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Südöstliches Harad / Die Folgen des Sprunges
« Letzter Beitrag von Fine am Heute um 12:00 »
Aerien schlug die Augen auf... oder versuchte es zumindest. Etwas Weiches lag auf ihrem Gesicht und nahm ihr die Sicht, sodass sie nur ungefähr erkennen konnte, wie hell es war, aber weder Farben noch Formen wahrnehmen konnte. Ihr Körper fühlte sich an, als wäre er stundenlang verprügelt worden. Nicht eine einzige Faser war frei von Schmerz, auch wenn die Schmerzen nicht so stark waren, dass Aerien sie nicht ertragen konnte. Ihre Stirn und ihre Schläfen waren sehr heiß und sie konnte ihren Herzschlag pochen hören. Das zählte sie als gutes Zeichen.
Sie schloss die Augen wieder und konzentrierte sich auf ihre verbliebenen Sinne. Das Tuch, das auf ihrem Gesicht lag, roch hauptsächlich nach sauberem Stoff, doch ihm hing ein leichter Geruch von exotischen Kräutern an, den Aerien nicht kannte. Vorsichtig tastete sie mit der linken Hand über die Unterlage, auf der sie lag. Es schien sich um eine Liege aus Bambus oder ähnlichem dünnen Holz zu handeln, die zwar nicht weich, aber dennoch auf seltsame Art und Weise bequem war. Als Aerien ihre Hand von der Liege nach unten baumeln ließ, stellte sie fest, dass sie den Boden des Raumes in dem sie sich befand, nicht erreichen konnte. Sie führte Hand zurück und betastete behutsam ihren Körper. Beide Arme und Beine waren noch da, was sie aufatmen ließ. Sie stellte fest, dass sie zwar Kleidung trug, diese jedoch nur bis zu ihren Oberschenkeln reichte. Beine und Füße waren nackt, ebenso wie Arme und Schultern. Dennoch fror Aerien nicht. Der Raum, in dem sie lag, hatte eine angenehme Temperatur. Und bis auf ihren Kopf war ihr auch nicht zu heiß. Das Tuch, das auf ihrem Gesicht lag, spendete ihr immerhin etwas Kühlung
Sie spitzte die Ohren und lauschte auf neue Hinweise. Die meisten Geräusche kamen von links, wo sie eine Art Fenster vermutete. Fernes Plätschern wie von einem Wasserfall drang herein. Als sie die Augen erneut öffnete, erkannte sie, dass von dort auch das Licht kam, das in den Raum fiel. Als sie jedoch versuchte, sich das Tuch vom Gesicht zu ziehen, fuhr ein stechender Schmerz wie ein roter Blitz durch ihren gesamten Körper und sie driftete zurück in die Schwärze.

Sie sah sich selbst, wie sie erneut aus dem breiten Fenster in Anlamanis Gemach sprang, Narissa mit sich ziehend. Als entfernte Beobachterin konnte Aerien jetzt nur den Kopf darüber schütteln. Wie hatte sie nur denken können, dass dieser Plan auch nur ansatzweise zum Erfolg führen würde? Jenseits des Fensters lag eine tiefe Schlucht, auf deren Grund ein wilder Fluss dahin strömte. Niemand konnte einen solchen Sturz überleben. Es war eine Verzweiflungstat gewesen. Aerien wusste, dass sie vermutlich tot war - und Narissa ebenfalls.
Dennoch fragte sie sich, weshalb sie den letzten Augenblick ihres Lebens nun erneut durchlebte. Wieder und wieder sah sie sich fallen, tiefer und tiefer in die Schlucht von Alodia hinein, das Königssymbol von Kerma mit beiden Händen so fest gepackt, dass die Knöchel weiß hervortraten. Aerien konnte jedes Detail sehen, während sie unendlich langsam fiel und fiel. Unten auf den Grund der Schlucht war es finster. Nur wenig Licht drang dort herab, und dort wartete der Fluss auf sie. Narissa, die noch immer ihren beiden Dolche hielt, verschwand als Erste im eiskalten Wasser. Ihr weißes Haar blitzte noch einmal an der Oberfläche auf, dann war sie verschwunden. Und dann schlug auch Aerien auf. Sie durchdrang die Wasseroberfläche und wurde tief hinab geschleudert, wo sie eine eisige Finsternis erwartete. Betäubt von der Wucht des Aufpralls gelang es ihr nicht sofort, sich zurück nach oben zu arbeiten. Noch immer konnte sie nicht richtig schwimmen. Sie streckte die Hand hilflos nach oben aus, wo ein einzelner Lichtpunkt zu sehen war, doch es kam keine Rettung. Das Licht verblasste und Dunkelheit umfing sie.
Doch es war nicht das Ende. Inmitten der Dunkelheit flackerte ohne Vorwarnung eine Fackel auf. Und im Schein der lodernden Flamme wurde eine Gestalt sichtbar. Ein Mann, hochgewachsen und in voller Rüstung. In der Hand hielt er eine gezackte Klinge.
„Tochter,“ sagte Varakhôr, Fürst der schwarzen Númenorer und Herrscher von Durthang. „Komm zu mir.“ Seine Stimme war sanft, doch sein Tonfall fordernd - befehlend. Aerien stellte fest, dass sie ihm nicht widerstehen konnte. Sie trat aus der Finsternis in das rote Licht, auf ihn zu. Stellte sich vor ihn, ihr Schicksal - ihr Urteil - akzeptierend.
„Ich habe Euch enttäuscht, Hoher Vater,“ gestand sie.
Doch Varakhôr legte seine behandschuhte Hand unter ihr Kinn und hob ihren Blick zu seinen Augen herauf. „Nein, Azruphel. Du bist deinem Herzen gefolgt. Deiner Leidenschaft. Das bewundere ich.“
„Wieso?“ hauchte sie. „Ich habe den Dunklen Herrscher verraten.“
„Und doch tatest du es nicht für dich selbst, sondern für unser Volk. Für die Erben Númenors. Dein Anliegen ist nobel, Tochter. Du strebst nichts Geringeres als die Wiedervereinigung des höchsten Menschengeschlechtes an. Der Große Gebieter wird dir verzeihen.“
„Er kennt keine Gnade, Hoher Vater,“ wagte sie zu erwidern.
„Nicht gegenüber seinen wertlosen Dienern, nein,“ antwortete Varakhôr. „Orks und niedere Menschen sind es nicht wert, ihnen Fehler zu verzeihen. Jene, die über außergewöhnliches Potenzial verfügen, haben jedoch die Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und über sich hinaus zu wachsen, wenn man sie nur lässt. Der Herr von Mordor ist weise genug, um dies zu erkennen. Komm‘ nach Hause, Azruphel. Dann wird alles wieder so werden wie früher. Es wird dir an nichts mangeln... das verspreche ich dir.“
Aerien schwieg für einen Augenblick. Dann sah sie ihrem Vater direkt in die Augen und sagte: „Ich werde kommen. Und zwar schon bald.“
Jedoch werde ich nicht alleine sein, fügte sie in Gedanken hinzu. Und ich komme auch nicht aus dem Grund, aus dem du denkst.
Obwohl sie weder wusste, ob sie tot oder lebendig war, und auf welche wundersame Art und Weise sie gerade mit ihrem Vater gesprochen hatte, war sie dennoch ein klein wenig stolz auf sich selbst. Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, als das Licht der Fackel verlosch und sie im Finstern zurückließ.

