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Autor Thema: Die Hügellande von Dunland  (Gelesen 37472 mal)

The Chaosnight

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Die Hügellande von Dunland
« am: 20. Okt 2010, 16:21 »
Aiwyn, Gamling, Forgoil, Bogan und Barlae aus Helms Klamm


Vier ganze Tage dauerte der Weg von der Klamm. Aiwyn, Bogan und Barlae liefen direkt neben Forgoil und Gamling an der Spitze des Heeres und sahen als erste die Grenzen Dunlands: Elendig weite Ebenen, mehrere kleinere Hügel, kaum Bäche oder Flüsse und eine recht bäuerliche Bevölkerung kennzeichneten den ersten Eindruck von dem kleinen Land. Je tiefer sie in das Land kamen, desto mehr Bauern schlossen sich dem Heer an. Viele feierten die Ankunft Forgoils mit seinen dutzenden Bannern Dunlands und seiner Armee der Getreuen und nur wenige blieben in ihren Äckern und Hütten versteckt und misstrauten dem Heer. Mit einer gewaltigen Schlagkraft, einem Heer, das seine Größe fast verdreifacht hatte erreichten sie die "Hauptstadt" Dunlands: Eine weite, kahle Ebene innerhalb des Landes, abgegrenzt durch mehrere Fackeln und Bänke. Ein riesiges Haus stand vor einem ebenso gigantischem Podestbum das sich die Ebene zentrierte. Dutzende Orks standen auf dem Podest und hunderte Dunländer kreisten umher, entweder geschockt oder freudig auf Forgoils Armee starrend. Trotzdem bildeten sie alle eine Gasse als Forgoil vortrat und laut ausrief: "Möge sich der Verräter zeigen, der Dunland unterdrückt hät! Ich bin hier um mein Erbe anzutreten! Hiermit fordere ich ihn heraus! Mann gegen Mann, bis zum Tod, bis nur noch der wahre Herrscher steht!"
Die Männer Dunlands brüllten ausnahmslos einen lautstarken und düsteren Kriegsgesang in ihrer Sprache und formierten sich enger um das Podest und ließen nur einen schmalen Gang zu dem Aufstieg frei.

Lautstark öffneten sich die Türen des Hauses und vier Personen betraten das Podest: Ein voll gerüsteter Dunländer, der durch seine Größe und Masse, sowie seinen unförmigen Gesichtszüge beinahe wie ein Troll aussah, gefolgt von einem Menschen in einer schwarzen Kutte, die nur die schattigen Züge seines Gesichtes erahnen ließen, flankiert von zwei gewaltigen Orks, beinahe mannshoch, mit Muskelsträngen, die sich aus der Haut drückten und bestialischen Gesichtern. Der Dunländer trat alleine an die Spitze und antwortete bellend: "Wer immer es wagt mich heraszufordern, ich nehme an!" Es folgte lautstarkes Gebrülle unter den Dunländern, die wild ihre Fahnen schwenkten und in ihrer Sprache weitere Kriegsschreie schrien.
"Gamling, Aiwyn - folgt mir", sagte Forgoil, "Euch gebührt die Ehre den Kampf von nahen sehen zu dürfen!" Langsam folgten die beidem ihm auf das Podest und setzten sich auf zwei kleine Stühe, die perfekten Blick auf einen kreisrunden, abgegrenzten Bereich ermöglichten, dessen Boden durch eine riesige Wolfsfigur gekennzeichnet war. Gegenüber von ihnen saßen der Vermummte und einer der beiden Orks, während der zweite still neben dem Vermummten stand und sich nicht rührte. Ein überaus alter Dunländer betrat auf einen Stock gestützt als erster die Plattform und rief mit lauter, bestimmter Stimme aus: "Heute kämpfen wieder einmal zwei Männer um die Führung des Landes! Der amtierende Fürst kämpft gegen den Sohn seines Vorgängers. Es wird in maximal 5 Runden gekämpft, die auf das Schlagen meines Stockes anfangen und enden. Jede Runde werden die Waffen gewechselt und der Kampf endet nur durch den Tod eines Kämpfers! Sollten beide nach 5 Runden noch leben entscheidet das Wargrennen, wobei der Verlierer für 5 Jahre verbannt wird und dann das Recht auf einen Rückkampf erhält!"
Er hob ruckartig beide Hände und rief laut die Namen der Kämpfer aus, die unter lautem Brüllen die Arena betraten und sich bereit hielten.

"Runde 1: Der Speer", brüllte der Alte un zwei junge Dunländer überreichten den Kämpfern zwei goldene Speere, die sie einmal über ihr Knie schlugen um die Kampffähigkeit der Waffe zu beweisen und auf das Aufschlagen des Stockes ließen beide den Griff einmal auf den Boden aufschlagen und begannen ihr tödliches Duell: Der riesenhafte Fürst schlug wild um sich, sodass Forgoil mehrmals zu Boden springen musste und oft von dem hölzernen Griff getroffen wurde. Nur mühsam schaffte er es immer der Spitze auszuweichen, die riesenhafte Gestalt war sowohl stärker als auch schneller als Forgoil, der gewaltig in Bedrängnis geriet. Erst kurz vor dem erneuten Aufschlag des Stockes schaffte er es sein Geschick auszunutzen und mit zwei schnellen Stichen die Armschienen und seinen kleinen Armschild zu treffen.

"Runde 2", brüllte wieder der Alte in das Gedonner der Dunländer: "Das Kampfmesser!" Die zwei jungen Dunländer brachten zwei große Messer zu den Kämpfern, die damit zweimal gegen den mitgebrachten Holzschild der Jünglinge schlugen und es auf das Aufschlagen des Stockes wie ein X durch die Luft wirbeln ließen und dann wieder aufeinander eindroschen. Mit einem Aufschrei begann der Riese, doch Forgoil duckte sich nur weg und schlug mit dem Messer durch den Rücken seines Gegners, der kurz aufschrie und dann leblos zu Boden sank. Lagsam schritt er zum Rand des Podiums und schrie laut aus: "Ich bin Forgoil...und DAS...IST...DUNLAND!" Die Dunländer riefen laut seinen Namen und preisten ihn, doch die maskierte Gestalt lachte nur eisig, stellte sich neben ihn und brüllte: "Ich bezichtige Forgoil hiermit des Betruges! Und Betrüger sind es nicht würdig den Titel 'Fürst' führen zu dürfen! Da der wahre Fürst tot ist fordere ich als sein Stellvertreter einen würdigeren Nachfolger zu ernennen und diesen Verräter hinzurichten!"
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Re:Dunland
« Antwort #1 am: 20. Okt 2010, 18:52 »
Der Alte schlug mehrmals wild mit seinem Stock auf den Boden, wütend schrie er: "Ruhe! Gemäß den alten Bräuchen treffen sich alle Beteiligten zu einer Besprechung im Quartier des alten Fürsten. Folgt mir!"
Er geleitete die Orks, den Vermummten, Forgoil, Aiwyn und Gamling in das Haus und sie setzten sich an einen langen Tisch. Der Vemummte saß in der Mitte der einen Seite, neben sich seine beiden Orks, während Forgoil in der Mitte der anderen Seite saß und Aiwyn und Gamling neben sich hatte. Der Alte setzte sich an die kurze Seite des Tisches und begann: "Sollte Betrug vorliegen wird der Schuldige noch heute gehenkt werden, wenn nicht wird der Ankläger dem Schicksal des Opfers übergeben! Wie wollt Ihr dies lösen?" Der Vermummte sprang sofort auf: "Ich fordere den Verräter heraus! Ein Duell nach den Bräuchen der Mächtigen...nur dies ist der Schande des Verrates ebenbürtig!", er zeigte einen Siegelring, "Der Siegelring Dunlands als Zeichen meines Rechts."
Doch kaum hatte er beendet sagte der Alte: "Das ist unmöglich! Forgoil hat heute bereits gekämpft und eine Person darf nur einmal im Jahr einen Zeremonialkampf erhalten!", er blickte kurz zu Forgoil rüber und ergänzte: "Da eure Begleiter keine Dunländer sind und kein Wappen dunländischen Rechts tragen, habt Ihr niemanden der euch vertreten darf!" Forgoil senkte den Kopf, während Gamling geschockt dasaß und Aiwyn instinktiv aufsprang: "Ich trage den Zeremonialdolch Dunlands!" Der Vermummte verlor kurz seine Fassung: "Unmöglich! Ihr lügt! Ihr könnt ihn nicht haben!" Aiwyn zog grimmig den Dolch und zeigte sie dem Alten, der nur nickte und sagte: "Das ist er!" Aiwyn setzte sich wieder hin und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, sie hatte sich schon wieder in Gefahr gebracht und alles riskiert.
Sie wusste nicht wie Bogan reagieren würde, was er davon halten würde - doch egal was es wäre: anderenfalls hätte sie Forgoil dem sicheren Tod anvertraut. "Das braucht Ihr nicht tun", sagte dieser, "Ich habe mir dies selbst eingebrockt, ich wollte Euch nur in meiner Nähe wissen da ich alleine nie den Mut gehabt hätte dies durchzuziehen, an diese Situation hätte ich nie gedacht! Ruiniert nicht Eure Zukunft!"
"Das habe ich schon oft genug getan", murmelte Aiwyn matt, "Nun will ich es jedoch einmal für etwas sinnvolles tun!"

"Gut", sagte der Alte, "Nehmt ihr die Herausforderung an?" Aiwyn nickte kurz.
"Gut", sagte der Alte erneut, "Erwartet uns bei Sonnenuntergang wieder! Bis dahin steht es Euch frei euch vorzubereiten oder anderweitig zu beschäftigen. Der Rat wird Euch dann die Einzelheiten mitteilen."
« Letzte Änderung: 22. Okt 2010, 20:45 von The Chaosnight »
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Re:Dunland
« Antwort #2 am: 24. Okt 2010, 20:08 »
Zusammen mit dem Vermummten verließ sie den Ratssaal, wo der Fremde sofort kalt ausstieß: "Ihr habt keine Ahnung, was Ihr dort gerade eben getan habt! Ihr wart nichts als ein nerviges Beiwerk eines Verräters, doch als Führerin dieser Waffe seid Ihr dem Tod geweiht! Ihr werdet enden wie Euer Verräterfreund, zusammen mit ihm werdet ihr heute Nacht noch untergehen und die letzten Widerstände erlahmen lassen. Euer Tod und Euer Ende werden der letzte Schlüssel zu einem Dunland sein!" Er drehte sich demonstrativ um und ging die lange Halle entlang, kurz bevor er eine Durchgangstür öffnete, rief er der fassungslosen und geschockten Aiwyn hinterher: "Sagt den lächerlichen Wichten, dass ich in den Gemächern bin!"

Nun ebenso verwirrt wie alles andere blieb sie noch eine Zeit lang stehen, bis sich ihr die beiden Dunländer näherten, die im vorherigen Duell die Waffen gebracht hatten. Nach der Frage wo der Vermummte war und Aiwyns ehrlicher Antwort (woraufhin einer der beiden im Laufschritt durch die Halle eilte), sprach der eine: "Bis zu dem Duell dürft Ihr das Haus nicht verlassen. Wenn Ihr einen speziellen Ort sucht, sagt mir einfach bescheid!" Die Verwirrtheit in ihr schwand erneut der Fassungslosigkeit und dem Schock, doch nun fühlte sie sich ebenso wütend. Nicht nur dass sie jetzt in diesem Haus gefangen war, in einem Haus voller Fremder und Feinde und in einem Haus im Herzen der letzten Provinz Saurons im Norden, sie war auch getrennt von allem Bekannten und Geliebten. Sie würde nun Stunden um Stunden hier drin verbringen müssen ohne Bogan und Barlae eine Nachricht zukommen lassen zu können, Stunden um Stunden wo sie nur wartete und dann ein Duell, als dessen einziges Ende sich immer mehr der Tod herauskristallisierte, bestreiten müsste, was über die Zukunft von allen entscheiden würde. Die Wut wich der Resignation, würde sie jetzt noch aussteigen wäre Forgoil tot, der Vermummte hätte sein Ziel erreicht und Ihr Schicksal wäre wohl ebenso gekommen. Sie konnte nur noch geradeausgehen und auf eine gute Zukunft hoffen.

"Bringt mich an einen ruhigen Ort", seufzte sie und folgte dem jungen Dunländer daraufhin durch das halbe Haus, bis sie vor einer alten, verschlissenen und aus den Angeln hängenden Tür standen. Vorsichtig und auch etwas misstrauisch drückte sie die Tür nach hinten, woraufhin sie eines der wunderschönsten, wie auch trostlosesten Zimmer Mittelerdes erblickte: Die acht Wände des Raumes waren reich verziert, an jeder einzelnen prangte ein prächtiger Gegenstand in bronzenen Farben, welcher mit einer einzigen, silbernen Rune beschrieben war. Stab, Halskette, Stirnreif, Ring, Schild, Gewand und der Aiwyn so verhängnisvoll bekannte Dolch zierten die Wände vor und neben ihr, während hinter ihr der selbe mächtige Wolf zu erblicken war, der auch schon den Duellring kennzeichnete. Doch außerhalb dieser Wandverziehrungen war der Raum verstörend: Lediglich ein einzelner Kamin und vier ihn umkreisende Bänke standen im Zentrum diese Gebildes, ansonsten war alles leer und einsam. Der helle Boden und das halboffene Deckengebilde verschafften dem ganzen noch eine weitere Note der stummen Einsamkeit. Auf Aiwyn wirkte es wie eine Gedenkstätte, einen Ort der Trauer und des Bedenkens...einen Ort ohne Fröhlichkeit.

