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Der Düsterwald / Rhosgobel
« Letzter Beitrag von Eandril am Heute um 00:02 »
Oronêl und Kerry aus dem tiefsten Wald

Die finsteren, eng zusammenstehenden Bäume des Düsterwaldes schienen lichter und freundlicher zu werden, je weiter Oronêl und Kerry nach Südwesten gelangten, weiter von der Düsternis Dol Guldurs entfernt. Auch Geräusche des Waldes waren nun wieder zu hören, freundliche, natürliche Geräusche von Tieren, die diesen Wald noch ihre Heimat nannten - nicht die bedrohlichen Geräusche, die den Wald weiter im Norden beherrschten. Eichhörnchen rannten die Stämme der Bäume hinauf, und in den Wipfeln und im Unterholz zwitscherten Vögel, immer auf der Suche nach Nahrung. Erst jetzt bemerkte Oronêl, wie sehr ihm die Finsternis des Waldes in den letzten Tages auf der Seele gelegen hatte, und er atmete tief durch. Auch die Luft an sich schien frischer, reiner zu schmecken. 
Unvermittelt traten sie auf eine Lichtung hinaus, die von der Sonne des späten Nachmittags in ein goldenes Licht getaucht wurde, und Oronêl hörte Kerry neben sich tief Luft holen. "Ich hätte nicht gedacht, dass es einen solchen Ort hier im Wald gibt", meinte sie erstaunt. Oronêl lächelte. "Glaubst du, Radagast würde an einem finsteren Ort leben? Das hier ist der Große Grünwald, wie er einst war, bevor Saurons Finsternis ihn verdarb, als die Elben darüber herrschten."
"Hier haben auch Elben gelebt?", fragte Kerry. "Wer waren sie?"
"Nun...", sagte Oronêl langsam. "Einer von ihnen steht neben dir." Kerry schüttelte verwundert den Kopf. "Aber ich dachte, du kommst aus Lórien. Und das ist doch auf der anderen Seite des großen Flusses."
"Heute ist das so", antwortete Oronêl. "Doch vor langer Zeit, als es noch Lórinand genannt wurde, erstreckte es sich bis zur Ostgrenze des Großen Grünwaldes - wie auch das Waldlandreich unserer Verwandten viel größer war, und bis zu dem Ort reichte, wo heute Dol Guldur liegt. Ich erinnere mich noch gut an diesen Baum." Er deutete auf die mächtige, sichtlich uralte Eiche in der Mitte der Lichtung, zwischen deren gewaltigen Wurzeln ein kleines, gemütliches Holzhaus lag. "Ein guter Freund von mir hatte darauf ein Flett gebaut, doch er ist schon lange fort. Heute nennt man diesen Ort..."
"Rhosgobel", ergänzte eine tiefe Stimme hinter ihnen. Kerry fuhr geradezu herum, während Oronêl sich langsam zu Radagast umwandte - er hatte die Schritte des Zauberers bereits hinter sich gehört. "Meister Radagast", sagte er. "Ich freue mich, dich zu sehen - doch warum hast du dich so an uns angeschlichen?" Für einen Augenblick huschte ein Schatten über das lächelnde Gesicht Radagasts. "Der Wald ist dieser Tage selbst hier nicht ungefährlich. Ein Vogel brachte mir Nachricht, dass sich zwei Zweibeiner Rhosgobel näherten, die er nicht kannte - ein Mann und eine Frau, wobei ihm der Mann irgendwie sympatischer zu sein schien."
Kerry murmelte etwas, das wie "Spatzenhirn" klang, und Radagast lachte leise. "Die meisten Vögel sind klüger, als ihr Menschen glaubt, junge Dame. Es ist nun aber so, dass sie Elben in der Regel lieber mögen als Menschen, insofern hat dein Begleiter natürlich einen Vorteil."
"Dann hat er Oronêl noch nicht zu seinen griesgrämigen Zeiten kennengelernt", erwiderte Kerry mit einem Seitenblick zu Oronêl, der ihm klar machte, dass sie seine Entscheidung noch lange nicht akzeptiert hatte. Radagast hingegen lachte herzlich über Kerrys Aussage. "Im Gegensatz zu diesem Vogel finde ich dich sehr sympathisch - auch wenn wir uns, wie ich glaube, noch nicht begegnet sind."
