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Arnor

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Darkayah:
Daskina-Rebellensiedlung- Wald von Eregion (Arnor)
Octavia Sagitta erreicht mit Loki das Daskina-Rebellenlager...

Sie liefen tatsächlich noch ein Stück in Richtung Westen, bis sie die Palisadenwälle des Lagers der Süd-Rebellen sahen. Octavia ging scheinbar am Vortag in die Falsche Richtung. Sie war zu weit in den Osten gelaufen. Auch der Gedanke an das Geschehen mit Loki quälte sie noch weiterhin. Sie hoffte inständig, dass es die richtige Entscheidung war, sich auf ihn einzulassen. Nun waren sie ja endlich da und es war kein Raum um weiter über mögliche Fehler ihrerseits nachzudenken. Das einzige was zählte war, ihn endlich auszufragen.
Die junge Rebellin war erleichtert wieder zurück zu sein, auch wenn sie mit diesem Ort nichts gutes verband. Immerhin war sie nicht mehr dort, nachdem Deloth getötet wurde und sie geflohen.
Am Tor wurden sie direkt schon von Wachen der Daskina-Rebellen empfangen. Zunächst wurden Octavia und Loki für Feinde gehalten, was wohl auch an Lokis Kleidung und Rüstung lag. Beide hielten ihre Hände hoch, um zu zeigen, dass sie keine feindlichen Absichten verfolgten. Viele der Menschen sprachen miteinander. Die junge Rebellin nahm nur eine ihr vertraute männliche Stimme wahr, die immer wieder rief, dass es seine Schwester war.  Als sie ihren Bruder sah, der sich durch die Menge, die sich am Tor inzwischen ansammelte, sprang sie ihm direkt freudig in die Arme. Zum Glück hatte er überlebt. Zum Glück war ihm nichts zugestoßen.
“Nehmt die Waffen runter, das ist meine Schwester!”, befahl er den anderen um sie herum, während Octavia in seinen Armen lag. “Und was ist mit dem?”, entgegnete einer der Männer der Rebellen und zeigte dabei abwertend auf Loki.
"Er gehört zu mir...", erklärte Octavia, "...Er ist mein Gefangener!".
Die Menschen der Daskina-Rebellen schienen alles andere als begeistert. So sagte ein älterer Mann mit einem langen Bart: "Danach sieht er aber nicht aus. Er trägt seine Waffen bei sich und kann frei neben dir herlaufen?".
Viele der Anderen um sie herum stimmten dem  Mann zu, als er auf den Dolch von Loki deutete. "Er hat hier nichts zu suchen und hat nur den Tod verdient, genau wie alle anderen!".
Daraufhin stellte sich Octavia schützend vor ihm und entgegnete: "Ihr werdet ihm nichts tun! Er ist mein Gefangener und hat wichtige Informationen für uns, weshalb ich jetzt mit ihm zu Phelan gehe!".
Keiner der Rebellen bewegte sich von der Stelle um Platz zu machen und hielten ihre Hände an ihren Waffen. Auch Octavia hatte ihre Hand am Griff ihres Schwertes um es notfalls zu benutzen. Sie ließ den Mann nicht aus den Augen und wartete regelrecht auf eine falsche Bewegung seinerseits. Doch bevor die Lage eskalierte, stellte sich Kael zwischen den Beteiligten und sagte allen, dass sie sich beruhigten sollte. Octavia wollte nicht darauf hören, denn sie vergaß auch nicht, dass es diese Männer und Frauen waren, die Deloth sterben ließen und sich auf Barnolf Godons Seite stellten. Von daher wäre es ihr recht gewesen, wenn sie den einen oder anderen von den Daskina töten müsste.
Ihr Bruder Kael trat an sie heran und hielt sie am Arm fest.
“Komm Octavia, lass uns gehen!”, schlug er leise vor und zog leicht an ihren Arm. Die junge Frau blieb zunächst wie angewurzelt stehen, entschied sich dann aber doch auf ihren Bruder zu hören. Schließlich folgte sie Kael und zog Loki mit sich mit.
Unter den Blicken der anderen Rebellen in der Siedlung, liefen die drei schnell zum Haupthaus, das sich mittig der Rebellensiedlung befand. Das Gebäude überragte alle anderen. Ein großes Banner hing an der Westseite herunter.  Es zeigte den aus Flammen aufsteigenden Phönix auf blauem Grund. Octavia war leicht verwundert, denn eigentlich versteckten die Daskina-Rebellen stets aus Furcht von Truppen aus Minas-Tirith entdeckt zu werden. Sie wollte verwundert zu Kael sehen und ihn fragen, doch er schritt zügig zu dem Haupthaus und öffnete die Türen, um es dann zu betreten. Octavia versuchte mit ihm mitzuhalten. Loki war dicht hinter ihr und wirkte nun doch recht nervös, was Octavia auch sofort bemerkte.
Im Haus angekommen, sah die junge Rebellin, dass die Tische, die sonst in Reihen aufgestellt waren, nun so aufgestellt worden sind, dass eine Reihe hinten an der Wand war, und die anderen alle in diese Richtung gewendet. Scheinbar sollte dies dazu dienen, dass die Versammelten den Sprechern und Anführern zuhören konnten. An diesen Tischen erkannte sie Phelan Belatan, der mit Thirak, Indro und einigen anderen Anführern der Rebellen sprach. Dabei lehnten sie über einen der Tische. Als die Türen in ihre Schlösser fielen, sahen die Männer hoch zu den Eingetroffenen. Sofort kam Thirak einige Schritte auf sie zu und wandte sich an Octavia. Er wirkte besorgt, was sie etwas irritierte.
“Ich bin mir nicht sicher, ob es jetzt der richtige Augenblick ist...”, sagte er nur unruhig und sah dabei mahnend zu Kael, der nur mit einer Geste signalisierte, dass ihm nichts anderes übrig blieb. Zumindest deutete Octavia das so. Sie wusste aber nicht genau was Thirak meinte, deshalb sah sie nur fragend drein. Auch hatte sie eher erwartet, er freute sich sie zu sehen. Immerhin war sie ebenfalls glücklich, ihm nach der Schlacht noch lebendig zu sehen. “Hör zu…”, fing er an, “...Ich weiß dir wird es nicht gefallen dass er hier ist, aber die Rebellen planen zusammen Arnor zu befreien. Er hat die West-Rebellen vereinen können, sodass sie uns in Ruhe lassen und wir gemeinsam im Norden in frieden leben können…!”.
Die junge Frau verstand zunächst nicht wen oder was er meinte. Er sprach für sie in Rätseln. Dann aber, als ihr Blick zu den anderen Rebellen am Tisch streifte, erahnte sie, was auf wen er anspielte. Barnolf Godon stand dort lebendig und unversehrt neben Phelan. Sie konnte ihren Augen nicht trauen, weshalb sie diese rieb. Sie hatte das Gefühl, als war ihre Kinnlade bis zu dem Boden gefallen.
“Was tut er hier?”, rief sie mit zittriger Stimme. Sie ging davon aus, dass er in Gefangenschaft der Pascima-Rebellen war und im besten Fall getötet wurde. In ihr kamen all die schlechten Erinnerungen und Gefühle wieder hoch, die es Loki gelang beiseite zu schieben. Vor allem die Traurigkeit und der unendliche Hass erfüllten wieder jeden Winkel ihres Körpers. Am ganzen Leib zitterte sie und ihre Hand umklammerte den Griff des Schwertes von Loki, welches sie bei sich trug. “Octavia bitte…”, sagte nun Phelan, “...Ich weiß du bist nicht erfreut, doch wir müssen jetzt darüber hinwegsehen!”.
“Darüber hinwegsehen?!”; rief sie verzweifelt, “...Ich soll einfach Deloths Tod vergessen und darüber hinwegsehen?”. In ihrer Stimme war der Schmerz deutlich herauszuhören. Sie konnte innerlich platzen vor Wut.
Wie kann er so etwas nur sagen?!, dachte sie.
“Ich habe euch gesagt, dass es ein ungünstiger Zeitpunkt ist und wir warten sollten!”, klagte Indro. Octavia schenkte diesem aber wenig Beachtung. Sie war wie angewurzelt und versteinert. Sie wusste was sie am liebsten tun wollte: Barnolf töten, der den Mann tötete den sie liebte und der ihr zu Hause war! Das war das einzige was ihr in diesem Moment Befriedigung verschaffte.
“Fräulein Sagitta, ich weiß dass wir nicht gut auseinander gegangen sind und es wahrscheinlich viele Differenzen zwischen uns gibt…”, erhob Barnolf seine Stimme, “...Doch ungewöhnliche Zeiten, erfordern ungewöhnliche Taten! Wir müssen einander nicht mögen, aber wir verfolgen alle das gleiche Ziel!”.
Die Stimme des Mannes dominierte alles andere in ihrem Kopf. Ihr war es egal, ob sie das gleiche Ziel verfolgten, oder nicht. Sie wollte den Mann tot sehen.
“Ich sollte einfach gehen und Octavia mit mir nehmen!”, sagte Indro und wollte gerade los, da entgegnete Kael: “Nein, sie wird hier bleiben! Soll sie in diesem Zustand nach draußen? Ich glaube das wäre alles andere als richtig!”.
Phelan Belatan stimmte ihm zu und ein Streit brach aus. Auch Barnolf Godon mischte mit und mahnte die Rebellen dazu sich zu beruhigen. Thirak stand neben der jungen Rebellin und rieb sich verzweifelt die Stirn. Um sie herum verstummte allerdings alles: Das Knistern der Flammen in der Feuerstelle, das leise Heulen des Windes und die Stimmen der Männer im Saal. Sie hatte das Gefühl unter Wasser zu sein und keine Luft zu bekommen. Octavia fixierte Barnolf mit ihren Augen, während sie ihn wieder vor sich stehen sah, wie er ein Messer an Deloths Kehle hielt und diese aufschnitt. Die Hand um den Griff des Schwertes packte fester zu und war bereit den Mörder Deloths zu töten. Langsam zog sie das Schwert aus der mit Gold verzierten Scheide. Sie kam aber ins stocken, als sich eine Fremde Hand um die ihre legte und eine leise, aber auch angenehme, Stimme an ihr linkes Ohr drang: “Tu das nicht, Octavia… Denk an all die Leben die das sonst kosten würde!”.
