Das Schicksal Mittelerdes (RPG) > Imladris

Elronds Haus

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Melkor.:
Die Vorbereitungen für die Mission Cánotars und Ardóneths dauerten mehrere Tage, in denen es für Ardóneth nur wenig zu tun gab. Noch immer wartete er darauf, dass seine Gruppe, die er in Fornost zurückgelassen hatte, in Bruchtal eintreffen würde. Doch nun, da sich Lóvarie entschlossen hatte, ihn zu begleiten, war es ihm ganz recht, dass sie nicht sofort aufbrachen. Denn je mehr Zeit der Kundschafterin blieb, um sich von ihren Verletzungen zu erholen, als umso nützlicher würde sie sich während der Mission erweisen.
Und dennoch steht es ganz außer Frage, dass die Zeit drängt, dachte Ardóneth, während er in Begleitung seiner Tochter durch das Haus Elronds streifte. Vorräte und Waffen standen bereit, wie er wenige Minuten zuvor überprüft hatte. Fehlen nur noch Elrádan und die anderen. Hoffentlich sind sie nicht mehr allzu weit weg.
Er war fest entschlossen, die Gefahr, die Bruchtal womöglich drohte, um jeden Preis abzuwenden. Nun, da sich seine Familie dort aufhielt, war es ihm umso wichtiger geworden. Doch selbst wenn Cairien und Maraniel in Fornost geblieben wären, hätte er trotzdem vollen Einsatz auf dieser Mission gezeigt.
Aber dadurch dass sie hier sind, ist es etwas Persönliches, dachte er. Ich werde nicht zulassen, dass den beiden etwas zustößt.

Maraniel hatte seine Hand losgelassen und war ein Stückchen voraus gelaufen, einen der langen Gänge innerhalb des Westflügels des Hauses entlang. Zu dieser Tageszeit begann die Sonne gerade, durch die großen Fenster hineinzuscheinen, denn es war bereits später Nachmittag und das Abendessen war nicht mehr fern. Maraniel öffnete neugierig eine der Türen im Gang und schlüpfte hindurch, ehe Ardóneth sie aufhalten konnte. Rasch schloss er zu ihr auf und blieb im Türrahmen stehen. Das Zimmer war recht klein und wurde von einem großen Bett dominiert, in dem eine schlafende Gestalt lag. Die Elbenfrau, die dort lag, wirkte auf Ardóneth verletzlich, als wäre ihr etwas Furchtbares zugestoßen. Sie war blass und die blonden Haare fielen in einem großen Durcheinander über die Kissen, auf denen ihr Kopf gebettet war.
Maraniel schien ebenfalls zu merken, dass etwas nicht stimmte. “Was ist mir ihr?” fragte das Mädchen.
Ehe Ardóneth antworten konnte, betrat ein breitschultriger, dunkelhaariger Mann den Raum über den Balkon, der an das Zimmer grenzte. Offenbar hatte er dort draußen gestanden und die Wasserfälle von Imladris betrachtet.
“Hallo,” sagte der Mann freundlich und ging neben Maraniel in die Hocke. Sein Vollbart war ebenso dicht wie sein Haar und hatte dieselbe dunkle Farbe. Er deutete auf die schlafende Elbin und fuhr fort: “Sie ist krank, meine Kleine. Aber dank Elronds Hilfe wird es ihr schon bald besser gehen.”
“Ich hoffe es,” antwortete Maraniel. Dann wandte sie den Blick vom Bett ab und fixierte den Bärtigen. “Wie heißt du?”
“Mein Name ist Jarbeorn, Sohn des Grimbeorn. Und du?”
“Maraniel. Tochter von... von dem da.” Sie zeigte mit einem fröhlichen Grinsen auf Ardóneth, der sich mit dem Rücken gegen den Türrahmen gelehnt hatte.
“Ardóneth, Argoleths Sohn,” stellte er sich mit einem Nicken vor. “Schön, Eure Bekanntschaft zu machen, Jarbeorn.”
Eine neue Stimme mischte sich ein und sagte: “Ich hatte eigentlich keinen Besuch erwartet.” Sie klang nicht vorwurfsvoll, und als Ardóneth hinsah, erkannte er, dass die Elbin erwacht war.
“Dies ist Córiel von den Noldor,” stellte Jarbeorn sie vor. “Und ich fürchte, wir haben sie geweckt. Dabei sollte sie schlafen und gesund werden.”
Córiels Gesicht verzog sich zu einem kleinen Lächeln. “Mach dir nur keine Sorgen um mich. Ich komme schon wieder in Ordnung.”
“Ich weiß, Stikke. Aber mir wäre es lieber, wenn ich etwas weniger lange auf den Tag warten müsste, an dem du und ich wieder auf die Jagd gehen können.”
“Auf die Jagd?” fragte Maraniel neugierig.
Jarbeorn beugte sich zu ihr herunter. “Wir verfolgen eine böse Frau, die viel Unheil anrichten wird, wenn wir sie nicht aufhalten.” Er zwinkerte dem Mädchen verschwörerisch zu. “Aber das ist ein Geheimnis.”
“Ich werde es niemandem verraten,” flüsterte Maraniel dem Beorninger zu.
Ardóneth musste bei diesen Worten an seine eigene Mission denken, zu er er schon bald aufbrechen würde. Auch er würde sich auf die Jagd begeben - auf die Jagd nach den Gefahren, die Bruchtal und damit auch seine Familie bedrohten.
“Was macht ein Beorninger auf dieser Seite des Gebirges?” fragte er freundlich in Jarbeorns Richtung. “Ich war vor Kurzem auf dem Hohen Pass und bin bis zum Carrock gereist. Doch von Eurem Volk habe ich keine Spur gesehen.”
“Mein Vater, Grimbeorn der Alte, der Häuptling, hat meinen Leuten nach dem Fall des Goldenen Waldes in Rohan eine neue Heimat gefunden,” erklärte Jarbeorn. “Dort gibt es einen Wald, der den Wäldern zwischen Fluss und Gebirge östlich von hier sehr ähnlich ist. Doch ich hoffe, dass wir eines Tages wieder ins Tal des Anduin zurückkehren können... wenn Saruman keine Bedrohung mehr darstellt.”
“Und ich bin mir sicher, dieser Tag wird kommen,” meinte Córiel und ergriff Jarbeorns Hand.
Sie scheinen ja sehr vertraut miteinander umzugehen, dachte Ardóneth. Ob sie wohl... Er brachte den Gedanken nicht zu Ende, denn Maraniel war überraschend auf das Bett geklettert, offenbar fest entschlossen, Córiels Haare in eine ordentliche Form zu bringen.
“Was machst du denn da?” fragte die Elbin, doch sie ließ das Mädchen zunächst gewähren.
“Ich helfe dir,” erklärte Maraniel. “Damit du schneller gesund wirst.” Rasch band sie den Großteil der blonden Haare zu einem einfachen Zopf zusammen und betrachtete das Ergebnis mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. “Jetzt sind dir deine Haare nicht mehr so im Weg, wenn du schlafen willst.”
Jarbeorn lachte und meinte: “Ich bin mir sicher, das ist genau das, was Stikke jetzt gebracht hat.”

