gesattelt, Horn erschalle!
Auf, Eorlingas!


Der folgende Tag war Cynerics freier Tag. Er verbrachte den Vormittag mit der Pflege seiner Rüstung und seiner Waffen, und verbrachte einige Zeit bei Rynescéad in den Ställen. Während er den Hengst striegelte fiel ihm etwas ein. "Wie würde es dir gefallen, eine neue Bekanntschaft zu machen, mein Freund?"
Rynescead schlug mit dem Schweif und antwortete nichts.
"Oh, ihr werdet euch bestimmt sehr gut verstehen," sagte Cyneric.
Kurz darauf ritt er zum östlichen Tor hinaus in Richtung des Elbenlagers.


Cyneric hinaus auf die Felder und Wiesen nahe Aldburgs
« Letzte Änderung: 8. Jul 2015, 20:47 von Fine »
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Besichtigungen in Aldburg
« Antwort #55 am: 16. Jul 2015, 16:01 »
Cyneric von den Wiesen und Feldern außerhalb Aldburgs


Am Tag darauf begann Cynerics Wachdienst am frühen Morgen und dauerte bis Mittags. Er begleitete Faramir bei verschiedenen Besorgungen die dieser in der geschäftigen Stadt zu erledigen hatte, denn noch immer mussten vielerlei Vorbereitungen für den kommenden Feldzug getroffen werden. Außerdem trafen seit einigen Tagen zusätzliche Reiter und Soldaten aus den Ebenen Rohans ein die Éowyns Aufruf zum Kampf gefolgt waren und nun einer éored zugeordnet werden mussten. Es würde keine große Heerschau Rohans geben denn die Rohirrim stellten für den Angriff auf Dol Guldur nicht das Hauptheer, sondern gingen als Verbündete der Elben von Imladris. Glorfindel, der Kommandant der Hochelben, würde den Oberbefehl über das vereinigte Heer haben während Thranduil und Erkenbrand die ihnen direkt unterstehenden Truppen befehligen würden.

Der Nachmittag kam und Cynerics Schicht ging zu Ende. Am Osttor der Stadt traf er Irwyne, die bereits auf ihn wartete. Sie war in Begleitung der Elbin Mithrellas gekommen, die Cyneric freundlich grüßte. Er hatte vor Irwyne heute die Sehenswürdigkeiten Aldburgs zeigen und freute sich auf die gemeinsame Zeit. Nachdem sie sich von Mithrellas verabschiedet hatten machten sie sich auf den Weg zur Großen Halle.

Sie erstiegen die Treppen und kamen von Vorhof der Halle. Zwei Wächter standen vor dem Tor und grüßten Cyneric als sie ihn erkannten.
"Hier hat der erste König Rohans gewohnt," erklärte er Irwyne.
"König Eorl der Junge?" wollte sie wissen.
"Richtig. Sein Sohn Brego erbaute später Meduseld, die Goldene Halle, und die Könige Rohans zogen nach Edoras. Aber hier in Aldburg war Eorls Sitz."
"Und nun lebt die Königin Éowyn hier," stellte Irwyne fest.
"Aldburg ist jetzt wieder die Hauptstadt Rohans, das stimmt."
"Komm, ich möchte sehen wie es drinnen aussieht!"

Die Wächter ließen sie passieren und Cyneric zeigte Irwyne das Innere der Großen Halle, die erst vor wenigen Tagen den Rat der Freien Völker beherbergt hatte. Irwyne war vor allem von den alten Wandteppichen beeindruckt, die an beiden Seiten der Halle hingen und einige Ereignisse aus der Geschichte der Riddermark zeigten. Auf einem waren vier Männer zu sehen, die auf einem Hügel standen. Zwei von ihnen standen sich gegenüber und hielten gemeinsam einen Pfeil mit roter Spitze.
"Das sind Cirion und Eorl," erklärte Cyneric. "Kennst du die Geschichte?"
"Cirion war der Truchsess Gondors, der unserem Volk die Riddermark zum Wohnsitz gab," antwortete Irwyne. "Aber wer sind die anderen beiden Männer, die neben ihm stehen?"
"Ich bin mir nicht sicher," musste Cyneric zugeben. "Einer der beiden erinnert mich an Erchirion, den Boten Dol Amroths der vor einigen Tage hier war. Der trug ähnliche weiße und hellblaue Gewänder. Der Fürst von Dol Amroth ist ein wichtiger Mann in Gondor; wahrscheinlich war einer der Vorfahren Imrahils dabei als Cirion und Eorl ihr Bündnis besiegelten."
"Er sieht Oronêl ein bisschen ähnlich," sagte Irwyne nachdenklich.
"Oronêl?" wunderte sich Cyneric. "
"Die Fürsten von Dol Amroth stammen von Oronêl und Mithrellas ab," erklärte Irwyne.