Auch wenn es ihr in gewisser Weise in dieser Situation egal war, hörte sie auf die Stimme, die Loki gehörte. Er hatte etwas beruhigendes an sich, sodass sie sogar das Schwert wieder los ließ. Mit von Tränen getränkten Augen sah sie nur zu Loki, der ihr sanft zu nickte und seine Hand auf ihre Schulter legte.
“Lasst sie erst einmal ankommen! Dann sehen wir weiter!”, rief Thirak schließlich. Daraufhin verstummten alle anderen. Phelan sah nickend zu Barnolf, der verstehen musste was er meinte und stampfte aus dem Saal. Octavia sah ihm noch eine Weile nach, überlegte ob sie ihm nicht einfach folgen sollte. Bevor sie dies aber tun konnte, wurde sie von Indro gerufen, der sie zu sich winkte.
Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, als sie mit langsamen Schritten an den Tisch trat, an welchem sie standen. Die Männer sahen gespannt zu Octavia und musterten Loki genau. Die junge Frau räusperte sich, versuchte sich zusammenzureißen und sagte mit gebrochener Stimme: “Das ist Loki, er ist der Anführer der Armee die in den Norden geschickt wurde…”.
Die überraschten Blicke der anderen waren kaum zu übersehen. “Ich wäre davon ausgegangen, dass du ihn nicht lebendig gelassen hättest!”, sagte Kael daraufhin, “Verübeln hätte man es niemanden können… Aber wenn er dein Gefangener ist, warum lässt du ihn frei laufen mit einer Waffe?”.
Sie sah zu Loki, der ihren Blick nur mit seinen Augen erwiderte aber weiter zu den anderen gewandt war. Etwas in ihr drinnen ließ sie glauben, Loki wusste dass sie jetzt an die Vergangene Nacht dachte. Aber davon konnte sie natürlich nichts erzählen.
“Er hat beschlossen freiwillig unserer Sache zu helfen…”, erwiderte sie. Die anderen schienen Skeptisch zu sein, deshalb war sie froh, dass Loki selbst das Wort ergriff:
“Ich weiß, ihr werdet euch denken, dass das niemals stimmt. Aber tut es! Es sind schon genug Menschen gestorben…”, fing er an, “...Genau deshalb kann ich sagen, wenn ihr weiter Krieg gegen Kiana führt, werden noch viele weitere sterben!”.
Octavia war irritiert. Wieso sagte er sowas? Sie war davon  ausgegangen, dass er selbst an die Sache der Rebellen glaubte. Zumindest sagte er es vorher noch. Zunächst schwieg sie aber und hörte weiter zu.
“...Kiana hat neuartige Waffen, die eine ganze Armee binnen kurzer Zeit auslöschen kann… Natürlich hat sie noch nicht viele davon in ihrer Armee, aber die Zeit wird kommen. Sobald sie Wind von meiner Niederlage bekommen wird, wird sie ihre ganze Armee in den Norden schicken!”.
“Und was sollen wir tun? Uns Kiana unterwerfen?”; fauchte Indro Loki an.
“Das wäre wohl die einfachste Lösung, allerdings wäre es naiv zu glauben, dass das passieren würde…”, gestand sich der Mann ein, “...Aber ihr habt jetzt eine größere Schlacht gewonnen, weil ihr mich und meine Armeen überrascht habt, aber was habt ihr dadurch gewonnen? Nichts!”.
Kael verschränkte daraufhin die Arme, Indro und Phelan sahen ihn ernst an. “Du denkst wir hätten keinen Plan? Für wie dumm hältst du uns eigentlich?”, zischte der Anführer der Nord-Rebellen, Indro, weiter.
“Und wie sieht der Plan aus?”, fragte Loki, während sich die anderen skeptisch ansahen, “Wenn ihr angst habt, ich könnte irgendetwas an Kianas Hauptmänner weitertragen, könnt ihr mich auf der Stelle töten… Nichts und niemand hindert euch hier daran!”.
Octavia bemerkte, wie alle Augen auf ihr ruhen blieben. Sie vermutete, dass  sie wohl eine Antwort dazu geben sollte. Wie durch Geisterhand versicherte sie ihnen mit einem Nicken, dass sie ihm vertrauen konnten. Auch wenn sie nicht wusste warum sie das tat. Sie wollte ihm ja selbst nicht so viel Vertrauen schenken.
“Gut…”, sagte Phelan, “...Tharbad und Miniriath sind schon so gut wie in unseren Händen, da viele Männer der Freien Arnorischen Armee dort leben und die Städte unterwandert haben. Sobald es uns möglich ist wollen wir Hügelstadt befreien…”.
Loki fing an laut zu lachen. Die junge Rebellin zog ihre Augenbrauen hoch und fragte sich, was er nun hatte.
“Dachte ich es mir doch! Ihr müsst der Schlange den Kopf abschlagen, damit keine Informationen an die Hauptstadt gehen!”, sagte er schließlich. Genauso wie Octavia, hatten die anderen ebenfalls keine Ahnung was er damit sagen wollte.
“Durch die Legaten der Zentralregierungen gelangt jede Information an die Krone. Sie sind es, die unerbittlich für ihre Königin kämpfen, egal was da komme. Schwarze Ostlinge. Trainiert um für ihre Meister alles zu tun. Tötet sie, tauscht die Informationen aus und niemand wird auch nur etwas von euren Aktivitäten hier mitbekommen…”, behauptete er, “...Nebenbei sind die Einwohnerzahlen in Fornost und Annuminas sehr gering, da viele entweder nach Carn-dûm oder nach  Minas-Tirith geflohen sind…”.
“Du sagst uns also wir sollten uns besser auf Fornost konzentrieren und den Legaten töten?”, wollte Phelan sichergehen.
Octavia konnte förmlich sehen, wie die drei Männer über diese Idee nachdachten. Auch sie fand diese gar nicht verkehrt. Zumindest konnten sie so etwas in Arnor erreichen und den Nachschub  aus der Hauptstadt stoppen.
“Es ist ein sehr riskanter Plan…”, entgegnete Indro schließlich nach langem schweigen, “...Aber er hat vermutlich recht… Wir können so viele Soldaten töten wie wir wollen… Ohne ein Stopp aus Fornost, wird die Königin immer davon ausgehen, dass hier Hilfe benötigt wird…”.
Thirak, Kael und Phelan schienen ebenfalls überzeugt davon zu sein. “Ich werde nachher mit den Anführern von Paskima und mit Barnolf darüber sprechen…”, sagte Phelan.
“Da ist noch etwas…”, fing Octavia an, denn ihr brannte es auf der Zunge und sie wollte ebenfalls den Krieg schnell beenden, “...Die Königin veranstaltet ein Turnier in Minas-Tirith und das wäre die perfekte Gelegenheit sie dort zu töten! Ich sollte dorthin!”.
Vier entsetzte Gesichter sahen sie an. “Das ist verrückt…”, sagte Phelan Belatan. Thirak sagte nichts, während Kael nur mahnte: Nein, das wirst du nicht, Octavia!”.
Indro ging einige Schritte auf die junge Rebellin zu und sagte leise aber bestimmend: “Du weißt nicht, was du damit auslösen würdest… Du musst deine Gefühle im Griff haben, wenn du eine Blutkriegerin sein willst!”.
“Aber es wäre die Gelegenheit für immer für Frieden zu sorgen!”, versuchte Octavia ihn verzweifelt zu überzeugen.
“Nein… Wenn du der Meinung bist, du willst dich Opfern und deine Rachegelüste über alles stellen, kannst du nicht mehr meine Blutkriegerin sein… Überlege es dir gut!”, mit diesen Worten stapfte er aus dem Saal. Die junge Frau hoffte auf mehr Freude. Immerhin war es ihrer Meinung nach eine gute Idee schnell zu handeln.
Sie wurde aber schnell aus den Gedanken gerissen, als ihr Bruder Kael auf sie zukam und das Schwert Lokis aus der Scheide zog und schnell auch ihr eigenes, welches sie auf ihren Rücken trug.
“Ich denke du solltest vorerst nicht bewaffnet hier herumlaufen…”, sagte er nur daraufhin. Octavia war verwirrt und wusste nicht was er ihr damit sagen wollte. Sie sah nur wie er die Schwerter auf den Tisch legte und seine Hand ausstreckte um ihren Dolch und die Armbrust verlangte. Sie weigerte sich vorerst, da sie es nicht einsah ihre Waffen abzugeben.
“Es ist zu deinem Besten…”, redete Phelan auch ruhig auf sie ein. Wütend hing sie die Armbrust und die Bolzen ab. Sie zögerte noch einen kurzen Moment, bis sie dann beides ihrem Bruder fast schon die die Hände warf. Dann lief auch sie zornig aus dem Saal. Sie blieb doch sowieso nicht lange in der Daskina-Rebellensiedlung, also warum nahmen sie ihr alles ab?
Aus dem Hauptgebäude getreten, seufzte sie laut und nahm einen zug der frischen Luft, die ihre Lungen füllten. Inzwischen kam auch die Sonne heraus und  wärmte ihre Haut in der Kalten Luft. Sie sah nur Barnolf am Tor bei seinen Männern stehen, der sich dort mit ihnen unterhielt. Als er sich ebenfalls zu ihr drehte, sah sie schnell weg und lief zu dem Haus ihres Bruders. Sie wollte ihm am liebsten einfach töten, entschied sich aber für die Variante niemanden mehr sehen zu wollen...

Octavia und Kael Sagitta, Loki, Thirak, Phelan Belatan, Barnolf Godon und Indro bleiben in der Daskina-Rebellensiedlung...

