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Autor Thema: Die Straßen von Imladris  (Gelesen 7376 mal)

Thorondor the Eagle

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Die Straßen von Imladris
« am: 13. Feb 2010, 18:54 »
Helluin und Elea aus Elronds Haus


Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen fielen in das Zimmer. Elea wachte langsam auf. Sie lag ganz alleine im Bett.

Ist Helluin schon gegangen? Ist er nun wirklich weg? Warum kann er meinem Wunsch nicht folgen. Warum nicht? So sehr ich mich auch weigern will den Rat Elronds zu akzeptieren... Er hat Recht. Ich kann ihn vor dem Stammesrat schützen, aber niemals vor ihm selbst. Er würde mich ein Leben lang hassen und das ist eine schlimmere Strafe, die eine Mutter ertragen muss. Helluin, bleib doch bei mir!

Es klopfte an der Tür und Elea setzte sich schnell auf. Sie warf einen einfachen Mantel über. Ein Elb kam herein: „Ihr habt Besuch Elea. Er wartet ihm Ratszimmer.“
Überrascht zog sie sich an und band sich ihr Haar zu einem schlaffen Zopf zusammen. Auf dem Weg rätselte sie lange, wer sie besuchen würde. Sie hatte einen Verdacht der ihr mehr als Angst machte.
„Hallo Elea!“, sagte der Vorsitzende des Stammesrates.
Sie gab ihm keine Antwort, sonder warf ihm nur zornige Blicke zu.
„Ich dachte, dass ich dich hier antreffen würde. Schon immer war dies für deine Familie ein willkommener Zufluchtsort. Wir wollen dir deinen Sohn doch nicht wegnehmen, er wird weiterhin am Abendrotsee leben, bei dir, in deinem Haus. Wir bilden ihn doch nur aus, letztendlich ist es so und so seine Entscheidung, ob er den Platz einnimmt, der ihm zusteht. Unser Volk braucht jemanden an seiner Spitze.“
Elea stand hinter einem Stuhl, ihre Hände lagen auf der Rückenlehne. Ihre Fingernägel bohrten sich in das weiche Holz: „Eines sag ich dir. Meine Zustimmung bekommt ihr nicht, niemals, aber diese Entscheidung habe nicht ich zu treffen. Wenn Helluin gehen will, soll er gehen, aber seine Entscheidung muss er treffen ohne von irgendjemandem beeinflusst zu werden. Weder von dir noch von mir. Ich möchte, dass Arwen mit ihm spricht.“



Elea stand auf der Brücke die von Imladris heraus führte. Sie vernahm das Rauschen der Bruinen unter sich. Die Sonne warf das von Schnee umgebene Bruchtal in ein warmes Licht. Vor ihren Augen sah sie einige Reiter in grau-grünen Gewändern. In langsamen Trab verließen sie die Elbenfestung und verschwanden im Wald. Helluin war bei ihnen.

Um Elea begann sich alles zu drehen und ihre Füße wurden schwer. Sie spürte noch wie ihre Knie nachgaben, ihr vor den Augen schwarz wurde und ein harter Knall.
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Re: Die Straßen von Imladris
« Antwort #1 am: 21. Feb 2010, 00:28 »
Brianna von ihrem Hof außerhalb von Thal


„ Stein über Stein, zieht es Strahl um Strahl, zu deinem Herz [..]“, Brianna summte die Melodie stumm vor sich hin, als sie über den steinigen Weg wanderte.
Ihr Kleid warm am unteren Saum schon von großen Rissen durchzogen und ziemlich verschmutzt. Sie hatte es erst einmal gewaschen, seit sie Rohan verlassen hatte.
Ihr kastanienbraunes Haar war etwas zerzaust und Schneeflocken hatten sich, wie ein Haarnetz darüber gelegt.

Hier ist es wunderschön. Wenn ich die alte Karte richtig gelesen habe, dann befinde ich mich an den Lautwassern und müsste mich in der Nähe der sagenumwobenen Stadt Imladris befinden. Ob diese Stadt wirklich existiert und ob ich dort Zugang erhalten werde?
Die Sonne erleuchtete den Schnee, der sie sogar ein wenig blendete als sie kurz anhielt, um die Landschaft zu betrachten. Sie nahm einen großen Schluck aus ihrem Trinkbeutel und atmete tief aus. Frische Bergluft erfüllte ihre Lunge, und der etwas harzige Geruch von Nadelbäumen stieg ihr in die Nase.

Hier ist es ganz anders als in Thal. Allein die Vegetation ist etwas härter, aber dennoch wunderschön.

Brianna musste lächeln als sie ihre letzten Tagen Revue passieren ließ. Sie war erst ziellos aus Thal fortgegangen, ohne zu wissen wohin sie ihre Füße trugen. Sie wanderte zunächst am Ufer des Anduin entlang, obwohl sie wusste, dass diese Grenze ein unsicheres Gebiet war, wo ständig plündernde und blutrünstige Orks umherschweifen konnten.
Als sie an die Begegnung mit dem schwarzhaarigen Menschen aus Dol Amroth dachte, wurde sie immer noch rot und ihr Herzschlag fing an zu rasen. Wie es ihm wohl ging?
Brianna wusste es selbst nicht mehr, wie sie den gepflasterten Weg gefunden hatte, oder warum sie die Frau so schnell erblickte hatte.

Jedoch war sie sofort los gesprintet, als sie die Frau fallen sah und warf sich auf den steinernen Weg, um einen Aufprall der Frau zu verhindern. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihr Knie, nach dem Aufprall und es blutete stark.

Die fremde Frau war immer noch benommen, aber Brianna schaffte es ihr etwas ihrer Flüssigkeit einzuflößen und bettete sie in ihrem Schoß.
Brianna strich sich das zerzauste Haar hinter die Ohren und alsbald löste sich das weise Haarnetz auch wieder auf. Lächelnd musterte sie die Frau, die in ihrem Schoß lag, als diese zögerlich versuchte die Augen zu öffnen.
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 14:45 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re: Die Straßen von Imladris
« Antwort #2 am: 21. Feb 2010, 20:52 »
Elea öffnete ihre Augen und für einen kurzen Moment blickte sie in die vertrauten, dunkelbraunen Augen von Haldar. Sie lächelte und schloss sie wieder. Eine dunkle Leere umfing sie, kalt und gefühllos. Ein silberner Strahl traf durch einen kleinen Türschlitz in den Raum.
Die Frau stand auf und neugierig näherte sie sich dem Tor. Sie spürte nichts, weder den dunklen Fleck auf ihrem Herzen, den Haldar und Helluin hinterlassen hatten noch Kälte, Hunger oder Liebe.