Kerry schüttelte den Kopf. "Ich heiße Kerry - oder Déorwyn, oder Morilië, was immer euch lieber ist." Radagast zog eine buschige Augenbraue in die Höhe. "Nun, du hast eine ganze Menge Namen für ein so junges Ding. Aber ich werde bei Kerry bleiben. Kerrrry - der Klang gefällt mir." Kerry warf Oronêl einen leicht verwunderten Blick zu, und er zuckte nur leicht mit den Schultern. Schließlich besaßen alle Zauberer einen etwas wunderlichen Ruf, natürlich mit Ausnahme Sarumans, dessen Ruf einfach nur finster war.
Radagast klatschte in die Hände. "Aber wir sollte hier draußen nicht die Zeit vertrödeln. Kommt herein, und macht es euch in meinem Haus gemütlich."

Nur kurze Zeit später saßen die drei im Hauptraum von Radagasts Haus um ein munter knisterndes Feuer herum, denn zu dieser Jahreszeit wurden die Nächte auch im südlichen Düsterwald mitunter bereits empfindlich kalt.
Oronêl und Kerry berichteten dem Zauberer abwechselnd, was sie gemeinsam erlebt hatten, seit Oronêl Imladris in Richtung Fornost verlassen hatte. So viel war in der Zeit geschehen, dass es Oronêl viel länger vorkam als die wenigen Monate, die tatsächlich vergangen waren, und als sie mit ihrer Erzählung zum Ende kamen, war es draußen bereits dunkel geworden, und das Feuer warf tanzende Schatten an die hölzernen Wände.
"Und was ist dir widerfahren seit wir uns das letzte Mal sahen, Radagast?", fragte Oronêl schließlich. Der Zauberer saß ihm und Kerry gegenüber und rauchte Kraut in einer langen, gebogenen Pfeife - eine Angewohnheit, die beide bereits zuvor bei Gandalf beobachtet hatten. Auf seinem Schoß lag ein Eichhörnchen, dass zuvor aufmerksam gelauscht zu haben schien, inzwischen aber eingeschlafen war. "Nun, dieses und jenes", erwiderte Radagast. "Nichts davon auch nur annähernd so bedeutend oder dramatisch wie die Abenteuer, die ihr erlebt habt, aber ich habe einiges getan um zu verhindern, dass die Schatten sich weiter ausbreiten - auf meine eigene Art."
Er strich mit dem Zeigefinger sanft dem schlafenden Eichhörnchen über den kleinen Kopf. "Viel interessanter ist natürlich, was dieser kleine Unhold zu berichten hatte. Während meiner Abwesenheit sind drei Leute nach Rhosgobel gekommen - eine Elbenfrau mit zwei Geschichten, ein Mann, der eher einem Bären gleicht, und ein unverbesserlicher Einmischer. Sagen euch diese Beschreibungen etwas?" Oronêl schüttelte den Kopf, und Radagast lachte in sich hinein. "Nein? Nun, mir sagen sie jedenfalls etwas." Oronêl wartete geduldig ab - wenn der Zauberer vorhatte, das Rätsel aufzuklären, würde er es tun, und wenn er es nicht vorhatte, würde nichts was sie sagten, ihn dazu bewegen können, es doch zu tun.
Kerry war nicht so geduldig. "Das ist ja schön, dass ihr Bescheid wisst. Also, wer waren diese Leute? Jemand, den wir kennen?"
Radagast schmunzelte. "Niemand, den du kennst, Kerry. Aber was Oronêl angeht - er kennt zumindest zwei von ihnen. Und wenn mich nicht alles täuscht, wird er ihnen in nicht allzu ferner Zukunft auch begegnen."
"Das glaube ich nicht", sagte Oronêl leise, und er spürte, wie sich Kerrys Blick plötzlich auf ihn richtete. Auch Radagasts Augen fixierten ihn unter seinen buschigen Augenbrauen hindurch. "Ich verlasse Mittelerde", erklärte er ruhig. "Es ist zu viel geschehen, dass... nun, sagen wir einfach, dass meine Zeit vorüber ist."
