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Autor Thema: Charaktere des Schattens  (Gelesen 10899 mal)

Lord of Mordor

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Charaktere des Schattens
« am: 6. Feb 2008, 22:51 »
Auflistung der drei Chars, die auf der bösen Seite stehen.


Gnominator

Name: Atauko, später Dûrmarth

Alter: 25

Vater: Dagda

Mutter: Yáwen
Nach dem Tod seines Vaters wurde er von dessen Bruder Kánotar aufgezogen

Geboren: in Arthedain

Aussehen:

-Körperbau:  groß (198 cm ), schlank

-Haarfarbe: dunkles braun

-Augenfarbe: braun

Rüstung und Bewaffnung:
 -  Schwarzen Stahlpanzer mit dem Zeichen der eisernen Krone drauf um den Oberkörper und auf den Schultern;
 -  an den Armen dickes Leder, damit er sich immer noch schnell bewegen kann, aber trotzdem geschützt ist; über allem ein schwarzer Umhang
 -   dünne braune Handschuhe
 -  Schwarze Hose
 -  Braungrüne Schuhe; Keine Stiefel, sondern eher leichtere Schuhe, damit er sich schneller bewegen kann
 -  des öfteren einen Mantel mit Kapuze (schwarz-braun)
 -  Ein Schwert (Das einzige, was ihm von seinem Vater geblieben ist; das Schwert heißt „Rûthreg“)
 -  eine kleinen Dolch

Sonstige Merkmale:
 -  der Ringfinger and er linken hand fehlt (er verlor ihn, als er einen Troll  bändigte)
 -  eine Narbe auf der Wange (bekam er, als der Wolf neben ihm tot auf den Boden fiel)


Besondere Fähigkeiten:
-   kann wilde Tiere zähmen
-   kann im Notfall auch mit anderen Waffen kämpfen (Bogen, Axt Speer)

Geschichte

Kindheit:

Er wurde in einer normalen Familie in Arthedain geboren. Sein Vater, Dagda,  war Soldat bei der Armee und versuchte aber möglichst viel zeit zu Hause bei Atauko zu verbringen. Doch als Atauko 4 Jahre alt war, musste er in einen Kampf gegen die Goblins ziehen. In dieser Zeit stand Atauko jeden Abend auf den Stadtmauern und wartete darauf das sein Vater wiederkommt. Nach 2 Wochen kam der Trupp dem sein Vater angehört hatte wieder, doch Dagda ist von den Goblins so schwer verwundet worden, dass er ein paar Tage darauf verstarb. Sofort nach der Beerdigung mussten er und seine Mutter zu seinem Onkel Kánotar ziehen, da sie sonst nichts gehabt hätten um zu Überleben. Schnell stellte sich heraus, dass Kánotar das Gegenteil von seinem Bruder war...Er war nicht häufig zu Hause und wenn er da war, mussten alle nach seiner Pfeife tanzen. Regelmäßig schlug er Yáwen, wenn sie nicht das tat, was er wollte. Anfangs wollte sie es vor Atauko geheim halten, doch als er sechs wurde, bemerkte er es und versuchte oft seinen Onkel daran zu hindern sie zu schlagen. Ab dieser Zeit begann der schreckliche Teil seiner Kindheit. Vorher hatte sein Onkel ihn im Allgemeinen ignoriert, doch nun wurde auch er oft geschlagen und immer von ihm verhöhnt.  Die Gründe waren seinem Onkel nicht wichtig, er fand immer welche. Meistens verhöhnte er Atauko damit, dass er zu schwach sei um einen gescheiten Beruf zu ergreifen (Kánotar war Leiter von mehreren Goldschmieden und hatte dadurch ein großes Vermögen angehäuft). Atauko war auch tatsächlich schwächer als die meisten anderen Jugendlichen in seinem Alter, weshalb er auch von denen oft getriezt wurde. Er hatte nur eine gute Kondition und starke Beine, deshalb war er beim Laufen immer der Beste.  Bis zu seinem sechzehnten Lebensjahr lief das nun so. In dieser Zeit wurde er immer von allen verhöhnt und oft von seinem Onkel auch oft geschlagen und nur seine Mutter lieferte ihm immer Beistand und gab ihm noch Hoffnung. Bei seinem sechzehnten Geburtstag trieb es sein Onkel zu weit. Er höhnte, dass Yáwen eine Schwächling zur Welt gebracht hätte, für den man sich schämen müsste und, wenn er so einen Sohn gehabt hätte, hätte er ihn gleich an eine andere Familie weitergegeben. Bei dieser Bemerkung platzte Atauko der Kragen, er zog das Schwert seines Vaters und erstach seinen Onkel Kánotar. Als dann seine Mutter hereinkam und Kánotar auf dem Boden liegen sah, wusste sie sofort was geschehen war.  Sie zerrte Atauko aus dem Zimmer und brachte ihn in ihr gemeinsames Zimmer. Dort versuchte sie ihn dazu zu überreden zu fliehen.
Doch erst als man schon die Soldaten hören konnte, hatte sie ihn überredet. Sie rannten zum Garten doch die Soldaten hatten sie schon gesehen. Yáwen blieb stehen sagte zu Atauko: „Fliehe, du hast noch dein ganzes Leben vor dir, ich lebe schon seit dem Tod deines Vaters nicht mehr...“ Als sich Atauko dann noch mal umdrehte sah er nur noch, wie seine Mutter den Soldaten den Weg versperrte und schließlich von einem der Soldaten erschlagen wurde. Er wollte schon umdrehen und sein Schwert ziehen, doch er musste an den letzten Willen seiner Mutter denken und rannte weiter. Er rannte danach 3 Tage ohne Anzuhalten immer weiter ohne sich irgendwie zu orientieren. Im Laufe dieser Zeit hatte er sich immer wieder versteckt weil Reiter vorbeikamen und nach ihm suchten. Ohne es zu merken kam er langsam immer weiter nach Norden und damit immer näher nach Cârn-Dum. Irgendwann  konnte er dann nicht mehr weiter und brach zusammen. Als es dann Nacht dunkel wurde, hörte er die ganze Zeit das Heulen der Wölfe immer näher kommen. Er sah sie nie, doch er hörte, wie sie ihn umzingelten und sich immer mehr näherten. Als dann einer der Wölfe mit einem lauten Heulen auf ihn zusprang blitzte der ganze Wald  kurz weiß auf und der Wolf fiel neben ihm Tod auf den Boden und die eine Kralle schlitzte ihm die Wange auf. Das letzte was Atauko dann noch mitbekam, war wie ein Mann sich zu ihm runterbeugte und wie die Wölfe heulend flohen...

Erwachsenleben:

Als er wieder zu sich kam war er in Cârn-Dum und konnte sich an nichts außer dem Hass den er gegen Arthedain. In den ersten Tagen danach erfuhr er, dass der Mann der ihn gerettet hatte Gulzár hieß und einer von den 13 Hexern des Hexenkönigs war. Gulzár gab dem Jungen dann den Namen Dûrmarth und brachte ihm die Denkweise und Handlungsweise von Angmar bei. Dûrmarth wurde schnell ein treuer Anhänger der Denkweise von Angmar, da sie in vielem auf dem hass gegen Arnor basierte. Er lernte auch, besser zu kämpfen und wie man mit den bösartigen Tieren rings um Cârn-Dum umgeht. Er lernte Wölfe und Trolle zu bändigen (dabei verlor er seinen linken Ringfinger). Nach einem Jahr schwor er Gulzár zu begleiten und wenn er in Todesgefahr ist sein Leben für ihn aufzuopfern. Im Laufe der Zeit veränderte er sich soweit, bis kaum etwas von seinem früheren Leben in ihm übrig geblieben ist. Nur  das Schwert seines Vaters trug er noch...