Elea lugte durch den Spalt und vor ihr erhob sich ein weißer Dorn, der gegen den Himmel ragte. Der weiße Turm Ecthelions. Warum bin ich in Minas Tirith, welche Magie verschlägt mich hier her. Bin ich denn wirklich da? Es muss ein Traum sein…

Sie öffnete die Türe und die schwachen Mondstrahlen durchströmten den steinernen Raum. Elea vernahm ein Knistern aus dem Hintergrund. Erschrocken blickte sie zurück und sah eine lodernde Fackel in einer Wandhalterung. Verwirrt betrachtete sie die Wände des Raums, die von Spinnweben benetzt waren. Sie strich entlang der Mauer und spürte Einkerbungen. Sie lief zum Feuer und wirbelte dabei den Staub von Boden auf.
Immer wieder fragte sie sich, warum sie hier war und was dieser Raum zu bedeuten hatte. Sie hielt die Fackel nahe an die weiße Steinwand und erkannte die zahlreichen Wörter:
„Wie gewinnt man eine Schlacht, deren Sieg ausgeschlossen war. Wie verteidigt man eine Stadt, die von der Obrigkeit aufgegeben wurde. Wie überlebt man einen Kampf, wenn alle Hoffnung in den Menschen erloschen ist? – Mit Freunden an seiner Seite, Elben, Menschen und Zwergen vereint gegen die Dunkelheit. Sie standen uns bei und sie gewährten dem König die Rückkehr. Euch sei gedankt und ewig gedenken wir den Opfern hier in Minas Tirith, in der Stadt der Könige; der Stadt des Königs.“

Dem Gedenkspruch folgte eine lange Liste mit Namen. Elea wurde aufmerksam als ihr Blick über „Halbarad“ flog. Ein Gedanken durchfuhr sie wie ein Blitz. Aufgeregt begann sie die Liste zu durchforsten. Ihre Finger begannen zu zittern, denn sie hatte Angst den Namen ihres Mannes darauf zu entdecken. Meter für Meter strich sie die Spinnweben von der längst vergessenen Wand. Zeile für Zeile ging sie durch, doch sie fand nichts. Ihr entwich ein Seufzer, doch dann sah sie etwas, das ihr den Atem raubte.
Mitten in der langen Kette aus fremden und bekannten war ein unbeschriebener Fleck. Er fiel kaum auf, aber trotzdem war er da. Elea kniete sich nieder. Sie legte die Fackel neben sich auf den kalten Boden. Ihr zittriger Finger näherte sich dem Mauerwerk. Widerwillig zeichnete sie eine Linie in die Staubschicht, eine zweite und eine dritte. Sie erkannte das ‚H’ vor sich. Tränen rannen über ihre Wangen und landeten auf den kalten Fliesen wo sie beinahe gefroren. Sie zeichnete ein ‚AL’ in den Staub. Einen Moment zuckte ihre Hand zurück, sie konnte nicht weiter schreiben. Die Trauer wandelte sich zu Wut und unter einem lauten Klageschrei verwischte sie die Buchstaben im Staub. Tausende Tränen kullerten über ihre Wangen und als sie ihre Augen öffneten, sah sie vor sich eine fremde Frau. Elea vernahm das beruhigende Rauschen der Bruinen unter sich und den kalten Stein auf dem sie lag: „Was ist passiert?“ fragte Elea verwirrt.
„Ihr seid einfach zusammengebrochen“, sagte sie „ich habe euch aufgefangen und gleich etwas zu trinken gegeben. Menschen benötigen viel zu trinken am Tag, sonst brechen sie irgendwann zusammen, aber ihr seid nicht alleine. Viel zu viele vergessen das. Wie geht es euch?“
„Danke, schon besser“, antwortete Elea nur kurz und setzte sich auf.
„Kommt, ich begleite euch noch in die Stadt, sonst kippt ihr mir nochmals weg.“
„Das ist nicht nötig.“
„Ich denke schon, ihr kennt Imladris und ich nicht. Wollt ihr mir helfen mich zu Recht zu finden?“, antwortete sie mit einem schüchternen, jedoch netten Lächeln auf den Lippen.
Elea mochte dieses herzhafte Lächeln, vielleicht war etwas Gesellschaft jetzt gar nicht so schlecht für sie: „So ist uns beiden geholfen.“
« Letzte Änderung: 21. Feb 2010, 21:00 von Thorondor the Eagle »
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Re: Die Straßen von Imladris
« Antwort #3 am: 22. Feb 2010, 20:27 »
Briannas braunes Haar wurde durch den Schein der müden Abendsonne erhellt. Die Sonnenstrahlen wurden immer schwächer, denn der Winter war eingekehrt und bald würde sich die Sonne zu ihrem Winterschlaf begeben, wenn die grauen Wolken den Himmel verdeckten und ihre weiße Pracht unersättlich auf Mittelerde niedergehen lassen würden.
Ihr Blick musterte die Frau, die ihr gegenüber stand. Ihr Haar war rabenschwarz und ihre Augen meergrau, wie das westlich gelegene Meer in den Liedern ihres Volkes immer besungen wurden.

Sie hat dieselbe Haar- und Augenfarbe, wie der Mann aus Dol Amroth.

Brianna brach das Schweigen der beiden, welches keineswegs unbehaglich gewesen war. Beide schlenderten gemeinsam den gepflasterten Pfad zu den Hallen Elronds hinauf.
„ Ich glaube wir sollten uns erst mal vorstellen“, entgegnete ihr Brianna mit einem aufrichtigen Lächeln auf den Lippen, „ ich bin Brianna. Und komme aus Thal. Wie heißt ihr? Kommt ihr zufällig auch aus der gondorianischen Stadt Dol Amroth? Euer Haar und eure Augen gleich denen eines jungen Mannes, welchen ich auf meiner Reise hierher gesehen habe.“

Elea blickte sie kurz freundlich, aber durchdringend an bevor sie antwortete, als hätte ein Wort Briannas in ihr etwas bewegt.
„ Nein, nein, Brianna. Da irrt ihr euch, “ erwiderte sie, „ Ich komme aus Annúminas und bin aus dem Geschlecht der Dúnedain des Nordens. Mein Name ist Erelieva Lote in Dúnadan, aber ihr könnt mich ruhig Elea nennen. Jedoch ist eure Vermutung nicht ganz irrtümlich, da viele Dunedain in den südlichen Festung Gondors leben und wir viele verwandtschaftliche Beziehungen zu ihnen pflegen. Aber jetzt wo ihr es erwähnt, warum seid ihr aus Thal aufgebrochen und was zieht euch in diesen dunklen Tagen nach Imladris? Dies ist ja nicht der nächste Weg für eine Frau aus Thal“.
Ein Schatten zog sich über Briannas Gesicht und schlagartig wirkte sie um zehn Jahre gealtert. Eine Windböe kam auf und schon befand sie sich wieder auf dem Trampelweg, der zu ihrem Hof führte.

Der frische Duft von Lavendel stieg ihr in die Luft und sie sah Rhia, wie sie die Bienen betrachtete, die emsig in ihren Beeten nach Nektar suchten. Ihr Haar hing ihr ins Gesicht und als Brianna näher kam und sich Rhia zu ihr wandte, da war an Stelle ihres Gesichts nichts. Keine Gesichtszüge zierten das Gesicht Rhias, sondern nur eine leere hautfarbene Masse war dort zu sehen.
Schlagartig verwelkten die Blumen und die Bienen starben. Und an Stelle der Beete traten nun die beiden Grabhügel, die Brianna für Nîdanadh und Rhia ausgehoben hatte.
Die sanfte Stimme Eleas nahm sie an der Hand und führte sie Weg vom Trampelpfad und führte sie zurück auf die Straße nach Imladris, wo die beiden jetzt standen und Brianna mit den Tränen kämpfte.

