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Autor Thema: Die Flüsse Rohans und der Rauros  (Gelesen 3663 mal)

The Chaosnight

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Die Flüsse Rohans und der Rauros
« am: 17. Okt 2010, 20:23 »
Aiwyn, von: Aldburg


Kaum hatte sie die Stadt verlassen und die trostlosen, zerstörten Weiten Rohans erneut passiert ging sie ohne zur Seite zu gucken immer weiter geradeaus bis sie erneut vor dem ruhigen und teilweise noch immer schwarzem Schneeborn stand, dem sie aufmerksam folgte bis dieser sich in zwei Richtungen teilte. Da sie sich zu erinnern glaubte, dass die Abzweigung nach Norden zurück zum Fangorn führen würde beschloss sie den Fluss in südlicher Richtung zu folgen. Er verlief hier um einiges schneller als auf der Höhe des Dorfes und war auch erheblich klarer und lebensfroher. Auch war seine nähere Umgebung um einiges wechselreicher: Mal gab es einen kleinen Wachturm, mal fruchtbare Wiesen, mal ruhige Sandstrände und mal Sträucher und kleine Wälder. Gerade hatte sie eine der zahlreichen Wiesengegenden verlassen, auf der diesmal ein zerstörter und verlassener Bauernhof mit einigen toten Tieren stand und war nun auf dem Weg in einen kleineres Waldgebiet. Es war wieder einer dieser ungewöhnlichen Wälder, die Baumkronen leuchteten in der prallen Sonne Rohans und beleuchteten den Hauptweg durch den Wald, der tobende Fluss floss geradewegs durch ihn hinweg und brandete krachend und gegen Bäume und Felsen, wobei das Wasser schwungvoll und elegant tröpfchenweise auf den Boden fiel und grandiose Kunstwerke in der Luft vollzogen und obwohl das Waldstück ziemlich schmal und auch nicht sonderlich lang war, sprossen die Bäume unnatürlich hoch in die Lüfte und boten mit ihren glitzernden Kuppeln ein atemberaubendes Himmelsgewölbe für jeden Besucher. Staunend blickte Aiwyn nach oben und bestaunte den Ausblick. Sie war so dem Bild verfallen, dass sie gar nicht mehr auf ihre Umgebung achtete und auf einmal nur noch ein schweres Knäuel gegen ihre Brust schlagen spürte und schwungvoll zu Boden gerissen wurde. Auch dank ihres Köchers landete sie unsanft und drehte sich noch zweimal zur Seite ehe sie mit brummendem Kopf und mehreren Druckwunden am Rücken liegen blieb. Irgendetwas lag auf ihr und drückte sich immer fester an sie und nahm ihr die Luft. Langsam hob Aiwyn ihre Armen und legte sie um das, was auch immer gerade auf ihr lag. Zuerst spürte sie zerrissene Stoffkleidung und vereinzelt glatte, warme Haut, die ebenso wie die Kleidung noch ein gutes Stück Restfeuchtigkeit auf sich hatte. Sie tastete sich weiter nach oben und bemerkte leicht gelocktes, langes Haar voller Blätter und kleinerer Pollen. Innerlich begann sich alles in Aiwyn schneller denn je zu drehen, nun jedoch nicht aufgrund des Sturzes, sondern aufgrund unbeschreiblicher Glücksgefühle. Langsam erwiderte sie die Umarmung und strich Barlae über den Kopf. Sie versuchte etwas zu sagen, doch nur Satzfragmente kamen aus ihrem Mund, zu glücklich war sie um irgendetwas vernünftig aussprechen zu können. Sie richtete ihren Oberkörper leicht auf um den Druck des Köchers zu lindern, während Barlae sich ebenfalls erhob und Aiwyn mit sich nach oben zog. Aiwyn konnte ihr nun endlich wieder in die Augen sehen, die feucht vor Tränen waren und ebenso wie das Waldfirmament jedes Licht glänzend reflektierten. Vorsichtig strich sie ihrer Freundin die Tränen aus dem Gesicht und sah weiter froh in ihr Gesicht. Barlae war um einiges größer geworden, sie reichte Aiwyn nun schon fast bis zur Schulter und wirkte auch von ihrer ganzen Ausstrahlung her gewachsen. Aiwyn lächelte breit und zog ihren alten Dolch aus seiner Halterung, "Ich denke der gehört noch immer dir", sagte sie leise, "Wie sagte ich es damals? So lange du ihn trägst wird immer ein Stück von mir bei dir sein."