Darkayah:
Daskina-Rebellensiedlung- Wald von Eregion (Arnor)

Octavia im Daskina-Rebellenlager...

Auch die nächsten Tage bekam Octavia ihre Waffen nicht wieder.  Genauso wenig wurde sie hinaus aus der Siedlung, geschweige denn aus den Augen gelassen. Sonst waren die Tore nie verschlossen, aber um Octavia einzusperren waren sie fast immer zu. Selbst auf drängen von Indro, sie wieder mit in den Norden zu nehmen, blieb Kael stur. Phelan Belatan schien ihn dabei zu unterstützen. Mittlerweile war sie nur noch frustriert. Sie wollte endlich wieder raus, etwas für die Rebellen unternehmen, aber wie sollte sie es tun wenn sie doch nur in der Süd-Rebellensiedlung eingesperrt war. Was wollte Kael damit erreichen? Wollte er sie nur wieder beschützen?
Zunächst blieb ihr nicht viel übrig als zu warten. Gleichzeitig überlegte sie sich immer wieder, wie sie Barnolf Godon töten konnte, wenn sie ihn irgendwo sah. Wenn sie schon ihr eigenes Schwert nicht benutzen konnte, fielen ihr schon andere Methoden und Möglichkeiten ein, ihn zu töten. Und wenn das mit ihren eigenen bloßen Händen war. Allerdings hatte sie immer die Worte der anderen im Kopf, die Octavia davor warnten das ganze Vorhaben zu vernichten. Es war die Möglichkeit im Norden für die Rebellen etwas zu erreichen. Das war auch das einzige was sie davon abhielt, Barnolf direkt zu töten. Die junge Frau verbrachte viel Zeit mit Loki, trainierte mit ihm oder ging durch die Siedlung spazieren. Immer unter den Augen der anderen Rebellen, die das ganze Geschehen zwischen den beiden argwöhnisch betrachteten. Sie akzeptierten und respektierten den Mann, der mit einer feindlichen Armee aus der Hauptstadt kam, eher weniger. Vor allem war Loki auch niemand, der sich versteckte oder Konfrontationen aus dem Weg ging. Lieber sagte er dem Einen oder Anderen noch einen Spruch hinterher und provozierte in ganzer Linie. Einzig und allein die Liebelei zwischen Octavia und Loki blieb den anderen Rebellen verborgen. Doch viele von ihnen erahnten dies schon.
Der Himmel war leicht bewölkt. Eine leichte Brise ging über das Land und der Boden war von den Regenschauern der Vortage noch feucht.
In diesem Moment öffneten sich die hölzernen Tore der Palisaden und Octavia wollte die Chance nutzen, um endlich herauszukommen. Bevor sie aber nahe genug heran kam, stellten sich sofort die Wachen des Tores vor die junge Frau.
“Kommt schon Leute…”, fing sie an, “...Ihr könnt mich nicht ewig hier einsperren!”.
“Doch das können wir! Wir haben Befehle…”, wollte die Wache gerade sagen, da unterbrach die junge Frau den Mann der sprach renitent: “Mich interessieren die Befehle nicht! Ich bin keine Gefangene und erst recht kein Feind!”.
“Es ist aktuell gefährlich da draußen, Octavia…”, erwiderte eine weitere Torwächterin.
“Und ausgerechnet dorthin würde sie gehen…”, erklang plötzlich die Stimme Kaels, der von hinten kam und von einem der Wächter begleitet wurde. Octavia war verwundert. Scheinbar mussten die Wachen ihn gerufen haben.
“Ihr habt meinen Bruder gerufen? Ernsthaft?”, rutschte es ihr verärgert heraus.
“Ich denke es war besser ihn zu rufen als Phelan!”, erwiderte die Wächterin zänkisch.
“Bitteschön!”, sagte Octavia trotzig, während sie vom Tor und ihrem Bruder weg trat.
“Was machst du da?”, rief ihr Bruder ihr entnervt hinterher, “Du weißt dass es gefährlich für dich da draußen ist. Wir wissen nicht ob die wenigen verspränkelten Truppen noch im Wald sind und die anderen Rebellen sind hier im Moment viel unterwegs!”.
Octavia wandte sich ihm und den Wächtern wieder zu. Sie lief auf ihren Bruder zu.
“Hier drinnen ist es nicht sicher!”, versuchte sie ihm leise klar zu machen, “Nicht mehr für mich! Du weißt das!”.
“Wie kannst du ihnen nur trauen?”, fing Kael plötzlich an, “Und vor allem dem Mann aus dem Osten…”.
Octavia verstand nicht was er von ihr wollte. Immerhin arbeiteten die Rebellen zusammen. Somit mussten sie sich doch gegenseitig vertrauen. Kael war dabei, als er Indro und die Utarra-Rebellen um Hilfe bat.
“Wovon redest du da?”, fragte Octavia entsetzt, “Das ist Utarra da draußen… Indro ist dort…”.
“Sie sind trotzdem vom Norden… Wenige von ihnen dulden uns hier! Wir wissen nicht was passiert, wenn sie Arnor befreit haben… Und dein Diener Kianas  sollten wir erst recht im Auge behalten!”, sagte Kael.
“Und was ist mit Deloth?”, erwiderte Octavia getroffen, “Er war auch ein Diener Kianas, vertraute Utarra bevor er zu uns kam und mich beschützte!”.
“Deloth ist etwas anderes…”, entgegnete ihr Bruder schnell.
“Sag das dem Mann der wieder hier ist und Deloths Kehle durchtrennt hat!”, fauchte sie ihn an.
“Es steht außer Frage, dass das nicht passieren Durfte…”, versuchte Kael ruhig zu bleiben, “...Aber wenn unser aller Leben auf der Kippe steht, werden Barnolfs Männer hinter uns stehen und für uns kämpfen! Kannst du das von Indro behaupten?”.
Die junge Frau sah ihren Bruder entgeistert an. Wie konnte er nur so etwas sagen? Indro nahm sie auf, als die Süd-Rebellen sie verstießen, als Deloth getötet wurde. Ihr fiel so viel ein, was sie ihm an den Kopf werfen wollte. Wie gerne wollte sie ihm die Wahrheit über ihren Vater sagen, um ihn zu fragen, ob er ihr auch dadurch misstraute. Doch sie war weiterhin sprachlos und kein Wort kam über ihre Lippen, obwohl diese bebten.. Auch brachte es nichts weiter Streit zu provozieren. Sie wollte am liebsten gar nicht mehr mit ihm reden. Sie dachte, Kael hätte sich nach ihrer Trennung verändert. Scheinbar täuschte sie sich nur wieder. Das förderte nur ihre Angst ihm die Wahrheit über sich selbst zu sagen.
Er würde mich sowieso nur wieder hassen, redete sie sich ein. Daraufhin starrte sie ihrem Bruder nur weiter wütend in die Augen und entschied sich lieber zu gehen. Mit schnellen Schritten, die im feuchten Boden schmatzten, entfernte sie sich von dem Tor.
Als sie dabei Barnolf bei seinen Männern in der Nähe sah, warf sie ihm einen bösen Blick rüber -auch wenn sie dachte er hatte das nicht gesehen- und stapfte sauer hinter das Haupthaus der Siedlung.
Dort angekommen rannte sie fast Thirak um, der in diesem Moment aus der Richtung kam, in die sie ging. Zunächst erkannte sie ihn nicht, da alles schnell ging und mahnte den Mann noch genervt, fast schon gehässig, aufzupassen, bis sie aber sein warmes Lächeln wahrnahm. Sie war verwundert, warum Thirak niemals wütend oder böse auf sie war. Egal was sie tat oder sagte. Natürlich war er nicht davon begeistert, dass sie nach Minas-Tirith wollte um Kiana Vaneryen zu töten, doch das lag wohl eher daran, dass er Kiana beschützen wollte. Immerhin liebte er sie vor einiger Zeit. Das sagte er ihr zumindest einmal.
“Warum hast du es denn so eilig?”, fragte er sanft. Octavia verdrehte nur die Augen und erwiderte: “Mein Bruder… Er lässt mich nicht gehen!”.
“Wohin willst du denn auch gehen?”, wollte der Mann wissen.
“Zurück zu den Nord-Rebellen… Zurück zu Indro!”, erwiderte sie schnell und entschlossen. Bevor der ehemalige Fürst von Angmar zum reden ansetzte, verzog Octavia genervt den Mund und sah an ihm vorbei. Sie rechnete damit, dass er sie nun auch belehren wollte. Dem war aber nicht so.
“Dein Bruder macht sich Sorgen um dich…”, erklärte Thirak ruhig, “...Als wir nicht wussten, wohin du gegangen bist, hat er sich schwere Vorwürfe gemacht und auch nach der Schlacht hat er dich überall gesucht...Er dachte du wärst tot! Er liebt dich, Octavia!”.
Octavia sah zu Thirak auf, der ihre Schultern berührte und sich zu ihr beugte. Nie im Leben rechnete sie damit, dass sich Kael doch so sehr um sie sorgte, auch wenn er es vor der Schlacht bei den Nord-Rebellen noch sagte. Vermitteln tat er stets eher ein anderes Gefühl.
“Aber wenn er mich wirklich liebt, warum ist Barnolf dann hier?”, fragte sie argwöhnisch.
“Glaub mir, wenn es einen anderen Weg geben würde, hätte er diesen gewählt… Doch die Freie Arnorische Armee ist die Chance endlich was aufzubauen! Gemeinsam!”, sagte Thirak, “...Mir gefällt es auch nicht, dass er hier ist, nachdem ich ein Messer von ihm an meinem Hals hatte… Aber es muss sein… Sagtest du nicht, dass es Deloths Wunsch war, Frieden zu bringen und das Leid zu beenden?”.
Sie dachte über die Worte nach. Deloth erschien ihr in ihren Gedanken. Wie er ihr von seinem Wunsch erzählte. Seinem Traum. Auch wenn es ihr schwer fiel, verwandelten sich ihre Lippen in ein Lächeln, als sie erneut leer an Thirak vorbei starrte. Er schien das zu bemerkten und erwiderte ihr Lächeln.
“Naja, streng genommen…”, fing sie träumerisch an, “...War sein Wunsch, dass sich alle Menschen freiwillig vereinen und zu einem Volk werden, gemeinsam füreinander einstehen und sich ihren Anführer selbst wählen... Ohne Zwang…”.
Octavia sah in Thiraks Gesicht, als sie spürte dass er seine beiden Arme auf ihre Schultern legte.
"Es ist ein schöner Wunsch, den auch ich verfolge. Aber dafür müssen wir einen Anfang finden und manchmal Dinge tun, die uns nicht gefallen…", sagte er bestimmend aber noch immer liebevoll, "...Wir brauchen Barnolfs Leute, damit wir Deloths Wunsch erfüllen können!".
Octavia schloss ihre Augen und seufzte laut und beklommen. Ihr blieb vermutlich nichts anderes übrig als sich darauf einzulassen. Auch wenn es ihr mehr als schwer fiel, mit Barnolf gemeinsame Sache machen zu müssen, blieb ihr wohl nichts anderes übrig. Immerhin vertraute sie ja eigentlich Thirak und ihrem Bruder.
“Vielleicht hast du recht…”, entgegnete sie schließlich widerwillig.
Wer weiß? Vielleicht ergibt sich eine bessere Gelegenheit ihn zu töten, nachdem das alles vorbei ist!, dachte sie sich dabei. Ganz ungestraft wollte sie Barnolf Godon natürlich nicht davonkommen ĺassen, egal ob sie zusammenarbeiten mussten oder nicht.
“Ich werde nochmal mit deinem Bruder und Phelan reden, was das Festhalten anbelangt…”, sagte Thirak noch bevor er sich dann weiter auf dem Weg machen wollte. Octavia nickte ihm bestätigend zu. Der Glaube daran, dass sich die beiden umstimmen ließen, war zwar schon lange verschwunden, aber vielleicht hörten sie wenigstens auf Thirak.
Leicht befriedet beschloss sie Loki zu suchen, um noch weiter mit ihm zu trainieren. Den Gedanken nach Minas-Tirith zu dem Turnier zu reisen, hatte sie sich nämlich nicht aus dem Kopf geschlagen. Dafür musste sie allerdings in bester Form sein…

