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Rhun / Ein verwüstetes Gästezimmer
« Letzter Beitrag von Curanthor am Heute um 05:26 »
Als Dragan mit Danica von den Wachen in eines der Gästezimmer geschoben wurde, bot sich ihnen ein Anblick eines Schlachtfelds. Die Einrichtung war bis auf das Bett in Trümmern, Holz- und Glassplitter lagen auf dem Boden verstreut. Doch am meisten fielen ihnen die zahlreichen Blutspritzer auf den dunklen Holzdielen auf. Von der großen, halb getrockneten Blutlache vor dem Bett gar nicht zu reden. Hier hatte offenbar ein heftiger Kampf stattgefunden, den jemand offensichtlich haushoch verloren hatte – eine lange Schleifspur aus der Blutlache heraus zur Tür deutete darauf hin. Eine vermummte Gestalt tauchte hinter Dragan und Danica auf. Die Wachen kontrollieren kurz die beiden Eimer, die Lappen und das Mundtuch der anderen Bediensteten. Sie hielt den Blick gesenkt, während Danica und Dragan sich einen fragenden Blick zuwarfen. Die Wachen bedeuteten ihnen die Sachen entgegenzunehmen und schlossen danach die Tür. Dragan blickte in den Eimer in seiner Hand. Es war ein kristallines, weiß-hellrotes Zeug, das er schon einmal gesehen hatte. 
„Salz“, murmelte Danica leise und hielt eine Kartoffel in der Hand, „Als Frau weiß man, wie Blut zu beseitigen ist.“
Ohne viel Federlesens nahm sie einen lädiert aussehenden Leinenlappen in die Hand und begann das frische Blut damit aufzuwischen. Dragan wunderte sich, dass sie gar keine Abscheu zeigte. Er vermutete, dass sie nicht zum ersten Mal menschliches Blut sah. Normale Menschen hätten schon beim ersten Anblick wieder kehrt gemacht, doch Danica schien sich nicht daran zu stören. Sie stopfte den blutigen Lappen in den Eimer Wasser und versuchte ihn so gut es ging zu säubern, dann wrang sie ihn aus und machte sich daran, mehr von der Blutlache zu entfernen. Dragan bemerkte, dass sie ihm hin und wieder missmutige Blicke zuwarf, woraufhin er sich in Bewegung setzte. Den Eimer mit Salz stellte er an die Seite und begann damit, die Scherben, Splitter, Holzstücke und andere Kleinteile, die unter seiner Sohle knirschten zusammenzufegen. Der Reisigbesen dafür hatte schon in einer Ecke gestanden. Er vermied es darüber nachzudenken, was in dem Raum geschehen sein könnte. Er kannte die Gemächer noch aus der Zeit, wo er in dem Fürstensitz gelebt hatte. Dies waren eigentlich die Gemächer der Bediensteten gewesen, genauer gesagt, die Zimmer der Küchenmägde. Einen Ort, den er eher selten besucht hatte, anders als sein Vater. Seine Hand umklammerte den Besen fester. Jemand tippte ihn auf die Schulter. Dragan fuhr herum. Danica stand genau vor ihm, ihre eisblauen Augen starrten ihn ungeduldig ab.
„Oleg“, sagte sie noch einmal und ihre Stimme schien kurz zu wanken. Verkniff sie da gerade ein Lachen? „Um das Blut kümmere ich mich. Stapel du die zerschlagenen Möbel in eine Ecke, jemand anderes wird sie fortschaffen, wenn wir hier fertig sind. Und lasse das Bett wie es ist…“ Dragan stutzte und wollte einen Schritt darauf zu gehen, doch ihre Hand schnellte vor und packte ihn wie einen Schraubstock am Unterarm. „Lass‘ es“, zischte sie plötzlich ernst.
Dragans Hand wurde taub, bis er schließlich nickte und sie ihn frei gab. Mit einem leisen Fluchen rieb er sich den Arm. „Du packst zu wie ein…“ Sie warf ihm einen giftigen Blick zu, woraufhin er sich rasch räusperte, „Hrm, ich meine, du hast einen festen Griff. Beeindruckend.“
Danica warf ihm einen weiteren, abfälligen Blick zu und klatschte den nassen Lappen auf die blutigen Dielen. „Abstoßend. Sag‘ es doch gleich. Das denken alle Männer von mir, wenn sie mich sehen. Das macht mir nichts aus.“
Dragan, der gerade verstohlen das zerwühlte Bett musterte spürte, dass es ihr eben nicht ‚nichts ausmachte‘. Er kannte sie aber nicht gut genug, um es sicher zu wissen und zog es vor zu schweigen. Sie war ihm was Körperkraft betraf überlegen und das genügte ihm, um vorsichtig zu sein. Außerdem wusste er auch nicht, wo ihre Loyalität lag. Gleichzeitig musste er sich stark an sich halten, um sie nicht irgendwie zu veralbern oder irgendwelche Witze zu reißen. Es war anstrengend. Dragan atmete seufzend aus, als er einen zerschlagenen Stuhl zusammensuchte. Ein zerborstenes Holzbein erregte seine Aufmerksamkeit, das er halb unter dem Bett hervorfischte. Es war zersplitterte, als ob ein Riese es als Zahnstocher benutzt hatte.
„Passiert das hier öfters?“, fragte er seine Mitleidende und schwenkte das zerborstene Stuhlbein vielsagend umher.
Danica atmete entnervt auf, erhob sich und kam rasch auf ihn zu. Grob rupfte sie ihm das Holzbein aus der Hand und warf es auf den kleinen Haufen, den er bereits aufgeschichtet hatte. „Du stellst zu viele Fragen, Oleg.“ Ohne ein weiteres Wort wandte sie sich wieder ab und schrubbte mit einer Bürste und dem Salz das eingetrocknete Blut von den Dielen.
„Bitte, dann eben nicht, Frau Gorilla“, brummte Dragan. Etwas kam in seinem Augenwinkel angeflogen. Seine Hand schnappte das Geschoss aus der Luft, das ihn sonst am Kopf getroffen hätte. „Aber, aber, wer wird denn gleich gewalttätig“, tadelte er, mit der gefangene Bürste in der Hand wedelnd.
Danica erhob sich, ihr Blick schien ihn zu erdolchen. Ihre blasse Haut hatte eine rötliche Färbung angenommen, die Dragan dazu riet nicht zu weit zu gehen. Sein Blick wanderte zu ihren narbenüberzogenen, geballten Fäusten. Die Knöchel waren beinahe weiß. Er schluckte unmerklich. Danica kam gemächlichen Schrittes zu ihm herüber und erst jetzt hatte Dragan Gelegenheit sie genauer zu betrachten, denn das breite Kreuz und die trainierten Schultern waren nun bedrohlich angespannt. Sie stoppte zwei Schritt vor ihm und reckte herrisch eine Hand. Die andere blieb trotzdem geballt. Dragan verstand erst nicht, beeilte sich aber dann, ihr die Bürste zu reichen. Sie packte seine Hand zusammen mit dem Holzstück und drückte zu. Überrascht von dem plötzlichen Schmerz keuchte er leise, während Danica zischte: „Ich bin nicht zu solcher Art Scherze aufgelegt. Ist das klar?“
Dragan nickte und antwortete rasch: „Verstanden. Verzeiht, mein Fehler… auch wenn das eher davon kam, dass ich den Namen Oleg nicht sonderlich mag – und ich generell gerne Scherze.“
Danica ließ los und schien besänftig, denn ihre Haltung wurde wieder lockerer. Sie drehte ihm den Rücken zu und machte sich wieder an den blutigen Boden. Etwas verdutzt von dem plötzlichen Gesinnungswandel blinzelte Dragan mehrmals und schaute ihr einen Moment bei ihrer Arbeit zu. Sein Blick wanderte dabei unwillkürlich zu dem Bett. Seine Neugierde ließ nicht locker, doch er wollte nicht noch einmal mit ihr aneinander geraten. Es wäre wohl klüger, erst einmal die Arbeit hier soweit zu erledigen, dachte er sich und ließ dem Gedanken auch Taten folgen. Ohne weitere Zwischenfälle räumte er weiter das Zimmer auf, fegte Bruchstücke zusammen und schob unter Danicas scharfen Blick das Bett an seinem Platz. Sie hatte inzwischen den Boden soweit von dem meisten Blut befreit, auch wenn noch eine dunklere Färbung des Holzes darauf hindeutete, was hier geschehen war. Während ihrer Arbeit tauchten die Wachen in unregelmäßigen Abständen auf und kontrollierten, ob sie auch fleißig waren. Dragan vermutete, dass einer von ihnen durchgehend vor der Tür stand. Mehrmals hörten sie kurze Gespräche durch das Holz, die meist sehr knapp gehalten waren. Auf einmal hörte man sehr deutlich die Stiefelabsätze von jemand, der auf den Gang vor der Tür entlangschritt. Dragans geübtes Gehör erkannte es als eine Frau, die einen recht langen Schritt hatte, also wohl ziemlich lange Beine besaß. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Danica in der Bewegung erstarrte. Die dumpfen, regelmäßigen Schritte auf dem Dielenboden wurden langsamer, je näher sie der Türe kamen. Dragan blickte abwechselnd auf das Schloss und auf Danica. Offenbar wusste sie, wer dort auf dem Flur war, denn sie war zur Salzsäule erstarrt. Es war das erste Mal, dass Danica eine Schwäche zeigte. Furcht. Dragan schluckte unmerklich und blickte wieder hastig zur Tür. Die Schritte verstummten. Direkt vor dem Holz. Ein unangenehmes Kribbeln kroch ihm über den Rücken. Plötzlich kam ihm die Eichentüre so vor, wie dünnes Papier. Selten hatte er so etwas gespürt. Nur zu einer Zeit, in der er in der Welt der Schatten gelebt hatte. Ein Moment war er dennoch froh, dass dieses dünne Stück Holz zwischen ihm und dem, was auch immer auf dem Flur zwischen ihnen war. Dann ertönten wieder die Schritte auf dem Holz. Sie entfernten sich zügig. Dragan schüttelte sich, um das Kribbeln loszuwerden und atmete unmerklich aus. Danica gab ebenfalls ein hörbares Keuchen von sich.
Noch einmal blickte er zu Tür – um sicher zu gehen, dass die Person weitergegangen war, dann ging er zur Danica und fragte leise: „Du weißt, wer das war?“
Die Kriegerin blicke auf, dann zur geschlossenen Türe und schüttelte langsam den Kopf. „Ich weiß nicht was es ist, aber ich bin dem Ding nur knapp entkommen.“ Sie schaute sich noch einmal um, so als ob noch wer im Raum sein könnte, „Als ich hier herkam, reiste ich mit einer Karawane. Wir machten Rast auf einer Seebrücke. Diese Schritte, der durchdringende Geruch von Blut und die Schreie der Sterbenden in der Nacht. Das werde ich nie vergessen…“ Danica schüttelte sich und blickte wieder zur Tür, „Es waren genau die gleichen Schritte. Da bin ich mir absolut sicher.“ Sie atmete tief aus, um sich zu beruhigen. „Vielleicht ist es ein Nachtmahr.“
Dragan runzelte die Stirn. „Heißt es nicht, dass ein Nachtmahr die Gestalt wechseln könnte?“
Danica zuckte mit den Schultern und wollte etwas darauf erwidern, doch Stimmen vor der Tür ließen sie beide aufspringen. Dann würde die Eichentür aufgezogen und ein untergesetzter Mann trat herein, auch wenn seine stämmige Statur eher von seinem hohen Gewicht kam. Er hatte kleine, wässrige Augen, unter denen dunkle Ränder lagen. Er trug einen schmutzigen rostbraunen Bart und fettige, schulterlange Haare. Dragan kam ihn vor wie ein fetter, scheinheiliger Schmierendarsteller.
„Sind sie das?“, fragte der fremde Mann, dessen Körper in einem zu kleinem Wamst steckte. Ein Gürtel unter gehöriger Spannung hielt die weite Hose oben. Dessen Stimme war irgendwie zu hoch und quakte misstönend.  Eine Wache stand ebenfalls in der Tür – das kantige Gesicht zu einer stählerneren Grimasse verzerrt. Irgendwo zwischen der Beherrschung nicht amüsiert zu wirken und Abscheu.  Der Wachmann bestätigte knapp und nannte den Kerl „Herrn Branko“. Diesem gefiel das ganz und gar nicht, denn er wandte sich der Wache zu und forderte diese auf, ihn bei seinem Bojaren-Titel zu nennen.  Dragan blickte flüchtig zu Danica, die den dicken Bojaren mit offenem Hass entgegenstarrte. Er rückte etwas näher an sie heran, den Bojaren immer noch im Blick. Dragan musste sich hüten, nicht angewidert den Kopf zu schütteln. Zu den Zeiten seines Vaters hätte es niemals so fette und offensichtlich arbeitsunwillige Bojaren gegeben. Offenbar verschenkte Vakrim nun Adelstitel, um sich beim Volk beliebter zu machen, mutmaßte Dragan im Gedanken und verfolgte die Diskussion, die sich plötzlich um sie beide drehte, als Bojar Brankos wurstige Finger auf Danica deutete. Angestachelt von Mareks Worten – endlich nicht nur an sich selbst zu denken, wollte er einen Schritt vor die Kriegerin machen, doch sie hielt ihn zurück. Er schnaubte kaum hörbar und zischte: „Also gut, selber schuld.“
„Ich kann auf mich selbst aufpassen“, giftete sie wispernd zurück.
„Die da“, verkündete Branko nun laut und gebieterisch, „Nehme ich jetzt mit in mein Gemach.“
„Der Hauptmann - “, wollte die Wache entgegnen, doch Branko unterbrach ihn rasch: „Siehst du ihn hier irgendwo? Soweit ich weiß, ist Hauptmann Marek nach Velgorod unterwegs und wird erst in zwei Tagen zurückkehren.“ Der Bojar leckte sich anzüglich über die Lippen, „Und was er nicht weiß…“
„Sie wird Ihnen vorher die Nase brechen“, hielt die Wache dagegen und sprach beim aufkommenden Prostest des Bojaren lauter, aber deutlich unwillig weiter, „Es hat fast fünf Männer gebraucht sie zu fangen. Zwei können noch immer nicht richtig laufen.“
Doch Branko schien das nur noch weiter zu reizen, denn er blickte Danica fasziniert in einem neuen Licht an und murmelte: „Vielleicht kann ich dafür meinen Gefallen bei Fürst Vakrim einfordern…“
Ehe einer von ihnen etwas sagen konnte, ertönte ein Ruf aus dem Flur. Etwas von einer Versammlung. Der Bojar fluchte laut und trat gegen den Türrahmen, nur um leicht humpelnd davonzustürmen. Der Wachmann atmete hörbar auf und murmelte: „Verdammter Idiot, ich hoffe er erstickt bei seinem nächsten Mahl.“ Er blickte sie beide noch einmal an abschätzend an und sagte dann: „Geht hier nach euch was in der Küche zu essen holen. Da dürfte noch etwas vom Mittagsmahl über sein. Kommt danach zum Gästezimmer nebenan. Ihr habt eine Stunde, nicht mehr.“
Die Tür fiel ins Schloss. Dragan sah aus dem Augenwinkel, wie Danica ein spitz zulaufendes Stück Holz sinken ließ. Er hatte gar nicht mitbekommen, wie sie da ran gekommen war. Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu und warf das Stück auf den Haufen zerbrochener Möbel, während sie zu dem Eimer mit dem Salz ging. Im Vorbeigesehen sagte sie ihm leise, dass sie schon Erfahrung mit solchen Situationen hatte und keine Hilfe nötig hätte. Sie verteilte das Salz auf den Dielen, den Blutspuren entlang. „Trotzdem danke“, murmelte sie fast kaum hörbar nach einigen Augenblicken. Es ging fast unter dem Scharren des Eimers auf dem Holz unter, sodass Dragan fast nachgefragt hätte. Er brummte nur zustimmend und kratzte sich verlegen am Kinn. Warum er ihr hatte helfen wollen, war ihm selber noch nicht ganz klar. Ihn störte es einfach, wenn Frauen so behandelt wurden, redete er sich selbst ein. Damit konnte er fürs Erste ganz gut leben. Sie räumten die letzten Reste zusammen, wischten das restliche Blut auf, dabei redeten sie wie zuvor kein Wort. Dennoch fiel Dragan auf, dass Danica ihn ab und an beobachtete, wenn sie glaubte, dass er nicht hinsah. Nach einigen hin und her ging ihm auf, dass er ebenfalls hinsah, wenn sie nicht schaute. Er schüttelte den Kopf und packte den schweren Schrank, der an der Wand neben der Tür zur Seite gekippt war. Mit aller Kraft stemmte er den schweren Eichenschrank wieder aufrecht, doch war das Teil verflucht schwer. Plötzlich ging es leichter und der Schrank landete polternd an seinem Platz. Danica stand ihm gegenüber und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Eine blonde Strähne rutschte unter dem Ledertuch hervor, das ihre Haare bedeckte. Ihre hellblauen Augen musterten ihn, dann schob sie eilig die Strähne wieder unter das Tuch.  „Sowas macht man besser zusammen“, murmelte sie kaum hörbar und nickte zum Schrank, „Sonst verhebt man sich leicht.“
„Du hast Recht, ich wollte nur fertig werden“, stimmte er ihr zu und änderte rasch das Thema, „Mein Magen knurrt schon.“
Danica antwortete nicht, sondern starrte ihm unvermindert in die Augen. Etwas unangenehm berührt räusperte sich Dragan. Sie blinzelte und machte eine entschuldigende Geste, während sie etwas auf Abstand ging. „Oh, ich … es ist nichts.“
„Ah“, machte Dragan, „Meine Augen“, stellte er fest. Ein leidliches Thema, auf das er schon oft angesprochen wurde. Sonderling, hatte man ihn genannt, manchmal auch Bastard oder Hexer, natürlich nur hinter vorgehaltener Hand. Danica nickte ziemlich verzögert - offenbar tief im Gedanken und schien nicht recht zu wissen, ob sie sich entschuldigen oder ihre Neugierde stillen sollte. Dragan nahm ihr die Entscheidung ab und drängte darauf, endlich etwas zu essen. Das schien Danica aus ihrer Starre zu wecken und sie stimmte mit hörbarer Motivation zu. In Begleitung mit einer Wache, die vor der Küche warteten würde, begaben sie sich in den Teil des Fürstensitz, der von den Bediensteten bewohnt wurde.
 