Am anderen Ende der Halle, nahe des Ausgangs fanden sie einen Wandteppich, der von einer schmutzigen Decke bedeckt war. Irwyne riss sie herunter bevor Cyneric sie daran hindern konnte. Als sie sahen was darunter lag wurden sie beide einen Moment lang still.
"Das ist Saruman, oder?" sagte Irwyne schließlich leise.
"Es sieht ganz danach aus," antwortete Cyneric. "Ich glaube, hier wird dargestellt wie er den Schlüssel zum Orthanc erhält."
"Wer ist der Andere?"
"Einer der Truchsessen Gondors, glaube ich."
"Ich wünschte, Saruman hätte den Schlüssel nie bekommen. Dann hätte er keinen Krieg über Rohan bringen können."
"Da bin ich mir nicht sicher. Der Zauberer ist listenreich. Wenn er es gewollt hätte hätte er die Riddermark auf anderem Wege angreifen können. Er hat Isengard als Stützpunkt ja auch nicht gebraucht um Lothlórien zu überfallen."
Irwyne blickte ihn wütend an. Oh, das hätte ich wohl besser nicht gesagt. Ich hatte vergessen, dass sie beim Fall des Elbenreiches dabei war.
Doch das Mädchen sagte nichts, sondern warf die Decke wieder über den Wandteppich. Dann verließ sie die Große Halle und Cyneric folgte ihr.

Glücklicherweise verflog Irwynes schlechte Laune so schnell wie sie gekommen war. Auf dem Markt von Aldburg kaufte Cyneric ihr eine Hand voll Äpfel, von denen sie einige selbst aß und die anderen für Rynescéad aufhob. Der Marktplatz war beinahe vollständig mit Leuten gefüllt, denn heute wurden dort nicht nur Waren verkauft.
An diesem Nachmittag versammelten sich hier all jene, die sich freiwillig melden wollten um das Heer auf dem Weg nach Dol Guldur als Heiler, Koch oder Schmied zu unterstützen. Für einen Feldzug braucht es mehr als nur Soldaten, dachte Cyneric. Die Heiler insbesondere haben eine mindestens ebenso schwere Aufgabe wie diejenigen, die Klingen führen. So leicht vergessen wir, dass Kriege nicht nur durch Waffengewalt gewonnen werden.

Er merkte, dass er durch seine Gedanken abgelenkt worden war. Irwyne stand einige Meter entfernt neben der Stelle an der sich die freiwilligen Unterstützer bei einem rohirrischen Offizier meldeten und unterhielt sich mit einem braunhaarigen Elben, der einen breitkrempigen grauen Hut mit Feder trug. Cyneric ging hinüber.
"Das ist Antien!" stellte Irwyne den Elben vor. "Ich kenne ihn von früher. Er sagt, er will mit dem Heer nach Dol Guldur gehen."
"Das will ich. Und wer bist du, mein Freund?" sagte Antien.
"Cyneric, Cynergars Sohn. Ich wusste nicht, dass Irwyne so viele Elben kennt," antwortete er.
"Ich reiste mit Oronêl und einigen weiteren Gefährten von Dol Amroth nach Lórien. Unterwegs trafen wir Irwyne und nahmen sie mit. Daher kennen wir uns."
"Cyneric! Das möchte ich auch machen," unterbrach Irwyne. "Ich möchte mich den Heilern anschließen. Dann kann ich in deiner Nähe bleiben, wenn das Heer los zieht."
"Ich möchte dich nicht in Gefahr bringen," sagte Cyneric, der sich nicht sicher war was er von der Sache halten sollte. "Ein Kriegszug ist kein Ort für ein Mädchen wie dich."
"Wenn es ihr Wunsch ist, solltest du ihr erlauben zu gehen," meinte Antien freundlich.
"Ja, Antien hat recht! Und außerdem bin ich alt genug," sagte Irwyne.
"Es steht mir nicht zu es dir zu verbieten, Irwyne. Dennoch würde ich gerne Oronêl fragen was er davon hält."
"Er hat bestimmt nichts dagegen," versicherte das Mädchen.

Sie verabschiedeten sich von Antien und machten sich auf den Weg zum Elbenlager, denn bald würde es Abend werden. Unterwegs hielten sie an den Stallungen an und Irwyne schenkte Rynescéad die Äpfel die sie aufgehoben hatte. Cyneric freute sich, dass die beiden so schnell Freunde geworden waren. Nicht mehr lange und sie wird sich ein eigenes Pferd wünschen, dachte er.
Anschließend zogen sie weiter zum Osttor der Stadt, hinter dem die Spitzen der elbischen Zelte hervorragten.


