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Autor Thema: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes  (Gelesen 6270 mal)

Curanthor

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Frauen unter sich
« Antwort #15 am: 14. Okt 2016, 00:35 »
Halarîn lächelte sanft und strich Kerry erneut über die Wange.
"Selbst wenn ich unsterblich bin, so arrogant um mich nicht um die Probleme der Leute um mich herum zu scheren bin ich nicht", sie zog den Beutel mit Medizin, den sie trug nach vorn und während sie darin suchte erzählte sie weiter:"Du kannst jederzeit zu mir kommen oder meinen Mann nach mir fragen, wenn ich nicht in der Nähe bin. Jeder braucht jemanden und mich macht es glücklich, dass ich diese Person für dich sein darf."
Schritte drangen an ihr Ohr und sie wandte den Kopf zu Kerry.
"Dort kommt jemand, mit dem du vielleicht ein paar Dinge gemeinsam hast", schmunzelte Halarîn und zog eine kleine Phiole aus der Tasche, "Wenn du dich nicht wohl fühlst, oder dein Körper sich wiedermal meldet, so wie heute."
Halarîn legte ihr die Medizin in die Hand und schärfte ihr ein, dass sie nur ein paar Tropfen im Wasser vermischen musste.
Adrienne verharrte am Eingang und blickte sich um, es dauerte eine Weile, bis sie die beiden Frauen am Boden sitzend erblickte. Langsam kam sie näher und räusperte sich verhalten. "Darf ich?", fragte sie und deutete auf ein nahestehendes Bett. Halarîn nickte und die Braunhaarige setzte sich hin, war aber so klug und hielt sich zurück.
"Das ist Adrienne, sie ist aus Gondor und in unserer Einheit", stellte Halarîn sie vor und die Jugendliche verneigte sich leicht.
"Es ist schön jemanden in seinem Alter zu treffen", lächelte Adrienne freundlich und kicherte,"auch wenn ich wahrscheinlich immernoch die Jüngste unter den Verteidigern bin."
Kerry blicke Halarîn mit tiefer Dankbarkeit einen langen Moment an, wandte dann den Blick zu dem Neuankömmling hinüber.
"Ich bin Kerry," stellte sie sich mit leiser Stimme vor. "Du kommst aus Gondor? Dann hast du ja einen weiten Weg hinter dir." Sie verstummte wieder und musterte Adrienne einen Augenblick, als würde sie überlegen, ob sie die junge Frau schon einmal irgendwo gesehen hatte. "In eurer Einheit... bedeutet das, du wirst in der bevorstehenden Schlacht kämpfen?" Sie blickte wieder zu Halarîn hinüber. "Ihr zwingt doch niemanden zu kämpfen oder? Ich... ich kann nicht sehr gut kämpfen... doch vielleicht, wenn ich noch etwas öfter mit deinem Mann üben würde..." ihre Stimme verhallte und sie blickte zu Boden. Ihr Selbstvertrauen schien zu schwinden.
"Ich bewundere dich," sagte sie in Adriennes Richtung. "Du siehst aus wie eine Kämpferin... " Kerry zupfte an einer Haarsträhne herum als sie zu überlegen schien, was sie als nächstes sagen sollte. "Was meintest du, als du sagtest dass wir ein paar Dinge gemeinsam hätten, Halla?" fragte sie und nahm Halarîns Hand, ließ die Finger spielerisch durch die Handfläche ihrer Trösterin gleiten. Neugierde blitze in ihren Augen auf als sie den Blick erneut auf Adrienne richtete.
Halarîn und Adrienne blickten sich kurz verwundert an. "Es wird niemand gezwungen zu kämpfen, Kerry, es ist meine Entscheidung und ich könnte mir nichts anderes vorstellen", sagte Adrienne kämpferisch und machte eine angeberische Pose," Ja, ich werde in den vorderen Reihen stehen und das Gesindel dahintreten, wo es herkam."
Halarîn lachte leise und sie kehrten wieder zur Ernsthaftigkeit zurück.
"Adrienne ist zusammen mit ihrem Bruder in der Lehre bei meinem Mann, ich denke nicht, dass er es zulassen würde, dass ihr an vorderster Front steht.", gab die Elbe zu bedenken und legte etwas Strenge in ihre Stimme. "Aber ich denke, dass er eure Fähigkeiten testen wird.", setzte sie augenzwinkernd nach.
Halarîn stand auf und klopfte sich die Kleidung sauber, ihr Gefühl sagte ihr, dass sie bald wieder zum Lager zurückkehren sollten. Adrienne dagegen hatte offensichtlich jemanden getroffen, mit dem sie reden konnte und so strich die Elbe im Raum umher und überließ es Kerry die Antwort selbst herauszufinden.
"Ich würde gern eine gute Kämpferin sein, weißt du? Angefangen hat das in Gondor, mein Vater war dort Chronist, meine Mutter dagegen eine einfache Schneiderin. Mein Vater hat mit uns Kindern immer mit alten Holzschwertern gespielt, die er geschnitzt hatte, wenn er mit meiner Mutter gestritten hatte," sie lachte leise," später war es eine beachtliche Sammlung, denn sie stritten gern."
Adriennes Gesicht verfinsterte sich und Halarîn ahnte, dass jetzt der Punkt erreicht war, an dem sie sonst immer gescheitert war.
"Damals... als der Schatten kam... Danach war sie nicht mehr da zum streiten. Mein Vater griff sich meinen kleinen Bruder und ich rannte vor ihnen her. Die Stadt brannte und als die Hörner der Rohirrim erklangen gewannen die Menschen die Schlacht, doch wir hatten das verloren, was unsere kleine Familie zusammengehalten hatte. Mein Vater wurde wahnsinnig und wir rannten quer durch die umkämpfte Stadt, bis wir mitten in ein Gefecht reinliefen.", sie stockte und schüttelte sich,"Ein Mann starb direkt vor mir, sein Schwert schlitterte direkt gegen meine Füße. Mein Vater wehrte verzweifelt einen Ork ab, mit meinen kleinen Bruder auf dem Arm. Er rief mir zu, dass ich weglaufen sollte, aber ich war wie erstarrt. Ich wollte ihm helfen, also hob ich das blutverschmierte Schwert des getöteten Soldaten auf und konnte kaum damit laufen. Irgendwie taumelte ich so lange umher, bis die Waffe in dem Rücken des häßlichen Orks landete, der meinen Vater bereits verwundet hatte..."
Halarîn lauschte der Jugendlichen aufmerksam und merkte, dass sie wohl zum ersten mal mit einer Gleichaltrigen über diese Dinge sprach.
Kerry lauschte Adriennes Erzählung mit weit aufgerissenen Augen und aneinander gepressten Händen, und als Adrienne ihre Geschichte unterbrach, sagte sie: "Und dann? Was ist dann passiert? Geht es deinem Vater gut?"
Sie atmete tief ein und dachte anscheinend über das nach, was Adrienne ihr erzählt hatte. "D-deine Mutter hat es also nicht geschafft? ... Das tut mir sehr leid... meine Mutter ist auch im Krieg gestorben, ermordet von den Orks, die Rohan überfielen nachdem unser König in den Osten gezogen war und unter anderem in der Schlacht kämpfte die du beschreibst. Mein Vater ging mit ihm, doch auch er kehrte niemals heim. Du hingegen... solltest froh darüber sein, dass dein Bruder und dein Vater noch leben..."
Sie verstummte einen Augenblick, doch Halarîn legte ihr aufmunternd die Hand auf den Rücken.
"Ich verstehe nun, was Halla damit meinte, dass wir etwas gemeinsam haben," setzte sie erneut an. "Wir beide haben Menschen verloren, die uns sehr wichtig waren... doch du hast noch die Kraft, trotzdem gegen den Schatten zu kämpfen. Das bewundere ich an dir. Du bist wirklich eine Kämpferin..."
Sie straffte sich und setzte sich neben Adrienne auf das Bett.
"Das war unhöflich von mir," sagte Kerry entschuldigend. "Ich habe dich in deiner Geschichte unterbrochen. Bitte, erzähle sie zu Ende! Und dann... sollten wir vielleicht zurück an die Arbeit gehen. Es gibt bestimmt genug zu tun in dieser Stadt, nun da uns eine Schlacht bevorsteht. Außerdem gibt es am Südtor jemanden, mit dem ich reden muss... doch erst will ich den Rest der Geschichte hören!" Sie warf Halarîn einen kurzen Blick zu, wie als würde sie auf ihre Zustimmung zu warten. Doch dann blickte sie Adrienne wieder erwartungsvoll an.
Halarîn merkte an, dass sie weitersprechen könnten, während sie zum Südtor gingen. Da keiner etwas dagegen hatte, setzten die drei Frauen sich in bewegung und verließen die Rüsthalle. Dabei erzählte Adrienne weiter: "Du hast mich nicht unterbrochen Kerry, es ist nur sehr schwer. Ja, ich bin froh meinen Bruder und meinen Vater zu haben. Er wurde nur leicht verletzt, da aber die Orks oft unreine Waffen haben, hatte er eine Vergiftung. Dadurch hat er jetzt Probleme mit der Atmung."
Sie bogen auf die lange Hauptstraße ab, die zum Markt führte. Überall herrschte rege Betriebsamkeit, was ein starker Unterschied wie vor paar Tagen war.
"Es tut mir leid zu hören, dass du ebenfalls Verluste hattest Kerry. Ich trauere noch immer um meine Mutter, denn sie war das Herz der Familie. Trotzdem habe ich die Kraft zu kämpfen, denn ich will nicht, dass diese Trauer über mich siegt. Das hätte meine Mutter nicht gewollt und ich will, dass meine Kinder in Sicherheit aufwachsen können.", erklärte Adrienne, während sie weiter zum Südtor gingen.
Schon vom Weitem konnte man das hölzerne Gestell sehen, dass die Männer und Frauen in kurzer Zeit unter Mathans Anleitung gebaut haben. Als sie den Platz vor dem Tor betraten, der voll mit Holzspänen war, erkannten sie Mathan und Ardóneth. Die beiden Männer inspizierten den Seilzug, der gerade zum ersten mal gespannt wurde.
"Ich habe die tapfere Späherin direkt mitgebracht", erklärte Halarîn freundlich und legte Kerry eine Hand auf die Schulter.
Adrienne hingegen hielt sich im Hintergrund und spielte mit den Knauf ihres Schwerts, vertieft sich aber dann in einem Gespräch mit einem der Holzfäller.


Halarîn, Adrienne und Kerry zum Südtor Fornosts
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 19:28 von Curanthor »

Melkor.

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Nacht über Fornost
« Antwort #16 am: 20. Okt 2016, 15:45 »
Ardóneth vom Südtor Fornosts


Dunkelheit umfing Ardóneth. Er schlief unruhig, näherte sich dem Erwachen. Je mehr sein Bewusstsein an die Oberfläche driftete, umso mehr spürte er, dass etwas nicht stimmte. Klarer und klarer wurde der Eindruck und mit einem scharfen Keuchen schlug er die Augen auf. Kopfschmerzen plagten ihn, doch auch seine Schulter strahlte starken Schmerz aus. Er blickte sich um, versuchte sich zu orientieren. Er stellte fest, dass drei tote Orks neben ihm lagen, ihre Waffen blutverschmiert.

Was ist hier geschehen? Bin ich im Kampf ohnmächtig geworden? Er konnte sich an nichts erinnern. Der Geruch von Rauch stieg ihm in die Nase. In der Nähe mussten Feuer brennen. Ein Griff an die Stirn zeigte ihm, dass er eine Platzwunde am Kopf hatte, die leicht blutete. Mühsam rappelte er sich auf und ergriff sein Schwert, das neben ihm lag.

An den Mauern ringusm wehten die Banner Sarumans, dennoch war noch ein einzelnes Banner des Sternenbundes am großen Turm im Südosten der Stadt befestigt. Doch plötzlich begann der Turm zu beben, einzelne Steine brachen aus dem Mauerwerk heraus und er fiel mit einen lauten Krachen in sich zusammen. Eine dichte Staubwolke entstand und Ardóneth konnte erkennen wie das große Banner des Sternenbundes vom Wind verweht wurde.

Er versuchte sich einen Weg durch die zerfallenen Häuser Richtung West-Tor zu bannen. Dort angekommen konnte er nichts als einige Leichen entdecken. Er suchte die Position nach Überlebenden ab, konnte jedoch außer einen großen Haufen Orks, und einiger getöteter Flüchtlinge keine finden. Als er seine Suche schon aufgeben wollte fiel ihm das große Breitschwert von Elrádan ins Auge. Die Klinge war blutverschmiert und lag in einer frischen, roten Blutlache, doch von Elrádan gab es keine Spur. Zu seinem Glück entdeckte Ardóneth eine Blutspur, die Richtung Palast führte und ohne zu zögern folgte er ihr.

Auf dem Weg zum Palast gelang ers ihm, eine Gruppe in Pelzrüstung gehüllte Menschen zu beobachten, die durch die Straßen patroullierten. Ardóneth schaute der feindlichen Streife einige wenige Augenblicke zu und versuchte dann möglichst schnell zum Palast zu gelangen. Auf halbem Wege jedoch sank er auf die Knie, seine Atmung fiel ihm schwerer und ein stechender Schmerz strahlte nun auch vom Bauchraum verstärkt durch die Schulterverletzung in den ganzen Körper aus. Er drückte seine linke Hand gegen seinen Bauch und versuchte sich erneut aufzurappeln. Nachdem er wieder (wenn auch etwas wacklig) auf den Beinen stand, eilte er, so gut es ging zum Palast.

Dort angekommen schleppte Ardóneth sich angestrengt die Stufen zum Eingang hinauf. Ächzend stieß er die schweren Türflügel auf und trat in die Halle, aus der das Lachen von mehreren Menschen erklang. Das Erste, was er drinnen sah waren die Leichen, die von der Decke hingen, erstickt an den Schlaufen um ihre Hälse. Man hatte sie bei lebendigem Leib aufgehängt bis sie gestorben waren. Ein tiefer Schmerz schnitt in Ardóneths Seele als er Belen und Elrádan unter den toten Waldläufern erkannte. Das Bedürfnis nach Rache erfüllte ihn und er wandte sich den lachenden Dunländern zu, die ihn bereits entdeckt hatten und siegessicher heran kamen. Doch trotz seiner Verletzungen verfiel Ardóneth in einen Kampfrausch und streckte seine Feinde mit mächtigen Hieben nieder, auch wenn er dabei mehrere tiefe Schnitte hinnehmen musste.

Als der letzte Dunländer unter Ardóneths Klinge fiel knickte er entkräftet ein und stützte sich schwer auf sein Schwert. Aus mehreren Wunden blutend verharrte er mehrere lange Augenblicke, dann raffte er sich wieder auf. Irgendjemand muss einfach überlebt haben, sagte er sich, und dieser Gedanke trieb ihn an. Er irrte eine Zeitlang durch die dunklen Hallen das Palastes, eine Fackel in der Hand, doch fand er nichts als Gefallene - Freunde, Feinde, und Unbekannte. Schließlich bog er um eine Ecke in einen der kleineren Räume - und hielt inne, als er ein leises Keuchen von der gegenüberliegenden Seite des Raumes vernahm. Er hob die Fackel und ihr flackerndes Licht erhellte den geschundenen Körper eines blonden Mädchens. "Kerry!" entfuhr es ihm und er eilte an ihre Seite. Sie lehnte zusammengesunken an der Wand, in einer Lache aus Blut. Ein orkischer Speer ragte aus ihrer Brust. Als Ardóneth ihr sanft über die Wange strich öffnete sie matt die Augen. "Ardan..." brachte sie hervor, doch das Wort verklang in einem Husten, und ein Rinnsal von Blut lief aus ihrem Mundwinkel. "Du hättest... uns retten... können..." ihre Stimme verklang. "Kerry? Nein! Hörst du mich? Kerry!" rief Ardóneth, doch sie war fort. Sie trug noch immer die Ohrringe, die er ihr einst geschenkt hatte...

Doch es blieb ihm keine Zeit über den Verlust seiner Freunde zu trauern, denn ein weitere Patrouille betrat den Palast. Obwohl er immer noch auf Rache aus war, floh er das erste Mal in seinem Leben vor einem Kampf. Die Wunden forderten langsam ihren Tribut, er wurde schwächer, nur vom Willen getrieben, jene zu retten die noch am Leben waren. Er versuchte Kämpfe zu vermeiden und  seine verbliebene Kräfte für die Suche nach Überlebenden einzusetzen.

Nachdem er einige Augenblicke orientierungslos durch einige dunklen Gassen geirrt war, hörte er einige Wortfetzen, von einem Lager östlich des Südtores kommend. Er folgte der Stimme, und umso näher er kam desto lauter und deutlicher wurde sie. "Zieht euch zurück! Bildet eine Reihe!" schrie Mathan. Er, Halarîn und seine kleine Gruppe hatten bisher nur wenige Verluste zu beklagen und versuchten mit allen Mitteln ihre Position zu halten. Ardóneth versuchte über das Geröll zu den scheinbar letzten Verteidigern zu klettern. Fast dort angekommen sah er wie die restlichen Verteidiger gegen beinahe die dreifache Anzahl ankämpften, doch als er ihnen gerade zu Hilfe eilen wollte rannten ihn zwei Orks um, indem sie ihre Schilde benutzen und ihn zu Boden stießen. Mit einem Schmerzensschrei schlug er asuf dem steinigen Boden auf und blieb liegen. Einer der Orks nahm sein Schwert und holte weit aus. Gerade noch gelang es Ardóneth, sich beiseite zu rollen und die Orks mit seinem Dolch niederzustechen, doch während er kämpfte, wurden fast alle Verteidiger erschlagen.

Wütende Gedanken erfüllten nun sein Herz mit Hass, seine Trauer wurde verdrängt und er spürte wie er wieder stärker wurde. Er nahm einen Speer der neben ihm lag und durchstach den Hals eines Orks mit einem lauten hasserfüllten Schrei. "Ihr werdet mich nicht töten!" rief er laut, rappelte sich auf und nahm sein Schwert in die Hand. Ein weiteren Ork griff ihn nun mit schnellen Schlägen an. Ardóneth parierte zwei Hiebe und holte weit aus, woraufhin sein Feind kopflos zu Boden sank.  Ardóneth schaute sich nach Mathan und Halarîn um. Diese versuchten inzwischen vergebens Orks und Dunländer aufzuhalten. Halarînb stellte sich schützend vor Adrienne, diese war blutverschmiert lag regungslos am Boden. Einer der Dunländer konnte der Elbin eine Waffe aus der Hand schlagen und zwei hielten sie fest, Halarîn wurde vor den Augen ihres Gatten brutal hingerichtet. Dieser konnte sich vor Wut nicht mehr halten. Er stieß einen Mmrkerschütternden Schrei aus, sodass einige Feinde einige Schritte zurück wichen. Halarîns Tod ließ Mathan in Raserei fallen. Wie ein Tier kämpfte er nun gegen die Heerschar, während Ardóneth wie gefesselt stehen blieb. Obwohl er Mathan helfen wollte, konnte er sich nicht rühren, er bliebt wie angewurzelt stehen und konnte nur zusehen, wie Mathan einen Ork nach dem anderen fällte. Dieser achtete nun mehr auf keine Verluste. Die Orks griffen ihn in Scharen an und einer konnte einen Speer durch Mathans Brust stoßen. Er wurde kurzzeitig zurückgedrängt und ein Rinnsal Blut floss ihm aus dem Mund. Dennoch gelang es ihm noch vier weitere Orks niederzustechen, bevor es fast eine dutzend anderer gelang, ihn nieder zu ringen. Ardóneth konnte sich immer noch nicht rühren, erneut drohten ihn Trauer und Schock zu überwältigen. Die Orks entledigten sich nun noch Mathans überlebenden Schützlingen, den letzten Verteidigern Fornosts.