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[Edain] Bug Reports / Re: Map-specific Bugs
« Letzter Beitrag von Gandalf7000 am Gestern um 19:26 »
Imladris AI doesn't work on Dagorlad 6 player map. Imladris were bottom mid and right positions. Played 4000 resource start, no custom heroes enabled. Ring heroes enabled.
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[Edain] General Suggestions / heroic units usage (and lack of thereof)
« Letzter Beitrag von turin.turambar am Gestern um 17:54 »
As it stands, heroic units are more often than not fairly useless (at least that's the impression I got from the little meta I saw), barring a few exception. This comes in big part from the fact they're really expansive AND late game, and usually won't add that much to a faction if they're purely midgame troops enhanced.

As a way to avoid it, and considering the few units that DO see use are units slightly easier to recruit than by having all / most upgrades researched, I feel it would be good to allow them to be recruited without any upgrade researched, BUT at a higher price the more upgrades you lack to get them (eventually making them cost even less in lategame than their current price).

This way players would have a choice between getting heroic quite sooner than now, for an increased price, or keep them for lategame at a lesser price, or maybe simply not to get them.

Let me know what you think, and feel free to correct / ignore any false information as I almost never play PvP.
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Hi,

First of all to get you in the mood, this post is about this: https://ibb.co/NjgZLrp.

I recently made some tests on the spell "Influence of the Evening Star (5pp)" from Imladris and its effects, since I always found it quite unclear what it does and if it even works. On one hand, the Edain wiki in English (https://edain.fandom.com/wiki/Imladris#Influence_of_the_Evening_Star) says that the spell gives +50% armor to heroes, double the hp reg and 30% cooldown reduction (CD). On the other hand, in the Edain Searcher it says in English that it only gives more hp reg and 30% CD, while the German tooltip says it gives 25%. So I was quite confused.

The tests were conducted on the custom map "Edain test map" with 5 plots, as Imladris on the top left plot, skirmish game mode with custom heroes. I did tests on various things:
  • A: How much CD does the spell give?
  • B: Does it still give armor?
  • C: How much life reg does it give?

For the tests, I leveled the heroes to level 10 and sent them to be hit be a lvl 5 lair troll next to the base. I alternated between putting them inside or outside the range of the Arwen buff. More details and the results can be seen in this Google Sheet (https://docs.google.com/spreadsheets/d/1Bpsta-5OaY5GdttBvmKglEJbNfq3tzRvQBBAvKnElT0/edit?usp=sharing).