Cyneric und Irwyne zum Lager der Elben
« Letzte Änderung: 18. Jul 2015, 16:57 von Fine »
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Der Halbling und die Elbenmaid
« Antwort #56 am: 26. Jul 2015, 14:50 »
Cyneric und Irwyne aus dem Lager der Elben


Am darauffolgenden Vormittag waren Cyneric und Irwyne wieder in der Stadt unterwegs, wie sie es geplant hatten.
Sie hatten einige Besorgungen zu machen, denn auch Cyneric musste nun bald von Aldburg aus aufbrechen. Um Verpflegung würden sich die Quartiermeister des Heeres kümmern, doch gab es noch andere Dinge, die er und Irwyne auf dem langen Weg nach Nordosten brauchen würden. Auf dem Markt fanden sie schließlich alles, was sie benötigten, und so machten sie sich auf den Weg zur Rüstkammer, um ihre Einkäufe in Cynerics Truhe abzulegen.

Sie kamen an einem Mäuerchen vorbei, auf dem eine kleine Gestalt saß und die Beine baumeln ließ. Irwyne blieb erstaunt stehen und sah es sich genauer an.
"Hallo!" grüßte der Halbling - denn genau das war er - freundlich.  "Kann ich dir helfen?"
"Das ist Meriadoc, ein Schwert-Than der Königin," stellte Cyneric den Halbling vor, den er bereits seit mehr als einem Jahr aus der Gesellschaft Éowyns kannte.
"Er ist ein Holbytlan, wie die aus den alten Geschichten unseres Volkes."
"Hobbit", verbesserte Meriadoc. "Du kannst mich Merry nennen, wenn du mir deinen Namen verrätst," sagte er mit einem verschmitzten Lächeln.
"Ich heiße Irwyne," antwortete das Mädchen.
"Ein schöner Name! Wie lange bist du schon in der Stadt?"
"Sie ist erst einige Tage hier, Herr Meriadoc," erkläre Cyneric. "Sie kam mit den Flüchtlingen aus dem Norden."
"Oh? Du siehst aber nicht wirklich elbisch aus," wunderte sich Merry.
"Und du siehst nicht sehr groß aus," gab Irwyne schnippisch zurück.
Merry lachte. "Das stimmt wohl. Du hast mich erwischt." Er stieß sich ab und landete neben dem Mäuerchen, auf dem er gesessen hatte.
"Ich will nicht unhöflich sein. Du bist doch einer der Gardisten, richtig?"
"Stimmt," antwortete Cyneric."
"Schön. Kommt doch mit zur Residenz. Ich bin gerade auf dem Weg dorthin. Königin Éowyn würde sich bestimmt über Besuch freuen."
Wahrscheinlich stimmt das, überlegte Cyneric. Zurzeit war Faramir meist in der Stadt beschäftigt und traf sich mit Glorfindel, Erkenbrand oder anderen Anführern. Éowyn blieb hingegen die meiste Zeit in dem großen Haus, in dem das Herscherpaar Rohans wohnte. Cyneric passte das ziemlich gut, denn am Nachmittag hatte er dort seinen Wachdienst abzuleisten.

Gemeinsam mit Merry machten sie sich auf den Weg. Schon bald hatte Irwyne alle Skepsis dem Halbling gegenüber abgelegt und scherzte fröhlich mit Merry, der sie immer wieder zum Lachen brachte. Cyneric ging hinter den beiden her und ertappte sich dabei, wie sich ihm ein Lächeln aufs Gesicht stahl. Das ist es, wofür wir kämpfen. Damit kleine, frohe Momente wie dieser nicht aus dieser Welt verschwinden. Denn das werden sie, wenn sie der Schatten verschluckt. Ich hoffe, wir können ihm Einhalt gebieten. Die Leute sagen, der Krieg in Gondor gehe gut; hoffen wir, dass das stimmt und nicht nur ein Gerücht ist.
Unser eigener Krieg beginnt erst.


Sie kamen an der Rüstkammer vorbei und hielten kurz an, damit Cyneric und Irwyne ihre Einkäufe verstauen konnten. Merry wartete draußen, an den Türrahmen gelehnt.
Nun war es nicht mehr weit bis zur Residenz der alten Könige Rohans, einem großen Haus im Süden der Stadt welches einen direkten Zugang zur Großen Halle besaß. Der Gardist vor dem Eingang nahm Haltung an, als er den Hobbit erkannte. Ich vergesse immer wieder, dass er ein Kriegsheld ist, dachte Cyneric. Gemeinsam mit Éowyn hatte Meriadoc einst den Fürst der Ringgeister vor Mundburg geschlagen und einen großen Teil zum Sieg der freien Völker auf den Pelennor-Feldern beigetragen. In ihm steckt mehr, als das Auge sieht.