„ Ist alles in Ordnung mit euch Brianna? Habe ich euch gekränkt?“, fragte die fürsorgliche Stimme Eleas, während sie Brianna eine Strähne hinters Ohr strich.
„ Nein, schon ok, aber für meine Geschichte brauchen wir etwas länger. Vielleicht bei einem gemütlichen Mahl in warmen Hallen“, presste Brianna hervor, während sie immer noch die Tränen zurückhielt. Elea nickte bloß und nahm Brianna nun wirklich an der Hand und gemeinsam passierten sie das Tor Imladris`.

Als Brianna die sagenumwobene Stadt erblickte und sich vor ihr die bauten der Elben, mit ihren verschnörkelten und wunderschönen Verzierungen, offenbarte fingen die Tränen an zu laufen. Jedoch waren es keine Tränen der Trauer, sonder Tränen der Überwältigung.


Brianna und Elea in die Gärten Bruchtals
« Letzte Änderung: 15. Feb 2016, 11:29 von Fine »


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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #4 am: 14. Sep 2010, 20:54 »
Amrûn und Aphadon vom Weg über das Gebirge


„Hier sagst du mir das?“, antwortete der Mensch leise. Seine Gedanken waren tief versunken. Sein Blick fest an die lodernden Flammen geheftet „Hier, in einem Land das ich nicht kenne, in dem ich niemanden kenne. Was soll ich machen, wenn ich dich nicht mehr habe?“
Amrûn bedauerte Aphadon. Er wollte sich zu ihm setzten, ließ es aber dann bleiben.
„Was mache ich überhaupt hier? Ich kann nicht nachhause, ich kann nicht zu Freunden, ich kann nicht…“, stotterte er verzweifelt. Er war stark und er vergoss nicht eine einzige Träne in dieser düster-schwarzen Nacht. „Ich denke, ich komme mit nach Bruchtal. Dort werde ich zumindest eine Zeit lang Ruhe finden. Vielleicht ergibt sich eine neue Gelegenheit, ein Fenster in den Osten.“
Der Mensch war sichtlich enttäuscht und Amrûn bemerkte dies. Er wusste, dass er keine Akzeptanz erwarten konnte und das tat er auch nicht. Jeder hatte seinen eigenen Blickwinkel auf das Leben und jetzt drängte sich ein großer Keil in die ohnehin sehr junge Freundschaft. Das Vertrauen war zerbrochen.

Noch ehe die Sonne an jenem Abend hinter dem Horizont verschwand erreichten die beiden das verborgene Tal und die Festung Imladris. Wie eh und je wurden sie von den alles sehenden Augen der Elben willkommen geheißen und in die Stadt gebracht und völlig unerwartet stand Elrond vor ihnen. Auch sein Gemüt wirkte geplagt. Und seine Miene mehr denn je von Sorgenfalten durchzogen.
„Willkommen Amrûn, alter Freund und Sohn der westlichen Schiffbauer. Lange ist es her, dass du diese Pforte das letzte Mal durchschritten hast, doch umso größer die Freude das du nun wieder hier bist.“
Der Elb lächelte seinen ehemaligen Heerführer an und verneigte sich vor ihm. „Einen Gast bringst du mit. Einen Menschen und wenn sich meine Augen nicht irren ein Mann des Ostens. Eure Statur und Hautfarbe haben euch sofort verraten.“
„Ich bin Aphadon aus Rhun“, antwortete er und gebührte dem Elben auch seinen Respekt.
„Aphadon? Ein höchst eigenartiger Name für einen Ostling“, stellte Elrond fest.
„Ja, das ist er tatsächlich und seine Geschichte noch interessanter. Er erhielt ihn von jemandem der euch alles andere als Fremd ist, mein Herr“, ergriff wieder Amrûn das Wort.

„Kommt in meine Hallen. Dieser Tage seid ihr meine Gäste, denn ihr bringt Neuigkeiten mit euch an denen ich sehr interessiert bin. Doch zunächst mein Freund habe ich eine Überraschung für dich. Sie kam ganz unerwartet und voller Vorfreude, sie erzählte mir, dass du zu uns stoßen wirst. Sie wartet in der Bibliothek auf dich.“
Armûns Herz raste: „Ich bin bald wieder bei dir, Aphadon. Verzeih mir.“ Mit einem Satz sprang der Elb los. Er rannte die gepflasterten Wege Bruchtals entlang zum Herrenhaus. Die Zimmer waren schon vom fahlen Licht der Kerzen erhellt. Behutsam öffnete er die Türe zur Bibliothek und er fing den wohl schönsten Blick seines Lebens ein: Aratinnuíre saß schweigend im Schein des Feuers. Sie stützte ihren Kopf mit ihrer rechten Hand und war über ein großes Buch gebeugt. Das Haar fiel ihr ins Gesicht und ihre silberne Strähne glitzerte matt. Als sie den kalten Luftzug spürte und die Flamme unruhig zu tanzen begann drehte sie sich zu ihm. Ihr Gesicht zunächst nachdenklich und ernst, begann zu strahlen.
Rasch lief sie zu Amrûn und fiel ihm in die Arme. Für diesen einen Moment war das Leben perfekt für beide. Der Elb sah es vor sich: sein Lebensabend an den westlichen Gefilden. Er sah sich und Aratinnuíre an den Küsten Tol Eresseas spazieren gehen. Er sah wie sie gemeinsam mit den Schwanenboten nach Alqualonde segeln. Sie wanderten zu den Gärten Loriens und zu Este, der mächtigen Heilerin, die ihnen wieder Kraft schenkte.

Amrûn küsste die Elbe. „Hallo, meine Schöne“, begrüßte er sie. Aratinnuíre küsste ihn ein weiteres Mal auf seine kühlen Lippen. „Endlich bist du angekommen. Ich konnte es nicht mehr erwarten dich wieder zu sehen. Ich musste hierher kommen“, gab sie zur Antwort.
„Und ich bin glücklich darüber.“ Er nahm sie an der Hand und ging zurück zum Tisch. Er sah das Buch an und erkannte riesige Stammbäume darauf.
„Was liest du da?“, fragte er.
„Ich grüble über Geschichten aus längst vergangenen Tagen“, antwortete Aratinnuíre.
„Diese Namen sind älter als ich selbst, diese Zeit ist wahrhaftig längst vorbei.“ Er strich mit seinem Finger über das glatte Papier. Einige Namen kannte er, unter anderem Olwe den Herren der Teleri und Cirdan den Schiffbauer und da, etwas abseits aber in selber Linie stand ihr Name: Aratinnuíre. Langsam schloss er das Buch: „Ab heute musst du nicht mehr an deine Vergangenheit denken und ich auch nicht mehr an meine. Heute beginnt unsere Zukunft; unser gemeinsames Leben.“ Sie umschloss ihn fest mit ihren Armen.
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 11:42 von Fine »
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Thorondor the Eagle

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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #5 am: 18. Sep 2010, 21:13 »
Schon als sie Bruchtal erreichten war der Frühling in vollem Gange. Die bunten Blüten und grünen Gräser sprossen auf den Hängen des Tales und hüllten die blanken Felswände in ein farbenfrohes Kleid. Die Tage verflogen in dieser verborgenen Zufluchtsstätte, denn auch hier war eine mysteriöse Magie am Werk, ähnlich wie im goldenen Wald. Die Zeit schien stehen zu bleiben, doch außerhalb des Elbenreiches verflog sie nahezu.