The main takeaways of the tests are:
  • A: The buff manages to give a 25% CD to heroes, it also works for custom heroes.
  • B: Arwen gets a big armor buff, which already can be seen in the Edain Searcher but the buff does not extend to nearby heroes, as they all die from the same amount of troll hits with or without buffs. This should be pointed out when purchasing the spell, as it does not say anything about Arwen getting more armor.
  • C: The "continuous regeneration" she provides according to the spell description in German in the game can be easily misunderstood as a continuous hp regeneration, which it is not. I thought for months that that the Arwen buff would be good for extended fights, while in reality she only applies the heal when out of combat, which completely changes the playstyle. With an out of combat heal boost you want short but intense fights with heroes and then run away to heal up quickly. The wording of the regeneration should therefore be clarified as well. Also, the heal buff appears to be more than double the normal healing rate.
  • Extra thought: Is it justified that Arwen with the 5pp spell can tank more troll hits than all the other heroes as a support? xD Apparently she dies from 15 hits, while Elrond dies from 13 and Glorfindel from 12 lol.

Suggestions
  • 1: Make it clearer what the spell does and what not.
  • 2: Make Arwen less tanky, and maybe give some of that tankiness to surrounding heroes. I don't think it fits Arwen that she gets this big armor boost while running around without armor and only in a dress. Why was the +50% armor to nearby heroes removed btw? I guess it was a bit overtuned, but it could be lowered to 25% maybe.

Extra bug finding:
I found a significant bug with the creep troll. As seen in the sheet, in the second test game I ran the lvl 5 troll dealt significantly less damage, as it suddenly needed more than 30 hits to kill the heroes. I was unable to replicate this, so I am not sure how this could have happened. I ran a third game again, and in this game the troll dealt a "normal" amount of damage again, killing the heroes quite fast with little more than 10 hits.

Feel free to ask any questions.

P.S.: I moved the post here because I thought it is more fitting than in the bug section...




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Rhun / Wiedersehen mit Marek
« Letzter Beitrag von Curanthor am 30. Nov 2021, 22:22 »
Die Tage flossen zäh wie Honig dahin, abgesehen von einem dauerhaften Kratzen und den gelegentlichen Mahlzeiten blieb die Zellentür verschlossen. Dragan verlor nach einer Zeit das Zeitgefühl, aber er wusste, dass die Wachen ihm etwa alle zwei Tage eine Schüssel Broteintopf vor das Gitter setzten. Anfangs war es kaum herunterzubekommen, aber sein Hunger hatte schließlich gesiegt und auch sein Tagesablauf hatte er erst anpassen um nicht verrückt zu werden. Wenn Dragan wach wurde, stählte er seinen Körper mit Liegestütze, Kniebeugen und anderen Übungen, bis zur Erschöpfung, dann legte er sich flach auf den Boden und lauschte. Wenn sein pochendes Herz sich wieder beruhigte und er sich konzentrierte, konnte von oben das Stimmgemurmel der Wachen in der Baracke hören. Dragan konnte nie genau verstehen, was sie sagten, aber er konnte nach geschätzt einer Woche an den Schritten erkennen, wenn sich jemand die enge Treppe hinunter in die Kerker schleppte. Es waren immer drei Wachen, die sich abwechselten. Zwei hatten schlurfende, unmotivierte Schritte, der dritte Wächter hingegen hatte es immer eilig. Er war es auch, der die Schüssel mit einem Stock durch die Klappe in der Türe bis an das Gitter heranschob, sodass Dragan ohne sich zu strecken und zu recken an sie herankam. Und er war es auch, der immer darauf achtete, dass Dragan immer den hölzernen Löffel wieder mit in die Schüssel legte. Einmal hatte er bei einer der anderen Wachen versucht den Löffel zu behalten, aber die eiligen Schritte von oben hatten ihm verraten, dass sein Plan missglückt war. Die Wächter hatten sich Tücher vor dem Mund geschlungen und Kieselsteine in dicke Leintücher eingewickelt. Die Schmerzen von der Prügelorgie hatten ihn noch mehrere gefühlte Tage begleitet. Dragan stemmte sich wieder vom Boden auf, seine Muskeln an den Oberarmen traten hervor und begannen zu zittern. Ausatmen. Dann wiederholen. In seinen Gedanken sprach er immer mit sich selbst. Dann war es wieder da, das Kratzen. Stellenweise ging es gefühlte Stunden. Wenn er aß, selbst wenn er schlief kratzte es ununterbrochen. Vielleicht waren es die Wachen – auf Befehl Vakrims, um ihn zu foltern? Er presste sein Ohr auf dem Boden. Das Kratzen übertönte die Schritte von oben. Dragan fluchte und hieb mit der Faust gegen die steinerne Wand. Putz und kleine Steinchen rieselten auf den Boden. Das Kratzen verstummte. Dragan horchte auf. Erneut schlug er gegen die Wand. Zwei Kratzer hintereinander antworteten ihm. Sein Herz klopfte vor Aufregung. Das Kratzen kam aus der Zelle rechts neben ihm! Anfangs hatte er an Ratten gedacht, oder anderen Nagetieren. Seine Ohren spitzten sich unwillkürlich, als er Schritte vernahm, sie kamen von oben, gingen über seinen Kopf, an das Ende der Zelle. Er biss die Zähne zusammen und ballte die Fäuste. Sollten sie nur kommen, dachte er sich kämpferisch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Die Schritte verstummten kurz, das taten sie immer, wenn der Wächter die Treppe hinabschritt. Dragan hörte die schweren Stiefel vor seiner Zellentür, dann das Rasseln der Schüssel. Seine Knöchel wurden weiß, so fest ballte er die Fäuste, doch die Schritte gingen weiter. Zu der Zelle rechts neben ihm. Der Riegel wurde zurückgeschoben. Metall quietschte, dann hörte er plötzlich die gedämpfte Stimme einer Frau. Einen kurzen Moment lauschte er gebannt mit klopfenden Herzen. Sie kam ihm unbekannt vor. Dragan atmete erleichtert aus, spitze aber seine Ohren und legte seinen Kopf an die Wand, in der Hoffnung etwas zu erlauschen. Die Wand der Zelle war unsäglich kalt und unfreundlich, und doch hatte die Stimme der Frau aus der anderen Zelle eine warme Färbung, die ihn das vergessen ließ. Sie erinnerte ihn an Cheydan. Er spürte, wie seine Augen etwas feucht wurden. Die Diskussion in der Nachbarzelle wurde etwas lauter – aber war dennoch undeutlich. Die Frau stritt sich mit dem Wächter! Dann schrie sie auf, wieder und wieder. Dragans Körper bebte vor Zorn. Er biss sich auf die Lippen, lief im Kreis und fragte sich was er tun sollte. Gleichzeitig hatte er Angst davor wieder von den Wachen verprügelt zu werden. Dann steigerten sich die Klagerufe der Frau zu einem einzigen, hohen Kreischen. In seinem Kopf platzte etwas.
Dragan brüllte laut auf und tat gegen das Gitter. „Kommt hier her, ihr Schweine!“. Erneut trat er gegen das Zellengitter. Staub prasselte aus Löchern, in denen die metallenen Verstrebungen in der Decke verschwanden. „Seid ihr nicht Manns genug? Müsst ihr euch an Frauen vergreifen!?“ Seine Tritte hallten laut wieder. „He! Ihr da drüben! Kommt her, und ich reiß dir den Kopf ab!“ Sein Kopf dröhnte wie eine Kriegstrommel, doch es zeigte Wirkung. Das Kreischen seiner Zellennachbarin verstummte. Laute Schritte erklangen von oben. Es waren mehr als zwei. Das Fußgetrappel verstummte kurz, dann waren sie die Treppe heruntergekommen. Er verharrte am Ende der Zelle, die schützende Wand im Rücken.

„Was soll dieser Lärm!“, donnerte eine unbekannte, tiefe Stimme im Zellenkorridor mit einem autoritären Tonfall „Ruhe verdammt!“

