Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Der Thron von Mittelerde

Arnor

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Darkayah:
Utarra-Rebellenlager (nördliche Grenze Arnors zu Angmar)[Nachts]
Octavia Sagitta im Utarra-Rebellenlager

Octavia war insgeheim froh dass sie nicht selbst laufen musste. Ihre Erschöpfung durchdrang inzwischen ihren ganzen Körper.
Dadurch, dass die junge Frau auf den Armen des großen muskulösen Mannes war, konnte sie nicht viel von dem Lager der Nord-Rebellen sehen. Er brachte sie sofort in ein Haus aus Stein, welches einem typischen gehobenen Arnorischen Gutshof ähnelte und dort in einen großen Raum. Dann ging der Mann sofort wieder hinaus und ließ sie alleine. Sie humpelte durch den Raum, in dem mittig ein großes Bett und ein großer Tisch, auf dem viele Karten und Schrifstücke lagen. Einzelne Schreibtischen und Kommoden waren an den Wänden gestellt worden. Octavia sah sich vorsichtig die Schriftstücke an und überflog diese. Dann widmete sie ihre Aufmerksamkeit den vielen Karten. Einige zeigten ganz Arnor, andere nur bestimmte Gebiete. Sie war fasziniert von all den Orten, die sie noch nicht besucht hatte. Lediglich Minas-Tirith und die Umgebung um den Eregionwald  befand sich in ihrer Erinnerung. An die Orte zwischen Gondor und Arnor, während ihrer Flucht, erinnerte sie sich nicht mehr. Es geschah so viel, weshalb sie es verdrängte. Doch nun war alles anders. Sie konnte neue Orte bereisen. Niemand war mehr da, der sie festhielt.
Als sie Schritte hörte, ließ sie sofort von den Papierstücken ab und setzte sich auf das das Bett.
Bertram, der Heiler der Utarra-Rebellen,  betrat den Raum. Er trug eine Tasche bei sich und ging auf Octavia zu. Sie sah ihn zunächst Ahnungslos an.
"Na, los...", fing er an, "...Lass mich deine Verletzungen ansehen...".
Der bärtige Mann wirkte dabei sehr ruhig und freundlich. Trotzdem war Octavia ziemlich misstrauisch. Immerhin waren die Rebellen auch untereinander verfeindet und kämpften noch vor kurzem. Sie beobachtete Bertram, wie er seine Tasche durchsuchte und ein kleines Döschen hervor holte. Dann sah er sie schon fast erwartungsvoll an und deutete mit den Augen auf den Oberkörper der jungen Frau. Erst blickte sie ihn irritiert, mit hochgezogenen Augenbrauen an, verstand dann aber was er von ihr wollte. Sie zog sich ihre Lederjacke aus und legte sie neben sich auf das Bett. Darunter trug sie ein eng anliegendes und ärmelloses schwarzes Oberteil. Das Oberteil hatte keinen tiefen Ausschnitt. Sie wusste dass sie auch dieses ausziehen musste, um ihre Verletzungen zu zeigen. Auch wenn es ihr etwas unangenehm war, zog sie schließlich dieses Kleidungsstück aus. Darunter trug sie eine Art schwarzen Bustier, welcher lediglich ihre Brüste bedeckte.
Auf der zarten Haut ihres Oberkörpers wurde das Ausmaß ihrer Verletzungen sichtbar:  Zahllose Blutergüsse zeichneten ihr Taille und ihren Bauch. Auch der Rücken war von blauen Flecken übersät.
Sie ließ Bertram nicht aus den Augen, während er sie abtastete. Jede seiner Berührungen taten ihr immens weh. Dann nahm er  sich das Döschen und rieb ihren Oberkörper mit einer öligen Flüssigkeit ein, die stark nach Eukalyptus roch. Das kühlende Gefühl verschaffte ihr sofort Abhilfe und gab ihr eine Pause vor den Schmerzen. Sie seufzte erleichtert und lehnte ihren Kopf mit geschlossenen Augen nach hinten. Ihre Haare streichelten dabei ihren Rücken. Für einen kurzen Moment vergaß sie Bertram, der noch neben ihr saß. Dann blinzelte sie mit einem Auge was der Mann machte, ob er sie anstarrte, doch er räumte nur seine Sachen zusammen.
Octavia nahm ihr Oberteil und zog es sich wieder an, als dann auch schon Indro den Raum betrat. Bertram nickte seinem Herrn zu und verließ den Raum. Octavia schwieg zunächst und beobachtete Indro, wie er zuerst die Schriftstücke zusammenlag, diese stapelte und sich dann neben ihr auf das Bett saß. Die junge Rebellin sah heimlich zu ihm um zu sehen was Indro vor hatte. Er aber, blieb nur sitzen und sein Kopf war zum Boden gerichtet.
"Also, warum bist du alleine unterwegs?", sagte er schließlich, "Es ist gefährlich hier draußen...".