Dûrmarth lebte die ganze Zeit seit er geflohen ist nun in Cârn-Dum, gehörte zwar nie zur Leibgarde der Hexer, hat aber trotzdem ein sehr enges Verhältnis zu Gulzár und war auch sonst ein angesehener Mann.
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Lord of Mordor

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Re: Charaktere des Schattens
« Antwort #1 am: 6. Feb 2008, 22:52 »
Adamin

Name:
Gulzár
Oberster Hexer des Zwielichts

Bild:
http://img264.imageshack.us/img264/9774/galbatorixne6.jpg
(ohne Schwert)

Zugehörigkeit:
Angmar, Rat der Dreizehn

Abstammung:
Dunkler Numenorer

Ausrüstung:
 Ein Eichenstab, beschlagen mit ehernen Ornamenten

Alter:
Unbekannt

Geschichte:

Die Vergangenheit von Gulzár, Gulfárs Sohn, liegt, wie so vieles in Angmar unter ewigem Schnee begraben. Auch wenn er ursprünglich nicht aus diesen Gefilden kommt...
Sicher kann man sagen, dass er vor vielen Jahrhunderten von Saurons Mund persönlich aus Umbar verschleppt wurde. In Mordor angekommen, wurde er in den Schmieden des dunklen Herrschers eingesperrt und zur Arbeit gezwungen, ohne Vorwarnung und ohne Begründung. Niemand mehr weiß wieso, aber der Leutnant von Barad-dûr schien eine Begabung in Gulzár erkannt zu haben. Er kümmerte sich um den damals jungen Abkömmling der Numenorer und ließ ihn in jeglicher Schmiedekunst unterweisen, die in Mordor jemals ersonnen wurde. Anfangs lähmte Gulzár noch die Angst und das Unbekannte, doch mit der Zeit und der Faszination des Feuers lernte er, die mächtigsten Waffen des finsteren Landes zu schmieden. Er erhitze dunklen Stahl in der Glut des Schicksalsberges und formte ihn auf gewaltigen Ambossen zu immerscharfen Klingen und unzerbrechlichen Rüstungen. Saurons Mund wollte ihn auch die Pfade der dunklen Magie lehren, doch auf Geheiß seines Meisters tat er es nicht. Stattdessen zeigte er ihm Runen aus der Sprache der Unterwelt, welche, in seinen Waffen eingeätzt, ebenfalls verheerend wirken konnten.

So schmiedete Gulzár unzählige Jahre lang für Sauron und perfektionierte seine Kunst immer weiter. Sein numenorisches Blut verlieh im ein langes Leben und die verderbte Magie, die allgegenwärtig um Saurons Mund waberte, schien auch eine Wirkung auf seine Lebensspanne  zu haben. Mit der Zeit, ergriff ihn der Eifer eine Waffe zu schmieden, so makellos und zerstörerisch, dass sie nur von Sauron selbst geführt werden konnte. Er träumte davon, dass nicht der Leutnant, sondern der Herrscher von Barad-dûr höchstselbst in seine Schmiede hinabsteigt und ihn für sein Werk entlohnte. Eines Tages begann er – inzwischen ergraut und weise –, diesen Traum zu verwirklichen.
Drei Tage und drei Nächte lang arbeitete Gulzár ununterbrochen und ließ niemanden in seine Schmiede. Er verbrannte Mallornholz in seinen Essen, welches unter den größten Gefahren und nur dieses eine Mal beschafft wurde. Er ließ seine härteste Rüstung und seine tödlichste Waffe zu sich bringen und schmolz sie mit dem besten Stahl zusammen, den man von den Zwergen Morias stehlen konnte. Mithril verschmähte er.
Der alte Schmied entschied sich, einen Streitkolben anzufertigen, da er darin das perfekte Ebenbild der zerstörerischen Einfachheit seines Meisters sah. Ohne Pause arbeitete er an Esse und Amboss und legte sein gesamtes Wissen darin. Er goss einen riesigen Schlagkopf, formte unzählige Dornen und ätzte die mächtigsten, ihm bekannten, Runen hinein. Die Spitze krönte er mit mehreren rüstungsdurchdringenden Nägeln.
Bei Anbruch des vierten Tages wurde Saurons Mund misstrauisch, möglicherweise machte er sich sogar Sorgen. Also ließ er die Tür zur Schmiede aufbrechen.

Im Inneren fand er Gulzár lebendig. Er hing schlafend auf einem steinernen Tisch, direkt neben ihm lag der vollendeten Streitkolben. In seiner Rechten hielt er einen Polierlappen fest umklammert. Er erwachte, als sich Saurons Mund näherte und zeigte ihm mit unverhohlenem Stolz sein Werk.
Der dunkle Numenorer betrachtete die Waffe lange. Immer wieder lief er mit seinen dürren Fingern die Linien der Runen und Zacken ab. Als er die Schärfe einer Klinge überprüfen wollte, schnitt sie ihm sacht in das Fleisch und hinterließ ein Strich aus dunklem Blut.
Ohne sich umzudrehen zischte er: „Ungenügend...“
Gulzár würde seine Worte nie vergessen.
„Um eine Waffe zu schmieden, die Saurons würdig ist, braucht es mehr, als ein sterblicher Mensch zu leisten vermag... Dennoch ist diese Waffe hier außerordentlich mächtig... Möglicherweise könnte ein anderer Diener des Meisters eine Verwendung für sie haben...“ Er strich mit seinen Fingern über die eiserne Krone auf der Spitze.

Das fahle Sonnenlicht war gerade über den Ebenen von Gorgoroth aufgegangen, als Gulzár sich auf den Weg zum schwarzen Tor machte. Er saß auf einem Rappen der Nazgul, bepackt mit seiner wenigen, ihm wichtigen Habe und etwas Proviant. Neben sich führte er einen Braunen, der unter dem Gewicht des sicher verschnürten Streitkolbens leicht einknickte. Gulzárs Ziel waren die Ländereien nördlich von Arnor. Saurons Mund hatte ihm erzählt, dass der oberste der Nazgul dort ein Reich zu erschaffen plante, um die Menschen Arnors zu vertreiben. Er sollte die Waffe erhalten um damit seine Feinde zu zerschmettern und seine Macht unanfechtbar zu machen.
Der Weg war weit in die Lande, die Angmar heißen sollten, doch Gulzár kümmerte dies nicht. Er wollte Mordor den Rücken zukehren und nie wiederkommen. In seinen Augen hatte er auf ganzer Linie versagt und die Gunst seines Herrn nicht länger verdient. In Angmar wollte er einen Neuanfang wagen.
Als sie sich ein letztes Mal an den Toren Mordors trafen, gab ihm Saurons Mund einen Ring mit auf den Weg. Es war ein schlichtes Goldband, in das ein roter Stein eingelassen worden war.
Ohne ein Wort zu sagen, entbehrte ihm Saurons Mund den alten Abschiedsgruß von Umbar und wandte sich von ihm ab.

Wie erwartet, war es ein beschwerlicher Weg, den Gulzár eingeschlagen hatte. Lange ritt er Richtung Norden, über die Ebenen von Dargolad, passierte den westlichen Saum des Düsterwaldes und schließlich in östlicher Richtung die Ered Mithrin entlang. Am Gundabadberg angekommen sah er, dass der Anführer der Nazgul schon hier gewesen sein musste. An den Eingängen zu den unzähligen Orkhöhlen hingen dunkelblaue Banner mit dem Zeichen einer metallischen Krone. Sie waren zwar zerrissen und zerbissen, doch definitiv nicht von orkischer Machart.
Das Ziel seiner Reise war nicht mehr fern. Nun galt es nur noch das Nebelgebirge zu überqueren und Angmar wäre erreicht. Natürlich sollte sich dieser Schritt, als beschwerlichster herausstellen...
Bei dem Versuch, den Gundabad zu passieren, wurde er von den Orks angegriffen. Sein Rappe wurde von Pfeilen durchbohrt und schleuderte ihn im Todeskampf fort. Gulzár konnte nur noch mit dem Braunen entkommen, bevor die Orks ihn einkreisen konnten. Einen Tag später, auf einem Pass über das Gebirge, verendete auch das andere Pferd. Es brach vor Erschöpfung einfach stumm zusammen und blieb am Wegesrand liegen.
Es blieb Gulzár nichts anderes übrig, als den Streitkolben alleine weiterzutragen. Zuerst versuchter er ihn zu schultern, doch sein Gewicht wurde schon nach kurzer Zeit zur Qual. Danach trug er ihn, bis seine Arme brannten und zu brechen drohten. Am Ende seiner Kräfte zog er ihn einfach nur noch hinter sich her, durch den immer tiefer werdenden Schnee. Gulzár erreichte den Gipfel des Berges, aber seine Beine wollten ihn keinen weiteren Schritt mehr tragen. Erschöpft und ausgebrannt sank er in den Schnee und wartete auf den erlösenden Tod.
Da sah er in den Augenwinkeln, wie sich ihm ein pechschwarzes Pferd näherte. Den Reiter konnte er nicht erkennen, da er gegen das Licht stand. Es schien ein Krieger zu sein, aber er trug eine Krone, als wäre er ein König. Mit letzter Kraft hob Gulzár die Hand mit dem Ring. Er wollte dem Unbekannten den Ring anbieten, wenn er dafür sein Leben retten würde, doch seine Stimme versagte noch vor dem ersten Wort. Er sah, wie sich die krallenartige Hand des Kriegers erhob, danach versank alles in Dunkelheit.

