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Autor Thema: Durthang  (Gelesen 759 mal)

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Durthang
« am: 16. Feb 2016, 18:26 »
Azruphel vom Barad-dûr


Die Wächter des Tals von Aglarêth(1) empfingen sie an der Kreuzung der Straßen vom Carach Angren und von Minas Morgul. Die Orks mussten hier umkehren. Ihresgleichen war der Zutritt zum Tal nicht gestattet.
Azruphel kannte die meisten der Adûnâi in deren Begleitung sie nun den Rest des Weges nach Durthang zurücklegte. Arnitîr, ihr Anführer, war einer der Kampfgefährten ihres Bruders Balakân gewesen bevor dieser ins Land Azûl(2) entsandt worden war.
Rhûn, korrigierte sie sich, während sie sich fragte, wie es ihrem Bruder wohl ergangen war. Es heißt Rhûn auf Sindarin. Sie durfte ihre Übungen nicht vernachlässigen. Zwar hatte Aragorn ihr geholfen, die Elbensprache im durchschnittlichen Maße zu sprechen und verstehen zu lernen, doch wollte sie sich weiter verbessern. Vielleicht treffe ich eines Tages einen der Elben. Dann wird mein Können auf die wahre Probe gestellt.

Bald schon erreichten sie Durthang, die Festung der Schwarzen Númenorer. Viele verwunderte Gesichter erblickte sie, doch sie kam mit einem offiziellen Befehl aus Barad-dûr. Niemand stellte das in Frage. Sie würde nicht lange bleiben und schon bald die Straße zum Morgul-Tal nehmen, doch konnte sie Mordor nicht verlassen, ohne sich von ihrer Mutter zu verabschieden. Sie fand Lôminzil auf dem großen Balkon des höchsten Turms, der über die Ebene von Gorgoroth nach Südwesten hinaus blickte.
"Hohe Mutter," sprach sie die angemessenen Grußworte und neigte leicht das Haupt.
"Azruphel! Dein Eintreffen hier ist überraschend," äußerte sich ihre Mutter, die sie jedoch froh umarmte. "Was verschlägt dich hierher? Hat dir nicht dein Vater geboten, im Dunklen Turm zu bleiben?"
Sie mochte Intrigen und Täuschungen meisterlich beherrschen und sogar Gothmog in die Irre geführt haben, doch ihre Mutter konnte sie nicht belügen. Alle ihre Fähigkeiten hatte sie von Lôminzil erlernt. Also versuchte Azruphel es erst gar nicht.
"Ich werde fortgehen, Mutter. Ich gehe nach Gondor und kehre vorerst nicht zurück," sagte sie daher.
Ihr Mutter blickte sie scharf an. "Du vergisst, wo dein Platz ist, Azruphel. Wenn dein Vater davon erfährt, wird er schwer enttäuscht sein, dass du ihm den Gehorsam verweigerst."
"Mutter, Ihr versteht nicht," antwortete Azruphel. "Dies ist etwas, was ich tun muss."
"Nein, Azruphel, ich verstehe dich nur allzu gut," sagte Lôminzil mit leiser Stimme. Azruphel wunderte sich. Sie hatte erwartet, dass ihre Mutter sie schelten und versuchen würde, sie an der Abreise zu hindern. Doch mit Verständnis hatte sie nicht gerechnet.
"Auch ich hatte einst Träume," fuhr ihre Mutter fort. "Die Welt wollte ich entdecken und mit einem Schiff meiner Verwandten in Umbar die Wellen des Großen Meeres bezwingen. Mit etwas Glück die Insel des Minul-Târik(3) entdecken und unsterblichen Ruhm als erste Rückkehrerin nach Akallabêth(4) erlangen....
Doch wir bekommen nicht immer, was wir uns wünschen, meine Tochter. Ich wurde mit deinem Vater verheiratet und blieb in Aglarêth. Und es ist ein gutes Leben. Fliehe nicht vor dem Schatten. Fürchte dich nicht. Der Große Gebieter gibt uns Sicherheit. Er gibt uns eine Aufgabe. Ein Schicksal. Du darfst dich davor nicht verschließen. Ich bitte dich, kehre zurück zum Dunklen Turm!"

Azruphel atmete tief aus. Sie blieb einen Moment still und legte ihre Gedanken zurecht. "Ich werde mein eigenes Schicksal wählen, Mutter. Und ich weiß, Ihr werdet mich nicht aufhalten."
"Nein, das werde ich nicht, Azruphel. Ich liebe dich. Doch es bricht mir das Herz, dich gehen zu lassen," antwortete Lôminzil mit trauriger Stimme.
Wenn dies der Preis für meine Entscheidung ist, dann werde ich ihn zahlen. Ich muss. Stumm trat sie zu ihrer Mutter und schloss sie lange Zeit in die Arme. Schließlich wandte sie sich ab und verließ den Raum ohne sich umzublicken. Tränen liefen ihr die Wangen herab, doch kein Ton kam über ihre Lippen. Überlebe, sagte die Stimme tief in ihrem Innern. Überlebe.

Ihre Mutter würde sie nicht verraten. Die Tarnung des Auftrags aus dem Dunklen Turm würde sie sicher bis an die Grenzen des Schattenlandes bringen, das wusste sie. So machte sie sich von Durthang auf und verließ den Ort ihrer Kindheit auf demselben Weg, auf dem sie gekommen war. An der Kreuzung angekommen wählte Azruphel den Weg nach rechts und betrat die Straße zwischen dem Morgai und dem Schattengebirge.


Azruphel ins Morgultal


(1) adûnâisch "Glorreiche Festung"
(2) adûnâisch "Osten"
(3) adûnâisch "Himmelspfeiler (Meneltarma, der Zentralberg Númenors)
(4) adûnâisch "Die Gefallene" (Númenor nach dem Untergang)
« Letzte Änderung: 26. Aug 2017, 08:24 von Fine »