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Autor Thema: In den Verliesen  (Gelesen 5845 mal)

Thorondor the Eagle

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In den Verliesen
« am: 13. Jun 2010, 12:42 »
Elea von Aldburg: In der Stadt


Elea wachte auf. Sie war umringt von Dunkelheit und Kälte. Ein einzelner Lichtstrahl bahnte sich den Weg durch ein handbreites Fenster. Sie erkannte die dunklen Silhouetten von schwarzen Gitterstäben vor sich. Die Frau versteckte sich in der hintersten Ecke des Verlieses an die mit Staub und Schmutz überzogenen ehemals weißen Steinwände lehnend. Aus lauter Verzweiflung liefen ihr Tränen über die Wangen und immer wieder wimmerte sie „Brianna, wo bist du?“ in die eisige Luft.

Kurz nachdem die beiden Frauen den Grenzfluss Gondors hinter sich gelassen hatten wurden sie von Soldaten Gondors aufgeschnappt und gefangen genommen. Sie ritten über die hügeligen Ausläufer des weißen Gebirges bis nach Minas Tirith. Wo sie getrennt voneinander in den Kerker geworfen wurden.

Unzählige Fragen durchfuhren ihren Kopf wie Blitze:
Wo ist Brianna? Hoffentlich geht es ihr gut? Warum sind wir in den Kerkern gefangen? Haben sie Haldar auch geschnappt? Brianna, bist du auch hier? Wollte mir mein Traum das hier deuten? Aber wo ist dann mein Geliebter? Floh er vor den Soldaten Gondors, haben sie ihn entdeckt? Was soll ich hier nur und warum war ich nur so stur? Hätte ich nur vernünftig gedacht! Hätte Haldar nur etwas Vernunft besessen.
„Haldar“, seufzte sie leise in den Raum. Gänsehaut lief ihr über den ganzen Köper, denn die winterliche Kälte war in den Räumen gefangen genau wie sie.
„Elea!“, erwiderte flüsternd eine Stimme „Bist du es?“
Erschrocken suchte sie die Herkunft der Worte. In der Dunkelheit des Verlieses konnte sie kaum etwas erkennen. Sie erhob sich und ging zu den Gitterstäben. Ihr Herz pochte gegen ihre Brust, nicht aus Angst, sondern aus Freude: „Haldar“, stotterte sie vor Aufregung. Sie sah nur eine Hälfte seines Gesichtes, der Rest verschwand in der Dunkelheit. Er reichte seine Hand durch das kalte Metall und legte sie auf die ihre. „Ja, ich bin auch hier“, antwortete er ihr „Ich wurde auch erwischt, als ich den übrigen Orks hinterher jagte. Sie haben mich überwältigt und hierher gebracht, ein paar Stunden vor dir.“
„Aber warum bist du ihnen hinterher geritten?“
„Ich wollte einen von ihnen Lebend erwischen. Wenn sie die Klinge an ihrer Brust spüren sind sie sehr gesprächig.“
„Und was hofftest du zu erfahren?“, fragte sie.
„Dass Aragorn noch am Leben ist und das es eine Möglichkeit gibt um ihm zu helfen!“
„Und nun sind wir Gefangene, genau wie er.“
„Sie dürfen nicht erfahren, dass wir Dúnedain sind, Elea. Sonst fürchte ich sind wir des Todes. Die Getreuen sind keine Freunde Gondors zumindest nicht auch deren Sicht. Du musst den Stern ablegen. Es wäre zu offensichtlich.“
Mit ihrer rechten Hand griff Elea nach dem Schmuckstück um ihren Hals und zog ihn unter dem Kleid hervor. Sie tastete es mit ihren Fingern ab, niemals zuvor hatte sie ihn abgenommen. Nicht seit ihr Großvater ihn ihr geschenkt hat.
„Die Zeiten in denen du ihn wieder offen tragen kannst, werden wieder kommen“, sagte ihr Gemahl zuversichtlich zu ihr und streichelte dabei ihren Arm.
„Die Wände sind marode du findest sicherlich einen losen Stein hinter dem du die Kette verstecken kannst!“ befahl Haldar. Sofort begann sie die Wände und den Boden abzutasten und tatsächlich, gleich neben der eisernen Tür war ein Stein lose im Mauerwerk.

Schritte waren am Gang zu hören. Sie wurde nervös. Sie drehte den Stein in alle möglichen Richtungen, doch er schien nicht mehr in das Loch zu passen. Sie positionierte die Kette um. Erneut versuchte sie den Stein in die Lücke zu drücken. In gleichmäßigem Takt kam jemand näher. Eleas Hände begannen zu schwitzen. Endlich passte der Stein, sie presste ihn fest hinein und warf sich zurück in die Ecke der Zelle. Sie keuchte vor Nervosität und Eile.
Die Türe des Verlieses öffnete sich und ein in Rüstung gekleideter Soldat trat herein.
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 11:39 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re: In den Verliesen
« Antwort #1 am: 19. Jun 2010, 15:25 »
Mit festem Griff packte er sie am Arm und zog sie förmlich aus ihrer Zelle. „Komm mit“, befahl er in ruchlosem Ton. Sie spürte wie sich seine kräftigen Finger in ihre Haut bohrten und dunkelrote Blutergüsse formten.
Elea war traute sich nicht zu widersetzten, nein nicht einmal ein Wort wagte sich über ihre feigen Lippen. Endlos schien der schattige Gang zu sein, der immer wieder von grellen Lichtstrahlen durchzogen wurde. Aufmerksam hielt die Frau nach Brianna ausschau, doch kein Lebenszeichen war zu sehen.

Der Soldat hob eine schwere Holztür aus dem Schloss und öffnete sie einen Spalt breit. „Setzt dich dort hin!“, herrschte er sie an und zeigte dabei mit seinem Finger auf eine graue Steinbank hinter der Pforte.

Lautlos musterte Elea den Raum. Die Wände waren grau verfärbt, durch die schmalen Fenster drang ein wenig Licht und der eiskalte Wind wirbelte den Staub auf. Nichts befand sich in dem Raum außer dem Steinklotz in der Mitte, auf dem sie bereits saß.