Octavia blickte zunächst auch zum Boden. Sie wusste nicht, ob sie Indro die Wahrheit sagen  oder  ob sie ihn mit einer einfachen Antwort abwürgen sollte. Immerhin wusste sich nicht einmal ob sie ihm und den anderen Utarra-Rebellen vertrauen konnte.
"Deloth ist tot...", tastete sie sich vorsichtig heran, "...Die anderen haben nur dabei zugesehen, wie ihm die Kehle durchgeschnitten wurde...".
Auch wenn es ihr noch immer schwer fiel daran zu denken, wollte sie dabei gefasst wirken.
"Deloth...", antwortete Indro, "...Das ist äußerst bedauerlich.".
Octavia sah gereizt zu dem Anführer der Nord-Rebellen. Die Art wie er es sagte war trocken und das verärgerte sie leicht. Sie dachte, dass sich beide kannten und sich mochten.  Sie sagte aber erstmal nichts dazu.
Indro fügte noch hinzu: "Immerhin starb er dafür, wofür er gelebt hat."
"Ach ja?", erwiderte Octavia sauer,"Er starb weil er hingerichtet wurde, da er des Verrats beschuldigt wurde!".
Dabei wurde sie schon deutlich lauter und warf Indro nur einen erbosten Blick zu.
"Er sprach von dir, als er bei uns war...", wollte er gerade sagen. Sofort unterbrach Octavia ihn: "Du meinst als ihr in gefangen genommen habt!".
Sie wollte ihre Gefühle nicht heraus lassen. Sie wollte ihre Gefühle keinem Fremden zeigen. Doch wenn es um Deloth ging gelang es ihr nicht.
"Wenn du es so sehen willst...", sagte Indro mit einem schiefen Lächeln, "...Er warnte uns, dass du kommen würdest um ihn zu retten!". Zu erst dachte Octavia er wollte sich über sie lustig machen, aber er wirkte in keines Weges belustigt, noch lachte er.
"Ja, er brachte mir Ostron und das Kämpfen bei...", sagte sie, "...Aber  scheinbar war ich nie gut genug...".
Dabei spiele sie auf den Kampf vom Vorabend an. Sie bemerkte nur, wie Indro scheinbar nachdachte. Dann sah er ihr direkt in die Augen sah.
"Du hast heute wie ein Kind gekämpft...", fing er an, "...Du warst unvorsichtig, hast nicht auf deine Defensive geachtet und warst zu aufgebracht...".
Octavia war schon klar, dass sie im Kampf nicht gut abschnitt.
"Ich weiß, ich habe einen auf den Sack bekommen...", sagte sie nur grob. Sie stoppte kurz und wollte nach Ausreden dafür suchen.
 "Aber du hast nicht aufgeben...", antwortete Indro schneller, "...Du hast einen starken Willen und den findet man in der heutigen Welt nicht häufig...".
Die junge Frau wurde hellhörig,  als sie die Worte des Anführers der Utarra-Rebellen hörte und lauschte ihnen weiter. Scheinbar bewunderte er sie in gewisser Hinsicht. Natürlich war das ihre reine Spekulation. Ihr gefiel der Gedanke aber. Sie wusste nur nicht was sie darauf sagen sollte. Deshalb schwieg sie und hörte ihm weiter zu.
"Wenn du gewillt bist, das alles auf dich zu nehmen, was es dich kosten wird um meine Blutkriegerin zu werden, bin ich bereit dich stärker und besser zu machen, Octavia des Süd-Volkes!".
Octavia sah ihn daraufhin mit großen Augen an. Sie wusste dass der Blutkrieger bei den Utarra- und Pascima-Rebellen der höchste Rang war.   Dieser Titel entstammt aus dem Altan Angmar. Gleichzeitig machte sich aber auch leichte Verwunderung in ihr breit. Schließlich waren beide Rebellengruppen verfeindet und sie kannten sich nicht. Und doch bot er ihr an, sie zu trainieren und ihr eine gute Position zu geben. Auch wusste sie nicht recht was sie darauf antworten sollte, so überwältigt war sie. Sie nickte ihm nur zu.
"Dann erhole dich und schlaf etwas...", sagte Indro dann und wirkte dabei auf Octavia bestimmend, "...Du kannst solange mein Bett haben... Du wirst deine Kräfte brauchen...".
Mit diesen Worten erhob er sich und verließ den Raum. Die junge Rebellin starrte ihm noch eine Weile fassungslos hinterher. Sie konnte es noch immer nicht glauben, was er ihr anbot.
Doch trotz der Aufregung behielt sie auch eine gewisse Skepsis. Immerhin kannte sie die Utarra-Rebellen und deren Absichten nicht. Vielleicht war das alles auch nur eine Finte. Zunächst aber, wollte sie nicht mehr darüber nachdenken. Sie musste schlafen und ausgeruht sein. Es war schon spät und die Erschöpfung ließ ihr kaum die Augenlider offen.
Wenn etwas faul an der Sache ist, werde ich es herausfinden, dachte sie sich und fiel mit einem Satz auf das Kopfkissen, welches auf dem Bett lag. Es dauerte auch nicht lange und sie schlief tief und fest ein...