Wenig später brachte Ardóneth seine Tochter zurück zu Cairien und sie aßen zu dritt zu Abend. Und als die Sonne bereits im Westen unterging, geschah das, worauf er in den letzten Tagen gewartet hatte. Cánotar brachte die Nachricht, dass Elrádan und der Rest von Ardóneths Gruppe eingetroffen waren und bei den Stallungen auf ihn wartete. Gemeinsam begaben sie sich dorthin...

Ardóneths Gruppe in die Trollhöhen

Fine:
Córiel blieb noch zwei Wochen in Imladris, die sich mehr und mehr in die Länge zu ziehen begannen. Selbst als die Heiler es ihr endlich gestattet hatten, das Bett zu verlassen, fühlte sie sich dennoch eingeengt und kam sich wie ein Kind vor, das stets unter Beobachtung stand. Jarbeorn war den Großteil der Zeit an ihrer Seite und unterhielt sie mit seinen Späßen und Geschichten, doch selbst der gutmütige Beorninger war nicht immer in der Lage, Córiels düstere Laune aufzuhellen.
Von Níthrar bekam Córiel nur wenig zu sehen. Der Avarin-Elb verbrachte die Tage meistens in Elronds Bibliothek, wo er das angesammelte Wissen nach Informationen über seine Mutter durchforstete. Doch Imladris war hauptsächlich ein Stützpunkt der Noldor, die sich nur wenig mit den Avari-Völkern des Ostens beschäftigt hatten. Elronds Bibliothek war groß und bis zum Rand gefüllt mit Aufzeichnungen, Schriftrollen und Büchern, doch Córiel konnte nicht sagen, ob Níthrar dort finden würde, wonach er suchte. Der Elb war seit seinen Enthüllungen sehr verschlossen gewesen und hatte kaum oder gar nicht auf Unterhaltungsversuche Córiels reagiert. Also hatte sie ihn schließlich in Ruhe gelassen.

Der Oktober neigte sich dem Ende entgegen, und die Bäume Bruchtals begannen, ihre letzten Blätter zu verlieren. Córiel stand auf dem Balkon ihres Zimmers und stützte sich mit beiden Armen auf das kunstvoll geschnitzten Geländer. Die Wasserfälle Bruchtals donnerten in einiger Entfernung herab und sorgten dafür, dass ein leichter Hauch von Wasserdampf in der Luft lag. Es war kühl geworden, weshalb Córiel einen roten Umhang trug, den sie eng um ihre Schultern geschlungen hatte. Sie hatte seit ihrem Sturz keine Rüstung mehr getragen und begann so langsam, sich an die Kleider zu gewöhnen, die man ihr freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte. Dennoch war sie froh, dass es sich dabei nicht um einen permanenten Zustand handelte.
Im Hof unter ihr regte sich etwas. Es war Jarbeorn, der ihr gut gelaunt zuwinkte. “Komm herunter, Stikke!” rief er und hob seine Axt, die er in der linken Hand hielt. “Yávien hat gesagt, du darfst nicht vergessen, deine Muskeln wieder an normale Bewegungen zu gewöhnen. Lass uns gleich heute anfangen! Es wird dir gefallen.”
Sie legte den Kopf schief und dachte über das Angebot nach. Jarbeorn sprach natürlich von Kampfübungen, das hätte selbst ein Blinder erkannt. Und Córiel spürte deutlich, dass sich ein Teil von ihr danach sehnte, endlich wieder ins Gefecht zu ziehen. Doch Elronds Worte waren ihr allzu deutlich in Erinnerung geblieben. Der Herr von Imladris hatte Córiel gewarnt, sich nicht von ihrem Blutdurst verzehren zu lassen. Und tatsächlich war das Verlangen, das stets tief in Córiels Herzen schlummerte, in den Wochen, die sie in Imladris verbracht hatte, niemals an die Oberfläche gedrungen. Sie hatte Frieden gefunden, zumindest für einen kurzen Zeitraum. Und Córiel stellte fest, dass sie diese Zeit genossen hatte - mehr, als ihr zunächst klar geworden war. Wollte sie diesen Frieden wirklich riskieren? Unentschlossen trat sie von einem Bein aufs andere, ehe sie sich schließlich dazu durchrang, sich Jarbeorn im Hof anzuschließen.
Unten angekommen fand sie den Beorninger bereits ungeduldig wartend vor. Neben ihm stand Yávien, die Elbenheilerin, die Córiel mit kritischem Blick musterte. Sie studierte jede einzelne Bewegung, während Córiel nichts weiter tat, als den Hof zu durchqueren und sich zu den beiden zu gesellen.
“Du bewegst dich noch immer etwas unsicher,” stellte Yávien fest. “Doch offenbar sind deine Knochen wieder gut zusammengewachsen. Hast du noch Schmerzen? Kannst du Arme und Beine einwandfrei bewegen?”
Córiel hob zur Demonstration beide Arme in die Höhe, dann machte sie einen kleinen Sprung und rollte sich geschickt ab. Als sie wieder auf die Beine kam, rauschte ein kurzer Schmerz durch ihre Schultern, doch das Gefühl verschwand so schnell wie es gekommen war. “Ich glaube, es geht,” sagte Córiel.
“Dann können wir beginnen,” meinte Jarbeorn zufrieden. “Du trägst weder Waffe noch Rüstung, doch das musst du auch nicht. Für heute reicht es, wenn du meinen Angriffen ausweichst.” Er hob die Axt und packte den Schaft mit beiden Händen.
“Und wenn ich zu langsam bin, und du mich triffst?”
“Dann wird dich Yávien eben wieder zusammenflicken,” erwiderte Jarbeorn mit einem breiten Lächeln. “Mach dich bereit, Stikke!”
Er holte aus und ließ die Axt vertikal niedersausen. Ein schneller Schritt zur Seite brachte Córiel aus der Gefahrenzone. Dann duckte sie sich hinter dem nächsten Hieb hinweg und wirbelte um die eigene Achse, wobei sie mit einem kurzen Sprung etwas Distanz zwischen sich und den Beorninger brachte. Federnd landete sie und hielt sich für den nächsten Angriff bereit.

