Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Der Thron von Mittelerde

Arnor

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Darkayah:
Hauptstraße am Eregionwald und Mitheitel (Süd-Osten-Arnors)
Octavia Sagitta mit Indro,  Davos  Schneewert und KriegerInnen der Utarra-Rebellen am Eregionwald...

Es war soweit. Octavia war mit den anderen Utarra-Rebellen am vereinbarten Ort angekommen. Indro einigte sich mit Phelan Belatan darauf, dass die Daskina-Rebellen den Weg für die Armee blockierten, die Nord-Rebellen dann den Angriff starteten und die Pascima-Rebellen von hinten den Weg abschnitten, um die Soldaten der Krone einzukesseln.
Octavia malte sich wieder ihre Kriegsbemalung auf ihr Gesicht und wartete im Eregionwald auf die Truppen aus der Hauptstadt. Zunächst war weit und breit  nichts zu sehen, geschweige denn zu hören. Die junge Frau seufzte ungeduldig. Dann dachte sie an Kael, der bei den Daskina-Rebellen war. Auch wenn sie wusste, dass er ein guter Kämpfer war, machte sie sich Sorgen um ihn. Wenn ihm was zu stieße, könnte sie es sich niemals verzeihen. Sie wusste auch, dass er es umgekehrt ebenfalls dachte. Zumindest hoffte sie das, nachdem er ihr sagte, dass er ihr keine Schuld am Tod der Mutter gab und sie liebte. Allerdings wusste er noch nichts von ihrem echten Vater. Ihr wurde für einen Moment bange, als sie überlegte, wie und wann sie ihm das sagen sollte. Dann galten ihre Gedanken Thirak -auch wenn sie nicht genau wusste warum- und hoffte er schlug sich gut in der Schlacht. Sie wusste zwar dass er viele Kriege überlebt hat, aber hatte keine Ahnung wie er sich im Kampf schlug.
Weitere Gedanken konnte sie sich allerdings nicht machen, denn sie wurde aus diesen gerissen, als die Stimmen und Schritte vieler Männer durch den Wald hallten. Auch Trommeln waren zu hören. Octavia versuchte irgendetwas zu entdecken, aber von der Ferne konnte sie weder die Worte erkennen, welche sie riefen, noch die Männer an sich sehen.
Dann sah sie die Soldaten, die in Reih und Glied  auf der Straße marschierten. Gekleidet waren sie wieder in schwarzen Rüstungen. Viele von ihnen trugen auch schwarze Schilde, die den roten dreiköpfigen Drachen zeigten, besonders die, die vorne und an den Flanken liefen. Diesmal waren viel mehr Soldaten dabei, die Flaggen und Banner in ihren Händen hielten, die das Symbol des Hauses Vaneryen zeigten. An den Seiten ritten jeweils vier Reiter bei jedem Bataillon. Nach einer gewissen Anzahl an Bataillone zogen Pferde Karren, die etwas unter einer Plane transportierten.
Mittlerweile erkannte sie auch die Worte der Männer. Es waren Lobeshymnen und Rufe, die Königin Kiana Vaneryen galten. Auch wenn die junge Rebellin Hass verspürte, wenn sie die Worte hörte und die Soldaten ihre Königin scheinbar schon quasi verehrten, breitete jeder einzelne Trommelschlag und jedes angestimmte Lied in Octavia eine gewisse Faszination aus. Gleichzeitig hasste sie sich selbst dafür. Doch so etwas hat sie noch nie zuvor erlebt. Weder damals in Minas-Tirith, noch von keinem der Bataillone die den Norden erreichten.
Ihr Herz raste und sie versuchte sich zusammenzureißen, da sie  sich nun etwas vor der Schlacht fürchtete. Die junge Frau versuchte Indro irgendwo zwischen den Nord-Rebellen zu erblicken, doch er war zu weit weg, als dass sie mit ihm Augenkontakt halten konnte. Octavia sah sich um und bemerkte ebenfalls die Furcht der Krieger der Utarra-Rebellen, die sich bei ihr befanden. Die lauten Rufe der Soldaten wurden lauter und lauter.
Ich habe keine Angst..., redete sie sich ein, Ich darf jetzt keine Furcht haben!. Sie musste auch die Angst der Männer und Frauen um sie herum brechen. Nur wusste sie nicht wie. Sie zog ihr Schwert um zu den Anderen so zu zeigen, dass selbst sie bereit war und in die Schlacht folgte. Der Zug stoppte und Octavias Herz raste noch schneller. Um sie herum schien alles in Zeitlupe abzulaufen. Sie wusste was dies bedeutete: Die Daskina-Rebellen stoppten die Soldaten und es ging los!
Als Indro zum Angriff rief, folgten ihm nicht alle sofort in den Kampf.
Ich muss etwas unternehmen... dachte sie sich.  Die junge Frau hielt ihr Schwert nach vorne und rief ebenfalls zum Angriff, sodass die übrigen Rebellen -zu ihrem Glück-  ihr doch noch folgten.
Dadurch, dass der Boden des Waldes höher lag als die Straße, sprang Octavia mit den Kriegern direkt in die feindlichen Reihen und überraschte diese somit. Sofort kämpfte sie sich durch ihre Feinde und versuchte so viele mit ihrem Schwert zu töten, wie es ihr möglich war. Für die junge Rebellin selbst und für viele der anderen Rebellen ergab sich so eine Möglichkeit um Rache aus zu üben. Das war auch mit der Grund, warum sie ihre Gegner so Brutal nieder streckten.
Zuerst wirkte es auch so, als drängten die Rebellen  die Männer der Krone zurück, denn einige flohen vom Geschehen oder fielen in den Fluss Mitheithel und ertranken dort. Es schien so, als vernichteten die Rebellen wieder einen Zug aus der Hauptstadt, so wie sie es immer taten. Allerdings war dies doch nicht so einfach: Diese Soldaten waren nicht einfach zu besiegen. Sie formierten sich hinter ihren Anführern neu und starteten Gegenangriffe. Octavia war leicht verwundert. Sonst hatten die Truppen der Krone nie so einen Mut gehabt oder waren gut vorbereitet.