Gulzár erwachte neben einem grünen Feuer und war über diesen Zustand mehr als überrascht. Aber nicht das Feuer irritierte ihn, sondern die Tatsache, dass er wieder aufgewacht ist. Die unnatürliche Flamme hatte den Schnee um ihn herum geschmolzen und einen grauen Felsenuntergrund freigelegt. Er konnte seine Glieder wieder fühlen und hob den Kopf etwas an. Neben ihm stand immer noch der Unbekannte auf seinem Pferd, als hätte er sich während seiner Ohnmacht nicht bewegt. Eine zischende Stimme erklang, kälter als Eis: „Hinter dir liegt Fleisch. Iss dich satt daran...“
Die Müdigkeit wich langsam und Gulzár drehte sich um. Im Schnee lag ein totes weißes Reh, der Kopf fehlte und das Blut hatte den Schnee rot gefärbt. Der Schmied hielt sich nicht lange mit dem Ausnehmen und Hautabziehen auf. Schon nach kurzer Zeit briet er einen Hinterlauf des Tieres über dem Feuer. Mit jedem Bissen, sammelte sich wieder etwas Wärme in seinem Magen und etwas von seiner Kraft kehrte zurück. Schließlich war sein Hunger gestillt und sein Körper wieder in der Lage, sich zu bewegen. Nun wurde Gulzár neugierig, um wen es sich bei seinem Retter handelte.

Er besah sich den Krieger genauer und der Schock packte ihn, als er seine Rüstung erkannte. Gulzár hatte sie selbst gefertigt, bevor seine Arbeiten an dem Streitkolben begonnen hatten. Man hatte ihm nicht gesagt, für wen sie bestimmt war, weshalb er nun nicht wusste, ob er einen Freund, oder doch einen Feind vor sich hatte.
„Was machst du so weit im Norden Gulzár, Schmied des Mundes?“, fragte er eisig. „Wer seid ihr?“, war das einzige, was Gulzár entgegnete.
„Erkennst du den Tod nicht? Ich bin der Oberste der Neun. Und nun bin ich der Hexenkönig von Angmar...“
Nun erkannte ihn Gulzár als Nazgul. Rüstung und Krone verschleierten seine wahre Identität und ließen ihn †šmenschlicher†™ aussehen. Er holte den verpackten Streitkolben, der die ganze Zeit neben ihm gelegen hatte.
„Ich habe eine Waffe geschmiedet... Der dunkle Herrscher lässt sie dir zukommen.“, er öffnete das verschnürte Bündel und hielt es ihm entgegen. Der Hexenkönig stieg langsam von seinem Pferd ab und nahm den Streitkolben in seine rechte Hand. Er betrachtete die Waffe kurz dann hob er sie über den Kopf. Die Runen begannen in einem unheiligen Licht zu leuchten, als der Nazgul mehrere kehlige Laute aussprach und der Berg begann zu rumoren, als würde er der schrecklichen Kreatur entfliehen wollen. Dann fuhr der Streitkolben hernieder und grub sich tief in das massive Gestein. Die Felsen zitterten und auf den Flanken lösten sich Lawinen aus der Schneedecke.

Ohne jegliche Anstrengung stemmte der Hexenkönig die Waffe wieder nach oben. Der Kolben hatte keinerlei Schäden, geschweige denn Kratzer vorzuweisen. Scheinbar zufrieden bestieg der Nazgul wieder sein Pferd und wollte den Abstieg beginnen. Gulzár war einen Moment von der Kraft der Waffe überrascht. Schnell fasste er sich wieder und rief dem dunklen Reiter hinterher: „Wartet!“
Er wartete. Gulzár kniete nieder.
„Mein König... Ich habe dir den Streitkolben auf Geheiß des Meisters gebracht und erwarte keinen Dank. Doch ich möchte dir meine Dienste in diesem neuen Land anbieten. In Mordor habe ich keine Verpflichtungen mehr, da ich das Schmiedehandwerk aufgebe. Ich möchte Sauron nun auf dem Schlachtfeld dienen!“
Langsam kam der Hexenkönig wieder näher. Seine Stimme erklang und war kälter, als jemals zuvor. „Nenne seinen Namen nie wieder. ICH herrsche hier!“
„Ja, mein König.“
„... Du wirst mir dienen, aber nicht als Krieger...“
Blitzschnell schoss der Eisenhandschuh des Hexenkönigs vor und schloss sich um Gulzárs Schädel, wie ein Schraubstock. Mit unmenschlicher Kraft erhob ihn die Hand vom Boden in die Luft und hielt in dort fest.
Dann schien Feuer durch Gulzárs Kopf zu laufen. Jeder Winkel seines Geistes schrie vor Schmerz und bunte Lichter tanzten vor seinen Augen. Der Hexenkönig segnete ihn mit einer Gabe, die ihn den Rest seines Lebens begleiten sollte...

Der Hexenkönig hatte ihn zu einem seiner ersten Hexer verwandelt. Er gab Gulzár die Fähigkeit, mit der Kraft einer lebenden Seele die Welt zu verändern. Diese Abart der Magie meisterte der Schmied besser als jeder andere nachfolgende Hexer, denn die Hexerei erinnerte ihn an sein geliebtes früheres Handwerk.
Er nahm die Seele eines anderen, einen ungeschliffenen Diamanten, ein unbearbeitetes Eisen. Dann veränderte er dieses Material mit dem Feuer und dem Hammer seiner eigenen Seele, formte es nach seinem Willen und ließ es schließlich auf seine Feinde niederfahren.
So schwang er sich zum mächtigsten Magier Angmars auf, direkt nach dem Hexenkönig, da er seine Zauber schneller aus der Seele gewinnt und weniger von ihrer Macht auf einmal verbraucht. Für stärkere Hexereien benötigt er weniger Seelen und Zeit, als seine laienhaften Getreuen.
Von dem Tag seiner Segnung, war Gulzár stets an der Seite des Hexenkönigs zu finden. Nur selten war er an einem anderen Ort, als sein neuer Meister. Seit dem Aufstieg Angmars perfektionierte er seine neuen Fähigkeiten, wie einst sein Schmiedewerk und stand sofort an der Spitze des Rats der Dreizehn. Führte er einen neuen gesegneten Hexer in seine Kunst ein, residierte Gulzár kurze Zeit in Carn Dûm und lehrte ihn das, was er nicht selbst erlernen konnte. Alles Weitere mussten sie ohne fremde Hilfe schaffen.
Den einzigen nichtmagischen Menschen, den er kurze Zeit in Carn Dûm behütete, war Dûrmarth. Er rettete ihn als jungen Mann vor einem Rudel wilder Wölfe, ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben. Aber der Junge lernte schnell und war in der Zwischenzeit ein ausgezeichneter Krieger geworden, auf den er immer zählen konnte.

Gulzár ist vor allem eins: Alt.
Durch die Magie des Hexenkönigs und Saurons Mund, hat er die gewöhnliche Lebensspanne eines Menschen schon um ein Vielfaches überschritten. Trotz der Last der Zeit, ist er immer noch sehr mächtig, da das Schmiedefeuer seiner Seele hell erleuchtet ist. Steht er an der Seite des Hexenkönigs in einer Schlacht, kann kein Mensch, kein Zwerg und kein Elb vorhersagen, auf welche schreckliche Weise sie sterben werden.
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Re: Charaktere des Schattens
« Antwort #2 am: 6. Feb 2008, 22:53 »
Lord of Mordor

Zaphragor

Alter: 528 Jahre

Abstammung: Numenorer aus Rhudaur, residiert jetzt in Carn Dûm

Aussehen: Zaphragor hat trotz seines Alters das Äußere eines circa fünfundzwanzigjährigen Mannes mit langem schwarzem Haar, verbittertem Gesicht, und grausamen, tiefschwarzen Augen, aus denen Wahnsinn, Bosheit und eine schreckliche Vergangenheit leuchten. Er ist ein Monster von einem Mann, von gewaltiger Größe und sehr muskulös.

http://img134.imageshack.us/img134/6382/zaphragorinflamesgg6.png

Ausrüstung: Er trägt eine schwere schwarze Rüstung, die mit dunkelblauen Saphiren und Morgulrunen verziert ist, genau wie sein mächtiger Zweihänder. Sein linker Arm ist allerdings nur in Leder und Leinen gehüllt, der einzige Teil seines Körpers außer dem Kopf, den die schwere Rüstung nicht bedeckt. Zaphragor trägt dazu noch einen blauen Umhang, der über seine Schultern und Arme geht und das Wappen Angmars zeigt.