Als Aerien wieder zu sich kam, fand sie die Lage kaum verändert vor. Noch immer lag ein Tuch auf ihrem Gesicht, und noch immer hatte sie Schmerzen am gesamten Körper. Bewegen konnte sie sich kaum. Doch eines war anders: Von jenseits des Raumes hörte sie gedämpfte Stimmen. Rasch hielt sie den Atem an und lauschte. Sie hörte eine Frauenstimme, die ihr vage bekannt vorkam, die sie jedoch nicht richtig zuordnen konnte.
„Was hast du dir nur dabei gedacht? Dieser Sprung hätte euch beide umbringen können - genau genommen hat er das sogar!“
Es war unverwechselbar Narissas Stimme, die darauf antwortete, was eine enorme Erleichterung für Aerien bedeutete. „Mal langsam, ja? Das Ganze war nicht meine Idee. Sie hat mich einfach überrumpelt.“
„Nein - du hast dich überrumpeln lassen. Und du siehst ja, wozu das geführt hat.“
„Das muss ich mir von dir nicht anhören. Außerdem ist es doch gar nicht so schlecht gelaufen. Wir haben das Königssymbol, oder nicht?“
„Deine kleine Freundin wird von Fieberkrämpfen geschüttelt und ringt mit dem Tod, Narissa. Wir wissen noch immer nicht, ob sie es überstehen wird.“
„Und warum macht ihr nicht mit ihr, was ihr mit mir gemacht habt? Gebt ihr das Mittel. Dann ist sie schneller wieder auf den Beinen, als man „Quafsah“ sagen kann.“
„Das Risiko ist zu hoch,“ hielt die Frau dagegen. „Bei dir konnten wir es eingehen, weil du vom Schicksal behaftet bist. Sie hingegen...“
Narissa gab ein verächtliches Geräusch von sich. „Nur weil ich dir gesagt habe, dass ich nach Mordor gehen werde, heißt das noch lange nicht, dass ich an dieses wirre Gerede vom Schicksal glaube. Jetzt gibt das Mittel schon her. Wenn du dich nicht traust, mache ich es eben selbst.“
„Überleg dir das gut. Wir wissen nicht, wie es bei einer wirkt, der der Makel des Schwarzen Landes anhängt.“
„Und du solltest dir gut überlegen, wie du über meine Freundin sprichst.“

Hastige Schritte näherten sich. Aerien versuchte, etwas zu sagen, doch ihre Lippen waren wie versteinert. Die Hitze an ihren Schläfen hatte zugenommen, während sie sich auf die Unterhaltung, die Narissa geführt hatte, konzentriert hatte. Sie hob die Hand, doch bereits nach wenigen Zentimetern sank ihr Arm wieder kraftlos herab. Da legten sich weiche, vertraute Finger darum und hielten sie innig fest.
„Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, Sternchen,“ wisperte Narissas Stimme ganz in der Nähe. „Aber du musst jetzt stark sein. Gib nicht auf! Kämpfe dagegen an, hörst du? Du... du darfst nicht sterben, hast du verstanden?“
Der Drang, ihr zu antworten, war jetzt so stark, dass Aerien mit aller Macht gegen die Lähmung anzukämpfen begann, die ihren Körper ergriffen hatte.
„Sie kollabiert,“ sagte die Frauenstimme, die nun ebenfalls näher gekommen war. „Wenn du es wirklich tun willst, musst du es jetzt tun.“
Rote Punkte tanzten vor Aeriens Augen. Das Tuch auf ihrem Gesicht wurde teilweise weggezogen, sodass ihr Mund frei lag. Narissas Finger teilten ihre Lippen und jemand schüttete ihr eine Flüssigkeit in den Mund. Sofort fühlte es sich an, als würde Aeriens Inneres in Flammen stehen. Sie bäumte sich mit unerwarteter Kraft auf und ein Schrei bahnte sich seinen Weg aus ihrem Hals. In diesem flüchtigen Moment sah sie Narissa mit vor den Mund geschlagenen Händen neben ihr stehen, ehe Feuer und Rauch ihr wieder die Sicht nahmen. Aeriens Körper wurde schier zerrissen, während die Flammen rings um sie herum tobten und alles verschlangen. Dann, mit einem Mal, erloschen die Flammen - erstickt wie von einer großen Woge kühlen, tröstenden Wassers. Aerien erschlaffte und schnappte nach Luft. Vorsichtig öffnete sie die Augen.
„Wo bin ich?“ gelang es ihr zu sagen.
„Zurück im Reich der Lebenden, mit mehr Glück als Verstand,“ antwortete ihr niemand anderes als Elyana, wie Aerien nun endlich erkannte. Die geheimnisvolle Frau stand zu ihrer Rechten, die eine sehr missbilligenden Miene machte. Doch das war Aerien egal. Denn neben Elyana stand Narissa, mit dem breitesten Grinsen auf dem Gesicht, das Aerien bei ihr je gesehen hatte.
„Ich wusste, dass du es schaffst,“ jubelte Narissa und umarmte Aerien stürmisch.
„Wie ist das denn möglich? Ich erinnere mich an den Sturz, und dann...“
„Dann ist mir beinahe zu spät eingefallen, dass du ja nicht sonderlich gut schwimmen kannst,“ erklärte Narissa und erzählte Aerien, wie sie sie mehr ertrunken als lebendig aus dem Fluss auf den Grund der Schlucht gezerrt hatte und dann vor Erschöpfung ohnmächtig geworden war. Dort hatten Elyanas Dienerinnen sie gefunden und in Sicherheit gebracht.
„Was habt ihr mir da bloß eingeflößt?“ fragte Aerien neugierig.
„Etwas, das nur in den dringendsten Notfällen verwendet werden sollte,“ sagte Elyana vage. „Am besten vergesst ihr es bald wieder. Ich rate euch beiden dringend, eure Herangehensweisen zu ändern, ehe ihr nach Mordor geht. Diesmal habt ihr noch Glück gehabt. Doch so kann es nicht weitergehen.“
Narissa winkte ab. „Was zählt ist, dass wir am Leben sind, und dass wir das Symbol haben. Sobald du aufbruchsbereit bist, gehen wir zu König Músab und geben es ihm.“
„Ich fühle mich, als hätte ich seit einer Woche nicht geschlafen,“ gab Aerien zu. „Können wir wenigstens eine Nacht hier verbringen?“ Sie blickte sich um und nahm zum ersten Mal den Raum wahr, in dem sie sich befand. Er ähnelte den Höhlen der Kultisten darin, dass er in den Felsen des Alodia-Plateaus hineingeschlagen worden war, doch seine Wände waren mit weißer Farbe bemalt und auf dem Boden lag ein dicker Teppich. Durch das Fenster konnte man einen Wasserfall sehen.
Narissa nickte. „Ruh dich einfach aus, Sternchen. Unser Weg liegt jetzt wieder klar vor uns. Morgen geht die Reise weiter.“
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Rhun / Re: Dorwinion
« Letzter Beitrag von Rohirrim am Heute um 01:56 »
Zarifa fühlte sich, als hätte ihr jemand mit einem Backstein ins Gesicht geschlagen. Sie konnte nicht mehr klar denken. Ihre Gefühle wechselten so schnell zwischen Trauer und Wut hin und her, dass es sich anfühlte, als würde sie zwischen einem Grillrost und einem Eisberg hin und her taumeln. Wie konnte das sein? Sie war zusammen mit Cyneric aus Gorak und Gortharia geflohen um aus der Umgebung herauszukommen, die sie so sehr an ihr Leid und ihren Schmerz erinnerte. Sie hatte all das vergessen wollen. Die Finger, die sie berührten, obwohl sie es nicht wollte. Die Hände, die langsam ihr Kleid hochzogen. Die gierigen Blicke. Die körperlichen und seelischen Schmerzen. Und jetzt stand er vor ihr. Der Mann, der all das verkörperte, was in den letzten Monaten schief gelaufen war. Der Mann, den sie kennengelernt hatte als eine einfache Wache des tyrannischen Fürsten, die Befehle ausführte und nebenbei versuchte seine kranken Gelüste zu befriedigen. Der Mann, der ihr dann überraschenderweise eine helfende Hand gereicht hatte, um sie aus den Fängen eben jenes Fürsten zu befreien. Und der Mann, der sie schließlich als „Bezahlung“ für seine Dienste missbraucht und fast in den Freitod getrieben hätte. Wie war er hier hergekommen? Verfolgte er sie etwa? Beobachtete er sie heimlich? Plante er bereits seine nächste „Bezahlung“ und wartete nur auf eine Gelegenheit, in der Zarifa sich von Cyneric und Salia entfernte? Und warum tauchte er ausgerechnet jetzt auf? Ausgerechnet jetzt, wo sie sich doch in den letzten Tagen in der Gesellschaft von Cyneric und Salia einigermaßen wohlgefühlt hatte?
Vollkommen unbewusst hatte Zarifa bereits ihr Messer gezogen und war nun selber ein wenig überrascht, es in der Hand zu halten. Sie hatte dieses Messer vom Haus der Stahlblüten bekommen, um den Einbruch im Hause Kontio durchführen zu können. Und jetzt stand sie mit eben diesem Messer Alvar gegenüber. So hatte ihr Aufenthalt in diesem schrecklichen Haus also doch noch sein Gutes gehabt.
Noch immer viel es Zarifa schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch während die Sekunden verstrichen, drehten sich ihre Gedanken immer mehr um ein festes Zentrum: Sie würde Alvar töten. Hier und jetzt. So wie sie bereits Kasimir und Radomir getötet hatte. Sie würde das lose Ende beseitigen und damit hoffentlich dem Schmerz ein Ende bereiten können. Zarifa erinnerte sich, wie glücklich sie gemeinsam mit Tekin nach dem Tod von Kasimir gewesen war. Es erschien ihr wie in einem anderen Leben. Jetzt lief ihr beim Gedanken an Tekin ein eiskalter Schauer über den Rücken, während das Bild von ihrem letzten „Kuss“ an ihrem geistigen Auge vorbeizog. „Schluss damit!“, sagte Zarifa zu sich selbst. Sie ging einen Schritt auf Alvar zu und als ihr der Geruch seiner Fahne in die Nase stieg, musste sie sich fast übergeben. Sie konnte sich jedoch beherrschen. Auf einmal fiel der jungen Frau auf, wie heftig sie schwitzte. Instinktiv griff sie den Dolch in ihrer rechten Hand noch fester, um zu verhindern, dass er ihr aus der Hand glitt.
Alvar war unbewaffnet und schien wie vom Blitz getroffen. Er rührte sich nicht von der Stelle. Die perfekte Gelegenheit...