Hinter einem Schildwall neu formiert, rückten die Truppen langsam vor und kämpften sich den Weg durch die Rebellen. Octavia sah sich um. Sie musste einen Weg finden, wie sie den Schildwall durchbrechen konnte. Dann bemerkte sie einen Karren, an dem zwei Pferde befestigt waren, hinter sich. Rasch eilte so schnell sie konnte dorthin, löste die Zuggeschirre und trieb die Pferde in Richtung der formierten Soldaten.  Sie atmete vor Erschöpfung kurz durch, weil ihr Plan aufging und die Pferde durch den Schildwall gebrochen waren. Sofort nutzten die Rebellen die Chance um sich durch die Reihen der Feinde zu kämpfen. Auch Octavia stürmte dorthin und mischte kräftig mit.
Das Blatt wendete sich wieder zugunsten der Rebelle. Octavia wich vielen der Soldaten aus und nutzte ihre Chance diese zu töten.
"Los weiter!", drängte sie die Utarra-Rebellen um sich herum. Die junge Frau erblickte den Anführer des Zuges, der auf einem schwarzem Pferd saß, einen gehörnten Helm trug der eine Fratze abbildete und Befehle gab. Immer wieder versuchte sie sich durch das Gedränge der kämpfenden Menschen zu bewegen um diesen Anführer zu erreichen, doch sie wurde selbst in Kämpfe verwickelt.
Kurz bevor sie den Anführer erreichte, stand sie plötzlich vor einer Reihe Armbrustschützen, die bereit zum feuern waren.
"Vorsicht!", rief sie noch, während sie zur Seite sprang, "Deckung!". Dann schossen die Armbrustschützen ihre Feinde nieder. Octavia starrte voller Furcht auf das Geschehen, als sie bemerkte, dass es keine normalen Armbrüste waren, sondern dass sie mehrere Schüsse hintereinander ohne nachzuladen verschießen konnten. Sie konnte nur dabei zusehen, wie ihre Kameraden Einer nach dem Anderen zu Fall gebracht wurden. Die junge Rebellin kroch wimmernd hinter einem Stein um nicht entdeckt zu werden. Ihr Herz raste  mehr und mehr.  Sie musste etwas unternehmen. Doch sie wusste nicht was. Mit einem Ohr hörte sie nur, wie die Armbrustschützen vorrückten. Octavia blieb hinter dem großen Felsen und hoffte nicht gesehen zu werden, als die Männer dort vorbeikamen. Zu ihrem Glück bemerkte sie die junge Frau auch nicht. Schnell konnte sie die Männer durchzählen. Es waren nur Zehn und doch richteten sie mit ihren neuen Waffen solch verheerenden Schaden an. Pfeile flogen in die Richtung und ließen zwei der Männer zu Boden gehen. Scheinbar ließen sie sich davon nicht beirren und verschossen ihre Bolzen in die Richtung aus der die Pfeile kamen. Octavia drückte sich weiter an den Stein. Auf dem Boden sah sie eine der neuen Waffen, die einer der beiden toten Männer neben sich fallen ließ. Kurz zögerte sie, doch dann rannte sie zu der Leiche und hob die Armbrust auf, um sie dann den eigenen Trägern von hinten in den Rücken zu schießen. Genau zehn Bolzen konnte sie verschießen ohne einmal nachladen zu müssen.
Die Rebellen stürmten zu Octavia und kämpften sich weiter durch. Der Triumph sollte aber nur von kurzer Dauer sein, denn immer wieder rief der Anführer die neue Waffe zu benutzen.
Was kommt denn jetzt noch?!, fragte sie sich verzweifelt und sah nur wie einer der Kommandanten von seinem Pferd stieg und auf einen Wagen Stieg, den Soldaten von der Plane befreiten. Darunter befand sich ein Gestell, welches einem Skorpion ähnelte. Während der Kommandant noch die Waffe bereit machte, schlich sich Octavia zu diesem Karren und versteckte sich dort. Dann beobachtete sie nur, wie der Mann die Kurbel betätigte und wie aus Geisterhand durch das Kurbeln mehrere Geschosse verschießen konnte, ohne nachzuladen. Mit lauten Schreien gingen die Rebellen zu Boden. Octavia drückte sich an den Karren und hoffte, wie erstarrt, nicht entdeckt zu werden. Feuerpfeile schlugen in den Karren ein erreichten aber nicht den Kommandanten, der sie bediente.
Reiß dich zusammen, Octavia!, redete sie sich Mut zu. Dann kletterte sie auf den Wagen und stach ihr Schwert in den Rücken des Mannes. Sie schubste ihn herunter und wendete die Maschine , unter Jubel der Rebellen, gegen die Soldaten der Krone und brachte dadurch viele zu Fall. Auch wenn sie den Nutzen an dem Gerät erkannte, machte es ihr gleichzeitig auch Angst. Wenn die Krone noch mehr solcher Waffen besaß, wurde es gefährlich für die Rebellen. Sie kurbelte weiter, bis keine Geschosse in der Apparatur mehr vorhanden waren. Das sorgte dafür, dass sich die Reihen der Männer der Krone gelichtet und somit verstreut waren. Sie versuchte die Maschine zu zerstören, indem sie gegen das Gestell trat und legte sie schließlich mit den Feuerpfeilen, die im Karren stecken, in Flammen. Die junge Rebellin wischte sich mit ihrem Arm Schweiß, das Blut und den Dreck von der Stirn. Dabei sah sie wieder den Anführer mit dem Helm, der verzweifelt versuchte seine Männer neu zu formieren. Octavia erkannte die Möglichkeit, die Moral der Männer endgültig zu brechen, indem sie ihn tötete. Sie sammelte eine der neuen automatischen Armbrüste und Halter für die Bolzen ein, hängte sie sich um , da diese an einem Gurt befestigt waren und stürmte auf den Anführer zu. Dieser schien das zu bemerken und ließ sein gepanzertes Pferd mit den Hufen scharren. Dann ritt er im Galopp auf sie zu. Octavia Griff schnell nach einem Speer, der neben ihr im Boden steckte um den Anführer der Truppe von dem Pferd zu bekommen. Sie traf ihn aber nur mit dem Stumpfen Ende, sodass er nur zu Boden fiel. Da von der anderen Seite die Pascima-Rebellen nun auch durch die Reihen der Soldaten drangen, sah Octavia nur wie der Anführer aufsprang, die wenigen Männer um sich herum sammelte und in den Wald flüchtete. Die junge Frau konnte dies natürlich nicht zu lassen. Sie drehte sich kurz um und sah auch, wie die Daskina- und Utarra-Rebellen gemeinsam vor drangen.
Ich muss wenigstens versuchen ihn gefangen zu nehmen..., dachte sie sich kurz entschlossen und folgte dem Anführer der Armee daraufhin in den Wald...