Sie dürfen nicht erfahren wer wir sind und woher wir kommen, schoss es Elea durch den Kopf.

Die Türe öffnete sich ein zweites Mal. Ein Mann trat herein, kaum älter als 35 Jahre. Sein Haar war blond und glatt. Ein schwarz-grauer Mantel, reichlich mit Silber und Pelz geschmückt, verdeckte seinen Körper. Mitleidig schaute er auf die Frau.
„Seid gegrüßt!“, sagte er. Seine Stimme klang grauenvoll schrill und kalt. Die Frau antwortete ihm nicht.
„Verzeiht unseren sehr unsanften Willkommensgruß. Ihr müsst wissen, dass es dieser Tage sehr gefährlich ist in Gondor. Überall lauert der Feind. Es bedarf nur einer kleinen Kooperation eurerseits und ihr könnt raus aus diesem schrecklichen verlies.“
Elea wurde aufmerksam bei seinen Worten. Sie erwiderte seine Blicke.
„Sagt mir euren Namen, werte Frau und woher ihr kommt. Ich muss das wissen, denn nicht jeder darf einfach so die weiße Stadt betreten.“
Die Aussicht auf Entlassung aus diesen kalten Mauern verflog. Eleas Kopf war leer. Sie konnte ihm keinen Namen nenne, der nicht zu auffällig gewesen wäre und schon gar nicht ihren richtigen. Schweigend saß sie da und senkte den Kopf.
„Ihr seid schüchtern?“, frage er freundlich „Ich schöre euch, es passiert nichts wenn ihr es verratet. Mein Herrscher will nur wissen wer seine mächtigen Stadtmauern überschritten hat.“
Sie seufzte und wollte schon zum Reden ansetzten. Seine Augen weiteten sich für einen Moment, doch sein Gegenüber schwieg erneut.
„Vielleicht hilft es euch, wenn ich mich erstmals vorstelle. Mein Name ist Herumor, oberster der Stadtwache und rechte Hand des Herren der Stadt. Du siehst also, wer mich seinen Freund nennt, kann großes erreichen. Beantwortet nur meine Fragen und ihr könnt gehen.“
„Woher ich komme wisst ihr doch schon längst und wer ich bin hat keine Bedeutung. Lasst mich gehen, ich bin eine einfache Frau, was kann ich schon großes anrichten“, platzte es nun aus Elea heraus.
„Namen haben durchaus etwas zu bedeuten. Wer seid ihr und was wollt ich hier in Gondor“, brüllte er sie beinahe an.
Elea schrak zurück und schwieg.
„Wenn ich wieder durch diese Tür gehe, werdet ihr eine Gefangene bleiben.“
Langsam schritt er zum Ausgang. Er drückte die Türschnalle nach unten und verharrte einen kurzen Augenblick, doch es kam keine Antwort.
„Ihr habt es wohl nicht anders gewollt. SPERRT SIE EIN!“, hallte sein scharfer Befehl durch  das ganze Gebäude. Ein kalter Schauder lies Elea erzittern. Einsam landete sie in ihrem kleinen Verlies.
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Thorondor the Eagle

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Re: In den Verliesen
« Antwort #2 am: 20. Jun 2010, 10:49 »
Aufmerksam lauschte sie den leiser werdenden Schritten am Gang, bis eine Türe in ihr Schloss viel. Absolute Stille umgab sie.
„Haldar?“, flüsterte sie in die Dunkelheit.
„Ja, ich bin hier.“
„Hat er dich auch schon befragt?“
„Herumor?“, fragte er „Ja. Er ist kein guter Mensch, das hast du sicherlich gleich bemerkt. Seine Freundlichkeit ist trügerisch.“
„Was passiert jetzt mit uns?“, fragte Elea ängstlich.
„Ich wünschte, ich könnte diese Frage beantworten. Aber hier sind wir wenigstens nicht alleine“, sagte er während er zum Gitter schritt und seine Hände durch das kalte schwarze Stahl streckte. Fest schloss er sie in ihre Arme. Langsam erwärmte sich das rostige Eisen zwischen ihnen.

„Hast du ihm deinen Namen verraten?“, fragte ihr Mann leise.
„Nein. Kaum ein Wort konnte er meinen Lippen abringen. Ich mag diesen Mann nicht. Er nennt sich rechte Hand des Herrschers. Aragorn hätte so einen nicht in seinem Gefolge.“
„Vieles würde anders laufen, wäre Aragorn der König Gondors.“
„Ich hoffe wir sehen ihn bald wieder. Dann können wir endlich wieder heimkehren.“
Stundenlang behielten die beiden diese Position bei, ehe sie in ihrer Zelle jeder für sich einschliefen. Tage vergingen und mit ihnen die winterliche Kälte. Das Frühjahr schien dieses Jahr schneller an Kraft zu gewinnen. Morgens schien die Sonne durch den kleinen Spalt in der Mauer und warf ein flammendes Orange in die düstere Umgebung.
Nacht für Nacht nahm sie den Stern der Dunedain aus seinem Versteck. Berührte ihn mit ihren Fingern, lies das Mondlicht in dessen Kristall strahlen und dachte immer und immer wieder an ihr Versprechen: „... Ich werde ihn in Ehren halten und immerfort tragen, als Zeichen unseres Volkes und unserer Abstammung und zum Gedenken an dich.“
Ich hätte niemals gedacht ihn eines Tages verbergen zu müssen. Unser starkes Volk muss sich verstecken vor minderwertigen Menschen wie Herumor. Wie weit es nur gekommen ist und wie Dunkel diese Zeiten sind. Doch einen Lichtblick habe ich...

Sie sah in die Zelle neben sich und lächelte ein wenig. Leise hörte sie ihren Mann atmen. Er schlief tief und fest. Behutsam verstaute sie das Schmuckstück wieder in seinem steinernen Versteck und legte sich ganz zum Gitter ihres Verlieses. Auch sie schlief ein.