„HALT!“
Zarifa erschrak. Sie hatte vollkommen vergessen, dass Cyneric und Salia auch noch hier waren. Letztere hatte soeben laut geschrien und sie am Arm gepackt, während Cyneric unentschlossen an sein Pferd gelehnt dastand.
„WAS IST?“, schrie Zarifa Salia etwas lauter an, als sie eigentlich vorgehabt hatte. Doch im Moment konnte sie einfach nicht anders. Salia senkte ihre Stimme und versuchte offensichtlich Zarifa zu beruhigen. Dabei hielt sie ihren rechten Arm jedoch weiterhin kräftig fest.
„Du kannst diesen Mann doch nicht einfach am helllichten Tag und auf offener Straße ermorden. Wir haben es eilig und können es nicht gebrauchen, dass man uns wegen Mordes nachstellt.“
Vielleicht erkannte ein kleiner Teil von Zarifa die Vernunft in diesen Worten. Wenn ja, dann versteckte dieser Teil sich jedoch äußerst gut. Zarifa war außer sich vor Zorn. Verstand Salia denn nicht? Sie hatte in den letzten Tagen ein recht gutes Verhältnis zu der jungen Frau aus Thal aufgebaut. Doch jetzt stand sie hier und wollte verhindern, dass Alvar seine gerechte Strafe bekam und Zarifas seelisches Leid ein wenig gelindert wurde. Was wusste sie schon? Sie hatte nicht durchgemacht, was Zarifa durchgemacht hatte. Sie interessierte sich nur dafür, möglichst schnell nach Thal zu gelangen. Wie Zarifa sich dabei fühlte, war ihr völlig egal. Wen interessierte es denn, ob ein paar Wachen ihnen nachstellten? Das einzige was hier zählte war die Gerechtigkeit.
Zarifa versuchte verzweifelt sich aus Salias Griff zu befreien, doch die ehemalige Schattenläuferin war wesentlich stärker und geschickter im Kampf als sie. Völlig verzweifelt und mit einem von Tränen überströmten Gesicht blickte Zarifa zu Cyneric, der nach wie vor unentschlossen an sein Pferd gelehnt dastand. Zarifa erinnerte sich, wie er ihr in Gorak erklärt hatte, er würde Alvar töten, sobald er ihn sah. Er hatte es versprochen. Und er schien es in dem Moment auch so zu meinen. Doch jetzt stand er hier und konnte sich nicht dazu durchringen einzugreifen. Er schien sich ebenfalls an sein Versprechen zu erinnern. Doch andererseits, wollte er vermutlich die Spur seiner Tochter nicht verlieren. Zarifa konnte förmlich sehen, wie Cyneric diesen Kampf mit sich selber austrug.