Octavia und Kael Sagitta, Loki, Thirak Eisen, Phelan Belatan und Barnolf Godon im Daskina-Rebellenlager….

Darkayah:
Daskina-Rebellensiedlung- Wald von Eregion (Arnor)
Octavia, Kael, Barnolf, Loki, Thirak und Phelan in der Siedlung der Südrebellen...

Octavia war froh, dass Thirak Phelan und Kael doch noch dazu überzeugen konnte die junge Rebellin doch wieder aus der Rebellensiedlung zu lassen. Sie hielt sich Anfangs zurück, damit Kael nicht bemerkte, dass sie nur darauf brannte wieder hinaus zu dürfen.  Als sie aber den Auftrag bekam die Position der Soldaten in Fornost zu bestimmen, die aus Annuminas marschierten, machte sie sich zusammen mit Loki sofort auf dem Weg dorthin.  Somit war sie die letzten Tage mit ihm unterwegs. Gewisser Argwohn brach in ihr aus, als der Mann immer mal wieder für eine Zeit lang verschwand. Er sagte immer wieder, dass er nur etwas zu Essen besorgte und kam auch immer mit welchem zurück, weshalb sie sich darum auch keine weiteren Gedanken machte.
Sie mussten nicht einmal in die Stadt, da ein weiterer Zug an Soldaten die Stadt erreichte und die Tore passierte. Oft hielten sie auch Boten auf, die zwischen den  Städten Annuminas und Fornost umher eilten. Octavia schrak nicht zurück, diese Boten zu töten und die Briefe mit Gewalt zu erhalten.
Auf dem Rückweg traf sie sogar auf Indro, der ihr Informationen über die ungefähre Anzahl der Soldaten in Fornost übergab. Der sonst so kühle Mann wirkte sogar tatsächlich froh, seine Blutkriegerin außerhalb der Gefangenschaft zu sehen. Octavia konnte ihn allerdings nicht begleiten, denn die wichtigen Informationen mussten zu Phelan und den anderen gebracht werden.
Die junge Frau erreichte mit Loki am Mittag die Siedlung und zögerte nicht lange um mit den Anführern zu sprechen.
In dem Haupthaus, das recht gut gefüllt mit anderen Mitgliedern der Süd-Rebellen war, traf sie diese auch an. Direkt ging sie auf Phelan und Thirak zu, die an einem Tisch saßen. Auf dem Tisch, an dem die beiden Männer saßen, lag eine Karte von dem Nord-Westen von Mittelerde.Sie schienen über weitere Pläne zu reden. Ungestüm wie Octavia war, störte sie sich nicht daran und unterbrach die Männer.
“Annuminas schickt die Truppen nach Fornost und es wirkt, als würden sie die Stadt sichern wollen…”, sagte Octavia, während sie die verschiedensten Schriftstücke auf den Tisch warf.  Die beiden sahen sich die Briefe fragend und dann zu der jungen Rebellin. Das lag wohl daran, dass die Mehrheit der Briefe auf Ostron geschrieben wurden und weder Thirak noch Phelan sprachen die Sprache des Ostens.
“Die Soldaten werden nach Fornost geholt, während der Legat nach weiterer Hilfe aus Minas-Tirith schickt. Es sind wahrscheinlich fünftausend Männer insgesamt!”, erzählte sie weiter, “Ich habe versucht so viele von den Boten zu erwischen, wie ich konnte!”.
Mit einem Auge vernahm sie, dass auch Kael und Barnolf das Haus betraten. Die beiden Männer sahen interessiert zu den anderen rüber.  Die junge Frau versuchte, den von ihr verhassten Barnolf zu ignorieren. Auch als er mit Kael an den Tisch kam.
“Das sind hervorragende Nachrichten!”, platzte es Phelan Belatan heraus, “Dann kann der Plan tatsächlich aufgehen, Arnor von den Klauen der Königin zu befreien!”.
“Gute Arbeit, Fräulein Sagitta!”, lobte selbst Barnolf. Auf ihn reagierte Octavia aber eher nicht. Sie fragte sich sowieso, warum er es überhaupt wagte mit ihr zu sprechen, nachdem was passiert war.
“Habt ihr gehört?”, rief er plötzlich zu den anderen Männern und Frauen im Raum, “Bald werden wir, dank der Hilfe aller, das Land befreien!”.
Dann erhob sich ein älterer Mann mit grauem Haar und Bart. “Und ihr denkt das wirklich?”, rief er sichtlich erbost, “Es ist doch eine Frage der Zeit bis der Hauptmann der Königin unsere Pläne verrät!”.
“Du kannst dir sicher sein, dass jeder der hier ist auch das gleiche Ziel verfolgt…”, entgegnete Phelan, der Anführer der Süd-Rebellen, “...Außerdem birgt Octavia für ihn!”.
Der Mann spuckte auf den Boden und sagte: “Die lässt sich doch von ihm um den Finger wickelten, hat eine Liebelei mit unserem Feind… Ist doch klar dass sie ihm alles glaubt!”.
Er fand großen Zuspruch von den anderen Menschen im Raum. Octavia war verwundert. Natürlich bekam sie mit, dass wenig Rebellen Loki akzeptierten. Aber Loki arbeitete schließlich für die Rebellen und sie selbst hatte ihm im Blick.
“Und warum sollte ich das tun?”, rief Loki schließlich verärgert und ging mit ausgebreiteten Armen auf den Mann zu, “Meinst du nicht ich hätte der Königin nicht schon längst sagen können, wo ihr euch versteckt?”.
“Und wer bist du? Deine  Informationen bedeuten nichts, du bist nur ein Hauptmann der versucht nach einer Niederlage nicht zu sterben!”, entgegnete der Mann der Süd-Rebellen.
“Ich bin die rechte Hand der Königin!”, schrie Loki zurück, “Meine Informationen sind mehr wert als dein ganzen erbärmliches Leben jemals sein wird!”.
Obwohl Octavia verwundert war, dass Loki scheinbar einen sehr hohen Rang besaß, diesen aber verschwieg, sagte sie nichts dazu. Vor allem nicht, weil wieder ein großer Streit entfachte. Sowohl Mitglieder der Süd-Rebellen, wie auch die der Freien Arnorischen Armee beteiligten sich an den Wortgefechten. Während die Stimmen um Octavia herum leiser wurden, als wäre die junge Frau unter Wasser getaucht, vernahm sie nur noch die Bewegungen der Menschen im Raum. Die Gesten und Lippen. Es sah so aus, als wollte Phelan wie immer die Situation beruhigen, Kael und Barnolf versuchten Loki zurückzuhalten.