Dragan atmete flach. Er könnte hören, wie auch aus den anderen Zellen ein Tumult zu hören war. Der Wächter brüllte mehrfach, drohte Peitschenschläge an und Kürzungen der Essensrationen. Letzteres zeigte Wirkung, das Dröhnen, Rufen und Protestieren der Gefangenen verstummte langsam.
Dragan konnte das Gespräch vor seiner Zellentüre belauschen, als die tiefe Stimme wutentbrannt die benachbarte Zellentür aufriss und donnerte: „Was zum Himmel denkst du, was du da tust?!“
Dragan konnte die Erwiderung nicht verstehen, doch die polternde Antwort des vermeintlichen Anführers der Wachen: „Schwachsinn! Sie ist eine persönliche Gefangene des Fürsten, die Tochter eines einflussreichen Bojaren des Fürstentums, du Idiot! Raus da, sofort!
Dragan atmete erleichtert aus. Scheinbar war der Anführer der Wachen ein fairer Mann.
„Abführen. Und schneidet das da durch. Werft ihn in den trockenen Brunnen, das wird ihm eine Lehre sein.“ Dragan nahm seinen ersten Eindruck zurück, der Kerl war skrupellos.
„Nein!“, flehte der Wächter, „Ich habe doch nur… bitte, nein!“ Ein dumpfer Schlag war zu hören.
„Weg mit diesem Abschaum!“, keifte der Wachführer, dann war seine Stimme plötzlich näher an Dragans Zellentür, „Also er war das, ja?“ Eine unverständliche Bestätigung ertönte. „Gut, aufmachen.“ Eine ebenfalls unverständliche Erwiderung war zu hören. „Wie war das? Willst du dem da draußen etwa Gesellschaft leisten? Nein? Gut, jetzt schwing' deinen Arsch hier her und mach auf.“ Dragan fluchte leise und rückte in die Ecke der Zelle. Der Schlüssel zu seiner Zellentür wurde ins Schloss gesteckt, dann war sie auch schon offen. Blendender Fackelschein leuchtete ihm ins Gesicht. Dragan kniff die Augen zusammen. Im Durchgang stand eine massige Gestalt.
„Ugh, wann habt ihr das letzte Mal die Zelle sauber gemacht?“, wandte sich der Anführer an seine Untergebenen, ohne eine Antwort abzuwarten „Unglaublich, unfähiges Pack. He, du. Steh‘ gefälligst auf, wenn du Besuch hast.“
Dragan drückte sich an der Zellenwand in die Höhe. Ihm kam die Stimme entfernt bekannt vor. Der Mann trat nun vor, nah an das Zellengitter heran. „Du siehst scheiße aus“, befand der Anführer, ein zahnlückiges Grinsen blitzte auf. Dragan blinzelte, bis sich seine Augen endlich an das helle Licht gewöhnt hatten. Das Erkennen durchzuckte ihn wie einen Blitz. Cheydans graue Augen blickten ihn an.
„Du?!“, keuchte Dragan ungläubig und umfasste die Gitterstäbe mit beiden Händen, „Bist du’s Marek?“
Kapitan Marek für dich jetzt“, antwortete er mit einem bellenden Lachen und wandte sich an die übrigen Wachen, „Verzieht euch.“  Eilig machten sich die übrigen Wächter davon. Dragan musterte seinen alten Freund. Sein Gesicht sah aus, als ob er gegen einen Stier gekämpft hatte. Seine Nase mehrfach gebrochen, so krumm war sie. Sein Mund hatte einen fast tödlichen Hieb abbekommen, die Lippen gespalten und durch das Grinsen konnte man sehen, dass er nur durch Glück nur ein paar Zähne verloren hatte. Viel hätte nicht mehr gefehlt um ihn den Kopf zu spalten.
„Du siehst auch nicht besser aus“,  befand Dragan und nickte zu seinem Gesicht.
Marek lachte noch einmal, wirkte aber dabei etwas düsterer. „Der verfluchte Feldzug gegen den Erebor. Dadurch bin ich jetzt dort, wo ich jetzt bin.“ Er deutete zu seinem Gesicht, „Das da ist ein Andenken aus Thal, die haben wirklich interessante Hellebarden.“
„Und wie kommt es, dass du jetzt meinen Kerkermeister spielst?“, fragte er skeptisch und rüttelte ein wenig am Gitter, „Mach‘ das Ding auf, und wir können reden.“
Marek verzog das Gesicht, durch seine Narben wirkte es besonders grotesk. Etwas leiser sagte er: „Ich würde ja gern, aber noch nicht. Wir sind noch nicht so weit.“
Dragan horchte auf und trat näher an seinen alten Freund heran: „Wir?“
„Der Widerstand. Vorher müssen aber noch ein paar Handlanger verschwinden“, wisperte Marek und schaute sich rasch um, „Mein ehemaliger Kapitan - Hauptmann der Stadtwache, Velibor. Der, der dabei war, als du damals fortgingst. Der Kerl ist jetzt Heerführer des Fürstentums - hat viele von uns verraten, um befördert zu werden. Dann der Stadtvogt Bogna. Steuereintreiber und Richter, entscheidet immer für Sauronanbeter und lässt sich bestechen. Von den hohen Abgaben gar nicht angefangen. Dann noch ein paar im Bojarenrat und andere Amtsträger.“
„Du hast es ihnen nicht vergeben oder?“, stellte Dragan unnötig fest.
Mareks Augen flammten vor Zorn auf, „Niemals. Meine Schwester… sie alle haben sie verkauft und verschachert wie billiges Viech. Sie alle werden dafür bluten.“ Seine gepanzerte Hand bebte, „Allem voran Vakrim Castav, dieses elende Schwein. Doch der versteckt sich hinter einer…“ Marek wurde eine Spur blasser und schaute noch einmal über seine Schulter und wisperte, „Eine Schwarzelbe.“
Dragan blinzelte verwirrt. „Und das soll mir jetzt was genau sagen?“
Marek wirkte unsicher und flüsterte weiter: „Nicht so laut! Sie sind skrupellos und grausam. Genau das Gegenteil von Elben. Sie sind böse, ihre Herzen schwarz wie die Nacht. Wenn du einen von ihnen begegnest, sieh‘ zu Boden und rede nicht mit ihnen.“ Von oben ertönten Schritte und Marek wirkte plötzlich getrieben. „Ich kann dich nicht hier rausholen, noch nicht, aber das Leben einfacher machen. Ein paar Stunden im Palast arbeiten und-“
Dragan schnaubt und ließ die Zellengitter los, „Du erwartest ernsthaft, dass ich mir für dieses elende Schwein die Finger schmutzig mache?!“
Marek packte ihm erstaunlich schnell durch die Gitterstäbe hindurch am Kragen und rammte ihn gegen das Gitter. Dragan keuchte, ihm blieb kurz die Luft weg. „Hör‘ mir jetzt ganz genau zu, du kleiner Scheißer“, zischte Marek, „Du bist der einzige, der meine Schwester finden kann. Ich bin in der Armee, ich kann nicht weg. Gefangene können sich ihre Strafe abarbeiten. Doch du bist eine Ausnahme, Vakrim wird dich niemals freilassen, aber er kann sich nicht gegen den Bojarenrat stellen – noch nicht. Sie verlangen, dass jeder Gefangene sich seine Haft mit Arbeit erleichtern kann. Auch du.“ Marek funkelte ihn einen Moment noch wütend an, dann ließ er ihn endlich los, „Also hör‘ auf mit deinem Unfug und tu‘ endlich was für deine Mitmenschen. So wie du es für die nebenan gemacht hast… was ungewöhnlich großmütig von dir war.“
Dragan rieb sich den Hals und spuckte aus. „Sie hat mich nur an Cheydan erinnert…“, murmelte er leise.
„Du bist viel zu besessen von ihr. Lässt dich mit Geheimbünden ein und was weiß ich.“ Marek schüttelte den Kopf, doch seine Mundwinkel wanderten nach oben. „Ich kann dafür sorgen, dass sie gleichzeitig mit dir Schicht hat.“
Dragan hob eine Braue, doch sein Freund lachte und sagte, dass ihm etwas Ablenkung nicht schaden wird. Ihm war der Gedanke, sich auf andere Frauen einzulassen fremd, aber gleichzeitig sehnte sich ein Teil ihn ihm nach Nähe – auch körperliche Nähe. Es war ein zerreißendes Gefühl.
„Hm, wenn du es einrichtest, kann ich sowieso nichts dran ändern…“, brummte er gleichgültig, „Wie kommt es eigentlich, dass du jetzt erst hier bist?“
Marek schien seinen Gedanken zu erraten, denn er ging nicht auf seine Frage ein: „Ihr wart nicht verheiratet und ich denke, sie wird es dulden, wenn du noch eine hast. Sie hat mir mal im Vertrauen erzählt, dass sie dein Herz nicht an sich ketten will.“
Dragan blickte überrascht auf. „Das hat Cheydan erzählt? Wann?“
Sein Freund zuckte mit den Schultern und antwortete nur ausweichend, dass es irgendwann war, bevor sie geholt wurde. Auf Dragans Bemerkung, dass es eine etwas ungesunde Einstellung für eine Frau war, erwiderte Marek, dass es in anderen Ländern normal war, mehrere Frauen zu haben. „Auch ich habe zwei, wobei eine meine Frau ist, die andere nur eine Liebhaberin.“
„Und beide wissen davon?“, hakte Dragan skeptisch nach, „Mutig.“
Marek lachte laut auf, „Sie sind aus Minzhu, das ist da in manchen Provinzen normal. Es war ihre Idee, nicht meine, aber unser Gesetz erlaubt nur eine Frau… glaube ich. Hat mich nie groß gekümmert.“ Ein lautes Klirren von oben erregte seine Aufmerksamkeit, sodass Dragans Freund sich umwandte. „Morgen fängst du an die Böden im Palast zu schrubben, mit ihr.“, Marek deutete mit den Daumen zur Nachbarzelle, „Und keine Sorge, die Gesichter der Gefangenen sind bedeckt. Niemand wird dich oder sie erkennen während ihr arbeitet – und ihr werdet euch auch nicht erkennen, solltet ihr hier rauskommt.“ Er wandte sich ab, hielt aber noch einmal inne: „Oh, und die Wächter stehen bis auf einen unter Vakrims Kontrolle, also sei vorsichtig.“
Dragan hielt ihn noch zurück und fragte, warum er nicht mehr tun konnte, doch Marek winkte hastig ab und sagte, dass er bei dem Fürsten erwartet wurde. Dabei zog er eine Grimasse und versprach ihm, dass es sich bald ändern würde. „Du hast mein Word, alter Freund.“ Marek lächelte entschuldigend, dann schloss er mit zusammengekniffen Lippen  die Kerkertür. Dragan atmete tief aus und ließ sich an der kalten, rauen Wand zu Boden gleiten. Er hätte nie gedacht, noch einen Menschen aus seinem alten Leben zu treffen. Marek war ihm immer nur flüchtig im Palast als Wache begegnet, aber sie hatten schon oft zusammen mit Cheydan in einem Brauhaus gegessen und getrunken. Und vor allem getrunken. Marek hatte Bier saufen können wie ein Pferd. Cheydan hatte sich oft pikiert zurückgezogen, nur um sich dann etwas Wein zu holen. Dragan lächelte versonnen. Sie hatte immer unschuldig getan, dabei hatte sie ordentlich Feuer gehabt. Er blickte auf seine Zehenspitzen und fragte sich, ob Marek tatsächlich Wort halten würde. Ein Kratzen unterbrach seinen Gedanken. Nun störte es nicht mehr. Er musste lächeln, zufrieden durch seine Tat und suchte etwas, mit dem er ebenfalls an der Wand kratzen konnte. Seine Augen flogen über den dunklen Boden. Ein dünnes, längliches Stück nahe am Gitter fiel ihm sofort auf. Er tastete danach und zog es schließlich in die Zelle. Es war der Dorn einer Gürtelschnalle. Dragan grinste in sich hinein. Marek, du alter Gauner, dachte er sich und kratzte mit dem Metallstift ebenfalls an der Wand.