Octavia Sagitta im Utarra-Rebellenlager...

Darkayah:
Utarra-Rebellenlager (nördliche Grenze Arnors zu Angmar)
Octavia im Utarra-Rebellenlager (Nördliche Grenze Arnors zu Angmar)...

Octavia kam verschlafen aus dem Haus aus Stein des Rebellenlagers. Auch wenn der Schlaf relativ kurz war, fühlte sie sich ausgeschlafen und erholt. Zwar schmerzten die Stellen noch, aber es war erträglich. Die Flüssigkeit, welche Bertram auf ihre Verletzungen auftrug schien zu wirken.
Octavia konnte das Lager nun ganz erkennen und betrachtenu. Es wirkte so, als war das Lager eine alte Kleinstadt Arnors, die die Nordrebellen für sich benutzten und für ihre Zwecke umfunktionierten. In der Mitte war das Haupthaus, welches einem Arnorischen Rathaus aus Stein glich. In diesem Haus befand sich auch der Raum, in welchem Octavia schlief. Vor dem Hauptgebäude war der alte Marktplatz der Kleinstadt, auf dem sich verschiedenste Stände befanden. Einige verkauften Obst und Gemüse, andere gebackene Waren, die wohlwollend dufteten. Aber einige Stände waren leer und trugen nur Waffen, Felle und Rüstungsteile. Viele Menschen tummelten sich auf den kaputten Straßen der Kleinstadt. Auch die Gebäude innerhalb der zerfallenen Mauern waren heruntergekommen und notdürftig geflickt und repariert. So wurden an fehlenden Mauerwerk einfach Holzplatten befestigt um die Lücken zu schließen.
Als Octavia durch das Utarra-Rebellenlager lief, hatte sie trotzdem eher den Eindruck, dass die Nord-Rebellen versuchten das Gefühl in einer Stadt zu leben -und somit generell die Absichten unabhängig von der Krone zu sein- zu erhalten , während sich die Daskina-Rebellen lediglich wie Flüchtlinge verhielten und auch wie Geflüchtete im Süden Arnors lebten. Manchmal dachte Octavia,  dass viele der Süd-Rebellen nur auf die Rückkehr nach Gondor warteten. Natürlich war Minas-Tirith auch ihre Heimat, doch nach aktueller Lage wollte sie nie wieder dorthin zurück, solange Kiana Vaneryen lebte.
Die junge Rebellin sah sich auf dem Marktplatz nach Indro um, den sie aber nirgends fand. Zu viele Menschen drängten sich dort. Als sie den Heiler Bertram und den muskulösen Glatzkopf entdeckte, ging sie sofort auf die beiden Männer zu. Sie sah nur, wie Bertram in ihre Richtung blickte und sie mit einem Winken begrüßte. Noch immer wunderte sie sich warum er ihr in der Nacht half und freundlich zu ihr war. Immerhin hielt sie ihm ein Schwert an den Hals und bedrohte ihn um Deloth zu befreien. Die Rebellin lief auf die beiden Männer zu. Auch wenn es ihr Überwindung kostete, musste sie sich bedanken. "Danke, für neulich Nacht...", glitt ihr widerwillig über die Lippen. Nicht weil sie die Hilfe nicht schätze. Nein. Eher weil sie nicht gerne zugab, dass sie selbst Hilfe brauchte.
"Dafür doch nicht, ich habe nur meine Arbeit gemacht!", erwiderdere er nur freundlich.
Dann erkannte sie, wie Indro, an der Seite eines älteren Mannes mit weißem Haar und Bart,  aus der Menschenmenge auf dem alten Marktplatz, in ihre Richtung kam. Indro lächelte ihr nur zu und unterhielt sich weiter mit den ihr unbekannten Mann. Allerdings entging es ihr nicht, dass der Mann sie immer wieder ansah. Die junge Frau blickte daraufhin absichtlich nicht in seine Richtung. Ihr war es eher unangenehm. Mit einem Ohr hörte sie, wie Indro zu ihm sagte, dass er einen Brief holen wollte und der alte sich diesen Dringen ansehen sollte.
Octavia sagte zunächst nichts und sah sich nur in der Gegend um. Ihre Augen blieben auf ein kleines Mädchen und einen Jungen ruhen, die einfach auf dem Boden vor einem Haus hockten und unbeschwert spielte. Für einen kurzen Moment dachte sie an ihre Kindheit zurück. Sie dachte an ihren Bruder Kael. Auch wenn sie noch immer wütend auf ihn war, liebte sie ihn. Immerhin war er ihr Bruder. Ihre einzige Familie. Ihr ein und alles, was ihr noch blieb. In gewisser Weise hoffte sie darauf, ihn wieder zu sehen und das er doch noch nach ihr suchte.
Du Dummkopf, wo bist du jetzt nur..., dachte sie sich. Tief aus der Brust der jungen Frau trat ein beklommener Seufzer hervor.