Lange feierten Amrûn und Aratinnuíre ihr zusammentreffen; ihr Zusammenleben. Sie wichen kaum mehr von der Seite des anderen. Und auch wenn der Zahn der Zeit ruhte, so wusste Elrond dass außerhalb seiner Grenzen die Bedrohung zunahm und nicht schlief. Und an einem warmen Sommerabend rief er eine Versammlung ein, keine von jenen Ratsversammlungen von Heerführern und Weisen sondern alle Bewohner von Imladris wurden zusammen gerufen.

Hier realisierte Amrûn zum ersten Mal seit Jahren, dass die Elben in Mittelerde noch nicht ausgestorben sind, nein dass sie sogar noch eine gewisse Macht hatten und jahrtausende alte Erfahrung. Knapp 1000 Bewohner und 300 Flüchtlinge hatten sich am Fuß der Stufen vor Elronds Haus eingefunden. Alle sprachen sie durcheinander und rätselten über den Grund. Amrûn saß abseits von ihnen allen. Er gab Aratinnuíre seine Hand und sie legte ihren Kopf auf sein Schultern. Ihre Hand lag auf seinem Knie. Aphadon stand neben ihnen, er lehnte sich an einen braunen Baumstamm. Wortlos verfolgten sie, wie Elrond aus der Tür schritt. Links und rechts gingen zwei seiner Gefolgsleute und hielten Fackeln in den Händen. Hinten im Schatten des Hauses stand Arwen. Ihr Gesicht war nur ganz schwach vom Schein des Feuers erleuchtet.

„Eine Zeit ist angebrochen, die selbst wir Weisen in unseren schlimmsten Albträumen nicht kommen sahen. Eine Zeit der Dunkelheit und des Schmerzes, die uns alle mehr betrifft als wir anfangs vielleicht glaubten. Und auch wenn die Zeit für uns Eldar eine untergeordnete Rolle spielt, so sehe ich und auch unsere Verwandten aus Lindon und Lorien den Zeitpunkt gekommen um zu handeln. Um unserem Feind zu zeigen, dass die Elben Mittelerde noch nicht aufgegeben haben, dass noch genug geblieben sind um ihm entgegen zu treten. Ein weiteres Mal ziehen die Erstgeborenen in den Krieg, vielleicht das letzte Mal, aber mit dem guten Gewissen jenen zu helfen die wir unsere Freunde nennen. Im goldenen Wald werden wir uns sammeln, um wie ein tosender Sturm auf unseren Feind herunter prasseln zu können.
Schon morgen beginnen wir uns auszurüsten und zu packen, denn ehest möglich marschieren wir gen Süden in den wohl größten Krieg seit dem Wandel der Welt.“

Unruhe breitete sich in der Menge aus und doch erntete der Herr von Bruchtal regen Applaus. Er schritt die Stufen hinab durch die Menge, genau auf Amrûn und seine Geliebte zu.
„Wie ich höre mein Herr habt ihr die Begabung zu sprechen noch nicht verlernt“, lobte ihn Amrûn.
„Danke, mein lieber Freund. Und doch können meine Worte leider nichts gegen den drohenden Schatten des Ostens ausrichten.“
„Nicht eure Worte, aber die geballte Kraft des Elbenvolkes von Mittelerde.“
„Ja, das hoffe ich. Schwierig ist diese Situation und schwierig sind die Entscheidungen die ich treffen muss. Wieviel Mann werde ich nach Lorien schicken und wieviele soll ich hier lassen? In den letzten Wochen meldeten unsere Späher wieder vermehrt Orkangriffe an den Hängen des Nebelgebirges. Die Orks werden aggressiver, jetzt wo sie spüren, dass ihr Herr mächtiger denn je ist. Und was geschieht mit den Frauen und Kindern von Imladris, schicke ich sie nach Lindon um sie im schlimmsten Falle in das Segensreich zu schicken? Überlasse ich mein Haus den Gezeiten und dem Verfall?“
„Ich für meinen Teil habe eine Entscheidung getroffen. Und glaubt mir, es war die schwerste meines Lebens, aber wie ihr einst gesagt habt, die große Zeit der Elben ist vorüber.“
„Ja, aber wer wenn nicht wir soll Mittelerde retten? Die Menschen können sich nicht mehr wehren. Sie stecken in einer Zwickmühle fest, die sich langsam schließt uns die erdrückt.“
Amrûn schwieg und wandte seinen Blick von ihm ab.
„Meine Entscheidungen sind meine Sache und deine die deinen. Lass dir nicht meine Sorgen durch den Kopf gehen, alter Freund. Bleibe solange zu willst und vor allem so lange du kannst. Ich möchte noch gar nicht daran denken dich nie wieder zu sehen.“
„Danke, Herr Elrond. Ich denke ein paar Wochen können wir unsere Abreise aufschieben. Ich möchte dieser Feste, die mir vielmehr ein Heim war, den gebührenden Respekt erweisen, denn die letzten viertausend Jahre gab es mir stets Sicherheit und ein Gefühl von Geborgenheit. Der Abschied wird mir schwer fallen.“
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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #6 am: 19. Sep 2010, 19:48 »
Die Sonne brannte förmlich in das grüne Tal hinab, als Amrûn inmitten einer Blumenwiese lag. Sein Kopf war in den Schoß von Aratinnuíre gebettet. Er hatte eine weiße Margerite in den Händen und drehte sie zwischen seinen Fingern hin und her.

