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Autor Thema: Kasernenhof im dritten Ring  (Gelesen 6258 mal)

PumaYIY

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Kasernenhof im dritten Ring
« am: 6. Dez 2010, 18:41 »
Karthull von den Straßen Minas Tiriths


"Karthull steh auf, wir sind heute zur Arbeit im Hof verpflichtet! Karthull!"
"Hmm?" Langsam erwachte Karthull. Er drehte sich um und starrte in das erregte Gesicht Krohlons. "Los jetzt ich will nicht am ersten Tag schlecht auffallen, diese Soldaten sind sowieso schon nicht so gut auf uns Korsaren zu sprechen."
"Ist ja gut, ich komm ja schon." Karthull reckte und streckte sich und schaute kurz umher. Dort schliefen zwei Männer in zwei der vier Betten im Raum, am Fußende seines Bettes lagen seine Sachen. Trotz des Lärms in der Stadt hatte er unglaublich gut geschlafen, was wohl daran lag, dass er seit seinem Besuch auf dem Hof der Lûdhras in keinem Bett mehr gelegen hatte.
Karthull stand nun endgültig auf und überwand sich mit dem kalten Wasser zu waschen. Da sind noch ein paar Kräuter hineingemischt?! , dachte Karthull als er den Duft des Wassers roch: Die Wachen der hochwohlgebornen Frau vom Herrn Mächtig soll wohl nicht stinken, wenn sie ihr den Pöbel vom Leib halten. Trübsal blasend ging er vor die Tür und blickte in den Hof herab. Heute ist wohl nicht mein Tag, ich bin in Minas Tirith angekommen, doch finde ich wo ich hinschaue nur Diener Saurons. Ich muss mal vor allem nach diesem Beregond suchen!
Krohlon musste noch etwas drängeln, bis Karthull endlich über die Leiter in den Hof herabstieg. Na ein Einzelgänger ist Krohlon wenigstens nicht. So anhänglich wie er ist. Doch für Krohlon stand wirklich sein Ruf representativ für die Korsaren auf dem Spiel und den nahm er durchaus sehr ernst.
Sie fegten den steinernen Boden und halfen bei Reparaturarbeiten die anstanden, den Vormittag gab es allerhand voll zu tun, doch nach dem Mittag sollten beide etwas Zeit haben die Stadt zu erkunden.
Karthull hatte schon gesehen, dass in dem Speiseraum eine große Stadtkarte an der Wand hing, auch sonst waren dort alle Pläne und Aufgabenregister ausgehängt.
"Wir sind ja schließlich immernoch die Stadtwache und als solche müssen wir organisiert sein. Egal unter welcher Führung." , hörte Karthull jemanden während der sättigenden Mittagsmahlzeit erklären: "Wo kämen wir hin, ohne geordnete Schichten?"
Nach dem Essen schaute Karthull auf den Stadtplan, als Krohlon von der Seite auf ihn zu kam und zu sprechen begann: "Die haben uns in zwei verschiedene Schichten eingeteilt!"
"Ja? Wo ist denn der Plan?" Karthull folgte Krohlon zu der beschrifteten Tafel, die nur wenige Meter neben der Stadtkarte hing. "Da!" , sagte Krohlon und deutete auf die Zeile des Montags und fuhr dann in die Spalte der Schicht von 13-19 Uhr wo nur Karthulls Name mit einem der Gondorianer stand. Dann tippte Krohlon auf den Dienstag wo er um diese Zeit mit einem anderen Namen eingetragen war.
"Das ist doch ungeheuerlich, die wollen uns auseinandertreiben und verunsichern!", empörte sich Krohlon leise während er sich umschaute. Die Umgebung scheint ihm nicht ganz geheuer und er fürchtet die Vorurteile der einstigen Feinde der Korsaren. , spekulierte Karthull insgeheim. Ein wenig mehr Bekanntschaft mit den anderen Wachen würde ihm sicher nicht schaden.
"Ich glaub nicht, dass die uns an den Kragen wollen, vielmehr denke ich, dass der Planmacher uns einfach nicht von den anderen anderen Namen auseinanderhalten konnte."
"Wenn du meinst Karthull, aber ich bleib da ein wenig skeptisch." , antwortete Krohlon, doch er schien sich beruhigt zu haben.
"Ich gehe jetzt gleich ein wenig durch die Straßen und schau mich um, wenn du mitkommen willst kannst du mit." , bot Karthull Krohlon an.
"Nein ich bleibe heute hier und werde mich ein wenig ausruhen, denn selten hatte ich so viel Zeit zur freien Verfügung und ich will mich von der Reise und dem langen Marsch ein wenig erholen."


Karthull auf die Straßen von Minas Tirith
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:57 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #1 am: 11. Dez 2010, 15:01 »
Karthull von den Straßen von Minas Tirith


Das Essen schmeckte ihm, doch ein wenig unwohl fühlte sich Karthull schon. Mehrmals schaute er über die Schulter und sah dem beschäftigten Hauptmann, um den sich einige andere Wachen versammelt hatten ins Gesicht. Von dem hätte ich am wenigsten erwartet "Feind" genannt zu werden. Was mach ich jetzt; ich sollte Krohlon vor dem Korsaren warnen. Wir müssen aufpassen. Ich könnte mit dem eigentlichen Anführer der Korsaren reden, der hat uns beide mehr gemocht als sein Stellvertreter, aber ich glaub wenn ich da hingeh werden die andern mich erwarten.
"Karthull du bist ja schon wieder so schweigsam!" , unterbrach eine Krohlon seine Gedanken: "Ich hab mal rumgefragt mit wem ich übermorgen auf Frau Elea aufpassen soll. Das ist so ein komischer, aber der mit dem du morgen Dienst hast ist ganz in Ordnung. Der da ist es!" Krohlon zeigte auf einen mittelgroßen Mann, der zwei Tische weiter saß. "Der mit den schwarzen Haaren?" , fragte Karthull etwas verwundert über diese plötzliche Aufgeschlossenheit Krohlons den Gondorianern gegenüber. "Der mit den schwarzen Haaren. Ich frag mich in was für zeitlichen Abständen wir wohl auf die Frau aufpassen müssen."
"Keine Ahnung, aber hast du mal an dem Waschwasser heute morgen gerochen?"
"Was? Nein, wieso? ... Ach, das riecht so komisch nach Kräutern, hab mich auch gewundert was das soll."