Zwei Stunden später fühlte sich Córiel so erschöpft wie lange nicht mehr, doch ihre Laune war besser denn je. Nicht einen einzigen Treffer hatte Jarbeorn landen können. Yávien untersuchte sie und stellte erfreut fest, dass der Heilungsprozess in Córiels Körper wie erhofft voranschritt. Bis auf vereinzelte Schmerzen in Schultern und Oberschenkeln hatte Córiel keinerlei Beschwerden.
“Sieht ganz so aus, als wärst du bald schon wieder bereit für neue Abenteuer,” freute sich Jarbeorn.
“Vaicenya ist noch immer da draußen,” sagte Córiel. “Wir haben viel Zeit verloren, doch wir können sie noch immer aufhalten.”
“Und das werden wir auch, Stikke. Werde du einfach nur weiter gesund. Bald schon werden wir erneut zur Jagd aufbrechen.”

Am späten Abend lag Córiel wach und dachte darüber nach, was geschehen war. Noch immer war sie innerlich wie zerrissen. Sie wusste, dass ein Teil von ihr, genau wie Jarbeorn, darauf brannte, die Jagd nach Vaicenya so bald wie möglich wieder aufzunehmen. Doch ihre andere Hälfte sehnte sich nach mehr Ruhe und würde am liebsten zu den Anfurten von Mithlond aufbrechen, um in See zu stechen. Córiels Schiff, die Sternenjägerin, lag sicher vertäut an Círdans Gestaden und wartete nur darauf, wieder die Weiten von Belegaer zu durchstreifen. Doch konnte sie es sich wirklich erlauben, in diesen finsteren Zeiten Mittelerde den Rücken zu kehren? Besaß sie nicht die Verantwortung, gegen die Mächte des Schattens zu kämpfen, selbst wenn sie dieser Kampf in Gefahr brachte, sich in ihrer Blutlust zu verlieren?
Mit einem leisen Geräusch öffnete sich die Türe zu Córiels Zimmer. Überrascht stellte sie fest, dass es Meister Elrond war, der den Raum betrat, gefolgt von einer weiteren Person. Córiel nahm an, es handelte sich dabei um die Heilerin Yávien.
“Meister Elrond, was führt Euch zu dieser späten Stunde zu mir?” fragte sie und stand von der Bettkante auf, auf der sie gesessen hatte.
Elronds Gesichtsausdruck war von Sorge gekennzeichnet. “Ich habe einen überraschenden... Besucher in meiner Unterkunft vorgefunden. Deshalb bin ich hier. Ich denke, mein Gast kann für sich selbst sprechen.” Elronds Stimme hatte einen merkwürdigen Klang angenommen, während er beiseite trat und sein Begleiter ins Licht der kleinen Elbenlampe kam, die Córiels Raum erhellte.
“Ich sehe, es geht dir schon wieder deutlich besser, melvendë,“ sagte Vaicenya mit einem freundlichen Lächeln. “Das erwärmt mir das Herz, meine Liebe.”
Córiels Hände verkrampften sich. Also war sie tatsächlich hier und ich habe mir die Unterhaltung nicht eingebildet, schoss es ihr durch den Kopf. Wie bei allen Sternen ist sie nur ungesehen nach Imladris gelangt? Und wieso lässt Meister Elrond sie gewähren und bringt sie sogar hierher, zu mir?
“Du hast viele Fragen, das sehe ich dir an,” fuhr Vaicenya fort und strich sich ihr dunkelbraunes Haar hinter die spitzen Ohren zurück. “Und ich verspreche dir, ich werde jede einzelne davon beantworten. Doch dies ist weder der Ort noch die Zeit dafür. Es hat sich eine Gelegenheit eröffnet, die ich nicht ungenutzt lassen werde. Doch dafür benötige ich deine Hilfe.”
Córiel konnte kaum glauben, was sie da hörte. Sie warf Elrond einen hilfesuchenden Blick zu, doch dieser schüttelte nur sanft den Kopf. Irgendetwas schien ihn davon abzuhalten, Vaicenya unschädlich zu machen.
“Wenn du glaubst, ich helfe dir, nach dem, was du mir angetan hast...”
Vaicenya streckte ihr die Hand entgegen, doch Córiel schob sie zornig beiseite. “Ich werde mich dir niemals anschließen.”
Ihre Überraschung wurde noch größer, als Elrond sagte: “Ich denke, das ist genau das, was du tun solltest.”
Wie bitte? Er ist auf ihrer Seite? Córiel konnte kaum glauben, was sie da hörte. Sie starrte Elrond mit schockiertem Gesichtsausdruck an.