Mit einem lauten Schrei wachte Ardóneth auf. Sein Laken waren schweißgebadet. Ein Traum, das war alles nur ein Traum! dachte er. Dennoch konnte er nicht weiterschlafen. Er verließ sein Gemach und vertrieb sich die Zeit damit, über den Traum nachzudenken und darüber, was geschehen würde, wenn der Sternenbund bei der Verteidigung Fornosts scheitern würde..."
« Letzte Änderung: 20. Okt 2016, 15:56 von Fine »
Er hat noch gezuckt weil ich ihm meine Axt in seine Nervenstränge getrieben habe.

-Gimli Gloinssohn zu Legolas, Schlacht bei Helms Klamm-

Fine

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Róvallírs Warnung
« Antwort #17 am: 20. Okt 2016, 15:49 »
Rilmir, Haleth, Mírlinn, Elrádan und Kerry aus der Stadt


Die kleine Gruppe erreichte die Rüsthalle spät am Abend, aber nicht spät genug um sich rechtzeitig für einen ausgedehnten Schlaf zurückzuziehen. Bis auf die Wachen, die Belen an den Stadttoren, auf den Mauern und auf wichtigen Gebäuden wie dem Hauptquartier und dem Palast postiert hatte, folgten alle Mitglieder des Sternenbunds dem Rat, in den nächsten Tagen so viel Schlaf zu bekommen wie möglich.
"Wenn es zur Schlacht kommt werden wir alle unsere Kräfte brauchen. Seht also zu, dass ihr früh zu Bett geht!" hatte Belen angeordnet. Und Kerry hatte vor, sich daran zu halten. Viel war an diesem Tag bereits geschehen und sie hoffte, dass sie daher schnell einschlafen würde. Und glücklicherweise gelang ihr das auch.

Der folgende Morgen war erneut bestimmt von viel Betrieb und Vorbereitungen, die in der Stadt getroffen wurden. Die Rüsthalle war erfüllt von Menschen, die unermüdlich Waffen und Munition zu den Befestigungsanlagen transportieren. Insbesondere Pfeile und Wurfspeere wurden Fuhre um Fuhre durch die Halle und nach draußen getragen. Bisher waren die Vorräte in den Kellern unterhalb der Waffenkammern noch nicht erschöpft worden; dennoch wurden von fleißigen Händen auch zusätzliche Pfeile angefertigt.

Kerry verbrachte den Vormittag damit, einfache Mahlzeiten zuzubereiten und diese an die in der Rüsthalle arbeitenden Dúnedain zu verteilen. Es war eine Aufgabe, die ihr Freude bereitete und sie genoss es, Anderen etwas Gutes zu tun. Nachdem sie am späten Vormittag schließlich selbst auch etwas gegessen hatte beschloss sie, die warmen Sonnenstrahlen zu nutzen und stieg zum Dach der Rüsthalle hinauf, wo sie seit ihrer Ankunft in Fornost viel Zeit verbracht hatte. Von dort oben bot sich ihr ein deutlich veränderter Anblick über die Stadt als noch vor wenigen Wochen, als ihr die Unterdrückung durch Saruman wie ein dunklen Schleier vorgekommen war, der über den Dächern gehangen hatte. Überall sah sie Zeichen von Aktivität und Vorbereitung. Sie beobachtete, wie eine weitere Wagenladung mit Vorräten die Straße zum Südtor entlanggezogen wurde. Ihr Blick hob sich und Kerry freute sich, als sie die Banner des Sternenbundes an mehreren Türmen hängen und sanft im leichten Wind flattern sah.

Sie schloss einen Moment die Augen und ließ sich von den Sonnenstrahlen das Gesicht erwärmen. Doch noch ehe sie die Augen wieder öffnete verschwand das Wärmegefühl. Eine Wolke hatte sich vor die Sonne gelegt. Kerry wandte den Blick nach Norden, von wo der Wind nun etwas stärker wehte, und sah eine Wand aus dichtem Nebel, der sich über die Stadt zu legen begann. Noch während sie zusah erklang ein Rauschen und der Schlag mächtiger Flügel. Anmutig landete ein großer Adler auf dem Dach, und Kerry erkannte ihn wieder.
"Welche Nachrichten bringst du?" fragte sie und trat ihm entgegen.
"Keine guten, befürchte ich," erklang Gandalfs Stimme vom Treppenaufgang. Der Zauberer betrat das Dach und nickte dem Adler respektvoll zu. "Sei gegrüßt, Ròvallír, Vasall des Windfürsten."
"Mithrandir," sprach Róvallír, "Der Feind vor dem ich warnte ist über euch gekommen. Dieser Nebel verbirgt sie selbst vor meinen Augen, doch die Spur, die sie hinterlassen, ist eindeutig."
"Also greift Saruman nun erneut nach Fornost," murmelte Gandalf. "Und schneller, als ich es erwartet hatte."
"Wir müssen die anderen warnen!" rief Kerry.
"Das müssen wir. Der Sternenbund und alle, die kämpfen können und wollen müssen sich nun kampfbereit machen," stellte Gandalf klar. "Erneut schulde ich dir meinen Dank, Róvallír."
Der Adler senkte leicht den Kopf. "Die Orks scheinen die Stadt im Osten zu passieren. Offenbar wollen sie das flachere Gelände im Süden zum Angriff nutzen," fügte der Adler hinzu.
"Dann müssen wir dort Stellung beziehen," sagte Gandalf. Er drehte sich um und eilte die Treppe hinab, gefolgt von Kerry.

Es dauerte nicht lange, bis sie Belen, Ardóneth und den Rest des Sternenbundes alamiert hatten und der Befehl gegeben wurde, alle kampffähigen Menschen zu den südlichen Verteidigungsanlagen zu entsenden. Rüstungen und Waffen wurden angelegt und als alles bereit war brachen sie zum Südtor auf.


Gandalf, Belen, Rilmir, Ardóneth und Kerry mit dem Rest des Sternenbundes zu den südlichen Verteidigungsanlagen

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Im Kerker
« Antwort #18 am: 26. Okt 2016, 22:53 »
Gilbard und Kerry vom Südtor Fornosts


Niemand stand am Eingang der Rüsthalle Wache. Der Sternenbund hatte niemanden entbehren können - alle Dúnedain waren zur Verteidigung der Mauern einberufen worden und hatten Blut und Schweiß vergossen um die Stadt zu halten, doch wie durch ein Wunder war sie gehalten worden. Kerry jedoch hatte keine Zeit, sich darüber zu freuen, auch wenn sie wusste, dass sie großes Glück gehabt hatte, die Schlacht unbeschadet zu überleben. Andere hatten dieses Glück nicht gehabt.

Gílbard führte sie ins Innere und sie stiegen eine steile Treppe im hinteren Teil der Halle hinab, die zu den Verliesen führte. Hier unten gab es nur drei kleine Zellen, die aus Kammern mit drei Wänden bestanden. Die vierte Wand bestand jeweils aus Gitterstäben, sodass die andere Hälfte des Kellergeschosses einen Gang bildete, in dem man an den Zellen vorbeigehen konnte und in alle drei auf voller Breite hineinsehen konnte. Sie eilten den Gang entlang und ihre Schritte hallten laut in der Stille des Kerkers wider. Die ersten beiden Zellen waren leer. In der letzten Zelle entdeckte Kerry Ardóneth, der in einer der hinteren Ecken in sich zusammengesunken kauerte.
"Ardan!" rief sie und packte die Gitterstäbe mit ihren Händen, die von Kratzern und Schürfwunden übersät waren.
"...'Ardan'?" wunderte sich Gílbard, doch da regte sich Ardóneth und stand langsam auf.
"Kerry!" flüsterte er. "Du... du lebst... Als der Turm fiel, dachte ich, du wärest..."
"Nein, ich habe überlebt," antwortete sie leise. "Was ist mir dir geschehen?"
Ehe er antworten konnte packte Gílbards große Hand Kerry und zog sie mehrere Schritte rückwärts. "Geh weg vom Gitter, Mädchen! Wir müssen vorsichtig sein!"
"Gílbard, ich... bin mir meiner Taten bewusst," versuchte Ardóneth zu erklären. "Doch der Wahn ist vergangen. Ich dachte... wenn ich Belen beseitige, endet all dies... all der Tod und die Verwüstung."
"Wir haben gesiegt, Ardóneth, deinem Verrat zum Trotz," gab Gilbard grimmig zurück. "Dein Vetter wird schon bald über dich richten."
Ardóneth blickte betroffen zu Boden. "Ich verstehe," sagte er. "Ich bin mir meiner Schuld bewusst und bereue meine Taten. Dennoch bin ich erleichtert, dass die Schlacht vorbei ist und Fornost noch steht. Ich... werde versuchen, Belen zu erklären, was passiert ist, wenn es zur Verhandlung kommt."
"Das wird es," bestätigte Gílbard.
"Was bedeutet das?" fragte Kerry besorgt. "Was werden sie mit Ardan tun?"
"Wenn sich seine Schuld als erwiesen herausstellt, wird er eine gerechte Strafe erhalten. Sein Rang und Kommando werden ihm bis zur Entscheidung über sein weiteres Schicksal entzogen.
"Aber... es war doch bestimmt nicht seine Schuld?" wollte Kerry wissen. "Was ist denn passiert?"
"Er hat versucht, Belen zu töten," erklärte Gílbard grimmig. "Wir konnten ihn gerade noch rechtzeitig aufhalten."
"Versteh' doch, Gílbard, es war genau wie in meinem Traum! Als der Turm einstürzte muss eine Art Zauber über mich gekommen sein... ich hatte nur noch diesen einen Gedanken: Wenn Belen beseitigt wird, hört das alles auf und alles wird wieder wie vorher. Ich weiß jetzt, dass das eine Illusion war, doch in diesem Augenblick kam es mir wahrer als alles andere vor..."
"Das ändert nichts daran, dass du versucht hast, den Erben Isildurs zu ermorden!" donnerte Gílbard.
Ardóneth blickte zu Boden. offenbar fiel ihm darauf keine Antwort mehr ein.

Kerrys Kopf schwirrte voller neuer Gedanken. Ardan sollte ein Verräter sein? Er kam ihr vor wie immer, nur etwas verzweifelter. Und als er von einem Zauber gesprochen hatte war ihr erneut in den Sinn gekommen, was Gandalf auf dem Turm zu ihr gesagt hatte: Sarumans Arm reichte weit genug, um sie hier in Fornost zu erreichen, und Gandalf war durch den Kampf auf der Turmspitze geschwächt gewesen. Vielleicht war hier tatsächlich mehr am Wirken gewesen, als das bloße Augen sehen konnte...
"Wir sind hier fertig," knurrte Gílbard. "Er wird bald gründlich verhört werden und Belen wird sein Urteil über ihn fällen. Komm, Mädchen, dies ist kein Ort für dich."
"Kerry! Geh nicht..." stieß Ardóneth hervor.
"Ardan!" rief sie, doch Gílbards kräftiger Arm legte sich um ihre Taille und zog sie davon, ohne dass ihr Widerstand jegliche Wirkung zeigte.

Nachdem Gílbard sie in der Haupthalle freigelassen hatte stapfte sie mit einer Mischung aus Gefühlen die Treppe hinauf zum Dach. Sie setzte sich auf den Rand, wo sie in den letzten Wochen so oft gesessen war, und ließ die Beine baumeln. Die Ereignisse des Tages zogen erneut an ihr vorbei, jedesmal begleitet von den dazugehörigen Emotionen. Sie erinnerte sich, wie oft sie hier gesessen hatte und Scherze darüber gemacht hatte, wie klein die Menschen auf den Straßen unter ihr aussachen. Jetzt jedoch waren keine Menschen dort zu sehen. Alle waren entweder am Tor oder in Verstecken und warteten voller Sorgen auf Neuigkeiten über den Ausgang der Schlacht, die sich nur langsam in der Stadt verbreiteten. Kerry legte die Arme in den Schoß und weinte stumm um ihre gefallenen Freunde, bis sie nicht mehr weinen konnte und ihre Augen vom auffrischenden Wind getrocknet wurden. Einen Augenblick überlegte sie, sich zurück in die Verliese zu schleichen und mit Ardóneth zu reden, doch sie wusste, dass Gílbard am Eingang zum Kerker Wache stand und sie nicht hineinlassen würde. Sie hob den Blick zum Himmel, der sich im Westen gerade rötlich zu färben begann als die Abenddämmerung einsetzte. Ihre Gedanken blieben bei Rilmir hängen.
"Wo auch immer du jetzt bist, Dúnadan..." hauchte sie sie mit kaum hörbarer Stimme, "ich hoffe, du bist an einem besseren Ort als diesem. Es... tut mir Leid, so sehr leid, was mit dir passiert ist..."
Tiefer Kummer ließ sie den Kopf wieder senken und sie sah, wie sich nun ein Strom von Menschen auf die Rüsthalle zubewegte. Offenbar waren die wichtigsten Angelegenheiten am Tor erledigt worden. Sie machte sich Sorgen um Ardóneth, doch wusste sie nicht, wie sie ihm gerade helfen konnte. Also blieb sie vorerst sitzen, den Blick in die Ferne schweifen lassend, und wartete darauf, dass die Sonne im Westen über dem Abendrotsee versank.
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 15:01 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #19 am: 31. Okt 2016, 16:35 »
Oronêl und Finelleth vom Tor...


Ihr Weg führte Oronêl und Finelleth zu einem großen Gebäude im Nordosten der Stadt, bei dem es sich anscheinend um eine Art Waffenkammer oder Rüsthalle handelte. Auch hier eilten inzwischen viele Menschen hin und her, doch niemand schien Wache zu stehen, und so gelangte die Elben ohne Schwierigkeiten hinein. Drinnen deutete Finelleth auf eine Treppe, die an der Seite der Halle nach oben führte, und sagte: "Dort geht es vermutlich zum Dach, und ich glaube nicht, dass wir einen ruhigeren Ort finden."

Das Dach der Rüsthalle wurde von der untergehenden Sonne in rötliches Licht getaucht, und ein frischer Wind wehte aus dem Westen. Oronêl setzte sich an den östlichen Rand des Daches und ließ die Beine über den Rand hängen, während Finelleth ihre Beine anzog und die Arme um die Knie schlang. "Du bist leicht zu durchschauen, weißt du das?", fragte sie, und Oronêl musste unwillkürlich lächeln. Er hätte wissen es wissen müssen, nachdem sie Irwynes Absichten zuvor so mühelos durchschaut hatte. "Anstatt dich auf die Westseite in die Sonne zu setzen, wählst du den Blick nach Osten", fuhr sie fort, ohne ihn anzusehen. "Nach Osten, wo mein Vater ist." Oronêl schwieg. Sie hatte natürlich Recht, mit dem Blick nach Osten hatte er ihre Gedanken zu Thranduil lenken wollen. Finelleth seufzte, und sagte: "Ich bin wütend auf ihn, aber das ist nichts neues. Seit der Geburt meines Bruders war es, als wäre ich unsichtbar für ihn. Ich habe mich daran gewöhnt, ich habe ein Leben abseits seines Hofes als einfache Kriegerin geführt."
Das erklärte, warum Oronêl nie etwas von ihr gehört hatte. "Als mein Vater Lórien und Mittelerde verließ, war ich noch jung," sagte er. "Ich habe seine Beweggründe nicht verstanden, und ich dachte, er würde mich im Stich lassen. Ich war wütend auf ihn und meine Mutter, und eine Weile glaubte ich sogar sie zu hassen. Doch mit der Zeit merkte ich, dass das nicht stimmte."
"Das ist ja das Schlimme", antwortete Finelleth leise, und Oronêl glaubte zu seinem Erstaunen, ihre Stimme zittern zu hören. "Ich hasse ihn nicht, sondern ich glaube... ich glaube, dass ich ihn noch immer als meinen Vater liebe."
Einen Moment lang waren nur der Wind und die Geräusche der Menschen von unten zu hören, während beide Elben schwiegen. Dann sprach Finelleth weiter: "Und jetzt mache ich mir Sorgen um ihn, bei allem Zorn den ich ihm gegenüber empfinde. Ich glaube, er ist einer Dunkelheit anheim gefallen, die er selbst mit seinem Stolz in sein Herz gelassen hat. Ich fürchte..." Sie verstummte, und als Oronêl eine Träne über ihre Wange laufen sah, legte er ihr einen Arm um die Schultern.
"Thranduils Bündnis mit Saruman ist besorgniserregend", sagte er. "Aber ich kann seine Beweggründe verstehen, denn Sauron hat ihm sein Reich genommen, und Saruman hat ihm versprochen, es für ihn zurück zu gewinnen."
"Aber Saruman hat sich mit dem Angriff auf Lothlórien gegen uns gewandt!", warf Finelleth ein. "Wie kann er sich mit dem Zauberer verbünden, der ein Land der Elben überfällt und niederbrennt, und der ein Heer von Orks anführt?" Tränen und jedes Anzeichen von Verletzlichkeit waren aus ihrem Gesicht verschwunden, und Oronêl sah wieder die Kriegerin Finelleth, die in der Schlacht an seiner Seite gekämpft hatte, neben sich.
"Es ist seine einzige Möglichkeit - oder zumindest glaubt er das. Und ohne sein Reich ist er nichts, also muss er es zurückgewinnen." Finelleth wollte offensichtlich widersprechen, doch er ließ sie nicht dazu kommen. "Du weißt, was mit Amroth passiert ist. Er dachte, er könnte ohne Nimrodel nicht leben, und so ließ er sein Reich und seine Freunde hinter sich, um mit ihr zusammen zu sein. Dein Vater kann ohne sein Heimat nicht leben." Bei diesen Worten musste Oronêl an Lórien denken, und sein Herz schien sich schmerzhaft zusammen zu krampfen. "Ich verstehe, dass er alles tun würde, um sie zurück zu bekommen."
"Würdest du dich für Lórien mit Sauron verbünden?", fragte Finelleth, bis sich dann aber in Erwartung einer heftigen Reaktion auf die Lippe. Doch Oronêl schüttelte nur traurig den Kopf, denn er hatte die Frage erwartet - und sie sich selbst gestellt. "Nein. Aber Sauron hat mir vorher zu viel genommen, und im Gegensatz zu Saruman bedroht er auch die Freunde die mir geblieben sind und die ich inzwischen gefunden habe - wie dich, nethel1." Er lächelte, als Finelleth leicht errötete, und sagte: "Vergib deinem Vater, wenn du kannst. Du hast recht, dich um ihn zu sorgen, aber denk immer daran, dass er aus dem Haus Lenwes ist - und wir fallen nicht so leicht unter den Schatten."
Er stand auf, und streckte Finelleth die Hand entgegen, die sie ergriff und sich von ihm auf die Füße ziehen ließ. "Und nach dem heutigen Tag weiß ich mit Sicherheit, welche Seite du gewählt hast... und ich freue mich, auf der gleichen Seite zu stehen." Der erleichterte Ausdruck auf Finelleths Gesicht verriet ihm, dass sie sich tatsächlich davor gefürchtet hätte, er könnte ihr die Entscheidung ihres Vaters zum Vorwurf machen.
"Jetzt bin ich doch froh, dass ich mit dir über meinen Vater gesprochen habe", sagte sie mit einem kleinen Lächeln. "Danke, gwador2."