Octavia Sagitta läuft tiefer in den Wald von Eregion um Loki zu folgen...

Darkayah:
Wald von Eregion (Süd-Osten Arnors)
Octavia Sagitta folgt Loki in den Eregionwald...

Sie rannte weiter durch das Gestrüpp, rannte weiter durch das Dichte Grün des Waldes. Als sie kurz nach hinten sah, bemerkte sie, dass ihr niemand folgte, obwohl sie darauf hoffte dass wenigstens ein paar der Utarra-Rebellen hinter ihr waren. Doch es war nun zweitrangig. Immerhin musste sie versuchen den Anführer gefangen zu nehmen. Sie wollte Indro beweisen, dass sie doch bereit dazu war eine Blutkriegerin zu werden, seine beste Kämpferin und somit seine Nachfolgerin. Vorsichtig folgte sie der Gruppe durch das Gestrüpp, bis sie nah genug dran war. Die Männer schienen sie überhaupt nicht zu bemerken.
“Hey!”, rief sie nur woraufhin sich die Soldaten der Krone zu ihr drehten, “Ihr solltet euch lieber eure Waffen schnappen!”.
Voller Zuversicht stürmten die Männer auch sofort auf Octavia zu, die aber Einen nach den Anderen leichtfertig tötete. Dann wandte sie sich an den Anführer, der seinen gehörnten Helm auszog und seinen Umhang entfernte. Er hatte schwarzes mittellanges Haar, blaue Augen und sein haarloses Gesicht wirkte schmal. Obwohl er nicht unbedingt einen muskulösen Körper hatte -er war eher Schlank- hielten ihn vermutlich viele Frauen für attraktiv. Was wohl auch daran lag, dass er ein äußerst gepflegter Mann war und schon alleine von seiner Körperhaltung und der Ausstrahlung charmant wirkte. Auch hatte er trotz der bevorstehenden Niederlage noch ein gewisses Feuer in seinen Augen, das auch Octavia ziemlich anziehend fand.
Ich kann jetzt nicht an sowas denken!, brachte sie sich selbst wieder zur Besinnung. Immerhin war dieser Mann noch ihr Feind. Er behielt sein charmantes Lächeln und ging auf die junge Frau zu. Dabei hielt er seine Arme offen, in beide Richtungen gestreckt. Wahrscheinlich wollte er ihr damit signalisieren, dass er unbewaffnet war. Octavia dagegen, hielt ihr Schwert weiter in seine Richtung und drohte ihm damit nicht näher zu kommen.
“Du willst doch nich einen unbewaffneten und Wehrlosen Mann töten, nicht wahr?”, rief er plötzlich. Die junge Rebellin vertraute dem Fremden natürlich nicht. Warum auch? Vor nicht langer Zeit kämpften sie noch auf zwei verschiedenen Seiten.
“Dann wird es Zeit dir eine Waffe zu nehmen!”, rief sie zurück. Es dauerte auch nicht mehr lange, so dass Octavia auf den Anführer zu stürmte und nur kurz vor knapp seinen Angriff mit einen Dolch abwehrte. Genau deshalb vertraute sie nicht auf seine Worte.
Dachte er wirklich, dass ich so dumm bin?, fragte sie sich keuchend. Ein paar male prallten ihre Schwerter aufeinander als er sein Schwert zog, bis es ihr gelang den Mann zu entwaffnen. Er kämpfte noch geschickt mit seinem Dolch weiter. Octavia war verwundert, denn er kämpfte nicht wie die anderen Soldaten.
“Du solltest aufgeben, Rebellen-Mädchen…”, sagte er außer Puste, “...Ich möchte dir nicht weh tun und dein doch recht hübsches Gesicht verunstalten!”.
Octavia versuchte seine Bemerkungen so gut sie konnte zu ignorieren. Er war gut im Umgang mit seinem Dolch, sodass es für die junge Rebellin äußerst schwierig war, gegen den Mann anzukommen. Langsam ging auch ihr die Luft aus und so kam es, dass sie einen kurzen Moment unvorsichtig war und er sie entwaffnete. Schnell tastete sie ihren Körper ab, um noch eine weitere Waffe zu finden. Doch vergebens, denn sie hatte nicht einmal ihren Dolch bei sich. Die neue automatische Armbrust mit den Bolzen lag ebenfalls zu weit weg, als dass sie diese erreichen konnte.
Der Anführer der Soldaten der Krone musterte sie von oben bis unten, was ihr sofort auffiel. Sie wartete schon auf einen weiteren dummen Kommentar seinerseits, doch er sagte nichts. Schließlich stürmte er auf die junge Frau. Während sie noch versuchte auszuweichen, spürte sie nur wie er ihren Arm griff, ihr seinen Dolch an den Hals drückte und dicht hinter ihr stand.
“Und jetzt ist es genug…”, sagte er leise in ihr linkes Ohr und atmete dabei schnell, “...Du hast deinen Spaß gehabt…”. Noch bevor er ausreden konnte, gelang es der Rebellin sich aus seinem Griff zu lösen, schlug ihm ihren Ellenbogen hart in das Gesicht und trat ihm mit ihrem Fuß das Messer aus der Hand. Da er sich vor Schmerzen noch die Nase hielt, aus der das Blut nur so strömte, übermannte sie den deutlich größeren Mann, sodass er rücklings auf dem Boden lag. Immer wieder wehrte er sich weiter, als Octavia über ihn stieg und immer wieder wechselten sie die Positionen, wer oben über dem Anderen war und scheinbar den Kampf gewann. Als es aber so aussah, dass der Anführer die Oberhand behielt, löste es in Octavia innerlich eine Wut -die durch die Todesangst und dem Überlebenswillen bedingt war- aus und sie schaffte es mit letzter Kraft wieder auf dem Mann zu sitzen. Ein paar male schlug sie ihm gegen den Kopf, doch er lachte nur, was dazu führte dass sie sich nur weiter provoziert fühlte und der Hass in ihr aufstieg.
Dieser Mistkerl..., dachte sie sich nur und versuchte gleichzeitig ihre Tränen zu unterdrücken. Scheinbar mokierten sich Kianas Soldaten selbst noch über Andere, wenn sie dem Tode in die Augen blickten. Natürlich durfte er ihre feuchten Augen nicht sehen, weshalb sie nach jedem Schlag mit ihrem Arm über ihr Gesicht wischte. Dann nahm sie aus dem Reflex heraus den Dolch des Mannes, der neben den beiden lag und wollte ihn direkt in seinen Kopf stechen. In ihrem Kopf malte sie sich schon das Szenario aus, wie das Stück Metall in seinem Auge steckte und der Mann leidend und elendig verblutete und vor sich hin starb, während sie dabei  zu sah. 
Doch es war nur in ihrer Fantasie. Irgendwie gelang es ihr doch noch, ihre ganze Wut, ihren ganzen Frust zu bändigen. Kurz vor dem linken Auge des Mannes blieb der Dolch doch noch stehen. Dabei zitterte Octavia am ganzen Körper. Mit voller Wucht steckte sie das Stück Metall in die feuchte Erde des Bodens. Sie ließ sich erschöpft nach hinten auf ihr Gesäß fallen, als sie dann ein Seil fest um die Handgelenke des Anführer der Soldaten des Hauses Vaneryen schnürte. Dieser war dabei wie erstarrt und bewegte sich nicht. Wahrscheinlich hatte er doch für einen kurzen Moment Angst um sein Leben gehabt. Der jungen Rebellin war es im Endeffekt egal. Hauptsache sie hat es geschafft ihn gefangen zu nehmen und konnte ihn zu Indro bringen. Sie erhob sich schließlich.
“Los, steh auf!”, befahl sie, während sie am Seil zog. Sie riss fester an diesem, als der Mann sich nur langsam aufrichtete und  auf setzte.
“Du hast mich gerade verprügelt…”, beschwerte er sich, “...Was erwartest du denn? Dass ich jetzt freudig herum tanze?”.
“Nein, ich will nur dass du die Klappe hältst und aufstehst!”, sagte sie sichtlich genervt. Der Mann erhob sich stöhnend und fast schon theatralisch. Octavia verdrehte daraufhin  nur ihre Augen. Sie verstand nicht was er nun wollte. Nur Aufmerksamkeit, oder hoffte er Zeit schinden zu können, damit ihn jemand rettete? Für sie war es belanglos, da sie sowieso von dort verschwinden wollte um den  Gefangenen so schnell wie möglich zur Befragung zu den Utarra-Rebellen zu bringen.
“Geht es nun, der Herr?”, fragte sie sarkastisch und machte einen Knicks. Aus seinem Mund kam nur ein Geräusch, als er die Luft zwischen seinen Zähnen heraus drückte und den Kopf schüttelte.
“Gut, wenn dem so ist…”, sagte Octavia nur und stampfte dabei los.
“Moment!”, rief er plötzlich, sodass sich die junge Rebellin wieder seufzend zu ihm wandte: ”Was ist?”.
Er versuchte irgendwie mit den verbundenen Händen zu gestikulieren. “Nun ja…”, fing er an, “...Da wir ja quasi gerade eben sehr Intim geworden sind, willst du mir wenigstens deinen Namen verraten, Rebellen-Mädchen? Ich bin Loki”.
Octavias Mimik verfinsterte sich, als sie die Worte hörte. Scherzte er wirklich noch herum, obwohl er überhaupt nicht in der Position befand Witze zu machen? Wahrscheinlich wollte er sich wieder nur über sie lustig machen. Sie drehte sich wieder um und ging einfach weiter, ohne etwas zu sagen. Am Zug des Seiles spürte sie, dass der Anführer, der wohl Loki hieß, allerdings nur widerwillig hinter ihr herlief.
Sie stöhnte laut und drückte dabei viel Luft aus ihrem Brustkorb.
Das kann ja was werden..., dachte sie genervt und rieb sich die Stirn. Vielleicht sollte sie ihm einfach ihren Namen sagen und er würde sich zufrieden geben.
“Ich bin Octavia…”, rief sie ihm schließlich rüber. Und tatsächlich lockerte sich der Zug des Seiles und Loki lief besser mit. Er stieß auch ein triumphierendes Lachen heraus, was die junge Frau nur wieder zu einem genervten stöhnen anregte. Sollte er seinen kleinen Sieg haben. Immerhin hatte er die Schlacht und den Kampf verloren. Gleichzeitig verwandelte es auch ein widerwilliges Lächeln auf Octavias Lippe. Sie mussten sich beeilen denn sie wollte nicht in völliger Dunkelheit mit dem Gefangenen im Wald von Eregion unterwegs sein...

 Octavia Sagitta mit Loki als Gefangener auf dem Weg durch den Eregionwald….

Darkayah:
Wald von Eregion (Süd-Osten Arnors)
Octavia Sagitta unterwegs im Wald von Eregion mit Loki als Gefangenem im Schlepptau...