Nach dem Essen gingen beide in ihr Zimmer, weckten die Soldaten die für die nächtliche Wache geruht hatten, so wie es ihnen befohlen worden war und saßen schon eine Weile zu zweit im Zimmer, als Karthull Krohlon von dem Treffen, dass er vor den Toren der Kaserne beobachtet hatte, zu berichten begann:
"Du Krohlon ich hab dir was verschwiegen..." Als Karthull das gesagt hatte musste er unweigerlich an seinen geheimen Auftrag den ihm Fürst Imrahil aufgetragen hatte denken, doch er besonn sich kurz und antwortete auf die "Was?"-Frage Krohlons:
"Ich habe vor den Toren der Kaserne den Hilfsanführer des Korsarentrupps bei einem Gespräch mit dem blonden Hauptmann der Wache der sein Zimmer da nah am Tor hat, ähm... belauscht."
"Ja was?! Sag schon worum ging es? Wieso kam der Lordog hierher?"
"Heißt er so? Na ok, der mag uns nicht. Er hat versucht uns gegen andere Leute aus dem Korsarentrupp einzutauschen, weil wir hier bessere Unterkünfte haben oder so. Er hat auch gemeint, dass sie uns auflauern werden und uns ans Leder wollen." , während Karthulls Worten wurde Krohlons Miene düsterer bis er zugab: "Der hat schon immer nach einer Möglichkeit gesucht mir zu schaden, seit ich ihn bei einer Seefahrt nicht hab festhalten können und er ins Meer gestürtzt ist. Jetzt hat er anscheinend einen Grund gefunden mit dem er die Gruppe hinter sich gebracht hat."
"Dann müssen wir die Bande wohl zukünftig meiden." , lautete Karthulls Vorschlag.
"Nein, der eigentliche Anführer der Truppe ist ein weiser Mensch, wenn wir ihm unsere Sache vortragen wird er es verstehen und uns helfen."
Krohlon schien sich sicher, also widersprach Karthull nicht sondern fragte wann er vorhabe mit dem Anführer zu sprechen ohne von Lordog gesehen zu werden. Das Gespräch ging noch eine Weile, bis sie zum Schluss kamen sie müssten tagsüber die Unterkunft ausfindig machen und nachts den Weg zwischen dem Bordell und der Unterkunft im Auge behalten. Doch an erster Stelle standen ihre Pflichten als Männer in der Wache und so wurden sie nach kurzer Zeit des Redens von einem Mann vom Rundgang aus angehalten sich ruhig schlafen zu legen um die Kraft für den nächsten Tag rechtzeitig beisammenzuhaben.
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:58 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #2 am: 16. Dez 2010, 16:06 »
Doch der nächste Morgen sollte anders ablaufen als geplant. Karthull und Krohlon vielen fast schon aus den Betten, als ein groß gewachsener Mann die Tür zu ihrem Raum aufstieß und etwas genervt von der muffigen Luft rief:
"Heute Planänderung! Befehl von oben." Das konnte man in Minas Tirith wörtlich verstehen, denn die Befehle kamen aus dem obersten Ring oder sogar dem Turm. "Was wieso denn das?" , rief Karthull halb im Schlaf.
"Ich muss noch die andern Zimmer abklappern, also frag bitte jemand anderen und lasst die Tür hier mal offen stehen, es stinkt!"
"Puh hat der ne Laune..." , sagte Krohlon, der sein Gesicht schon in die Waschschüssel tauchte.
"Was wohl los ist?" Karthulls Frage sollte sich klären als beide vor dem Frühstück an dem Arbeitsplan standen, darüber stand groß geschrieben, dass eine Hinrichtung gegen Nachmittag durchgeführt werden würde, wegen der die Pläne geändert worden seien. "Eine Hinrichtung also..." , murmelte Karthull und drehte sich zu Krohlon, der seine Schichten suchte.
"Da sind einfach zwei Striche wo vorher dein Name gestanden hat." , sagte Krohlon etwas verwirrt. "Das bedeutet ja, dass niemand auf die Frau aufpasst."
"Nein, dass bedeutet nur, dass sie mit Herumor unterwegs ist und keiner weiteren Wache bedarf." , erklärte ein nebenstehender Mann, der dabei war sich die Pläne für seine Schicht zu notieren. "Bei solchen Dingen wie öffentlichen Hinrichtungen sind oft viele angesehene Personen wie Vertreter aus dem Stadtrat dabei und Herumor geht mit seiner Verlobten dort hin."
"Ach na klar" , Krohlon schaute Karthull vielsagend an, doch der verstand nicht was Krohlon von ihm wollte, also redete Krohlon weiter: "Na da bei Hinrichtungen ist hier wohl genauso viel los wie in Umbar! Das kann ja ein Spaß werden, obwohl die Leute hier vermutlich nicht mit Gewichten an den Füßen ins Meer geworfen werden können." Krohlon schaute auf Karthull, der immer noch nicht klar verstand was er meinte, weil Karthull nie im Umbar gewesen war, es aber nicht sagen wollte um seine Deckung zu bewahren. Jetzt muss ich mir schnell was einfallen lassen! Karthull stand da und dachte gefühlte ewige Sekunden, darüber nach wie Hinrichtungen in Umbar wohl ablaufen könnte mit den raueren Korsarensitten und so weiter. "Ja das ist wohl wahr." , brachte er schnell noch heraus, bevor sein nichts sagen komisch gewirkt haben könnte.
"Gut, denn ich werde auf jeden Fall da hingehen." Die Begeisterung mit denen Krohlon diese Worte ausgesprochen hatte missfielen Karthull. Er kam sich vor als sei Krohlon wieder unter der Meute Korsaren. Diese Lust auf die Hinrichtung erinnert mich fast schon an den Tag als die Korsaren das Gehöft auf dem Weg nach Minas Tirith überfallen haben.
"Also was ist? Kommst du auch mit oder nicht?" , Krohlon schien auf der Schwelle zwischen Neugier und genervt sein, also beeilte Karthull sich diesesmal mit seiner Antwort, wenngleich ihm die Sache nicht ganz geheuer erschien: "Natürlich, wann geht es denn los?"
Am Nachmittag war es dann soweit, die beiden konnten sich auch vorher schon einen freien Vormittag gönnen. Immer wieder hatte Krohlon begeistert über die bevorstehnde Hinrichtung gesprochen und Karthull unglaubliche Dinge zwischen Brutalität und Volksfest der Hinrichtungen in Umbar berichtet. Bevor sie auf die belebte Straße gingen legten sie noch fest, dass sie sich am heutigen Abend auf die Suche nach dem Korsarenanführer begeben wollten.


Karthull und Krohlon auf die Straßen von Minas Tirith
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 13:59 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #3 am: 21. Feb 2011, 19:25 »
Karthull vom Treffen der Getreuen


Eine Woche war vergangen, seit Karthull beim Treffen der Königstreuen gewesen war und Krohlon ging es inzwischen wieder besser. Er humpelte zwar noch ein wenig wegen der Wunde am Bein, doch war er am vorigen Tag aus den Heilhäusern zur Kaserne zurückgekehrt. Karthull hatte oft auch Krohlons Schichten übernehmen müssen, um wie der Hauptmann der Wache es ausdrückte: "Die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten, damit Vorkomnisse wie der Übergriff auf ihren Kamerad nicht wieder vorkommen." Dadurch war er sehr ausgelastet und fand kaum Raum außerhalb seiner Dienstzeiten durch die Straßen zu ziehen oder Beregond zu treffen, nur ab und zu kamen sie zum kurzen Gruß beim Schichtwechsel vor Eleas Haus zusammen. Dementsprechend genervt und enttäuscht war Karthull auch als er erfuhr, dass Krohlon sich noch mindestens eine Woche lang schonen sollte.
Nun hatte Karthull aber doch etwas Freizeit und verbrachte sie mit Krohlon im weiträumigen Hof der Kaserne. Nach einer Weile stummen Sitzens in der kühlen Winterluft, die durch die wärmende Sonne nur ein wenig gemildert wurde, fragte Krohlon plötzlich: "Wie ist das eigentlich genau abgelaufen?"
"Was meinst du?"
"Na, hattest du keine Angst als du mich gerettet hast."
"Achso... Naja ob ich dich wirklich gerettet hab weiß ich ja nicht, ich bin schließlich noch ein wenig weitergerannt nachdem du gefallen bist." Es war nicht so, dass Karthull sich nicht unbedingt rühmen wollte mit falscher Bescheidenheit, doch bereiteten ihm die Fragen Sorgen, die Krohlon als nächstes stellen könnte. Fragen wie: "Wo warst du als der Wachmann mich weggetragen hat?"
Doch so eine Frage kam nicht und Krohlon berichtigte ihn: "Wärst du nicht so tollkühn gegen den Korsaren gesprungen, hätte er mir die Kehle durchgeschnitten da bin ich sicher! Und auch meine Heilerin hat gesagt, dass ich Glück hatte, mit den wenigen Schrammen und der einen tiefen Wunde. Sie hat gemeint sie hat schon wesentlich schlimmere Wunden behandeln müssen, gerade in letzter Zeit. Eine nette Frau war das..."
"Und schön?" , wollte Karthull eigentlich neckisch fragen, doch Krohlon schien die Frage ernst zu nehmen, denn er antwortete etwas abwesend: "Wunderschön."

