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Geschichtsthread

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CynasFan:
Nationszugehörigkeit würde ich vorsichtig behandeln, da wir erst seit dem Absolutismus wirklich von Nationen sprechen. Davor waren es zumeist Reiche oder Staaten.
Was die Absicht für solche Prachtbauten angeht, ist es doch immer wieder unterschiedlich, weshalb sie erbaut wurden.
Drei Beispiele:
Der Tatsch-Mahal (sorry wenn ich es falsch geschrieben habe ;)): Er war/ist das Grabmal für die Frau eine Maharadschas und hat wohl weniger mit Machtdemonstration als mit Liebe zu tun.
Das Kolosseum in Rom: Von der Familie Flavius zum Beweis ihrer Macht und ihres Einflusses erbaut (als nur Prestige).
Die chinesischen Mauern (ja, es gibt mehrere): Wurden nur als Schutz gegen Feinde erbaut und von den Chinesen nach ihrer Aufgabe lange Zeit nicht beachtet, erst als die Europäer sie symbolisierten interessierte man sich wieder für sie.

Also drei Bauten mit unterschiedlichen Funktionen und unterschiedlichen Beweggründen. Die Frage an sich ist sehr interessant, aber man kann es wirklich nicht pauschalisieren.
Gruß, CynasFan

(Palland)Raschi:
Prachtenbauten erfüllen natürlich mehere Zwecke.
Gewiss ist davon das Ego des Herrschers/ Erbauers umfasst.
Dies gilt natürlich auch für dessen  Bedürfnis, dass man sich auch nach seinem
Ableben noch an ihn erinnern möge, und das vorallem positiv.
Allerdings ist es auch für Einschüchterung oder Stärkung der eigenen Machtstellung gedacht. Ein Klassiker dafür ist die "neue Reichskanzlei", deren einziger Zweck die übersteigerte Selbstdarstellung gegenüber Diplomaten und ausländischen Staatsgästen war.



--- Zitat ---Nun kommt aber das eigentliche Theam: Waren die Bauten auch damals für ein Nationzugehörigkeitsgefü hl zuständig? Als Kitt der die soziale Gemeindschaft zusammenhält? Und wenn ja, glaubt ihr, dass das in der Absicht der Erbauer lag?
--- Ende Zitat ---

Symbolik ist generell ein wirksames Mittel der effektiven Selbstinszenierung. Die Wahmöglichkeitenl des Mittels sind letzlich vielfältig. Man kann prächtige Gebäude hochziehen, wie Napoleon Friedensbäume pflanzen, oder sich vor einer Schlacht christliche Symbole auf die Schutzschilder malen, wie es Konstantin der Große getan hat.

Symbole sind auch dazu in der Lage, Zusammenhalt zu schaffen, aber auch abzugrenzen. Dase gesteigerte Bedeutung kann man ja auch bei Nationalfahnen sehen.

Wie man mit Architektur versucht hat, einen gewissen nationalen Zusammenhalt zu beschwören, kann man schön bei der Entwicklung des Deutschen Reiches im 19 Jahrhundert erkennen.
Das Hermannsdenkmal, das Kyffhäuserdenkmal, oder die Walhalla sind da die prominentesten Vertreter.

Azaril:
Zufälligerweise hatte ich in der Oberstufe des Gymnasiums ein W-Seminar, in dem es um Denkmäler ging, zu welchen solche Prachtbauten in gewisser Weise ja auch dazuzählen. Einer der Seminarteilnehmer hat seine Seminararbeit zum Beispiel über die Walhalla geschrieben, die Raschi erwähnt hat.

Ich denke, im großen und ganzen kann es bei Prachtbauten oder Denkmälern um drei Dinge gehen:
- Die Selbstdarstellung des Erbauers
- Die Beeinflussung von Menschen, zum Beispiel durch Schaffung eines "nationalen Symbols"
- Erinnerung an ein/mehrere Ereignis(se) oder eine/mehrere Person(en)

Natürlich können sich diese Funktionen auch überschneiden, so kann ein Bauwerk zum Beispiel dem Ego des Erbauers dienen und zugleich diesen Erbauer für die Nachwelt festhalten, dafür sorgen, dass man sich immer wieder an ihn erinnert, wenn man das Denkmal sieht.

Wo ich schon beim Begriff Denkmal bin, der ja nicht nur Prachtbauten umfasst: Ein Denkmal im Allgemeinen hat für eine "Nation" zur Zeit seiner Erbaung oftmals keinen greifbaren Zweck. Im Grunde geht es bei Denkmälern meist nur um die Erinnerungsfunktion, sie sollen an große Persönlichkeiten oder wichtige Ereignisse erinnern, einen wirklichen Nutzen für das Land, in dem sie erbaut werden, haben sie zunächst also nicht, abgesehen vielleicht von der Symbolik, die, wie von Raschi bereits angesprochen, in gewissen Situationen eine hohe Nützlichkeit aufweist.

Die Selbstinszenierung tritt auch nur dann auf, wenn Initiator und "Erinnerungsperson" ein und dieselbe Person sind, was bei einfachen Statuen eher seltener, bei großen Prachtbauten (um die es ja eigentlich geht, ich glaube, ich schweife vom Thema ab...) dagegen wesentlich häufiger vorkommt.

Um mal zurück zum eigentlichen Thema zu kommen und Sarumans Fragen zu beantworten:
Waren die Bauten für ein Nationalgefühl zuständig? Das kommt auf das Bauwerk an. Das Völkerschlachtdenkmal oder das Hermannsdenkmal wurden sicher mit einem nationalen Gedanken im Hinterkopf errichtet, aber Gebäude wie zum Beispiel das Kolosseum dienen eindeutig der Selbstdarstellung und Beeinflussung der Untertanen.

Was ich also eigentlich mit alledem sagen will, ist, dass ich CynasFan zustimme, dass man Prachtbauten nicht pauschalisieren und somit auf eine einzige Funktion zurechtstutzen kann, da jedes dieser Bauwerke/Denkmäler mit unterschiedlichen Intentionen entstanden ist und daher eigene "Aufgaben" hat.

Saruman der Bunte:
Noch ein Beispiel zur Diskussion über Christentum im Mittelalter:

Das Byzantinische Reich. Es war lange deutlich fortschrittlicher als der Rest Europas, hatte zum Beispiel Wasserrohre, Straßenbeleuchtung und Kalanisation. Der Fall von Byzanz war in gewisser Weise das Ende des Mittelalters; Erstmals wurde eine Stadt mit Feuerwaffen auf eine Art eingenommen, wie man sie vorher nicht gesehen hatte. Außerdem flohen viele Gelehrte nach Europa, was auch dort für Fortschritt sorgte. Es kann also auf keinen Fall allgemeingültig gesagt werden, dass die Kirche (eigentlich Christentum Byzanz war ja Othodox) im europäischen Mittelalter technologische Fortschrittlichkeit gemacht habe. Die Byzantiner haben sich halt sehr viel der antiken Römer bewahrt.

Gruß, Saruman.

Linwe:
Aber das byzantinische Reich ist auch der Rest, was vom Osträmische Reich übrig geblieben ist, also ist es doch klar, dass sie viel römisches Wissen behielten

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