Octavia war schon mehr als genervt, denn Loki redete und redete, ohne einmal eine Pause zu machen. Selbst wenn sie nicht antwortete, schien er seinen Monolog weiterzuführen. Wenn sie ihn aufforderte ruhig zu sein, gelang es ihm vielleicht für wenige Minuten nichts zu sagen, fing dann aber doch wieder an. Sie fragte sich mittlerweile, ob es nicht eine Taktik war, damit sie ihn doch -von den Nerven überrumpelt- laufen ließ. Oder wollte er vielleicht sterben, um später keine Informationen preisgeben zu müssen und provozierte sie somit absichtlich? Auch wenn sie ihm nicht wirklich zuhörte, schnappte sie einige seiner Worte auf. Er sprach davon, wie die Überfahrt von Umbar nach Mittelerde verlief, die Reise in den Norden und wie gerne er wieder ein richtiges Bett haben wollte. Auch sprach er immer wieder von einem Turnier in Minas-Tirith, welches die Königin veranstaltete. In gewisser Weise interessierte sie sich dafür, schwieg aber trotzdem.
“Kannst du jetzt mal still sein?”, forderte sie ihn auf. Sie bemerkte nur seinen irritierten Blick. Sie fand es schon schlimm genug dass sie sich, obwohl er so sehr an ihren Nerven zerrte und ihr Feind war,  zu ihm hingezogen fühlte und ihn nicht gerade als unattraktiv empfand.
Erst als er plötzlich von der Sinnlosigkeit der Rebellion sprach, entfernten sich diese Gedanken wieder aus ihrem Kopf. “...Aber siehst du nicht, dass es nichts bringt sich gegen Kiana aufzulehnen? Wo soll das denn hinführen?”, sagte er gerade, “Es ist genauso ein Himmelfahrtskommando, als würde man während dem Turnier versuchen Kiana zu töten…”. Octavia verdrehte ihre Augen und entgegnete: “Du hast doch keine Ahnung…”. Gleichzeitig fand sie den Einwand von Loki gar nicht verkehrt. Es wäre eine möglichkeit die Königin an diesem Tag ein Schwert in das Herz zu rammen. Schnell wurde sie aber durch die Worte ihres Gefangenen aus ihren Gedanken geholt.
“Du hast die neuen Waffen gesehen…”, sagte er, “...Sie sind so verheerend, dass viele von euch unnötig sterben werden…”.
“Die Schlacht sah gar nicht so schlecht für uns aus! Fandest du nicht?”, fragte sie provokant. “Ja, diese eine Schlacht habt ihr gewonnen, weil ihr Rebellen einmal vereint gekämpft habt und wir überrascht worden sind. Was ist wenn Kiana eine bewusste Offensive startet und das von der Grenze Arnors an? Sie hat noch schlimmere Waffen, als nur die neuen Technologien…”, redete Loki weiter, “...Nämlich ihre Macht und ihren Drachen Ancalagon! Ich hab ihn schonmal gesehen, wie er eine Flotte in Flammen gesetzt hat! Du nicht. Was wollt ihr dann dagegen ausrichten?”.
Eigentlich hatte die junge Frau keine Lust mehr mit Loki über diese Angelegenheiten zu reden. Immerhin hatte sie sehr wohl erlebt wozu der Drache und Kiana fähig waren, als sie Minas-Tirith in Schutt und Asche verwandelten.
Wenn du wüsstest! dachte sie sich nur. Gleichzeitig fragte sie sich, warum Loki denn dann jemanden wie Kiana diente, wenn er doch wusste, zu welchen schlimmen Taten sie fähig war.
“Ach, und so jemandem folgst du dann? Einer Tyrannin?”, dabei klang sie wieder sehr sarkastisch, “Obwohl du weißt wozu sie fähig ist und was sie getan hat?”.
“Das ist etwas anderes. Sie ist keine Tyrannin, aber meine Königin! Natürlich führe ich ihre Befehle aus!”, redete er sich heraus. Octavia entgegnete: “Und weil sie deine Königin ist folgst du ihr Blind?”. Sie konnte sichtlich sehen, wie der Mann, der mittlerweile sogar neben ihr herlief,  in Bedrängnis war und wie wild versuchte mit den verbundenen Händen zu gestikulieren.
“Natürlich nicht, aber sie weiß was das Beste für alle ist! Immerhin befreite sie tausende von Menschen im Osten!”, verteidigte er.
“Also hast du Angst vor ihr?”, bohrte die junge Frau weiter. “W-was? Ich und Angst?”, stotterte er vor sich hin, “Nein… Sie wird gewusst haben, warum sie so handelte…”.
Sofort unterbrach sie ihn: “Also fürchtest du dich doch vor ihr und deshalb dienst du ihr!”.
Loki antwortete zunächst nicht. Das gab ihr innerlich eine gewisse Genugtuung. Einmal weil er endlich ruhig war und nichts mehr sagte, gleichzeitig auch weil sie das Gefühl hatte ihn auch noch im Wortgefecht besiegt zu haben und ihn und seine Gefühle zu der Königin entlockt zu haben. Das bestätigte sie in ihrem schlechten Eindruck über Kiana. Ganz im Gegenteil zu Deloth und Thirak.
Eine ganze weitere Zeit schwiegen die beiden noch, als sie weiter durch den Wald gingen. Die Sonne ging so langsam unter und die Wolken am Himmel zogen sich zusammen. Seichte Briesen drangen durch den Wald, ließen die Blätter der Bäume, die Pflanzen im Wind tanzen und das abgestorbene Laub auf dem Boden aufwirbeln. Octavia machte sich leichte Sorgen, denn sie wollte schon lange wieder im Utarra-Rebellenlager sein. Doch sie war noch immer im Wald und sie wusste in diesem Moment nicht einmal in welche Richtung sie ging. Für einen kurzen Moment blieb sie stehen um sich zu orientieren.
“Du weißt doch hoffentlich wo es lang geht, oder hast du dich verlaufen?”, fragte Loki direkt.
Ja, weil du mich mit deinem Gerede total verrückt gemacht hast! dachte sie sich. Leichter Ärger stieg in ihr auf, da der Gefangene sie scheinbar lesen konnte.
“Hey, ich weiß ja nicht ob es jetzt ungünstig ist…”, fing Loki wieder an, “...Aber ich müsste mal dringend, wenn du weißt was ich meine…”.
Octavia schüttelte nur den Kopf. “Dafür haben wir keine Zeit!”, antwortete sie entschlossen und wollte weiter gehen. Sie wurde allerdings von dem Rückstoß des Seiles gestoppt, da er sich nicht bewegte und stehen blieb.
“Bitte, es ist dringend! Nimm mir nicht das letzte bisschen Würde!”, flehte er fast schon.
Die junge Rebellin seufzte und gestatte ihm mit einem Nicken schließlich die Möglichkeit sich zu erleichtern. Sie wandte sich ab, drehte sich aber zurück zu ihm um, als er sich räusperte. Dann hielt er seine eng verbundenen Hände hoch.
“Wenn du die Fesseln nicht lösen willst, musst du mir irgendwie helfen…”, sagte er und lächelte dabei schelmisch.
Aus Zorn ballte sie ihre Faust und schrie in sich hinein. Er fand immer eine Möglichkeit sie zur Weißglut zu bringen. Sie ging auf ihn zu, löste seinen Gürtel, zog ihm schnurstracks die Hosen herunter und wandte sich so schnell sie konnte ab. Sie spürte förmlich wie die Röte in ihr Gesicht strömte. Sie wartete ungeduldig bis er fertig war und lauschte widerwillig dem Plätschern. Als das Plätschern schließlich stoppte, zog sie ihm von hinten nur schnell die schwarzen Hosen wieder hoch. Natürlich hätte sie sich denken können, dass er selbst in einer solchen Situation nicht vor herablassenden Sprüchen zurück schreckte, vor allem, da sie sich schon erniedrigt genug fühlte: “Nicht so stürmig, Kleine…”, sagte er nur. Octavia war dagegen nur genervt und warf ihm einen erbosten Blick zu. Loki dagegen behielt sein charmantes Grinsen. Dann trat  sie vor ihm und zog daraufhin den Gürtel so fest, dass er erstmal seinen Bauch einziehen musste und  kurz sein Atem durch die Ruckartige Bewegung stoppte.
Sie ging weiter voran und zog ruppig am Seil. Der Wind entwickelte sich zwischenzeitlich zu einem Sturm und die ersten Regentropfen gingen auf die Erde nieder, die Octavias Nasenspitze berührten. Ein lautes Donnern, dicht gefolgt von einem hellen Blitz, ertönte am Himmel.
Genau das war, was sie nicht gebrauchen konnte. Sie mussten sich beeilen, doch das umschlagende Wetter erschwerte dies nur weiter. Die einzelnen Regentropfen verwandelten sich in einen dichten Schauer, der nun auch von größeren Hagelkörnern begleitet wurde. Einige der Blitze schlugen ganz in der Nähe ein. Doch Octavia wollte weiter. Sie musste weiter.
“Also jetzt langsam fürchte ich mich um mein Leben! Vielleicht sollten wir lieber einen Unterschlupf finden!”, merkte Loki an, als ein weiterer Blitz einschlug und er die größe der Hagelkörner sah. Erst wollte sie nicht auf ihn hören und lief weiter. Dann aber regnete es so stark, dass sie kaum noch etwas -verstärkt durch das Dunkelwerden des Himmels- erkennen konnte. Sie erkannte nur eine Einbuchtung in einer Anhöhe. Vermutlich eine Höhle. Schnell eilte sie mit Loki im Schlepptau dorthin. Am Eingang der Höhle sah sie nur einige Knochen. Sie hoffte, dass sie nicht mehr bewohnt war. Kurz entschlossen hob sie einen Stein auf und warf ihn hinein. Am wiederkehrenden Echo vermutete sie nur, dass diese Höhle nicht sonderlich tief war und ware sie bewohnt wäre wohl schon etwas herausgekommen. Zügig sammelte sie das trockene Holz, welches am Eingang verteilt herum lag ein, legte sie zu einem Haufen zusammen und machte eine kleines Feuer. Ihre Kleidung war total durchgenässt und ließ ihren Körper Zittern und frieren. Sie zog auch ihren Gefangenen näher an das Feuer, denn tot brachte er ihr und den anderen Rebellen nichts. Die junge Frau hockte sich hin und versuchte sich irgendwie aufzuwärmen. Jetzt ging es nur noch darum den Sturm abzuwarten….