"Was genau ist das hier?", fragte sie leise, als ob sie die Toten nicht stören wollte. Der Dunänder antwortete kurz und ungewohnt mürrisch: "Bibliothek. Vom Mund geplündert und nun Ruheraum. Wie Ihr verlangtet!" Staunend blickte Aiwyn nochmal durch den gesamten Raum und setzte sich auf eine der Bänke um vor dem großem Kampf noch einmal zur Ruhe zu kommen. Doch die Wandgemälde ließen sie einfach nicht los: Wenn der Zeremonialdolch und der Siegelring als Zeichen der Herrschenden gelten, hieß das gleichzeitig, dass es noch fünf weitere Fürsten geben musste, die ebenso um den Titel kämpfen könnten, fünf Fürsten, die es theorethisch noch zu bezwingen galt und fünf Fürsten, deren Zuneigung noch unbekannt war. Langsam begann sie zu zweifeln: War sie nur Teil eines Planes die Vorherrschaft der Stämme zu erlangen? Oder war sie Teil eines Planes so etwas zu verhindern? Für was genau standen Forgoil und seine Männer nun genau ein? Er hatte sein Herrschaftszeichen stets bei sich, die Macht zurückerobern konnte es also schwerlich sein. Andere Stämme unterjochen? Sich nach dem drohendem Untergang des Mundes bei Rohan und seinen Verbündeten einschmeicheln? Was auch immer es war, es wirkte für sie nicht mehr so heldenhaft wie es es noch vor wenigen Minuten tat.

"Was genau zeigen diese Gemälde?", fragte sie ihren Führer, woraufhin dieser mit Stolz antwortete: "Jedes einzelne Gemälde zeigt eines der Herrschaftszeichen unserer sieben mächtigen Stämme. Wer auch immer sie trägt hat die Macht tausende zu bewegen und zu führen. Von Generation zu Generation, von Stammesfürst zu Stammesfürst werden sie weitergegeben und nur in Zeiten der tiefsten Not werden sie zusammengetragen. Wenn die Zeit gekommen ist erhebt sich einer von ihnen und führt als Wolfsfürst das Land in eine große Zukunft, bevor er abtritt und jedem Stamm wieder seine eigene Stellung gewährt.", er seufzte kurz auf und fuhr traurig fort: "Der letzte Fürst wurde als Anführer für die erste Schlacht um die Klamm gewählt. Auch wenn er verlor, er schaffte was keinem vor ihm gelang: Er schaffte es nach der Niederlage sofort wieder Frieden zu schließen und alle Überlebenden unversehrt zurückzuführen. Doch bevor er seine Macht wieder abgeben konnte, wurde er erschossen und angesichts der Situation wurde auch sogleich einer neuer Wolfsfürst gewählt, der die folgenden Unruhen beherrschen und die Schuldigen bestrafen sollte. Zwar schaffte er es die Unruhen zu zerschlagen, doch in den Kämpfen verstarben die alten Fürsten und deren Erben, sofern sie an den Schlachten teilnehmen konnten. Ohne die Fürsten, welche ihre Macht zurückfordern könnte herrschte der Wolfsfürst alleine über das gesamte Land, lediglich der Stamm der Klinge widersetzte sich ihm...der Dolch war verschwunden und ohne die Insignie waren seine Worte und Befehle gegenstandslos. Und nun...entscheidet Ihr darüber ob der Wolfsfürst fällt und eine neue Dynasie emporsteigt oder ob Dunland weiterhin geeint unter einer Stimme steht."

« Letzte Änderung: 13. Feb 2011, 14:55 von The Chaosnight »
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Eine schicksalshafte Wendung
« Antwort #3 am: 13. Feb 2011, 20:27 »
Mehrere weitere Stunden blieb Aiwyn in diesem Raum und hörte sich die Geschichten Dunlands an, vom Ursprung des Landes, der Tradition des Wolfsfürstentums und den verschiedene Stämmen, bis hin zu dem immerwährendem Krieg mit Rohan und den Machtübernahmen durch Saruman und dem Mund. Erst als das Licht den Raum beinahe vollkommen verlassen hatte und nur noch die silbrigen Runen einen Funken Licht spendeten, brach der Dunländer seine Erzählung ab und sagte knapp: "Es ist Zeit!"
Sofort sprang Aiwyn auf und folgte ihm durch die eng verschachtelten, für Aiwyn auf einmal endlos vorkommenden Gänge des Gebäudes. "Wenn Ihr heraustretet, vergesst nicht den Dolch stets bei Euch zu führen und möglichst öffentlich zu demonstrieren. Ohne Ihn seid Ihr nur eine Fremde inmitten der unsrigen und lasst Euch gesagt sein: Fremde sind heutzutage nicht mehr willkommen in unseren Breiten." Diese und zahlreiche anderen Hinweise flüsterte ihr der Dunländer auf dem Weg zu und als sie schließlich die Eingangshalle erreicht hatten, erwarteten sie bereits der Vermummte und sein Begleiter. "Willkommen zurück", sagte er mit einem dunklem Lächeln, "Ich bin darauf gespannt, was Ihr mir zeigen könnt. Ich hoffe doch, dass ihr etwas besonderes vorbereitet habt, schließlich ist dies das letzte was man von Euch sehen wird!"

Noch bevor Aiwyn antworten konnte öffnete sich die Doppeltür, die zum Ratssaal führte und die beiden Orks, Gamling, Forgoil und der Alte kamen heraus. Während sich die Orks sofort zum Vermummten bewegten und mit ihm ihn einer fremden Sprache sprachen und Gamling zu Aiwyn ging, ging Forgoil geradewegs zum Alten, der schon an der Ausgangstür stand. Sofort wurden Aiwyns Gedanken wieder mit Fragen überflutet, wo sie vor wenigen Augenblicken noch hochkonzentriert war, kehrte jetzt Verunsicherung und Wut ein. Was war nur mit diesem Dunländer los? Sie würde in wenigen Augenblicken um sein Leben kämpfen und er ignoriert sie einfach? Sie war so damit beschäftigt sich wieder zu fragen was seine Motivation sein könnte, dass sie Gamling zuerst gar nicht bemerkte, als er sie ansprach. "Ich habe ein paar kleine Änderung an den Aufgaben durchgesetzt. Allein vom körperlichen her dürfte es eindeutig werden!" Sie nickte etwas abgelenkt und wollte gerade fragen was genau geplant wäre, doch Gamling fuhr fort: "Vorsicht vor den Orks! Irgendetwas ist geplant, was uns bestimmt nicht gefallen wird."

Erneut versuchte sie ihn zu fragen, doch diesmal unterbrach sie der Alte: "Es ist Zeit!"



Als Aiwyn die Plattform betrat, fühlte sie sich auf einmal aufgeregt, angespannt und nervös, jedoch auch verwirrt und wütend: Sie würde gleich gegen einen vollkommen Unbekannten ihr eigenes Schicksal und das eines gesamten Volkes riskieren ohne zu wissen, wer überhaupt hinter ihr steht und weshalb oder für wie lange dies der Fall sein mag. Sie fühlte sich belogen und ausgenutzt, doch sie wusste auch, dass sie an diesem Punkt nicht mehr zurücktreten konnte.
Sie stellte sich in die Mitte des Wolfsbanners und sich plötzlich an die Worte ihres Führers erinnernd hob sie den Dolch gut sichtbar für die Menschenmenge in die Höhe, worauf erneut tosendes Gebrüll ausbrach, das auch anhielt, als der Vermummte hinter ihr auf die Plattform kam, ihr einen kurzen, abschätzigen Blick zuwarf und die Menschenmenge weitgehend ignorierte, bevor er unter wütendem Gemurmel dem Alten den Fingerzeig gab endlich anzufangen.

"Dunländer! Ihr alle wisst, was uns hier bevorsteht und ihr alle wisst, was wir zu erwarten haben! Hier trifft nun die Trägerin des Zeremonialdolches im Namen des letzten Fürstens der Klinge, des Fürstens, dessen Name hier auf dem Spiel steht und des Fürstens, der gekommen war seinen Platz wiedereinzunehmen auf den Träger des Siegelringes im Namen des Fürstens, der im letztem Duell fiel und nun..." Der Alte verstummte zeitgleich mit de Dunländern, die während der Rede immer wieder ihre Sympathiebekundungen kundgetan hatten: Der Vermummte hatte ihn an der Schulter gepackt und zurückgezogen und stand nun selbst auf dem Rednerplatz: "Dunländer!", brüllte er unter wütenden Pfiffen, Flüchen und Ausrufen der Dunländer, "Dieser Mann ist falsch informiert! Die Bande der Verräter wird nicht gegen mich, den Vertreter und Berater des glorreichen Wolfsfürsten antreten! Vielmehr wird der einzige, dem zusteht das Land von Verrat zu säubern diese ehrenvolle Aufgabe übernehmen! Der Sohn des Fürstens, Herr der Kette und Träger der Insignien des Wolfes, Erbe über Dunland wird für mich kämpfen und dieses Land säubern!" Er drehte sich zum Alten um und fügte hinzu: "Unser werter Freund hier wird diesen Anspruch bestimmt bestätigen!"
Mit gesenktem, jedoch hasserfülltem Blick presste der Alte hervor: "Gegen die Macht des Wolfes komme ich nicht an! Er vermag zu kämpfen!"

Kaum hatte er ausgesprochen und noch bevor das Volk wieder ihre zahlreichen Missfallensbekundungen preisgeben konnten, öffnete sich die Tür erneut und flankiert von zwei noch monströseren Orks als sie bereits auf der Plattform standen, betrat ein junger, ängstlich aussehender Mann das Geschehen, der in ein viel zu großes Gewand gehüllt voranschritt, in einer Hand einen Stab schwingend, in der anderen ein Schild haltend. Über dem Gewand prangte eine gewaltige Kette und am Kopf trug er einen Stirnreif und Aiwyn hätte schwören können, dass sie an seiner rechten Hand etwas glitzern hätte sehen können. Sobald er neben ihr stand, hatte sich die Stimmung schlagartig gewandelt: Das Volk jubelte und zeigte seine Ehrerbietung angesichts dieser Ansammlung von Herrschaftszeichen.

Dies war etwas mit dem kaum einer auf der Plattform rechnen konnte: Der Alte zeigte noch immer seine Wut, Gamling schaute fassungslos auf den Alten, Forgoil hatte den Vermummten fixiert, als ob er jederzeit auf ihn losspringen würde und selbst die Orks schauten sich fragend an. Aiwyn fühlte sich jedoch noch unsicherer als vorher. So hatte sie durch die Zustimmung, die sie bei ihrem Einmarsch erfahren hatte wieder genug Kraft und Vertrauen getankt um vollkonzentriert kämpfen zu können, doch dies war nun vollends verschwunden und der Dunländer sah um einiges kraftvoller, ausdauernder und beweglicher als sie oder der Vermummte aus - Alles was Gamling versprochen hatte zu ihrem Gunsten zu ändern war nun gegen sie gerichtet. Lediglich das ängstliche Auftreten ihres neuen Gegners vermochte ihr noch genug Kraft zu geben zumindest halbwegs sicher kämpfen zu können.
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Zeit für ein D-D-D-D-D-Duell
« Antwort #4 am: 13. Feb 2011, 23:24 »
"Es wird nach den Bräuchen der Mächtigen gekämpft!", sprach der Alte nach einer kurzen Pause wieder, "Sieben Aufgaben im Namen der Stämme werdet ihr lösen und bestehen müsen, erst danach dürft ihr fortfahren und eine Aufgabe würdig eines wahren Wolfes im direktem Duelle erfahren.", er holte tief Luft und donnerte dann weiter: "Stamm des Reifes! Zeichen der Weisheit, Symbol der Kombination! Stamm des Schildes! Zeichen der Verteidigung, Symbol der Standhaftigkeit! Stamm des Ringes! Zeichen der Herkunft, Symbol der Einheit! Ihr beide werdet Euch meinen gefürchteten Wachleuten stellen müssen, die Euch angreifen werden, während Ihr einen altrohirrischen Schlachtplan entziffern müsst. Die Aufgabe ist zu Ende, sobald Ihr entsprechend dem Plan gehandelt habt!"
Er warf den beiden eine Schriftrolle zu und die beiden jungen Dunländer brachten ihnen einen Schild, sowie ein kurzes Holzschwert. "Ihr werdet damit kämpfen! Während diesen Rituals wird kein Blut fließen, sondern nur Eure Würdigkeit unter Beweis gestellt.", sagte der eine, bevor er sich wieder zurückzog.

Kurz darauf begann es! Kaum hatten sich die beiden zurückgezogen und der Alte das Komando gegeen, stürmten drei Dunländer heran, allesamt mit mächtigen Holzwaffen bewaffnet: Langschwert, Stab und zwei Kurzschwerter. Schnell hatten die drei sie erreicht und droschen mit ihren Waffen auf sie ein: Nach einer schnellen Ausweichaktion konnte Aiwyn dem Langschwertkämpfer ausweichen und den Stabkämpfer entwaffnen, doch während der Langschwertkämpfer nun den Dunländer bereits entwaffnet hatte und nun dabei war seinen Schild zu bersten, kam Aiwyn kaum mit dem Zweihandkämpfer klar, dessen schnellen Angriffsfolgen sie nichts entgegenzusetzen hatte. Mehrere Minuten lang verlief es sehr einseitig: Die beiden Ostlinge setzten die beiden Kämpfer stark unter Bedrängnis, während der Stabkämpfer (man hatte ihm mittlerweile wieder seine Waffe zurückgeworfen) die Länge seiner Waffe dazu nutzte ihn unachtsamen Momenten seine Gegner zu Fall zu bringen. Erst dann erinnerte sich Aiwyn wieder an die Worte ihres Führers: "Jede Insignie verbirgt ein Zeichen und eine Symbolik: Das Zeichen gibt die primäre Tugend und die größte Macht des Stammes wieder, während das Symbol einen Weg zu ihrem Erreichen beinhaltet oder typisch für seine Umgebung ist. Zeichen und Symbol, Herrschaftsmacht und Herrschaftsart. Erst wer all dies verstanden hat, kann als Wolf längere Zeit bestehen, anderenfalls fällt seine Macht sobald sein Ziel erfüllt wurde."

Das war für Aiwyn die Lösung: Wie ein Wolf denken, seine Würdigkeit beweisen! Mit einem Sprung riss sie den Langschwertkämpfer zu Boden und stellte sich vor ihren Widersacher. "Entziffer den Plan, ich halte sie auf!", zischte sie, während er zu ihrer Erleichterung genau dies tat. Minutenlang hielt sie den dreien stand, sie blieb fest auf einer Position stehen, sodass der Stabkämpfer sie nicht zu Boden drücken konnte, wehrte den Langschwertkämpfer mit ihrem Schild ab und sorgte mit geschickten Schildbewegungen dafür, dass er den Zweihandkämpfer so weit behinderte, dass er sich vorerst zurückhielt. "Eine Verbindung zweier entgegengesetzter Pole, gehalten von zwei entgegengesetzten Polen", las der Dunländer laut vor, bevor er ebenfalls seinen Schild hochriss und Aiwyn half die Gegner weiter zurückzudrängen. Und plötzlich dämmerte es ihr: Der Stabkämpfer hatte sich die gesamte Zeit über zurück gehalten und immer abwechselnd seine beiden Stabenden benutzt. Mit dem Schild voran drückte sie den Langschwertkämpfer von sich weg, trat erneut gegen den Stab, der seinem Träger aus der Hand flog und ergriff das eine Ende. Der Dunländer schien zu verstehen und tat es ihr gleich und kaum hatten beide ein Ende ergriffen, verbeugten sich ihre drei Gegner und zogen sich wieder zurück.