"Damit kommen wir zum wahren Grund eurer Reise, den ihr bislang verschwiegen habt." Radagast nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife. "Viele haben schon vor dir geglaubt, dass ihre Zeit gekommen ist. Und viele haben sich geirrt."
"Ich irre mich nicht", erwiderte Oronêl mit fester Stimme. "Die Zeit für mich ist gekommen zu denen zurückzukehren, die ich liebe."
Kerry machte eine unwillkürliche Bewegung, doch bevor sie etwas sagen konnte, sprach Radagast. "Die Herzen der Elben sind nicht mein Spezialgebiet, fürchte ich - hier wäre Gandalf deutlich geeigneter als ich. Ich möchte dir nur eine Frage stellen. Was ist mit denen die du liebst, die hier sind?"
Für einen Augenblick fehlten Oronêl die Worte, und diese Gelegenheit ergriff Kerry. "Hörst du, was er sagt?", fragte sie, und Oronêl konnte Wut und Enttäuschung in ihrer Stimme hören. "Wieso läufst du davon, wenn es noch so viel hier gibt, für das es sich lohnen würde, hier zu bleiben? Zählen wir alle nichts?"
"Ich laufe nicht davon." Oronêl verdrängte die Schuldgefühle, die in ihm aufgestiegen waren, und ersetzte sie durch Zorn - einen Zorn, der vollkommen unberechtigt war. "Du kannst das nicht verstehen, Kerry. Eines Tages hat man zu viel verloren, um noch weiterzukämpfen. Und dieser Tag ist vor einer Woche für mich gekommen. Mein Entschluss steht fest."
"Du hast zu viel verloren?", fragte Kerry, jetzt eindeutig zornig. Ihre Augen glänzten im Schein des Feuers verdächtig. "Ich habe in gerade drei Jahren meine Heimat verloren, meine Mutter sterben sehen, habe jahrelang gedacht, mein Vater wäre tot, und ich habe in jeder Schlacht, die ich erlebt habe, Freunde sterben sehen. Aber will ich einfach aufgeben und mich davon machen?" Sich gegenüber sah Oronêl Radagast anerkennend lächeln, und irgendwie ließ ihn das noch zorniger werden.
"Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst, du bist nur ein Mensch", erwiderte er kalt.
"Natürlich bin ich nur ein Mensch", gab Kerry, der Tränen über die Wangen liefen, zurück, und jetzt schrie sie bereits. Das Eichhörnchen auf Radagasts Schoß schreckte aus dem Schlaf auf, sprang auf den Boden und lief in den Schatten davon. "Aber wenigstens bin ich nicht selbstsüchtig und kein... Feigling!"
Oronêl sprang von seinem Sitz auf, riss die Tür des Hauses auf, und eilte ohne ein weiteres Wort in die dunkle Nacht hinaus, während Kerry mit Radagast alleine zurückblieb. Draußen blieb er einige Meter von Radagasts Haus entfernt stehen, unter den Ästen der uralten Eiche, und blickte zum sternenübersäten Nachthimmel hinauf, die Hände hinter dem Rücken.
"Was wollt ihr nur alle von mir?", flüsterte er leise, beinahe unhörbar. Selten hatten ihn Worte so heftig getroffen wie Kerrys Vorwürfe, und ein kleiner Teil in ihm begann zu zweifeln, ob sie nicht recht hatte. Vieles, was er liebte, würde er hier in Mittelerde zurücklassen, in der ständigen Gefahr, von Saurons Schatten verschluckt zu werden. Doch jegliche Kraft, dagegen anzukämpfen, schien ihn mit den Ereignissen am Waldrand verlassen zu haben. "Wenn es jemanden gibt, der mir Kraft geben kann", sagte er leise und verzweifelt. "Dann tut es, und vielleicht... vielleicht ist mein Tag noch nicht gekommen." Doch die Sterne antworteten nicht, und schienen weiterhin gleichgültig auf ihn hinab, bis die Sonne sich über die östlichen Wipfel erhob und sich die Tür von Radagasts Haus hinter ihm öffnete.