Dann wurde  sie aber aus ihren Gedanken gerissen: "Du bist also die neue hier?", erklang plötzlich eine männliche dunkle Stimme hinter ihr. Sie zuckte fast schon zusammen. Rasch drehte sie sich zu der Stimme und bemerkte wie der ältere Mann sie mit schiefgelegten Kopf betrachtete und sie von oben bis unten musterte. Ihr Blick wurde ernst und sie nickte ihm nur zu.
"Ich bin Davos Schneewert...", sagte er, "...Indro hat schon einiges erzählt und ich denke du solltest...".
Bevor er weitersprechen konnte, kam Indro schon wieder auf sie zu und sagte: "Herr Davos, hier sind die Briefe die aus Fornost kamen, was denkt ihr dazu?".
Octavia wurde schließlich doch neugierig auf das, was der Mann der scheinbar Davos Schneewert hieß, sagen wollte. Aber sie konnte auch nicht einfach fragen. Immerhin las er sich die Schriftstücke durch, die er von Indro bekam. Octavia beobachtete Davos, als er sich diese durchlas und bemerkte seinen ernsten und besorgten Blick dabei. Gleichzeitig wurde sie auch auf die Worte in dem Brief neugierig, aber direkt nachzufragen traute sie sich besonders am Anfang noch nicht. Ihr vorlautes Mundwerk ließ sie diesmal im Stich.
"Das sind schlechte Nachrichten...", merkte  Davos schließlich an, "...Wir müssen etwas dagegen unternehmen und in Carn-dûm Bescheid geben!".
Der Anführer der Utarra-Rebellen nickte ihm zu."Ihr habt recht Herr Davos und ich weiß schon wer dies tun wird...", sagte er und sah dabei zu Octavia, die nicht verstand worum es ging, "...Du wirst zusammen mit Davos Schneewert nach Carn-dûm reisen und Frau Stark vor den Truppen aus Minas-Tirith warnen!".
Die junge Frau war erstaunt. Natürlich freute sie sich, neue Orte von Mitttelerde zu sehen. In Angmar war sie noch nie und hörte nur viele Geschichten von dem mysteriösen Land des Nordens.
"Dann suche ich schnell meine Sachen zusammen!", sprach Davos und eilte los. Octavia blieb noch wie angewurzelt stehen. Sie hatte auf Kämpfe und Aktionen gegen die Krone gehofft und nicht darauf Dienstbote zu spielen.
"Ich dachte... Ich...", fing sie stotternd an,"...Sollte ich nicht als Blutkriegerin kämpfen?". Ihre Stimmlage klang dabei vorsichtig und gedämpft. Indro legte seinen Kopf schief und erwiderte: "Du wirst noch früh genug die Gelegheit haben, du solltest froh sein noch so etwas erledigen zu können!".
Octavia seufzte. Sie wollte aber etwas bewegen in Kampf gegen die Königin. Nicht wieder nur dabei zu sehen, wie die Männer von Haus Vaneryen durch das Land zogen und Leid verbreiteten.
"Na los der Weg ist weit, du solltest auch deine Sachen packen und dich auf dem Weg machen!", sagte Indro noch, drückte ihr eine einegerollte Schriftröllchen in die Hand und ging mit Bertram und den großen Glatzkopf in Richtung des alten Rathauses.
Noch eine Zeit lang sah sie den drei Männern nach. In der Nacht wirkte der Anführer der Utarra-Rebellen noch so, als hatte er etwas großes mit ihr vor und jetzt sollte sie Briefe umher bringen. Vielleicht wollte er ja einen Beweis, dass sie für die Utarra-Rebellen hilfreich war. Octavia schüttelte den Kopf. Widerwillig machte sie sich auf dem Weg um ihre Sachen zu holen um dann vor den Toren des Utarra-Rebellenlagers  auf Davos zu warten.
Als sie ihr Schwert, eine Decke und etwas Proviant eingepackt hatte, ging sie schnell zum Tor. Sie rechnete damit lange auf den alten Mann warten zu müssen, doch er stand schon vor dem Tor und wartete mit zwei Pferden an den Händen auf die junge Frau. Sie war verdutzt, dass er sogar schneller dort war als sie. Sie nahm einen der Zügel entgegen, welche Davos ihr hinhielt und stieg auf das schwarze Pferd. Sie bemerkte dass Davos ihr ein Stück Stoff entegenhielt. "Hier, damit die nicht kalt wird...", sagte er fast schon väterlich, "...Im Norden ist das Klima etwas anders!".
Octavia nahm das Stück Stoff, welcher ein schwarzer Mantel war und wickelte sich in den Umhang. Dann ritten sie im Schritttempo los. Trotz der Enttäuschung über die Aufgabe die ihr erteilt wurde, war sie gespannt auf Angmar. Und so ritten sie in Richtung Nord-Ost um Carn-dûm zu erreichen.