In jener mondhellen Nacht besuchte sie wieder derselbe Traum wie auch in Aldburg:
Elea erwacht in ihrem goldenen Käfig. Sie suchte einen Ausweg aus all dem, doch da war keiner.
Sie erinnerte sich an ihren letzten Traum: „HALDAR“, schrie sie laut.
Diesmal bekam sie keine Antwort. Angst überschattete ihr ohnehin besorgtes Gemüt. Würde Haldar wieder fort sein wenn sie aufwachte?
„Pssst!“, hörte sie aus einer dunklen Ecke „Ich bin doch hier mein Liebling.“
„Komm zu mir“, bat sie ihn.
„Ich kann nicht. Die Wachen sind überall.“
„Es ist doch zu spät. Ich sitze doch schon im Gefängnis. Wenn ich aufwache, bist du dann erneut fort?“
„Stets bin ich bei dir mein Schatz. Ich habe dich nie aus den Augen gelassen und das werde ich auch nicht“, flüsterte er tröstend.
Direkt in ihr Herz wanderten diese Worte. Ihr wurde wohlig warm.
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Re: In den Verliesen
« Antwort #3 am: 20. Jun 2010, 18:08 »
Wie ein kalter Schneesturm auf nackter Haut traf sie ein kalter Wasserstrahl. Sie fuhr hoch. Sie sah noch nicht ganz klar, nachdem sie so fest geschlafen hatte, doch sie erkannte die Umrisse einer silbernen Rüstung, einen Kübel in der Hand haltend.
Der eiserne Griff packte sie wieder am Oberarm und schleifte sie in den kalten Raum am Ende des Ganges. Das kalte Wasser tropfte von ihren Haarspitzen herunter und durchnässte ihr Gewand. Die Kälte die in den Räumen gefangen war, fing an zu beißen. Die Frau zitterte.

„Hallo meine Schöne!“, begrüßte sie wieder die grauenvolle Stimme Herumors. Seine dunkelgrauen Augen fixierten Elea. „Ich hoffe Ihr habt euch schon ein wenig eingelebt in eurem neuen zuhause“, zischte er herzlos.
„Habt ihr jetzt endlich Lust mit mir zu sprechen?!“
Elea schwieg weiterhin. Sie rieb sich mit ihren Händen an den Oberarmen um etwas Wärme zu erzeugen. Sie fror furchtbar.
„Seid ihr aus Aldburg?“, schrie er sie an.
Die Frau gab ihm keine Antwort.
„Oder kommt ihr noch weiter aus dem Norden. Haben euch die Elben geschickt?“, fauchte er und riss dabei ihr Haar nach hinten um ihre Ohren zu betrachten.
Schmerz durchfuhr ihren Kopf und sie schrie laut auf.
„Ihr seid also keine Elbin. Dann erklärt mir...“, sagte er während er zur Türe ging und irgendetwas hervorholte. „Erklärt mir woher ihr das habt!“, brüllte er sie an. „Ein geschwungenes Kurzschwert, ein Bogen, diese fein verarbeitete Rüstung und dies...“. Mit seinen langen, fast grauen Fingern zerrte er die feinen Stoffe Arwens aus dem Rucksack und rieb sich damit an der Wange. „Feinster Stoff, nur Elben vermögen solch anschmiegsame Kleider zu erzeugen. Elben aus Lorien und dem Düsterwald. Wer seid ihr und warum seid ihr hier?“, schrie er noch einmal.

Die Frau blieb hartnäckig. Sie sah auf die Geschenke der Elben die leblos vor ihr auf dem Boden lagen wie altes Gerümpel.
„Ich bekomme meine Antwort, törichtes Weib. Koste es was es wolle. Ich rate dir endlich zu sprechen, denn meine Methoden sind noch sanft im Gegensatz zu jenen die mein Herr zur Anwendung bringt.“
„Von welchem Herrn sprecht ihr. Es gibt nur einen dem die Königswürde zusteht und euer Gebieter ist es nicht!“, zischte Elea zurück. Zuerst zaghaft, doch dann in lautem und bestimmten Tonfall.
„Ach, so eine seid ihr. Eine Getreue des Königs“, Verachtung und Hass lag in seinem Ton „dann seid ihr hier genau am richtigen Ort. Nur eure Freunde werdet ihr hier in den Verliesen finden... Und jetzt frage ich euch ein letztes Mal, wie lautet euer Name und woher kommt ihr?“
Sie hasste Herumor. Er war grausam und ungehalten. Sie verweigerte ihm die Antwort, denn es hätte ihn nur zufrieden gestimmt. Es folgte ein Schlag ins Gesicht, der wie Feuer auf ihrer Haut brannte. Ihre Wange errötete und aus ihrer Nase rann ein Tropfen Blut.
„Sagt es mir...“, forderte er sie nochmals auf.

Der Schmerz überwältigte sie. Ihr Körper sank von der Bank auf den Boden und sie schloss ihre Augen. Als sie sie wieder öffnete war sie in ihrer Zelle. Die Kälte war unerträglich. Mit ihrer Hand griff hielt sie die schmerzerfüllte Wange. Draußen war es bereits dunkel nur das schwache Licht des abnehmenden Mondes schien in die Zelle. Elea begann laut zu schluchzen und zu weinen. „Ich hasse ihn, ich hasse ihn,...“ murmelte sie zu sich selbst. Die Wange begann erneut zu brennen. Überrascht blickte sie auf ihre Handfläche. Ein dicker schwarzer Strich war zu sehen. Einer von Herumor Ringen hatte wohl eine Wunde in ihre Gesicht gerissen.
Sie zerrte am Saum ihres Kleides und trennte ein Stück herunter um es auf die Wunde zu drücken. Es brannte für einen Augenblick. Die Tränen flossen ihn Strömen, als sie sich zum Gitter schleppte um mit ihrem Gemahl zu sprechen.
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Thorondor the Eagle