“Er gilt in diesen Landen als weise, nicht wahr?” meinte Vaicenya und verschränkte die Arme vor der Brust. Die Ringe ihres silbernen Kettenhemdes blinkten im Licht der Elbenlampe, als sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte. “Du solltest wirklich auf ihn hören. Er hat erkannt, wie wichtig es ist, dass die Gelegenheit genutzt wird.”
“Worum geht es dabei überhaupt? Hör’ auf, ständig in Rätseln zu sprechen!” forderte Córiel.
“Oh nein, so einfach mache ich es dir nicht, meine Liebe. Mein Vertrauen musst du dir verdienen. Du brauchst für den Augenblick nur wissen, dass ich deine Hilfe benötigen werde, wenn ich den Goldenen Wald betrete. Und dass du mit mir kommen wirst. Jetzt. Pack deine Sachen und vergiss deine Rüstung nicht. Du wirst sie brauchen.”
“Jetzt? Meine Verletzungen sind...”
“Unbedeutend. Ich habe dich heute beobachtet, melvendë. Du hast deine Anmut zurückerlangt. Bis wir an unserem Ziel angekommen sind, wirst du wieder im Stande sein, zu kämpfen.”
“Ich werde niemals Seite an Seite mit dir kämpfen,” stellte Córiel klar.
Vaicenya kam zu ihr und stellte sich unangenehm nah vor sie. Ihre Gesichter trennten nur noch wenige Zentimeter voneinander. “Du hast es viele Jahrhunderte getan, und du wirst es wieder tun,” wisperte die Dunkelelbin. “Lass mich jetzt nicht im Stich, meine Liebe. Ich brauche dich an meiner Seite.”
Córiel stieß Vaicenya von sich. Die Situation brachte sie mehr aus der Fassung als sie begreifen konnte. Ich kann doch jetzt nicht einfach alles stehen und liegen lassen, und mit Vaicenya zu einer geheimnisvollen Mission aufbrechen, dachte sie.
Elrond sagte: “Reisegepäck steht bereit. Deine Rüstung erwartet dich und ich habe dir Schwert, Bogen und Pfeile bringen lassen.”
“Wieso tust du das?” verlangte Córiel zu wissen. “Wieso vertraust du ihr?”
“Das tue ich nicht,” erwiderte Elrond. “Doch gerade jetzt steht einer ihrer Diener  im Zimmer meiner Tochter, und hält ihr ein Messer an die Kehle. Mir sind die Hände gebunden. Du musst mit ihr gehen, Córiel... ich bitte dich.”
Wütend ballte Córiel beide Hände zu Fäusten. Sie erkannte, dass es nichts gab, das sie tun konnte. Sie musste Vaicenya das geben, was sie wollte. “Also gut,” presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. “Ich gehe mit dir.”
“Braves Mädchen,” sagte Vaicenya zufrieden und strich Córiel über den Kopf. “Mach dich reisefertig. Ich werde warten... aber nicht lange.”

Wenigen Minuten später standen sie zu dritt am südlichen Ausgang zum Tal von Imladris. Córiel trug ihre Rüstung, sowie Waffen und Proviant für eine längere Reise. Vaicenya wandte sich an Elrond und sagte: “Deine Tochter ist sicher, für den Moment. Doch unternimmst du erneut Schritte gegen mich, wird die Klinge so rasch an ihren Hals zurückkehren, wie sie gekommen ist. Meine Diener haben sie problemlos gefunden, und sie können es jederzeit wieder tun.”
“Ich kann nur wiederholen, was ich dir bereits sagte: Wende dich ab von diesem zerstörerischen Pfad. Wende deine Klinge gegen den Schatten, nicht gegen dein eigenes Volk. Es gibt noch viel Gutes, das du vollbringen kannst.”
Vaicenya spuckte aus. “Die Noldor sind nicht mein Volk. Das waren sie seit dem Augenblick nicht mehr, als sie unsere Heimat im Stich ließen und dem Reiter nach Westen folgten.”
“Das war vor vielen Zeitaltern,” erwiderte Elrond. “Lass die Schatten der Vergangenheit ruhen und kämpfe dafür, dass diese Welt noch eine Zukunft hat.”
“Das tue ich,” sagte Vaicenya. “Doch ich werde diese Zukunft nach meinen eigenen Vorstellungen formen.”
Jarbeorn, dachte Córiel. Was wird er nur sagen, wenn ich spurlos verschwunden bin? Vaicenya hatte ihr keine Gelegenheit gegeben, den Beorninger zu wecken um sich von ihm zu verabschieden. Córiel hoffte, dass Elrond ihm die Situation erklären würde. Und dass er verstehen würde, weshalb sie gegangen war...