„Mein Schatz?“, sagte er „Hast du nicht auch Angst all das hier zu vermissen? Die Blumen, Bäume, deinen Hof, die singenden Vögel,…“
„Natürlich weiß ich genauso wenig wie du was uns im gesegneten Westen erwartet, aber ich habe Vertrauen in die Geschichten aus den alten Büchern und aus den Erzählungen all jener die aus dem Westen gekommen sind. Hast du Angst?“
„Nein!“, antwortete er und dachte einen Moment über seine Wortwahl nach „Denn ich habe das Gefühl dies alles schon zu kennen. Vor nicht all zu langer Zeit stand ich schon vor den Pforten von Valinor. Ich sah das schützende Gebirge mit seinen schneebedeckten Gipfeln. Ich sah Tirion und den weißen Turm und das ewig leuchtende Licht an dessen Spitze. Ich sah die weiten Wälder Loriens und den Taniquetil mit seinen silbernen Dächern. Es war wunderschön, aber es war nicht Mittelerde.“
Verwundert sah sie ihn an: „Wie ist das nur möglich?“
„Auf den Ebenen von Rohan in der Hand der Orks war ich gefangen und ich hatte nichts mehr wofür es sich zu leben lohnte. Ich öffnete meine Seele ehe sie in meinem Körper vergehen würde. Bis…“ Er stockte.
„Bis was geschah?“, fragte sie aufgeregt.
„Bis ich eine Hand an meiner Wange spürte, von der ich hoffte es war deine. Wie eine warme Sommerbrise kam es mir vor, die meinen kalten Körper wärmte. Es war eine Elbe, die ich heute meine Freundin nennen kann. Ich wünschte du hättest sie kennen gelernt, aber vielleicht hast du dazu noch die Chance, denn auch ihr Weg führt sie in den Westen. Seit wir Rohan verlassen haben und seit wir die zwei hoffnungslosesten Schlachten geschlagen haben, sind unsere Seelen verbunden. Sie hat mich gelehrt das selbst im dunkelsten Raum die Möglichkeit besteht ein Licht zu entflammen, wenn man nur genug Hoffnung in sich trägt.“
„Sie scheint dich sehr verändert zu haben, denn ich erkenne dich kaum wieder.“
„Ja, aber vielmehr ich selbst habe erkannt, dass ich all die Jahre nur meinetwegen hier geblieben bin. Ich wollte meinen Namen in den Geschichtsbüchern verewigen, wollte Statuen meiner selbst errichten und eine Legende sein für all jene die nachkommen. Doch dies alles ist nicht von Bedeutung, nicht mehr“, antwortete Amrûn „Ich sehe jetzt diese Margerite und denke an den weißen Schnee der auf der warmen Hand schmilzt. Ich denke an den weiß-silbrigen Mond in den klaren Nächten, ich denke an den Duft von Kirschblüten, wie sie zahlreich über die Straßen von Mithlond wehen, jeden wiederkehrenden Frühling, ich denke an Galadriels schimmerndes Gewand, an ihre Güte und an ihre Weisheit und ich denke an die reinen Quellen des Nebelgebirges, wie das Wasser die Wurzeln des Fangorn nährt.“
„Es scheint mir als hätten die dich die letzten paar Monate mehr gelehrt als dein übriges Leben.“
„Ja. Ich bin aufgewachsen mit den Lehren meines Volkes und mit dem was mein Herz mir sagte dass richtig sei, aber in letzter Zeit bin ich an mir selbst gewachsen. Habe all das hinter mir gelassen, um in Frieden zu leben, mit dir.“
Aratinnuíre küsste ihn auf den Mund. „Niemals zuvor habe ich etwas Schöneres gehört“, sagte sie lächelnd.
„Und niemals zuvor habe ich etwas süßeres geschmeckt als deine Lippen.“
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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #7 am: 25. Sep 2010, 22:23 »
Die Sonne ragte hoch über dem Horizont dieses späten Sommertages. Leichte Zeichen des Herbstes hatten sich schon im Tal breit gemacht. Die Blattränder der Bäume färbten sich schon in ein gelb schimmerndes Grün und die Abende wurden kühler. Innerhalb der Stadtmauern, gleich beim Tor war die Heerschar der Elben versammelt. Sie hatten die letzten Wochen damit verbracht die Schwerter zu schleifen, die letzten Vorräte einzupacken und die Festung standhaft zu machen.
Im Licht der Sonne strahlten ihre goldenen Helme und Schilde während die tiefblauen, im Wind wehenden Gewänder wie das brandende Meer bei Sonnenuntergang wirkten. Elrond kam die Treppe seines Hauses herab um sich von Amrûn und Aratinnuíre zu verabschieden.
„Hier nun, im verborgenen Tal im Schatten meines Hauses müssen wir uns trennen, mein lieber Amrûn. Du ziehst fort von hier in eine bessere Welt und ich befangen von meinem stetigen Schicksal ziehe in die Schlacht. So wie wir einst Seite an Seite in den Krieg gezogen sind. Ich werde an dich denken, wenn immer ich Schwert ziehe, wenn immer ich dem Meer nahe bin und stets wenn ich andere deiner Freunde treffe.“
Amrûn verneigte sich vor seinem Herrn.
„Du hast keinen Grund dich vor mir zu verbeugen. Ich nenne dich Freund, wir sind einander ebenbürtig“, er sah ihm noch einmal tief in die Augen „Freunde lässt man nur sehr ungerne gehen, denn sie hinterlassen eine große Lücke, die kein anderer zu füllen vermag, wie ein Schloss zudem nur ein Schlüssel passt. Leb wohl, Amrûn, Sohn des Gilwe und leb wohl, Aratinnuíre, Königin der mondlosen Nächte.“
Elrond drehte sich um und ging zu seinem Gefolge. Seine alte Rüstung erstrahlte in neuem Glanz und sein Schwert, lange im dunklen verwahrt, kam endlich wieder an das Tageslicht.
Langsam schritt das Paar die Stufen zum erhöhten Fundament hinauf. Am oberen Ende stand Arwen in einem dunkelvioletten Kleid. Sie lehnte an einer Säule, ihre Arme waren ineinander verschränkt und ihr Blick auf ihren Vater gerichtet: „Elrond verlässt Bruchtal, der letzte Halbelb des verborgenen Tals macht sich auf die Spuren seiner gefallenen Söhne. Sein Schicksal wohl ungewiss und verborgen in der dunklen Hülle hinter den Sternen. Auf ein Wiedersehen, Herr von Imladris“, sagte sie zu sich selbst und zu Amrûn.
„Arwen, ich denke dein Vater weiß was er tut. Er ist einer der Weisen dieser Lande und er besitzt eine Gabe die nur wenigen zuteil wird. Gäbe es keine Hoffnung, gäbe es für ihn keinen Krieg.“
„Nein, nur wenn er nicht kämpft, hat er bereits verloren“, gab sie zur Antwort und brach in Tränen aus. Aratinnuíre stellte sich zu ihr und legte ihr die Hand um die Hüfte.

Das Heer setzte sich in Bewegung, durschritt das Tor und überquerte die Brücke. Sie schlugen den Weg nach Süden ein, zur mittlerweile freien Pforte von Rohan. Zwei Soldaten schlossen das Tor ehe die Dämmerung hereinbrach.
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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #8 am: 26. Sep 2010, 22:41 »
Aphadon saß trübsinnig auf einer marmornen Bank und betrachtete mit erlahmendem Blick die sich im sanften Abendwind wiegenden Laternen an der Häuserfassade ihm gegenüber. Bruchtal oder Imladris, wie die Elben es nannten, war fantastisch: allen voran die sagenhafte Architektonik der Festung. Solch hingebungsvoll bearbeiteten Fels hatte der Ostling nirgendwo zuvor gesehen und es bereitete ihm immer eine Freude, die faszinierenden Muster, die die Steinmetze in den Marmor geprägt hatten, zu bewundern. Selbst die Luft war von atemberaubender Reinheit und in den wenigen Tagen seines Aufenthalts hier hatte sich ein wohliges Gefühl der Erholung in ihm ausgebreitet. Doch vieles hinderte ihn daran, diese Stimmung zu genießen.
Obgleich die bloße Anwesenheit in Bruchtal heilende Wirkung zu haben schien, begann Aphadon einfach in keinster Weise, sich hier zuhause zu fühlen, was daran lag, dass ihm die einheimischen Elben zwar mit Freundlichkeit, aber zugleich auch mit distanzierter Missbilligung entgegen kamen.  Seine Angehörigkeit zum Volk der Ostlinge verfolgte den Menschen also auch noch hier, in einem Hort des Guten, hunderte, wenn nicht tausende Meilen entfernt von seiner Heimat, obwohl er vor Monaten alle Bürden seines Alten Lebens abgelegt und einen Neubeginn gestartet hatte.
Aphadon seufzte schwer. Er hatte nicht von den achso rechtschaffenen Elben erwartet, dass sie solche Vorurteile gegen ihn hegen würden, aber es gelang ihm auch nicht, es ihnen angesichts der Kriegslage und der Vergangenheit zu verübeln.
Aphadon verspürte zum ersten Mal seit langer Zeit den Wunsch, Pfeife zu rauchen. Er versuchte sich zu erinnern, wann er dies zuletzt getan hatte. Sein Onkel Galblog, ein Gutsbesitzer nördlich von Gortharia, hatte sich häufig Stengel mit einem bestimmten Kraut gerollt, und Aphadon kurz vor seiner Verbannung auch des öfteren einen Stengel gegeben.
Gern erinnerte sich Aphadon an seine Aufenthalte bei seinem Onkel auf dem Land, fern vom Trubel und Dreck der Stadt, wo seine Familie in den ärmsten Bezirken gehaust hatte. Aphadon schloss die Augen und sah die Roggenfelder vor sich, wie sie sich sanft in der Brise wiegten, die Sonne, wie sie in hinter dem flachen Horizont versank und die ganze Szenerie in ein majestätisches Orange tauchte.
Eine brennende Sehnsucht schüttelte sein Herz und eine Träne tropfte auf sein ledernes Wams. Selbst im Angesicht eines Ortes von solcher Schönheit wie Bruchtal sehnte sich Aphadon nach der Rückkehr in seine Heimat, dort wo er herkam, dort, wo er hinge...
Aphadon schüttelte energisch den Kopf und sprang auf.
Dieses Leben war Vergangenheit, er lebte nun hier, im Westen und kämpfte auf der richtigen Seite.
Doch was war eine Heimat ohne Freunde, ohne Leute, denen man vertraute, mit denen man sprechen konnte. Amrûn würde ihn bald verlassen, feige wie er war, fliehen vor dem Konflikt in das Paradies der Elben, weit hinter dem Meer im Westen. Aphadon trat an das gusseiserne Geländer der Terasse und spuckte in die Blumenbeete einige Meter unter sich. 
Ohne Amrûn blieb ihm niemand, er wäre ganz allein. Und auch wenn Aphadon zornig auf den Elben war, so schuldete er ihm doch Verzeihung, nach dem, was sie gemeinsam erlebt hatten. Also fasste Aphadon den Beschluss, Amrûn bis zu den Anfurten zu begleiten. Er drehte sich heurm und schritt durch die Straßen Bruchtals, die nach dem Abrücken des Heeres wie ausgestorben schienen. So würde es nicht schwierig werden, Amrûn zu finden.
manana

