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Allgemeiner Smalltalk
Azaril:
Ah, Tauben im Gras, das haben wir zwar nicht im Unterricht gelesen, aber ich musste ein Referat darüber halten, erst vor wenigen Wochen. Ich muss dir eindeutig zustimmen, Tauben im Gras ist ein richtig mieses Buch.
Ich finde es nur schade, dass im Deutschunterricht so viele schlechte Bücher gelesen oder durchgenommen werden, deren Autoren einfach nur deswegen irgendwelche Preise bekommen haben, weil das Thema ihres Werkes gut zur aktuellen Situation in Deutschland gepasst hat. Wenn ich zum Beispiel irgendwo lese, Wolfgang Koeppen (der Autor von Tauben im Gras) sei einer der besten Schriftsteller der Nachkriegszeit, kann ich mich einfach nur wundern und den Kopf schütteln.
Was spricht denn dagegen, zum Beispiel Bücher von Richard Schwartz (Askir-Saga) zu lesen, der ein sehr guter deutscher Autor ist? Wahrscheinlich weil er Fantasy-Bücher schreibt und sowas kommt für den Deutsch-Unterricht ja überhaupt nicht infrage. 8-|
Eandril:
Fantasy ist ja "Trivial-Literatur", sowas kann im hochwertvollen Deutschunterricht ja wohl nicht behandelt werden ;)
Stattdessen muss man dann Schrott wie "Adler und Engel" lesen 8-|
Kennt das eigentlich jemand? Wenn ja: Mein herzliches Beileid...
Whale Sharku:
Natürlich kommen Fantasy-Bücher nicht in Frage. Deutsch-Unterricht dreht sich absichtlich um groteske Bücher, denn er soll uns ja nicht unsere Kultur einfach nur leben lassen, sondern "durchstoßen" / über den Tellerrand blicken / historisch gewachsene Denkmuster erfahrbar machen.
Mit deinem Argument könntest du vom Musik-Unterricht fordern, keine Theorie mehr zu machen, sondern nur noch zu musizieren bzw. nur noch Musik zu hören.
Aber klar - nur, weil ein Buch grotesk ist, ist es noch lange nicht erhellend. Andererseits kann man sich mit den groteskesten Sachen anfreunden, weil sie es eben doch sind.
Ich z.B. hab im Deutsch-Abi einen analysierenden Dialog mit Figuren aus Michael Kohlhaas geschrieben, und für alle, die das nicht kennen: Es gibt kein behinderter geschriebenes Buch in diesem Universum. Nicht mal das Silmarillion. (Hmmm... ich mach mich beliebt :D) Davon sollte man in Deutsch tatsächlich abstrahieren können.
Aber gerade deswegen finde ich Gedichtanalyse so unendlich dämlich (wenngleich ich gern glaube, dass es beim richtigen Lehrer eine tolle Sache sein kann) - weil man dort nämlich genau das tut, eine "kulturelle Innenperspektive" zu erleben. Da könnte man dann in der Tat ebenso gut Fantasy lesen. Nur, dass im Deutsch-Unterricht das nicht so gesehen wird und man wie selbstverständlich davon ausgeht, dass das Auswendiglernen von bizarren lateinischen Wörtern und das Erkennen von Stilfiguren (technisches Handwerk eben) uns unsere Kultur besser verstehen lassen. Und das ist natürlich nicht so.
Da belügt sich unser Bildungssystem ein Stück weit, finde ich zumindest.
mini1996:
Bei uns war des recht unterschiedlich. Wir haben bei dem selben Lehrer zum einen sehr gut Werke ( Der Vorleser, Der Weltensammler (sehr zu empfehlen) , Fräulein Stark, Michael Kohlhaas ) gelesen aber auch welche wo ich den künstlerischen Aspekt zwar verstehe aber einfach keinen Zugang gefunden hab ( Faust, Tod in Venedig (völlig krank), Bahnwärter Thiel (auch völlig krank)) und welche die einfach nur langweilig waren (Maria Stuart, Die Räuber).
Welche Werke als Kunst gesehen werden hängt auch viel mit dem Autor zusammen und was der geleistet hat. Ist ja in der Malerei ähnlich ... Jackson Pollocks späteren Werke kann man auf den ersten Blick nur als Schmiererei sehen, aber wenn man die Bilder und seinen Werdegang genauer Betracht merkt man was für hohe Kunst das eigentlich ist.Erklärt auch warum die Millionen Wert sind.
Also ich fand Michael Kohlhaas ein super Buch ... Klar der Stil von Kleist ist Geschmackssache.
Whale Sharku:
Geschmackssache? :P Kleist hat es ja absichtlich stilistisch-erzählerisch so unterirdisch wie nur menschenmöglich geschrieben, um seinen Zeitgenossen glaubhaft die Lüge auftischen zu können, dass es mittelalterliche Chroniken sind, die er lediglich übersetzt hat.
Sonst wäre er für so ein Buch wohl ge... ach, was auch immer genau die Adligen mit ihm angestellt hätten.
Und klar, wie gesagt, ich mag das Buch auch. Finde es eine gute und wichtige damalige Gesellschaftskritik und fühlte mich im Abi wohl genug damit, ne glatte 1 zu holen.
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