Octavia Sagitta reitet mit Davos Schneewert nach Carn-dûm in Angmar...

Darkayah:
Utarra-Rebellenlager (nördliche GrenzeArnors zu Angmar)
Octavia Sagitta zurück aus Angmar, an der Grenze zu Arnor und somit am Utarra-Rebellenlager...

Die ganze Reise über sagte sie kein Wort. Warum auch? Ihr Leben war scheinbar sowieso die reinste Lüge gewesen. Was sollte sie noch glauben? Stets ging sie davon aus, ihr Vater war der selbe den auch Kael den  seinen nannte. Doch dem war nicht so. Stattdessen teilte sie sich ihren Vater mit Kiana Vaneryen. Ausgerechnet mit der Frau, die sie über alles verachtete und hasste.
Ihr gingen viele Fragen durch den Kopf. Sie wusste nicht wie sie mit den Nachrichten umgehen sollte. Konnte sie Indro von der Sache erzählen, oder verbannte er sie sonst, oder wer weiß... Vielleicht tötetete er sie. Dabei konnte sie sich das doch noch nicht einmal aussuchen. Octavia seufzte in sich hinein. Die junge Rebellin richtete sich in ihrem Sattel auf dem Rücken des braunen Pferdes auf. Vorsichtig streckte sie die Arme von sich, um ihren eigenen Rücken etwas von der langen Reise zu entlasten. Sie sah nur wie Davos finster drein blickte, fragte aber auch nicht nach was ihn  beschäftigte.
Die Sorge war groß, dass sie sich aus  Versehen verplapperte oder Davos noch nachfragte was sie mit Eldarion beredet hatte.
An den heruntergekommenen Mauern angekommen, stieg Octavia von ihrem Pferd. Noch bevor sie weitergehen konnte, trat Davos in ihren Weg.
"Woher hast du diese Flagge?", wollte er wissen. Die junge Rebellin antwortete zunächst nicht. Auch, weil sie es nicht wusste.
"Octavia, ich muss es wissen!", drängte er.
"Ich weiß es  nicht...", erwiderte sie kopfschüttelnd, "...Wahrscheinlich gab Eldarion es mir...".
Davos mahnte: "Du darfst es niemals offen zeigen, da dieses Wapppen von Thurion große Probleme mit sich bringen kann!".
Octavia nickte ihm nur zu und beobachtete den Mann, wie er sein Pferd in die kleine heruntergekommenen Stadt führte. Dann folgte sie ihm still. Während sich ihre innere Welt verdüstert hatte, sie eher zusammenbrechen ließ, schien sich im Utarra-Rebellenlager nichts verändert zu haben: Die Menschen schienen weiterhin fröhlich ihre Geschäfte zu erledigen, einige trainieren und andere versuchen verzweifelt die Mauer zu reparieren.
Bei Octavia sah es dagegen anders aus: Sie war gebrochen und hatte das Gefühl,  als würde die Welt um sie herum nur an ihr vorbeiziehen. Natürlich war sie interessiert daran, nachdem sie im Streit  mit Kael davon erfuhr, ihren echten Vater zu kennen. Doch musste es wirklich Thurion sein? Der Tyrann, der Mittelerde in das Chaos stürzen wollte, nachdem Imrahil ihm den Thron streitig machte. Ausgerechnet war dieser Mann dann auch noch der Vater von Kiana Vaneryen, die zu dieser Zeit die Welt mit  Tyrannei überzog. Die junge Frau verstand nicht, wie sich ihre Mutter mit so einem Mann einlassen konnte. Jeder Halunke war ihr in diesem Moment lieber gewesen.
Und als war das nicht schon genug, war sie nicht mal ein Mensch, sondern auch eine Maia wie Thurion und Kiana. Auch wenn sie sich nicht im Klaren darüber war was dies bedeutete, verbreitete es in ihr ein mulmiges Gefühl. Sie seufzte Laut. Inzwischen war sie im Stall angekommen und führte ihr Pferd in die Box, löste den Sattel, den sie auf einer hölzernen Stange ablegte und verließ die Ställe wieder rasch.
In ihren negativen Gedanken versunken, lief sie Indro direkt in die Arme, der sie schon freudestrahlend empfing. Natürlich wollte er direkt wissen, ob es irgendwelche Schwierigkeiten gab und ob der Auftrag ausgeführt wurde. Octavia wollte am liebsten überhaupt nicht antworten, geschweige denn reden. Also nickte sie ihm nur Stumm zu.
"Was ist denn los?", fragte Indro, "Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?".
"Gar nichts...", erwiderte sie schnell und trocken. Sie konnte sich schon denken, dass sich der Anführer der Utarra-Rebellen damit nicht zufrieden gab.
Er sagte: "Es ist normal, dass wenn man nach langer Zeit wieder in den großen Städten von Mittelerde kommt, der Wunsch nach dem alten Leben wieder da ist...".
Wenn es nur das wäre..., dachte sich die junge Rebellin und schnaubte daraufhin. 
"Nein das ist es nicht...", entgegnete sie entnervt, "...Ich habe nur etwas erfahren...". Sie sah die vielen Menschen um sich herum an.
Indro packte sie daraufhin am Arm und zog sie etwas abseits der anderen Menschen auf dem Marktplatz.
"Und was war das? Etwa das Kiana gar keine Tyrannin ist und stattdessen die Welt retten will?", scherzte Indro.
Octavia war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht nach Scherzen zumute.
"Nein...", platzte es laut aus ihr heraus, "...Sie ist meine Halbschwester!".
"Wer?", fragte er ungläubig. "Kiana Vaneryen...", rief sie, während ihre Augen voller Tränen getränkt waren, "...Sie ist meine Halbschwester, du verdammter Idiot!". Sie wollte ihm nicht  davon erzählen, noch wollte sie ihn beleidigen. Doch er gab ja sowieso nicht nach.
Scheinbar begriff der Anführer der Utarra-Rebellen auch, dass Octavia es ernst meinte. Er sagte erst einmal nichts und fasste sich an das Kinn. Sie sah förmlich, wie er überlegte und die Lage begriff.
"Und ändert es etwas an deiner Einstellung? ", fragte er direkt, "Ändert es etwas daran, dass du Kiana im Unrecht siehst und sie bekämpfen willst?".
Leichte Verwunderung machte sich breit, da er so ruhig blieb.
Octavia schüttelte den Kopf. "Nein, aber ich habe den gleichen Vater,teile das selbe Blut...".
"Und davon lässt  du dich unterkriegen und das lässt dich aufgeben?",sagte er, "Ich hatte dir eigentlich mehr zugetraut...".
Die junge Rebellin verstand  nicht recht auf was er hinaus wollte. Sie legte ihren Kopf leicht schief und erwiderte weinerlich: "Nein, aber der Hass meines Bruders ist gerechtfertigt, ich hätte an Deloths Stelle sterben müssen...".
Sie sah zu dem deutlich größeren Indro auf, der sie an den Schultern berührte und leicht hinunter beugte.
"Hör zu...", sagte er leise, "...Du bist eine von uns und nichts daran wird sich ändern!".
Octavia wischte sich mit dem Ärmel über die Augen und hörte ihm weiter zu:  "Vielleicht solltest du es nicht in Die Welt hinaus schreien...", mahnte er, "...Aber du bist jetzt eine Kriegerin und du solltest dich für die Kämpfe gegen Kianas Soldaten bereit machen!".
Sofort horchte die junge Frau auf. Sie war mehr als erstaunt, dass Indro noch immer zu ihr hielt. Egal ob sie mit Kiana verwandt war oder nicht. Das machte sie sprachlos.
"Die Truppen aus Minas-Tirith sind in Arnor eingetroffen und du solltest dich ausruhen...", sagte er, während er einige Schritte zurück ging, "...Ich muss einiges mit den anderen besprechen, du solltest dich in der Zeit ausruhen und sammeln!".
Dann erinnerte sie sich wieder an ihren Bruder, der bei den Daskina-Rebellen war und somit an der Südgrenze Arnors.
"Mein Bruder...", sagte sie, "...Anstatt ihn zu umarmen bevor ich ging, schlug ich ihn und jetzt werde ich ihn vielleicht nie wieder sehen...".
"Wenn er wirklich fällt, dann ist es vom Schicksal vorgegeben...", erwiderte er, "...Alles hat seinen Sinn und wenn es bedeutet dass du deinen Bruder wiedersehen sollst dann ist es so,  genau wie das Schicksal dich hierher brachte!".
Die Rebellin nickte ihm zu und sah noch, wie Indro sich umdrehte und auf dem Marktplatz verschwand. Vielleicht hatte er recht und sie musste sich nur sammeln, um wieder bei Sinnen zu sein. Wenn es wirklich wahr war und die Soldaten der Krone im Norden waren, waren die Schlachten nicht weit. Sie wollte Indro natürlich nicht enttäuschen und wie ein Weichling wirken. Immerhin wollte sie die Blutkriegerin werden. Dafür musste sie Stark sein und durfte sich nicht aus der Fassung bringen lassen.
Erst einmal beruhigen..., sagte sie sich, Ich wünschte Kael wäre jetzt hier bei mir... .  Dann machte sich auf dem Weg in das alte Regierungsgebäude der Kleinstadt, um sich auszuruhen...

