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Arnor

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Darkayah:
Fornost (Arnor)
Octavia auf dem Weg nach Fornost…

Die nächsten Tage blieb Octavia meist an der Seite von Kael, bis es ihm besser ging. Zu ihrem Glück erholte er sich schnell, sodass sie sich um ihn  keine weiteren großen Sorgen machen musste. Auch war sie auch froh, dass niemand etwas zu ihrem Geheimnis sagte, welches Loki preisgegeben hatte.
Selbst die Leute, die Octavia bezichtigten, mit Kiana zusammen zu arbeiten, weil sie ihre Halbschwester war, sagten nichts mehr zu ihr. Sie hoffte, dass die Süd-Rebellen vielleicht  einfach die Worte von Loki vergessen hatten.
Aber wahrscheinlich lag es aber auch nur daran, dass der Angriff auf Fornost bevorstand und so keiner Zeit und Kopf dazu hatte die junge Rebellin zu verurteilen.
Der Angriff sollte diskret verlaufen. Fornost war von zwei Mauern umgeben: Die äußere Mauer, wo sich die alten Wohnviertel der Stadt befanden. Diese waren aber überwiegend leer und nur noch von wenigen Menschen bewohnt. Nur einzelne Truppen der Krone lagerten dort um Eindringlinge rauszuhalten, die in die Stadt kamen und dort  nichts zu suchen hatten. Nur die Bewohner der Stadt selbst lebten dort. Der Teil der Stadt war auch größtenteils verkommen. Die innere Mauer umgab den Palast und das alte Regierungsviertel von Arnor. Dort befanden sich der Legat und seine Soldaten. Aber auch die einige Bewohner der Stadt. Generell hatte Fornost keine große Bevölkerung mehr. Es war Platz für viele vorhanden, doch die meisten wanderten nach Angmar oder den Süden ab.
Einige Rebellen schlichen sich in die Hauptstadt Arnors um die Tore zu öffnen, sobald die übrigen vor Fornost bereit waren. Pascima, Dascina und Utarra warteten gemeinsam unter Führung der Freien Arnorischen Armee auf die Möglichkeit endlich Arnor aus den Klauen der Drachenkönigin zu befreien.
Phelan  wollte zunächst nicht, dass Octavia am Angriff teilnahm. Für ihn war es keine gute Idee sie bewaffnet zusammen mit Barnolf Gondon in eine Schlacht zu schicken.  Zum einen da er der jungen Frau das nicht zumuten wollte und zum anderen fürchtete er sich davor, dass sie etwas dummes tat. Allerdings beharrte sie dermaßen darauf, ihren Bruder nicht wieder im Stich lassen zu wollen, sodass Phelan schließlich nachgab und sie gewähren ließ.

Draußen vor den Mauern, im Wald vor Fornost versteckt, traf sie auch auf Indro, der die Utarra-Rebellen anführte. Er selbst schien erst nicht begeistert gewesen zu sein sie zu sehen. Natürlich wusste er von ihrer Reise nach Minas-Tirith und war enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass sie sich von ihren Gefühlen leiten lassen hat, anstatt so zu Handeln, wie er es ihr beibrachte. Ein Krieger konnte nur abwägen was richtig und was falsch war, wenn ihm bewusst war, was er machte. Er sagte immer, dass dies unter dem Einfluss der Gefühle unmöglich war. Auch wenn er wütend auf sie war, konnte er sie nicht ganz verstoßen. Zu stark war die Bindung der beiden inzwischen. Octavia war aber klar, dass sie nicht mehr seine Blutkriegerin sein konnte. Mehr als akzeptieren konnte sie es nicht.
Die Tore öffneten sich und immer wieder betraten Grüppchen der Rebellen die Hauptstadt Arnors. Schließlich war Octavias Gruppe mit Phelan, Thirak, Indro und Kael dran.

Schnell und leise passierten sie die Tore und  liefen durch die verlassenen Straßen. Die junge Frau war leicht irritiert von den vielen leerstehenden und zerfallenen Häusern. Der Anblick war ein ganz anderer, als er sich in Minas-Tirith präsentierte.
Überall lagen leblose Körper der bereits getöteten Soldaten der Krone herum. An den Toren der zweiten Mauer kam es zu kämpfen zwischen Rebellen und den Truppen der Krone. Octavia kämpfte sich mit den anderen durch ihre Feinde um weiter vorzudringen. Überrumpelt, wie die Soldaten von Fornost scheinbar von diesem Angriff waren, konnten sie kaum Gegenwehr leisten. Auch viele Bewohner der Stadt rannten panisch durch das Geschehen. Ihnen tat allerdings niemand etwas.
Die junge Rebellin duckte sich, als eine Salve von Pfeilen aus den Fenstern des Palastes von Fornost verschossen wurden. Im Gedränge hörte sie nur, wie Thirak den Rebellen befahl, sich auf der Mauer durchzukämpfen und ebenfalls Schützen dort zu positionieren. Sie selbst entschied sich dafür, weiter vorzudringen, um in den Palast zu gelangen. Indro und Kael. blieben stets an ihrer Seite.
Einige der Rebellen brachen mit einem Baumstamm die Flügeltüren auf, sodass sie hinein konnten. Octavia folgte ihnen in den Palast. Erst dort befanden sich die meisten Soldaten Kianas. Schnell versuchte sie sich durch die langen Korridore des steinernen Gebäudes durchzukämpfen. Immer wieder versuchten die Verteidiger Barrikaden aufzubauen, um die Rebellen so hinzuhalten. Doch die ersten Barrikaden wurden meist einfach überrannt.
Octavia lief vorne mit dabei, als sie von einer Schaar Armbrustschützen überrascht wurde. Sie sprintete wieder in einen anderen Gang, als die Bolzen in ihre Richtung schossen. Schnell atmend ließ sie sich an der Wand zu Boden rutschen. Barnolf Godon kam den Gang mit seinen Männern entlang. Mit erhobenen Schilden stellten sie sich den Armbrustschützen und streckten sie nieder. Die junge Rebellin sah um die Ecke, um zu sehen, ob die Luft rein war. Ihr war es recht, wenn Barnolf in dieser Schlacht sterben sollte. Dann gab es ein Problem weniger, um das sie sich kümmern musste. Wenn nicht, wollte sie dafür sorgen, dass er ein Schwert in seinem Rücken hatte. In diesem Gedränge fiel es wohl kaum auf.  Sie sah dem Mann noch erzürnt hinterher, der sich mit seinen Truppen durch kämpfte.
Im Selben Moment kamen Indro und Kael wieder an ihrer Seite. Indro beobachtete Octavia die ganze Zeit besorgt, was ihr schließlich auch auffiel.
“Warum guckst du mich die ganze Zeit so an?”, keifte sie ihn an. “Und warum seid ihr beide die ganze Zeit bei mir?”.
“Ich wache darüber, dass du nichts dummes tust, Octavia!”, entgegnete Indro scharf. Die junge Frau verdrehte die Augen. “Was soll ich schon tun?”.
“Wenn du Barnolf tötest, könnte es die ganze Arbeit zunichte und all die Tode sinnlos machen!”.
“Warum sollte ich das machen?”, fragte sie leicht entsetzt, aber eher weil sie sich ertappt fühlte.
“Du hattest deine Gefühle auch nicht im Griff… Bist lieber der Rache gefolgt und nach Minas-Tirith gegangen…”.
Octavia antwortete nicht. Ihr war es klar, dass Indro darüber verärgert war. Doch ändern konnte sie es nicht. Wäre sie erfolgreich gewesen und die Königin tot, hätte niemand ihren Weg hinterfragt. Alle hätten davon profitiert. Sie entschied sich dazu, einfach weiterzugehen. Gespräche gewannen nicht den Krieg, sondern taten.
Wieder kämpfte sie sich durch ihre Feinde, die nur noch vereinzelt in den Gängen des Palastes irrten. Die Taktik der vereinten Rebellen ,die Versorgung von Fornost nach und nach abzuschneiden, zeigte wohl Wirkung. Vor allem mangelte es dem Legaten von Fornost an neuen Soldaten. Somit war es klar, dass nur noch wenige übrig waren.
Sie war in ein Duell mit zwei Männern verwickelt. Irgendwie gelang es ihr, den ersten zu entwaffnen und ihn einen Tritt zu geben, sodass er nach hinten fiel. Die Schwerthiebe des anderen parierte sie und stach schließlich ihre Klinge in seinen Bauch.
“Wie es aussieht hast du nichts verlernt!”, stellte Indro außer Atem fest. Octavia grinste ihm zufrieden entgegen, doch bevor sie etwas sagen konnte, stürmte eine Gruppe von Feinden in den Gang.
“Schnell, zieht euch zu den anderen zurück!”, befahl der Anführer der Utarra-Rebellen. Seine Krieger und Kael rannten in die entgegengesetzte Richtung. Octavia versuchte auch so schnell sie konnte zu rennen, doch auch die Verteidiger zogen das Tempo an. Die junge Rebellin musste aufpassen, nicht über die vielen Körper und Gegenstände zu stolpern, die auf dem Boden verteilt lagen. Sie lief in verschiedene Richtungen, um ihre Feinde abzuschütteln. Indro und die anderen hatte sie schon lange verloren. Mitten im Sprint wurde sie plötzlich gepackt und  in eine Türe hineingezogen.