Zarifa fing jetzt richtig an zu weinen. „Cyneric... bitte...“, schluchzte sie und blickte ihn flehend an. Und gerade schien es, als würde er endlich einschreiten, da packte plötzlich eine andere Hand Zarifas Arm und befreite diesen von Salias Griff. Zarifa blickte sich um, was jedoch eigentlich unnötig war, da sie anhand der Alkoholfahne schon genau wusste, wer es war.
„Ich denke, ich habe eine Lösung für euer Dilemma.“ Mit diesen Worten entriss Alvar Zarifa den Dolch. Salia und Cyneric waren nun augenblicklich in Alarmbereitschaft und versuchten Zarifa zu schützen. Sie selbst brauchte jedoch einige Sekunden, um überhaupt zu realisieren, was gerade passiert war. Ihr Kopf war zu voll mit Gedanken und ihr Herz zu voll von Schmerz, um schnell reagieren zu können. Wie in Trance hörte sie nur noch die Worte. „Es tut mir Leid.“ Und noch ehe Zarifa einen weiteren klaren Gedanken fassen konnte, lag Alvar in einer Lache seines eigenen Blutes vor ihr. Mit ihrem Dolch im Hals.
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Weit-Harad / Re: Arzâyan
« Letzter Beitrag von Eandril am Gestern um 23:35 »
Die Kerkertür fiel mit einem Krachen zu, und ließ Edrahil und Eayan im Dunkel des Verlieses zurück. Nur einige wenige Sonnenstrahlen fielen durch ein winziges, vergittertes Fenster, sodass sie nicht vollkommen blind waren. Edrahil blickte sich in der Zelle um, die eine von vier Gitterzellen in diesem Raum war - jede von ihnen mit einem metallenen Gitter umgeben, dessen Gitterstäbe so eng zusammenstanden, dass höchstens ein sehr schmaler Arm hindurch passte. Auf jeder Seite des Raumes lagen zwei der Zellen nebeneinander. Die Zelle neben der ihren war leer, doch ihnen gegenüber saß eine dunkle Gestalt mit dem Rücken an die kalte Steinwand gelehnt, die nicht einmal den Kopf gehoben hatte, als Raes Wachen Edrahil und Eayan in ihre Zelle gebracht hatten. Und dennoch fühlte Edrahil sich von ihr auf seltsame Weise beobachtet.
Er ließ sich vorsichtig auf dem mit einer Art Stroh - vielleicht getrockneten Palmblättern - ausgelegtem Boden nieder, und lehnte sich an die Wand. "Zumindest gemütlicher als meine Zelle im Palast von Umbar." Eayan lachte trocken auf. "Das glaube ich gerne, ich habe auch einmal eine halbe Nacht dort verbracht. Hasaël hat wirklich einen miserablen Geschmack, was Unterkünfte für seine Gäste angeht."
Edrahil hob eine Augenbraue. "Eine halbe Nacht nur? War er euch so schnell leid?" "Nun... nicht direkt", erwiderte Eayan, ohne eine Miene zu verziehen. "Das Schloss klemmte allerdings etwas, sonst hätte ich seine Gastfreundschaft weniger lange in Anspruch genommen."
Edrahil streckte die Beine aus, und massierte dabei vorsichtig sein schmerzendes Knie. "Eines Tages müsst ihr mir die Geschichte dazu erzählen. Für jetzt denke ich auch, dass wir Raes Gastfreundschaft nicht allzu sehr strapazieren sollten." Eayan wandte sich zu ihm um. "Vermutlich nicht. Ich nehme an, wir warten auf einen Besuch von Abrazîr?"
"Sehr richtig", meinte Edrahil. "Ich bin es nicht gewohnt, dass andere mir auf diese Art folgen können." Zum ersten Mal seit längerer Zeit zeichnete sich ein Grinsen auf Eayans Gesicht ab. "Vorsicht, Edrahil. Man könnte meinen, ihr hättet keine besonders hohe Meinung von euren bisherigen Gefährten."
"So würde ich es nicht ausdrücken." Edrahil seufzte. "Valion hat das Herz am rechten Fleck und ist gut mit dem Schwert, ist aber nicht mit übermäßig viel Scharfsinn gesegnet. Seine Schwester ist vielleicht ein wenig klüger, ihm aber in vielen Dingen unglaublich ähnlich." Und verschwendet viel mehr Energie darauf, Männern das Herz zu brechen, als ihr gut tut, fügte er in Gedanken hinzu. "Thorongil ist ebenfalls ein guter Mann und besitzt einen raschen Verstand, ist aber zu sehr mit seinem Vermächtnis beschäftigt. Seine Nichte kommt ihm was den Verstand angeht nahe, ist aber viel zu ungestüm. Ihre Freundin Aerien gefällt mir was das angeht besser, ich hoffe, dass sie sich in Zukunft gut ergänzen und ihre Schwächen gegenseitig ausgleichen."
"Habt ihr sie deshalb nach Kerma geschickt?", fragte Eayan. "Als Übung für die Aufgabe, die ihr für sie geplant habt?" Edrahil nickte. "Sicherlich ist ihre Reise nach Kerma nicht ungefährlich, vor allem wenn König Músab, wie ich erwarte, einen Gefallen von ihnen fordert und ihnen irgendeine schwierige Aufgabe stellt. Wenn sie daran bereits scheitern, könnten sie eine Reise nach Mordors niemals überstehen, doch wenn sie es schaffen, werden sie Kerma gestärkt verlassen."
Eayan lehnte sich, noch immer stehend, an die Gitterstäbe hinter sich, verschränkte die Arme, und sagte unvermittelt: "Ta-er hat mir erzählt, dass ihr ihr in Umbar das Leben gerettet habt, obwohl ihr Kampf mit Salames Assassinen euch die Gelegenheit zu Hasaëls Beseitigung verdorben hat."
"Und ihr wundert euch darüber", meinte Edrahil, und seufzte. "Tatsächlich hätte ich sie einfach auf dem Kampfplatz zurückgelassen um vermutlich zu verbluten. Es war Valirë, die darauf bestanden hat, sie mitzunehmen. Und offenbar hatte in diesem Punkt tatsächlich ich Unrecht und sie Recht." Ein Eingeständnis dieser Art war selten genug für Edrahil, was ihm durchaus bewusst war. Doch er war nicht zu arrogant zu erkennen, wann er einen Fehler gemacht hatte - einer der Gründe, warum er noch lebte.
"Nun, dann bin ich froh, dass jene Valirë an diesem Tag dort war. Ta-er war eine gute Schülerin, und ist eine gute Freundin, und eines Tages wird sie nach meinem Tod den Silbernen Bogen anführen", sagte Eayan ruhig, und blickte zu dem winzigen Gitterfenster hinauf, hinter dem die Sonnenstrahlen langsam zu verblassen begannen. "Doch bis dahin vergeht hoffentlich noch ein wenig Zeit. Auch wenn ich große Stücke auf mich halte, kann ich eure Talente in diesem Land durchaus gut gebrauchen", meinte Edrahil, und Eayan lächelte. "Das denke ich auch."
Einige Augenblicke herrschte Schweigen, bis Edrahil sagte: "Ich erinnere mich an etwas, das Ta-er in Umbar sagte, und wonach ich euch seit längerem fragen wollte. Sie sprach von..." Er unterbrach sich, als die Tür zu ihrem Kerkerraum leise geöffnet wurde, und eine große Gestalt mit einer Fackel hindurch trat.