Octavia Sagitta im alten Regierungsgebäude in dem Utarra-Rebellenlager (nördliches Arnor an der Grenze zu Angmar)

Darkayah:
Hügel von Evendim (nördliches Arnor)
Octavia Sagitta mit Davos Schneewert und Indro + einigen Nord-Rebellen in der Nähe der Nordstraße der Evendim Hügel...

Die nächsten Wochen begleitete Octavia stets Indro und seine Männer. Von ihm lernte sie viel, was das Kämpfen anging und, aber auch, einfache Dinge wie das Fährten lesen, das Finden und Zubereiten von Pflanzen, die Augenscheinlich nicht essbar waren. Sie war froh endlich aktiv in das Geschehen eingreifen zu können. Besonders weil sie endlich auf andere Gedanken kam und so an etwas anderes denken konnte, als über ihre Verwandtschaft mit Kiana Vaneryen. Immer mal wieder, zum Glück aus der Sicht Octavias, kam es zu Kämpfen mit Pascima-Rebellen und Soldaten der Krone. Stets versuchte ihr Indro klar zu machen, dass selbst ihre Feinde nicht immer die Wahl haben, für wen sie kämpfen und deshalb nicht alle von ihnen getötet werden mussten. Immerhin sorgten auch schon alleine furchteinflößende Geschichten über die Rebelleb dazu, dass selbst starke Männer ihren Muter verloren. Auch waren Informationen  von Gefangenen oft wichtig.
Zunächst war von der großen Armee in Richtung, die aus der Hauptstadt kam, noch weit und breit  nichts zu sehen. Wahrscheinlich waren die Utarra-Rebellen dafür zu weit im Norden. Doch besonders in den letzten Tagen mehrten sich die Truppen des Hauses Vaneryen. Besonders von südlicher Richtung, anstatt -wie vorher- aus den großen Städten und Festungen des Nordens.
Gerade war Octavia mit einer Gruppe von Nord-Rebellen unterwegs, da trafen sie auf ein Bataillon aus der Hauptstadt. Die junge Frau hockte im Gestrüpp neben Indro, dem Anführer der Utarra Gruppierung und wartete ungeduldig auf den Kampf. Sie beobachtete die marschierenden Männer genau, die in Reih und Glied liefen und bemerkte die unzähligen Flaggen und Banner, die diese bei sich trugen.  Auf den im Wind wehenden Stoffe zeigten den roten dreiköpfigen Drachen auf schwarzem Grund. Die Rüstungen die sie trugen waren ebenfalls dunkel und einige von ihnen wahrscheinlich nicht Hauptmänner- waren in Blutrote Mäntel gehüllt.
Sie griff in die feuchte Erde und zeichnete eine Kriegsbemalung um ihre Auge und jeweils zwei Balken auf die Wangen, so wie es die Utarra und Pascima-Rebellen Rebellen üblich taten. Damit wollte sie die Zugehörigkeit signalisieren. Sie war immerhin eine von ihnen.
Die Männer um sie herum schienen zu ihr aufzusehen, als akzeptierten sie Octavia nun als vollständiges Mitglied ihrer Reihen. In ihr löste es eine innerliche Befreiung aus. Indro nickte ihr nur zu, als er dann eine Maske über seinen Mund zog. Dann sah die junge Frau nur wie er sein Schwert zog, aufsprang und zun Angriff rief. Dabei schrien er und seine Männer. Octavia wurde von den überwältigenden hochkochenden Gefühlen mitgerissen, zog ihr Schwert, hielt es nach vorne und rannte Indro hinterher, in Richtung der Truppen der Krone.
Auf der Nordstraße angekommen, schlug Octavia sich sofort durch ihre Feinde und verschonte keinen von ihnen. Wieder verfiel die junge Frau in eine Art Blutrausch und war mit ihren Angriffen nicht gerade zimperlich, noch hatte sie in diesem Moment vor irgendein von ihnen aus dem Weg zu gehen. Der Hass über sich selbst, die Wahrheit, die Königin und alles andere war zu groß, als das sie sich darum scherte, ob sie überlebte oder nicht.
In diesem Moment rang sie einen der Soldaten zu Boden und stach ihr Schwert in seine Brust. Dem Rausch verfallen, behielt Octavia noch immer die Übersicht über den Kampf. Die junge Frau ließ keinen ihrer Feinde am Leben. Sie drehte sich gerade um, da sah sie wie ein Mann sie mit seinem Schwert treffen wollte, aber schon das von Indro aus seinem Bauch ragte und der Mann zu Boden ging.
"Octavia!', hörte sie ihn im Getümmel rufen, "Du bist gerade kopflos!". Danach kämpften er und sie gegen einige Feinde und der Anführer der Nord-Rebellen schrie zu ihr rüber: "Wenn du so weiter machst, bis du bald schon tot, also bedenke deine Bewegungen!".
Auch wenn die Rebellin am liebsten seine Worte ignorierte, hörte sie zunächst auf ihn.  Zumindest versuchte sie das, soweit es möglich war.  Sie stellte sich etwas abseits des Geschehens auf eine kleine Erhöhung und sah sich die Kampfweise der Gegner genau an, um bestmöglichst darauf reagieren zu können. Allerdings erkannte sie lediglich ein Wirrwarr. Einer der Feinde, der scheinbar der Kommandant der Armee aus Minas-Tirith war, kam auf Octavia zu und zog sie an ihrem Arm von der Anhöhe herunter auf den Boden. Sie rollte sich rasch ab und war wieder auf ihren Knien bevor sie sich dann schließlich ganz erhob.
"Komm her du Schlampe!", beleidigte der Anführer der Soldaten die junge Frau, "...Wenn ich mit dir fertig bin, wünschst du dir du wärst nie geboren!".
Erst ließ sie sich davon eher wenig provozieren. Sie wartete jeden seiner Angriffe ab und parierte jeden Schlag.
"Die Königin sollte euch alle verbrennen , genau wie die armen Schweine damals in Minas-Tirith!", schnaubte er außer Atem. Diese Worte ließen sie doch noch Rot sehen und sie Griff den Mann an. Immer wieder schlug sie auf ihn ein und immer wieder  wehrte er jeden ihrer Schläge ihres Schwertes ab. Irgendwie schaffte sie es ihn zu entwaffnen, doch der Mann warf ihr Erde in das Gesicht, so dass sie sich reflexartig schützend an die Augen fasste, um den Sand und die Erde heraus zu reiben.
Dabei bemerkte sie gar nicht, dass der Kommandant auf sie zu kam und ihr das Schwert aus der Hand trat. Dann übermannte er sie und die junge Frau lag rücklings auf dem Boden. Der Anführer der Soldaten hockte über ihr, zog an ihren langen Haaren und hielt ihre Arme fest, so dass sie sich nicht bewegen konnte. Vor Schmerz versuchte sie sich seinem Griff zu entreißen, doch es war vergebens. Der Mann besaß einfach zu viel Kraft und war zu schwer.
Er lachte laut auf und sagte: "Was ist Mädchen? Geh lieber zurück an den Rockzipfel deiner Mutter!". Danach umschloss er ihren Hals mit seinen dicken Fingern.
"Stirb!!!", beschwor er  mit einem dunklen Ton in seiner Stimme. Octavia versuchte verzweifelt seine Hände von ihrem Hals zu lösen. Als ihr so langsam die Luft ausging, Griff sie nur noch um sich, bis sie einen Stein in ihren Händen hielt. Damit schlug sie auf den Kopf des Mannes ein, der sofort aufschrie und sich von ihr rollte.
Diesmal setzte sie sich auf den Mann und schlug aus Wut weiter auf den Kommandanten ein. Als das Gesicht des Anführers blutüberströmt und geschwollen war, erhob sie sich, nahm ihr Schwert und stach es ihm in den Bauch und drehte es einmal herum. Wieder im Blutrausch verfallen fällte sie noch die wenigen letzten Männer der Krone und verschonte keinen von ihnen. Dem einen Schnitt sie die Kehle durch, dem nächsten rammte sie ihr Schwert in die Brust und dem anderen gab sie einen Gnadenstoß. Dabei überhörte sie auch die Rufe von Indro, der sie versuchte zu stoppen und immer wieder rief, dass es genug war.
Außer Atem blieb sie schließlich stehen und sah sich um. Nur noch die Utarra-Rebellen standen auf dem Schlachtfeld und sahen sie an. Auch Indro sah sie ernst an.
"Und hab ich mit gut geschlagen?", wollte Octavia, ohne sich einer Schuld bewusst zu sein, wissen.
"Wenn du aufhörst die Menschen zu ermorden...", entgegnete Indro erbost, "...Du willst eine Kriegerin sein und keine Mörderin!".
Mit diesen Worten entfernte er sich und die anderen Rebellen folgten ihm. Octavia sah ihm nur verdutzt hinterher.  Sie verstand nicht, was er hatte. Immerhin hatten sie kaum Verluste und weitere Männer der Krone getötet. Davos klopfte ihr von hinten auf die Schulter und lächelte ihr zu.
"Du erinnerst mich an meinen alten Herren und Freund...", sagte er ruhig, "...Du versteckst dich nicht hinter anderen und bist eiskalt!".
Die junge Rebellin sah ihn fragen an, denn Indro war ja scheinbar nicht begeistert. Davos Schneewert schien dies zu bemerken und fuhr fort: "...Mach dir keine Sorgen um Indro... Er will nur aus dir eine gute Kriegerin machen!".
Mit diesen Worten ging auch er weiter und folgte den Anderen.  Octavia seufzte und lief ihnen nach.