Das Meer von Tränen verschwand hinter einem breiten Lächeln, Barlae sah sie tief an und sagte leise: "Ich habe dich vermisst". Aiwyn legte wieder ihren Arm um sie und antwortete ebenso vom Glück gezeichnet: "Ich dich auch". Eine gefühlte Ewigkeit standen beide Arm in Arm unter dem funkelnden Dach des Waldes, bis sie ihre Verbindung lösten und Barlae den Kopf sinken ließ und nun etwas traurig murmelte: "Ich habe Bogan verloren..."
Auch Aiwyn ließ kurz den Kopf sinken und verlor ihr Lächeln, was sie sich jedoch nach einer kurzen Zeit wieder aufzwang, gerade jetzt wollte sie nicht in Trauerstimmung verfallen. Sie hob Barlaes Kopf an und sagte leise: "Sei doch deswegen nicht traurig, bisher konnte er mir noch nie entkommen und das wird sich auch diesmal nicht ändern!" Barlae nickte kurz, "Wenn du meinst...", murmelte sie nur und blieb mit traurigem Gesicht vor ihr stehen. Aiwyn ertrug es nicht ihre Freundin so vor sich stehen zu sehen und schlug daher vor: "Was meinst du, gehen wir ihn suchen? Wie schon gesagt, bisher konnte er sich nie vor mir in Sicherheit bringen!"
Barlae ließ ihren Kopf gesenkt, "Er ist dem Fluss gefolgt als uns ein wilder Bär angriff...doch er teilt sich nach dem Wald in mehrere Nebenflüsse und die Strömung ist für mich zu stark um sie zu duchqueren..." Aiwyn ließ auch ihren Kopf für den Bruchteil einer Sekunde sinken, hob ihn jedoch schnell wieder, sie kannte Bogan schon lange genug um seine Pläne zu kennen. "Weißt du wo diese Nebenflüsse enden?", fragte sie, was Barlae bejahte: "Der erste fließt zu den Raurosfällen, den riesigen Wasserfall des Anduin, die restlichen fließen in den Anduin selbst, während ein Abzweig des letzten die Grenze zwischen Rohan und Gondor bildet." Aiwyn lächelte wieder, sie wusste was Bogan getan haben musste: Er war immer dem äußersten Fluss gefolgt und war ihm wahrscheinlich bis zum Ende gefolgt. Er hatte seit ihrer ersten Begegnung immer zuerst über die Außen gegangen und hatte nicht geruht bis er am Ende war, wie unnötig es auch sein mochte. Auch Wasserfälle waren sein Element, sie waren wild und gefährlich und so oft hatte er sie lauthals bewundert und sich einen vor Seestadt gewünscht um genug Energie für seine Schmiedearbeiten zu haben. Sie atmete einmal tief aus, sie war bereit zu Bogan zu gehen, müsste dafür jedoch eine andere schwere Entscheidung fällen.
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 14:22 von Fine »
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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #1 am: 17. Okt 2010, 20:23 »
"Barlae? Ich muss dich um eine Sache bitten, die uns beiden nicht sonderlich gefallen wird: Ich werde nun den Fluss bezwingen und Bogan zurückholen, kehre du zurück zu Aldwyn und ihren Töchtern, sie und das ganze Dorf werden sich freuen dich zu sehen und können dir mehr Schutz bieten als die weiten Ebenen Rohans. Sobald ich ihn gefunden habe komme ich ebenfalls dahin, dieses Dorf ist leider der einzige Ort, der sicher und gut findbar ist und wo ich mir keinerlei Sorgen um uns zu machen brauche!" Aiwyn sprach diese Worte lagsam und mit innerer Zerrissenheit, es musste sein um Barlae in Sicherheit zu wissen und Bogan zu finden, doch es schmerzte sie Barlae nach so kurzer Zeit schon wieder verlassen zu müssen. Barlae schien ähnlich zu fühlen, sie zitterte leicht und klammerte sich an Aiwyn fest, "Bitte nicht...diese Banditen töten mich...sie töten uns alle! Hat Aldwyn nicht von ihrem Anführer erzählt? Er ist verrückt! Bring..mich..nicht..in.. seine...Nähe!", flehte sie stark ängstlich. Aiwyn fuhr behutsam über ihren Rücken, "Hab keine Angst, die Banditen sind allesamt tot! Hier siehst du? Ich trage den Bogen ihres Anführers...sie werden niemanden mehr etwas tun. Sie sind allesamt zerfetzt im Blute ihrer eigenen Brüder...allesamt..Die, die nicht durch ihre Verbündeten starben habe ich selbst aufgeschlitzt...", ihre Erklärung war mehr zu einem Selbstgespräch geworden als zu einer Aufheiterung ihrer Freundin, "Egal was sie taten...egal was sie sagte, einer nach dem anderen fiel durch meine Hand...
Das Dorf ist frei...und doch liegt die Freiheit im Blute begraben...sie waren Verrückte! Und doch haben sie die Orks erschlagen und ursprünglich ebenso die Freiheit gebracht...und ich...ich habe sie alle abgeschlachtet...egal ob sie noch eine Gefahr waren oder nicht..."
Sie erinnerte sich an die Worte, die seit Helms Klamm in hier herumspukten: "Irgendwann wirst du verstehen, was das große Auge wert ist, was es uns gebracht hätte!" Sie hatte nicht nur den Gesandten des Auges in den vergangenen Tagen gespielt, sie war genau so aufgetreten! Was hätte sie erreichen können wenn sie sich darauf eingelassen und es perfektioniert hätte? Ihr fehlte die gesamte Motivation hinter den Taten, ihr fehlte der Wille zur absoluten Zerstörung und trotzdem war sie effektiver als dutzende Hauptmänner Saurons, was hätte sie erst in Perfektion erreichen können? Sie fühlte sich innerlich schlecht, sie war absolut zu weit gegangen auf einen Weg auf den ihr niemand folgen konnte...einen Weg der zur falschen Seite führte...einen Weg den sie verachtete und doch so weit gehen musste. Sie spürte noch immer den unbändigen Hass in sich, Hass auf die Orks, Hass auf ihren Mörder, Hass auf Sauron, Hass auf die Banditen, sie war noch immer zerfressen von der verhassten Kraft, die sie innerlich aufsaugte! "Hör mir bitte gut zu", sagte sie ungewohnt ernst zu Barlae, "gehe bitte auf schnellstem Weg in das Dorf, ich muss erst wieder zu mir selbst finden bevor ich mich mit den umgebe, die mir was bedeuten! Ich brauche das Gefühl dich in Sicherheit zu wissen, sonst werde ich noch verrückter!"

Barlae löste ihren Klammergriff um Aiwyn und umfasste sie etwas sanfter, ernst antwortete sie: "Ich vertraue deinem Urteil, auch wenn ich es nicht verstehen kann. Aber höre auf dich als verrückt anzusehen...du bist alles andere als das! Du bist eine wunderbare Frau mit einzigartigen Fähigkeiten und sagenhafter Bindungsgabe, ich glaube kaum ein anderer Mensch wäre nach all den Tagen über die ganze Distanz auf meiner Fährte geblieben..."
Aiwyn konnte sich ein erneutes Lächeln nicht verkneifen, "Ich danke dir für die Komplimente, doch ich glaube jeder der dich besser kennt würde das selbe tun...du bist nun mal ein besonderer Mensch Mittelerdes! Aber du weißt nicht was mir seit Lorien alles wiederfahren ist...Ich habe oft das Gefühl mich selbst zu verlieren...Was ich nun brauche ist das Gefühl dich in Sicherheit und Bogan direkt vor mir zu wissen...Ich brauche Zeit ohne Angstzustände...Zeit um in Ruhe wieder zu mir zurückzufinden..."
Barlae nickte, "Ich vertraue dir noch immer, wir sehen uns bei Aldwyn!"
Sie stand auf und verschwand aus dem Welt dem Fluss Entwasser entlang zum Schneeborn und seinem brennendem Dorf.
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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #2 am: 17. Okt 2010, 22:39 »
Langsam verließ Aiwyn den zauberhaften Wald und bewegte sich zu der Flussgabelung von der Barlae gesprochen hatte. Vorsichtig warf sie einen Stein in die reißenden Fluten, der innerhalb von Sekunden nicht mehr zu erkennen war. Sie beugte sich vornüber und hielt einen Arm in den See, wobei dieser mit ungeheurer Gegenkraft sofort nach hinten gerissen wurde und nur unter stärkster Anstrengung überhaupt an einer Stelle gehalten werden konnte. Mehrmals holte sie tief Luft, ging ein paar Schritte zurück und sprang in die Strömung! Sofort war sie dabei wegzutreiben, doch sie wand ihren Körper immer so herum, dass sie schnell an die gegenüberliegende Küste gespült wurde. Kaum angekommen schüttelte sie sich einmal kurz und dankte dem Zufall, dass die Sonne an ihrem Zenit stand und ihre Kleidung wahrscheinlich bis zum Abend getrocknet haben würde. Allerdings hätte sie wohl auch ohne Sonne oder ihre Wärme noch vergleichsweise Glück gehabt, der elbische Stoff Loriens saugte das Wasser schnell auf und ließ es unschädlich wieder nach unten tropfen, sodass zumindest ihre Kleidung schnell getrocknet war und sie äußerlich beinahe unbeschwert weiter dem äußersten Flussverlauf folgen konnte. Es dauerte fast zwei Tage bis sie den donnernden Wasserfall hören und mit einer gewaltigen Anhöhe in der Ferne auch sehen konnte. Sorgsam durchleuchtete sie jeden einzelnen Flecken um diesen Fluss herum um ja keinen noch so kleinen Hinweis zu übersehen. Enttäuscht erreichte sie das Ende des Flusses, der in den großen Anduin mündete.