Fertigkeiten: Im Kampf ist Zaphragor schrecklich. Er ist Entbehrungen und Verletzungen gewohnt und kann Ewigkeiten ohne Konditionsverlust weiterkämpfen. Wunden spürt er kaum und sie heilen durch die Magie in seinem Körper mit unnatürlicher Geschwindigkeit. Wo sein Zweihänder hinschlägt, steht kein Feind mehr auf und er kann einem Gegner mit bloßer Faust die Knochen brechen. Außerdem ist er für seine Größe ungewöhnlich schnell, kann allerdings nicht mit wirklich agilen Kriegern mithalten. Sein bloßer Anblick erfüllt Krieger mit Furcht, und durch Hexerei kann er dies noch verstärken. Seine Hexerei ist voll auf den Kampf ausgelegt, allerdings unglaublich mächtig auf diesem Gebiet. Er muss keine Akolythen opfern, sondern nimmt die Lebensenergie aus seinem eigenen Körper. Er kann bis zu dem Punkt gehen, dass sich sogar die Haut von seinen Armen abschält oder weiter, um seine Magie zu wirken. Die dadurch verursachten Wunden werden von seinem von Wahnsinn pulsierenden Körper mit der Zeit regeneriert und den Schmerz genießt er sogar – wissend, dass er seine Energie für den Hexenkönig gibt.

Geschichte:

Zaphragor wurde in Rhudaur geboren, achtzehn Jahre vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges. Zu jenem Zeitpunkt war Rhudaur trotz gewisser Spannungen ein friedliches Land, und Zaphragor verbrachte bei seinen Eltern eine glückliche Kindheit. Doch als er älter wurde, kam es immer öfter zu offener Gewalt zwischen Hügelmenschen und Numenorern, da beide Seiten Rhudaur für ihr Land und die andere Partei für Usurpatoren hielten. Während die Hügelmenschen allerdings unorganisiert rebellierten, sammelte Gwardanath, der Höchste unter den Numenorern, heimlich eine gewaltige Söldnerstreitmacht aus Cardolan um sich, um Rhudaur seinem Willen zu unterwerfen.

Eines Tages geschah es dann. Thwolsgar, der König der Hügelmenschen, wurde tot aufgefunden, und obwohl niemand wusste, wer ihn hatte ermorden lassen, waren sich doch alle Hügelmenschen einig, dass es ein Numenorer gewesen sein musste. Ein blutiger Aufstand brach aus, und Gwardanath rief seine Söldner und seine Untertanen zu den Waffen. In einer flammenden Rede beschwor er sie, den blinden Hass der Hügelmenschen mit kaltem Stahl zu vergelten und sie für die unrechtmäßigen Anschuldigungen gegenüber seinem Volk zu bestrafen. Brennend vor Tatendrang ritten die Männer aus, unter ihnen auch der inzwischen achtzehnjährige Zaphragor und sein Vater Teragor. Sie wussten nicht, dass ein Großteil ihrer Waffenbrüder Söldner waren, und fühlten beide denselben Stolz, als sie auf die gewaltige Streitmacht aus vermeintlichen Bewohnern Rhudaurs blickten, von denen sie dachten, dass sie wie sie selbst alles tun würden, um ihre Heimat vor den Barbaren zu verteidigen.   

Niemand erwartete einen besonders schweren Kampf, nun, da sich alle Numenorer Rhudaurs zusammengeschlossen hatten – die Hügelmenschen waren Barbaren, hüllten sich in Felle und Leder und lebten in einfachen Holzsiedlungen, während die Numenorer über schwere Plattenpanzer verfügten und von mächtigen Festungen aus ausritten. Doch diese Einschätzung erwies sich bald als falsch – die Hügelmenschen waren weit besser ausgerüstet, als sie hätten sein dürfen, und sie wussten ebenso gut wie die Numenorer, dass sie im offenen Kampf unterlegen waren, trotz ihrer weit größeren Anzahl. Von daher verlegten sie sich auf Überraschungsangriffe und geschickt gelegte Hinterhalte und führten die Numenorer durch ihre Kenntnisse der Wildnis und gut geplante Scheinrückzüge häufig in die Irre. Die Ursache dieser Taktiken, die niemand von den Hügelmenschen erwartet hätte, wurde bald festgestellt: Arngrimm, der neue Anführer der Hügelmenschen. Ein charismatischer Mann von großem Mut und Ehre, der sich nach Thwolsgars Tod erhoben, die Hügelmenschen geeint und geschworen hatte, nicht eher zu ruhen, bis kein Numenorer in Rhudaur mehr am Leben war.

Doch auch Arngrimms großartige Führungsfähigkeiten konnten die völlige Überlegenheit der numenorischen Panzerreiter nur bedingt wettmachen. Wann immer sie es schafften, Hügelmenschentrupps zu stellen, mähten sie sie gnadenlos nieder. Gleichzeitig erschlugen die Hügelmenschen allerdings genauso viele Numenorer in Hinterhalten, und der Krieg zog sich weiter in die Länge. An einen schnellen Sieg glaubte nun keiner mehr.

Da Arngrimm wusste, dass er die Numenorer im Felde nicht bezwingen konnte, griff er stattdessen ihre Moral an. Als Zaphragor und sein Vater eines Tages von einem Feldzug in ihr Heimatdorf zurückkehrten, fanden sie es verwüstet und niedergebrannt vor. Beide starrten entgeistert auf die Überreste des Ortes, den sie einst ihr Zuhause genannt hatten. Jeder einzelne Bewohner des Dorfes war von den Hügelmenschen niedergemacht worden, alle Häuser geplündert. Die Frau, die Teragor sein Leben lang geliebt hatte, Zaphragors Mutter, war tot.

Von diesem Tag an lebte Zaphragor nur noch für den Kampf. Vom Gedanken an Rache besessen, wütete er wie ein Berserker unter den Hügelmenschen, während er wahnsinnige Todesflüche brüllte. Zusammen mit seiner gewaltigen Statur und seinem natürlichen, von seinem Vater geerbten Talent für das Kämpfen, machte ihn das zum Schrecken aller Hügelmenschen. Bald genügte schon sein bloßer Anblick, um angreifende Feinde in die Flucht zu schlagen – es war bekannt, dass Zaphragor selbst sich niemals zurückzog und trotz aller Verletzungen bis zum Ende kämpfte.

Teragor indessen beobachtete die Entwicklung seines Sohnes – und des gesamten Krieges – mit Sorge. Während Zaphragor sich immer weiter in seinen Wahn von Blutrache hineinsteigerte, verloren die Numenorer stetig an Boden. Die Hügelmenschen griffen nun verstärkt Zivilisten an, und trieben so viele Soldaten, die alles verloren hatten, wofür sie gekämpft hatten, in die Desertion. Auch Teragor kam schließlich zu dem Schluss, dass es in diesem Krieg nichts mehr zu gewinnen, dafür umso mehr zu verlieren gab.

Als er dies seinem Sohn eröffnete, war Zaphragor entsetzt. „Du willst desertieren?“, rief er. „Und alles im Stich lassen, wofür wir gekämpft haben? Unsere Freunde? Unsere Heimat???“
 „Es ist nicht unsere Heimat“, erwiderte sein Vater. „Nicht mehr. Rhudaur war früher unsere Heimat, doch jetzt... dieser Bürgerkrieg wird das Land schlussendlich zerstören. Selbst, wenn wir die Hügelmenschen bezwingen, zurückbleiben wird ein für immer gezeichnetes Land. Solch ein Krieg... er bringt keinerlei Vorteile, nicht einmal für den Sieger.“
„Der Sieg selbst ist der Vorteil“, antwortete Zaphragor zornig. „Der Sieg ist die Rache! Rache für alle, die wir verloren haben! Rache für...“ Seine Stimme wurde leiser und erstickte beim letzten Wort. „Mutter...“
Stille senkte sich über den Raum.

Nach einer Weile fing Teragor wieder an zu sprechen. Langsam legte er seinem Sohn die Hand auf die Schulter. „Deine Mutter hätte nicht gewollt, dass du für sie stirbst, Zaphragor“, sagte er. „Sie hätte gewollt, dass du lebst... ein glückliches, langes Leben, weit weg von diesem Krieg.“ Bei diesem Worten standen ihm Tränen in den Augen, und auch Zaphragor gab sich keine Mühe, seine Trauer zu verbergen.