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Also ich benutze zum Erstellen und Einbinden der Images die Free Edition von Alcohol 120%, die funktioniert ganz wunderbar. :)
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@Leviathan, @Ar-Sakalthor:
Für jedes Spiel habe ich mindestens 3 DVD zum Teil einzeln, zum Teil in einer Box ( Anthologie mit  Aufstieg des Hexenkönigs)
Mindestens 3 Discs pro Spiel hat er meinte er. Aber er will ein virtuelles Laufwerk damit die Discs nicht verkratzen. Die Patches sind ja auch nicht auf den DVDs drauf und im Internet für überteuerte Preise im Angebot ;)

@compagan: Dafür brauchst du ein spezielles Programm. Welches genau das ist kann ich auch nicht sagen, weil ich bislang bei meinen Versuchen immer fehlgeschlagen ist (ISO konnte erstellt werden, aber anscheinend hat dann doch der Kopierschutz gegriffen und ich konnte es nicht korrekt starten)
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Du brauchst die Patches nicht auf den Virtuellen Images. Nur die Spiele CDs müssen als Virtuelles Image haben. Du kannst ganz bequem die Spiele patchen. Die Images müssen das nicht. Denn das spiel muss nur die CD, oder in deinem fall die Image erkennen.
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Hallo,
besitzt du denn die Spiele/DVD bereits? Hab das nicht ganz verstanden.
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[Elvenstar] Support / Herr der Ringe 1 und 2 im virtuellen Laufwerk Spielen.
« Letzter Beitrag von compagan am Gestern um 03:06 »
Hallo, ich spiele seit erscheinen beide Spiele fast jede Woche. Klingt bestimmt bekloppt aber ich liebe diese Spiele besonderst Die Schlacht um Mittelerde 1. Für jedes Spiel habe ich mindestens 3 DVD zum Teil einzeln, zum Teil in einer Box ( Anthologie mit  Aufstieg des Hexenkönigs) Alle Spiele habe ich auf WIN 10 laufen. Nun mein Problem:
Bei den Preisen für saubere DVD könnte ich mir keine mehr leisten und möchte die Spiele auf virtuelle Laufwerken installieren. Meine Fragen dazu. Wie bekomme ich die Patches für die Spiele in die Image Dateien? Einfach nur einkopieren? vor dem einbinden? Ich habe das ein mal probiert, ging aber nicht oder ich habe was falsch gemacht. Meine Bitte an euch: Behandelt mich wie einen kompletten Computerlaien.
Noch meine Hardware:
3,80 gigahertz AMD FX -4300 Quad-Core
4096 kilobyte secondary memory cache
4096 kilobyte tertiary memory cache
64-bit ready
Multi-core (2 total)
Hyper-threaded (4 total)
WIN 10 Pro Up vom April 2018
com
compagan@gmx.de
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The Lord of the Rings / Re: Annals of Aman
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 00:26 »
Zitat
Higher than mount or wall,
The Blue Titan rises in storm,
From beneath the seas, from his deep hall,
Calming the waters with music, making the cold warm.

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RPG Library / Re: Dismay and Sorrow
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 00:16 »
UNDONE SHIELD



Zitat
Broken and won,
Vanquished and lit by the dawn,
Many knights have fallen, dead,
Silent, though still fiery of the command which them led.

Undone is the shield,
Of a maiden, resting akin on the field,
Of a hero who evil fought,
A king of despair ruling on ghoulish lot.
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RPG Library / Re: The Hearth of Tales
« Letzter Beitrag von Walküre am Gestern um 00:01 »
SO LOVELY A PLACE



Zitat
So lovely a place,
Such joy in that merry face,
This is how we carry on life,
Always adventure, such betwixt husband and wife.

Nay, we speak not of a journey,
Bad, if the Hobbit not unto morn lay!
In his warm bed, awaiting another day of good doing,
Smiling at labour and facing all ensuing.