Octavia Sagitta, Davos Schneewert und Indro auf dem Weg zum Utarra-Rebellenlager...

Darkayah:
Utarra-Rebellenlager (nördliches Arnor an der Grenze zu Angmar)
Octavia zurück im Utarra-Rebellenlager (Arnor)

Octavia sagte den ganzen Rückweg über nichts. Sie versuchte immer wieder Augenkontakt mit Indro herzzstellen, der aber weiter stur seinen Weg.
Mittlerweile sah sie ein wenig ein, dass sie sich wieder von ihren Gefühlen leiten lassen hat, anstatt wie eine ausgebildete Kriegerin den Nutzen an Gefangenen ziehen konnte.
In der zerfallenen Kleinstadt der Utarra-Rebellen angekommen, trat die junge Frau vor ihren Anführer um ihn direkt zu rede zu stellen. Dieser sah dagegen eher weniger begeistert aus.
"Hör zu., es tut mir leid...", fing sie an und gestekulierte dabei wie verrückt, "...Der Kommandant hat nur...".
"Es egal was der Kommandant gesagt hat...", unterbrach er sie, woraufhin Octavia erschrocken dreinblickte, "...Sieh nur zu dass dies nicht wieder vorkommt!".
Die junge Frau stellte sich Stramm neben ihm, während sie zu Seite trat und nickte ihm zu. Dann sah sie ihm und seinen Leuten, die im folgten weiterhin folgten, zu bis sie schließlich auch in das alte Rathaus ging, um sich in ihrem Zimmer etwas zu erholen. Auf dem Weg hörte sie immer wieder Nachricht von einem Turnier zu ehren der Königin. Die meisten schienen sich darüber lustig zu machen, während andere davon sprachen die Hauptstadt währenddessen zu stürmen. Erst einmal kümmerte sie sich allerdings nicht weiter um Gedanken um das Turnier. Immerhin war sie erschöpft von dem Kampf. Sie öffnete gerade die Türe und wollte hineintreten, da hörte sie  wie jemand ihrem Namen rief und angerannt kam. Es war Bertram, der Heiler der Utarra-Rebellen, der außer Atem auf der Treppe auftauchte und die letzten Stufen erklomm.
"Indro schickt mich...", hechelte er, "...Er möchte dich sprechen!".
Octavia kniff daraufhin die Augen zusammen. Sie rechnete schon mit dem schlimmsten und das Indro sie doch noch bestrafen , oder sogar wegschicken wollte.
Ich habe es geahnt..., dachte sich die junge Frau, da sie mit einer Bestrafung rechnete und folgte Bertram still zu Indro.
Als sie das Zimmer des Anführers betrat, konnte sie ihren Augen nicht trauen.
"Kael?", fragte sie verdutzt, als sie ihren Bruder erblickte. Neben ihm standen Phelan Belatan und Thirak Eisen.
"Octavia!", rief Kael schon fast freudig. Daraufhin konnte sich die junge Frau kaum zurückhalten und sprang ihren geliebten Bruder in die Arme. "Ich wusste dass du kommen würdest!", sagte sie leise, auch wenn sie noch das Wissen über ihre Wahre Herkunft und ihren letzten Streit im Hinterkopf hatte. Kael aber schien ihr keines Weges böse zu sein. Eher im Gegenteil. "Ich bin froh dich endlich gefunden zu haben...", sagte er mit leicht brüchiger Stimme, "...Ich dachte schon, du wärst getötet worden!".
Leicht gequält lächelte sie ihm zu und wandte sich dann Thirak und Phelan zu. Den ehemaligen Fürsten von Angmar umarmte sie auch rasch und Phelan nickte sie zu und drückte auf seinem Arm rum.
"Ich möchte eure Familienzusammenführung ungern unterbrechen...", fing Indro an, "...Aber warum seid ihr hier?".
Auch Octavia war neugierig. Immerhin hatte sie keinen Kontakt mehr mit irgendjemanden der Daskina-Rebellen.
"Die Armee aus der Hauptstadt marschiert schon in Arnor...", fing Phelan Belatan, der Anführer der Süd-Rebellen an, "...Auf uns werden sie als erstes treffen und deshalb ersuchen wir euch, um mit uns zusammen den gemeinsamen Feind zu vertreiben!".
Octavia wurde hellhörig. Sonst hatte Phelan nie Interesse daran, offensiv gegen die Männer der Krone vorzugehen.
"Und warum sollten wir das tun?", fragte Indro unbeeindruckt, "Wir kämpfen alle für uns selbst und wenn ihr zu erst vernichtet werden, ist es ein geringeres Übel für uns...".
Auch wenn Octavia zunächst schlucken musste, nachdem Indro die Worte aussprach, fand sie dass er recht hatte. Immerhin hielt kaum einer der Daskina-Rebellen zu ihr, ließen Deloth einfach hinrichten.
"Die Pascima-Rebellen sind bereit uns zu unterstützen, denn niemand von uns hat ein Interesse daran dass die Krone hier wieder stärker Fuß fasst...", behauptete Phelan Belatan. Die junge Rebellin zog daraufhin die Augenbrauen hoch. Die West-Rebellen waren sonst immer eigensinnig, waren blutrünstig und halfen niemandem.
"Pascima...", fauchte Indro, "...Die sind sich doch nicht mal untereinander einig...".
Dann trat Thirak nach vorne und erhob seine Stimme: "Wir sind bereit mit euch  unsere südlichen Gebiete zu teilen, wenn ihr uns dafür in Ruhe lässt...", sagte er entschlossen woraufhin Octavia ihn irritiert ansah, "...Ihr wollt die Truppen Kianas sicherlich auch hier weg haben und den Norden befreien...".
Sofort unterbrach Indro Thirak: "Meint ihr nicht wir hätten darüber nachgedacht? Die aktuelle Lage macht es nur schwierig und jetzt ist es fast unmöglich...".