"Karthull! Hier ist ein Hauptmann der dich sprechen will.", schallte ein Ruf vom etwas rundlichen Pförtner über den Hof. "Bin gleich wieder da." , verabschiedete sich Karthull schnell von Krohlon und lief zum Tor. "Hoher Besuch Junge, ich weiß nicht was du ausgefressen hast, aber zieh uns da nicht mit rein, wir haben bei den Wachen der höchsten Ringe einen Ruf zu verlieren." , mahnte ihn der Pförtner und Karthull erkannte in den Worten, dass Beregond ihn sprechen wollte.
Der wartete ein wenig abseits auf einer Bank. "Da bist du ja, lass uns ein wenig durch die Straßen gehen."
"In Ordnung." Und etwas leiser nach mehrmaligem Umschauen fragte er neugierig: "Zu einer Versammlung?" Doch Beregond schüttelte den Kopf und wieß ihn zur Verschwiegenheit. "Wenn eine Versammlung zusammenkommt werde ich dich abholen, doch frag nicht dannach, denn es sind viele lauschende Ohren im Volk und jeder der ein Wort zu viel hört kann zur Gefahr werden." Das Laufen war angenehm, denn es ging bergab. "Also ist Verschwiegenheit und Unauffälligkeit wichtig."
Karthull konnte Beregonds Worten nicht so recht folgen, die der auch eher zu sich gesagt hatte als in typisch befehlendem Ton zu Karthull. Nun wollte Karthull Beregond jedoch auch im wörtlichen Sinn nicht so recht folgen, denn Beregond steuerte auf ein abseits gelegenes Haus zu, an dem weder Schild noch Schrift zu sehen war, die es als bewohnt erkennbar machten. Es war ein wenig Platz zwischen diesem und dem nächsten Haus, als wäre dort ein Durchgang gewesen, der nun jedoch durch einen notdürftigen Bretterzaun versperrt war. "Was wollen wir hier?" , fragte Karthull leise, kurz darauf erschien die selbe Frage aus einer anderen Perspektive: "Was wollt ihr hier?" Eine etwas kantige und barsche, alte Frau in ärmlicher Kleidung kam aus einem schattigen Räumchen und guckte verwundert auf die beiden Besucher. "Guten Tag Fräulein Caltha" , begann Beregond charmant seine Begrüßung. "Vor einigen Jahren, war ich des öfteren bei ihnen, wenn die schönen Tulpen blühten." Beregond umschrieb die Zeit vor dem Ringkrieg so knapp wie möglich, denn er wusste, dass das Fräulein Caltha alle drei Geschwister bei der Verteidigung Minas Tiriths und dem Sturm auf das Schwarze Tor verloren hatte. Dennoch schien es Karthull, der nicht verstand warum, dass sie ein wenig zu weinen begann. Doch das war schnell unterdrückt. "Das kann gut sein.", schluchzte sie leiser und freundlicher: "Damals war hier eine Gaststätte im Garten, am Teich mit herrlichem Blick in den Süden, ein paar Tische hier ein paar Stühle dort und es hat sich ausgezahlt. Selbst für ein Wasserbecken auf der Straße, das aus dem oberen Wasserspeicher der Stadt stets gefüllt wurde haben wir bekommen, weil wir es uns leisten konnten und ab und an Stadträte hierher kamen. Dann..." Die Frau schaute aus ihren Erinnerungen auf und blickte Karthull mit furchteinflößend traurigem Blick in die Augen: "...kam der Krieg." , hauchte sie ihren Satz zu ende. "Entschuldigt wenn ich euch vergaß, aber meine Frage steht noch im Raum, was wollt ihr hier?", sagte sie nun gefasst und richtete ihren Blick dabei auf Beregond.
"Wäre es möglich den Garten einfach nochmal zu sehen?" , fragte Beregond direkt.
"Klar! Es ist aber so, seit ... na sie wissen schon. Ich war lange nicht mehr hinten und hab mich auch kaum darum gekümmert. Ich glaub nicht das da noch viel steht."
"Das wird sich zeigen, wenn sie uns dorthingeleiten möchten."
"In Ordnung, dann lasst uns mal hinters Haus schauen." , mit diesen Worten wandte sie sich von den beiden ab und ging auf den Bretterzaun zu. Durch einen kleinen Spalt schob sie eine kurze Metallstange und drückte einen Riegel auf der anderen Seite hoch. Dann öffnete sie die Tür. Beregond und Karthull kam ihr nachgelaufen und nun konnte Karthull verstehen wieso Stadträte und hohe Beamte soweit hinab gekommen waren, um zu speisen. Der Ausblick auf den südlichen Teil des ersten Rings war gegeben und die Mauer zu ihm war unmittelbar hinter dem Garten in dem sich noch Sockel wiederfanden auf dem die Tische und Stühle gestanden haben mussten.
"Seht euch nur, um mir liegt eh nicht viel an diesem Grab von Erinnerungen."
Schweigend schaute Beregond sich um und ging dann auf ein mit braunen Wurzeln eines nahestehenden Baumes überwuchertes Beet zu und befreite es von den Wurzeln. "Da sieh mal einer an hier finden sich ein paar Veilchen in voller Blüte."
Ist Beregond jetzt Gärtner geworden oder was? Das alles scheint mir ein wenig komisch, er scheucht mich durch die Stadt nur um Blu...
"Achso..." , Karthull verstand nun, dass Beregond auf der Suche nach Blumen war, doch verstand er nicht warum er sie nicht einfach irgendwo kaufen konnte.
"Haben sie etwas dagegen, wenn ich die Veilchen mitnehme?" , fragte Beregond die Frau höflich. "Wie gesagt ich hänge nicht sehr an diesem Garten." , antwortete sie: "Aber ein kleines Entgeld würde meine missliche Lage etwas bessern."
Kurz darauf hatten sie das Haus der Frau mit einem Strauß Blumen unter dem Mantel verdeckt verlassen, nicht jedoch bevor Beregond ihr eine großzügige Summe überreicht hatte. So langsam wurde Karthull nervös, doch wollte er Beregond nicht fragen was er vorhatte, nur um eine autoritär befehlende Antwort wie eine Moralpredigt zu erhalten.
Was hat er vor? Will er die Blumen nun direkt zum hängenden Stadtrat bringen? Muss ich dabeisein? Ich hoffe der Platz ist leergefegt mit Leute oder besser: Er ist so überfüllt wie zur Hinrichtung. Verdammt das wird eine heikle Situation! Hoffentlich sieht uns niemand.