Edrahil kam ein wenig mühsam auf die Füße. "Abrazîr. Ich hatte mich gefragt, wann ihr wohl auftauchen würdet."
Abrazîr, dessen Gesicht im Fackelschein gespenstisch wirkte, lächelte ein wenig bitter. "Das gehört alles zu eurem Plan, nicht wahr? Ich kenne euren Ruf, Edrahil - ihr habt immer einen Plan, und immer kommen Menschen zu Schaden."
"Menschen, die es verdient haben", entgegnete Edrahil. "Seid ihr euch vollkommen sicher, dass Taraezaphel es nicht verdient hat? Könnt ihr mir wahrheitsgemäß sagen, dass ihr sicher seid, dass sie nicht mit Mordor im Bunde ist?"
Abrazîr schwieg, und seinem Gesicht war deutlich anzusehen, wie er mit sich kämpfte. "Nein", sagte er schließlich. "Ich will nicht glauben, dass es so ist, doch... ich kann mir nicht sicher sein."
"Dann nehme ich an, dass ich bei meinem Vorhaben auf eure Hilfe zählen kann?" Sofort verhärtete sich Abrazîrs Gesichtsausdruck. "Ihr meint, bei ihrer Ermordung." Edrahil schüttelte den Kopf. "Nein. Nicht ohne den Beweis, dass sie in Mordors Diensten steht und eine Bedrohung für die freien Völker darstellt. Wenn ihr meinen Ruf kennt, müsstet ihr ja auch wissen, dass ich nie handele, bevor ich einen Grund dazu habe."
"Ihr gebt mir euer Wort, dass ihr nichts gegen sie unternehmen werdet, bis ihr sicher wisst, dass sie mit Mordor im Bund ist?", fragte Abrazîr, und fixierte Edrahil dabei mit seinen dunklen Augen, in denen sich das Fackellicht spiegelte. Edrahil nickte. "Ihr habt mein Wort."
Ohne ein weiteres Wort zog Abrazîr ein längliches Bündel unter seinem Umhang hervor, und legte es vor ihrer Zelle auf den Boden. Dann warf er einen kleinen Gegenstand zwischen den Gitterstäben hindurch, wo dieser mit einem metallischen Geräusch gegen die Wand prallte und im Bodenstroh landete. "Die Wache kehrt in fünf Minuten wieder", sagte er, wandte sich ab, und verließ schweigend den Raum. Inzwischen hatte Eayan sich nach dem Gegenstand gebückt, und hielt ihn ins schwache Sonnenlicht unter dem Fenster. "Niedlich", kommentierte er. Es war ein schmaler, gebogener Metallstreifen. "Als ob ich nichts eigenes hätte, um dieses lächerliche Schloss zu knacken... Immerhin, der Gedanke zählt." Er warf den Metallstreifen achtlos beiseite, zog einen deutlich stabiler aussehenden Dietrich aus einer seiner Taschen, und machte sich an dem Schloss zu schaffen. Nur wenige Herzschläge waren vergangen, bevor das Schloss mit einem hörbaren Klicken aufsprang, und Eayan, die Tür aufstieß. "Auf in die Freiheit."
Das Bündel, das Abrazîr zurückgelassen hatte, stellte sich als Eayans Schwert und Edrahils Dolch heraus, die ihnen zuvor abgenommen worden waren. "Ihr scheint einen gewaltigen Eindruck auf Abrazîr gemacht zu haben", meinte Eayan, und schnallte sich seine Klinge um.
"Er ist ein vernünftiger Mann", entgegnete Edrahil. "Und seine Treue zu Rae macht ihn nicht blind für die Gefahr, die Mordor darstellt. Ich hatte gehofft, dass er so handelt."
"Aber gewusst habt ihr es nicht."
"Natürlich nicht. In dem Fall hätten wir improvisieren müssen." Eayan lächelte - er lächelte viel in letzter Zeit, stellte Edrahil fest. Die ganze Sache schien dem Schattenfalken mehr Freude zu bereiten, als er vermutlich zugeben würde. "Improvisieren müssen wir ohnehin. Oder habt ihr etwa auch einen Plan, wie wir aus diesem Palast entkommen, ohne uns darin auszukennen?"
"Den habe ich nicht", gab Edrahil zu. "Aber dies ist euer Teil des Spiels."
"Oder ihr könntet mich um Hilfe bitten", mischte sich eine dritte Stimme in das Gespräch ein. Die dunkle Gestalt in der anderen Zelle hatte sich erhoben und war an die Gitterstäbe herangetreten. "Ich kenne einen Weg hier heraus, der nicht bewacht wird." Eayan blickte Edrahil an, und dieser zuckte mit den Schultern. "Wer hier eingesperrt ist, wird kein Freund Arzâyans sein. Es wäre eine Möglichkeit."
Nur wenige Herzschläge später hatte Eayan auch dieses Schloss geknackt, und der Gefangene trat in den Gang hinaus. Er war groß und hielt sich aufrecht, doch sein Gesicht war im Schatten einer Kapuze verborgen. "Habt Dank." Seine Stimme war angenehm und hatte einen seltsamen Beiklang, der Edrahil unwillkürlich etwas wie Respekt empfinden ließ. "Hier." Der Gefangene drückte gegen einen der Steine in der Mauer, und zwischen den beiden Zellen glitt ein Stück der Wand beiseite und offenbarte einen Gang, gerade breit und hoch genug, dass ein großgewachsener Mann auf Händen und Füßen hindurch kriechen konnte. "Der Gang ist bald hoch genug, dass ihr aufrecht gehen könnt, und führt aus dem Palast hinaus zu einem Haus am Rand der Stadt, das noch immer verlassen sein dürfte. Wartet dort auf mich, ich werde den Gang hinter euch verschließen."
"Dann hoffe ich, dass ihr dort auftaucht - allein", erwiderte Edrahil. "Denn ich habe einige Fragen an euch." Unter der Kapuze glaubte er die Andeutung eines Lächelns zu sehen. "Das glaube ich. Jetzt geht, bevor die Wache zurückkommt."
4
The Lord of the Rings / Re: Annals of Aman
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 21:11 »
Zitat
So, behold thou, the seat of Might!
Beyond cloud and height,
Above splendour and marvel,
Thence the King decreeth words and chooseth well.

5
RPG Library / Re: Antique Lyrics of Arda
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 21:01 »
DORMANT FIRE



Zitat
Round the sorry kingdom,
Once hailed glorious, what an earldom!
Dormant today lie they,
Lands in the tenure of who all may.

One that may, before the eyes of Men,
Ambers needing new air, then,
A hero might come, by chance,
Waking the sleeping fire of the vassals, firmly holding his lance.
6
RPG Library / Re: The Hearth of Tales
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 20:59 »
THINKING



Zitat
Thinking of good and bad,
What must he be doing, that jolly lad?
Bilbo went, far away,
Almost vanished, say.

Last, he had will to join some quest,
Whose kind gifts no repose nor rest,
With the company of such strange a people,
Bored, done with the quiet oak or the gentle maple.
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Gondor (Zentrum) / In die Schatten
« Letzter Beitrag von Fine am Gestern um 15:09 »
Es war stockfinster, als Valion von Ardóneth geweckt wurde. „Wie spät ist es?“ murmelte der Gondorer, als er sich langsam aufsetzte und mit der Hand den Schlaf aus den Augen rieb.
„Kurz nach Mitternacht,“ antwortete der Waldläufer mit gedämpfter Stimme. „Wir sollten nicht vor Sonnenaufgang weiterreiten. Noch immer sind Orks in der Umgebung unterwegs, und nachts werden sie uns leichter bemerken, während wir kaum etwas sehen können. Ich habe bis jetzt gewacht... jetzt bist du an der Reihe.“
„Also gut,“ gab Valion sich geschlagen. Er fühlte sich einigermaßen erfrischt durch den langen, ungestörten Schlaf und starrte ein Weilchen in die Dunkelheit hinein, die unter den Bäumen ringsherum herrschte, während Ardóneth sich nun seinerseits schlafen legte. Als sich Valions Augen so gut es ging an die Finsternis gewöhnt hatten, ließ er seinen Blick über die Lagerstätte wandern, die die vier Gefährten notdürftig errichtet hatten. Rinya lag zusammengerollt in einer von Moos gefüllten Mulde, gehüllt in ihren schmutzigen Umhang und gab regelmäßige Atemgeräusche von sich. Die beiden Dúnedain hatten sich einige Meter weiter entfernt zurückgezogen. Zur Linken war hin und wieder ein Schnauben von den Pferden zu hören. Vier Tiere waren es, die unter den Bäumen angebunden waren und die dort geduldig ausharrten. Zwei von ihnen hatten sich ebenfalls hingelegt, während die anderen beiden etwas unschlüssig zwischen den Baumstämmen standen und den Waldboden nach etwas Gras absuchten.

Valion war froh, dass sie den Verräter Gilvorn nicht zu Fuß verfolgen mussten, und dass sie nun durch etwas Glück sein Ziel kannten. Minas Tirith lag noch mindestens zwei Tagesritte entfernt, doch immerhin kannte Valion sich in der weißen Stadt einigermaßen gut aus. Er wusste allerdings nicht, wie die Lage vor Ort war. Als er mit seiner Zwillingsschwester zuletzt in der Hauptstadt Gondors gewesen war, hatte sie gerade eine gewaltige Belagerung durch die Horden Mordors überstanden. Doch nach der Niederlage Gondors am Schwarzen Tor war Minas Tirith nicht lange frei geblieben. Im Frühjahr hatte es dort, wie Valion gehört hatte, einen Aufstand der Bevölkerung gegeben, die bis zu diesem Zeitpunkt mit einigen Einschränkungen ihr Leben so wie vor dem Krieg fortgesetzt hatte. Doch nun hieß es, dass Minas Tirith von den meisten Gondorern verlassen war und dass dort nun Orks und noch schlimmere Dinge ihr Unwesen trieben.