Octavia wollte gerade etwas sagen, dann wurde sie aber von Davos unterbrochen, der lautstark in den Raum stolperte und dann wie erstarrt zu den Besuchern sah.
"Thirak?!, fragte er verdutzt, "Thirak Eisen bist du es wirklich?".
Ein lautes Murmeln erfüllte den Raum, als die anwesenden Utarra-Rebellen verdutzt zueinander sahen und nun alle auf den ehemaligen Fürsten Angmars blickten. Die junge Frau beobachtete nur, wie Thirak die Augen verdrehte und verhalten nickte. Dann sprang Davos ihm fast schon freudig-wie ein Kind, welches sich auf den Vater freute, der nach dem Krieg heim kam- in die Arme und sagte immer wieder wie froh er doch war, dass er noch lebte und sie sich wieder sahen.
Als sie vorsichtig zu Indro sah, bemerkte sie nur dass er keine Miene verzog. Er schien sich nicht zu erfreuen, dass sein alter Herr wieder anwesend war. Eher im Gegenteil. Er blickte etwas finster drein. Octavia war etwas leicht verwundert.
"Da seid ihr also wieder...  Von den toten auferstanden...", scherzte der Anführer der Utarra-Rebellen sarkastisch, "...Erwartet nicht, dass wir vor euch auf die Knie fallen, König des Nordens...".
Octavia bemerkte seinen Frust in der Stimmlage, nachdem er die letzten Worte hart betonte, wagte es aber nicht etwas zu sagen. Sie beobachtete die ganze Szernie lieber, da eine gewisse Spannung in der Luft lag.
Auch das noch..., dachte sie. Sie hoffte eigentlich dass es keinen Ärger mehr gab, oder die Nordmänner sich wenigstens auf ihren alten König freuten. Scheinbar war dem nicht so.
"Keine Sorge...", erwiderte Thirak ruhig, "...Ich erwarte von niemanden etwas, denn ich bin kein König, kein Anführer, nichts...".
Die junge Frau wartete auf eine Reaktion Indros, der aber noch immer finster drein blickte.
"...Das einzige was ich will ist, dass die Menschen frei und ohne Angst leben können....", fuhr Thirak Eisen fort, "...Doch dazu brauchen wir eure Hilfe und ihr unsere, wenn wir den Norden befreien wollen...".
"Da Herr Davos ohnehin von euch überzeugt zu sein scheint, was meinst du Octavia?", sprach Indro sie direkt an, "Sollen und können wir ihnen vertrauen?".
Octavia war hin und her gerissen. natürlich wollte sie Thirak, Phelan und vor allem Kael in Sicherheit wissen, doch was sollte sie sich um die anderen scheren. Sie sah zu Kael und den anderen, die erwartungsvoll zu ihr sahen. Sie hasste große Verantwortungen, aber sie musste ja antworten. Wenn sie nichts sagte, galt die vielleicht in Indros Augen als schwach oder den anderen konnte etwas zustoßen. Ein Seufzer trat aus ihrer Brust hervor.
"Wir sollten es machen.", sagte sie schließlich aufgeregt. Indro nickte ihr daraufhin zu und hielt Thirak und Phelan Belatan seine Hand hin.
"Gut, wir helfen und werden mit euch kommen...", sagte er schließlich bestimmend, "...Und danach werden wir sehen!".
In gewisser Weise war Octavia nun doch erleichtert und ihr fiel ein Stein vom Herzen. Denn so sicherte sie das Überleben derer, die ihr wichtig waren.
"Dann kommt zur großen Hauptstraße im Süden...", sagte Phelan, "...Dort zwischen Eregionwald und Mitheithel  werden wir die Feinde in die Zange nehmen!".
Octavia sah nur wie Indro Davos die Anweisung gab die Kampffähige Männer zusammen zu trommeln und Abmarsch bereit. Als Kael, Thirak und Phelan den Raum verließen folgte die junge Frau rasch, wurde aber von dem Anführer der Utarra-Rebellen gestoppt:
"Octavia!", rief er, so dass sie sich umdrehte und stehen blieb.
"Du reist mit uns, also mach dich bereit!", befahl Indro direkt. Sie nickte ihm zu. Sie wusste dass sie nur einen kurzen Moment mit ihrem Bruder hatte. Sofort umarmte sie ihn erneut.  Er wollte gerade gehen, da wurden ihre Augen feucht. Kael schien dies zu bemerken und nahm ihr Gesicht in seine Hände.
"Ich wollte dir nur sagen, dass ich falsch lag...", fing er ruhig an, "...Hörst du Octavia, mein Leben hat erst angefangen als du geboren wurden, denn du bist meine Verantwortung!".
Daraufhin lächelte sie ihm zu. Gleichzeitig wollte sie ihm noch die Wahrheit sagen über ihren wahren Vater, aber sie fand keine passenden Worte. Sie wusste nicht wie sie anfangen sollte. So kam es, dass Kael sagte: "Wir reden weiter, wenn die Schlacht vorbei ist, ich liebe dich!".
Sie seufzte erneut. Vielleicht war es besser. Vielleicht machte sie ihren Bruder damit nur durcheinander und ihm passierte dadurch was im Kampf.
"Mögen wir uns wieder sehen!", Sagte die junge Rebellin zum Abschied. Kael wiederholte ihre Worte und machte sich schnell auf dem Weg zu den anderen. Noch einige Zeit sah sie ihm nach, bis sie dann endlich ihre Sachen holte und mit Indro und den anderen auf dem Weg in das südliche Arnor machte...


Octavia Sagitta mit Indro, Davos Schneewert und KriegerInnen der Utarra-Rebellen auf dem Weg in das südliche Arnor...

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