Gemeinsam blickten sie nach Westen, wo vor der untergehenden Sonne eine schmale, einsame Gestalt, die auf dem gegenüberliegenden Rand des Daches saß, zu sehen war.
"Wie es aussieht sind wir nicht als einzige auf die Idee mit dem Dach gekommen", meinte Oronêl, doch Finelleth lachte nicht. "Nach einer solchen Schlacht gibt es viele, die sich schämen überlebt zu haben, während ihre Freunde gestorben sind." Oronêl wusste, wovon sie sprach. Nach seiner Rückkehr von der Dagorlad hatte er Amroth nicht in die Augen schauen können, denn Amdír war gefallen und er hatte überlebt.
"Ich sollte mit ihr sprechen", sagte er, denn auch von hinten war die Person eindeutig als junge Frau zu erkennen. Er trat bis auf wenige Schritte an die Gestalt heran und sagte dann, wobei er vom Sindarin in die Gemeinsame Sprache wechselte: "Seid gegrüßt. Ich hoffe, ich störe euch nicht?"
Die junge Frau reagierte nicht, schien ihn gar nicht gehört zu haben, und so ging Oronêl bis an sie heran an den Rand des Daches. Als er sich neben sie setzte, erkannte er Kerry. "Kerry", sagte er, und obwohl sie ihm den Kopf zuwandte, schien sie geradewegs durch ihn hindurchzublicken. Anscheinend hatten die Erlebnisse während der Schlacht sie noch härter getroffen, als Oronêl angenommen hatte, doch hinter seinem Mitleid regte sich plötzlich ein Funken des Wiedererkennens. Es war nicht nur die oberflächliche Ähnlichkeit zu Irwyne, sondern irgendetwas tieferes, irgendjemand, an den Kerry ihn erinnerte... Er sah, dass Finelleth sich auf Kerrys anderer Seite niederließ, und das Mädchen aufmerksam betrachtete.
Oronêl legte Kerry eine Hand auf die Schulter, und erst bei seiner Berührung wurde ihr Blick klarer, und sie schien ihn erst jetzt wahrzunehmen.
"Oh, du bist das." Oronêl sah, dass sie Calenwens Medaillon um den Hals trug. "Oronêl", sagte er, denn er hatte Kerry seinen Namen in der Aufregung der Schlacht nicht genannt, und deutete mit einem Nicken zu Finelleth. "Und das ist Finelleth, wie du vielleicht schon in der... also, wie du vielleicht schon weißt." Vermutlich war es nicht besonders klug, Kerry in einem Moment wie diesem an die Schlacht zu erinnern.
"Ich bin Kerry," antwortete sie wie automatisch. "Nein... das wusstest du schon." Sie seufzte tief.  "Ist alles in Ordnung?", fragte Oronêl besorgt, denn er kannte diesen leeren Gesichtsausdruck. "Ich frage mich einfach, wieso ich überlebt habe," sagte Kerry leise. "Andere, die viel tapferer waren als ich, hatten nicht so viel Glück."
"Glück und Tapferkeit sind zwei verschiedene Dinge", wandte Finelleth ein, und musterte Kerry noch ein wenig genauer, als das Mädchen sich ihr zuwandte. "Und nur weil jemand tapfer ist, kann er trotzdem fallen." "Aber nur weil du überlebt hast, heißt es nicht, dass du nicht tapfer und mutig gewesen bist", fügte Oronêl hinzu, denn er fürchtete, dass Kerry Finelleth falsch verstehen könnte. "Und weil du überlebt hast, bist du nicht weniger wert als diejenigen, die ihr Leben zur Verteidigung dieser Stadt gegeben haben."
Kerry blickte niedergeschlagen zu Boden. "Zwei meiner Freunde sind gestorben," stieß sie tieftraurig hervor. Ihr Unterlippe bebte. "W-wie soll ich nur ohne sie weitermachen? Ich... " ihre Stimme versagte.
"Ihretwegen musst du weitermachen", erwiderte Oronêl, während die Sonne ihre letzten Strahlen auf ihre Gesichter warf und der Abendrotsee seinem Namen alle Ehre machte. "Sie sind gestorben, als sie Fornost und all seine Bewohner - und damit auch dich - verteidigt haben. Denk an sie, aber ehre ihr Opfer indem du dein Leben weiterlebst."
"Woher kommst du, Kerry?", fragte Finelleth, und überraschte Oronêl mit diesem plötzlichen Themenwechsel.
Das Mädchen ließ den Blick in die Ferne schweifen und schwieg einen langen Augenblick, während die letzten Sonnenstrahlen ihr Gesicht rot färbten. "Aus Rohan", sagte sie schließlich, so leise dass es die elbischen Ohren Oronêls und Finelleths nur gerade so vernehmen konnten. "Aus dem Hargtal", fügte Kerry hinzu und ließ ihren Blick sinken.
Das hatte Oronêl bereits vermutet, doch es von Kerry selbst zu hören, ließ plötzlich das Bild eines dunkelhaarigen Gardisten vor seinem Geist aufblitzen. "Ich war vor gar nicht langer Zeit in Rohan", sagte Finelleth. "Und da habe ich einen Mann getroffen, der einst eine Tochter hatte."
Bei ihren Worten verwandelte sich Oronêls Vermutung in Gewissheit, und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Wie merkwürdig die Welt doch war...
"Cyneric", sagte er, und beobachtete gespannt Kerrys Gesicht.
Dort spiegelten sich drei Emotionen: Überraschung, Unglaube, und darunter, tief in den grünen Augen: ein kleiner Funken Hoffnung. "Das kann nicht sein," flüsterte sie. "Er ist fort. Er ritt in den Krieg und kehrte nicht mehr zurück..."


1 Sindarin "Schwester"
2 Sindarin "Bruder"
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Fine

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Wege des Schicksals
« Antwort #20 am: 31. Okt 2016, 21:17 »
In Kerrys Gedanken war großes Chaos ausgebrochen. Mein Vater ist nie zurückgekehrt, die beiden können ihn nicht getroffen haben. Es muss jemand anderes gewesen sein, jemand mit demselben Namen, der auch eine Tochter hatte, sagte eine Stimme. Es war die Stimme, die schon immer darauf bedacht gewesen war, Déorwyns Vergangenheit zu vergessen, hinter sich zu lassen, neu anzufangen. Es war die Stimme, die den Namen Kerevalline gewählt hatte, um mit dem gebrochenen Mädchen aus Rohan abzuschließen und eine freie Abenteurerin in Eriador zu sein. Es war die Stimme, die nie zurückblicken wollte.
Aber was wenn doch? wisperte eine zweite Stimme. Kerry horchte auf, denn es war eine Stimme, die schon lange nicht mehr an die Oberfläche gedrungen war. Es war die Stimme der sechzehnjährigen Déorwyn, die voller Stolz zugesehen hatte, wie ihr Vater auf seinem Ross Rynescead im Gefolge König Théodens zur Rettung von Mundburg aufbrach. Diese Stimme hatte immer auf seine Rückkehr gewartet, doch als die Orks nach Hochborn gekommen waren war diese Stimme von den Flammen und dem Tod zum Schweigen gebracht worden. Jetzt aber gewann diese Stimme in Kerry an Kraft, wuchs, und sie spürte, wie sie sich zu erinnern begann.

Von Halarîn hatte sie gelernt, den Schmerz zuzulassen, und sie versuchte es. Bilder zogen vor ihrem inneren Auge vorbei: Hochborn in Flammen stehend, der Anblick des Schreckens als sie ihre Mutter tot auf der Schwelle ihres Hauses gefunden hatte, die albtraumhafte Flucht nach Westen. Plötzlich stand sie wieder an den Furten des Isen und traf erneut die Reiter, die sie ein Stück mitnahmen, ihr sogar ein Pferd überließen und sie in nordwestlicher Richtung durch Dunland brachten. Eine heiße Welle des Schmerzes stieg in ihr auf, als die darauf folgende Erinnerung zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder an die Oberfläche kam, und sie den schrecklichen Überfall in Dunland erneut erlebte. Wie Pfeile aus dem Dickicht in die arglose Reisegruppe geschossen worden waren und die meisten Flüchtlinge bereits in den ersten Sekunden des Überfalls starben. Wie ihr Pferd, von einem Pfeil in die Flanke getroffen, sich voller Angst und Schmerz aufbäumte und Déorwyn abwarf, und sie den Hang links von der Straße hinuntergestürzt war, was ihr den Tod durch die Hand der Wegelagerer ersparte. Sie war ohnmächtig geworden und in einer kleinen Hütte wieder zu sich gekommen. Der Mann, der sie gefunden hatte, war zunächst freundlich gewesen, hatte ihre Wunden versorgt und ihr zu Essen gegeben. Doch als es Nacht wurde und er sie zu sich in sein Bett nehmen wollte und sie sich, verwirrt und entsetzt, verweigerte, war er zornig geworden. Wäre er nicht gestolpert, als er ihr wutendbrand nachgejagt war, wäre es ihr wohl übel ergangen. So entkam sie in die Finsternis, mit nichts als dem rotbraunen Kleid am Leibe, das sie am Tag des Untergangs von Rohan getragen hatte, und irrte tagelang ohne Orientierung durch die Wildnis Dunlands, bis Rilmir sie schließlich fand.



"Wen haben wir denn hier?" sagte der hochgewachsene Mann. Er hatte eine ganz andere Ausstrahlung als der Dunländer, vor dessen Zorn sie nur knapp entkommen war. Trotzdem wich sie zurück, verschreckt und voller Misstrauen.
"Hab keine Angst," sagte er und ließ sich auf ein Knie nieder. Seine Stimme war beruhigend, sein Tonfall freundlich. Zwar trug er ein Schwert an seiner Seite, doch seine Augen strahlten eine Wärme auf, die Déorwyn ein Gefühl von Sicherheit vermittelte, obwohl sie ihn nicht kannte."
"W-wer bist du?" stieß sie hervor, in angespannter Haltung.
"Mein Name ist Rilmir, Hádhrons Sohn, von den Dúnedain. Ich werde dir nichts antun, Mädchen. Wie lautet dein Name?"
"D..." sie stockte. "Ich bin... Kerevalline." Es war nicht ihr Name, sondern der eines Mädchens, das sich unter der Gruppe von Flüchtlingen befunden hatte, der sie sich an den Furten des Isen angeschlossen hatte. Déorwyn hatte sie in den wenigen Tagen, in denen sie sich kannten, Kerry genannt. Kerry und sie waren schnell Freundinnen geworden, doch eine lange Freundschaft war ihnen nicht vergönnt worden. Kerevalline starb im Pfeilhagel der Dunländer, als eine der ersten.
"Ein ungewöhnlicher Name," sagte Rilmir, doch es lag kein Spott in seiner Stimme.
"Du kannst... mich Kerry nennen," sagte sie. Ab diesem Moment gab es Déorwyn nicht mehr, und sie dachte nicht ein einziges Mal mehr an ihren Vater.




Der gedankliche Nebel um sie herum lichtete sich etwas und sie wurde gewahr, wie Oronêl und Finelleth sich leise unterhielten.
"Du warst auch in Aldburg?" fragte Oronêl gerade. "Zu schade, dass ich keine Zeit hatte, mich in Thranduils Lagerbereich umzusehen."
"Ich war nur zwei Tage dort," antwortete Finelleth. "Und Cyneric sah ich nur kurz, als er mit Faramir und Erkenbrand zu Thranduil kam, um den Feldzug zu planen. Danach entsandte mein Vater mich mit zwei Gefährten, um die Lage bei Dol Guldur auszukundschaften."
"Drei Elben alleine nach Dol Guldur?" wunderte sich Oronêl und nickte anerkennend. "Dein Vater scheint damals großes Vertrauen in dich gesetzt zu haben."
Finelleth sah zur Seite, offenbar peinlich berührt. "Er bat nicht. Es war ein Befehl, wie ihn ein König seinen Untergebenen gibt. Es wusste aber, dass ich Galanthir, Angvagor und ich am Besten für die Mission geeignet waren. Also waren wir es, die er entsandte."

Was, wenn sie ihn wirklich gesehen haben? Besteht vielleicht tatsächlich die Möglichkeit, dass mein Vater noch lebt? dachte Kerry während sie auf eine Gelegenheit, eine Frage zu stellen wartete.
Und wenn nicht? Kannst du dich der Enttäuschung stellen? erwiderte die erste Stimme, die zu der Kerevalline gehörte, die nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben wollte. Und selbst wenn er es war, wo mag er dann jetzt wohl sein? Wer garantiert dir, dass er immer noch am Leben ist?
Find mehr heraus, sagte die Stimme von Déorwyn, die nun mehr und mehr an Stärke gewann und schließlich Kerry ganz ausfüllte. Finde alles heraus, was die beiden wissen.

"Bitte erzählt mir alles," sagte sie, als eine Pause im Gespräch der Elben entstand. Oronêl nickte und berichtete ihr, wie er einen Gardisten namens Cyneric außerhalb der Ratshalle von Aldburg getroffen hatte, der ihm unter Anderem von seiner verschwundenen Tochter erzählt hatte.
"Ich überließ Irwyne, das Mädchen das du am Turm getroffen hast, für eine Weile seiner Obhut, da mich wichtige Angelegenheiten zum Aufbruch drängten und ich sie nicht mitnehmen konnte."
"Und als er zur Ebene von Celebrant kam ging Irwyne mit ihm," ergänzte Finelleth. "Dort traf ich ihn wieder, und wir zogen gemeinsam mit dem Heer Glorfindels nach Dol Guldur."
"Dol Guldur?" fragte Kerry. "Ihr zogt in die Schlacht?"
"Das taten wir," bestätigte Finelleth. Kerry stellte fest, dass auch Oronêl aufmerksam zuzuhören schien. Offenbar hatte er diesen Teil der Geschichte auch noch nicht gehört. "Sieben Tage dauerte es, bis die Festung fiel. Und dein Vater kämpfte äußerst tapfer, stand sogar der geflügelten Bestie des Ringgeists gegenüber."
"Wie könnt ihr wissen, dass er es war?" wollte Kerry wissen. Noch immer zweifelte sie, auch wenn ihre Hoffnung stetig größer wurde.
"Ich weiß nicht, ob dir das hilft, aber ich habe ihn im Getümmel immer an der grünen Hand auf seinem Schild erkannt. Er erzählte mir, dieser Abdruck stammte von seiner kleinen Tochter," sagte die Elbin zur Antwort und lächelte Kerry freundlich an.
Der Schild, wisperte Déorwyns Stimme in ihr. Der Schild! Du erinnerst dich, nicht wahr? Er ist es also wirklich gewesen. Vater ist am Leben!
"Hat er die Schlacht überstanden?" rief sie, nun voller Sorge, doch ihre Zweifel verflogen.
"Das hat er," gab Finelleth mit breitem Grinsen zurück. "Es geht ihm gut. Dein Vater ist jetzt in geheimer Mission in Rhûn unterwegs und schickte mich mit Irwyne nach Bruchtal, wo wir Oronêl trafen. Und jetzt finden wir dich hier, am anderen Ende der Welt, aber wohlbehalten und am Leben. Schon seltsam, welche Wege das Schicksal für uns bereithält."

Zum ersten Mal seit dem Ende der Schlacht um Fornost verspürte Kerry wieder positive Gefühle. Ihr Vater war am Leben! Es war ihr ganz egal, dass sie Oronêl und Finelleth erst seit heute kannte, und sie schloss beide nacheinander in eine feste Umarmung - eine Umarmung, die sie in diesem Moment gerne ihrem Vater gegeben hätte, doch fürs Erste würden die beiden Elben ausreichen. Oronêl schien etwas überrumpelt, doch er strich ihr sanft über den Rücken und sie spürte, wie er sich für sie freute.
Einen Augenblick später setzten sie sich zu dritt auf den Rand des Daches. Die Sonne war inzwischen hinter dem Horizont verschwunden, doch noch waren die Wolken im fernen Westen von einem rötlichen Schein erfüllt.
"Und dein Vater ist wirklich der König des Waldlandreiches?" fragte Kerry in Finelleths Richtung.
"Oh, das hast du gehört?" meinte die Elbin, die leicht beschämt zur Seite blickte. "Es stimmt, aber..."
"Dann bist du eine echte Prinzessin!" rief Kerry begeistert.
Oronêls Lachen erfüllte die Abendluft, und kurz darauf stimmte Finelleth mit ein. Und endlich gelang es auch Kerry, angesteckt davon, wieder ein Lächeln im Gesicht zu tragen.