Am Waldrand knackte es, und Valion verbannte seine Gedanken an die Zukunft. Er durfte seine Wachsamkeit nicht ruhen lassen. Der Gondorer hielt den Atem an und lauschte angestrengt in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. Zunächst blieb alles still, bis auf die nächtlichen Geräusche des Wäldchens, die auch zuvor schon da gewesen waren. Doch dann raschelte es auffällig laut, als würde jemand sich seinen Weg durch ein Gebüsch bahnen, und dann knackte es erneut. Und nun hörte Valion eindeutig die schweren Schritte von mit Eisen beschlagenen Stiefeln, die über den weichen Waldboden stapften. Rasch zog er sein Schwert und pirschte sich so lautlos er es vermochte in Richtung der Schritte. Er hielt den Kopf unten und kam nahe genug heran, um eine in Schatten gehüllte Silhouette zu entdecken, die sich gemächlich näherte. Anhand des Geruches, der Valion in die Nase stieg, war er sich sicher, dass es sich um einen Ork handelte. Er fluchte lautlos über das Pech, das ihn ereilt zu haben schien, und versteckte sich hinter einem breiten Baumstamm, der den wahrscheinlichsten Weg des Orks flankierte. Eine Hand auf seinen Mund gelegt, die andere fest am Griff eines seiner beiden Schwerter, so wartete er dort ab, während der Ork sich Schritt für Schritt seiner Position näherte. Und dann war die Kreatur heran und würde den Baumstamm sogleich passieren. Valion spannte seine Muskeln an, bereit, sich auf seinen Feind zu stürzen und ihn zu überraschen. Doch da hörte er, wie der Ork stehen blieb und schnüffelte. Das Geschöpf zog die nächtliche Luft durch die Nase ein und hielt inne. Eine tastende Hand legte sich auf den Baumstamm und verfehlte nur um Haaresbreite Valions Gesicht. Rasch ließ er sein Schwert los und warf es mehrere Schritte entfernt von sich. Der Ork grunzte und machte einen Schritt nach vorne, vom Baum weg. Sofort war Valion bei ihm und legte der Kreatur seinen Arm um den Hals. Mit dem linken Fuß trat der dem Ork die Beine weg, während er seinem Feind die Luft abdrückte. Die behandschuhte rechte Hand presste er auf Mund und Nase des Orks, sodass dieser ohne einen Laut erwürgt wurde. Denn Valion wusste, dass ein Ork nur selten alleine unterwegs war. Selbst ein einzelner alarmierender Schrei der Kreatur konnte binnen weniger Minuten eine ganze Horde von Saurons Geschöpfen herbeirufen. Als der Ork sich nicht mehr regte, ließ Valion seinen Gegner langsam zu Boden gleiten.

Er nahm einen tiefen Atemzug. Der Gestank des Orks hatte ihm beinahe den Verstand geraubt. Sicherheitshalber schnappte er sich sein Schwert und durchbohrte der Kreatur damit das Herz. Danach verbarg er den Kadaver unter einem Haufen Laub, um den üblen Geruch fernzuhalten.
Glücklicherweise schienen die Pferde durch die Zwischenfall nicht verschreckt geworden zu sein. Valion tätschelte ihnen beruhigend über den Hals, ehe er zu seinen Gefährten zurückkehrte.
Rinya war inzwischen erwacht und blickte wachsam in die Finsternis jenseits der Bäume, als Valion zu ihr trat.
„Was ist passiert?“ flüsterte Duinhirs Tochter, als er sich neben sie auf einen alten Baumstumpf gesetzt hatte. „Ich hatte davon geträumt, dass wir hier überfallen wurden, und als ich erwachte, glaubte ich, im Dunkeln die Gestalt eines Orks zu erkennen. Ich wusste für einen Augenblick nicht recht, ob ich noch immer träumte.“
„Da war tatsächlich ein einzelner Ork,“ antwortete Valion mit gedämpfter Stimme. „Ich hab‘ mich um ihn gekümmert... so leise es ging.“
Rinya rümpfte die Nase. „Das riecht man,“ meinte sie. „Hättest du ihn nicht aus sicherer Entfernung erstechen können?“
„Ich konnte nicht riskieren, dass er dabei brüllt,“ verteidigte Valion seine Vorhergehensweise. „Wir wissen nicht, wie viele Orks hier noch in der Umgebung unterwegs sind. Wir können nur hoffen, dass dieser eine uns nur per Zufall gefunden hat, und dass nicht noch mehr in der Nähe sind.“
„Hm,“ machte Rinheryn nachdenklich. „Ich vermute, dass sich die Überlebenden der Schlacht im freien Feld sammeln, ehe sie in Richtung der Grenze Rohans marschieren. Hätten die Rohirrim doch nur einen Sieg errungen - dann wäre Anórien jetzt vielleicht frei von Mordors Besatzung. So wird der Krieg am Mering und in der Ostfold nun wie zuvor weitergehen.“
„Und Gondors Verteidigungslinie am Gilrain wird nicht entlastet werden,“ ergänzte Valion niedergeschlagen. „Falls sie inzwischen überhaupt noch stand hält.“
„Ach komm schon, Kopf hoch. Die Soldaten Gondors geben sich nicht so leicht geschlagen, und ein Fluss wie der Gilrain lässt sich gut verteidigen,“ versuchte Rinya Valion aufzumuntern. „Ich bin mir sicher, die Heerführer in Linhir und den anderen Grenzfestungen haben alles im Griff.“
„Ich hoffe es,“ wisperte Valion. „Sonst waren all unsere Bemühungen umsonst.“
Rinheryn legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: „Na komm schon. Es bringt doch nichts, sich Dinge auszumalen, über deren Verlauf wir keinen Einfluss haben. Lass uns lieber auf das schauen, was wir verändern können. Wir haben unseren Auftrag, und wir werden ihn erfüllen. Danach können wir uns Sorgen um die östliche Verteidigungslinie machen.“
„Du hast Recht,“ pflichtete Valion ihr bei. „Wir geben nicht auf. Wir schnappen uns Gilvorn und bringen ihn zur Strecke.“
„Am liebsten würde ich ihn lebendig in die Finger bekommen und dem Truchsess in Dol Amroth vor die Füße schleudern, damit er aus diesem miesen Verräter ein Beispiel für all jene machen kann, die auch nur daran denken, Gondor die Treue zu entsagen,“ knurrte Rinheryn leise. „Er soll hängen, vom höchsten Turm der Schwanenstadt, damit alle gut sehen können, wie man in Gondor mit Verrätern umgeht.“
„Nachdem ihm der öffentliche Prozess gemacht wurde,“ ergänzte Valion, und Duinhirs Tochter nickte zustimmend.
„Ganz genau. Wir haben Gesetze in Gondor, und auf Hochverrat steht der Tod. Eidbruch in seiner schlimmsten Form erfordert nun einmal auch die höchste Strafe.“
„Ich hoffe nur, es gelingt uns, ihn aus Minas Tirith herauszuschaffen.“
„Darüber können wir uns Gedanken machen, wenn wir dort angekommen sind.“ Rinheryn erhob sich und streckte sich. „Ich übernehme den Rest der Nachtwache. Die Sonne geht in zwei Stunden auf, schätze ich. Dann sollten wir uns auf den Weg machen.“