Córiel und Vaicenya in Richtung Süden

Melkor.:
Ardóneths Gruppe aus den Trollhöhen

Nach einer langen Reise erreichte die Gruppe Ardóneths endlich wieder Imladris. Trotz des eigentlichen Misserfolgs seiner Mission freute sich Ardan in Bruchtal angekommen zu sein, Cairien und Maraniel wieder zu sehen, doch bevor er seine Liebsten aufsuchen konnte, musste er erst mit dem Herren von Bruchtal darüber sprechen. Zusammen mit Canotar und Lovarie erzählte Ardóneth was sie beobachten konnten:" Saruman zieht Truppen in den Trollhöhen zusammen. Wir müssen wachsam bleiben" sprach Lovarie. Canotar nickte "Wir wissen jedoch nicht welchen zu welchem Zweck." warf er abschließend ein. "Ich werde meine Gruppe zurück nach Fornost schicken, im Falle eines weiteren Angriffes muss die Stadt vorbereitet sein. " Zu dritt fassten sie den Ablauf der Mission zusammen.
 Nachdem die oberste Kundschafter und der "Alte Weise" in ihre Quartiere gegangen waren, lief Ardóneth zum Haus in dem seine neue Familie wohnte, er spürte wie er immer schneller wurde umso näher er kam. Nachdem er das Haus betreten hatte rannte ihm Cairien entgegen. "Ardan, du bist wieder zurück." sagte sie und küsste ihn zärtlich. " Dieser erwiderte den Kuss. "Wir haben übrigens Besuch." flüsterte Cairien. Ardóneth konnte nun am Tisch eine junge schwarzhaarige Frau erkennen, die ein kleines Brötchen in kleine Stücken zerriss und aß. " Wer seid ihr?" fragte Ardan schließlich als er langsam zum Tisch lief. Ein ungewöhnliches, misstrauisches Gefühl kam in ihm auf, als er das Gesicht der Person erkannte;  Das Gesicht war von einer jungen hübschen Dunedan, sie hatte ebenso wie er tiefblaue Augen und eine kleine Stupsnase, es war ein vertrautes  Gesicht für Ardóneth was das Gefühl nicht gerade besser machte.
"Ich bitte um deine Hilfe. Mein Vater sandte mich, um dich zu finden um das Erbe unserer Familie zu retten." sprach sie. "Unserer Familie?" fragte Ardóneth, er hoffte inständig sich verhört zu haben.  "Mein Name ist Areneth, ich bin deine kleine Schwester Ardóneth." sagte sie. Dem Dunedan blieb förmlich die Luft aus, fragend blickte er zu Cairien die, dem Gespräch stillschweigend lauschte aber nur mit den Schultern zucken konnte. Langsam saß er sich auf einen Stuhl den Cairien ihm schnell gebracht hatte. "Welches Erbe sollt ihr, ähm sollst du retten?" fragte er, sein Gesicht nahm nun langsam wieder eine gesunde, normale Farbe an, das Misstrauen hingegen wuchs weiter. " Einen verschollen geglaubten Schlüssel."
Ardóneth konnte sich fast denken was seine "Schwester" meinen konnte, dennoch hatte bereits Malborn ihn vor Betrügern gewarnt die versuchten etwas über Gilgroth für ihre Meister in Erfahrung zu bringen.  Schließlich hörte er dutzende Legenden über dass, was die Tírns mit ihrem Leben beschützten. Ein Setzling des weißen Baumes, der Schlüssel von Elendils Palast in Annúminas und sogar einer der Palantiri sollten in der Sternengrotte versteckt worden sein. "Wenn ihr wirklich meine Schwester sein solltet, wie hieß unsere Mutter?" der Dúnedan bohrte nun. "Meine Mutter hieß Beleriel, sie starb jedoch als ich drei Jahre alt war. " Ardóneth nickte kaum sichtlich. "Wieso sollte ich dir Glauben schenken?"  Areneth packte ein in groben Stoff eingewickeltes Amulett aus ihrer Tasche. Es war einer der 4 Schlüssel für die Geheime Tür Gilgroths. "Mein Vater gab das Amulett mit, da er wusste das du mir misstrauen würdest. Er und Gilbárd haben Erfahren wo sich Górlad aufhalten soll und du sollst mir bei meiner Suche helfen..." erklärte sie während sie das Amulett wieder einpackte. "Wieso hat unser Vater mir nie davon erzählt?" fragte er obwohl er keine Antwort erwartete. "Wohin müssen wir?"  Areneth erhob sich von ihrem Stuhl und ging zur Kommode die vor einem der wenigen Fenster stand und holte zwei gepackte Rucksäcke aus den Schubladen. "Nach Minas Tirith, in unser altes Haus..."

Ardóneth und Areneth nach Anorien

Thorondor the Eagle:
Elea und Finjas aus Arnor: Amon Súl und die Wetterberge

Als Elea das vertraute Rauschen des Bruinen im Tal wahrnahm, überkam sie wie gewöhnlich ein Gefühl der Vertrautheit. Die Späher der Elben hatten sie vermutlich längst entdeckt, ließen sie aber passieren. Erst an der letzten Kurve ehe sie das Haus Elronds erblicken würden, wurden sie von einem Elben abgefangen.
„Ich grüße euch, Erelieva! Lange ist es her, seit ihr zuletzt unsere Grenzen überschritten habt“, begrüßte er sie.
„Drei Jahre ist es nun her, da habt ihr recht“, antwortete sei nüchtern.
„Was führt euch zu uns?“
„Ich habe ein großes Anliegen, das ich mit Herrn Elrond besprechen möchte und Arwen; ich möchte sie sehen, nach all der Zeit.“
Er nickte zustimmend: „Und ihr? Ihr seid auch einer der Dunedain.“
„Ich bin Finjas“, antwortete er kurz und bündig.
„Er begleitet mich“, fügte die Dúnadan hinzu.
„Herr Elrond wird sich sicher freuen euch zu sehen.“ Mit diesem Satz ließ er sie passieren.