Schließlich stand Finelleth auf. "Wir sollten sehen, dass wir etwas zu essen bekommen," sagte sie. "So eine Schlacht macht hungrig."
Kerry folgte ihr, hielt dann jedoch einen Augenblick inne. Wie immer ließ ihr Gedächtnis für Namen sie im Stich. Und wie immer versuchte, sie sich nichts anmerken zu lassen.
"Komm, Ron," sagte sie also in Oronêls Richtung. "Ich werde dir und der Prinzessin schon etwas beschaffen, was euren Hunger vertreibt."
Sie hörte, wie sie Elben einen winzigen Augenblick stockten als sie ihre neuen Spitznamen hörten, doch auch das konnte ihnen das Lächeln nicht vom Gesicht vertreiben. Zu dritt stiegen sie die Treppe in die Halle hinunter, wo es bereits nach Abendessen duftete.
« Letzte Änderung: 3. Nov 2016, 15:29 von Fine »

Eandril

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #21 am: 1. Nov 2016, 21:06 »
Trotz des Sieges war die Stimmung in der Haupthalle eher gedämpft. Die anwesenden Verteidiger saßen beim Essen in kleineren Grüppchen zusammen, und sprachen leise miteinander. Einige saßen auch für sich alleine, ihre Mahlzeit kaum angerührt und der Blick leer - Kerry war offenbar nicht die einzige, die die Schlacht stark mitgenommen hatte.
Doch gerade Kerry hob sich nun deutlich von den bedrückten Gesichtern der anderen Menschen ab, denn die Nachricht vom Überleben ihres Vaters schien sie aufgerichtet und gestärkt zu haben. Sie wirkte aufgekratzt, und stellte den Elben eine Frage nach der anderen nach Cyneric, aber auch dem restlichen Geschehen draußen in der Welt - geradeso, als hätte wäre eine Barriere, mit der sie sich vor der Welt abgeschirmt hatte, eingerissen worden war. Und dennoch, hin und wieder verstummte sie kurz, und dann huschte ein Schatten der Traurigkeit über ihr Gesicht. Oronêl wusste, dass sie dabei nicht nur an ihre gefallenen Freunde dachte, sondern auch an Cyneric, der zwar lebte aber nach Finelleths Bericht in einem fernen, fremden und gefährlichen Land unterwegs war.
Während Finelleth dem Mädchen mehr von der Eroberung Dol Guldurs - und der Rolle, die ihr Vater dabei gespielt hatte - erzählte, hörte Oronêl nur mit halber Aufmerksamkeit zu. Er dachte darüber nach, wie seltsam das Schicksal doch spielte. Eigentlich hatte er nie vorgehabt, nach Fornost zu gehen, und dass er nun hier, eine Ewigkeit von Rohan und seinen eigentlichen Plänen entfernt, auf Cynerics totgeglaubte Tochter traf, war ein merkwürdiger Zufall. Wenn es denn nur ein Zufall gewesen war... Seine Gedanken wanderten weiter, zu Laedor und ihrem erneuten Zusammentreffen inmitten der Schlacht. Laedors Worte, die er ihm in Lórien entgegen geschleudert hatte, kamen ihm wieder in den Sinn: "Willst du wissen, was ich mit deiner Tochter..." -was?
Oronêl wurde aus seinen düsteren Gedanken gerissen, als Kerry ihn von der anderen Seite des Tisches ansprach. "He, Ron, träumst du?", fragte sie, und Oronêl freute sich, dass sie ihm und Finelleth gegenüber nun vollkommen offen wirkte. Dennoch verzog er leicht gequält das Gesicht, als er hörte sie wie ihn nannte, und sagte: "So schwer ist mein Name doch nun auch wieder nicht."
"Ach, ich finde ihn eigentlich auch ziemlich schwer, Ron", warf Finelleth lachend ein. Jetzt, wo sie einen Augenblick lang unbeschwert und fröhlich sein konnte, kam sie Oronêl wie eine jüngere Schwester von Calenwen vor. Seine Frau hätte ihn mit diesem Spitznamen ebenso aufgezogen wie Finelleth jetzt. Oronêl schob den Gedanken an Calenwen und den Schmerz, den er mit sich brachte, rasch wieder beiseite, zog sie Augenbrauen in die Höhe und erwiderte: "Du hast gut reden, Araniel."
Jetzt war es an Finelleth, das Gesicht zu verziehen. "Es wäre mir wirklich lieber, wenn ihr mich nicht..."
"Was heißt Araniel?", unterbracht Kerry sie, und Oronêl antwortete mit einem Lächeln: "Du hast sie doch Prinzessin genannt. Araniel bedeutet in unserer Sprache das gleiche."
"Wer ist eine Prinzessin?", hörte Oronêl Irwyne hinter sich fragen, und Finelleth stöhnte auf und verbarg das Gesicht in den Händen. Er rutschte auf der Bank ein Stück zur Seite um Platz für Irwyne zu machen, sodass sie nun Kerry direkt gegenüber saß und er Finelleth.
"Die äh... Prinzessin hier", erwiderte Kerry mit einem schelmischen Lächeln, das zu sehen Oronêl freute. Schließlich war Lächeln die beste Art und Weise, ein so schreckliches Erlebnis wie die Schlacht für ein paar Augenblicke zu vergessen. "Nein, Finelleth?", fagte Irwyne, und machte große Augen. "Das hast du mir nie erzählt", sagte sie dann vorwurfsvoll. Finelleth hatte inzwischen wieder die Hände vom Gesicht genommen, und meinte: "Ich wollte es ja eigentlich auch geheimhalten. Aber Ron", Oronêl ächzte, "hat mich erkannt, und diese junge Dame hier hat uns belauscht, als wir darüber sprachen." Sie stieß Kerry sanft die Faust gegen den Oberarm. "Das war unabsichtlich!", protestierte diese, und rieb sich die getroffene Stelle.
"Dann ist Thranduil dein Vater?", fragte Irwyne, und Finelleth blickte etwas verdutzt drein. "Er ist der einzige Elbenkönig, von dem ich weiß", erklärte das Mädchen. "Habe ich recht?"
"Du hast es erraten", mischte Oronêl sich wieder in das Gespräch ein, denn er hatte Finelleths Unbehagen bemerkt. Auch wenn sie unter Freunden war, wollte sie offenbar trotz des Gesprächs das sie über Thranduil geführt hatten, ihr Geheimnis lieber wahren. Er beugte sich leicht über den Tisch vor, in Richtung der beiden Mädchen aus Rohan, um das Gespräch von Finelleth abzulenken. "Und wo wir gerade bei Vätern sind, weißt du, wer Kerrys Vater ist?"
Einen Augenblick herrschte Stille, während Irwyne Kerry aufmerksam musterte. Dann fragte sie ungläubig: "Déorwyn?"
Kerry blickte einen Augenblick zu Boden; offenbar war es ihr noch immer etwas unangenehm, mit ihrem wahren Namen angesprochen zu werden. Doch dann nickte sie. "Du hast meinen Vater getroffen, Irwen, nicht wahr?" Irwyne blinzelte verwundert, sagte dann: "Irwen ist der Name meiner Mutter gewesen... bitte denk dir was Neues aus." Sie stockte einen Moment und Oronêl sah ihre Augen verdächtig glänzen. Sie fing sich jedoch sehr schnell wieder und erzählte Kerry und den Elben, wie sie Cyneric in Aldburg kennengelernt hatte und ihn im Dol-Guldur-Feldzug begleitet hatte.
"... er war immer sehr freundlich zu mir, und ich habe immer wieder bemerkt, dass er seine Tochter - also dich - sehr vermisst. Ich bin froh, dass du noch lebst", schloss Irwyne mit einem zaghaften Lächeln.

Ihr Gespräch wurde unterbrochen, als Valandur an ihren Tisch trat, mehrere Becher und einen vollen Bierkrug in der Hand. Für einen Moment glaubte Oronêl, den Waldläufer gar nicht wieder zu erkennen, denn ein solch breites Lächeln hatte er auf Valandurs Gesicht bislang noch nicht gesehen. "Kommt, meine Kampfgefährten", sagte der Dúnadan, und stellte seine Last so schwungvoll auf dem Tisch ab, dass Irwyne rasch vor dem überschwappenden Bier in zurückweichen musste.
"Trinkt etwas mit mir, und feiert unseren Sieg." Anscheinend waren sie nicht die ersten, mit denen Valandur den glücklichen Ausgang der Schlacht feiern wollte, doch Oronêl schüttelte bedauernd den Kopf. "Danke, für mich nicht. Ich brauche jetzt eher ein wenig frische Luft, und vielleicht einen Schluck klares Wasser - falls man in dieser Stadt so etwas findet."
Auch Kerry schüttelte den Kopf. "Danke, aber ich verspüre gerade kein Bedürfnis danach, ein Wiedersehen mit meinem Abendessen zu feiern." Der Ausdruck der Verwirrung auf Valandurs Gesicht war geradezu komisch, doch dann lachte er selbst und klopfte dem Mädchen auf die Schulter. "Das nenne ich mal eine gute Begründung. Aber Finelleth, große Elbenkriegerin, was ist mit dir?"
Finelleth gähnte nur zur Antwort. "Ich denke, ich muss mich zunächst ein wenig ausruhen bevor ich irgendetwas feiern kann." Auch Irwyne wirkte müde, und sagte: "Ich habe erst vor ein paar Stunden einen Pfeil durchs Bein bekommen, da werde ich mich jetzt sicherlich nicht betrinken sondern lieber versuchen, etwas Ruhe zu bekommen."
"Hrmpf", machte Valandur missmutig. "Ihr seid mir schöne Gefährten. Gelmir wollte ich lieber in Ruhe lassen, Orophin und Glorwen scheinen verschwunden zu sein... Da muss ich mir wohl jemand anders..." Er verstummte plötzlich, und als Oronêl in Richtung Eingang blickte, sah er die Waldläuferin, die mit ihnen am Turm gekämpft hatte in die Halle kommen.
"Heda, Súlien!", rief Valandur ihr entgegen, und schwenkte grüßend einen leeren Bierkrug. "Komm her und feiere ein wenig mit mir. Diese Herrschaften sind mir alle zu trübselig." Die Waldläuferin kam heran, wobei sie keck eine Haarsträhne nach hinten warf, und sagte: "Gerne doch. Aber bist du denn auch sicher, dass du mit mir mithalten kannst?"
Gemeinsam entfernten die beiden sich, und schlossen sich am anderen Ende der Halle einer weiteren Gruppe Dúnedain, die fröhlicher wirkte als der Rest der Anwesenden, an.
Auch Oronêl erhob sich und sagte, mit Blick auf seine Begleiterinnen, die sämtlich herzhaft gähnten: "Ihr solltet etwas Schlaf finden. Ich gehe mir noch ein wenig die Sterne ansehen."

Oronêl zur Mauer...
« Letzte Änderung: 12. Jan 2017, 12:12 von Fine »

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-Mirithil-

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #22 am: 9. Nov 2016, 00:30 »
Fis, Tom, Rick, Baril und Goril aus der Stadt


Am nächsten Morgen machten die fünf sich auf den Weg zur Waffenkammer, endlich würden sie ihr Ziel erreichen. Es war nicht mehr weit von dem Haus in dem Goril und Baril lebten zu den Quartieren des Sternenbundes, sie erreichten die Tore schon bevor die Sonne über die Hausdächer stieg. Vor dem Tor standen zwei Wachposten die argwöhnisch auf die Gruppe kleiner Gestalten herabblickten, einer der beiden schmunzelte: "Na wenn das kein einmaliger Anblick ist, drei Zwerge und zwei Hobbits hier in Fornost."
"Guten Morgen, wir möchten gerne mit den Anführer des Sternenbundes sprechen.", sagte Fis höflich.
"Und wer seid ihr?", fragte der andere Wächter, er stützte sich müde auf sein Schwert und wirkte nicht besonders glücklich über die Störung.
"Ich bin Fis, Fesais Sohn und das sind meine Begleiter, Rick und Tom aus Bree, sowie Goril und Baril aus den Ered Luin.", stellte Fis sich und seine Gefährten vor, "Wir möchten uns dem Sternenbund anschließen."
"Jawohl, wir sind extra hierher gekommen um mit eurem Anführer zu reden!", Baril stampfte mit dem Fuß auf den Boden, "Hier draußen ist es kalt, welcher Gastgeber lässt seine Gäste in der Kälte warten?"
"Hey Bartwicht, wir müssen euch nicht hineinlassen, von mir aus kannst du dir hier die Füße abfrieren.", der Wächter hatte sich jetzt aufgerichtet und blickte genervt zu Baril.
Goril schob seinen Bruder zur Seite: "Mein Bruder hat es nicht so gemeint, er hat nur schlecht geschlafen, wir würden gerne helfen."
"Na wenn das so ist. Tretet ein, ihr findet Belen, den Anführer, wahrscheinlich im hinteren Teil des Gewölbes.", sagte der nettere der beiden Wächter und schob die Türen für sie auf.

Durch Fenster in den Wänden drang das Licht des anbrechenden Tages in die Halle. Fis und seine Gefährten schritten die Reihen der Rüstungen und Waffen ab, die hier aufgereiht standen.
„Das sind aber ne menge Waffen an einem Ort.“, stellte Baril fest und fuhr mit den Fingern über ein altes, verstaubtes Schwert an einer der Wände.
„Alte Waffen und Rüstungen aus arnorischen Schmieden, sehr gute Arbeiten.“, stimmte Fis ihm zu.
„Ihr habt recht, meine Freunde, diese Waffen wurden vor dem Untergang Fornosts geschmiedet und hier versteckt für die Tage die kommen würden.“
Sie alle drehten sich zu dem Sprecher um, vor ihnen stand ein alter Mann mit einem langen, weißgrauen Bart und leuchtend hellblauen Augen, er trug einen grauen Mantel und hielt einen ebenso grauen Filzhut in der Hand.
„D..D..Du?“, Tom und Rick blickten den Mann fassungslos an.
„Ja, ich bin es, und doch nicht der den ihr gesehen habt.“, sagte der Fremde geheimnisvoll.
„Ihr kennt diesen Mann?“, fragte Fis etwas verdutzt.
„Ja, wir haben dir von ihm erzählt, er hat uns hierhin geschickt.“, erklärte Tom.
Der Alte lächelte: „Ich habe euch den Weg gewiesen, doch nicht mich habt ihr gesehen, es war ein Trugbild, ein einfacher Zauber, an diejenigen gerichtet, die auf der Suche sind.“, erklärte er langsam.
„Ein Zauberer? Hier in Fornost?“, fragte Goril ungläubig, „Wer bist du und  was hat dich hierher verschlagen?“
„Mein Name ist Mithrandir, euch Zwergen aber ist Tharkun wahrscheinlich bekannter..“
„Oder einfach Gandalf.“, sagte ein groß gewachsener Mann, der gerade durch eine Seitentür in die Halle trat, er hatte lockere graue Kleidung angelegt und führte ein Schwert an seiner Seite. Sein Blick war auf die Hobbits gerichtet und seine aufmerksamen Augen musterten sie interessiert.
„Ich kenne euer Gesicht. Ihr wart auf dem Schlachtfeld vor den Toren, ist das richtig?“, fragte Tom, sein Blick wanderte von dem Gesicht des Mannes zu seinem Schwert und zurück.
„Das stimmt, ich war dort. Mein Name ist Belen, ich bin der Anführer des Sternenbundes.“
„Das trifft sich gut.“, sagte Goril, „Euch haben wir gesucht.“
„Er hat recht, wir sind hierher gekommen um uns dem Sternenbund an zu schließen.“, sagte Fis, „Wir würden gerne helfen.“
„Das freut mich, nach der Schlacht, brauchen wir jeden Mann und jede Frau, doch eure Namen wären mir wichtig.“, sagte er lächelnd und blickte sie erwartungsvoll an.
„Es tut mir leid, das war unhöflich. Mein Name ist Fis, Sohn Fesais und dies sind meine Gefährten Tom und Rick, die Hobbits aus Bree, sowie Goril und Baril aus den Ered Luin.“, als sie ihre Namen hörten verbeugten sich die Zwerge, „Steht's zu Diensten.“


In einem der Räume, der mehreren langen Tischen Platz bot, war bereits das Frühstück im Gange. Sie folgten Gandalf in den Speisesaal und nahmen an einem der freien Tischenden Platz. Fís erzählte Gandalf, wie er nach Bree gekommen war und dort den Tipp erhalten hatte, in Fornost nach dem Sternenbund zu suchen. Belen, der gegenüber saß, aß schweigend, hörte aber offenbar aufmerksam zu.
Einige Momente später wurde der noch freie Stuhl neben Fís geräuschvoll zurückgezogen und eine schlanke Gestalt nahm Platz. "Guten Morgen!" sagte das blonde Mädchen, das Fís nun wiedererkannte. Er hatte sie während der Schlacht bei den Elben am zerstörten Turm gesehen.
"Guten Morgen," sagte er. "Du bist Kerry, richtig?"
Sie nickte. "Und du... bist der Zwerg von gestern." Kerry senkte den Blick und ihre Wangen verdunkelten sich leicht. Offenbar war es ihr etwas peinlich, dass sie Fís' Namen nicht kannte oder vergessen hatte.
„Ich glaube ich habe mich dir noch gar nicht vorgestellt, mein Name ist Fis, Sohn Fesais“
Kerry schenkte ihm ein Lächeln. "Und was macht ein Zwerg hier in der Stadt? Ich glaube, ich habe bisher noch keinen einzigen Eures Volkes hier gesehen."
"Ich war auf 'Reisen' als ich in Bree vom Widerstand erfuhr. Auf dem Weg hierher traf ich dann auf die beiden Hobbits Tom und Rick die du ja auch schon kennst.", erzählte Fis und nahm sich etwas Brot aus den Schüsseln vor ihm, "Wir haben die Schlacht überlebt und sind gestern in der Stadt umhergeirrt. Am Abend sind wir dann auf Baril und Goril gestoßen, die uns bei sich aufgenommen haben, und jetzt sind wir hier.", schloss er seine Erzählung uns biss von seinem Brot ab.
"Mpf...m..wir sind hierher gekommen um uns dem Sternenbund anzuschließen, Tom und Rick haben keine Familie mehr und der Rest meiner Familie lebt weit im Osten in den Eisenbergen, wir brauchen ein neues Ziel und der Sternenbund war dafür die beste Gelegenheit."
"Ihr seid also auf der Suche nach Arbeit mitten in eine Schlacht hineingeraten, ihr hattet echt Glück es geschafft zu haben.", sagte Belen erstaunt, "Ich werde euch Zwerge wohl nie verstehen." Gandalf lachte, du hast Recht: "Zwerge zu verstehen ist eine Kunst für sich, die nicht einmal ein Zauberer richtig beherrscht." "Warum redet dieser Gandalf immer in Rätseln, kann er nicht normal sprechen?", Baril blickte zu Kerry, "Kannst du ihn verstehen?"
"In seinem Alter ist das nun einmal so," antwortete sie gleichgültig. Gandalf hingegen zog nur amüsiert eine Augenbraue nach oben. "Was habt ihr Zwerge jetzt vor?" fragte Kerry in Fís' Richtung. "Werdet ihr beim Wiederaufbau der Stadt helfen?"
"Das ist eine gute Idee, ein paar Stellen in der Mauer können leicht verstärkt werden.", sagte Goril, "Und der Turm muss unbedingt repariert werden. Das ist ein Fall für Zwergenhände."
"Belen, können wir helfen?", fragte Fis vorsichtig.
"Klar, wir können jede Hilfe gebrauchen, vielleicht werden wir wieder angegriffen, ein großer Teil der Feinde ist noch da draußen."

Als Goril den Turm erwähnte legte sich ein Schatten auf Kerrys Gesicht und sie blickte zur Seite. Das Mädchen blieb einen Augenblick still, dann schob sie ihren Teller beiseite. "Tut mir Leid," sagte sie leise. "Mir ist der Appetit vergangen." Mit einem Ruck stand sie auf und verließ den Speisesaal. Die Zwerge blickte ihr nach, doch Gandalf sagte: "Sie hat gute Freunde in der Schlacht verloren. Doch sorgt euch nicht um sie. Ich glaube, es wird ihr bald besser gehen."
„Belen, wir machen uns dann auf den Weg zur Mauer und schauen uns die Schäden an.“, sagte Fis und stand auf.


Fis, Tom, Rick, Baril und Goril zu den Mauern Fornosts

Text in Zusammenarbeit mit Fine und Melkor.

Verlinkung ergänzt
« Letzte Änderung: 9. Nov 2016, 09:54 von Fine »
"Meine Zähne sind Schwerter, meine Klauen sind Speere, meine Flügel sind EIN WIRBELSTURM!"