Dragan wachte durch das bekannte Klirren von einem Schlüsselbund auf. Hastig drückte er den Gürteldorn in das kleine Loch, das er in die Wand gekratzt hatte und stellte den Eimer, in dem er sonst seine Notdurft verrichtete davor (während er sich die Nase dabei zu hielt). Keinen Moment zu spät, denn die Tür öffnete sich und die Wachen traten ein. Dragan richtete sich ohne Aufforderung auf und suchte mit dem Blick nach Marek, doch sein Freund war nicht dabei. Es waren drei Wachen, alle mit harten Gesichtern. Einer von ihnen trat an das Zellengitter und schloss es auf. Hinter ihm trat ein anderer vor und hob ein braunes Leintuch. Dragan erinnerte sich an die Worte seines Freundes und trat vor. Er hob die Hände, für Handfesseln, doch die Wachen schüttelten nur den Kopf. Jemand wickelte etwas grob das Tuch vor Dragans Gesicht, sodass nur seine Augen frei waren. Ein anderer stülpte ihn einen schäbigen, abgewetzten Lederhut auf den Kopf und gab ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. „Nur Geduld“, wisperte der Mann hinter Dragan, der das Leintuch ordentlich verband. Dann gab er ihm einen leichten Stoß in den Rücken. Zwei der Wachen führten ihn hinaus auf den Korridor. Rechts auf dem Gang erblickte er das erste Mal die Frau in der anderen Zelle. Sie trug ein weites, schmutziges Kleid aus grauen Leinen. Sie war zierlich gebaut, doch waren ihre nackten Beine und Arme von dünnen Narben übersäht, sichtbare Muskeln schlangen sich um ihren Körper, sodass sie wie eine durchtrainierte Kriegerin aussah. Ihre Haare wurden von einem Ledertuch zusammengehalten, sodass man nicht sehen konnte, welche Farbe sie waren. Ebenso wie bei seinem Gesicht, hatte man ihr ein dunkelbraunes Leintuch umgebunden, um ihre Züge zu verbergen. Ihre strahlend blauen Augen musterten ihn jedoch eindringlich. Zwei Wachen waren auch bei ihr und schubsten sie in seine Richtung. Mit einer Aufforderung wurde auch Dragan nach vorn geschubst, ihr Blickkontakt riss ab. „Denkt dran“, sagte einer der Wachmänner laut, „Spricht mit niemanden da draußen. Benutzt nicht eure Namen. Manche Bürger mögen es nicht, wenn Gefangene für den Fürsten arbeiten.“ Jemand stach Dragan in den Rücken. „Du bist jetzt Oleg.“ Der Wächter wandte sich an die Frau: „Und du Boleg.“ Die übrigen Wächter lachten schallend. Dragan wechselte einen Blick mit der Gefangenen, die wütend die Fäuste ballte. Auch der Wortführer bemerkte es. „Was? Gefällt er dir nicht?“ Sie schüttelte den Kopf, woraufhin einer der Wächter einen hölzernen Prügel zückte. Unbeeindruckt stierte sie den Mann an. Der Wortführer zögerte,  zischte aber dann wütend „Verdammt.“ Er bedeutete den Mann mit dem Prügel die Waffe zu senken, „Dann eben Danica. Ihr könnt froh sein, dass Kněz Kapitan Marek noch in der Stadt ist. Bewegung jetzt!“
Dragan beschwerte sich besser nicht über seinen Namen und folgte den Wächtern mit Danica hoch in die Baracke der Wachen. Kurz darauf standen sie in dem Gemeinschaftsbad. Dragan tauschte einen überraschten Blick mit Danica. „Los, ausziehen und waschen. Passt auf eure Kopfbedeckungen auf.“, forderte einer der Wachen barsch.
Dragan gehorchte, da er sich seit Wochen schon nach einem Bad sehnte. Er ging in die Mitte des Bads, wo ein steinernes Becken mit Wasser, vielleicht zwei Mal drei Schritte maß. Er wandte Danica den Rücken zu, die es ihm ebenfalls gleichtat. Rasch wuschen sie sich, ohne sich anzusehen, sehr zu Belustigung der Wachen – die aber erstaunlicherweise so viel anstatt hatten, nur Dragan zu nerven. Danica schien tatsächlich eine wichtige Gefangene zu sein, denn erst, als sie in ein Tuch eingewickelt aus dem Becken stieg, wandten sich die übrigen Wachen ihr zu und führten sie hinaus. Dragan war überrascht, dass sie so schnell fertig war, auch wenn ihm klar war, dass man als Frau wohl äußerst ungern mit einer Horde Männern im Bad sich Zeit ließ.

Nach seinem Bad wurde er in einen angrenzenden Raum geführt, in dem einfache Arbeitskleidung auf schäbigen Bänken lag. Es war ein enger Raum, die Wachen warteten vor der Tür, als sie ihn feixend hineinschubsten. Danica blickte kurz auf und hielt sich ihre Hand vor die Brust. Ihre blauen Augen funkelten bösartig. Dragan murmelte eine Entschuldigung und bedeckte seine Augen, während sie sich rasch eine Hose anzog. Den Anblick würde er trotzdem nicht so schnell vergessen. Mit größter Mühe unterdrückte er ein Grinsen und den Kommentar, dass selbst ihr Hinterteil durchtrainiert war. Damit wollte er eigentlich seine Bewunderung ausdrücken, dass eine Frau so viel trainiert hatte, dass so mancher Mann neidisch werden konnte. Er hörte leise Schritte, dann tippte sie ihm auf die Schulter. Dragan wartete, bis die Tür ins Schloss fiel. Draußen hörte man das anzügliche Gelächter der Wachen. Jemand pochte heftig gegen die Tür und rief, er solle sich beeilen, sonst würden sie ihn nackt durch die Stadt laufen lassen. Dragan fluchte und packte die Bundhose, das Wams und die schäbigen Lederstiefel. Eilig zog er alles an und trat hinaus. Die Wachen lachten und machten Witze darüber, dass er wohl Angst hatte. Danica vermied es ihm in die Augen zu sehen.

Auf dem Weg durch die Stadt wurde nicht gesprochen. Die Wachen achteten darauf, dass immer zwei ihrer Männer zwischen Danica und Dragan waren. Sie ermahnten beide noch einmal, mit niemanden im Palast zu sprechen, den Blick stets gesenkt zu lassen und niemals ihr Gesicht zu zeigen. „Und wenn einer der adligen oder der Fürst selbst euch etwas befiehlt, tut ihr es ohne es zu hinterfragen. Klar?“
Sie nickten so knapp wie nur möglich. Jemand trat ihm schmerzhaft gegen das Schienbein, Danica kassierte einen schallenden Schlag auf den Po der sie zusammenzucken ließ. „Was? Ich habe nichts gehört. Macht mal die Zähne auseinander, sonst schlag‘ ich sie euch aus.“ Dragan konnte sehen, wie sie die Fäuste ballte und sagte für sie beide etwas lauter: „Verstanden.“
Danica brachte kein Ton über die Lippen, doch schien Dragans Antwort den Wachen zu genügen. Sie führten sie beide aus der kleinen Nebengasse, über den Brunnenplatz hinauf zum Palast. Das alte Holzgebäude weckte viele Erinnerung in Dragan, die er absolut nicht gebrauchen konnte. Die dunklen Tore des Fürstensitzes öffneten sich. Überrascht blieb der Tross kurz vor der Treppe und dem Mann, der hervorgetreten war stehen. Er trug einen breitkrempigen Lederhut, an dem eine grüne Feder steckte, ansonsten trug er eine bronzefarbene Rüstung und braunem Wappenrock.
Kapitan“, sagte einer der Wachen offensichtlich überrascht und nervös. Die Wächter machten einen unbeholfenen Knicks oder eine Verneigung.
„Sind das die Zwei für heute?“, fragte Marek gebieterisch und würdigte sowohl Danica als auch Dragan keines Blickes.
„Jawohl, Kněz, sie sind für den Thronsaal und die Gästezimmer eingeteilt“, antwortete eine der Wachen pflichtbewusst.
Mareks Blick huschte über Danica und blieb für einen winzigen Augenblick an Dragan hängen. Ein Augenlied seines Freundes zuckte unmerklich. „Ich weiß. Sie sollen zuerst im Gästezimmer anfangen, der Boden hat es dort nötiger. Im Thronsaal hält der Fürst gerade Hof mit Würdenträgern und dem Bojarenrat.“
Die Wachen blickten sich unsicher an, nickten aber dann. „Wie Ihr befiehlt, Hauptmann.“
Sie schoben sich eilig an Marek vorbei, der die beiden Gefangenen dabei eindringlich musterte. Dragan musste an sich halten, nicht einen Dank zu murmeln, den sowohl Danica, als auch die Wachen gehört hätten. Wäre sein Freund nicht gekommen, würde er noch immer Wochen in diesem Kerker verbringen. Nun hatte er die Chance direkt unter der Nase Vakrims herumzuschnüffeln. Sein Blick wanderte zu Danica. Ob sie wohl heimlich für ihn arbeitete – so wie Tiana? Tat sie dies freiwillig? War das alles nur ein Trick? Dragan wusste es nicht, doch er vertraute ihr erstmal nicht. Selbst Marek war nicht einfach so zu trauen. Zu viel Zeit war vergangen. Dennoch hätte dieser die Tatsache, dass Vakrim gerade mit Würdenträgern und den Bojaren Hof hielt nicht erwähnen müssen – was ein wenig Hoffnung schafft. Er schmunzelte unter seinem Mundtuch und nahm sich vor, so schnell wie möglich mit den Gästezimmern fertig zu werden.