Karthull und Beregond auf die Straßen von Minas Tirith
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 14:01 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #4 am: 23. Mär 2011, 17:57 »
Karthull von den Straßen von Minas Tirith


"Da wären wir, Karthull, ich muss jetzt aber auch weiter, wir sehen uns." , sagte Beregond zum Abschied und ging vom nun schon dunklen Kasernenhof. Karthull schlich sich leise in seine Kammer, fand eine überzeugende Ausrede für Krohlon, die erklärte warum er solang fort war und schlief schlussendlich ein.
Die folgende Woche war Karthull mit dem Wachdienst auf der Straße und den täglichen Pflichten der Soldaten, vom Hof säubern zum Steine für die neue Treppe schleppen, völlig ausgelastet. Bei einigen Handgemengen zwischen Orks und Menschen, aber auch zwischen einzelnen Orks hatten Karthull und die anderen Soldaten einschreiten müssen. Nun kam es jedoch, dass Karthull an diesem Morgen nicht auf die Straße sollte, obwohl er eingeteilt worden war.
"Wartet mal einen Moment ihr beiden!" , rief der Pförtner Krohlon, der inzwischen wieder dienstfähig war und Karthull zu, als sie gerade vom Frühstückstisch aufstehen wollten. "Ich weiß ja nicht wie ihr das schafft, aber ihr bekommt habt schon wieder Besuch von ganz oben."
Karthulls erster angenehmer Verdacht, auf einen Besuch von Beregond wurde enttäuscht, stattdessen erwartete beide in dem Aufenthaltsraum des Hauptmanns und einiger höhergestellter Soldaten der Kaserne Herumor.
Seit Karthull ihn das letzte mal von nahem gesehen hatte, hatte er sich verändert.
Seine Gesichtszüge sind heute nicht mehr so listig und überlegen. Kein beherrschtes Lächeln ist mehr auf seinen Lippen.
"Setzt euch! Ihr erinnnert euch sicherlich noch wer ich bin?"
"Ja, natürlich Herr Herumor." , antworteten die beiden und setzten sich.
"Hätte mich auch gewundert." fuhr Herumor fort: "Schließlich war ich der der euch vor einigen Wochen die Stellen besorgt hat, womit wir auch schon beim Thema wären."
Krohlon schaute erschrocken: "Was soll das heißen? Sind wir gefeu..."
"Nein, im Gegenteil, ich habe mit dem Hauptmann gesprochen und der erwähnte eure außerordentliche Tüchtigkeit. Wie ihr sicherlich bemerkt habt häufen sich grauenvolle und blutige Wutausbrüche Einzelner, Irrer in den Straßen der Stadt. Die Wachen sind überfordert und es gibt noch eine unbewohnte und doch recht gut gepflegte Unterkunft für weitere Männer nebenan."
"Ja aber was hat das mit uns zu tun?" , fragte Krohlon etwas argwöhnisch.
"Nun um frei heraus zu sprechen: Ich kann jeden Mann gebrauchen, der fähig und loyal ist. Ihr beiden seid ja mit einer ganzen Horde an Korsaren in die Stadt gekommen. Ich habe einem zweiten Hauptmann den Auftrag gegeben diese Leute zusammen zuholen und unterzubringen und sie in Sachen Arbeit, Ablauf und Ordnung zu unterweisen. Ihr werdet zu ihnen verlegt."
Ich glaub es nicht! Die Leute vor denen ich mich seit zwei Wochen erfolgreich versteckt habe sollen mit mir wohnen? Was soll das nur geben?
"Ihr beiden sollt aber nicht nur einfach bei den andern mitarbeiten, sondern, da ihr euch wie der Hauptmann mir bestätigen konnte als gute Kameraden bewährt habt werdet ihr einen Teil der anderen in einer besonderen Sache unterstützen."
Krohlons Augen begannen zu funkeln. Eine hervoragende Stellung, die er sich auch noch verdient hatte, das ist mehr als er sich von Minas Tirith erhofft hatte und das alles, weil er an dem Tag der Ankunft mit diesem komsichen Fremden namens Karthull nicht auf das Angebot von Herumor eingegangen war. Doch auch Krohlon wusste nicht recht, ob seine alten Mitkorsaren ihn respektieren würden.
"Was hat es denn mit dieser besonderen Sache auf sich?" , fragte Karthull nun.
"Also ich bin mir sicher ihr wart bei der Hinrichtung von dem veräterischen Stadtratsmitglied dabei. Seit ungefähr einer Woche findet sich anscheinend eine Gruppe von Dol Amroth Sympathisanten zusammen und..."
Karthull wusste was nun kommen sollte, ein Lagebericht von den Vorfällen vor dem Galgen im ersten Ring. Er hatte auch bei dem einem weiteren mal als er sich ohne Beregond auf den Weg gemacht hatte Blumen niederzulegen beobachtet und schlecht gefühlt. Es war klar gewesen, dass Herumor nicht einfach nichts gegen diesen Akt der Ehrung machen würde, doch das ausgerechnet Krohlon und Karthull mitsamt einem Trupp Korsaren dazu angeheuert wurden war wohl Zufall.
"Ich habe gegen den Willen von einigen Marktstandbesitzern angeordnet den Galgen ein wenig länger hängen zu lassen so, dass ihr Zeit habt die Täter ausfindig zu machen. Ihr müsst jedoch eilen, denn wer immer dahintersteckt hat auch mit diesen Tumulten in der Öffentlichkeit zu tun!"
"Verstanden Herr! Wir werden umgehend mit der Arbeit beginnen."
"Ich habe kaum jemanden in diese Sache eingeweiht. Es wird sich für euch lohnen, denn mit jedem Verbrecher fangt ihr auch eine satte Belohnung ein. Ich muss jetzt fort."
"Auf Wiedersehen Herr Herumor."

"Wie es wohl wird den anderen zu sagen was sie zu machen haben?", fragte Krohlon grinsend, als sie den Aufenthaltsraum verließen und zu ihrem Zimmer gingen um ihre Sachen zu holen. "Ich weiß nicht, hast du mal an dein Bein gefasst und es gefragt was es von der Nähe zu der Horde hält?" , antwortete Karthull.
"Ach, wenn wir erstmal bei der Truppe dabei sind wird das auch aufhören.
Hoffe ich", ergänzte sich Krohlon selbst und nun schien auch seine Stimme etwas unsicherer. "Eigentlich... Eigentlich ist es ja nur dieser Rarmiel, der uns immernoch böse ist. Er will nicht akzeptieren, dass er nur der zweithöchste in unserer alten Horde ist und sucht ein Feindbild, um möglichst viele Korsaren hinter sich zu bringen."
"Also meinst du wenn wir erstmal mit den andern reden lassen die uns in Ruhe?" , fragte Karthull, der sich nun auch ein wenig Hoffnung für ein glimpfliches Überwinden der Gefahr machte.
"Wie gesagt: Ich hoffe es." Krohlon und Karthull waren nun in ihrem Zimmer und sammeltem ihre Sachen zusammen, da hielt Krohlon nochmal inne: " Ist dir eigentlich aufgefallen, dass Herumor zuerst von irren Einzelnen geredet hat und dann davon, dass diese Gruppe etwas mit den Tumulten zu tun hat. Etwas komisch findest du nicht."
"Ja das mag wohl sein." , sagte Karthull und dachte dabei: Sehr gut Krohlon hinterfrag, was Herumor sagt und versteh endlich weshalb der uns braucht und wie er uns zu manipulieren versucht!
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 14:02 von Fine »