"Der große Fluss Anduin, das wohl mächtigste Naturwunder Mittelerdes. Er führt von dem Gundabadgebirge bis nach Gondor von wo er ins große Meer fließt. Er bildet Grenze, Transport, Nahrung und Befestigung für tausende Lebensformen, wäre der Lange Fluss oder der Rotwasser auch nur halb so mächtig wäre Seestadt ein wirkliches Paradies, die Schmieden wären den der Zwerge ebenbürtig, wir hätten die Sicherheit der alten gondorianischen Hauptstadt und hunderte Handelspartner mehr...Alles was hier errichtet wurde steht auf unseren menschlichen Füßen, gegen die Natur ist all unsere Fertigkeit jedoch ein Nichts, manche Gebiete sind uns schon rein strukturell überlegen, wenn wir siegen dann nur durch unseren Willen..."

Aiwyn erinnerte sich genau an diesen Wortlaut, Bogan hatte dies vor Jahren zu Aiwyn gesagt als sie mehr über Mittelerde lernen wollte als das auf sich selbst zentrierte Weltbild der Ostlinge. Sie setzte sich an den Uferrand und blickte auf den gigantischen Flussverlauf, in der einen Richtung war ein Ende noch immer nicht absehbar und in der anderen Richtung türmte sich ein gigantischer Wasserfall auf, der die Strömung extrem verstärkte. "Dein Ziel ist also das große Meer...", murmelte sie gedankenverloren, "Dann möge es deine Bestimmung sein zu tragen was ich nicht tragen sollte...".  Sie löste ihr altes Schwert von ihrem Gürtel und verband es mit zwei ihrer Gürteltaschen, die sie vorsorglich mit je einem Stein gefüllt hatte, damit die Waffe nicht zu viel Auftrieb genießen und an Land stranden könnte. Erneut tat sich Aiwyn das Bild eines unendlichen Sandstrandes auf, dessen funkelnde Kristalle ihren Kopf vernebelten und ein unbeschreibliches Gefühl bei ihr hinterließen. Sie legte das Schwert auf ihre Knie und murmelte weiter: "Ich habe dich damals an mich genommen um deinen ursprünglichen Besitzer die letzte Ehre zu erweisen und einem Teil von ihm seinen Traum zu erfüllen. Doch ich kam nie auch nur ansatzweise diesem Ziel nahe, alles was ich dir brachte war das Blut deiner Brüder und jämmerlicher Kreaturen, ich entlasse dich nun im Strom der dich zu deinem Ziel führt, möge die Natur dir ein besserer Führer sein und dich dorthin geleiten wohin du in alten Zeiten strebtest!"
Sie ließ die Klinge ins Wasser gleiten und stand wieder auf, "Möge dein Weg erfolgreich sein!"

Kraftvoll schritt sie in Richtung des Wasserfalles und fühlte sich wieder ein bisschen freier, nun war ein weiteres Relikt aus ihrem alten Leben an seiner Bestimmung angekommen, die alten Schulden waren getilgt und ihr neues Leben ein weiteres Stückchen selbstständiger geworden.
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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #3 am: 17. Okt 2010, 22:56 »
Der Wasserverlauf wurde unruhiger, es strömte ihr jeden Meter den sie ging stärker entgegen und mehrere Tropfen sprangen durch die Luft. Das Geräusch des mächtigen Falles wurde schärfer, anstelle eines dunklen Brummens hörte man nun das donnernde Plätschern der Naturgewalt und das fließende Wasser, welches sich von dem Fall entfernte.
Eine Front aus Nebel und umherfliegenden Wassertropfen tat sich vor Aiwyn auf, die ein sicheres, weiteres Vordringen generell ausschloss. Mühsam und vorsichtig tastete sie sich vor und versuchte diese lebensgefährliche Beeinträchtigung hinter sich zu bringen. Mehrfach wäre sie beinahe über mächtige Wurzeln weit entfernter Bäume oder glatte Felsbrocken gestolpert, mehrfach wäre sie beinahe in den reißenden Strom gelaufen und mehrfach verdankte sie es nur den tiefen Fußabdrücken im weichen Boden dass sie sicht die Orientierung verlieren konnte. Fast einen Tag brauchte sie um den vergleichsweise kurzen Abschnitt des Anduins zu überqueren und nur die immerwährenden Wassertropfen, die ihr ins Gesicht sprangen und ihren Körper erfrischten, hielten sie noch wach und zwangen sie weiter vorwärts.

Kaum hatte sie die Nebelfront verlassen, blieb Aiwyn zunächst weitesgehend blind, kraftvoll wischte sie sich über die Augen und neigte ihren Kopf nach vorne: Der nassglitzernde Boden war hell erleuchtet, Wassertropfen versprühten Licht in allen Farbspektren über den Boden und zerplatzten kurz darauf durch einen Sturm ihrer Artgenossen. Aiwyn zwang ihren Blick nach oben, der mächtige Rauros stand nun fast direkt vor ihr, mächtige Windstöße lenkten Strahlen des herunterbrausenden Wassers auf die Ebene vor ihr und der Aufprall der Wassermassen ließen die Tropfen nur so umherfliegen und nebem den seltenen Wasserfontänen auch eine Art dauernden Nieselregen entstehen. Um freiere Sicht zu erlangen entfernte sie sich mehrere Schritte vom Flussufer und blickte nun, direkt am Trägerfelsen stehend, seitlich auf den mächtigen Rauros. Es war wohl das größte Wunder, was sie je in Mittelerde gesehen hatte: Der Fall selbst wurde mehrfach in der Luft zerstäubt, gespalten und abgelenkt, beim Eintauchen sprossen feine und weniger feine Wassertropfen aus der kreisrunden Fläche und sowohl vom Fluss, als auch vom Fall ausgehend bildeten sich Regenbögen, die sich in den umliegenden Nebelbänken verloren, den Berg selbst aufstiegen oder weit in der Ferne verschwanden. Doch all jene Schönheit konnte Aiwyn nicht begeistern. Die Wildheit der brausenden Fluten und die Sanftheit der glitzernden Funken, deren anmutig ruhiger Fall zu Boden und das donnernde Eintauchen der Wassermassen und die symmetrischen Linienformen der Regenbögen und deren oft offenes  Ende, all dies erinnerte Aiwyn daran, was ihr fehlte, daran, was sie brauchte: Zu lange schon war sie nur eines der beiden Pole, entweder sie war das wilde,  ungezähmte Biest ohne Rücksicht und jedwedes Zukunftsdenken oder sie war die ruhige, sanftmütige mit Freude an jedem neuen Knosp und wiedererwachten Blüten. Immer schwankte sie zwischen den Extremen umher, immer war sie nur ein Bruchteil von dem was sie sein könnte und nie hatte sie den Ausgleich in sich.