Die Rebellin wollte in diesem Moment nur noch weg von diesem Ort, weg von all den Menschen und nur noch ihre Ruhe haben. Sie schloss ihre Augen und bemühte sich an einen anderen Ort zu denken. Ihr gelang es für einen Moment:
Sie befand sich in einen blühenden Wald. Wahrscheinlich auf einer Straße. Vor ihr erschien ein Mann, der sie mit offenen Armen empfing. Es war Deloth. Sofort fiel sie ihm in die Arme. Sie hörte, wie er ihr in das Ohr flüsterte, dass er sie schon ewig vermisste. Der Moment fühlte sich für sie so unfassbar echt an. Sie wollte gar nicht mehr zurück in die Realität.
Als sie von ihm abließ, war der Wald nur noch vertrocknet und die Blätter fielen rasch von den Bäumen. Die Stimmung wirkte nun eher trüb. Ein starker Windzug sorgte dafür dass sie sich umblickte. Als sie zu Deloth sah, war das glückliche und liebevolle Gesicht verschwunden. Er starrte ernst drein und sein Blick strahlte nur noch leere aus.
“Deloth was hast du denn?”, sagte sie zu ihm, doch er antwortete nicht. Dann zeigte er plötzlich in eine Richtung und sagte nur noch: “Er ist hier!”.
Octavia verstand nicht was er meinte. Die Richtung in die er zeigte, war nur von Dunkelheit verhüllt. Sie sah wieder zu Deloth und erschrak. Die Kehle des Mannes hatte eine große klaffende Wunde, aus der das Blut nur so strömte.
Die junge Frau ging wimmernd einige Schritte rückwärts von ihm weg. Sie bemerkte, dass sie nicht weiter rückwärts konnte, da sie gegen eine Wand lief. Vorher befand sich doch dort keine Wand. Etwas legte sich auf ihre Schultern, was sie schaudern ließ. Vorsichtig drehte Octavia ihren Kopf zurück und erblickte eine dunkle Gestalt, die mit ihren rot leuchtenden Augen auf Deloth blickte. Die Gestalt machte ihr Angst weshalb sie versuchte sich von ihr zu entfernen. Das funktionierte allerdings nicht, da die Schattengestalt sie fest im Griff hatte.
Das ist nicht echt… Ich habe keine Angst..., redete sie sich immer wieder zu, während sie versuchte aus ihren Gedanken zu kommen. Sie wollte sich doch an einen schönen Ort mit Deloth denken. Stattdessen holten sie die Erinnerungen immer wieder ein. Mit einem Ruck befreite sie sich von dieser Kreatur und wollte zu Deloth, doch jeder Schritt fühlte sich schwerer und schwerer an. Als liefe sie in tiefen Schlamm, bis sie schließlich zum Stillstand kam. Sie konnte sich nicht bewegen, obwohl sie es versuchte. Sie konnte nur dabei zusehen, wie die Kreatur auf Deloth zu ging, seinen Kopf nach hinten streckte und lachend seine Kehle aufschnitt. Das Lachen dröhnte entsetzlich in ihren Ohren. Dann verschlang die Kreatur alles um sie herum, bis sie nur noch in der Dunkelheit alleine stand.
Langsam vernahm sie viele Stimmen die durcheinander redeten. Erst waren sie dumpf. Dann wurden sie  deutlich und klarer…

Octavia schrak schon fast auf, als sie die Augen öffnete und bemerkte, dass sie noch in der großen Versammlungshalle war. Die Männer stritten noch immer miteinander. Sie hörte weiter wie sie sich nur noch beschimpften und gegenseitig die Schuld zu schoben.
Sie wischte sich die leichten Schweißperlen von der Stirn, die sich während des Traumes gebildet hatten. Wenn es denn wirklich ein Traum war. Geschlafen hatte sie ja immerhin nicht. Sie vernahm Thirak, der sie besorgt beobachtete.
“Ach und wo warst du denn die letzten Tage? Hast dich wohl mit deiner Königin verabredet!”, rief der alte Mann der Daskina-Rebellen plötzlich.
Noch erschöpft von den Gedanken entgegnete Octavia: “Er war bei mir…”.
“Seht ihr, ich hatte recht… Er hat sie um seinen Finger gewickelt und sie merkt es nicht einmal! Außer aber, sie macht inzwischen gemeinsame Sache mit unserem Feind!”, rief der Mann. “Er hat wohl gewisse Vorzüge, womit er sie blind macht!”.
Octavia verstand nicht recht was er meinte. Vermutlich konnte man dies auch  deutlich aus ihrer Mimik entnehmen.
“Vorsicht Cearl!”, warf Kael nun erbost ein, “Das ist noch immer meine Schwester, über die du sprichst!”.
Dabei ging er schon deutlich auf den Mann zu. Nur Phelan konnte ihn irgendwie noch zurückhalten.
“Verzeih mir Kael, ich denke wir alle hier bei den Süd-Rebellen schätzen dich… Aber es ist doch so! Zwei mal ließ sie sich auf Männer des Hauses Vaneryen ein… Sie war plötzlich verschwunden…”, erwiderte der Mann, der ins Schwitzen kam, “...Dann lasst doch die Hand der Königin sprechen! Mit wem hast du dich die letzten Tage immer wieder getroffen?”.
Die junge Rebellin war entsetzt darüber, dass anscheinend noch immer Anhänger der Süd-Rebellen glaubten, dass Deloth ein Feind war, obwohl er so lange bei ihnen war und ihnen half. Und dazu glaubten sie, Octavia selbst würde die Rebellen verraten und mit Kiana gemeinsame Sache machen.
Erst schwieg sie, denn sie wartete die Antwort von Loki ab, der aber nichts sagte. Ihre Blicke kreuzten sich und sie erkannte seinen schmerzenden Blick. Octavia hoffe nur nicht, dass der alte Mann recht hatte.
“Hätte ich die Hauptmänner nicht getroffen, wärt ihr schon lange tot!”, sagte Loki.
Der Mann, der wohl Cearl hieß, hielt seine Arme siegend in die Höhe und rief:”Ha! Hab ich es euch nicht gesagt!”.
Die Antwort Lokis erschütterte die junge Frau. Immer wenn er weg war, erzählte er, er hatte nur die Umgebung erkundet oder etwas Essbares besorgt. Wenn er schon damit log, was hatte er noch erfunden, um nicht getötet zu werden? Hatte der alte Mann wirklich recht und sie hatte sich um den Finger wickeln lassen?  War sie blind vor der Wahrheit?
“Ist das wahr?”, fragte Octavia bestürzt, während ihre Stimme versagte. Loki nickte ihr nur zustimmend zu. “Ich musste es tun…”, sagte er noch, “...Kiana hätte ihre ganze Armee hier hoch geschickt!”.
“Das ich nicht lache!”, rief der Mann namens Cearl unter großer Zustimmung der anderen. Octavia versuchte ihre Tränen zurückzuhalten. Neben der Traurigkeit stieg in ihr eine unfassbare Wut hinauf. Wut auf sich selbst und auf Loki.
“Ihr versteht auch gar nichts…”, fing Loki an, “...Ihr habt nicht die geringste Ahnung, wozu Kiana noch fähig ist, obwohl sie Minas-Tirith den Erdboden gleich gemacht hat! Ihre Macht, ihr Drache und die neusten Waffen werden euch alle… einen nach den anderen töten!”.
Wieder brach große Diskussion unter den Anwesenden aus. Octavia versuchte alles um ihre Gefühle im Griff zu halten. Alle waren so weit weg von ihr. Egal ob Kael, Thirak oder selbst Phelan Belatan. Sie fühlte sich zwischen all den Daskina-Rebellen so klein und hilflos.
“Ihr habt die größte Waffe gegen Kiana hier bei euch!”, beschwerte sich Loki weiter. Octavia sah auf, denn sie vermutete was er sagen wollte. Sie musste ihn aufhalten, denn niemand sollte von ihrem wahren Vater erfahren. So schnell es ging versuchte sie ihn zu erreichen, doch sie schaffte es nicht.
“Halt! Loki, Stop!”, rief sie immer wieder. Doch es war zu spät. Die Worte glitten ihm, so aufgebracht wie er war, über die Lippen.
“Sie ist die Halbschwester Kianas! Die zweite Tochter Thurions!”, rief er und zeigte dabei auf sie, “Und ihr verärgert sie? Sie ist auch eine Maia, verdammt! Eure Waffe gegen die Königin!”.
Genau diese Worte wollte sie nicht hören. Genauso wenig wollte sie, dass irgendjemand anders sie hörte. Nachdem ein lautes Raunen durch die Halle hallte, hatte sie das Gefühle alle Augen wären auf sie gerichtet. Selbst Thirak starrte sie förmlich an. Einzig und allein Kael vergrub sein Gesicht in seine Hände. Der Hass in ihr drinnen wurde stärker. Sie fragte sich, ob Loki absichtlich ihr Geheimnis ausplauderte. Vielleicht wollte er sie vor allen demütigen, oder sie vor allen unbeliebt machen, weil er sich noch für die verlorene Schlacht Rächen wollte. So viele Gedanken schwebten ihr im Kopf.
“Das ist interessant…”, hörte sie noch Barnolf Godon leise sagen, doch ihr war es egal. Was machte es jetzt für einen Unterschied.
Sie stürmte nur noch auf Loki zu, griff sich ihr Schwert und packte Loki an den Klamotten.
“Es tut mir leid… Ich wollte nicht…”, wollte er gerade sagen, da schubste sie ihn zwei Rebellen entgegen.
“Los, bringt ihr raus!”, sagte Octavia nur wütend.