RPG Charakter: Fis, in Fornost

Curanthor

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Echo der Erinnerungen
« Antwort #23 am: 20. Nov 2016, 04:09 »
Mathan, Halarîn und Acharnor von Fornost: Die Mauern und das umliegende Gebiet

Als sie die Rüsthalle betraten, war bereits eine Art Siegesfeier im Gange, doch die Drei marschierten direkt zu einem der abgelegenden Räume, in dem Adrienne lag. Acharnor vergewisserte sich, dass seine Schwester ruhig schlief, blickte sich gehetzt um und erfühlte ihren Puls. Erleichtert atmete er auf, als er den regelmäßigen Herzschlag seiner großen Schwester spürte. Die beiden Elben hielten sich erstmal im Hintergrund und beobachteten die Szene. Das Mädchen schien friedlich zu schlafen, abgesehen von der gigantischen Schnittwunde, die sich quer über ihren Oberkörper zog. Dank Halarîns schnellen Erstversorgung war das Schlimmste aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Mathan wusste dies und packte den jungen Krieger an den Schultern: "Komm, lass uns etwas essen und trinken gehen, der Tag war lang und du brauchst Etwas um zu Kräften zu kommen"
Er wartete einen Moment und rechnete fest mit Protest, doch Acharnor seufzte und ließ ein zustimmes Murmeln ertönen. Mathan nickte Halarîn zu, die nun ihre restliche Rüstung ablegte und ihre Ärmel hochkrempelte.
"Sie ist bei mir in guten Händen, ich werde mein Möglichstes tun.", versprach sie den beiden.
"Das weiß ich, nun konzentrier dich. Wir warten in der Halle auf dich." antwortete Mathan und half Acharnor auf den Flur. Er schloss die Tür, sodass Halarîn so gut es ging ungestört sein konnte und atmete einmal durch.

"Du hast so etwas oft erlebt oder Mathan?" fragte Acharnor, während sie langsam zur Halle gingen.  Der Elb schob den leichten Ärger über die Direktheit beseite und nickte langsam. Er war nicht sonderlich scharf drauf, alle Kämpfe aus der Vergangenheit erneut vor dem inneren Auge zu haben. Doch sein Schüler ließ nicht locker.
"So wie ihr beide gekämpft habt, müsst ihr oft zusammen in der Schlacht gewesen sein...", er blickte ihn neugierig an und wartete auf Mathans Reaktion.
"Falls du mich ausfragen willst, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. Ich bin mit meiner Gattin schon sehr lange zusammen, dennoch habe ich mehr Kämpfe hinter mir und dort sollten sie auch bleiben. Ich wäre dir äußerst verbunden, wenn du mich oder Halarîn nicht über diese Dinge fragst, zumindest nicht dieser Tage."
Der Elb verscheuchte die Bilder, die aus seinen Erinnerungen aufstiegen. Es gelang nicht, der Niedergang Eregions und das langsame zermürben der Verteidiger war wieder deutlich vor seinem geistigen Auge. Sauron selbst war damals anwesend, zumindest konnte jeder seine Präsenz deutlich spüren, doch niemand wusste, ob er wirklich dort gewesen war. Der Grund für all das Sterben seines Volkes waren diese Ringe gewesen und waren es noch immer. Hätte der Verführer, oder "Herr der Geschenke" damals schon alle Ringe bekommen, könnten die Elben schon wohl lange nicht mehr in Mittelerde weilen.
"Ich wollte keine bösen Erinnerungen wecken.", entschuldigte sich Acharnor und setze sich auf eine Bank in der Nähe der Halle wo gedämpft gefeiert wurde.
Seine Entschuldigung vertrieb aber nicht die Bilder, mit denen Mathan zu kämpfen hatte.

Tanzende Flammen malten unruhige Schatten weit in die Nacht. Himmelhoch brannte das alles verzehrende Feuer, das im Herzen Eregions wütete. Das Fauchen des Windes durch die Flammen und die Hitze war unerträglich, doch Mathan blieb auf einer Anhöhe vor der Stadt stehen. Die salzigen Tränen, die er um seine Heimat vergoss schienen beinahe sofort zu verdampfen. Der Wind riss an dem Stoff herum, den er sich um das Gesicht geschlungen hatte. Mit einem Ruck war das Tuch fort, ihm war es aber egal. Fassungslos starrte er auf das Inferno, das einmal sein zu Hause gewesen war. Er konnte sehen, wie Gebäude zusammenbrachen, Türme umkippten, die goldenen Verzierungen wie Wasser durch die Straßen liefen und Ost-In-Edhil für immer unkenntlich machen würde.


Jemand berührte ihn an der Schulter, verwirrt blickte er in Acharnors Gesicht. Mathan schüttelte sich und vertrieb die Bilder aus seinem Kopf. Auf Bitten des jungen Kriegers half er ihn an einen Platz und suchte ihm etwas zu essen. Noch immer halb abwesend trank er etwas Wasser und hörte Acharnor zu, wie er aus glücklichen Kindertagen erzählte.
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 20:03 von Curanthor »

Curanthor

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Adriennes Heilung
« Antwort #24 am: 22. Nov 2016, 20:34 »
Kerry wanderte einige Zeit ziellos durch die weitläufigen Räume und Gänge der alten arnorischen Rüsthalle. Sie erinnerte sich noch gut an den Tag, als Mablung dem Sternenbund dieses Gebäude gezeigt hatte und wie sehr sie damals über die große Anzahl von Waffen und Rüstungen gestaunt hatte. Niemals hätte Kerry sich damals vorstellen können, wie bitter die Bewohner Fornosts den Inhalt der Rüsthalle schon so bald nötig haben würden. Doch nun war eine große Schlacht geschlagen worden, und obwohl viele von einem Sieg sprachen fühlte es sich für Kerry nicht danach an, als hätten sie irgendetwas gewonnen. Der kurze Augenblick der Freude, als sie von Oronêl erfahren hatte, dass ihr Vater noch am Leben war, verblasste bereits unter der Schicht der Trauer, die sich seit den schrecklichen Ereignissen am Turm um Kerry gelegt hatte. Sie fühlte sich einsam.

Ihre Füße trugen sie in Richtung sanfter Stimmen, die aus einer Gruppe von abgelegenen Räumen kamen. Dort hatte man eine Art Lazarett eingerichtet. Obwohl es viel zu wenige von ihnen gab taten die Heiler alles was in ihrer Macht stand, um die vielen Verwundeten zu versorgen. Kerry wusste, dass auch Irwyne dazu gehörte. Als sie in einen der kleineren Räume schaute entdeckte sie zu ihrer Überraschung Halarîn, die sich um die schlafende Adrienne kümmerte. Kerry blieb einen Augenblick im Türrahmen stehen. Sie wollte nicht stören oder gar Halarîns Konzentration brechen. Schließlich jedoch überwand sie ihre Hemmungen und betrat den Raum. Vorsichtig setzte sie sich auf einen kleine Hocker, der neben Adriennes Bett stand, legte die Hände in den Schoß und schaute das verwundete Mädchen mit sorgenvollem Blick an.

Halarîn hörte zwar, dass die Tür aufging, aber sie konnte sich jetzt nicht ablenken lassen. Sie griff nach einer kleinen Flasche, die auf einen Beistelltisch zusammen mit andere Medizin stand. Ihr Blick fiel auf Kerry, die neben dem Bett saß, doch sie war zu sehr im Gedanken um jetzt mit ihr zu sprechen. Sie drückte dem Mädchen die Phiole in die Hand. Sorgsam zog sie die Decke zurück, die den entblößten Körper von Adrienne bedeckte. Halarîn nahm eine glitzernde Salbe und strich sie sehr vorsichtig auf den vernähten Schnitt. Das Gemisch aus heilenden Kristallstaub und anderen Dingen aus ihrer fernen Heimat waren die kostbarsten Dinge die sie mitgenommen hatte. Die Salbe färbte sich sofort rot vom Blut und schien sich langsam in die Wunde einzusickern. Sie wiederholte den Vorgang zweimal und begutachtete den Schnitt, der sich von der Brust, quer über den Torso und den unteren Bauch zog. Mit Bedauern bemerkte die Elbe, dass die weiblichen Züge von Adrienne noch die einer Jugendlichen waren und sie bereits eine große Narbe tragen würde. Zur ihrer Erleichterung begann die Salbe zu wirken und die Wundränder zogen sich leicht zusammen.
Von Kerry war nichts als ein scharfes Einatmen zu vernehmen, offensichtlich versuchte sie, so still wie möglich zu sein um Halarîn nicht zu stören. Ein schneller Blick zur Seite zeigte ihr, dass das blonde Mädchen die Augen mit staunendem Blick auf Adriennes Verletzungen gerichteter hatte und voller Ehrfurcht dabei zusah, wie die Heilung voranschritt.
Nun begann der schwierigste Teil und Halarîn nahm Kerry sanft die Flasche aus der Hand. Die Körperwärme des Mädchen hatte die erwünschte Wirkung: die silberne Medizin in der Flasche nahm einen goldigen Schimmer an.
"Danke Kerrime*.", murmelte sie geistesabwesend und entfernte den Korken.
Der Duft nach Honig erfüllte den Raum und Halarîn hob mit einer Hand den Kopf der Schlafenden an, mit der Anderen führte sie die Flasche an den Mund.
"Súce-, -yes indóme n- mára an tye. Súce, Adrienne.", flüsterte Halarîn.
Es geschah eine Weile lang nichts, bis Adriennes Augen flatterten. Sie stöhnte leise.
"Shhh, Lóre. Lóre", sprach die Elbe sanft und einfühlsam, bis Adrienne sich wieder beruhigte, " -yes na- okaime, sí súce."
Tatsächlich öffnete Adrienne noch immer schlafend die Lippen und Halarîn ließ die nun goldene Flüssigkeit in ihren Mund laufen. Artig schluckte sie die Medizin herunter ohne aufzuwachen oder sich zu verschlucken.
"Tye careyes ehtelë", sagte die Elbe erleichtert und strich Adrienne über den Kopf.
Sie stellte die halbvolle Flasche beiseite und streichelte der Verletzten mit der Rechten über den Kopf. Halarîn erinnerte sich an das, was ihre Großmutter immer wieder gesagt hatte, dass man immer etwas wartet, bis die Medizin im Magen war. Behutsam legte sie beide Hände auf die nackte Brust von Adrienne. Ihre Haut war kühl und geschmeidig, aber auch irgendwie vertraut. Halarîn runzelte die Stirn, schüttelte aber den Kopf und legte die rechte Hand auf den Kopf der Verletzten; ihre Linke, die Herzhand legte sie genau dort auf, wo Adriennes Herz schlug. Sie konzentrierte sich und schloss die Augen. Dann stieg die gewohnte Wärme in ihre Hände und sie hatte das Gefühl, dass irgendwo ein Meeresrauschen zu hören war. Halarîn blendete alles aus und nahm nur noch den schwachen Herzschlag der Verletzten war, doch ihre Gedanken waren erfüllt von Meeresrauschen. Es schwoll weiter an und füllte sie nun voll aus. Tief aus ihren Erinnerungen sprach sie alte Worte, die sie von ihrer Großmutter gelernt hatte:

Larmime óma, atsayes ve i kal
I lú ana lóre navamme sí

I turo elena natulime- tye
Ni am Amandis  - ni've túl ana resta- tye. Lar- mime óma. Túl at- ana i kal.

Die Wärme in ihren Händen verblasste, als sie endete. Das Meeresrauschen ebbte ab und was blieb war der nun kräftigere Herzschlag von Adrienne. Halarîn öffnete die Augen, atmete schwer aus und rieb sich ihre kühlen Hände, eine Geste, die sie niemals tat. Die Haut Adriennes hingegen hatte nun seine gesunde, leicht rötliche Färbung zurück. Sie begutachtete die Wunden und stellte fest, dass die Wundränder nur durch die dünnen Elbenfäden sichtbar waren. Zufrieden deckte sie die Verletzte zu und gewährte ihr damit wieder ihre Privatsphäre. Die Elbe setzte sich gegenüber von Kerry und schöpfte wieder Kraft, sie hatte unterschätzt wie anstrengend ist solche Wunden zu versorgen. Sie blickte zu Adrienne, die nun mit einem deutlich zufriedeneren Ausdruck im Gesicht selig schlief und dann zu Kerry.
"Halla... du hast es geschafft!" hauchte diese mit großer Bewunderung in der Stimme. "Die Verletzungen sind ganz verblasst - so etwas habe ich noch nie gesehen. Wie... wie hast du das nur gemacht? Ist das eine Art von Elbenzauber?" Sie blickte Halarîn mit einer Mischung aus Neugierde, Ehrfurcht und Zuneigung an, die Kerry wohl selbst nicht recht verstand, und es war offensichtlich, dass das Mädchen viele Fragen im Sinn haben musste. Doch da biss sie sich auf die Unterlippe und blickte verlegen zur Seite. "Ich wollte dich nicht stören, Halla," brachte sie leise hervor. "Ich war einsam und habe nach jemandem zum Reden gesucht. Aber als ich hörte wie du in der Elbensprache gesprochen hast - das war doch elbisch gerade eben, oder? - da hat sich deine Stimme... anders angehört. Voller. Stärker. Irgendwie... richtiger. Ich.. habe das Gefühl, dir nur ständig mit meinen Problemen auf die Nerven zu fallen. Das möchte ich nicht Halla. Ich möchte... dir eine gute Freundin sein, wenn du mich haben willst." Kerry verstummte und hielt den Blick gesenkt. Sie hatte gesagt, was ihr auf dem Herzen lag und saß nun dort auf dem kleinen Hocker, die Hände im Schoß, verletzlich und einsam wirkend.
Eigentlich hatte Halarîn schon mit diesen Fagen gerechnet und musste lächeln.
"Was du gerade gesehen hast, war die Heilkunst, die unsere Ahnen beherrscht haben. Zumindest konnten sie die natürliche Heilung ein wenig beschleunigen," sie strich sich die Haare zurück und stupste Kerry auf die Nase, "aber die Dunkelheit in den Gedanken vermag selbst die beste Heilkunst nicht zu vertreiben."
Sie zog den Stuhl näher an das Mädchen heran und blickte ihr in die Augen, ehe sie weitersprach: "Denke nicht, dass du immer jeden auf die Nerven gehst. Du kannst jederzeit zu mir kommen und ich bin mir sicher, dass Mathan auch ein offenes Ohr für dich hat. Er wirkt zwar immer etwas abweisend, aber das ist nur eine Maske, die er gerne trägt. Eigentlich ist er recht einfühlsam, sonst hätte ich mit ihm keine Kinder haben wollen," sie kicherte kurz, blickte verlegen zur Seite und zögerte, "Du bist für mich mehr wie eine Tochter, als eine Freundin.", sagte sie leise.
Halarîn lächelte unsicher und wechselte schnell das Thema: "Das was du eben gehört hast... das war Avarin. Die Elben, die hier im Westen leben würden es herablassend "primitive Urpsrache" nennen, aber bei uns ist anders. Weißt du, im Osten weit hinter Mordor gibt es noch etwa fünf andere Elbenstämme. Meine eigentliche Heimat liegt dort."
Die Elbe blinzelte ein paar mal um die gemischten Gefühle herunterzukämpfen, die in ihr aufstiegen. Plötzlich kam ihr eine Idee und ein sanftes Lächeln erhellte ihr Gesicht.
"Morilië,", sagte sie und strich Kerry über die Wange, "So würdest du bei meinem Volk gerufen werden."

Ein bislang ungesehener Glanz trat in Kerrys Augen als sie den Namen leise wiederholte: "Morilië... das hört sich schön an...." Sie drückte Halarîns Hand und warf einen kurzen Blick auf die friedlich schlafende Adrienne bevor sie weitersprach. "Du bist wirklich etwas Besonderes, Halla," sagte sie und neigte den Kopf leicht in Richtung der elbischen Finger, die über ihre Wange strichen. "Adri hat großes Glück, dass du hier bist." Sie räusperte sich etwas verlegen. "...ich habe auch großes Glück, in dieser immer finsterer scheinenden Welt jemanden zu finden, der so liebevoll und einfühlsam wie du ist. Nach der Schlacht dachte ich, ich würde zerbrechen und nie wieder einen frohen Gedanken haben, doch irgendwie hast du es geschafft, dass ich noch ganz bin."
Sie schwieg einen Augenblick und ihre Augen fixierten Halarîns. "Wenn ich dir wirklich nicht auf die Nerven falle, würde ich dir gerne eine Tochter sein," sagte sie mit einem seltsamen Ton in der Stimme. Offenbar wusste sie selbst nicht genau, wie ernst sie den Satz gemeint hatte. "Möchtest du mir erzählen, wo du herkommst? Die Worte, die du in der Elbensprache gesprochen hast und der Name, den du mir gegeben hast... sie lassen in meinen Gedanken Bilder eines fernen, aber glücklichen Landes aufsteigen. Wie ist es dort? Vermisst du es, dort zu sein?"
Halarîn lächelte sanft und ein warmer, angenehmer Schauer rann ihren Rücken herab. Kerrys Blitzen in den Augen blieb ihr nicht verborgen. Ein freudiger Ausdruck schlich sich in das Gesicht der Elbe und sie nahm beide Hände von Kerry.
"Ich wäre gern wie eine Mutter für dich, denn alles in mir sagt, dass du eine warme, leitende Hand brauchst und jemanden, der sich um dich sorgt,", sie streichelte die Hände ein wenig und blickte Kerry in die Augen, "und dieser jemand würde ich sehr gerne sein."
Sie beugte sich nach vorn und schloss Kerry in ihre Arme, ein flüchtiger Kuss auf die Wange folgte und Halarîn lachte leise.
"Weiß du, bei uns ist es normal, dass wir die Namen vergeben, die nur die engste Familie kennt. Mein Name ist Amandis, das ist glaube ich weniger kompliziert als Halarin," sie hob gebieterisch den Zeigefinger, "nur du, Mathan und meine Eltern kennen ihn, also behandle ihn wie einen Schatz." sagte sie mit gespielter Strenge und blickte rasch zu Adrienne, die aber weiterhin schlief.

Die Elbe schwieg für einen Moment und dachte an ihre Heimat, über die sie eigentlich kaum sprach. Kerry schien ein gutes Gespür für solche Dinge zu haben. Nach einer längeren Pause begann sie zu erzählen: "Ich vermisse meine Heimat sehr, aber seitdem ich mit Mathan zusammen bin, habe ich kaum noch Heimweh. Natürlich fehlen mir die Strände vom Ostmeer, der Anblick des Mondes über der nächtlichen See und die Rufe der Möwen, "sie zögerte, schüttelte aber dann den Kopf," Verzeih, ich habe gar nicht gesagt wo es liegt. Meine Heimat heißt Gan Lurin und dort wohnt das Volk der Hwenti. Was genau das bedeutet kann ich gar nicht übersetzen. Alles begann damit, dass viel weiter nördlich von Gan Lurin die ersten Elben erwachten; viele von ihnen begannen eine große Wanderung nach Westen. Einige schlossen sich der Wanderung nicht an und blieben dort oder zogen weiter umher, diese Elben werden meist Avari genannt. Meine Großmutter ist sogar eine der Ersten der Avari.", sie machte eine Pause um die Gedanken zu ordnen. Es war lange her, dass sie jemanden die Geschichte erzählt hatte. "Nun, die Elben, die dort blieben hatten nie Kontakt mit dem Rest von Mittelerde, deswegen klingt mein Elbisch so anders, es ist eine Abwandlung des Ur-Elbisch. Wir nennen unserer Sprache Hwenti Aber ich möchte dich nicht mit alten Geschichte langweilen, " lachte Halarîn und kam direkt zum Punkt, " Dort ist es sehr warm, die Elben dort leben in mehreren großen Siedlungen, die aber weit verstreut liegen. Es gibt viele Einsiedler und ständige Wanderer. Ich bin an einem kleinen Dorf nahe der Küste aufgewachsen, um das Dorf herum gibt es riesige Wälder und wenige Menschen, sie trauen sich nicht soweit in den Osten, " sie seufzte leise und strich sie die Haare zurück, "damals bin ich oft mit meiner Großmutter am Strand gewesen, sie ist unglaublich weise und bildhübsch. Sie hat mir immer Ratschläge gegeben und mich auf meinen Weg gleitet. Sie ist es, die ich am meisten vermisse. Sie hat mir auch die Heilkünste beigebracht und sie war es, die mich am meisten positiv beeinflusst hat."