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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #9 am: 29. Sep 2010, 21:00 »
Die Feste war wie leergefegt, nach dem Tag an dem das Heer losmarschiert war. Amrûn saß allein im Garten von Bruchtal auf einer verborgenen Stufe. Links und rechts türmten sich rote, gelbe und weiße Rosen auf, die bereits begannen zu welken und ihre Blütenblätter abwarfen. Eine leicht kühle Brise wehte durch dass Tal, erwischte allerdings den Elben nicht, da er geschützt zwischen den Sträuchern saß.
Die Sonne blinzelte über die Gipfel hinweg. Amrûn nahm einen großen Schluck aus dem Becher der neben ihm auf den Stufen stand. Aus seinem Gewand zog er ein Buch hervor. Mit seinem Finger strich er über die silbrig geprägten Buchstaben: „Das Erbe der Eldar“. Er schlug eine der letzten Seiten des Buches auf und sah auf einen riesigen Stammbaum, dessen Namen klein und zierlich auf die Seite geschrieben waren.

Hier steht mein Name, schwarz auf weiß. Eine Erinnerung für alle die dieses Buch lesen werden, für alle die Elronds Bibliothek betreten werden. So viele Namen, so viele Bekannte… Er strich mit dem Finger über den Namen seiner Mutter und blendete ihn so gedanklich aus. Gil-Galad, Celebrian, Elladan, Elrohir, Celebrimbor…

Immer weiter arbeitete er sich zu den jüngeren Generationen der Elben vor. Bis er auf Gwilwileth stieß oder Celebithiel wie sie sich nun nannte. In seinen Gedanken waren die Seiten des Stammbaumes fast leer.
„Was machst du hier?“, fragte ihn die vertraute Stimme Aratinnuíres.
Er presste ein winziges Lächeln über seine Lippen: „Ich grüble über der Vergangenheit.“
„Warst du es nicht, der gesagt hat, dass ich mich nur noch über die Zukunft Gedanken machen soll?“
„Ja, ich weiß. Wenn ich mir ansehe wer aller fort ist, dann sind die Seiten des Buches nur spärlich beschrieben.“
„Ja, die Zeit der Eldar auf Mittelerde ist vorbei. Unser Erbe liegt nicht auf diesen Gefilden sondern jenseits des Meeres.“
„Es stimmt mich traurig. Wenn dieser Krieg vorbei ist, werden die meisten Seiten dieses Buches leer sein inklusive unseren.“
„Bereust du deine Entscheidung, Amrûn?“, fragte sie zudringlich.
 „Nein. Es ist nur…“ er zögerte einen Augenblick „Ich habe es ignoriert, weil ich nur zu dir wollte, aber…“
„Aber was?“, fragte seine Gefährtin nochmals.
„Ich habe lange in mich geschaut um herauszufinden was es ist und ich denke ich fühle mich schuldig! Schuldig gegenüber Gandalf, gegenüber Galadriel, gegenüber Cirdan… und vor allem gegenüber Celebithiel.“
„Nichts schuldest du ihnen, höchstens Celebithiel und selbst sie will in den Westen segeln.“

Die letzten Sonnenstrahlen versetzten das Tal in ein feurigrotes Leuchten ehe die Dämmerung einsetzte.
„Celebithiel wird nicht gehen. Sie ist stark, stärker als wir alle. Gandalf hat dies erkannt und ihr Narya übergeben, so wie Cirdan ihn einst an Mithrandir weitergab. In ihr lodert eine Flamme stärker und feuriger als alle Macht des Ringes. Celebithiel hat es nur noch nicht erkannt.“
„Dann wirst du nicht nach Valinor gehen?“
„Wie sie, stehe ich mir nur selbst im Wege und das möchte ich nicht mehr. Mein Verstand sagt mir ich solle hier bleiben, aber mein Herz sagt mir ich komme mit dir“, er reichte ihr die Hand und stand auf. Er legte einen zarten Kuss auf ihre Lippen und sie gingen zurück in das Haus. Auf der Terrasse stand ein reich gedeckter Tisch an dem Arwen bereits Platz genommen hatte. Aratinnuíre und Amrûn setzten sich zu ihr, als plötzlich Aphadon durch die Tür kam.
„Aphadon, da bist du ja wieder“, sagte Amrûn erfreut „Arwen, darf sich mein Freund zu uns setzten?“
Sie nickte nur zustimmend.
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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #10 am: 30. Sep 2010, 22:05 »
Aphadon fand Amrûn auf einer Terasse im strahlenden Sonnenlicht des nächsten Tages. Lächelnd blickte er auf zum blauen Himmel. Der Sommer kehrte zurück. Aphadon fragte sich gedankenverloren, was alles seit dem letzten geschehen war. Er hatte den Großen Strom überquert, Rohan durchquert und den Fangorn passiert, war monatelang in Isengart gefangen gehalten worden, hatte an der Befreiung ebenjenes Ortes mitgewirkt, war von dort nach Lothlorien gewandert und von dort über die Nebelberge hierher.
Es schien ihm so viel, dass er beinahe betrübt war, wieviele Details seiner Reise er bereits wieder vergessen hatte angesichts der schieren Masse von Erinnerungen. Zuvor hatte er jahrelang als Einsiedler die Einöde bewandert, doch diese Zeit schien ihm so fern, als sei es bloß die Erzählung eines anderen.
Amrûn und eine ausgesprochen hübsche Elbendame saßen auf einer Bank und blickten zu ihm auf. Amrûn begrüßte ihn, wie Aphadon fand, überraschend herzlich und fragte seine Begleiterin sogleich, ob er sich zu ihnen setzen könne. Die Elbe nickte.
Aphadon nickte Amrûn lächelnd zu und verbeugte sich kurz vor der Elbe, wie er es im Goldenen Wald gesehen hatte.
"Ihr seid...?", fragte er.
"Arwen", sagte die Elbe mit einem seltsamen Gesichtsausdruck, als habe sie ein anderes Verhältnis zu Menschen als alle anderen Elben, die Aphadon kannte. "Für Euch einfach nur Arwen."
Aphadon nickte und zog sich einen Stuhl herbei, auf dem er sich sogleich niederließ.
Amrûn sah ihn fragend an.
Der Mensch holte kurz Luft, bevor er begann.
"Amrûn, ich habe Euch verziehen. Ich werde euch bis zum Westmeer begleiten. Hier hat mein Aufenthalt keinen Zweck. Daher werde ich Euch begleiten, und bitte Euch, dass Ihr mir, wenn wir angekommen sind, Rat gebt, wohin mein Weg von dort führen soll, bevor ihr... Bevor ihr diese Welt verlasst."
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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #11 am: 6. Okt 2010, 21:24 »
Celebithiel erreicht  Bruchtal, nachdem sie in Isengart aufgebrochen ist