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #5 am: 30. Mär 2011, 18:22 »
Der Umzug verlief schneller als gedacht und Krohlons positive Erwartungen an die Korsaren schien sich zu erfüllen, denn das Pflichtbewusstsein und Ehrgefühl jetzt in der Stadtwache verpflichtet zu sein ließ die meisten über Streitigkeiten hinwegsehen. Außerdem war die Annahme verbreitet Karthull und Krohlon hätten sich dafür eingesetzt, dass der Rest des Trupps auch eingestellt wird. Herumor hatte Wort gehalten und die beiden wirklich befördert, denn sie sollten sich den Schlafsaal mit dem Anführer der Korsaren und dem Hauptmann aus der Kaserne teilen. Der Raum mit den vier Betten war staubig aber groß und es hingen dieverse Gemälde unter anderem von Königen vergangener Tage an den Zimmerwänden. Vor ihren Betten war jeweils ein modriger alter Teppich mit eingearbeitetem Banner, zum Glück gab es ein Geländer vor der Tür an dem sie sich gut ausklopfen ließen.
Von der Grundstruktur her war der Hof der neuen Unterkunft in der selben Rechteckform wie der große Kasernenhof, einige Unterschiede gab es allerdings. Zuerst sind wohl die Schäden durch Katapultangriffe zu nennen, durch die die Dächer von fünf der zwanzig Räume zerstört waren. Karthull vermutete, dass sie einfach noch nicht so gut erneuert worden waren wie die in der nebenstehenden Kaserne. Auch waren der Häuserwall hier nur einstöckig. Der Hof lag direkt nördlich an der Kaserne und hatte einen eigenen Ausgang in Richtung Osten. Es gab aber auch ein Torbogen, der unter dem Rundgang im ersten Obergeschoss der Hauptkaserne, in den Kasernenhof hineinführte. Beide Ausgänge konnte jedoch mit schweren zweiflügeligen Holztoren geschlossen werden.
Drei Tage lang übten die neuen Rekruten nun schon mit den Geräten, die in den Kammern im Erdgeschoss des Haupthofs untergebracht waren und Karthull lernte die Korsaren besser kennen. Einerseits gab es ein paar Leute, die wie Krohlon in die Stadt gekommen waren und darauf eingestellt waren ein neues Leben zu beginnen, dann die die zu ihrem alten Anführer hielten und jene, die Rarmiel gegen die anderen aufstacheln konnte. Der von Herumor zugeteilte Hauptmann teilte die Korsaren nach einigen Übungen in Tüchtigkeitsklassen ein und teilten den großen Trupp in vier kleinere die ausgewogen aus Tüchtigen und weniger Starken bestanden ein. Zehn Männer fassten die Gruppen von Karthull und Krohlon. Wobei Karthulls Trupp den Galgen am Marktplatz morgens bis mittags beobachten sollte und Krohlons Trupp nachmittags und abends.
Die Überwachung wurde anspruchsvoller als gedacht, da die Überwacher selbst ungesehen bleiben sollten. Karthull machte an jenem morgen also die Anweisung sich unauffällig unter die Leute am Markt zu mischen und sich in der Nähe des Galgens niederzulassen oder wie viele Menschn durch die Marktgassen herumzuschlendern. "Blickkontakt ist wichtig, ansonsten verfolgen wir die Person alleine, wenn wir eine sehen." , brachte sich ein Kosar mit ein. "Das stimmt, außerdem sollten wir vermeiden die Täter auf dem Marktplatz zu stellen. Dann könnten Andere Verdacht schöpfen, uns entwischen und an einem späteren Zeitpunkt an dem niemand dort ist zurückkehren." , der Eifer mit dem die neuen Soldaten ans Werk gingen machte Karthull zu schaffen. Manchmal vergas er auch für einen Moment, dass es ehrbare Leute waren, die er verfolgen sollte und versank völlig in seiner Rolle als Kosar. Wenn er dann wieder aufwachte und merkte was er tat schmerzte es in ihm und er fühlte sich zutiefst schuldig.
Ein Glück das wir noch niemanden erwischt haben. , dachte er nachdem zwei weitere Tage vergangen waren. Eine peinliche Situation wäre fast entstanden als sie einen jungen Mann fixiert hatten, der sich zügigen Schrittes in Richtung des Galgens bewegte, mit einer Rose in der Hand. Doch kurz bevor Karthulls Leute aufstanden um auf ihn zuzugehen überreichte er die Blume einer Frau und küsste sie.
Am vierten Tag des Überwachens, das bisher ohne Erfolge verlief obwohl sich die Blumen auf dem Haufen vermehrt hatten, sollten die Soldaten etwas mehr auf die Probe gestellt werden.


Karthull auf die Straßen von Minas Tirith
« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 14:02 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #6 am: 14. Apr 2011, 15:34 »
Karthull von den Straßen von Minas Tirith


"Ähm, Karthull?", unterbrach der Kosar Karthulls wilde fetzenhafte Phantasieen und Gedanken an die fremde Frau, die er eben gerettet hatte.
"Was?", fragte Karthull etwas höflicher und liebevoller als es hätte klingen sollen.
"Hast du was dagegen ... ich meine stört es dich, wenn wir sagen unser Verfolger wäre ein Mann gewesen."
"Hmm? Wieso?" , Karthull wollte sich die Frau nicht als Mann vorstellen.
"Naja du weißt schon, wenn wir zurückkommen und sagen eine Frau hat uns so zugerichtet..." , er deutete auf Karthulls Wange und seine Knie. "Du kannst dir ja denken wie wir dann dastehen."
"Achso. Gute Idee, sagen wir sie... ähm er war ungefähr so groß wie du, stämmig und hatte braune schulterlange Haare." Das wird ja immer besser, jetzt wird noch nicht einmal ein Steckbrief für sie gemacht. Obwohl so viel Betrieb wie die Wachen in den letzten Wochen hatten würde sich wohl eh niemand die Mühe mit einem Steckbrief für eine Frau machen.
"Danke Karthull ich weiß das zu würdigen. Es ist ja auch nicht zu deinem Nachteil."
"Gut jetzt aber kein Wort mehr darüber, davorne sind die anderen."