Eine einzelne Träne rollte an ihrer Wange herab und sie wischte sie schnell fort. Halarîn wusste, dass sie einige Dinge ausgelassen hatte, aber sie wollte Kerry nicht mit Informationen überfallen. Die schlechten Dinge ließ sie absichtlich weg und dachte an die beinahe weißen Strände, das dunkelblaue Meer und die blendende Sonne. Viele gute Erinnerungen, die sie ihre Heimat wieder vermissen ließ.


Übersetzungen:
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 20:05 von Curanthor »

Fine

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  • Ich hab da ein ganz mieses Gefühl bei der Sache...
Eine neue Familie
« Antwort #25 am: 4. Dez 2016, 00:01 »
Als Halarîn verstummte blieb auch Kerry einige Augenblicke still. Ihr war nicht entgangen, welch starke Emotionen Halarîn ausgestrahlt hatte und sie spürte, dass es ihr gleichzeitig Freude und Leid bereitet hatte, über ihre ferne Heimat zu sprechen. Kerry stellte fest, dass Halarîn bereits auf sie abgefärbt hatte, weshalb sie wusste (oder glaubte zu wissen), dass sie ihr mit der Zeit mehr erzählen würde, doch dass dies vorerst genügen würde. Also legte sie einfach die Arme um Halarîn und drückte sie.
"Deine Großmutter klingt nach einer wirklich wunderbaren Person," sagte sie mit all dem Mitgefühl das sich in ihrem Herzen befand. "Ich weiß natürlich dass ich... sie nicht ersetzen kann, aber..." Sie stockte und hielt inne. Was hatte sie eigentlich sagen wollen? Sie löste sich von Halarîn und blickte in ihre silbern schimmernden Augen. Es war ein besonderer Moment; denn sie spürte deutlich, dass Halarîn ihr gerade Dinge anvertraut hatte, die sie nur den wenigsten verraten würde. Es war eine Art von Vertrauen, die Kerry bisher nur bei ihrer eigenen Mutter erlebt hatte.
"Ich kannte meine Großmutter nicht," war alles, was ihr einfiel, und sie stellte fest, dass sie das gerade laut gesagt und nicht nur gedacht hatte. Sie spürte, wie ihr die Röte heiß in die Wangen schoss, doch Halarîn lächelte ihr ermutigend zu, was Kerrys Gedanken wieder in Ordnung brachte.
"Das, was du über deinen Namen gesagt hast... und dass du mir eine Mutter sein möchtest... das ist wirklich sehr großzügig von dir, Amandís," sagte sie und überraschte sich selbst als sie den Namen tatsächlich behalten hatte. "Es wäre so schön wieder eine Familie zu haben... aber ich will niemandem zur Last fallen. Ich... wäre sehr gerne Morilië, Tochter von Amandís, aber... nur wenn..."
Sie unterbrach sich als sie Halarîns Blick sah.
"Morilië, sage nicht andauernd, dass du irgendjemanden zur Last fällst. Irgendwann redet man sich Dinge so lange ein, bis man sie selbst glaubt," sie nahm erneut Kerrys Hände in die Ihre, "Du fällst mir nicht zur Last und Mathan auch nicht, also denk nicht so einen Unsinn von dir. Du bist ein wunderbares Mädchen und deswegen habe ich mir etwas überlegt: Ich habe dir meinen Namen genannt, da du aber kein Hwenti sprichst, gebe ich dir jetzt einen, der für dich passt."
Sie tat so, als ob sie überlegen müsste, dabei war sie sich schon sicher, als sie auf dem Weg vom Tor zur Rüstkammer waren. Es war eine sehr einfach Wahl, aber die ersten Einfälle sind bekanntlich die Besten.
"Was würdest du sagen, wenn ich dich ...", sie blickte rasch zu Adrienne, die aber weiterhin tief und fest schlief, "Manien, nenne? Das bedeutet grob übersetzt "moralisch gut"." sie legte Kerry eine Hand auf dem Kopf und strich ihr übers Haar.
"Bei uns Elben ist es brauch, dass wir drei Namen haben, einen Erstnamen vom Vater, der Zweitname von der Mutter und der Dritte ist ein Spitzname. Also den Namen den ich dir gegeben habe, wirst du nur sehr engen Familienmitgliedern mitteilen, Manien."
Halarîn atmete zufrieden auf und dachte daran, was ihre Eltern sagen würden, wenn sie wüssten, dass sie ein junges Menschenmädchen adoptieren würde. Wahrscheinlich würden sie es nicht verstehen, aber sie war sich sicher, dass Ivyn es verstehen würde.

Halarîn lächelte und dachte noch immer an ihre Familie und ihre Großmutter, die zusammen mit einigen anderen Elben über das Meer gefahren ist. Plötzlich kam ihr eine Idee und sie zog ein kleines Kästchen aus ihrer Tasche, indem sie sonst ihre Medizin verstaute.
"Da du ja bald zur Familie gehört, solltest du auch den Rest von uns kennenlernen.", sagte sie und klappte das Kästchen auf. Darin lagen ein paar Briefe, ein gefaltetes Pergament, ein silbernes Amulett, ein goldener Armreif und ein matter, schwarzer Ring, in dessen Fassung ein kleiner Saphir eingelassen war. Die Elbe zog das Pergament hervor und faltete es auseinander. Darauf war die Zeichnung einer hochgewechsenen Elbe zu sehen, die in majestätischen Kleidern, einem Szepter und einer Krone dastand.
"Dies ist deine ältere Schwester, Faelivrin. Wie du erkennen kannst, gehört sie zum Adel, " sie kicherte kurz, räusperte sich und wurde wieder ernst, "Einige Avari haben sich ihr und dem größten Teil der Familie angeschlossen. Sie sind über das Meer gefahren, in die unbekannten Lande noch weiter östlich von Mittelerde. Dort haben sie ihr eigenes Reich gegründet und sie ist ihre Königin. Wie es der Zufall will, kam sie vor einigen Wochen nach langer Zeit wieder zurück und weilt nun in den Grauen Anfurten. Vielleicht lernst du sie ja irgendwann mal kennen. Sie hat sich immer eine kleine Schwester gewünscht.", sie zögerte kurz und strich sich gedankenverloren über den Bauch, irgendwas hat sich dort bewegt, schob es aber auf Rückwirkung der Heilung. Sie sagte nichts und lächelte stattdessen, "Und die wird sie in dir haben, da bin ich mir sicher."
"Manien," wiederholte Kerry und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Je mehr Zeit sie mit Halarîn verbrachte, desto einfacher schien es zu werden, sich die elbischen Namen und Worte zu merken. "Dann wäre ich also Manien Morilië und du bist Amandís Halarîn, richtig? Es tut mir Leid, dass ich mir deinen Namen nicht merken konnte. Das passiert mir leider ständig. Aber jetzt werde ich ihn nicht mehr vergessen."
Sie überlegte einen Augenblick und warf einen schnellen Blick zu Adrienne. Ihre Haare fielen ihr dabei über die Stirn und sie strich sie locker zur Seite. Kerrys Anspannung fiel mehr und mehr von ihr ab und sie begann, Halarîn nun wirklich als Mutter wahrzunehmen. Sie studierte neugierig und eingehend die Zeichnung von Faelivrin... ihrer älteren Schwester. "Ich habe noch nie eine Schwester gehabt," erzählte sie im vergnügten Ton. "In meinem Dorf lebten nur wenige Kinder, und die Mädchen, mit denen ich befreundet war, waren alle in meinem Alter. Eine ältere Schwester zu haben ist nur ein weiterer Traum, den du mir erfüllst," sagte sie und drückte Halarîns Hand voller Zuneigung. "Vielleicht könnten wir sie eines Tages besuchen gehen, wenn sie..." Kerry stockte und man konnte sehen, dass die Angst, abgelehnt zu werden, für einen kurzen Augenblick wieder aufflackerte. Doch Halarîns beruhigende Gegenwart gab ihr die Kraft, sich dagegen zu wehren. "Sie freut sich bestimmt auch so sehr wie ich," sagte sie entschlossen. "Ich möchte deine Sprache lernen," fuhr sie dann im Plauderton fort, "damit ich verstehe, was deine und meine Namen bedeuten. Wie möchtest du denn gerne von mir genannt werden?" fragte sie und suchte Halarîns Blick.
Halarîn lachte leise und streichelte Kerrys Hand. "Ich bin mir sicher, dass Faelivrin dich gerne um sich haben wird. Mathan und ich hatten so oder so vor sie zu besuchen bevor sie wieder davonfährt, da kannst du mit Sicherheit dabei sein."
Die Elbe dachte eine Weile nach und sah die Angst in Kerrys Augen. Die Unsicherheit abgelehnt zu werden blitzte immernoch hin und wieder auf.
"Manien, sorge dich nicht, dass du nicht aufgenommen wirst. Faelivrin wird überrascht aber glücklich sein und Mathan...", sie grinste und zuckte mit den Schultern, " er wird etwas brummig sein, aber bestimmt hat er schon mit dem Gedanken gespielt. Was Menschen angeht ist er immer etwas unsicher, aber zeigt es ungern. Wenn er alleine mit dir spricht merkst du aber, dass er sehr fürsorglich ist und alles für die Familie tut; umso mehr, wenn wir Zuwachs bekommen."
Es war verständlich, dass Kerry ihre Sprache lernen wollte. Dass sie ihre beiden Namen richtig ausgesprochen hatte, rang ihr Bewunderung ab. Immerhin waren Quenya-Namen für eine ungeübte Zunge nicht gerade einfach zu meistern.
"Wenn ich ehrlich sein darf: deine Schwäche mit Namen hat weniger mit einem schlechten Gedächtnis zu tun, sondern eher, dass dir ein Bild zu der Person fehlt die du mit dem Namen verbinden kannst. Ich gebe dir jetzt so etwas wie ein Bild, "sie klappte erneut das Kästchen auf und holte den schwarzen Ring mit dem Saphir hervor, "dies ist ein Saphirrring, den Mathan einst in seiner Ausbildung geschmiedet hatte, " sie lächelte versonnen und blickte träumend in Kerrys Augen, "er schmiedete ihn an dem Tag, als wir uns unser Versprechen gaben."
Für einen Moment war Halarîn wieder dreitausend Jahre in der Zeit zurückversetzt, als Mathan sie auf einem Hügel mit wundervollen Worten um die Ewigen Liebe erbat. Er hatte zwei Ringe geschmiedet, einen mit einem Saphir und einen anderen mit einem sehr kleinen Diamant. Die Elbe fasste sich unbewusst an den Hals, um den sie eine Kette mit dem Ring trug, der durch den Stoff der Kleidung verdeckt wurde. Sie drehte den Saphirring einen Augenblick lang in den Fingern, kurzerhand nahm sie die linke Hand des Mädchens und steckte ihr den Ring an. Zufrieden blickte sie auf das Schmuckstück und lächelte die Trägerin an.
"Das ist ein Nénharma-Ring. Faelivrin hat auch so einen, aber mit einem Rubin. In Mathans Familie ist es Tradition, Ringe an besonderen Tagen anzufertigen und diese dann später den Kindern zu schenken. Sie stehen für eine Familienbindung; zum Beispiel ist der Rubinring von Faelivrin an dem Tag gefertigt worden, als sie zur Welt kam."
Halarîn dachte eine Weile nach und schüttelte entschuldigend den Kopf: "Ich hatte ganz vergessen den Familiennamen zu übersetzen, wie dumm von mir. Nénharma bedeutet "Wanderer", da Mathan und ich sehr viel umherziehen. Der Ursprung des Namens liegt in Mathans Familie, aber das musst du ihn selbst fragen.", die Elbe öffnete ihren Haarknoten und ließ sich die Strähnen locker über die Schulter fallen, " das Quenya ist so etwas wie die Sprache der Gelehrten, wenn du Gandalf den Grauen kennst, dann weißt du, wer sie sonst noch benutzt. Amandis bedeutet in etwa: " die Reine", den hat meine Mutter gewählt, also kennen ihn nur meine Eltern, Mathan, Faelivrin und du. Halarîn habe ich mir selbst gegeben, so wie du wahrscheinlich bei Kerry, er hat aber keine weitere Bedeutung. Wichtig beim Quenya ist, dass du weitersprichst, selbst wenn du ein Fehler machst. Es ist für Menschen vergleichbar mit einem leichten Singsang, den man nicht unerbrechen darf, sonst geht die Harmonie verloren. Ein einfacher Satz wäre: "Ni am Morilië"; das bedeutet: "Ich bin Morilië. Anhand dessen weißt du, dass "Ich" in Quenya "Ni" bedeutet."
Die Elbe machte eine kurze Pause, damit Kerry nicht von Informationen überflutet wurde und sagte schließlich leiser als beabsichtigt:" Du kannst mich gerne mit Amil ansprechen, nurwenn du möchtest. Das bedeutet "Mutter".
Halarîn schenkte Kerry ein herzerwärmdes Lächeln und strich ihr über die Wange.

"Ni am Morilië," wiederholte Kerry erst leise und dann noch einmal, lauter und vergnügter. "Ni am Morilië! Das ist gar nicht so schwer zu merken. Danke, Amil!" rief sie und umarmte Halarîn ein weiteres Mal. "Moment, aber was heißt denn "Danke" auf Quenya? Es gibt so viele Worte, die ich lernen möchte. Eigentlich sogar alle!" Sie grinste fröhlich und hob die Hand, an der der Nénharma-Ring im Licht funkelte. "Der ist wirklich wunderschön! Ich werde gut auf ihn achtgeben, das verspreche ich dir. Ich will ihn nie mehr ablegen."

Sie machte eine Pause und erlaubte der frohen Stimmung jede Faser ihres Körpers zu erfüllen. Ihr wurde bewusst, dass die Schlacht von Fornost ein großer Wendepunkt in ihren Leben war. Sie hatte viel verloren, doch auch viel gewonnen. Viele Dinge hatten sich verändert.
"Bestimmt hast du Recht, Amil," sagte sie schließlich. "Ein Bild von den Leuten zu haben deren Namen ich mir merken soll wird mir helfen, mich daran zu erinnern. Bei einigen ist das ja auch schon so - Gandalfs Namen zum Beispiel konnte ich mir gleich merken als ich ihn in Alten Wald kennengelernt habe. Andere hingegen.... das ist schon schwieriger. Aber ich verspreche, mir mehr Mühe zu geben!" Sie ballte die Hand mit dem Ring entschlossen zur Faust. "Ich möchte nicht einfach nur beschenkt werden. Ich möchte dir etwas zurückgeben." Sie hielt einen Augenblick inne und überlegte. Dann zog sie das einfache Lederband ab, das ihren Zopf zusammenhielt, und ihre Haare fielen ihr frei  über die Schultern. Kerry hielt das Band ins Licht. Es war mit rohirrischen Stickmustern verziert und zeigte einen Reiter auf einem weißen Pferd, der in ein Horn stieß. "Hier, Amil. Dieses Band habe ich aus meiner ursprünglichen Heimat mitgebracht. Du könntest... du könntest es an deinem Arm tragen, wenn du möchtest." Eine gewisse Unsicherheit kam über sie, doch sie unterdrückte das Gefühl. "Es würde dich an mich erinnern, wenn ich... nicht mehr da bin." Ihre eigene Sterblichkeit fühlte sich in diesem Augenblick wie ein großer Makel an, doch in Halarîns sanftem Blick fand Kerry den Trost den sie brauchte. So brachte sie ein Lächeln zustande und hielt ihrer neuen Mutter das rohirrische Band hin.

Die Elbe zögerte einen Moment und strich nachdenklich über das Leder. Schließlich nahm sie es entgegen und band ihre Haare damit zu einem Zopf. Ihr bedeutete diese Geste viel, was man ganz deutlich an ihrem warmen Lächeln erkennen konnte.
"Der Ring ist kein Geschenk, es ist ein Versprechen: "Ich werde immer für dich da sein, mein Liebling.", sagte sie voller Zuneigung und legte ihre Hand an Kerrys Wange, "Danke für das Haarband, ich weiß, dass es einen großen Wert für dich hat. Ich werde es immer bei mir tragen, bis das Ende meiner Tage gekommen ist und ich in die Ewigen Lande übersetze." Sie machte eine Pause um ihre Worte zu verdeutlichen.

"Ich glaube Mathan sollte dir die gängigen Wörter des Quenya beibringen, ich habe eine sehr merkwürdige Aussprache und wenn du mit anderen Elben sprichst wird des besonders merkürdig klingen," sie grinste, fuhr Kerry durch die Haare und verpasste ihr eine kecke Frisur, "außerdem sind Elben es überhaupt nicht gewohnt, dass Menschen Quenya sprechen."

Die Tür schwang auf und ein erschöpft aussehender Mathan stand im Zimmer, der aber sofort Haltung annahm, als er Kerry erblickte. "Entschuldigt, störe ich?", fragte er und sein Blick fiel auf Adrienne, "Wie geht es ihr?"
Halarîn erhob sich, gab ihn einen Kuss auf die Wange und umarmte ihn. Sie lächelte glücklich, was ihn beruhigte.
"Ich fasse das als ein "gut" auf," sein Blick wanderte über Kerry, dann zu seiner Frau, "wie mir scheint bin ich gerade rechtzeitig erschienen. Dabei bin ich mit den Vorbereitungen noch gar nicht fertig.
Sein Blick wurde wärmer als er den Ring an Kerrys Hand entdeckte, er löste sich von Halarîn und setzte sich dem Mädchen gegenüber. Wortlos strich er über den Ring, dann den Finger und blickte ihr dann in die Augen.
"Ich war mir nie sicher ob ich jemals die Möglichkeit haben werde, den Ring an jemanden zu erblicken und zu denken, dass er wunderbar passt, " er erhob sich und küsste Kerry sanft auf die Stirn, "er steht dir ausgezeichnet."
Halarîn strahlte regelrecht und hielt eine Hand auf ihrem Bauch, wärend Mathan bereits wieder auf den Weg zur Tür war. "Ich werde den Rest noch vorbereiten, ich hole euch, sobald alle bereit sind."
Klackend fiel die Tür ins Schloss und die drei Frauen waren wieder alleine. Adrienne murmelte leise im Schlaf und rollte sich auf die unverletzte Seite.
Um Fragen vorzubeugen hielt Halarîn einen Finger an die Lippen und strich der Schlafenden das Haar aus dem Gesicht. "Mathan hat ein feines Gespür, er wusste, dass ich auf dich zugehen würde. Er ist ganz in seinem Element und plant etwas. Wahrscheinlich wird es das schönste Fest seit langem in dieser Stadt", sie zwinkerte verschwörerisch, "aber du weißt von nichts. Vertrau mir, es wird wundervoll."