Doch dafür fehlte ihr etwas...eine feste Konstante...etwas was ihr in der Not beisteht...etwas dem sie ihre Sorgen mitteilen kann...oder jemand.
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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #4 am: 18. Okt 2010, 10:24 »
Von Sehnsucht durchflutet lehnte sie sich gegen das Bergmassiv und starrte abwechselnd auf den zauberhaften Wasserfall, die Nebelwand vor sich und ein moosiges, in mehreren Grün- und Brauntönen schimmerndes Felskonstrukt auf der anderen Seite. Verwirrt stieß sie sich wieder vom Berg ab und taumelte auf das Felskonstrukt zu. Sie wusste nicht warum, doch irgendetwas zog sie schon beinahe an und führte sie dorthin, irgendetwas kam ihr an diesem Felsen vertraut vor! Als sie sich ihm näherte reflektierten die Regentropfen schon wie so oft das Licht und brachen es in alle Richtungen, doch irgendetwas anderes hatte den Weg zu ihren Augen gefunden: Ein unförmiger, schwarzer Punkt lag über der obersten Moosschicht, er reflektierte keinen einzelnen Funken Licht, fügte sich absolut nicht nicht ins Bild ein und besaß etwas, was Aiwyn zu ihm führte. Kaum vor dem unerkennbaren und doch so vertrauten Gegenstand zog sie sich an den Felsen vorbei und blickte auf eine Anöde hinter ihnen. Ein kurzer Seitenarm des Anduin, kaum einen Schritt breit, führte zu ihr und bildete um sie herum einen kleinen See. Der Boden war vergleichsweise hart und fruchtbar, jedoch von vielen fremdartig wirkenden Schlammspritzern gekennzeichnet. Die Felskonstruktion selbst war wieder eines der zahlreichen Wunder Rohans, die Aiwyn in ihrer jetzigen Lage nicht genießen konnte: Gut ein Dutzend größtenteils hochkantig aufgestellte Felsen standen dicht aneinandergereiht in einer Reihe, an der Spitze glorreich glänzend und nach unten hin durch Moos immer dunkler werden bildeten sie eines der unverkennbaren natürlichen Monumente, die sich in diesen Gebieten in diversen Ausführungen nur zu häufen schienen. Teilweise standen sie so dicht nebeneinander, das kein noch so dünnes Schwert dazwischen schlagen könnte und teilweise boten sie genug Platz um einen schlafenden Troll beherbergen zu können. An der Schnittstelle der vier größten Felsen war ein gut 3 Fuß hoher Vorsprung als einziger Zugang zu der langgezogenen Fläche zwischen ihnen. Sie stieg über jenen Vorsprung und legte sich in den Zwischenraum der Felskonstruktion. Es war ziemlich eng, jedoch ziemlich sicher und wetterfest, und das war vor allem in diesen Gefilden ersteinmal das wichtigste. Schon in den vergangenen Nächten hatte sie immer besonderen Wert drauf gelegt halbwegs geschützt schlafen zu können und dieser Ort schien ihr im  näheren Umfeld der sicherste zu sein: In drei Richtungen versperrten riesige Felsen jegliche Durchsicht und die vierte Richtung war durch einen Vorsprung versperrt, der weit höher lag als eine liegende Aiwyn und selbst auch nur erreicht werden konnte wenn man einen anderen Fels zuvor umrundet hatte. Sie legte ihren Kopf auf ihren Köcher und schloss die Augen...morgen würde es weiter gehen!

Aiwyn wachte gar nicht viel später auf, die gleißende Sonne Rohans reflektierte am nassen Fels, brannte sich in Aiwyns Gesicht ein und entriss sie ihren Träumen. Sie schreckte hoch und musste sich ersteinmal wieder über die Augen reiben. Nach kurzer Zeit hatte sie sich jedoch wieder gefangen, ihren Köcher umgelegt und ihren Schlafplatz verlassen.
Doch irgendetwas war diesen Morgen anders: Noch immer mit verschwommenen, müden Augen hatte sie das Gefühl einen weiteren Felsen erkennen zu können. Er war genau so groß, grünbräunlich und massiv. Nur stand er weit Abseits, bewegte sich im Wind und hatte irgendwie etwas anderes an sich - etwas anderes was Aiwyn gefiel! Sie wischte sich erneut über die Augen und erkannte nun genauere Konturen: Vom Felsen gingen mehrere feine Strähnen aus und er war weicher geschwungen als die übrigen, fünf größere Abzweigungen gingen von seinem Hauptrumpf aus und er versprühte einen allzu bekannten Geruch.
"Bogan?", entfuhr es ihr unwillkürlich, allzu echt wirkte seine Illusion am Felsen. Doch zu ihrer Erstaunung und unbändigen Freude drehte sich der gesamte Felsen und ein nur allzu bekanntes Gesicht sah sie an. Ihre Glücksgefühle übertrafen alles je dagewesene, ihr innerstes rotierte schneller denn je und in einem plötzlichen Ausbruch dieser Gefühle rannte sie auf ihn zu und sprang ihm in die Arme. Zaghaft erwiderte er die Umarmung und strich ihr langsam über den Rücken, während Aiwyn vor Glück weinend in ihn Brust gefallen war und ihn nie wieder loslassen wollte. Sie verstärkte ihren Griff um Bogan und schluchzte laut vernehmlich in seine Brust. "Bogan...", murmelte sie mehrmals leise, dieser fasste ihr nun an den Hinterkopf, fuhr ihr liebevoll durchs Haar und sagte leicht stockend: "Aiwyn...ich hätte kaum mehr zu glauben gewagt dich je wieder sehen zu können...wi..."
Aiwyn legte ihre linke Hand vor seinen Mund, sah ihm tief in die Augen und sagte mit dem wohl breitesten Lächeln, das sie jemals hatte: "Jetzt nur nicht reden." Sie fuhr mit ihrer linken Hand sanft durch sein Gesicht, presste ihre Lippen auf die seinigen und umarmte ihn stärker denn je. Es war ein wunderbares Gefühl, ein Gefühl das sich so unbeschreiblich schön anfühlte, dass sie wünschte es würde niemals enden. Schnell hatte Bogan ihren Kuss erwidert und engverschlungen standen sie minutenlang vor den Felsen und genossen ihr gemeinsames Glück. Als sie ihre Verbindung wieder lösten sahen sich beide liebevoll an und Aiwyn stürzte sich erneut auf ihn, mit einem Ruck sprang sie in seine Arme, fiel ihn um den Hals und küsste ihn noch inniger. Er drückte sie fest an sich, erwiderte ihren Kuss und ließ sich sanft nach hinten fallen. Sie löste kurz die innige Umarmung, warf Bogen und Köcher bei Seite und drückte sich wieder an ihn. Eng verschlungen lagen sie aufeinander, rollten über ihren Hain des Glückes und genossen ihre Wiedervereinigung.