„Ruhig!“.
Celebithiel streichelte durch die blonde Mähne ihrer Stute. Es roch immer noch nach den Gräsern in Lórien und unbewusst blickte sie gen Osten, durch die hohen Spitzen der Nebelberge hindurch. Ihre Augen folgten dem klaren und reinigenden Wasser Nimrodels, bevor es in den rauschenden Celebrant überging. Ihre Füße berührten das sanfte Gras, welches mit den Farben des Herbsts geschmückt war, und ihre Nase roch wieder den Duft Glorfindels, der sich in ihr so fest eingeprägt hatte, dass sie kaum noch Angst hatte ihn zu verlieren. Sie musste nur die Augen schließen und schon sah sie ihn vor sich. Sein markantes Kinn. Seine weißgoldenen Haare und seine weiche Haut. Celebithiel berührte ihre Lippen, als würde sie noch einmal die seinigen auf ihren spüren.
Das Rauschen der Bruinen riss sie aus ihren Gedanken und so blickte sie auf das Tal herab, indem Bruchtal lag.

Es hat sich kaum etwas verändert seitdem ich es vor etlichen Monaten verließ. Noch immer ist es mein Hort des Friedens, meine Ruhestätte, mein Refugium.

Sie stieg von der Stute ab und führte sie neben sich an den Zügeln und folgte mit andächtigem Schritt dem kleinen Weg, der zum letzten gastlichen Haus Mittelerdes führte.
Die Sonne senkte sich bereits über die westlichen Hügel und tauchte die schneebedeckten Zinnen des Nebelgebirges in ein feuriges Rot, als würde Mithrandir dort oben erneut gegen den Balrog von Morgoth kämpfen. Der Weg, obwohl sie ihn unzählige Male in ihren Leben gegangen war, bereitete ihr Schwierigkeiten, vor allem die Stute nebenbei zu führen erwies sich als gefährlich, da sie Angst vor den schmalen Passen hatte, die sich um die steilen Gebirgshänge wandte, wie eine Schlange um ihre Beute.
Die Vögel zwitscherten, wie verrückt als sie auf den geraden Pfad, der zu der Brücke führte, die die einzige Möglichkeit darstellte die Bruinen an dieser Stelle zu überwinden und nach Bruchtal zu gelangen. Celebithiel machte eine kleine Pause, um ihrer Staute eine Verschnaufpause zu gönnen, denn ihr Herzschlag raste beinahe. Sie setzte sich auf einen kleinen Stein und nahm einen Schluck aus ihrer Trinkflasche. Das klare Wasser, das noch aus den Quellen Nimrodels stammte, rann ihre Kehle hinunter und sorgte für ein angenehmes Gefühl in ihren Magen. Celebithiel fühlte sich wie neugeboren und ihre ozeanblauen Augen wanderten sehnsuchtsvoll zu den Dächern Imladris‘, die nur einen Wimpernschlag entfernt waren. Sie hatte Angst über diese Brücke zu gehen. Angst vor der Begegnung mit Arwen. Angst vor den Blicken Amrûns. Angst davor das Grab ihres Vaters zu Besuchen.

Und trotz ihrer Angst ging sie über die Brücke und trotz ihrer Angst passierte sie das edle Tor der Stadt und ging ohne Umschweife auf das Haus Elronds zu, wo sie bereits auf einen der Balkone Arwen erblickte, so wie es ihre Art war. Bevor sie die Tür erreicht hatte stürmte ihr die schönste Elbe Mittelerdes entgegen und fiel ihr um den Hals.
„ Gwilwileth, du bist hier“, schluchzte sie.
„ Elrond ist fort! Er folgt dem tragischen Schicksal seiner Söhne.“
Celebithiel stutzte bei Gwiliwleth erwiderte, aber die herzliche Umarmung ihrer Halbschwester.
„ Ich weiß meine Liebe, ich weiß.“


Celebithiel hatte sich gewaschen und die Haare zu einem Zopf geflochten, den sich um die Schulter gelegt hatte. Sie träufelte ein wenig das Rosenwasser über ihre Handgelenkte und betupfte ihren Hals damit, bevor sie die smaragdgrüne Haarspange nahm, die einen Schmetterling formte, und sie sich ins Haar steckte.
Sie trug ein Limettenfarbenes Kleid, welches ihr Arwen geliehen hatte. Einen Moment zögerte Celebithiel, ob sie Narya aufsetzten sollte, doch Galadriel hatte ihr gesagt den Ring so wenig wie möglich offen zu tragen. Deswegen steckte sie ihn nur wieder in den seidenen Beutel, den sie an ihren silbernen Gürtel hing.
Es klopfte und Celebithiel schreckte zusammen. Es war Arwen, die sie zu Amrûn und Aphadon begleiten wollte. Celebithiel schlug das Herz plötzlich bis in die Kehle und sie zitterte leicht, als sie die Tür hinter sich schloss.
Sie betraten den westlichen Balkon und die Sonne hatte sich nun hinter den Bergen zur Ruhe gelegt. Ein paar Fackeln erhellten den Balkon und im flackerenden Licht konnte sie Amrûns Hinterkopf ausmachen, der neben einer Elbe saß und am Geländer des Balkons erhaschte sie einen Blick auf Aphadon, der gedankenverloren in die Ferne blickte.
„ Entschuldigt Amrûn, aber hier ist jemand, der zu euch möchte“, räusperte sich Arwen, bevor sie mit der anderen Elbe ein wenig zur Seite ging.
Celebithiels Herzschlag setzte aus und sie sah Amrûn nun direkt in die Augen.
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 10:49 von Fine »


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Thorondor the Eagle

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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #12 am: 10. Okt 2010, 18:55 »
Celebithiels Gesicht wieder zu sehen, versetzte Amrûn einen Stich. Sofort fühlte er wieder den Kummer, den Schmerz, aber auch die tiefe Verbundenheit.
Wie es ihm die Höflichkeit gebot, erhob sich der Elb und sogleich wollte ihn Celebithiel in die Arme schließen. Er jedoch ging ihr aus dem Weg. Sein Blick wanderte zum nördlichen Geländer des Balkons, wohin er auch ging um außerhalb der Hörreichweite der anderen zu sein. Verwirrt folgte ihm der Neuankömmling.