Kapitan dt.= Hauptmann
Kněz  Anrede dt. = Herr
Bojaren = Großgrundbesitzer | Niederer Adel
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[Edain] Bug-Meldungen / Re: Bugs bei bestimmten Maps
« Letzter Beitrag von Halbarad am 30. Nov 2021, 20:49 »
Map: Westmark
Bug: Standardmäßige Zoomstufe zu nah
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Eregion / Königlicher Besuch
« Letzter Beitrag von Curanthor am 29. Nov 2021, 22:16 »
Nammanor geleitete Mathan durch die nächtlichen Straßen Ost-In-Edhils zurück zu dem Palast. Auf dem Weg begegneten ihnen kaum anderen Elben, nur Patrouillen der Stadtwache, die knapp grüßten und wachsam in die engen Gassen blickten. Auf dem Weg fragte sich Mathan, warum Valena nicht zu dem Gasthaus gekommen war, beruhigte sich aber mit dem Gedanken, dass sie wohl schlief – wie die meisten Menschen um diese Zeit. Eine Tatsache, die ihm manchmal entglitt, wenn er nicht lange Zeit unter Menschen weilte, so wie seine Zeit in Arnor. Er fühlte sich ausgeruht, die paar Stunden im Gasthaus waren ausreichend gewesen, um neue Kraft zu tanken. Trotzdem sehnte sich ein Teil von ihm, in einem Garten zu sitzen und sich zu entspannen. Weit weg von allen Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und anderen Konflikten. Sein Blick fiel auf die Banner der Avari in der Vorhalle, als er durch die hohen Tore des Palastes trat. Innerlich straffte er sich, während Nammanor zielstrebig zum Thronsaal marschierte, die Flügel standen ein Stück offen. Der Ritter öffnete die rechte Seite ein Stück. Mathan folgte ihm, seine Stiefel glitten lautlos über den polierten Steinboden. Im Saal erblickte er bekannte Gesichter: Faelivrin, Isanasca und Ivyn unterhielten sich am Fuße des Podests zum Thron. Am Kartentisch, der in der Mitte des Saals stand, warteten die übrigen Fürsten, die Mathan nur flüchtig getroffen hatte. Die Zwillinge Taniel und Túniel musterten ihn nur kurz und blickten wieder auf die Karte – sie kannte er gar nicht. Artana – Istime, wie sie vermehrt genannt wurde, blickte jedoch auf und machte einen Schritt auf ihn zu.
„Heermeister“, begrüßte die Hofmeisterin ihn mit gebotenem Respekt, ganz anders als zuvor in der Vorhalle, „Danke für Euer kommen.“
Kurz meinte er ein Feixen in ihrer Stimme zu hören, doch wurde der Gedanke von Faelivrins Räuspern unterbrochen.
„Danke, dass ihr um diese nächtliche Stunde hergekommen seid. Es gibt einige wichtige Fragen zu klären“, begann seine Tochter leise und schritt zu ihnen an den Tisch, ihr Blick glitt kurz zu Isanasca, dann fuhr sie fort, „Und grundlegende Dinge festzulegen, die unser künftiges Reich definieren werden.“
Istime warf rasch ein, dass auch Vorschläge, Anregungen und Ideen willkommen seien. Mathan bemerkte die flüchtigen Blicke, die ihn dabei zugeworfen wurden. Er hasste Politik, auch wenn es in so kleinem Kreis stattfand. Gerade dann, wenn er die meisten der Anwesenden kannte. Isanasca hatte wohl schon Vorbereitungen getroffen, dass er die Vorschläge der Zwerge weitergeben konnte. Wie überaus scharfsinnig, dachte er sich und nickte unmerklich. Ivyn ergriff das Wort und gab zu bedenken, dass diese Form des Rates ein Überbleibsel aus dem alten Königreich war. „Nun, da wir mehr als nur Manarîn in diesem Königreich haben, sollten wir darüber nachdenken, auch jene eine Stimme zu geben, die bisher nicht hier vertreten sind.“
Túniel gab das erste Mal eine Regung von sich und schüttelte den Kopf. „Und diese Streithähne da draußen in diese Hallen einladen?“, warf der alte Elb ein, „Sie würden doch den ganzen Tag nur da sitzen und diskutieren. Vor allem die Kinn-Lai und die Kindi würden sich an die Kehlen gehen.“
„Dann müssen wir Regeln aufstellen“, hielt Isanasca dagegen und erntete einen missbilligen Blick von den Zwillingen „Oder das Regierungssystem in seinen Grundfesten neu ordnen.“
„Solche Änderung müssen aber gut durchdacht sein“, mahnte Istime, die wohl irgendwo zwischen ‚neu ordnen‘ und ‚Regeln aufstellen‘ schwankte, „Oder was meint Ihr, Majestät?“
Seine Tochter hatte nachdenklich die Arme verschränkt und strich sich über das Kinn. Sie blickte ihn kurz fragend an, doch Mathan schüttelte unmerklich für die anderen Anwesenden nur den Kopf. Kurz meinte er Ivyns Stimme in seinen Gedanken zu hören, sie sagte, dass es noch zu früh dafür war. Rasch blickte er zu ihr, doch sie fragte gerade die Hofmeisterin Istime über den Baufortschritt aus. So erfuhr Mathan, dass die feindgewandten Seiten der Stadt, also der Osten und wohl auch der Norden soweit gesichert waren. „Der Westen macht mir noch Sorgen, die Mauern sind breit, aber nicht hoch genug, die Torburg halb-fertig – und Lissailin…“, schloss Istime ihren Bericht und blickte halb fragend zu Faelivrin.
Seine Tochter seufzte leise und sagte: „Lissailin liegt verborgen… allerdings wäre es einen Angriff schutzlos ausgeliefert.“ Sie wandte sich an ihn, „Vater, Ihr wisst von den verborgenen Tal. Das Nebeltal, von dem Ihr mir in meiner Kindheit erzählt habt.“
Mathan wusste sofort wovon sie sprach. Sein Vater hatte ihm den Ort gezeigt, da er als jünger war. Es war ein beliebter Rückzugsort der Noldor gewesen. Ähnlich wie Imladris geschützt, aber nicht in einer Schlucht, sondern in einem Tal gelegen, umgeben von einigen Bergen und einem kleinen See. Er nickte und vergewisserte sich, ob sie den verborgenen Pfad unter den Bergen gefunden hatten. Seine Tochter nickte knapp. „Nun, dann würde es Saruman schwer fallen die Stadt zu finden. Außerdem müsste er dafür durch die Talath Neldor von Norden oder Nord-Westen anrücken – und wäre meilenweit zu erkennen.“
„Warum nicht vom Westen her?“, erkundigte sich Taniel rasch.
„Weil zwischen den Bergen um Lissailin und den Bruinen nur eine felsige Einöde gibt. Die alten Verteidigungsgräben erschweren ein Durchkommen, da sich durch die Jahrhunderte Regen, Wind und Wetter sie sich tief sich ins Land gegraben haben, dass es unmöglich ist sie mit einer Armee zu durchqueren“, erklärte Mathan und deutete dabei auf die Karte. Sein Finger wanderte weiter nach Süden, „Und die Schwanenfleet würde nur ein Wahnsinniger durchqueren – keine Heere.“ Mathan tippte auf die Mitte von Nunta Hollinor, in dessen Mitte die Ebene der Birken lag. „Talath Neldor. Hier reichen ein paar Wachposten mit schnellen Reitern und jeder Überraschungsangriff kann abgefangen werden. Wenn wir sie früh genug entdecken, kann man sogar aus der Hauptstadt schnell genug eingreifen.“
„Vorausgesetzt“, hob Faelivrin an und legte ihre Hand flach auf den Kartentisch, „Die Lage der Stadt wäre dem Feind bekannt – was nicht der Fall ist.“
„Es würde nicht schaden, trotzdem vorsichtig zu sein“, mahnte Ivyn leise und wandte sich wieder ab. Seine Tochter schien unzufrieden mit dem Einwurf. „Ich bin Beraterin“, sagte die Erste ohne hinzusehen, als ob sie Faelivrins Unmut gespürt hatte, „Also berate ich. Nicht mehr, nicht weniger. Es liegt an der Königin Entscheidungen zu treffen.“
„Gut“, seufzte seine Tochter und bat einen der Zwillinge darum die Wachposten einzuteilen, wenn auch mit geringer Stückzahl. „Da das geklärt ist, würde ich nun gerne von dem Vorschlag unserer zwergischen Gäste hören“, wandte sie sich nun an Mathan. 
Er hatte sich schon überlegt, wie man das Thema so schonend wie möglich ansprechen konnte, doch seine Tochter hatte ihm mit ihrer Aufforderung den Boden unter den Füßen weggezogen. Mathan räusperte sich und gab in knappen Worten wieder, was Grám und Andak vorgeschlagen hatten. Niemand unterbrach ihn und bis auf gelegentlich skeptische Blicke erhob sich kein Protest, als er endete.
„Also sollen wir die Sklavenhändler über das Ohr hauen und die Gefangenen befreien – mit dem Ziel so viele wie möglich zum Bleiben zu bewegen“, fasste Istime zusammen und grinste auf einmal, „Die Idee gefällt mir!“
„Und das mit unserer Flotte, die wir dann wieder bemannen müssten“, wandte Isanasca ein und biss sich nachdenklich auf den Lippen, „Würde nicht alleine die Tatsache, dass wir Sklavenhändler einladen für Anstoß erregen?“
„Für eine List? Sicherlich nicht. Wir haben doch nicht vor mit ihnen zu handeln, sondern sie auszurauben“, stellte Istime klar und klopfte auf den Tisch, „Doch dafür müssten die Zwerge auch liefern.“
„Entwicklungspläne“, sagte Ivyn nun nachdenklich, „Für eine Wasserstraße von der Mündung des Gwathló bis zur Hauptstadt. Ich hab von einigen Cuind erfahren, dass sich viele für eine Siedlung in den Schwanefleet interessieren… wenn sie sich dort niederlassen wäre das gar nicht so abwegig.“
Alle anwesenden Elben starrten die Erste mehr oder weniger verblüfft an. Faelivrin hakte nach, ob sie tatsächlich das in Erwägung ziehen sollten. Ivyn nickte bekräftigend und sagte, dass Handelswege unglaublich wertvoll sind. „Tharbad würde wieder zu einem wichtigen Umschlagsplatz werden – falls wir Lond Daer nicht dafür heranziehen. Davon würden auch die Dunländer profitieren. Und falls Amarin keinen Unsinn erzählt hat, fuhr man in den alten Tagen mit den kleinen Schiffen auch bis in die Schwanenfleet.“
Mathan nickte, fühlte sich aber ein wenig überflüssig, während die Fürsten diskutierten und überlegten, ob solche ambitionierten Pläne überhaupt möglich waren. Dazu kam immer wieder die Frage auf, ob sie überhaupt den Platz für so viele Menschen hätten – und Bedenken, ob sich einige Elben nicht eingeschränkt fühlten. Sie alle wussten, dass manche Avari nicht gut auf Menschen zu sprechen waren, sie im eigenen Land siedeln zu lassen, würde bei einigen sicherlich auf Abneigung stoßen.