Doch kaum war die erste Aufgabe bestanden, folgten die Aufgaben der weiteren Stämme: Messerzielwerfen, während man das eigentliche Ziel zwischen den Zeilen eines doppelzüngigen Beraters herauslesen musste (eine Eigenschaft, die Aiwyn gerne gehabt hätte, als sie dem Vermummten zum ersten Mal gegenüberstand) für die Stämme des flinken Dolches und des listenreichen Gewandes und zuletzt mussten beide an einem gigantischem Taktiktisch virtuelle Armeen zur Verteidigung bewegen, wobei jeder Feindkontakt durch verschiedene Holzwaffenkämpfer simuliert wurde und man um zu bestehen auch Zivilopfer unter der Wahrung der Verteidigungslinien retten musste.
Nachdem auch das letzte feindliche Bataillon bezwungen war und beide Kämpfer schwer angeschlagen auch die Prüfungen des herrschenden Stabes und der liebenden Kette gemeistert hatten, ergriff der Alte erneut das Wort: "So sei es also! Beide sind es würdig im Namen des Wolfes zu kämpfen und daher möge nun die entscheidende Prüfung auf sie warten: Ein Duell unter Gleichen, ein Duell unter zweien, die es alleine würdig wären Wolf zu sein und für zweie kämpfen, denen die gleiche Ehre gebührt. Ein Duell, dass nur durch die Tat eines wahren Wolfes ihr Ende finden kann!"

Er ließ sich zwei Kurzschwerter geben, die er sogleich weiterreichte.
"Möge es beginnen!"
Doch beide zögerten, es schien für Aiwyn einfach unverständlich nun jemanden töten zu müssen, mit dem sie vor kurzer Zeit erst eine alte Schriftrolle beschützen und entziffern musste und mit dem sie zusammen Truppen um Truppen verschieben musste und wie verrückt gegen die Wachen gekämpft hatte. Sie waren eine Einheit gewesen, so wie es der Siegelring verlangt hatte, sie hatten zugegebenermaßen sogar ganz ordentlich harmoniert und keiner von beiden hatte in einer der Aufgaben versucht den anderen zu sabotieren. Der bisherige Wettkampf war eigentlich nichts als ein Spiel mit hohem Einsatz, ein Spiel, das sauber und ohne Schwierigkeiten verlaufen war und nun sollte es so enden, nur damit zwei andere ihren Machtdisput beenden konnten?
Unsicher blickte der Dunländer hinter sich, wo der Vermummte ihm ein eindeutiges Zeichen gab: Tu es!
Er atmete tief ein und versuchte dann einen kräftigen Schlag anzubringen, doch Aiwyn hatte ihren Arm schon oben und parierte problemlos. Mit ihrer freien Hand schlug sie kraftvoll gegen den Schwertarm ihres Gegners, sodass ihm die Waffe entglitt und mit einem schnellem Tritt gegen das Knie hatte sie ihn zu Boden geworfen. Bevor er sich weiter bewegen konnte, hielt sie ihm die Schwertspitze an die Kehle. Schwer atmend und ängstlich kauerte er zu ihren Füßen und erwartete sein Ende. Die Masse an Zuschauern tobte und schrie ihr zu es zu beenden und die Orks schauten hilflos zu ihrem Meister. Dieser applaudierte jedoch nur höhnisch und bewegte sich langsam zu seinem gefallenem Schützling. Direkt hinter ihm stehend erfasste er Aiwyn und zischte: "Beende es!"
Sie zögerte weiter und der Vermummte wurde ungeduldiger, "Beende es und du bist mich los!", schrie er schon beinah und zu seinem Vergnügen hob sie tatsächlich ihren Arm.

Doch anstelle ihren Gegner zu erledigen hatte sie ein neue Ziel ins Auge gefasst: Ihn!
"Der Kampf ist zu Ende!", brüllte sie und hielt ihre Waffe nun ihm vor die Kehle, "Im Namen der Halskette vergebe ich meinem Feind."
Der Alte nickte zuerst ihr zu und dann den Wachleuten, die den Vermummten auf die Rednerposition zerrten.

"Irgendwelche letzten Worte?"
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Das neue Dunland
« Antwort #5 am: 14. Feb 2011, 12:40 »
Doch zum Erstaunen aller zeigte der Vermummte keine Furcht oder Erschrecken, im Gegenteil sogar: Er lachte.
Kraftvoll drückte er die beiden Wachen zur Seite und begann: "Volk Dunlands! Ich stehe hier vor Euch als Mann, der wie so viele eurer Väter und Vätersväter sein Leben geben muss im ewigen Kampf für Dunlands Freiheit und Einheit! Aber bevor ich dieses Opfer bringen werde lasst euch einiges gesagt sein: Ich weiß, dass ich hier nie wirklich willkommen war, ich weiß, dass ich von dem Moment an verloren war, als ich im Anhang des Mundes hierher kam und ich weiß, dass die meisten von Euch noch immer denken, dass ich zu jenen Verfluchten gehöre, die dem roten Auge die Treue halten. Doch dies ist falsch! Ich diene einem weitaus größerem Herren, einem Herren, der Dunland immer wohlgesonnen war, einem Herren, durch den Ihr zum ersten Mal in hunderten von Jahren wieder Siege gegen die Pferdeherren erringen konntet, einem Herren, der Euch die Freiheit  und Selbstständigkeit gab, die Ihr so verlangtet.
Ich spreche hier von Saruman dem Weisen, Saruman dem Ringschmied, Saruman dem Vielfarbenem. Beantwortet mir eines Ihr Mächtigen: Hat Saruman je gegen Euch gehandelt? Hat Saruman Euch je hängen lassen? Hat Saruman Euch je weniger gegeben als er versprach? Durch ihn habt Ihr Eure alte Macht wiedererlangt, durch ihn habt ihr Euer rechtmäßiges Land zurückerobert und durch ihn hättet Ihr beinahe die die große Feste des Feindes genommen und ein für alle Mal unsere Sicherheit, Freiheit und Einigkeit gesichert! Und beinahe, beinahe wäre es so gekommen, wäre es nicht um diese Verräter", er zeigte auf Forgoil, "Pferdemenschen", er zeigte auf Gamling, "oder Feinde unseres Volkes, die ihr eigenes Wort im Angesichts des Wolfes brechen und auch den letzten Funken Tradition, den uns Rohan nicht nehmen konnte, zerschmettern! Schaut hernieder und seht, was geschehen ist! Die Überreste unseres Landes stehen im Zeichen des Verrates und der Feigheit.", er griff nach dem Körper von Aiwyns Gegner und zog ihn kraftvoll nach oben, "Seht her, was sie angerichtet haben! Er ist tot! Getroffen von einem Pfeile Rohans, trägt sie nicht einen Bogen und begleitet diesen Rohirrim? Verbürgt er nicht dafür, dass seine Vertreter die Werte unserer Kultur und unsere Gesetze kennen und beachten? Seht es Euch genau an, diesem Pack kann man nicht vertrauen und sie werden wieder kommen, bis auch der letzte unserer Mächtigen gefallen ist und sie unumschränkte Macht genießen. Hört mich an: Wird er zum nächsten Wolfsfürsten, wird unsere Nation fallen und zum Vorposten der Pferdemenschen werden! Vertraut meinen Worten: Saruman wird Euch erneut nach oben führen und mit allen Insignien und ohne die Wortführer unserer Feinde, die außerhalb unserer Grenzen am Rande des Zusammenbruchs stehen, wird es diesmal ewig währen! Dunland wird wieder erstarken und eine neue Zeit einläuten!"

Während dieser Rede hatte Aiwyn größtenteils zornig auf den Vermummten gestarrt, doch als er erwähnte, dass ihr Gegner tot sei, hatte sie sofort nach unten geschaut und erschrocken festgestellt, dass irgendwer tatsächlich mit einem gezieltem Bogenschuss zugeschlagen hatte. Kurz davor den Vermummten mit aller Kraft niederzuschlagen und ihrem Hass freien Lauf zu lassen, wurde sie jedoch von Forgoil festgehalten. "Lass ihn. Die Stimmung ist gerade eh im Umschwung und ein offener und eindeutiger Verstoß gegen die Traditionen würde sein Übriges tun."
Nun noch wütender und vollkommen machtlos musste sie den Rest der Rede ertragen, während auch die allgemeine Stimmung immer aggressiver wurde.

"Jetzt ist die Zeit gekommen. Erfüllt Euren Auftrag oder besinnt Euch zum Besseren! Die Zukunft Dunlands liegt in Euren Händen!"

Der Alte nickte einem seiner Wachleute kurz zu, der daraufhin seine Waffe hob und sich unter zahlreichen Beschwörungen des Alten zum Schlag bereitmachte. Doch bevor er sein Werk vollenden konnte, brach auf den Feldern ein Aufstand aus: Wie aus dem Nichts schlugen die Dunländer sich gegenseitig nieder, unwissend was vorgefallen war und wem sie noch vertrauen konnten, breitete sich das Schlachtfeld weiter aus und ehe man auf der Plattform verstehen konnte, was nun genau passiert war, schien sich das Schlachtfeld schon in zwei Hälften geteilt zu haben: Jene, die der Vermummte überzeugt hatte und die Saruman folgen wollten und jene, die ihn hassten und weiterhin Forgoil als Wolfsfürsten verlangten.
Doch kaum hatte man dies erblickt, hatten sich auch die Orks kampfbereit gemacht und griffen Aiwyn, Forgoil und Gamling an, schon bald durch Dutzende Dunländer begleitet, welche die Plattform und das Haus stürmten. Es wurde immer klarer, dass sie hoffnungslos in der Unterzahl waren und es nur eine Frage der Zeit blieb, bis sie zusammenbrechen würden. Gerade hatte sie den letzten Ork bezwungen und ihre Waffe zum Schlag gegen einen der Dunländer erhoben, doch dann spürte sie wie sie jemand  von hinten packte und wegzog und ehe sie sich versah, flog sie geradewegs von der Plattform.
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Der Plan
« Antwort #6 am: 20. Feb 2011, 21:05 »
"Es ist aus!"

Forgoils Worte ließen keinen Zweifel daran zu, schwach richtete er sich wieder auf und sah sich um: Vor ihm tobte noch immer die Schlacht, ein paar Dutzende seiner Anhänger wurden immer weiter zurückgedrängt und vertrieben, während seine Feinde überall aufzutauchen schienen. Hinter ihm standen mehrere Verwundete, sowie Frauen, Kinder und Alte, die allesamt geschockt auf die weitere Entwicklung starrten und ansonsten regungslos blieben. Doch kaum hatte Forgoil Blickkontakt mit ihnen, fielen sie aus ihrer Starre und jeder einzelne stürmte auf ihn los:
"Was sollen wir tun, Herr?"
"Wir folgen Euch bis zum Ende!"
"Wie lauten Eure Befehle?"
"Der Stamm der Klinge steht zu Euch!"

Niedergeschlagen ging er weiter in die Masse seiner Verbündeten hinein und begann auf schnellem Dunländisch auf sie einzureden. Doch schon schnell wurde selbst für Außenstehende klar, dass er irgendetwas unausprechliches gesagt haben musste: Die meisten waren den Tränen nahe, flehten ihn an es sich noch einmal zu überlegen oder schienen nun vollkommen auseinanderzubrechen. "Warum? WARUM?", schrie ihn einer der Verwunderten an, "Warum tut Ihr das?", fragte ihn eines der Kinder, welches sich fest um sein Bein geschlungen hatte, "Was soll aus uns werden?", "Denkt an Euer Volk!",  aus jedem einzelnem Mund ertönten Aussagen wie diese, doch Forgoil hob nur seine rechte Hand und sagte möglicht bestimmt, doch mit klaren Anzeichen eines Zitterns: "Es muss sein!", er ließ die Hand sinken und hielt kurz inne, bevor er auf Dunländisch fortfuhr.

Von all dem bekam Aiwyn jedoch kaum etwas mit: Noch immer von dem Sturz benommen blieb sie am Boden liegen und musste erstmal wieder zu sich kommen. Als sie endlich genug Kraft gesammelt hatte aufstehen zu können, hatte die Gruppe Dunländer sich anscheinend mit Forgoils Plan abgefunden, sie standen niedergeschlagen vor ihm und nickten nur, als er seine Rede beendet hatte. Nach einer kurzen Pause fuhr er jedoch fort, nun jedoch nicht mehr hektisch und undeutlich, sondern langsam und mit sorgfältiger Betonung. "Forgoil...Barada...Nikto"
Als ob sie darauf gewartet hätte, setzte sich die Gruppe in Bewegung und verschwand in der Weite Dunlands, Forgoil blieb jedoch und blickte ihnen traurig hinterher.
Kaum war die Gruppe außerhalb seiner Sichtweite, drehte er sich um und wandte sich an Aiwyn: "Es ist aus! Für dich gibt es hier nichts mehr zu tun! Ich allein in jetzt noch in der Lage den Schaden zu begrenzen!"
Auf den verwirrten Blick Aiwyns fuhr er fort: "Die Unbeteiligten sind geflohen, die Situation eindeutig. Dieser Kampf führt nur zur endgültigen Auslöschung meines Stammes. Wenn ich mich stelle kann ich zumindest einige retten."
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Rückzug!
« Antwort #7 am: 21. Feb 2011, 23:34 »
"Nein!"