Valion gelang es tatsächlich, die zwei verbliebenen Stunden mit einem Nickerchen zu verbringen, bis ihn der erste Sonnenstrahl weckte, der durch das Geäst über ihm drang. Die Dúnedain waren bereits wach und sattelten ihre Pferde. Es vergingen nur wenige Minuten, bis die vier Gefährten abreisefertig waren und die Rösser aus dem Wald heraus führten. Beinahe gleichzeitig schwangen sie sich auf die Rücken ihrer Pferde und ritten los.
Sie schlugen einen parallel zu den Vorgebirgen der Ered Nimrais verlaufenden Weg ein, der sie stetig ostwärts durch Anórien führte. Die gut ausgebaute Straße zu verwenden, die nördlich von ihnen von Minas Tirith nach Isengard und von dort weiter nach Arnor führte, wagten sie nicht. Sie waren sich einig, dass der Feind die Straße überwachen ließ. Zwar kamen sie dadurch etwas langsamer voran, doch Valion war sich sicher, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatten.
Eines nach dem anderen zogen die nördlichen Leuchtfeuer Gondors an ihnen vorbei. Alle waren erloschen - seit dem Ritt der Rohirrim vor mehr als drei Jahren, hatten sie nicht gebrannt. Je weiter sie nach Osten kamen, desto bedrückter wurde die Stimmung, und sie sprachen nur wenig miteinander. Das Land, das einst von freien Menschen bewohnt gewesen war, lag nun zum größten Teil verlassen vor ihnen. Auch von Orks war kaum etwas zu sehen. Und obwohl ihnen niemand begegnete, spürten sie dennoch alle, dass sie sich nun im Herrschaftsgebieten des Meisters von Mordor befanden. Eine ungute Anspannung lag in der Luft.
Sie rasteten in der nächsten Nacht in einer Mulde zwischen zwei felsigen Ausläufern des Gebirges, wo sie vor dem Wind und vor bösartigen Blicken geschützt waren. Dennoch schliefen sie alle nur wenig und hielten stets zu zweit Wacht. Obwohl sie gut vorangekommen waren, war Valion von einem Gefühl der Dringlichkeit ergriffen und hatte den Eindruck, dass sie nicht rechtzeitig in Minas Tirith eintreffen würden. Er schlief in jener Nacht unruhig und träumte von Dingen, die er nicht zuordnen konnte. Er sah einen einsamen Wanderer, der sich einer großen Meeresfestung näherte, die Schultern von Schuld schwer beladen, das Haupt von einem tiefgrünen Umhang verdeckt. In der Hand hielt er eine schartige Axt. Als der Unbekannte an das Tor der Stadt kam, konnte Valion sein Gesicht erkennen und stellte fest, dass es sein eigenes war... doch die spitzen Elbenohren, die das Antlitz einrahmten, wollten nicht dazu passen. Ehe er weiter darüber nachdenken konnte, verblasste der Traum und ließ Valion voller unbeantworteter Fragen zurück.
Am folgenden Tag trieben sie ihre Pferde noch zu größerer Eile an und legten das letzten Stück bis zur Weißen Stadt innerhalb des Tages zurück. Als die Sonne unterging, schlugen sie ihr Nachtlager in Sichtweite von Minas Tirith auf, verborgen in dichtem, hoch wachsendem Gestrüpp, das an den unteren Hängen der Berge zwischen Mindolluin und Amon Dín wuchs. Am nächsten Morgen würden sie versuchen, ins Innere der ehemaligen Hauptstadt zu gelangen.


Ardóneth, Valion, Rinheryn und Areneth nach Minas Tirith
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Der Düsterwald / Rhosgobel
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Oronêl und Kerry aus dem tiefsten Wald

Die finsteren, eng zusammenstehenden Bäume des Düsterwaldes schienen lichter und freundlicher zu werden, je weiter Oronêl und Kerry nach Südwesten gelangten, weiter von der Düsternis Dol Guldurs entfernt. Auch Geräusche des Waldes waren nun wieder zu hören, freundliche, natürliche Geräusche von Tieren, die diesen Wald noch ihre Heimat nannten - nicht die bedrohlichen Geräusche, die den Wald weiter im Norden beherrschten. Eichhörnchen rannten die Stämme der Bäume hinauf, und in den Wipfeln und im Unterholz zwitscherten Vögel, immer auf der Suche nach Nahrung. Erst jetzt bemerkte Oronêl, wie sehr ihm die Finsternis des Waldes in den letzten Tages auf der Seele gelegen hatte, und er atmete tief durch. Auch die Luft an sich schien frischer, reiner zu schmecken. 
Unvermittelt traten sie auf eine Lichtung hinaus, die von der Sonne des späten Nachmittags in ein goldenes Licht getaucht wurde, und Oronêl hörte Kerry neben sich tief Luft holen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es einen solchen Ort hier im Wald gibt", meinte sie erstaunt. Oronêl lächelte. "Glaubst du, Radagast würde an einem finsteren Ort leben? Das hier ist der Große Grünwald, wie er einst war, bevor Saurons Finsternis ihn verdarb, als die Elben darüber herrschten."
"Hier haben auch Elben gelebt?", fragte Kerry. "Wer waren sie?"
"Nun...", sagte Oronêl langsam. "Einer von ihnen steht neben dir." Kerry schüttelte verwundert den Kopf. "Aber ich dachte, du kommst aus Lórien. Und das ist doch auf der anderen Seite des großen Flusses."
"Heute ist das so", antwortete Oronêl. "Doch vor langer Zeit, als es noch Lórinand genannt wurde, erstreckte es sich bis zur Ostgrenze des Großen Grünwaldes - wie auch das Waldlandreich unserer Verwandten viel größer war, und bis zu dem Ort reichte, wo heute Dol Guldur liegt. Ich erinnere mich noch gut an diesen Baum." Er deutete auf die mächtige, sichtlich uralte Eiche in der Mitte der Lichtung, zwischen deren gewaltigen Wurzeln ein kleines, gemütliches Holzhaus lag. "Ein guter Freund von mir hatte darauf ein Flett gebaut, doch er ist schon lange fort. Heute nennt man diesen Ort..."
"Rhosgobel", ergänzte eine tiefe Stimme hinter ihnen. Kerry fuhr geradezu herum, während Oronêl sich langsam zu Radagast umwandte - er hatte die Schritte des Zauberers bereits hinter sich gehört. "Meister Radagast", sagte er. "Ich freue mich, dich zu sehen - doch warum hast du dich so an uns angeschlichen?" Für einen Augenblick huschte ein Schatten über das lächelnde Gesicht Radagasts. "Der Wald ist dieser Tage selbst hier nicht ungefährlich. Ein Vogel brachte mir Nachricht, dass sich zwei Zweibeiner Rhosgobel näherten, die er nicht kannte - ein Mann und eine Frau, wobei ihm der Mann irgendwie sympatischer zu sein schien."
Kerry murmelte etwas, das wie "Spatzenhirn" klang, und Radagast lachte leise. "Die meisten Vögel sind klüger, als ihr Menschen glaubt, junge Dame. Es ist nun aber so, dass sie Elben in der Regel lieber mögen als Menschen, insofern hat dein Begleiter natürlich einen Vorteil."
"Dann hat er Oronêl noch nicht zu seinen griesgrämigen Zeiten kennengelernt", erwiderte Kerry mit einem Seitenblick zu Oronêl, der ihm klar machte, dass sie seine Entscheidung noch lange nicht akzeptiert hatte. Radagast hingegen lachte herzlich über Kerrys Aussage. "Im Gegensatz zu diesem Vogel finde ich dich sehr sympathisch - auch wenn wir uns, wie ich glaube, noch nicht begegnet sind."
Kerry schüttelte den Kopf. "Ich heiße Kerry - oder Déorwyn, oder Morilië, was immer euch lieber ist." Radagast zog eine buschige Augenbraue in die Höhe. "Nun, du hast eine ganze Menge Namen für ein so junges Ding. Aber ich werde bei Kerry bleiben. Kerrrry - der Klang gefällt mir." Kerry warf Oronêl einen leicht verwunderten Blick zu, und er zuckte nur leicht mit den Schultern. Schließlich besaßen alle Zauberer einen etwas wunderlichen Ruf, natürlich mit Ausnahme Sarumans, dessen Ruf einfach nur finster war.
Radagast klatschte in die Hände. "Aber wir sollte hier draußen nicht die Zeit vertrödeln. Kommt herein, und macht es euch in meinem Haus gemütlich."