„Du hast recht“, sagte Zaphragor schließlich, und in der Stille der Nacht verließen sie ihr Haus in Richtung Arthedain. All ihre Habseligkeiten hatten sie auf einen Karren gepackt, und Zaphragors Vater ritt auf seinem braunen Hengst voraus.

Doch die Flucht verlief nicht reibungslos. Mitten in der Nacht liefen sie einer Patrouille Söldner über den Weg. Zaphragors Vater wollte sein Pferd herumreißen und einen anderen Weg einschlagen, doch es war zu spät.

„Teragor!“, rief einer der Soldaten. „Wir haben gesicherte Informationen, dass du das Land gen Arthedain verlassen willst! Fürst Gwardanath hat auf solch ein Verbrechen die Todesstrafe verhängt! Steig von deinem Pferd!“

Für eine Weile starrten Teragor und Zaphragor die Patrouille einfach nur an, schweigend, fassungslos. Wer konnte sie verraten haben? Schließlich stieg Teragor langsam ab. Als die Soldaten näher kamen, sprang Zaphragor auf einmal mit gezücktem Schwert vom Wagen. „Keinen Schritt näher, oder ihr werdet es bereuen!“, schrie er. Die Soldaten wichen tatsächlich einige Schritte zurück, doch Teragor wandte sich nur seinem Sohn zu und sagte: „Tu doch nicht so, Zaphragor.“

Zaphragor starrte ihn an. „Ich wurde offensichtlich verraten... und wer sollte das gewesen sein, wenn nicht du? Du, der du lieber deine Mutter rächen wolltest, du, der du lieber für Rhudaur gekämpft hättest als dich mit deinem schwächlichen Vater heimlich davonzustehlen... ich hätte es wissen müssen.“

„Va... Vater, ich... niemals, ich...“
„LÜG MICH NICHT AN!“, brüllte Teragor und schlug seinen Sohn zu Boden. Der Schlag schmerzte körperlich kaum, doch der seelische Schmerz kam Folter gleich. Schnell zog Teragor sein Schwert, um es auf Zaphragor niederfahren zu lassen, doch schon war einer der Soldaten heran und stach ihm eine Klinge in den Rücken. Teragor fiel auf die Knie und spuckte Blut. „Mein... Sohn...“, brachte er röchelnd hervor, während er sich nur noch schwankend auf den Beinen hielt. In seinen Augen las Zaphragor allerdings keinen Zorn, nur tiefe, unendliche Trauer und ein stummes Flehen um Vergebung. Eine letzte Träne glitzerte in seinem Auge, dann fiel er kopfüber in den Schnee.

Während die Soldaten ihm aufhalfen, versuchte Zaphragor zu begreifen, was geschehen war. Sein Vater... sein eigener Vater... dann wurde es ihm klar. Die Soldaten würden ihn nach solch einer Szene niemals verdächtigen, ebenfalls ein Deserteur zu sein, und auf simples Gutdünken würde Gwardanath nicht einen seiner besten Soldaten hinrichten. Sein Vater war gestorben, damit Zaphragor leben konnte.

Dieses Wissen war alles, was ihn davon abhielt, sich auf die Soldaten zu stürzen, ihnen Schmerzen zuzufügen, ihnen, wenn nötig, das Fleisch mit bloßen Händen von den Knochen zu reißen. Nur dank des Opfers seines Vaters galt Zaphragor nun nicht als Verräter, als Vogelfreier, und das wollte er nicht wegwerfen. Er kehrte mit den Soldaten in Gwardanaths Festung zurück, und trat seinen Dienst als
Krieger wieder an. Er kämpfte mit der gleichen unbeschreiblichen Macht wie zuvor, doch sein Wahnsinn war stumpfer Apathie gewichen. In diesem Land gab es niemanden mehr, der ihm freundlich gesonnen war, und in seinem gnadenlosen Abschlachten von Hügelmenschen, deren Anzahl unerschöpflich schien, erkannte er schon lange keinen Sinn mehr. Er kämpfte für einen Herrn, der ihm nichts bedeutete, mit Männern, die er verabscheute, gegen Feinde, deren Nummern unerschöpflich waren und von von denen doch für einen Krieger mit seinen Fähigkeiten keine Gefahr ausging. Und doch, das Kämpfen war alles, was ihm noch geblieben war – es lenkte ihn von seinen Gedanken ab, es war ein Ventil für seine düsteren Gefühle, es fiel ihm leicht. Und doch nahm er kaum noch wahr, wie viele Feinde er tötete, wie viele Schlachten er schlug, er kämpfte einfach immer weiter, bis er lange kein Zeitgefühl mehr hatte.

Seine völlige Gleichgültigkeit wurde von seinen Befehlshabern für vollkommene Furchtlosigkeit gehalten und er stieg in den Rängen der Numenorer immer weiter auf. Bald war er General des Heeres, der höchste und größte Soldat von Rhudaur. Seine Männer schauten zu ihrem Anführer auf, der im Kampf beinahe unverwundbar schien, doch Zaphragor brachte ihnen nur Verachtung entgegen. In jedem von ihnen sah er den Mann, der seinen Mann verraten hatte, jedes Gesicht glich den Kriegern, die einen „Deserteur“, der einfach nur seinen Sohn hatte schützen wollen, gnadenlos niedergestochen hatten.

Mit der Zeit verloren die Numenorer aufgrund der immer weiter steigenden Anzahl an Deserteuren deutlich an Boden. Die Moral war niedrig, und fast alle größeren Adelsfestungen waren bereits gefallen. Mit einer letzten Streitmacht zog sich Zaphragor in Gwardanaths Festung zurück und befahl dort, sich für das letzte Gefecht bereitzumachen. Der Gedanke an seinen eigenen Tod berührte ihn nicht im Geringsten, das einzige, was er bedauerte, war, dass sein Vater durch seinen Tod nichts weiter als eine Verzögerung bewirkt hatte.

Zaphragor stand auf den Zinnen der Festung, als sich das Hügelmenschenheer langsam aus der Ferne heran wälzte. Ein starker Schneesturm schränkte die Sicht ein und brachte die Männer im Hof der Festung zum Zittern. Sie alle wussten, dass sie sterben würden, und nur die wenigsten waren bereit dafür. Nur Zaphragor wirkte apathisch wie immer, beunruhigt weder durch den Sturm noch von den johlenden Kampfschreien der Hügelmenschen.

Dann allerdings geschah etwas, das selbst ihn aus seiner Erstarrung riss und in den Hügelmenschen und Numenorern heillose Verwirrung bis hin zu blankem Entsetzen auslöste.

Ein weiteres Heer nahte heran.

Eine gewaltige Streitmacht von Orks, unaufhaltsam in seiner schieren Masse. Eine solche Streitmacht hatte Zaphragor noch nie zuvor gesehen, doch das war es nicht, was ihn überraschte. Es war vielmehr das Verhalten der Orks. Sie marschierten geordnet, langsam, in Reih und Glied. Die wilden Orkstämme des Nebelgebirges zu einen hatten alle immer für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten, und doch waren sie hier. An ihrer Spitze ritten zwei vermummte Gestalten in schwarzen Umhängen, die eine gebeugt, die andere aufrecht und fast so groß wie Zaphragor selbst.

Zaphragor wirbelte herum und rannte los, um Gwardanath Bericht zu erstatten. Bevor er die Treppe heruntereilte, sah er noch aus den Augenwinkeln, wie sich das Heer der Hügelmenschen langsam auflöste und zurückzog.
„Bleibt auf euren Posten!“, brüllte er seinen Männern zu, dann stieß er das Tor des Bergfrieds auf und rannte weiter zu Gwardanaths Thronsaal. Was er dort sah, ließ ihn erneut schockiert innehalten.

Der Thron war zur Seite gerückt, und darunter hatte sich eine Falltür geöffnet. Gwardanath selbst war nirgends zu sehen. Brennender Zorn ob dieser Schwäche und Feigheit stieg in Zaphragor empor. Gwardanath war der Mann, der für alles verantwortlich war, und der Gedanke, dass sein Vater und seine Mutter und nun auch er selbst umsonst sterben sollten, während der Adelsfürst davonkam, trieb Zaphragor zur Raserei. Entschlossen sprang er die Falltür hinunter und stürmte Gwardanath hinterher. Der Adelsfürst war ein schwacher Mann, der nie kämpfen hatte müssen, während Zaphragor jung, gestählt und von Zorn getrieben war, und so hatte er ihn bald eingeholt.