"Es muss sein. Daran kann keiner von uns etwas ändern. Das einzige was du noch tun kannst ist zu fliehen! Im Süden von uns liegen die Ställe, je schneller du von hier verschwindest, desto besser."
-"Ich fliehe nicht...noch nicht! Ich kann es einfach nicht, nicht bevor ich sie gefunden habe!"
"Es ist keine Zeit für diesen Ehrenkram!"
-"Es geht hier nicht um die Ehre!"
"Worum denn sonst? Irgendwelche mo..."
-"NEIN! Es geht um...um...chrm du bist unmöglich! Du wei...
"Sie sind hier! SIE SIND HIER! WIR HABEN SIE!"
Sofort rannte die Gruppe Dunländer auf sie zu und verwickelte sie in einen wilden Kampf. Durch die Begrenzungen der Plattfom schafften sie es zwar nur gegen möglichst wenige Gegner auf einmal kämpfen zu müssen, doch trotzdem war die Übermacht überwaltigend. Doch gerade als die Lage endgültig ins Aussichtslose zu gehen schien, übertönte ein ohrenbetäubender Schrei das Klirren ihrer Schwerter und ein Mann sprang von der Plattform direkt in die Gruppe der Dunländer, die vollkommen überrascht nur nach oben blickte und mit voller Wucht getroffen - und zu Boden gerissen - wurde. Schnell waren die Getroffenen ausgeschaltet und Forgoil und Aiwyn konnten endlich riskieren in die Offensive zu gehen, sodass sie die übrigen Dunländer relativ schnell besiegen konnten.

"Nun seid Ihr wieder zusammen, nun geht!", flehte Forgoil schon beinahe, "es werden mehr kommen."
"Lass uns gehen", sagte Bogan leise zu ihr, "Für uns gibt es hier nichts mehr zu tun."
"Was?", fragte sie schockiert, machte sich jedoch trotzdem bereit zu den Ställen zu gehen. Kaum hatte sie sich jedoch von Forgoil verabschiedet und war die ersten Schritte gegangen, blieb sie jedoch noch einmal stehen.
"Du weißt, was er tun wird?", fragte sie Bogan.
"Ich kann es mir denken", antwortete er düster und beide gingen ein paar Schritte weiter, bevor Aiwyn jedoch abermals anhielt.
"Wo ist Barlae?"
-"Ich dachte sie wäre schon zu dir gegangen."
"Ich dachte, sie wäre noch immer bei dir."
-"Nein. Kaum hatte  die Schlacht begonnen war sie auf das Podest gestürmt um zu dir zu gelangen. Nachdem ich diesen Verrückten niederschlagen konnte, war sie plötzlich verschwunden, ich war mir sicher, sie wäre mit dir gesprungen."

Ein kaltes, lautes Lachen, welches das Schlachtfeld für einen Moment verstummen ließ, überflutete die Umgebung. Voller Schrecken hörte sie den Vermummten sagen: "Vermisst Ihr nicht etwas?"
Schlagartig hatten Aiwyn und Bogan sich umgedreht und sahen, wie der Vermummte am Rande der Plattform stand, umgeben von einer Reihe muskulöser Dunländer und mit Barlae in seinem festen Griff. Sofort war Aiwyn wieder zurückgerannt und stieß von Hass erfüllt aus: "Lass! Sie! Frei!" Doch erneut lachte der Mann nur: "Sonst was? Ich habe hunderte Männer unter mir und Eure Anhänger schwinden dahin. Ihr seid genau in meine Falle gelaufen, riskiert Euer Leben nur um sie retten zu können. Doch lasst Euch gleich gesagt sein: Ihr werdet beide sterben! Dabei währet Ihr beinahe mit dem einzigen mir gefährlichem Relikt entkommen und nun kehrt Ihr für ein einfaches Kind zu mir zurück...ein Kind, dessen Tod Ihr Euch ansehen werdet, bevor Ihr selbst qualvoll verenden werdet! Was hätte Ihr lieber als Geschenk eurer treuen Freundin? Kopf? Oder doch lieber Rumpf?" Er gestikulierte mit seinem Schwert und zeigte auf mehrere Glieder Barlaes, bis ein weiterer wütender Schrei den wiederaufgeflammten Kampfesläm übertönte. Ehe irgendwer reagieren konnte, waren zwei der Wächter hinuntergestürzt und der Vermummte lag flach auf dem Boden, während seine übrigen Wächter sich um den Angreifer stellten und ihn irgendwie ausschalten wollte. Von unbändiger Wut angetrieben, stieß er jedoch einen nach dem anderen zur Seite, trat den Vermummten von Barlae weg und schaffte ihr genug Platz, sodass auch sie springen konnte. Kaum hatte ie die Plattform verlassen, blickte der Verteidiger einmal nach unten und winkte ihnen zu, bevor er sein wohl letztes Gefecht fortführte.

"Gamling...", seufzte sie, als sie sich schweren Herzens von dem dem Tode geweihten Rohirrim entfernte. Sie hatten schon einiges an Distanz zurückgelegt, nur noch der Wind ließ die klirrenden Schwerter erklingen, bevor sie erneut die kalte Stimme hörten: "Tötet sie alle!"
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Die Flucht
« Antwort #8 am: 23. Feb 2011, 17:18 »
Stille.

Für einen Moment schien die Welt still zu stehen, bevor ein einzelner, schrill-dumpfer Aufprall das Gebiet erfüllte und sie schlagartig wieder in Bewegung setzte. Erschrocken drehte sich Aiwyn um und blickte auf Bogan, der ebenfalls überrascht und erschrocken umherblickte und Barlae, die mit weit aufgerissenen Augen regungslos geradeausstarrte.
Einen kurzen Moment versuchte Aiwyn weiter zu gehen, doch kaum war sie ihren ersten Schritt gegangen, hörte sie hinter sich ein leises Röcheln und einen weiteren dumpfen Aufprall.

Erneut Stille.

Für einen Augenblick stand die Welt erneut still, bevor sie verstand, was geschehen sein musste. Als sie sich umdrehte wurden ihre Befürchtungen bestätigt: Barlae lag bäuchlingst auf dem Boden, getroffen von einem schwarzem Pfeil Dunlands in Brusthöhe. Sofort war sie zu ihr gerannt und hatte versucht den Pfeil zu entfernen, doch kaum hatte sie Hand angelegt, flog ein weiterer in ihre Richtung, der sie nur knapp verfehlte. Ungeachtet der Gefahr versuchte sie es erneut, doch durch ihre wässrigen Augen und mit ihren zitternden Händen schaffte sie es erst einen vernünftigen Griff zu bekommen, als ein weiterer Pfeil knapp neben ihr gelandet war und sie erneut dazu brachte instinktiv loszulassen.
Gerade als sie einen weiteren Versuch starten wollte, hatte Bogan seine Hand behutsam auf ihre Schulter gelegt. "Es ist Zeit zu gehen", sagte er schwerfälig.

Längere Stille.

"Und sie hier liegen lassen!?", schrie sie ihn an, "Das ist unmöglich!"
Anstelle zu antworten, ging er an ihr vorbei und hob Barlae leichtfertig hoch und drehte sich wieder um. "Wir müssen irgendwie zu den Ställen geangen, dort haben wir erstmal Sicherheit und sollten auch Wasser finden um die Wunde reinigen zu können!"



Sie erreichten die Ställe in einem zügigem Laufschritt und versuchten erneut den Pfeil zu entfernen. Nachdem sie ihn herausgezogen hatten und die Wunde mit frischem Wasser gesäubert hatten, verbanden sie die Wunde fest mit Stofflaken und Pferdegeschirr (Bogan trug stabiles Lederwerk und Aiwyns Elbenkleid hatte sich trotz mehrerer Versuche geweigert zu reißen).
Während Aiwyn die letzten beiden Pferde der gewaltigen Anlage zur Abreise einzäumte, untersuchte Bogan den Pfeil noch einmal genauer, schrie dann jedoch plötzlich aus, entfernte den Verband, starrte geschockt auf die Wunde und flutete sie nahezu mit dem Wasser, bevor er den Verband erneut anlegte.

"Was ist?", fragte sie Bogan erschrocken, der schwach antwortete: "Irgendetwas lag auf diesem Pfeil. Es sieht mir stark nach Gift aus."
"Gift?"
Sie ergriff den Pfeil und erkannte nun sofort, wie das dünne Blut von der Pfeilspitze nahezu herunterfloss, irgendetwas verhinderte, dass es mit ihr in Verbindung kam. Irgendetwas wurde tatsächlich bei diesem Pfeil verändert. Irgendetwas, was sie noch gut aus dem Osten kannte.
"Die menschliche Heilkunst hilft un hier nicht mehr. Ich kenne nur einen Ort, der Ihr noch helfen kann!"


Aiwyn, Barlae und Bogan nach: Grenze Lóriens
« Letzte Änderung: 11. Feb 2016, 14:32 von Fine »
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Wisser

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Re:Dunland
« Antwort #9 am: 21. Nov 2011, 20:15 »
Mîmes Start:

Kalt pfiff der Wind über die Erde, wühlte im klammen Grau, es unruhig vor sich her treibend und entzog die Welt dem Blick des Wanderers, ein dunkler Schatten im wogenden Schwadenmeer. Gelegentlich klirrte Stahl."Es hat keinen Sinn, weiterzugehen". Grane knurrte. Mîme warf sein Gepäck auf den Boden und setzte sich fluchend daneben. "Ich hasse den Nebel".

Einige Stunden später, in denen der Zwerg sich endlossen Hasstiraden zum Thema Nebel hingab, begann der Geschmähte sich zu lüften, einzelne Sonnenstrahlen fanden den Weg zu Boden und hier und da linste sogar der Himmel durch das Grau. Mîme hob den Kopf, das Licht der Sonne fing sich in seinen Augen, glühte in Ihnen. Die Wärme bildete einen angenehmen Kontrast zur feuchtkalten, tristen Öde der letzten Tage, der er sich mit heldenhafter Gelassenheit ausgesetzt hatte, die seinen Frustpegel in astronomische Höhen hatte schiessen lassen. "Ein Bier. Ein Bier. Den Arkenstein für einen Krug Bier", murmelte er gespielt theatralisch als er sich sein Gepäck wieder auf den Rücken schnallte, sich kurz orientierte und seinen Weg fortsetzte. Grane folgte seinem Weg, freudig bellend, befand sich mal vor mal hinter ihm, tauchter hinter einem Hügelkamm ab um alsbald mit flatternden Ohren auf den Zwerg zuzustürmen. Der Wolf genoss die Wärme und das flache Gelände. In der Ferne sah Mîme einige baufällige Hütten, die sich um einen großen Findling herum drängten. Der Wind wehte über das Dorf in seine Richtung und trug einen erbärmlichen Gestank zu ihm. "Verlauste Wilde". Mîme schüttelte den Kopf und beschleunigte seine Schritte. In vier Tagen wollte er die große Straße erreichen und dann nach zwei weiteren Tagesmärschen nach Süden schwenken.  Der Sonne hinterher... Sein entstelltes Gesicht verzog sich zur Grimasse, das Lächeln des Schmieds.
 

Mîme zur Nord-Süd Straße
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 09:50 von Fine »

Im übrigen bin ich der Ansicht, Karthago müsse zerstört werden.
Tröller!! XD

[spoiler2=DEIN TEXT]SPOILERINHALT[/spoiler2]

Das Leben präsentiert unsl drei Möglichkeiten:

1. Gut sein
2. Gut werden
3. Aufgeben und Aussteigen

Ich bin für einen Adult-Bereich in der MU...mit Scotch und Zigarren xD

Azaril

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Re: Dunland
« Antwort #10 am: 15. Mär 2016, 20:49 »
Aldoc aus den Kerkern in Dunland

Freiheit! Frische Luft! Der weite Himmel, dunkel in der Nacht, aber voller leuchtender Sterne, begleitet vom silbernen Mond!
Aldoc nahm einen tiefen, genießerischen Atemzug, nachdem er aus dem Gebäude getreten war, unter welchem der Keller lag. Er wusste, dass er sich noch lange nicht in Sicherheit befand, dass jeden Moment seine Flucht offenbar werden musste und zahlreiche Menschen mit der Suche nach ihm beginnen würden, aber dennoch konnte er nicht umhin, sich diese paar Sekunden zu nehmen und seinen allerersten Atemzug im Freien seit viel zu langer Zeit in vollen Zügen zu genießen. Wer hätte jemals gedacht, dass einfaches Ein- und Ausatmen so wundervoll sein konnte?
Nach dieser kurzen Pause setzte er sich eiligst wieder in Bewegung. Wie es aussah, befand er sich in einem ziemlich großen Dorf, vielleicht sogar einer kleinen Stadt. Die meisten Gebäude waren schlichte einstöckige, höchstens zweistöckige Häuser aus Holz mit primitiven Strohdächern. Mehr durfte man von einer Kultur wie der der Dunländer wohl nicht erwarten. Aldoc schlich sich vorsichtig durch einige wirre, ungeordnete Gassen, wobei er darauf achtete, sich dicht an den Hauswänden zu halten, in den Schatten, wo ihn die Augen der Menschen nur schwer erspähen konnten.
Sein Weg führte ihn auf einem verschlungenen Kurs dem Rande der Kleinstadt entgegen, während er hinter sich bereits die wütenden Rufe der Verfolger hörte. So etwas wie Alarmglocken schien es hier nicht zu geben, aber es würde dennoch nicht lange dauern, bis jeder einzelne Dunländer im gesamten Dorf wusste, dass einer der Gefangenen entkommen war. Aldoc hatte nur einen einzigen Vorteil: Seine leisen Hobbitfüße. Er musste sie auf kluge Weise nutzen, wenn er entkommen wollte.
In der nächsten Stunde war er mehrmals gezwungen, einen anderen Weg einzuschlagen, weil vor ihm einige Dunländer auftauchten, und musste sich einige Male in schmalen Hauseingängen oder hinter herumstehenden Kissen und Fässern verstecken. Es war eine nervenaufreibende, riskante Jagd, doch es gelang ihm, unbemerkt zu bleiben und sich schließlich in südlicher Richtung aus der kleinen Stadt zu schleichen. Zwar sah er in der Ferne noch einige Gruppen von Dunländern, doch sie waren hell erleuchtet durch die Fackeln, die sie bei sich trugen, sodass es ihm ein Leichtes sein sollte, ihnen auszuweichen.
So gelang Aldoc Tuk von Tuckbergen nach seinem ungeplanten Kerkeraufenthalt endlich die Flucht vor den Dunländern, auf dass er seine Reise nach Aldburg fortsetzen konnte.
Aldburg... ja, das war der Plan gewesen, vor dem Kerker. Aber wie sah es nun aus? Er mochte einige Wochen in einer Zelle unter der Erde verbracht haben, aber das galt nicht für den Rest der Welt. Die Zeit stand nicht still. Nach den Informationen, die er in Bruchtal erhalten hatte, hatten sich die Heere der freien Völker in Aldburg versammelt, doch das mochte sich inzwischen wieder geändert haben. Sinn und Zweck seiner ganzen Reise war es, Verbündete zu finden, die ihm und den anderen Tuks dabei halfen, das Auenland zu befreien. Aber wenn er nun in Aldburg niemanden mehr vorfand, den er um Hilfe bitten konnte? Er musste wissen, wie sich der Krieg während seiner Zeit in der Gefangenschaft der Dunländer entwickelt hatte.
Es gab zwei Möglichkeiten. Entweder wandte er sich nach Süden und setzte seine Reise nach Rohan fort, um im Land der Pferdeherren die Antworten auf seine Fragen zu erhalten. Oder er begab sich nach Norden, um genau zu sein nach Tharbad, wo er die Antworten vermutlich ebenfalls erhalten könnte. Hier in Dunland konnte er jedenfalls nicht bleiben.
Rohan schien auf den ersten Blick die bessere Wahl zu sein, immerhin bestand eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass er dort noch immer Hilfe finden konnte, selbst wenn die Anführer jener, die noch Widerstand leisteten, nicht mehr in Aldburg weilten. Wenn er Glück hatte, befanden sie sich sogar noch genau dort. Dennoch zögerte er, sich zur Pforte von Rohan aufzumachen.
Würden ihn die Dunländer nicht gerade dort vermuten? Im Süden? Er wusste nicht, wie hartnäckig sie waren und ob ihnen ein einzelner Gefangener eine lange Jagd wert war, aber wen sie in den nächsten Tagen nicht aufgaben, sondern weiter nach ihm suchten, würden sie vermutlich an der Grenze zu Rohan nach ihm Ausschau halten.
Tharbad dagegen... wer würde schon vermuten, dass er sich gerade dorthin begab, wo sie ihn als Gefangenen hatten hinbringen wollen? Vielleicht sollte er tatsächlich erst einmal dorthin gehen, sich ein wenig umhören, und dann vielleicht auf einem anderen Wege nach Rohan weiterziehen, oder einfach darauf warten, bis die Dunländer sich beruhigt hatten, und es dann noch einmal auf der direkten Route versuchen.
Ja, das schien ihm ein guter Plan zu sein. Tharbad also.
Aldoc atmete noch einmal tief durch und wandte sich dann gen Norden.