Nur kurze Zeit später saßen die drei im Hauptraum von Radagasts Haus um ein munter knisterndes Feuer herum, denn zu dieser Jahreszeit wurden die Nächte auch im südlichen Düsterwald mitunter bereits empfindlich kalt.
Oronêl und Kerry berichteten dem Zauberer abwechselnd, was sie gemeinsam erlebt hatten, seit Oronêl Imladris in Richtung Fornost verlassen hatte. So viel war in der Zeit geschehen, dass es Oronêl viel länger vorkam als die wenigen Monate, die tatsächlich vergangen waren, und als sie mit ihrer Erzählung zum Ende kamen, war es draußen bereits dunkel geworden, und das Feuer warf tanzende Schatten an die hölzernen Wände.
"Und was ist dir widerfahren seit wir uns das letzte Mal sahen, Radagast?", fragte Oronêl schließlich. Der Zauberer saß ihm und Kerry gegenüber und rauchte Kraut in einer langen, gebogenen Pfeife - eine Angewohnheit, die beide bereits zuvor bei Gandalf beobachtet hatten. Auf seinem Schoß lag ein Eichhörnchen, dass zuvor aufmerksam gelauscht zu haben schien, inzwischen aber eingeschlafen war. "Nun, dieses und jenes", erwiderte Radagast. "Nichts davon auch nur annähernd so bedeutend oder dramatisch wie die Abenteuer, die ihr erlebt habt, aber ich habe einiges getan um zu verhindern, dass die Schatten sich weiter ausbreiten - auf meine eigene Art."
Er strich mit dem Zeigefinger sanft dem schlafenden Eichhörnchen über den kleinen Kopf. "Viel interessanter ist natürlich, was dieser kleine Unhold zu berichten hatte. Während meiner Abwesenheit sind drei Leute nach Rhosgobel gekommen - eine Elbenfrau mit zwei Geschichten, ein Mann, der eher einem Bären gleicht, und ein unverbesserlicher Einmischer. Sagen euch diese Beschreibungen etwas?" Oronêl schüttelte den Kopf, und Radagast lachte in sich hinein. "Nein? Nun, mir sagen sie jedenfalls etwas." Oronêl wartete geduldig ab - wenn der Zauberer vorhatte, das Rätsel aufzuklären, würde er es tun, und wenn er es nicht vorhatte, würde nichts was sie sagten, ihn dazu bewegen können, es doch zu tun.
Kerry war nicht so geduldig. "Das ist ja schön, dass ihr Bescheid wisst. Also, wer waren diese Leute? Jemand, den wir kennen?"
Radagast schmunzelte. "Niemand, den du kennst, Kerry. Aber was Oronêl angeht - er kennt zumindest zwei von ihnen. Und wenn mich nicht alles täuscht, wird er ihnen in nicht allzu ferner Zukunft auch begegnen."
"Das glaube ich nicht", sagte Oronêl leise, und er spürte, wie sich Kerrys Blick plötzlich auf ihn richtete. Auch Radagasts Augen fixierten ihn unter seinen buschigen Augenbrauen hindurch. "Ich verlasse Mittelerde", erklärte er ruhig. "Es ist zu viel geschehen, dass... nun, sagen wir einfach, dass meine Zeit vorüber ist."
"Damit kommen wir zum wahren Grund eurer Reise, den ihr bislang verschwiegen habt." Radagast nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife. "Viele haben schon vor dir geglaubt, dass ihre Zeit gekommen ist. Und viele haben sich geirrt."
"Ich irre mich nicht", erwiderte Oronêl mit fester Stimme. "Die Zeit für mich ist gekommen zu denen zurückzukehren, die ich liebe."
Kerry machte eine unwillkürliche Bewegung, doch bevor sie etwas sagen konnte, sprach Radagast. "Die Herzen der Elben sind nicht mein Spezialgebiet, fürchte ich - hier wäre Gandalf deutlich geeigneter als ich. Ich möchte dir nur eine Frage stellen. Was ist mit denen die du liebst, die hier sind?"
Für einen Augenblick fehlten Oronêl die Worte, und diese Gelegenheit ergriff Kerry. "Hörst du, was er sagt?", fragte sie, und Oronêl konnte Wut und Enttäuschung in ihrer Stimme hören. "Wieso läufst du davon, wenn es noch so viel hier gibt, für das es sich lohnen würde, hier zu bleiben? Zählen wir alle nichts?"
"Ich laufe nicht davon." Oronêl verdrängte die Schuldgefühle, die in ihm aufgestiegen waren, und ersetzte sie durch Zorn - einen Zorn, der vollkommen unberechtigt war. "Du kannst das nicht verstehen, Kerry. Eines Tages hat man zu viel verloren, um noch weiterzukämpfen. Und dieser Tag ist vor einer Woche für mich gekommen. Mein Entschluss steht fest."
"Du hast zu viel verloren?", fragte Kerry, jetzt eindeutig zornig. Ihre Augen glänzten im Schein des Feuers verdächtig. "Ich habe in gerade drei Jahren meine Heimat verloren, meine Mutter sterben sehen, habe jahrelang gedacht, mein Vater wäre tot, und ich habe in jeder Schlacht, die ich erlebt habe, Freunde sterben sehen. Aber will ich einfach aufgeben und mich davon machen?" Sich gegenüber sah Oronêl Radagast anerkennend lächeln, und irgendwie ließ ihn das noch zorniger werden.
"Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst, du bist nur ein Mensch", erwiderte er kalt.
"Natürlich bin ich nur ein Mensch", gab Kerry, der Tränen über die Wangen liefen, zurück, und jetzt schrie sie bereits. Das Eichhörnchen auf Radagasts Schoß schreckte aus dem Schlaf auf, sprang auf den Boden und lief in den Schatten davon. "Aber wenigstens bin ich nicht selbstsüchtig und kein... Feigling!"
Oronêl sprang von seinem Sitz auf, riss die Tür des Hauses auf, und eilte ohne ein weiteres Wort in die dunkle Nacht hinaus, während Kerry mit Radagast alleine zurückblieb. Draußen blieb er einige Meter von Radagasts Haus entfernt stehen, unter den Ästen der uralten Eiche, und blickte zum sternenübersäten Nachthimmel hinauf, die Hände hinter dem Rücken.
"Was wollt ihr nur alle von mir?", flüsterte er leise, beinahe unhörbar. Selten hatten ihn Worte so heftig getroffen wie Kerrys Vorwürfe, und ein kleiner Teil in ihm begann zu zweifeln, ob sie nicht recht hatte. Vieles, was er liebte, würde er hier in Mittelerde zurücklassen, in der ständigen Gefahr, von Saurons Schatten verschluckt zu werden. Doch jegliche Kraft, dagegen anzukämpfen, schien ihn mit den Ereignissen am Waldrand verlassen zu haben. "Wenn es jemanden gibt, der mir Kraft geben kann", sagte er leise und verzweifelt. "Dann tut es, und vielleicht... vielleicht ist mein Tag noch nicht gekommen." Doch die Sterne antworteten nicht, und schienen weiterhin gleichgültig auf ihn hinab, bis die Sonne sich über die östlichen Wipfel erhob und sich die Tür von Radagasts Haus hinter ihm öffnete.
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[Elvenstar] Support / Re: Herr der Ringe 1 und 2 im virtuellen Laufwerk Spielen.
« Letzter Beitrag von Fíli am 15. Jul 2018, 15:19 »
Also ich benutze zum Erstellen und Einbinden der Images die Free Edition von Alcohol 120%, die funktioniert ganz wunderbar. :)
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[Elvenstar] Support / Re: Herr der Ringe 1 und 2 im virtuellen Laufwerk Spielen.
« Letzter Beitrag von Halbarad am 15. Jul 2018, 13:00 »
@Leviathan, @Ar-Sakalthor:
Für jedes Spiel habe ich mindestens 3 DVD zum Teil einzeln, zum Teil in einer Box ( Anthologie mit  Aufstieg des Hexenkönigs)
Mindestens 3 Discs pro Spiel hat er meinte er. Aber er will ein virtuelles Laufwerk damit die Discs nicht verkratzen. Die Patches sind ja auch nicht auf den DVDs drauf und im Internet für überteuerte Preise im Angebot ;)

@compagan: Dafür brauchst du ein spezielles Programm. Welches genau das ist kann ich auch nicht sagen, weil ich bislang bei meinen Versuchen immer fehlgeschlagen ist (ISO konnte erstellt werden, aber anscheinend hat dann doch der Kopierschutz gegriffen und ich konnte es nicht korrekt starten)
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