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Linhir / Re: In der Nähe von Linhir
« Letzter Beitrag von Eandril am 14. Jul 2018, 23:57 »
Hilgorn aus Linhir

Die Sonne hatte gerade den Scheitelpunkt ihrer Bahn erreicht, als Hilgorn in Begleitung von drei Soldaten und Balvorn Linhir in Richtung Westen verließ. Eigentlich hatte er überhaupt keine Eskorte mitnehmen wollen, doch Balvorn und der neue Stadtkommandant, ein Mann namens Faron, hatten darauf bestanden zumindest einige Soldaten mitzunehmen. Sie folgten der Straße, die in südwestlicher Richtung entlang der Bucht führte, an deren nördlichem Ende Linhir lag. Hier würden sie auch bald auf das Schiff aus dem Süden treffen, dass Amros' Späher aufgebracht hatten. Der Tírn Aear hatte das Schiff klugerweise nicht direkt nach Linhir bringen lassen, sondern zu einer kleinen Bucht einige Meilen von der Stadt entfernt, wo Schiffe einigermaßen gut ankern konnten.
Die Sonne schien Hilgorn direkt ins Gesicht, und auch wenn sie ihn blendete freute er sich über das Gefühl der Wärme auf seiner Haut. Zwar ließ die Kraft der Sonne allmählich nach, doch noch war sie kräftig und vertrieb die Dunkelheit. Vom Quartiermeister hatte er eine neue Uniform bekommen, die seinen Rang auch ohne die Rüstung erkennen ließ, denn auf die Schnelle hatten sich keine gut passende Rüstung als Ersatz für die im Gilrain versunkene auftreiben lassen, und für den Augenblick war Hilgorn auch nicht unglücklich über ihr Fehlen. Diesseits des Gilrain drohte keine Gefahr von Angriffen, denn die Korsaren waren geschlagen, die Haradrim mit sich selbst beschäftigt, die Orks mieden das Meer und die Flotte Gondors wachte über seine Küsten. Das war ihr einziger Vorteil, dachte Hilgorn - solange Rohan stand, wussten sie sicher, aus welcher Richtung der Angriff erfolgen musste.
Die Straße stieg nun leicht an, als die Küste steiler abfiel - steinige Klippen erhoben sich über einem schmalen Streifen Strand. Hinter einer weiteren Biegung führte ein schmaler Pfad zu der Bucht hinab, in der drei Schiffe lagen. Zwei der Schiffe führten die Banner von Dol Amroth und Gondor, während über dem dritten, schlankem Schiff aus hellem Holz, keinerlei Flagge wehte. Hilgorn und seine Begleiter saßen ab, denn der Pfad war zu schmal und steil für die Pferde. Die drei Soldaten, die die Eskorte bildeten, blieben oben auf der Klippe bei den Pferden zurück, während Hilgorn, gefolgt von Balvorn den Pfad zum Strand hinunter kletterte.

Unten auf dem weichen Sand erwarteten sie eine Gruppe Seesoldaten, die drei Personen bewachten, zwei Frauen und einen Mann. "General Thoron", begrüßte einer der Soldaten Hilgorn, und salutierte. "Ihr habt die Nachricht also erhalten."
"Ich habe sie erhalten", erwiderte Hilgorn. "Und nun würde ich mir gerne ansehen, was - oder vielmehr wen - ihr da gefangen habt."
Die Männer traten beiseite, sodass Hilgorn einen freien Blick auf die Gefangenen hatte. Ihnen waren offenbar die Waffen abgenommen worden, doch ihre Hände waren nicht gefesselt - also schienen die Männer keine allzu große Gefahr in ihnen zu sehen. Der Mann, dessen ergraute Haare bis auf die Schultern reichten, und die größere der beiden Frauen, deren Haare unter einer schwarzen Kapuze versteckt waren, erwiderten seinen Blick ohne die geringste Regung. Die zwei der Frauen, ein Mädchen von sicher nicht ganz zwanzig Jahren mit langen, unordentlichen, hellbraunen Haaren, wich ihm aus. Ihr Gesicht zeigte eine krankhafte Blässe.