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Re: In den Verliesen
« Antwort #4 am: 11. Jul 2010, 12:33 »
Ihr Blick wanderte zur Silhouette ihres Mannes. Er stand schweigend am Fenster und schaute zu den verhüllten Sternen in den Himmel. Ein schwaches Licht von draußen gab ihn zu erkennen.
„Er hat mich geschlagen“, begann sie weinerlich zu klagen „Ich blute.“ Sie sah wie sich sein Gesicht zur ihr wandte. „Ich habe von Aragorn gesprochen. Es tut mir so Leid... Er brachte mich zur Weißglut als er immer wieder von seinem Herren der Stadt sprach. Wer ist dieser und welches Recht hat er? Ich vermisse Aragorn, ich vermisse ihn so sehr. In den letzten Tagen musste ich immer wieder daran denken, wie wir früher gemeinsam im Wald spielten. Ich dachte an Arwen und ihren Kummer. Und ich dachte an Helluin. Ich hoffe es geht im gut. Besser als uns auf alle Fälle.“ Sie hielt einen Moment inne. Sie sah auf das blutige Tuch und musterte es genau. Die Blutung hatte schon wieder etwas nach gelassen, aber die Wunde brannte als die eiskalte Luft in sie eindrang. Schnell presste Sie das Tuch wieder darauf und erdrückte den Schmerz förmlich: „Ich hätte nichts zu Herumor sagen sollen. Er hasst uns jetzt, noch mehr als er uns vorhin schon verabscheute. Ich hätte ihm keinen Hinweis geben sollen...“
„Oh doch, meine Liebe. Du hast genau richtig gehandelt“, frönte eine krächzende Stimme. Elea erstarrte. Ihr wurde furchtbar Übel als das blasse Gesicht und die weiß-blonden Haare Herumors aus dem Schatten traten.
„Nun endlich bin ich dem Rätsel einen großen Schritt näher und das aufgrund eines kleines Hinweises auf eure nächtlichen Gespräche, den mir einer der Soldaten gab. Eine Freundin Aragorns bis du, aber keine Getreue aus Gondor, nein... aus dem Norden. Eine von den Dunedain, denke ich. Die Starrsinnigkeit dafür hättest du und mit Arwen bist du auch befreundet. Diese ekelhafte Elbe, die sich Geliebte Aragorns nennt“, seine Lippen und Hände zitterten vor Erregung als er seine überlegenen Schlüsse kundtat „Jetzt müsst ihr mir nur noch euren Namen verraten, Dunedain, soweit es eure Sturheit überhaupt zulässt. Oh, mein Herr wird sich freuen eine solche gute Nachricht zu erfahren. Es würde mich nicht wundern, wenn er persönlich zu euch in die Verliese herab steigt. Doch dann liegt es nicht mehr in meiner Macht Gnade walten zu lassen.“ Ein krankhaft, kühles Grinsen lag auf seinen Lippen als er die Zelle neben Elea verließ. „Eine Dunedain“, murmelte er leise vor sich hin „ein törichtes Weib... hierher zu kommen und zu glauben willkommen zu sein...“

Elea begann zu schwitzen, obwohl eisige Kälte in der Luft lag. Ihr Hals fühlte sich dick an und sie rang nach Luft. Ängstlich kauerte sie sich in die hinterste Ecke ihres Gefängnisses. Ihre beiden blau-grauen Augen waren weit aufgerissen und starrten in die nichtssagende Leere. Jedes noch so kleine Geräusch lies sie aufschrecken, als würde die Welt zusammenbrechen. Mehrmals schluckte sie runter, doch dann musste sie sich übergeben. In jener Nacht konnte sie nicht schlafen, sie war zuerst geschockt, doch nach und nach wurden ihr erst die Folgen bewusst, die ihre Unachtsamkeit mit sich brachten. Jede Minute erschien ihr länger und länger, um sie noch mehr zu quälen.

Was hab ich nur getan?
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Thorondor the Eagle

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Re: In den Verliesen
« Antwort #5 am: 24. Jul 2010, 19:51 »
All die Fragen die sie sich selbst stellte, ließen sie auf eines ganz vergessen. Wo war Haldar geblieben, wenn Herumor in seiner Zelle gewesen war? Hatten sie ihn gerade beim Verhör, die ganze Nacht? Oder war er in ein anderes Verlies gesperrt worden, weit weg von Elea?

Außerhalb der Mauern war es grau. Die Dämmerung brach herein, Elea kauerte verängstigt in der Ecke. „Komm mit“, forderte sie die dumpfe, tiefe Stimme des Wärters auf. Ohne jegliche Hoffnung und erfüllt von unbezwingbarer Angst und Ungewissheit erhob sie sich. Sie schleppte sich zur Türe. Dieses Mal packte er sie nicht so grob am Arm wie die Tage zuvor. Sie ging alleine ihrem Schicksal entgegen. Eleas Kopf war zum Boden geneigt, so dass ihre kohlrabenschwarzen Haare tief in ihr Gesicht hingen.
Schritt für Schritt ging sie den Gang entlang. Die Zellentür fiel in das Schloss, es folgte ein eigenartiges Geräusch, wie wenn ein Kiesel die Straßen hinab fällt. Wortlos schritten die beiden weiter. Heute öffnete er Elea sogar die Tür zu dem Verhörraum.
„Setzt dich hin“, befahl er ihr. Während er schnellen Schrittes davon ging, hörte sie ihn nur noch „armes Ding“ murmeln.
Der Raum war kühler als normalerweise. Die Frau zitterte am ganzen Körper, sie ahnte was jetzt kam. Sie hörte Schritte, kaltes Metall, das auf den noch kälteren Steinboden stampfte. Ein lautes, unangenehmes Schnaufen erfüllte die Kammer. Ein eisiger Schauer überkam sie und durchfuhr ihre Schultern, ihren Oberkörper, ihre Beine.