Es war Barnolf mit seinen Leuten. Auch er schien außer Atem zu sein und nickte ihr zu. Sie schwieg. Bei ihm bedanken wollte sie sich auch nicht wirklich. Wofür auch? Seine Leute verschlossen die Türen und stellten verschiedenste Möbelstücke davor, um sie zu verbarrikadieren.
Der Raum in dem sie waren, wirkte wie die alten Gemächer des ehemaligen Fürsten von Arnor. Zwei weitere Türen waren in diesem Raum. Eine führte zu einem Balkon, die andere vermutlich zu einem anderen Gang des palastes. Auch stand ein großes Bett in der Mitte.
Sie beobachtete Barnolf Godon, wie er auf den Balkon ging und hinaus sah. Überall hörte man Kampfgeschrei und Metall, dass aufeinander prallte.
Octavia setzte sich zunächst auf eine Kiste, die sich in diesem Raum befand. So konnte sie sich wenigstens ein wenig ausruhen. Gleichzeitig musste sie aber auch die Gedanken unterdrücken, Barnolf nicht auf der Stelle töten zu wollen. Für sie war es schon schlimm genug, mit ihm in einen Raum gesperrt zu sein. Es war nur ein Schritt um ihn endlich zu töten. Ein Hieb mit dem Schwert und es war vorbei. Es gab niemanden der sie daran hindern konnte. Lediglich drei Männer von der Freien Arnorischen Armee, die sich mit ihnen im Raum befanden. Davon war einer schwer verwundet.
Sie nahm sich einen kleinen Schleifstein aus der Tasche und wetzte ihre Klinge, um sie zu schärfen. Dabei entging ihr das Gespräch der Männer nicht.
“Barnolf… Ihm geht es zusehends schlechter...”, sagte einer. Barnolf ging auf den Mann, der auf das große Bett  im Raum lag, zu und sah sich seine Wunden an.
“Seine Stirn ist ganz heiß…”, stellte Barnolf fest, der den kopf des Verwundeten berührte.
“Es tut mir leid… Ich konnte der Sache Arnor nicht dienen…”, brachte der verwundete Mann ätchzend hervor.
“Keine Sorge, es wird weitere Kämpfe geben, für die du dich einsetzten kannst!”, entgegnete Barnolf. “Bringt ihn besser hier raus… Sonst überlebt er es nicht...!”.
Octavia wurde hellhörig, als er seinen anderen beiden Männer befahl den Verwundeten hinaus zu schaffen.
Wärst du doch mal so fürsorglich gewesen, als du Deloths Kehle durchtrennt und mich verbannt hast…, dachte sie sich nur. Innerlich kochte sie schon wieder und die Erinnerungen an Deloths Tod drangen in ihren Kopf.
“Ich werde euch nicht alleine lassen, Herr…”, sagte einer der Beiden.
Octavia musste innerlich lachen. Sie wusste nur nicht recht, ob über die väterliche Art von Barnolf für seine Soldaten, oder dass sie ihn mehr als heuchlerisch fand. Sie fragte sich, ob seine Männer auch das wahre Gesicht kannten.
“Ich bin auch noch hier… Er ist nicht alleine…”, sagte Octavia leicht nachdenklich, während sie noch ihr Schwert schliff. Die Männer sahen sie fast schon wie vom Blitz getroffen an. Sie könnte schwören, selbst in Barnolfs Augen ein fünkchen Angst erkannt zu habe. Er seufzte nur.
“Er kann nicht alleine gehen… Ihr müsst ihm zu zweit helfen… Los!”.
Dann halfen sie den Verwundeten und brachten ihn durch die andere Türe nach draußen. Lautes Schlagen gegen die verbarrikadierteb Türen war zu hören. Die Möbelstücke wackelten. Sie bemerkte aus dem Augenwinkel, dass er sich vor ihr stellte.
“Wenn wir das überleben wollen, müssen wir zusammenstehen…”, versuchte er ihr klarzumachen.
Octavia sah ihn nicht an.  “Jetzt sagst du das so....”, entgegnete sie ruhig, aber sarkastisch. Sie spielte damit auf seine früheren Worte an, als er einfach Deloth verdächtige und tötete, anstatt zusammenzustehen. Währenddessen wurde weiter heftig gegen die Türen geschlagen, um diese irgendwie zu öffnen. Die ersten Möbelstücke fielen zu Boden, sodass die Türen einen Spalt geöffnet wurden.
“Sie sind schnell…”, stellte Barnolf fest. “Hier kommen sie…”.
Er zog sein Schwert und begab sich in Position. Octavia erhob sich leicht widerwillig und stellte sich neben ihn, aber etwas nach hinten versetzt. Durch weitere Schläge waren die Soldaten durch einen Spalt zu  sehen.
“Zunächst werden nur wenige hereinstürmen... Wir machen es wie dein Bruder es machen würde…”, sagte er nervös, “...Wir lassen sie rein, fällen die ersten und nehmen uns aber Zeit für den Kampf, sodass die anderen weiter vordringen können! Alles klar?”.
Die junge Rebellin nickte ihm nur zu. Sie war selbst aufgeregt und ihr Herz raste. Gleichzeitig hatte sie diese Versuchung ihn endlich zu töten, versuchte aber zu widerstehen. Es war die Möglichkeit ihn ein für allemal loszuwerden. Niemand war dort. Niemand konnte es sehen und sie konnte es beruhigt auf die Feinde schieben.
Die Türflügel brachen auf und knallten lautstark gegen die Wände. Die ersten Männer der Krone kamen herein, allerdings mit langsamen Schritten. Bevor sie eingriff, sah sie immer wieder zu Barnolf. Du machst es hier nicht mehr lebendig raus!, dachte sie sich und aus einer Kurzschlussreaktion heraus, schnitt sie mit ihrem Schwert in seine Kniekehle, sodass er zu Boden ging. Sofort stürmten die Soldaten auf ihn zu. Octavia ging nur einige Schritte zurück, etwas schockiert von sich selbst, und sah dabei zu, wie er sich verzweifelt versuchte zu wehren.
Dann kam Kael aus der Richtung, in der die Männer Barnolfs verschwunden waren, gestürmt. “Octavia, was machst du da zur Hölle!”, rief er und schoss mit einer Armbrust auf die Feinde.
“Kael, nein!”, rief sie nur verzweifelt, als ihr Bruder dem Mann half, der ihr Leben zerstörte. Beide Männer kämpften gegen ihre Feinde. Octavia sah dabei zu und hoffte inständig darauf, dass der Anführer der Freien Arnorischen Armee von einer Klinge getroffen wurde. Schnell half Kael Barnolf auf die Beine, als keine Feinde mehr in diesem Raum waren. Weitere schwere Schritte waren zu hören, die in ihrer Richtung kamen.
“Bist du in Ordnung?”.
“Sie hat mir ins’ Bein geschnitten!”, rief er voller Schmerzen. Octavia wusste, dass es ihrem Bruder sicher nicht gefiel. Deshalb bemerkte sie auch schnell seinen erbosten und vorwurfsvollen Blick.
“Schnell kommt!”, hastete Kael, während er Barnolf abstützte und aus der anderen Tür floh. Octavia folgte ihnen. Schnell schlossen sie die Tür und stellten auch dort Möbelstücke, die auf den Gängen standen, davor.
“Ich hab dir gesagt, du sollst deine Gefühle im Griff haben, wenn wir überleben wollen!”, beschwerte sich Barnolf.
Sei einfach still dachte sich die junge Frau. Sie wollte von ihm nichts hören. Vor allem weil sie schon die ganze Zeit mit sich und ihren Gefühlen haderte.
Alle drei lehnten sich gegen die Türe um sie verschlossen zu halten. Octavia schlug ihren Hinterkopf mehrere Male gegen die hölzernen Gegenstände, um ihren Hass zu unterdrücken. Es fühlte sich für sie an, als wollte ihre innere Leere und Traurigkeit sie von innen zerfressen.
“Octavia...Hey, Octavia! Hör mir zu!”, versuchte Kael sie zu beruhigen. Mit Tränen in den Augen sah sie zu ihm auf.
“Ich weiß wie du dich fühlst… Ich habe mehrmals meine Gelüste nach Rache vor allem gestellt… Als ich die Armee aus Angmar vernichtet hatte und sinnlos die gegenoffensive aus Fornost angegriffen habe… Es hat mich auf die Falsche Seite gebracht!”.
Die Erinnerungen an die Vergangenen Ereignisse machten es nicht leichter für sie, weshalb sie ihren Bruder nur schweigend, aber traurig, ansah
“Die haben schön im ganzen Palast auf uns gewartet! Und ich dachte wir überraschen sie mit unserem Angriff!”, warf Barnolf dazwischen.
“Ich will nicht, dass das Gleiche mit dir passiert!”, sagte Kael weiter zu Octavia und ignorierte zunächst den Anführer der Freien Arnorischen Armee. Es wirkte fast, als wollte er nochmal um Verzeihung bitten, für das was er tat.
Sie seufzte. “Haltet die Tür verschlossen...Ich werde nach Indro und den anderen suchen…”, schlug sie nur vor. Kael nickte ihr zu.
“Es war die falsche Seite?”, hörte sie nur Barnolf sagen, während sie sich geduckt vergewisserte, ob die Luft auf den Gängen vor ihr rein war. “Wäre die Armee aus Angmar da geblieben, hätte Pascima angegriffen… Du weißt es!”.
“Ich wollte die Dinge wie du sehen, dass alle anderen die Bösen sind und wir… du mit der Freien Arnorischen Armee…. die Guten… ich weiß nicht was ich jetzt glauben soll, aber ich weiß, dass ich das getan habe, was ich tat…”.
Scheinbar meine ihr Bruder es ernst, als er sagte, er bereute das was er getan hat. Das waren die letzten Worte, die Octavia mitbekam. Mehr wollte sie sich auch nicht mit anhören. Weiter in der Nähe Barnolfs zu sein und die Erunnerungen an Deloth lösten in ihr Beklemmung aus. Ein Gefühl von Ersticken.