Die Wache ging, um sie bei Éowyn anzukündigen. Als der Mann zurückkehrte gab er ihnen ein Zeichen, ihm zu folgen. Sie fanden Éowyn auf einer großen Terasse, von der man beinahe die ganze Stadt überblicken konnte. Bei ihr war eine hochgewachsene Elbin mit rötlichem Haar. Irwyne blickte sie mit einem verwunderten Ausdruck im Gesicht an.
"Das ist ja Celebithiel!" sagte sie erfreut.
"Le suilon, Irwyne," antwortete die Elbin und wandte sich ihr zu.
Cyneric hielt Irwyne zurück und machte eine Geste in Richtung Éowyn, die die drei Besucher fragend anblickte. Hier ist deine Königin, Irwyne. Zeig' deine Ehrerbietung. Irwyne blickte ihn einen Moment lang verwundert an, dann verstand sie und neigte gemeinsam mit Cyneric und Merry vor Éowyn das Haupt.
"Merry, Cyneric, wen habt ihr mir da mitgebracht?" wollte Éowyn wissen, die sie freundlich anblickte.
"Das ist Irwyne," erklärte Merry.
"Wir trafen sie vor einiger Zeit in Dunharg und nahmen sie mit nach Lothlórien," fügte Celebithiel hinzu. "Sie kam mit uns von dort nach Aldburg."
Éowyn legte Irwyne mitfühlend die Hand auf die Schulter. "Hier bist du in Sicherheit."
Irwyne nickte verlegen, dann wandte sie sich an Celebithiel. "Und was machst du hier?"
"Ich leiste der Herrin von Rohan Gesellschaft. All diese Kriegsvorbereitungen in der Stadt bereiten mir Unbehagen," sagte die Elbin, und ein Schatten zog über ihr Gesicht.
"Wirst du wirklich mit der Herrin Galadriel und den anderen nach Westen reisen?" wollte Irwyne wissen.
Celebithiel nickte nur anstatt eine Antwort zu geben. Eine Pause entstand, die von Merry nach einigen Momenten unterbrochen wurden.
"Seht nur, wie unhöflich wir sind. Hier sind zwei Damen, die sich über persönliche Dinge austauschen, und wir platzen einfach so hinein. Kommt, Freunde, suchen wir uns was zu essen."
Und genau das taten sie dann auch.

Da Merry und Cyneric sich in der Residenz gut auskannten hatten sie die Küche schnell gefunden. Die Dienerschaft war anscheinend die regelmäßigen Besuche des Halblings schon gewohnt, denn man stellte ihnen ohne Nachfragen etwas zu Essen hin, das wohl vom Frühstück übrig geblieben war.
"Wirst du mit dem Heer nach Norden ziehen, Cyneric?" fragte Merry mit vollem Mund.
"Ich bin zu Erkenbrands éored eingeteilt."
"Und ich gehe mit den Heilern," fügte Irwyne hinzu.
"Tapferes Mädchen," sagte Merry anerkennend. "Pippin - das der zweite Hobbit in Aldburg - und ich werden bald ebenfalls aufbrechen. Wir werden zu Hause nach dem Rechten sehen. Ich glaube, wir werden schon in wenigen Tagen die Furten in der Westfold überquert und Rohan verlassen haben," fügte er beinahe wehmütig hinzu.
"Du meinst die Furten des Isen", verbesserte Irwyne.
"Meine liebe Irwyne, lass mich dir einen guten Rat geben: Niemand mag Besserwisser."
Gemeinsam lachten sie und brachten ihre Mahlzeit zu Ende. Für Cyneric wurde es nun Zeit, seine Schicht anzutreten, denn der Vormittag war beinahe vorbei. Merry erklärte sich bereit, Irwyne zum Elbenlager zurück zu begleiten und verließ gemeinsam mit ihr die Residenz während sich Cyneric auf den Weg zu seinem Posten machte.
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Curanthor