Eine der beiden anderen Gruppe hatte mithilfe der Korsaren, die das Geschehen von weiter weg beobachtet hatten einen jungen Rebellen gefasst und zur Inhaftierung und zum Verhör in ein Verließ in weiter oben gelegene Ringe gebracht. Der dritte Verdächtige war wie Karthulls "Mann" entkommen. An dem Tag fielen nur noch ein paar Pflichten an und als Krohlons Trupp zurückkam und es Abend wurde, machten sich die Soldaten des dritten Hauptmanns außer Krohlon und Karthull, unter ihnen auch Sulafar und Rarmiel auf den Weg zu einer Bücherverbrennung. Karthull und Krohlon wurden wieder von der Vielzahl der Korsaren als höhergestellter Bestandteil der alten Horde akzeptiert und als sie spätabends mit der Gruppe an einem Feuer im Hof saßen konnte Karthull deutlich die Gemüter der Korsaren lesen und unterscheiden. Es gab diejenigen, die zufrieden und froh waren in der Stadt Unterkunft und Arbeit gefunden zu haben, sie gesellten sich oft zu Krohlon, der ihnen schon einiges über die Minas Tirith und die Bewohner berichten konnte, was sie in ihrer Zeit ohne weitere Aufgaben im untersten Ring der Stadt nicht hatten erfahren und erleben können. Einige andere in ihren Gruppen wollten aber lieber Raufereien als Gespräche mit den Bewohnern der Stadt, Karthull beobachtete als er daran dachte besonders fünf Korsaren, die wohl vormittags während des normalen Wachdienstes in einen Zwischenfall mit Aufständischen verwickelt gewesen waren. Es wird Zeit, dass ich mit Beregond rede, wenn die Getreuen nicht ruhiger werden, dann wird das heftige Folgen haben und die Serie an Verhaftungen und Schlägereien wird nie aufhören.
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PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #7 am: 30. Apr 2011, 00:02 »
So interessant und ruhig die Nacht gewesen war, das Aufwachen war es nicht. Gleich als Karthull aufstand bemerkte er die zerknitterten Gesichter der anderen Truppführer. Erst ignorierte er die Mienen, doch als sie nachdem er sich gewaschen hatte immernoch ähnlich verdrießlich dreinschauten brach er das Schweigen: "Was ist los?"
"Karthull du musst wissen..." , begann der Hauptmann: "gestern Abend hat meine Gruppe eine Aufständische verfolgt, die bei einer Bücherverbrennung nun ja, sagen wir sie hat randaliert und sich daneben benommen."
"Na und das passiert doch täglich, wieso seit ihr alle so betrübt?"
"Wie gesagt wir haben sie verfolgt und um unsere Chancen sie zu finden zu vergrößern haben wir uns aufgeteilt." Der Hauptmann stockte kurz, fuhr dann jedoch fort: "Jemand hat zwei unserer Leute getötet."
"Was? Soweit hätte es nicht kommen dürfen! Erzähl mir mehr!" , rief Karthull bestürtzt und der Hauptmann begann zu erzählen, während Krohlon und der ehemalige Anführer der Horde nur schweigend und scheinbar überlegend dastanden. Karthull hörte Worte wie "feiger Hinterhalt" und "zwei gute Männer verloren", doch in diesem Moment wurde ihm bewusst, dass was er tat zwei Seiten hatte. Wenn die Frau die ich gerettet habe nun Sulafar und den zweiten Kerl getötet hat. Übermäßig stark mag sie nicht sein, aber zu einem Hinterhalt mit tückischen Klingen wäre sie wohl im Stande und in der Gesinnung. Ich muss wissen, ob sie etwas mit den Morden zu tun hat und ich muss endlich mit Beregond sprechen!
Nun hörte Karthull dem Hauptmann wieder zu: "Du kannst dir vorstellen wie der Trupp darauf reagiert hat, Rarmiel hat gesagt er hat es mitangesehen."
"Ach sei mir still mit diesem Dreckskerl, der war schon immernur darauf bedacht mich zu entmachten." ,unterbrach ihn der alte Anführer unwirsch.
"Wie auch immer er hat etwas erwähnt von Plänen mit denen er es auf seine eigene Art regeln will und ist bevor du aufgewacht bist mit zehn Leuten, aus unterschiedlichen Gruppen verschwunden."
"Wie? Habt ihr ihn einfach gehen lassen?"
"Natürlich nicht, ich habe ihm gedroht, doch er sagte ein Hauptmann der seine Leute dem Hinterhalt aussetze sei es nicht Wert Hauptmann genannt zu werden." , Karthull hörte außer Enttäuschung und Zorn auch eine Bedrückung und Selbstzweifel, die an dem Hauptmann nagten. Es herrschte eine kurze Stille, dann fuhr der Hauptmann fort: "Ich werde so schnell wie möglich aufbrechen und meinem Vorgesetzten Beregond Bericht erstatten."
"Nein." , entschieden fiel Karthull ihm ins Wort: "Du hast wohl genug zu tun die Meute wieder in den Griff zu bekommen, dafür wurdest du ausgebildet. Einen Bericht übergeben kann auch einer von uns. Ich werde das machen."
"Danke Karthull, das erleichtert mir die Arbeit wirklich." , sagte der Hauptmann aufrichtig.
"Dann brauche ich zuerst ganz schnell die Namen von denen die mit Rarmiel umherziehen und dann mache ich mich noch schneller auf den Weg."
Mit erschrecken musste Karthull feststellen, dass auch Korsaren aus seiner Gruppe verschwunden waren unter anderem der, der mit ihm am Tag zuvor die Frau verfolgt hatte.


Karthull zum Brunnenhof und der Zitadelle
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 08:57 von Fine »

PumaYIY

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #8 am: 13. Mai 2011, 17:16 »
Karthull vom Brunnenhof und der Zitadelle