Octavia rannte weiter durch die Gänge. Endlich fand sie die anderen Rebellen, die sich mühsam durch die Reihen der Feinde kämpften und vor dem Thronsaal standen. “Indro! Thirak!”, rief die junge Rebellin.
“Octavia!”, rief Thirak lautstark zurück. “Wo ist Kael?”.
“Eine größere Truppe ist hinter ihnen… Die Türe… Sie bricht gleich…”, erklärte sie außer Puste. Sofort befahl Indro einigen seiner Utarra-Rebellen ihm zu folgen und machte sich auf dem Weg in die Richtung, aus der Octavia kam.
Die Rebellen um Thirak versuchten währenddessen den Thronsaal mit dem selbstgebauten Rammbock zu öffnen. Octavia reihte sich bei ihnen ein. Zurück zu Barnolf wollte sie ganz sicher nicht. Als endlich die großen Türen aufgeschlagen wurden, schoss eine Salve Pfeile und Bolzen in ihre Richtung. Viele der Rebellen, darunter auch Octavia und Thirak, duckten sich, um den Geschossen auszuweichen.
Die junge Rebellin schnappte sich ein zweites Schwert, welches auf dem Boden lag und stürmte hinter ihren Verbündeten in den Thronsaal. Es befanden sich nicht mehr viele Feinde im großen Saal. Nur der Legat und fünfzig seiner Männer. Octavia machte sich sofort auf dem Weg, den Anführer aus Fornost zu bekämpfen,  der Schwert und Schild bei sich trug.  Immer wieder versuchte sie ihn irgendwo am Körper zu treffen, doch jeden ihrer Schläge wehrte er mit seinem Schild ab. Sie musste schon eher aufpassen, nicht selbst von ihm getroffen zu werden. Der Legat drang sie mit seinem Schild nach hinten, sodass die junge Frau einige Schritte zurück taumelte. Er setzte mit einem starken Tritt nach, sodass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Einige Zeit blieb sie liegen. Der Mann des Hauses Vaneryen war ihr viel zu überlegen, als dass sie ihn bekämpfen konnte. Sie sah sich nach einer Alternative um, während der Legat weitere Rebellen zu Fall brachte, die in angriffen. Octavia nahm einen Speer und warf ihn mit voller Wucht in Richtung des Legaten, der im selben Moment seinen Männer noch einmal den letzten Befehl zum Angriff gab. Er wurde vom Speer erwischt, verstummte und fiel zu Boden.
Die junge Frau kämpfte noch gegen einige der Soldaten, die aber schon ihre Waffen niederlegten.
“Wir geben auf! Bitte!”, rief einer von ihnen.
“Los verschont sie, aber nimmt sie gefangen!”, befahl Thirak Eisen und hoffte, dass die Rebellen auf iin hörten. Grob wurden die Gefangenen zu Boden gedrückt und gefesselt.

Octavia atmete durch, denn der mühsame Kampf war endlich vorüber. Fornost gehörte den Rebellen. Die Hauptstadt Arnors war in ihren Händen. Sie sah sich im Thronsaal um. Viele Kerzen erhellten den Raum und ein großes schwarzes Banner, das den roten dreiköpfigen Drachen zeigte, hing dort, wo der Thron Arnors mal gestanden haben musste. Davor war ein Stuhl mit einem Tisch aufgestellt, an dem der Legat gesessen hatte.  Octavia musste lächeln, als das Banner von einigen Kriegern gelöst worden war und laut rawchelnd herunterfiel. Viele Kämpfer der Rebellen füllten den Saal.
Es gab ihr wenigstens ein kleines Gefühl der Befriedigung, endlich etwas im Norden erreicht zu haben. Inzwischen war auch Phelan angekommen und sah sich erstaunt um. Auch Indro, Kael und Barnolf betraten den großen Raum.
“Wir haben gesiegt!”, rief einer der Anführer der Pascima-Rebellen und großes Jubeln brach aus. Octavia jubelte nicht mit. Ihr war nicht danach. Vor allem, weil sie wieder die Gedanken an Deloth im Kopf hatte. Sie wusste, wie sehr er daran Teil gehabt haben wollte, würde er noch leben. Sie hockte sich zu dem toten Legaten und nahm seinen Helm ab. Auch er war, wie Deloth aus dem Osten und hatte einen dunkleren Hautton. Die junge Frau seufzte. Sie untersuchte den Körper in der Hoffnung etwas wichtiges zu finden. Doch bis auf seine Rüstung und Waffen hatte er nichts bei sich.
Sie erhob sich und erschrak fast, weil Barnolf dicht hinter ihr stand. Er schien ebenfalls zu seufzen und es wirkte, als wollte er ihr etwas sagen. Octavia aber, wollte nicht mit ihm reden. Wozu auch? Er war ein Mörder. Barnolf ließ sie nur innerlich brodeln und traurig werden.
Warum hat ausgerechnet er überlebt?, ärgerte sie sich.
“Hör zu… Ich weiß wir verstehen uns nicht wirklich, aber ich wollte nur…”, brachte er hervor, verstummte zügig. Denn Octavia rammte ihm kurzentschlossen ihr Schwert in den Bauch. Sie wollte seine Worte nicht mehr hören. Sie wollte nur noch dass er stirbt… Sie wollte nur noch ihre Rache für das was er Deloth antat.
Die Gespräche um sie herum verhallten plötzlich. Alle Blicke waren auf Octavia gerichtet, als der Anführer der Freien Arnorischen Armee stöhnend zu Boden stürzte. Sie sah ihm noch zu, wie er seine letzten Atemzüge machte und an seinem eigenen Blut erstickte. Endlich war er tot. Es gab ihr eine Befriedigung. Ihr war es in diesem Moment egal, was das bedeutete, dass sie ihn umgebracht hatte.
Ohne sich auch nur einmal umzusehen, verließ sie einfach den Saal nach draußen. Bevor sie den Palast aber endgültig verlassen konnte, wurde sie von Phelan Belatan und einigen Daskina-Rebellen aufgehalten. Phelan befahl ihnen sie in eines der leeren Zimmer des Regierungsgebäudes zu bringen, um sie dort vorerst gefangen zu halten…

Octavia in einem Zimmer in Fornost….

Darkayah:
Fornost, Palast (Arnor)
Octavia in Fornost…

Octavia verbrachte zwei, vielleicht drei, Tage in einem Zimmer des Palastes von Fornost. Wachen vor dem Raum ließen sie nicht hinaus, da sie als Gefangene galt. Am Anfang störte sie sich nicht daran, denn sie hatte das bekommen, was sie all die Zeit  begehrte: Ihre Rache für den Tod des Mannes, den sie über alles liebte.
In gewisser Weise konnte sie Phelan verstehen sie dafür bestrafen zu wollen, dass sie Barnolf getötet hat, da die Sache der Rebellen dadurch gefährdet wurde. Dennoch dachte sie wenigstens, dass er sie verstehen konnte. Sie hoffte es zumindest. Aber scheinbar war dem nicht so. Wirklich wie in gefangenschaft fühlte sie sich nicht, viel eher als bekäme sie Hausarrest.
Kael und Phelan kamen sie immerhin zwischendurch besuchen, auch wenn die ausgetauschten  Worte eher sporadisch waren und nicht über den Vorfall gesprochen wurde. Kael versorgte sie immer mit Essen. Thirak und Indro sah sie zu dieser Zeit nicht.
Am Mittag öffneten sich die Türen des Raumes. Eine Frau und ein Mann, die zu den Daskina-Rebellen gehörten, forderten Octavia auf mit ihnen zu kommen. Die junge Frau zögerte nicht lange und folgte ihnen direkt hinaus aus dem Zimmer. Hauptsache endlich nach draußen. Sie wurde durch die langen Korridore des Palastes geführt, bis zum Thronsaal. Davor standen drei der Anführer der Freien Arnorischen Armee, die Octavia erboste Blicke zu warfen. Sie sah erst gar nicht zu ihnen rüber und ignorierte diese lieber. Dann betrat sie den großen Saal. Viele Tische und Sitzbänke waren dort inzwischen aufgestellt worden. Dort saßen einige Menschen der verschiedenen Rebellengruppen. Meist aber der Zugehörigkeit sortiert. Manche  aßen kleine Speisen, während andere miteinander sprachen. Auch Phelan war da, der an einem Schreibtisch saß, der etwas abseits an der Seite stand und sah Schriftstücke durch.
Als Octavia mit Phelan Blickkontakt hielt, winkte er sie sofort zu sich an den Tisch. Zögerlich machte sie sich auf dem Weg. Sie spürte die Augen der anderen Rebellen auf sich ruhen, die sie anstarrten. Sie lehnte sich über den Tisch und sah unschuldig zu Phelan, ohne die anderen nur zu beachten.
“Los, setz dich…”, fing er zunächst ruhig an und kratzte sich am Bart. Octavia ahnte schon anhand seiner Stimmlage, dass dies sicher kein normales Gespräch werden sollte. Wahrscheinlich wollte er sie wieder abmahnen. Also ließ sie sich erst einmal auf den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen.
“Was habe ich jetzt schon wieder gemacht?”, fragte sie genervt.
“Gerüchte über dein Blut verbreiten sich... In den Straßen sprechen die anderen Rebellengruppen offen darüber und verlangen Rache… Manche wollen uns Daskina gar nicht mehr mit eingeplant haben... Deine Entscheidungen haben Konsequenzen…”, erklärte er leise, damit die anderen nichts hörten.
“Wäre es dir lieber gewesen ich wäre nicht zurück gekommen, oder sogar lieber gestorben?”, dabei klang sie sehr sarkastisch.
“Ich hätte es bevorzugt, wenn niemand von unseren Leuten von jemandem von uns getötet worden wäre…”.
“Du weiß ganz genau, dass die anderen Rebellen uns so oder so nicht akzeptiert hätten.. Unser einziges Ziel war von Anfang an endlich Akzeptanz hier zu finden… Das waren immer deine Worte..”, entgegnete sie gereizt.
“Aber wir können jetzt nich wie wild unschuldige Leute hinrichten, bis das Ziel durchgesetzt wurde und davon ausgehen dass wir jetzt akzeptiert werden…”.
“Niemand ist vollkommen unschuldig…”, sagte sie überzeugt.
“In dir ist eine Dunkelheit, Octavia… Du musst aufpassen, besonders mit diesem Blut... Ich weiß dass du noch immer trauerst… Aber…”, sagte er noch leise. Die junge Rebellin wollte sich die Worte aber nicht weiter anhören. Sie wollte auch nicht wieder über ihre Gefühle nachdenken, geschweige denn sprechen, um dann wieder diese entsetzliche Leere zu spüren. Eigentlich war sie eher froh, im Arrest erst gar nicht an die Traurigkeit denken zu müssen. Und was meinte er mit der Dunkelheit in ihr? Wollte er ihr nun auch vorwerfen, dass das Gleiche Blut wie Kianas in ihren Adern floss? Ihr reichte es. Sie sprang auf und wollte gerade gehen.
“Setz dich wieder hin!”, befahl Phelan deutlich bestimmend. Die Gespräche der anderen Rebellen verhallten daraufhin und wandten sich ihnen zu. Widerwillig setzte sie sich dann doch wieder auf den Stuhl.
“Du hättest Loki nicht von deinem Geheimnis erzählen müssen… Du hättest nicht nach Minas-Tirith gehen müssen um Kiana zu töten und die Aufmerksamkeit auf dich lenken… Vor allem hättest du nicht Barnolf töten müssen!”, machte er ihr klar und versuchte wieder ruhiger zu bleiben.
“Pff…”, machte die junge Frau nur abwertend. Ihr war klar, dass sie das noch einmal vorgeworfen bekam. “Barnolf hat das bekommen was er verdient…”.
“Ich habe dir schon mehrmals gesagt, dass Gerechtigkeit und Rache nicht die selben Dinge sind!”.
“Für mich sind sie es…”, entgegnete sie rasch. Sie war sich in ihrer Sache sicher. Barnolf war ein Mörder. Ein Mann, der nur auf seine Vorurteile hörte. Giftig sah sie in Phelans Augen, der sie beunruhigt musterte. Dann ließ er sich zurück in seinen Stuhl fallen und seufzte.
“Deine Entscheidungen werden zunehmend fragwürdig… Ich kann es nicht gebrauchen, wenn meine Leute zu Schurken werden…”, sagte er.
“Schurken?”, wiederholte sie das Wort, da sie dachte sie hörte nicht richtig. “Ich bin eine Kriegerin und kein…”.
“Nein… Ein Krieger weiß, wann er töten soll und wann nicht… Indro und Deloth haben das dir beigebracht… Scheinbar hast du das vergessen...”.
Entsetzt sah sie zu ihm. “Du hast es nun damit komplizierter gemacht hier für uns Frieden zu haben und nicht als Verräter gelten     ...”, fügte er noch hinzu. Octavia starrte ihn weiter sprachlos an.
“Ich denke, wenn wir zu einem guten Ergebnis kommen, solltest du zurück nach Eregion...nnah Hause gehen… Ich dachte, du solltest als meine Wache hier unter den Rebellengruppen sein, falls wir doch noch einen Platz im Rat bekommen sollten… Doch das ist jetzt hinfällig…”, sprach der Anführer der Daskina-Rebellen weiter. “Kael und Thirak sollen dich zurück bringen…”.