Draußen war der Boden wieder feucht und schlammig. Leichter Nebel breitete sich um das Lager herum aus. Es hatte wohl geregnet, als die Diskussion ausbrach. Immer wieder hörte sie beim herausgehen die Rufe von Thirak und Phelan, die sie aufhalten wollten. Die Mitglieder der Süd-Rebellen dagegen feuerten die ganze Situation an. Sie warteten scheinbar schon erpicht darauf, die rechte Hand der Königin tot zu sehen.
Octavia war dem auch nicht abgeneigt. Immerhin hatte er sie verraten, hatte ihr Geheimnis ausgeplaudert, womit sie selbst noch nicht zurecht kam. Sie wollte es ihrem Bruder selbst sagen. Die richtige Gelegenheit dafür finden. Stattdessen nahm er ihr jede mögliche Chance. Und dann log er ihr noch in ihr Gesicht. Er traf sich immer wieder mit Abgesandten aus Fornost um Informationen auszutauschen und ihr vermittelte er ein Gefühl von Fürsorge. Sie wusste nicht recht ob sie mehr Hass auf Loki haben sollte, weil er ihr etwas vorspielte, oder auf sich selbst, da sie ihm überhaupt vertraute und sich auf ihn einließ.
Die zwei Rebellen brachten Loki nach draußen und drückten ihn zu Boden. Viele Schaulustige kamen dazu, die ebenfalls den Hauptmann der Königin beschimpften. Octavia drängte sich durch die vielen Männer und Frauen, die mit aus dem Haupthaus kamen. Sie sah auf Loki herab, der vor ihr auf den Knien war. In ihr sprudelte die Wut, die er in ihr auslöste.
“Octavia, bitte tu das nicht!”, sagte Thirak, der ihr nach draußen gefolgt war und neben ihr stand, “Du bist keine Mörderin!”.
“Da liegst du falsch!”, entgegnete sie nur kühl und hielt Loki ihr Schwert an den Hals.
Loki sah daraufhin zu ihr auf und entgegnete ruhig: “Na las, bring es hinter dir…”.
Auch wenn sie ihm am liebsten sofort das Schwert in den Hals rammen wollte, hielt etwas in ihr sie auf, als er die Worte sagte und sie traurig ansah. Im gleichen Moment ertönte der Alarm der Rebellensiedlung. Immer wieder hallte der Schlag auf eine Metallscheibe durch den Wald. Die umherstehenden Rebellen wurden alle in ihre Häuser geschickt, nachdem Phelan und Thirak riefen, dass Feinde gesichtet wurden. Octavia ließ sich davon weniger beeindrucken. Sie wollte den Mann, der vor ihr auf dem Boden kniete, tot sehen.
“Octavia!”, versuchte Phelan sie zu erreichen, aber sie wollte und konnte ihn nicht hören. Zu sehr stieg der Zorn in ihr auf.
“Octavia, nimm das Schwert herunter!”, mahnte Phelan weiter, “Und komm nach drinnen!”.
 Aber die junge Frau zeigte keine Regung. Sie hielt die Klinge ihres Schwertes weiterhin an Lokis Kehle und starrte ihn an.
“Sie haben Deloth genauso auf die Knie gedrückt…”, fing er schließlich an, “...Barnolf stand an der gleichen Stelle, dort wo du stehst… Er hielt ihm eine Klinge an seinen Hals!”.
Octavia kamen wieder die Erinnerungen an Deloth in dem Sinn. Sie sah ihn vor sich, sein Gesicht. Wie er dort Kniete und Barnolf ihm sein Schwert an den Hals hielt. Wie Barnolf ihm die Kehle aufschnitt und Deloth zu Boden fiel. Auch an ihren Tagtraum von vorher dachte sie für einen kurzen Moment.
“Ich weiß…”, presste sie nur heraus, während ihre Lippen bebten,”...Ich war selbst dort…”.
“Wenn du das tust, machst du das gleiche was Deloth widerfahren ist mit ihm!”, sprach Phelan ruhig.
Ihr hasserfülltes Gesicht formte sich in ein traurigen Ausdruck. Sie konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Auch wenn sie Loki in die Augen sah, hatte sie das Gefühl Deloth vor sich auf dem Boden knien zu haben. Sie schluchzte und warf schließlich ihr Schwert auf den Boden. Sie konnte ihre traurigkeit nicht mehr zurückhalten, ebensowenig wie die vielen Tränen, die über ihr Gesicht flossen. Phelan versuchte sie in ihre Arme zu nehmen und redete ihr immer wieder zu.
“Es ist okay…”, wiederholte er oft, “...Es ist okay, lass uns nach drinnen gehen…”.
Doch ihr halfen all diese Worte nichts. Sie wollte auch nicht wieder in das Haupthaus der Daskina-Rebellensiedlung hinein, geschweige denn überhaupt in der Siedlung bleiben. Sie beschloss einfach abzuhauen. Es war doch sowieso egal. Es dachten doch alle, dass sie auf Kianas Seite war. Zu diesem Zeitpunkt erst recht, nachdem Loki die Wahrheit über ihren Vater verriet. Die Trauer und der Schmerz in ihr waren so stark, dass sie dachte sie zerbrach innerlich. Für sie fühlte es sich so an, als schnitt ihr jemand ihr Herz heraus, wie sie es bei Deloths Tod fühlte.
“Octavia warte!”, hörte sie Phelan noch rufen, “Wo willst du denn hin?”.
Sie wollte allerdings nicht darauf hören. Sie wollte nur noch weg. Schluchzend rannte sie durch die Tore des Palisadenwalls und in den Wald von Eregion hinein. In erster Linie war es ihr egal wohin. Hauptsache weg von allen...

Octavia flieht in unbekannte Richtung...

Darkayah:
Wald von Eregion (Arnor)

Octavia läuft durch den Eregion-Wald um Arnor zu verlassen….

Die junge Frau rannte durch den Wald von Eregion auf die große Hauptstraße. Ihr war nicht direkt bewusst, wohin sie rannte. Ihr war es auch egal. Sie wollte nur noch weg von all denen, die ihr scheinbar schlechtes wollten. Vor allem konnte sie ihrem Bruder nicht mehr in die Augen sehen, nachdem Loki einfach das Geheimnis ausplauderte. Sie wollte es Kael sagen. Sie wartete auf den richtigen Augenblick, die richtige Möglichkeit. Diese wurde ihr von Loki genommen. Von dem Mann, der sie nur belogen hat, um seinen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.
Sie war schon eine Zeit lang unterwegs. Immerhin brach der Tag schon an.  Der Himmel färbte sich in tiefen Lila und Orange. Die leichten Wolken bedeckten noch die Sonne, die versuchte ihre Strahlen auf die Erde zu bringen. Wassertropfen bedeckten die Pflanzen und ein seichter Wind, flog durch die Wälder.
Obwohl es recht kalt war, fror die junge Frau nicht. Die Wut ließ sie eher innerlich kochen. Auch wenn sie versuchte an etwas anderes zu denken, ging ihr der Streit der Rebellen nicht aus dem Kopf. Zu sehr saß die Erschütterung, dass die anderen Rebellen wirklich dachten sie unterstützte die Königin, in ihr. Jedoch jubelten sie ihr zu, als sie Loki hinrichten wollte. Sie konnte es zwar verstehen, immerhin begehrte sie selbst das Blut der Anhänger ihrer Feind, doch dass sie sich dermaßen hinein steigerten ließ die junge Frau erschrecken. Es war genau die Gleiche Situation wie bei Deloth. Jemand bezichtigte ihn des Verrates und die Menge forderten seinen Tod. Klar waren die Anschuldigungen bei Loki wahrscheinlich berechtigt, da er log und sich mit Männern der Krone traf, aber sie wollte nicht an der gleichen Stelle wie Barnolf stehen.
Ich darf mich nicht mehr so sehr täuschen lassen..., redete sie sich ein. Ein lauter und tiefer seufzer drang aus ihrer Brust. Inzwischen wusste sie, wohin der Weg sie führte: Noch immer stand das Turnier in Minas-Tirith bevor! Es war ihre Gelegenheit die Königin zu töten und das Leid zu beenden. Sollten doch alle glauben, dass sie mit Kiana Verwandt war. Wenn sie die Königin tötete, würden alle endlich sehen dass Octavia sie auch verabscheute.
Für einen kurzen Moment stockte sie. Ein Geräusch riss sie aus ihren Gedanken und ließ sie aufhorchen. Hinter einer Biegung, die die Straße machte, erkannte sie eine  Person, die an einen Karren fuchtelte. Im leichten Fackelschein sah sie, dass es sich um Lennox, einem Mitglied der Daskina-Rebellen handelte. Er war auch dabei, als Deloth verbrannt wurde. Er war mit dem Rücken zu ihr gedreht und schien etwas am Boden zu suchen. Octavia entdeckte ein Schwert, welches vor ihr auf dem Boden lag und hob dieses auf.
“Ist was passiert?”, fragte sie ihn.
“Äh… Ja… Nein!”, antwortete er verwirrt, “Wer seid ihr?”.
“Suchst du das?”, wollte Octavia wissen und hielt ihm das Schwert entgegen.
“Ah, ja danke… Ich bringe den Karren in das Lager, er enthält eine Lieferung Waffen!”.
Octavia zog ihre Augenbrauen hoch und erwiderte: “Vielleicht solltest du aufpassen, wem du das erzählst… Nicht das noch Soldaten der Krone hier vorbeikommen!”.
Er versuchte Octavias Gesicht zu erkennen und hielt die Fackel vor sich.
“Ah! Du bist eine von den Ersten, die die das Lager der Süd-Rebellen gegründet haben, richtig? Du bist Octavia Sagitta und bist doch zu den Nord-Rebellen gegangen, stimmts?”, stellte er erstaunt fest.
Die junge Frau seufzte erneut. Sie spürte, wie ihre Augen nur wieder feucht wurden, wenn sie an die Flucht und die Ankunft nach Arnor dachte.
“Ich bin keine Daskina, keine Utarra…”, sagte sie mit zittriger Stimme, “...Ich bin nichts…”.
Sie wusste, dass Indro ebenfalls Wütend auf sie sein würde, wenn er erfuhr wohin sie ging. Er hatte seinen Standpunkt vor wenigen Tagen deutlich gemacht.
“Das stimmt doch nicht! Du bist genau wie ich eine geflüchtete aus Gondor, die Zuflucht hier in Arnor bekommt!”, entgegnete er freundlich, “Wenn du willst nehme ich dich mit!”.
Octavia schüttelte nur den Kopf, während sie ihre Hand schützend vor ihr Gesicht hiel um die Tränen zu verstecken. “Nein, ich muss weiter…”, sagte sie nur und ließ den jungen Mann zurück, um weiter die Straße entlang zu gehen.
Wenn er von meinem wahren Vater wüsste, würde er mich auch nur hassen, dachte sie sich.