Wie im Traum kommt es mir vor, gerade hab ich mich an das Leben in der Stadt halbwegs gewöhnt und nun soll ich wieder fort, von einem Tag auf den anderen. Seinen Auftrag hatte Karthull seit einiger Zeit regelrecht verdrängt, genauso wie die damit verbundenen Fragen: Wie erkläre ich das Krohlon und den Anderen? und Werde ich nochmal zurückkommen?
Hmm... Aber Beregond hat mir ja einiges organisiert, ich muss mir ja noch nicht einmal eine eigene Ausrede einfallen lassen. Ich kann Krohlon und den anderen Korsaren einfach einen wichtigen Auftrag vorgaukeln, während ich den Feinden wichtige Informationen bringe... Feinden? Was ist nur mit mir los? Ich rede ja fast schon so wie Rarmiel! Es wird Zeit, dass ich von hier fort komme und mal eine Weile offen mit Menschen reden kann. Vorher werde ich aber noch meine Sachen holen und mit Krohlon reden.
Auf dem Weg zum Kasernenhof war es ruhig, doch als er dort ankam hörte er laute Stimmen. Auf dem Hof waren zahlreiche Soldaten in den metallern glänzenden Rüstungen. Der Hauptmann der Kaserne stand in der Mitte eines Soldatenkreises, er rief den Soldaten Befehlen zu. Karthull erkannte auch Krohlon und einige Korsaren in den hinteren Reihen nahe am Tor zu ihrem Kasernenhof. "Wie ihr wisst haben sich heute Morgen einige unserer neuen Verstärkung selbstständig gemacht. Sie wollten Rache üben für ihre getöteten Freunde, doch sie haben Feuer mit Feuer bekämpft und die vermeintlichen Mörder hinterlistig getötet. Seit der Mittagszeit sind nun aufgebrachte Angehörige und kampflustige Raufbolde unterwegs und versuchen wiederum Rache an den kosarischen Wachen auszuüben. Ich sage es nur ungern...", der Hauptmann hielt kurz inne, als Karthull bei Krohlon ankam: "aber die Lage ist explosiv. Wir werden uns keine Fehler erlauben, also hier die Befehle zur Bewahrung der Sicherheit auf den Straßen von Minas Tirith: Die flüchtigen kosarischen Wachen werden wieder eingefangen und ihres Amtes entbunden! Plünderungen ist einhalt zu gebieten und Gewalt gegen Wachen muss sofort unterbunden werden! Aber Schwerter dürfen nur zur Drohung gezogen werden, niemand, hört ihr niemand wird brutal verletzt oder getötet! Der unterste Ring ist der unsicherste, deshalb rücken wir in zwanzig Minuten dorthin und beenden die Konflikte. Ich erwarte alle Soldaten in zwanzig Minuten hier in Marschaufstellung!" Damit war der Appell beendet und die Soldaten strömten eilig durcheinander, ein Teil von ihnen darunter Krohlon und Karthull gingen durch das Tor in den Kasernenhof der Korsaren.
"Da bist du ja... Wir müssen uns beeilen, du hast noch keine Rüstung an." , Krohlon hatte sich ein etwas rostiges Kettenhemd und einen Helm aus dem Rüstungsarsenal der Wachen geholt. Rüstungsgegenstände gab es mehr als genug für die Wachen, denn durch die verlustreichen Kriegen hatten viele Waffen und Schilde ihre Besitzer verloren. Doch Karthull brauchte keine Ausrüstung: "Krohlon es fällt mir schwer dir das zu sagen, aber ich werde fortgehen."
"Wie? Was ist los? Du willst uns hier im Stich las..."
"Ich habe einen wichtigen Auftrag von Beregond bekommen. Es geht um Nachschub für die Truppen der Stadt."
"Wo gehst du hin?"
"Ich werde zu den Belagerern von Dol Amroth mit einer Eilkutsche fahren."
"Na dann wünsch ich dir das beste und beeile dich, denn hier wird die Lage wahrlich brenzlich. Lebe wohl und pass auf dich auf."
"Du auch, lebe wohl."
Die Sachen von Karthull waren schnell beisammen, sein Säbel, sein Dolch, Verpflegung und einen Reiseumhang, den er sich vor einiger Zeit gekauft hatte. Zwei Beutel mit Geldmünzen versteckte er in seiner Brusttasche. Als er sich sicher war niemand vergessen zu haben, den er gemocht hatte begab er sich auf die Straßen. Aber halt, was ist denn... Ich muss mich vergewissern und nachschauen bevor ich fortgehe.


Karthull zu den Pelennor-Feldern, vor der Stadt
« Letzte Änderung: 12. Feb 2016, 09:00 von Fine »

kolibri8

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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #9 am: 12. Jan 2013, 12:31 »
Qúsay und seine Reiter von den den Straßen von Minas Tirith


Qúsay ritt in den Kasernenhof, ein großer quadratischer geräumiger Platz, mit Sand bedeckt, der von Wohnquartieren umringt war. Er wartete bis alle seine Reiter im Hof standen und befahl dann abzusitzen.
Ein gondorischer Knecht trat an ihn heran und nahm die Zügel entgegen.
"Gut, bringt die Pferde in die Stallungen", sagte Qúsay. "Ja, mein Herr!", antwortete der Knecht, jedoch nicht ohne einen gehässigen Unterton einzufügen. Qúsay packte ihn am Arm.
"Solange wir Verbündete sind, würde ich ihnen raten einen derartigen Unterton wegzulassen, Ohtan.", sagte Qúsay scharf und funkelte ihn böse an. Dann fügte er hinzu: "Wenn den Pferden oder einem meiner Männer etwas passiert, werde ich sie als erstes dafür verantwortlich machen. Und seit ich mein Auge verloren habe kann ich mir Gesichter noch besser merken. Haben wir uns verstanden?"
Der Knecht schluckte. "Ja, Herr."
Qúsay schenkte ihm ein kurzes Lächeln, "Na, also geht doch." und ließ ihn los. Qúsay nahm sein Gepäck von Sattel und ließ den Knecht Rih fortführen.

Während die Pferde in die Stallungen gebracht wurden ging Qúsay zu dem, der Quartiermeister zu sein schien, und sagte: "Seid ihr der Quartiermeister?" Er nickte sagte aber nichts. "Gut dann zeigt mir mein Quartier. Wenn es geht im höchsten Stock, mit einem Fenster nach Süden." Der Quartiermeister nickte wieder und grummelte leise vor sich hin. "Ganz wie ihr beliebt, mein Herr". Er stand auf und deutete Qúsay an ihm zu folgen.

Im obersten Stock wies er Qúsay schließlich ein Quartier zu. "Hier." sagte er deutete in ein offenes Zimmer, drückte Qúsay einen alten Eisenschlüssel in die Hand und ging.
"Freundlicher Zeitgenosse", dachte Qúsay ironisch, ging in sein Zimmer und schloss die Tür.


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« Letzte Änderung: 19. Feb 2016, 14:04 von Fine »
RPG:
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Re:Kasernenhof im dritten Ring
« Antwort #10 am: 1. Mär 2013, 11:28 »
Qúsay lag auf seiner Pritsche, sein Auge geschlossen. Zwei Tage waren seit seiner Ankunft in Minas Tirith vergangen. Es klopfte an seiner Tür. Er schlug sein Auge auf und blickte zur Tür.

„Herein!“, rief Qúsay als er sich aufrichtete.

Die Tür öffnete sich und einer von Qúsays Männern kam herein.
„Ah Dirar, was ist?“ fragte Qúsay ihn. „Herr, dort draußen sammelt sich eine Menschenmenge und fordert unseren Abzug“, antwortete Dirar.
„Und?“
„Es scheint das Herumor tot ist und die Stadt wohl recht bald von Mordors Truppen angegriffen wird.“
„Was? Wenn Herumor tot ist, dann sind wir hier nicht mehr willkommen.“
„Und wenn die Orks nicht wissen dass wir hier sind,…“
„…dann werden die uns ebenfalls angreifen.“, beendete Qúsay Dirars Satz.
Er hielt kurz inne um zu überlegen. „Wo sind unsere nächsten Truppen stationiert?“
„Linhir.“
Qúsay nickte, das passte in seine Planung. „Gut, Dirar, sagt unseren Männern Bescheid in einer Stunde ziehen wir uns aus der Stadt nach Linhir zurück“
„Ja, Herr.“ Antwortete Dirar, und verließ den Raum.

Qúsay drehte sich um und begann seine Sachen zu packen.

Eine Stunde später standen Qúsay und seine Männer bereit und gerüstet mit ihren Pferden im Innenhof. Qúsay wandte sich an seine Männer und sprach: "Haltet euch bereit. Ich will keine Toten sehen. Wenn sich jemand euch in Weg stellt reitet oder stoßt ihn um, benutzt die Schäfte eurer Speere, Knüppel oder eure Schilde, aber keine Klingen. Sobald wir die Kaserne verlassen haben reiten wir so schnell wir möglich zum Haupttor. So Zaid Manat will werden wir uns dort wieder zusammen finden und die Stadt gemeinsam verlassen. Dirar ihr reitet als Letztes." "Ja, Herr!" "Wenn Dirar also am Tor eingetroffen ist werden wir die Stadt verlassen. Aufsitzen!"
Dann wandte er sich zu den Torwächtern: "Öffnet das Tor!"
Das Tor wurde geöffnet, Qúsay stieg auf sein Pferd und die Haradrim ritten nach draußen.