Octavia Sagitta sucht mit Loki unterschlupf in einer Höhle im Wald von Eregion

Darkayah:
Wald von Eregion (Süd-Osten Arnors)
Octavia Sagitta mit Loki in einer verlassenen Höhle im Wald von Eregion

Das Gewitter außerhalb der Höhle verschlimmerte sich. Es war inzwischen dunkel und Octavia saß noch immer zitternd an der Feuerstelle. Sie starrte nur auf die kleinen lodernden Flammen und hoffte inständig, dass sich ihr Körper allmählich auf wärmte. Doch ihre Kleidung war zu nass, als dass ein Warmer Strahl sie durchdringen konnte. Auch wenn sie bemerkte, dass Loki sie immer wieder ansah, konzentrierte sie sich nur auf das knistern des Feuers und das plätschern des Regens, dass in vielen Rinnsalen  am Eingang herunterlief. 
Sie war froh, wenigstens jetzt kein Wort von ihm zu hören. Doch sie freute sich zu früh, da er mehrere male zum Reden ansetzte, aber nicht die richtigen Worte fand.
“Wenn ich dich so ansehe erfriere ich schon bei diesem Anblick!”, fing er schließlich an, “Vielleicht solltest du deine nasse Kleidung wenigstens entfernen. Dann kann die Wärme auch besser deinen Körper erreichen!”.
Octavia ignorierte ihn zunächst. Was sollte es ihn kümmern, ob sie nun frierte oder nicht? Außerdem lenkte das Gefühl der Kälte, des Zitterns und die beständigen Versuche es zu unterdrücken, sie von ihren Gedanken ab. Die Gedanken an Kiana Vaneryen, Deloth, ihrer wahren Herkunft und Kael.
“Du holst dir noch den Tod…”, drängte Loki weiter, “...Und mich nimmst du direkt mit!”. Die junge Frau rollte die Augen. Wenn sie starb, war es ihr in gewisser Hinsicht egal. Immerhin hielt sie nichts mehr am Leben. Sonst konnte sie niemals mit voller Kraft in einen Kampf ziehen, wenn sie nur Angst um ihr Leben hatte.
Doch inzwischen war die eisige Kälte, die mit dem Sturm selbst an den Eingang der Höhle zog, unerträglich. Sie seufzte leise. Dann beschloss sie auf Lokis Ratschlag zu hören, auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte, ihm recht zu geben. Langsam zog sie ihre durchnässte Jacke aus, dann folgte ihr schwarzes ärmelloses Oberteil und die schwarzen Hosen samt Stiefel. Gekleidet war sie nur noch in ihrer Unterwäsche. Sie hing die Kleidungsstücke zum trocknen an die hervorstehenden Steine der Höhle. Ihr war es leicht unangenehm, dass Lokis Augen auf ihren schlanken und wohlgeformten Körper ruhen blieben und sie beobachteten.
“Was ist?”, fuhr sie ihn an. “Ich dachte mir, für eine Rebellin bist du ziemlich…”, sagte er, unterbrach sich aber selbst, “...Ach vergiss es… Kannst du mir nicht die Fesseln lösen? Ich würde mich selber gerne am Feuer wärmen.”.
Octavia war zunächst skeptisch. Sie dachte sich schon, was er zuerst sagen wollte. Wie jeder Mann in ihrer Nähe wollte er vermutlich Anspielung auf ihr Aussehen machen. Auch wollte sie ihn eigentlich nicht von den Fesseln befreien. Er konnte sie so angreifen, oder schlimmer noch: Er konnte fliehen! Als er sie aber weiter unschuldig und charmant ansah, beschloss sie doch das Seil zu lösen.
Was machst du da nur..., dachte sie sich gleichzeitig, als sie die Fesseln löste. Heimlich warf sie auch immer wieder Blicke zu ihm, als er ebenfalls seine feuchten Kleidungstücke entfernte, während sie am Feuer saß. Er hockte sich zu ihr and die Feuerstelle und stach mit einem stück Holz in den Flammen. Octavia sah verstohlen noch einmal zu ihm rüber und bemerkte, dass der Mann über etwas nachdachte. Zumindest wirkte es so.
Die Gedanken der jungen Frau galten für einen kurzen Moment den Worten Eldarions, der ihr sagte, sie war diejenige, die Kiana aufhalten sollte. Dann fiel ihr wieder das Turnier ein, welches in Minas-Tirith veranstaltet wurde. Auch wenn Loki der Meinung war, dass es unmöglich war sie dort zu töten, war es ein Versuch wert. Wenn sie scheiterte, hatte sie nichts was sie verlieren konnte, abgesehen von ihrem Leben, das ihr nicht allzu viel Wert war.
“Was sind denn die Preise bei diesem Turnier?”, rutschte es ihr plötzlich heraus und unterbrach die Stille damit. Loki sah sie nur irritiert an. “Neben Ruhm und Anerkennung erhält der Gewinner eine persönliche Audienz bei der Königin…”, sagte er schließlich, “...Ich denke mal, dass derjenige einen Wunsch äußern kann…”.
Octavia staunte nicht schlecht. Es war die Gelegenheit endlich ihre Rache an der Königin auszuüben.
“Dann werde ich daran teilnehmen und die Möglichkeit nutzen, um Kiana zu töten!”, beschloss die junge Rebellin. Loki fing plötzlich an zu husten, da er sich vermutlich verschluckte, als er ihre Aussage hörte.
“Selbst wenn es dir gelingen würde überhaupt bewaffnet nach Minas-Tirith zu gelangen, müsstest du erst einmal das Turnier gewinnen…”, entgegnete er außer Fassung, “...Und wenn du das schaffen solltest, wirst du keine Möglichkeit bekommen an sie heranzukommen, geschweige denn mit einer Waffe in ihrer Nähe sein! Vorher bist du tot!”.
“Das ist egal…”, behauptete sie, “...Ich habe hier nichts mehr was mich hält… Ich muss es versuchen!”.
Als sie Loki in seine blauen Augen sah, erkannte sie sein Unverständnis. Aber was sollte sie auch von einem Diener Kianas erwarten. Er wollte sie bestimmt nur mit seinen Aussagen beschützen. Aber sie fand auch etwas Sorge in seinem Blick. Warum auch immer. Beide schwiegen für eine Zeit und starrten in die Flammen.
“Weißt du…”, fing er wieder an, “...Mein Leben war auch mal an einem Punkt, an dem ich dachte, ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich weiß noch nicht einmal wer meine Eltern sind. Ich hatte immer nur das Gefühl ich wäre als junger Bursche plötzlich auf der Welt gewesen…”.
Als Loki dies erzählte blickte Octavia weiter in das Feuer. Sie fragte sich nur warum er ihr das erzählte. Was kümmerte sie seine Kindheit.
“...Ich schlug mich alleine auf der Straße durch, musste mir mein Essen stehlen. Ich musste auch schon sehr früh lernen, was es bedeutete ein anderes Leben zu beenden. Der erste war ein Junge namens Feahlon, der auch auf der Straße lebte und mich beklauen wollte...Erst als einige Priester von Melkor mich fanden und mit zu sich aufnahmen, änderte sich mein Leben und ich wurde zu dem, der ich jetzt bin…”, erzählte Loki weiter, “...Ein ehemaliger Söldner und Mörder!”.
Octavia erwischte sich dabei, dass sie ihm doch interessiert zuhörte. Zeigte es allerdings nicht. Loki sollte in keinster Weise bemerken, dass sie ihm auch nur ein kleines Bisschen Aufmerksamkeit schenkte. Auch fand sie nichts schlimmes daran, dass er ein Kämpfer war und früh zu diesem werden musste. Immerhin war sie das ja auch. In manchen Situationen war das wohl auch notwendig. Ein lautes Donnergrollen ertönte außerhalb der Höhle, sodass Octavia zusammen zuckte und ein heller Blitz erleuchtete die Höhle für einen kurzen Moment. 
“Was wirst du tun, wenn die Sonne aufgeht?”, wollte Loki auf einmal wissen. Die junge Frau war etwas verwirrt. Einmal weil er doch so schnell das Thema wechselte und zum anderen weil es doch klar war was sie vorhatte: Immerhin war er noch immer ihr Gefangener, den sie zu den Utarra-Rebellen bringen wollte. Also antwortete sie nicht.
“Ich weiß es auch nicht…”, sagte er trotzdem, da er ihr Schweigen wohl als Ahnungslosigkeit deutete, “...Es ist egal wo ich hingehe, ich sehe immer all ihre Gesichter vor mir… Von Menschen denen ich die Hände abschnitt und die Kehlen durchtrennte… Alle von ihnen starren mich an... Auf den Straßen der Städte, draußen im Wald...”.