Aldoc nach Tharbad
« Letzte Änderung: 17. Mär 2016, 18:26 von Azaril »

Ich kenne die Hälfte von euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich mag weniger als die Hälfte von euch auch nur halb so gern, wie ihr es verdient.
- Bilbo Beutlin -

1. Char Aldoc befindet sich in Bree

Eandril

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Re: Dunland
« Antwort #11 am: 12. Sep 2016, 16:04 »
Oronêl und Orophin aus dem Tal des Sirannon...

Von ihren scharfen Elbenohren geführt war es den beiden ein leichtes, die Menschengruppe ungesehen hinter dem Hügelkamm zu verfolgen, denn diese Dunländer waren noch lauter als andere Menschen. Vermutlich, weil dieses Land ihnen gehörte, und sie nicht fürchteten dass jemand es ihnen streitig machen würde - zumindest nicht, solange sie Saruman dienten. Nach einiger Zeit wurden die Dunländer langsamer, und Oronêl entdeckte einige dünne Rauchfahnen, die im Westen aufstiegen. Erneut erklommen die beiden Elben die Hügelkuppe, und sahen unter sich ein Dorf, fast schon eine kleine Stadt, dass sich nördlich der Hügelkette ausbreitete.
Die Siedlung war kaum mit Städten wie Dol Amroth oder sogar Aldburg vergleichbar, denn zum einen besaß sie keine Stadtmauer oder andere Befestigungsanlagen, zum anderen waren die Häuser fast alles eher Hütten mit schlichten Strohdächern die höchstens ein oder zwei Stockwerke aufwiesen. Lediglich im Nordwesten des Dorfes stand ein größeres Haus, dass anscheinend aus den Ruinen irgendeines älteren Steinhauses errichtet worden war. Hinter dem großen Haus befand sich eine ringförmiger Zaun, dessen innere Fläche mit Sand bedeckt war.
"Eine Kampfarena.", meinte Oronêl und verzog angewidert das Gesicht. "Diese Menschen sind wirklich kaum besser als Orks."
Orophin nickte zustimmend, hatte seinen Blick allerdings eher auf das große Haus gerichtet. "Das wird das Haus des Häuptlings, oder wie immer sie ihren Anführer nennen, sein. Dort werden wahrscheinlich auch die Gefangenen festgehalten." Oronêl wandte den Blick von dem Kampfplatz ab und betrachtete das Haus.
"Jedenfalls wird es besser bewacht als der Rest des Dorfes. Ich denke auch, dass wir dort einen Blick hineinwerfen sollten." Er ließ den Blick über das Dorf schwenken, und versuchte sich die Positionen der Wachen einzuprägen. Die Straße führte am Südrand des Dorfes vorbei in weiter in Richtung Tharbad, und dort stand an jeder Gasse durch die man zum freien Platz im Nordwesten des Dorfes kam, ein Wächter. An jenem Platz lag das große Haus, vor dem zwei weitere Wächter standen, und noch zwei auf dem Balkon oberhalb der Tür.
"Wir sollten das Dorf umrunden und uns von Norden nähern, denn dort..." Oronêl unterbrach sich, denn er hatte hinter sich ein Geräusch gehört. Orophin schien es ebenfalls gehört zu haben, denn beide fuhren gleichzeitig herum und sahen sich zwei mit Speer und Schild bewaffneten Dunländern gegenüber, die sie nun in ihrer eigenen Sprache anredeten. Während die Elben das Dorf beobachtet hatten, waren sie von einer Patrouille entdeckt worden.

Oronêl hob ob der drohend vorgestreckten Speere beide Hände, mit den Handflächen als Zeichen des Friedens zu den Menschen gewandt. "Wir verstehen eure Sprache leider nicht.", erwiderte er in der Gemeinsprache. "Werft eure Waffen auf den Boden und lasst euch fesseln, dann geschieht euch nichts.", wiederholte einer der Dunländer, der einen Wolfskopf als Helmschmuck trug, ebenfalls in der Gemeinsprache, seinen Befehl. Oronêl senkte langsam die Hände, und sah aus dem Augenwinkel, dass Orophin das gleiche Tat. Als Reaktion nahmen beide Dunländer Kampfhaltung ein, die Schilde erhoben und die Speere den Elben entgegen gestreckt. "Die Waffen weg. Sofort!", befahl der Dunländer in scharfem Ton.
Oronêl lächelte, obwohl er im Inneren maßlos wütend über sich selbst war. Er hatte sich von zwei übelriechenden Menschen überraschen lassen wie ein Kind - und das nach Dol Amroth bereits das zweite Mal! Dann riss er mit einer blitzschnellen Bewegung seinen Dolch aus der Scheide, drehte sich am Speerstoß seines überraschten Gegners vorbei direkt vor den Mann und rammte ihm ohne Zögern den Dolch aus nächster Nähe in die Kehle. Das ganze hatte lediglich zwei Herzschläge gedauert, und den Bruchteil einer Sekunde später sank auch Orophins Gegner tot in das lange Gras.
Orophin fasste sich an den linken Arm, wo Blut unter seinen Fingern hervorquoll und verzog das Gesicht. "Er hat mich mit dem Speer am Arm erwischt. Du hättest mir wirklich vorher ein Zeichen geben können. Außerdem bin ich mit dem Bogen viel besser als im Nahkampf."
"Tut mir Leid." Oronêl stieß seinen Dolch in den Boden um ihm vom Blut des Dunländers zu säubern und steckte ihn zurück in die Scheide. "Ist die Wunde tief?"
Orophin schüttelte den Kopf. "Nur ein Kratzer, er hat nicht richtig getroffen. Aber wenn wir in das Dorf wollen sollten wir es sofort machen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die beiden vermisst und ihre Leichen entdeckt werden, und dann ist das ganze Dorf gewarnt."
Oronêl rückte seine Waffen zurecht, und dachte daran, wie hilfreich Mathan und Halarîn bei ihrem Vorhaben gewesen wären. Aber es war richtig gewesen, die beiden nach Norden gehen zu lassen. "Also los, suchen wir Amrothos." Und den Ring fügte er in Gedanken hinzu, obwohl er insgeheim befürchtete dass der Ring Saruman bereits in die Hände gefallen war, wenn Amrothos tatsächlich gefangen sein sollte.

Weniger als eine Stunde später schlich Oronêl vorsichtig über die Dächer der Siedlung. Sie hatten einen Bogen um das Dorf herum gemacht, zunächst auf der anderen Seite der Hügel und dann im Westen hinter einem kleinen Buchenwäldchen in dem einige halbwilde Schweine gehalten wurden. Dort war Orophin zurückgeblieben um im Notfall eingreifen zu können, und Oronêl hatte sich an die Häuser angeschlichen und war auf das Dach der äußersten Hütte geklettert. Von hier oben hatte er einen guten Überblick, und war außerhalb des Blickfelds der Menschen, die unten in den engen Gassen ihren Geschäften nachgingen.
Er sprang vorsichtig von Dach zu Dach, wobei ihm die geringe Entfernung der Hütten voneinander sehr zupass kam, und näherte sich nun dem großen Haus, dass alle anderen Gebäude überragte. Zum Glück konnte er von einer nahen Hütte mit einem Sprung den Balkon an der Westseite des Hauses erreichen, obwohl dies lauter von statten ging als er gehofft hatte. Doch die Wächter an der Frontseite unterhielten sich lautstark miteinander, und die Gasse unter ihm war menschenleer. Für einen Moment hielt Oronêl auf dem rauen Holz inne und lauschte. Niemand gab Alarm, und die Wächter setzten ihr Gespräch ungestört fort. Aus den Fetzen, die er verstehen konnte schloss Oronêl, dass ein paar Tage zuvor ein Gefangener aus dem Kerker des Hauses entkommen war - und zwar ein Halbling, wenn er richtig gehört hatte. Oronêl wunderte sich, denn was tat ein Halbling so weit im Süden? Er hatte zwar zwei von ihnen in Aldburg gesehen, doch von denen konnte es keiner sein.
Anstatt über den entkommenen Halbling nachzugrübeln, schlüpfte Oronêl nun durch das schmale Fenster über ihm. In weiser Voraussicht hatte er seine Waffen bis auf den kurzen Dolch bei Orophin gelassen, denn sie hätten ihm bei seinem Vorhaben nichts genützt und ihn eher behindert. Er fand sich in einem dunklen, stickigen Zimmer direkt unter dem strohgedeckten Dach wieder, dass offenbar irgendwelchen Dienern als Schlafkammer diente. An den Wänden des Raumes standen drei Betten, unter denen die Bewohner ihre wenigen Habseligkeiten verstaut hatten. Die Tür stand halb offen, also huschte der Elb leise durch das Zimmer, presste sich an die Wand neben der Tür und spähte hindurch in einen ebenso spärlich erleuchteten Flur. Von dem Flur gingen zwei Türen nach Süden und Westen ab. Im Süden lag vermutlich ein zweites Zimmer, im die Tür im Westen musste auf den Balkon hinausführen, denn dahinter hörte Oronêl die rauen Stimmen der Wachen. Gegenüber der Balkontür führte eine Treppe in ein tieferes Stockwerk hinab, aus dem leise Geräusche an Oronêls Ohr drangen.
Da niemand zu sehen oder zu hören war, der ihn bemerkten konnte, verließ Oronêl das Zimmer und schlich vorsichtig die Treppe hinunter, wobei er vorsichtig um die Ecke in den unteren Flur blickte. Dieser war ebenso dunkel und fensterlos wie der aus dem er kam, und besaß ebenso drei Türen. Unter der Tür die der Treppe direkt gegenüber lag drangen Licht, Stimmen und Geräusche eines Essens hervor. Oronêl erinnerte sich, dass der Balkon auf der obersten Ebene nicht frei in der Luft hing, sondern über einem weiteren Teil des Hauses lag. Da auch hier niemand zu sehen war, setzte er seinen Weg  zunächst ins Erdgeschoss fort, dessen Durchquerung sich etwas riskanter gestaltete.
Auch hier lag auf der anderen Seite des Flurs eine Tür, die allerdings deutlich größer war als die anderen und auf den Vorplatz des Hauses hinausführte. Diese Tür stand weit offen und das durch sie fallenden Licht erhellte den Flur und blendete Oronêl. Auch wenn er außerhalb des Hauses nicht viel erkennen konnte, wusste er doch dass vor der Tür zwei Männer Wache standen. Er hoffte allerdings, dass sie beide den Platz im Auge behielten, und durchquerte den Flur so schnell und leise wie möglich.
Dennoch wäre er beinahe entdeckt worden, denn gerade in dem Moment als er die weiter nach unten führende Treppe betreten hatte, öffnete sich die Tür am rechten Ende des Ganges und ein Mann der eine mit gebratenem Fleisch beladene Platte trug, kam heraus und stieg die Treppe nach oben. Währenddessen huschte Oronêl die andere Treppe hinab, an deren Ende eine solide Holztür unter der flackerndes Licht hervordrang ihm den Weg versperrte.

Oronêl in die Kerker von Dunland...
« Letzte Änderung: 9. Feb 2021, 11:45 von Fine »

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Eandril

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Re: Dunland
« Antwort #12 am: 15. Sep 2016, 15:38 »
Oronêl, Gamling, Amrothos und Forath aus den Kerkern...