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Ein neuer Tag
« Antwort #57 am: 30. Jul 2015, 04:37 »
Etwas kitzelte an seinem Nacken, es war warm und sanft. Er realisierte den langsamen und regelmäßigen Atem von Halarîn, die ihren Kopf zwischen seinen Schulterblätter plaziert hatte. Er lag auf dem Bauch und hatte die Arme weit von sich gestreckt.
"War gestern doch keine gute Idee gewesen noch am Abend etwas zu trinken.", murmelte seine Frau auf ihn und ließ ihren Körper langsam von ihm herabgleiten. Er rückte sein Nachthemd zurecht, eine recht menschliche Angewohnheit so etwas zu tragen.
"Du hast dir den Kopf gestoßen und zwar nicht gerade leicht, ebenso schwer war es dich hierher zu tragen.", kicherte sie leise und stupste ihn in die Seite.
"Wegen dir war es schon zu Ende, bevor wir angefangen haben.", sagte sie vorwurfsvoll als sie seinen verwirrten Blick bemerkte.
"Was meinst du?", fragte er verwirrt, was ihr nur ein kurzes, schelmisches Lächeln entlockte.
"Das bist du selbst schuld, wenn du unbedingt durch zu kleine Türen rennen musst.", gluckste sie.
Mathan blickte sie finster an und rieb sich seinen Kopf, der brummte, als ob er zu viel zwergisches Bier gesoffen hätte. Wenigstens hatte er keine Beule, was für einen Elben mehr als peinlich währe. Ob er einen blauen Fleck hatte? Er taste weiter.
"Da ist nichts.", ertönte die belustigte Stimme seiner Geliebten, die inzwischen aufgestanden war .
Er erinnerte sich am späten Abend von dem Lager der Elben in die Stadt gegangen zu sein, aber ganz kam es ihm nicht in den Sinn. Nachdenklich rieb Mathan sich die Schläfen und schwang seine Beine aus dem Bett, während Halarîn mit spitzen Fingern ihr blaues Kleid glatt strich und schließlich umständlich anzog. Sie wirkte noch immer außerordentlich erheitert.
"Ist etwas?", fragte er, worauf nur ein fröhliches "Nein" zurückkam.
Brummelnd kleidete er sich vollständig an und räumte schließlich ihre Habseligkeiten zusammen. Durch ihren Aufenthalt in der Stadt war ihre ursprüngliche Habe ziemlich eingeschmolzen, da Halarîn letztendlich zu viel mitgenommen hatte, oder Sachen eingepackt hatte, die sie gar nicht brauchten. So hatte Mathan am Ende des Aufräumens ein Bündel mit seinem Werk aus der Schmiede, dass er in Aldburg nur bruchstückchenhaft bearbeitet hatte und einige Kleidung zum Wechseln. Halarîn verzichtete auf ihre schwere Rüstung aus dem Zweiten Zeitalter und hatte sie bereits am Vortag einer Elbin überlassen, wie er beim einpacken erfuhr.
Halarîn beobachtete alles ganz genau und erhaschte einen Blick auf seine unfertige Rüstung.
"Wie weit bist du?", fragte sie, was ihn zusammenzucken ließ.
"Nicht weit genug.", sagte er etwas verbissen und zögerte, bis er weitersprach. "Ich habe die Hose fertig aber für den Helm fehlt mir eine Elbenschmiede."
"Nun dann ist es doch offensichtlich wo du den Helm fertigstellst. Aber ... " sie schien kurz zu überlegen und schob dann das Leinentuch beiseite, ohne dass er etwas dagegen tat. Sollte sie doch seine Arbeit sehen, immerhin war sie seine Frau und ihm das Wichtigste überhaupt. Ihre Augen weiteten sich ein kleines Stück, sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder und legte behutsam das Tuch über das Metall.
"Wie? Warum?", fragte sie nach einem langen Moment des Schweigens.
"Als Erinnerung.", antwortete Mathan schlicht und trat an die Tür, seine Schwerter hatte er bereits bei sich.

Wortlos liefen die beiden Elben durch Aldburg und ergatterten hier und da ein paar Lebensmittel für ein kleines Frühstück, das sie im gehen hielten. Halarîn war es, die die Stille brach.
"Was meinst du, bekommen wir noch Gefährten dazu?", fragte sie mit einem Stück Brot in der Hand.
"Ich denke nicht, die meisten Menschen werden nach Dol Guldur ziehen. Die Zwerge interessieren sich wenig für den Westen und unser Volk spaltet sich." er trank etwas Wasser und sprach weiter. "Es ist besser so, als kleine Gruppe können wir die Gegend auskundschaften, unauffällig säubern und den Wilden besser aus dem Weg gehen."
"Und du weißt wo die Schmieden liegen.", stellte sie fest. Mathan lächelte nur verschmitzt und deutete zur Waffenkammer. "Ich denke dort sollten wir warten.", sagte er gelassen. "Und auf wen?", fragte sie. "Ein gewisser Axträger hat seine Waffe verlegt und braucht Ersatz, früher oder später muss er hier vorbei.", antwortete Mathan etwas grinsend. Sie setzten sich auf eine freie Bank, die vor dem Gebäude stand und als er Halarîns verwirrten Blick las seufzte er kurz.
"In Lórien hat Oronêl niemals seine Axt "verlegt", er muss sie also im Kampf verloren haben. Am Zelt gestern trug er sie nicht, davor in der Stadt auch nicht und auf der Ebene vom Celebrant auch nicht. So eine Waffe verliert man nicht einfach.", erklärte er ernst und zupfte kurz an seinen Schwertgurten.
"Leider fehlt die Zeit, sonst würde ich ihm eine schmieden.", lachte er leise und entlockte Halarîn ein leises Kichern, welches länger dauerte als erwartet.
"Du würdest einem dir, mehr oder weniger, kaum bekannten Elben eine Waffe herstellen? Dabei willst du mir noch immer keinen neuen Speer schmieden.", stichelte sie lächelnd.
Mathan raubte sich einen schnellen Kuss, der sie überrumpelte. "Beides nein.", sagte er knapp, während im der Schelm im Nacken saß. Mit einem Lachen, das folgte, fiel die Anspannung der letzten Tage ab und sie saßen mehr oder weniger heiter und gemütlich in einer Stadt die sich zu einem Feldzug rüstete. Ob Oronêl auch wirklich auftauchte war Mathan eigentlich kaum wichtig, Halarîn war ihm wichtiger, sie wirkte endlich wieder glücklicher als die Tage zuvor. Das schelmische Lächeln, die blitzenden Augen und das verschwörerische Zwinkern hatte er vermisst.