Qúsay und seine Reiter auf die Straßen von Minas Tirith


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Die Lage in Minas Tirith
« Antwort #11 am: 17. Feb 2016, 00:19 »
Azruphel und Beregond von den Pelennor-Feldern vor der Stadt


Auf dem Weg durch die Straßen der Stadt prägte sich Azruphel alles ein, was sie sah. Halte deine Augen stets offen. Offenbar waren nicht mehr sehr viele Menschen in der Stadt. Sie sah ungefähr dieselbe Zahl an Orks, die als Besatzer zu agieren schienen. Die Menschen Gondors die noch in Minas Tirith waren wurden hier zum Frondienst herangezogen und setzten in langsamer, mühseliger Arbeit die beschädigten Mauern und Befestigungen wieder instand. Je länger sich Azruphel ein Bild der Lage machen konnte desto weniger gefiel die Situation ihr. Menschen sollten nicht unter der Herrschaft von niederen Wesen wie den Orks stehen, dachte sie. Und vor allem nicht die edlen Dúnedain von Gondor.

Am Kasernenhof angekommen stellte sie fest, dass man den Ort der wohl einst einen Großteil der Soldaten der Stadt beherbergt hatte, in eine gut bewachte Unterkunft für Sklaven und Arbeiter verwandelt hatte. Azruphel ließ man passieren denn sie hatte ihre Ankunft in Minas Tirith am Großen Tor bereits bekannt gegeben und die orkischen Wachposten wussten, dass ein Bote aus Barad-dûr in der Stadt war. Der Mann namens Beregond konnte inzwischen wieder selbstständig stehen und führte sie zu einem kleinen Raum, den er sich mit vier weiteren Arbeitern teilte. Doch offenbar waren diese noch unterwegs, denn der das Zimmer war leer als sie herein traten.

Beregond sank erschöpft auf sein Bett nieder. Azruphel schloss die Tür und lehnte sich ihm gegenüber an die Wand.
"Warum habt Ihr mir geholfen?" fragte er schließlich.
Das hatte sich Azruphel auf dem Weg zur Kaserne selbst schon gefragt. Ja, warum?
In ihrem Inneren hatte sie einen Streit ausgetragen. Mitleid bedeutet Schwäche, hatte eine Stimme gesagt. Doch es war nicht die ihres Vaters gewesen, der als weniger grausam als sein Vorgänger galt. Erschrocken hatte sie festgestellt, dass es die Stimme ihres Bruders Balákan war.

"Nicht aus Mitleid," antwortete Azruphel langsam. "Sondern weil Ihr eine bessere Behandlung verdient habt."
"Ich verstehe nicht," sagte Beregond. "Wer seid Ihr, híril?(1)
Er spricht die Elbensprache, stellte sie fest und wechselte ins Sindarin, was ihr um einiges leichter fiel.
"Mein Name ist... Aerien."(2)
"Ein ungewöhnlicher Name," antwortete Beregond in derselben Sprache. "Ungewöhnlich für eine Dienerin Saurons."
"Ich diene Sauron nicht," zischte sie. "Nicht mehr. Wäre dem so läget Ihr nun verblutend vor den Toren dieser Stadt."
"Wem dient Ihr dann?"
"Ich gehe meinen eigenen Weg. Mein Ziel ist es, mehr über die Dúnedain des Westens herauszufinden. Denn wie sie stamme auch ich von den Menschen von Númenor ab."
"Dann.. dann seid ihr eine der Schwarzen Númenorer!" stellte Beregond fest und wich zurück.
"Mein Erbe habe ich verworfen und mein Schicksal abgelehnt," sagte Aerien sanft. Sie fühlte eine seltsame Verbundenheit zu diesem Mann. Auch durch seine Venen fließt das Blut der Erben Númenors, dachte sie.
"Das muss eine Täuschung sein," meinte Beregond ungläubig. "Ich verstehe nicht, was Ihr von mir wollt... ich bin nur ein gebrochener Mann ohne Hoffnung, in einer Stadt voller Feinde."
Aerien senkte ihre Stimme zu einem Flüstern. "Ihr müsst mir nicht vertrauen. Nein, das müsst Ihr nicht, Beregond. Doch wisst dass es Euer Anführer Aragorn tat. Er hat mich alles gelehrt, was ich über Gondor weiß."
Beregond blickte ihr überrascht ins Gesicht. "Mit Elessar selbst habt Ihr gesprochen? Und er hat Euch hierher geschickt? Aus welchem Grund?"
"Er hat mich nicht hergeschickt. Ich kam aus eigenem Entschluss. Ich will Saurons Herrschaft beendet sehen und meinen Teil dazu beitragen."
"Das ist sehr mutig, Aerien," sagte Beregond anerkennend. "Ich vermute, für Verräter wird der Dunkle Herrscher nur wenig Gnade aufweisen."
"Vermutlich. Deswegen ist es wichtig, dass keiner von meinen wahren Absichten erfährt. Viel kann ich den Herren des Westens über Mordor und seine Bewohner verraten, doch mein nächster Schritt ist mir noch nicht ganz klar. Soll ich weiter in die befreiten Gebiete ziehen?" fragte Aerien.
"Dol Amroth ist die letzte große Festung, die noch Widerstand leistet, und auch Rohan ist seit einem Jahr wieder in Freiheit. Beides wären gute Ziele," sagte Beregond nachdenklich. "Doch auch hier in der Nähe der Stadt gibt es Widerstandskämpfer, Partisanen und Waldläufer die durch die Wälder Ithiliens streifen. Ich habe mehrere Freunde dort, die im Frühjahr aus der Weißen Stadt geflohen sind."
"Oh. Ich bin auf dem Weg hierher knapp einem Überfall dieser Waldläufer entgangen," erinnerte sich Aerien. "Vielleicht sollte ich zu ihnen gehen. Sie sind näher an Mordor als Dol Amroth oder Rohan. Sicherlich können sie mein Wissen am besten verwenden."
Sie machte eine kurze Pause und blickte Beregond in die Augen. "Es wäre gut, wenn Ihr mich begleiten würden," sagte sie dann. "Wenn Ihr dort Freunde habt wird es einfacher, das Vertrauen der Waldläufer zu gewinnen."
"Ich vertraue dir noch nicht vollständig, Aerien," antwortete Beregond. "Doch mein Herz sagt mir, dass du gute Absichten hast. Wenn du mich sicher aus der Stadt heraus bringst werde ich dich zum Widerstand bringen."
"Dann lass' uns keine Zeit verlieren, Beregond. Ich vermute, bei Nacht wird es hier noch mehr Orks geben als tagsüber."
Beregond nickte und setzte sich auf. Nachdem sie eine kurze Mahlzeit zu sich genommen hatte die Aerien ihren Satteltaschen entnommen hatte verließen sie die Kaserne und eilten durch die Straßen der Stadt zurück zum Großen Tor. Ungehindert verließen sie die Weiße Stadt, denn niemand wagte es in Frage zu stellen, warum die Abgesandte aus dem Dunklen Turm einen der Arbeitssklaven mitnahm. Aerien war es recht. Je weniger Fragen gestellt werden, desto besser.


Aerien und Beregond nach Süd-Ithilien


(1) sindarin "Herrin, hohe Dame"
(2) sindarin "Meerestochter"
« Letzte Änderung: 4. Nov 2016, 08:49 von Fine »