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Geschichtsthread
(Palland)Raschi:
--- Zitat ---Wie schaffte es Hitler mit einer kleinen, relativ unbekannten Partei zu einer Machtstellung zu kommen, die ihm ermöglichte ganz Deutschland unter seine Kontrolle zu bringen? Und dann, wie schaffte er es schließlich, dass trotz seiner mal mehr, mal weniger offenen Aktionen gegen das Volk, immer mehr Unterstützer zu bekommen?
--- Ende Zitat ---
Frage 1: Wie schaffte es der Addi bloß ?
Eines vorweg: Nicht ohne sehr viel Hilfe !
Ich möchte jetzt hier nicht ins Detail gehen, aber er hatte mächtige Förderer in Industrie, Presse und sogar im Ausland. Den Sprung schaffte er allerdings über seine Begabung in der freien politischen Rede.
Alles nach 1929 als ein Wendepunkt hat weniger etwas mit Hitler zutun, als mit seinem Umfeld.
Sogar im Jahr 1932 machte General Kurt von Hammerstein-Equord direkt klar, wie die Sache läuft: „Herr Hitler, wenn Sie legal zur Macht kommen, soll es mir recht sein. Im andern Fall würde ich schießen.“
Das zeigt jedenfalls klar, dass auch zu diesem Zeitpunkt noch alles möglich war. Denn ohne eine entsprechende Reichstagsmehrheit (die die NSDAP nicht hatte) konnte er auch nichts machen. Die bekam er erst durch andere, die auch Hindenburg davon überzeugten, ihn zum Reichskanzler zu ernennen.
Daher war es auch eher eine "Machterschleichung", als eine "Machtergreifung"
Frage 2: Warum war der Mann so beliebt ?
Bereits anfangs hatte ich gesagt, dass die Beliebtheit natürlich schwierig zu beschreiben ist, und die Unterscheidung der Position und der Person getroffen werden muss.
Gewiss haben viele andere gleiche Positionen vertreten, aber nicht derart vehement und offen. Warum nicht ? Ganz einfach: Man hatte eine andere Taktik zum Erreichen der Ziele. Das hat die gemeine Bevölkerung natürlich nicht mitbekommen. Gerade kleine Schritte bemerkte man nicht. Vorallem der Erfolg bei dem Abbau der Bedinungen von Versailles war bereits viel weiter fortgeschritten, als Hitler es erklärte, aber wer wusste das schon ? Wer weiß denn heute Sachen genau, die vorsich gehen ?
Die Menschen sahen nicht, wie Schacht, Schleicher oder von Seeckt neue Pläne ausarbeiteten für Aufrüstung, Finanzierung und Kriegstaktiken. Auch der Plan zum Autobahnbau und der Zuschlag zu den Olympischen Spiele sind viel weiter vorher passiert.
Hitler musste einfach nur zugreifen, und plötzlich sahen alle das "geniale Genie" was alles mögliche aus der Taufe hob. Wer weiß denn schon, wer was erdacht hat, es zählen die Taten.
Das gleiche gilt für die Außenpolitik. Es wurde nicht erkannt wieviel bereits vorher schon erreicht wurde. Die Entmilitarisierung des Rheinlandes war beispielsweise unteranderem ein Werk von Gustav Stresemanns Bemühungen.
Hitler hatte enormes Glück, dass 1936 nichts passierte und auch danach war es ein Glücksspiel. Erreicht hat er allerdings vieles was andere auch erreichen wollten und wofür bereits viel vorher getan wurde.
Bemerkt hat man es nicht. Im Prinzip wiederhole ich mich, denn das alles habe ich auch schon oben mehr oder weniger ausgeführt.
Yoruba:
Wenn man auf solch ein Thema ne richtige Antwort haben möchte sollte man sie nicht in diesem Forum suchen, dafür ist das Thema zu komplex und zu umstritten. Ich kann "Der lange Weg nach Westen" von Heinrich August Winkler empfehlen, dort wird ein fundiertes Urteil aufgezeigt, aber auch ausreichend Fakten geliefert, damit man sich selber eins bilden kann.
Ansonsten haben beispielsweise auch Hans Mommsen und Michael Stürmer viel Lesenswertes dazu geschrieben.