Alles war gut.
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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #5 am: 18. Okt 2010, 10:25 »
Ein heller Lichtstrahl strich durch Aiwyns Gesicht und ließ sie erwachen, doch sie wischte sich nur einmal über die Augen, drehte sich zur Seite um und legte ihren Kopf auf Bogans Schulter und schloss sie erneut. Auch Bogan war aufgewacht, gerade als Aiwyn ihre Augen wieder schließen wollte drehte er seinen Kopf in ihre Richtung, strich ihr gefühlvoll durchs Haar und küsste sie auf die Stirn. Aiwyn lächelte sanft, drehte ihren Körper weiter zu seinem und küsste ihn kurz auf den Mund. "Guten Morgen", sagte sie liebevoll,  richtete ihren Oberkörper auf und streckte sich, bevor sie sich erhob und mit dem frischen Seewasser über das müde Gesicht wischte.
Bogan war kurz nach ihr aufgestanden; leise schlich er hinter sie und stieß sie ins Wasser, bevor er mit lauten Aufprall hinterhersprang. Beide begannen zu lachen und lagen sich kurze Zeit darauf erneut in den Armen und genossen das Beisammensein. Nach diversen Zärtlichkeiten und innigen Verrenkungen setzten sich beide auf den Uferrand, ließen ihre Beine ins Wasser ragen und lehnten sich noch immer eng verschlungen zurück. Mehrere Minuten blieben sie schweigend und nur von dem wunderbaren Gefühl ihrer Bindung gelenkt in dieser Haltung bevor Bogan leise fragte: "Nun sag mal, wie hat du mich denn nun gefunden?" Aiwyn lächelte, sie strich ihm liebevoll über die Brust und antwortete: "Ich wusste es einfach...ich wusste irgendwo in Rohan warst du und ein Zeichen folgte dem Nächsten. In Aldburg wurdeich zur Klamm geschickt, auf dem Rückweg musste ich in einem Dorf Halt machen und meine Nahrungsvorräte aufstocken. Dort traf ich Aldwyn und ihre Familie und sah eure Hinterlassenschaften, ich  folgte ihren Hinweisen und traf Bolwarth nicht weit von hier...sie erzählte von dem Bären und wie ihr getrennt wurdet und von da an wusste ich: Du bist irgendwo in der Nähe des Rauros, deine Leidenschaft für Wasserfälle ist mir noch immer gut in Erinnerung!" Bogan zögerte erst kurz, lachte dann jedoch auf: "Schön wäre es wenn ich gewusst hätte welcher Fluss mich hier hin führt, um die Wahrheit zu sagen: Ich versuchte die Bestie irgendwie von Barlae fern zu halten, doch es war standhaft...ich schwamm durch Flüsse - es folgte mir, ich kletterte auf Bäume - es kletterte hinterher oder versuchte den Baum umzurennen...zwei Tage verfolgte es mich, in den Nächten wachte ich un am Tage lief ich, bis kein wütendes Grummeln mehr hinter mir war und ich mir sicher war ihn abgehängt zu haben. Na ja...dann lief ich den Fluss in falscher Richtung zurück und bin nun hier, unfähig ihm durch die Nebelbank zurück zu folgen und außerstandes den Weg abseits des Flusses zu finden..." Sie lachten beide nochmal kurz auf, bevor Bogan plötzlich ernst fragte: "Du sagtest du hast Barlae getroffen, wo ist sie?"
"Bei Aldwyn", antwortete Aiwyn, "dort dürfte sie vorerst sicher sein." Bogan riss die Augen geschockt auf: "Aber die Verbrecher beherrschen die Stadt...sie haben uns mit Messern und Fackeln verjagt und uns den Tod angedroht wenn wir je wieder kommen würden! Das ist Wahnsinn!"

Aiwn schloss ihre Augen, die Erinnerungen an das abschließende Blutbad kamen wieder in ihr hoch, die Erinnerungen an die winselnden Überreste der Überlebenden, die Erinnerungen an dem Feueropfer des neuen Anführers, alles begleitet von der kalten Stimme aus der Klamm: "Sauron hätte dir gut getan!".
"Sie sind...sie sind alle tot!", begann sie stockend, "Ich...ich habe jeden einzelnen von ihnen in den Tod geschickt! Keiner von denen wird je mehr wüten! Ich...ich wollte sie nur aus der Stadt treiben...nur weg wissen und dann stahl ich den schwarzen Bogen...sie zerfleischten sich gegenseitig...wie die Tiere fielen sie übereinander her und rissen sich in Stücke...kaum hatten sie ihr Blutwerk vollendet schritt ich auf das Schlachtfeld und...und...und", zitternd beendete sie hier ihre Ausführungen, sie konnte ihre abscheulichen Taten nicht aussprechen. weinend drückte sie ihren Kopf auf Bogans Brust und schrie schon beinahe aus sich heraus: "Ich habe jeden einzelnen Überlebenden vernichtet! Ich habe sie alle getötet! Ob jung oder alt, verkrüppelt oder nur verletzt...ALLE sind sie tot!"

Bogan drückte sie eng an sich und flüsterte ihr ins Ohr: "Versuche nicht mehr daran zu denken. Du hast großartiges getan als du das Dorf befreit hast, viele Menschen hätten das Ende ähnlich vollzogen wenn sie denn die Chance hätten. Die Reaktion war nur menschlich und hat vielen eine sichere Zukunft gesichert...Konzentriere dich auf dieses Ergebnis, dann geht es dir bald viel besser!" Stockend erzählte sie ihm ihre Geschichte weiter: "Während meines Weges tarnte ich mich als Diener Saurons...ich war eine hochrangige Botschafterin Mordors Armeen, gesandt um den Herrscher der Klamm eine Nachricht zu übermitteln...er selbst sagte ich wäre der perfekte Anhänger Saurons und genau so fühlte ich mich auch in diesem Kreise...Ich genoss es Befehle zu geben, Ich genoss es meine Macht auszunutzen, Ich genoss es andere zu bedrohen, Ich genoss das Blutbad der Banditen...jeder Tropfen war eine Genugtuung, jeder Hieb eine Befreiung...
Ich war eins mit meiner Kleidung geworden, ich war Saurons Botschafterin...
Der Fürst der Klamm hatte Recht...Ich bin genau wie seine Anhänger...Ich binseine perfekte Dienerin..." Sie drückte ihren Kopf in Bogans Schulter und weinte sich niedergeschlagen aus, zu tief wirkten die Folgen ihres Handelns. Sanft strich ihr Bogan über den Kopf, hob ihn leicht an und sah ihr ernst ins Gesicht. "Du wirst nie so werden wie sie - egal was du tust! Dazu bist du viel zu ehrenhaft, sanftmütig und liebevoll. Du bist genau das Gegenteil Saurons, du kannst einfach nicht wie er werden!" Schwach lächelnd erwiderte sie mit einem leisen "Danke", wischte sich die Tränen aus den Augen und schmiegte sich wieder eng an ihn. Hier fühlte sie sich sicher und geborgen und war sich sicher mit ihm ihre dunklen Gedanken und Handlungen bezwingen zu können.