Je näher der Körper ihr kam umso mehr bebte der ihre und umso mehr presste sie ihre Augen zusammen. Sie nahm die spitzen metallverkleideten Finger wahr, als sie langsam ihren Hinterkopf hinunterglitten und sich leicht, aber schmerzhaft in ihre Kopfhaut bohrten.
„Dein Name!“, zischte die Stimme.
Die offene Hand ballte sich zu einer Faust, die Haare Eleas fest haltend. Mit einem Ruck zog fest daran an. Grauenvoller Schmerz überströmte ihren Kopf. Ihr Gesicht war nach oben gerichtet, doch ihre Augen fest verschlossen. Etwas scharfes berührte nun den zarten Hals der Frau. „Sag mir deinen Namen!“, befahl die flüsternde Stimme noch einmal. Sie spürte die Luft, die er beim Sprechen ausatmete. Die kalte Klinge fräste sich ein paar Millimeter in die Haut. Es brannte höllisch. Ein Schwall aus warmem Blut floss ihre Brust hinab und wurde vom Stoff aufgesaugt. Ihre Lippen öffneten sich, aber kein Wort kam über ihre blau-violetten Lippen.
Plötzlich öffnete sich die Türe. „Mein Herr, seht!“, ertönte Herumors Stimme. Der eiserne Griff ließ nach und die Klinge verschwand. Elea hörte nur noch schnelle Schritte und eine zuknallende Türe. Einige Minuten saß sie regungslos da, um sicher zu gehen, dass niemand im Raum war. Dann presste sie die Hand fest auf die Wunde an ihrem Hals. Sie vergoss keine Tränen, in ihr kochte unermessliche Wut.
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Thorondor the Eagle

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Re: In den Verliesen
« Antwort #6 am: 14. Aug 2010, 21:18 »
Wortlos lag Elea auf dem kalten Steinboden. Mit jedem Atemstoß wirbelte sie den Staub auf, der sich all die Wochen hier abgelegt hatte. Ihre Augen waren weit geöffnet, doch ihr leerer Blick starrte hoffnungslos an die Wand. Sie wirkte beinahe Tod. Stunden vergingen ohne jegliche Bewegung, da öffnete sich plötzlich wieder die Türe. Schwere Schritte näherten sich ihr.
Schwarze Stiefel traten in ihr Blickfeld und auf einmal hörte sie ein klirrendes Geräusch. Der Stern der Dunedain, das Erbstück ihres Großvaters landete vor ihrer Nase am Boden. Elea zuckte ein wenig zusammen, wagte es aber nicht sich zu bewegen. Die Stimme im Hintergrund verschwamm in ihren Gedanken. Eine ihrer Hände griff nun nach dem Schmuckstück. Elea umklammerte es fest.

„Es wird Zeit, dass ihr zu sprechen beginnt, wenn euch euer Leben lieb ist. Ich habe nachgeforscht und ich weiß, dass dies ein Erbstück Numenors ist, ja sogar von Elendil persönlich. Kein einfaches Weib würde dies tragen, nicht einmal wenn es gestohlen wäre. Sagt mir endlich wer ihr seid!“ sagte Herumor, dessen Stimme nun sanfter doch immer noch herrisch klang „Seid ihr eine Dunedain aus dem Hause Elendils?“. Tränen bildeten sich in ihren Augen, sie presste sie fest zusammen und nickte einmal kurz.
„Wie ist euer Name?“, hakte er noch nach.
„Elea“, stotterte sie in flüsterndem Tonfall.
„Nochmal“, forderte Herumor Elea auf und ging mit seinem Ohr direkt an ihr Gesicht. Sein Haar fiel auf ihre Wangen. „Elea“, stieß es ihr den Hals hinauf. Zufrieden mit dem Ergebnis erhob er sich wieder und wollte den Raum verlassen. „Halt!“, rief ihm Elea hinterher. Sie schluchzte laut: „Wo ist mein Mann, darf ich zu ihm?“
„Woher soll ich wissen wo dein Mann ist“, warf er kalt zurück und verlies den Raum.
„Wo ist er? Wo habt ihr Haldar hingebracht“, rief sie Herumor hinterher. Sie sank zu Boden und vergrub ihren Kopf zwischen den Knien. Die Türe fiel ins Schloss.
„Mein Schatz, hier bin ich doch“, hörte sie die Stimme ihres Gatten, der nun bei der Tür stand „Warum weinst du?“ Er hatte schnitte und violette Blutergüsse im Gesicht und seine Hand war provisorisch in schmutzigen Verband gewickelt und er hinkte.
„Haldar“, rief Elea und warf sich ihm um den Hals. Er biss seine Zähne vor Schmerz zusammen und erwiderte ihren Gefühlsausbrüche.
„Sie wissen es; Sie wissen alles. Er hat den Stern gefunden“, sagte sie verzweifelt und begriff den Verrat den sie begangen hatte.
„Ich weiß“, antwortete er nur „Vielleicht ist das doch nicht so schlecht, wie ich vorerst dachte.“
Zärtlich küsste sie ihn auf die Lippen um ihm für seine Nachsicht zu danken.
„Komm setzt dich in. Was haben sie nur mit dir angestellt“, fragte Elea.
„Ähnliches wie mit dir“, gab er zur Antwort und strich mit seiner gesunden Hand über die Wunde an ihrem Hals.
„Ohne dich bin ich einfach zu schwach“, sagte die Frau „Hier, zuhause oder sonst wo auf der Welt. Ich bin ein nichts ohne dich!“
„Sag das doch nicht. Sieh dich an, ganz alleine ist du vom Abendrotsee hierher gekommen, hast Herumor lange die kalte Schulter gezeigt. Ganz alleine hast du Helluin aufgezogen, ganz alleine hast du mich überwunden.“
„Ja! Aber jetzt hab ich dich ja wieder“, beruhigte sie sich selbst und drückte ihn dabei ganz fest an sich. Elea schloss ihre Augen und vergaß vor lauter Zufriedenheit ihren Schmerz und Kummer. Sie gab der Erschöpfung nach und schlief ein.
„Komm mit“, rief eine Stimme und riss sie aus dem Schlaf. Erschrocken öffnete sie die Augen und richtete sich auf. Sie sah noch verschwommen, doch sie erkannte das blonde Haar und die Umrisse der schwarzen Figur vor sich.
Schweigend folgte Elea Herumor. Zum ersten Mal ging sie nicht mehr zu ihrer Zelle zurück. Sie passierten eine Holztür und erstmals seit einem Monat sah die Frau die Sonne wieder. Sie standen inmitten der  weißen Stadt, umgeben von patroulierenden Soldaten. Mit eiligem Schritt gingne sie den Ring entlang zu einem in den Fels gemeißelten Raum. Es kam ihr so bekannt vor, doch sie wusste nicht woher.
Herumor öffnete das Tor und wies ihr den Weg. Da erkannte Elea den Raum. Sie hatte ihn schon in ihrem Traum gesehen: „Wie gewinnt man eine Schlacht, deren Sieg ausgeschlossen war. Wie verteidigt man eine Stadt, die von der Obrigkeit aufgegeben wurde. Wie überlebt man einen Kampf, wenn alle Hoffnung in den Menschen erloschen ist? – Mit Freunden an seiner Seite: Elben, Menschen und Zwergen vereint gegen die Dunkelheit. Sie standen uns bei und sie gewährten dem König die Rückkehr. Euch sei gedankt und ewig gedenken wir den Opfern; hier in Minas Tirith, in der Stadt der Könige - der Stadt des Königs“, las Elea den Gedenkspruch und sofort fühlte sich Elea unbehaglich und eine unergründliche Angst breitete sich in ihr aus. Ihr Blick zielte auf die Stelle, die in ihrem Traum leer geblieben war. Und da stand es, in großen Buchstaben gemeißelt: „Haldar aus den Reihen der Grauen Schar."