Als Forath und die Gefangenen das Haus des Häuptlings verließen war es Nacht. Der Himmel war sternenklar, und Oronêl fühlte sich sofort besser, als er die frische, wenn auch etwas nach Rauch riechende, Luft einatmete. Allerdings wunderte er sich ein wenig über den Zeitpunkt des Kampfes, denn von Bóran hätte er eher erwartet, den Kampf in der Mittagssonne, von der die Gefangenen geblendet werden würden, abzuhalten.
Forath und seine Männer führten die Gefangenen um das große Haus herum auf die Nordseite, wo sich bereits eine große Menge um den Zaun, der die Kampfarena markierte, versammelt hatte. Bevor sie die Arena erreichten warf Oronêl einen Blick über die Schulter auf das Dach des Hauses, wo Orophin mit seinem Bogen auf der Lauer liegen und im Notfall eingreifen sollte. Er konnte allerdings keine Spur seines Gefährten entdecken.
Als die bei der Arne angelangt waren, sah Oronêl sich zum zweiten Mal während seiner Gefangenschaft dem Häuptling Bóran gegenüber. Dieses Mal sah Bóran jedoch deutlich weniger selbstbewusst als zuvor aus, und wirkte geradezu nervös - was vermutlich mit diesem Angbaug, den Forath erwähnt hatte, zusammenhing.
"So.", sagte Bóran. "Die Zeit eures Urteils ist gekommen. In der Arena liegen eure Waffen - zwei Äxte und euer Dolch. Damit könnt ihr sicherlich am besten umgehen." Der Häuptling grinste selbstzufrieden, aber auch über dieser Geste lag ein gewisser Schatten der Angst. Oronêl erwiderte nichts, und so wandte Bóran sich direkt an Forath: "Na, mach sie los und dann in die Arena mit diesem Pack. Wir sehen uns, wenn sie tot sind, ha!" Er marschierte mit schweren Schritten davon, und Forath durchschnitt die Fesseln der Gefangenen.
"Viel Glück.", raunte er Oronêl so leise zu, dass niemand sonst es hörte, und stieß ihn dann unsanft durch das geöffnete Gatter in die Arena, und Amrothos und Gamling hinter ihm. Obwohl der Stoß nicht hart gewesen war, taumelte Oronêl ein wenig als ob der das Gleichgewicht verloren hätte, und ließ sich dann auf ein Knie fallen. Amrothos und Gamling schwankten beide ein wenig, blieben aber stehen. Zum Glück war Amrothos im Augenblick bei klarem Verstand. Zwar war Oronêl klar dass weder er noch Gamling eine Hilfe im Kampf sein würden, doch ein Amrothos der dem Wahnsinn verfallen war, wäre für ihn deutlich schwerer zu beschützen.
Während er noch auf einem Knie verharrte, warf Oronêl einen raschen Blick durch die Arena. Der mit Sand bestreute Platz war etwa kreisförmig, von einem Holzzaun umgeben und wurde von Fackeln, die an hohen Pfählen rings um die Arena hingen, mit flackerndem Licht erhellt. Ihm direkt gegenüber auf der anderen Seite der Arena befand sich ein zweites Tor, an dem er Bóran mit vier schwer gerüsteten Männern stehen sah. Oronêl erhob sich und packte die kurze Axt die vor ihm lag. Gamling nahm die andere, wog sie kurz in der Hand und sagte dann leise: "Ich werde keine Hilfe sein, aber ich freue mich, dass ich wenigstens kämpfend sterben kann." Ebenso leise gab Oronêl zurück: "Wenn hier jemand stirbt, dann die." Er deutete mit der Axt auf die vier Männer, die gerade auf der anderen Seite in die Arena traten. Zwei waren mit Schild und Speer gerüstet und nahmen die beiden anderen, von denen einer eine mächtige, zweihändig geführte Axt schwang und der andere eine stachelbesetzte Keule über die Schulter gelegt hatte, in die Mitte.
Neben Oronêl nahm Amrothos den elbischen Dolch auf. Oronêl stellte besorgt fest, dass  Amrothos' Hände zitterten und seine Augen einen ungesunden Glanz hatten. Wahrscheinlich machte die Nähe des Rings, den Bóran irgendwo versteckt trug, zu schaffen. Nachdem beide Tore geschlossen worden waren, rief Bóran laut: "Dunländer! Heute kämpfen diese Gefangenen gegen unsere besten Krieger um ihre Freiheit."
Er warf einen nervösen Blick über die Schulter, wo Oronêl im Halbschatten einen großen Mann mit kurzgeschorenen Haaren und dem Zeichen der Weißen Hand auf seinem Brustpanzer stehen sah. Bóran wandte sich wieder der Arena zu und hob die Hand, die, wie Oronêl zu erkennen glaubte, leicht zitterte. "Mögen die Götter entscheiden!"
Er ließ die Hand sinken, und der Kampf begann.



Oronêl wusste genau, dass seine Gegner sich zuerst auf Amrothos und Gamling stürzen würden. Sie wussten ebenso gut wie er dass die beiden nicht in der Lage sein würden sich lange zu wehren, und so würden sie Oronêl dazu zwingen zwei Leute gleichzeitig zu verteidigen. Dazu war er nicht in der Lage, nicht gegen eine vierfache Übermacht.
Also musste er etwas tun, was seine Gegner nicht erwarteten: Er ging in die Offensive, und rannte direkt auf die Dunländer zu.
Die beiden Speerkämpfer hoben ihre Schilde und streckten die Speere vor, der Mann mit der großen Axt grinste und stellte sich breitbeinig in Kampfpositur, und der vierte Kämpfe bliebt einfach stehen, die Keule weiter lässig auf die Schulter gelegt. Offenbar rechnete er damit, dass seine Gefährten kurzen Prozess mit dem Elben, der direkt auf ihre Speerspitzen zugerannt kam, machen würden. Direkt vor den zustoßenden Speeren ließ Oronêl sich fallen, rollte sich ab und kam zwischen dem rechten Speerträger und dem Axtkämpfer wieder auf die Füße. Hinter sich hörte er die Speere in den Sand stoßen, wo er gerade noch gewesen war, und neben ihm stieß der Axtkämpfer, bei dem es sich vermutlich um Bórans Sohn handelte, einen kurzen Fluch aus.
Oronêl verharrte nicht und gestattete sich nicht zu denken, denn gegen vier Gegner hatte er nur den Hauch einer Chance, wenn er schneller und ihnen immer mindestens einen Schritt voraus war. Der trat dem Axtträger mit dem linken Fuß so stark wie möglich von hinten gegen den Knöchel und hieb dem Speerträger rechts von ihm den Axtstiel gegen die Schläfe, weil kein Platz zum Ausholen für einen Axthieb war. Zum Glück trug der Speerträger keinen Helm, und so taumelte er nach dem Treffer benommen zur Seite.
Inzwischen hatte der Kämpfer mit der Keule diese von der Schulter genommen und kam mit erhobener Waffe auf Oronêl zugestürmt. Dadurch deckte er allerdings seine untere Köperhälfte nicht, Oronêl wirbelte herum und schlug zu.
Sein Schlag zerschmetterte das Knie des Dunländers, dieser mit einem Schrei zu Boden und Oronêl machte seinem Leben mit einem Hieb gegen den Hals ein Ende.
Einer erledigt, bleiben noch zwei....
Er hatte allerdings keine Zeit zum aufatmen, denn nun kam der andere Speerträger auf ihn zu, und im gleichen Moment spürte er, wie hinter ihm die schwere Axt des Häuptlingssohnes zu Boden fuhr und ihn nur um Haaresbreite verfehlte.
Oronêl wich dem Speerstoß seines anderen Kontrahenten aus und schlug zu. Allerdings gelang des dem Speerträger, die Axt mit dem hölzernen Schild abzufangen, und zu Oronêls Pech blieb die Klinge im Schild stecken. Mit einem kräftigen Ruck zog der Krieger Oronêl an sich heran, und der Elb konnte das Grinsen auf seinem pockennarbigen Gesicht erkennen. Er fuhr mit der linken Hand an seinen Gürtel und wollte den Dolch ziehen, doch diesen hatte ja Amrothos. Auf der anderen Seite ließ sein Gegner seinen Speer fallen, der ihm nun nichts mehr nützte und zog das kurze Schwert, dass er an der Seite trug. Hinter sich hörte Oronêl, wie der Axtkämpfer heran kam, und die Axt zum Schlag hob.
Er hatte nur eine Möglichkeit: Die Axt und damit seine eigene Waffe loszulassen. Er ließ die Axt los, der Speerträger taumelte überrascht einen halben Schritt zurück da Oronêl nicht länger an der Waffe zog, und der Elb machte eine Drehung nach links. Er spürte, wie ihm das Schwert seines Gegners die rechte Wange aufschnitt, doch er konnte sich von dem Schmerz jetzt nicht ablenken lassen.
Er drehte sich um den Speerträger (der nun eher ein Schwertkämpfer war) herum, packte den überraschten Mann von hinten und stieß ihn dem Häuptlingssohn, der gerade seine schwere Zweihandaxt über den Kopf erhoben hatte und nun zuschlug, entgegen.
Auch wenn ein solcher Überkopfschlag mit einer derart schweren Waffe ein Hieb mit schrecklicher Kraft war, den kaum jemand abwehren konnte, hatte er doch einen Nachteil: Es war für den zuschlagenden kaum möglich, ihn noch zu stoppen. Zu Oronêls Vorteil gelang Bórans Sohn dieses Kunststück nicht, und die Axt grub sich knirschend tief in die Brust seines eigentlichen Verbündeten, und eine Blutfontäne schoß direkt in sein Gesicht.
Oronêl hatte währenddessen einen Schritt zurück gemacht, sah sich nun jedoch unbewaffnet dem Häuptlingssohn, der mit einem Ruck seine Axt aus dem Körper des gefallenen befreit hatte, gegenüber. "Du...", knurrte Bórans Sohn. Gesicht, Hals und Haare waren blutverschmiert. Er machte einen Schritt über die Leiche hinweg auf den unbewaffneten Oronêl zu, der seinerseits einen Schritt zurückmachte.
"Ich werde dich töten!" In Gedanken war Oronêl geneigt, ihm zuzustimmen. Hätte er noch eine Waffe gehabt, hätte er sich durchaus Chancen ausgerechnet, doch zwischen ihm und seiner Axt, die zudem noch immer im Schild des unglücklichen Speerträgers feststeckte, stand der wütende, blutverschmierte Häuptlingssohn und schwang drohend die Axt.
Da hörte er, wie jemand von der anderen Seite seinen Namen rief. Über die Schulter seines Gegners sah er, wie Amrothos auf dem Boden kauerte und offenbar vor sich hin murmelte. Vor ihm stand mit stoßbereitem Speer der zweite Speerträger, der sich offenbar von Oronêls Schlag erholt hatte und nun fragend zu Bóran blickte. Bevor der Häuptling jedoch ein Zeichen geben konnte, wurde der Speerträger von Gamling, der auch Oronêl gerufen hatte, abgelenkt. Der alte Rohir lief langsam, die Axt erhoben auf den Dunländer zu und rief ihm etwas in der Sprache Rohans, die die Dunländer hassten, zu.
Der Speerträger wandte sich zu Gamling um, kampfbereit, und stieß schließlich zu. Gamling versuchte zwar, dem Stoß auszuweichen, doch die lange Zeit im Kerker hatte ihn langsam werden lassen. Der Speerstoß traf dennoch nicht seinen Hals, auf den er gezielt gewesen war, sondern bohrte sich nur in seine linke Schulter und Gamling ging zu Boden.
Im selben Moment traf Oronêl, der von dem kurzen Kampf abgelenkt gewesen war, mit voller Wucht der Stiefel seines Gegners in die Brust und schleuderte ihn ein, zwei Meter nach hinten, wo er benommen auf dem Sand aufschlug. Er hob den schmerzenden Kopf, und sah den Häuptlingssohn langsam auf sich zu kommen und lässig die Axt schwenken. Was mit Amrothos und Gamling geschah, konnte er nicht sehen.
So endet es also. Er war bereit zu sterben, denn wenigstens hatte er alles versucht was er konnte. Er würde in Mandos' Hallen eingehen, und schließlich Calenwen wiedersehen.