„WAS DENKT IHR EUCH, WO IHR HINWOLLT???“, brüllte er, packte Gwardanath und zog sein Schwert. „Zwei Armeen stehen vor eurem Schloss, und ihr wollt fliehen? Uns alle sterben lassen?“ Zaphragors Stimme wurde mit jedem Wort leiser, bedrohlicher. „Ich fürchte, das wird nicht passieren. Der erste Numenorer, der heute sterben wird, werdet IHR sein!“ Damit hob er die Klinge und richtete die Spitze direkt zwischen Gwardanaths Augen. Der Schweiß lief dem Adelsfürsten von der Stirn und er zitterte merklich, aber dennoch flüsterte er verschlagen: „Wenn ihr mich tötet, wird die Moral der Männer dahin sein, bevor die Schlacht begonnen hat. Wollt ihr das wirklich zulassen, Zaphragor?“

Zaphragor kochte vor Wut, aber er wusste, dass Gwardanath Recht hatte. „Nun“, presste er hervor, „ihr werdet trotzdem sterben. Nur nicht jetzt, sondern mit euren Männern. Den Männern, die zu euch aufschauen.“ Damit packte er den Adelsfürsten und zog ihn mit sich zurück in den Thronsaal. Gemeinsam traten sie auf den Hof hinaus. „Ihr werdet ihnen jetzt Mut machen“, zischte Zaphragor Gwardanath zu, „während ich auf die Mauer steige und sehe, was dort draußen vor sich geht.“

Der Adelsfürst nickte, warf Zaphragor einem letzten hasserfüllten Blick zu und wandte sich dann den erwartungsvollen Soldaten zu. Zaphragor hörte seiner Rede gar nicht wirklich zu, während er die Stufen des Walls emporstieg. Die Orks zeigten weit mehr Geschick, als Zaphragor gedacht hätte. Sie hatten genau außerhalb der Bogenreichweite Stellung bezogen und sich in perfekt geordneten Reihen aufgestellt. Zuerst dachte Zaphragor, sie würden sich auf einen Angriff vorbereiten, doch dann sah er, dass sich einer ihrer beiden Anführer sich vom Heer getrennt hatte und langsam auf die Festung zuritt. „Warum wollen sie bei ihrer Übermacht verhandeln?“, wunderte er sich, eilte allerdings trotzdem die Stufen wieder hinunter und erstattete Gwardanath Bericht.

„Verhandeln? Die Anführer der Orks?“, sagte dieser perplex. „Das kann nur ein Trick sein. Öffnet auf keinen Fall das Tor!“ Zaphragor nickte, doch im nächsten Moment zersprangen die beiden gewaltigen Torflügel mit einem donnernden Knall in tausend kleine Splitter, die wie tödliche Geschosse durch den Innenhof flogen. Soldaten schrien und rannten wie wild durch einander, und instinktiv warf sich Zaphragor zu Boden und riss Gwardanath mit sich. Als der Staub sich wieder legte, rappelte er sich schnell auf und sah zum Torbogen. Dort stand ein gewaltiger Mann in dunkler Rüstung, dessen Gesicht vollständig von einer schwarzen Kapuze verdeckt war. Ein langer schwarzer Umhang fiel ihm über die Schulter und und ein schwarzer Waffenrock mit einer silbernen gezackten Krone zierte seine Brust. Im ganzen Innenhof herrschte auf einmal Totenstille - der Fremde strahlte eine Aura der Macht aus, die fast körperlich zu spüren war, und selbst Zaphragor verspürte bei seinem Anblick ein flaues Gefühl in der Magengegend. Die anderen Soldaten starrten noch ungläubig auf die Splitter des Festungstores, während sich langsam auch Gwardanath aufrappelte. Er machte ein paar zögerliche Schritte auf den Mann zu und brachte dann den Mit auf, ihn anzusprechen. „Wer... wer seid ihr?“, stammelte er in einem kläglichen Versuch, fest und gefasst zu klingen.

„Das tut nichts zur Sache“, entgegnete der Fremde mit einer schneidenden, eiskalten Stimme, bei deren Klang Gwardanath zusammenzuckte und auch Zaphragor zu frösteln begann. „Wichtiger ist, wer IHR seid“, fuhr er fort. Gwardanath sah ihn verdutzt an. Der Fremde machte eine weit ausholende Geste.

„Ihr seid Numenorer. Bewohner Rhudaurs. Stolze Krieger! Doch anstatt wie eure Brüder in Arthedain und Cardolan in prunkvollen Palästen zu wohnen und fruchtbare Felder zu bestellen, streitet ihr euch hier mit Barbaren um karges Ödland und verkriecht euch in verfallenen Festungen vor dem nahenden Untergang... Doch ich bin nicht zu eurer Vernichtung gekommen. Ich habe die Orks des Nebelgebirges einzig zu dem Zweck geeint, sie gegen Arnor ins Feld zu führen und den Bewohnern Rhudaurs zu ihrem Recht zu verhelfen. Eure Bestimmung ist nicht dieser klägliche Bürgerkrieg, den gedungene Mörder aus Arthedain durch die Ermordung Thwolsgars angezettelt haben, um Rhudaur zu schwächen – Rhudaur, das sie fürchten wegen all der Ungerechtigkeiten, die sie eurem Volk in vergangener Zeit angetan haben! Ihr seid zu den Herrschern über ganz Arnor bestimmt, und Arthedains Wunsch, euch untergehen zu sehen, beweist das! Schließt euch meinem Heer an, und ich werde euch zu Ruhm und Macht führen!“

Nach der Ansprache des Fremden sagte keiner ein Wort. Der Mann strahlte eine solch ungeheure Autorität aus, dass keiner es wagte, an seinen Worten zu zweifeln. Keiner außer Zaphragor.

„Glaubt ihr wirklich, dass sich die Numenorer nach einer solch erbärmlichen Rede einem Orkherrscher anschließen werden?“, rief er ihm zu und zog sein Schwert. „Ohne euch als ihren Führer ist euer Heer einen Dreck wert!“ Damit stürmte er auf den Mann zu, den Zweihänder zum Schlag erhoben. Der ganze Burghof schien den Atem anzuhalten, als Zaphragor die Klinge auf die völlig regungslose Gestalt niederfahren ließ.

Urplötzlich, schneller, als es Zaphragor es für möglich gehalten hätte, zog der Mann sein eigenes Schwert. Ein lautes metallisches Kreischen erfüllte den Burghof, als die beiden Klingen aufeinander prallten. Von der Wucht des Schlages zurückgeschleudert, schlug Zaphragor hart auf dem Pflaster auf, während die Splitter seiner Waffen hinter ihm zu Boden fielen. Langsam kam der Fremde auf ihn zu, schien ihn unter seiner Kapuze mit Blicken zu durchbohren.

„Du trägst gewaltige Stärke ihn dir, mich zu attackieren... doch ich bin nicht dein Feind, wie du bald begreifen wirst... Zaphragor.“ Beim letzten Wort durchfuhr Zaphragors Stirn auf einmal ein gewaltiger, brennender Schmerz, und im nächsten Moment sah er Bilder vor seinem inneren Auge vorbeiziehen...

Ein Thronsaal, dunkel, von Wandteppichen mit dem Wappen Arthedains geschmückt, und ein Mann, kniend, vor einem Thron, auf dem eine von Schatten verhüllte Gestalt saß. Die Gelegenheit, das Reich Rhudaur endgültig zu vernichten, ist gekommen, mein Diener... geh nun und tu, wie dir geheißen...
Thwolsgar, Herr der Hügelmenschen, hinterrücks erstochen von eben jenem Diener... der hilflose Zorn der Hügelmenschen, ob dem Tod ihres verehrten Königs, geschürt von verborgenen Schergen Arthedains, die Hassparolen gegen die Numenorer Rhudaurs verbreiteten... der Beginn, der Revolte, von Arthedain heimlich mit Waffen unterstützt... Gwardanaths verzweifelte Bemühungen, sein Volk zu retten, indem er Söldner aus Cardolan anwarb... jene Söldner, die sich aus Kämpfen feige zurückzogen und ihre Zeit lieber damit verbrachten, Deserteure hinzurichten, um ihre eigene Untreue zu verbergen... der Tod seines Vaters... der Abzug, die feige Flucht der Söldner, während die Lage für die Numenorer immer schlechter wurde... Gwardanath, wie er die letzten treuen Numenorer um sich scharte, nachdem seine Bitten um Hilfe von Arthedain zurückgewiesen wurden... und der Fremde, ein Wesen von uralter Macht, seit Jahrhunderten auf der Flucht vor den Mördern der Elben und Numenorer... verzweifelt die Orks des Nebelgebirges um sich scharend, Angriffe gegen Arthedain führend, sich zurückziehend, nach Rhudaur reisend...