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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #6 am: 18. Okt 2010, 12:57 »
Nach mehreren Stunden am Uferrand, in denen Aiwyn die weiteren Ereignisse ihrer Suche schilderte und ihm alle ihre Sehnsüchte, Sorgen und Ängste mitteilte, richteten sie sich wieder auf, küssten sich und sammelten ihre verstreute Kleidung wieder auf. Schnell hatte sich Aiwyn das grüne Kleid übergezogen und war in ihre Schuhe geschlüpft, hatte ihren Gürtel eng gestrafft und sich wieder Köcher und Bogen an ihren Rücken befestigt. Nachdem sie sich auch den rohirrischen Stirnreif umgelegt hatte, ging sie zu Bogan, der noch immer Schuhe und Waffen suchte. Als er endlich sein Schwert gefunden und seine Schuhe gebunden hatte, ging er wieder geradewegs zu der Felskonstruktion und ergriff den dunklen Flecken, der Aiwyn bei ihrer Ankunft sofort ins Auge gesprungen war. Er warf ihn einmal durch die Luft, fing ihn lachend auf kehrte mit einem seiner stählernen Handschuhe zurück, der pechschwarz angelaufen war und merkwürdig unförmig aussah. "Ich hatte ihn als Glücksbringer auf den Felsen gestellt...anscheinend war er erfolgreich", sagte er lachend, während Aiwyn leise murmelnd antwortete: "Das war er durchaus..." 
Er griff hinein und holte an einer silbrigen Kette einen funkelnden silbrigbläulichen Kristall heraus, der ovalglatt verlief, durch feine innere Linien ein einzigartiges Muster bekam und halb das Licht reflektierte und halb durchlässig war. "Ich hatte meine Handschuhe wohl schon zu lange nicht mehr benutzt", sagte er lachend, "Sonst hätte ich die schon viel früher wiedergefunden." Er sah sie verträumt an und setzte fort: "Ich erinnere mich noch genau als du mir diesen Stein gabst...", auch Aiwyn erinnerte sich noch genau: Kurz nachdem sie in Seestadt angekommen war und nur von dem Wunsch begleitet wurde die Stadt auf schnellsten Wege wieder zu verlassen, schenkte sie Bogan den größten ihrer wertvollen Wüstenkristalle.

"Ich danke dir für alles was du für mich getan hast, doch meine Zeit in Seestadt neigt sich dem Ende...Ich gehöre hier einfach nicht hin und brauche dringend wieder frischere Luft. Du bist das einzige, was diese Stadt für mich ertragbar macht und du wirst auf ewig einen Platz in meinen positiven Erinnerungen haben. Als Dank für das alles und als eine kleine Erinnerung an mich möchte ich dir diesen Kristall schenken, so lange du ihn bei dir trägst wird ein Teil von mir immer bei dir sein." 

Aiwyn erinnerte sich genau an ihre Worte und lauschte nun wieder Bogans Erzählung dieser Begebenheit: "Doch schon kurz nachdem ich ihn erlangte wusste ich, dass ich ihn nicht nötig hatte um dich in meinen Erinnerungen zu halten, einen Platz in meinem Herzen hattest du schon längst erobert. Ich behielt dieses sonderbares Relikt und beschloss es in eine Form zu bringen die deiner Schönheit angemessen wäre, eine Aufgabe an der ich jedoch grandios scheiterte...", Aiwyn errötete leicht und kicherte leise. Bogan fuhr fort: "Tag und Nacht schliff ich an dem Kristall, bohrte das Loch für die Kette und versuchte ihn jeden Tag etwas schöner zu machen. Doch ich hatte ihn zu sorgsam versteckt und gerade als ich ihn dir schenken wollte fand ich ihn nicht mehr...bis ich wieder meinen Handschuh benötigte und auf die Kette stieß. Auch wenn seitdem mehrere Jahre vergangen sind, die Aussage bleibt die selbe: Ich brauche nichts materielles um mich an dich Erinnern zu können...nimmst du die Kette as Zeichen unserer beider Leben an?"
Aiwyn lachte kurz, "Du weißt doch, dass ich dir nichts abschlagen kann", sagte sie lächelnd, "Gerne nehme ich dein Geschenk an und werde es in Ehren halten und mit Stolz tragen." Bogan lächelte kurz zurück, breitete die Kette aus und legte sie Aiwyn um den Hals. Sanft und gefühlvoll rückte er sie gerade, blickte innig in Aiwyns Augen und sagte mit einem plötzlichem Lachen: "Äußerlich hast du dich ziemlich verändert, innerlich bist du jedoch noch immer die selbe Frau, die ich kennen und lieben gelernt habe. Ich...Ich", seine Stimme stockte kurz und wurde ruhiger, "Ich hab dich schon so lange geliebt...hatte jedoch nie den Mut es dir zu sagen...Ich hatte Angst du würdest weglaufen, so wie du es immer vorhattest,war mir unsicher was in der Zukunft wartete...was bin ich froh nun endlich offen mit dir reden zu können." Bogans Geständnis zwang auch Aiwyn dazu darüber nachzudenken, wie sich ihre Beziehung zu ihm angebahnt hatte,  langsam und bedächtigt antwortete sie: "Mir ging es ähnlich...Schon nach kurzer Zeit wusste ich was ich an dir habe und doch konnte ich es nie offen sagen...DU warst es, der mich diese Zeit ertragen ließ...du warst mein einziger Freund...der beste den ich jemals hatte, ich hatte Angst alles zu ruinieren...Ich wollte dich einfach nicht verlieren..." Sie schlang ihre Arme um ihn, drückte sich fest an ihn und genoss es endlich ehrlich sein zu können. Liebevoll strich er ihr durchs Haar, küsste sie und sagte leise: "Nun wissen wir zum Glück umeinander. Die Zeit des Versteckens ist vorrüber...nun können wir endlich unsere Gefühle ausleben."
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The Chaosnight

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Re:Die Flüsse Rohans und der Rauros
« Antwort #7 am: 18. Okt 2010, 12:57 »
Die Rückkehr zum Schneeborn dauerte länger als der Hinweg, drei schöne Tage verbrachten die beiden Liebenden schon auf dem Weg und hatten doch nur eine geringe Strecke zurücklegen können. Nachdem Aiwyn ihn durch das Nebelbett geführt hatte und sie dem äußerstem Nebenfluss gefolgt waren bis Bogan ihr durch das strömenden Nass helfen konnte, verlangsamten sie ihre Schritte und genossen weiter ihr Beisammensein. Gemächlich und stets darauf bedacht möglichst nah beieinander zu gehen schritten sie fort und freuten sich über jede Sekunde. Am Abend des dritten Tages ruhten sie an einem kleinen Wäldchen, das um den Fluss gewachsen war und entspannten sich. Wie bei ihrem freudigen Wiedersehen legten sie ihre angeschwollenen Füße in das Wasser und lehnten sich eng umschlumgen zurück.