Bórans Sohn hob die Axt, bereit zum Zuschlagen... doch er wurde von einem Ruf unterbrochen.
"Halt!"
Die Stimme war leise, aber dennoch befehlsgewohnt und schien in der ganzen Arena zu hallen. Oronêl erkannte sie nicht, und als der tödliche Schlag tatsächlich nicht kam rappelte er sich mühsam auf und sah, dass der Mann mit der Weißen Hand Saurmans an den Rand der Arena getreten war. Der Mann sprach erneut.
"Im Namen Sarumans, des Weißen, eures Herrn und Gebieters erlaube ich euch nicht, diese Gefangenen zu töten. Sie sind zu wertvoll für ihn."
Er wandte sich an den neben ihm stehenden Bóran, und jetzt erkannte Oronêl auch seinen eisernen Arm. Eine bleierne Stille hatte sich über die Arena gelegt, wo bis eben noch anfeuernde Rufe und Jubel geherrscht hatten.
"Ist nicht Saruman euer einziger, wahrer Herr und Meister?", fragte Angbaug mit sanfter Stimme, die Oronêl einen Schauer über den Rücken jagte.
Bórans Gesicht glänzte im Fackelschein schweißnass, doch er wirkte entschlossen.
"Saruman hat uns verraten.", sagte er. Zuerst leise, dann noch einmal, nun so laut dass alle Anwesend ihn hören konnten. "Saruman hat uns verraten! Wir leben noch immer hier, nicht besser als vor der Zeit, als wir für ihn und seine Versprechungen in den Krieg zogen! Wir müssen ihm sogar Tribut zahlen!" Unter den Dunländern erhob sich ein zustimmendes Raunen, und Bóran schien selbstsicherer zu werden.
"Aber das hat jetzt ein Ende! Ich, Bóran, werde ganz Dunland vereinen, und unter meiner Führung werden wir neue Reiche erobern! Rohan soll fallen, und die Menschen des Südens und Nordens! Der ganze Westen soll uns gehören!" Das Ende schrie er beinahe, und einige Dunländer begannen ihm begeistert zuzujubeln. Selbst aus der Arena sah Oronêl in seinen Augen ein wahnsinniges Feuer tanzen.
"So, wirst du das..." erwiderte Angbaug leise, und so leise dass nur Bóran, der neben ihm stehende Forath und Oronêl dank seiner Elbenohren ihn verstehen konnte. Und er sah, wie Sarumans Bote die Hand auf den Schwertgrif legte.
Doch bevor Angbaug oder Bóran etwas tun konnten, geschah etwas anderes, von beiden unerwartetes. Amrothos Hand fand plötzlich den Griff von Oronêls Dolch, der vor ihm auf dem Boden lag, und der Prinz sprang auf, mit Augen die ebenso wahnsinnig glühten wie Bórans. "GIB IHN MIR ZURÜCK!", schrie er, stürmte an dem völlig überraschten Speerträger vorbei durch die Arena, sprang mit einer Kraft, die Oronêl ihm nicht zugetraut hatte, über den Zaun direkt gegen Bóran. Der Häuptling stolperte, völlig unvorbereitet getroffen, und Oronêl sah seinen Dolch in Amrothos' Hand aufblitzen.
"Orophin!", rief er so laut er konnte, und in diesem Moment brach die Hölle los. Auf dem Dach des großen Hauses erhob sich eine Gestalt mit einem Bogen in der Hand, und im nächsten Augenblick brach Bórans Sohn mit einem Pfeil im Nacken tot zusammen. Angbaug und Forath zogen die Schwerter und gingen aufeinander los, während Amrothos und Bóran sich im Kampf um den Ring auf dem Boden wälzten.
Während Orophin auch den letzten Kämpfer der Dunländer mit einem gut gezielten Pfeil zu Boden schickte lief Oronêl los, obwohl seine Rippen schmerzten und die Stelle wo der Tritt des Häuptlingssohns ihn getroffen hatte wie Feuer brannte. Er packte den Griff der Axt, die immer noch mit dem Schild verkeilt war und riss die Klinge aus dem Holz. Ein kurzer Blick zu Gamling sagte ihm, dass der Alte zwar verwundet, aber am Leben war, denn er regte sich und versuchte sich langsam aufzusetzen.
Da Gamling im Moment keine Gefahr drohte und aus dieser Richtung Orophin, der vom Dach aus Freund und Feind nicht auseinander halten konnte und deshalb hinunter geklettert war, kommen würde, lief Oronêl in die andere Richtung, wo Forath und Angbaug miteinander kämpften.
Einer von Bórans Getreuen war in die Arena geklettert, doch Oronêl konnte seinem unbeholfenen Axthieb ausweichen und ihn seinerseits mit einem besser gezielten Schlag zu Boden schicken. Der Sand färbte sich sofort rot, und Oronêl rannte weiter.
Er sprang über den Zaun, schlug einen Dunländer nieder der offenbar lieber Saruman dienen wollte und deshalb versucht hatte, Forath hinterrücks zu erstechen und riss dann mit der freien Hand den tobenden Amrothos von Bóran hinunter. Amrothos hatte mehrere Kratzer im Gesicht und blutete aus einer Schnittwunde am Hals, doch Bóran war es schlechter ergangen. Aus seiner Kehle ragte Oronêls Dolch, und während Oronêl noch auf ihn hinab blickte, erlosch das Licht in den Augen des Häuptlings.
Ohne Zögern zog Oronêl den Dolch aus dem Hals der Leiche, befestigte ihn an seinem Gürtel und wollte die Taschen des gefallenen Häuptlings nach dem Ring durchsuchen, während rund um ihn herum die Dunländer gegeneinander kämpften und Angbaug Forath gegen den Zaun der Arena drängte.

Dazu kam er jedoch nicht, denn Amrothos, der sich von seiner Überraschung erholt hatte, sprang ihn an und versuchte, die Hände um seinen Hals zu schließen.
"Nicht nochmal.", stieß Oronêl zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, und stieß Amrothos mit Wucht den Kopf ins Gesicht. Dem Prinzen schoss Blut aus der vermutlich gebrochenen Nase, seine Augen verdrehten sich nach oben und er verlor das Bewusstsein. "Tut mir Leid.", sagte Oronêl, rieb sich die schmerzende Stirn und tastete Bórans Körper ab. Besser so, als dass Amrothos den Ring noch einmal in die Finger bekam. Schließlich fand er, was er suchte. Der Ring steckte in Bórans Brusttasche, doch als Oronêl ihn schließlich in der Hand hatte, verspürte er keine Erleichterung, sondern nur Widerwillen.
Am liebsten hätte der das Ding sofort von sich geschleudert, doch das konnte er nicht. Hinter sich hörter er Orophins Stimme seinen Namen sagen.  Er wandte sich um, und sah seinen Gefährten, den verwundeten Gamling auf seine Schulter gestützt, vor sich stehen. Orophin streckte ihm mit der freien Hand seine Axt und seinen Bogen entgegen, und Oronêl nahm beide Waffen mit einem Gefühl der Erleichterung an, nach dem er den Ring in seine Gürteltasche gestopft hatte. Dann packte er den noch immer bewusstlosen Amrothos unter den Achseln, legte sich einen seiner Arme um die linke Schulter und umschlang ihn stützend mit dem linken Arm.
"Wir sollte hier verschwinden.", sagte er angestrengt, denn seine Rippen protestierten schmerzhaft und an seiner verletzten Wange lief Blut herunter.
"Da stimme ich euch zu.", hörte er Forath mit schmerzverzerrter Stimme neben sich sagen. Unwillkürlich musste Oronêl lächeln, denn auch wenn der Hauptmann ihn im Grunde nur benutzen wollte um Bóran zu stürzen, war er doch froh ihn lebend zu sehen. Immerhin war Forath vermutlich die beste Chance auf Frieden in Dunland.
"Habt ihr Angbaug getötet?" Forath, der aus vielen kleinen Wunden blutete und sich die Seite hielt, spuckte aus und schüttelte den Kopf. "Nein, Sarumans Bote ist geflohen nachdem er sich zu vielen von uns gegenüber gesehen hat. Im direkten Zweikampf hätte er wahrscheinlich Kleinholz aus mir gemacht, der Kerl ist verdammt stark und schnell." Er deutete mit dem Schwert, von dem Blut tropfte auf Orophin. "Als euer Freund hier seinen Auftritt hatte und Bórans Sohn erschossen hat - guter Schuss übrigens - haben einige von Bórans klügeren Freunden den Braten gerochen, dass ich da mit drinstecke und die Macht übernehmen will. Jetzt kämpfen seine und meine Anhänger miteinander, und der wahre Feind ist geflohen." Er klang bitter, und Oronêl konnte ihn verstehen. Forath wollte keinen Bürgerkrieg in Dunland, sondern die Macht möglichst friedlich übernehmen.
"Das tut mir leid.", sagte er. Forath schüttelte den Kopf und keuchte. "Anders war es nicht zu machen, ich kann verstehen dass ihr nicht gerne sterben wollten." Er rang einen Moment nach Atem. "Ahh... der Bastard hat mich gut erwischt, aber sterbe werde ich daran nicht. Und ihr, schlagt einen Bogen nach Norden um das Dorf herum. Dann geht immer nach Westen, bis ihr zu einem Wäldchen aus Krüppelkiefern kommt in deren Mitte die Ruine eines Elbenturms steht. Dort wird euch niemand suchen, denn die anderen Dunländer gehen nicht gerne in die Nähe von Elbenruinen. Und ich werde euch dort in drei Tagen finden."
Die beiden Elben nickten. "Mae govannen, Forath.", sagte Oronêl. "Mögest du deinen Kampf siegreich führen." Dann kehrten sie dem Dorf, in dem die ersten Hütten in Flammen aufgingen, langsam den Rücken.

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Eandril

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Re: Dunland
« Antwort #13 am: 16. Sep 2016, 12:23 »
Das Wäldchen, das Forath erwähnt hatte, stellte sich eher als niedriges Gebüsch von Krüppelkiefern heraus, dass sich auf einem Hügel ausbreitete. In der Mitte erhoben sich die  Mauern einer runden Turmruine, die nur wenig über die Kiefern herausragten. Zwischen den Kiefern und der Ruine lag ein nur von Gras und weichem Moos bewachsener freier Streifen, in dem man vor neugierigen Blicken gut geschützt war.
Der Weg dorthin nach ihrer Flucht vor den Dunländern war beschwerlich und lang gewesen, denn Gamling und Amrothos waren kaum in der Lage zu gehen. Glücklicherweise erwachte Amrothos erst nach ihrer Ankunft in dem Wäldchen aus seiner Bewusstlosigkeit, denn er begann sofort wieder zu toben und Oronêl anzugreifen. Als er ihn gemeinsam mit Orophin überwältigte und an den Stamm einer Kiefer fesselte, spürte Oronêl wie ihn zum ersten Mal seit langer Zeit Tränen über das Gesicht liefen.

In den nächsten drei Tagen versorgten sie Gamlings Wunde, die tiefer war als zunächst angenommen und nur langsam heilte, und genossen, so weit es bei den ständigen Sorgen um Amrothos und den Ring möglich war, die Freiheit und den offenen Himmel. Amrothos blieb angebunden, denn auch wenn er hin und wieder klare Momente hatte, fiel er doch immer wieder in den Wahnsinn des Rings zurück und wollte Oronêl angreifen. Während sie sich so von der Gefangenschaft erholten und auf ein Zeichen von Forath warteten, unternahm Orophin mehrere Erkundungen nach Norden und Süden vor, auf denen er auch jagte und Beeren sammelte. Östlich des Wäldchens floss ein kalter, klarer Bach vom Nebelgebirge herab, sodass die Gruppe weder verhungern noch verdursten musste.

Am dritten Tag ihres Aufenthalts auf dem Hügel kehrte Orophin am späten Nachmittag von einem seiner Erkundungsgänge zurück, und sagte: "Von Westen nähert sich ein einzelner Mann, der zielstrebig in gerade Linie auf uns zuhält."
"Das wird Forath sein.", meinte Oronêl, der neben Gamling auf der Westseite der Turmruine in der Sonne lag und einmal mehr die frische Luft, den Sonnenschein und den Geruch der Kiefern genoss. Auch wenn er nur drei Wochen im Kerker verbracht hatte, fühlte es sich wie eine Ewigkeit an - und für Gamling, der tatsächlich einige Ewigkeit im Kerker gewesen war, noch länger. Als an ihrem ersten Morgen in Freiheit die Sonne über dem Nebelgebirge aufgegangen war, hatte der Alte sich geblendet abgewandt, denn sie waren nachts geflohen und seine Augen waren noch immer an das Dämmerlicht des Kerkers gewöhnt gewesen. Doch inzwischen konnte er die Sonne erneut genießen, und er wirkte glücklicher und jünger als in seiner Zelle, auch wenn ihm die Wunde an seiner Schulter immer noch zu schaffen machte.
"Und wenn nicht?", fragte Orophin jetzt. Oronêl blinzelte träge, riss sich dann aber zusammen. "Wenn es jemand anders ist, wird er uns nicht finden." Dennoch setzte er sich auf und griff nach seinen Waffen, die neben ihm an der Mauer lehnten. Immerhin war es möglich, dass Forath unterlegen war und unter Folter den Ort preisgegeben hatte, an dem sie sich versteckt hielten. "Allerdings...", er befestigte die Axt an seinem Gürtel. "Vorsicht hat noch keinem geschadet."
Gemeinsam spähten die beiden Elben über die Hügel nach Westen, Orophin von der Turmruine aus und Oronêl vom äußeren Rand des Gebüschs, wo ein schmaler Pfad zur Lichtung in der Mitte führte, während die Sonne langsam tiefer sank. Schließlich hörte er Orophin über sich sagen: "Du hattest Recht, es ist tatsächlich Forath."
Über die Kuppe des nächsten Hügels kam mit langsamen Schritten ein Mann, der oben stehen blieb und grüßend die Hand hob, obwohl er mit Sicherheit keinen der vier dort versteckten sehen konnte. Oronêl erkannte, dass es Forath war, und erhob sich selbst aus der Hocke und erwiderte den Gruß.
Er wartete, während der Dunländer die Senke zwischen den beiden Hügeln durchquerte, und sagte schließlich, als Forath schwer atmend vor ihm stand: "Ich freue mich, dass ihr den Kampf überlebt habt."
Forath rang nach Atem, und erwiderte dann: "Gerade so, fürchte ich, aber wir haben gesiegt. Und ich freue mich, dass ihr tatsächlich entkommen seid und diesen Ort gefunden habt. Ich hatte schon gefürchtet, dass dieser Angbaug euch irgendwo auflauern würde."
Oronêl schüttelte den Kopf, und ging den Pfad zwischen den Kiefern hinauf. Forath folgte ihm. "Nein, wir hatten - abgesehen von unseren eigenen - keine Schwierigkeiten." Oben angekommen deutete er mit einem traurigen Kopfnicken auf Amrothos, der noch immer gefesselt an einer Kiefer saß, und mit leerem Blick vor sich hin starrte.
"Was ist eigentlich mit ihm passiert?", fragte Forath, und ließ den Beutel, den er über der Schulter getragen hatte, zu Boden gleiten. "Als unsere Leute ihn gefunden haben war er schon so."
"Ich weiß.", sagte Oronêl leise, in einem Tonfall der eindeutig zeigte, dass er über dieses Thema nicht reden würde. Forath zuckte nur mit den Schultern, öffnete den Beutel und förderte zwei Weinschläuche, einen Laib groben Brotes und einen Schinken zu Tage.
"Ich weiß nicht ob euren Elbengaumen diese Kost mundet.", meinte er sarkastisch. "Aber zumindest der alte Gamling sollte sich darüber freuen."
"Mit Sicherheit.", erwiderte Oronêl. "Und ich freue mich ebenfalls, über eure Großzügigkeit. Aber werden deine Leute euch und diese Lebensmittel nicht vermissen?"
Wieder zuckte Forath nur gleichmütig die Schultern und strich sich das schwarze Haar aus der Stirn. "Nein, wahrscheinlich nicht. Sie sind es gewohnt, dass ich hin und wieder  alleine in die Wildnis wandere, wenn mir die ewigen Streitereien und Kämpfe zu viel werden. Und jetzt bin ich zwar ihr Anführer, aber ich habe zwei Tage alles geregelt was es fürs erste zu regeln gab, und ich habe mir eine Pause verdient. Immerhin bin ich morgen wieder zurück."
Er unterbrach kurz um Orophin höflich zu begrüßen, der von seinem Aussichtsposten heruntergekommen war und nach der Begrüßung wieder ging, um nach Gamling zu sehen, der auf der anderen Seite der Ruine schlief.
"Wie ist jetzt die Lage in Dunland?", fragte Oronêl, und beobachtete, wie sich das Gesicht seines Gegenübers anspannte. "Ich weiß es nicht.", antwortete Forath. "Zumindest momentan habe ich in unserem Dorf das Sagen, aber viele von uns sind tot oder verwundet, und einige von Bórans und Sarumans Anhängern sind geflohen. Und dieser Bastard Angbaug..." Dabei fasste er sich mit einer Grimasse an die Seite, die dick verbunden war. "Ich fürchte, dass er zu den anderen Stämmen gehen und sie gegen uns aufwiegeln wird. Ich habe bereits eigene Boten entsandt um sie zum Frieden und zur Abkehr von Saruman zu bewegen, aber..." Er schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht, ob wir uns halten können."
"Ich wünsche euch alles Glück dabei.", meinte Oronêl. "Ich würde euch gerne helfen, aber ich bin an andere Aufgaben gebunden und ich glaube, meine Anwesenheit würde eher schaden als nützen - zumindest solange ihr noch auf Frieden hofft."
"Das glaube ich auch." Forath strich sich verlegen über den Bart. "Nun eigentlich bin ich auch gekommen um mich von euch zu verabschieden, um euch zu danken und mich zu entschuldigen, dass ich euch benutzen wollte um Bóran zu stürzen." Oronêl legte ihm eine Hand auf die Schulter und erwiderte: "Es gibt nichts zu vergeben, denn auf diese Weise sind wir, zumindest mehr oder weniger unversehrt, aus eurem Kerker entkommen und konnten dabei auch noch helfen, Sarumans Einfluss in diesen Landen zu schwächen."
Auf Foraths Gesicht malte sich Erleichterung, und zum wiederholten Mal dachte Oronêl, was für ein seltsamer Dunländer dieser Mann doch war.
"Dann... wie sagtet ihr noch bei unserem letzten Abschied? Mae govannen, Oronêl."
"Mae govannen, Forath.", gab Oronêl mit einem Lächeln zurück, und ergriff die angebotene Hand. "Ich wünsche euch Glück in den kommenden Kriegen."