Fine

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Die Arbeit eines Heilers
« Antwort #26 am: 5. Dez 2016, 10:46 »
Kerry blieb noch einige Minuten bei Halarîn sitzen, doch schließlich erhob sie sich. Sie verspürte eine Energie in ihrem Inneren, die sie davon abhielt, weiter stillzusitzen. Kerry verstand es selbst nicht ganz, doch sie vermutete, es hatte mit der Freude über ihre neue Familie zu tun. "Ich hoffe, Adri erholt sich bald," sagte sie zu Halarîn, die sitzen geblieben war. "Amil, ich möchte mich nützlich machen und werde daher sehen, ob ich den Heilern in der Nähe behilflich sein kann. Wenn du micht brauchst, werde ich da sein - ich gehe nicht weit weg, keine Sorge." Sie umarmte Halarîn innig, welche ihr lächelnd zunickte. "Geh nur, Morilië. Ich werde hier sein," sagte sie. Kerry erwiderte das Lächeln, warf ihrer Adoptivmutter einen letzten liebevollen Blick zu und eilte dann aus dem Raum.

Der Teil des alten Gebäudes, in dem man das Lazarett eingerichtet hatte, lag an der Westseite der Rüsthalle, mit Fenstern die zum kleinen Innenhof hin lagen. Die Räume hier waren alle relativ klein, doch es gab auch eine größere Halle, in der der Großteil der leichter Verwundeten untergebracht war. Dort fand Kerry, was sie gesucht hatte. Irwyne stand an einem hölzernen Tisch und bereitete einen Wundumschlag vor, sehr konzentriert und in ihre Arbeit vertieft wirkend. Kerry stellte sich neben sie und tippte ihr sanft auf die Schulter. Anstatt jedoch zu erschrecken wandte Irwyne ihr nur den Kopf zu und lächelte, als sie Kerry erkannte.
"Déorwyn! Wie schön, dich hier zu sehen. Hast du gut geschlafen?"
"Hallo, Irwen," sagte Kerry, doch Irwyne unterbrach sie mit erhobenem Finger.
"Irwyne," verbesserte sie streng. "Geht das nicht in deinen Kopf hinein?" Sie versetzte Kerry einen spielerischen Schlag an die Stirn.
"Es wird einfacher werden," gab Kerry zurück. "Ich muss nur... das Bild der jeweiligen Person mit ihrem Namen richtig verbinden," sagte sie und erinnerte sich an Halarîns Worte. "Irwyne. Du bist... Irwyne. Ja."
Irwyne blickte sie einen Moment lang seltsam an, doch dann lächelte sie. "Du kannst mir behilflich sein, wenn du möchtest," sagte sie. "Ich habe viele Verletzte zu versorgen."
"Was ist mit deiner eigenen Verletzung?" fragte Kerry und blickte an Irwyne herunter. Das Kleid, das sie trug, verdeckte ihr Bein, doch sie winkte ab. "Es tut manchmal noch weh beim Auftreten, aber es geht schon. Andere hat es viel schlimmer erwischt als mich."
Kerry bewunderte Irwynes Tapferkeit und Hilfsbereitschaft, und wurde dadurch umso mehr angespornt, ihr Bestes zu geben um ihrer Freundin zu helfen. "Also gut," sagte sie. "Wie kann ich dir helfen?"
"Ich muss diesen Wundumschlag bei einem der Verletzten anwenden," erklärte Irwyne. "Nur leider ist er etwas empfindlich, und bewegt sich zu viel, was mir meine Arbeit sehr erschwert. Ich brauche jemanden, der seine Arme und Schultern festhält während ich den Verband wechsele. Kannst du das übernehmen?"
"Natürlich," meinte Kerry. "Das kriege ich schon hin."

Irwyne stellte den Wundumschlag fertig und führte Kerry in den hinteren Teil des großen Raumes, vorbei an vielen improvisierten Betten und Liegestätten, auf denen Verletzte schliefen oder von Heilern versorgt wurden. Ganz am Ende des Raumes lag ein großer Mann, der auf eine grobe Decke gebettet lag und ihnen den Rücken zugewandt hatte. Sein Oberkörper war nackt, doch von einem großen Verband bedeckt. Als die beiden Mädchen herankamen bewegte er sich, drehte sich jedoch nicht um.
"Ist es schon wieder Zeit?" fragte er. Kerry blieb wie angewurzelt stehen und blinzelte. Sie musste sich verhört haben. Die Stimme war ihr sehr bekannt vorgekommen, doch...
"Es ist Zeit," sagte Irwyne bekräftigend. "Wenn die Wunde heilen soll muss der Verband rechtzeitig gewechselt werden.Und diesmal würde ich es begrüßen, wenn Ihr etwas... entgegenkommender wärt."
Der Mann brummte etwas Unverständliches und rollte sich herum, sodass Kerry sein Gesicht sehen konnte. Sie erstarrte, wie vom Blitz getroffen.
"Oh, hallo Kerry," sagte er und lächelte schwach. "Schön, dich zu sehen."
Irwyne schien die Situation sofort zu erfassen. "Ihr beide kennt euch? Und du... wusstest offenbar nicht, dass er überlebt hat. Nun, das ist doch mal eine freudige Überraschung, Nicht wahr, Déorwyn?"
"D-Dúnadan?" brachte Kerry stotternd hervor.
"Ich dachte, er heißt Rilmir," wandte Irwyne ein.
"Ja... Rilmir..." wiederholte Kerry und fühlte sich, als würde sie aus einem Traum erwachen. "Ich sah, wie du getroffen wurdest... wie hast du...?"
"Wie ich überlebt habe? Durch pures Glück," erklärte Rilmir gut gelaunt. "Direkt unter der Mauer lag ein großer Stapel Decken und Heuballen, mit denen wir eigentlich einige der Steine für Hauptmann Mathans Katapult umwickeln wollten um sie in brand zu setzen. Kannst du dir vorstellen, wieviel mehr Schaden brennende Geschosse angerichtet hätten?" Er grinste, doch als er Kerrys Blick bemerkte wurde er wieder ernst. "Ich landete also weich, und es gelang mir, den Pfeil aus der Wunde zu ziehen. Doch dann muss ich wohl vom Blutverlust ohnmächtig geworden sein. Als ich wieder zu mir kam war ich bereits hier... in der fürsorglichen Behandlung dieser freundlichen jungen Dame."
"Pah!" machte Irwyne, die ganz genau verstanden hatte, weshalb Rilmir seine Worte äußerst spöttisch betont hatte.
"Ich dachte, ich hätte dich auch noch verloren," presste Kerry hervor und erneut stiegen ihr Tränen in die Augen. Doch es waren Tränen der Freude. Sie umarmte Rilmir, der vor Schmerzen ächzte.
"Du bist mir gerade etwas im Weg, Déorwyn," äußerte sich Irwyne, die den neuen Verband bereit hielt. "Du solltest doch seine Arme festhalten, damit er nicht so herumzappeln kann."
"Was? Das ist also eine Verschwörung gegen mich?" rief Rilmir mit gespielter Empörung. "Du verrätst mich, Kerry?"
Kerry wischte sich die Tränen ab und lachte laut und herzlich. "Sieht ganz so aus, Dúnadan!" Rasch griff sie unter seinen Schultern hindurch und hielt seine Arme fest. "Es ist nur zu deinem Besten," fügte sie hinzu.
"Oh, na schön, ich ergebe mich," gab Rilmir sich geschlagen. Kerry sah zu, wie Irwyne mit geübten Handgriffen den alten Verband abstreifte. Die Wunde, die darunter hervorkam, sah übel aus, doch Irwyne beruhigte sie als sie Kerrys aufgerissene Augen sah: "Der Pfeil ging direkt durch und hat keine inneren Organe verletzt. Dieser Waldläufer hat Glück gehabt."
"Oder der Schütze, der mir das alles eingebrockt hat, hat Pech gehabt," meinte Rilmir und verzog das Gesicht als Irwyne den neuen Verband anlegte. "Das brennt," stieß er hervor.
"Soll es auch," sagte Irwyne ungerührt. "Die Wunde wird durch die Kräuter gereinigt und heilt, ohne sich zu entzünden."

Kerry ließ Rilmir los und setzte sich neben ihn, mit dem Rücken an die Wand gelehnt. "Ich bin froh, dass es dir gut geht," sagte sie.
"Das bin ich auch. Und du hast die Schlacht zum Glück auch überstanden," erwiderte Rilmir. "Was hast du dir nur dabei gedacht, an der Verteidigung des Turmes teilzunehmen? Du hättest getötet werden können, Kerry!"
Sie senkte den Kopf, doch da mischte sich Irwyne ein: "Wäre Déorwyn nicht gewesen wäre es um Mírwen und mich geschehen gewesen. Sie hat großen Mut bewiesen."
Rilmirs Blick wurde wieder sanfter. "Also gut. Aber versprich mir, dass du, wenn du wirklich kämpfen willst, wieder Unterricht bei Hauptmann Mathan nimmst."
Kerry nickte zustimmend. "Das mache ich." Sie hob die Hand und zeigte den beiden den Ring, der an ihrem Finger steckte. "Seht ihn euch an," sagte sie stolz. "Den habe ich von meiner Mutter bekommen! Ist er nicht wunderschön?"
"Deine Mutter?" fragte Rilmir zweifelnd. "Ich dachte, du wärst eine Waise?"
"Ich meine meine neue Mutter. A..." ihr fiel gerade noch ein, was ihr Halarîn über ihren "geheimen" Namen gesagt hatte. "Halarîn. Sie hat mich adoptiert und mir den Namen Morilië gegeben. Ich habe sogar schon gelernt, mich auf elblisch vorzustellen: Ni am Morilië," wiederholte sie die Worte, die Halarîn ihr beigebracht hatte.
"Ein elbischer Name, nur für dich?" fragte Irwyne mit einem seltsamen Klang in der Stimme. "Oronêl hat mir auch einen Ring gegeben... aber keinen Namen."
"Vielleicht dauert das bei ihm etwas länger," überlegte Kerry und versuchte, tröstlich zu klingen."
"Ich kenne ihn schon ziemlich lange," erwiderte Irwyne. doch dann hob sie die Schultern. "Wie dem auch sei. Komm, Déorwyn. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Es gibt noch mehr Verletzte, bei denen du mir helfen kannst."
"Das mache ich, ...Irwyne," antwortete Kerry und wurde mit einem freundschaftlichen Lächeln von Irwyne belohnt. Gemeinsam machten sich die beiden rohirrischen Mädchen an die Arbeit.

Eandril

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Re: Fornost: Das Versteck des Sternenbundes
« Antwort #27 am: 5. Dez 2016, 16:35 »
Oronêl von den Verteidigungsanlagen...

Oronêl betrat langsam den Raum, in dem das Lazarett eingerichtet worden war und ließ den Blick über die Verwundeten und die wenigen Heiler schweifen. Obwohl die Fenster nach Westen hinaus gingen fiel sanftes Tageslicht durch sie in die Halle, die den Hauptteil des Lazaretts bildete, und es fiel Oronêl nicht schwer Kerry und Irwyne auszumachen. Die blonden Haare der beiden hoben sich deutlich von den vornehmlich dunkelhaarigen Dúnedain um sie herum ab.
Er trat an die Mädchen heran, nachdem er sie für einen Augenblick bei der Arbeit beobachtet hatte. Irwyne säuberte gerade die Wunde eines Mannes, dessen Schwertarm in der Schlacht übel zugerichtet worden war, während Kerry ihr nach und nach die benötigten Sachen reichte und ihr aufmerksam zusah.
"Ich sehe schon, du lässt dich durch nichts von der Arbeit abhalten", sagte Oronêl, und legte Irwyne eine Hand auf die Schulter. Irwyne nickte zu seiner Überraschung nur stumm, nahm Kerry den dargebotenen Verband mit einer merkwürdig heftigen Geste aus der Hand, und begann die gesäuberte Wunde zu verbinden. Oronêl warf Kerry, die im Gegensatz zu Irwyne geradezu blendend gelaunt wirkte, einen verwirrten Blick zu.
Kerry lächelte ihn fröhlich an und sagte: "Ni am Morilië! Hallo Oronêl! Hast du schon gehört? Ich habe einen neuen Namen und eine neue Familie bekommen." Sie strahle über das ganze Gesicht.
Oronêl konnte nicht anders als zurücklächeln, und fragte: "Du hast eine neue Familie? Aber ich dachte..."
"Mathan und... Halarîn", erklärte Kerry munter. "Ich glaube, es war Halarîns Idee, aber Mathan scheint sich auch zu freuen", fügte sie verschwörerisch hinzu. Von Irwyne, die gerade den Verband verschloss, glaubte Oronêl ein kleines Schnauben zu hören, und allmählich dämmerte ihm das Problem.
"Dann haben sie dich als Tochter angenommen?", fragte er, wenn auch ein wenig abgelenkt. "Das freut mich für dich - und für sie."
"Danke!" Kerry strahlte noch immer. "Und Rilmir ist noch am Leben, obwohl ich dachte er wäre tot. Kannst du das..." Sie wurde unterbrochen, als Irwyne sich unsanft zwischen ihr und Oronêl hindurchdrängte. "Ist irgendetwas?", fragte Kerry, und wirkte verwirrt. "Das wüsste ich auch gerne", meinte Oronêl, und ergriff Irwynes Arm und hielt sie zurück.
"Lass mich los!", stieß Irwyne hervor und wehrte sich gegen seinen Griff, doch Oronêl ließ nicht locker.
"He, was ist denn mit dir los?", fragte er, und als Irwyne zu ihm herum fuhr sah er zu seinem Entsetzen Tränen über ihre Wangen laufen. Kerry war taktvoll zwei Schritte zurückgegangen, beobachtete die beiden aber mit besorgtem Blick.
"Was willst du von mir?", fragte sie, und ihre Stimme zitterte dabei leicht. "Ich scheine dir ja nicht besonders wichtig zu sein."
Oronêl nahm ihre beiden Hände in seine. "Wie kommst du darauf? Du weißt, dass ich dich wie eine Tochter liebe." Irwyne schniefte. "Und wieso hat Déorwyn dann schon jetzt einen neuen Namen bekommen und ich von dir nie? Ich will nicht neidisch sein aber..."
"Manchmal kann man nicht aus seiner Haut", sagte Oronêl. "Aber ich wusste nicht, dass du dir das wünscht."
"Ich ebenfalls nicht - bis heute. Aber... ich will doch nur eine Familie haben. Und ich wusste nicht, dass ein Name dazugehört." Oronêl zog Irwyne an sich, und zu seiner Erleichterung wehrte sie sich nicht gegen seine Umarmung. "Es ist keine Pflicht", erklärte er leise. "Und ich habe dich auch so als meine Tochter betrachtet. Aber wenn du möchtest, werde ich mir auch für dich einen Namen ausdenken und dir bald einen neuen geben."
"Warum nicht jetzt gleich?", fragte Irwyne gedämpft gegen seine Brust, und Oronêl musste lächeln. Er strich ihr sanft über den blonden Schopf als er antwortete: "Ein guter Name braucht Zeit. Und du möchtest doch nicht einfach irgendeinen beliebigen Namen bekommen, oder?" Irwyne nahm den Kopf von seiner Brust und lächelte ihm zu, was Oronêl unendlich erleichterte.
"Dann werde ich mich in Geduld üben... Vater." Ein Gefühl der Wärmel breitete sich bei diesen Worten in Oronêl aus, und er lächelte.
"Nun, da wir das geklärt haben, weißt du wo ich Mírwen finde?"
Irwyne zeigte auf die Tür, die zu einem der Nebenräume führte: "Sie ist dort drüben, es geht ihr heute schon deutlich besser." Und zu Kerry, die noch immer einige Schritte entfernt stand, fügte sie hinzu: "Na komm, Kerry-Déorwyn-Morilië. Es gibt noch immer viel zu tun."