Eandril

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Re: ALDBURG - In der Stadt
« Antwort #58 am: 30. Jul 2015, 11:50 »
Oronêl aus dem Lager der Elben...

Die Waffenkammer von Aldburg war ein langgestrecktes, niedriges Gebäude ganz in der Nähe der großen Halle in der der Rat abgehalten worden war. Oronêl wurde von einem alten Rohír empfangen, der gerade erst aufgewacht zu sein schien.
"Guten Morgen, Freund.", begrüßte Oronêl den Alten. "Ich bin auf der Suche nach einer Waffe, denn ich..." Der Mann blinzelte ihn misstrauisch an und unterbrach ihn: "Und wer seid ihr, dass ihr meint euch einfach so hier eine Waffe abholen zu können?"
"Verzeiht, ich vergaß mich vorzustellen. Mein Name ist Oronêl Galion, ich komme aus Lothlórien. Ich habe dort in der Schlacht meine Axt verloren und breche bald zu neuen Kämpfen auf, also brauche ich Ersatz."
Bei diesen Worten hellte sich das Gesicht seines Gegenübers auf. "Ah, ihr seid einer von den Elben, das ist natürlich ganz was anderes. Verzeiht mir, dass ich euch nicht gleich erkannt habe, aber ich sehe nicht mehr so gut, wisst ihr." Er trat beiseite und ließ Oronêl die Waffenkammer betreten.
Drinnen war es dunkel und staubig, aber auch so konnte Oronêl sofort sehen, dass die meisten Waffenständer leer waren.
"Tja, wie ihr seht ist nicht mehr allzu viel da...", meinte der Hüter der Waffenkammer. "Die meisten Waffen wurden bereits für das Heer benötigt, aber wir werden schon noch etwas für euch finden."
Oronêl nickte abwesend und ging langsam die Reihen entlang. Tatsächlich waren nicht viele Waffen zurückgelassen worden - er sah noch einige Schwerter und Schilde, den ein oder anderen Speer...
"Was meint ihr hierzu?", hörte er von etwas weiter entfernt den Alten sagen. Er wandte sich um, und sah ihn eine schwere Axt mit zwei Klingen in die Höhe hieven. "Nein, ich bevorzuge eher eine leichtere Waffe. So eine Axt ist etwas für Zwerge...", sagte er. "Ah, nun gut.", erwiderte der Rohír. "Ihr habt schon recht, mit einer solchen Axt hier kann man sich ja kaum bewegen..."

Schließlich erreichte Oronêl das Ende des Raumes, und wurde tatsächlich noch fündig: an einem der letzten Waffenständer hing eine Axt, die seiner eigenen sehr ähnlich sah, wenn auch nicht nach der Art der Sindar, sondern der Rohirrim geschmiedet. "Ich denke, ich werde diese hier nehmen.", sagte er zu niemandem bestimmtes, doch der Alte antwortete: "Sehr gut. Möget ihr viele Orks damit erschlagen."
Oronêl wog die Axt nachdenklich in seiner Hand und befestigte sie dann an seinem Gürtel. "Ich hoffe es sehr."

Draußen blinzelte er nach dem Dämmerlicht der Waffenkammer für einen Augenblick im Licht der Sonne, die inzwischen vollständig aufgegangen war. Trotzdem bemerkte er die beiden Elben, die auf einer Bank  saßen und vollauf miteinander beschäftigt schienen. Mit einem Lächeln sprach er die beiden an: "Mae govannen, Mathan und Halarîn. Ich habe das Gefühl, dass dieses Zusammentreffen kein Zufall ist..."

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva

Fine

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Die Flügelkrone
« Antwort #59 am: 2. Aug 2015, 22:06 »
Elea aus der Ratshalle von Aldburg


Faramir und die beiden Marschälle der Mark, Erkenbrand und Elfhelm, berieten sich über die Zusammenstellung des rohirrischen Heeres in einem Raum in der Königsresidenz von Aldburg. Selbstverständlich wurde das gesamte Haus bewacht, und Cyneric hatte man den Posten direkt vor der Tür zum Besprechungszimmer zugeteilt. Die Männer hatten darauf bestanden, die Türe offen zu lassen, damit frische Luft hindurch strömen konnte, denn die Temperaturen waren erneut sehr heiß geworden. Cyneric nahm sich vor, die durch die offene Türe verlorene Sicherheit durch zusätzliche Wachsamkeit wettzumachen.