Als sie dem steinernen Pfad folgten und den felsigen Hang umrundeten, erschien vor ihren Augen das verzauberte Tal. Und obwohl das Klima immer sehr mild dort war, war alles mit einer hauchdünnen Schneedecke bedeckt. Es dauerte nur einen kurzen Moment ehe sie die Brücke überquerten und im Vorhof ankamen. Ein paar gerüstete Wächter beobachteten die beiden mit neutraler Miene. Gemeinsam stiegen sie die Treppen zum Haupthaus hinauf und gelangten über eine leicht geöffnete Tür in das Innere. Im Kamin knisterte das frisch nachgelegte Holz, es begann nach und nach heller zu werden. Es war ungewöhnlich ruhig in dem Raum.
„Guten Tag“, begrüßte sie ein dunkelhaariger Elb. Elea erinnerte sich gut an Erestor, den obersten Berater Elronds „Erelieva! Welch eine Überraschung und welch bemerkenswerter Zufall.“
„Schön euch zu sehen. Dies ist Finjas, mein Begleiter“, erwiderte sie und er lächelte.
„Was führt euch zu uns? Arwen? Oder wollt ihr mit Herrn Elrond sprechen?“
„Sowohl als auch.“
„In jedem Fall ist Gewiss, dass ihr die Nacht bei uns verbringen werdet. Kommt mit, es ist gerade etwas hektisch, darum bringe ich euch nach oben.“

Der Elb ging voraus und sie folgten ihm.
„Wisst ihr, heute Morgen kamen zwei unserer besten Krieger unangekündigt nach langer Zeit nachhause zurück. Alle sind in Aufruhr. Hier, nehmt dieses Zimmer, ihr könnt bleiben so lange ihr wollt.“
Als sich Erestor umdrehte schaute er in irritierte Gesichter.
„Ach verzeiht, es sieht mir gar nicht ähnlich so unorganisiert zu sein. Wollt ihr getrennte Zimmer?“
„Ah…“, Finjas wusste nicht was er sagen sollte.
„Wir nehmen eines Erestor, vielen Dank“, und dabei legte sie ihre Hand dankend auf den Unterarm des Elben.
„Wann werden wir mit Elrond sprechen können?“
„Ich werde ihn und auch Arwen gleich von eurer Ankunft unterrichten. Ein gemeinsames Abendessen ist wohl ein geeigneter Anlass.“
Sie nickte zustimmend. Daraufhin verschwand der Elb.

Elea hängte ihren Reisemantel an einen Haken neben den Kamin. Finjas‘ Mantel nahm sie ihm ebenfalls ab. Das Gepäck legte er ab und machte es sich auf dem Bett bequem. Die Dúnadan tat es ihm gleich und ruhte sich ein wenig aus.


Ein sachtes Klopfen an der Tür weckte die beiden auf.
„Erelieva?“, hörte sie eine weibliche Stimme vor der Tür.
„Ja.“
„Herr Elrond bittet euch und euren Begleiter an die Tafel. Es wird in Kürze aufgetragen.“
„Natürlich“, antwortete sie und wartete einen kurzen Moment bis sie weg war „Finjas, steh auf.“
In Windeseile wusch sich Elea mit kaltem Wasser aus einem Krug das Gesicht. Sie kämmte sich mit dem vorbereiteten Kamm mehrmals durch die Haare. Sie trug das blaue, dicke Wollkleid das sie in Fornost bekommen hatte. Sorgsam legte sie die Sternenhalskette um.
Mit verschlafenem Blick hielt Finjas ihr die Tür auf und gemeinsam gingen sie nach unten. In dem großen Speisezimmer stand Elrond, er sprach mit Erestor und einem blonden Elben, etwas abseits stand Arwen und eine rothaarige Elbe.

„Da sind ja unsere Gäste“, machte Erestor die übrigen aufmerksam. Elrond drehte sich zu Elea und Finjas um und schaute neugierig.
„Als Erestor mir erzählte, dass ihr eingetroffen seid glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Aber wie immer sorgst du für eine gelungene Überraschung. Es ist schön dich wohlbehalten hier zu sehen, treue Freundin.“
„Ich danke euch.“
„Erinnerst du dich noch an Glorfindel unseren besten Krieger und an Celebithiel, unsere Ziehtochter?“
„Wage erinnere ich mich noch. Dies hier ist Finjas, er ist… war Mitglied im Stammesrat.“
„Ich kenne euren Namen und den eurer Ahnen. Euer Haus war immer ein treuer Freund der Elben.“
Finjas schaute leicht beschämt: „Das war es.“
„Willkommen“, begrüßte sie nun auch Arwen und ließ es sich nicht nehmen Elea in den Arm zu nehmen.
„Wie habe ich dich vermisst“, flüsterte Elea ihr ins Ohr.