Die Sonne stand schon hoch am Himmel, was dafür sprach, dass es Mittag sein musste. Sie war schon ein weiteres Stück vorwärts gekommen. Sie erreichte das Ende des Eregion Waldes. Bis auf Lennox traf sie keine Seele auf der Hauptstraße. Weder Soldaten noch Händler. Ihr war es recht. Immerhin trug sie keine Waffen bei sich. Sie ließ alles in der Rebellensiedlung zurück. Wahrscheinlich brauchte sie diese auch nicht mehr, wenn sie in Minas-Tirith war um Kina zu töten. Sie wusste ja nicht, ob sie es lebend aus der Hauptstadt schaffte. Daran hängen tat sie ja sowieso nicht. Besonders zu diesem Zeitpunkt nicht.
Sie vernahm das Schlagen von Hufen auf Stein, dass schnell immer näher kam. Sie überlegte noch, sich am Rand zu verstecken, doch es gab keine Möglichkeit, da sie sowieso am Ende des Waldes angekommen war.
Octavia drehte ihren Kopf nach hinten, als sie den Reiter erkannte der im schnellen Tempo die Straße entlang ritt. Bevor er sie erreichte und an ihr vorbei ritt, bremste er das Pferd ab und blieb bei ihr stehen. Das Pferd wieherte und schnaubte. Sie erkannte Thirak Eisen, der auf dem Tier saß.
“Octavia!”, rief er, “Da bist du ja!”.
Das hatte ihr noch gefehlt. Jemand der ihr folgte. Sie antwortete ihm nicht.
“Komm, ich bringe dich zurück…”, fing er an, “...Wir haben uns schon Sorgen gemacht!”.
Die junge Frau beobachtete ihn, wie er vom Pferd abstieg und mit den Zügel in der Hand auf sie zu ging. Für Octavia war eigentlich sicher, dass sie nicht mehr zurück zu den Süd-Rebellen ging. Ihr Weg führte sie nach Minas-Tirith.
“Was soll ich denn da?”, erwiderte sie mit brüchiger Stimme, ”Es hassen mich doch sowieso alle, nachdem was Loki sagte….”.
“Das ist Unsinn!”, sagte Thirak und verzog sein Gesicht. Octavia war nicht davon überzeugt. Sie konnte es bei bestem Willen nicht glauben.
“Dein Bruder ist krank vor Sorge und sucht schon im Norden nach dir!”, sagte er.
“Ich kann nicht zurück… Ich muss nach Minas-Tirith…” , versuchte sie ihm klar zu machen.
“Tu das nicht, du weißt nicht was das bedeutet…”, flehte er schon fast, “...Vielleicht gelingt es dir nicht und du wirst dabei sterben!”.
Octavia drückte die Luft heraus. Es war schon fast ein lachen. Sie bemerkte, dass Thirak sie daraufhin besorgt ansah, da er scheinbar verstand, dass ihr das egal war.
“Na los…”, sagte er wieder, “...Komm mit mir und wir können alle in Ruhe reden!”.
Dabei hielt er Octavias Schwert und Lokis blutroten Mantel in ihre Richtung. Sofort nahm sie beides in ihre Hände und legte sich den Umhang um. Dann hing sie ihr Schwert, dass in einer Scheide aus Stoff war an den Rücken.
Zunächst wirkte Thirak erleichtert und machte sich bereit der jungen Frau auf dem Rücken des Pferdes zu helfen, doch als sie auf dem Rücken saß und bevor er selbst aufsteigen konnte, ließ sie das Pferd einige Schritte von ihm weg traben.
“Bitte, Octavia…”, rief er verzweifelt,”...Tu das nicht… Dein Bruder liebt dich…”.
Octavia versuchte die Worte einfach zu ignorieren und ritt weiter die Straße lang.
“Weißt du, manchmal müssen wir uns dem Vergangenen stellen…”, rief er ihr hinterher, “...Und ich weiß dass ich dich liebe, egal wie die Wahrheit  ist oder welche Fehler du machst!”.
Die junge Frau versuche nicht zu zu hören, auch wenn es ihr schwer fiel. Besonders nachdem er diese Worte rief. Leichtes entsetzen breitete sich in ihr aus. Meinte er es ernst und er liebte sie? Wollte er sie damit nur aufhalten? Oder machte er sich damit nur über sie lustig, weil sie sich auf Loki einließ?
Auch wenn es eine geheime Wohltat war, dies von Thirak zu hören, konnte sie es nicht zugeben. Etwas in ihr wollte sie umdrehen lassen, aber sie versuchte es zu unterdrücken. Es spielte nämlich keine Rolle, denn sie hatte ihr Ziel vor Augen und konnte dabei sterben. Solche Gefühle würden sie nur ablenken und schwach machen.
Deshalb ritt sie einfach weiter und ließ Thirak hinter sich zurück, um in die Hauptstadt zu gelangen….

Octavia Sagitta auf dem Weg nach Minas-Tirith der Hauptstraße entlang durch Rohan...

Darkayah:
Wald von Eregion (Arnor)
Octavia zurück aus Gondor in Arnor…

Octavia wusste selbst nicht wirklich, wie sie es aus den tosenden Fluten geschafft hatte. Sie hatte sich nur in einer Abbiegung an einem  Ast festhalten können, der im Fluss getrieben wurde. So konnte sie an das Ufer gelangen und unbemerkt entkommen. Sie hatte aber großes Glück gehabt, dass sie von einem unbekannten Mann versorgt worden ist. Er sprach nicht viel von sich, aber halt dabei nicht von den Truppen der Königin entdeckt worden zu sein.
Dort verharrte sie noch die Nacht, trotz ihrer nassen Kleidung die sie zum frieren brachte und wartete im Gestrüpp, bis Sanya und ihre Männer aus der Sichtweite waren. Schnell machte sie sich über die Entwasser, am Isen entlang durch Rohan auf dem Weg in den Norden nach Arnor  in Sicherheit.

Die junge Frau lief am Rande der Hauptstraße entlang, um auf direktem Wege zum Wald von Eregion zu gelangen. Sie versuchte immer im Schutz der Bäume zu bleiben. Sie wollte nur noch die Daskina-Rebellensiedlung erreichen, obwohl ungewiss war wie die Süd-Rebellen auf sie reagierten, nachdem Loki ihr Geheimnis Preis gab. Für einen kurzen Moment überlegte sie, ob es nicht besser war zu den Utarra-Rebellen zu gehen. Zu Indro. Doch er war sicher nur von ihr enttäuscht und wollte sie nicht mehr sehen. Er machte ihr deutlich, dass sie nicht mehr seine Blutkriegerin sein konnte, wenn sie nach Minas-Tirith geht.
Aber Octavia  wollte auch nur noch ihren Bruder in die Arme schließen. Sicher ob er sie wirklich sehen wollte, konnte sie nicht bei ihm auch nicht sein.  Vielleicht sah er sie auch schon gar nicht mehr als Schwester und würde es gutheißen sie verstoßen. Die junge Rebellin ging davon aus, dass er sie hasste und verachtete, nachdem er nun die Wahrheit kannte. Immerhin ist ihre Mutter wegen des Geheimnisses gestorben. Und dann hatte sie noch den selben Vater wie Kiana.
Der hölzernen Wall der Siedlung war schon zwischen den Bäumen sichtbar. Octavia ging mit einem mulmigen Gefühl weiter darauf zu.
Gerade am Tor angekommen, stürmten einige der Wachen hinaus.
"Was ist hier los?", fragte sie hektisch. Doch niemand antwortete ihr, da die Rebellen scheinbar andere Dinge im Kopf hatte.
Als sie in die Richtung sah, in der die Süd-Rebellen rannten, erkannte sie nur weitere Personen, die verletzt waren. Auch wurden manche auf selbstgebauten Liegen getragen. Fand etwa vor kurzem ein Kampf statt? Haben Kianas Truppen angegriffen? In ihrem Kopf hatte sie so viele Fragen, doch es war der falsche Zeitpunkt sie zu stellen.
In der Menge erblickte sie Thirak, auf den sie sofort zu lief.
"Was ist passiert?", fragte sie erneut.
"Dein Bruder hat einen Angriff gegen eine Truppe des Legaten aus Fornost begonnen … Es war hirnrissig…", entgegnete er außer Atmen und wirkte dabei erbost. War er wegen ihr wütend? Vielleicht weil sie zurückgekehrt war? Octavia fühlte sich unsicher. Sein Gesicht war blutverschmiert, was aber vermutlich nicht sein eigenes war. Sie fragte sich selbst, warum Kael so etwas tat? Er empfand Octavias Handeln schon oft genug als vorschnell und gefährlich.
Dann sah sie Kael, der von einigen Männern getragen wurde.
Nein, nein… Ihm darf nichts zugestoßen sein.. , sagte sie sich selbst immer wieder. Thirak schrie immer wieder herum, dass die Schaulustigen Platz machen und den Verwundeten helfen sollten. Schnell folgte die Rebellin den Männern, die Kael trugen.

Sie brachten Octavias Bruder in das Haupthaus in der Mitte der Siedlung und legten ihn auf dem Tisch.
"Schnell, bringt mir Wasser!", rief sie einigen Rebellen zu und drückte einen von ihnen eine Schüssel in die Hände. Sie nahm sich ein Stück Stoff und tupfte die schwitzige Stirn von ihrem Bruder ab. Noch nie hatte sie ihn so Hilflos und verletzt gesehen. Sonst war er es, der immer auf sie aufpasste und ihre Wunden versorgte. Als der Mann mit der Schüssel voller Wasser zurückkehrte, wischte Octavia das Blut und den Dreck von Kaels Gesicht. Dabei ging sie liebevoll und behutsam vor.
Vorsichtig öffnete er seine Augen und blinzelte die junge Frau an. “Du bist zurück…Ich dachte ich würde dich nie wieder sehen...”, hauchte er vor sich hin. “...Bin ich etwa… schon tot?”.
Octavia konnte die Tränen kaum zurückhalten, als er das sagte und  lächelte ihn trotzdem sanft an. “Hey, großer Bruder… Ich werde auf dich aufpassen, ich werde dir nicht böses zustoßen lassen!”.
“Genau das habe ich dir am Tag deiner Geburt gesagt…”, lächelte er ihr entgegen. Am liebsten wollte sie einfach wieder weinen, weil die Worte sie unendlich glücklich machten. Er liebte sie scheinbar noch immer. Er fing zu husten an. Octavia versuche ihn still zu halten. “Schhht….”, machte sie nur und streichelte sein Gesicht beruhigend. Schnell versorgte sie noch seine wunden, so gut sie konnte. Äußerlich hatte er zwar keine großen verletzungen, bis auf ein paar Schnitte, aber die anderen erzählten, dass er von seinem Pferd fiel, sodass er sich dann alleine durchkämpfen musste. Octavia reinigte und verband die äußeren Wunden vorsichtig. Phelan, der dazu stieß, wies die Rebellen an Kael in sein Haus zu bringen, damit er sich erholen konnte.