Octavia seufzte in sich hinein. Sie wollte von all dem nichts hören, denn es brachte sie wieder in die Gedanken an den Tag, an dem auch Deloth hingerichtet wurde. Zurück an den Tag, an dem sie und die Anderen ihn verbrannten und er dort tot, mit starrendem Blick, lag. Sie fragte sich außerdem, warum er ein Krieger geworden ist, wenn er das Töten als etwas grausames sah. Wenn die Leute den Tod verdienten, war ja kaum etwas verwerfliches daran.
“Vielleicht sollte ich mich euch anschließen und bekomme dann meinen Frieden, wenn du meinst Kiana ist eine Tyrannin!”, sagte Loki plötzlich.
Sie rollte nur ihre Augen. Er führte die bisher größte Armee in den Norden um die Rebellen zu vernichten, verteidigte selbst bis vor kurzem noch Kiana und spielte nun mit dem Gedanken sich den Rebellen anzuschließen? Vielleicht wollte er die Stimmung etwas auflockern? Octavia wusste es nicht. Zumindest fand sie daran überhaupt nichts lustig. Das zeigte ihr nur wieder, dass sich ihr Gefangener nur wieder überlegen fühlte, als er dabei grinste.
Er muss mich wohl für ganz dumm halten, dachte sich, So leicht lass ich mich nicht austricksen!.
“Wahrscheinlich solltest du das nicht machen… Wenn du überhaupt am Leben gelassen wirst, solltest du wohl lieber nach Hause gehen…”, entgegnete sie daraufhin, “...Obwohl du es behauptest, scheinst ja kein Mörder sein... Und als Rebell wärst du total ungeeignet, wenn du dich nicht in der Lage fühlst ein Leben zu nehmen!”.
Sie sah aus dem Augenwinkel, wie er sie nur ernst anblickte. Ihr war nicht klar, ob es wegen seiner ungewissen Zukunft war, oder weil sie ihm klar machte, dass er bei den Rebellen nichts zu suchen hatte.
“Ich fühle nämlich nichts…”, behauptete Octavia und beschloss auf seine Ursprüngliche Frage zu antworten, “...Deshalb gehe ich zurück zu den verdammten Rebellen, liefere dich dort ab und ziehe nach Minas-Tirith um deine Königin zu töten...”
Loki sah sie weiterhin an. Allerdings bemerkte sie sein veränderten Blick, der nun Zweifel ausstrahlte.
“Ich glaube dir nicht…”, wandte Loki ein, “...Ich sah den Schmerz in deinem Gesicht, als du mit dem Stein mein Gesicht zertrümmern wolltest…”.
Sofort unterbrach ihn Octavia: “Wir sind jetzt fertig mit Reden!”.
Was bildet sich der Mistkerl ein?, fragte sie sich selbst. Natürlich gingen ihr all die schlimmen Geschehen auch nicht aus den Kopf. Deloths Tod sah sie immer vor sich und die Schreie der Menschen von Minas-Tirith verfolgten sie bis in den Schlaf.
“Vielleicht fühlst du es gerade nicht… aber es ist da!”, behauptete Loki.
“Halt die Klappe! Ich hätte es getan, wenn du nicht zu wichtig für die ganze Sache wärst”, sagte Octavia genervt und gleichzeitig getroffen. Vielleicht war es so. Vielleicht aber auch nicht. Es änderte aber nichts daran, dass solche Gedanken sie ablenkten und sie schwach machten.
“Und warum hast du es dann nicht trotzdem getan, wenn du eine Mörderin bist?” bohrte der Mann weiter, “Du hättest bestimmt auch noch andere Hauptmänner fangen können!”
“Halt die Klappe”, erwiderte Octavia nur und starrte wieder in das Feuer, während sie sich ein stück Holz in die Hand drückte, sodass sie sich mit dem Schmerz ablenken konnte. Loki brachte sie weiter zur Weißglut und ließ sie tiefsten Hass verspüren.
“Du denkst du bist eine Mörderin, aber tötest mich nicht… Man sieht es doch selbst jetzt, dass du den Schmerz suchst um den Gedanken zu entwischen...”, sagte Loki, deutete dabei den vorherigen Kampf und das Stück Holz in ihrer Hand an, “...Ich erzählte dir meine traurige Geschichte… Wie ist deine? Was hat dich so werden lassen?”.
Octavia reichte es. Sie sprang aufgebracht auf und schrie: “Sei ruhig!”.
Loki ging einige Schritte auf die junge Frau zu. “Ich denke die Person die du vorher warst ist noch immer in dir!”, sagte er weiter.
“Da liegst du falsch…”, entgegnete sie erzürnt. Rasch und ging mit schnellen Schritten aus der Höhle heraus. Es regnete noch immer stark. Blitze schlugen in der Gegend ein. Die großen Hagelkörner und die eisige Kälte berührten ihre Haut, die nicht mehr von Kleidung geschützt war und durchdrangen ihren ganzen Körper. Sie sah hoch in den Himmel und breitete ihre Arme aus. Der Schmerz auf ihrer Haut verhinderte nicht vollständig die Gedanken an Deloth, ihrer Mutter und den Menschen von Minas-Tirith. Zu laut hörte sie die Schreie der tausenden Frauen, Männer und Kinder in ihrem Kopf. Zu sehr blutete ihr Herz noch immer. Immer wieder hörte sie Rufe von Loki, der ihren Namen rief und sie aufhalten wollte. Doch was sollte es ihm etwas angehen und überhaupt kümmern? Immerhin war er ihr Feind und brachte sie erst so weit.
Erst als sie von ihm gepackt wurde und er sie ohne viel Mühen -obwohl sich die junge Frau vehement wehrte- zurück in die Höhle trug fand sie ihre eigene Stimme wieder: “Ich brauche das , lass mich gehen, ich brauche das!” schrie Octavia leidend und qualvoll, während sie mit den Armen und Beinen zappelte, um sich von Lokis Griff zu befreien. Den Eindruck die Kontrolle über ihre Gefühle und ihren Körper nicht mehr zu besitzen, ließ sie  nicht mehr los und machte sie nur noch weiter wütend auf sich selbst.
“Ich sollte dich töten”, fauchte Octavia ihn erbost an, als er sie schließlich inder Höhle absetzte. Dabei versuchte sie wieder an ihm vorbeizukommen. Loki hielt sie aber auf und rief nur immer wieder: “Stopp Stopp, Octavia!”.
Die junge Frau wollte an ihm vorbei und
stemmte sich weiter gegen ihn. Ein Gerangel brach zwischen den beiden aus und Octavia schlug ihm mitten in das Gesicht um zu flüchten.
Ich hätte niemals die Fesseln lösen sollen!, ärgerte sie sich und zischte sie.
Schließlich wurde sie von Loki übermannt und der Mann lehnte auf dem Boden über ihr. Sie versuchte sich mit letztem Zucken noch zu wehren, doch es brachte nichts. Loki hatte zu viel Kraft und war deutlich schwerer als sie. Ein Gefühl von Traurigkeit machte sich in ihr breit und sie war zutiefst bestürzt… Fühlte sich leer. Sie wollte aber wieder etwas anderes empfinden als Trauer und Schmerz.
Auch wenn sie nicht wusste warum sie es tat, küsste sie ihn plötzlich. Sie verspürte dabei in diesem Moment ein anderes Empfinden, als die unendliche Leere.Ein gewisses Kribbeln -von ihrem Bauch ausstrahlend- durchdrang jeden Winkel ihres Leibes.
Loki schien erst davon abgeneigt zu sein und sah sie nur verunsichert an. Er trat einige Schritte zurück. Die junge Rebellin verstand nicht, warum er sich so zierte. Er machte doch die ganze Zeit seine Witze und Anspielungen und nun war es ein Problem?
“Mach, dass ich etwas anderes fühle...”, flehte sie schon fast wimmernd und verzweifelt, "...Bitte!".
“Octavia…:” entgegnete Loki verwundert, klang dabei äußerst skeptisch und besorgt.
Dann sprang sie ihm einfach in die Arme. Der Gedanke, dass er eigentlich ein Feind war und sie dies nicht tun durfte vergaß sie für diesen Moment. Zu sehr überwältigten sie ihre eigenen Gefühle. Die Gefühle zu Loki, den die junge Frau noch immer als attraktiv wahr nahm, das Bedürfnis die schlechten Gedanken loszuwerden, endlich wieder etwas schönes zu erleben und geliebt zu werden… Deshalb waren ihr zu diesem Zeitpunkt die Konsequenzen egal. Immerhin spürte sie etwas anderes… Fühlte sich nicht mehr leer und traurig… Vergaß für einen kleinen Moment alles, was es in diese grausamen Welt gab...