Octavia verdrehte ihre Augen. Sie wusste nicht ob sie sich mehr über Phelan, als doch über sich selbst aufregen sollte. Vor allem hatte sie den Anführer der Daskina-Rebellen noch nie so verärgert erlebt.
“Ich gehe nicht, solange ich noch nicht mit Indro gesprochen habe!”, pochte sie.
“Ich denke er wird auch bald schon hier sein..”.
Bevor sie aber auch nur noch etwas sagen konnte, wurden sie von einem der Anführer der Freien Arnorischen Armee unterbrochen. Hinter ihm standen noch weitere Männer der Gruppierung.
“Süd-Rebellen-Anführer Belatan, wir wollen eine Entscheidung… Jetzt!”, sagte der Mann der Arnorischen Armee. Phelan erhob sich und ging einige Schritte auf ihn zu und redete mit ihm. Octavia erhob sich auch wieder von ihrem Platz. Mit beiden Fäusten schlug sie aus Wut auf den Tisch, sodass alle im Thronsaal zu ihr sahen. Sie wollte nicht wieder zurück in die Rebellensiedlung im Wald von Eregion. Was sollte sie da auch? Von dort aus konnte sie wenig für die Rebellen tun.
Die Unterhaltung zwischen Phelan und dem Sprecher der Arnorischen Armee wurde lauter. Mit einem hörte lauschte sie dem Gespräch.
“Sie hat unseren Anführer getötet! Barnolf hat euch zugesichert, dass ihr Südländer eine Platz hier bekommt… Und was macht dieses Mädchen… diese falsche Schlange… Sie stach  ihn mit ihrem Schwert ab, wie ein Schwein!”.
Ich kann dir auch meine Klinge in den bauch rammen, dachte sich die junge Frau verärgert.
“...Hört zu… Ich habe mit ihr gesprochen und ich werde sie zurück nach Hause nach Eregion schicken, damit sie keine Dummheiten mehr anstellen kann…”, versuchte Phelan ihn zu beruhigen.
“Das reicht nicht! Sie muss bestraft werden!”.
Mittlerweile waren auch Indro, Thirak und Davos eingetroffen und beobachteten das Schauspiel. Octavia wollte das Problem auf ihrer Art lösen, doch sie wusste, dass das nur weitere Probleme mit sich führen würde. Thirak stellte sich neben Phelan und versuchte die Männer der Freien Arnorischen Armee ebenfalls zu beruhigen. Doch es brachte nichts. Der Sprecher der Arnorischen Armee zog einen Dolch und wollte auf Octavia zu gehen. Allerdings blockierten ihm beide Männer der Daskina-Rebellen den Weg.
“Los, tritt beiseite! Ich hole mir selbst, was uns zusteht!”, rief er nur unter Bestätigung seiner Leute.
Komm doch her, du Idiot, dachte sie sich und machte sich schon innerlich auf einen Kampf bereit. Dann erblickte sie Kael, der zu ihr kam und beruhigend seine Hand auf ihr Schulter lag. Als der Mann der Arnorischen Armee sich von Phelan und Thirak los riss, stürmte er auf Octavia zu, sodass sie schützend ihr Schwert zog.
“Genug!”, ertönte eine recht junge männliche Stimme, gefolgt von vielen Schritten schwerer Stiefel. Alle wandten sich dieser Stimme zu. Octavia erkannte nur einen jungen Mann, der vielleicht etwas älter als sie selbst war. Er trug über seiner Kleidung ein Kettenhemd. Darüber eine lederne Brigantine, die das Symbol eines Zepters, dessen Kopf von einem Ring umgeben und über dem eine Krone war. Acht sterne umkreisten das weiße Zeichen auf schwarzem Grund. Er selbst war durchschnittlich groß und besaß eine schlanke Statur, wirkte aber dennoch athletisch. Seine blonden Haare waren an den Seiten sehr kurz geschnitten, oben waren sie lang und zu einem kleinen Zopf nach hinten gebunden. Seine Augen waren strahlend blau, die einen ernsten Ausdruck zeigte. Hinter ihm stand eine ganze Meute an Männern, deren Rüstungen ähnlich die des Anführers waren. Viele von ihnen trugen Banner bei sich, die das gleiche Wappen zeigten, wie die Kleidung.
"Niemand wird ihr etwas tun… Wir brauchen sie noch!".
"Und wer seid Ihr, dass ihr mich aufhalten wollt?", beschwerte sich der Sprecher der Freien Arnorischen Armee.
Der junge Mann ging einige Schritte auf ihn zu. "Ich bin Fürst Robben Rogwyne und bin endlich zurückgekehrt!".
Octavia beobachtete nur, wie die Männer der Freien Arnorischen Armee scheinbar wussten, wen sie vor sich hatten und sogar salutierten. Die junge Rebellin verstand in keinster Weise, was plötzlich vor sich ging. Irritiert beäugte sie ihren Bruder Kael, der besorgt drein blickte. Octavias Augen kreuzten dann den Weg von Phelans, die auch nur Ahnungslosigkeit ausstrahlten. Sie wusste zwar nicht wer der Neuankömmling und seine Truppe waren, doch sie spürte, dass dies nichts gutes bedeutete und alles noch komplizierter machte, als es ohnehin schon war…