Im Anschluss setzten sich alle zu Tisch und das Essen wurde aufbereitet. Es war köstlich nach den Tagen der spärlichen Wegzehrungen. Auf die Frage wie es Elea ergangen ist seit sie Aldburg nach der Ratsversammlung verlassen hatte, erzählte sie in aller Kürze von ihrer Zeit in Moria, Bree und schließlich auch in Fornost. Finjas schien es sehr unbehaglich zu sein, wenn man von seiner Vergangenheit erzählte, aber keiner am Tisch feindete ihn an oder verurteilte ihn. Abgesehen davon hat er bereits bewiesen auf welcher Seiter er jetzt steht.
…und nun sind wir in Bruchtal angekommen, da dies mein einziger Anknüpfungspunkt ist den ich zu Helluin habe. Wisst ihr denn wo er ist?“, fragte Elea hoffnungsvoll.
„Wärst du vor einer Woche hier angekommen, hätte ich dir keinerlei Auskunft geben können. Aber es ist wieder einmal das Schicksal, dass uns alle hier zusammengeführt hat. Glorfindel und Celebithiel kommen eben aus dem Waldlandreich, wo sie auf Helluin getroffen sind.“
Diese Nachricht traf Elea wie ein Blitz. Diese beiden haben Helluin gesehen? Erst vor ein paar Wochen?
„Wie geht es ihm? Wo ist er jetzt? Habt ihr ihn verletzt?“, schossen die Fragen aus ihr heraus.
„Helluin ist wohlauf“, antwortete Glorfindel ihr mit ruhiger Stimme „beziehungsweise war er wohlauf als er das Waldlandreich verlassen hatte. Viele Tage nach der Schlacht am Erebor, wo er den Rabenberg gegen Unterstützung aus Rhûn verteidigte, tauchte er plötzlich wieder im Waldlandreich auf. Er versicherte uns, dass er vom Zauber Sarumans befreit wurde und zurückkehren wollte.“
„Wohin?“, unterbrach sie ihn ungeduldig.
„Unerklärlicherweise hatte es ein kleines Mädchen aus Rohan geschafft den Zauber des Weißen zu brechen. Faerwen glaubte ihm und der Reue die er zeigte.“
„Ja, aber wo ging er hin?“
„Er wollte zurück nach Rohan gehen um das Mädchen zu suchen.“
„Nach Rohan?“
„Ja“, antwortete der elbische Soldat.
„Aber, aber wenn er nach Rohan zurückgegangen ist, werden sie ihn gefangen nehmen und töten. Wieso geht er nach Rohan? Wieso kommt er nicht nachhause?“, entgegnete sie und war ganz aufgeregt. Finjas legte seine rechte Hand auf ihre Linke und wollte sie beruhigen.
„Er ging dorthin, weil er sich bei seiner Retterin bedanken wollte.“
„Nein, nein. Was macht er nur“, ihre Stimme wurde wackelig „Finjas, wir müssen gleich aufbrechen. Lass uns gehen. Was wenn sie ihn hängen…“
Aus der Hysterie heraus sprang sie auf und der Stuhl krachte rückwärts zu Boden.
„Elea beruhige dich“, redete nun Elrond auf sie ein. Finjas stand ebenfalls auf und versuchte sie zu beruhigen.
Sämtliche Augen waren auf Elea gerichtet und sie sah in die verständnislosen Augen von Elrond und Glorfindel, die Dúnadan erhoffte sich von den Frauen mehr Einfühlungsvermögen, aber Celebithiel schaute eher ratlos und Arwen’s Blick flüchtete in ihren Teller. Ihr Brustkorb bebte, ohne ein weiteres Wort lief sie zur Tür und stieß das Tor auf.

Thorondor the Eagle:
Als sie nach draußen ging, füllten sich ihre Lungen mit der kalten Nachtluft. Dies holte sie wieder zurück auf den Boden. Sie stieß die aufgestaute Luft aus und nahm drei tiefe Atemzüge. Der Hauch vor ihrem Mund wurde sichtbar.
„Geht es dir wieder besser?“, fragte eine weibliche Stimme von der Tür. Es war Arwen.
„Nicht wesentlich.“
Arwen trat an sie heran und hakte sich mit ihrem Arm unter dem von Elea ein. Sie führte sie auf die Terrasse hinaus bis zum Geländer. Dort standen sie und schauten hinab auf die zahlreichen Elbenlichter in der Feste. Wenige kleine Schneeflocken fielen vom Himmel.
„Wie kann ich Helluin nur helfen? Retten vor all seinen Feinden?“, fragte Elea ihre Freundin.
„Das kannst du nicht. Helluin ist zu einem erwachsenen Mann herangewachsen und er trifft seine eigenen Entscheidungen.“
„Das mag jetzt stimmen, aber Saruman hat ihn zum Feind unsers Volkes gemacht und auch der Elben.“
„Auch den Weg aus dieser Situation muss er alleine finden, und ist er so gewieft wie Haldar und stark wie du es bist, wird er es mit Leichtigkeit schaffen. Und überlege was Glorfindel dir eben erzählt hat: Helluin ist vom Zauber Sarumans befreit. Ist das nicht eine überaus positive Nachricht?“
„Das schon, es steht ihm nur nun so viel bevor. Wie kann ich ihn davor bewahren?“
„Wir haben keine andere Möglichkeit als auf den anderen zu vertrauen. Du auf Helluin, so wie ich auf Aragorn.“
Schlagartig wurde Elea wieder das Schicksal Arwen’s bewusst. Sie hatte Mitleid mit ihr.
„Bei Kindern hat man wenigstens eine Zeit lang die Kontrolle über ihren Weg, aber du musstest die Entscheidungen Aragorns immer zur Kenntnis nehmen und akzeptieren.“
Arwen sinnierte einen Moment: „Kontrolle haben wir in Wahrheit nie. Sieh auf die Kinder dieser Zeit und ihr Schicksal. Helluin hatte Glück eine behütete Kindheit zu haben.“
„Schlägst du vor, nicht weiter nach ihm zu suchen? Das kann ich nicht.“
„Wenn du in suchen möchtest, dann solltest du das tun. Aber mache dich darauf gefasst, dass der Mann den du vorfinden wirst, nicht mehr der Junge ist den du ziehen hast lassen.“
„Ich hätte damals mehr tun sollen, jeder von uns.“
Arwen löste ihre Hand und drehte sich ein wenig von der Dúnadan weg. Sie schaute runter in das dunkle Tal: „Oft habe ich mir diesen Vorwurf gemacht und noch öfter meinem Vater. Aber letztlich hat es nichts gebracht, außer Streit und Wut. Gefühle die uns in dieser Situation nicht weiterhelfen, sondern uns vielmehr blockieren. Hege keinen Groll gegen meinen Vater, mich oder den Stammesrat und schon gar nicht gegen dich selbst. Du hast damals das getan was du für richtig gehalten hast. Das sich die Dinge so entwickelt haben, konnte niemand von uns erahnen. Wir alle hatten Hoffnung.“
„Ja, es war auch dein Vater der mir damals geraten Helluin ziehen zu lassen.“
„Ich weiß es noch ganz genau und auf seine eigene Art und Weise musste er auch damit zurechtkommen.“
„Man erzählte immer, er besäße eine Gabe der Voraussicht. Sollte einen diese Gabe nicht vor solchem Unheil bewahren?“
„So klingt es, aber so ist es nicht. Aber eines kannst du mir glauben, häufiges Versagen führt zu Zweifeln an einem selbst, bei Menschen wie auch bei Elben.“