Octavia Sagitta und Loki in einer Höhle im Wald von Eregion…

Darkayah:
Höhle im Eregionwald (Süd-Osten Arnors)
Octavia Sagitta mit Loki unterwegs im Wald von Eregion….

Octavia wachte gerade auf, als sich versuchte an die letzte Nacht zu erinnern. Sie erinnerte sich an den Streit mit Loki und dass sie ihn plötzlich küsste. Danach fühlte es sich für sie an, als übernahm jemand die Kontrolle über ihren Körper und ihre Gefühle. Es war wie ein Feuerwerk, laut und bunt explodierte. Wenn sie daran dachte was nach dem Streit passierte, stieg in ihr nur eine gewisse Wärme auf und löste ein Kribbeln in ihrem ganzen Körper aus, das sie so nur bei Deloth fühlte. In gewisser Weise hatte sie auch ein schlechtes gewissen, denn sie vergaß Deloth für diese Nacht, damit sie sich besser fühlen konnte und sich ihren Bedürfnissen hingeben konnte. Sie durfte ihn nicht vergessen! Ein lautes Seufzen drang daraufhin tief aus ihrer Brust, da sie von sich selbst enttäuscht war.
Dann fiel ihr wieder ein, dass sie Loki die Fesseln gelöst hatte und schrak auf. Sie rieb sich die Stirn und stellte fest, dass er sie wohl mit seinem Mantel zugedeckt haben musste. Von ihm war aber weit und breit nichts zu sehen. Schnell sah sie zu ihren Sachen, von denen aber noch alle da waren: Alle Kleidungsstücke und alle Waffen.
Ich war zu schwach und hab mich austricksen lassen..., redete sie sich selber ein und kniff dabei in ihren rechten Unterarm. Wie konnte sie nur so nachlässig sein und das vergessen. Sie ärgerte sich über sich selbst, während sie sich ihre Kleidung wieder anzog und fluchte dabei. Sie hob den roten Umhang Lokis auf und erwischte sich dabei, wie sie an diesem Stück Stoff roch, um noch einmal seinen Duft zu riechen. Ihre Mimik verwandelte sich allerdings in entsetzen, als plötzlich jemand in die Höhle stolperte. Rasch ließ sie den Mantel fallen und zog ihr Schwert. Die junge Frau erkannte schließlich, dass es Loki war, der dort mit einem breiten Lächeln stand. Allerdings rechnete sie damit, dass er sie nun töten wollte, oder sich auch einfach nur über mokieren wollte. Der Gedanke verschärfte sich, als sie sah, dass er seinen Dolch wieder bei sich trug. Aber warum ließ er sein Schwert dann bei ihr? Auch war sie durch die Beeren und Äpfel in seinen Armen verwundert.
“Das ist ja mal eine freundliche Begrüßung!”, sagte er noch immer lächelnd, “Dir auch einen guten Morgen! Oder doch schon Mittag?”.
Octavia verstand es nicht. Er war noch immer da, obwohl er nicht mehr gefesselt war?
“Was machst du noch hier?”, fragte sie verdutzt, “Du hättest schon lange abhauen können!!”.
Dabei beobachtete sie, wie er ihr etwas von dem Obst entgegen hielt, was sie auch sofort annahm. Immerhin war ihr Hunger groß.
“Na, wo soll ich denn hin sein?”, entgegnete er selbstverständlich, ”Du hast doch gestern gesagt, was du bei Sonnenaufgang vorhast! Und ich wollte dich jetzt nicht daran hindern!”.
DIe junge Rebellin war verblüfft und verstand die Welt  nicht mehr. Sie setzte sich auf ihre Beine und schlang die Beeren schnell hinunter, denn ihr Magen knurrte und verlangte nach noch mehr essen. Sie stoppte plötzlich, als sie bemerkte, wie Loki sie die ganze Zeit dabei beobachtete.
“Was?”, rief sie mit vollem Mund, “Ich habe hunger!”.
“Ich hätte dir gerne etwas vernünftiges besorgt, aber ich bin wohl nicht der Beste für die Jagd!”, scherzte er und lachte dabei. Selbst auf Octavias Lippen erschien ein Lächeln.  Er setzte sich zu ihr und aß seine Beeren ebenfalls.
“Du hast mich verändert, Octavia!”, fing Loki plötzlich an, “Vielleicht hast du recht und niemand sollte seine überlegene Macht nutzen um seinen eigenen Vorteil daraus zu ziehen und andere zu unterdrücken… Selbst wenn Kiana in deiner SItuation gewesen wäre, hätte sie das gleiche gesagt… Immerhin bekämpfte sie lange Zeit Tyrannen…”.
Die Rebellin sah ihn weiter an. Sie fragte sich nur woher sein plötzlicher Sinneswandel kam. Sie sagte aber nichts dazu. Es konnte ja noch immer sein, dass er ihr nut etwas vorspielte. Auch Loki schwieg dann. Sie überlegte, ob sie ihm die Wahrheit über sich selbst sagen sollte, oder ob es ein Fehler war. Doch was hatte sie zu verlieren? Er konnte mit der Information über ihre wahre Herkunft nicht viel Anfangen. Selbst wenn er Kiana davon berichtete, glaubte sie ihm wohl kaum. Wenn doch, spielte sie für die Königin eher eine geringere Rolle. Zumindest dachte Octavia das.
“Meine Geschichte ist die, dass meine Mutter mich Jahre lang versteckte, damit niemand von mir und meiner Herkunft wusste…”, rutsche es ihr heraus, während sie auf die ausgebrannte Feuerstelle sah, “...Sie starb für dieses Geheimnis, als Minas-Tirith zerstört wurde. Hier im Norden wurde der Mann den ich liebte, der mich beschützte, der mein zu Hause war wegen Verrat hingerichtet, nur weil er aus dem Osten kam… Mein Bruder hasst mich, weil er mir die Schuld an dem Tod unserer Mutter gibt. Er nahm es zwar zurück, aber wenn er die Wahrheit weiß, wird er es sowieso wieder tun...”.
Als sie dann zu Loki aufsah erkannte sie, dass er interessiert zuhörte. Er biss ein großes Stück von seinem Apfel ab und fragte schmatzend: “Und was  ist dieses Geheimnis?”.
Octavias Herz raste, wenn sie selbst darüber nachdachte. Doch irgendwie fiel es ihr nach letzter Nacht leichter, darüber nachzudenken und zu sprechen. Deshalb schwieg sie auch nicht lange:
“Ich bin die jüngere Halbschwester von Kiana Vaneryen!”, sagte sie trocken. Loki verschluckte sich an seinem Apfel und hustete die Stücke wieder aus seiner Mundhöhle.
“Das hätte ich mir fast denken können… Immerhin seid ihr Vaneryens alle so seltsam!”, scherze Loki. Octavia war nicht nach Witzen zumute. Für sie war es eher eine Katastrophe.