Als die Sonne wieder aufging war Aiwyn schon längst erwacht, das feine Blätterrascheln und das sanft aufgewirbelte Laub weckten sie aus ihren süßen Träumen und ließen sie in das geliebte Gesicht Bogans blicken, den sie noch immer fest umschlungen hielt. Sie küsste ihn kurz, löste vorsichtig die Umarmung und stand langsam auf, bevor sie leise ein paar Schritte rückwärts ging. Sie ergriff ihren Bogen und den zerschlissenen Beutel mit alten Pfeilen, suchte nach einer passenden Stelle und stellte sich schließlich etwas mehr als 100 Fuß von einer größeren Baumgruppe entfernt hin und spannte den Bogen. Es war nach all den Jahren erstaunlich schwer geworden, die Bewegungsabläufe, die Gegenwehr des Bogens, das leichte Reißen der Sehne an ihren Fingern - alles war wieder so ungewohnt. Der erste Schuss verfehlte ihr Ziel bei weitem, der zweite prallte dumpf in einen benachbarten Baum und der dritte sirrte wirkungslos zwischen den Bäumen hindurch in die unsehbaren Weiten hinter dem Wald. Aiwyn schüttelte leicht wütend ihren Kopf, fasste sich über die schmerzende Hand und legte einen neuen Pfeil auf. Einmal schwer ausatmend spannte sie den Bogen erneut, schloss kurz die Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Scharf blickte sie nun auf ihr Ziel und entließ den Pfeil in die Freiheit. Dieser drehte sich wild um seine eigene Achse und schlug schlussendlich in einen benachbarten Ast ein. Wütend über ihre eigene Unfähigkeit zog sie schnell den nächsten Pfeil aus seiner schützenden Tasche und spannte ihn augenblicklich, doch bevor sie ihn abschießen konnte spürte sie zwei bekannte Hände an ihren, die ihren Griff stabilisierten und den Bogen richtig justierten. "Nicht so hastig mein Liebes", flüsterte Bogan in ihr Ohr, "Konzentriere dich auf dein Ziel und blicke auf Pfeilhöhe auf es! Es ist nah und tief, halte also den Bogen gerade und schieße dann nach Gefühl!" Aiwyn tat wie er verlangte und ließ die Sehne los und zu ihrem Erstaunen landete der Pfeil fast genau an ihrem Zielort und grub sich tief in das Holz des Baumes ein. "Schöner Schuss", lobte er sie lächelnd, "Ein paar weitere Schüsse und du schießt wieder wie früher."
Aiwyn schoss schweigend einen weiteren Pfeil ab, der ebenso sein Ziel erreichte, packte dann die Pfeile in ihren Köcher, legte sich den Bogen wieder um und strich Bogan über die Wangen, küsste ihn flüchtig und sagte leise: "Vielleicht. Auf jeden Fall ist es jetzt genau so schön wie damals."


Aiwyn und Bogan nach: Dorf beim Schneeborn
« Letzte Änderung: 19. Aug 2016, 13:58 von Fine »
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Re:Ost-Emnet
« Antwort #8 am: 28. Jul 2013, 12:57 »
Die Mittagssonne stand hoch über der Ebene des Ost-Emnets und Farillion ritt nach Norden, gemeinsam mit all den anderen Reitern um ihn herum, welche sowohl Elben als auch Rohirrim umfassten. Sie waren am Vortag aus Aldburg los geritten und hatten nach kurzer Zeit eine Furt über dem Fluss Entwasser passiert. An der Furt waren sie auf eine Garnison Rohirrim getroffen, die diese bewachte, da es sich um die größte Furt in der Gegend handelte und jeder Feind, der die Folde von Norden aus erreichen wollte, musste diese überqueren.

Die Überquerung des Flusses war einfacher gewesen, als Farillion es sich ausgemalt hatte, da Féren  deutlich disziplinierter war, als sein erster Kontakt mit ihr den Anschein erweckt hatte. Féren war die rote Stute, welche er am Morgen des letzten Tages bekommen hatte und mit welcher er von vornherein seine Schwierigkeiten gehabt hatte. Féren hatte sich durch die Furt brav von Lagond, einem anderem Elb, an den Zügeln führen lassen, bis sie das Nordufer erreichten. Farillion wusste, durch Gespräche mit anderen Elben, dass sie damit den Teil Rohans erreicht hatten, der als Emnet bezeichnet wurde, genauer gesagt als Ost-Emnet. Diesen Namen trug das ganze Gebiet Rohans, welches sich am linken Ufer des Entwasser erstreckte und vom Rand des Fangornwaldes, wo der Entwasser entsprang, im Nordwesten, bis zur Mündung des Entwassers in den Anduin im Südosten reichte. Im Osten wurde das Ost-Emnet vom Ostwall, welcher den Rand zu den Emyn Muil bildete, und im Norden von der Gegend Wold begrenzt, welche ihr Ziel darstellte.
Das Ost-Emnet war eine der größten Gegenden von Rohan, gleichzeitig aber auch eine der am wenigsten besiedelten. Dies lag zweifellos an den weiten Graslandschaften, uneben und hügelig, gegen Osten von steilen Hängen und Felsen dominiert. Alles andere als die ideale Gegend für Ackerbau und Feldwirtschaft. Dieser Nachteil war im Krieg bisher allerdings von Vorteil gewesen. Da das Ost-Emnet weder militärisch noch wirtschaftlich von großer Bedeutung war, hatten sowohl die Truppen Sarumans diesen Landstrich weitestgehend in Frieden gelassen und auch die Truppen Saurons hatten nur das verwüstet, was unmittelbar auf ihrem Weg lag.
So war das Ost-Emnet die Gegend Rohans die noch am besten erhalten geblieben war. Trotzdem machte sich auch hier der Krieg bemerkbar. Viele Männer und Söhne waren in den Krieg gezogen und viel von ihnen waren nicht zurückgekehrt. Auf den meisten Höfen befanden sich nur noch diejenigen, die zu alt oder zu jung zum Kämpfen gewesen waren. Trotzdem mussten die Felder bestellt werden, gesät geerntet und sich um den Hof gekümmert werden. Dies war keine leichte Aufgabe für die verbliebenen. Hinzukamen erhöhte Abgaben. In vielen Teilen Rohans herrschte Hunger, alleine die Kriegsflchtlinge in Aldburg die Farillion gesehen hatten mussten ernährt werden. Auf ihrem Weg war Farillion bereits an mehren verlassenen Gehöften vorbeigekommen. Die Menschen hatten ihre Häuser verlassen, nicht vom Krieg sondern vom Hunger vertrieben oder weil sie die Arbeit nicht mehr alleine schaffen konnten, und waren entweder Richtung Folde oder zu den größeren Ansiedlungen im Ost-Emnet aufgebrochen.

Ein solchen Hof hatten sie auch am Morgen des jetzigen Tages passiert. Es waren drei Gebäude gewesen, davon eines eine Scheune, an die die Ställe grenzten. Die beiden anderen waren Wohngebäude. Alles schien noch instand zu sein, keine Spuren von Krieg oder Gewalt, doch die Menschen hatten ihre Behausungen hinter sich gelassen und waren weggezogen. Vom Hof aus ritten sie weiter Richtung Norden durch das Grasebene. Wirkliche Straßen gab es hier nicht. Zwar hatte es kurz hinter der Furt über die Entwasser eine gegeben, doch die war abgebogen und die anderen Abzweige hatten sich in der Gegend verloren. Die Reiter, die regelmäßig durch die Gegend ritten nahmen meistens die direkten Wege, mitten durchs hohe Gras und sonst war kaum jemand unterwegs. Zu verstreut lagen die einzelnen Ansiedlungen, die meisten von ihnen kaum größer als zwanzig Seelen.