Die ganze Wut die sich in den vergangenen Monaten angestaut hatte, kam hier ans Tageslicht. Vermutlich, weil vor einigen Jahren hier alles seinen Anfang genommen hatte, aber durch die Worte von Arwen hatte Elea einen anderen Blickwinkel bekommen.  Denn letztlich erkannte die Dúnadan die Richtigkeit dieser Worte.

„Hast du von ihm etwas neues gehört?“, fragte Elea nun vorsichtig.
Arwen aber schüttelte den Kopf: „Nein nichts, nicht einmal ein winziges Zeichen das mir Gewissheit gibt, dass Aragorn am Leben ist.“ Elea löste die Hand der Elbe vom Geländer und legte sie zwischen ihre: „Wie du sagst, wir müssen vertrauen.“
Sie blieben noch eine Zeit lang schweigend stehen bis Elea wieder genug Mut gefasst hat zu den anderen zurück zu kehren. Der Tisch war bereits abgedeckt. Glorfindel und Elrond standen am Kamin und schauten in das Feuer. Elea hörte ihre gedämpften Stimmen. Als sie sie bemerkten, öffnete sich die kleine Runde und machte einen Platz für sie frei.
„Bitte verzeiht mir“, sagte sie demütig.
„Es gibt nichts zu entschuldigen, Elea“, entgegnete Elrond „Du bist eine Mutter, dein Kind steht bei dir an allererster Stelle.“ Bei diesen Worten warf er einen kurzen Blick zu Arwen die die Treppe hinaufstieg. „Du weißt, dass wir dich immer unterstützen werden, soweit wir können.“
Die Dúnadan nickte.
„Es ist gut zu wissen, dass du nun nicht den Weg nach Osten über das Nebelgebirge einschlagen musst. Glorfindel erzählte mir, dass sie beim Überqueren des Hohen Passes auf Orkverbände der Weißen Hand getroffen sind. Sie schienen es eilig zu haben und nahmen keine Notiz von Ihnen.“
„Ich bin auch sehr froh nicht über das Nebelgebirge gehen zu müssen und den Weg nach Süden kenne ja ich bereits.“
„Südlich unseres Landes haben sich unsere Verwandten aus dem Osten niedergelassen. Sie haben Eregion wieder besiedelt und sind dabei es neu zu errichten. Der Weg nach Süden dürfte nun sicherer sein wie damals, als du ihn mit deiner Freundin bestritten hast.“ Er dachte einen Moment nach. „Bei diesen Worten kommt mir ein Gedanke: Glorfindel, entsende Späher zu den Hängen des Nebelgebirges, beobachtet die Bewegungen unseres Feindes und dann geht nach Eregion. Vielleicht ist es möglich mit all den vereinten Informationen den Plan unseres Feindes zu erahnen. Diesem Trupp können Finjas und du euch dann anschließen, vorausgesetzt ihr könnt euren Aufenthalt ein paar Tage verlängern.“
„Ich weiß nicht, ob ich so lange warten kann“, antwortete sie von dem Vorschlag überfordert.
„Oft ist es klug eine Nacht darüber zu schlafen, ehe man eine Entscheidung trifft.“
Sie schaute in die Glut der Feuerstelle: „Dann werde ich das wohl tun. Ich danke euch und wünsche euch eine gute Nacht.“

Mit diesen Worten verabschiedete sich Elea. Sie ging die Treppe hinauf und suchte den Weg in ihr Zimmer. Die tiefen, regelmäßigen Atemzüge von Finjas legten Nahe, dass er bereits schlief. Elea legte ihr Schmuckstück und das Kleid ab und band ihre Haare zu einem lockeren Zopf. Sie legte sich in das Bett neben Finjas. Sie erinnerte sich, dass er mit ihrem hysterischen Anfall nicht gut umgehen konnte und sie nur wortlos und spärlich tröstete. Sie lächelte ihn gütig in der Dunkelheit an und suchte mit ihrer Hand die seine. Als sie sie sachte hineinlegte, spürte sie wie er sanft zupackte. Danke
In dieser Nacht fand sie wenig Schlaf. Immer wieder plagten sie Albträume an die sie sich aber nach dem Aufwachen nicht mehr erinnerte. Sie war manchmal schweißgebadet und dann fror sie wieder. Erst in den frühen Morgenstunden war ihre Erschöpfung so groß, damit sie durchschlafen konnte.

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