Erschöpft setzte sich Octavia an einen der Tische und vergrub ihr Gesicht in ihre Hände, während ihre Arme den Kopf stützen.
Ich hätte lieber hier bei ihm bleiben sollen, warf sie sich selbst vor. Sie stellte ihre eigenen Gefühle und Gelüste vor allen anderen und dann gelang es ihr nicht einmal, die Königin zu töten. Dafür starb Kael fast.
“Du bist also zurück…”, ertönte eine gedämpfte aber vertraute Stimme hinter ihr. Es war Thirak, der sie besorgt ansah. “Hattest du erfolg mit deinem Vorhaben?”. Er setzte sich neben ihr an den Tisch und drehte sich zu ihr.
“Nein…”, entgegnete Octavia nur kurz und enttäuscht. Sie wusste auch noch nicht, wie sie auf Thirak reagieren sollte, nachdem er ihr sagte, dass er sie liebte. Ob es wirklich so gemeint war wie sie dachte, traute sie sich allerdings auch nicht zu fragen. Sie wollte nicht wie ein Dummkopf erscheinen.
“Kiana ist verrückt…”, sagte die junge Rebellin seufzend. "...Sie ist von ihren Taten überzeugt und denkt sie alleine tut das richtige…”.
“Verschiedene Umstände haben sie so werden lassen…”.
“Müsstet ihr mich nicht alle hassen, dass ich das Gleiche Blut mit Kiana teile?”, fragte Octavia stumpf. Ihre Stimme klang dabei kratzig und überanstrengt. Thirak ging sich mit der Hand durch den Bart und stöhnte.
“Warum sollte das jemand tun? Du hast dir nicht ausgesucht, mit wem du verwandt bist…”, entgegnete er ruhig. “Siehst du… Dein Bruder war der festen Überzeugung, dass du zurückkehren würdest… Die anderen haben ihm nicht viel Hoffnung gemacht. Trotzdem wollte er dir hier ein zu Hause schaffen… Einen Ort, an dem Kiana keinen Einfluss mehr hat… Deshalb hat er diesen Waghalsigen Angriff unternommen…”.
“Dieser Dummkopf…”, schnaubte sie nur. “Mich hätte er davon abgehalten…". Auch wenn ihre Augen glasig waren, konnte sie nicht Weinen. Sie war von den letzten Ereignissen zu erschöpft. Sie wollte es, aber keine Träne lief über ihre Wangen.
"Ich hab einem Mann vertraut, der uns die ganze Zeit verraten hatte… Loki ist jetzt wieder an der Seite seiner geliebten Königin!”, stöhnte Octavia.
“Er ist an ihrer Seite weil Phelan und ich ihn dorthin geschickt haben… Hätten wir ihn bei uns behalten, hätte einer der anderen Rebellen ihn getötet was dann zur Folge gehabt hätte, dass Kiana einen Vergeltungsschlag ausüben könnte…”.
Die junge Frau löste ihren Zopf, der ihr bis unter die Schulterblätter reichte und lehnte sich im Stuhl zurück. Das Lachen konnte sie sich nicht verkneifen. Loki konnte ja überall hingehen. Stattdessen entschied er sich wieder am Rockzipfel Kianas zu klammern. Gut, er half ihr bei der Flucht, aber eine Entschuldigung war es für die nicht.
“Minas-Tirith hat sich verändert… Ich weiß nicht ob ich jemals wieder dorthin zurück will…”, seufzte sie tief heraus.
“Dann machen wir den Norden zu unserem zu Hause! Dich wird freuen, dass die Offensive gegen Fornost schon voll im Gange ist.”, sagte er lächelnd. Sie zog ihre Augenbrauen erstaunt nach oben. Die Vorstellung fehlte ihr, dass nun wirklich Bewegung in die ganze Sache kam. Immer wenn davon geredet wurde, hörte es sich so weit weg an.
“Wurde auch langsam Zeit…”, scherzte sie sarkastisch. Im gleichen Moment platze Phelan wieder in das Hauptgebäude. Er wirkte erstaunt aber erleichtert und gleichzeitig erbost. Octavia wusste nicht ganz, wie sie seinen Gesichtsausdruck deuten sollte.
“Octavia!”, rief er. “Du bist zurück!”.
“So sieht es aus…”, sagte sie.
“Wo bist du gewesen? Wir haben uns große Sorgen gemacht!”.
“Ich habe versucht die Königin zu töten… Ich stande schon vor ihr…”, antwortete die junge Rebellin ziemlich gleichgültig. Phelan setzte ein Blick auf, als wollte er ihr nicht glauben. Doch dann begriff er, dass sie es ernst meinte.
“Weißt du was das bedeutet? Weißt du was du damit auslösen könntest?”, pures Entsetzen sprach aus ihm heraus.
“Es bedeutet, dass ich es nicht geschafft habe… dass ich versagt habe...”, sagte sie kurz und von sich selbst enttäuscht.
“Das bedeutet, dass die Königin nach dir suchen lassen und mit ihrer Armee hier im Norden stehen wird, um dich zu finden!”.
“Lass sie doch erst einmal ankommen Phelan…”, wandte Thirak ein.
“Gut… Der Angriff gegen die Krone in Arnor ist schon in Bewegung geraten und die nächsten Tage sind entscheidend… Wir haben keine Zeit, um über so etwas  nachzudenken…”, seufzte Phelan Belatan.
“Ich hätte ja einfach sterben können, dann hättet ihr das Problem nicht!”, fauchte Octavia ihn an. “Sie haben mich nämlich schon gefangen gehabt…”. Beide Männer starrten sie an. "Aul sie mich nach Minas-Tirith bringen wollten, bin ich dann in ein Fluss gestürz und fast ertrunken… Wäre dann wohl besser gewesen…".
Es war fast wie sie gedacht hatte. Sie war  noch immer die Schuldige. Der Anführer der Daskina-Rebellen verdrehte die Augen und Octavia warf ihm nur einen giftigen Blick zu.
“Octavia, es geht nicht immer nur um dich…”, entgegnete Phelan.
“Aber darum, dass ich Kianas Schwester bin!”, zischte Octavia.
“Du weißt ganz genau, dass das nicht stimmt Octavia!”.
“Wir haben genug Verletzte, die versorgt werden müssen… Octavia, dein Bruder braucht dich… Wir sollten nicht streiten… Wir sollten uns lieber ausruhen, um für den bevorstehen Krieg ausgeruht zu sein!”, unterbrach Thirak das streitgespräch zwischen Octavia und Phelan.
Der Anführer der Süd-Rebellen stimmte Thirak zu und öffnete daraufhin seine Arme. Die junge Rebellin verstand zunächst was er wollte. Auch war sie noch wütend.
“Na los… Komm her…”, sagte er mit einem ruhigen Ton. Thirak sah sie mahnend an, sodass sie ihre Augen rollte. Zögerlich erhob sie sich von ihrem Stuhl und stapfte auf ihn zu und Phelan schloss sie in ihre Arme. In gewisser Weise tat es ihr gut. Es gab ihr das Gefühl, dass zumindest einige wenige Menschen sie nicht verachteten.
“Ich bin froh, dass du wieder da bist!”, sagte Phelan väterlich und wuschelte durch ihre Haare.
Dann verließ er das Hauptgebäude um den anderen Rebellen in der Siedlung zu helfen. Octavia seufzte und kämmte ihre Haare mit ihren Fingern durch, um sie wieder zu richten. Sie beäugte Thirak, der sie dabei die ganze Zeit beobachtete. Am liebsten wollte sie auch ihn in die Arme nehmen. Doch sie wagte es nicht. Sie war sich noch immer unsicher.
“Ich werde jetzt nach meinem Bruder sehen!”, sagte Octavia zögerlich, während sie sich wieder ihre Haare zu einem hohen Zopf zusammen band. Thirak nickte ihr zu. Sie wurde das Gefühl nicht los, dass er ihr noch irgendetwas sagen wollte. Auch sie hatte innerlich noch das Bedürfnis mit ihm über die Worte zu reden. Doch sie brachte es nicht über das Herz.

So huschte sie schnell durch die Siedlung in das Haus von Kael. Sie konnte sich so um ihn kümmern und Thirak so aus dem Weg gehen.
Ihrem Bruder zu versorgen war zumindest das mindeste was sie für ihn tun konnte. Er hätte für sie wahrscheinlich das selbe für sie getan. Zumindest in den letzten Jahren. Auch war sie selbst von den letzten Strapazen erschöpft und wollte sich erholen.
Sie sah nochmal nach ihrem Bruder und tupfte mit einem nassen Tuch seine Stirn ab. Octavia legte sich in ein anderes Bett, welches sich auf der anderen Seite befand und streckte ihre Gliedmaßen von sich.
Endlich ein vernünftiges Bett, dachte sie sich. Sie war so lange unterwegs. Musste so viele Schmerzen ertragen. Doch nun war sie zurück. Wenn auch unzufrieden ,dass sie es nicht geschafft hat, Kiana Vaneryen zu töten. Ein tiefer seufzer drang aus ihrer Brust hervor und sie hielt sich die Schmerzenden Stellen ihres Körpers. Es dauerte aber nicht mehr lang und sie schlief selbst ein…


Octavia in der Daskina-Rebellensiedlung…

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