Auch ihre Gruppe nahm den schnellsten Weg nach Norden. Sie ritten einfach querfeldein mit einer schnellen konstanten Geschwindigkeit.  Das Reiten war eigentlich gar nicht so schwierig, wenn man schon mal auf dem Pferd saß und es immer vorwärts ging, mitten in der Gruppe, fand Farillion. Insofern konnte er den Ritt sogar einigermaßen genießen. Seine Gedanken schweiften über die Landschaft und er bewunderte die endlos erscheinenden Ebenen, über die man bis zum Horizont blicken konnte. Ganz anders als zu Hause im Norden, wo hohe Berge und Bäume einem fast immer die Sicht versperrten. Allerdings wirkten auch diese vergleichsweise klein und flach, wenn man von genügend weit oben schaute. Er erinnerte sich, wie er auf dem Rückweg von den Bergen hinabgestiegen war und hinunter auf die Landschaft geblickt hatte, die so klein unter ihm lag. Unwillkürlich musste Farillion an das denken, was vor ihnen lag. Was hatte die ganze Sache zu bedeuten. Elben, die in großen Scharen ihre Heimat verließen. In seinem Kopf fingen die düstersten Vorstellungen zu kreisen, was der Grund sein könne, doch er wische sie mit einer Geste weg. Der Bann Galadriels schütze diesen Wald schon seit Jahrhunderten, sogar Jahrtausenden, der Wald musste sicher sein, redete sich Farillion ein.

Und bald würde er den Grund ja auch erfahren.


Farillion, weiter nach: Wold

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Thranduils Kundschafter - Reiseziel Amon Hen
« Antwort #9 am: 1. Jun 2015, 19:38 »
Galanthir, Angvagor und Finelleth aus dem Lager der Elben bei Aldburg

Bericht von der Reise von Thranduils Kundschaftern


Die weiten Ebenen Rohans flogen an ihnen vorbei, als sie ihre Rösser zur Eile antrieben. Die Pferde, die sie in Aldburg von den Rohirrim erhalten hatten waren ausdauernd und schnell. Dies war ihre Heimat, die Riddermark, in der die Tiere sich auskannten. Schon bald sahen die drei Elben in der Ferne die Emyn Muil immer höher vor ihnen aufragen.

Dies war der Ostwall Rohans, die Grenze der Riddermark, hinter der der Große Strom die Argonath passierte und den tiefblauen Nen Hithoel füllte, bevor er über die Klippen gen Gondor hinabstürzte. Und je näher sie kamen, desto deutlicher konnten sie des Rauros' nie verklingende Stimme rauschen hören. Keine Wolke war am Himmel zu sehen, und unter ihren dunkelgrünen Kapuzen begann es heißer zu werden, denn die Sonne schien unvermindert auf sie herab.

An der Stelle, an der das hohe Grasland gegen die Felsen brandete ließen sie die Pferde frei laufen. Sie würden den Weg zurück nach Aldburg von alleine finden, denn es waren kluge und aufmerksame Tiere. Die Kundschafter machten sich auf den Weg durch die bewaldeten Hügel der Emyn Muil, sich dabei stets in Richtung Osten haltend. Da sie außer ihren Waffen und Reiseproviant kaum etwas dabei hatten kamen sie mit leichtem Gepäck schnell voran. Die Spitze des Amon Hen wuchs vor ihnen stetig in die Höhe, bis sie schließlich bei dem alten gondorischen Sitz des Sehens auf den Gipfel ankamen.

Galanthir, der stets behauptete, die schärfsten Augen zu haben, ließ seinen Blick von dem Aussichtspunkt in die Ferne schweifen, während Finelleth und Angvagor die mitgebrachte Karte ausbreiteten und sich über ihre Reiseroute unterhielten. Im Norden sah er Rauch von den Wäldern Lothlóriens aufsteigen, während er im Süden über Gondor kreisend die Ringgeister auf ihren geflügelten Schatten zu erkennen glaubte. Im Westen breitete sich die Riddermark vor ihm aus, über deren Felder Reiter preschten um die Rohirrim zur Heerschau zu rufen. Im Osten schien alles ruhig zu sein - eine wachsame Stille schien sich über die leeren Lande dort gelegt zu haben. Er wandte den Blick ab und gesellte sich zu seinen Gefährten.

Finelleth strich sich die sandblonden Haare aus dem Gesicht und zeigte auf die Karte, die vor ihr auf den Boden lag. "Wir müssen uns entscheiden, wo wir den Anduin überqueren," sagte sie und fuhr mit dem Finger über die blaue Linie, die den Großen Strom darstellte. Angvagor stand neben ihr und hatte die Arme verschränkt, woran man seine für gewöhnlich düstere Laune erkennen konnte. Dennoch war er genauso auf seine Aufgabe konzentriert wie seine beiden Gefährten. "Eine Seilbrücke zum Tol Brandir und von dort zum Ostufer könnte funktionieren," schlug er vor.

Galanthir zog das aus Hithlain gefertige Seil hervor. Es war das einzige, das sie mit sich führten. Keine Meile ohne Seile - der alte Elbenspruch war ihnen natürlich bekannt. "Ich stimme zu, dass die Überquerung wenn möglich hier im Süden erfolgen muss," sagte er. "Lasst uns nachsehen, ob das Seil lange genug ist." Sie packten die Karte rasch ein, nahmen ihre Waffen und ihr Gepäck auf und begannen, den bewaldeten Hang zum Seeufer hinabzusteigen.

Unten angekommen mussten sie schon bald feststellen, dass die Länge des Seils nicht einmal annähernd bis zum Zinnenfels reichte. "Ich kann auch keine Stelle erkennen, an der wir es von hier aus hätten befestigen können," sagte Galanthir, der mit Angvagor am Ufer stand und aus dem Schatten der Bäume herüberspähte. Da hörten sie Finelleth rufen: "Seht euch an, was sich hier findet!" Die Elbin hockte ein Stück weiter nördlich neben einem großen Felsen. Direkt daneben fanden sie unter einem Haufen Laub und Geäst verborgen ein aus hellem Holz gefertigtes Boot - unverkennbar aus elbischer Herstellung. Wie es hierher gekommen und wer es versteckt hatte konnten sie nicht herausfinden. Es war in gutem Zustand, und trug die drei Kundschafter mühelos über den breiten Nen Hithoel.

Galanthir deutete den Fund des Bootes als Zeichen, dass ihre Fahrt unter einem guten Stern stand. Angvagor bezeichnete diese Aussage als Unsinn und sagte voraus, die wahren Schwierigkeiten stünden ihnen noch bevor. Finelleth beschloss, den ruhigen Moment zu genießen und blendete das Gespräch der beiden Elben aus, als sie über das klare Wasser glitten. Am Ostufer angekommen verfielen sie sogleich wieder in eine wachsame Haltung, und der Moment der Sorglosigkeit verstrich. Sie befanden sich nun im Feindesland.

Eilig versteckten sie das Boot auf ähnliche Weise wie sie es vorgefunden hatten, und setzten dann ihre Reise in nordöstlicher Richtung durch die Emyn Muil fort.


Galanthir, Angvagor und Finelleth in die Braunen Lande
« Letzte Änderung: 21. Feb 2017, 14:38 von Fine »