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Re: Dunland
« Antwort #14 am: 19. Sep 2016, 13:46 »
Sie verbrachten noch weitere Tage in Dunland, denn Gamlings Wunde heilte trotz der Bemühungen der Elben weiterhin nur langsam und er war noch immer zu schwach für die lange Wanderung nach Norden. Außerdem besserte sich Amrothos' Zustand keineswegs. Ganz im Gegenteil, Oronêl hatte den Eindruck dass er immer tiefer in den Wahnsinn des Ringes eintauchte und fürchtete, dass der Prinz nie wieder daraus entkommen würde.
So wurde er immer rastloser je mehr Tage vergingen, und spielte schließlich mit dem Gedanken, alleine mit Mathans Karte nach den Schmieden von Eregion zu suchen und zu versuchen, den Ring alleine zu vernichten. Doch eine Woche nach dem Abschied von Forath geschah etwas, dass diese Pläne für den Moment zunichte machte.

Oronêl lag auf dem Rücken im weichen Moos der Hügelkuppe, die geöffneten Augen auf den klaren Sternenhimmel gerichtet. Dennoch sah er nichts, denn er schlief auf Elbenart und ließ seinen Geist in seinen Erinnerungen wandern. In Gedanken war er zurück in Lórien zu einer Zeit als es noch Lórinand hieß und sie noch keinen Krieg an seinen Grenzen geführt hatten. Er dachte an Amdír und an Calenwen, und an den Moment, als er zum ersten Mal seine Tochter in den Armen gehalten hatte.
Doch mit einem Mal veränderten sich die Bilder, und er sah wie drei Elben, die ihm merkwürdig bekannt vorkamen, gegen eine Gruppe Orks kämpften. Es musste lange her sein, denn Sonne und Mond waren am Himmel nicht zu sehen, und die Sterne leuchteten heller als Oronêl je gesehen hatte. Für einen Moment stand Oronêl in einer Höhle, in der sich ein Grabstein mit Runen darauf erhob, doch bevor er lesen konnte was dort geschrieben stand, wechselte der Traum erneut und er befand sich hoch im Gebirge auf einem verschneiten Pass. Über den Pass gingen drei in dicke Pelze gehüllte Gestalten, zwei Elben und ein Menschenmädchen. Oronêl fühlte sein Herz schneller schlagen, als er Irwyne und Antien erkannte, doch bevor er den Mund öffnen konnte um nach ihnen zu rufen, wandte sein Blick sich nach Westen und zog über den Rand der Berge hinaus, über ein hügliges Land bis zu einer großen Stadt aus weißem Stein, die zum Teil in Trümmern lag. In der Stadt bewegten sich viele kleine Gestalten, und auf dem höchsten Turm wehte ein sternenbesetztes Banner. Doch von Norden näherte sich eine Dunkelheit die drohte, die weiße Stadt zu umschlingen.
In Oronêls Träume schlich sich das Geräusch von Reitern, und mit einem Mal erwachte er, als Orophin seine Schulter berührte. Das Geräusch der Hufe wurde leiser, verschwand aber nicht.
"Ich habe gehört wie sich ein Reiter nähert.", sagte Orophin leise, und Oronêl nickte. "Ich höre es ebenfalls." Er richtete sich auf, fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und versuchte seine verwirrenden Träume zu verdrängen. Er presste das Ohr für einen Moment auf den Boden und lauschte. "Es scheinen drei Pferde zu sein, aber nur eines beritten." Orophin nickte zustimmend. "Das ist es auch, was ich gehört habe. Aber die Pferde nähern sich von Nordwesten, nicht von Süden."
"Also können es keine Dunländer sein.", meinte Oronêl. "Aber wer ist es dann?"

Die Elben ließen Amrothos und Gamling, die mit ihren Menschenohren den Reiter nicht nahen hörten, schlafen, und nahmen ihre Positionen ein. Orophin auf der Hügelkuppe, hinter den Mauerresten des Turms versteckt, und Oronêl am unteren Rand des Kieferngebüschs, am Ausgang des schmalen Pfades. Beide blickten angespannt in die Nacht, und lauschten wie der Hufschlag immer näher kam. Schließlich sah Oronêl zunächst einen braunen, spitzen Hut über einen Hügel im Norden kommen, und dann nach und nach den dazugehörigen Mann. Er stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und entspannte sich. Vom Gipfel des Turms hörte er Orophin den Namen des Zauberers rufen, und dieser hob grüßend die Hand. Soweit Oronêl es erkennen konnte, wirkte Radagast kein bisschen überrascht, sie hier zu treffen.

Schließlich trafen sich die Elben und der Zauberer auf dem Gipfel des Hügels, als gerade die Sonne im Osten über die Spitzen der Nebelberge stieg.
"Wie habt ihr uns gefunden? Und wie seit ihr aus Lórien entkommen?", fragte Oronêl, seine Freude und Erleichterung kaum verbergend. Radagast blickte ihn mit fröhlich blitzenden Augen an. "Ich habe viele Freunde, von denen Saruman nichts versteht.", erwiderte er geheimnisvoll. "Vielleicht habt ihr in letzter Zeit den ein oder anderen Vogel über eurem Versteck kreisen sehen..."
Er warf einen Blick auf den noch immer gefesselten Amrothos, der nun wach war aber ins leere starrte und dabei leise vor sich hin murmelte. "Und wie es scheint, bin ich gerade rechtzeitig gekommen. Da ihr den Prinzen von Dol Amroth gefunden habt nehme ich an, dass ihr den Ring ebenfalls zurückerobert habt?"
Oronêl nickte und legte die Hand auf den Beutel den er am Gürtel trug. Radagast lächelte, auch wenn ihm kaum entgangen sein konnte, dass Amrothos bei dem Wort "Ring" den Kopf gehoben hatte und in ihre Richtung starrte. "Meine lieben Elben, ihr habt euch besser geschlagen als ich für möglich gehalten hatte. Wie habt ihr ihn gefunden?"
Oronêl erzählte von ihrer Suche, wie er im Kerker der Dunländer Amrothos und Gamling gefunden hatte, und von dem Götterurteil bei dem sie entkommen waren. Bei der Erwähnung von Forath und Angbaug stricht sich der Zauberer nachdenklich über den Bart, und sagte schließlich als Oronêl geendet hatte: "Nun, das sind interessante Neuigkeiten - gute wie schlechte. Wie es scheint sind die Dunländer Saruman nicht alle so treu wie wir dachten. Und leider hat Saruman das ebenfalls bemerkt und diesen Boten gesandt von dem ich vorher noch die gehört habe. Ein Arm aus Eisen..." Radagast schwieg für einen Moment und warf Oronêl dann einen scharfen Blick zu. "Du hast etwas auf dem Herzen, nicht wahr?"
Oronêl zögerte, antwortete dann aber doch. "Nun... ja. Ich habe zwar den Ring, aber ich weiß nicht, wie ich ihn zerstören soll. Und Amrothos und Gamlings Zustand machen die Sache nicht leichter." Seine Stimme klang bitter, denn trotz der Rückeroberung des Rings hatte er irgendwie das Gefühl, versagt zu haben.
Radagast schüttelte mitleidig den Kopf und strich dabei seinem braunen Pferd über die Flanke. Der Zauberer hatte drei Pferde mit gebracht: Eines auf dem er selbst geritten war, und zwei ledige die aber merkwürdigerweise trotzdem gesattelt waren. "Mein lieber Oronêl, den Ring alleine zu vernichten übersteigt deine Kräfte.", sagte er, und mit einem Blick zu Orophin: "Und selbst zu zweit werdet ihr es nicht schaffen können, denn in Eregion treibt sich eine Menge übles Volk herum. Vielleicht weiß Saruman mehr von diesem Ring als ihr ahnt." Oronêl spürte, wie sich ein schweres Gewicht auf sein Herz zu legen schien. "Aber was können wir dann tun?"
"Nun, ihr braucht natürlich Hilfe.", erwiderte Radagast im Ton der Selbstverständlichkeit. "Ich habe diese Pferde hier in Tharbad überredet, ihr bisherigen Herren zu verlassen und mit mir zu kommen." Er unterbrach sich, als er Gamling vorsichtig um den Turm herumkommen sah.
"Hab keine Angst vor mir, Sohn Rohans.", sprach Radagast diesen an, denn das Misstrauen auf dem Gesicht des alten Rohir war unübersehbar. "Ich bin weder Saruman noch einer seiner Freunde - auch wenn dem einst so gewesen sein mag. Jetzt bin ich hier, um euch zu helfen."

Und das tat er.
Zuerst kniete er sich vor Amrothos ins Gras, blickte dem Prinzen direkt in die Augen und sang leise etwas in einer Sprache, die weder Oronêl noch Orophin verstanden. Als der Zauberer sein Lied beendete hatten Amrothos' Augen ihr ungesundes Feuer verloren, schienen aber auch nichts zu sehen. "Ich habe seinen Geist fürs erste auf Wanderschaft geschickt.", erklärte Radagst und erhob sich langsam. "Mehr kann ich hier nicht tun, aber was wird ihn für einige Zeit beruhigen."
Dann kümmerte er sich um Gamlings Wunde, legte ein Blatt einer Oronêl unbekannten Pflanze, deren Geruch ihn allerdings sofort erfrischte und seine Sorgen für einen Moment erleichterte, darauf und verband sie dann neu. "Athelas wirkt bei einer solchen Wunde keine solchen Wunder wie bei denen, die von den verfluchten Waffen von Saurons Dienern geschlagen wurden, aber sie hilft dennoch besser als vieles andere.", sagte Radagast zu Gamling, dessen Misstrauen langsam zu schwinden schien. "Du wirst in der Lage sein, mit mir zu reiten."
"Reiten?", warf Oronêl ein. "Wohin reiten?"
"Nach Bruchtal.", gab der Zauberer zurück. "Ich werde Amrothos und Gamling mit mir nehmen. Zwar sind sie beide nicht in der Lage normal zu reiten, doch die Pferde werden sanft gehen und sie nicht abwerfen. So müssten wir Bruchtal erreichen können."
Oronêl nickte. "Also gut. Bruchtal. Wann brechen wir auf."
Radagast lachte zur Antwort. "Ich und diese beiden armen Menschen - jetzt sofort. Ihr Elben noch nicht, denn es ist besser für Amrothos, wenn der Ring für den Moment nicht in seiner Nähe ist. Außerdem... behaltet die Straße von Moria im Auge. Ich befürchte, dass Saruman sich der aufsässigen Dunländer bald annehmen könnte."
Oronêl wollte widersprechen, denn er wollte Amrothos nicht verlassen, doch Orophin hielt ihn zurück.
"Wir beugen uns deinem Rat, Radagast.", sagte der ehemalige Grenzwächter. "Doch wir können nicht ewig hier verharren. Sechs Tage werden wir hier bleiben und die Straße beobachten, doch danach werden wir euch folgen." Radagast blickte die Elben unter buschigen Augenbrauen heraus scharf an.
"Also gut." Er wollte sich abwenden, doch Oronêl sagte schnell, bevor er es sich anders überlegen konnte: "Es gibt da noch etwas. Gerade bevor du gekommen bist, hatte ich einen merkwürdigen Traum..." Er beschrieb was er geträumt hatte, und Radagast strich sich nachdenklich über den braunen Bart.
"Zu den meisten Dingen kann ich dir nichts sagen. Doch die weiße Stadt die du erwähnst kann eigentlich nur Fornost sein. Das Banner, dass du gesehen hast könnte bedeuten, dass unsere Seite die Stadt erobert hat, aber anscheinend nähert sich irgendeine neue Bedrohung von Norden..." Der Zauberer zupfte jetzt kräftig an seinem Bart herum. "Ich habe den Norden früh wieder verlassen, ich weiß nicht viel davon was dort passiert ist. Vielleicht ist es besser, dass ihr nur sechs Tage hier bleibt, denn wenn stimmt was du geträumt hast, wird im Norden wahrscheinlich bald jede Axt, jedes Schwert und jeder Bogen gebraucht."
Radagast half Gamling dabei, das eine Pferd zu besteigen, und Oronêl beobachtete erstaunt wie das andere sich auf ein Zeichen des Zauberers bereitwillig hinlegte damit sie Amrothos auf seinen Rücken setzen und dort festbinden konnten. Nur wenig später waren der Zauberer und die beiden Menschen hinter den Hügeln im Norden verschwunden, und die Elben blieben alleine zurück.

Radagast, Gamling und Amrothos nach Imladris...
Oronêl und Orophin nach Eregion...
« Letzte Änderung: 6. Feb 2021, 17:15 von Fine »

Oronêl - Edrahil - Hilgorn -Narissa - Milva