„Wirst du mir folgen?“

Abrupt erwachte Zaphragor aus seinen Visionen und sah zu der schwarzen Gestalt auf. Eine tiefe, unergründliche Leere erfüllte ihn, wurde jedoch bereits im nächsten Moment von blindem, brutalem, rasendem Zorn gefüllt, der alle anderen Gefühle und Gedanken hinwegfegte.

„Ja.“

„Gut... erhebe dich.“ Zaphragor gehorchte, und sah sich nach den anderen Numenorern um. Ihnen allen stand der gleiche Zorn, das gleiche Unverständnis ins Gesicht geschrieben, wie ihm. Offenbar hatte der Fremde ihnen allen ähnliche Bilder gezeigt, ihnen die Wahrheit über Arthedain offenbart.

Am nächsten Tag ritt die Armee unter der Führung ihres neuen Königs gegen die Hügelmenschen aus, Zaphragor als erster Krieger des Fremden an seiner linken Seite. Zur Rechten des Mannes ritt ein Greis, der nichtsdestotrotz mehr Lebenskraft und Macht ausstrahlte als die meisten der Numenorer. Zaphragor ertappte sich immer häufiger, wie er dem alten Mann Blicke zuwarf und sich fragte, wer er wohl war und warum er an der Seite des Fremden ritt. Ob er ein Magier war, wie der dunkle Mann selbst?

Die Hügelmenschen, die offenbar wussten, was ihnen bevorstand, hatten ihre hinterhältigen Strategien aufgegeben und all ihre Männer auf offenem Feld versammelt, wo sie den Numenorern und Orks entgegentraten. Doch Zaphragor hatte die Visionen noch gut im Kopf und wusste, dass die Hügelmenschen ebenso Opfer waren wie er und die anderen Numenorern, ja, selbst wie Gwardanath. Der neue König würde sie nicht einfach angreifen.

Zaphragor sollte recht behalten. Während er selbst an der Spitze der Schlachtreihe zurückblieb, ritt der Fremde, zu den Hügelmenschen, um mit ihrem Anführer zu sprechen. Zaphragor blickte ihm hinterher, sah, wie er von seinem Pferd stieg und Arngrimm, der König der Hügelmenschenkönig, ihm entgegenkam. Eine Zeit lang redete der Fremde, und daraufhin wurde es still in den Reihen der Hügelmenschen. Zaphragor wusste, dass sie nun genau das Gleiche sahen wie er und die anderen Numenorer – die Wahrheit, und eine Gelegenheit zur Rache. Nach einer kurzen Zeit brach donnernder Jubel in ihren Reihen aus, und das Reich Angmar war geboren.

In den nächsten Monaten etablierte der neue König sein neues Reich. Die uralte Festung Carn Dûm, der Legende nach ein Ort der Magie, wurde wieder errichtet und der Herrscher Angmars beanspruchte sie für sich und seine engsten Untergebenen, ein Zirkel von Hexern, die ihre Macht von ihm persönlich erhalten hatten. Darunter in der Befehlshierarchie standen Gwardanath als Fürst der Numenorer und Arngrimm als Häuptling der Hügelmenschen sowie einige Orkführer. Sämtliche alten Adelsfestungen wurden neu bevölkert, nun allerdings von Numenorern und Hügelmenschen gleichermaßen, während die Orks íhre eigenen Lager errichteten. Zaphragor und einige weitere ausgewählte Numenorer residierten allerdings mit den Hexern und ihren Dienern in Carn Dûm, als ihre Leibwache – die schwarze Garde, die besten Krieger Angmars, und Zaphragor war ihr Anführer.

Die ersten Kämpfe im Namen der Eisenkrone bestritt er unter der Führung eines Hexers namens Drauglith, und vernichtete die letzten Bewohner Angmars, die sich weigerten, dem Hexenkönig zu folgen. Von da an rüstete sich das Reich zum Angriff auf Cardolan, und nach Jahren der Vorbereitung war es schließlich soweit: Der Hexenkönig entfesselte den ersten Krieg des Nordens. Mit Unterstützung der Elben und Numenorer aus Arthedain versuchte Cardolan, dem Ansturm Widerstand zu leisten, doch Angmars Streitkräfte, unterstützt von Grabunholden, Werwölfen und Trollen, war zu mächtig für solch niedere Kreaturen. Zaphragor selbst war es, der den König von Cardolan im Zweikampf erschlug und die Schlacht um die Wetterspitze damit besiegelte.

Nach dem Kampf erhielt er dafür die größte in Angmar mögliche Ehrung: Er wurde in den Rat der Hexer aufgenommen, und der Hexenkönig persönlich verlieh ihm die die gewaltige Morgulmacht, die diese Stellung mit sich brachte. Die dunkle Energie durchflutete seinen Körper, verzehrte ihn, wurde eins mit ihm. Jede Faser seines Seins brannte vor Macht, während er fühlte, wie sein Körper und sein Geist sich auf neue Ebenen der Macht erhoben. Es war der großartigste Moment seines Lebens.

Um diese Macht nutzen zu können, trat er nun in die Lehre des Hexenmeisters Gulzár. Hatte er den alten Mann schon aus der Ferne stets bewundert, änderte sich daran in seinen Diensten nicht viel: Gulzar war ein unerschöpflicher Quell des Wissens und der Macht, und wies mehr geistige Stärke auf als jeder andere Bewohner Angmars. Voller Enthusiasmus folgte Zaphragor seinen Lehren, und erwies sich bald als der beste Schüler, den der alte Mann je gehabt hatte: Folgsam, intelligent, voller Ehrfurcht, und von einem derartigen inneren Feuer erfüllt, dass seine Magie Gewaltiges vollbringen konnte.

Was Gulzár allerdings nicht wusste, war, dass hinter Zaphragors Eifer mehr steckte als nur Loyalität... der Zorn, der lange vergrabene Zorn auf eine Tat, die vor einer Ewigkeit begangen worden war... Eines Abends dann, nach jahrelanger Ausbildung, war es schließlich soweit. Zaphragor nutzte seine Zauberkraft, um sich in die verworrenen Fäden seines eigenen Schicksals einzufühlen... langsam tastete er sich weiter, immer tiefer in die Vergangenheit, bis noch vor der Gründung Angmars... und schließlich fand der den Faden, der sein eigenes Schicksal vor so langer Zeit auf solch grausame Art und Weise gekreuzt hatte, und folgte ihm, folgte ihm durch die Jahrzehnte...

Noch am selben Abend sattelte er sein Pferd und ritt in die Nacht davon.

Nach stundenlangem Ritt hatte er das Dorf gefunden. Ein kleines, nichtswürdiges Bauerndorf... das nicht mehr existieren würde, sobald diese Nacht vorüber war. Zaphragor führte sein Pferd zum Ende des Fadens, vor die Tür eines kleinen, unscheinbaren Hauses. Mit einem einzigen Hieb schlug er sie ein und trat hinein. In der ärmlichen Bauernstube befanden sich sieben Menschen, ein junger Mann, ein alter Mann, eine junge Frau, eine alte Frau und drei Kinder. Bei seinem Anblick zuckten sie zusammen und kauerten sich instinktiv hinter dem alten Mann, offenbar ihrem Familienoberhaupt zusammen. Die Frauen nahmen die Kinder schützend in den Arm und flüsterten beruhigend auf sie ein. Der Alte, der ebenso verschreckt schien wie der Rest der Familie, machte einen zögerlichen Schritt auf Zaphragor zu.