Oronêl fand Mírwen schnell, denn das rote Haar der jungen Elbe hob sich deutlich von den weißen Laken ab. Oronêl setzte sich auf den Rand ihres Lagers, und nahm ihre rechte Hand in seine. "Wie fühlst du dich?"
"Als hätte mir ein wildes Tier die ganze Seite herausgerissen", erwiderte Mírwen mit einem schwachen Lächeln. "Aber es war schon schlimmer. Irwyne hat sich gut um mich gekümmert."
"Ja, es scheint ihre Berufung zu sein." Mírwens Anblick erinnerte Oronêl an den Moment, in dem er nach der Schlacht von Dol Amroth erwacht war, und Celebithiel das erste gewesen war, das gesehen hatte. Weniger als ein Jahr war das her, und dennoch erschien es ihm wie eine Ewigkeit. Er fragte sich, wie es seiner Freundin ergangen war, seit sie sich in Aldburg voneinander verabschiedet hatten. "Das ist gut", meinte Mírwen, und holte Oronêl damit wieder in die Gegenwart zurück. "Wir können in Zukunft vermutlich noch viele Heiler gebrauchen."
"Es... tut mir leid um Cúruon", sagte Oronêl zögerlich, und in Mírwens Augen trat ein trauriger Ausdruck.
"Es ist ein merkwürdiges Gefühl...", begann sie langsam. "Ein merkwürdiges Gefühl, dass er nie mehr da sein wird, wenn ich ihn brauche. Und dass ich ihn erst im Westen wiedersehen werde."
"Ich weiß", sagte Oronêl nur, und für einen Moment schwiegen sie. Er wusste nicht, was er sagen sollte, doch er hatte den Eindruck, dass Mírwen merkwürdig gefasst war. "Er hat sich vor der Schlacht von mir verabschiedet, weißt du?"
Oronêl schüttelte den Kopf. "Nein, das wusste ich nicht."
"Es war... als hätte er eine Vorahnung gehabt. Er wusste, was passieren würde." Jetzt glitzerte eine einzelne Träne in Mírwens Auge.
"Mírwen, es... tut mir Leid", sagte Oronêl. "Ich hätte euch nicht in diese Schlacht führen sollen." Die rothaarige Elbe zwang sich zu einem Lächeln und hielt sich die verletzte Seite.
"Nun, ich kann nicht behaupten, dass ich dir dankbar dafür wäre. Aber alles was passiert ist, ist nicht deine Schuld, Oronêl. Es war unsere eigene Entscheidung und unsere Aufgabe, und wir haben sie erfüllt."
"Das haben wir", erwiderte Oronêl. Er beugte sich vor und küsste Mírwen sanft auf die Stirn. "Ruh dich aus und heile. Und heute Abend werden wir Cúruon, Faronwe und alle anderen Gefallenen ehren."
« Letzte Änderung: 12. Jan 2017, 12:13 von Fine »

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Curanthor

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Unterhaltung im Kerker
« Antwort #28 am: 8. Dez 2016, 03:07 »
Sobald er die Tür hinter sich schloss schlich sich ein sanftes Lächeln auf seine Lippen. Kerry war schon jetzt sehr an Halarîns Herz gewachsen und er mochte sie auch. Wahrscheinlich würde Mathan zwar noch ein bisschen brauchen um sie mit weitgeöffneten Armen aufzunehmen, aber er war sich sicher, dass Kerry das verstehen würde.
Seine Schritte führten ihn zum Lazarett, kurz davor lief ihm Acharnor in die Arme und bedrängte ihn, wie es seiner Schwester ginge. Der Elb gab die gute Nachricht weiter und sah, wie der Jugendliche deutlich aufatmete. "Es ist schön zu wissen, dass ich meine Familie noch eine ganze Weile behalten kann.", sagte er und humpelte an ihm vorbei, um zu Adrienne zu gehen. "Sie schläft gerade.", rief ihm Mathan hinterher, doch scheinbar hatte er ihn nicht gehört.
Er zuckte mit den Schultern und packte einen Waldläufer an der Schultern, der gerade vorbeilief. "Verzeiht, wo ist Ardóneth?", fragte er diesen höflich.
Der Mann, der einen Verband um den Kopf trug dachte eine Weile nach und schüttelte dann den Kopf. "Ich weiß es nicht", er deutete zum Verband, "Gehirnerschütterung."
Der Elb wünschte ihm eine gute Besserung und wandte sich ab. Sogleich begann er eigenhändig nach dem Inhaftierten zu suchen und machte sich auf in die Richtung der unteren Kammer. Auf dem Weg dorthin begegnete er Gandalf. Der Zauberer blickte ihn kurz an und runzelte die Brauen. "Ah, ihr seit es, Mathan.", er nickte ihm freundlich zu. "Mithrandir, schön zu sehen, dass Ihr die Schlacht heil überstanden habt,", grüßte Mathan ihn zurück und räusperte sich, "Wisst Ihr wo Ardóneth gefangen gehalten wird?"
Der Graue musterte ihn einen Moment, blickte zu den Schwertern und strich sich über den Bart. "Solange ihr nicht vorhabt ihm zu Schaden...", er zwinkerte ihm zu, "Er ist unten in den Verliesen. Warum wollt Ihr zum ihm, wenn ich fragen darf?"
Mathan zögerte und legte den Kopf schief. "Ich habe keinen Grund ihm zu schaden, keine Sorge. Ich bin nur neugierig." Der Zauberer hob eine Braue und kramte seine Pfeife aus der Tasche. "Das ist aber noch nicht alles oder?", er schmunzelte und säuberte sein Pfeife, "Schließlich hat sich schon herumgesprochen, dass es bald ein Fest geben wird. Ein willkommene Abwechslung wie ich finde, die Menschen müssen mal wieder das Gute in der Welt sehen."
Mathan fragte erst gar nicht, woher er das wusste. Der Zauberer galt bei den Elben als weitsichtig und weise. "Ihr habt Recht, Kerry wird bestimmt sehr glücklich sein und es würde mir viel daran liegen, wenn Ihr ebenfalls erscheinen würdet."
Der Graue Zauberer steckte die Pfeife wieder ein als er kein Tabak fand und strich sich erneut über den Bart. "Ich werde da sein, wer ist denn noch eingeladen?"
Mathan dachte kurz nach und zählte die Hälfte der Befehlshaber auf und einige andere. "Der Ort wird nachher bekannt gegeben, wir warten erst die Trauerversammlung und die Verhandlung von Ardóneth ab", er zwinkerte dem alten Mann zu, "Nicht nur ihr könnt rasch an Informationen gelangen."
Gandalf schmunzelte und tippte sich an seinen Hut. "Nun, ich muss weiter. Ihr findet den Eingang zu den Verliesen in der großen Halle, etwas weiter hinten versteckt."
Mathan bedankte sich und machte sich auf dem Weg.

In der leeren Halle angekommen, fand er auch schließlich die steile Treppe. Er stieg sie vorsichtig hinab und achtete darauf, sich nicht den Kopf zu stoßen. An der Tür zum Kerker stand ein Waldläufer Wache, von dem Mathan nur flüchtig seinen Namen gehört hatte. "Gílbard," er nickte ihm zum Gruß," wie geht es dem Gefangenen?"
Die Züge des Mannes erhellten sich, scheinbar war etwas Abwechslung doch nicht verkehrt. "Hauptmann, schön euch zu sehen.", er nickte ebenfalls und trat zur Seite, "Bisher nichts auffälliges, er hat sich auch nicht weiter zur Sache geäußert."
Mathan fragte sich, was man auch sonst dazu sagen sollte, immerhin war es nicht alltäglich gänzlich gegen seine Persönlichkeit zu handeln.
"Gut, ich werde allein mit ihm reden." Das Gesicht von Gílbard verdüsterte sich, doch er nickte nur knapp. Mathan betrat den Kerker, seine Elbenaugen erblickten Ardóneth sofort, der in einer Ecke der Zelle saß.
"Ich frage besser nicht, warum Ihr das getan habt. Wollt Ihr mir nicht einfach erzählen wie ihr euch dabei gefühlt habt?", fragte Mathan und zog einen wackeligen Hocker von der Wand vor das Zellengitter.

Nach einer kurzen Stille ertönte die matte, leise Stimme von Ardóneth: "Es ist merkwürdig, ständig höre ich Stimmen. Verschiedene Stimmen..." er verstummte und hob den Kopf, " Mathan?", fragte er und kniff die Augen zusammen.
Der Elb runzelte die Stirn und fragte sich, ob der Mann noch bei Sinnen war. "Ich bin hier vor dir, keine Stimme in deinem Kopf", er lachte leise und strich sich die Haare zurück, "Wir hatten nicht so viel miteinander zu tun gehabt. Es wäre nicht verwunderlich, wenn du mich vergessen hättest." er machte eine kurze Pause und fuhr dann behutsam fort: "War da vielleicht eine Stimme dabei, die dir fremd vorkam? Eine, die du nicht zuvor gehört hattest?"
Auf die Frage hin hob Ardóneth den Kopf und blickte Mathan in die Augen. Deutlich sah der Elb, wie der vernebelte Verstand des Mannes langsam klarer wurde. "Mathan...", sagte er und legte den Kopf schief, "Die Stimmen sind... fort." Er streckte sich aus der kauernden Haltung und setzte sich dem Elb gegenüber.
"Da war eine Stimme. Sie hatte einen dunklen klang, sie war sanft aber dennoch...", der Waldläufer machte ein gequältes Gesicht, "Sie redete mir ein, dass ich meinen Vetter- ... dass ich Belen töten sollte, damit das Gemetzel endete." Tränen glitzerten in den Augen Ardóneths und er vergrub sein Gesicht rasch in den Händen.
Mathan schwieg und wartete, bis er wieder den Kopf hob. In ihm regte sich ein Verdacht, den er aber vorerst für sich behielt. "Ardóneth, ich weiß, dass du das niemals aus freien Stücken getan hättest.", beruhigte er ihn und hockte sich nun vor das Gitter, "und ich glaube, dass dein Vetter genauso denken wird. Wenn nicht, dann trete ich für dich ein."
Der Waldläufer ließ die Hände sinken, seine Augen glitzerten noch. "Danke.", sagte er schlicht, aber aufrichtig. Der Elb schenkte ihm ein zuversichtliches Lächeln. "Wie geht es Halarîn? Hat sie überlebt?", fragte Ardóneth plötzlich und Sorge schwang in seiner Stimme.
"Keine Angst, sie ist wohlauf und versorgt die Verletzten. Sie hat sogar noch weniger Blessuren als ich", Mathan schmunzelte, "verständlich als Fernkämpferin." Er räusperte sich leise und wurde wieder ernst. "Warum fragst du? Ist etwas nicht in Ordnung?"
Ardóneth atmete erleichtert aus, wischte sich die Augen, schüttelte den Kopf und setzte sich gerader hin. "Nun, ich hatte einen Traum..." auf das Nicken des Elben erzählte er: "Ich wachte in der Stadt auf, überall hingen die Banner Sarumans. Während ich umherirrte fand ich meine Freunde und Kampfgefährten erschlagen und ermordet.", er schüttelte sich und verbannte die aufsteigenden Bilder aus seinem Kopf. "Belen, Elrádan, Kerry und viele andere. Später fand ich dich zusammen mit Halarîn mit den wohl letzten Verteidigern. Ihr wurdet von der dreifachen Übermacht überwältigt. Deine Frau wurde vor deinen Augen...", er sah zur Seite und hob kurz darauf wieder seinen Blick, "Du warst der Letzte, danach wachte ich aus diesem Albtraum auf."
Mathan wusste nicht, was er sagen sollte und entschied sich ihn zu beruhigen. "Es war nur ein Traum, Halarîn geht es gut. Belen ist griesgrämig wie eh und je und Kerry geht es sogar blendend. Deswegen bin ich eigentlich hergekommen, wegen Kerry."
Der Name rief erneut eine besorgten Gesichtsausdruck hervor. "Wie geht es ihr? Sie war vor einer Weile schonmal hier aber... nunja, viel konnte ich nicht mit ihr reden weil... du weißt schon.", druckste er herum und blickte den Elb erwartungsvoll in die grünen Augen. Dieser schmunzelte und setzte sich von der unbequemen hockenden Position zurück auf den Hocker. "Sie hat keine bedrohlichen Verletzungen und ist eigentlich ganz munter, keine Sorge. Der Grund warum ich über sie sprechen möchte ist eigentlich ein Besserer.", er blickte kurz zum Eingang, ob Gílbard womöglich zuhörte, "Halarîn und ich haben Kerry als unsere Tochter angenommen. Es ist bei den Elben im Osten Brauch, dass das Groß gefeiert wird. Deswegen bin ich hier." Mathan blickte ihm in die Augen, "Ich möchte, dass du an diesem besonderen Tag von Kerry dabei bist. Ich hörte, dass ihr Freunde seit und so wäre es nur gerecht, dass du anwesend bist." Er lächelte freundlich und reichte ihm ein kleines Ästchen mit einem einzelnen Ahornblatt. Darauf waren kleine elbische Schriftzeichen eingebrannt.
Dankend nahm Ardóneth das Blatt an sich und verstaute es in einer Schicht seiner Kleidung. Ein zaghaftes Lächeln erhellte sein Gesicht. "Ich freue mich für sie," so schnell das Lächeln erschien, genauso rasch verschwand es, "Wenn es mir möglich ist, werde ich dort sein."
Zufrieden erhob sich Mathan und deutete an die Stelle, wo der Waldläufer das Blatt verstaut hatte. "Verlier es nicht, es hat eine Bedeutung. Ich muss jetzt weiter, aber wir werden uns wiedersehen. Kopf hoch", ermunterte er ihn und ging aus dem Kerker.

Gílbard saß auf einem Stuhl und las in einigen alten Dokumenten, kurz sah er auf und fragte, ob Ardóneth etwas wichtiges gesagt hätte. Der Elb nickte, hob aber sogleich die Hand. "Ja, aber das wird erst bei der Verhandlung wichtig sein. Gedulde dich noch", sagte er und ging schließlich die Treppe hinauf. Oben in der Halle liefen vereinzelt Waldläufer ein und aus, eine hochgewachsene Gestalt stach deutlich hervor. Sie stand im Eingang und wartete, aber als sie ihn erblickte, beeilte sie sich zu ihm zu gelangen und in die Arme zu schließen. "Faelivrin?", fragte er verwundert und legte ihr ebenfalls die Arme um, so gut es ihre schwarze Rüstung erlaubte.
"Ontáro! Es ist schön zu sehen, dass du wohlauf bist.", sagte sie und löste sich mit einem strahlenden Lächeln. "Ich war so in Sorge. In Lindon hörten wir, dass es einen Angriff auf den Widerstand im Norden geben sollte. Wie es aussieht, habt ihr es geschafft, bevor wir angekommen sind."
Mathan kratzte sich um Kopf, sagte jedoch nicht, dass sie nur am Leben sind weil der Feind sich zurückgezogen hatte. "Wir? Wer ist denn noch mitbekommen?", fragte er verwundert. Seine Tochter band ihre dunkelblonden Haare zu einen strengen Zopf und blickte sich um. "Meine Leibgarde, aber sie verteilen gerade Essen an Kinder, die sie eben auf dem Weg hierher getroffen haben. Doch sag, wie geht es Amil?"
"Deiner Mutter geht es gut, sie hat vor einer Weile eine Schülerin von mir geheilt und braucht nur etwas Ruhe." Er lächelte und strich ihr über die Wange, wie sehr hatte er das Wiedersehen genossen, jetzt war ihre Familie endlich wieder vereint. "Du hast mir gefehlt, all die langen Jahre. Halarîn wird überglücklich sein, genau wie ich.", sagte er und musterte seine Tochter stolz.
Faelivrin hielt die Hand einen Moment an ihrer Wange und genoss es sie zu spüren, so wie sie es in ihrer Kindheit bereits getan hatte. Alles in ihr Drängte danach, ihre Mutter wiederzusehen. Schließlich bat sie ihren Vater zu ihr zu gehen. Nach kurzem Zögern nickte er und führte sie zu der Kammer. Auf dem Weg dorthin unterhielten sie sich über die Schlacht und über die Lage in Lindon.
« Letzte Änderung: 6. Feb 2017, 20:10 von Curanthor »

Curanthor

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Familienzusammenführung
« Antwort #29 am: 9. Dez 2016, 00:21 »
Auf dem Weg zu Halarîn ließen sie sich Zeit und redeten viel über die kürzlich geschehenen Dinge, die nachdem Treffen in Aldburg passiert sind.
Faelivrin berichtete über die Reise nach Mithlond und das die Waldelben dort bereits außerhalb der Stadt neue Baumhäuser bauten. Auch erwähnte sie den Zorn gegenüber den Waldlandreich, dass Thranduil einen Pakt mit Saruman hatte, obwohl sein Sohn diesen erst vor ein paar Jahren bekämpft hatte. Sie erzählte außerdem, dass sie den Schiffsbauer Círdan getroffen hatte, der ihnen Tipps gab, wie sie sicher über die Meere fahren konnten. Mathan horchte auf. "Círdan? Er hat sich doch schon lange nicht mehr in die Belange Anderer eingemischt.", warf er ein. Faelivrin nickte. "Ja, das hatte er auch selbst gesagt, denn seine Aufgabe sei es, einen sicheren Hafen zu hüten und den Seefahrern zu helfen", sie strich sich eine vorwitzige Strähne aus dem Gesicht, "Er war es, der mir von der Bedrohung von Fornost erzählte. Scheinbar bekommt der alte Elb mehr von Mittelerde mit, als vielen bewusst ist."
Mathan nickte und erinnerte sich an seinen Besuch in Mithlond, dort hatte er zwar nie Círdan gesehen, aber er wusste, dass er immer in der Stadt war. Ebenfalls war man dort immer bestens informiert, doch wunderte es ihn, dass sie keine Verstärkung erhalten haben.
"Ontáro, wie lief die Schlacht eigentlich? Uns sind nur ein paar versprengte Feinde über den Weg gelaufen, aber wo ist der Rest?", fragte seine Tochter plötzlich.
"Zurückgezogen", seufzte er und bemerkte, dass Faelivrin sich ebenfalls wie Halarîn öfters eine vorwitzige Strähne zurückstrich. Grinsend fuhr er fort, welches sich aber rasch von seinem Gesicht stahl: Sie haben einige Stellen wie das Südtor ohne unterlass angegriffen, an anderen Punkten aber nur vereinzelt. Wir hatten hohe Verluste, aber der Feind ebenfalls, trotz seiner Übermacht."
"Die Stärke der Mauern, drei von euch kamen einen einen von ihnen.", warf Faelivrin ein. Mathan nickte. "Die Kunst des Krieges, ja. Nach einem wahnwitzigen Ausfall zog sich die Armee zurück. Wir konnten sogar einen Befehlshaber gefangen nehmen."
Seine Tochter runzelte die Stirn und dachte eine Weile nach. "Ihr habt einen Ausfall gegen eine drei- bis vierfache Übermacht gemacht? Menschen... verrückt aber auch sehr mutig.", leichter Respekt schwang in ihrer Stimme. "Und wo warst du dabei? Nein, sag es nicht; du warst ganz vorne", mit gespielten Tadel hob sie ihren Finger und bewegte ihn hin und her, "vielleicht solltest du deinen Hitzkopf etwas zügeln."
Mathan lachte und lief fast in Adrienne, die gerade um die Ecke bog, zusammen mit Halarin, die sie stützte. "Huch, ich habe dich zuerst gar nicht erkannt!", rief das Mädchen und blickte zu Faelivrin. Für einen Moment wanderte ihr Blick zwischen den drei Elben hin und her, während Faelivrin gütig lächelte. Mathan bemerkte, dass seine Tochter sofort bei Adriennes Auftauchen eine strengere Haltung annahm und mehr Distanz ausstrahlte. "Faelivrin! Schön zu sehen, dass es dir gut geht.", sagte Halarîn und schloss sie in eine herzliche Umarmung. "Amil, tye malwa, ilqua teréva?", fragte Faelivrin besorgt und bemerkte, dass ihre Eltern schmunzelten. "Mana?" der verwirrte Gesichtsausdruck brachte Halarîn zum lachen. "Du sprichst Quenya ohne es zu merken", sagte Mathan grinsend und wurde wieder ernst, "Deine Mutter hat Adrienne geheilt, deswegen ist sie so blass", erklärte er und deutete auf das Mädchen.
Faelivrin trat vor und beugte sich etwas zu ihr herunter. "Hallo, mein Name ist Faelivrin. Ich hörte, du bist eine Schülerin meines Vaters?", fragte sie interessiert.
"Ja, ich kann deinen Eltern niemals dafür genug danken. Ich bin Adrienne, schön dich kennenzulernen.", sagte sie und deutete einen Knicks an, soweit es ihre fast verheilten Wunden erlaubten.
"Es ist schön zu sehen, dass jemand den Mut hat sich von meinem Vater ausbilden zu lassen", sagte sie mit einem Lächeln und beugte sich zu ihrem Ohr herab, "Er ist manchmal recht befehlshaberisch.", flüsterte sie ihr augenzwinkernd zu.
"Das habe ich gehört.", erklang die entrüstete Stimme Mathans hinter ihr, doch Faelivrin lachte nur herzlich.
"Es gibt bald eine Trauerfeier um die Toten zu ehren. Wirst du auch mitkommen?", fragte Halarîn an ihre Tochter gewandt. Die Elbe überlegte einen Moment und nickte schließlich. "Ja, ich werde etwas länger hierbleiben, da kann ich auch ein paar Eigenheiten der Menschen beobachten.", erklärte sie.
"Wirst du denn nicht woanders gebraucht?" Mathan dachte an das Königreich von dem sie ihm oft geschrieben hatte, doch sie schüttelte den Kopf. Sie erklärte, dass ihr Mann sie gut vertreten konnte und Hilfe bereits auf dem Weg sei.
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