"Im Wald wird es wenig Platz für Ross und Reiter geben," sagte Faramir gerade. "Und bei der Belagerung sind uns berittene Einheiten ebenfalls eher hinderlich als dass sie hilfreich sind."
"Herr, die Männer sind kampferfahren," entgegnete Elfhelm. "Auch im Kampf zu Fuß werden sie alle Aufgaben erfüllen, die der Heermeister für sie hat."
"Das weiß ich, Elfhelm. Es geht mir um die Pferde. Bei der Belagerung wären sie im Weg und müssten bewacht und versorgt werden. Ich denke es wäre weiser, die Pferde hier zu lassen."
"Ihr wollt die Männer zu Fuß gehen lassen? Den ganzen Weg bis nach Dol Guldur?" wunderte sich Erkenbrand. "Das ist ein ziemlich langer Marsch, Heermeister."
"Die Elben werden ebenfalls nicht beritten sein. Thranduil plant ein rasches Vorrücken bis zur Ebene von Celebrant und anschließend einen koordinierten Übergang über den Großen Strom an den Untiefen dort."
"Nun, zumindest innerhalb der Grenzen der Riddermark sollten wir doch die Vorteile nutzen, die sich uns bieten," schlug Elfhelm vor. "Lasst die Männer reiten, bis sie die Ebene von Eorls Sieg erreichen. Dort mögen sie die Pferde zurücklassen oder zurück nach Aldburg schicken."
Faramir überlegte einen Augenblick, nickte dann zustimmen. "Nun gut. Ich werde es Glorfindel mitteilen. Er führt den Oberbefehl über das vereinigte Heer. In der Zwischenzeit solltet ihr die éoreds auffüllen und zu Staffeln einteilen. Das Heer der Riddermark muss geordnet sein, bevor es aufbrechen kann."
"Es wird geschehen wie du befiehlst, Herr."
"Ich danke euch beiden. Lasst uns nun über die Bewaffnung der neuen Rekruten sprechen..."

Cyneric blendete das Gespräch aus. Vieles davon hatte er in vorherigen Gesprächen Faramirs mit seinen Marschällen bereits gehört, doch durch den engen Zeitplan und das stetige Eintreffen neuer Krieger mussten die Pläne immer wieder abgeändert werden. Seine eigene Einteilung würde sich nicht mehr ändern, das wusste er. Er würde Erkenbrands Einheit zugeteilt werden, genau wie der Rest der Gardisten die mit dem Heer ziehen würden. Faramir hatte die Hälfte der königlichen Garde unter Erkenbrands Befehl gestellt und zum Feldzug abkommandiert.

Am Ende des Ganges in dem er stand erschien einer der Gardisten, der vor dem Haupteingang der Residenz postiert gewesen war. Begleitet wurde er von einer schwarzhaarigen Frau, die einen Leinensack mit sich trug. Auf halbem Wege blieb der Gardist stehen, hob kurz die Hand zum Gruß in Cynerics Richtung und drehte dann wieder um, um auf seinen Posten zurückzukehren. Die Frau kam entschlossenen Schrittes auf Cyneric zu und blieb ein paar Meter entfernt stehen.
"Der Heermeister ist beschäftigt," sagte er ruhig.
"Bitte lasst mich ein; es ist wichtig," antwortete die Frau. Sie hatte blau-graue Augen und Cyneric war sich sicher, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben.
"Es tut mir Leid. Ihr müsst ein anderes Mal wiederkommen, Herrin."
Ihr Blick verhärtete sich. "Gardist, ihr müsst mich mit Faramir sprechen lassen."
"Er wünscht, nicht gestört zu werden," erwiderte Cyneric.
"Wer möchte mich denn stören?" erklang Faramirs Stimme neben ihm. Interessiert betrachtete er die Besucherin und zog eine Augenbraue nach oben. Dann trat er einen Schritt zurück und bedeutete der Frau, einzutreten. "Ich kann vermutlich ein wenig Zeit erübrigen. Meine Marschälle haben ihre Aufträge erhalten und unser Treffen ist beendet."
Cyneric warf einen schnellen Blick in das Zimmer und stellte fest, dass Erkenbrand und Elfhelm am Fenster standen und sich leise unterhielten. Er trat beiseite und machte der Besucherin den Weg frei.