„L... Lord Zaphragor!“, stammelte er. „We... welche Ehre!“
Wortlos ließ Zaphragor die Morgulmagie ihn durchströmen und griff mit ihr nach der Seele des jüngsten Kindes, beinahe noch ein Säugling. Der Junge schrie auf, als sein Körper von einem Moment auf den anderen Feuer fing. Kreischend prallte seine Mutter zurück. Die anderen Kinder brachen in Tränen aus.
„Mein Herr!“, schrie der Greis entsetzt, „ich flehe euch an! Verschont meine Familie! Wir haben Angmar immer treu gedient!“

„Sagt euch der Name Teragor etwas?“, flüsterte Zaphragor.
Die Augen des Mannes weiteten sich.
„Ihr habt ihn verraten und einem jungen Mann damit alles genommen, was er hatte... und nun werde ich euch das Gleiche antun.“
Der Mann fiel auf die Knie. „Habt Gnade, Herr!“, flehte er unter Tränen.  „Ich brauchte die Belohnung, um meine Familie zu ernähren! Ich hatte keine Wahl, der Krieg hatte mich ruiniert, wir hatten nichts zu essen, wir...“
„Ihr habt das Leben eurer Familie mit dem meines Vaters erkauft. Es ist nur recht und billig, dass ich mir nehme, was mir zusteht...“

Ein grüner Blitz fuhr der jüngeren Frau direkt in die Brust. Schreiend wurde sie zurückgeschleudert, während dunkle Flammen ihr Fleisch verzehrten. „Aufhören!“, schrie der jüngere Mann mit vor Zorn und Horror verzerrtem Gesicht, während er nach einem Fleischmesser griff und auf Zaphragor zustürmte. Der Hexer verpasste ihm einen Schlag mit solcher Wucht, dass er mit einem blutigen Klumpen als Kopf zu Boden geschleudert wurde und zuckend liegenblieb.

„GNADE!“, flehte der alte Mann schluchzend. Doch die Zeit der Gnade war vorbei. 

Gulzár hatte das Verschwinden seines Schülers inzwischen bemerkt und war ihm gefolgt. Seine Suche führte ihn zu einem abgelegenen Bauerndorf, weitab von Carn Dûm. Er bemerkte schnell, dass das Dorf vollkommen tot war. Irgendetwas hatte allen Bewohnern des Dorfes ihre Seelen wie schutzlosen Akolythen entrissen, um Hexerei damit durchzuführen, und Gulzár wusste genau, wer es gewesen war... was er nicht wusste, war, warum Zaphragor das getan hatte.

Schließlich gelangte er an die Tür des einzigen Hauses, in dem er noch schwache Lebensenergie wahrnehmen konnte. Als er eintrat, bot sich ihm ein Anblick, wie er ihn selbst als Hexer Angmars nicht oft zu Gesicht bekam.

Das ganze Haus war ein Ort des Gemetzels. Die Wände und der Boden waren über und über mit Blut und Gedärmen besudelt, Hautfetzen klebten an der spärlichen Einrichtung. Ein junger Mann, dem jeder einzelne Knochen im Leib gebrochen worden war, lag am Boden, ein verkohltes Skelett lehnte gegen einen Stuhl. Der Körper einer alten Frau war mit einem Zweihänder durch den Kopf an die Wand genagelt worden. Und inmitten dieses Massakers war Zaphragor. Er saß am Boden über einem verkohlten, blutbesudelten Stück Fleisch, das wohl einmal ein Mensch gewesen sein musste, und schlug mit vom Blut roten Händen mit aller Macht darauf ein.

Die wahre Abscheulichkeit dieser Szene offenbarte sich Gulzár erst im nächsten Moment, als der vermeintlich Tote auf einmal zu schreien begann. „ES TUT MIR LEID!“, brüllte er mit schmerzverzerrter Stimme. „LASST MICH STERBEN! BITTE!“
„STERBEN?“, donnerte Zaphragor und schlug weiter auf den blutigen Haufen ein. „ICH MUSSTE JAHRZEHNTELANG LEIDEN, UND DU WIRST DAS GLEICHE ERDULDEN!“
Gulzár war fassungslos. Zaphragor hatte die Seelen der Dorfbewohner genommen, um die Seele dieses Mannes in seinem längst toten Körper festzuhalten und ihn weiterhin quälen zu können – ein brillanter Zauber, allerdings unglaublich grausam. Doch es gab keine Seelenenergie mehr in diesem Dorf... woher also...?

In diesem Moment bemerkte Zaphragor die Anwesenheit seines Meisters und fuhr herum. In seinen glühenden Augen sah Gulzár nichts Menschliches mehr, nur noch Schmerz, Trauer und blinden Hass. „Oh nein...“, flüsterte Zaphragor. „Ihr werdet mir diesen Moment nicht zerstören!“
Damit entfesselte er einen gewaltigen Machtausbruch, der das gesamte Haus in einem Ball gleißenden Lichts mit sich riss. Sofort griff Gulzár nach der einzigen anderen lebenden Seele im Raum, um einen Schutzzauber aufzubauen, und erlöste den gefolterten Mann damit von seinen Qualen.

Als sich der Staub lichtete, bestätigte sich Gulzárs Vermutung: Zaphragor hatte instinktiv einen Weg gefunden, von seiner eigenen Seele zu zehren anstelle der eines Akolythen, und mit dem letzten Zauber hatte er sich beinahe selbst umgebracht. Schwer atmend lag er inmitten des Kraters, den die Explosion gerissen hatte, sein Fleisch stellenweise so stark vom Körper gerissen, dass man den Knochen darunter sah. Doch Gulzár fühlte seine Entschlossenheit, seinen Hass, mit unverminderter Stärke in ihm lodern, und sein Körper begann bereits, sich zu regenerieren.
„Erstaunlich...“

Schließlich kehrte Gulzár mit dem halb bewusstlosen Zaphragor nach Carn Dûm zurück. Der junge Hexer war von seinem Wahn gefährlich weit aufgefressen worden, weiter, als Gulzar vermutet hatte. Mit solch blindem Zorn wäre er nicht nur für den Hexenkönig nutzlos, er würde sich auch langsam, aber sicher selbst zugrunde richten. Zugleich schlummerte in ihm aber ein gewaltiges, ungenutztes Potenzial und er besaß gewaltige Willenskraft.

In den Folgen Jahren konzentrierte sich Zaphragors Ausbildung daher neben der Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten auch darauf, seinen Wahnsinn einzudämmen. Und tatsächlich schaffte es Gulzár, Zaphragors Zorn durch jahrelange, subtile Einflussnahme zumindest zu begraben. Obwohl das Verlangen nach Rache noch immer heiß in ihm brodelt, ist Zaphragor nun die meiste Zeit geradezu unheimlich kühl und gefasst. Dennoch ist er noch immer extrem leicht in Rage zu bringen, vor allem durch Schwäche, Inkompetenz und den Anblick seiner verhassten Feinde aus Arthedain. Ein totaler Kontrollverlust wie bei der Rache für seinen Vater ist allerdings seitdem nicht mehr vorgekommen.

Der Hexenkönig hat wohl kaum einen loyaleren Diener als Zaphragor. Er ist sich vollkommen bewusst, dass er ohne Angmar als ein Nichts, ein Niemand, gestorben wäre und weiß, dass er all seine Macht nur dem Hexenkönig verdankt. Von daher führt er jeden seiner Befehle ohne zu fragen aus und strebt selbst nicht nach der Führungsspitze Angmars – er ist vollkommen zufrieden damit, nur ein Diener der Eisenkrone zu sein.

Da er in seinem Leben von fast allen Seiten nur Schwäche und Verrat kennengelernt hat, verachtet Zaphragor die meisten anderen Lebewesen. Selbst für den Großteil der anderen Hexer hat er nur Abscheu übrig – viele von ihnen dienen dem Hexenkönig nur zur Förderung ihrer eigenen Macht, haben Angst davor, sich selbst die Hände schmutzig zu machen und sind dazu noch schwächer als Zaphragor selbst. Einen besonderen Hass hegt er gegen Mornamarth, der früher Gwardanath war – Zaphragor hat nicht vergessen, wie dieser ihn einst mit den anderen Numenorern dem Tod überlassen wollte.

Ein tiefer Respekt verbindet Zaphragor allerdings mit Gulzár, seinem Mentor. Ein Mann, dessen Loyalität und Stärke nie in Zweifel standen und dem Zaphragor all seine Macht verdankt, ein Quell der Weisheit für ihn über all die Jahre. Ansonsten respektiert Zaphragor nur Stärke – eine Eigenschaft, die man seiner Meinung nach nur noch in den wenigsten Lebewesen finden kann.

Zum Zeitpunkt des Angriffs auf Fornost ist Zaphragor wohl einer der gefährlichsten Diener der Eisenkrone. Im gesamten Reich gibt es niemanden, der ihm im Schwertkampf gleichkommt, und auch seiner Magie sind die meisten anderen Hexer unterlegen. Hinzu kommt, dass er als einziger Hexer zur Not auch ohne Akolythen operieren kann, wenn er den Preis dazu mit seinem eigenen Körper bezahlt – der allerdings unwahrscheinlich viel aushält und sich schnell regeneriert.
Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,
Ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul
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