Loki sagte weiter: “Warum willst du sie dann töten? Ich würde mich freuen, wenn ich nach all den Jahren noch von mir Familie finden würde, solange die nicht so gut aussehen wie ich und mir Konkurrenz machen! Ihr könntet zusammen arbeiten um eine bessere Welt zu erschaffen und ich bin mir fast sicher, Kiana wäre auch erfreut!”.
Octavia sah finster drein. Irgendetwas ließ sie daran zweifeln, ob Kiana dann wirklich dabei Freude empfand. Ihre Mutter hat bestimmt nicht ohne Grund dafür gesorgt, dass auch sie davon nichts erfuhr. “Zum Glück bin ich keine Vaneryen, da wir nur den gleichen Vater haben…Thurion...”, entgegnete sie nur, “...Und Kiana ist noch immer für den Tod tausender Menschen verantwortlich, einschließlich den meiner Mutter!”.
Sie hatte das Gefühl, Loki hatte den Durchblick, als er sich mit großen Augen zurück lehnte und einen lauten Pfiff heraus drückte.
“Dann haben die Rebellen ja doch eine Geheimwaffe gegen Kiana! Dann bist du ja ebenfalls eine Maia!”, sagte er laut.
Die junge Frau verdrehte nur genervt die Augen. “Ich habe es vor kurzem erst selbst erfahren und von ihnen weiß es niemand, nicht einmal mein Bruder… Nur Indro...”, sagte sie, “...Ich mag mir garnicht ausmalen, was sie mit mir machen, wenn sie davon erfahren.”.
Sie nahm dabei einen Stock in der Hand und schnitzte die Rinde weg, um sich etwas abzulenken.
“Ich nützte den Rebellen in dieser Hinsicht auch gar nicht, weil ich keine Kräfte wie Kiana besitze…”, behauptete sie, “...Also würden sie mich nur als Bedrohung sehen, wahrscheinlich als Verräterin und mein Bruder würde mich nur weiter hassen!”.
Sie legte ihren Kopf schief und blickte zu Loki, der nun nachdenklich wirkte.
“Vielleicht müssen diese aber auch erst erweckt werden!”, erwiderte er, “...Kiana hatte ihre Lehrmeister, du bist alleine hier im Norden!”.
“Ach, selbst wenn würde ich sie nicht wollen… Ich will nicht so so sein wie Kiana…”, sagte sie bedrückt. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie nur, wie Loki einen der letzten glühenden Äste aus der Feuerstelle nahm und die heiße Stelle betrachtete. So rechnete sie auch nicht damit, dass er ihr das heiße Ende an den Hals drückte. Entsetzt sprang sie sofort auf. Wollte er sie nun doch umbringen? War es doch ein Fehler von ihrem wahren Vater zu erzählen?
Rasch sprang sie auf, hob ihr Schwert auf und hielt es ihm entgegen. “Was soll das?”, fauchte sie, während sie mit der anderen Hand die verbrannte Stelle an ihrem Hals hielt. Loki erhob sich ebenfalls auf und hielt seine Hände hoch um ihr zu zeigen, dass er keine bösen Absichten hatte.
“Und tut es weh?”, fragte er sie. Was soll die dumme Frage, dachte sie sich erst. Aber wenn sie darüber nachdachte, spürte sie keinen Schmerz an dieser Stelle, was doch ungewöhnlich war. Verdutzt schüttelte sie nur den Kopf und rieb die Stelle am Hals. “Zeig mal her!”, drängte Loki und Octavia entfernte daraufhin ihre Hand und ließ ihn herantreten, damit er sich ihren Hals ansehen konnte. Sie spürte nur, wie er mit seinem Daumen an der Stelle rieb. “Echt verblüffend…”, flüsterte er fast, “...Scheinbar sagst du die Wahrheit…”.
Die junge Rebellin war irritiert, dass er an ihrem Hals herum fummelte, sie aber nichts sehen konnte. “Was?”, fragte sie nur aufgeregt.
“Die Glut hat dir keine einzige Verletzung oder auch nur eine Schramme hinterlassen…”, stellte er fest, “...Kiana ging ebenfalls durch das Feuer, ohne auch nur ein Haar zu verlieren… Du musst echt ihre Schwester sein und hast das Blut ihres Vater erhalten!”.
Kein einziges Anzeichen, dass an ihrem Hals etwas heißes war? Sie konnte es sich gar nicht vorstellen, geschweige denn erklären. Wie war so etwas möglich? Sie war sich auch gar nicht im klaren, was genau es bedeutete eine Maia zu sein. Sie hörte zwar von der Macht der Maiar und somit auch Thurions und Kianas, aber sie konnte sich nichts darunter vorstellen.
“Du musst mir versprechen, dass du niemanden etwas davon erzählst!”, flehte sie, “Bitte!”. Daraufhin nickte der Mann ihr enttäuscht zu und zog dabei seine Augenbrauen hoch. “Versprich es mir!”, drängte sie allerdings weiter und umklammerte seinen Arm. Loki entgegnete rasch:”Ja, ist ja gut! Ich verspreche es dir!”.
Octavia seufzte. RIchtig zufrieden machte sie das nicht. Sie hoffte nur dass es die richtige Entscheidung war, darüber zu sprechen. Aber immerhin schien er sie wenigstens nicht zu verurteilen, oder weiter damit zu belästigen.
“Lass uns aufbrechen!”, sagte sie schließlich. So schnappte sie sich die restlichen Waffen und wollte sich aufbruchbereit machen. Sie stieß mit Loki zusammen, der plötzlich dicht hinter ihr stand und seine Hände in ihre Richtung hielt.
“Was ist?”, fuhr sie ihn an. “Nun ja, ich bin noch dein Gefangener und ich dachte mir…”, sagte er. Octavia rollte wieder ihre Augen genervt. Sie hatte keinen Nerv dazu, jetzt über solche kleinlichen Dinge nachzudenken.
“Kommst du freiwillig mit?”, fragte sie ihn direkt und man hörte die verlorene Geduld aus ihrer Stimme heraus. Er nickte daraufhin nur mit dem Kopf.
“Gut, dann ist das ja nicht nötig!”, sagte sie und ging voran. SIe beschloss ihn zu den Daskina-Rebellen zu bringen. Das Lager war näher und sie wusste, dass sie ihn nicht unbedingt sofort töteten. Erst blieb Loki verdutzt stehen und Octavia lauschte immer den Geräuschen hinter sich, ob er ihr wirklich folgte und sie seine Schritte wahrnahm. Als dann das Geräusch seiner Schritte an ihre Ohren drangen, verwandelten sich ihre Lippen in ein Lächeln und sie ging zufrieden weiter…

Octavia Sagitta zusammen mit Loki auf dem Weg in das Daskina-Rebellenlager…

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