(Palland)Raschi:
--- Zitat ---Wenn man auf solch ein Thema ne richtige Antwort haben möchte sollte man sie nicht in diesem Forum suchen, dafür ist das Thema zu komplex und zu umstritten. Ich kann "Der lange Weg nach Westen" von Heinrich August Winkler empfehlen, dort wird ein fundiertes Urteil aufgezeigt, aber auch ausreichend Fakten geliefert, damit man sich selber eins bilden kann.
Ansonsten haben beispielsweise auch Hans Mommsen und Michael Stürmer viel Lesenswertes dazu geschrieben.
--- Ende Zitat ---
Klingt theoretisch alles sehr sinnvoll und logisch, hat aber praktische Mängel.
Erstens ist "Lesen" eine nicht kommunikative Tätigkeit und daher für einen Austausch wenig geeignet.
Zweitens würde die Befolgung deines Rates zur Folge haben, dass man faktisch ein Vollstudium in Geschichte in seiner Freizeit machen müsste.
Drittens gibt es nicht die "richtige" Antwort, wie Du selber schon anmerkst "dafür ist das Thema zu komplex und zu umstritten". Es gibt soviele Theorien und Annahmen in jeder geschichtlich orientierten Wissenschaft zu diesem Thema, dass selbst ein Fachkundiger den Überblick verliert.
Würde man sich an deinen Rat halten, wäre ein Austausch höchstens auf akademischen Niveau möglich und alle anderen sollten möglichst gar nichts dazu sagen oder irgendwelche Ansichten unreflektiert büffeln. Das ist Unsinn. Auch ein "normaler" Mensch ist in der Lage Schlüsse zu ziehen und zu diskutieren. Für die historischen Fakten brauche ich nicht unbedingt einen Vorbeter.
Yoruba:
Ein Buch zu lesen ist kein Vollstudium der Geschichte, welches man in der Tat bräuchte um auf akademischen Niveau zu diskutieren, aber wie du darauf kommst dass das nötig wäre, nur weil ich eine Buchempfehlung geschrieben hab weiß ich nicht. Da keiner von uns Zeit und die Möglichkeit hat selber an die Quellen heranzugehen ist man nun mal auf Sekundärliteratur angewiesen, ohne die wärst auch du schwerlich zu deiner Meinung gekommen. Außerdem hab ich nicht geschrieben, dass Winkler "die" Antwort liefert, den Anspruch hat Geschichtswissenschaft auch gar nicht, aber er zeigt eine Perspektive auf, die zu einer eigenen Meinung führen kann, was ja das Ziel der Beschäftigung mit Geschichte ist.
Wie hier Leute fragen ist eine Möglichkeit dazu, aber mMn ist Bücher lesen besser, insofern war mein vorheriger Post nur ein gut gemeinter Ratschlag.
CynasFan:
Ich muss sagen, ich stimme (Palland)Raschi da zu.
Diese Frage habe ich erst hier niedergeschrieben, weil ich ein Geschichtsstudium gerade anstrebe und wir uns in unserer Geschichtsstunde gerade mit dieser Problematik befasst haben.
Natürlich hätte ich dann einfach einen langen Text mit meiner Ansicht dazu schreiben können, der wahrscheinlich weder komplett falsch noch komplett richtig wäre, und diesen als gegeben posten können.
Habe ich aber nicht gemacht.
Die Begründung ist ganz einfach die, dass ich den Austausch gesucht habe.
Ich weiß, auch auf diesem Board sind einige Geschichtsinteressierte mit denen man durchaus Hochqualitativ darüber diskutieren kann und so seinen Horizont weitaus mehr erweitern kann, als das durch nur Bücher möglich wäre.
Ich habe bereits mehrere Bücher, die sich nicht nur diesem Problem widmen, gelesen und sie haben mir auch geholfen zu verstehen, aber sie konnten mir persönlich nicht helfen, zu begreifen. Da hilft mir immer das Gespräch mit anderen Personen und deren Sichtweisen viel mehr, selbst wenn sie sich ebenfalls nur als Hobby mit Geschichte auseinander setzen.
Wie (Palland) Raschi schon schrieb, das Thema an sich ist viel zu groß und inzwischen kann auch niemand mehr alles dazu wissen, besonders da sowieso jeder Mensch eine eigen Meinung dazu hat (haben sollte).
Gruß, CynasFan
PS: Es tut mir Leid, dass dieser Vortrag jetzt etwas (sehr) oberlehrerhaft geklungen hat.
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