Octavia in Fornost…

Darkayah:
Fornost, Palast (Arnor)
Octavia im Palast von Fornost…

Octavia war noch immer skeptisch was den jungen Mann anging, der eingetroffen war. Er stellte sich als Fürst Robben Rogwyne vor. Sie wusste aber trotzdem nicht wer er war und hatte keine Vorstellung davon was er wollte. Phelan und Kael schienen ebenso ratlos zu sein. Bei den anderen spürte sie eine gewisse Anspannung. Besonders Indro sah recht finster drein. Inzwischen befanden sie sich in einem anderen Raum des Palastes. In der Mitte stand ein großer Tisch, auf dem eine große Karte ausgebreitet war. An der Seite von Fürst Robben stand ein Mann, der schon deutlich älter war.
“Ich bin stolz darauf, dass mein Volk dafür kämpft frei zu sein!”, fing Fürst Robben an. “Doch nun sind die Zeiten des Leids vorbei!”.
Octavia schwieg zunächst weiter, denn sie war sich unsicher. Auf der einen Seite wirkte er sehr arrogant, auf der anderen Seite hatte er damit recht. Die Rebellen hatten den Anfang gemacht um Arnor zu befreien, um Kianas Einfluss im Norden zu schwächen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die restlichen Städte in Arnor ebenfalls frei waren. Der jungen Rebellin blieb es nicht unbemerkt, dass der junge Fürst ihr immer wieder heimliche Blicke zu warf.  Sie versuchte nicht zu ihm zu sehen, oder zumindest unbemerkt, doch es blieb nicht aus, dass sich ihre Blicke kreuzten. Jedesmal hatte er dann ein breites Grinsen im Gesicht, was sie nur weiter verunsicherte.
“Ich bin endlich hier um euch alle in die bevorstehenden Schlachten zu führen!”, sagte er weiter.
“Ihr wart nicht da, als Melkor Carn-dûm angegriffen hat… Ihr habt euch lieber in Fornost versteckt und abgewartet, bis die Schlacht vorbei war… Dann habt Ihr Eure Armeen in den Süden geschickt um an Kianas Seite zu kämpfen, während Ihr weiter hier geblieben seid...”, entgegnete Indro erzürnt. Octavia wunderte sich etwas, denn sie hatte ihn noch nie so erlebt. “...Als die Königin auch den Norden in ihrer Hand hatte, die Rebellen in Arnor starben und irgendwie versuchten zu bestehen, habt Ihr Euch in Carn-dûm versteckt… Also was wollt Ihr hier?”.
“Ich war jung, was hätte ich denn schon ausrichten können? Meine Männer sind mit unserem Verbündeten in den Krieg gezogen… Doch jetzt bin ich hier um über mein Volk zu herrschen!”, entgegnete er locker.
“Wir haben den Eid eingehalten, den wir Kiana für ihre Hilfe gegen Melkor geschworen haben…”, warf Thirak ein. Octavia wurde hellhörig, denn schon einmal hörte sie Indro, Thirak und selbst Eldarion über diesen Melkor reden. Anfangen konnte sie allerdings damit nichts. Sie wusste nicht wer oder was er war, auch wenn alle vom dunklen Feind der Welt sprachen. Für sie war der Feind der Welt einzig und allein Kiana Vaneryen.
“Selbst als Verbündete, muss man den anderen nicht blind folgen…”, beschwerte sich Indro weiter. “Ich bin deinem Aufruf auch nicht mehr gefolgt und bin mit denen geflohen, die treu zu Angmar und der Menschheit waren… Die wussten, dass der Angriff Melkors bedeutender war, als deiner hübschen Königin auf dem Thron zu verhelfen… Der Thron von Mittelerde dürfte für uns keine Rolle spielen…”.
DIe junge Rebellin beobachtete das Geschehen weiter. Besonders als Indro einige Schritte auf Thirak zuging und ihm erbost diese Vorwürfe machte. Allerdings hatte sie weiterhin keine Ahnung wovon sie sprachen. Thirak schien sich auch nicht verteidigen zu wollen. Lediglich mit den Worten: ”Indro, sie ist nicht mehr meine Königin…”.
Auf Indros Schultern lastete wohl noch immer die Vergangenheit. Octavia konnte die Anspannung schon förmlich spüren, die in diesem Raum herrschte.
“Ach, so ist das… Da sehe ich den Mann der unsere beiden Völker vereint hat mit eigenen Augen… Ihr seid…”.
Der junge Fürst wirkte, als suchte er in seinen Erinnerung nach dem Namen Thiraks. Er schnippte mit den Fingern. Octavia sah ihn weiter an.
“Thirak Eisen, mein Herr…”, half der ältere Mann neben ihm ihn auf die Sprünge.
“Thirak Eisen… ich hörte in Angmar viel über euch… Viele Exilanten Arnors und Angmars unterstützen mich, einschließlich eurer Schwester Lynn! Und wer seid Ihr?”, dabei wandte der junge Mann sich an Indro. “Zu welchem  Fürstenhaus gehört ihr?”.
“Was spielt das für eine Rolle? Selbst wenn ich aus einer Bauernfamilie stamme, hindert es mich nicht daran, für die Rebellen des Nordens zu kämpfen!”.
Robben Rogwyne wandte sich dann wieder von Indro ab. Octavia dachte über die Worte Indros nach. Nie verlor er wirklich ein Wort über sein früheres Leben , außer dass er aus Angmar kam und in der Armee gedient hatte. Ihr war es aber auch egal. Denn er folgte Kiana nicht in den Krieg. Wieder kreuzten sich die Blicke von ihr und des jungen Fürsten.
“Mein Lord,  diese Frau hat unseren Anführer getötet! Sie ist eine verräterin!”, verlangte wieder einer der Sprecher der Freien Arnorischen Armee.
“Nein, wir brauchen sie noch…", entgegnete Robben nachdenklich. Octavia horchte auf. Allerdings konnte sie sich nicht vorstellen, warum er sie brauchen sollte.
"Sie wird keinem mehr Schwierigkeiten machen… Sie wird nach Eregion in unser Lager zurückkehren!", sagte Phelan Belatan, der irgendwie versuchte die Situation zu beruhigen.
"Nein wird sie nicht… Es wird einen Krieg geben…", sagte er, während er auf die Karte sah. "Ein Krieg, der mich zum König von Arnor machen wird!".
Ein Krieg? Ein König? Octavia erinnerte sich an ganz andere Worte unter den Rebellen, die alles andere als einen neuen König wollten.
"Barnolf versprach uns dass wir ohne jegliche Probleme hier leben können… Auch wir Süd-Rebellen…", versuchte Phelan zu erklären.
"Wenn ihr Verräter es noch verdient habt!", rief der Sprecher der Freien Arnorischen Armee.
"Barnolf scheint euch den Kopf gewaschen zu haben… Menschen aus Gondor sind doch im weitesten Sinne unsere  Brüder und Schwestern… Natürlich seid ihr hier willkommen, solange ihr euren Herren akzeptiert!", behauptete Robben Rogwyne.
"Er sprach nie von einem Herrscher oder gar König, sondern viel mehr davon, dass wir das weitere Schicksal gemeinsam bestimmen…", erklärte Phelan weiter.
"Ha!", lachte der junge Fürst auf. "Dann einen Grund mehr, dass er sterben musste… Er sollte von Anfang an die Pläne der Fürsten von Arnor durchführen… Scheinbar wollte er sich selbständig machen…".
Octavia vernahm sein Lächeln in ihre Richtung und sein damit verbundenes Kopfnicken. Für die junge Rebellin war dies aber nicht so einfach. Jeder einzelne der Rebellen hat für die Freiheit gekämpft und nun kam jemand, der das Land für sich beanspruchte, nur weil er früher der Fürst war?
"Ich kenne… Euch… nicht…", fing Octavia an, "...Aber jeder von uns hat sein Blut gelassen, Verluste erlitten… Deshalb sollte es UNSER Land sein und wir sollten selbst entscheiden, was mit uns passiert!".
Sie wusste nicht, ob es vielleicht eine schlechte Idee war, sich in diesem Streit einzumischen. Allerdings schien niemand etwas dagegen zu sagen. Der junge Fürst lachte nur auf.
"Habt ihr gehört was sie gesagt hat? Wie naiv... Sie klingt schon so wie ihre Schwester!".
Auch die anderen Männer von Robben lachten laut. Octavia fand das alles ganz und gar nicht lustig.
"Seht ihr? Warum will sie selbst darüber entscheiden? Sie kam vor der Schlacht von Fornost aus Minas-Tirith! Die Königin hat sie geschickt, damit sie das Land für sie leitet!", rief der Mann der Freien Arnorischen Armee wieder. Wie gerne würde Octavia ihm einfach die Kehle dafür aufschneiden, dass er sie ständig verdächtigte mit Kiana gemeinsame Sache zu machen. Scheinbar war ihre Verwandtschaft zu der Königin doch nicht in Vergessenheit geraten.
"Dafür brennt das Mädchen viel zu sehr für diese Vorstellungen… Ich sehe es in ihren grünen Augen!", sagte Robben. "Deshalb biete ich dir an: Sein Blut ist mächtig...Kämpfe an meiner Seite und hilf mir König von Arnor zu werden, oder ich werde dich ganz einfach töten!".
Die junge Rebellin war über das was er sagte entsetzt. Seine Worte erinnerten sie an die von Kiana. Nur dass er auf der anderen Seite stand. Ehe sie etwas sagen konnte stampfte Davos einige Schritte auf den jungen Fürsten zu.
"Zeigt ein wenig Respekt! Ihr sprecht mit der Tochter eines Königs!", schimpfte er und dabei klang er mehr als zornig, wobei sie auch eine gewisse Traurigkeit vernahm. Sie wusste nur nicht was er damit sagen wollte. Zumindest war sie keine Prinzessin oder sonst trug sie keinen adeligen Titel. Wahrscheinlich spielte er auf ihren Vater Thurion an. Sie wollte aber nicht mit der gleichen Familie Kianas in Verbindung gebracht werden. Die junge Frau wollte etwas sagen, doch Robben war schneller.
"Ah, Herr Davos Schneewert, richtig? An eurer Stelle wäre ich vorsichtig… Oder wem gilt eure Loyal? Den Rebellen? Doch noch dem irren König Thurion und damit seiner Tochter Kiana?".
Octavia sah zu Davos, der sich wohl ertappt fühlte und seinen Kopf senkte.
"Ich verlange nicht dass ihr euch sofort entscheidest… Nur wenn ihr die Stadt ohne ein Wort verlässt, nehme ich an ihr lehnt das Angebot ab…", sagte er noch. Dann verließen er und seine Männer den Raum.

Octavia blickte mehr als irritiert in die Runde. Die anderen schienen ebenfalls überfordert zu sein. Niemand sagte etwas.
"Ich kann das nicht zulassen…", erhob Kael schließlich seine Stimme.
"Aber was ist wenn es die einzige Chance ist hier leben zu können?", antwortete Octavia.
"Und du denkst irgendjemand von den Rebellen wird sich ihm unterwerfen? Meinen Kriegern wird es ganz sicher nicht gefallen … Was meinst du was Pascima machen wird? Er hat nicht ohne Grund von Krieg gesprochen…", sagte Indro noch immer wütend. Er schlug mit der Faust auf den Tisch.
"Komm Davos… Wir sollten zurück…", sagte Indro und wollte den Raum ebenfalls verlassen.
“Indro, was hast du vor?”, rief ihm Octavia hinterher.
“Ich werde meine Leute warnen und bereithalten…”.
Davos zögerte für einen kurzen Moment und sah zu Octavia. Für sie sah es so aus, als wollte er noch irgendetwas sagen, doch dann folgte er seinem Anführer. Die junge Frau drückte einen tiefen seufzer hervor. Sie wusste, dass es noch weitere Probleme gab, als dass sich die Rebellen am SIeg erfreuen konnten. Aber warum der junge Fürst davon ausging, dass sie eine Bereicherung war konnte sie sich nicht erklären.
"Ich versuche die anderen Rebellenanführer zusammenzutrommeln… Ich denke wir müssen einiges bereden…", sagte Phelan besorgt. "Wir sollten uns überlegen, wie wir weiter vorgehen sollen…".
"Meine Schwester wird auf jeden Fall nicht für diesen Jungen kämpfen!", beschwor Kael recht bestimmend.
"Wir werden sehen… Wenn das Leben von uns allen davon abhängt…", entgegnete Phelan. Dann machten sich beide auf dem Weg. Kael legte noch seine Schulter auf die von Octavia und lächelte ihr zu. Sie entdeckte Thirak, der noch mit ihr in diesem Raum stand. Er starrte sie die ganze Zeit an.
"Was ist?", maulte sie ihn schon an. Er redete schon seit ihrer Rückkehr kaum mit ihr und sie wusste nicht wieso.
Thirak schüttelte nur den Kopf. Daraufhin ging Octavia ebenfalls. Ihr war klar, dass sie erstmal abwarten sollte, was jetzt noch passiert und was die anderen Rebellen sagen. Doch im Endeffekt kannte sie eine eigene Antwort schon: Wenn sie ihre liebsten damit retten konnte, indem sie sich Robben Rogwyne anschloss, so würde sie das tun. Noch mehr Krieg war fatal für die Rebellen. Es war schon schlimm genug gegen die Truppen der Krone zu kämpfen. Doch wenn ein Krieg unter den Rebellen ausbrach, waren alle Fortschritte wieder gefährdet. Octavia seufzte. Die junge Frau konnte nur noch hoffen, dass Phelan mit den anderen Rebellen sprechen konnte.