"Also schön", begann Hilgorn. "Wer seid ihr, und welche Angelegenheiten führen euch nach Gondor?" "Wir wollten gar nicht hier her!", erwiderte zu seiner Überraschung das junge Mädchen. "Dieser Sturm hat uns vom Kurs abgebracht, eigentlich wollten wir nach..."
"Still, Serelloth", unterbracht die andere Frau sie mit scharfer Stimme, ohne den Blick von Hilgorn abzuwenden. Sie war ein wenig älter als ihre Begleiterin - Hilgorn schätzte, dass sie ungefähr in seinem eigenen Alter war - und ihre Züge waren ein wenig kantiger als üblich, doch sie war trotzdem recht gutaussehend. "Unsere Angelegenheiten sind unsere Sache, doch wir sind Freunde Gondors und seiner Bewohner. Wenn ihr das ebenfalls seid, solltet ihr uns ziehen lassen." Etwas in ihrem Ausdruck verursachte Hilgorn Unbehagen. Sie wirkte beinahe, als könnte sie es selbst ohne Waffen mit all ihren Bewachern zugleich aufnehmen.
"Mein Name ist Hilgorn", erwiderte er vorsichtig. "Ich bin Offizier in der Armee Dol Amroths - verzeiht unser Misstrauen, doch immer wieder haben wir Verräter und Spione in unseren Reihen. Und wir können uns nicht den kleinsten Fehler erlauben." Er blickte der Frau direkt in die dunklen Augen, und sie blickte ebenso fest zurück. In diesem Augenblick drehte sich das Mädchen Serelloth plötzlich zur Seite, fiel auf die Knie und übergab sich geräuschvoll auf den Sand. Sofort kniete auch ihre Begleiterin neben ihr, und strich ihr mitleidvoll über den schmalen Rücken.
"Seekrankheit", meinte der grauhaarige Mann mitleidig. "Immer, wenn wir ein wenig Seegang hatten, hing das arme Mädchen über der Rehling." Er wandte sich Hilgorn zu. "Hört mir zu. Mein Name ist Hallatan, ich bin der Kapitän der Thoroval." Bei diesen Worten deutete er auf das schlanke Schiff hinter sich, und Hilgorn stutzte, als er die Namen hörte. Die Namen waren eindeutig nach Art der Nachfahren Númenors, ebenso wie Serelloth, und das Mädchen und der Kapitän sahen beide aus, als würden sie von den Númenorern abstammen, während die ältere Frau eher aus Harad zu stammen schien. "Wenn ihr Offizier in der Armee seid, kennt ihr vielleicht Valion vom Ethir. Ich bin ihm und seiner Schwester vor einiger Zeit begegnet..." "... auf einer Insel namens Tol Thelyn", beendete Hilgorn den Satz für ihn. Er erinnerte sich gut an das, was Valion von dieser Reise in den Süden erzählt hatte. "Ihr könnt mir sicherlich auch erzählen, wie der Kapitän hieß, mit dem sie gereist sind - und wie sein Schiff."
Erleichterung malte sich auf Hallatans Gesicht, als er antwortete: "Veantur, Kapitän der Súlrohír. Ein guter Mann, und ein gutes Schiff." Hilgorn nickte. "Nun, in diesem Fall..." Er wurde von Serelloth unterbrochen, die ihren Übelkeitsanfall offenbar überwunden hatte, und nun ein wenig schwankend auf die Füße kam. "Jetzt hört mir mal zu, ihr... Soldat." Sie sprach das Wort mit größtmöglicher Verachtung aus, und dennoch musste Hilgorn lächeln. Ihre Entschlossenheit beeindruckte ihn, und er musste an Iorweth denken - er konnte sie sich nur allzu gut in Serelloths Alter vorstellen. "Wir sind nicht mit Absicht hierher gesegelt, wir wollten zum Anduin, nur hat uns dieser Sturm abgetrieben."
"Zum Anduin?", fragte Hilgorn verwundert. "Das ganze Land dort ist von Mordor besetzt, wozu wolltet ihr euch in solche Gefahr begeben?"