Nachdem er ihr einen Platz am Kartentisch an dem er sich kurz zuvor mit den Kommandanten besprochen hatte angeboten hatte blickte ihr Faramir in die Augen.
"Also, meine Dame, dies ist nicht das erste Mal, dass ich dich sehe. Du warst bei der Ratsversammlung, nicht wahr?"
"Das stimmt. Du bist ein guter Beobachter, Truchsess Faramir."
"Mein Gedächtnis ist ebenfalls recht gut," sagte er schmunzelnd. "Elrond hat dich dort vorgestellt. Du bist Erelieva aus dem Norden."
"Erneut richtig. Mein Name ist Erelieva Lóte in Dúnedain. Die meisten nennen mich einfach Elea."
"Nun, Elea von den Dúnedain, was führt dich zu mir?"
"Ich... trage eine große Verantwortung mit mir, Faramir. Wie viele die bei der Ratsversammlung waren nun wissen, ist mein Sohn ...Helluin, der Anführer der Dúnedain die... in Sarumans Diensten stehen." Ihr schien es schwer zu fallen, diese Wahrheiten auszusprechen. "Er ist wieder mit diesem Zauberer nach Norden gegangen... und er hat sich verändert. Ich fürchte um meinen Sohn und will... ich muss versuchen, ihn vom Einfluß Sarumans zu befreien. Doch meine Verantwortung hindert mich, mit dem Heer nach Norden zu gehen und ihn zu suchen. Denn sollte ich scheitern oder nicht zurückkehren wären die Mühen vieler, die sie mir auftrugen vergeblich gewesen."
Sie machte eine Pause und blickte Faramir an, der still und aufmerksam zugehört hatte.
"Elea. Ich verstehe deine Sorge um deinen Sohn," sagte er. "Doch meinst du nicht, dass es seine eigene Entscheidung war, sich Saruman anzuschließen?"
"Nein! Er war noch nicht bereit dafür, Anführer der Dúnedain zu werden," stieß Elea heftig hervor. "Viel zu früh haben sie ihn mir weggenommen und nun hat er den Versprechungen einer Schlange nachgegeben. Ich muss ihn wieder zu klarem Verstand bringen und ihn retten, aber noch sitze ich hier fest!"
Faramir blickte sie ruhig an. "Beruhige dich. Erzähle mir von deiner Verantwortung, die du wie eine schwere Bürde mit dir herum trägst."
"Ich... ich werde sie dir zeigen," antwortete Elea und zog den Leinensack hervor den sie mitgebracht hatte. Sie zog das Tuch weg und zum Vorschein kam eine silbern schimmernde Krone.
"Die Flügelkrone Gondors," keuchte Faramir überrascht. "Wie... wie ist sie in deinen Besitz gelangt? Ich glaubte sie mit dem Rest von Minas Tirith verloren!"
"Das... ist eine längere Geschichte."
"Bitte, erzähle mir alles!" bat Faramir.

Und so erzählte Elea von ihren Erlebnissen in Minas Tirith. Wie sie in den Verliesen aufgewacht und von Herumor gefoltert worden war. Wie sie schließlich freigelassen und einige Zeit glücklich in der Stadt gelebt hatte. Wie die Bevölkerung immer unzufriedener geworden und letzten Endes einen Aufstand gewagt hatte. Wie sie mit Beregonds Hilfe aus der Stadt entkommen und über Ithilien und Dol Amroth schließlich nach Aldburg gereist war.
"Beregond also hat dir die Krone gegeben! Er ist ein tapferer und treuer Mann Gondors," sagte Faramir nachdem Elea geendet hatte.
"Nun, denke ich, verstehen wir uns besser, Elea von den Dúnedain. Deine Gründe, mir die Krone zu bringen kann ich nachvollziehen, doch bin ich mir nicht sicher, was ich damit tun soll. Selbstverständlich werde ich sie bewahren, doch..."
Er hielt einen Moment inne, sprach dann schnell weiter. "Dir steht es selbstverständlich frei, deinen Sohn zu suchen. Ich hoffe, du kannst ihn davon überzeugen, Saruman nicht länger zu dienen, aus welchen Gründen auch immer er es tut. Mein Herz sagt mir, dass in dieser Angelegenheit nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Lass dir die Umstände erklären und urteile nicht vorschnell."
Elea schien nicht überzeugt zu sein, erwiderte jedoch nichts. Sie übergab die Krone an Faramir, der sie mit einem nachdenklichen Blick entgegennahm. Dann verabschiedete sie sich und verließ den Raum.

Der Rest von Cynerics Wachdienst verlief ereignislos. Gegen Abend machte er sich müde auf den Rückweg zur Rüstkammer und fiel bald schon in einen tiefen, traumlosen Schlaf.


Cyneric, Faramir, Erkenbrand und Elfhelm ins Lager der Elben
Elea zur Ebene von Celebrant
« Letzte Änderung: 9. Jul 2019, 07:56 von Fine »
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