Octavia im Palast von Fornost…

Darkayah:
Fornost, Palast (Arnor)
Octavia im Palast von Fornost…

Nach und nach fielen auch die anderen Städte Arnors in die Hände der Rebellen. Niemand von den übrigen Soldaten wollte für eine Sinnlose Sache sterben und einen Legaten gab es in Arnor auch nicht mehr. Der junge Fürst namens Robben Rogwyne hatte schon Fornost in Beschlag genommen und die Armee, die ihn begleitete breitete sich in der Stadt aus. Sie bestand aus vielen Exilanten Arnors und teilweise Angmars. Auch ein großer Teil der Freien Arnorischen Armee befand sich unter den Soldaten, die vorher nirgends erkennbar waren.
Viele der Rebellen wollten aber nicht einfach hinnehmen, dass Robben Rogwyne einfach in ihr Land kam und ein Anspruch auf die Herrschaft des Landes stellte. Immerhin hatten diese andere Vorstellungen wie es weitergehen sollte.
Phelan rief die Anführer der Pascima, die West-Rebellen, zusammen, um einen größeren Krieg zu verhindern. Es war schon schlimm genug, dass Indro seine Utarra-Rebellen bereit hielt, da er sich dem ehemaligen Fürsten Arnors nicht unterwerfen wollte. Octavia konnte das in gewisser Weise nachvollziehen. Allerdings verstand sie nicht , dass er direkt mit Krieg drohte.
Die junge Frau war dabei, als Phelan Belatan zusammen mit Thirak versuchte die Pascima Anführer zu überzeugen , keine Kampfhandlungen anzufangen. Es stellte sich als schwieriger heraus, als anfangs angenommen. Denn die West-Rebellen war die radikalste Gruppe aller anderen Rebellen im Norden.
Eine große Diskussion brach aus, auch wenn Phelan verzweifelt versuchte sie zu beruhigen. Sagen lassen von einem Mann aus Gondor wollten sie sich aber nicht lassen.
“Wollt ihr etwa alles wieder hin schmeißen, wofür wir jetzt gekämpft haben? Wofür unsere Freunde gestorben sind?”, fing Octavia an. Die Anführer der West-Rebellen lachten auf.
“Sagte das Daskina-Mädchen, dass ganz nebenbei auch das Drachenblut in sich trägt! Woher taucht dieser junge Fürst plötzlich auf?”, beschwerte sich einer von ihnen.
“Ich habe nur den gleichen Vater wie Kiana… Das schließt den Drachen für mich aus!”, fauchte Octavia ihn an.
“Hmpf… Dann hast du noch das Wolfsblut in dir, genau wie Thurion der Schreckliche! Er brachte so viel Leid über Arnor und am Ende über ganz Mittelerde… Es ist ganz gleich wie du es nennst… Du hast dieses Maiablut in dir... Warum also sollen wir dir vertrauen?”.
“Weil wir alle gemeinsam für dasselbe kämpfen, egal wer von uns!”, versuchte die junge Frau ihm klar zu machen. Für sie war es schon schlimm genug, dass sich scheinbar ihr Geheimnis in jeden Winkel des Nordens herum gesprochen hatte.
“Pff…”, machte er nur. “Wir wollen nicht unter irgendwelchen Fürsten leben… Keiner von uns… Dann hätten wir auch einfach Kianas Herrschaft akzeptieren können!”.
Octavia gestikulierte mit ihren Händen, um ihnen zu signalisieren, dass er ruhig bleiben sollte. Sie konnte die Aufregung ja auch verstehen. Ihr gefiel es genauso wenig wie allen anderen. Doch einen weiteren Krieg konnten sie nicht gebrauchen.
“Ich weiß das... “, sagte sie, “...Ihr sollt nur jetzt noch nichts unternehmen… Ihr müsst mir Zeit geben, damit ich mich um das Problem kümmern kann!”.
Dabei wusste sie selbst noch nicht einmal wie sie das genau anstellen sollte. Sie stand selbst in der Zwickmühle, denn Robben Rogwyne drohte ihr an sie zu töten, wenn sie ihm nicht half das Land zu beherrschen. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, wie sie ihm überhaupt hilfreich sein sollte.
“Wir nehmen uns das, was uns zusteht… Gefällt es dem kleinen Fürsten nicht, ziehen wir in den Krieg… Wir Pascima… Selbst Utarra zieht in den Krieg!”, rief der Mann und die anderen Anwesenden West-Rebellenführer stimmten ihm lautstark zu.
“Bitte Durnjolf, gib Octavia etwas Zeit… Sie… Wir werden uns darum kümmern… Fürst Robben hat eine Armee hier hergebracht… Wir können keine Verluste dulden.. Wir alle nicht… Danach sehen wir weiter…”, flehte Phelan Belatan fast schon.
De Mann namens Durnjolf sah zu den anderen Anführern der Gruppen der Pacima-Rebellen. Dann knurrte er und nickte ihm schließlich zu. “Gut, ich gebe euch nicht mehr als eine Woche… Ist das Problem nicht verschwunden, kümmern wir uns selbst darum!”.

Mit diesen Worten verließen er und die anderen Führer von Pascima den Raum, in welchem sie sich versammelt hatten. Octavia seufzte tief und ließ sich auf einen Stuhl fallen, der sich hinter ihr befand. Auch Phelan seufzte. Sie sah nur wie Thirak sich nachdenklich über einen Tisch lehnte. Für sie sah er deutlich unzufrieden aus.
“Wie kann deine Schwester Lynn das zulassen? Sie weiß doch dass wir hier sind…”, beschwerte sich Phelan bei ihm.
“Ich weiß es nicht…”, entgegnete Thirak kratzig. “Sie ist eine schlaue Frau… Sie wird ihren eigenen Nutzen für Angmar daraus ziehen wollen… Wenn Arnor befreit ist, wird es ein leichtes sein Angmar auch zu befreien…”.
"Und was sollen wir jetzt machen ? Ich kann zu Robben spazieren und ihn ganz einfach töten…", schlug Octavia locker vor.
"Nein. Du hast schon genug angerichtet…", stieß Phelan hervor. War er wirklich noch erzürnt wegen Barnolfs tot? Wäre er noch am leben hätte es wohl kaum etwas an der Situation geändert.
"Ach, ist es jetzt wieder meine Schuld, dass dieser Junge hier her kommt und jeden droht?", meckerte sie ihn an, sodass ihre Stimme versagte. "Ich kann mich auch einfach von ihm töten lassen, dann kann ich gar nichts mehr machen!".
Die junge Rebellin fühlte sich angegriffen und gekränkt. Natürlich hatte sie sich von ihren Gefühlen leiten lassen und Barnolf getötet. Aber was erwartete er nun von ihr?
"Octavia bitte… Bleib einmal ruhig…",sagte Phelan, der sich erschöpft die Schläfen rieb.
“Ich soll ruhig bleiben?”, brauste Octavia auf. “Ich bin ruhig!”.
“Octavia! Tu einmal was man dir sagt!”, beklagte sich Phelan weiter.
Die junge Frau presste einen Luftstoß hervor. Sie hatte das Gefühl vor Wut über zu sprudeln. “Ich habe das getan was man mir gesagt hat… Habe einmal nicht auf meine Gefühle gehört… Was hat es gebracht?”, brüllte Octavia beinahe schon. Sie spürte nur, wie die Erinnerungen an Deloth wieder in ihr hochkamen. Wie Barnolf ihm die Kehle aufschnitt… Eine entsetzliche Traurigkeit stieg in ihr auf. Auch wenn sie versuchte die Tränen zu unterdrücken, die ihre Augen langsam füllte, konnte sie diese nicht mehr zurückhalten. Mehrere Male wischte sie sich mit ihrem Ärmel über die Augen und Wangen. “Es hat Deloth unter die Erde gebracht! Sonst nichts!”.
Schniefend wandte sie sich von beiden Männern ab. Sie wollte nicht, dass man ihre Tränen sehen konnte, auch wenn es offensichtlich war, dass sie weinte. Sie drehte sich ihnen wieder zu.
“Du willst eine Lösung? Gut ich gebe dir eine!”, keifte sie Phelan an. “Ich werde Robbens angebot annehmen, um euch alle zu schützen…”.
“Beruhigt euch, Beide!”, unterbrach Thirak das Streitgespräch. “Es bringt nichts, wenn wir uns jetzt deshalb streiten… Wir sollten lieber eine vernünftige Lösung finden.”.
“Du weiß ganz genau, dass dein Bruder das nicht zulässt…”, antwortete Phelan. “Ich halte davon genauso wenig…”.
Octavia verdrehte die Augen. Sie fragte sich, was er erwartete. Immerhin wollte er die genauso wie die anderen einen möglichst friedlichen Weg, um alle zu schützen. Wobei sie sich bei Indro und den Anführern der West-Rebellen gar nicht mehr so sicher war.
Wenn ich bei Robben bin, kann ich ihn wenigstens kontrollieren… dachte sich die junge Rebellin. Im Prinzip stand für sie ihre Entscheidung schon fest. Es war die einzige Möglichkeit, unnötige Tode im Norden zu verhindern. Sie versuchte sich noch einmal zu beruhigen und atmete tief ein, um die Luft aus ihren zusammengepressten Lippen herauszudrücken.
“Lass mich Robbens angebot annehmen…”, schlug sie vor.
Phelan und Thirak sahen sie irritiert an. Das lag wohl unter anderem daran, dass sie plötzlich so gefasst wirkte.
“Auf keinen Fall…”, wollte Phelan gerade sagen, der sich auf einem Stuhl fallen ließ. Doch sofort unterbrach die junge Frau ihn. “Doch… Wenn ich in seiner Nähe bin, kann ich vielleicht schlimmeres verhindern…”, sagte sie überzeugt und kniete sich vor Phelan auf den Boden. “...Ich kann jeden seiner Schritte mit euch teilen, jeden seiner Pläne… Wenn er mir einmal vertraut, wird er schon aufhören dummheiten anzustellen!”.
“Das geht nicht…”, sagte Phelan kopfschüttelnd.
“Lass es mich versuchen… Was haben wir zu verlieren?”, drängte Octavia weiter.
“Vermutlich hat sie recht... “, unterstütze Thirak den Plan. “Zumindest könnten wir unsere Leute schützen und schlimmeres verhindern…”.
Octavia war leicht verwundert, dass Thirak ihr zustimmte. Sie wechselten kaum große Worte miteinander. Zumindest in der letzten Zeit. Selbst zu Barnolfs Tod sagte er nicht viel.
“Dein Bruder wird durchdrehen…”, seufzte Phelan und rieb sich die Stirn. “Aber gut… Wenn es ein Weg ist… Wir müssen alles mögliche tun, um das Leid zu beenden!”.
Octavia fiel ihm um den Hals. “Danke!”.
“Du solltest jemanden suchen, sobald du kannst…”, fing Thirak an. “Jemand der uns helfen wird…”.
Die junge Rebellin, aber auch Phelan, sah zu Thirak. “Ich würde es selbst machen, aber wenn man mich mit diesem Mann sieht, wird man uns sofort erkennen…”, sagte er nur mit hochgezogenen Schultern.
“Nach wem soll ich suchen?”, sagte sie rasch.
“Ich hörte, er hält sich in Annuminas auf… Pascima hat sie besetzt, aber du wirst ihn dort finden, wo es Alkohol gibt…”, entgegnete Thirak. “Du wirst ihn erkennen!”.
Toll, dachte sie sich sarkastisch. Nicht nur dass sie Alkohol in der Regel verabscheute, dann musste sie offensichtlich noch jemanden finden, der scheinbar viel davon trank. Wie ein Alkoholiker helfen sollte, war ihr noch nicht ganz klar. Aber was blieb ihr anderes übrig.
“Ich werde nach ihm suchen!”, sagte Octavia schließlich.
“Können wir uns noch unterhalten?”, fragte Thirak vorsichtig. Octavias Magen zog sich zusammen. Sie hoffte stets, diesen Worten von ihm aus dem Weg gehen zu können.
“Äh… Ja...Natürlich…”, entgegnete sie und versuchte weiter gefasst zu wirken.
Phelan bemerkte dass er wohl mit ihr alleine reden wollte und erhob sich. “Ich...gehe dann mal…”, sagte er. “Ich werde deinem Bruder davon erzählen und hoffe ich kann ihn beruhigen…”.
Sie beobachtete Phelan noch, der schnell den Raum verließ. Thirak ging dann auf die junge Frau zu, die es nicht wagte, ihm in die Augen zu sehen. Sie wollte es irgendwie einfach nicht. Es war ihr fast schon unangenehm.
“Ich weiß, wir haben nicht viel gesprochen… Nur nachdem du zurückgekehrt warst und während Besprechungen mit den anderen,... Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass etwas zwischen uns  steht…”, fing er schließlich an.
Octavia biss sich auf die Unterlippe. “Was soll sein?”, presste sie hervor.
“Du wirkst abwesend, als würdest du mir aus dem Weg gehen…”.
“Es war alles in letzter Zeit einfach viel…”, würgte sie ihn ab.
“Liegt es daran, dass ich dir sagte, ich liebe dich?”.
Die junge Rebellin erstarrte bei den Worten. War sie wieder so durchschaubar, dass er wusste was sie dachte? Sie schluckte schwer, denn sie wusste nicht was sie ihm antworten sollte. Sie sagte nichts.
“Ich weiß, du verstehst es falsch… Ich kann verstehen, dass es sich im ersten Moment für dich verstörend anhören muss… Du hast den Mann verloren den du über alles liebst… Ein ehrenwerter Mann…”, fing Thirk an. “Aber glaube mir, ich will seinen Platz nicht streitig machen… Du bist eine kleine Schwester für mich… Meine Familie… Genau wie Kael! Und deshalb liebe ich euch… Liebe ich dich…”.
Octavia atmete auf. Auf der einen Seite war sie erleichtert, dass Thirak seine Gefühle offenbarte. Sie fühlte sich auch mehr als verbunden mit ihm, aber für sie war er auch eher wie ein Familienmitglied. Schnell fiel sie ihm in die Arme. Auch wenn sie sich dämlich dabei vorkam, wollte sie ihn gar nicht mehr loslassen. Sie spürte nur, wie er ihr einen Kuss auf dem Kopf gab.