Der Frau wurde schwindlig und übel. Sie fiel in Ohnmacht.


Elea zum Haus im vierten Ring
« Letzte Änderung: 21. Feb 2016, 22:50 von Fine »
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Vexor

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Re:In den Verliesen
« Antwort #7 am: 1. Nov 2010, 16:45 »
…Brianna, Paola und das rothaarige Mädchen vom Haus der Kurtisanen

Es war tiefschwarze Nacht, als sie den kleinen Platz erreichten, der in der Nähe der Verließe lag. Brianna keuchte und stützte sich an die Hauswand, als die drei eine kleine Pause machten. Entschlossen stellte sich Paola vor sie und fuhr ihr durchs braune Haar.
„ Brianna, es tut mir leid, aber weiter wirst du nicht gehen können. Nër und ich wissen, wie man an den Wachen vorbeikommt, aber bei du kennst dich in diesen Belangen nicht aus“, sagte Paola und überprüfte, ob ihr Dolch auch in der Halterung ihres Strumpfbandes saß.
Brianna schüttelte protestierend den Kopf, aber es vermochten sich keine Worte zu bilden, um ihren stummen Protest Nachdruck zu verleihen.
„ Du wartest hier, während wir beide in das Verließ eindringen, um das neueste zu erfahren“, forderte Paola Brianna noch einmal eindringlich auf, und als sie sich gerade umdrehen wollte, setzte sie noch mit monotoner Stimme nach, „ Und sollten wir vor der Dämmerung nicht zurück sein, verschwinde von hier Brianna!“.
Vollkommen irritiert nickte Brianna, bevor sie sich auf die kleine Parkbank setzte und den beiden hinterher blickte, die wie zwei Schatten über den Platz huschten, bevor sie von den steinernen Gassen verschlungen wurden.



Die beiden machten kein Geräusch und als sie die Wache erblickten, die vor dem Zugang zum Verließ patrouillierte, drückten sie sich schützend an die Mauer.
„ Vorsicht!“, zischte Paola mit ihren weichen Lippen, bevor ihre kakaobraunen Augen sich verengten und die Situation sondierten. „ Ich sehe nur eine Wache Nër….ich denke wir gehen beide“, flüsterte sie dem rothaarigen Mädchen zu, welches amüsiert die Lippen verzog.
Graziös lösten sich die beiden Schatten von der Wand und traten auf die Straße, die nur von wenigen Fackeln in warmes Licht getaucht wurde.
Kichernd steckten sie die Köpfe ineinander und blickten auffällig zu dem Wachmann. Jener, der äußerst dick war, schaute sich verdattert um, als er die zwei Frauen auf der Straße erblickte.
„ HEY! Ihr dürft um diese Uhrzeit nicht mehr auf der Straße sein“, brüllte er zu den Frauen herüber, die nur noch lauter kicherten.
„ Seid ihr beide TAUB?!!“, rief der Mann entrüstet, als Nër ihren Kopf hob und unschuldig mit den Augen klimperte.
„ Meinten sie uns gnädiger Herr?“, fragte sie mit der zuckersüßesten Stimme, die sie beherrschte und deutete, um ihre Frage zu verdeutlichen, mit dem Zeigefinger auf sich. Noch ehe der Wachmann etwas erwidern konnte, kam sie auf ihn zugeschlendert, während sie sich die roten Locken zwirbelte und betont die Hüften schweifen ließ.
Paola hatte demütig den Kopf gesenkt, aber folgte ihr nicht minder kokett.
„ Wir wissen dass es schon sehr spät ist“, flüsterte sie und stand nun direkt vor ihm. Er hatte grobporige Haut und war vielleicht gerade mal Zwanzig Jahre alt.
„ Denn..dennoch müsst ihr beide jetzt gehen! Vor den Ver…verließen darf sich niemand auf…aufhalten“, stotterte er, als er sah wie Nër ihr Haarband lockerte und sich die rote Mähne sanft über ihre Schultern legte.
Paola trat nun vor und blickte mit spielerischen Augen die Wache an, „ Du hast wunderschöne grüne Augen“.
Der Junge errötete und als Nër ihre Hand auf seinen Bauch legte, wurde im sichtlich unbehaglich.
„ Ist dir hier nicht ein wenig langweilig?“, sie stellte sich auf die Zehenspitzen, damit sie sein Ohr besser erreichte und hauchte verführerisch hinein, “ wir könnten in mein Zimmer gehen!“
„ I-i-ich…a-a-ab…d-as“, stammelte der junge vor sich hin, als Paola hin über das Gesicht streichelte.
„ Genau komm mit uns beiden mit“, sagte sie aufgeweckt und zog den Rock ein wenig nach oben, um mehr von ihrem Bein zu offenbaren.
Der Junge leckte sich die Lippen, als ein Schrei die Szenerie durchbrach und die Wache sich erschrocken umdrehte.
„ JEROMER! Was zum Teufel machst du da“, ertönte die militante Stimme einer anderen Wache, der gerade aus den Verließen kam. Er war mindestens um zwei Köpfe größer als Paola und auf jeden Fall mehr als doppelt so breit wie sie. Er trug seine Lanze fest in der Hand und eine kleine Ader pulsierte auf seiner Stirn.
„Ä-h-hm…das sind Freundinnen von mir“, stammelte Jeromer, dem das Blut nun vollkommen in den Kopf geschossen war.
„ Freundinnen?! Das ich nicht lache…das sind die Huren aus dem Kurtisanenhaus…die da…die Rothaarige hab ich doch schon mal flachgelegt“, spottete er und zog Nër an den Haaren zu sich.
Das Mädchen kreischte und Paola zischte, „ Verdammt!“.
„ Nicht war…du wolltest es richtig dreckig“, sagte er und leckte ihr übers Gesicht. Das Mädchen fuchtelte mit den Armen und versuchte dem Klammergriff der Wache zu entgehen.
Die Wache sank zu Boden, als Paola das Messer aus seiner Kehle zog. Schnell ergoss sich das Blut auf dem steinernen Boden und tränkte es damit.
„ Niemand fasst ungefragt meine Mädchen an“, fauchte Paola und spuckte auf die tote Wache am Boden. Ernst drehten sich die beiden um, und alles Verführerische war von ihnen gewichen. Paolas Schläfen pulsierten und Nërs Gesicht war rotangelaufen, vor Zorn und Schamgefühl.
„ Und was ist mit dir Jeromer?“, fragte Paola spöttisch, „ wenn du gehst und keinen Alarm schlägst kommst du davon, andererseits endest du wie dein Freund da!“.