"Eben nicht das ganze Land", gab Serelloth entschieden zurück. Ihre Seekrankheit schien immer mehr nachzulassen, und ihr Gesicht gewann allmählich die Farbe zurück. "Mein Vater und seine Freunde kämpfen immer noch in Ithilien. Sie hatten mich und Beregond nach Harad geschickt um..."
"Eine ganze Menge Dinge zu tun", unterbrach ihre Begleiterin sie erneut. "Und dabei mehr Abenteuer zu erleben, als für sie gut war." Sie warf die Kapuze ab und entblößte schulterlanges, braunes Haar, dass etwas dunkler war als das von Serelloth. "Mein Name ist Ta-er as-Safar vom silbernen Bogen. Wir mussten sicher gehen, dass ihr nicht in Diensten Mordors steht, denn einige von uns... reden zu viel." Dabei warf sie einen halb strafenden, halb belustigten Blick zu Serelloth, die demonstrativ in die andere Richtung blickte. "Wie Serelloth bereits sagte, waren wir auf dem Weg zur Anduinmündung und dann den Fluss hinauf nach Ithilien, zu den Verstecken der Waldläufer dort. Ich hatte gehofft, vielleicht Valion und Valirë in ihrer Festung dort anzutreffen."
"Dann ist es gut, dass der Sturm euch abgetrieben hat", meinte Hilgorn. "Der Ethir ist in Mordors Hände gefallen und geschleift, und dieser Weg hätte in eurem sicheren Tod geendet." Bei seinen Worten schien sämtliches Blut, das gerade erst den Weg zurück dorthin gefunden hatte, wieder aus Serelloths Gesicht zu weichen. "Dann müssen wir umso eher dorthin, denn dann sind mein Vater und meine Freunde dort in Gefahr!"
"Was ist mit den Zwillingen geschehen, als die Festung fiel?", fragte Ta-er. "Ich kenne sie nicht sehr gut, doch sie waren gute Leute." "Sie waren nicht dort", antwortete Hilgorn. "Vor einiger Zeit sind sie nach Westen in die Heimat ihrer Mutter aufgebrochen, und als ich Dol Amroth verließ, waren sie noch nicht zurückgekehrt."
"Das ist doch nicht wichtig", fiel Serelloth entschlossen ein. "Ta-er, wir müssen nach Ithilien."
"Das kann ich nicht ohne weiteres zulassen", sagte Hilgorn, bevor Ta-er etwas erwidern konnte, und Serelloths Augen verengten sich. "Wir in dieser Nacht nur knapp einer absoluten Niederlage entgangen, und verteidigen nun mit aller Kraft die Linie des Gilrain. Ithilien liegt weit östlich davon, und selbst wenn es dort noch Waldläufer gibt, liegen alle Heere Mordors zwischen uns und ihnen. Ich allein kann die Entscheidung nicht treffen, euch dorthin ziehen zu lassen, nicht, nachdem ihr hier gewesen seid. Selbst wenn ihr keine Spione seid, werdet ihr gefangen genommen, wird Mordor einen Weg finden euch alles zu entlocken, was ihr wisst. Und jede Information über unsere Verteidigung, und sei sie noch so klein, kann das sein, was Sauron fehlt um uns niederzuwerfen."
Serelloth wollte protestieren, doch Ta-er hob die Hand. "Und wer kann diese Entscheidung treffen?"
"Fürst Imrahil von Dol Amroth", erwiderte Hilgorn. "Also gut. Dann bringt uns zu ihm." Nichts von alldem, was Hilgorn gesagt hatte, schien Ta-er aus der Ruhe zu bringen, und sie stand noch immer hoch aufgerichtet vor ihm, mit undurchschaubarer Miene - im Gegensatz zu Serelloth, der jede Gefühlsregung am Gesicht abzulesen war.
Hilgorn seufzte. "Na schön. Die Thoroval wird zum Hafen von Dol Amroth begleitet werden." Allein bei dem Gedanken, erneut einen Fuß auf das Schiff zu setzen, wurde Serelloth ein wenig grüner im Gesicht, und Hilgorn schmunzelte. "Wer keinen Wert darauf legt, mit dem Schiff zu fahren, ist allerdings herzlich eingeladen, mich auf dem Landweg nach Dol Amroth zu begleiten."
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