Schnell wurden beide aber unterbrochen, als ihr Bruder Kael, gefolgt von Phelan, hinein gestürmt kam. Hinter sich zog er einen Mann, der ziemlich Bäuerlich aussah. Er schubste den Mann nach vorne.
“Los, gib es ihr!”, drängte er. Der ängstliche Mann drückte Octavia einen Brief in die Hand, den sie skeptisch betrachtete. Er trug das gebrochene Wappen von Königin Kiana. Schnell überflog sie den Text.

Es tut mir leid.... Ich konnte sie nicht beschützen. Hätte ich es tun können, hätte ich alles getan was in meiner Macht stand. Ich bin an die Seite der Königin zurückgekehrt, damit ich Octavia aufhalten und zu euch zurückschicken könnte. Ich war zu spät.
Ich habe ihr eine Fluchtmöglichkeit gegeben, um wieder zu euch nach Arnor zu fliehen.
Die Jäger der Königin konnten sie allerdings gefangen nehmen und dabei kam sie um. Ihr sollt wissen ,dass ich Octavia vom ganzen Herzen geliebt habe und sie noch immer liebe…
Mir fehlen die richtigen Worte, um euch das begreifbar zu machen.
Es tut mir leid…
Gezeichnet
Loki.
Auch wenn Octavia etwas überrascht über die Worte Lokis war, zauberte es ihr ein leichtes Lächeln in ihr Gesicht. Vielleicht war er doch nicht ganz so falsch, wie sie angenommen hatte.
Dummkopf…, dachte sie sich.
“Sie denken ich bin Tot?”, fragte sie irritiert.
“Ja, es ist die beste Nachricht seit langem!”, rief Kael und schloss seine Schwester in die Arme. Ihr blieb für einen kurzen Moment die Luft weg. “Phelan hat mir von deiner Idee erzählt… Du weißt, dass ich wenig begeistert darüber bin!”.
“Aber wenn es die einzige Chance für uns ist zu überleben?”, sagte sie ruhig. Er seufzte. “Gut… Aber bitte sei vorsichtig… Es reicht, dass die königin denkt du wärst tot… Ich möchte es nicht denken… Nicht schon wieder!”.
Octavia umarmte ihren Bruder erneut und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie wandte sich an den Boten, der zitternd zwischen den Anwesenden stand.
“Bitte… Ich bin nur ein Bote… Ich habe mit alldem nichts zu tun!”, beschwor er. Sie löste ein Tuch, welches sie um ihr Handgelenk gewickelt trug. Dieses Tuch gab ihr Loki, als er bei den Rebellen lebte. Sie riss sich ein Stück des Briefes ab und fertigte eine kleine Zeichnung an. Diese zeigte die Bemalung, die sie am Tag des Turniers trug: Die Flügel eines Balrogs, die von zwei Äxten getrennt warten.
“Bring das deinem Auftraggeber!”, sagte sie rasch. Er nahm beides entgegen und machte sich sofort auf dem Weg. Dann machte sie sich auf dem Weg zu Robben Rogwyne. Sie musste schnell sein, wenn sie auch noch den Mann finden wollte, von dem Thirak sprach… Sie hoffte nur, Robben ließ sie außerhalb der Stadt…