Warum habe ich so alleine ziehen lassen? Was mache ich denn jetzt hier eigentlich?
Brianna hatte die Arme verschränkt und ging nervös den kleinen Platz auf und ab. Vor Nervosität fing sie an ihre Fingernägel zu kauen, um sich irgendwie abzulenken.
Verdammt! Wo bleiben die denn nur?...Ob es ein Mädchen, oder ein Junge wird?...Ich mache mir langsam Sorgen!...Wie wird Araloth darauf reagieren?...Vielleicht sollte ich ihnen hinterherlaufen?
Ihre Gedanken rasten, und als sie ein leises Kreischen vernahm, erstarrte sie augenblicklich. Sie zögerte, entschied sich daraufhin dennoch Richtung Verließ zu laufen.
Sie spurtete und erschreckte sich beinahe zu Tode, als eine Woche mit leichenbleichen Gesicht ihr wortlos entgegen gesprintet kam, und sie keines Blickes würdigte.
Bereits einen Moment später klärte sich die Situation für Brianna, als sie Paola und Nër erblickte, die über einen Mann standen und sich angeregt unterhielten.

Sie sah das Blut und übergab sich.


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Vexor

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Re:In den Verliesen
« Antwort #8 am: 4. Nov 2010, 20:10 »
Klick ertönte das Metallerne Geräusch in Paola schob ächzend das Tor zu den Verließen auf.
Die haben die unschuldige Wache einfach umgebracht und ihre Leiche einfach in das Gebüsch geworfen…ich bin sprachlos
„ Brianna?!, komm jetzt“, ertönte Paolas dominante Stimme und ebenso wie das klickende Geräusch des Schlüssels vibrierte sie in ihrem Kopf.
Benommen nickte sie nur den Kopf und folgte den beiden, die schnell den langen Korridor entlang liefen, der mit keinen Fenster versehen war und nur von Fackeln, die sich immer wieder in den gleichen Abständen wiederholten, erleuchtet wurde. Ihre Schritte hallten durch den Gang und Brianna hatte das Gefühl, dass ihr Schädel bald platzen würde, wenn sie nicht bald anhalten würden und so schloss sie die Augen und rannte dabei fast in Nër, die im Korridor stehen geblieben war.
Sie legte ihren Finger auf ihre hellroten Lippen und gemeinsam blickten sie um die Ecke, um zu sehen, ob der Weg rein war.
„ Paola?“, flüsterte Brianna, bevor sie weitergingen, „ Woher wissen wir, wo die Gefangen sind?“
„ Ich weiß es einfach…weibliche Intuition“, sagte sie und zwinkerte Brianna zu.


„NEEIN!“, schluchzte Brianna und klammerte sich an die Gitterstäbe. Ihre Stimme bebte vor Trauer und heiße Tränen kullerten über ihre Wange, während sie ihr bleiches Gesicht an die Gitterstäbe presste. Der stechende Geruch des verrosteten Eisens verursachte ihr Übelkeit, aber sie riss sich zusammen, denn sie wollte keine Schwäche zeigen.
„ Brianna wir müssen gehen, bevor die Wachen kommen“, forderte sie Nër eindringlich auf, die selbst den Tränen nahe war.
„NEIN, nein, neein! Ich lass ihn hier nicht allein“, fauchte Brianna die verzweifelte Nër an, die unschlüssig zu Paola blickte, die regungslos an den Gitterstäben lehnte.
Brianna musste spucken und schmeckte Blut, als sie sich vom Boden aufrichten wollte. Die Ohrfeige Paolas hatte sie wie ein Blatt im Wind von den Gitterstäben gerissen und auf den Boden katapultiert.
„ Du kommst jetzt mit Brianna! Tut nützt du niemanden was. Weder Araloth, noch deinem Kind. Er lebt, das weiß ich, und du solltest daran glauben, dass er lebt. Er würde sich das nie verzeihen, wenn du seinetwegen hier bleiben würdest, und von den Wachen erwischt wirst und wer weiß, was dann mit dir passiert.
Übernimm endlich Verantwortung! Verantwortung für dich und dein Kind…du musst jetzt nicht mehr allein für dich Sorge tragen. Deswegen kommst du jetzt mit uns mit und wir werden einen Weg finden Araloth zu befreien.“
Brianna drehte es den Kopf und das Bild Paolas drehte sich, als sie Nërs Hand ergriff und sich aufrichten ließ.
„Wie kannst du dir da so sicher sein“, erwiderte Brianna kleinlaut, während sie mit wässrigen Augen auf den regungslosen Araloth blickte, dessen Gesicht mit Blutergüssen unterlaufen war.
Paola schmunzelte und sagte, „ Ich weiß es einfach…weibliche Intuition!“.