Nach mehreren Stunden kündigte sich der Tag mit blassen Sonnenstrahlen an. Faelivrin löste den Rat schließlich auf und vertagte die Angelegenheit auf später. Sie waren zu keinem klaren Ergebnis gekommen, dafür hatten die Zwerge zu wenig preisgegeben, was Mathan mehr als einmal betonen musste. Die Zwillinge verließen den Saal als Erste, dann Isanasca, die einen Trupp Soldaten trainieren ging. Ivyn wollte nach Halarîn sehen und dann zu Adrienne ins Haus der Ruhe gehen. Die Erste schritt bedächtig von dannen und hielt kurz inne, nur um zu verkünden, dass bald Besuch in der Stadt eintreffen würde. Faelivrin seufzte und murmelte einen Dank. Auf seinen Blick hin, sagte seine Tochter: „König Aéd wird bald eintreffen. Willst du bei den Besprechungen dabei sein?““
Mathan gähnte zur Antwort und grinste: „Eine Besprechung reicht mir, aber ich werde warten, bis er eintrifft.“ Er klopfte ihr auf die Schultern und massierte ihren Nacken, „Erst dann lasse ich dich mit den ungewaschenen, wilden Dunländern alleine.“
Faelivrin lachte leise, „Nenn sie nicht so“, ermahnte sie ihn amüsiert, „Und alleine werde ich nicht mit ihnen sein. Zuvor muss ich mich aber erfrischen.“
Mathan nickte und sagte, dass er ebenfalls endlich aus seiner Rüstung raus wollte, die er seit der Schlacht trug, auch wenn er das Blut darauf schon längst entfernt hatte. Seine Tochter nickte und nickte ihm dankbar für die kurze Massage zu. Sie wandte sich an eine Elbe der Palastgarde – das erkannte er an der Antwort der Gardistin und gab Befehl für eine Ehrenformation mitsamt Spalier. Die Elbe verneigte sich und eilte mit wehendem schwarzem Mantel davon. Er blieb alleine im Thronsaal zurück, während seine Tochter in ihre eigenen Gemächer ging. Sein Blick wanderte noch einmal über die Karte, dann über die Skizzen von Bauwerken. Es waren Planungen für einen zweiten Verteidigungsring der Stadt. Einige Notizen waren an den Rändern der Zeichnungen gekritzelt, die er kaum entziffern konnte. Mathan seufzte und fasste sie zu einem geordneten Stapel zusammen. Es würde Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern Ost-In-Edhil zu befestigen. Und selbst dann, wäre es kein Bollwerk, das lange Belagerungen standhalten konnte – zumindest war es sein bisheriger Eindruck, ihm war klar, dass er sich auch täuschen konnte.
Aus der Vorhalle hörte er geschäftiges Treiben, offensichtlich die Palastgarde, die sich auf dem Platz und auf der Halle hinauf zum Tor postierte.
„Ah, Heermeister“, begrüßte ihn die Stimme Nammanors, woraufhin Mathan von den Planungen aufblickte. Der Ritter trat in den Thronsaal ein. Er trug eine polierte, Rüstung, die mit allerlei Goldätzungen verziert war. Sie bildeten verschlungene Muster an den Rändern. Ein wallender, dunkelblauer Mantel hing von seinen Schultern und endete knapp über den Boden. Eine, mit kleinen Edelsteinen verzierte Schwertscheide hing an seiner Seite. Sein Gesicht war wie gewohnt von seinem Helm verdeckt, diesmal trug er jedoch einen Flügelhelm, dessen Wangenklappen und übrige Fertigung an Sonnenstrahlen erinnerte. Der blaue Rosshaarbusch war mit roten Strähnen ergänzt. Nammanor bemerkte seinen ausführlichen Blick und zuckte leicht mit den Schultern, während er sich darüber beschwerte, dass er es hasste sich so herauszuputzen. Mathan antwortete mit einem Schmunzeln, dass es ihm ganz gut stand. Der Ritter gab eine Mischung aus einem amüsierten Glucksen und einem abwertenden Grunzen von sich. „Ich mag es auch nicht sonderlich“, fügte Mathan hinzu und schaute Nammanor dabei zu, wie er die Karte zusammenrollte und die beschriebenen Pergamente sich unter die Arme klemmte.
„Nun, wir haben auch nicht oft besuch, also ist es nicht allzu schlimm“, lenkte der Ritter ein und nickte ihm noch einmal zu, ehe er in den Ostflügel ging. Offensichtlich brachte er die Pergamente zu Istime. Kurz fragte Mathan sich, ob sie bereits schon Hofschreiber hatten, doch das war unwahrscheinlich. Er blieb im Thronsaal und beschloss zu warten, bis Faelivrin zurückkehrte. Seine Rüstung ablegen konnte er auch später. Mathan beobachtete, wie einige Elben den Thronsaal für die Ankunft Aéds herrichteten. Der Kartentisch wurde an eine Seite geschoben, ein niedrigerer Tisch hereingetragen, dazu einige gepolsterte Stühle, die ziemlich neu aussahen. Man brachte leichte Speisen auf dem Tisch auf – Waldfrüchte, die im Winter ziemlich schwer zu finden waren, etwas Käse, helles Brot und Trockenfleisch. Zum Schluss wurde ein kleines Fass unter den Tisch gestellt. Eine Ehrengarde bestehend aus der Palastgarde und Faelivrins persönlicher Leibwache – erkennbar an den roten Haarbüschen auf den Helmen strömte in den Palast. Sie trugen eher zeremonielle Waffen, altmodische Gleven, gebogene Schwerter und einen Bronzeschild mit dem Wappen der Manarîn bespannt– der untergehenden Sonne des Westmeeres. Die Garde postierte sich am Eingang, an jeder Säule der Vorhalle und verteilte sich im Saal. Die Spitze ihrer Gleven waren auf den Boden gerichtet. Mathan schmunzelte und strich seinen roten Mantel gerade. Faelivrin hatte offenbar seinen Erzählungen sehr aufmerksam zugehört, denn die Waffen gen Boden zu richten, war ein Zeichen für Vertrauen, aber auch ein Zeugnis an den Gast, dass man ihn in jedem Falle beschützen kann – oder sich selbst.


Nach einer Weile, hörte man lauter werdendes Gemurmel von den offenen Toren. Auf dem Vorplatz hatten sich ein paar hundert neugierige Elben versammelt. Faelivrins Garde hatte eine breite Gasse gebildet, geradewegs hinauf zu den Stufen des Palasts führend. Mathan war unbewusst aus dem Thronsaal hinausgegangen, um besser auf den großen Platz zu blicken. Von links von ertönten Schritte und er hörte Nammanors Stimme, der sich mit Istime unterhaltend aus dem Ostflügel näherte. Die beiden verstummten, als sie neben ihm an einer Säule zum Stehen kamen. Er warf ihnen einen raschen Blick zu, doch sie wirkten ziemlich steif – vielleicht auch ein wenig angespannt. Mathans scharfe Augen erblickten Bewegung auf der gepflasterten Straße, die vom großen Marktplatz zum Palastvorplatz führte. Die Schulter seiner Tochter schob sich plötzlich in seinen rechten Augenwinkel. Faelivrin war wie aus dem Nichts aufgetaucht. Sie warf ihm einen raschen Blick zu und hob kaum merklich die Mundwinkel. Sie trug ein weißes, weit ausstaffiertes Kleid mit hohen Kragen und weiten Ärmeln. Ein goldenes Diadem, in dem ein tropfenförmiger Rubin in der Mitte einer stilisierten Sonne eingelassen war, ruhte auf ihrem Haupt. Mathan machte Platz und trat hinter seiner Tochter aus dem großen Tor, hinaus vor die Stufen. Er machte einen Schritt zur Seite, sodass Isanasca neben ihrer Mutter stehen konnte, sie trug noch immer ihre volle Rüstung und zwei ihrer Schwerter, darunter auch Fâncrist. Ein silberner Haarreif hielt ihre langen, blonden Haare aus dem Gesicht. Er spürte Ivyns Anwesenheit, konnte sie aber nicht sehen. Selbst Luscora stand im Schatten einer der Säulen des Vorbaus – hinter einem Palastgardisten versteckt. Mathan unterdrückte ein stolzes Schmunzeln und blickte wieder nach vorn. Seine Familie war hier. Gerade als er an seine Geliebte denken wollte, schob sich eine warme, schmale Hand in die Seine. Er musste sofort lächeln. Mathan drückte sie sanft und Halarîn legte ihren Kopf an seine Schulter. Ein rascher Seitenblick verriet ihm, dass seine Frau mit der Hilfe einer Zofe gekommen war, die sich gerade knapp verneigte. Er schenkte ihr ein dankbares Lächeln und strich seiner Frau über das blasse Gesicht.
Halarîn lächelte flüchtig und nickte nach vorn. „Da kommt er.“
Faelivrins Palastgarde begleitete den Tross Dunländer im Laufschritt. König Aéd saß auf einem großen Fuhrwerk – einem massiven Streitwagen, der von wahrhaft großen Pferden gezogen wurde. Mannshoch waren sie und sorgten für aufgeregtes Getuschel unter den Elben. Der Wolfskönig blickte sich neugierig um, grüßte hier und da einige Elben, die eine Begrüßung riefen. Es kam zwar selten vor, aber einige Avari, meist Manarîn, hießen ihn willkommen. Als er auf dem Palastvorplatz einfuhr, heftete sich sein Blick sofort auf die breite Treppe und dem Ehrenspalier davor.
„Das ist neu“, murmelte Halarîn beeindruckt und richtete sich zu voller Größe auf. Ihre Hand blieb fest in seiner, offenbar um das Gleichgewicht zu behalten. Er packte fest zu.
Der Wolfskönig saß selber auf dem Kutschbock und fuhr langsam, sodass seine Wolfskrieger hinter ihm Schritt hielten konnten. Rechts und links von ihnen liefen etwa fünfzig Palastgardisten, die auf dem langen Weg quer durch die Stadt postiert waren und sich dem Tross angeschlossen hatten, wenn er sie passierte, um Aéd die Ehre einer Eskorte zu erweisen. Mathan konnte sehen, dass der Wolfskönig ein klein wenig nervös wirkte und ein wenig nachdenklich. Der Eindruck verflog aber, als er gekonnt das Gespannt zum Stehen brachte. Seine Krieger, von denen acht auf den massigen Pferden ritten, kamen ebenfalls geordnet zum Stehen, oder sprangen von den Pferden. König Aéd stieg als letzter ab und richtete sich zu voller Größe auf. Er trug einen neuen Helm aus Stahl, auf dem ein weißer Wolfskopf aufgesetzt war. Auf seinen Schultern ruhte ein ebenfalls weißer Wolfspelz. Sein Gesicht hatte einen ernsten Zug angenommen, als er das Spalier entlangschritt. Seine Augen glitten über die Stangenwaffen, die mit der Spitze zum Boden zeigten. Hinter ihm folgten seine Wolfskrieger. Dutzende Elbenaugen lagen auf ihnen, sodass einige von ihnen ziemlich nervös wirkten. Wahrscheinlich hatten sie noch nie so viele aus seinem Volk gesehen, dachte sich Mathan und blickte wieder zu Aéd, der vollkommen Ruhe und Autorität ausstrahlte. Der Wolfskönig stoppte an der Treppe zum Palast. Eine gebannte Stille lag auf dem Platz. Faelivrin blickte nur einen Wimpernschlag auf ihre Gäste hinab, dann setzte sie ihren Fuß zuerst auf die Stufe. Getuschel machte sie breit. Mathan hörte, wie man sich weiter hinten auf dem Platz erzählte, dass die Königin der Manarîn den ersten Schritt gemacht hatte. König Aéd reagierte sofort  trat ebenfalls auf die Treppe. Das Tuscheln verstummte augenblicklich. Die beiden Herrscher nahmen nun jeweils gleichzeitig eine Stufe, wobei Faelivrin etwas nach links schwenkte. Aéd wusste, was sie vorhatte spiegelte die Bewegung. Beide schritten betont langsam jede einzelne Stufe, sodass man schon fast mitfieberte, dass sie sich in der Mitte traten. Mathan merkte, dass Halarîn seine Hand fester griff. Schließlich war es soweit, als beide ihren Fuß auf die mittlere Stufe der Treppe setzten. Es war so unterschiedlich wie es nur sein kann. Aéds schwerer Stiefel aus Wildleder und Pelzen, gegen Faelivrins leichten Schuh aus fein gewebten Elbenstoff und einer vierfachen Lage weichen Leders als Sohle. Mathan musste ein Schmunzeln unterdrücken, als die beiden sich einfach nur anblickten. Er wusste, dass seine Tochter ein sehr gutes Gespür für Situationen hatte, aber Aéd hätte er es nicht zugetraut.
„Willkommen in Ost-In-Edhil, Wolfskönig Aéd Forathson, Herrscher des Dunlands und Häuptling vom Stamm des Schildes“, begrüßte ihn Faelivrin ihn schließlich mit sanfter Stimme. Sie hatte leise gesprochen, doch war ihre Stimme weithin zu hören. Unter leisem Gemurmel der Umstehenden streckte sie ihm eine Hand entgegen, „Ich, Königin Faelivrin Nénharma, danke Euch, dass Ihr unsere Anfrage angenommen, und die Reise nach Eregion auf Euch genommen habt.“
Aéd ergriff ihre Hand und sprach laut und deutlich: „Es ist eine Ehre, dass Ihr Euch an uns gewendet habt. Ich hoffe, dass dies ein neues Kapitel in der Freundschaft zwischen unseren Völkern aufschlägt und unsere Beziehungen als gute Nachbarn festigt.“
Das Gemurmel verstummte, als Aéd endete und Mathan spürte, dass die anfängliche Abneigung vieler Elben abnahm. 
Faelivrin schenkte ihm ein warmes, aber dennoch charismatisches Lächeln, „So wie wir auf einer Stufe stehen, so sehe ich, dass Eure Worte vom Herzen kommen und ich verspreche, dass wir auch künftig als Freunde auf einer Stufe stehen, König Aéd. Denn nur Freunde kommen zu einem in das Haus, wenn ein dunkler Sturm droht – so seit mir als Freund in meinem Hause willkommen.“
Faelivrins Garden nahm augenblicklich Haltung an und stieß ihre Waffen einmal gegen die Schilde. Das Donnern hallte einmal laut über den Platz. Das Spalier wandte sich mit dem Gesicht zum Palast. Faelivrin hielt Aéds Hand noch immer, während Isansca ihm bedeutete den Palast zu betreten. Gemeinsam schritten die beiden Herrscher die Treppe hoch, Hand in Hand als Zeichen der Freundschaft. Als sie an ihm vorüberkamen, nickte Mathan Aéd zum Gruß, als sein Blick ihn und Halarîn kurz streifte. Der Wolfskönig zwinkerte ihm rasch zu, dann war an ihm vorbei. Die schaulustigen Elben auf den Platz hatten sich inzwischen so weit verstreut, während die restliche Garde in geordneten Reihen die Treppe hinaufströmte. Ein Dutzend Elben machten sich daran die Pferde abzusatteln und zu versorgen.
Halarîn seufzte neben ihm erleichtert auf. „Endlich ist es vorbei. Ich verstehe dieses zeremonielle Gehabe nicht, aber es war auf eine merkwürdige Weise schön – wenn auch etwas spannungsgeladen.“
Mathan geleitete seine Frau zurück in die Vorhalle. Er schaute auf ein Dutzend Rücken, die in den großen Thronsaal gingen, dann sah er Halarîn an, auf deren Gesicht kleine Schweißperlen standen.
„Du solltest dich schonen“, sagte er etwas leise und überging ihren aufkommenden Protest, „Ich weiß, du bist nicht krank, aber du siehst auch nicht gesund aus.“
Halarîn schmollte ein wenig, winkte aber dann die Zofe heran, die sie sogleich stütze. „Dafür werde ich mir was einfallen“, versprach sie ihm mit einem verheißungsvollen Schmunzeln und ließ sich zurück in ihr Zimmer führen. Mathan unterdrückte ein Grinsen, da er ihre Art sich für herumkommandieren zu rächen schon kannte. Sie wusste aber, dass er es nur gut meinte – und vielleicht etwas übervorsichtig war. Mit langen Schritten folgte er ihr und der Zofe, die überrascht zurückblickte und Halarîn etwas ins Ohr flüsterte.
„Oh, dann kann er draußen schlafen“, sagte sie laut – auch wenn man hören konnte dass sie ein Lachen unterdrückte. Mathan grinste und stellte rasch einen Fuß in die Tür ihres Gemachs, bevor sie zufallen konnte.
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Allgemeine Vorschläge / Re: Allgemeine Balancediskussion
« Letzter Beitrag von Gnomi am 28. Nov 2021, 20:20 »
Hachja, die Festungen :D Ich hoffe ich verliere dich nicht in der Mitte, aber es gibt da einige Gedanken, die alle wichtig sind zu bedenken. Grundsätzlich ist Feedback für die Festungen auf jeden Fall immer gut, aber das sind eher Veränderungen, die Kartenspezifisch gemacht werden sollten und einfach mehr Rohstoffe oder so wird das Problem leider nicht lösen, sondern eher verschieben.