Octavia im Palast von Fornost

Darkayah:
Fornost (Arnor)
Octavia im Palast von Fornost…

Octavia dachte an die Worte von Thirak, der von einem Mann sprach, der ihnen weiterhelfen konnte. Allerdings musste sie Robben Rohwyne erst einmal davon überzeugen, sie aus der Stadt gehen zu lassen. Beim letzten mal war er ja nicht davon überzeugt sie überhaupt raus zu lassen. Ihr blieb also nichts andere übrig, als sich ihm anzuschließen und sein Angebot anzunehmen, wenn sie wollte, dass ihre Liebsten überleben.
Die Türen des Thronsaals des Palastes von Fornost standen weit offen. Grelles Fackellicht erhellte den großen Raum. Octavia blieb für einen kurzen Moment stehen und seufzte. Sie hoffte die richtigen Worte zu finden, um Robben überzeugen zu können.
Der junge Fürst saß auf einem Stuhl, der mit Fellen gepolstert war und dort stand, wo der alte Thron gestanden haben musste. Vorsichtig näherte sie sich Robben, der sich sofort von seinem Platz erhob, als er die junge Rebellin erblickte. Auch seine wichtigsten Hauptleute kamen sofort dazu. Wahrscheinlich fürchteten sie, dass Octavia ihren Fürsten ermorden könnte, wenn sie das wollte. Ihr Mordversuch an der Königin sprach sich ja mittlerweile im ganzen Norden herum.
“Du hast dich also entschieden… Oder muss ich dich jetzt und hier töten?”, sagte er, während er dabei zufrieden die Luft herauspresste. Octavia musterte ihn nur. Er schien sein breites Grinsen gar nicht aus seinem Gesicht zu bekommen.
“Du bist hergekommen um mein Angebot anzunehmen, huh?”, wollte Robben wissen nachdem sie schwieg.
“Glaub aber nicht, dass ich das gutheiße, was du hier tust!”, entgegnete die junge Rebellin ohne jegliche Höflichkeitsformen zu benutzen. Er wollte dass sie für ihn kämpfte? Dann musste er es akzeptieren.
“Ich denke, etwas anderes habe ich auch nicht von dir erwartet…”, sagte er ziemlich ruhig. “Habt ihr gehört Männer? Das Monster kämpft auf unserer Seite!”.
Octavia blieb diese Bemerkung nicht unbemerkt. Monster, wiederholte sie das Wort zu sich selbst und schüttelte dabei den Kopf. Ihr war klar, dass das eine Anspielung auf ihr Blut war.
“Du solltest lieber aufpassen… Junge…”, fauchte sie ihn an. “Nicht dass dieses Monster dich noch in deinen Alpträumen einholt!”.
Sie wusste natürlich, dass sie sich nicht in der besten Position befand, um feindselige Sprüche gegenüber Robben zu äußern. Doch sie konnte nicht anders. Der junge Fürst stellte sich genau vor ihr. Sein Grinsen war zwischenzeitlich verschwunden. Octavia blickte ihm währenddessen die ganze Zeit in seine Blauen Augen. Sie waren ungewöhnlich hell, so wie sie solche noch nie gesehen hatte. Ein leichter Bart wuchs in seinem Gesicht. Überwiegend um seine Lippen und  Kiefer, so wie es bei vielen Männern in seinem Alter üblich war. Obwohl sie ältere und größere Männer bevorzugt, gefiel ihr der junge Fürst in gewisser Weise. Auch wenn sie sich gleichzeitig vor ihm fürchtete. Denn sie wusste nicht, was er für Pläne hatte, noch was nun passierte.
“Ich denke das wirst du… Ich denke du wirst meine Träume begleiten…”, antwortete er fast schon flüsternd. Hörte sie da etwa eine Andeutung heraus? Seine Augen, die sie von oben bis unten beäugten, bestätigten ihre Annahme. Sie verdrehte nur ihre Augen. Das war das letzte was sie gebrauchen konnte. Vor allem weil sie selbst nicht ganz abgeneigt war. Sie wusste nur nicht warum. Immerhin bedrohte er sie und die anderen Rebellen, beanspruchte einfach das eroberte Land.
“Ihr meint wirklich wir können ihr vertrauen?”, sagte der ältere Mann an seiner Seite. “Wir dürfen nicht vergessen: Sie trägt das gleiche Blut wie Kiana in sich… Und einer Vaneryen kann man nicht vertrauen!”.
Sofort warf Octavia ihm einen verhassten Blick rüber. Sie war keine Vaneryen und konnte auch nie eine sein. Abgesehen davon, dass sie das auch nie sein wollte, war es unmöglich, da sie nicht die gleiche Mutter wie Kiana hatte. lediglich den gleichen Vater teilten sie. Und dieser war kein Vaneryen. Dabei stellte sie sich insgeheim die Frage, ob das nun wirklich besser war. Sie wich mit ihren Augen seinem Blick aus, der auf ihr ruhen blieb.
“Ich vertraue ihr ja... “, sagte er überraschenderweise. Die Worte sorgten dafür, dass Octavia doch wieder zu ihm sah. “Sie ist keine Vaneryen…”.
Wieder war die junge Rebellin überrascht. Scheinbar hatte er sich das gemerkt, was sie bei ihrem ersten Treffen gesagt hatte und worauf sie beharrte. Sie vernahm sein schiefes Lächeln, das er ihr schenkte. Irgendetwas ließ sie innerlich erwärmen, sodass ihre Wangen rot wurden. Bitte nicht… dachte sie sich nur verzweifelt.
Die junge Frau musste sich irgendwie ablenken. Sie dachte wieder an den Auftrag von Thirak, nach Annuminas aufzubrechen.
“Dann sollten wir uns daran machen, die Übrige Rückgewinnung des Reiches in die Wege zu leiten…”, sagte er gerade, da grätschte Octavia sofort dazwischen: “Ich kann dir noch nicht helfen!”.
Fragende Blicke blieben auf ihr ruhen. Als wollten die anderen Hauptmänner ihr schon direkt den Verrat unterstellen und warteten nur auf einen Fehler ihrerseits. “Dann los sprich!”.
“Ich muss etwas in Annuminas erledigen… Es ist wichtig für mich…”, versuchte sie zu erklären in der Hoffnung, dass sie keine weiteren Details bekanntgeben musste. Nervös biss sie sich wieder auf die Unterlippe. Sie sah nur wie er den Kopf senkte und ihr mit einer Handbewegung andeutete, dass sie gehen durfte. Erleichtert atmete die junge Rebellin durch und wollte sich gleich auf dem Weg machen, wurde aber doch noch einmal von Robben aufgehalten: “Ich erwarte, dass du danach schnellstmöglich zu mir zurückkehrst...!”.
Sie nickte ihm zu. “...Stell keine Dummheiten an… Dein Bruder ist noch immer hier Fornost!”. Sie verstand seine Drohung. Aus ihrer Sicht war sie zwar unnötig, da sie sowieso zu ihm zurückkehren musste, um ihren eigenen Plan aufgehen zu lassen, doch davon konnte er nichts wissen.
“Wie du wünschst…”, presste Octavia hervor und machte eine tiefe Verbeugung. Eher um Robben Rogwyne ins Lächerliche zu ziehen ,als es wirklich ernst zu meinen. Die kritischen Blicke der anderen Hauptmänner blieben nicht aus. Robben lachte dagegen laut auf. Er schien das mit Humor zu sehen. Auch wenn sie es nicht wollte, verwandelten sich ihre Lippen ebenfalls in ein Lächeln. Was machst du da nur fragte sie sich selbst.
“Ich hörte, Annuminas ist in den Händen der West-Rebellen… Wenn du schon da bist, kannst du mich anschließend über die Lage der Stadt aufklären!”, befahl er noch locker, wobei es eher ein hinterherrufen war, da Octavia auf dem Weg war den Thronsaal zu verlassen.

Schnell eilte sie aus dem Palast. Draußen arbeiteten viele Menschen an den provisorischen Reparaturen der Stadt. Oft wurden die Löcher in den Gemäuern einfach mit Holzplatten geflickt und über Dächer Planen gespannt. Teilweise wurden dafür die mit Farbe durchgestrichenen Banner des Hauses Vaneryen verwendet.
Octavia hatte mit Thirak und den anderen ausgemacht, sich in den Ställen zu treffen, sobald ihr Plan aufging. Zum Glück befanden sich die Stallungen direkt außerhalb des Palastes.
“Und hat er es geschluckt?”, fragte Thirak direkt und versuchte dabei leise zu sein, damit niemand das Gespräch hören konnte. Octavia nickte ihm nur zu, während sie ihr Pferd sattelte und zur Abreise bereit machte.
“Der Mann den du suchst heißt Galador… Durchsuche jede Schänke die du finden kannst… Er wird dort irgendwo sein… Wir treffen uns dann im Wald vor Fornost, wenn du ihn hast!”, erklärte Thirak. Sie bestätigte seine Worte wieder nur mit einem Nicken.
“Was ist, wenn er nicht mitkommen will?”, fragte sie schließlich.
“Er wird mitkommen… Wenn nicht, wird er so viel Alkohol getrunken haben, dass du ihn einfach mit dir führen kannst…”.
Octavia seufzte. Einen betrunkenen Mann, den sie nicht einmal kannte, fast schon zu entführen war nicht unbedingt der Wunschauftrag, den sie gerne ausführte. Gerade zog sie die Gurte des Sattels fest, da bekam sie etwas von Thirak hingehalten. Es war sein Schwert.. Sie verstand nicht warum er es ihr gab. Sie zog es ein Stück aus der schwarzen Scheide. Es hatte nicht die Form eines üblichen Schwertes der Menschen von Mittelerde. Die Klinge war zur Spitze hin leicht gebogen und war an der runden Seite gezackt. Es war aus dunklem Material geschmiedet und mit Runen verziert, welche im Tageslicht Blau leuchteten. Zumindest kam es ihr so vor. Diese Runen konnte sie allerdings nicht lesen und wusste nicht was diese bedeuteten.
“Ich kann das nicht annehmen…”, sagte sie sofort, als sie das Schwert zurück in die Scheide steckte und Thirak entgegenhielt. Es war sein Schwert. Mit diesem Schwert hatte er vieles erlebt. Viele Schlachten geschlagen.
“Es gehörte Thurion…”, hauchte Thirak leicht verträumt. “Also soll es deins sein… Mir brachte es kein Glück… Möge es dir Glück bringen!”.
Das Schwert von Thurion… Dem irren König… Ihrem Vater… Sie wollte es erst gar nicht haben. Doch Thirak bestand darauf. Seufzend befestigte sie das Schwert am Sattel ihres Pferdes. Ganz begeistert war sie davon nicht. Aber ihr eigenes war ja noch vor Minas-Tirith vergraben. Sie umarmte Thirak noch einmal und wandte sich Phelan und ihrem Bruder zu.
 “Pass auf dich auf, Octavia!”, sagte Kael und umarmte seine Schwester feste.
“Ich werde nicht lange weg sein…”, entgegnete sie leicht genervt von seiner Fürsorge. Auch Phelan umarmte sie danach. “Ich danke dir, Octavia! Es ist sehr erwachsen und vorbildlich von dir, was du für uns alle auf dich nimmst!”.
Ein leichtes Lächeln erschien auf ihren Lippen. War das etwa eine kleine und heimliche Entschuldigung für all die Vorwürfe in letzter Zeit? Mit ihrem Linken Fuß stieg sie in den Bügel des Sattels und schwingte sich ganz auf den Rücken des Pferdes. Kael öffnete die Tür des Stallen, sodass Octavia samt Pferd direkt hinausreiten konnte.

Die junge Rebellin ließ das Pferd aus dem Stall hinaus traben, führte es auf der großen Hauptstraße durch die Stadt und schließlich außerhalb der zweiten Mauer, sodass sie draußen war. Sie hatte Glück, dass ihr Weg nicht allzu weit war. Annuminas lag etwas weiter westlich von Fornost.  Sie ritt direkt an der Mauer westwärts, um den unnötigen längeren Weg auf der Straße zu vermeiden.
Ein Mann, verhüllt in mantel und Kapuze, stand auf seinem Pferd plötzlich vor ihr. Nicht noch mehr Ärger!, dachte sie sich schon, als der Reiter auf sie zu kam.
“Ich dachte, du könntest etwas Gesellschaft gebrauchen!”, ertönte sein Stimme. Als er seine Kapuze zurückzog, erkannte sie Davos. Die junge Frau fragte sich, was der alte Mann wollte. Immerhin wusste er doch gar nicht, was sie vor hatte. Außerdem erledigte sie Aufträge lieber alleine. Aber ihn jetzt wieder zurückschicken konnte sie ja auch nicht. Vielleicht konnte sie so etwas über Indros Absichten erfahren. Sie seufzte.
“Gut… Ich reite nach Annuminas und muss jemanden finden…”, erzählte sie ihm schließlich. “Wenn du mir dabei nicht in die Quere kommst, kannst du mich gerne begleiten…”.
Sie versuchte so glaubwürdig wie möglich zu wirken, auch wenn ihr klar war, dass dies eher nicht gelingte.
“Keine Sorge!”, sagte er und zog an den Zügeln, damit das Pferd  in der gleichen Richtung stand, wie das von Octavia. Zusammen ritten sie in Richtung Westen. Sie hoffte nur, diesen Mann namens Galador zu finden. Weder sein Aussehen, noch seine Stimme waren ihr bekannt. Wie sollte sie ihn also unter all den Menschen in der Stadt finden?

Octavia zusammen mit Davos in Richtung Annuminas…

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