Brianna zu ihrer Wohnung
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 15:11 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re:In den Verliesen
« Antwort #9 am: 30. Apr 2011, 20:57 »
Brianna, Paola und Elea von den Straßen von Minas Tirith


Eine Eiseskälte überkam Elea als sie die Front des Gefängnisses vor sich sah. Seitdem sie daraus entlassen wurde, hatte sie es nicht mehr richtig wahrgenommen. Sie sah auf die andere Straßenseite oder auf den Boden wenn sie daran vorbei lief, denn zu viele schreckliche und unwirkliche Stunden hatte sie darin verbracht. Nur widerwillig ging sie damals hinein um Ioreth und Araloth den ersten Besuch abzustatten.

Die langgezogene Front war weiß und übersät von langen, dunklen Schatten. An den Ecken erhoben sich zwei massive Ecktürme, die den Rest des Gebäudes um gut drei Meter überragten. Die Fenster waren kleine schwarze Löcher hinter denen nichts als Unheil wartete. Uneinnehmbar erschien diese Festung, doch in dieser Nacht war alles anders. Die Soldaten und Wächter der Stadt wurden alle in die unteren Ringe berufen, da Aufständische durch die unzähligen Gassen zogen und all jene boykottierten, die gegen sie waren. Elea fixierte ihren Blick auf das Portal, das kaum 50 Meter vor ihrer Nase lag. Es stand offen und aus ihm kam die gleiche verzehrende Dunkelheit wie aus den kleinen Öffnungen ringsum.

„Der Weg ist frei. Schnell lasst uns hinein gehen ehe noch jemand zurück kommt.“
Mit einem Satz sprangen die drei Frauen auf und liefen lautlos über die vom Mond beschienene Straße. Brianna schloss die Tür hinter sich. Ohne auch nur zu atmen begannen die drei Frauen wie auf Kommando den Boden abzutasten. Plötzlich fühlte Elea zwischen ihren Fingern einen Stofffetzen. „Tz, tz“, zischte sie durch den stockfinsteren Vorraum. Eine Hand taste sich ihren Rücken hinauf und fühlte in Richtung ihrer Entdeckung.
„Lass ihn uns fesseln“, flüsterte Elea leise.
Sie bekam keine Antwort, stattdessen spürte sie wie sich ein warmes Gerinnsel über dem Boden verteilte.
„Was machst du? Hast du ihn…“
„Zum Schweigen gebracht“, flüsterte nun Paolas Stimme zurück.
„Das war nicht Teil des Plans. Du kanntest ihn nicht. Vielleicht stand er auf unserer Seite.“
„Vielleicht ja, vielleicht nein. Das Risiko war zu groß. Was ist wenn er sich morgen daran erinnert, dass ihn Doreál niedergeschlagen hat, was wenn er aufwacht und dein Gesicht sieht“, verteidigte sich die Kurtisane.
„Es war nicht Teil des Planes!“, fuhr sie Paola nochmals an.
„Los, wir müssen weiter“, sagte sie und ignorierte Eleas Vorwürfe.

Verzweifelt griff Elea wieder nach dem Türgriff hinter sich. Sie tastete die kalte Wand nach der erloschenen Fackel ab. Es dauerte einen Moment bis ein Funke die in Öl getauchten Fetzten entzündete.
Eilig gingen sie den linken Gang entlang. Das Klimpern der Schlüssel in Paolas Hand war deutlich zu hören, doch kein Mensch war in der Nähe. Mit einem Male riss Brianna ihr den Bund aus der Hand und hastete zu einer Zelle in der sie Araloth längst erspäht hatte.
„Araloth! Araloth! Mein Geliebter“, hastig probierte sie mehrere Schlüssel aus ehe sie den richtigen erwischte und das Verlies aufriss. Innig umarmten sich die Beiden und küssten einander. In diesem Moment waren sie wohl kaum in diesen dunklen Räumen, denn sie hörten die Anweisungen Paolas nicht.

Elea’s Nervosität stieg jedoch stetig. Sie hatte Angst entdeckt zu werden und deshalb begann sie schnell zu handeln. Mit dem Schlüsselbund öffnete sie mehrere Zellen und befreite all jene, die damals bei dem Treffen in den Heilhäusern gefangen genommen wurden. Zuletzt kam Ioreth an die Reihe. Sie sah noch älter als gewöhnlich aus. Die letzten Monate hatte sie viel an Gewicht verloren und auch an Farbe im Gesicht.
„Elea!“, sagte sie überrascht und vorwurfsvoll „Was machst du nur hier? Warum kommst du hierher?“
„Um dich zu retten, unsere Anführerin“, antwortete Elea stolz.
„Es ist töricht mich zu retten. Wenn der Strick nicht mein Leben fordert, dann wohl mein hohes Alter und du junges Ding riskierst hier deinen Kopf.“
„Ich wäre nicht gekommen, wenn du es nicht wert wärst.“
„Ich wert. Pffff,… Mir scheint meine lange Abwesenheit hat deinen Scharfsinn vernebelt.“
„Wenn ich dich so ansehe, erkenne ich dich kaum wieder; aber wenn ich dich sprechen höre, weiß ich sofort wer hier vor mir steht“, sagte Elea etwas spöttisch.
„Dasselbe könnte ich auch von dir behaupten.“
„Lass uns gehen. Ich helfe dir“, forderte Elea sie auf und legte dabei Ioreth’s Arm über ihre Schultern.
Mit viel Gedränge konnte Paola Brianna und Araloth aus ihrer Zelle vertreiben. Sie suchten den schnellsten Weg aus dieser großen Feste auf die freie Straße. Viele rannten voraus, doch Elea musste sich dem Tempo von Ioreth anpassen und so kamen sie etwas verspätet in der engen Seitengasse an. Sie setzten sich auf einen kleinen Vorplatz beim Portal eines verlassenen Hauses und diskutierten flüsternd über das weitere Vorgehen.


Araloth, Brianna, Paola, Ioreth und Elea auf die Straßen von Minas Tirith
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:11 von Fine »
2. Char Elea ist bei der Ratsversammlung von Aldburg


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