Erst Mal:  Es ist nicht möglich das für einen Spieler so komplett zu deaktivieren/zu verändenr.

Allgemein zu Festungen:
Ich finde nicht, dass man direkt sagen kann, dass "weil Angreifer/Verteidiger einen Vorteil/Nachteil haben, muss dieser direkt ausgeglichen werden" die richtige Herangehensweise hierbei ist. Zum einen ist jede Festung anders stark und muss theoretisch für sich selber gebalanced werden. Es gibt viele Änderungen in Festungen, die die Balance an sich schon beeinflussen und man sollte immer das Gesamtergebnis betrachten, egal wie stark die einzelnen Bereiche sind.
Zum einen sind Festungen meist 1vs2/1vs3, was eine Balanceänderung an sich ist, die Festungen an sich sind anders zu verteidigen als die äußeren Lager, meist haben Festungsspieler bereits andere Startrohstoffe oder StartCP, truppen auf den Wällen haben teilweise massive Boni usw. Es gibt also bereits einige Anpassungen für die Festungen. :) Wenn es bei bestimmten Festungen Probleme gibt, dann sollten daher nicht unbedingt Veränderungen statt finden, die für alle Festungen gelten - sonst würden sie ja auch für Cirith Ungol gelten (1vs1) und die originale Isengartkarte (auch 1vs1), obwohl hier der Festungsspieler diese Boni nicht braucht und sie hier eher schaden.

Ebenso wird es halt immer schwierig sein Festungen gegen mehr als einen Spieler perfekt zu balancen, da es (wenn man kompetitiv spielt) meist die beste Strategie ist als Festungsspieler zu rushen. Dies hat folgende Gründe:
1. Er hat selber eine Festung, muss sich also nicht um die eigene Verteidigung kümmern, während die Angreifer keine Mauern hat, sie können also sterben.
2. Wenn alle Angreifer überleben, dann hat der Verteidiger (selbst wenn er mehr Rohstoffe verdient und mehr CP hat) immer im Nachteil, da er weniger Eliteeinheiten, weniger Helden und weniger Spells hat. Je länger das Spiel geht, desto mehr ist also der Verteidiger immer im Nachteil.
3. Verteidigen bringt einem keine Vorteile - er lässt also die Gegner das machen, was sie wollen und lässt sie bestimmen wo gekämpft wird.

Wenn man also nur Zahlen ändert, dann wird es immer dazu führen, dass der Verteidiger entweder schafft zu rushen (und gewinnt) oder nicht rusht und verliert. Daher ist es schon von vornherein zum scheitern verurteilt eine Festungsverteidigung so zu balancen.

Was könnte man stattdessen machen zum balancen?

Nun, man könnte die Balance komplett verändern, indem man dem Spieler in der Festung ein Ziel gibt, welches erreichbar ist, ohne dass sie rushen müssen. Somit könnte man verteidigen und trotzdem würde es zum Ziel führen. Hierfür wäre das einfachste ein Timer ähnlich wie bei den Hordenkarten: Man gewinnt, wenn man 30 Minuten (oder eine andere Zeit) verteidigt hat, das heißt die Angreifer stehen hier immer unter Zeitdruck und der Verteidiger muss nicht angreifen.
Dies jetzt flächendeckend für alle Festungen einzuführen wäre möglich - jedoch gibt es halt auch viele Spieler, die gerne einfach große Armeen bauen und gegeneinander in die Schlacht schicken. Auf normalen Karten ist das kein Problem, da kann jeder machen was er will -  man wenn so einen Timer jedoch bei Festungen einfügt, dann wäre das Spiel automatisch nach einer bestimmten Zeit beendet, selbst wenn die beiden Spieler es nicht wollen.
Man hat hier also auch das Problem von verschiedenen Spielertypen.
Weiter kann man auch argumentieren, dass mehr Geld für den Festungsspieler nicht passt - weil eigentlich sollte er ja nicht genauso gut Verstärkungen erhalten können, wie die Angreifer.

Das war der Grund, weshalb wir die Festungen damals mehr als "Sandkastenkarten" für Freunde gelassen haben - so können Spieler entweder normal auf Sieg spielen (hier muss der Verteidiger halt rushen), sie können Verteidigungen stellen (indem sie sich eine Uhr stellen) oder einfach so Truppen bauen und Spaß haben - ansonsten würden wir immer für mindestens eine der Gruppen ihnen ihr Lieblingsspielerlebnis entfernen.

Wenn man jedoch das Gefühl hat, dass eine Karte für eine der Methoden keinen Spaß macht/nicht spielbar ist, dann kann man da natürlich die Karte noch ändern, aber das würde ich dann eher Kartenspezifisch machen, als so allgemeine Buffs für alle Verteidiger in Festungen. Dafür freuen wir uns dann natürlich auf Feedback welche Festungen speziell was für Probleme haben. :)
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Allgemeine Vorschläge / Re: Allgemeine Balancediskussion
« Letzter Beitrag von Seleukos I. am 28. Nov 2021, 13:58 »
Das klingt sinnvoll, ja.
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Allgemeine Vorschläge / Re: Allgemeine Balancediskussion
« Letzter Beitrag von Singollo am 27. Nov 2021, 20:53 »
Mir ist aufgefallen, dass auf Festungsmaps der Festungsspieler durch das Versorgungswege-System stärker benachteiligt wird, als die Belagerer, da er verhältnismäßig mehr Bauplätze besitzt. Auf Festungsmaps soll ja generell keine 1vs1, sondern eine 1vs2 bzw 1vs3 Situation geschaffen werden, daher denke ich, es wäre sinnvoll, diesen Nachteil für den Festungsspieler abzuschwächen oder anderweitig auszugleichen.
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