„Hallo!“, sagte Celebithiel reumütig. Amrûn begegnete ihr mit einem Nicken.
„Ist es wegen meiner Entscheidung in Lothlorien? Es tut mir…“
„Warte“, platze der Elb heraus „Warte, was ich zu sagen habe, ehe du dich entschuldigst.“
Überrascht schauten ihre blauen Augen in die seinen.
„Deine Entscheidung aus Galadriels Mund zu hören, brach mir das Herz. Ich begegnete dir als starke Kriegerin, als Edle der Noldorí und vor allem als einzigartige Freundin. Doch die Zeit hinterlässt auf uns allen seine Spuren.
Als deine Großmutter sprach wurde mir eines bewusst. Sie verkündete dein Schicksal gleichzeitig mit meinem. Ich fand mich damit ab endlich mit Aratinnuíre in den Westen zu segeln. Den ganzen langen Weg nach Imladris hatte ich Zeit dies zu akzeptieren… und das habe ich.“
Ein kleiner Seufzer huschte über Celebithiels Lippen, aber sie unterbrach ihren Freund nicht.
„Nicht du sollst dir Vorwürfe machen, dass du im goldenen Wald eine Entscheidung getroffen hast, weil dich so vieles auf einmal überrumpelte. Nein, meinetwegen habe ich gezögert dich so herzlich zu begrüßen, denn ich bin derjenige mit den Schuldgefühlen. Du solltest vorher wissen, wie es um mich und um unsere Freundschaft steht, ehe du eine Entscheidung triffst.“

Celebitiels Arme umschlossen Armûns Oberkörper und auch er legte seine um ihre Schultern. Sie verharrten in der Umarmung und der Elb spürte wie sein Hemd von Tränen genässt wurde.
„Wie konntest du nur so denken. Die Entscheidung mit dir befreundet zu sein habe ich längst getroffen. Und nichts gibt es, das einen Schatten über sie legt. Wahre Freundschaft überdauert Zeit und Entfernung. Diesen vernünftigen Entschluss, auch wenn es mir sehr schwer fällt, werde ich annehmen.“

Sie lösten sich: „Aber wie du schon sagtest. Ich traf die Entscheidung nach Westen zu gehen aus falschen Gründen. Es schien als ob all die Bürden zu schwer sind, doch noch habe ich Kraft genug, dank Gandalf und Galadriel… und Glorfindel. Ich will bleiben und nach Dol Amroth segeln, zu unseren Verwandten.“
Amrûn nickte ihr verständnisvoll zu: „Lass uns zu Tisch gehen. Heute kann ich dir endlich Aratinnuíre vorstellen. Sie wird dir gefallen, denn sie ist der Heilkunde mächtig und kann dir viele Geschichten aus den ältesten Tagen erzählen, bis zu ihren jungen Jahren am See von Cuivienen.“
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Thorondor the Eagle

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Re:Die Straßen von Imladris
« Antwort #13 am: 17. Okt 2010, 14:44 »
Der Morgen brach herein in das verborgene Tal an den westlichen Hängen des Nebelgebirges. Dichter Herbstnebel lag über der Bruinen und kündigte den kommenden Winter an. Die Temperaturen waren bereits stark gefallen und das Laub schon goldgelb und rot durchtränkt.
„Schönheit umgibt uns hier, am letzten Tage den wir im Tale Elronds verbringen. Spürst du den kalten, frischen Nebel wie er sich auf unsere Haut setzt?“, fragte Amrûn seine geliebte Elbe. Sie legte ihre Hand auf seine Brust und beide schauten Sie das Tal hinab und ihr Blick folgte der Nebelspur wie sie sich sanft aus dem Tal hinaus schlängelte.
„Unser Schiff wartet auf uns, Aratinnuíre, lass uns losreiten. Damit wir zum Morgengrauen in Mithlond angekommen sind. Celebithiel und Aphadon werden unseren Weg teilen bis zu den Anfurten. Dort muss ich mich dann endgültig verabschieden“, sagte der Elb.

Die ersten Sonnenstrahlen ließen sich hinter der Nebeldecke erahnen, als sie sich auf den Weg zu den Stallungen machten. Dort fanden Sie ihre Weggefährten, Arwen und einige Elben des Landes. Ein gutes Duzend Pferde stand dort bereit zum Aufbruch.
„Nun seid ihr komplett für eure Reise“, empfing sie die Herrin des Tales.
„So viele Pferde? Reiten denn so viele mit uns?“, warf Amrûn zurück.
„Einige unserer tapfersten Krieger sende ich euch einen Teil des Weges mit. Auch Eriador ist dieser Tage nicht sicher. Orks greifen immer wieder die umliegenden Gebiete an. Das Tal haben sie noch nicht gewagt zu betreten, doch wird auch dies früher oder später der Fall sein.“
„Bis dahin wird die Heerschar hoffentlich zurück sein.“
„Ganz bestimmt“, versicherte Arwen „Oh Amrûn. Ich denke nun ist unser Abschied gekommen. Lass dich umarmen. Ein guter Freund unseres Hauses warst du stets und wie ein Onkel für mich und meine Brüder. Ich werde dich vermissen. Wenn du meiner Mutter begegnest, sag ihr, dass ich sie liebe und das ich sie vermisse, jeden Tag und gerade jetzt in dieser dunklen Zeit.“
Celebithiel zuckte bei diesen Worten ein wenig zusammen. Anscheinend hatte sie noch gar nicht daran gedacht, dass Amrûn ihrer Ziehmutter begegnen wird.
„Werde ich machen, Arwen. Pass gut auf dich auf, und auf deinen Vater.“
Sie lösten sich voneinander. Wortlos setzten sich die Gefährten auf ihre Rösser und traten ihre Reise an. Dem Elben lief ein kalter Schauder über den Rücken und ehrfürchtig durchschritt er ein letztes Mal das Tor von Bruchtal und überquerte die Brücke über die Lautwasser, die immer noch tosend ihren Weg in die Ebene suchte.

Plötzlich fiel im sein Gedicht wieder ein:
Oh Mittelerde, einst lieblich rein
Verseucht bist du von Dunkelheit.

Einst brachten wir dir Licht und Schein
Doch es verging in Ewigkeit.

Der Regen der die Felder goss
Verbannt von Hitze und von Feuer

Mein Herz hängt hier an jedem Spross
Der Schönheit Preis ist wahrlich teuer.


Der Sommer kommt und Spross wird Blatt,
und zahlreich Leben wird begonnen

Doch Laub im Herbst wird rot und matt,
und was einst aufgeblüht im Licht der Sonnen

vergeht in Winters kaltem Frost.
Valinor reicht man uns zum Trost.

Oh Mittelerde, einst lieblich rein
im Herzen wirst du stets meine Heimat sein.
Lebe wohl…

Murmelnd sagte er es vor sich auf, als sie das Tal verließen und nach Westen ritten.


Celebithiel, Aphadon, Amrûn und Aratinnuíre zur Großen Oststraße
« Letzte Änderung: 22. Feb 2016, 22:08 von Fine »
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